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Dienstag, 29. Oktober 2024

Der Weltgeist der Revolution

Genau, das wird unter Trump anders. Er schafft einen Wokeism, der sich nicht mehr so nennt, weil er total vernünftig und einfach der übliche Liberalismus ist. Klar kann ich darin dann für Abtreibung sein. Aber bitte doch nur bis 6 Wochen, oder 8, oder 10. Und wenn mir die Regelung in meinem Staat nicht paßt, na dann gehe ich halt nach California. Klar kann ich dann auch für Geschlechtsunterschiede sein, das ist doch wissenschaftlich bewiesen, ohne meinen Job zu verlieren. Aber es gehört auch dazu, für Gay-Marriage zu sein, das ist nur vernünftig.
Jedem doch bitte schön nach seiner Facon. DAS ist vernünftig.
Nur das alles nicht so zwanghaft, so ideologisch wie bei den Democrats. Die die Wisenschaft ablehnen, die die Vernunft ablehnen. Und jeden, der etwas anderes sagt, in den Häfen stecken wollen. Der vernünftige Mensch der Gegenwart möchte doch, daß seine 17jährige Tochter frei entscheiden kann, was sie macht, wenn sie schwanger ist, und selbstverständlich als Teil der Healthcare, der Abtreibung dann ist.


Donald Trump verkörpert sie, die eierlegende Wollmilchsau. Er vereint jedweden Widerspruch. Ich kann schon deshalb - und je länger der Wahlkampf dauert umso mehr resp. weniger - nicht mehr erkennen, wofür er wirklich steht. Er steht nämlich einfach halt für alles, was besser ist, oder so. Und für das nicht, was schlechter ist, das "nicht glücklich macht". Denn nur darum geht es ja, nicht wahr? Chacon a son gout!

Tja, vielleicht gibt es genau aus diesem Grund bei der Wahl eine Überraschung, sind Umfragewerte so aussagelos wie noch selten zuvor. Wenngleich wir so sehr wie noch nie - wir erleben im Gaslighting Steigerungen, die gewaltig und Merkmal von Gesellschaften im Dauerkriegs-, in permanentem Ausnahmezustand sind - auch durch solche angeblichen Befindlichkeitsanalysen getäuscht und getäuscht werden. Man sollte wirklich JEDE Form von Medium meiden, wäre das möglich, weil sich diese Narrative auch über die Mitwelt um uns schließen, wie beim Fisch das Wasser. 
Aber der Mensch entscheidet sich immer für ein FÜR ETWAS. Für alles sein zerrinnt dabei wie die Butter in der Sonne, hält nur äußerst kurzfristig. Ja man muß sich sogar in einer Wahlkampagne beeilen, denn manchmal überdauert es nicht einmal die Vorwahlzeit.

Montag, 17. Juni 2024

Mit (wieder) scharfem Auge

(Nach der ersten Operation - linkes Auge - ist die Sehfähigkeit zu meiner Begeisterung seit langer Zeit endlich wieder halbwegs intakt, nächste Woche folgt das zweite Auge. Welche Eröffnung! Wie präzise die Welt ist, die genau man sie sehen kann, wie farbig alles ist, wie leuchtend, wie hell - Deo gratias! 

Jedenfalls übertrage ich eine endlich wieder (halbwegs) tippfehlerfreie Textpassage aus einer privaten Korrespondenz, auf die sich mein Schreiben beschränkt hat, weil man mir unter Freunden die - mangels Sehvermögen - katastrophale typographische Verfaassung meiner Texte nachgesehen hat. Die Veröffentlichung von Texten an dieser Stelle habe ich aber dann doch eingestellt, wie zu sehen ist.)

Der Papst bei den G7. An sich wäre das gut und richtig und notwendig. ABER wie bei der Politik seit vielen Jahren, habe ich fast eine Gewißheit, die meine Befürchtung nährt, daß er zu Dingen Ja sagen wird, die dem Richtigen, Wahren nicht nur nicht förderlich sind, sondern das Schlechte noch weiter stärken. Weil er der aktuellen Macht nicht widerstehen kann, an der mit zu naschen ihn eine Zustimmung verführt. Wohl nicht ohne ein kokettes Widersprüchlein da oder dort abzusetzen, das aus seiner links geprägten Weltanschauung stammt (die, wie ich stark vermute, von Beratern kommt, die wesentlich intellektueller als er sind, und an denen er auch bisher schon so manche Anleihe nahm, weil er intellektuell zu schwach ist, um da wirklich eine originäre, eigene Linie des Katholischen zu bilden. Aus Argentinien ist ja bekannt, daß er da ein wenig "Mängel" hat.
In jedem Fall wäre mir am liebsten, wenn die Politiker und "im Namen des Landes und Volkes" Handelnden NICHTS mehr tun würden. Nichts, absolut nichts. Denn schon gar, wenn sie international bzw. in internationalen Gremien antreten. Dann habe ich eine mittlerweile fast panische Angst, daß sie mich (als Teil eines Landes und Volkes) nächstem Wahnsinn unterwerfen. Und diesen Wahnsinn auch noch per internationalen, in fast jedem fall übermächtigen Sanktionsmechanismen über mich und meine Nachkommen verhängen.
(Was Bergoglio mit autoritärem Willkürgehabe kompensiert habe, was man ihm ja damals schon vorwarf. Wozu leider die jüngst veröffentlichten (aber eigentümlicherweise von der Presse ignorierten) Vorwürfe von EB Vigano passen würden wie Faust auf Auge. Ich vergleiche das mit meiner Sehschwäche der letzten Jahre, die sich auf mein gesamtes Verhalten ausgewirkt hat, das immer unsicherer wurde. Auf eine Führungsaufgabe umgelegt wäre mir vermutlich auch nur das Schwanken zwischen maßlosem Nachgeben hier und autoritärem Durchsetzen dort erflossen. Mit der fatalen Nebenwirkung, daß man auf Lob extrem anspricht, also sehr leicht manipulierbar ist, weil man daraus scheinbare Sicherheit garantiert, die das eigene Sehen nicht ermöglicht.)

Übrigens bin ich für die Erfahrung der Sehschwäche auch dankbar. Die Erfahrungen, die ich während der letzten beiden Jahre gemacht habe sind immens wertvoll.

Dienstag, 16. November 2021

Kurz vor dem Regime der großen Konsenswolke (3)

Im Traumland vorgestellter Katastrophen wird auch von deren Lösungen geträumt. Der wirkliche Stellenwert von Corona ist hier geringer, dort aber weit höher anzusetzen, wollen wir seine Wirklichkeit erkennen - Das, was wir als das große Geschehen an Corona sehen (wollen und sollen), ist aber nicht das, was uns da wirklich widerfahren ist und widerfährt. Es läßt sich aber nur bei phänomenologischer Betrachtung erkennen, nciht auf der Ebene von "geschehen", von "Handlungen", sondern als das, was diesen Konturen des Handelns innewohnt, immanent ist. Dort ist die nächste große Übereinkunft, vor der wir stehen.

Warum ist das so? Weil sich keine der Seiten der Faszination der Macht entziehen kann, die mit dieser Ebene des bewußten "Denkens" verbunden ist. Diese Macht lockt alle, buchstäblicht, und hängt mit dem Mißbrauch des Wortes "Demokaratie zusammen. Aller. Streit besteht nur darin, wer diese Macht als erster oder am besten für seine Zwecke nützt, der ein Streit um "Legitimität", also ein Streit um die Verwurzelung im Absoluten ist. 

Samstag, 24. April 2021

Gedankensplitter (1155)

Es sagt viel über das In-der-Welt-sein und dessen Umfänglichkeit aus, mit der wir dieser Welt eingeordnet sind. Wie viel wir sinnlich wahrnehmen, ohne daß es uns bewußt wird. Wie sehr uns deshalb ein Erdbeben sofort bewußt wird. Ich habe auch das Beben vom letzten Dienstag sofort wahrgenommen - Wackeln der Wände, Zittern und gespanntes Schwingen der Decke bzw. des Bodens, es hat etliche Minuten gedauert, und ist dann den ganzen Tag über immer wieder mal aufgetreten, aber nur mehr schwach. 

Sonntag, 8. März 2020

Gaslighting vom Feinsten

In der Coronavirus-Hype zelebriert sich einmal mehr eine der Taktiken des Übels. Indem ein vorgebliches Moment der Wirklichkeit durch medialen Druck vorgegaukelt wird, das schließlich zu einem Wirkmoment aufgebaut wird, sodaß ihm auch jene zu folgen haben, ja in gewissen Hinsichten folgen "müssen", die von Anfang an mehr als zurückhaltend waren. Weil das, was da als "Bedrohung" behauptet wurde, dem gesunden Hausverstand und vor allem der eigenen Wirklichkeitsrezeption nicht entsprochen hat, also gar nicht vorhanden war. 

Mit dem anhaltenden medial aufgebauten Zwang, ein nicht Vorhandenes nun doch als Vorhandenes anerkennen zu müssen, wird einmal mehr aber jeder düpiert und lächerlich gemacht, der noch eine Verankerung im Wirklichen hat.

Vor unseren Augen findet ein Machtspiel, ein wahrhaft absurdes Machtspiel statt: Medienmacht, öffentliche Meinung, allgemeine Meinung gegen gesunde Wahrnehmung. Politiker, aber auch jeder Mensch im Alltag werden in ihrer "Tüchtigkeit" danach gemessen, ob und wie sie auf etwas reagieren, dessen Eigenschaften sich nicht aus der Vernunft erschließen, sondern aus dem medial Verbreiteten. Nur, wer Ohr und Auge auf die Medien gepreßt hält wird deshalb "adäquat" reagieren können.




