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Mittwoch, 22. April 2015

Befreiungsbewegung Islam (3)

Teil 3) Perspektiven





Der Islam war ausgelöst und ausgebreitet von Völkern und unteren Bevölkerungsschichten (Beduinen waren die erste Kerntruppe der Muslime), die das erste mal in ihrer Geschichte, allmählich auch durch religiöse Doktrine geeint und zur umstürzenden (erobernden) Gewalt legitimiert, in der Lage waren, durch sich, durch ihre Art Ansehen und Macht zu erreichen. Der Kampf des christlichen Europa gegen den Islam war in Wahheit ein Kampf gegen eindringende heidnische (Ost-)Völker. Nach den Hunnen, nach den nicht zu vergessenden nordischen heidnischen Völkern (!), waren es bereits unter der Fahne des Islam die arabischen Stämmen, und die ebenfalls zuvor heidnischen Mongolen, und darauf die Türken, die das Christentum schwer bedrängten und mehmals bis an den Rand der Auslöschung brachten. Die asiatischen Völker erneuerten dabei jeweils den islamischen Expansionsdrang, nahmen die so einfache Religion an, die ja im Wesentlichen allgemeine, ausgewählte Sätze über Gott verbreitete, gegen die kaum jemand etwas sagen konnte und die ohne komplexe Verstehensvorgänge einleuchtete.

Der Islam war, wie salopp aber zutreffend von Hilaire Belloc formuliert, "modern" in seinen Ansichten. Und noch heute ist die hohe Affinität von Muslimen und Moderne unübersehbar, man lasse sich da nicht durch (nur scheinbar) antiquierte einzelne Lebensformen täuschen. (Der arabische Frühling ist ein einziges Zeugnis dafür!) Wie modern der Islam war, zeigt sich, daß auch Europa, wiewohl allmählich in Gegenaffekt gesammelt, mit ähnlichen Problemen zu kämpfen begann - wie der Bildersturm (besonders in Byzanz, aber auch Karl der Große war nicht frei davon) bezeugt. 

Während das Medium der sich von der Rede abkoppelnden Schrift - sehr von Karl befördert! - seinen Siegeszug der "nominalen Sprachinhalte" antrat, wie sie uns heute in Internet und social media (ja, eigentlich schon in der Photographie, und damit im Film) in Reinform begegnet.

Eine Neubewertung der Kreuzzüge wäre aus dem Gesagten natürlich höchst an der Zeit, denn sie waren strategisch gesehen (zumindest am Anfang) eine richtige und legitime "Vorwärtsverteidigung" gegen Expansionsstrebungen eines technisch-wirtschaftlich wie (durch asiatische Zuströmungen) militärisch immer mächtigeren, zentralistischen Gegner.* Europa begann zu erwachen, reagierte, und erhielt durch das Neue, das man im Orient sah, einen regelrechten Modernisierungsschub (der in der Reformation, in der Renaissance seinen definitiven geistigen Niederschlag fand).

Aber es unterlag militärisch. Mit weitreichenden Folgen: der Erfolg der Einzelfürsten, der Erfolg der Reformation, ist nicht zuletzt auf die Schwächung der Zentralmacht des Kaisers durch die notwendige Abwehr islamisch-türkischer Angriffe zurückzuführen, die nicht nur Kräfte band, sondern um Kräfte aufzustellen viele Kompromisse notwendig machte. Der Aufstieg des antikaiserlichen, zentralistischen Frankreich zur Zentralmacht Europas im 17. und 18. Jhd. ist sogar direkt auf deren Bündnis mit den "moderneren" Muslimen zurückzuführen. Aber die Haltung Europas gegenüber dem Islam war für fast ein Jahrtausend vergleichbar der Haltung Westeuropas dem Bolschewismus gegenüber.

Beides: Moderne, egalitaristische Bewegungen, deren Anfänge eine einzige Geschichte aus Intrige und Mord ist, in der Emporkömmlinge (pars pro toto: Mohammed war, ob real oder nur als Symbol, Archetyp dieses nach-oben-Kommens und damit Archetyp einer Bewegung; vom Kameltreiber, über reiche Heirat, zum Anführer eines Volkes, zum Gründer einer Religion) nach der Macht griffen. Und sich geschickt alles zunutze machten, was ihnen nutzen konnte. Und beide, übrigens, sind letztlich an der materiellen Überlegenheit des Westens gescheitert, so wie die Türkei, die islamische Welt im 18. Jhd, als sie Europa erstmals nachzuhinken begann, und schließlich verdrängt wurde.

Das Gesagte berührt auch den Kern dessen, was "islamische Toleranz" genannt wird - es war schlicht Pragmatismus. Der Islam selbst war nie tolerant, sondern immer eine positivistische, utopistische Bewegung, die fanatische Charaktere wie magisch weil wesensadäquat anzieht, und aus diesem Wesen heraus nur als Reformbewegung, als Bewegung GEGEN eine Ordnung bestehen kann.  Er wird deshalb immer expansionistisch sein, weil das seine Grundbewegung ist. Er erlischt sonst.

Weil er diese Gefahr damit als Grundgestimmtheit hat, ist verstehbar, warum der Abfall, alles, was sein eigenes Selbstverständnis, seine Identität in der Welt angreifen könnte, diese große Rolle als Todfeind spielt. Von der er anderseits doch abhängt, sodaß der Islam Feinde sucht, sobald er keine mehr hat. Und fehlen sie außen, sucht er sie innen, in der Tendenz zur "radikalen Religiosität" wie in der totalitären Lebensordnung.

Wer deshalb von einer friedlichen Ko-Existenz des Islam in einem ansonsten christlichen Europa spricht, weiß gar nicht, wovon er überhaupt faselt. Das ist gar nicht möglich, weil solcher "Religion" gar nicht MÖGLICH ist, was dem Christentum sogar Essenz bedeutet: die Öffnung zur Wahrheit.



Morgen Teil 4) Wohin Europa deshalb gehen wird


*Die legendäre Freundschaft von Friedrich II. mit dem ägyptischen Sultan war die Sympathie zweier sehr ähnlicher "gottgleicher" Herrschertypen. Ihr persönlicher Wille WAR Gottes Wille - der Kern der Auseinandersetzung mit der Kirche, die auch den Herrscher UNTER dem Recht sieht. Kantorowicz macht in seiner großartigen Biographie Friedrichs kein Hehl daraus. Der Staufer, der dem späteren Absolutismus in Europa (Ludwig XIV., und sogar noch sein Epigone Ludwig II. des Bayern des 19. Jhds, nehmen genau seine Gedanken auf!) die Wege geebnet hat, hat sogar ernsthaft überlegt, sich überhaupt nach Kleinasien zu verpflanzen.





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