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Sonntag, 5. Juni 2016

Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (3)

Teil 3) Katholizismus heißt, das Denken zu seinem Ziel 
und ohnendlichen Ende eines Zustands zu führen





Es gibt deshalb keine "katholische Philosophie" - es gibt nur Philosophen, die katholisch sind als Chance, tiefer, besser, dimensional weit umfassender, weltentgrenzter zu denken. Es gibt keine "katholische Kunst" - es gibt nur Künstler, die katholisch sind, als Chance bessere, weltentgrenztere Kunst zu sein. Es gibt keine "katholische Politik" - es gibt nur Politiker, die katholisch sind, als Chance, bessere, gerechtere, umfassender richtige Politik zu machen an deren Endstufe sogar "die Kirche" steht. Und so weiter, und so fort. Das ist nicht zu trennen! Wird es dennoch getrennt, trennt man ein "Irdisch-Immanentes" vom Transzendenten AB, wird es nicht deshalb ein rein irdisch-Konkretes-Immanentes, sondern es wird ein auch irdisch weil "seientlich" Schlechteres, was auch immer davon betroffen ist. 

Der Nicht-Katholik macht auch schlechtere Kunst, der Nicht-Schuster macht schlechtere Schuhe ... oder warum glaubt irgendjemand, daß sich die abendländische Kultur nach Jahrhunderten der Transformation der vorhandenen Kulturen DURCH DIE KIRCHE, DURCH DEN KATHOLIZISMUS als derartig überlegen erwiesen hätte? Und zwar im (scheinbar) "rein Irdischen"? Natürlich wird aus einem schlechten Künstler, Politiker, Denker, Schuster kein großartiger Künstler, wenn er katholisch wird. Aber ein guter Künstler wird durch den Katholizismus ein noch besserer Künstler! Und DARIN liegt sogar sein Ort des Katholischseins - in der gesteigerten, dimensional erweiterten Hingabe an die Kunst.

Gerade in unseren Ländern verdanken wir es den Protestantismen (aber nicht nur diesen), daß diese Zusammenhänge kaum noch begriffen, daß diese Dinge so auseinandergerissen werden. Dabei ist selbst dieses Denken des Auseinanderreißens auf eine Weise ohne Katholizismus gar nicht möglich. Aber sie sind Simplifizierungen, sie sind abgebrochene Denkwege, sie sind vor allem in persönlichen Entscheidungen verweigerte Denkwege.

Wer meint, sich Denkarbeit sparen zu können zugunsten eines irgendwie gefühlten, empfundenen, weiß der Deibel wie motivierten Moralprogramms, einer Verhaltensdressur oder Verhaltenskorrektur, und sei es die einer bestimmten Haltung "der Liebe", einer sinnlos aufgelösten "Demut" als gefühlig-suhlige Gestaltsauflösung, usw. usf., erniedrigt den Katholizismus tatsächlich - zu einer Ideologie. Denn solche willkürliche, irrationale Urteils- und Denkvoraussetzungen sind das eigentliche Wesen der Ideologie, das schreibt Alexander Grau nicht unrichtig.

Das soll nicht heißen, daß es diese Versuchung zur Ideologisierung des Katholischen im Praktischen, im Alltäglichen nicht gäbe! Bücher, ja Bibliotheken sind dazu schon geschrieben, und könnten ständig neu dazugeschrieben weil aus einer immer ihr Kostüm verändernden Gegenwart heraus erkannt und gedacht werden. 

Sehr wohl ist auch wahr, daß diesem persönlichen Verankertsein - genau das ist nämlich Ideologie: Sie ist IMMER aus einer erstarrten persönlichen Haltung geboren - sehr sehr oft nachgegeben wird. Es gibt sie vor allem dort, wo jemand angefangen hat zu denken, aber die Kraft nicht besitzt, dieses Denken zu seinem entscheidenden Punkt voranzutreiben, wo jemand auf halbem Weg stehenbleibt. Wer zu denken beginnt, der muß den Weg auch zu Ende gehen, anders geht es nicht.  

Und das ist sehr sehr mühsam, schmerzhaft, braucht Vertrauen (ins Sein), und das ist eine richtige, nicht endende Tages- und Lebensaufgabe und -anstrengung. Geschenkt gibt es da nichts, obwohl letztlich, ja letztlich doch alles geschenkt ist. Die Mühe ist das Öffnen zum Katholon, zum Allumfassenden, ist das Loslassen des Ausgewählten, des Häretischen (das griechische Wort heißt eben: Auswählen). So, wie sich der Mensch seine Existenz nicht selbst verdankt. Auch das ist eine Aussage über das Sein der Welt.

