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Samstag, 6. August 2016

Was aber, wenn Erdogan recht hat? (2)

Teil 2) Erdogan ist aber ein Orientale. 
Und daran ist nicht einfach etwas Schlechtes.
Wäre da nicht ein Kulturgefälle.





Erdogan ist nicht unbedingt ein nach europäischen Mustern gestrickter Mensch. Er ist vermutlich nicht einmal sehr intelligent. Was so aussieht ist vermutlich einfache Schläue eines Straßenjungen, der viel kennt und gelernt hat, daß man lieber zweimal zu früh zuschlägt als einmal einzustecken, in die wir Europäer, weil wir von uns ausgehen, Vernunft und Absicht und exakt überlegte Strategie hineininterpretieren. Aus diesem Milieu stammt er ja. Und daß er nach europäischem Mainstream - nach europäischem! - einen gewissen Charakterdefekt hat steht außer Streit. Der VdZ glaubt nicht, daß Erdogan ein großer Stratege ist. Nicht aus dem Beobachteten, nicht aus so vielen anderen Gründen, für die auch schriftliche Zeugnisse (Biographien) Belege liefern, wenn man sie zu deuten versteht. Gründe, Einzelmotive, denen er treu ist, Teilabsichten denen er strikt folgt, ja. Aber das ist keine Strategie.

Aber verhält er sich nicht einfach wie ein Orientale?  Europäisch ist kein Orientale, und er ist es nie gewesen. Das stellen sich nur die Dorfschwabbler mit Großstadt-Outfit vor, zu welchen so viele Europäer geworden sind, die sich gar nicht vorstellen können, daß es jemanden gibt, der Dinge tut und denkt, die eben ein Europäer nicht tun würde und auch nicht zu denken vermag, und trotzdem kein Problem damit hat weil sich sein Ehrgefühl ganz anders auspolt. 

Der Orientale ist nach allen Zeugnissen und Erfahrungen seit je kein strikt-logischer, philosophischer Mensch, wie der Deutsche, der Europäer. Er kann mit europäischer Distanziertheit und Objektivität nichts anfangen, sie ist ihm schon menschlich unsympathisch, und liebt wesenloses Theater.

Darum gibt es dort auch kein Theater im eigentlichen Sinn. Eine solche Anstalt würde sowieso niemand ernstnehmen - der Orientale sucht nicht die alles tragende Wirklichkeit, wie der Europäer, diese geht im "Kismet" unter, der Beliebigkeit Gottes, der nicht "Vernunft selbst" ist. Das ist nur etwas für europäisierte, entislamisierte Atatürk-Rationalisten. Und, in gewissem Rahmen - für Sufisten, wie letztlich Gülen. Gülens Lehren versuchen diese Verbindung von Vernunft und Offenbarung. Also hat auch das Wort dort eine andere Bedeutung. Gülen vertritt eine Art Synthese von Atatürks europäisch aufgefaßter Modernität samt deren Nationalismus - und dem Islam.

Deshalb hat er ein anderes (wobei: keineswegs völlig unnachvollziehbares, für einen strengen deutschen Menschen sogar tatsächlich als abzulehnen qualifiziertes) Verhältnis zum Wort, zur Sprache, zum Versprechen, zur Logik, und damit zum Denken. Einem vernunftlosen Gott kann Logik niemals entsprechen, sie ist deshalb auch kein Weg zu ihm.

Deshalb steht seine Identität ständig am Prüfwasser; denn Identität braucht Erinnerung, Wirklichkeit, also Urteil, also strenge Begrifflichkeit. Er kann morgen tun, was er heute ablehnt, und übermorgen wieder umgekehrt. Das ist ihm keineswegs "Charakterschwäche" wie dem Europäer, sondern Klugheit. Welt bleibt damit Traum. (Möglicherweise ist das der tiefere Grund des Konflikts mit den Kurden, die soweit der VdZ damit Erfahrung gemacht hat (und die hat er) anders, sogar "europäischer" sind, und den Türken sogar vorwerfen, gar keine Kultur zu haben.) Selbst der Islam als Religion zeigt diese Charakteristik. 

