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Sonntag, 10. Juli 2022

Weiteres zu Land und Volk der Ungarn

Unser Mitteleuropa
In "Unser Mitteleuropa" fand ich in diesen Tagen einen Artikel über die Ungarn und das Land. Wenngleich mein Urteil über Ungarn in den letzten Jahren wieder deutlich milder und (schon gar im Vergleich zum Westen) günstiger ausfällt, so konnte ich doch nicht umhin, dem Autor Elmar Forster, von dem ich schon recht brauchbare Texte gelesen habe, einen längeren Brief zu schreiben. 

In dem ich einige der in seinem Artikel vertretenen Ansichten als nicht wirklich gerecht oder sogar unzutreffend  kritisiere, auch wenn ich etliche andere seiner Sichtweisen teile. 

Während der Artikel nur im Link aufzurufen ist, bringe ich hier die per Brief versandte Antwort auch als quasi "öffentlichen Brief".

Mittwoch, 22. Juni 2022

AND THE WINNER IS ... (2)

Und die Wallstreet? Oder England? Vielleicht dann doch Deutschland?In Sachen der Finanzen gab es für die USA schon einen Vorteil - sie sind alle ihre Schulden losgeworden, die im 19. Jhd. angehäuft worden waren. Als sich die USA von vielleicht 5 Millionen Einwohnern zu ihren nun 100 Millionen entwickelte, tat es das durch Kredite aus dem Finanzzentrum London. Bis 1914 ist Amerika deshalb bei England hoch verschuldet. Aber schon in den ersten beiden Kriegsjahren waren diese Schulden durch Lieferungen von Kriegsmaterial beglichen, ohne auch nur einen Schuß abgegeben zu haben, nur durch Warenlieferungen. 

Als sie dann in den Krieg eintraten begannen sie, den Briten Geld zu leihen. Die wiederum liehen den Franzosen Geld, und diese wiederum den Russen. Keiner von ihnen würde je sein Geld wiedersehen. Die Russen unter Lenin dachten nicht daran, die 20 Mrd. Francs an die Franzosen zurückzuzahlen, die diese dem Zaren geliehen hatten. Das war später der Grund, warum die Franzosen Reparationen von Deutschland forderten. Nicht, um seine zerstörte Industrie wieder aufzubauen, sondern um ihre Schulden an England bezahlen zu können. Und England - die an Amerika. Das Ende der Geschichte: Keiner konnte die Schulden zurückzahlen, und was immer die Amerikaner investiert hatten, die USA haben es nie zurückerhalten. Sie hatten zwar den Krieg also gewonnen - aber haben sie davon profitiert?

Dienstag, 21. Juni 2022

AND THE WINNER IS ... (1)

Wenn eine Situation feststeckt - und ich habe den Eindruck, daß das politisch gesehen in Europa derzeit der Fall ist - dann tut es ganz gut, eine überraschende Wende vorzunehmen. Mosebach hat es mir einmal bei meinem Roman "Helena" geraten, als ich mit ihm ein Problem beim Schreiben diskutiert habe. "Lassen Sie die Figur etwas Unerwartetes machen!"

   L. Höbelt Vortrag DER SIEGER
Also folgen wir auch diesmal diesem Rat, und holen ein ganz anderes Thema ins Zimmer. Und die Wahl fiel ohne viel Abwägen auf einen Vortrag von Lothar Höbelt, dem er den Titel gab "Who won the World War 1?

Nicht nur, weil Höbelt immer für eine Überraschung gut ist. Das schätze ich ja an ihm - er hat stets seine eigenen, und damit nichtnur originären, sondern originellen Sichtweisen, die in Winkel Licht bringe, die gemeiniglich übersehen werden. Sondern weil er eine Frage stellt, die doch dem gemeinen Bürger seltsam erscheinen mag. "Ist das nicht klar? Ist das nicht beantwortet?"

Montag, 2. Mai 2022

Wer die Welt zerstört, zerstört sich selbst

Bis 1918 (bzw. natürlich 1914) war Wien die natürliche Mittelstation des Orient-Express, der sich seit zwei, drei Jahrzehnten als so großartige Art, von Paris über Strassburg, München, Wien, Budapest, Bukarest und Sofia nach Konstantinopel zu reisen, etabliert hatte. Und dabei eine große Zahl nationaler und privater Eisenbahngesellschaftten in einem Abkommen zu einer Einigung brachte, die bis dahin unvorstellbar gewesen war. 
Bie der Weltausstellung 1873 in Wien - dem damaligen Hauptkreuz der europäischen Eisenbahnen, mit Anbindung nach ganz Europa, und einer der fünf größten Städte der Welt - wurde er entpsrechend als "Wunder" vorgestellt. Weil es damals immer noch eine Kulturstimmung war, Fortschritt als Zugewinn an Lebensqualität zu sehen, nicht als simple Ablaufoptimierung oder Menscheneliminierung durch Technik.
Nunmehr konnte der Reisende - und  es gab immer noch Zweifler, ob das überhaupt möglich sein würde - in größtem, schönstem Luxus fast eine Woche unterwegs sein konnte, ohne sich zudem noch vor Schikanen oder gar Banditenüberfällen (in Rumänien oder Bulgarien) fürchten zu müssen. Dabei wurde schon die Lebensmittelzulieferung an jeder Station zum Garanten für Lokalcolorit in der unübertrefflichen Küche der Speisewagen. Und es konnte schon vorkommen, daß in Rumänien der Zug auf offener Strecke hielt, um König Ferdinand an Bord zu nehmen, der persönlich die Locomotive bis Bukarest zu steuern begehrte.

Nur dahingehend also wurde das Eisenbahnwesen standardisiert, als ein Kulturereignis wie das Reisen in Europa immer probmeloser möglich war. Selbst die Speisefolgen waren zwischen den Bahngesellschaften geregelt, ebenso die Waggonausstattung, die Zahl des mitreisenden Personals, alles sollte für dne Reisenden Sicherheit und vor allem: Ein kultiviertes Leben bieten. Also wählte man auch die Sprache der Diplomatie als Sprache der Bahn - das Französische. Der Wagen wurde zum Waggon, der Triebwagen zur Locomotive, der Zug zum Train. oder zum Expréss, der Zugbegleiter zum Conducteur oder Schaffner, die Fahrkarte wurde zum Billet, das WC war ohnehin noch die Toilette. (Noch in den 1960er Jahren waren viele Begriffe beim Bahnfahren französischen Ursprungs.) 1900 beschäftigte die Orient-Express-Bahngesellschaft 6.250 Beschäftigte.

Nach 1918 aber änderte der Zug seine Route. Das Zeichen, daß sich nun alles geändert hatte. 

Montag, 14. März 2022

Der erste König der Ukraine

Übrigens, wußten Sie, daß die Ukraine für einige Wochen sogar von einem Habsburger "regiert" worden ist? Die Rede ist von Wilhelm von Habsburg, dem "Roten Prinzen", wie einer seiner Spitznamen lautete. Ihm wurde schon im Herbst 1914 sowohl von den Kaisern in Wien wie Berlin der Auftrag erteilt, die damals zum Zarenreich gehörigen westrussischen, von Moskau nicht so wirklich geliebten Gebiete (in denen es so viele kleine Völker mit je eigenen Sprachen, und zudem noch so viele Juden gab) sowie für Galizien und der Bukowina, die damals habsburgischer waren als man es sich vorstellen kann (ich erzähle später, warum das sogar in ganz eigentlichstem Sinn so war), zu studieren. 

Und zu schauen, ob sich dort (und welche) politische Strukturen für "Länder" aufbauen ließen. Zu einer verantwortlichen Regentschaft gehören eben auch Überlegungen um Dinge, die theoretisch sein könnten, und auch träumen darf man da einmal. Weh dem, der keine Träume hat, er hat keine Zukunft. Und wer keine Zukunft hat, der hat bereits die Gegenwart verloren.

Auf jeden Fall war es im Sinne beider Kaiser, zwischen ihren  Reichen und dem Zarenreich einen gewissen Puffer zu schaffen. Es braucht nicht viel an Einsicht um zu erkennen, daß eine direkte Nachbarschaft deutlich rascher Probleme schafft, als ein gewisser Abstand. Es ist eine uralte politische Weisheit, daß Feindschaften zwischen Nachbarn oft blitzschnell entstehen, viel seltener aber zwischen "übernächsten" Völkern.

   Wilhelm von Habsburg, evtl. König der Ukraine
Erzherzog Wilhelm von Habsburg liebte bald das abgelegene, so ganz eigene, archaische Leben in Ostgalizien und weiter östlich und südlich. Er war fasziniert von dieser komplexen, vielsprachigen, vielkulturellen Urlandschaft, der er immer mehr zugehören wollte, und lernte deshalb ukrainisch. In diesen Zeiten entwickelte er gar zu mancher Frau leidenschaftliche Gefühle.

Im Zuge des Kriegsverlaufs wurde Ostgalizien von Österreich und Deutschland besetzt. Schon in dieser Zeit setzte Wilhelm durch, daß Galizien gewisse Autonomie zugestanden bekam. 

Nach dem Frieden von Brest-Litowsk 1917 kamen umfangreiche weitere Gebiete unter deutsch-österreichische Fuchtel, sodaß die besetzten Länder bis zum Schwarzen Meer reichten. Daraus wollte Wilhelm nun sein Königreich gestalten. Und für einige Momente schien sein Traum auch in Erfüllung zu gehen. 

Dienstag, 14. September 2021

Hält Przemysl? (5)

Armageddon 1, 2, 3 und 4. Als das Ende der Welt kam. - Die Folge des gescheiterten Ausbruchsversuchs war kaum noch beschreibbar. Verzweiflung, Panik überall in der Stadt und in den Festungsgräben. Am Abend des nächsten Tages, dem 19. März 1915, bat Generalleutnant Kusmanek die fünf Hauptbefehlshabenden zu einem letzten Konsilium. Daß Przemysl nicht mehr gehalten werden konnte, war nicht mehr zu leugnen. Die Lebensmittel waren (bis auf eine allerletzte Notration) aufgebraucht, die Moral der Soldaten kaum noch beschreibbar am Boden. Nervenzusammenbrüche, Panikattacken, völlige Entkräftung und Apathie, Wein- und Schreikrämpfe, apokalyptische Phantasien die die Runde machten, es war eine Stimmung wie unmittelbar vor dem Jüngsten Tag. 

Die Soldaten waren dermaßen entkräftet, erschöpft, nervlich am Ende, daß auch nicht ein einziger Angriff der Russen noch abgewehrt werden hätte können. Umgekehrt waren sie so hysterisch, daß "gespenstische Schatten" gesehen wurden, wo bei Nachsicht nur eine russische Zwei-Mann-Patrouille erkennbar war. Wegen eines solchen Gespenstes aber begann an einem Abschnitt ein ganzes Regiment derartig panisch ins Niemandsland zwischen den Fronten zu schießen, daß die Russen glaubten, es handele sich um einen nächsten Ausbruchsversuch, und ihre Truppen in Alarm versetzten. 

Ja, man war am Ende. Rien ne va plus.

Aber wer dachte, das wäre also nun der Tiefpunkt, der hatte sich getäuscht. Was nun kam, sollte alles übertreffen, was jeder der in Przemysl Eingeschlossenen sich auch nur in den schlimmsten Träumen hätte vorstellen können.

Samstag, 4. September 2021

Hält Przemysl? (4)

Der Ausbruch, der ein Zusammenbruch war. Przemysl war der Korken in der Flasche, deren Geist Osteuropa zu einem "bloodland" machen sollte. Die simpelste Erklärung dafür, daß die Russen alles, einfach alles zu wissen schienen, was in der Festung vor sich ging und was an Verteidigungsmaßnahmen geplant war, lag ... im Radiosender. Dessen Code war von russischen Ingenieuren geknackt worden, und jede Meldung von oder an die Festung wurde somit vom Feind mitgelesen. Jede Verlegung von Truppen wurde sofort vom Feind beantwortet, jede geplante Aktion unterbunden, und die russische Artillerie - ohnehin der österreichischen an Feuerkraft, Geschützqualität und Munition weit überlegen - schlug pünktlich und präzise los, sobald sich etwas zu treffen bot. 