Und deshalb - wir schließen den Kreis - hat die AfD vielleicht sogar mehr als sie weiß recht, wenn sie sagt, daß der Islam eine Ideologie IST. Er ist es! Weil er eine Religion ist. Und er unterscheidet sich genau darin grundlegend vom Katholischen, und damit grundlegend vom Fundament des Abendlandes. Denn es stimmt, was Alexander Grau im Cicero schreibt: JEDE Religion ist ab und in irgendeinem Punkt Ideologie.

Aber der Katholizismus IST eben keine Religion. Ihn so zu nennen ist bereits sachlich eine grobe Verfehlung seines Wesens, meistens Ausfluß von Ungenauigkeit eines "so irgendwie doch", und immer gefährlich. Weil er die Erfüllung alles dessen ist, wozu jede Religion sich zur Ideologie formt und den Anlauf versucht, der aber immer das Entscheidende fehlt - das Sakramentale. Wo also das, was man sagt, das auch WIRKLICH UND ALS WIRKLICHKEIT IST was man sagt, sich also nie aufs bloße Sagen oder eine Lehre oder eine Ideologie beschränkt weil sich darin sogar verfehlen würde, um es vielleicht anschaulicher zu machen. Jede Religion ist also nicht eine graduelle Abstufung des Katholischen, sondern sie ist ein Hinweis, ein leider nie Erfüllung finden könnender Weg ZUM KATHOLIZISMUS, der jede Religion um die Dimensionen DES WIRKLICHEN SELBST übersteigt. 

In dieser "hinweisenden Eigenschaft" auf Gott verdient jede Religion in ihrem menschlichen Bemühen gewissen Respekt, gewiß, und eben WEIL der Katholizismus für uns Menschen nicht ausreichend positivistisch formulierbar ist, kann man auch nícht endgültig ausschließen, daß Menschen guten Willens irgendwie auch zu Gott in personaler Erlösung finden. Wie, wissen wir aber nicht. Die entsprechenden offiziellen Dokumente jüngeren Datums, wie etwa die des Zweiten Vatikanischen Konzils, sind nicht anders zu verstehen. Sie sind gewissermaßen "diplomatischer Austausch von Höflichkeiten", nicht mehr. Irgendwie ist auch in der Kerze Licht.

Aber umgekehrt ist uns auch nicht möglich, distinkt zu sagen, daß eine "Religion" als Weg des Menschen zu seinem Heil zu sehen ist. Eher müssen wir davon ausgehen, daß es nicht so ist. Und noch weniger bei jemandem, der dem Katholizismus und damit dem inkarnierten Gott (der in der Kirche unter uns Menschen weilt, gewissermaßen als "Pharmakon zur Heiligkeit", wie Mosebach es einmal ausdrückte) bereits begegnet ist. Der MUSZ sich entscheiden, der muß sich zum Anruf der Wahrheit verhalten. 

Unverwester Leichnam des Hl. Padre Pio
Und die Spuren dieser Entscheidung sind auch tatsächlich bei jedem, der genuin christlichem Kulturkreis entstammt, sich aber GEGEN den Katholizismus entscheidet, zu finden, rational zu erfassen, und als Enge und personalen Defekt - tatsächlich, ja: als ideologische Geführtheit - erkennbar. Und wer sogenanntes christliches Milieu heute kennt muß sogar oft eingestehen, daß er von enorm vielen Anhängern einer "christlichen/katholischen Ideologie" umgeben ist. Der Weg ist schmal, fragil, immer gefährdet weil immer ein actu, ein Akt, und der Schritt vom Katholizismus zur "katholischen Ideologie" rasch passiert.

Doch um das zu verstehen, müßte sich auch der Liberalismus, auch viele sogenannte "Katholiken" oder "Christen", aber jeder Mensch erst einmal von seinen Ideologien trennen; aus deren Entführungen herauskommen. Im Schritt in die Insecuritas dieser personalen Entscheidung und Begegnung. Denn zwar hat jede Ideologie, jede Religion eine Entscheidung zur Grundlage, gewiß, aber sie ist eine der Angst, der Suche nach letztlich doch innerweltlicher Sicherheit. Hier hat sogar die Religionskritik eines Feuerbach und Marx oder gar Freud eine gewisse Richtigkeit.