Weshalb auch alle Versuche, ihn als "christentums-kompatibel" darzulegen, ihn europäisieren zu wollen, schlicht und ergreifend Ausflüsse von Intelligenzschwäche sind, sonst gar nichts. Mehr als einen allfälligen momentanen Teilnutzen wird der Orientale nie in Europa und seiner Kultur sehen, und nur so weit wird er ihr auch folgen. Das heißt noch dazu nicht einmal, daß sich beide Kulturen auf Augenhöhe begegnen, das tun sie nämlich nicht. Das tun nicht einmal die Kulturen der Völker in diesem geographischen Raum untereinander. Einige ist anderen weit überlegen, wie das eben ist auf der Welt. Welche welcher möge sich der Leser aber selbst zusammenreimen. Es hat aber in einem Ausmaß mit der Sprache - und damit der Sprache der Heiligen Bücher - zu tun, daß der VdZ es nicht mehr wagt, diesen Gedanken hier weiterzuführen.

Denn darin liegt der Schlüssel zu dem so oft beklagten Umstand, daß islamische Völker praktisch keine eigene Kulturentwicklung kennen, alle Entwicklungen anderen Kulturen entstammenden, lediglich genutzten Umständen verdanken. Atatürk dürfte das immerhin gesehen und deshalb (!) eine Sprachreform - weg vom jede Entwicklung verhindernden, ja man muß fast sagen: absurden (Atatürk nannte es "stinkenden Leichnam") Arabischen, hin zu einem neuen, entarabisierten, latinisierten (und damit latinistisch-logisierten) Türkisch* - als Schlüssel zu einer Entwicklung erkannt haben.

Also haben sich einfach in der Türkei zwei gefunden - ein zentralistisch-totalitärer Erdogan, und ein Volk, das mehrheitlich (und zu dieser Mehrheit gehören auch die meisten rechten, nationalistischen Bewegungen, selbst wenn sie nicht direkt Erdogan-Anhänger sind; die könnte jeder nationalistische Politiker hinter sich sammeln, also auch ein Gülen) genau so einen Herrscher möchte und braucht. Auf das Erdogan paßt wie die Faust aufs Auge.

Mit europäischen Maßstäben sind die Türken nie zu messen gewesen. Denn die Türken bzw. die Völker der Türkei sind eben kein europäisches Volk. Die Türken selbst, die dann die heutige Türkei eroberten und formten, kamen sogar relativ spät - ab dem 11., 12. Jhd. - aus Asien, und füllten unter dem Fürstengeschlecht der Osmanen das Machtvakuum, das die Byzantiner (nach ihren Niederlagen gegen die Seldschuken, wie die bei Manzikert) nach Arabien auch hier hinterließen.

Europäisch sind sie nie gewesen und nie geworden. Daran ist sogar Atatürk gescheitert: auch seine Pläne, die Türken europäisieren zu wollen, sind in Wahrheit nie aufgegangen. Seine Hinterlassenschaft ist ein gewisser Anteil an "modernen" Türken, die regelrecht ihren eigenen Wurzeln entsagt haben (das ging bei Atatürk bis zu Latinisierung und Reform der Sprache), und nun ein tatsächlich gespaltenes Land sichtbar machen, weil sie in die "alte" Türkei, die eine deutliche Mehrheit vor allem im einfachen Volk hat, nicht paßt. Hier existieren tatsächlich zwei Gesellschaften, die Kurden oder Armenier sind dagegen noch ein bewältigbareres Problem.

Das beweist die heutige Türkei endgültig. In der diese Bestrebungen über all die fast 100 Jahre ihres Bestehens in der heutigen Form nie geruht haben, wirklich nie griffen, das Alte aber immer latent blieb, und nur durch starkes Militär und Ordnungsmächte unterdrückt werden konnte. Das ergibt Mentalitäts-Unterschiede, die auch eine christlich-abendländische Politik einfach als "Andersheit" hinnehmen sollte, wo soll das Problem liegen? Europa hat im Gegensatz zu den Amerikanern keineswegs Ziel und Aufgabe, die Welt - oder die Türkei - zu retten. Es hat deshalb die Möglichkeit, sich jene politischen Linien mit außereuropäischen Partner auszusuchen, in denen Interessen zur Deckung kommen.

