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Sonntag, 7. Mai 2017

Folgen für die Zwischenmenschlichkeit

Natürlich ist es nur logisch, daß die Abkehr von der Vernunft als alles bindender logos, dem alle verpflichtet sind, ersetzt durch den Rückgriff auf das, was man "fühle" oder subjektiv "denke" als einzig verbindlicher Norm, ein allgemeines Gefühl der Unsicherheit bewirkt. Denn persönliches Gefühle und "Meinungen" sind nicht nur labil, wechselhaft. Es findet sich in ihnen einfach kein tragender, verbindlicher, sicherer weil objektiver Grund mehr für irgendeine Form von Zwischenmenschlichkeit. Was ganz zuerst einmal mit dem Verlust einer verbindlich erfahrenen Religion zu tun hat, denn nur von dort her können sich absolute Verbindlichkeiten ergeben, nur auf Gott hin läßt sich Einheit finden. Nichts bildet aber heute mehr jene Einheit, die objektiv ist und deshalb klar definierbaren Rechten und Pflichten einhergeht. 

Wie sollte sich da noch Vertrauen bilden? In WAS sollte noch vertraut werden können? WORAUF soll sich ein stabiles Leben noch aufbauen können, wenn es keine äußeren Kriterien mehr gibt, die tragen, auf die Verlaß ist, sondern alles nur dem persönlichen Fühlen und Urteilen unterliegen soll? 

Damit ist auch klar, daß das Denken und Fühlen des anderen - es soll ja der eigentliche Verläßlichkeitspunkt sein - zur potentiellen Gefahr wird, wenn man es nicht über andere Mechanismen konsensbereit macht. Und dafür dient die political correctness.  Dafür dient die über rein persönliche Gefühle installierte Moralordnung des Gutmenschentums, in der katastrophische, apokalyptische, die ganze Welt umfassende Notwendigkeiten eine entscheidende Ankerfunkntion bilden sollen, in der genau das, was man angeblich unantastbar läßt, subjektives Gefühl, subjektives Urteil, ausgeschaltet werden soll. So soll diese Verläßlichkeit installiert werden. 

Begleitet vom Zwang, diesen guten Menschen auch zuzugehören. Mit diesem Etikett, durch zahllose äußerliche Attribute wie ein Schild vor sich her getragen, antwortet der Einzelne, um sich als vertrauenswürdig zu beweisen. Und damit (man muß hier wirklich von verzweifelt sprechen) eine Art neues Recht zu installieren, das ihm verläßliche Zwischenmenschlichkeiten, Verbindungen* garantieren soll.

Damit ist klar, daß die wehende Flagge der "Individualität", die im erlaubten, ja geforderten Rückzug auf subjektive Gefühle und Meinungen für eine gesellschaftliche zwischenmenschliche und solidarische Ordnung und Einheit, genau zum Gegenteil führt. Dieser Subjektivismus ist nämlich nicht in der Lage, eine verläßliche reale, ein Außen (Gestalt) konstituierende Existenz zu begründen. Sondern sie wirft den Menschen auf den Totalitarismus, auf die Vereisungsmaschine, die wieder befestigen soll, was ständig zwischen den Fingern zerrinnt. Es bleibt nur ein tiefes Grundgefühl übrig: Angst. Denn nichts hält über dem Nichts, dem ewigen Tod. Und diese Angst (vor der völligen Vernichtung) ist ja auch das Kennzeichnendste an den heutigen Moralbewegungen im obigen Sinn. Die noch dazu auf eine Generation trifft, die bereits zum überwiegenden Teil in Lebenssituationen steht, die diese Einheit und objektive Vernunft nicht mehr hat sondern nur auf mehr oder weniger fragilen, nie mehr als möglicherweise kurzfristigen "Vereinbarungen" beruht.

Der Subjektivismus der Gegenwart (wie er in Rousseau sein Muster fand - Rousseau ist der Prototyp des heutigen Menschen!) und der Zwang des Totalitarismus sind also nur zwei Seiten ein und derselben Sache, in deren Mitte der Mensch eine seiner Natur gerecht werdende Existenzmöglichkeit sucht, und doch nicht findet. Schon deshalb kann heute eine substantielle, eine relevante Gegenbewegung nur eine Bewegung zur Vernunft sein, während das gegenwärtige Establishment, das ja diese "revolutionären", "modernen" Thesen in ihrer Janusköpfigkeit vertritt, als Anti-Vernunft auftreten.

Und das macht auch deutlich, daß das Establishment (unbewußt wie aber auch bewußt) als Kampfbrigade gegen den logos auftritt und eindeutig eine gegen den inkarnierten Gott selbst gerichtete Bewegung ist, was immer sie auch behaupten mag. Denn Vernunft läßt sich nur als ganz real und gegenwärtig in Gott installiert überhaupt als Vernunft begreifen.



*Für die es ja nicht einmal Begriffe gibt die das tun, was Begriffe eben tun: Inhalte fassen, definieren. Sodaß sich daraus etwas Reales, Konkretes ableiten ließe. Vermutlich steht das hinter der "Ehe für alles und alle", zumindest als tiefgründiges Mitmotiv.






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