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Sonntag, 8. Januar 2017

Es ist leichter katholisch zu sein als zu werden

Der VdZ hat nach seinem Gründonnerstagserlebnis 1984 so etwas Ähnliches erlebt, und kann deshalb nachempfinden, was sich immer wieder an Berichten über jene findet, die es zur Katholischen Kirche drängt. Das einzige, was die Kirche damals, 1984, anzubieten hatte, waren aber charismatische Erneuerungsbewegungen, und dort fühlte er sich bald "im falschen Film". Es war eine seltsame Gnade, daß er zum Katholizismus zurückfand, die er gegen jede herrschende Saga durchzukämpfen hatte. Denn mit der wäre er niemals Katholik geworden.

Es gibt andere und weit eindrucksvollere Geschichten. Der Kalifornier Joseph Sciambra etwa berichtet, daß er nachdem ihm - der von Jugend an als Homosexueller gelebt hatte - bewußt geworden ist, daß er Gnade braucht, daß er Hilfe aus seiner großen und dunklen Tiefe braucht, sogar lange Zeit mit Priestern zu tun hatte, die ihm erklären wollten, daß das, was er so sicher als falsch wußte, VON DEM er ja befreit werden wollte, doch gut und zu bejahen sei?  Die das, was er als zutiefst gegen seine Natur gerichtet und immer mehr als dämonisch begriff, das ihn (mit schweren Krankheiten auch buchstäblich) zerstörte, Homosexualität, als "gut" darstellten, ihn regelrecht dazu "zurückbekehren" wollten. Erst ein glaubensfester Priester des traditionellen Ritus hatte ihn endlich davon befreit, und erst dort konnte er das werden, was er so innig wollte: Katholik werden.

Der Jude Rodney Stark berichtet Ähnliches. Er, geborener und als solcher sozialisierter Jude, hatte immer stärker das Bedürfnis gespürt, Christ zu werden. Erst war er zu protestantischen Gemeinden gegangen. Die hatten ihn immerhin noch freundlich aufgenommen und ihn gelehrt, was sie eben zu sagen hatten. Aber das reichte ihm nicht. Er wollte immer dringender "alles", und das war für ihn der Katholizismus. Doch damit begann ein wahrer Spießrutenlauf. Hätte er nicht Freunde gehabt, die ihn begleitet, ihn immer wieder in dem bestärkt hätten, was er suchte und wollte, er wäre niemals Christ geworden, schreibt er heute.

Denn die katholischen Priester schienen sich für seinen Konversionswunsch gar nicht zu interessieren. Einer meinte sogar, wenn er sich nun um ihn kümmere, würden womöglich noch andere, ja viele kommen, aber wo würde das hinführen? (sic!) Also wurde er in alle möglichen Laienveranstaltungen gesteckt, wo Laien mit höchst mangelhafter Bildung und Kenntnis des Katholischen ihn mit allen möglichen (offiziellen, kirchlicherseits empfohlenen) Methoden und Kursen zu etwas bringen wollten, das er weder wollte, noch als katholisch identifizieren konnte.
Selbst wildeste Theorien wurden ihm nahegelegt, die allesamt deutlich gegen jede katholische Doktrine sprachen. Jesus habe eine sexuelle Beziehung zu Maria Magdalena gehabt, sei nicht wirklich auferstanden, sei von den Juden gesteinigt (nicht gekreuzigt) worden, habe alles letztlich anders gemeint, als es lange verkündet worden war. Schließlich und immer wieder war er mit allen möglichen irrigen historischen Bildern konfrontiert worden, was die Kirche früher angeblich alles falsch gemacht habe, eben jener "black history", die die historische Wahrheit so völlig verdreht und meist gar nicht kennt und kennen will. 

Schließlich warf man ihm sogar - ihm, dem Juden! - Antisemitismus vor, weil er einen prinzipiellen, gar historischen Anti-Semitismus, wie er überall gelehrt, ja als Gewißheit und Haltung der Eigenverwerfung als Katholik verlangt wurde, nicht sehen konnte. Weil er stattdessen mehr und mehr die wirkliche Haltung des Judentums sah - als historische Rechtfertigungshaltung aus der Ablehnung des inkarnierten Gottessohns, die Haltung des Protests gegen den logos, also die Schöpfungsordnung, die daraus keimende Grundhaltung des Revolutionären, des fast zwanghaften Willens alle vorgefundenen Ordnungen zu zerstören, stehende Ordnungen als Widerspruch zu schwächen. Er aber wollte genau das nicht, also lehnte er auch den Protestantismus ab: Er wollte nicht rebellieren! Er wollte nicht Teil einer Revolution sein, das war ihm zu wenig.

In der Kirche selbst, so Stark, werde mittlerweile ein völlig verfehltes, gefälschtes, falsches Bild ihrer Geschichte und Lehre vermittelt. Ja er entdeckte, daß mit dem Totschläger "Holocaust" jede freie Sicht bekämpft wurde, um eine gesollte Selbstverneinung an die Stelle der Erkenntnis zu setzen. Am schlimmsten erging es ihm, als er aus innerem Drang begann, in katholische Messen zu laufen, als er versuchte, Anschluß zu finden. Die völlige Ahnungs- und Kenntnislosigkeit, aber auch die fast immer vorzufindende offene Ablehnung des Katholischen bei normalen Gottesdienstbesuchern schockierte ihn regelrecht. Und er schreibt, daß er kaum noch zählen kann wie oft ihm gesagt wurde, daß er nicht zum Katholizismus konvertieren müsse, Jude bleiben solle, um das Heil zu erlangen. Er fühlte (und wollte) es aber völlig anders, er suchte den Erlöser!

Der Zustand der Kirche aber schockierte ihn, bis er auch hier allmählich Zusammenhänge begriff. Denn nach einem langen und mühsamen Weg, in dem ihm sogenannte "katholische Institutionen" wie Verhinderungshürden vorkamen, kämpfte Stark sich durch eine halbe Bibliothek, um schließlich und vielfach wie von Zufall geleitet nach und nach die Wahrheit über die Kirche und den katholischen Glauben zu entdecken, die richtigen Priester zu finden, und offiziell endlich katholisch werden zu können. 

Dazu gehörte vor allem aber auch das Sehen der prinzipiellen anti-christlichen, (wahrlich) protestantischen (von: "protest", von Revolution also) Haltungen des Judentums, in dem er ja aufgewachsen, in die er ja hineingewachsen war. So hatte er sich selbst (und damit vor allem das Judentum) zu begreifen begonnen. Und ablegen können. Wie Sciambra (diesem in der Homosexualität, die ihn selbst belastete, die er selbst ablegen wollte, als Sünde erkannte), war ihm in seinem Versuch katholisch zu werden das, was er instinktiv als falsch erkannt hatte, als richtig nicht nur nahegelegt, sondern fast aufgezwungen worden. Man wollte ihn in sein Judentum zurückstoßen, das er selbst aber längst als Haltung des Anti-Logos erkannt hatte. Während er fast verzweifelt nach dem suchte, was er als seine Rettung spürte - den Katholizismus. Er war ihm kaum noch  in der Kirche erkennbar, gar auffindbar. Es war ihm, als wollte man ihn gerade dort verbergen.

Seine Erkenntnisse über diese Kirche, die sich selbst zu hassen und abzulehnen wie ihr eigenes Programm aufführt, in einer Sicht, die sich mit der stets vorhandenen Auffassung des Katholizismus aber völlig deckt, aber nun wie eine Sünde behandelt wird, hat er nun in einem Buch niedergeschrieben.





*061216*

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