Aber schon Otto von Habsburg hat völlig richtig festgestellt: Europa liebt die Türkei. Aber diese gehört nicht zu Europa. Die Türkei hat eine andere Sendung ein einem anderen geographischen Raum. Kehren wir hier zum Anfang zurück.

 Nur eine These

Na klar: was und wenn und wenn nicht ... Näheres weiß man nicht vom Putschversuch in der Türkei. Alles bleibt Spekulation. Als Versuch, zu verstehen, Hintergründe hinter Geschehnissen zu verstehen. Denn sie sind es, auf die es letztlich ankommt, will man eigenes Handeln vernünftig gestalten. Und wir Europäer sind ja betroffen, involviert. Man weiß ja auch von der landläufigen Lesart (samt einem Watschenmann vom Dienst - Erdogan) nicht viel Verläßlicheres. Sie ist nicht weniger auf Mutmaßungen angewiesen ist. 

Also muß es auch erlaubt sein zu fragen, ob es nicht klare Interessen gewisser global agierender Mächte geben könnte, die Türkei in der heutigen Form zu destabilisieren. Durch ein Benützen der völlig richtigen, natürlichen Ressentiments der Europäer gegen die vielen Millionen Türken, die Europa bereits als Parallelgesellschaften durchlöchern, durch inszenierte oder geförderte Terroranschläge direkt in der Türkei, oder wie jüngst vielleicht gar durch ganz leicht angestoßene Putschversuche gegen ihre Regierung. Die diesen Interessen vielleicht nicht immer so dienlich ist, wie es jenen Mächten genehm wäre. Und sei es, weil sie orientalisch ist.




*Das Türkische als Sprache gehört den Altaisprachen zu, wie das Mongolische oder das Sibirische, in ganz weitem Sinne (weil historisch-linguistisch bereits enorm entfernt) auch das Ungarische und Lappisch-Finnische als ural-altaische Sprachengruppe, in die das Koreanische und Japanische, aber auch das Eskimoische fallen. Altaisch heißt mit Sprachcharakteristiken, die (wie u. a. P. W. Schmidts linguistische Untersuchungen belegen) den vaterrechtlich organisierten Nomaden-Viehzüchter-Völkern eigen sind. Grammatik einer Sprache ist ja immerhin der direkteste Ausdruck eines  Weltbefindens, sodaß man sehr gut sagen kann, daß gleiche Sprache auch gleiche seelische Stimmung - also Kulturdisposition - bedeutet. Die Türken sind der westlichste Ausläufer dieses breiten, asiatischen Kulturbandes, das im Osten bzw. dessen Süden bis zu den Chinesen reicht.




*020816*

Dienstag, 26. Juli 2016

Vereinigung der beiden Zypern ist nicht mehr möglich (2)

Teil 2) Die ausufernden Anmerkungen




*Schon der Gebrauch des Wortes, in Anspielung auf die Wiedervereinigung Deutschlands, ist eine Lüge. Zwar haben die muslimischen Türken und die christlichen Griechen vor 1974 in eher vermischten Siedlungsräumen gelebt, ja. Aber es kam dann zu einer ethnisch-religiösen Trennung und Aussiedlung jeweiliger Teile, eben in das heutige Nord- und Südzypern, wobei die Griechen sich durch ihre politisch unmögliche nationalistische Wiedervereinigungsfahne zu Griechenland als die Hauptschuldigen an der Eskalation darstellen, die Militärintervention der Türkei war am Anfang keineswegs unberechtigt, es gab Pogrome, es gab Massaker, es gab Unterdrückung der Griechen an den Türken. Anders aber als in Deutschland waren hier kaum familiäre, eher einfach jahrhundertealte nachbarliche Gemeinschaften gegeben, wie sie sich seit der Eroberung Zyperns durch die Muslime im 15. Jhd. eben herausgebildet hatten. 

Sodaß aber bis 1974 in manchen Gebieten buchstäblich Grieche neben Türke friedlich-verträglich und quasi miteinander gelebt hatten. Hätte die Griechen unter Makarios nicht der Teufel geritten. Wiewohl ... nicht auch das verständlich? Als Notwehr gegen eine erdrückende türkische Nation im Norden, deren Islam, und dem richtig vorhergesehenem Einfluß? Europa könnte heute noch so viel aus dem Fall Zypern lernen, würde es sich endlich von all seinen widerlichen Sentimentalitäten und Wirklichkeitsvernuschelungen trennen.

