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Sonntag, 22. Januar 2023

Fliegenverscheuchen

Ein bemerkenswerter Sastz aus dem Film "Brennendes Indien" (1959), Regie J. Lee Thompson, u. a. mit Lauren Bacall.
"Die halbe Welt schlägt auf Britannien ein und will es loswerden, weil wir angeblich so schädlich für ihre Kultur sind. Dabei tun sie es aus Gründen, die ihnen gar nie bewßt geworden wären, wenn sie wie nicht dazu in die Lage versetzt hätten."  

Donnerstag, 5. Januar 2023

Dann ist es Liebe

Immer wieder Perlen in den Dialogen in der Paramount-TV-Serie "1883". Wie die folgenden:

Der Sargeant, der den Treck mit nach Oregon begleitet, kauft der Zigeunerin, die im Treck einen Wagen besitzt, alleine, weil von allen verlassen und als Zigeunerin von den anderen Osteuropäern, die im Westen ihr Glück suchen, ausgestoßen worden war, einen aus Paris stammenden Handspiegel. 
"Wenn man vor dem Verhungern steht, werden die kostbarsten Stücke wertlos, wenn man nur ein Stück Brot dafür einhandeln kann." 
Wert gibt es nur im Rahmen eines funktionierenden Kulturganzen. Zerfällt eine Kultur - und jede Kultur ist wiederum aus dem Kult, aus der ernstgenommenen Religion genährt - erkennt man das auch daran, daß alle Werte unsicher werden. In einem kulturlosen Raum ist auch der wertvollste Klimpen Gold nicht mehr wert als ein Stein. Beides kann man nur noch dazu benutzen, den Feind zu erschlagen.

Montag, 5. Dezember 2022

Die ergebnislose Suche nach der Heimat

Als sich 1883, wenige Jahren nach dem US-Bürgerkrieg, die Planwagen nach dem Westen in Gang setzten, waren miene eigenen Urgroßeltern noch Jugendliche, aber sie lebten bereits. Das gesgft, um die zeitliche Nähe bzw. die Kürze der historischen Spanne vor Augen zu bekommen, die in den beiden US-Fernsehserien "1883" und "Yelolowstone" umklammert werden.

Die eine spielt in dieser Zeit der Landnahme im Westen, als Millionen von Einwanderern, aber genau so auch entwurzelte ehemalige Südtstaatler aufbrachen, um sich in einem Niemandsland eine neue Heimat aufzubauen.

Und was das bedeutet, wird einem durch diese filmische Aufarbeitung sehr klar. Sie betraten nicht nur ein Land, in dem sie um jede Ecke nochmit Indianern zu rechnen hatten, die ihnen nach dem Leben trachteten um ihre eigene Heimat zu verteidigen, noch waren nicht alle "befriedet", das heißt in Reservate abgeschoben und eingehegt,, sondern das hieß auch in einen gesetzlosen Zustand einzutreten: 

Dort, westlich oder nördlich von Fort Worth und Fort Laramie, war zivilisatorisches Niemandsland, und dorthin auszubrechen war der bewußte Abschied von der Zivilisation. Man würde nichts mehr vorfinden, alles würde man selberr aufbauen müsen. Dort gab es keine Zivilisation, und was dann entstehen sollte, war eine im Grunde planlose, konzeptlose Schöpfung. (Daß es doch eine gewisse Form von Kultur gab, entdeckten manche denn doch, und manchen war die Kultur der Indianer sogar Lebensrettung.)

Donnerstag, 14. April 2022

Man nannte sie "Rus" (4)

Apropos Existenz. Die bestritten die Wikinger durch den Handel mit Fellen (aus der Jagd, oder im Handel mit den Slawen nördlich und östlich des Ladogasee günstig eingetauscht, übrigens meist in dem sehr interessanten sogenannten "stillen Tausch". 

Und da waren vor allem noch die Sklaven. So ein Sammelbecken hat jede Mene identitätsloser Gesellen, die nru darum betteln, von einem Vikinger gefangengenommen und tausende Kilometer verschleppt zu werden. 

Und, natürlich, waren da noch die Beutezüge, zu denen sich vor allem die (schutzlosen) Klöster und Kirchen der Christen anboten, die nun überall im Westen des Kontinents entstanden waren. Gewissemaßen verdankendie Vikinger einemsolchen Raubzug, dem Überfall auf das Kloster Lindysfarne, ihren Eintritt in die Geschichtsschreibung. 

Denn des Vikinger (und vor allem seiner Frauen) Gier nach Silber und Pretiosen war bemerkenswert. Die Silberschätze, die man gefunden hat und noch heute findet, wenn man etwa in der Urkaine eine neue Autobahn anlegt und einen nicht korrupten und aufmerksamen Bauleiter hat, sind immens. 