Die russische Artillerie war ohnehin das Fallbeil für die österreichischen Armeen in diesem ersten halben Jahr des Krieges gewesen, wo sie von Niederlage zu Niederlage getrieben wurden und nur durch den Mut der Verzweiflung wenigstens halbwegs zurückgehalten werden konnten. Sodaß das Ziel, über die Karpaten Budapest zu erobern, nicht erreicht wurde. Sie konnten anders als die Habsburger Truppen mit den neuen Arten des Kampfes umgehen. Die die Österreicher nicht kannten, und deshalb vorsorglich für untauglich erklärt hatten; leider. Sie mußten nachvollziehen, was die Russen selber im Krieg mit den Japanern 1905 blutig lernen hatten müssen. 

Das Zauberwort hieß "kombinierte Waffengattungen", und bedeutete etwa, daß die Artillerie jeweils das Terrain vor der eigenen vorrückenden Truppe beackerte. Der Beschuß rückte dann jeweils mit weiter, die russischen Geschütze hatten anders als die österreichischen dazu auch die Reichweite. Unter solchen Bedingungen war oft an eine Gegenwahr durch die Österreicher kaum zu denken, man konnte nur fliehen. 

Aber da waren dann die russischen Scharfschützen mit ihren hervorragend geeigneten Gewehren.

Donnerstag, 2. September 2021

Hält Przemysl? (3)

Für den 18. März 1915 hatte der Festungskommandant von Przemysl, Generalleutnant Hermann Kusmanek von Burgneustädten, schließlich einen ultimativen Ausbruchsversuch angesetzt: Kämpfen muß das Ungarnheer, Siegen oder sterben, heißt es in der Operette - Es ging nur noch um die Ehre. 

Die Lage in der seit Oktober belagerten österreichisch-ungarischen Festung war völlig verzweifelt. Jede Hoffnung, daß Generalfeldmarschall Conrad von Hötzendorf von den südlich gelegenen Karpaten her eine Ersatzarmee schicken könnte, mußte endgültig aufgegeben werden. Der Winter war zu hart, und an ein Durchkommen im Schnee gegen die drei russischen Armeen, die Przemysl in weitem Umfeld umschlossen hielten, war nicht zu denken. Denn wie immer hatte Conrad Divisionen "befehligt", die es gar nicht gab. 

Dienstag, 13. Juli 2021

Hält Przemysl? (2)

Immerhin 48 Kilometer war dieses System aus Bunkeranlagen, Geschütz- und Infanteriestellungen und -gräben lang. Das relativiert die den unbefangenen Betrachter vielleicht erschreckend hohe Zahl von Verteidigern. Die aber zum großen Teil sowieso aus nur bedingt kriegstauglichen Rekruten zusammengesetzt war, die, wie sich bald herausstellen sollte, nach den ersten Schüssen des Feindes auf und davon liefen. Das Durchschnittsalter der Soldaten lag bei Mitte dreißig bis Mitte vierzig. Unternehmer, Verwaltungsbeamte, Bankdirektoren, oft weit über "Soldatenfigur" und in einer katastrophalen körperlichen Verfassung (bald sollten sie freilich radikale Fasten- ja Hungerkuren durchmachen müssen) in zwei Dutzend Sprachen, wo oft ein Soldat den Kameraden neben ihm nicht verstand.

Das alles befehligt von Offizieren, die kaum besser ausgebildet, und schon gar nicht mutiger waren. Die ihre Soldaten später dann schon bei ersten gefährlichen Situationen sträflich im Stich lassen würden, sodaß Kompanien (oder das, was von ihnen noch übriggeblieben war) von beherzten Korporalen, und Regimenter von Vizeleutnants "befehligt" wurden, die das nur "taten", weil sie zu feige gewesen waren, wie seine Vorgesetzten im russischen Artilleriefeuer zurückzulaufen. Nach den ersten schweren Angriffen Anfang Oktober würde es sogar eine Division geben, die von nur noch einem einzigen Leutnant, dem letzten von dutzenden Offizieren, befehligt wurden, dem ein routinierter Vizeleutnant (ein Charge, also nicht einmal ein Offizier) zur Seite stand, der aber wenigstens wußte, wie Dinge realisiert werden konnten. 

Montag, 12. Juli 2021

Hält Przemysl? (1)

Als Dr. Jan Stock, der oberste Proviantoffizier und Vizekommandant der Festung Przemysl, es niederschrieb war er nach eigener Aussage selbst erschrocken. Denn er war doch ganz sicher immer liberal und weltoffen gewesen. Der durch zahlreiche Zeugnisse höchst vernünftige, gleichermaßen kühl denkende wie kluge Mann gestand sich nun aber etwas ein, von dem er nie geglaubt hätte daß er es eines Tages so sehen würde - daß nämlich die Vorurteile über Juden zuträfen. 

Denn was sich während der Belagerung dieser k.u.k-Festung, die vom 5./6. Oktober 1914 - mit einer dreiwöchigen Entsatz-Unterbrechung im November - bis zur Kapitulation am 22. März 1915, Schlag sieben Uhr morgens, dauerte und über enorme Härte, Notz und Hunger ging und die längste Belagerung (als wehrhafte Vollumschließung durch einen Feind) des Ersten Weltkrieges war, ließ auch in seinen Augen kein gutes Haar an ihnen. Und das sahen alle Eingeschlossenen so, die in ihrer völkischen und sprachlichen Vielfalt wie eine Widerspiegelung der zahlreichen Völker und Volkschaften der Habsburger Monarchie wirkten. Aber mitten in der zunehmend schneidender werdenden Lebensmittelknappheit aus der Not der Mitmenschen auch noch dermaßen brutal Profit zu schlagen, zeigte einen Grad an moralischem Verfall, den niemand sonst in Przemysl (wo über Jahrhunderte ein hoher Anteil an Juden nie wirklich geliebter Teil des Weichbildes der Stadt war) fassen konnte.  

Mittwoch, 11. Dezember 2019

Eine siegreiche Schlacht und ihre Helden (2)

Teil 2) Die Armee der Donaumonarchie hatte andere Probleme. 
Und selbst die Kaiser in Berlin und Wien brauchten einen Sieg.




Tatsache ist, daß die Monarchie damals dringend einen "großen Sieg" brauchte. Und nicht nur die Armee, sondern auch Feldmarschall Conrad von Hötzendorf, der durch die blutigen Niederlagen in Galizien und den nicht gerade prickelnd verlaufenden Feldzug am Balkan gegen völlig unterschätzte Serben schon nach den ersten paar Kriegsmonaten schwer in die Kritik geraten war. Tatsache ist, daß eine großartige Siegesmeldung die Stimmung in der gesamten Armee der Habsburger-Monarchie heben sollte, und das auch tatsächlich schaffte. Tatsache ist, daß sogar die russischen Generäle einen übermächtigen Gegner brauchten, um so manche eigene Fehlentscheidung zu vertuschen. 

Tatsache ist, daß der Kaiser, die Diplomatie in Wien und Berlin unbedingt einen Beweis der Stärke im Krieg brauchte, um die neutralen Balkanländer Bulgarien, Rumänien, und außerdem Italien zu beeindrucken und zu überzeugen, nicht doch auf der Seite der Alliierten in einen Krieg einzutreten. Denn ob Siebenbürgen oder die Provinzen Trento, Görz, Friaul und Triest (bis Fiume), diese Filetstücke waren von Rumänien respektive Italien fast offen gefordert. Vor allem Deutschland fürchtete einen Kriegseintritt Italiens, das dann Österreich angreifen würde. Daß die k.u.k.-Monarchie das überleben würde, glaubten selbst Optimisten in Wien nicht, und erst recht nicht der Kaiser. Der beim tatsächlich erfolgten Angriff auf Südtirol im Mai 1915 gesagt haben soll: Das ist nun das Ende. 

Ungarische Husaren, 
österreichische Dragoner 
im Gottesdienst, Sopron 2017
Das war es nicht. Was niemand geglaubt hatte, war eingetreten. Österreich-Ungarn war viel zäher, als alle geglaubt haben. Man mußte nur wenige Divisionen aus Galizien abziehen, denn es genügten improvisierte Brigaden, Standschützen, Freiwilligenkorps, um den Angriff der Italiener zu stoppen. Nur drei Divisionen wurden aus Rußland abgezogen und nach Tirol geschickt. Sich selbst herunterzuspielen ist nicht nur eine österreichische Eigenart, sondern auch ein Charakterzug, den nördlichere Völker nie verstehen werden. Auch Wien "machte sich arm", um in Berlin Unterstützung zu schinden und die eigenen Kräfte zu schonen. Die deutsche Armeeleitung war völlig von den Socken als sich Hötzendorf einmal verplapperte, und gestand, daß die tatsächlichen Truppenzahlen der Armee weit höher lagen als nach Berlin per Katastrophendrohung gemeldet.

1915/16 stand die Monarchie im Vergleich aller Kriegsparteien in Europa sogar gar nicht so schlecht da. Freilich, jetzt begann sich ein Grundmangel der österreichischen Armeeführung denn doch ernsthaft auszuwirken: Das Fehlen einer funktionsfähigen zweiten Linie. Man konnte die kampferprobten Soldatenregimenter des ersten Aufgebots, man konnte vor allem die Offiziere nicht ersetzen. Die Zahl der Divisionen ist während der gesamten Kriegsdauer gleich geblieben, zusätzliche Mannkontingente auszuheben ist nie gelungen. Während die nachrückenden Einberufenen, die die Gefallenen ersetzten, ohne jede Erfahrung, ja ohne jede Ausbildung in die Schützengräben geschickt wurden und das Problem verschärften. 

Husar und Dragoner
Jede Kriegspartei hat im Laufe des Krieges die Zahl der eingesetzten Soldaten nahezu verdoppelt. Nicht die Donaumonarchie. Nirgendwo war der Prozentsatz der Soldaten an der Bevölkerungszahl geringer als hier. Und das hat nichts mit Loyalitätsängsten der Vielvölkerarmee zu tun. Die hatte ganz andere Probleme - die der Sprache nämlich. Etwas, das gerne charmant lächelnd verklärt und romantisiert wird. Vielfach interessierten sich die Völker auch gar nicht füreinander, und schon gar Offiziere (was den hohen Anteil an Deutschen im Offizierskorps weit besser erklärt als Spekulationen über Loyalitätskonflikte). Oft mußte sogar mitten in Kampfhandlungen ein Dolmetscher geholt werden, weil eine Meldung von Truppenteilen kam, die niemand verstand. Es kam sogar gar nicht selten vor, daß man die eigenen k.u.k.-Soldaten beschoß (Husaren geschah das etliche Male, denn man hielt sie gerne für russische Tataren) oder für Feinde hielt, weil man ihre Sprache nicht verstand.

Das hat sich bis in die konkrete Kampftaktik ausgewirkt. Schnelle Kampfbewegungen, Merkmal des neuen Kriegs 1914, sind damit sehr erschwert, weil sich die Truppenteile gar nicht spontan absprechen können. Als alles im Grabenkampf erstarrte, wurde das wieder gleichgültiger.