Daß der Verlust dieser Einträchtigkeit bedauernswert ist ist ai´ßer Frage. Aber diese Gemeinsamkeiten, die in einer weitgehend gleichen Lebensweise gründeten, gibt es heute überhaupt nicht mehr. Darüber täuscht sich höchstens der Creditcard-Tourist, der von Internet-Cafe zu Strand-Cafe hetzt und hier wie dort mit denselben Methoden ausgenommen werden soll und eigentlich nur Strandboulevards und ein bisserl Geschichtsgrusel möchte, solange er ihm das Eis nicht vom Stiel schmilzt. Wer in Nordzypern aber übers Land fährt, wer die ehemaligen griechischen Siedlungen sieht, die heute anatolische Zuzüglinge bewohnen, wird das SOFORT feststellen. Hier hausen Heuschrecken einer ganz anderen Kultur. Eben ... der ortslosen türkischen Stämme.  Mit Grotesken ganz neuer Art. Der Leser dieser Zeilen möge doch einmal in eine türkische Bank gehen, um Geld zu wechseln. Er wird dort ein Gefühl haben wie seinerzeit an den Grenzen BRD-DDR - rechtlos, an der Grenze zu jederzeitiger Inhaftierung weil völliger Vernunftlosigkeit. Warum? Keine Ahnung. Ah ja, dann ist es "Eigenheit". Alles klar. Wenn der Bankbedienstete nicht ein bisserl verständnisvoll ist, weil man doch nur ein paar Euro einwechseln wollte (und er schon genug Youbube-Videos gesehen hat, wo das ganz simpel ist), ist es ein Horrorerlebnis. EU? Freie Wirtschaft? Kultur? Die kann nur auf Vernunft und damit Freiheit beruhen. Nicht auf einem Totalitarsystem.

Zwischen den alteingesessenen Türken wie Griechen gibt es nur marginale wirkliche Mentalitätsunterschiede. Sie haben dort nebeneinander gelebt, ihre Felder bestellt, Wein gekeltert, die Städte mit Läden besiedelt und dieselben Speisen verzehrt. Sehr wohl aber gibt es dramatische Unterschiede zwischen den hunderttausenden Neuzuwanderern, die heute die Mehrheit im Lande stellen, und den Zyperern vor 1974, ob Türken oder Griechen. Sodaß sich sogar die Alttürken (und Altmuslime) unterdrückt fühlen, denn diese (DIESE) Türkei hat sogar eine neue Sprache mitgebracht. Die Alttürken dürfen heute ihre alte, ihre eigene Sprache gar nicht mehr sprechen. Sie sind unterdrückte Minderheit im eigenen Land geworden, das zu retten die Türkei damals vorgab. Ein- und dasselbe Schema also auch hier. Europa, mach doch endlich die Augen auf!

**Gerade die Reaktionen "der Massen" auf den "Putsch" (oder was immer das war; wie weit selbst NATO-Länder bereits in inszenierten Anschlägen, politischen "motiven" etc. etc. gegangen sind, ist mittlerweile ja erwiesen, also keineswegs Inhalt von Verschwörungstheorien. Daniele Ganser hat hier hervorragendes wissenschaftliches Material geliefert. Nur Naivlinge können glauben, daß ein solcher "Putsch" als reine politisch nützliche Inszenierung außerhalb der Denkmöglichkeit läge) - gerade also die Reaktion der türkischen Massen zeigt, wie sehr die Türkei die Bruchlinie zwischen Abendland und Orient repräsentiert. 