Mittwoch, 13. April 2022

Man nannte sie "Rus" (3)

Das war den Wikingern eines der schlimmsten Schicksale, wenn auch nicht ganz selten. Kaum eine Ausgrabung, in der die Skelette keine (oft genug tödliche) Kampfeswunden haben. Denn auf ihren Reisen durch die Weiten der Steppen, die im Prinzip vom Baltikum aus über Ungarn, Kaukasus und den Pamir umgrenzt waren, also wirklich ein mit 5.000 Kilometern Durchmesser ein riesiges Becken, sozusagen, in dem sich alle möglichen Völker herumtrieben. Eines davon waren auch die Slawen, die bei den Wikingern besonders beliebt waren, weil sie recht dankbare Sklaven lieferten. Die waren wenig aufsässig, und höchst kooperativ.

Denn das mußten sie sein, wenn man sie mitführte, um sie dann vielleicht am Sonntagsmarkt auf Gotland zum Verkauf anzubieten. Viele Stromschnellen des Don oder Dnjepr galt es da zu überwinden, fünf mal mußte umgeladen und Kilometer lang das gegen die eigenen Felle eingetauschte Handelsgut samt der Streifzugsbeute getragen werden, Boot inklusive. Ging alles aber gut, so war die Reise von Byzanz nach Estland, wo es endlich wieder ins Meer ging, in dreißig, vierzig Tagen zu bewältigen.

Montag, 23. August 2021

Wenn unsere Arbeit ins Weltall verdunstet (3)

Das verdanken wir den Erben. Sie sind es, die die Sinnlosigkeit etabliert haben - Weil diese Situation eine ganz neue Charaktergruppe schafft. Vergessen wir nicht: In Deutschland befinden wir uns DERZEIT in einem Umbruchsprozeß, in dem 6 bis 8 Billionen Euro Erbe (1) umgewälzt werden. Das führt bereits heute zu einer Verschleuderung wahrer Werte zugunsten eines hedonistischen Lebensstils, zu dem auch die "Öko-Bewegungen" nämlich zu rechnen sind. 

Der "Kultur" durch Hedonismus ersetzt, der Differenziertheit als Eigenwilligkeit mißdeutet. Der über Macht verfügt, die der Persönlichkeitsstruktur gar nicht entspricht, die immer im Gleichschritt mit Macht (Mächtigkeit, Verfügungs- und Bewegungsgewalt) gehen muß. Stattdessen stehen sich nun zwei Generationen gegenüber, die eigentlich nichts mehr verbindet: Eltern, die Substanz und Wohlstand aufgebaut haben, und Kinder, die in der 68er-Revolution nie zu Persönlichkeiten wurden, die aber in eine Anspruchs- und Erfüllungshaltung hineingeformt wurden, die von der Wirklichkeit entkoppelt.
Jedes Erbe wird Unrecht, das nicht mit einer Weiterführung des Hauses verbunden ist. Das nur die Verfügungsmacht benützt, die den Nachkommen zufällt, und nun aufgezehrt wird. Nicht nur das. Das auch noch die Substanz zerstört, auf der es beruht.

Dieser Generation, die (grosso modo) nichts mehr aufbauen konnte (wobei das durchaus ein Leid ist, das man ihr zugefügt hat, keine Frage) fehlt es damit an Führungskraft, an der Kraft zu dulden und durchzuhalten. Sie ist von den Anstürmungen des Augenblicks so bewegt, daß sie einer geistigen, durchgängigen Idee nicht mehr treu bleiben kann, sondern ihre Entscheidungen dem Moment nach fällt - und damit ihrem Leben die Stringenz und Kontinuität raubt. Die damit als soziales Gegenüber zum gefährlichen Dämon jedes Gemeinwohls werden.

Samstag, 21. August 2021

Wenn unsere Arbeit ins Weltall verdunstet (2)

Unstillbarer Energiehunger nicht TROTZ der immensen Aufwendungen, die Welt durch Energiewenden aller Art zu retten, sondern DERETWEGEN - Er wird es durch die angebliche "Ökologisierung" aller möglichen Prozesse aber immer mehr. Auch das wird vergessen. Nämlich dann, wenn man das Paradigma eines bereits erreichten Wohlstands erhalten will. Die "nachhaltige Energiegewinnung" ist kein "Ersatz" der energieechten Stoffe wie Kohle, Gas, Erdöl, Atomstrom, sondern deren Behübschung. Nicht nur, daß gigantische Aufwendungen nötig wären, um zumindest nominell eine ähnlich hohe Versorgung mit Elektrizität. Als offenbar einziger "sauberer" Form von Arbeit. Darauf läuft zumindest alles hinaus, sodaß der Gesamtbedarf nach Stromgewinnungs-Einrichtungen in schwindelerregende Höhen steigt - bei gleichzeitiger Abnahme der Effizienz und Energiedichte der Gewinnungsvorgänge. 