Kaiserlich-königliche Husaren und Dragoner
Noch eine spezifische, interessante Problematik erwähnt Lothar Höbelt in einem Aufsatz, der sich nicht nur mit dem in seinen Augen kräftig aufgeblasenen Sieg von Limanova befaßt. Keine Armee in Europa hat in seiner Kriegstaktik derartig verschwenderisch das Leben seiner Soldaten geopfert. Während die Deutschen viel Material, viel Pulver, viele Geschoße gaben, um seine Soldaten zu schützen, machte es die Monarchie geradezu umgekehrt. "Nicht einmal in Japan wird so gestorben, wie in Österreich," schrieb ein Chronist deshalb. Angriff Angriff Angriff, koste es, was es wolle. Und so war der Verlust an Offizieren in der Armee der Donaumonarchie extrem hoch, der höchste im Weltkriegsvergleich. Mit der Besonderheit, daß die Offiziersränge dem (kaisertreuen) Adel vorbehalten waren. Diese Regel wurde erst 1916, und da nur ungern und nur wenig geändert. Man hegte überall an der Donau tiefes Mißtrauen gegen Emporkömmlinge und Standesverwischung. Nirgendwo in Europa gab es deshalb einen so geringen Anteil an Offizieren unter den Maturanten (Abiturienten) wie in Wien.

Die Kriegslage der k.u.k.-Armee hat sich jedenfalls nach Limanova und nach Monaten verheerenden Blutzolls (ein Viertel aller Opfer der Monarchie in den vier Kriegsjahren war den ersten Monaten zuzuschreiben) stabilisiert. Die Motivation der Truppen war deutlich gestiegen, und so konnte auch der nächste massive russische Angriff in der "Winter-Karpatenschlacht", die einige Wochen später begann, erfolgreich abgewehrt werden. Den Übertritt von Italien und später auch Rumänien ins Lager der Alliierten konnte die siegreiche Schlacht freilich nicht verhindern. 




Dienstag, 10. Dezember 2019

Eine siegreiche Schlacht und ihre Helden (1)

Über die kriegsstrategische Bedeutung und Einschätzung des österreichisch-ungarischen Sieges in der Schlacht von Limanova-Lepenko, die vom 1. bis 14. Dezember 1914 dauerte, gehen die Meinungen der Historiker weit auseinander. Für die einen war es der letzte originäre, rein österreichisch-ungarische, also gelb-schwarze Sieg der Geschichte, der in einer genialen Strategie einen Durchbruch der Russen über die Karpaten nicht nur stoppte, sondern diese zu einer Rücknahme ihrer Frontlinie zwang. Die dann eine perfekte Ausgangslage für den k.u.k.-deutschen Sieg im darauffolgenden Sommer bei Tarnów bildete, der die Russen fast aus Polen hinausgeworfen hat.

Das mit dem letzten gelb-schwarzen Sieg stimmt übrigens nicht ganz. Es war auch eine deutsche Division beteiligt. Ob es stimmt, daß es einer der größten Siege der k.u.k.-Armee im Ersten Weltkrieg war, da sind sich die Historiker nicht einig. Dem Österreicher ist es ohnehin egal, er nimmt meist nicht einmal mehr zur Kenntnis, daß er eine Geschichte hat, und daß die direkt mit ihm zu tun hat. Den Ungarn ist es schon weniger egal, dort ist auch das Geschichtsbewußtsein ausgeprägter. Wie und warum das in diesem Fall mehr als sonst zutrifft, sagen wir unten.

Zurück zu Limanova-Lepenko. Es war klar, daß die Russen das Ziel verfolgten, mit ihren massierten Heeren, die die doppelte Zahl von Divisionen aufwiesen wie die k.u.k.-Armee und mit ihrem Aufmarschtempo alle überrascht hatten, über die Karpaten Budapest und Wien einzunehmen. Und so den deutsch-österreichischen Bund zu sprengen, und Deutschland entscheidend zu schwächen. Mit ungeheurer Wucht hatten sie im September 1914 in Galizien angegriffen, und waren bis Ende November 300 Kilometer tief in das Territorium der Monarchie eingedrungen. Nun standen sie vor den Karpaten, und hielten nur an, um umzugruppieren und frische Truppen heranzuführen. 

Generalfeldmarschall Franz Graf Conrad von Hötzendorf
In dieser Zeit gruppierte auch der österreichische Oberbefehlshaber Franz Graf Conrad von Hötzendorf um. Das war ihm durch das hervorragende Eisenbahnnetz im Raum südlich von Krakau leicht möglich. Und am 1. Dezember griff er für die Russen überraschend mit der 3. und 4. Armee an. Der Vorstoß der nördlicheren 4. Armee lief bestens, aber der der südlicheren 3. verlief zäh, und das Operationsziel, die belagerte Festung Przemysl zu entsetzen, mußte bald aufgegeben werden. Erst allmählich aber wurde deutlich (die Kommunikationsmöglichkeiten und Nachrichtengeschwindigkeiten waren damals noch weit schlechter), daß zwischen den beiden Armeen eine Kluft von gut dreißig Kilometern klaffte. Das wäre die perfekte Einladung an die Russen gewesen, hier durchzustoßen. Dann wäre Ungarn, Böhmen, ja Schlesien offen gewesen. 

Insgesamt standen sich auf beiden Seiten am 1. Dezember je 250.000 Mann gegenüber, mit leichten quantitativen Vorteilen bei den Russen (die k.u.k.-Armee war zu Anfang des Krieges sehr schlecht ausgerüstet, es fehlte an Gewehren, an Maschinengewehren, an Kanonen, an Munition ... das wurde erst ab 1916 besser; warum nicht früher? weil man in Wien mit Rüstungsaufträgen zögerte, denn man dachte, daß der Krieg doch bald zu Ende sein würde). Die Russen landeten außerdem weitere 200.000 Mann in den nächsten Tagen an, die aber nicht mehr in die Schlacht eingriffen. So die eine Version. Die andere meint, es sei eine typisch Hötzendorfsche Übertreibung und Ausschmückung gewesen, in Wahrheit habe es sich um ein zweitrangiges Gefecht in Limanova gehandelt, wo einige Zehntausend in (nicht: um) der bizarren Landschaft der dortigen Ölförderanlagen kämpften. Insgesamt war alles so chaotisch, daß die österreichischen Kampfverbände in Bahnhöfen ausgeladen wurden, die die eigenen Vortruppen erst eine Viertelstunde zuvor erobert hatte. Am Ende gab es rund zehntausend gefangene Russen, und hundert erbeutete Geschütze. Dennoch, das bestreitet niemand, die Offensive der Russen war erstmals zum Stehen gekommen.

Soproner Husarenregiment Nr. 9 - Traditionstreffen
Die ungarische Legende sieht das naturgemäß anders, sagen wir: paprizierter. Und weil wir die archetypische Wahrheit prinzipiell höher schätzen als gezählte Erbsen, wollen wir sie gerne an die Österreicher und Deutschen weitergeben, wo mittlerweile ein Gedenken an Heldentaten fast zur verdammenswerten bösen Tat wurde und Myriaden von Gutmenschen nach schwarzen Bommeln suchen, die jeden aromavollen Tee versalzen sollen. Dabei fehlen doch gerade diesem Land die Helden! Und ein Volk, dem die Helden fehlen, geht zwangsläufig in den Barbarismus über.

Die Ungarn, die um Wert und Wesen von Identität besser wissen, sehen das auch so. Ihre Variante der Schlacht von Limanova hat deshalb ihre Helden, deren man auch regelmäßig, ja jährlich gedenkt. Sie beschreibt, was mit dem Angriff der k.u.k.-Armeen geschah, die nun voneinander gefährlich getrennt waren. Denn weil rasches Handeln nötig war, wurden ungarische Husaren, darunter das 9. Husarenregiment aus Ödenburg/Sopron, sowie ungarische Honved-Truppen damit beauftragt, diesen Raum so rasch als möglich zu füllen. 

Oberst Othmar v. Muhr, HR 9
Durch dichtesten Schneefall kämpften sich die ungarischen Reiter durch die Winterstürme der Karpaten, und tatsächlich gelang ihnen noch vor den Russen, die beiden Armeen wieder zu vereinen. Besonders die vierhundert Reiter des 9. Regiments unter Oberst Othmar von Muhr taten sich mit der Eroberung des Hügels von Jabloniec hervor. Othmar von Muhr fiel dabei. Ihm ist im heutigen Soproner Deak-Ter, dem größten Park der Stadt und dem längsten Stadtpark Mitteleuropas, eine erst vor einigen Jahren aufgestellte Büstenstele gewidmet.

Die legendäre Bedeutung dieser militärischen Heldentat wird aber schon dadurch unterstrichen, daß es noch ein zweites Denkmal in eben diesem Park gibt, das der Schlacht bei Limanova gedenkt. Wo es, so die ungarische Lesart, dem heldenhaften Kampf der Husaren des 9. Husarenregiments, stationiert in Sopron, und den Honved-Truppen aus dem Raum Sopron-Szombathely zu verdanken ist, die im gesamten Kriege alleine über achttausend Tote zu beklagen hatten, daß die Heimat Ungarn schon 1914 vor den Russen gerettet worden war. 


Morgen Teil 2) Die Armee der Donaumonarchie hatte andere Probleme. 
Und selbst die Kaiser in Berlin und Wien brauchten einen Sieg.





Freitag, 29. März 2019

Die Weltkriegsverschwörung (3)

Teil 3) Worum es von Anfang an ging




Was sich im Ersten Weltkrieg zeigte, war nicht einfach eine Folge der Technisierung der Welt, von deren Auswirkungen alle überrascht (und überfordert) waren. Die Teil einer umfassenden Kulturstimmung war, in der auflösende Kräfte bereits massiv wirkten. Die Jahrzehnte vor 1914 waren geprägt von einem tiefen Wunsch der Eliten nach Zerstörung, nach Zertrümmerung der bestehenden Kultur. Viele lechzten nach Veränderung, egal wie, egal welcher Art. Außer vielleicht ... das einfache Volk.

Diese Destruktion selbst war Teil eines furchtbaren Planes. Des Planes, dessen Früchte wir heute auf allen Gebieten und Ebenen, erleben. Die Rhodes-Gruppe hat dabei nur die alten freimaurerischen Ziele abgelöst, die Freimaurer (Illuminati) selbst spielen heute kaum noch eine Rolle. Die inneren Motive und Ziele sind zwar gleich geblieben, aber die Personen und Gruppen haben sich gewandelt: Von alten "echten" Eliten hin zur Geldelite, die unter dem Banner des "Liberalismus" antritt. Es geht um die Auslöschung alles Gewesenen, also Bestehenden zur Tabula Rasa, zur jederzeit von allem beschreibbaren Landschaft des menschlichen Daseins als "neuer Mensch".

Die Mondlandschaften der Schlachtfelder vermitteln genau diese Botschaft. Eine Kultur wird ausgelöscht, völlig ausgelöscht, von Vorgängen, an denen die eigentlichen Drahtzieher sich freilich eine goldene Nase verdienen und damit, von diesem Geld ausgehend, noch mehr Macht akkumulieren. Ja, deren Vermögen und Macht ohne solche Katastrophen gar nicht denkbar wären.

Krieg hat eine gewaltige andere Dimension als die des menschlichen Schicksals. Es hat die Dimension von Profit. Es ist natürlich kein Spezifikum des Ersten Weltkrieges, daß das so folgeschwer wurde. Aber es ist so umfassend wie noch nie die Natur des modernen Krieges. Der ganze Völker und Kulturen umzuformen vermag. Neu ist deshalb, vielleicht, wir bewegen uns im Bereich von Thesen, das sollten wir nicht vergessen, daß Krieg gezielt und bewußt und willentlich als Mittel zum Profit eingesetzt wird. Verbrämt als "große Erfüllung der eigentlichen Berufung der Menschheit", was nur unter darwinistischen Gesichtspunkten (der Stärkere hat sein Recht auf Maßgabe nur aufgrund seiner Stärke) überhaupt irgendeinen Sinn ergibt, wie bei Großbritannien, das sich als höchste Erfüllung des Weges der Menschheit sah.