Heiligkeit als ganzer Mensch 
Unverwester Leichnam Hl. Bernadette v. Soubirous
Aber die Wahrheit ist ein der ganzen Welt zugrunde liegender Akt personaler (oder, im untermenschlichen Bereich, einem dem Personalen analogen, sich im Personalen des Menschen aber erst zur Ganzheit erfüllenden) Begegnung und gar Vermählung mit dem Menschen, der sich ihr öffnet. Und im Menschen eine Begegnung der ganzen Schöpfung, die aus sich selbst befreit wird - durch den Menschen, die deshalb "seufzt und stöhnt weil sich nach den Söhnen Gottes sehnt". 

Und DAS ist das Wesen des Christentums. Und die Schwierigkeit, das Bemühen jedes Getauften ist nicht, "die Lehre Christi umzusetzen". Katholizismus ist in seinem Wesen keine Lehre. Das Schwierige jedes Menschen aber ist, aus der Religion herauszufinden, die als Versuchung an jeder Ecke lauert, und eben KATHOLISCH ZU WERDEN. Das actu des Katholiken muß ein organischer Habitus der Wirklichkeitsoffenheit werden, reale, fleischliche Gestalt sein - Seinsverfaßtheit

Unverwester Leichnam des Hl. Pfarrer von Ars
Als Mensch ganz, mit Leib und Seele, in Fleisch und Geist, in Vernunft und Glaube. Denn die Erlösung des Katholizismus ist ganz real eine Erlösung des Fleisches, die vom Geist im absoluten Geist - Gott - ausgeht, mit diesem in eins steht, und zu ihm zurückweist, und damit im Ewigen Leben steht. Alles ist dann Fenster zum Wirklichen selbst, dieses wird gegenwärtig. Dann erst ist man tatsächlich ... heilig. Keine Ideologie könnte das jemals leisten.





*050616*

Samstag, 4. Juni 2016

Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (2)

Teil 2) Der Weg des Katholiken ist ein tägliches Mühen, 
der Religion zu entwachsen, die Insecuritas zu wagen, um katholisch zu werden!





Keine Sprache bleibt "in sich", nominell, das tun nur Zahlen. Sondern jedes Sprechen bezieht sich auf etwas, das dem Sprechen selbst zugrundeliegt, also einem Erfahrbaren. Deshalb ist die Erfahrung des Seins für jede Vernunft, für jedes Sprechen und deshalb für jedes Denken (denn Denken IST Sprechen) konstituierend wie notwendig. Dieses Dahinter aber ist unsichtbar, nicht sinnlich - es ist Geist. 

Nicht sinnlich heißt aber genau nicht: NICHT ERFAHRBAR. Es ist erfahrbar, als geistige Struktur der Welt, und das heißt über die sinnlich erfahrbare Welt, aber nicht im Sinnlichen aufgehend. Und insofern vom Denken, vom richtigen, offenen, wirklichkeitsoffenen Denken erfaßbar weil erfaßt, wenn auch gewiß nie erschöpfend, immer vorläufig, immer mit einem Rest Insecuritas. Auch die Annahme eines Gewissen wäre ja nicht katholisch-allumfassend und damit offen (weil im menschlichen Denken um seine Begrenztheit wissend), auch das wäre Ideologie. Die ja diese Insecuritas beseitigen möchte.

Das Merkmal des Katholischen kann das nie. Es ist deshalb tatsächlich KEINE Religion und DESHALB KEINE IDEOLOGIE. Es ist deshalb auch niemals "gleich wie alle Religionen", obwohl es Religiosität genauso braucht wie enthält bzw. voraussetzt, wie jedes Denken Religiosität voraussetzt, ob das jemand nun fassen kann, akzeptieren kann oder nicht, wie Herr Grau. Ohne eine Eingebettetheit in eine Wahrheit - ein Gedankenvorgang, kein positivistisches Religionsgebot - und ohne einen allgemeinen Bezug jedes Menschen auf eine Wahrheit ist nicht ein einziger Satz zwischen Menschen austauschbar. Niemand wüßte, wovon der andere überhaupt spricht, die Welt wäre prinzipiell unerkennbar und irrational. 

Nein. Sie ist dem Rationalen voraus, überlegen, ja, aber nicht irrational. Das Rationale geht im Sein restlos auf, das ist das für die Gegenwart so schwer zu fassende konstituive Prinzip der Welt überhaupt. So schwer zu fassen, WEIL die Gegenwart in Ideologien, in ungewußten, nur still geglaubten Voraussetzungen (die allesamt persönliche Entscheidungen und Unfreiheiten sind) und religiösen Mythen (auch Herr Grau, ohne Probleme wären ihm deren zahlreiche nachzuweisen, man denke nur an die Evolutionismen, offenen oder verborgenen Materialismen, etc. etc.) regelrecht ersäuft. 