Nur als Beispiel sei angeführt, daß eine nominelle Elektrizitätsmenge, die der derzeit erzeugten wie verwendeten entspricht, die Zahl der nötigen Windräder verfünffacht bis verzehnfacht, je nach Denkansatz. Kein Mensch kann sich vorstellen, daß das realisierbar ist, dennoch bleibt jedes Konzept der Weltrettung durch Klimarettung hartnäckig und wie bei einem (siehe oben) Katatoniepatienten darauf ausgerichtet, und wie in Trance hämmert jeder Weltretter dieselben Silben auf seinen Meditationsbommel: Grüne Energie, Windräder, Solarpanele ...

Freitag, 20. August 2021

Wenn unsere Arbeit ins Weltall verdunstet (1)

Mit einer Mischung von Trauer und Wut liest man die Ankündigung der Bäckerinnung, daß ab Herbst die Brotpreise um 120 Prozent steigen sollen. Wie überall, nützt auch diese Branche die von der Politik angerichtete und weiter und weiter verstärkte Verwirrung, um den Erlösdruck, der vor allem ein Kostendruck und eine Krisenabfederung ist, zu mindern. Das ist zwar verständlich, aber nicht rechtfertigbar, und warum werden wir gleich sehen. 

Die Innung spricht natürlich davon, daß es um "notwendige Kostenwahrheiten" gehe. Denn die Kosten seien in diesen Monaten radikal gestiegen. Kosten, die vor allem durch den Bereich entstehen, der in globalisierten Zeiten zum Schlüssel sämtlicher Kosten wird - Transport. Der durch die politisch verordnete Umstellung der Fahrzeuge auf Elektroantrieb noch nicht einmal angefangen hat, sein schreckliches Gesicht zu zeigen. Ein Gesicht, das die Bevölkerungen durch immer höhere Preise erschreckt. Die einen Einkaufsbereiche abzapfen, der vor allem die unteren Einkommensschichten massiv weil existentiell trifft.

Donnerstag, 18. April 2019

Als die Sahara noch grün war

Die (östliche) Sahara ist nicht nur der trockenste Ort der Erde, sondern das vielleicht aussagekräftigste Klimaarchiv der letzten 12.000 Jahre. Zwar ist es zum einen unglaublich voll mit möglichen Fundstätten, die meist sehr oberflächennah positioniert sind, doch enthält es zum anderen, wo es erforscht wurde und wird, unwiderlegbare Hinweise über die zivilisatorische und klimatische Entwicklung dieser riesigen, heute fast menschenleeren Fläche nach der letzten Eiszeit. Es zeigt sich, daß die klimatischen Veränderungen über lange Zeiträume vonstatten gingen.

Das wohl faszinierendste Zeugnis der Geschichte dieser Saharazone bilden aber die zahlreichen Felszeichnungen. Die teilweise in fast photographischer Qualität die Veränderungen über die Zeit festgehalten haben. Die berühmtesten Bilder sind dabei "die Schwimmer", die noch von dem österreichisch-ungarischen Piloten Graf Ladislaus Álmásy etwa in der Zeit des Zweiten Weltkrieges entdeckt worden waren (dessen abenteuerliche Geschichte dem Film "Der englische Patient" zur Vorlage diente.) 

Aber auch an vielen anderen Orten finden sich solche Aufzeichnungen aus lange zurückliegenden Zeiten die zeigen, daß die östliche Sahara einst prosperierender Lebensraum war. Wenn auch dünn besiedelt, das zeigen die Ausgrabungen bzw. Funde.* In einzelnen kleinen Seitentälern sind sogar heute noch Nilkrokodile zu finden, die die einstige Verbindung durch Zuflüsse in den Nil beweisen. Das Vorrücken der Trockenzone (Wüste) hat dann bewirkt, daß sich die Menschen nach Süden, aber auch nach Osten - an den Nil - zurückzogen. Und man kann davon ausgehen, daß das Aufblühen der ägyptischen Kultur vor über 7.000 Jahren mit der Zuwanderung aus diesen Gebieten zusammenhängt.

War die Sahara noch vor 8500 Jahren eine feuchte, grüne Landschaft, die zwar dünn besiedelt war, aber eine reiche Fauna und Flora aufwies, so begann sich allmählich vom Norden her eine trockene Zone zu bilden, die sich nach und nach gegen Sünden zu ausbreitete. Heute findet sich erst in der Subsahara (Sahelzone) wieder Savannenlandschaft und Bevölkerung. Die Langsamkeit der Entwicklung, die sich mit nahezu völliger Sicherheit aussagen und von Jahr zu Jahr verfolgen läßt - hätten diese Forschungen auch genug Geld, aber sie sind vor allem verglichen mit den Klimaforschungen hoffnungslos unterdotiert, wären die Erkenntnisse noch weit umfangreicher - zeigt, daß die Idee der "Kipp-Punkte" (Tipping Points) im Klimageschehen nicht stimmen kann.

