Dieses Blog durchsuchen

Sonntag, 26. April 2015

Von der Notwendigkeit, den Papst zurechtzuweisen (2)

Teil 2) Dann schickt Gott eben Propheten





Es ist nicht der götzendienerische Glaube, der blinde Kadavergehorsam (getragen von Angst, wenn nicht Bösartigkeit, die nur noch Propagandatöne zuläßt, wenn man von Kirche und Glaube spricht, also die Sprache, das Wort, den Logos darin tötet; gar nicht selten, auf einer Linie nämlich, weil sie sich heimlich recht zählbare Vorteile versprechen, die Wurzel des Egalitarismus, der sich so gerne als "Bescheidenheit" katzengoldmünzt) an einen argentinischen Plauderanten, der seine faktische Person mit dem höchsten Amt, das die Welt kennt, das also wie bestenfalls noch ein universales Kaiseramt eine weltlich-menschliche "Figur" gar nicht mehr kennen darf, für beliebig und je nach Bedarf als austauschbar ansieht. Das zwischen Biertischgesprächen und päpstlichen Verkündigungen nicht mehr zu scheiden weiß.

Der Papst ist in persona die Kirche als Beziehungsmittelpunkt. Also muß auch alles Faktische am faktischen Papst dieser Höhe der Aufgabe angeglichen werden. Schon gar seit der Verkündigung des Unfehlbarkeitsdogmas, das die Sache noch heikler macht. Und der VdZ sagt unterscheidet bewußt zwischen "Verkündigung" des Dogmas, ein politischer Akt ALS wirkmächtige SPRACHE, und seiner Wahrheit. Denn an der Unfehlbarkeit des Petrus und seiner Nachfolger hat die Kirche nie gezweifelt, sie war immer implizites Glaubensgut. Aber in der Sprache wurde sie angreifbar, wenn die Sprache sie nicht ausreichend synthetisch ausdrücken konnte. Dann kann sie sogar - bei gleichem nominellem Wortlaut - zur Häresie werden.

Der Schaden ungenügender Sprache geht auf das Amt, dessen Autorität zur Beliebigkeit des Banalen, des "Gleichen" herabsinkt. Der die Sprache zerstört, das Denken, und damit - den Glauben, der seiner Vernunft beraubt zum fideistischen, dumpfen Aberglauben wird, wo nur noch der da vorne, der am Papstthron, vorzugeben vermag, wohin ich mich zu drehen und wenden habe, weil ich nicht einmal mehr den nächsten Schritt zu setzen wage.

Und das ist nicht einfach ein neuartiges Symptom, das ist der Hintergrund dieser sich allmählich und über Jahrzehnte immer stärkeren Papstidolatrie, die nun ihre groteskesten Züge angenommen hat.

Deshalb MUSZ ein Papst auf der Höhe der Sprache seiner Zeit sein. Nicht in der Kenntnis der Gossensprache, die mag ihm in seiner Freizeit Spaß machen, gut. Er muß deshalb lesen, im Sprachraum leben, diesen atmen, weil sich dieses Ringen um den Logos in der Sprache dort ausdrückt. Er muß auf der Höhe der Theologie der Zeit sein, ja muß dieser nächste Schritte vorgeben, sonst geht sogar seine Apologie an der Zeit vorbei.

Und, mit Verlaub, so manche vorgebliche moralische, pastorale Forderungen dieses Papstes, auch manche "Reformansätze" und "Ratschläge", wirken wie Ansätze von vor 40 Jahren, die in ihrer Zeitgebundenheit aber längst ganz andere Wege gegangen sind, sich weiterentwickelt haben, weil sie in der Welt standen, und diese darauf reagiert hat. Also immer neu aus dem Logos in die Sprache gehoben werden müssen.  Denn die Sprache ist Vielheit, Akzidens. Der Logos nur ist Einheit, in die sie lebendig rückgebunden sein muß, damit sie wahr wird, und damit die Welt eins wird.*

Aber er kann und darf nicht verlangen, sie zu ignorieren!

Wer das Amt liebt kann gar nicht anders, als seine Reinheit zu verlangen. Und zu kritisieren, wenn diese Reinheit verloren zu gehen droht. DAS ist das entscheidende Kriterium für die Heiligkeit EINES PAPSTES  als Heiligkeit der Person, die ihn repräsentiert. So, wie auch der Tischler nur ALS Tischler heilig wird und nicht, in dem er hier schlampt, dafür dort "gute Werke" tut und lieb ist. Wer den Papst anschaut, muß sicher sein, das Amt zu sehen - nicht einen Herrn Bergoglio, der gerade Sodbrennen und einen lustigen Einfall hat.

Wer - wenn nicht die intellektuelle Elite des deutschen katholischen Raumes - hat aber das Recht, ja viel mehr noch: die Pflicht, den Papst zu kritisieren, wenn er zu kritisieren ist? Denn sie sind der Leib, den sich die Kirche je neu und in Reinheit als Reinheit sucht. An dem das "Volk" dann teilhaben darf, mit Recht, weil es auf die richtige, geläuterte Gestalt (und Sprache) vertrauen darf, die ihm von der Elite überreicht wird. Wer Gottes Willen sucht und tun will, kann an der Hierarchie des Aufbaus menschlicher Gemeinschaft nicht vorbei.

Es gibt sie nicht, die Abkürzung, den "direkten Draht" (der Protestanten), das würde die Kirche obsolet machen. Nicht als Normalweg. Während sehr wohl in Krisenzeiten Gott immer wieder Herausragende, Propheten, Mahner auf den Plan gerufen hat, weil ein ganzes Volk, mitsamt ihren Anführern, ins Verderben der Nichtung torkelt, das ein Abweichen vom Willen Gottes bedeutet. Haben die dann auch nur geplaudert? Oder haben sie nicht in ihren Worten genau das getan, was Spaemann, Mosebach und einige wenige andere auch tun, die nämlich kraft ihrer Berufung (IN der sie Glieder der Kirche sind) dazu aufgefordert sind: Die herumschwirrende Sprache, das unklare Denken, auf ihren Kern zu läutern, den Logos? Indem sie uns mitteilen, wo das faktische Geschehen von diesem Logos, dem Willen Gottes, abweicht. 

Das aus und im Logos zu sehen, das zu beobachten, und in die Sprache zu heben ist nämlich IHR Charisma. Das zu besitzen gerade erwähnte Personen hinlänglich belegt haben. Denen freilich nur dieser Logos auch Zeugnis gibt. Sodaß ihre Stimme von jenen nicht gehört und gar verachtet wird, die diesem Logos bereits fern stehen, weil sie ihn in ihre Gewalt gebracht haben.



Morgen Teil 3) Ein Exkurs - Macht ersetzt Autorität. 
Und auch andere sehen Unschönheiten. 




***