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Freitag, 22. Mai 2015

Wie es mit dem Islam weiterging (2)

Teil 2) Mentalität und Wahrheit





Aus Topoi, auch in der Bibel in großer dichte erkennbaren allgemeinen, "archetypischen" Handlungen. Beziehungen und Vollzügen, in immer schlechter (schon rein sprachlich) verstandenen (ursprünglich syrisch-aramäischen) Schriften, wurden überhaupt nach und nach Einzelpersonen. Auch solche Vorgänge sind religionshistorisch regelrecht allgemein nachweisbar. Aus dem harun, dem Gerechten der Schrift, wurde Harun al-Rashid, der gerechte Verkünder Aarons (als biblische Figur Sprecher des Moses), der wie so manche andere historisch nicht nachweisbar, ja sogar recht unwahrscheinlich ist. 

Eine Schlüsselfigur wurde schließlich der ostpersische Herrscher al-Manum. Er zog nach Bagdad, riß die dortige Regierung an sich, und zog weiter nach Westen, den er nicht kannte. Er kam bis an den Nil, und natürlich nach Jerusalem. Und da, im Felsendom, fand er den Beweis: Dort stand es eindeutig: Mohammed, der Sohn Allahs! Was unter dem syrisch-aramäischen al-Malik noch "Gepriesen sei der Knecht Gottes" hieß, wurde nun als "Mohammed, der Sohn des Abd Allah" bestätigt - der Beweis für die historische Figur des Mohammed war gegeben.

Manum war ein intellektuell wacher Geist, eigentlich ein Aufklärer. Er war an rationellen Klärungen interessiert. So ließ er sogar die beiden nebeneinander existierenden Behauptungen gegeneinander antreten: Die Erde als flacher Teppich, oder als Kugel. Es siegte die Kugel, mit einer Berechnung des Erdumfangs auf 100 km genau. Auch begann man unter ihm, die kursierenden "Koran"-Texte (wir erinnern uns: "queyran"=aramäisch: das Verkündigungsbuch aramäisch-christlicher Hymnen) zusammenzufassen. Und in der Zeit begann man auch, die arabische Schriftsprache erstmals zu vereinheitlichen und weiter auszuformen. Die aramäischen Texte wurden arabisch gelesen, und in einem erstmaligen "Hocharabisch" sowie einer ausgebauteren Schrift "arabisiert". Aber es setzte sich die westliche Lesart durch, die sich gegen diese Aufgeklärtheit wandte.

Und mehr als nachvollziehbar ist somit, daß sich dieser Abspaltung der katholischen Kirche nach und nach Elemente des "Naturglaubens" der arabischen Bevölkerungen beigesellten. Darauf führen sich zahlreiche Stellen des Koran zurück, auch solche, die gegen heidnische Gebräuche vorgehen wollten. Geblieben ist aber die Mondverehrung. Für ein Wüstenvolk nur zu verständlich, denn die Sonne hat dort alles andere als amikalen Charakter. Übrigens stammt das angeblich im Koran zu findende Wort für Heiden - "musrikun" - aus einer späteren Fehlinterpretation, denn es leitet sich von "sarik" ab, und das bedeutet "die Beigeseller". Also nicht "Nicht-Christen" oder "-Gläubige", sondern Häretiker, als solche, die Gott weitere Personen "beigesellten".

Der persische "Ali" unterlag, wurde ein (personifizierte) Märtyrer, und der personifizierte "Muhammad" setzte sich durch, samt einem Geburtsort "Mekka", einem angeblich "bedeutenden Handelszentrum", und dem Sterbeort "Medina". Ein Handelszentrum Mekka aus jener Zeit ist historisch aber unbekannt, zu der Zeit stand dort bestenfalls eine christliche Kirche. Aus einem "bakka", einem Allgemeinbegriff für "umgrenzter Raum" aber, wurde Mekka, eine fiktive mythische Stadt, in der bald alle Mythen zusammenliefen, so wie die fiktiven Handelsstraßen, die sich dort angeblich gekreuzt haben. Die gesamte Geschichte - eine wirkliche "Geschichte" - des Islam "wanderte" nach Arabien. Historische Ereignisse wurden zu (als solchen freilich nicht mehr nachweisbaren, nur aus dem Glauben heraus als "real" erkennbaren) islamischen Ereignissen umgedeutet.

Verrückt?  Nein. Wer hieraus dem Islam einen Strick drehen will, irrt, zumindest prinzipiell (wenn auch nicht "fachwissenschaftlich")

Der Mensch weiß ja im Innersten, ja es ist die Struktur seiner Vernunft, daß die Welt in Wirklichkeit nur aus Topoi besteht: aus archetypischen Beziehungsgestalten. Sie sind die wirkliche Wirklichkeit der Welt, und Details der Vereinzelung verbergen dies oft. Das ist keine Ironie, sondern das ist pure Wahrheit, die auch dem Rationalismus zugrunde liegt, nur weiß der das nicht. Das Maß der Wahrheit solcher Topoi als erkannte Wirklichkeit in einer Situation liegt nicht in der fehlenden Konkretisierbarkeit, es liegt in der Sittlichkeit des Erkennenden.