Und wohl heute noch sieht. In dieser ganzen "Brexit"-Geschichte ist nämlich ein Faden zu erahnen, der auf eine Renaissance dieser Selbsteinschätzung hindeutet. Und wenn es auch kaum mehr Erfolg zu versprechen scheint, offiziell die USA als Kolonie wieder ins Empire zu integrieren, so ist es doch eine kaum zu verhüllende Tatsache, daß die US-Außenpolitik - vor allem militärisch - hochgradig den Interessen der Briten, das heißt Londons, ja das heißt der Londoner City dient. Betrachte doch der Leser die Geschehnisse im Nahen Osten seit 100 Jahren unter diesem Blickwinkel - er wird viele verblüffende Indizien dafür entdecken.

Der Erste Weltkrieg war - folgt man der Argumentation des Videos, das zu besprechen der Anlaß für diese Überlegungen war, die ein plausibles Meta-Bild versuchen - nur der erste Schritt auf dem Wege eines großen Gesamtzieles. Das auf die Beherrschung der Welt, auf die "New World Order" hinausläuft. Der gar nicht triefend von Sentiment daherkommen muß. Er ist abgedämpft durch eine "überlegene Moral" (als Prädikat der "selbstzuerkannten Gutheit") als überlegene Sittlichkeit einer bestimmten Schichte der Menschheit. Ob da die Öko-Fanatiker der Gegenwart eine Parallele zur Sendung der SS (als Beispiel einer sich aus dem Moralischen zu allem legitimierten Elite) erkennen können, ist zu bezweifeln. Aber nichts anderes ist die Botschaft, die uns die Geschichte da sendet. Es ist derselbe Archetyp, dieselbe "Schlange", die aus dem Meer kriecht.

Zurück zu 1916: Noch war die Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung mehrheitlich gegen einen Krieg. Doch niemandem war klar gewesen, wie sehr die Volksstimmung bereits von all den Carnegies, Rockefellers, Morgans beeinflußt und über deren Machtmittel beeinflußbar war. Die Zeitung, die Information, die Medienwelt spielt in entwurzelten Gesellschaften eine gewaltige Rolle, weil dem Einzelnen, der seiner sozialen Nahbindungen entblößt ist, die eigene Wahrnehmung aus seinem unmittelbaren Leben von einer nunmehr höheren Autorität aus der Hand geschlagen wird. Nur wer fest in sozialen Bindungen steht, kann den Autoritätswert des Wirklichen als Maßstab der Realitätsbewertung bewahren.

Man hat somit auch 1916 eine Welt vorgespielt, die es so gar nicht gab, um die Menschen auf eine nunmehr implementierte, keinen Ersatz mehr vorfindende falsche Sichtweise hin zu überrumpeln. Ein ganzes Volk kam damit in den Dienst einer Oligarchie, die die Politik als Mittel instrumentalisiert hatte, ihren Einfluß, ihre Macht, ihr Vermögen zu mehren. Denn eines ist klar: Krieg ist das effektivste Mittel, um nicht nur ein Volk zu verändern, sondern um Vermögen zu sammeln, letztlich also: ein Volk auszusaugen. Das mit seiner Arbeit und seinem Blut alles bezahlte. Denn im Krieg reißt der Staat, reißen die Herrschenden mit voller Legitimation alle Gewalt an sich, vorgeblich um zu überleben.

Kaum war Amerika in den Krieg eingetreten, schossen auch die Börsenkurse in die Höhe. Um die Dinge besser steuern zu können, wurde von den Kongressabgeordneten, die von den Oligarchen bereits abhingen, ein "War Industry Board" gegründet. (Etwas Ähnliches, also eine zentralgelenkte Wirtschaft, gab es freilich in allen kriegsbeteiligten Ländern, in Österreich sogar sofort nach Kriegsbeginn, am spätesten übrigens, erst ab 1916, in Deutschland, als die Hungerblockade zu wirken begann.) Darüber liefen dann die Milliarden, die die Großindustrie einsteckte. Nahezu die gesamte Volkswirtschaft Amerikas wurde nun zentral gesteuert und dem Kriegsziel - die Niederwerfung des bösen Deutschlands - untergeordnet. Das Geld dafür lieh sich der Staat von den Oligarchen. Jenes Geld, mit dem er die von ihnen nun gelieferten Waren dann auch bezahlte. Wer ebenfalls verdienen wollte, mußte sich somit mit den Männern des Boards gutstellen. Übrigens, einer der Männer an diesem "War Industry Board", der dort wie viele andere auch reich wurde, hieß mit Familiennamen Bush ...

Daraus erwuchs eine prägende Erfahrung: Wie "fruchtbar" die Symbiose von Staat und Industrie war. Die Industrie sah immense Vorteile bei einer staatlich gesteuerten Wirtschaft. Die Regierung gewährte den Oligarchen jede Freiheit, diese finanzierten im Gegenzug die Politik. Und wie leicht sich dabei das Volk steuern ließ! Immer mehr wurde begriffen, wie man sich auf diese Weise auch ein "gewünschtes Volk" heranziehen konnte. Das "social engineering", das damals erstmals in Industriebetrieben aufkam, wurde zur Methode der Politik in Abstimmung mit der Oligarchie. Und insbesonders der Krieg machte tiefgreifende Änderungen des öffentlichen Bewußtseins, der Lebensweise, des Verhaltens möglich.

Mit ihm konnte man jeden Eigensinn, jeden Widerstand, sogar die privaten Rechte wie Eigentum gegen eine zentralistische Regierung aushebeln, die das Recht hatte, alle Individualrechte, ja sogar die persönlichen Überzeugungen zugunsten der alles übertreffenden Vordringlichkeit des staatlichen Überlebens zu beschneiden. Sogar persönliche Einkommenssteuern (eine Form der Enteignung) als "vorübergehende Kriegsmaßnahme" waren möglich. Es war also nicht nur ein gutes Geschäft, es war der Politik äußerst nützlich. Denn fortan brauchte die Politik das Volk nicht mehr.

Sie mußte nur den Zustand eines "perennial war", eines fortwährenden Krieges aufrecht halten. Und befinden wir uns nicht seit dem Zweiten Weltkrieg im Dauerkrieg? Der Kalte Krieg, Irak, Iran, Syrien, Terror, Klimakatastrophe, Faschismus, Autoritarismus, "Ungerechtigkeiten" und "Ungleichheiten" aller Art, das neu erstarkte Rußland, China, angebliche Überbevölkerung, angebliche oder echte Krankheiten, die Liste ist kaum noch zu vollenden und wird ständig kreativ erweitert, die Eingriffsmöglichkeiten werden immer totaler, und ihnen steht ein immer schwächerer Vereinzelter gegenüber.

Denn eine staatlich verordnete Bedrohung räumt jeden politischen und gesellschaftlich-sozialen Widerstand auf dem Weg zu einer perfekten Welt aus dem Weg. Eine Welt, in der der Begriff der Freiheit umgedeutet, und so zur Maske der totalen Unterwerfung vieler durch wenige wurde. Die heutige staatliche Parteienpolitik ist Teil eines Glasperlenspiels, wo die einen Probleme lösen, die es ohne sie gar nicht gäbe, und die anderen die Lösung von Problemen erwarten, die sie gar nicht haben.

Die heutigen Menschen fühlen sich zu Recht wie die Soldaten, die aus den Schützengräben zurückströmten. Sie ahnen, daß das, was mit ihnen passiert und relevant ist, daß das was ihr Leben wirklich formiert und prägt, mit den Gesten der Politik gar nichts zu tun hat. Die brav ein Gesetz befolgt, dann darf sie sich "wichtig" dünken, dafür wird sie bezahlt, dafür darf sie im vordersten Salonwagen Platz nehmen, wo alle halben Stunden der Steward vorbeikommt und Wein nachschenkt.

Sie muß die Menschen beschäftigen, sie muß sie ständig unter Dampf halten, ständig neue Unruhe schaffen, um alle mit sich selbst zu befassen, damit nur ja niemand aus dem Fenster guckt und die Richtung merkt. Gender, Migration, Gleichheit, Minderheiten, links, rechts, vorne, hinten, oben, unten ... Damit sie nicht sehen, daß der Waggon, in dem sie gefangen sind, wie der ganze Zug nach Sibirien unterwegs ist, diesem Hort des wahren Liberalismus. Und weil es doch ab und an auffällt, gibt es eine Betreuungsmannschaft als Six-Pack- und Dessous-Personal, die sanft allen klar macht, was sie ohnehin immer wußten ... der Mensch ist das eigentliche Problem, also sag ja zur eigenen Auslöschung, dafür gibt es den schönsten Zeitvertreib der Welt. Das ist das Furchtbarste, das was das Heute noch schlimmer macht als das Damals: Die Menschen verhängen die Zerstörung über sich selbst.

Auch das aber ist ein Grund für die wilden 1920er. Wenn es schon keinen Sinn in meinem Tun gibt, dann wenigstens Schnaps und Weiber, dann kann ich mich auch selbst zerstören. Denn dieser Zustand eines sich selbst entfremdeten, sich selbst zerstörenden Volkes namens eines "Außenfeindes" zeigte sich im Ersten Weltkrieg erstmals in seiner Vollgestalt, und machte in dieser Praxis der Gesellschaftsumbildung weltweit Schule. Deutschland war das erste Fallbeispiel, und lieferte damit sogar das Modell für das ab 1917 kommunistische - noch einmal: Wall-Street-finanzierte Rußland, das sich nach deutschem Muster (sic!) zur Sowjetunion organisierte.

In den USA ließ man den Menschen ein paar "wilde 1920er" (auch in Europa geriet alles aus den Fugen, dominierte das Sinnlosigkeitsgefühl), ehe sie 1933 mit Roosevelt, woanders mit Stalin und Hitler in die nächsten Zwangsmodel verpackt wurden, aus der sie bis heute nicht mehr entkommen sollten. Churchill folgte nur ein wenig später, anders, denn es war seit 1215 (Magna Charta als Sieg des Oligarchentums über den Staat) schon weiter, aber mit demselben Programm. Gibt es heute ein unfreieres Land als England, dem mittlerweile schon der letzte Rest des Menschseins ausgetrieben wird?

Eine besondere Rolle spielt und spielte dabei der Informationsfluß, damals wie heute. Sogar die Kunst - Literatur, Film, bildende Kunst - wurde 1914 in den Dienst des Staates gestellt, jeder wirkliche Künstler zum Staatsfeind erklärt, wenn er sich nicht freiwillig unfrei machte, um nicht im Schützengraben zu verrecken. Im Ersten Weltkrieg wurde erstmals und weltweit dem Staat und der ihn beherrschenden Minderheit die Gelegenheit gegeben, alles zu kontrollieren. Und das Allerbeste daran war, daß sich diese Strukturen überall bereits etabliert hatten. Sie brauchten nur noch einen Herren. Der Gedanke der Weltbeherrschung war erstmals realistisch umsetzbar geworden. Denn diese Strukturen verschwanden natürlich nicht, als der Krieg endete. Sie blieben.

Nur einige Monarchien standen da im Weg. Österreich. Rußland. Deutschland. Aber nicht lange. Denn diese neue Machtstruktur, die jede Bevölkerung unter ihre Gewalt bringen konnte, indem es ihnen über Revolutionen ihre Ordnung raubte und so neuen Einwirkungen zu aufbrach, hatte nun auch die Macht, Völker und Territorien zu ordnen. Mit dem Ersten Weltkrieg schlug man alle drei Fliegen mit einer Klappe. (Denn die englische Monarchie, nur um das zu vervollständigen, stand ja bereits seit 500 Jahren unter der Herrschaft der Oligarchie, ja wurde deren Teil.)

Es war somit auch die Wall Street, die die russische Revolution finanzierte. Trotzki war extra deswegen nach New York gefahren. Und kam mit Gold aus der Wall Street über Kanada 1917 auf einem britischen Schiff nach Rußland. Dafür stimmte er bzw. die spätere Sowjetunion sämtlichen (geheimen) Territorialplänen der westlichen Alliierten zu, in denen sie die halbe Welt neu ordneten. Einschließlich Türkei und Naher Osten. Und einschließlich der Zusage an die Juden (in Person an Walter Rothschild), sie in Palästina (das nicht einmal zum britischen Empire gehörte) einen Staat Israel gründen zu lassen. (Was dann 1947 geschah.)

