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Samstag, 6. Mai 2017

Des Ewigen Gegenwart

Zum Abschluß der Werbefilmchenserie dieser Woche eine Werbung aus Rußland. Die sagt, daß man oft sehr viel tun muß, damit sich nichts ändert. Um Lebenmittel wie immer zu genießen, braucht man nur Produkte dieser Firma zu kaufen. An sich nicht besonders originell, keine Frage. 

Aber dann steigen ganz andere Gedanken auf. Denn es verweist eine Grundwahrheit des Menschseins, ja des Weltseins, die je tiefer man sie reflektiert umso mehr Wahrheitsglanz offenbart. Denn damit wird das Wesen alles menschlichen Selbstvollzuges klar.  Dessen, was man gemeiniglich als "Leben" bezeichnet. Das ein Werden zu sich hin ist, das aber wiederum nur aus dem Streben aufs Ewige, immer gleichbleibende zu ist. Zum einen ein Hinstreben zum Leben sebst, das zum anderen jedes Weltsein auf in seinen Grundstrukturen immer gleichbleibende Weise. 

Die als zärtlicher Kuß sozusagen, als jede Entelechie ermöglichender und in das Begegnende - damit Zeit und Geschichte und Welt werdend - Gestalt sein wollender Impuls der Liebe des immer Gleichbleibenden, des Seins selbst, als Idee im Sein, die allen Dingen zugrundeliegt sodaß überhaupt  nur das ist, was ständig und immer sich nach dieser Idee ausstreckt, sich daraus jeden Augenblick neu reformiert.

"Sein" ist ein Aktivum, kein passiver Zustand. Was nicht ständig wird, das verfällt und stirbt.

Wo der reale Lebensvollzug davon abzuweichen scheint, verfehlt er überhaupt das Sein, und verfängt sich in Gestalten, die wie Nebel purer Schein sind, der nur in der Vorstellung, nur in voluntaristischen Wahngebilden "Welt" zu sein vorgibt. Und das ist wohl der Kern der Tragödie der Gegenwart, die in ihrer radikalen, jede Transzendierung, jedes Selbstvergehen vermeidenden Kehrtwendung auf sich selbst hin nur noch Wahngebilde hervorbringt. Die nicht wahrer und realer werden, so sehr sie sich die Menschen über die social media, ständige Illusionsvorhänge aus Dauermusik etc. etc. ständig vorsagen. Damit wird auch die vielfach zu beobachtende hektische Tätigkeit der Menschen zum bloßen Illusionstheater, denn viele tun sehr viel um nur nicht das tun zu müssen, was sie zu tun hätten. Das vielleicht (quantitativ, im Vergleich) "ganz wenig" wäre. Das aber erst getan wird, wenn man über sich hinaussteigt, eben genau nicht "in sich" sucht, was nur dann aus sich heraustritt.

Das einzige, was man dem alten Mann da vorwerfen könnte wäre, daß er sich allzu sehr an eine historische Form klammert. Daß er also das Ewige zu sehr in einer einmal (häufig zu beobachten ist, daß dies auch mit dem "ersten mal" verbunden wird; darauf könnte an in diesem Filmchen auch schließen) auftretenden Gestalt festgelegt sieht. Sodaß er den Happen, den er da essen möchte, nur in dieser starren Welt meint genießen weil nur dort finden zu können. Damit widerspricht er dem Wesen des Ewigen, das in der Transzendierung überhaupt erst zum immer wieder neu zur Welt Kommenden wird. Aber er zeigt damit doch, daß er ahnt, daß dieses Ewige immer in eine Liturgie eingebunden ist. Denn Lebensvollzug und Welt IST ja überhaupt  Liturgie, ist Darstellung als Präsenz (=Welt) des Ewigen Seins, des absoluten Seins, dem menschliches Tun die Tür öffnet - oder nicht. Und das alleine ist Sinn und Wesen menschlichen Tuns.

Aber mehr noch. Es ist das Wesen aller Dinge, nicht nur des Menschen, das Wesen der Welt zu "sein", immer mehr weil vollkommen zu sein, in allem Ändern, das allem kraft des Ortes, an dem es notwendig und immer steht, in dem es unausgesetzt anderem begegnet, das es umgibt wie den Fisch das Wasser, abverlangt wird. Und so ist alles Handeln, alles Bewegen, alles Ändern der Dinge letztlich ein immer nur je neuer Versuch, in ihm seine eine, als Dynamik verstanden nie veränderliche Idee, sein Ewiges also zum Ausdruck zu bringen.

Vielleicht kann diese Werbung nur ein Russe wirklich verstehen, und vielleicht nur ein (gläubiger) Russe erfinden. Denn in der Orthodoxie, in deren seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden völlig unveränderten Liturgie zeigt sich ein wenig - ein wenig! - dieser angstvollen Starre, die kein Jota abzuweichen wagt, weil sonst das Ewige nicht gegenwärtig wird. Damit aber anderseits davon Zeugnis gibt, daß die Grundgestalt des Ewigen auch historisch immer gleich ist, weil seine Grunddynamik immer gleich ist. Eben ewig ist.




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