Von der schon die antiken Griechen (Aeschylos, "Die Perser"; lesenswert, weil auf den Punkt gebracht; die Türken sind dieselben Orientalen, wie die Perser damals!) meinten, daß sich dort ein zentralistischer, entindividualisierter Persönlichkeitskult als Herrschaftsform gebildet hat, mit Gottgleichheit des Herrschers, ganz im unvereinbaren Gegensatz zum abendländischen Prinzip. Und die Beispiele aus der Geschichte sind buchstäblich zahllos. Wenn auch zuweilen für abendländische Randcharaktere anziehend, bis heute. Schon Friedrich II. der Staufer hat mit diesem orientalischen Herrscherprinzip geliebäugelt. Ein Urstreit im Abendland, übrigens! Die Türkei ist nicht Europa, und das beweist sich so demonstrativ, daß man fast von einem göttlichen Wink sprechen muß. Wer natürlich meint, daß ein All-inclusive-resort in Antalya oder die Verwendung von iPhones samt Twitter-Account Beweis für hohe Kultur sei, wird sich davon nicht beeindrucken lassen.

***Die hoch theatralisch vorgetragene Jammerei der Türken über die "Belastungen" aus den Flüchtlingen aus Syrien sind doch immer schon unerträglich gewesen. "Humanität". Darf man lachen? Denn einer der Hauptdrahtzieher an den Destabilisierungsversuchen in Syrien WAR DIE TÜRKEI. Syrien ist ja seit Jahrzehnten fast so etwas wie ein Intimfeind der Türken, aus verschiedensten Gründen. Es verhindert die Expansion der Türken in diesen Raum hinein. Deshalb hat Erdogan mit al-Sadat Freundschaft vorgeheuchelt, um ihm dann die "Rebellen" vorzusetzen, damit sie ihn aus dem Amt schießen. Niemand freut sich übger die syrischen Flüchtlinge mehr als Erdogan, denn sie bieten ihm sogar weitere Möglichkeiten - als Optionen gegen seine Kurden nämlich. Neben den europäischen Milliarden, und der üblichen Ahnungslosigkeit von Papstvirtualitatitationen samt willenlos höriger Gefolgeschleppe. Die, wie bei Hörigkeit eben naturgemäß, allesamt auf oberste Macht spekulieren. Das trifft sich also alles bestens mit Erdoganismen. 

****Von der geistig ohnehin bereits angekränkelten Seite sind dann jene, die die "Visafreiheit" innerhalb Zyperns als "großzügigen Akt" der Türkei sehen will. Es war doch schon lange nur noch ein reiner Formalakt, wer das erlebt hat, ohne Bedeutung. Und gänzlich absurd wird es, wenn Stimmen laut werden die da meinen, daß doch auch die Türkei den Europäern Visafreiheit gewähre, also sei das doch nur zu logisch, das auch umgekehrt einzuführen. Klatschen da die Spatzen im Chor? Wenn Europäer nicht bald wieder in Scharen ans türkische Mittelmeer fahren, um dort ihre Urlaubskredite in All-inclusive-Resorts zu verjubeln, bricht ein Zehntel (!) der türkischen Wirtschaft (samt Turkish Airlines) insgesamt, regionenweise 90 % der Wirtschaft zusammen! Während wenn der Zustrom von Anatolen nach Europa versiegen würde, endlich, die Sozialsysteme (es gibt Zahlen dazu!) um 10 % (nur in Deutschland!) entlastet würden? Schon mal was von Assoziationsabkommen (auf dem Rücken Deutschlands, als "Reparationen für ewige Schuld" aus anderen Wegen) mit der Türkei aus den 1950ern gehört? Es sind nach wie vor hunderttausende Kinder in der Türkei, die aus deutschen Sozialtöpfen ihre Kishkebaps finanzieren.

Was kommt als nächstes? Der unglaubliche (und zur EU nahezu unübersehbar anempfehlende) Humanakt, daß Turkish Airlines kostenlos wen auch immer nach Antalya karrt, weshalb es nur zu logisch wäre, auch abertausende Türken nach Europa zu fliegen, die in Wahrheit vor Erdogan fliehen müssen und hier ihre Kämpfe untereinander austragen, denn in der Türkei wären sie längst ohne Gerichtsverfahren auf ewig im Gefängnis, hier können sie aber munter drauflos islamisieren? Seit der VdZ 2004 die Massen von Türken durch die Straßen von Wien Favoriten brausen sah, die den Fußballerfolg "ihrer" Nationalmannschaft bejubelten, hat er dazu sowieso seine eigenen Gedanken.





