Dieses Blog durchsuchen

Samstag, 6. Mai 2017

Sie hat nur auf ihre Gefühle gehört

Nicole Jorgenson
Dieses unten zu hörende Interview (tut mir leid, liebe Leserin G, es geht  nicht anders: wieder auf Englisch) mit der  norwegischen Sopranistin Nicole Jorgenson ist so gut, daß es hier gebracht werden soll. Denn die bildhübsche Norwegerin, die bereits in South Dakota aufwuchs und sich in Amerika dauerhaft niederzulassen versuchte, berichtet auf ganz normale, sehr weibliche Weise von ihren Erfahrungen, die sie - als ehemalige Linke - "rechts", "traditionell" werden ließen.

Sie war als Kind in dritter Generation norwegischer Einwanderer aus Trondheim/Bergen (Norwegen) in einer ethnisch-kulturell geschlossenen Gruppe aufgewachsen. Alles war berechenbar, man lebte und vertraute sich, Häuser waren niemals abgeschlossen. Man feierte seine Feste, und sie dachte überhaupt, daß jeder Mensch so aufwächst.

In die Stadt zu gehen und (Musik) zu studieren war für sie deshalb ein Kulturschock. Hier begann ihre Indoktrinierung mit Marxismus, und sie nahm auch diese Haltungen an. Rettunganker waren nachträglich gesehen ihre Eltern, die meinten, daß es unverantwortlich sei, sich für ein Musikstudium so schwer zu verschulden, wie es ein Abschluß des Studiums bedeutet hätte.

Also ging sie nach zwei Jahren nach Deutschland, nach Heidelberg. Wo sie ihr Studium fortsetzte, aber ihren Unterhalt von Anfang selbst, erst durch Musikunterricht auf der Militärbasis der Amerikaner verdiente. Es war genau die Zeit des großen Finanzcrash 2008. Wo sie mitbekam, wie sich ihr neues Gastland in enormen Tempo umbaute. Ein Land, das sie erst als "besetztes Land" erlebte, wo sich alles aber so seltsam und rasch zu verändern begann. Ihr fiel auf, daß der Rückzug der Alliierten (Amerikaner) aus Deutschland, in Heidelberg, jede Menge Häuser frei machte. Der Bürgermeister hielt es für eine gute Idee, sie mit Zuwanderern zu füllen Die aus anderen, aus fremden Kulturen kamen, und diese Häuser bezogen.

Sie hatte sich nie unsicher gefühlt, als blonde Frau auf Tournee zu gehen, in halb Europa aufzutreten. Plötzlich aber, mit 2015, veränderte sich das Bild völlig. Plötzlich, und sprunghaft zunehmend, mehrten sich die Frauen in Hidjab und Burka, waren die Männer auf den Straßen immer mehrheitlicher fremdländisch, afrikanisch, türkisch, was auch immer. Und plötzlich wurde auch sie belästigt und in der Straßenbahn sexuell bedrängtt. Niemand ihrer Freundinnen hatte sich zuvor etwas dabei gedacht, mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Das änderte sich schlagartig.

Wobei, so ganz neu war das alles nicht, es nahm nun nur überhand. Interessant, was sie über ihre Gesangstätigkeit in deutschen Chören erzählt. Wo sie überrascht war, daß so viele asiatische, im speziellen koreanische Sänger präsent waren. Diese haben schon aufgrund ihrer Anatomie oft gewiß mächtige Stimmen weil einen anderen Resonanzkörper (weil größeren Kopf). Aber ihnen fehlte etwas ganz Entscheidendes: Sie sangen wie Solisten singen. Ihnen fehlte das Feine, das aufeinander Sensible, das europäische Gesichte - und das Gesicht ist für den Klang entscheidend, die "Maske" - eben hatten. Der Klang der Darbietungen änderte sich damit. Aber das schien gar niemanden zu stören. Denn die deutschen Schulen hatten längst begonnen, sich auf den "Weltmarkt" auszurichten. Und dort hatten asiatische Sänger einfach mehr Betätigungsfelder, denn es gibt tausende Opernhäuser auf der Welt, aber nur 200 in Deutschland. Also wurden mit deutschen Steuergeldern asiatische Sänger ausgebildet und an deutschen Opern beschäftigt.