Der Erste Weltkrieg als Teil einer Gesamtstrategie ist also voll im Sinne der Ziele der Geheimgesellschaften aufgegangen. Sie brauchten ihn, sie trugen alles dazu bei, daß er ausbrach, und sie steuerten ihn. Über diese Einflüsse kann es keinen Zweifel geben, und im Einzelnen wird sie kein Historiker bestreiten. Im besonderen aber die drei großen Monarchien, Österreich, Deutschland und Rußland, hatten in ihrer Politik vor 1914 nicht damit gerechnet, einer international so abgestimmten, geplanten Strategie gegenüberzustehen. Das war das wohl größte Verhängnis. Sie waren die größten Hindernisse und Konkurrenten auf dem Weg zu einer Weltordnung unter der Herrschaft der wahren Eliten des englischsprachigen Raumes.

Ein geläufiges Fehlurteil muß aber noch berichtigt werden. Daß es nur die Verlierer sind, deren Gesellschaften dann verändert werden. Das zeigt die hier vorgestellte Geschichte: Auch die Völker der Siegerstaaten werden über einen Krieg am effektivsten verändert. Spricht man über die Sieger des Ersten Weltkrieges (der dann im Zweiten Weltkrieg seine Vollendung bekam), sind die Gruppen ganz anders verteilt: Sieger war und ist die Oligarchie, die herrschende Elite, und die, die sie an ihre Tische lassen oder denen sie Brotkrumen zuwerfen. Verlierer sind überall die Völker und vor allem ihre angestammten Kulturen.

Was die Soldaten an den Fronten am 11. November 1918 fühlten, war deshalb seltsam weitsichtig. Es war nämlich nicht Freude über den Frieden. Niemand glaubte an ihn. Alle einte die Angst vor einer nun völlig ungewissen Zukunft. Alles Bestehende, Bewährte war ausgelöscht. Wo war da der Plan? Gab es einen? Ja. Während die Soldaten noch zurückströmten, saßen in Paris bereits die Regierenden und die Oligarchen an den Tischen und konstruierten die nächste Stufe. In einem "Frieden", der jedem Realisten als die Vorstufe zu einem nächsten, noch schrecklicheren Krieg klar war, der die Ziele des Ersten vollenden sollte. Der Erste Weltkrieg war nur der erste - und gelungene - Schritt auf dem Weg, den Cecil Rhodes 1891 formuliert hatte: Die Herrschaft über die ganze Welt, um sie nach seinem Bild zu formen.










*240119*

Donnerstag, 28. März 2019

Die Weltkriegsverschwörung (2)

Teil 2) Das absolute Meisterstück - Der verlängerte Krieg - 
Der Eintritt der USA im Kampf gegen den "gemeinsamen Feind" Deutschland




Amerika in den Krieg gegen Deutschland zu ziehen, war dabei als erster Schritt auf dem Weg gedacht, die ehemalige Kolonie wieder ins britische Empire zurückzuholen. Genau so, wie es die geheimen Gruppen, die 1891 Cecil Rhodes gegründet hatte, planten. Deren oberste Ziele die Verbreitung der englischen Kultur als auserwählte, höchste menschliche Lebensweise über die ganze Welt war. Denen alle Völker zu gehorchen hatten. Dazu mußten einerseits Störenfriede ausgeschaltet, andrerseits alles Weltvermögen als vorzüglichstes Machtmittel in einer Hand versammelt werden.

In einer Besprechung 1915 wurde darüber spekuliert, wie man das Volk "überzeugen" konnte. Die ersten Monate hatten einen Krieg gesehen, wie er blutiger und kostspieliger niemand zu denken in der Lage gewesen war. Schon im Winter 1914/15 waren die Munitionsdepots auch in England erschöpft. Die Bevölkerung war schockiert, und schon nach einem halben Jahr kriegsmüde. Die Mär, daß ein Krieg rasch zu beenden sei, hatte sich nicht erfüllt. Die Ostfront hatte unter extremem österreichisch-ungarischem Blutzoll gehalten, ja formierte sich zum Gegenstoß, und der deutsche Vorstoß im Westen war zwar gestoppt, aber der Unmut in Frankreich und England groß. Zu gewaltig waren die Opfer, zu festgefahren die militärischen Fronten, zu aussichtslos die militärischen Aussichten, daß eine Seite rasch gewinnen konnte. Der gemeine Mann wollte wieder Frieden. Und die Stimmung in den USA war sowieso eindeutig: No war!

Es würde doch sicher anders, meinte also 1915 der britische Außenminister (Mitglied der Rhodes-Gruppe), wenn etwa einmal ein ziviles Kreuzschiff von den Deutschen versenkt würde? Das könnte gut sein, meinte der amerikanische Gesprächspartner. Der britische König George V. war von der Idee begeistert, und dachte sofort weiter: Wie wäre es, wenn es die Lusitania wäre, mit amerikanischen Passagieren an Bord? Dann hätte man auch in den USA etwas bewirkt. Diese Gespräche sind dokumentiert. Und zufällig passierte wenige Stunden danach, noch am selben Tag, GENAU DAS. Ein deutsches U-Boot versenkte die Lusitania. Unter den 1100 Toten waren 128 Amerikaner. Mit einem Schlag hatte der Großteil der Amerikaner das Gefühl, daß der Krieg in Europa vielleicht doch nicht nur mit Europa zu tun haben könnte. 

Die Wahrheit schrieb natürlich keine Zeitung. Die Lusitania war in der Liste der britischen Schiffe als "Hilfskriegsschiff" gelistet. Sie war also keineswegs ein unschuldiges, unbewaffnetes Zivilschiff, wie verbreitet wurde. Es war nicht nur konstruktiv für Geschütze vorbereitet, sondern hatte als Ladung vier Millionen Schuß Munition (amerikanischer Provenienz). Die freilich in Kisten verpackt waren, auf denen "Käse" oder "Butter" oder "Austern" stand. Erst 2014 wurden Dokumente öffentlich, die genau das bestätigten: Es war eine bewußte Täuschung der britischen Regierung, auch durch das Königshaus. Die Lusitania war kein ziviles Passagierschiff. Und die USA war längst in diesen Krieg verwickelt, auch wenn die Öffentlichkeit davon nichts erfahren durfte. Die Parallelen zu den Ereignissen im Zweiten Weltkrieg sind überdeutlich.

Hinter diesen Ereignissen aber offenbart sich eine ausgeprägte "Zusammenarbeit" der mächtigsten, reichsten amerikanischen Bankiers und Industriellen, allen voran Rothschild und vor allem Morgan. Sie hatten den amerikanischen Staat als Institution längst in die Gewalt bekommen, weil sie ihn 1895 vor dem Bankrott retteten und 1907 das amerikanische Bankenwesen vor dem Zusammenbruch bewahrten. Nur sie hatten die Geldmittel, um der Politik den Kopf zu retten. Alleine Morgans Imperium hatte mehr Geldmittel als die amerikanische Regierung. 

Und war dieser Gruppe (vulgo "Wall Street") somit auch nicht schwer gefallen, "ihren" Kandidaten Woodrow Wilson, der progressiv, modern genug war, als Präsident durchzubringen. Der seinen Vätern alles andere als ein Hindernis dabei war, die amerikanische "Federal Reserve"-Bank zu gründen, und im Kongress per Gesetz zu verankern. Spätestens jetzt war das amerikanische Geldwesen in der Hand der Rhodes-Gruppe, auch wenn die unter unterschiedlichen Vereinigungsnamen auftrat. Die Fäden liefen in wenigen Händen zusammen.

Wilson (von dem noch der VdZ im Geschichtsunterricht gehört hatte, er sei ein "Friedenspräsident" gewesen) war ein eher seltsam beleumundeter Professor in Princeton, und nicht sonderlich helle. Aber er war hell genug, sich die Ideen anderer zunutze zu machen, um seine persönlichen ehrgeizigen Ziele zu erreichen. Der Texaner war dabei selbst ein Protektionskind. Und zwar das einer obskuren Persönlichkeit, die während des Sezessionskrieges mit den Briten Geschäfte gemacht hatte und reich geworden war. Dieser "Colonel House" (der nie Colonel war) stand aber unter dem Einfluß der britisch-amerikanischen Rhodes-Gruppen. Sein "Verdienst" war, daß er die amerikanische Regierung, die zuvor nur im Inland Schulden gemacht hatte, unter den Einfluß internationaler Kreditgeber brachte. Denn nun wurde auch in Washington Geld "erfunden", also nur gedruckt. Was dem Staat viel Macht gibt, ihn dabei aber zur lediglich von Kreditgebern begrenzten Institution macht, die mit diesem Geld selber "Politik machen" kann. 

Bei Wilsons Wahl hatte die Rhodes-Gruppe eine interessante Taktik angewandt. Denn der unbekannte, steif wirkende Wilson hatte gegen seinen direkten Gegner, den populären Republikaner Taft, keine Chance. Also finanzierte man innerhalb der Republikaner einen populären Gegenkandidaten - Teddy Roosevelt. Mit diesem wurden die Republikaner gespalten, und tatsächlich gewann Wilson die Wahl gegen zwei Republikaner, mit nur 42 Prozent der Stimmen. Das erste Ziel der Rhodes-Gruppe war erreicht, als 1913 Wilson sowohl die erste Bundes-Einkommenssteuer, als auch die erste "Federal Reserve Bank" als Financier des Staates per Gesetz ins Leben rief. Damit hatte die Wallstreet (s.o.) in ihren Lebensfäden nach Londons City die Kontrolle über die gesamte amerikanische Wirtschaft erlangt.

Nur der Vollständigkeit halber: Zum damaligen Zeitpunkt waren die Republikaner die "Fortschrittlichen", die "Linken", und die Demokraten wie Wilson die "Konservativen", die "Rechten". Was sich schon unter Theodore Roosevelt, Präsident 1933-45, endgültig aber in den 1990ern unter den Neo-Konservativen gedreht hat. Aber spielt das in den USA überhaupt noch eine Rolle, außer bei der Wahlstrategie, wo doch alles "in einer Hand" liegt?

Aber die Stimmung der Amerikaner war nach wie vor isolationistisch, trotz des ersten imperialistischen Krieges, den man 1902 in Kuba gegen die Spanier geführt hatte. Man wollte mit einem Krieg in Europa nichts zu tun haben, und die Politik fürchtete diese Stimmung. Immerhin gab es mächtige Volksgruppen aus Völkern, die dann zu Feinden würden. "America first" - Man sah keinen Grund, sich in die Selbstzerstörung des alten Kontinents - der Krieg hatte nur acht Monate nach der Gründung der "Fed" begonnen - jenseits des Atlantik einzumischen.

Also mußte die Gruppe, die längst die nationale wie internationale Presse in ihrer Gewalt hatte, die öffentliche Meinung "formen". Man begann, die "Vergewaltigung Belgiens" zu verkünden, um das Sentiment zu rühren. (Daß England selbst kurz davor gestanden war, Belgien zu besetzen, um strategisch den Deutschen zuvorzukommen, blieb natürlich geheim.) Die bösen Hunnen ("huns") vergewaltigten dort systematisch die Frauen, und schlachteten, ja fraßen die Kinder. (Was frappant an die nachweislich gefälschten "Brutkasten"-Berichte im Krieg des Irak gegen Kuweit vor dem Ersten Irak-Krieg der USA erinnert, oder an den Balkankrieg 1990ff.)