Und zu dieser Ideologie gehört auch - ja, auch das ist Ideologie, ist ungewußte, persönlich gesetzte Denkvoraussetzung - zu meinen, es gäbe ein "voraussetzungsloses Denken", und man selber befleißige sich dessen. Wie Herr Grau es offenbar von sich annimmt. Auch das ist logisch aufweisbar.

Das Katholische ist vielmehr das Allumfassende menschlichen Dasein selbst. Es ist nicht die Überreligion, wie manche Gutmeinenden meinen. Nein. Es ist überhaupt keine Religion, weil es die Schöpfung als Seiendes bzw. am Sein Teilhabende INSGESAMT umfaßt (das meint man mit "Kirche"), also innerhalb der Schöpfung keine Kontur als es selbst hat. Und höchstens insofern enthält es alle anderen Religionen, die nie mehr als innerweltliche Vorstufen zur Katholizität sind, ähnlich der innerweltlichen Poesie. Die Distinktheit des Katholischen ist die Wahrheit selbst, und ihre Form ist die des Katholischen.  Wobei die Wahrheit Form HAT - dynamisch, personal, aber (unabbildbar, versteht man es als Festmachen in einer historischen Gestalt, und doch immer historisch konkrete) Gestalt (was nur im Sakramentskern als Erfüllung, als Ineinsfließen von Ewigem mit Zeitlichem, als Inkarnation Gottes in Jesus eben, auch weitgehend verabsolutierbar ist.) Alle ihre Moral, alle ihre "Lehren" sind darin begründet, wurzeln darin, und fließen wieder darein zurück. Einen Moralismus im Katholischen GIBT es nicht, und wo er auftritt, ist er nicht katholisch.

Es gibt deshalb im Katholizismus KEIN Moralgebot, das nicht zuerst und zutiefst im Sein der Welt erkennbar und verankert liegt. Ja, Gutsein heißt, dem Wesen der Dinge zu entsprechen! Katholische Moral ist deeshalb immer in der Vernunft verankert, niemals aus blindem Gehorsam oder gar Nutzen heraus verstehbar. Das unterscheidet den Katholizismus schon grundlegend von jeder Religion der Welt. Nur wer die Welt erkennt, kann nach Gottes Willen handeln, weil er erst so sieht, in der Vernunft, was an ihr zu tun ist. Katholisch sein, gut sein heißt "Welt vervollkommnen"! 

Das war der Grund, warum Gott in Jesus sogar inkarnierte - nur so konnte die Welt in ihre ursprüngliche Dimension und Vollkommenheit wieder (zumindest potentiell, denn die Welt als Analogie Gottes muß freie Antwort geben, erst so ist sie Gott ähnlich, Abbild, und das kann vollgerecht weil im Geiste nur der Mensch) hineingehoben werden. Aber das war auch nicht ohne Offenbarung möglich, weil das Wesen der menschlichen Vernunft so ist: Menschliches Denken geht immer und ausnahmslos (und jedes Kind zeigt es neu) von einer Offenbarung aus! Der Beginn der Vernunft überhaupt ist - Offenbarung. Logos, der am Anfang von allem steht. Denn alles ist aus logos geworden, und nach wie vor wird alles aus logos. Das zeigt das menschliche Denken auch rein innerweltlich, als Analogie seines geistigen Ursprungs, seines Ursprungs im Geist. Wenn es etwas gibt, das den Katholizismus definiert, dann genau das.

Der Katholizismus ist deshalb ein Seiendes des Denkens, der Vernunft (innerhalb derer das Denken west), der Entscheidung, des Urteils in seiner komplexen Struktur einer universalen (nicht: universalistischen!) Gesamtheit, wo sich Wort, Logik, Denken von persönlicher Haltung und Substanz nicht mehr trennen, separieren läßt, ohne deshalb eines dieser Elemente aufgeben zu müssen, sie bleiben für sich in ihrer Gesetzlichkeit. Und nur insofern ist er deskriptive Gestalt. Selbst seine unveräußerlichen Formen im Sakramentalen sind in einer Vernunftwirklichkeit weil Weltwirklichkeit gegründet.