*070320*

Donnerstag, 22. August 2019

Wenn Neurotisierung die Wahrnehmung verändert

Die PR-Strategie war und ist exakt darauf ausgerichtet, und sie wirkt. Das ständige Einhämmern durch die Medien, daß wir in Zeiten extremer Wetter lebten, hat längst bewirkt, daß wir unsere sinnlichen Daten nicht mehr vor dem Hintergrund unserer Wirklichkeitserfahrung sehen und entsprechend einordnen, sondern daß wir durch Deutungsmodelle hysterisiert sind, die zu einer völlig falschen Einschätzung der Realität führen. Wenn wir heute, am Morgen, aufwachen und die Sonne sehen, kriecht sofort der Gedanke hoch, es handele sich um eine nie gewesene Hitzewelle, und wenn es zwei Tage regnet, fehlt der Rundfunkdienst nicht, der uns erklärt, daß es sich um nie gesehene Starkniederschläge handelt. Besonders auf diese "Extreme" wurden wir seit geraumer Zeit gezielt hingepolt. Wir stehen nun einer Allgemeinheit gegenüber, der unsere kleine, einzelne Meinung hilflos gegenübersteht, bis sie die Waffen streckt. Was ist unsere Erinnerung wert?

Mittlerweile meint wirklich bald jeder, er "fühle den Klimawandel". Aber fühlt er ihn wirklich? Was fühlt er nämlich, wenn es diesen Wandel, so, wie er ihn "fühlt", gar nicht gibt?

Denn wer sich die Wetteraufzeichnungen ansieht wird bald feststellen, daß wir uns keineswegs in "extremen Zeiten" befinden. Alles war schon da, und alles war schon viel extremer da. Deshalb ist es notwendig, uns das immer wieder einmal vor Augen zu führen. Dazu taugt eine Seite auf EIKE hervorragend, die sich genau ansieht, ob wir es in der Gegenwart wirklich mit Extremwettern - in Sonnentagen oder Niederschlägen - zu tun haben. Und sieh da: Es stellt sich heraus, daß es anhand handfester Aufzeichnungen und öffentlicher Erinnerungsmarken nichts Neues unter der Sonne gibt. Kein Trend zu Extremwettern ist festzustellen, fast zum Gegenteil wird es weltweit ruhiger. Das zeigen die einsehbaren Meßdaten und -aufzeichnungen. 

Es besteht also eine gehörige Diskrepanz zwischen dem, was wir oder viele "fühlen", und dem, was das denn wirklich IST. Und das ist das sicherste Anzeichen für eine Neurotisierung der Wahrnehmung, die uns nicht nur vorsichtig machen sollte, sondern die alarmierendes Zeichen zwischen der Diskrepanz zwischen der öffentlichen, allgemeinen Sprache - und damit Denken - im Diskurs, und der Wirklichkeit. Es ist ein sicheres Anzeichen dafür, daß wir an einen Punkt geführt werden, an dem unsere Vernunft in eine Widersprüchlichkeit geführt wird, die uns nicht mehr in die Lage versetzt, unsere Lebensentscheidungen frei zu treffen. Weil wir unserer eigenen Vernunft nicht mehr trauen. So werden wir zum Freiwild der Manipulation, das gelähmt und stummesstumm auf die Entscheidungen starrt, die die treffen, die "es besser wissen". Denn wir - wir wissen es nicht mehr. Wir wissen gar nichts mehr.



*040719*

Dienstag, 9. Oktober 2018

Sehen wir noch das Relevante und Wirkliche - das Wetter?

Der VdZ hat den dringenden Verdacht, daß vor lauter Starren auf "das Klima" die Bauern (und wir alle) vergessen haben, auf "das Wetter" zu schauen, und uns nach dem ausrichten, was uns seit je bestimmt hat.

Entsprechend weltfremd scheint die gesamte Diskussion geworden zu sein. Man spricht über etwas Abstraktes, das aber noch nie jemand real gesehen hat. Weil es das nicht als reales Ding gibt: Klima. 

Schon 1860 warnt Rosmini davor, daß der schwerste Schaden aus der Situation seit Descartes ist, daß wir geistige Dinge als reale, sinnlich wahrnehmbare (und damit der Praxis unterliegende) Dinge nehmen.  Klima ist ein völlig abstrakter, mathematisch zu definierende Begriff. Das es real, praktisch, im Alltag und im lokalen Leben aber nicht gibt.

Wenn wir uns danach ausrichten, werden wir mit Sicherheit das zu Tuende versäumen. Weil wir die Wirklichkeit nicht sehen. Noch gefährlich dadurch, daß wir es durch "Versicherungen" absichern, uns also vor allen Defekten der Wirklichkeitsrezeption "schützen", so daß die Wirklichkeit irrelevant wird. 

Was aber könnte zu mehr Fehlverhalten führen?




*Der VdZ hat Satellitenbilder über angebliche "Schäden der Klimaerwärmung in Deutschland" gesehen, die nichts anderes sind als Bilder von abgeernteten Feldern. Die natürlich "gelb und trocken" und verwüstet wirken. Schon gar ... bei der absurden, verbrecherischen, politikbefeuerten Bepflanzung durch stark wasserziehende "Energiepflanzen". Wie Mais. Wie Raps. 

Der VdZ hat noch die Bilder aus den Fahrten durch Mecklenburg-Vorpommern im August 2008 vor Augen, in denen soweit der Auge reichte die von holländischen Bauern gepachteten, riesigen, wirklich riesigen Flächen der ehemaligen Landwirtschaftskombinate im Oderbruch (die nach Rückgabe/Reprivatisierung fast immer in die Hände von Leuten fielen, die nichts damit anfangen wollten oder konnten, also allem zustimmen, was "Geld bringt") nach der Ernte des hier fast ausschließlich angebauten Mais (der extrem wasserziehend ist) abgeerntet waren, und im August schon bleich und trocken vor ihm lagen. Wenn man DAS von oben photographiert, gibt es natürlich ein "von Trockenheit verwüstetes Gebiet". 

Mittlerweile sind ein Fünftel - 20 Prozent - der landwirtschaftlichen Flächen in unseren Ländern sogenannten "nachhaltigen Ölsaaten" gewidmet. Glaubt wirklich jemand, daß das ohne Auswirkung bleibt? Diese totale Sinnlosigkeit, die sich darum rankt - es gibt keine Wirklichkeitsanforderung dafür, alles ist reiner Wahn, nachweisbar, und durch seine Unlogik nur als ontologisches Verbrechen belegt - wirkt sich doch ganz real im Kleinklima aus, was sonst? (Und Kleinklima ist das Einzige, was uns am "Klima" betrifft.)

Ist diese Abstraktion ins "Klima" aber wirklich die dräuende Wirklichkeit in Deutschland? Der VdZ glaubt es eben nicht. Er glaubt viel mehr, daß die Wahrnehmung so schwer geschädigt ist, daß wir gar nicht mehr wissen, was wie überhaupt "ist", und was uns betrifft. Wir leben wie mit einer Blindenbrille, schwarz, undurchsichtig, nach Einblasungen im Ohr. Und wundern uns, wenn nichts zusammenstimmt. Wir können uns nicht einmal mehr vorsorgen. (Wozu auch? Es gibt ja Versicherungen, die alles ersetzen, was wir nicht einmal mehr bedenken.)

Hat das deshalb alles noch für jemanden Relevanz? Ist nicht das auch - und nicht zufällig - das Merkmal der gegenwärtigen Politik? Nicht mehr sehen, "was ist". Bei Migrantenkriminalität im Alltag unserer Innenstädte sehen wir es nur deutlicher. Ansonsten beschäftigen wir uns nur noch mit Scheinbildern, was sein könnte - in einer irgendwie irgendwo irgend-irrealen Welt.






*010918*

Montag, 6. August 2018

Von der Wahrnehmbarkeit des Moralischen und der Sittlichkeit einer Kultur (2)

Teil 2)




Speziell ist es so bei Bereichen, die wir eher in moralische Fächer abschieben. Nehmen wir die Sexualität, nehmen wir die Aussage der Wahrheit, daß der sexuelle Akt nur innerhalb einer Ehe seinen Ort hat. Diese Aussage ist dem heutigen Menschen schon weitgehend verborgen. Aber nicht nur das, er meint, sie entspreche nicht seiner (sinnlichen, empirischen) Erfahrung. Dieses Moralgebot ist also kein Gegenstand der Erfahrung, es ist nur ein aufoktroyiertes Gesetz, warum auch immer.  

Nun, wenn etwas wahr ist, dann kann es nicht außerhalb aller unserer Erfahrung liegen. Nicht völlig. Direkt oder indirekt. Das heißt: auch im Rückfolgern. (Daß hier ein Bär vorübergegangen ist, erkennen wir an den Tatzenabdrücken im Waldboden vor uns.) Dann muß es auf eine Weise auch in unsere Welt hereinragen. Dann muß es also eine Struktur in den Dingen haben bzw. auf diese verweisen, in denen wir diese Wahrheit auch erfahren, gewissermaßen "testen" können. Dann muß das Dinghafte, das Faktische unserer Lebenswolke, auch von dieser Wahrheit so weit abgehen können, daß es sogar im schlimmsten Fall zugrunde geht. (Wer ein Katzenjunges im Marianengraben im Pazifik aufziehen möchte, wird an der Wahrheit der Dinge scheitern.)

Deshalb liegt z. B. diese Wahrheit über den Sex - zumindest muß man es als Möglichkeit sehen - nicht einfach außerhalb unserer Erfahrungswelt, ist einfach nur ein positivistisch erfundenes Gesetz, sondern es liegt an uns, daß wir diese innere Struktur dieses Dinges nicht (mehr) wahrnehmen. Wir haben uns blind machen lassen, oder/und wie in den meisten Fällen auch selbst blind gemacht. Wir "wollen es nicht sehen", das heißt, wir wollen es nicht zur Kenntnis nehmen. Wenn wir (wie es bei der Sexualität heute der Fall ist) uns zu sehr an dieses Verhalten (im sexuellen Genußakt, der vielleicht zur Gewohnheit wurde, zur Haltung, zum "Habitus") gebunden haben, davon nicht lassen wollen. 