Solche Kriegsverbrechen hatte es ja tatsächlich gegeben, einige, wenige. Aber so gut wie alle Verbrechen gegen Zivilisten, die die deutsche Armee begangen hatte, waren zumindest durch die Partisanenmentalität der Belgier genährt, wir haben darüber hier schon berichtet. Das wurde nun zu einer Volkseigenschaft ausgewalzt und war deshalb wichtig, weil mehr als ein Drittel der Amerikaner entweder Deutsche, oder mit Deutschen Verwandte waren. (Noch Mitte des 19. Jahrhunderts wurde darüber debattiert, ob die deutsche oder die englische Sprache "offizielle amerikanische Sprache" werden sollte. Das Deutsche unterlag im Kongress nur knapp.) 

Wenn etwas aber Kriege - man müßte genauer sagen: Volkskriege, wie sie spätestens seit Napoleon Standard waren - treibt, dann sind es Emotionen. Furchtbare Kriegsverbrechen waren auf beiden Seiten geschehen. Doch die britisch-amerikanischen Berichterstatter hatten sich dezidiert an Soldaten gewendet, die erzählten, was sie gehört hatten. Geprüft wurde nichts. Die anglo-amerikanische Medienmacht war enorm. Der Mythos, den sie schufen war gewaltig. Und wurde später der alleinherrschende Mythos der Sieger. Allmählich wurde so der Krieg unter Staaten zu einem heiligen Kreuzzug der Zivilisation gegen den Barbarismus - welch letzterer den Namen Deutschland hatte. Nicht einmal: Deutsches Reich.

Das ist wichtig, weil es die Verlagerung von einer Staatenpolitik zu einer Politik unter Kulturen, ja unter Völkern anzeigt. Während zumindest bis Napoleon (und vom Wiener Kongress noch einmal zu retten versucht) ein Krieg immer das Ziel hatte, den Feind seiner Regierung zu berauben, ihn also unfähig zur Weiterführung zu machen, und damit zu besiegen, ging es fortan um die Besiegung eines zum Feind erklärten Volkes.

Im Mai 1915, zufällig wenige Tage nach der Versenkung der Lusitania, wurde deshalb ein offizieller Bericht veröffentlicht, der die Verbrechen der Deutschen auflistete. Seltsamerweise waren die wirklichen und nachweislichen deutschen Kriegsverbrechen - wie die systematische Auslöschung von drei Ortschaften - darin nicht einmal erwähnt. Es ging nur um nie bewiesene, fragwürdige Berichte über aufgespießte Babys, zu Tode vergewaltigte und gequälte Frauen, und grausam malträtierte gefangene Soldaten. Die Berichte erreichten ihr Ziel. Die Stimmung in den USA begann sich zu drehen.

In dieser Situation richtet Wilson eine Aufforderung an den Kongress, die veröffentlicht wurde. Es gehe nun darum, daß sich Amerika entscheiden müsse. Es müsse sich für die Kultur entscheiden, oder angesichts des Barbarismus unberührter Beobachter bleiben. Es gehe aber um die Verteidigung des Humanen auf der Erde.

Dennoch war zu diesem Zeitpunkt die Mehrheit der Amerikaner immer noch gegen einen Kriegseintritt. Und die Zeit drängte. Frankreich und England gingen ihre humanen Ressourcen aus. Vor allem England begann somit, auf die Kolonien zurückzugreifen, löste damit in späterer Folge sogar sein Imperium auf, denn das ging nur durch Versprechen auf spätere Unabhängigkeit.

Da kam es den Rhodes-Gruppen zupaß, daß 1916 eine nächste Wahl anstand. Diesmal wählte man eine andere Strategie. Die Wall Street-Gruppe spaltete sich scheinbar ab, und schuf eine "win-win-Situation". Denn einerseits wurde der populäre Kandidat Hughes gestützt. Der ohne Frage unter Morgan-Einfluß stand. Und der lautstark einen Kriegseintritt verlangte. Dem wurde nun neuerlich der farb- und charismalose Wilson gegenübergestellt, der groteskerweise mit dem Slogan "He kept us out of War!" (Er hat uns vor dem Krieg bewahrt!) auftrat. Aber auch er war ein Wall-Street-Kind. Wilson gewann tatsächlich mit dem Versprechen, Amerika weiterhin aus dem Krieg herauszuhalten.

Nichts aber war weniger wahr. Wenige Monate nach seiner Wiederwahl war Amerika dann auch im Krieg. Man hatte die Öffentlichkeit glatt belogen. Denn schon ein halbes Jahr vor der Wahl, im Herbst 1915, hatte Wilsons Bevollmächtigter mit dem britischen Außenminister ein geheimes Abkommen geschlossen, in dem unter dem Titel "Friedenskonferenz" der Kriegseintritt der USA beschlossene Sache war. Man wollte Berlin einen Vorschlag unterbreiten, in dem man Friedensgespräche durch Rückzug und Abrüstung Berlins verlangte. Gleichzeitig aber durchklingen ließ, daß die Briten und Franzosen zu einem Frieden auf andere Weise nicht bereit wären. Wenn Berlin solchen Verhandlungen (die einer Kapitulation gleichkamen) aber nicht zustimme, wäre es ein Anlaß für die USA, sich in den Krieg einzumischen, um ihn zu beenden.

In Wahrheit ging es um die völlige Zerstörung von Deutschland als Preis für "Frieden". Deutschland konnte dem niemals zustimmen. Also mußten andere Druckmittel her.  Man stellt es oft so dar, als wäre Deutschlands "totaler U-Boot-Krieg" ein unmotivierter Verstoß gegen das internationale Seerecht gewesen. Propaganda. Denn das war er zwar, aber als Reaktion auf den britischen Verstoß gegen das Seerecht, wo mit der britischen Kriegsmarine eine totale Blockade der Handelsschiffahrt verhängt wurde, die fatale Auswirkungen hatte. Man wollte das Volk demoralisieren. Rund eine Million der Deutschen verhungerten auch tatsächlich. Etwa gleich viele (das den deutschen Lesern gesagt, die glauben, sie wären die alleinigen Opfer ...) wie die der österreichischen Blockadeopfer. Denn das Pendant zur britischen Blockade war die durch Frankreich und Italien in der Adria.*

Die britische Blockade blieb sogar auch nach dem Krieg aufrecht, ja dehnte sich aufs Baltikum aus. Die Folgen waren endgültig desaströs. Als der österreichische Außenminister beim britischen Amtskollegen gegen diese Unmenschlichkeit protestierte, meinte dieser sarkastisch, daß es keinen Widerspruch gegen britische Gesetze gebe, weil diese doch demokratisch vom britischen Volk ausgingen.**

Die amerikanische Diplomatie hat sich nicht einmal darüber empört, daß die Briten auch amerikanische Handelsschiffe konfiszierten, wenn die das neutrale Rotterdam anlaufen wollten.  Auch das diene möglicherweise den Deutschen, hieß es.

Wilson erklärte die kriegsfeindliche Stimmung im Volk in "falscher" Ethnizität. (Wir haben hier die Grundlagen des späteren "social engineering", der Auslöschung jeder völkisch-religiösen - anders gibt es keine - Verwurzelung.) Sie sei von den vielen Iren und Deutschen (allesamt weit überwiegend katholisch) negativ beeinflußt. Deshalb seien sie nicht ernstzunehmen. Gleichzeitig setzte er massive militärische Aushebungs- und Ausbildungsprogramme an. 

Schon Anfang 1917 verhielt sich Amerika gegenüber britischen Verletzungen des Seerechts völlig passiv. Während die Deutschen endgültig die Folgen der Hungerblockade zu spüren bekamen. Vor allem die Versorgung mit Fetten und Ölen, also mit "fossilen" Energien, war immer ein "deutsches Problem". Und die Bedeutung von Öl angesichts der modernen Kriegsführung war gewaltig gestiegen, erkennbar an der britischen Politik im Nahen Osten.

Man kann es auf die Spitze bringen: 

Die Amerikaner sind 1917 für das Recht in einen Krieg eingetreten, auf Schiffen unterwegs zu sein, die in Kriegszonen Kriegsmaterial für fremde Kriegsmächte führten. Wilson hatte sich darauf kapriziert, daß Amerikaner auch dann ein Recht auf Unversehrtheit hätten, wenn sie auf Kriegsschiffen führen, die anderen Mächten in fremden Kriegen dienten. Es genügte für einen Kriegseintritt der USA, Personen zu schützen, die Amerikaner sind.

Also hatten die Deutschen schon 1917 begonnen, auch amerikanische Handelsschiffe zu versenken, die Großbritannien anliefen. Es war ohnehin seit 1915 bekannt, daß England (wie übrigens alle übrigen Kriegsnationen) nicht genügend Munition herstellen konnte, um den unerwartet hohen Materialverbrauch an den Fronten zu ersetzen. Mehr und mehr hatte das Amerika unter Verletzung seiner Neutralität abgedeckt. 

In seiner Kongressrede 1917, in der Wilson den Krieg gegen Deutschland erklärt, führt er an, daß es um ein einziges humanes Ziel gehe - die Verbreitung der Demokratie. Deutschland habe dagegen verstoßen. Deshalb sei Amerika in der Pflicht, dieses Menschenrecht auf Freiheit zu verteidigen, das die Grundlage seiner Verfassung sei.  Am 6. April 1917 erklärt der Kongress Deutschland den Krieg. Die Periode mit den größten Opferzahlen begann.

Wenn es keinen sachlich zu rechtfertigenden Grund für einen Krieg gibt, dann führt man ihn eben im Namen höherer Moral. Das war noch nie anders, das ist heute nicht anders. 

Wozu aber war das alles wirklich gut? Worum ging es 1914-1918 wirklich?





Morgen Teil 3) Worum es von Anfang an ging


*Die Blockade fand hier in der unteren Adria durch Frankreich und Italien statt. Österreich hungerte nicht weniger als Deutschland. Wie in Skagerrak hatte es auch in der unteren Adria einen verzweifelten Ausbruchsversuch gegeben, angeblich sogar mit mehr Schiffen als bei Dänemark, aber mit gleichem Ausgang. Woher diese Behauptung? Aus persönlicher Erfahrung. Der VdZ hat 1998 einen Urenkel des damaligen Flottenkommandanten der Monarchie kennengelernt, damals ein (betagter, pensionierter) Journalist der Austrian Presse Agentur, dem der VdZ auch sonst noch manche erhellende Geschichte verdankt. Er erzählte glaubwürdig, daß die Geschichtsbücher bis heute nicht registriert hätten, daß dieser Ausbruchsversuch bei Otranto die an Zahl der beteiligten Schiffe größte Seeschlacht des Zweiten Weltkrieges gewesen sei. Nicht Skagerrak.

**Wer die Situation eines Volkes - wie hier der Engländer, denn London ist England - verstehen will, ohne seine Geschichte zu berücksichtigen, wird immer falsch liegen. London, Großbritannien, das Empire hat eine Geschichte, die es bis zur Hüfte im Blut dastehen läßt. Gott möge Großbritannien schützen. Nach normalem Ermessen hat dieses Land, das Verbrechen auf Verbrechen aufgehäuft hat, in unmittelbarer Zukunft nichts Gutes bzw. nur Läuterung zu erwarten. In den Augen des VdZ kann hier nur schwerste Seins-(=Göttliche)-Strafe die Folge sein. Er lehnt schon deshalb eine staatliche Schicksalsgemeinschaft wie die EU-Gemeinschaft mit London ab. Wir haben unsere eigenen Sühne-Schulden abzutragen, das ist schwer genug. Die von England mitzutragen, würde uns aber überfordern. Britannien ist ein Land der Verbrecher und der Verbrechen, seit fünfhundert Jahren. Wir sollten eine 18-Meter-hohe Mauer errichten, damit kein Brite jemals mehr Festland betreten kann. Er hat die Pest.





*240119*

Mittwoch, 27. März 2019

Die Weltkriegsverschwörung (1)

Somit, nach Ablauf der offiziellen Betrachtungen und Reminiszenzen, die da und dort sogar Bewegung in gewisse Sichtweisen gebracht haben, die uns hundert Jahre lang geplagt und gehindert haben, uns und die Zeit, in der wir leben zu verstehen, ist es höchste Zeit, eine völlig andere Interpretation der Geschehnisse zu versuchen, die mit den je unten angefügten Filmen einen Anfang setzen. Und die eine Interpretation der Verschwörung ansetzen, deren Kern auf Wahrheit der Leser selber einschätzen möge.