Aber schon im Schreiben darüber, das (grosso modo; es gibt einen Punkt der Ausnahme, dazu ein andermal) nicht mehr als ein Verweisen (auf ein hinter jedem Begriff stehendes Wirkliches) sein kann, zeigt sich die Problematik des Katholizismus. Katholizität zu erklären ist ein immer ungenügendes Kreisen, ein Verweisen - ist Poesis im eigentlichsten Sinn. Seine Wirklichkeit steht im Dahinter. Der Zugang dzau ist deeshalb der "bonae voluntas" unterworfen, einer personalen Bewegung und Hinneigung. Kein schlichtes rationales Ergebnis, darin kann der Katholizismus niemals aufgehen, weil die Welt niemals im bloß rationalen Ergebnis aufgehen kann. Das Rationale ist deshalb das Verweisende, das in der Poesie der Sprache überhaupt Enthaltene, im Rationalen notwendig widerspruchsfrei an einem Schopf gepackt, aber nicht das Rationale alleine oder selbst, über ihm aber sich auftuend.


Morgen Teil 3) Katholizismus heißt, das Denken zu seinem Ziel 
und ohnendlichen Ende eines Zustands zu führen




***

Freitag, 3. Juni 2016

Ja. Religion ist Ideologie. Katholizismus ist aber keine Religion. (1)

Auch wenn Alexander Grau vorsorglich und vermeintlich die Tür zugeschlagen hat, indem er im Cicero schreibt, daß "ja jede Religion behauptet, keine Ideologie zu sein", muß man darauf replizieren. Denn da hat sogar die AfD "rechter" als Grau, wenn sie dem Islam zuschreibt, eine Ideologie zu sein, wenn Grau über etwas spricht, das sich mit liberalen Ansätzen (und der Cicero IST ein Organ des Liberalismus) freilich gar nicht mehr greifen läßt. Denn der kennt Distinktion eben nur als Ideologie, weiß aber nicht, daß es Denken ohne Distinktion gar nicht gibt. Nur - Distinktheit ist noch keine Ideologie! Vielmehr ist sie das Wesen der Welt, auch wenn sie zur Ideologie gemacht werden kann und im Alltag und unter Beigeruch des immer so leicht Menschelnden auch oft genug wird.

Wenn Grau schreibt, daß jede Religion eine Ideologie ist, und zugleich Moralismus als Indiz dafür ansieht, Ideologie so versteht, daß sie von Ideen ausgeht, die nicht nachprüfbar seien, so hätte er freilich auf eine Weise sehr recht. Denn tatsächlich ist jede Religion - ab irgendeinem Punkt, und zwar im entscheidenden Punkt, eine Ideologie. sie ist ab irgendeinem Punkt nicht mehr rechtfertigbar, nur noch zu akzeptieren, entzieht sich aber darin jeder realen Welterfahrung. 

Deshalb ist es schlicht eine Katastrophe, wenn selbst aus der katholischen Kirche zu hören ist, daß  der Katholizismus eine "neben allen Religionen gleichberechtigte Religion" sei, wie es der Fremde auf Petri Stuhl sogar unlängst erzählte. Und meinte, damit ein besonderes Zeichen der Nächstenliebe zu setzen - während er etwas völlig anderes tat: zu beweisen, daß er den Katholizismus selbst nicht verstanden hat. Das ist eine Katastrophe, weil es einen Zusammenhang aufzeigt, den genau dieser Fremde dort vorzelebriert, bei jeder Gelegenheit: Wenn er nämlich was in seiner Macht tut beiträgt so zu tun, als sei der Katholizismus NICHT rational durchdenkbar, als seien Ratio und Glaube zwei paar Schuh die sich durchaus auch einmal auf die Zehen steigen würden, als stünde die Wahrheit des Katholizismus NICHT auf einem Fundament des Denkens in der Wahrheit, ja als sei NICHT genau das sein Merkmal. Das ist nicht einfach eine linke Position, das ist genau die liberale Position, wie sie Alexander grau vertritt. die Anzahl der dies bzw. das einander bedingende Verhältnis von Vernunft und Glaube durchdenkenden, hier bestätigenden Dokumente der Kirche ist gar nicht erfaßbar, so groß ist sie. Denn es ist ihr Fundament.