Deshalb muß sich auch dieser Versuch einer Rekonstruktion des Islam scharf gegen rationalistische Kritik am Islam abgrenzen. Denn der VdZ ist immer noch dem Islam näher, als dem Rationalismus. Den Islam aus Rationalismus kritisieren greift zu allererst die Anthropologie auch des Christentums an. Nur ein Katholik kann deshalb den Islam kritisieren weil konkretes Vereinzelte einordnen.

Mythen, Legenden, nachträglich "ge"funden, wie es eben dem Menschen entspricht. Daran ist an sich nichts Verwerfliches. Denn in diesem Punkt hat der offizielle Islam sogar recht, wenn man behauptet, daß man ZUERST den Inhalt verstanden haben muß, um dann überhaupt sagen zu können, was in einem Text steht. Ja, der Text, das Konkrete, sinkt zur völligen Bedeutungslosigkeit herab.

Das ändert freilich nichts daran, daß selbst die Kaaba auf eine christliche Kirche zurückgeht, udn och bis ins 9. Jhd. als christliche Kirche fungierte. So wie sich bis in den indischen Ozean Zeugnisse sehr frühen christlichen Glaubens dieser Erdregion finden (vom Apostel Thomas, der der Legende nach in Indien starb?) Und als der Heilige Franz Xaver im 16. Jhd. nach Indien unterwegs war, berichtete er in seinen Briefen von bei Landungen in Arabien überraschend angetroffenen Christen, die schon viele Jahrhunderte lang weder Priester noch Sakramente, aber christlichen Glauben hatten, wenn auch nur noch in Resten.

Weitere Forschungen an vorislamischen Zeugnissen werden mittlerweile aber in Arabien durch gezielte Zerstörungen unterbunden. Schriften, Koranversionen, die von einem Propheten Mohammed sprechen, tauchen erst im 9. Jhd. , und da schlagartig und in großer Zahl, auf. Die angebliche Überlieferungslücke, die für diese Jahrhunderte zwischen seinem angeblichen Leben und Wirken, und den ersten Aufzeichnungen existieren, gibt es nicht. Es gab Schrift VOR Mohammed, es gab Poesie die überliefert ist (samt Autoren), und es gab sie nicht nur erst ab dem 9. Jhd. Es gab aber nachweislich Zensur und sogar Bücherverbrennungen. Aus den bereit angeführten christlich-arianischen Schriften wurde nach und nach (in sehr zahlreichen Versionen) ein neues Buch - der Koran. Aus einer ursprünglich christlichen Häresie - eine Religion, zumindest eine Sichtweise, die diesen Anspruch mehr und mehr erhob. Die sprichwörtliche "Toleranz" des Islam gab es gar nie, weil sie gar nicht notwendig war: die Unterschiede zwischen den verschiedenen Spielarten des Christentums waren da, aber niemandem fiel eine "andere" Religion auf. Die entstand vor allem auf der nach und nach "entgöttlichten" Rolle Jesus des Christus, bis er nur noch Prophet war.

Den Anfang des Islam "als Islam", als eigene Religion, markiert eine mehr oder weniger bewußt erfundene Gründungslegende, als Legende von einem Propheten namens Mohammed. Die im 9. Jhd. auftaucht. Ab da wurde immer gezielter und eifriger "rückinterpretiert", der Koran auf einen Propheten, einen von Gott gesandten und beauftragten Religionsgründer, umgeschrieben. Und weil die existirrende Schrift des Arabischen zu rudimentär war, erfand man gleich eine eigene Schrift, das Koranarabisch. Mit dem ersten Buch in dieser Schrift und Sprache, dem nunmehr zu einem solchen Buch zusammengefaßten und redigierten Koran. Die Geschichtge wurde zum Erweckungserlebnis, zur Legimation umgedeutet.

Der Leser meint, das gäbe es nicht? Das käme nicht vor? Der VdZ kann da nur müde lächeln. Es kommt nämlich laufend vor. Er selber kennt Personen, die sich als gesendet betrachten, als "religiöse Erneuerer" (als der oberste Legitimationstitel, unter dem man der Welt seinen Willen aufzwingen kann), und dabei Bezug auf "Ereignisse" nehmen, deren Bedeutung als Erweckungsereignisse freilich nur sie kennen, weil sie objektiv nicht vorhanden waren. Und plötzlich wird - mit dem "neuen Sinn" - ihre ganze Geschichte umgedeutet. 

Dieses "Sendungsbewußtsein", das zu einer objektiv in zu Geschichten umgestalteten "Ereignissen" besteht, die in dieser Sinngestalt (und das ist Gestalt) rein erfunden sind, ist sogar so häufig, daß man es als psychische Lage betrachten kann, die an gewissen Grenzen und Persönlichkeitssituationen sogar bei jedem auftaucht. Beim Gesunden temporär, sodaß er wieder in die Spur der Vernunft zurückfindet, beim psychisch Instabilen, beim Narziß etwa in Form des Fanatismus. Hilaire Belloc dürfte also sehr richtig gesehen haben, daß die Anfänge des Islam "als" Islam in den Reihen der Schwachen zu suchen sind. Bei den Beduinen. Die plötzlich zur elitären Schichte wurden. Die spezifische Prägung des Koran - von der christlichen Schrift zum islamischen Koran - macht sein beduinisches Beiwerk aus.



 Morgen Teil 3) Alles falsch - aber nichts gelogen





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