Aber daß der Erste Weltkrieg Ergebnis einer Verschwörung war, bestreitet sogar die offizielle Geschichtsschreibung nicht. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajewo war das Produkt einer Verschwörung. Wobei die wirkliche Verschwörung 1891 begann. Und auch das ist keine Theorie, es ist belegt und bezeugt. Durch Personen wie Caroll Quigley, der selbst diesen Kreisen angehörte, darlegt, war das Ziel der damals gegründeten Geheimgesellschaft (mit einer ausschlaggebenden Rolle von Cecil Rhodes, der wiederum eng mit den Rothschilds verbunden war: Diese hatten seine Diamant- und Goldunternehmen in Südafrika, mit denen er seinen eigenen, immensen Reichtum aufgebaut hatte, finanziert) die Festigung und Verbreitung der Führungsstellung Großbritanniens als Erste Weltmacht vor allem aus der Legitimation als überlegene Weltkultur, sowie die Rückintegration der USA in das britische Empire. 

In einer einzigartigen Zusammenführung von Geld, Macht und Einfluß sollte die Welt in eine neue, glorreichere Zukunft geführt werden. So sicher war man sich, so offen lag das Thema auf der Straße, daß es anfänglich nicht einmal als notwendig angesehen wurde, diese Ambitionen, diese Geheimgesellschaft(en) heimlich zu betreiben. Sie traten ganz offen auf und sammelten Mitglieder mit Geld und Einfluß. Rhodes organisierte sie in Arbeitsgruppen unter dem Generaltitel "Friede". Der, salopp formuliert, so aussah, daß jedes nicht-britische Volk gerade gut genug war, um egal in welchem Status dem Besseren zu dienen. Wobei die Wirkmittel, Geld und Macht, in einer Hand vereint sein mußten, um den Zielen nicht entgegenstehen zu können.

Sehr bald begann man zu begreifen, daß diese Ziele komplexes Vorgehen brauchten, und damit doch einen verborgen zu haltenden Hintergrund. Die Idee etwa, Amerika ins britische Empire zurückzuholen, war öffentlich zu kontrovers, die Mittel das zu erreichen zu widersprüchlich. Im Geheimen konnte man da viel effektiver wirken. Sehr bald sah man dann, daß neben der Politik und dem Geld das Bildungs- und Informationssystem das Fundament für diese Zukunft der Herrschaft der angelsächsischen Rasse war. Die Völker der Welt mußten von innen her "geneigt gemacht" werden. Und niemand zweifelte daran, daß das effektivste Mittel, eine Gesellschaft zu verändern - der Krieg ist. Die "hohen Ziele" rechtfertigen jedes, also auch dieses Mittel. Und mit Krieg konnten aufgrund seiner Wirkungen auf Gesellschaften (im Wesentlichen: durch Beschränkung der Freiheit und Eliminieren des Individualismus der Nationen) alle diese Teilziele am leichtesten erreicht werden. 

Was diese Gesellschaft darunter verstand, zeigte sich bald im Burenkrieg. Der mit unfaßbarer Brutalität eine völlig neue Ordnung ans südafrikanische Kap brachte, aus der außerdem eine paramilitärische Organisation hervorging. Der Einfluß auf die britische Krone war immens, Krone und die Macht der Gruppierung schienen sich hervorragend zu ergänzen.

Aber eine Macht, die außerhalb alles ihres Einflusses stand, war den Briten zur Jahrhundertwende 1900 zunehmend bedrohlich erschienen. Und diese Macht war schon lange nicht mehr Frankreich, sondern Deutschland. Technologisch, wirtschaftlich und immer mehr auch militärisch überholte es die Briten. Wenn das so weiterging, würde es England in seiner Weltgeltung bald den Rang abgelaufen haben. 

Ehe Deutschland noch größer, reicher, mächtiger werden konnte, mußte es gestellt werden, solange es noch in "Schlagdistanz" zu England war. Nicht anders als man es mit Portugal oder Spanien gemacht hatte. Die Zeit drängte, denn die Entwicklung Deutschlands vollzog sich in ungeheurem Tempo. Und als ersten Akt einer Strategie mußte eine Allianz zwischen Frankreich und Rußland hergestellt werden. Die beiden Staaten mußten von Feinden zu Freunden gemacht, sodaß Deutschland isoliert wurde. Erst dann konnte man sicher sein, Deutschland ohne viel Ärger besiegen, und anschließend kleinhalten zu können.

Ein Wechsel in der Außenpolitik mußte her. Aus den Erbfeinden mußten Freunde werden, und umgekehrt. Aber dazu mußte die britische Öffentlichkeit von dieser neuen großen Bedrohung "überzeugt" werden. (Denn das britische Königshaus war hannoveranisch-deutsch, die Germanophilie den Engländern ins Blut geschrieben.)

Sofort begann man, den Einfluß auf die Presseerzeugnisse des gesamten Empires auszubauen. Zeitungen, Medien wurden gekauft. Der systematisch aufgebaute Einfluß (siehe Quigleys Schilderungen über die Vorgangsweise) der Gruppe erstreckte sich über die zugehörigen Personenkreise auch bald auf die britischen Geheimdienste, ja auf das gesamte diplomatische Korps, einschließlich des Außenministeriums in London. 1905 stellten diese Gruppen sogar den Außenminister. Der keine Scheu hatte, eine geheime, zweite Diplomatie zu betreiben, um Deutschland in den Krieg zu lavieren. Eine Allianz zu schmieden war leicht. England, Frankreich und Rußland einte ein uferloser Deutschenhaß, der nur noch wenig brauchte, um unter die Rechtfertigung der "Bedrohung" gestellt zu werden. Unter dieser Fahne war Deutschland in den Albtraum seiner Existenzfragen eingesperrt, dem (drohenden) Mehrfrontenkrieg. Man konnte fast zuwarten, bis es unter seinen strategischen Zwängen reagierte, und den "falschen" (als in diesem britischen Sinn gewünschten) Schritt setzte.

Systematisch, und unter Kontrolle der Weltpresse, wurde nun jedes außenpolitische Ereignis rund um Deutschland in ein je weiteres Beispiel der deutschen Feindschaft und Kriegslüsternheit umgedeutet. Sogar der russisch-japanische Krieg wurde durch geschickte Intrige zu einer Schuld Deutschlands konstruiert - die russischen Militärs, gedemütigt, erfolglos, versunken in einem Sumpf von Korruption, Intrigen, Eitelkeiten und Desorganisation, hatten ihren Sündenbock, mit dem von den viel tieferen Problemen abzulenken war. Dabei waren es auch die Briten, die - finanziert von Rothschild - in Geheimabkommen schon 1902 die Japaner, die dann den Russen zu Land wie zur See so schwere Niederlagen bereitet hatten, aufgerüstet und übervorteilt, Rußland aber benachteiligt hatten. Denn Rußland war der Hauptkonkurrent der Briten im Fernen Osten, also mußte es dort so gestutzt werden, daß es wirkte, aber nicht auf England zurückfiel. Sogar die Schiffe der Japaner waren in England gebaut worden. Die Rolle des Guten sollte dann aber vor allem Frankreich spielen, das begann, Rußland zum Gegner des Erbfeindes hochzufinanzieren.

Um politisch Druck zu schaffen, war das Ziel der Milliardenkredite die Infrastruktur, die die Aufmarschgeschwindigkeit erhöhen sollte, diesen entscheidenden Faktor im deutschen Denken (wie sich dann 1914 auch bewies), weil das Deutsche Reich nur entscheiden konnte, welcher Front es sich im Bedrohungsfall zuerst zuwenden sollte: Der im Westen, oder der im Osten. Beides ging nicht auf einmal. Es gab zwar Versuche britischer Diplomaten auch den Wiener Hof zum Ausscheren aus der Verbindung mit Berlin zu bewegen, also eine Südfront zu ermöglichen, aber die wurden vom Habsburger Kaiser weit von sich gewiesen: "Ich bin doch ein deutscher Fürst," soll Franz Joseph verblüfft auf entsprechende britische Vorschläge geantwortet haben. Wie sollte sich ein deutscher Fürst gegen deutsche Fürsten wenden? Das k.u.k.-Reich sollte es später mit seinem Zerfall bezahlen.

Der Ring um Deutschland wurde dennoch immer enger. Ein Zusammenstoß britischer Fischer mit der russischen Kriegsmarine, der drei englische Tote gefordert und die Öffentlichkeit enorm gegen Rußland aufgebracht hatte, wurde von der britischen Presse totgeschwiegen oder umgeschrieben. Ja, den Deutschen in die Schuhe geschoben. Mit einer defacto Annexion Marokkos durch die Franzosen ging es weiter. Die jeder offiziellen Vereinbarung (Offenheit für deutsche Handelsschiffe etc.) widersprach. Dabei ging es Deutschland nun schon an die Gurgel, denn das Reich, das seine wirtschaftliche Potenz längst als erste Welthandelsmacht zu beweisen ansetzte, brauchte freie Handelswege. Die warnende Stimme aus Berlin, die darauf hinwies, wurde zu einem Aggressionsbeweis Deutschlands umgedichtet. 

Die britische Öffentlichkeit wurde Schritt für Schritt darauf vorbereitet, daß man sich dem "deutschen Diktat" nicht beugen würde, und daß es auf einen Krieg hinauslaufen könnte. Aus einem deutschen Kanonenboot, das vor der Küste Afrikas kreuzte, wurde eine direkte Bedrohung für die Seewege des Commonwealth gemacht. Deutschland werde mit seiner Kriegsmarine endgültig gefährlich, wenn es einen Tiefwasserhafen hatte, wie er in Afrika bestand. Damit könnte es die friedliche britische Schiffahrt jederzeit unterbrechen. Niemand sagte, daß das sogenannte "Kanonenboot" der Deutschen, das zur Bedrohung für das Empire hochgeredet wurde, kleiner war als die britische königliche Yacht.

Aber die Strategie mußte auch Österreich erfassen. Der Versuch, den Balkan anzuzünden, indem man den Krieg zwischen Serbien, Bulgarien und Rumänien anzündete, ging aufs erste dank der Kriegsunlust des österreichischen Kaisers schief. Aber schließlich gelang doch genau dort die Provokation, die Europa in einen Krieg stürzte. Indem man an dem schon lange schwärenden Konflikt mit Serbien anknüpfte, das am Balkan Großmachtambitionen hatte.

Die britische Politik, die längst in Händen von Interessensgruppen lag, ist der Beleg dafür, daß sich Politik von jeder Volksbeteiligung abgetrennt hatte. Die Politik Europas war im britischen System zu einer Sache von Gruppen geworden, die sich mit missionarischer Heilssendung für die Welt ausgestattet zu allem berechtigt sahen. Auch dazu, das Volk lediglich wie einen Hund an der Leine führten.

Die geheimen außenpolitischen Vereinbarungen waren sogar vor dem britischen Parlament geheim gehalten (oder erst Jahre nach deren Abschluß bekanntgemacht) worden. Sofern dessen Mitglieder nicht selbst mit diesen Geheimgesellschaften am Tisch saßen.

Der Kriegsbeginn 1914 mit dem klaren Ziel, die Oberherrschaft der Briten auch über die Deutschen zu bewahren, wozu die Zerschlagung Österreichs nur als Mittel diente, war nur das erste Meisterstück dieser Gesellschaften. Der eigentliche Coup dieser Gruppe, die zum Ziel hatte, die ehemalige Kolonie wieder ins Empire zurückzuführen, war, daß es 1917 gelang, die USA in den Krieg zu ziehen. Dazu aber brauchte man noch Zeit.


Die Filme haben deutsche Untertitel.




