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Samstag, 18. März 2017

Schuld, die ihre Fakten nicht mehr kennen will

Einen bemerkenswerten Ausgang nahm ein Prozeß, den das kanadische Holzunternehmen Resolute gegen Greenpeace geführt hatte. Darin ging es um Behauptungen, die Greenpeace aufgestellt hatte, die sich als haltlos und unbeweisbar zeigten. Die Verteidigung von Greenpeace ist dabei das Interessanteste: Es wäre nie um wirkliche Fakten gegangen, man habe darin übertrieben, gewiß, und man dürfe die Anschuldigungen gegen Resolute nicht buchtsäblich nehmen. Aber man habe nur das Prinzipielle, die Wichtigkeit des Waldschutzes aufzeigen wollen, es gehe um die prinzipielle Richtigkeit der Meinung.

Ein ähnliches Vorgehen zeigten die Umwelt-Paradekämpfer schon in den letzten beiden Jahren in der Kampagne gegen den Ölkonzern Exxon. Wo in einer groß angelegten PR-Kampagne, die von der Reckefeller-Stiftung getragen oder mitgetragen wurde, die Behauptung aufgestellt wurde, daß Exxon schon lange sehr genau wüßte, und zwar aus eigenen Forschungen wüßte, daß sich das Klima ändere und die Erde erwärme. Um aber die Aktien hoch zu halten, habe Exxon dies verschwiegen und damit bewußt die Anleger getäuscht. Mittlerweile ist klar, daß das nie so gewesen ist. Exxon hat nachweislich immer die Einschätzung vertreten, daß es diese angebliche Gefahr einer Klimaerwärmung nicht erkennen kann. Mittlerweile ist klar, daß Greenpeace ein ganz anders Ziel verfolgte, und das ist der Organisation sogar weitgehend geglückt: Man wollte Exxon unglaubwürdig machen und als Mitgestalter der öffentlichen Meinung aus dem Spiel nehmen. Dazu habe man eben diese Behauptung in die Welt gesetzt, gegen die sich Exxon nach langem Kampf vor Gericht erfolgreich gewehrt hat.

Diese Strategie ist in der Bewegung der Klimaerwärmer bereits seit langem zu bemerken, und viele geben das auch ganz offen zu - es geht schon längst nicht mehr um Fakten. Es geht um die behauptete Tatsache, daß der Mensch durch fossile Verbrennung die Erde erwärmt und damit in eine Katastrophe treibt. Diese Tatsache der dräuenden Klimakatastrophe sei das Faktum, das jede noch so unethische, unmoralische Vorgehensweise rechtfertigt. Neuerdings sogar mit dem Argument, daß selbst eine geringe Wahrscheinlichkeit einer solchen Katastrophe rechtfertigt, sie zur globalen politischen Agenda ersten Ranges zu machen. Denn WENN sie dann DOCH eintreffe, sei alles zu spät. Und immerhin: GANZ ausschließen kann man ja so eine Katastrophe nicht. 

Die Diskussion ist also schon lange zu einer Diskussion über ethische Maßstäbe und Überlegungen geworden. Zur Frage um Verantwortung und den Kriterien, die ein Handeln gebieten. Es wäre alles also schon eine rein philosophische Frage. Weil das aber für die Klimaerwärmer schlecht ausgehen würde, hat man es zu einer theologisch-dogmatischen Frage gemacht, in der Logik und Vernunft mit dem Recht des "moralisch Besseren" ausgeschaltet werden dürfen. Die Forderung an die Welt ist somit zur Forderung geworden, einem in sich geschlossenen Argumentationskreis beizutreten. In dem es aber nicht mehr um "Fakten" geht. Diese werden von einem Hauptfaktum ausgebremst - dem, daß es eine Klimakatastrophe GIBT und GEBEN WIRD. Weil der Mensch gegen die Natur handelt.

Und das bleibt auch tatsächlich das interessanteste Argument. Denn das kann nicht bestritten werden. Nur ist die Verdinglichung in Klimakatastrophik eine Leistung des Unterbewußten, das ein existentiell tief wahres Daseinsgefühl auf eine andere Ebene schiebt um sich und anderen durch Herbeizitierung eines Archetyps, eines Topos (also eines abstrakten dynamischen Schemas der Wirklichkeit, einer Orts-Dynamik also, um in den Begriffen dieses Blog zu bleiben) vorzugaukeln, daß die Konkretion in diese Klimakatastrophik münde. Um der Wahrheit auszuweichen, daß die Verfehlung der Natur auf einer ganz anderen Ebene geschieht (Familienbild, Sexualität, Gesellschaftsbild, Moralbild etc. etc.)

Es ist deshalb überzufällig, daß Klimaretter so gut wie immer einer ganz bestimmten "Wertelandschaft der Moderne" zugehören. Eines bedingt eben das andere. Die ist es aber, die tatsächlich katastrophisch und universal (verdinglicht als "global") verfehlt ist, und innerhalb desselben dynamischen, psychischen Spiels auf der anderen Seite diese Ersatzhandlung bewirkt. Dazu braucht ein Klimaretter keine Fakten, keine Wissenschaft, keine Logik, keine Vernunft und keine Sittlichkeit mehr. Denn dazu braucht er nur die Zutaten einer seelischen Gestimmtheit. Weil das Ziel eine subjektive Befindlichkeit ist, als Versuch einer Strategie der Schuldbewältigung. In einer Welt, in der Sein und Ordnung auseinandergerissen sein müssen.





*090317*