Mit noch einem Mythos wird aufgeräumt, und dazu müßte man nur hinfahren, um es selbst zu sehen: Das Austrocknen des Tschadsees hat mit Klimawandel nichts zu tun, wie gerne behauptet wird. Der extrem flache, einst riesige See mit einer Wassertiefe unter zwei Metern trocknet aus, weil seine Zuflüsse durch Wasserentnahmen immer weniger Wasser zuführen. Denn die Bevölkerung dort hat sich in den letzten beiden Jahrzehnten verzehnfacht. Und das schlägt sich voll in der Wasserbilanz nieder.






*Und das war wohl auch sein Problem: Denn es ist immer die menschliche Kultur, die die "Natur" zu einem dauerhaften Lebensraum durchformen und vernünftig gestalten muß. Tut sie das nicht, tut sie das nicht ausreichend und nicht vernünftig, oder überläßt sie die "Natur" gar sich selbst, beginnt diese Natur sich selbst zu "fressen", sich als Lebensraum zu zerstören. Das zeigt sich auch im direkten Mittelmeerraum, der zu vorchristlichen Zeiten, wo er in einer langen Zeit hoher Kultur intensiv besiedelt und bewirtschaftet wurde, keineswegs die trockene Karst- oder wie in Nordafrika gar Wüstenlandschaft war, die er heute über weite Strecken ist. Der Verfall des Mittelmeerraumes an die Trockenheit läßt sich deshalb auch zeitlich sehr gut festmachen: Mit dem Aufkommen des Kaiserreichs der Römer, mit dessen aus einem neuen (technizistischen) Staatsverständnis erwachsenden Zentralismus auch endgültig der Kapitalismus (als skrupellose und immer kurzfristig gedachte Ausbeutung der momentanen Welt) einsetzte. Was natürlich vor allem in den Kolonien seine schwersten Folgen zeitigte - Nordafrika, Spanien, Levante ...

Es ist nicht die "Natur", die Wüsten macht, auch nicht in diesem Fall, sondern es ist der Mensch, der einen spezifischen (lokalen) Naturraum (in all seinen spezifischen Bedingungen, die hier wegen des Äquators viel Wärme weil Sonnenschein bedeutet) zu wenig kultiviert. Sich (und das heißt: seiner Vernunft, denn der Mensch ist ein Vernunftwesen) also die Erde zu wenig untertan macht.

Nur der Mensch kann deshalb auch das vollenden, was sich in allen anderen Lebensformen zwar zeigt, aber nur unvollkommen, in sehr begrenztem Rahmen. Zwar ist es jedem Lebewesen in gewissen Grenzen zu eigen, aber nur der Mensch kann einen Lebensraum so gestalten, daß er vor allem die wetterbedingten Angriffe (denn Wetter ist immer schwankend, ein dynamisches, letztlich Ausgleich zu einem je "normalen Sosein" - denn von Natur aus will alles zuerst einmal "es selbst bleiben" - suchendes Zueinander von jeweils lokalen Zuständen) dauerhaft zurückweisen kann. Nur die menschliche Vernunft kann somit die Welt im Bestand halten, und das sonst tendenziell immer erfolgende "Abwärtsentwickeln" der übrigen "Natur" verhindern, ja alles sogar zu einer höheren, spezifischeren Form (man denke an "Züchtungen") bringen.

Deshalb kann uns die Entdeckung der Lebenswichtigkeit des CO2 für alle Lebensformen nur Ehrfurcht vor der Größe und Durchdachtheit (Vernünftigkeit) der Schöpfung abringen. Denn je intensiver der Mensch seine Kultur entwickelt, was nur durch Energienutzung (Verbrennung) möglich ist, desto mehr CO2 wird freigesetzt, das wiederum das Wachstum der Flora und Fauna nährt und stärkt. Ja, damit wird auch der "Mythos Überbevölkerung" entkräftet. Denn je mehr Menschen, desto mehr CO2-Ausstoß (wobei der menschliche Anteil am Gesamtausstoß von CO2 klein ist), und desto mehr Nahrung. 

Es ist die menschliche Kultur, die die "Natur" im Bestand hält, nützt, und auf den diese "Natur" (als die unter dem Menschen seiende Schöpfung) ausgerichtet ist. Und es ist die Wärme, die dem Eigenschwingen der Dinge, die aus dem einfallenden Licht folgt, die CO2 freisetzt, somit die Lebensbedingungen für Pflanzen von zwei Seiten verbessert, auch und vor allem in der unbelebten Natur. So wie beim Feuer, nur in geringerem Maß. (Das ist wohl auch der Grund, warum es in der Tiefe des Meeres kalt ist, was gegen die Annahme über die Erde steht, die je tiefer man gräbt umso wärmer wird, was auf "feurige Vorgänge" in ihrem Kern schließen läßt - die Abwesenheit von Licht.)