Morgen Teil 2) Das absolute Meisterstück - Der verlängerte Krieg - 
Der Eintritt der USA im Kampf gegen den "gemeinsamen Feind" Deutschland





*240119*

Freitag, 20. Juli 2018

Historische Melancholien


Eigentlicher Grund zur Melancholie ist in diesem Fall die Zersplitterung eines ungemein geschlossenen Kulturkreises. Es geht also nicht um Träume von einstiger Größe oder Machtvollkommenheit, es geht um künstliche Grenzen, wo besonders in langen Jahrzehnten des Eisernen Vorhangs ein seit je zusammengehöriger, zusammengewachsener Kulturraum geteilt war. Eine Wunde, die nach den Vertreibungen der Österreicher 1945/46 - auch die Sudetendeutschen im Norden Böhmens, auch die Schlesier in Mähren sahen sich immer als Österreicher - noch schlimmer schmerzte.

Immerhin zeigt dieses Lied bereits eine gewonnene Distanz zu sich selbst. Es ist Zeichen von Verarbeitung, wenn man zum Spiel mit einer Sache gelangt, nicht mehr von ihr getrieben wird.

Peter Alexander

Wie Böhmen noch bei Öst'reich war, 
vor finfzig Jahr, vor finfzig Jahr, 
hat sich mein Vater g'holt aus Brinn, 
a echte Wienerin.







*Als kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges der englische Botschafter anläßlich einer Audienz bei Kaiser Franz Josef diesem anbot, auf die Seite der Entente zu wechseln, es würde sich lohnen, antwortete dieser voller Unverständnis: "Aber ich bin doch ein deutscher Fürst!" Wie sollte er da zu den Feinden Deutschlands wechseln, von dem er doch selber ein Teil war?

**Bis zum Jahresende 1914 war die Zahl der Gefallenen und Verwundeten Österreich-Ungarns genau so hoch wie die Gesamtzahl der Soldaten in der Mobilmachung vom August 1914 betragen hatte - zwei Millionen. Ein ganzes Heer mußte ersetzt werden. Nicht zum letzten Mal. Und es waren die Besten, die Ritterlichsten, die Tapfersten, die Mutigsten, die von den neuen blutig-technischen Kriegsmethoden, von diesem Krieg der Techniker, Kaufleute und Industriellen, völlig überrascht waren, weil sie als Ritter in den Kampf gezogen waren. Mit gezogenem Säbel ritten, mit aufgepflanztem Bajonett liefen sie auf die feindlichen Schützengräben zu - als die Maschinengewehre los tackerten. Niemand hätte so einen Krieg für möglich gehalten. 

Hätte Österreich das aber nicht gemacht, wäre Deutschland vom ersten Moment an ohne Chance gewesen, weil es einen Zweifrontenkrieg niemals hätte bestehen können. Der ganz andere Dimensionen hatte als lediglich die Kämpfe gegen zwei Armeen in Ostpreußen (Tannenberg). Sogar dieses wollte die deutsche Heeresleitung kampflos aufgeben, als die Russen einmarschierten, weil man dazu durch den Ausgriff nach Westen keine Kräfte hatte. Bis ... Hindenburg kam. Der das bekannte Husarenstück ablieferte, mit einer halben Armee zwei Feindarmeen zu schlagen, weil sich deren Kommandeure spinnefeind waren. Österreich hat das alles freilich nichts genützt, im Gegenteil.




*100618*

Sonntag, 8. Juli 2018

Ein Klassiker aus der Monarchie

Da gab sich die ganze Riege österreichischer Schauspieler die Ehre:
Der Mililtärmarsch der k. u. k Hoch- und Deutschmeister,
ein Regiment, das es im Prinzip bis heute gibt.









*020618*

Sonntag, 6. Mai 2018

Staat als Formierung der Sendung

Volk ist ohne Raum nicht denkbar. Denn es ist der Raum, der die Aufgaben eines bestimmten Teilraumes im Verhältnis zu anderen Teilräumen (und zur jeweils größeren, umfassenderen Raumeinheit) bestimmt. Volk steht also in Beziehungen, ist insofern (aber nur in dieser Hinsicht!) von Sprache, Herkommen, Geburt unabhängig beziehungsweise ist diese zweitrangig. Ihm gehört an, wer dieser Sendung angehört oder angehören will (soferne der Raum, dem jemand zugehören will, diesen Willen annimmt, seinen Träger "integrieren will".)

Dieses Gebilde nennt man Staat. Somit gibt es, analog zur Aufgabe eines Staates (mit seinem zugehörigen weil diesen Staat darstellenden, als Einheit das "anderem" gegenüberstehenden, somit "sein" wollenden Volk) auch eine natürliche Größe eines Staates, das jenen Raum umfaßt, der von seinen Beziehungsgrenzen umfaßt wird. Es ist deshalb großes Unrecht, diese Beziehungsgrenze zu übertreten, zu ignorieren, zu zerstören, aufzulösen. Denn dieses Staatsvolk-sein ist auch ein Gesolltes, das sich in der Geschichte ausdrückt (ohne daß man umgekehrt sagen könnte, daß die faktische Geschichte dieses Gesollte einfachhin vorgibt; das tut es zwar AUCH, aber nicht alleine: Träger muß das Wesen sein, und das ist wiederum die Beziehung zu den anderen.) 

Dieses Staatsvolk-sein ist es nun, das - weil es die Beziehung aller seiner Glieder zu angrenzenden Räumen manifestiert - auch dem Einzelnen die konkrete Identität gibt, wie von dieser weitergetragen wird. Als Aufgabe, als ein "auf-hin-zu", also als logos, als Sinn. Nimmt man einem Staatsvolk diese Sendung, so bricht man seine Mitglieder. Sie werden identitätskrank (weil identitätslos), und es fehlt ihrem einfachen Dasein der äußere umschließende, das Individuum ganz machende Grenze weil Rahmen, aus dem heraus es in der Welt ist. 

Die Folgen sind zweifach: Entweder fällt der Einzelne ganz (sic!) auf die nächst kleineren Räume zurück - Familie, Gemeinde, engere Landschaft/Region - kennt also keinen größeren, umfassenderen Sinnrahmen mehr, was immer auch gewisse Raumvergessenheit bedeutet, oder er sieht sein privatimeres Sein als ortlos und greift nach höheren, universalistischeren Prinzipien und Legitimitätswurzeln, die ihm Identität geben, weil seine Beziehungen definieren.  

Das ist dann die Stunde der großen "Ideen", der Weltrettung, der "Klimarettung", des "besseren Menschen", etc. pp. Versagt also eine Staatsführung (oder wird sie zu diesem Versagen gezwungen), indem es die Sendung eines Staatsvolkes aufhebt, unklar macht und vernebelt, oder gar als Böses darstellt, das es zu meiden gilt, nimmt es allen Bürgern letzthin den Sinn ihres Lebens. Die Folge ist Lebensschwäche. Denn Sinn ist etwas, woraufhin sich die Menschen transzendieren, also augenblickliche Gestimmtheiten überwinden, um dennoch Sinn erfüllen. Aus dem heraus sie dann ja erst stark werden und Identität erfahren (nicht nur postulieren, welch letzteres immer nur Grenzmarke bleiben kann, niemals voll tragfähig.) 

Damit werden Identitäten voluntaristisch, gesetzt, behauptet. Ihnen fehlt das Natürliche, Gewachsene, denn nur wenn das je Nächste fest und durchblutet IST - damit mehr unbewußt als bewußt DA ist -  kann auch das Weitere gedeihen. Auf lange Frist muß so ein Staat also zerfallen, wobei er erst und meist noch durch Aggressivität dieses Selbstsein zu behaupten versuchen wird.**

Hierin sind die wahren Wurzeln vieler, ja der allermeisten Sozialprobleme, vor allem dabei der Geburtenschwäche Europas zu sehen. Denn zwar hat man vor allem nach dem Ersten Weltkrieg betont, man wolle die Sendung eines Volkes verstärkt berücksichtigen ("Selbstbestimmungsrecht"), hat aber nicht berücksichtigt, daß diese Sendung vom Raum vorgegeben ist, in dem ein Volk lebt. Die Ursache dafür war, daß man gezielt diese Sendungen schwächen oder zerstören wollte. 


***

Das Gesagte ist am deutlichsten sichtbar bei der Zerschlagung der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die freilich zwar schon geschwächt war, ihre Sendung im Raum zunehmend abzugeben versucht hat (was mit dem preußischen Vorgehen zu tun hat, das genau diese Entflechtung der Monarchie von ihrer Sendung betrieben hat, um sich bestimmte Sendungen anzumaßen), deren Zerschlagung aber ein kraft- und machtloses europäisches Zentrum gebracht hat, dem es seither an den Raum wirklich ausfüllender Identität mangelt.* Dabei war das größte Verbrechen, Österreich seine Bestimmung im Raum auf jener Stufe aufzunehmen, auf die es nun zurückgefallen war.

***

Diese Gedanken stiegen wieder einmal auf, als der VdZ auf Achgut einen Artikel über Katalonien und Spanien las.  Der sinngemäß damit argumentiert, daß die Separationsbestrebungen Kataloniens schon deshalb unsinnig seien, weil ja bereits mehr als die Hälfte der in Katalonien wohnenden Menschen spanisch sprächen, und es im übrigen enorme und symbiotische wirtschaftliche Verflechtungen mit Madrid-Spanien gebe.

Das einzig legitime Kriterium, das es zu hinterfragen gälte wäre aber, ob der Raum Katalonien sich immer schon als Raum mit einer eigenen Sendung begriff, die von keiner anderen Sendung und Identität überlagert werden dürfe. Und dafür spricht doch auch einiges. Durch Bevölkerungs- und Wirtschaftsdurchmischung - wie sie heute sogar gezielt durchgeführt wird - werden solche Dinge nicht klarer oder entschiedener, sie werden nur problematischer. Auch ist Symbiose kein Argument, denn im Grunde ist jeder Staat, jedes Volk in einer Symbiose mit seinen Nachbarn beziehungsweise allen im jeweiligen umfassenderen, die Einzelsendung letztlich bestimmenden, festigenden Raum befindlichen.

Soweit der VdZ das sieht, fiel der Zugehörigkeitsgedanke zu Spanien in Katalonien nicht zufällig historisch in dem Moment, wo der Reichsgedanke durch einen Staatsgedanken ausgetauscht wurde.***




*Wenngleich es in neuerer Zeit zu bemerkenswerten Versuchen kommt, diesen Gesamtraum neu aufzugreifen, freilich noch weit entfernt von einer Bereitschaft, die Gesamtsendung zu übernehmen. Was den jeweiligen faktischen Staatsegoismus befeuert.

**Damit wird auch der "wahre Schuldige" am Zerfall Europas klar, denn es ist Napoleon. Seine Zerschlagung und "Neuordnung" Europas (nach Prinzipen des technizistischen Menschen- und damit Staatsbegriffs der Aufklärung) hat den europäischen Raum nachhaltig in Unordnung gebracht. Zwar hat der Wiener Kongress das noch einmal zu beheben versucht, aber es gelang nicht wirklich. Die Folgen sind etwa das Preußentum als Preußismus, und sein Pendent im Amerikanismus, der analog zur preußischen Zerschlagung natürlicher Räume und Identitäten in den USA die Staatsräume zerschlug und in eine universalistische Identität als Vorgabe preßte. Was letztlich erst nach 1945 gelang.  

***Gerade die Bayern müßten das sehr direkt begreifen, ihnen erging und ergeht es ähnlich. Noch dazu wurde das Problem verwischt - und damit verschärft, es wird sich über kurz oder lang mit neuer Brisanz wieder nach oben schaufeln - weil ein Drittel seiner heutigen Bevökerung erst nach 1945 als entraumte, ihres Sinnes, ihrer Identität also beraubten Zuwanderer aus verlorenen Ostgebieten Deutschlands ins Land kam.






*250418*