*240716*

Montag, 25. Juli 2016

Vereinigung der beiden Zypern ist nicht mehr möglich (1)

Auch zur Einschätzung der Frage nach einer weiteren EU-Integration unter der Flagge einer "Wiedervereinigung" ist es Zeit für klärende Worte und ein Abstreifen simplifizistisch-naiver Friede-Wonne-Eierkuchen-Virtualitäten. Denn schon der Gebrauch des Wortes "Wiedervereinigung" ist ein Etikettenschwindel. Die Türkei hat in den letzten Jahrzehnten ganz gezielt (dazu brauchte es keinen Erdogan, dazu genügte der in der Türkei sehr starke Rechtsnationalismus, der Erdogan ja so geschickt in die Hände spielt bzw. mit dem er spielt, denn sie finden in der AKP eine Heimat) die dort ansässige ursprüngliche türkische Bevölkerung durch Massenzuwanderung aus Anatolien vollständig überlagert. Die ehemaligen zyprischen Türken GIBT ES GAR NICHT mehr, um die geht es auch gar nicht mehr. Und sie sind den Türken weit mehr egal als den Griechen auf Zypern.

Denn was heute in Nordzypern an Türken lebt ist mehrheitlich gar nicht mehr die ursprüngliche türkische Bevölkerung, deren Islam bekanntermaßen und seit je sehr moderat und deshalb für viele häretisch war. Die Kulturen der früheren muslimischen und griechisch-orthodoxen Bevölkerungsteile Zyperns haben sich kaum unterschieden, beide landesteile haben mehr oder weniger völlig gleich gelebt.

Das hat sich aber mittlerweile geändert. Der VdZ hat mit muslimischen Nordzyperern gesprochen. Sie haben ihm erzählt, daß sie sich weit eher mit den Griechen des Südens als Einheit sehen, als mit den hunderttausenden Türken, die nun den Norden regelrecht übernommen haben. 

Von einer Wiedervereinigung kann man also gar nicht sprechen. Mittlerweile stehen Nord- und Südzypern vor denselben Problemen wie das christliche Europ amit dem Islam generell: Hier stehen sich zwei unterschiedliche Kulturen gegenüber. Und die Traumtänzer, die von einer Wiedervereinigung* schwafeln, gehen simpler Erdogan'scher Propaganda auf den Leim. Der natürlich in dem "so gemäßigten" nordzyprischen Präsidenten, der erst vor ein oder zwei Jahren gewählt wurde und sich mit Bildern der Versöhnung und Kinderhätschelei so gerne hervortut, einen Wolf vorschickt, der Kreide gefressen hat. 

In Wahrheit ist die Frage der "Wiedereinigung Zyperns" samt anschließendem EU-Beitritt nunmehr beider Teile (Südzypern ist ja schon lange EU-Mitglied)der berühmte Fuß, den Erdogan in die EU-Türe stellen will. Die einzigen, aber in die Gesamtstrategei Erdogans wunderbar eingebetteten Gründe, warum die Gesamttürkei den EU-Beitritt möchten kann, sind zum einen handfeste wirtschaftliche Vorteile (denn die vielgerühmte wirtschaftliche Prosperität der Türkei ist ein papierenes Scheinhäuschen;: wie wunderbar wäre da ein EU-Rettungsschirm, der sich auch bis nach Antalya ausbreitet), ist ferner aber in jedem Fall eine Stärkung der außenpolitischen Großmachtsträume der Türkei, denn fortan wären deren außenpolitischen Agenden - mit einem Schlag stünde Europa mitten und direkt im vorderasiatischen Konfliktraum! 

Plötzlich wären alle die arabischen, muslimischen Länder direkte Anrainer der EU, Europa wäre direkt in türkische Außenpolitik - stärkend! - involviert!), und dann ist natürlich die aus dem persönlichen politischen Werdegang und der persönlichen Konstitution Erdogans (der ein ausgebildeter muslimischer Imam ist) motivierte Öffnung Europas für ungebremsten muslimisierenden Einfluß, der ohne jede Frage auf eine Islamisierung Europas hinausläuft. Es ist deshalb überaus auffällig, daß der "Putsch" von voriger Woche trotz dessen Dementi Fetthullah Gülen zugeschoben wird.