(Wenn es also ein Argument GEGEN Kernkraft gibt, dann liegt es hier: Sie entbindet keinen Kohlenstoff, gibt somit der Natur nicht im Gleichschritt mit der Kultur ihre Grundlage. Radioaktivität ist ein Zerfallseffekt. Verbrennung ist aber kein Zerfall, sondern eine Reaktion mit Sauerstoff, dem Merkmal des Lebendigen. Das vom Licht zur Eigenschwingung, also zum Leben geweckt wird.)





*060219* 

Donnerstag, 26. April 2018

Gewalt ist Teil des Lebens

Auch in Zukunft wird die Gewalt ein Teil unseres Lebens sein. Davon wissen Menschen, die mit der Gewalt leben müssen, mehr als Menschen, die nur den Frieden kennen. Der Glaube an die heilende Kraft der Zivilisation ist eine Illusion. 

Nicht aus Friedfertigkeit, sondern aus Furcht sehnen sich die Menschen nach Sicherheit und Ordnung. Denn der Tod ist das Ende von allem. Der Mensch aber will überleben, und deshalb ist die Gewalt eine Erfahrung, die Ordnung stiftet. Jeder weiß um die Präsenz der Gewalt und die Verletzungsoffenheit des Menschen. 

Deshalb kommt die Ordnung aus der Einsicht, daß die Gewalt niemals verschwinden wird und dennoch gebannt werden muß. Eine deprimierende Einsicht, zweifellos, aber wenn man begriffen hat, daß Gewalt nicht aus der Welt zu schaffen ist, wird man auch Vorkehrungen treffen können, sie einzuhegen. Für den Träumer, der den ewigen Frieden herbeisehnt, ist die Erkenntnis enttäuschend, für den Realisten ist sie ein Trost.


Jörg Baberowski in "Räume der Gewalt"






*030418*

Sonntag, 23. Oktober 2016

Unter der Drohung der Einsamkeit

"Je stärker die gesellschaftlichen Bedingungen (der Bevölkerungen in Demokratien, Anm.) sich einander angleichen, desto größer wird die Zahl der Individuen, die zwar nicht mehr reich und mächtig genug sind, um einen großen Einfluß auf das Schicksal ihrer Mitbürger ausüben zu können, die aber hinreichend Bildung und Güter erworben oder behalten haben, um sich selbst zu genügen. Sie sind niemandem etwas schuldig und erwarten sozusagen von niemandem etwas; sie gewöhnen sich daran, sich immer nur in ihrer Isolierung zu betrachten, und stellen sich gern vor, daß ihr Schicksal nur von ihnen abhänge.

So sorgt die Demokratei nicht nur dafür, daß ein jeder seine Ahnen vergißt, sondern sie verbirgt ihm auch die Nachfolger und entfremdet ihn auch seinen Zeitgenommen; ständig wirft sie ihn auf sich selbst zurück und droht, ihn gänzlich in die Einsamkeit seines eigenen Herzens einzusperren."

Alexis de Tocqueville, "Demokratie in Amerika" (ca. 1830)


Was Tocqueville hier für den Staat schreibt, gilt analog uneingeschränkt für jeden sozialen Organismus, dem seine hierarchische Struktur genommen wird. Nicht zuletzt, ja vor allem - von der Familie, die der sozialistische Sozialstaat als verfeinertes Instrument des Demokratismus als Tyrannei der Mehrheit direkt und nachhaltig zerstört hat.




*310816*

Montag, 10. Oktober 2016

Natürliche Prozesse und Gegebenheiten

Drei interessante Studien präsentiert WhatsUpWithThat. Die eine ist das Ergebnis einer Untersuchung über die Veränderungen der Landfläche verglichen mit Meer über die letzten 30 Jahre. Mit einem für manche überraschenden Ergebnis: Die Küstengebiete vergrößtern sich weltweit! Zwar haben sich in den letzten drei Jahrzennien 20.000 km2 Land in Meer verwandelt, gleichzeitig aber 33.000 km2 Meer in Land.

Auch im Binnenland gibt es eine ähnliche Entwicklung, wobei die größten Gebiete im tibetischen Himalaya ans Wasser verloren wurden, und zwar durch Gletscherwasser, während die vom kommunistischen Größenwahn getriebene Austrocknung des Aralsees (dessen Zuflüsse man für die Gewinnung riesiger Ackerbauflächen in extrem heiße Zonen Kasachstans umgeleitet hat) bei der Metamorphose Wasser- zu Landfläche am meisten zu Buche schlägt. Insgesamt ist auch hier die Bilanz mit 60.000 km2 Neuland eindeutig zugunsten der Landfläche ausgefallen. 