Hätten wir die Freiheit, diesen Akt und alles was dabei passiert und sich an Gefühlen abspielt abstrahiert zu betrachten, würden wir plötzlich Dinge feststellen, die eindeutig auf die Wahrheit dieser Aussage - Sex und Ehe sind untrennbar - hinweisen. Sie bestätigen. Ja sie unter Umständen erweitern. 

So daß wir über die Sinnesdaten auch mehr und mehr zum "Sinn" kommen - eine keineswegs zufällige Wortgleichheit, weil alle Dinge der Welt quer durch alle Ebenen reichen, also vom rein "Materiellen" bis zum "geistigen Sinn" (als "auf etwas zu", logos sohin) sich immer dieselbe Struktur zeigt, nur jeweils auf einer anderen Ebene, in einer anderen Gestalt, aber immer in derselben Art der Beziehung zur Welt.

Ähnlich ist es bei der damit zusammenhängenden Frage der Verhütung. Auch die Verhütung ist so sehr wahr, daß sie einen sinnlichen Abdruck hinterläßt, Sinnesdaten, die darauf zurückgehen und auf diese Wahrheit verweisen. Nur sind wir so blind, daß wir diese tiefe Wahrheit des Dinges (Sex und Verhütung) nicht mehr wahrnehmen. Auch wenn wir sie nicht nur im Innersten fühlen (Wahrheit ist deshalb immer ein Erhellen von etwas Vorhandenem), sondern daß ein Verstoß gegen diese Wahrheit auch konkrete Schäden an unserem Leib (in dem Fall) hinterläßt.

Es ist deshalb auch eine Aussage über den Stand einer Zeit, die Höhe einer Kultur, wieweit sie die tiefere Wahrheit über die Welt und den Menschen in ihren Institutionen (zu denen auch die Moral gehört) zum Ausdruck bringt. Wieweit sie also durch die durch Institutionalisierungen, Gebräuche, Tänze, Musik, öffentliche Atmosphäre etc. etc. gelegten Schienen die Menschen zur wahren Wahrnehmung (und damit zur Erfüllung der Dinge, nicht zu deren Zerstörung) führen. 

Es ist deshalb eine Aussage über unsere Zeit, daß diese Wahrheiten, die den Menschen äußerst direkt, also schwer betreffen, weil sie seinen Leib betreffen, also sein konkretes Dasein in der Welt, von den Menschen heute kaum noch wahrgenommen werden. So wenig, daß sie sie für unwahr (oder bestenfalls "moralistische Höchstleistung") halten. Bei der Sexualität umso einfacher erkennbar, als wir in der Folge der "sexuellen Befreiung" in einer Zügellosigkeit leben, in der unser Denken und Handeln von einer mittlerweile weit verbreiteten Haltung ganz schwer getrübt wird. So sehr, daß die Aussagen der meisten Menschen über "Sex" (etc.) völlig irrelevant und falsch sind. Obwohl sie doch "dasselbe" erleben wie der, der Sexualität und Ehe* nicht auseinanderreißt.

Damit begeben wir uns der Fähigkeit, Erscheinungen im Sozialen, im Zwischenmenschlichen, aber auch in ganzen sozialen Gefügen, auf ihre wahren Ursachen zurückzuführen. Damit berauben wir uns der Fähigkeit, richtig zu urteilen und richtig zu handeln.

Und kommen zu einer annähernden Beleuchtung des Satzes (und damit dem Anlaß dieses Eintrags, der von Leser R erbeten wurde), daß nur Sittlichkeit auch Kultur hervorbringen kann.



*Von Ehe zu sprechen hat schon begrifflich nur dann Sinn, wenn diese Ehe auch als unauflöslich gedacht wird.




*240618*

Sonntag, 5. August 2018

Von der Wahrnehmbarkeit des Moralischen und der Sittlichkeit einer Kultur (1)

Wir machen gerne den Fehler einfachhin davon auszugehen, daß alle Menschen dasselbe fühlen und wahrnehmen wie wir. Daran ist zwar etwas Richtiges, aber auch etwas sehr Falsches. 

Wahr ist, daß wir alle in derselben Wahrheit leben. Die zwar in allen möglichen historischen und lokalen Erscheinungen auftritt, sich aber in ihrem tieferen Grund, der wirklichen Wirklichkeit, auf eine einzige Wahrheit zurückführt. Diese ist es, von der man sagt, daß sie widerspruchsfrei sein muß. Und das trifft auch zu, wenn man sich ihr nähert. Das heißt, aus der Fülle von Faktischem, das uns umgibt, die innersten Grundzüge destillieren, also abstrahieren. Dieser Wahrheit unterliegen tatsächlich alle Menschen gleichermaßen, sie unterliegen ihr und - sie begegnen ihr. Niemand ist davon ausgenommen.

Wahr ist aber auch, daß nicht jeder dieser Wahrheit auf dieselbe Weise begegnet. Wenn wir sagen, daß zu abstrahieren ist, so muß der jeweilige Mensch dazu aber in der Lage sein. Muß jeder also ein studierter Philosoph sein? Nein, ganz sicher nicht. Er braucht etwas anderes, etwas das jeder Philosoph, der im Medium der Sprache diese Wahrheit "ortet", wiegt, zählt, um es einfach zu machen, was also der Philosoph ganz genau so zuerst braucht: Er muß von sich und allem Faktischen, das ihn gerade umtreibt, von allen Süchten und kleinen Wünschen und großen Gefühlen zurücktreten können. Darf also nicht getrieben sein. 

Und dazu muß er seine Gegenwart durchleuchtet haben, sodaß sie ihn nicht ängstigt, damit er sich frei zur Wahrheit verhalten kann. Und nicht von ihr wie von allem "etwas will". Will, daß sie ihm zu Nutze ist, daß sie ihm Werkzeug ist, mit der er in der Welt herumwerkeln kann. Nichts anderes ist von jedem Tischler, Stahldreher, Landwirt oder Betriebsleiter verlangt. Er muß über sich hinwegsteigen und zum sachlichen Kern der Welt vordringen können, er muß also von der faktischen Welt absehen, das Zufällige damit aussondern können, um sachlich denken, urteilen und handeln zu können. Er darf nicht daran denken, daß er jetzt lieber eine Cremeschnitte oder am liebsten über die hübsche Nachbarin herfallen möchte, um es noch einmal simpler zu machen.

Erst so kommt sein Denken mit dem sinnlich Erfaßten von der Welt - mit den Sinnesdaten - zur Übereinstimmung. Er muß sein Denken von allen Getrieben- und Gezogenheiten freimachen können. Er muß, um es nun beim Wort zu nennen, "sittlich" sein. Damit haben "Ethik" und "Moral" zwar irgendwie zu tun, aber diese Begriffe sind nicht immer deckungsgleich und haben andere Bezogenheiten.

Das bedeutet, daß nur dem sittlichen Menschen eine wahrheitsgemäße Interpretation von Sinnesdaten zur Verfügung steht. Überall sonst ist das Wollen und Urteilen (als Entscheiden) in eine Ebene eingeflochten, die nicht dem tieferen Grund, also der eigentlichen Wahrheitsgestalt entspricht. Mal mehr, mal weniger, aber immer mit Trübung, und in vielen Fällen sogar ganz. Dort, wo sich sein Wollen ganz im Faktischen bewegt und in einer Art inneren Spaltung keinen Zugang mehr zur tieferen Matrix der Welt findet. Wie es beim wirklich Bösen, beim vom Bösen Besessenen, oder beim Geisteskranken der Fall ist.

Damit ist klar, daß nur dem sittlich Klaren, dem sittlich Reifen auch die Sinnesdaten als Auskunft über die Wahrheit der Welt gelten. Nur sein Fühlen also kann zu einer Wahrnehmung werden (die bereits ein Urteil über die Sinnesdaten einschließt), in der auch die wirklichen Qualitäten der Objekte seiner Wahrnehmung (der Welt also) ins Denken und Urteilen und damit Sprechen kommen.

Was so abstrakt klingt zeigt sich uns in vielen Beispielen. Man nehme nur einen richtigen Weinkenner. (Der VdZ hat es beim Wein noch nicht, aber in früheren Jahren beim Tee zu mancher Meisterschaft diesbezüglich gebracht.) Er muß nach vielen Lernprozessen von seinen Sinnen soweit zurücktreten können, als er die geistige Struktur gewissermaßen des Weines, den er vor sich hat, auf Eigenschaften abstrahieren kann, die dem "normalen" Bürger verborgen bleiben. Das kann zu einer Situation führen, daß der Weinkenner dem Bürger gegenüber wie in einer anderen Welt lebt, die dem Normaltrinker völlig verborgen blieb und bleibt. Der Weinkenner hat seine betreffenden Sinne "im Zaum", er "besitzt sie" gewissermaßen, und ist damit frei im Verhalten den Sinnesdaten gegenüber.

Damit ist noch ein weiterer Gedanke angedeutet, nämlich der, daß richtiges Wahrnehmen nicht einfach schon "da" ist, sondern in der Auseinandersetzung mit der Welt (vor allem vom jungen Menschen) gelernt und ständig neu errungen und bewahrt werden muß. Gleichzeitig wird die Bedeutung von "Moralgeboten" klar, die natürlich auf lange Frist nicht reichen, die aber dem, der diese Wahrnehmung noch nicht gelernt hat, oder zeitweise in Gefahr ist sie zu verwischen (jeder Mensch ist "amplitudenhaft", er schwankt immer im Selbstsein), unerläßliche Mahnung und Erinnerung an die richtige Richtung darstellt. Eine soziale Gruppe MUSZ also auch "nur-gesetzliche Verpflichtungen", trockene "Ge- und Verbote" haben, die nicht immer und nicht immer jedem ihrer Mitglieder einsichtig und wahrnehmbar sind.


