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Sonntag, 30. April 2017

Erleben durch Ferne vom Geschehen

Man darf nicht in den Fhler verfallen zu meinen, die Liturgie der "Alten Messe" (also der Messe, wie sie vor den dramatischen Veränderungen Ende v. a. der späten 1960er Jahre gefeiert wurde) müsse mit dem Novo Ordo Missae, also der "Neuen Messe", auf der Ebene des "Eventhaften", der vordergründig "Erlebnishaften" konkurrieren. Denn in der normalen Form "passiert", verglichen mit dem Neuen Ritus, im Alten Ritus gewissermaßen "nichts", oder nur sehr wenig. Aber genau das ist das Entscheidende.

Denn im Alten Ritus ist das Geschehen, um das es in der Messe geht, eben das, was es ja sein muß: Ein Geschehen für sich. In dem der Himmel sich öffnet, und gewissermaßen die konsekrierte Hostie "zurückläßt". Durch sie ist die direkte Teilhabe am Heilsgeschehen möglich. Und das ist ein Geschehen, das der Priester vollzieht, und nur er. Es ist ein Geheimnis der Tiefe, die für irdische Verhältnisse, für menschengemachte Gefäße einfach zu groß ist und deshalb diesen abgeschützten, fernen Rahmen braucht..

Sie entfaltet ihre Wirkung aber eben erst im Begreifen dieser Größe, dieser den Menschen weit übersteigenden Tiefe, dieses Geheimnisses, das das Herabneigen aus der Ferne Gottes bedeutet. Erst wenn die Gläubigen das begreifen, das nämlich erleben, öffnet sich auch der Erlebensspielraum für die Größe der Heiligen Kommunion, in der sie an Gott teilhaben und in ihn hineingehoben werden. Diese Disposition (die zuerst eine objektive Disposition ist, der sich das Subjektive nur weil es objektive Wurzeln hat nachformen kann, im Willensakt nur entgegenhebt, ohne das Ergebnis "machen" zu können) ist im Alten Ritus, wenn er ordentlich zelebriert wird (was einmal gegen Degenerationsformen wie die "missa dialogata", aber sehr wohl auch gegen gedankenlose Zelebration durch die Priester gerichtet ist), am vollkommensten zu erfahren. 

Das macht die Heilswirksamkeit des Alten Ritus aus, der dann auch zur konkreten Erfahrung wird. nicht als Event während der Messe. Was dort geschieht ist ein uns entzogenes Geschehen. Sondern im nachträglichen Feststellen von Veränderungen in der geistigen Landschaft der Teilnehmenden.

Daß im Neuen Ritus (NOM) genau diese Wirksamkeit nicht mehr erfahren wird zeigt sich am deutlichsten darin, daß die Gläubigen sich ständig bemüßigt fühlen, die angeblich objektive Realität des Heilsgeschehens, an dem sie da teilhaben, durch subjektive Simulation zu ersetzen bzw. zu ergänzen. Zum einen in der Messe, wo sie Passagieren in einem Bus vergleichbar sind, dessen Chauffeur vorgibt, über eine Bodenwelle zu fahren, woraufhin alle Mitreisenden in die Luft springen, während aber gar keine Bodenwelle den Bus hebt. Die Teilnahme an einer solchen (neuen) Messe wird damit zum gruppendynamischen Ereignis, und dieses rein psychogene Erleben wird mit der Zeit zur Gewohnheit und zur Erwartung. So ist der NOM fast durchgängig Tautologie, Erklärung seiner selbst, ohne selbst noch eigentliche Liturgie zu sein.

Wobei vielen unbewußt auffällt, daß sich ein solches Erleben von einem Stadionbesuch bei Bayern gegen Dortmund nicht mehr zu unterscheiden ist. Weshalb der Meßbesuch von immer weniger Getauften überhaupt noch als Wesentlichkeit des Christentums begriffen wird. Zum anderen zeigt sich die inhaltliche Verflachung, ja Auslöschung des sinnlich Wahrnehmbaren - dem eigentlichen realen Heilsgeschehen - durch alle möglichen sozialen, vorgeblich Liebe, also "Frucht" beweisen sollenden Tätigkeiten, worein sich ganze Ersatzkulte bilden. Auch die "Ersatzreligion Flüchtlinge" fällt darunter. Und es ist kein Wunder. 

Denn es fehlt durch die mangelnde Disposition, die nur und genau dieses Erfahren des Heilsmysteriums als fernes, großes, viel zu großes Geschehen auch tatsächlich die Erfahrung des Wirkens Gottes. Diese kann im Novo Ordo in den allermeisten Fällen gar nicht mehr entstehen., und wenn doch, so ist sie meist nur Ergebnis der steinernen Kirchenbauten selbst, die diese Ordnung noch auf die Gläubigen aufprägen, egal was da vorne noch geschieht.

Wenn man also den Novo Ordo krisiert so sollte man achtgeben, daß man sich nicht einfach auf angeblich nicht mehr stattfindendes liturgisches Spektakel bezieht (weil im NOM der Priester nur noch unbeweglich vorne steht und quatscht). Das würde beim Besuch der "Alten Messe" zu einer Enttäuschung führen. Vielmehr geht es im Alten Ritus in "pastoraler Hinsicht" um eine Disposition, die erst dadurch entsteht, als im Erleben der Ferne und Ungreifbarkeit der Gegenwärtigkeit Gottes, der Öffnung des Himmels, die hier passiert, die Disposition entsteht, in der das Herabsteigen Gottes zu einem wirklichen Aufheben der Welt und des Menschen wird. Ohne daß der Einzelne sich selbst manipulieren muß. Er kann hier wirklich sitzen, stehen, anwesend sein, ohne etwas machen zu müssen, und wie Thomas zweifelnd beobachten, was an ihm geschieht. Gott selbst wird ihn im Geist und in der Wahrheit über das reale Geschehen überzeugen. Darauf darf er prinzipiell vertrauen.

Wenn man von Teilhabe spricht, ist also die Ferne zum Heiligen Geschehen jener "zweite Teil", der das Gesamtereignis "Heilige Messe" neben der priesterlichen Ligurgie ausmacht, ist also genau diese Unnahbarkeit nicht nur Ausdruck sondern konstitutive Bedingung des Ortes (des "einfachen Gläubigen"), AN DEM STEHEND er am realen Wunder Gottes, das im Gegenwärtigsetzen und damit geschichtlich Aktuellen, die Gegenwart Verwandelnden des Heilsgeschehens in der Heiligen Messe, Anteil haben kann, wenn er das möchte.






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