Eine sehr lokale Entwicklung, mit sehr lokalen, spezifischen Bedingungen. Wie das  mit einem angeblichen dramatischen Anstieg des Meeresspiegels zusammenstimmen soll möge sich der Phantasiebegabte selbst ausmalen. Wenn man überhaupt davon sprechen kann, hat das vielleicht ganz simpel mit einer Verringerung des Beckenvolumens der Meere bzw. geodynamischen, tektonischen Prozessen zu tun?

So nebenbei: Die von Hysterikern und bösartigen Apokalypsemalern prognostizierte Steigerung des Meeresspiegels von angeblichen 400 mm (also 20 mm pro Jahr) in den Jahren 2081-2100 ist auszuschließen weil unmöglich. Selbst zu Ende der Eiszeit, als die gewaltigen, alles heutige um ein Vielfaches übertreffenden Gletschervolumina weltweit zurückgingen (und nur daraus kann ja der Meerespiegel steigen), gab es nie mehr als 11 mm Erhöhung pro Jahr.

Eine zweite Studie hat sich mit dem Verhalten von Pflanzen unter Trockenheit befaßt. Und ein interessantes Ergebnis gezeitigt: Weit weniger als man bisher dachte, wirken sich Temperaturveränderungen auf die Pflanzendecke aus. Vielmehr ist es das CO2. Wo hohe CO2-Dichte gemessen wird, verträgt die Flora nicht nur Hitze weit besser, sondern verhindert sogar das Austrocknen von Land. Der lebensnotwendige Dünger Kohlendioxyd läßt die Pflanzen eine recht eigene kleinklimatische Schichte aufbauen, wie man es beim Wald ja auch bei uns und bei jedem Wochenendausflug ins Grüne leicht selber erfahren kann, die auch eine recht widerstandsfähige Ausgewogenheit im Feuchtigkeitshaushalt bewirkt. Je mehr diese Vegetationswelt in sich geschlossen ist, je ausreichender sie mit Nähr- und Katalysatorstoffen versorgt wird, umso stabiler und unabhängiger ist sie. 

Naturphilosophisch ist das eigentlich recht einfach zu verstehen. Denn Pflanzen sind am wenigsten ausgeprägt "Individuen". Das Schicksal der Einzelpflanze (und noch mehr des Bodens) hängt in größtem Maß vom gesamten Biotop ab, das wie ein (führungsloser) Organismus funktioniert. Wie man auch hier beim Wald am augenfälligsten beobachten kann. (Am meisten erkennt man es aber bei Mikroorganismen, die noch viel deutlicher Kollektivwesen sind.) Die einzelne Pflanze (auch hier natürlich nach Arten gestuft) geht auf dieser Stufe des Lebens noch sehr im Insgesamt auf, das noch weit weniger individualisiert ist als bei der nächsten Stufe, dem Tier, und dann natürlich beim Menschen, dem höchsten Stand als Individuum auf Erden überhaupt.*

Weist die Luft wenig CO2 auf, leiden Pflanzen deutlich mehr, sind den Umgebungstemperaturen mehr ausgeliefert, und mit ihnen trocknet das Land aus. Aber - das alles ist ja eigentlich nicht überraschend und zeigt sich seit vielen Jahren in der Sahara, die ja auch vom Süden her nach und nach ergrünt.

In eine ähnliche Linie fällt eine dritte Studie, die sich mit dem Verhalten von Urwäldern unter Kulturbedingungen befaßt. Denn hier hat die University of Waterloo herausgefunden, daß sich menschlicher Einfluß sehr günstig auf die Entwicklung dieser nur scheinbar urwüschsigen, nur scheinbar seit je unberühten Landschaften auswirkt. Die in ihrem "naturbelassenen, ursprünglichen Zustand" nämlich keineswegs die immerwährenden grünen Paradies waren oder sind, sondern oft für viele Arten oder Lebewesengruppen (Nachwuchs) sehr lebensfeindliche Bedingungen bedeuten. Wenn wir heute Urwälder beobachten, die grünen Paradiesen schon eher ähneln, so ist das keineswegs immer so gewesen, sondern geht eindeutig Hand in Hand mit menschlicher Besiedlung, also Kultivierung. 

Was wir heute an Urwäldern sehen, ist so gut wie immer bereits kultivierte Landschaft. Gerade menschliche Eingriffe, Ernten und Tierfänge, haben die Produktivität der Wälder deutlich gesteigert. Es sind vor allem Spurenelemente und Bodeneinträge, die durch menschliches Tun entstanden - durch Feuer, durch Entnahmen und Kompostierungen der Reste, durch Veränderungen der Lebewesendichte (Jagd, Fischfang), etc. Das läßt sich im Vergleich zeigen: Am produktivsten sind Urwaldzonen dort, wo sich am längsten archäologisch menschliche Bewirtschaftung nachweisen läßt.