Morgen Teil 2)




*240618*

Mittwoch, 9. Mai 2018

Wahrgenommenes ist auch Gewußtes

Damit verlassen wir also die Ansicht, die Wissen in jedem Fall als ein abstraktes Verstandesprodukt bezeichnet, das sich grundsätzlich von dem Erlebten der sinnlichen Welt unterscheidet, und behaupten, daß vielmehr erst das Erleben der sinnlichen Welt das Wissen vermittelt, dessen sich dann der rechnende Verstand innerhalb der Vorstellung bedienen kann. Wir behaupten also, daß Wissen im ursprünglichen Sinne nicht vom Verstand, sondern von den Sinnesorganen in der Wahrnehmung vermittelt wird.

[Wahrnehmung bedeutet ja,] daß uns in der sinnlichen Erfahrung etwas "Wahres" gegeben wird, das wir uns "nehmen" können. Es weist darauf hin, daß uns durch die Sinnesorgane kein Haufen sinnloser Empfindungen, sondern ein Wissen von etwas "Wahrem" dargeboten wird. Wahrnehmung bedeutet also, genau wie für den Griechen "idein" zugleich sehen "und" wissen bezeichnet, immer die Einheit von Sehen, Hören, Fühlen "und" Wissen.

[Sie ist also eine Art "Natursprache".] In ihr gibt uns die Natur jeden Augenblick das Stichwort, das unsere Rolle in der Handlung einer Szene bestimmt. Wahrnehmen heißt, in ein Zwiegespräch mit der Natur geraten und den Sinn der Worte vernehmen, deren Buchstaben aus Farben, Tönen und Düften bestehen. Ebenso wie der Sinn der Worte nicht aus der Summe der Buchstaben besteht, besteht auch das Wissen der Wahrnehmung nicht aus der Summe der Sinnesempfindungen. So ist zum Beispiel "die Gestalt" ein wahrgenommenes Wissen, das sich nicht aus der Summe seiner Teile herleiten läßt, also eine Wahrnehmung, die über die bloßen empirischen Wahrnehmungsdaten hinausgeht.


Thure von Uexküll und Ernesto Grassi in "Wirklichkeit als Geheimnis und Auftrag"





*010518*

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Dein Wille geschehe

Die Vaterunser-Bitte "fiat voluntas tua - Dein Wille geschehe" wird in seiner realistischen Dimension oft gewaltig unterschätzt. Denn sie bezieht sich auf die Tatsache, daß die menschliche Freiheit erst dort beginnt, wo sie im Gehorsam dem Willen Gottes gegenüber steht. Der als Anruf im uns Begegnenden verborgen liegt, im Erkennen (selbst eine Funktion des Zustimmens, der Liebe also) die Hinbewegung in uns abbildet, der wir dann zustimmen oder die wir ablehnen können. DAS ist unsere Freiheit!

Nur in der Ablehnung der Schöpfung liegt jener Irrtum der Neuzeit begründet, der da verkündet, daß wir unsere Welt völlig autonom zu gestalten haben. Wenn die Geschichte der Neuzeit und die zahllosen in ihr verborgenen menschlichen Geschichten aber eines beweist dann ist es das, daß die Menschen mit einem Selbstentwurf ihres Lebens hoffnungslos überfordert sind. So überfordert, weil das weder ihrer Natur entspricht, noch ihrem Vermögen. 

Bleibt er aber in diesem Gestus gefangen wie es heute passiert, wo dieser Selbstentwurf angebliches Maß der Freiheit sei (dabei ist es völlige Gefangenheit von irdischen Mechanismen), wo aus diesem Grund aufgelöste gesellschaftlich-kulturelle Organizität jeden Einzelnen sogar dazu zwingen wollen, sich selbst sein Leben zu entwerfen, so tritt ein, daß der Mensch das, was ihm Gemessen wäre, das was ihm Gut wäre, gar nicht sieht weil ablehnt - weil den Weg ganz woanders sucht. Dort aber findet er ...  nichts.

Vielleicht kann man deshalb sogar von einem regelrechten kollektiven Zug der Gegenwart sprechen, daß die Menschen allesamt hinsichtlich ihrer Lebensentscheidungen pausenlos FALSCHE Entscheidungen treffen. Nur dort, wo noch wirkliche Gottergebenheit besteht, nur im Katholischen, besteht die berechtigte Hoffnung, daß im Einfügen in den Willen Gottes (also in der Antwort auf das Nächstliegende, im liebenden Eintreten in dessen Wahrheit und auffordernden Geneigtheit) Lebensentscheidungen richtig sein können. 

Selbst dort, wo sie uns nicht das Hauptversprechen der Gegenwart - rein subjektives Wohlbefinden oder gar kurz gegriffenes "Gelingen" als Ziel, das fälschlich mit Glück verwechselt wird - zu sein scheint. Selbst dort, wo es Mühe und Kraft zu kosten scheint, selbst dort, wo wir vieles überwinden müssen, um ihm zu folgen. Selbst dort, wo wir nach irdischen Gesichtspunkten vielleicht gar nicht glücklich werden. Dennoch liegt nur dort das Glück, weil Glück nur in seiner Letztdimension begreifbar wird, als Glück in Gott.

Die Vaterunser-Bitte "Dein Wille geschehe" ist also der Schlüssel zu jenem uns auf Erden möglichen Glück, das in Gottes Plan und Vorsehung auch für uns bereit liegt. Denn es ist die Einstimmung in unser Glück, das uns genau das Nächstliegende wählen, also vertrauend annehmen läßt, sodaß wir es nach und nach auch tatsächlich sehen, wenn auch gar nicht ganz, weil es noch weiter ist als wir. Dieses jene Nächste, das wir meist übersehen, wenn wir glauben selbst entwerfen zu müssen, aus Angst, die vertrauende Zustimmung könnte uns sonst auf falsche Wege führen.

Das praktisch immer das ist, das wir bei autonomistischen Entscheidungen fast notwendig übersehen, weil wir nach irdischen Gesichtspunkten suchen. Während Gottes Glück und Vorsehung, die alles zum Glück führt, um Dimensionen größer und weiter ist. Wir sind in der Zustimmung, in der Liebe so dicht in Gottes Vorsehung eingefügt, daß wir selbst wie ein Teil dieser Vorsehung (in der Gleichförmigkeit zur Wahrheit) sind, sodaß bzw. weil wir jenes Auge, das da gerne ein Außen sucht und sehen will, SELBST SIND: Erst wenn wir mit den Augen Gottes sehen, also ihm gleichförmig sind, sehen wir auch dieses Nächstliegende. 

Sodaß wir im besten Fall nach unseren autonomistischen Vorstellungen, in denen wir uns oft so unglaublich zäh und hartnäckig dagegen sträuben, uns wirklich dem Willen Gottes zu übergeben, erst dann erkennen, wenn wir etwas nicht wahrgenommen haben und die Gelegenheit vorbei ist.

Leben wir aber in dieser Bitte, in dieser Offenheit für Gott, in diesem Gehorsam seinem Willen gegenüber, dann müssen wir uns auch nicht grämen (was natürlich leicht gesagt ist, es ist aber oft sehr schwer), wenn einmal etwas nicht gelingt, wenn scheinbar unsere Entscheidung etwas nicht unseren Vorstellungen gemäß entstehen ließ. Denn dann können wir dennoch sicher sein, daß auch dieses Mißlingen, dieser Rückschlag, oder gar ein Leid, durch Gott zu unserem Glück ausschlagen wird. Das wir aber erst dann sehen, wenn nicht unsere Augen, sondern wir mit den Augen Gottes unser Leben betrachten.

Die einzige legitime Frage ist dann die, ob wir getan haben, was im Gehorsam zu tun war. Wenn ja, ist das Scheitern nur Täuschung. Wenn nein, haben wir die Beichte, die Vergebung, und die Chance zu einem Neubeginn, wenn auch alles nun anders wird als wir dachten.  Und deshalb ist ein Scheitern immer die Tür zu einem noch größeren, vollkommeneren Einwilligen in die Vorsehung Gottes, und damit - oh glückliche Schuld, ruft das Oster-Exsultet - zu noch größerem Glück.

Entspricht nicht genau das auch der Wahrnehmung dessen, was bei Menschen passiert, die eine Niederlage, einen Rückschlag, ein Leid erfahren? Werden sie nicht in der Regel etwas demütiger? Zumindest zwei Tage lang. Aber hören sie nicht genauer auf das geführte Leben hin, diese zwei Tage zumindest? Wissen sie nicht scheinbar intuitiv, daß das Glück außen - im Gehorsam nur zugängig - liegt?

Ehe sie wieder daran gehen, das Leben in den Punkten selbst in die Hand zu nehmen, die gar nicht in ihrer - des Menschen - Hand liegen.




*221117*

Dienstag, 9. Mai 2017

Es reicht doch, die Augen zu öffnen

Dieses amerikanische Video hat einen wichtigen Ansatz: Es wendet sich nicht gegen die sexuelle Revolution, weil sie moralisch verwerflich oder irgendwie naturphilosophisch widerlegt ist. Das ist sie zwar, aber wer kann und will sich damit wirklich auseinandersetzen. Sogar Konservative wollen ja meist gar nicht denken, sondern einfach bestätigt erhalten, was sie vorgeben zu denken. Der Ansatz, der hier vertreten wird und den es grundsätzlich zu verfolgen gilt ist vielmehr der, daß man d90och nur seine Augen aufmachen muß um zu sehen, daß die sexuelle Revolution nur Schutt und Asche hinterlassen hat. Daß sie dazu geführt hat, daß ganze Generationen ihre Lebenserfüllung zugunsten eines kurzfristigen Happenings aufgegeben haben. Das  noch dazu die seltsame Eigenschaft hat, daß nicht einmal das sich auf Dauer erfüllt. 