Sie selbst aber stellte eine eigentümliche Liebe zu jener Musik fest, die aus ihrem kulturellen Erbe stammte, der Klassik Europas, aber auch den Liedern und Volksliedern, die sie in ihrem Elternhaus erlebt hatte. Geprägt von einer Landschaft (Norddakota) mit ihrem rauhen Klima, ihren Eigenheiten, wo man sich ind en lange, dunklen Wintern in der engsten Nachbarschaft erwärmte und unterhielt, während draußen bei minus 30 Grad die Stürme bliesen und der Schnee sich türmte. (So nebenbei: Von Jahr zu Jahr mehr.)

Sie liebte auch Westernmusik, denn das war auch die Musik ihrer amerikanischen Vergangenheit. Doch die war nicht  gefragt. Sie versuchte es in Popmusik, wo solche Spezifika sogar störend waren, weil sie auf eine Weise universalistisch war. Aber sie fühlte sich damit ihrer selbst entfremdet und war nur noch unglücklich. Sang sie wo vor bemerkte sie bald, daß man eine Art "allgemeine Degeneration" erwartete. Bis hin zur Art des Schauspiels, voller Nacktheit und Entblößung.

In ihrer Heimat in Norddakota aber wurde ihr mehr und mehr klar, welche Persönlichkeiten ihre Vorfahren gewesen sein mußten, die sich gegen härteste Bedingungen durchgesetzt hatten. Niemand hatte es damals leicht gehabt, es gab nichts außer Schneestürmen und harten Wintern und trockenen Sommern. Dennoch hatte man, in aller ständigen Lebensbedrohung, durchgehalten und lebensfreundliche Bedingungen geschaffen.

In multikulturellen Bedingungen wie in Deutschland sei ihr die extreme Isolation aufgefallen, in die die Menschen fallen. Man sieht einander nicht einmal mehr in die Augen, weil man den anderen nicht mehr einzuschätzen vermag. Bei ihren Deutschlandbesuchen zuletzt fiel ihr auf, daß die Einwanderung jedes Maß überschritten, das Land aus allen Angeln gehoben hat.

Ähnliches erlebt sie in Norddakota, wo man in den letzten Jahren gezielt versucht hat, Somali und Nordafrikaner anzusiedeln. Sprungartig stieg die Verbrechensrate, und das allgemeine Unsicherheitsgefühl wuchs ins Unermeßliche. Heute wagt keine Frau mehr, ihren Einkaufswagen im Supermarkt alleine zu lassen, in dem ihr Kind sitzt. Blonde blauäugige, also europäischstämmige Kinder im speziellen sind höchst entführungsgefährdet. Sie selbst fühlt sich lange schon schlecht, weil sie blond und blauäugig war, was für viele so hoche Anziehungskraft hat.

Jorgenson hat auch in Indianerreservaten - freiwillig - unterrichtet. Ihre Erfahrungen dort waren aber höchst widersprüchlich zu ihren damaligen idealistischen, linksliberalen Denkansätzen, öffneten ihr aber die Augen. Der in den Reservaten, nur eineinhalb Fahrstunden von ihrer Heimat entfernt, exzessiv verbreitete sexuell-inzestuöse Mißbrauch unter Indianern war nur eines der vielen Dinge, die ihr auffielen. Alkoholismus, Drogenmißbrauch schaffen dort eine regelrechte Lebenssphäre der Verkrüppelung. Dabei waren die Vicca, wo sie zu helfen versuchte, ein Volk, das schon durch die Sioux an den Rand der Ausrottung gebracht worden waren, das war keine Idee der Weißen. Die Indianervölker waren auch untereinander Todfeinde. Denn auch diese "Naturvölker" lieben keineswegs die Fremden, sie lehnen Multikulturalismus sogar strikt ab! Jeder will Teil eines Ganzen, einer Gruppe sein, meint Jorgenson. Alle wollen fest umrissene Identität.