Die Schöpfung ist eben eine Schöpfung MIT dem Menschen. Natur steht dem Menschen nicht fremd gegenüber, sondern ist ihm aufgegeben, - um der Vervollkommnung der Natur willen.




*Um gleich vorzubauen und gegen den Autonomismus abzugrenzen sei darauf verwiesen, daß die Kollektivanteile im Menschen deshalb nicht verschwunden oder verzichtbar wären, mitnichten, sie sind nicht weniger da wie bei den unteren Lebensstufen. Aber sie sind durch die Geistseele des Menschen in den Selbststand hineingehoben. Der Mensch selbst ist also nicht dazu gerufen, sich von allem loszureißen und wie ein einsames Schwebeteilchen durch die Welt zu geistern, sondern diese Einbindung in Kollektive in seinen Geist hereinzuholen und sich nicht von ihm bestimmen zu lassen, sondern zu bestimmen. 

Aber das heißt auch, daß man diese Kollektivanteile bewußt annimmt, sich mit Vernunft dazu verhält. So wie man ja auch Wasser trinkt oder Brot ißt, also allen seinen Lebensschichten Genüge trägt, obwohl das nicht dem geistigen Rang der Hymne an die Freude Schillers genießt. Aber diese einfacheren, vegetativen und sensualen Schichten sind nicht die Führungselemente, wie bei Pflanze und Tier, sondern sie sind in den logis, den Sinn einzuordnen, diesem unterzuordnen.




*310816*

Freitag, 30. September 2016

Wenn nicht das Meer steigt, sondern das Land absinkt

Untersuchungen haben nun die Hinweise darauf verdichtet, daß Zivilisationsprozesse besonders an dichtbesiedelten Küstenabschnitten die Landoberfläche dieser Gebiete rascher ABSENKEN als man bisher dachte. Immerhin wohnen derzeit schon 500 Millionen Menschen direkt an Meeresküsten, die Zahl hat in den letzten Jahrzehnten rapide zugenommen. 

Die Gründe sind vielfältig. Da sind einmal pure Verdichtungsprozesse, die bis in hunderte Meter Tiefe wirken können, je nach Schichtenaufbau des Untergrunds. Dann sind da Ausspülungsprozesse des Meeres, die sich nun auf das Meer selbst beschränken, weil sie ins Landesinnere nicht wirken, also den Meeresboden in Künstennähe auswaschen. Samt der Ablagerung von Sedimenten, die unterbunden ist, sobald das Meer nicht mehr weiter ins Landesinnere spült, hat sich das ganze Verhalten von Meer wie Land an den Küsten verändert.

Dann sind da Prozesse die dadurch Absenkung bewirken, daß aus der Erde intensiv Flüssigkeit entnommen wird. Sei es durch Erdölförderung, sei es durch die Entnahme von Wasser für die Landwirtschaft oder zum direkten menschlichen Verbrauch. Dann sind da durch Verbauungen verhinderte Überschwemmungsprozesse, die das Grundwasser absinken lassen. 

Daß es solche Prozesse gibt, die sogar dramatisch ausgehen können, zeigt das chinesische Huangho-Delta, wo sich das Land durch die intensivierte Landwirtschaft und Landbebauung um mittlerweile schon 250 mm jährlich (!) absenkt. Auch im Gangesdelta in Bangladesh werden jährlich bereits 18 mm Absenkung (nicht: Meeresspiegelerhöhung!) durch Tiefensonden in verschiedene Erdschichten und der Bewegungen dieser zueinander gemessen. Man geht dort davon aus, daß sich seit 1960 ein Höhenverlust von 1-1,5 Meter eingestellt hat. Umgekehrt hat sich in Venedig der Absenkprozeß verlangsamt, als man 1970 aufhörte, Grundwasser abzupumpen. Er hat sich lokal wieder beschleunigt, seit man beginnt, Tiefensanierungen an den Fundamenten durchzuführen und erste Bauarbeiten für die geplante Meeressperre durchzuführen.

Dann sind da Absenkungen, die auf tektonische Bewegungen zurückzuführen sind. Und dazu kommen langfristige magnetische Prozesse in der Erde, die bei Belastungen auftreten, und die man kennt. Erde, die gepreßt wird, tendiert zur Ausdehnung, also zur Hebung. Das war bei der Bedeckung mit Gletschern in der Eiszeit der Fall. Seit damals fällt dieses Eis weg - die Erde senkt sich also lange schon wieder. Und dann sind da noch kaum verstandene thermische Prozesse in der Erdkruste, die gleichfalls zu Hebungen und eben Senkungen führen. Sie sind auf jeden Fall und nachweislich etwa bei New Orleans oder Venedig relevant.