Denn genau das, was Grau ihm in seinem Pauschalurteil jeder Religion zuschreibt, ist der Katholizismus NICHT. Er ist keine simpel fideistische Konstruktion, wie alle anderen Religionen. Die nämlich alle und ausnahmslos in einem entscheidenden Punkt passen müssen: sie sind denkerisch nicht ins Letzte hinein aufzulösen. Weil ihnen die personale Wahrheit fehlt (und lustigerweise: alle Religionen wissen - ungewußt - um diese Schwäche, udn versuchen auf die eine oder andere Art diesen Mangel zu beheben, etwas durch "Offenbarungen", "§Einsprechungen der Götter oder Engel" oder Gottesoffenbarungen vor undenklichen Zeiten wie die Veden.

Welchen Aussagen gleich hinzugefügt werden muß: Der Rationalismus aus der Aufklärung ist genau das nicht, was er vorgibt - DENKEN. Er denkt bewußt zu kurz. Und zwar aus ideologischen Gründen, weil ES SO SEIN MUSZ, daß sich Welt auch ohne einen Gott auflösen und begründen läßt. Der LIBERALISMUS, in dem Grau denkt, IST EINE IDEOLOGIE. Er ist eine Ideologie, die wie die Afuklärung den Katholizismus nachzuahmen versucht.

Daß das so ist, ist ... genau: es ist DENKERISCH zu zeigen, Grau bzw. der Liberalismus denkerisch zu widerlegen. Und weil sich also katholisch NICHT in einem Moralsystem, nicht ein einem konkreten politischen Programm äußert (wieder: Auch wenn es der Fremde am Stuhle Petri so tut, und abertausende Windelpracker hüpfen es ihm nach, weil sie genau dieselbe prinzipielle Unvernunft als katholisch sehen und sehen wollen, warum auch immer, viele Gründe haben wir an dieser Stelle bereits durchgewalkt). Weil sich das Katholische nie so verstand, daß es sich als positivistisches, konstruktivistisches, zweckorientiertes Dogmengebäude erschöpft (wobei es eine positivistische,. auch zweckhafte FUNKTION des Dogmas sehr wohl gibt, und zwar AUS dem Denken über den Menschen, aus dem Denken über die Welt. Aber das ist nicht ihr eigentlichstes Wesen, das sind sie höchstens und auf gewissen Ebenen "auch".)

Das Merkmal des Katholischen ist eben seine unbedingte Offenheit dem Sein gegenüber, und damit der Vernunft gegenüber als das, womit sich der Mensch dem Sein nähern kann. Man nennt das - Erkennen. Und weil man nur im Erkennen lieben kann, weil  man nur Erkanntes lieben kann, ist die höchste Form des Seins die unendliche Liebe im Erkennen, das unendliche Erkennen (Wissen) im Sein selbst, aus dem Liebe hervorströmt. Womit wir im Denken (als Gestaltabformung) der Dreifaltigkeit sind.

Das Merkmal des Katholischen ist eben, daß es die menschliche Vernunft immer, ausnahmslos, auch bei Geschöpfen wie Alexander Grau (der das nur nicht kennt, der also nicht einmal seine eigenen Denkvoraussetzungen kennt, wie es eben für den Liberalismus wie es aber für jede Ideologie, ja wie es leider für das Denken der Gegenwart so kennzeichnend ist), von einem Transzendenten ausgeht. Alles menschliche Denken ist somit von einer religiösen Haltung durchwirkt, durchtränkt, ob das jemand wahrhaben will oder nicht. Es ist denkerisch nachzuweisen, daß es so ist, weil das Denken in sich aus sich - und hier sei durchaus ein Denker angeführt, nämlich der Altösterreicher Gödel, der es rational-denkerisch nachgewiesen hat: JEDES Denken ist aus sich heraus nicht begründbar und begründet, JEDES Denken greift auf eine metaphysische Vorentscheidung, also auf ein Personales zurück - nicht begründbar ist, aber in seiner anthropologischen Funktion nicht einfach nur Notgriff des Menschlichen selbst ist, sondern als Struktur der Welt, in der wir vom Sein Kunde erhalten (wie sonst), vorausgesetzt wird. 

Wäre das nicht der Fall, wäre jedes Reden unter Menschen - das von Grau wie das an dieser Stelle - völlig sinnlose, ja absurde Freizeitübung. (Der Dadaismus nimmt darauf ja in gewisser Weise und die Sackgassen des Denkens der Gegenwart ironisierend Bezug.) Und auch darin aber, im Annehmen des Absurden (wie es ja manche taten und tun), eine - Denkvoraussetzung! Ein Gesetztes. Kein rational sich letzthinnig Ergebendes. 




Morgen Teil 2) Der Weg des Katholiken ist ein tägliches Mühen, 
der Religion zu entwachsen, die Insecuritas zu wagen, um katholisch zu werden!





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