Sie begann allmählich zu begreifen, welchen Wert ihre eigene Ethnie und Kultur hatte. Durch simpelste Erlebnisse, etwa indem sie ihr Kind an ihrer Brust stillte und feststellte, daß sie froh und stolz darüber war, daß ihr Kind ... wie sie aussah! Sie gab dem Gefühl Rau, daß sie am glücklichsten war, unter "ihresgleichen" zu sein. Daß ihr einfach das am meisten gefiel, was ihr als tradiitonelle Kultur, als ihr Ähnliches übermittelt worden war. Sie ließ den Gefühlen Lauf, stolz auf das zu sein, was sie selbst hatte - auf ihre ethnische Gruppe, der sie angehörte, auf ihren Mann, der wie sie blond und blauäugig war.

Ihr gesundes natürliches Empfinden, seine Stärke, bewit sie auch, als sie zugab, daß sie vieles nur noch abstieß, was von ihr auf Bühnen (speziell in Deutschland) verlangt worden war (und das ist meist schon enorm viel, der VdZ weiß, wovon er spricht), und zwar von Bochum bis Berlin. Das ein Abwerfen alles hieß, das von ihr als Fundamente ihrer persönlichen Moralgefühle begriffen wurde, denen sie nicht mehr widersprechen wollte, das ihr als falsch vorkam.

Ihre Wende war eigentlich nur eines: Resultat ihrer Sehnsucht nach Ehrlichkeit. Sie wurde "traditionell", "rechts", weil sie ihren eigenen Gefühlen nachgab. Das ist das Interessanteste an diesem Interview. Wollen nicht genau das die Linken? Ist nicht das das vorgebliche Ziel der "neuen Pädagogik"? (Übrigens hat der VdZ schon mehrmals festgestellt, daß Waldorf-Schüler zu den konsequentesten, unnachgiebigsten, ja ideologischesten "Rechten" gehören, das nur nebenbei.)
Sie war europäisch, sie sprach fließend Deutsch, sie hatte längst begonnen, die deutschen Philosophen zu lesen, die Kultur zu lileben und zu verstehen, war also bereits vollkommen integriert, hatte einen unbegrenzten Arbeitsvertrag, lebte also von ihrer Arbeit, alles. Da ... warf man sie aus Deutschland hinaus. Man verlängerte ihre Aufenthaltsgenehmigung nicht mehr, und genau so ging es ihren Freundinnen, hoch ausgebildeten Fachkräften mit zahlreichen Ausbildungszertifikaten. Während jeder Nordafrikaner (etc.) bleiben kann.  Ist das also der Typ von Zuwanderern, der hier gewünscht ist? Dann, so Jorgenson, dann sollen sie damit auch fertigwerden. Sollte sie sich schämen, daß sie bond und blauäugig und erfolgreich war? Sie ging wieder zurück in die USA.

Der VdZ bringt das Gespräch nicht zuletzt deshalb, weil er mit absoluter Sicherheit sagt, daß es den heutigen Generationen der Verrücktheit - und es sind mittlerweile fast alle schon verrückt -  nur an einem fehlt, an genau dem, das sie als Argument für ihre Desorientiertheit anführen: Am Mut zur eigenen Wahrnehmung. Was ihm sogar von seinen eigenen Kindern an Argument vorgebracht wird, daß sie alle - im Gegensatz zu ihm - endlich ihren Gefühlen folgen wollten, nicht durch die Vernunft "verkrüppelt" werden wollten, ist eine einzige Lüge. Es ist genau umgekehrt.






Hier ein Video mit einem Gesangsauftritt der Norwegerin in Heidelberg, 2013.








*250417*