Denn in diesen Zielen sind sich Erdogan und Gülen - Konkurrenten! Und immerhin schätzte man (vor dem Putsch) die Unterstützung der Gülen-Bewegung im Volk auf bis zu 10 %. Warum wohl meint der Leser dieser Zeilen, daß Erdogans Vergeltungsmaßnahmen sich auch auf die Schulen beziehen? Weil Gülen gerade diesen Aspekt besonders stark betont und gefördert hat, noch vor Erdogan. Und über ihre Vereine mehr als 1000 Schulen gegründet hat. Man hat die Gülen-Bewegung sogar als "Staat im Staat" bezeichnet. Nun kann Erdogan mit seinem eigentlich intimsten Feind im Kampf um die absolute Macht abrechnen.

Will er nämlich durchziehen, sich in die Geschichtsbücher eintragen, und das will er, dann muß er seine Konkurrenten vor allem dort beseitigen, wo sie (fast oder annähernd) ums selbe Ziel kämpfen. Deshalb der Muslim Gülen als Feindbild, deshalb die Nationalismen wie der Anklang an die "Grauen Wölfe", deshalb die vielen Spagate, die er bereits vollbrachte. Und da vermischen sich für den Europäer oft die Grenzen, da überlagern sich scheinbar nämlich viele "gleiche" Interessen. Erdogan, so könnte man es sagen, arbeitet an der Herausarbeitung dieser Unterscheidungen. Das ist die Voraussetzung: Bis nur noch er überbleibt, weil alles in sich vereint. Persönlich. Ganz persönlich. Anders kann man im Orient doch auch gar nicht Politik machen. Der Europäer möge sich von seinen Vorstellungen schleunigst verabschieden! Bestenfalls im undifferenzierten Papismus finden sich da Parallelen, denn irgendwie kann man sagen: "Der Orient ist überall". Er ist nämlich eben auch eine der menschlichen Grundarchetypen, zu denen sich Grundbewegungen der Welt (bzw. des Verhältnisses zur ihr) formieren können.

Wer heute eine "Wiedervereinigung Zyperns" proklamiert, kann Zypern niemals lieben. Der lügt. Der fordert vielmehr eine Vereinigung zweier mittlerweile kulturell auseinandergedrifteten Länder und Kulturen, mit denselben Problemen wie sie Europa mit dem Islam an sich hat, um die Islamisierung Europas weiter und sogar wegen der Folgen überproportional zu stärken. Eine "Wiedervereinigung" Zyperns ist nicht nur bereits unmöglich, und zwar: durch die Politik der Türkei seit Jahrzehnten, sondern nach den Maßnahmen, mit denen Erdogan durch den "Putsch" (wo eine Handvoll Soldaten mit Schießgewehren, fünf Panzern und zwei Flugzeugen die zweitgrößte Armee der NATO ausschalten und durch Besetzung der Bosporusbrücke in eine Richtung die politische Macht in der Türkei an sich reißen wollte ...) nun endgültig jene Politik durchsetzen kann (weil angeblich "gerechtfertigt", wie ihm aus dem europäischen Kollektivpolitikerfurzchor diensteifrig und inkompetent die Segel bläht) und wird. 

Jene Politik, die er nachweislich immer schon verfolgt hat: Im Umbau seines Landes weg vom Laizismus Atatürks zum islamischen Staat Türkei, in der Reinstallierung von Sultanat und Kalifat, in der Vorherrschaft im gesamten islamischen Raum. Und davon hat der Bub aus dem verrufensten Istambuler Stadtviertel schon vor fünfzig Jahren geträumt. Dazu ist ihm ein "geeintes" (und dabei im Inneren erst recht gespaltenes) Zypern nur Köder, den Europa möglichst bald endgültig verschlucken soll.

Unter den derzeitigen Auspizien aber kann man eine Vereinigung dieser beiden Teile Zyperns nur dringend ablehnen, ja, man wird es für alle Zukunft ablehnen müssen. Und daran hat nun die Türkei Schuld.**




Teil 2) Die ausufernden Anmerkungen






*240716*