Wer spricht schon gerne von Impotenz als Folge promiskuiven Verhaltens? Wer spricht schon gerne von den schweren psychischen Schäden, die sexuelle Freizügigkeit und Verlust der Schamlosigkeit direkt bewirken? Wer spricht schon gerne vom Verlust der Vernunftfähigkeit, wenn man sich seinen aktuellen Leidenschaften beliebig ausliefert? Wer spricht schon gerne vom Verlust der Freiheit, der mit diesem angeblichen Zugewinn an Freiheit aber zwingend einhergeht? Wer spricht schon gerne vom Verlust jeder sozialen Solidarität und der Auflösung von jedem sozialem Rückhalt, die den Einzelnen an den Staat ausliefert, der direkt und gezielt von der sexuellen Revolution bewirkt wurde und wird? Und diese Sätze könnten noch fast beliebig fortgeführt werden.

Aber argumentieren? Wer ist heute noch argumentationsfähig. Niemand. Doch einfach niemand mehr. Im nächsten Moment ziehen ihn doch schon seine Leidenschaften weg. Oder er geht in der Lawine von Gegenpropaganda - Hollywood! - unter, die ihn mit Lügen zudeckt, sodaß er sich nur noch fragen kann, was ER falsch macht, daß er das verheißene Glück einfach nicht zu erreichen vermag?

Vielmehr ist es sinnvoll, Fragen zu stellen. Fragen, ob das, was der Mensch der Gegenwart sich vorsagt, denn überhaupt mit dem übereinstimmt, was er im Leben vorfindet! Das muß sehr behutsam geschehen, gewiß, denn auch das Reden von "Fakten" ist oft kaum mehr als Gequatsche. Denn um "Fakten" zu erkennen, muß man bereits den Interpretationshorizont entweder teilen, oder ihm gegenüber offen sein. Erst dieser  macht aus Daten, aus Tatsachen auch Fakten. Deshalb ist auch das Reden vom "postfaktischen Zeitalter", wie es momentan so aktuell ist, ein völlig ungenügender Ansatz. 

Stattdessen sollte man die Menschen ermutigen, endlich dem Raum zu geben, was ihrem innersten, tiefsten, aber noch kaum zu Wort gekommenen Erleben endlich endlich auch Gedankengestalt gibt. Die Augen zu öffnen und einfach einmal (sich selbst gegenüber) zuzugeben, daß sie ihre Lebensziele nicht und nicht erreichen, ja sich immer weiter davon entfernen - und im Gegenzug bereit sind, alel möglichen Ersatz-Faszinationen wie Hologramme vor sich her zu tragen, die den Wahnsinn noch "schönreden" (Hollywood ...) Das Leid wahrzunehmen, in dem man steckt, das keineswegs der "Freiheit" entstammt. Und sanft an die Tür der Möglichkeit zu pochen, ob es nicht dafür ganz andere Gründe gibt, als man bisher wahrzunehmen bereit war. Um so die Lüge abzustreifen, als die die Sprachgestalt der Gegenwart bezeichnet werden muß: Als Konstrukt der Lügen, als Konstrukt des Bösen.

Zu fragen, ob es wirklich befriedigend ist, sich in irgendwelche sätndig vorgegaukelte und selbst vorzugaukelnde romantische oder "faszinierende" Bilder zu flüchten, um sich darüber zu täuschen, daß die Gedankengrundlagen, die Ziele, aufgrund derer man sein Leben entschied und führte, in Wirklichkeit zu Chaos, Sinnlosigkeit und Unglück führen. Und die Welt in Schutt und Asche legen.








*270417*

Sonntag, 7. Mai 2017

Es braucht doch nur das Hinschauen!

Wer dies sieht, kann Evolutionisten nur noch als Geistesgestörte ansehen. Sie sollen doch einmal erkären, und von solchen Beispielen ist der Alltag auch hierzulande vollgepackt wie eine hochschwangere Nubafrau auf Kau, was hier am Video zu sehen ist.

Wir müssen nur endlich wieder anfangen, HINZUSCHAUEN. Und hinschauen heißt, sich vom Gesehenen bewegen zu lassen, es heißt, sich ans Gesehen auch auszuliefern. Es heißt, aus all diesen geistigen Gefängnissen herauszutreten, die uns seit zweihundert Jahren programmatisch um die Gehirne wie Eisenklauen angelegt werden. Evolutionisten sieht der VdZ in der Tat und ausschließlich als bedauerliche Wirklichkeitsignoranten. Als Faktenleugner und gehirngewaschene Tatsachenvertuscher, die man wie Kranke behandeln muß. Es ist die Zeit aber nicht wert, mit Dummen ernsthaft zu reden zu versuchen. Das Ich liegt im Du!

So nebenher: Vor kurzem las der VdZ bei einem bedeutenden Naturwissenschaftler die Bemerkung, daß er überhaupt nicht begreifen könne, wie man auf ein Paradigma der "Überlebenstauglichkeit" als angebliches Selektionsmerkmal gekommen sei. Denn die überlebenstauglichsten Lebewesen der Erdgeschichte seien ... die simpelsten Einzeller. Bakterien etwa sind wahre Überlebenskünstler, und sie bleiben auch unter Bedingungen bestehen, unter denen jeder menschliche Organismus zuvor schon fünfmal zuvor zusammengebrochen wäre. Was also hätte diese Wesen dazu bewegen sollen, sich "höher" zu entwickeln, wie der Evolutionismus behauptet? Eine höhere Lebensstufe heißt im Gegenteil doch immer auch eine Erhöhung der existentiellen Fragilität!

Oder, wie ein anderer es einmal ausdrückte: An WIEVIEL MUSZ MAN GLAUBEN, um NICHT an Gott und die Schöpfung zu glauben?









*250417*

Mittwoch, 2. März 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (3)

Teil 3) Genügt das Tragen von Nike, um einer Kultur anzugehören? 
Oder: Es ist zumindest fraglich, ob die Kultur beim iPhone anfängt und endet




Eben - genau darum, genau um diese alltäglichen, unteren Gefühle und Empfindungen geht es in der ganzen Frage der Migration ÜBERHAUPT nicht. Wer daran zweifelt, daß ein syrisches Kuskus auch köstlich sein kann, hat sowieso einen Dachschaden. Nicht weniger als der, der meint, der (subjektive) Wohlgeschmack eines Kebap "schaaf.mitt.one.ales" samt Bonuskarte "nach neun eine gratis" reiche, um den muslimischen Türken als ewiges Kulturmitglied anzusehen.

Was (so nebenbei) der Einschätzung, daß die Willkommensbegeisterten 2015 aus der Erfahrung, daß für sie das Bedienen eines iPhone höchste weil mittlerweile einzige Kulturleistung ist, den Umstand, daß die meisten Zuwanderungsbegehrer ein solches Gerät in ihrer Gesäßtasche mitführen und elegant bedienen können als hinreichenden Ausweis einer Kultureinheit ansehen. Auch das jedem bekannte Suchen von Steckdosen, um einen Handyakku aufzuladen, ist halt noch nicht wirklich kulturverbindend, genauso wenig wie eine Vorliebe für Nike-Schuhe. Wobei ... da könnte man schon diskutieren ... denn beide Seiten scheinen das oft zu glauben. Oder ist das auch schon alles, was hierzulande noch an Kultur erbracht wird? Markenbewußtsein, Nike-Schuhe? Wer weiß. Auf der Nike-iPhone-Ebene kommt man aber nicht weiter.

Diese Fragen müssen also sehr wohl und zu allererst auf einer sehr abstraktiven Ebene behandelt werden - eben: auf der geistigen Ebene, auf der Ebene der Universalien. Daß das Mädchen aus Eritrea ziemlich hübsch ist, ja nicht einmal, daß der Marokkaner nebenan ordinär und sexuell anlassig ist, während der andere sich ganz ziemlich und anständig aufführt, das Einzelne also, darf da gar keine Rolle spielen. Das kann es nur, wenn es einem Universalen zugehört, es erkennbarer macht, das also eine ontologische Unvereinbarkeit mit den Allgemeinen hier und da und dort darstellt.

Denn von einem kann man mit Sicherheit (!) ausgehen: Daß dieses Universale den anderen, das Begegnende, irgendwann einmal selbst dann zum Träger sucht, also dargestellt sein wird. Und dann haben wir es mit sehr forgeschrittenen, konkreten Kämpfen zu tun. Wer also Frieden will, muß von der Ebene der Universalien her denken. Denn das Einzelne, das Individuelle, ist immer die individualisierte Form eines solchen Universalen, das ohne dieses inhaltsleer (also gar nicht vorhanden, dabei aber als Entelechie suchende, als leibsuchende Kraft immer aktiv) bliebe. Denn die Welt ist die Blühe eines Tanzes des Sinns, der ontologischen Beziehungen. Nicht das Zufallsprodukt der Kebap-Sauerbraten-Konkurrenz.

Und erst aus dieser allgemeinen Abwägung heraus kann dann (vielleicht) entschieden werden, ob das Angstgefühl der Pegida oder der Mäderl in den Gassen Kölns und Buxtehudes aus ontologischer Richtigkeit beruht - oder, zu dieser im Gegensatz stehend, psychogenes Produzieren eines (warum auch immer) gewollten (!) Vorstellungsbildes ist. Erst daraus läßt sich auch entscheiden, ob eine Massenbewegung eine Bewegung der (dann immer: verhetzten, manipulierten, ideologisierten) Vermasstheit ist, oder das ernstzunemende weil ontologisch berechtigte Aufbegehren des Individuellen, das der Gefährdung des Allgemeinen - und damit des Individuellen, das nämlich im Allgemeinen wurzelt und beginnt - wehren möchte.

Wenn das nicht (bald!) passiert, bleibt die ganze Debatte nur die nächste Stufe in der Diskussion um des Kaisers neue Kleider.





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Dienstag, 1. März 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (2)

Teil 2) Hände die streicheln sind nicht immer nett




Reden wir in vielleicht vorstellbarerer Gestalt, so gefährdet das uch immer ist, weil sehr rasch Unbildliches vergegenständlicht, also im Antlitz der Medusa zu einem Bild versteinert wird: Das Bedrohnungsgefühl, das unsere Bevölkerungen derzeit empfinden, ist auf siene Berechtigung nicht zu prüfen, indem die Vereinzeltheit über das Allgemeine gesetzt wird! also ncith der "Kontakt mit Zuwanderern" ist es, der diese Ängste wirklich "bannt", auch wenn es so "empfunden" wird. Vielmehr wird, wenn das Vereinzelte zu stark wird (man kennt diesen Vorgang: "von etwas hingerissen" werden drückt es etwa aus), das Allgemeinen so verdrängt, daß es sogar noch unzugänglicher, die Situation also ontologisch noch schwieriger wird, als würde diese sinnliche Auseinandersetzung mit einem Proponenten dessen, wovor man sich im Gefühl "fürchtet", wovor man Angst hat, gar nicht stattfinden.

Oder, in einem weiteren konkreten Fall: Man tut der Pegida, und vielen Menschen der ehemaligen DDR, sehr Unrecht wenn man (noch dazu in zynischem Unterton) behauptet, daß ausgerechnet jene am meisten gegen die Zuwanderung opponieren, die am wenigsten davon betroffen seien (weil sich am wenigsten Zuwanderer dort aufhielten, etc.) Vielmehr kann man Phänomene wie die Pegida nur unter ontologischen, weit umfassenderen und grundsätzlichen Gesichtspunkten sehen. Denn Angst entsteht am äußersten (!) Rand eines Dings, Gegenwehr in den alleräußersten, ersten Berührungspunkten mit etwas. Läßt man diese Bedrohung, die diese erste Angst noch dazu sehr präzise zu lokalisieren vermag (!), weil die Wahrnehmung (als geistiger Akt der Zuordnung von sinnlich Aufgenommenem) von allen möglichen Gedankenstörgewittern noch nicht verwirrt ist, aber ungehindert weiter vordringen, wird es immer schwieriger, sie in ihrem elementarsten, umfassendsten Aspekt zu sehen und im Handeln gerecht zu bleiben. Denn im Gegenteil, wird durch das immer konkreter werdende Berührtwerden, das das "Eindringen" im beschriebenen Sinn bedeutet, die geistige Distanz NIEDRIGER, die Entscheidung, das urteilende Verhalten, also IRRATIONALER und UNFREIER.

Ob das schon einmal jemand bedacht hat? Daß jemand, der nach Kontakt mit (sagen wir einfach einmal:) Afghanen, die nun im Nachbarhaus als Asylwerber wohnen, in dem Moment, wo er entdeckt, daß auch sie lachen und weinen und trotzen und sich fürchten und Salz auf die Gurke streuen, die Beurteilung der ontologischen Gegebenheiten, also eine wirkliche Handlungsweise, fast nicht mehr zu ermitteln ist? Weil das Urteilen sich gar nicht mehr auf das wirkliche Geschehen bezieht, sondern auf die Schälweise der Gurken, die Schneuztechnik der Tochter, und die Schuhgröße des Vaters, der mich von einem Kebap kosten läßt, der köstlich schmeckt. Das wäre ungefähr so (und es hat auch direkt mit Mißbrauch zu tun), als würde man das Urteil aus dem Wohlgefühl einer streichelnden Hand beziehen, um zu ignorieren, daß sie einem 40jährigen Böstäter gehört, der sich an ein fünfjähriges Mäderl heranmacht.



Morgen Teil 3) Genügt das Tragen von Nike, um einer Kultur anzugehören? 
Oder: Es ist zumindest fraglich, ob die Kultur beim iPhone anfängt und endet




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Montag, 29. Februar 2016

Der Einzelne ist ... gleichgültig (1)

Es hat etwas Schwieriges im Umgang mit dem Begriff "Vermassung". Und das liegt darin, daß jeder Mensch einer gar nicht eingrenzbaren Menge von Kollektiven, von Universalien zugehört. Nahezu alles, worin sich ein Mensch bestimmen läßt, ist nämlich die Teilhabe an einem für sich stehenden, ein eigenes Sein und vor allem Realität (in ihm nämlich!) habendes Allgemeines. Der Blonde gehört zur Allgemeinheit der Blonden, nicht weniger als der 2-Meter-Riese der der Großwüchsigen, der Wiener zur Österreicher-heit, der Bremer zur Sachsenheit. Die Zubehörigkeiten sind nicht in ihrer Zahl eingrenzbar, und enden in der Bestimmung als Mensch überhaupt.

Der Wille, diese Zugehörigkeit zum Ausdruck zu bringen, ist deshalb jedem Menschen gleich, und er ist elementar und er ist Teil seines Menschseins überhaupt. Es sind nämlich dieses Universalien die Bezugspunkte, die ideae, auf die hin sich ein Mensch transzendieren muß, will er überhaupt Mensch sein. In diesem Akt der Selbstüberschreitung, des Sterbens (wo hinein?) also, liegt sogar das eigentliche Geburtsmoment seines Selbst als Gestalt des unbestimmbaren Ich, das jedem Mensch als Person bzw. in seinem Personsein zugrundeliegt. Es ist der eigentliche Gründungspunkt, als Dynamik eines "zur Welt kommens" - das in der Selbsthingabe (als Paradox also) passiert.

Die Vermassung steht hiemit auch unter einem Paradox. Weil sie in dem Moment passiert, in dem genau diese Zubehörigkeit zu einem Allgemeinen, zu einer Gemeinschaft also, NICHT in der Selbstüberschreitung "einfach ist", "sich" wirklicht, sondern wo sich die Selbstüberschreitung ausspart bzw. auf einen bestimmten Aspekt reduziert, der die Gesamthaltung der Überschreitung (die ein offen-sein-für ist) beschränkt. Hier liegt auch der Geburtspunkt der Ideologien, die immer Einschränkungen sind.

Was noch nicht einmal etwas darüber sagt, ob sie nicht temporär, in Momenten der Verwundung eines Allgemeinen, der verletzten oder gefährdeten Zubehörigkeit zu einem Allgemeinen, ihre Berechtigung hat. Die hat sie nämlich tatsächlich. Temporär, wie gesagt, nicht als letzthinniges humanes Konzept. 

Denn diese Zugehörigkeiten in all ihren unfaßbar vielen Ebenen und Ausprägungen und Ideenbezügen, ohne die es gar kein Individualsein gäbe (!), die es rundum bestimmen, die den Einzelnen vorwerfen, noch ehe er sich dem Mutterleib entwunden hat,  haben eine seltsame Eigenschaft: Sie sind, wenn sie gesund sind, wenn sie bestehen, wenn also der Einzelne sich in der Selbsthingabe am vollkommensten selbst wirklicht, gar nicht ... bewußt. Und sie können auch gar nicht in allen ihren Präluminarien bewußt werden. Sie werden erst dort bewußt, wo sie gefährdet sind. Und das sind sie immer - konkret. Konkret in einem bestimmten Punkt. Dann tritt dieser Punkt als etwas Bestimmtes auf, gegen das sich der Einzelne auch bewußt wernden kann, das ihm also (auch am Eigensein, an den Bestimmtheiten seines So- und Selbstseins) bewußt wird.

Das heißt aber auch, daß der Einzelne eine Bedrohtheit seiner Identität sehr wohl ZUERST fühlt, zuerst spürt, ohne sie noch konkretisieren zu können - und erst allmählich, im Diskurs, im Streit, ja im Kampf gar, zu einem bestimmten Aspekt formt. Das Vereinzelte (und damit immer Konkretere, also eigentlich sogar: die Welt) kommt aus einem Allgemeinen. Immer.

Deshalb muß gesagt werden, daß man vielen Ängsten "in der Bevölkerung" zutiefst Unrecht tut, indem man sie marginalisiert oder zu bloßen ontisch nicht verankerten Psychoiden erklärt. Denn selbstverständlich äußert sich eine durch die Sinne, durch die Teilhabe an den Gestalten der Welt über die Sinne, zuallererst über ... ein Gefühl. Und dieses Gefühl wird durch "Bewußtwerdung" keineswegs eliminiert, und sollte es auch gar nicht. Es ist existentieller als fast jede Rationalisierung zu erfassen vermag, es ist elementar, es ist von größter Bedeutung für die Gesundheit des Einzelnen. Denn das Ontische ist, wenn es real sein soll, wenn es also real IST, sehr wohl Gegenstand der Wahrnehmung, wenn auch nicht direkt, wenn auch nur über die Auswirkungen dieser Entitäten, dieser Seinsheiten, dieses Seienden als Gestalt.

Wenn man also nun behauptet, daß das Gefühl der Bedrohung, das heute so viele Menschen (und an bestimmten Seinsheiten Teilhabende im Besonderen, na etwa so wie Frauen in ihrem Alltagsbewegen bei Dämmerung in dunkelen Gässlein) haben, keine Berechtigung weil Realität hätte, der irrt, im günstigsten Fall, der will aber vor allem lügen, im häufigsten Fall. (Denn es wird heute allgemein derartig viel und allgemein gelogen, daß es einen regelrecht umhaut, wenn man davon erst einmal eine Ahnung bekommt.) Vielmehr sind solche Gefühle gerade dort sogar am berechtigtesten, wo Gemeinschaften (wie gesagt: auf allen Ebenen und in allen Separiertheiten und Aufteilungen) noch intakt sind, aber aus dieser Zugehörigkeit auch teilhaben an ontologischen Gefärdetheiten - das heißt: Etwa an politischen, gesellschaftlichen Veränderungen, die die Beziehung von solchen Seinseinheiten zueinander verschiebt, verändert, oder gar ganz reale Bedrohungen abzeichnen, die noch lange Wege zurückzulegen haben, um eines Tages vielleicht (und dann immer nur in Teilen) "bewußt" und Gegenstand der Debatte zu werden.


Morgen Teil 2) Hände die streicheln sind nicht immer nett




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Mittwoch, 24. Februar 2016

Das Ende der Eliten

Wer glaubt, daß diese Politiker auch  nur annähernd in der Lage seien, Probleme zu lösen, ja auch nur zu sehen, hat ein ernstes Problem. Denn man höre diese Debatte im Nordrhein-Westfälischen Parlament an. Wenn die Politik nicht mehr in der Lage ist zu sehen, was jeder Blinde mit Krückstock sieht, wenn die Politik meint, die Ereignisse von Köln (ff.) seien "überraschend" gewesen, unvorhersehbar, dann ist die Politikerelite fehl am Platz. Ganz einfach. Dann kann man zu keinem anderen Schluß kommen, als daß die Elite nicht mehr in der Lage ist, realitätsgemäß zu reagieren angesichts von Realitäten, die sie selbst aber schafft. Welches Volk kann das auf Dauer ertragen?

Von welchen Realitäten aber ist die Rede? Jenen, die die Ebene der Politik zu regeln hat. In ihrer Funktion, den Interessensausgleich der Gemeinschaften in den Spannungen zum Gesellschaftlichen im Sinne des Gemeinwohls zu schaffen, in diesem Zusammenfluß von Individuen und Öffentlichkeit.

Das Ende der Eliten ist nahe. Verursacht durch die unvermeidlichen Einbrüche der Realität, die sie mangels Fähigkeit objektive Beziehungsstrukturen zu sehen und zu beurteilen wie Lottoziehungen erleben. Politik hat deshalb die Verantwortung zu tragen, daß durch ihre Regelungen diese Ebenen auf abstrakter Interessensebene nach dem Prinzip des minimalen Schadens harmonisiert werden. Daß abstrakte, alles Konkrete umfassende Regelungen auch das Individuelle, gesellschaftliche Mechanismen die gemeinschaftlichen Strukturen befriedigen. Das ist nicht mehr gewährleistet, und das gilt für alle Ebenen. Und darauf baut die Unzufriedenheit der Menschen auf, die ihr Vertrauen verloren haben. Mit Recht.

Denn Politik wird längst zum System persönlicher Willkür, mit Mechanismen der Entschlagung von Verantwortung unter Berufung auf subjektive Befindlichkeiten. Die Eliten der Gegenwart sind nicht mehr in der Lage, Masken zu tragen. Je höher eine Aufgabe der Führung ist, desto mehr muß aber die Führungsperson selbst hinter der Maske verschwinden. Der Bezugspunkt ihres Gewissens ist die Verantwortung für die Aufgabe, die Stelle, die sie innehat, nicht irgendein invidivualistisches Fühlen oder Wollen. Wer diese Spannung nicht mehr ertragen kann, muß augenblicklich zurücktreten.

Die Debatte ist lang, gewiß. Aber sie zeigt sehr gut direkte Verantwortlichkeiten, öffnet den Blick auf politische Mechanismen. Auf die die Verantwortlichen aber nicht einmal ignorant reagieren sondern tun, als wäre das Gekommene auch für sie überraschend. Die Ebene der Bühne, das Spiel der Masken ist ihnen bereits unbekannt.

"Betroffenheit (und schon gar nicht Betroffenheitsgefühle; Anm.)  ersetzt keine Verantwortung."






*240216*

Sonntag, 14. Februar 2016

Welt besteht durch Sinnlichkeit

(Gedankensplitter) Der VdZ hatte einige Zeit mit sogenannten "optimierten Schlafstellen" zu tun, mit Gesundheitsmatratzen und vor allem Betteinsätzen, die durch besondere Konstruktion den Schlaf besonders tief gestalten sollen. Nun, das tritt tatsächlich ein. Aber es tritt nicht nur ein, sondern es ist in den Augen des VdZ sogar lebensgefährlich. Der plötzliche Kindstod wird sogar genau damit in Zusammenhang gebracht: zu weiche Matratzen, zu sinnenarmes Welterleben. Ein Mensch, der im Schlaf aus der Welt zurücksinkt in seine Körperlichkeit - weshalb er nichts mehr wahrnimmt - ist also gefährdet, über einen besonders tiefen weil entsinnlichten, widerstandsfreien Raum aus diesem Zustand gar nicht mehr aufzuwachen. Weil seine Seele (in der Gestalt der Persönlichkeit) zu schwach ist, den Leib "wieder aufzuheben", in die Welt zurückzuführen. 

Aus demselben Grund hat der VdZ immer eine Pädagogik abgelehnt, die sich bewußt und gezielt auf "ergonomische Formen" Rücksicht zu nehmen bemühte, weil gerade der Heranwachsende Konfrontation braucht. Das Maß kann nur in der Wucht weil Komplexität dieser Konfrontation liegen, nicht darin, sie zu vermeiden. Simpel ausgedrückt: In unbequemen Schulbänken ist der Schüler besser aufgehoben weil zu sich selbst (und zur letzthinnigen Selbsttrage, dem höchsten Ziel des Menschseins) aufgefordert, als in ergnomisch widerstandsfrei gemachten. Von aller möglichen "kindgerecht gemachtem" Dingwelt, die überall genau diesen Widerstand senken soll, indem sie die Dinge in Vorstadien von Dingen zurückversetzt, und sei es durch einen Comic-Aufkleber auf der Schultasche, gar nicht zu reden. Die Dingwelt muß also dem Heranwachsenden immer etwas voraus sein. Liebe heißt, dieses Voraussein nach und nach zu steigern, die Welt nach und nach dem Heranwachsenden auf- und weiterzumachen. Umgekehrt, senkt die Verkindlichung der Umgebung das Weltsein der Welt. Das Kind bleibt also "in sich", die Welt verliert den Aufforderungscharakter, der eine Aufforderung zu einem Ganz-selbst-sein bedeutet, und das bedeutet - Erwachsenheit.

Es sind die Sinne, die den Menschen in der Welt halten, weil sie ihn dazu fordern, sich mehr und mehr selbst (in den Geist) zu stellen. Durch Überwindung der puren Dinghaftigkeit (wie sie dem Tier bzw. allem niederen Leben eignet), durch ein Leben in der wirklichen Wirklichkeit der Welt, die eine Welt der Beziehung - des Sinnes - ist. Sodaß sich aus diesem Sinn auch das Antlitz der Dinge je neu und in je aktueller historischer Form heraustreiben läßt. Ja, das ist sein eigentlicher Kulturauftrag weil Sinnauftrag, denn jeder Moment ist neu und das heißt: neu zu gestalten.

Die Welt ist nicht nur ihrem Wesen nach sinnlich und sinnorientiert (in des Wortes mehrfacher Bedeutung, die sich in diesem Zusammenhang sogar umfassender erschließt), sondern Sinnlichkeit ist das, was sie zusammen-, was sie im Bestand hält. Sinn(en)losigkeit läßt sie also buchstäblich ins Nichts fallen.

Dazu einmal dieses Video: Wie lange hält es ein Mensch in weitgehend entsinnlichter Umgebung aus, ohne verrückt zu werden? Der Rekord liegt in dieser Kammer bei ... 45 Minuten.




Das menschliche Denken ist der Ausdruck des menschlichen Geistes, aber es gibt kein Denken ohne Konkretion und damit Sprache, denn der Mensch ist in wechselseitiger Weise auf die Welt bezogen (weil Welt eben in ihrem innersten Wesen Beziehung ist). Der selbst wiederum die Welt braucht, um "zu sein", um "werden zu können". Geist braucht also Ort. Er braucht Bezugspunkt - Welt ist also Bezug und Beziehung. Menschsein ist also das personale Halten von Beziehung, kein für sich stehendes Irgendetwas: Der Mensch braucht Grund auf dem er aktuell stehen kann. Er braucht ganz reale Verortung, weil sich die pure Dynamische Energie des Ich in sich krümmt, sich nicht halten kann. Und das geht nur durch ein Außen. Das Außen hält den Menschen. (Der Verweis auf sein Wesen als Kultur- und Gemeinschaftsmensch.) 

Wo der Mensch diese Beziehungen nicht halten oder finden kann, wo er keinen Rahmen findet, um ein Gleichgewicht zwischen dem Antrieb zur Weite und den sinnlichen Gegen(!)ständen zu finden, sucht er Ersatz - in sinnlicher Wahrnehmung. Und sei es, daß er sich mit sich selbst (physisch) befaßt. Den Bart kratzt oder sich anfaßt. (Das Kleinstkind schreitet auf seinem beginnenden Weg zum Erwachsenen von der Befassung mit sich selbst zur Befassung mit der Außenwelt. Es greift erst nur sich an, und weitet allmählich seine Welt durch das Begreifen.) 

Einem asketischen Dasein muß also zuvor ein sehr sinnliches bzw. in die Sinnlichkeit vertieftes Dasein vorausgegangen sein, ein Dasein, in dem die fehlende Außenwelt ab einem Punkt durch die Erinnerung ersetzt werden kann. Was bereits hohe Vergeistigung (also: Unabhängigkeit von der Vereinzeltheit der Welt in ihren Dingen) voraussetzt. Wie es bei Schriftstellern (der vielleicht höchsten Abstraktion als Lebensform, zu der der Mensch fähig ist) beobachtet werden kann (M. Proust, der als erwachsener Mann alle Fenster seines Hauses durch Platten verschließen, die Fenster seiner Kutsche mit Vorhängen verschließen ließ, etc., um fortan aus der Erinnerung zu schreiben, ist ein bekanntes Exempel dafür.) 

Der Asket, der reife Schriftsteller (bzw. jeder Künstler), nimmt sich also aus der Welt und vor allem aus der Zeit heraus. Er ist ein Ort der Ewigkeit in der Welt, insofern nicht mehr ganz dieser Welt zuzuschreiben. (Worin er dem Priester oder dem Philosophen gleicht.) Er muß also einerseits die Welt in sich tragen, besitzen, sie sich anverwandelt haben, im Sinn, um ihr anderseits "zu entsteigen".




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Dienstag, 9. Februar 2016

Einladung zum Fasching

Wie sehr selbst "nach Sylvester-Köln" wesentliche Elemente der Fragestellung ausgeblendet werden zeigt sich ... an der Empörung über die Aussagen eines islamischen Imam. Dieser hatte im russischen TV (angeblich; nun wird über die richtige Übersetzung gestritten) die Meinung geäußert, daß Frauen, die wie in Köln leicht bekleidet und parfümiert aufträten, "Öl ins Feuer" gössen. 

Nun ist das Interessante an dieser Aussage, daß auch sie einen Funken Wahrheit enthält. Zwar ist das Verhalten der männlichen Migranten zwar nicht zu rechtfertigen, aber über den 'Geschehnissen hängt denn doch auch ein eigentümliches Schild: Daß nämlich die Kultur des Gastlandes eine ausgeprägte (Nicht-)Kultur des Nicht-Rezipierens der Wirklichkeit ist. Daß es zu den Vorstellungen vieler Hiesiger gehört, die Dinge nicht mehr als das zu sehen, was sie sind, sondern in einen künstlichen, pseudologischen Rahmen zu stellen. Die Sprache also nicht am Gewußten zu formen, sondern am Gesollten. 

Denn auch die Entwicklung der Mode (um es vorsichtig auszudrücken) ist keineswegs zufällige Entfaltung einer Kulturfreude. Sondern sie zeigt sehr wohl auch ein Absolutes, ein ontisches Zueinander der Dinge an. Feminismus, der uns alle flächendeckend und mittlerweile psychotisch umhüllt, bedeutet nämlich genau das: Die Enteigentlichung des sinnlich Erfaßten, die Entkräftung des Gewußten, zugunsten eines nach Gesolltem Gedeuteten.

Und wir gehen folgsam, ja gar nicht ungern in diese nächste Falle, die kurz, bevor der Mensch seinen Fuß auf den Boden bekommt, mit dem nächsten Wägelchen daherkommt, auf die sein Schritt gesetzt werden soll, um ihn doch noch in eine nächste gesollte Richtung zu transportieren.

Gewiß, und noch einmal gesagt: das rechtfertigt nicht diese Verhaltensweisen. Und es übersieht, daß die Mode immer auch einen gewissen "Spielfaktor" enthält, als Moment des nicht ganz so Gemeinten, Stilisierten. Insofern immer auch ein wenig Provokation enthält, als Spiel mit dem Gezeigten, schon gar bei jungen Menschen, und noch mehr bei jungen Frauen. Die den wahren Ernst erwachsener Gestaltelemente noch nicht erfassen, aber doch testen wollen, wieweit sie bereits dieser Welt der Ernsthaftigkeiten zugehören.* Wie in jedem Spiel, wird auch von jungen Menschen oft und gerne Welt vorwegnehmend gespielt. Kinder spielen Vater-Mutter-Kind, Backfische famme fatale, etc. 

Das ist selbst für Erwachsene zuzeiten notwendig, und der Karneval ist ein einziges Spiel genau mit einer offiziell für ein paar Tage ent-ernsthafteten Welt. Weshalb er bzw. der Fasching eine so wichtige psychohygienische Rolle spielt. Als kollektives - legitimes und legitimiertes - Auflösen aller fleischlichen Form und Identität, dem nicht zufällig das Neukonstituieren der Form aus dem christlichen Erlösungsgeschehen folgt. Als Geschehen der Bereitschaft, sich neu und um einen nächsten Schritt richtiger, wahrhaftiger formen zu lassen. 

Das kennt der Islam nicht. Er kennt aber solche Auszeiten aus Rebellionsgeschehen. Vom Tahrir-Platz in Kairo 2011 sind ähnliche Geschehnisse ja bekannt. Sie waren ein Fasching. Und so wie sich in der Fassenacht rheinische Männer vorsehen sollten, weil die Frauen für eine Nacht jedes normale Gesetz außer Kraft setzen, so wie es immer Zeiten und Kulte gab, wo Frauen Jagd auf Männer machten (man denke an die antiken Griechen!), so entladen sich solche Umkehrungen der Formentledigung bei Muslimen, haben dort aber keine dezidierte Kulturform. Damit bleibt es latent. Sehr latent sogar, weil das Netz dieser Religion lückenlos-monoton streng ist.

Die Migrationswelle, die uns seit vorigem Jahr ungebremst überrollt, ist - und es verwundert, daß es niemand sehen will! - hat grundsätzlich etwas von Fasching.  Sie hat etwas von Unernsthaftigkeit. Der VdZ behauptet sogar, daß der überwiegende Teil der Millionen Zuwanderer gezielt den Fasching sucht, den dieses Abenteuer für ihn bedeutet. Denn die Ernsthaftigkeit, die diesen Invasionswellen unterschoben wird, existiert nicht. Oder bestenfalls für einige wenige. Die meisten müssen wissen, und wissen auch garantiert, daß sie hier keine Chance haben. Aber sie setzen bewußt ihre in ihrer Heimat geltenden Lebensgesetze der Ernsthaftigkeit außer Kraft, fliehen in den Fasching, und werden noch dazu eingeladen. Denn auch hier gilt Fasching, sogar übers ganze Jahr: Auch hier nimmt kein Staat seine eigenen Gesetze und Notwendigkeiten ernst, ja sogar die Regierungen lachen über Grenzen und internationale Verpflichtungen und stellen alles auf den Kopf.

Was ganz sicher oder zumindest ergänzend erklärt, warum manche Berichte Betroffener davon erzählen, daß die (wohl ausschließlich islamischen Kulturkreisen entstammenden) Migranten überrascht (!) über die Gegenwehr der Frauen und Mädchen waren. Weil dieses Abwehrverhalten im Widerspruch zu ihrer gestalthaften Aussage stand. Ist denn hier NICHT Dauerfasching?

Daß hiesige Männer längst gelernt haben, nicht mehr wahrhaftig zu deuten, was sie sehen, ist dabei der entscheidende Unterschied. (Und das ist die eigentliche Kastration des Mannes; das Heben der Dinge in wahrhafte Welthaftigkeit wäre seine Aufgabe. Übrigens: die nächste chthonische Zeitbombe, darüber noch zu anderen Zeiten mehr.)

Noch dazu ist Fasching als Kulturerscheinung in der muslimischen Welt unbekannt. (Was über ihn mehr aussagt, als ihm lieb sein kann.**) Erwachsenwerden heißt also auf eine Art auch, den Fasching als "umgekehrte Zeit" zu halten.

Was auf frappierende Weise dem Verhalten gegenwärtiger junger, nachrückender Generationen entspricht. Die entsetzt sind, daß der Dauerfasching, zu dem sie bereits erzogen wurden, nicht auch jenseits des 30. Lebensjahres und bis in die Pension weitergeht. Ja, so manche politische Forderung und manches politische Programm ist nichts anders als das Versprechen, daß dieser Fasching auch weitergeht, und gar nie mehr endet. Und enorm viel Empörung hat ganz genau den selben Grund: Empörung, daß nicht doch noch und nur Fasching gelte.

Das so völlig aus der Diskussion auszublenden dient ganz sicher nicht dem Zugewinn an Wirklichkeitsfundierung. Sylvester-Köln legt vielmehr den Finger auf ganz andere - und sehr große - Fragen.

Aber die wollen wir lieber gar nicht gestellt wissen.




*Aus diesem Grund ist es für Eltern notwendig, ihre jugendlichen Kinder vor sich selbst zu schützen. Die (man kennt dies vor allem bei pubertierenden Mädchen) gerne mit Elementen des Frau-/Mannseins spielen, ohne deren Aussagewucht wirklich zu kennen, die sich erst dem reifen Menschen erschließt.

**Der Islam ist als solcher untrennbar mit einer dogmatischen Beschränkung der Wirklichkeitsrezeption verbunden. Deshalb die fanatistische Überbetonung des "Männlichen", als pseudologisch die Wahrnehmung überlagernde Ebene einer ontischen Verfehlung. Erst als er sich dann auch zu einer "Religion" formierte - beginnend im 9., defintiv werdend im 12./(13. Jhd., zementierte er sich logischerweise auf einen Interpretationsstandard ein. So gut wie lale, womit wir es heute beim Islam (namentlich der Sharia) zu tun haben sind deshalb Rezeptionsstand des 13. Jhds., der im späten 19. Jhd. noch einmal erneuert wurde. 

Das sieht übrigens auch der Muslime und gewiß großartige Denker Navid Kermani so, was zu entdecken den VdZ ziemlich erfreut hat. Im selben Maß starb seine Poesie. Und DIE ist seine eigentliche Stärke, wenn man nach dem Guten im Islam sucht. Aber dazu muß man in die Zeiten VOR dem 13./19. Jhd. ausweichen. Ab da war der Islam unausbleiblich nur noch Kulturerstickung. Die Sehnsucht vieler Muslime - die der VdZ durchaus ernstnimmt und achtet - nach den "Zeiten von Cordoba" (der VdZ weist wieder und wieder auf die wunderbaren Schriften von T. H. Lawrence, und den großartigen, wenn man genau hört: tiefsinnigen Film "Lawrence of Arabia" hin) hat ihr wahrhaftiges fundamentum in re.
 



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