Insgesamt gibt es also eine Fülle von Faktoren, die wirksam werden können, von denen man machen noch nicht versteht, andere wiederum aber gut kennt. Es sind jeweils nur ein paar Millimeter, die daraus resultiern. Aber sie summieren sich, und müßten in der Betrachtung der Meeresspiegelerhöhung auf jeden Fall berücksichtigt werden, weil Absenkungsprozesse der Küsten selbst diese gar übertreffen könnten.





*160816*

Sonntag, 18. September 2016

Immer verschlimmert die Weltrettung die Welt

Es ist nur ein sanfter Hinweis, aber er ist prinzipiell geeignet, einen Sachverhalt vor Augen zu führen: Daß nämlich die Auflösung der Familien in Kleinstfamilien und vor allem Singlehaushalte nicht einfach eine freigewählte Lebensweise ist, die niemanden etwas angeht, sondern enorme (!) Kosten produziert, die auf die Allgemeinheit umgewälzt werden. Dies ist ein Prinzip, und es trägt maßgeblich dazu bei, daß wir immer höhere Schulden (und Steuern) aufbauen. Denn gesamtvolkswirtschaftlich kann das gar nicht anders sein.

In diesem Fall anhand des Wassers, das wir täglich verbrauchen. Seit Jahrzehnten wird uns dabei eingeredet, wir müßten sparen, was steigende Kosten pro verbrauchtem m3 auch dokumentieren. Nur - niemand spart durch weniger Verbrauch! Wasser selbst ist kostenlos, es ist einfach da. Und es ist in drei Vierteln der Staaten der Welt in Überfluß da. Lediglich einige Zonen der Erde haben zu wenig Wasser, was seit Menschengedenken nicht anders war - Arabien, oder einige afrikanische Gebiete - und der Rest mehr oder sogar weit mehr, als man braucht. 

Der Wasserverbrauch in Deutschland liegt sogar ganz an der unteren Skala des Weltverbrauchs. Gerade afrikanische Staaten verbrauchen pro Kopf das Mehrfache (und natürlich: die USA, die an der Spitze der Verbrauchsskala steht.) In Wahrheit spart niemand, der Wasser nicht verbraucht sondern "spart", "weil Wasser fließen muß", es darf auch in den Leitungen nicht stehen. Tut es das nicht, weil zu wenig durchfließt weil wenig verbraucht wird, müssen andere Wege gefunden werden, es ständig zu erneuern, denn anders kann es nicht sauber und keimfrei gehalten werden. Alle Brünnlein müssen eben fließen.  (Noch ein anders Problem sei angeführt - das der Wasserabführung durch Kanäle. Durch den geringeren Wasserverbrauch steigt der Anteil an Feststoffen im Abwasser, die nur noch mangelhaft abgeführt werden können. Das macht es an vielen Orten notwendig, regelmäßig die Kanalnetze freizuspülen, die "eingesparte" Wassermenge also nachzuliefern.)

Und das tun sie in Deutschland immer weniger, der Gesamtverbrauch sinkt nach wie vor - vor allem weil die Menschen mittlerweile dazu erzogen sind zu glauben, daß "Wassersparen" etwas mit Umweltschutz zu tun hätte.

(Die Befindlichkeit, der sich unsere Jugend heute erfreut, ist vergleichbar mit den 1960er Jahren der Kindheit des VdZ. Damals war die "Biafra-Krise" Tagesgespräch, und Bilder von Hungernden füllten die Zeitungen. Dennoch lächelte der (spanischstämmige) Pater im Religionsunterricht leicht säuerlich, als er wie immer seiner Spendenbüchse durchging um "Fürrrr die arrrrrmen Nääägerrrlainnn!" zu sammeln, und ihm der kaum achtjährige VdZ zwei Semmeln, die er sich vom Munde abgespart hatte, mit der treuherzigen Bemerkung auf den Tisch legte, er solle sie nach Afrika schicken, Geld habe er nicht.)

Es war ein Werbeslogan, der vor einigen Jahrzehnten von den Wasserwerken implementiert wurde (und zu einer der zahlreichen kollektiven Neurosen wurde). Wo ein eigentlich ganz anders gelagertes, technisches oder kostentechnisches Problem durch "Moralisierung", durch Erhebung und falsche Darstellung in den Rang eines prinzipiellen moralischen Weltproblems eine problemlösende, nützliche Verhaltensänderung bewirken soll - ein Vorgehen, das heute gängige Praxis ist. Man dreht seither in Wien oder Brückeswald an der Naller den Wasserhahn auf und hat Bilder von "Sahara" und "armen Negerlein" im Kopf. Der Grund aber war aber schlicht und einfach, daß die Wasserwerke von einer linear weiter ansteigenden Wassermenge pro Kopf (von damals 150 auf 200 l pro Tag und Mann) ausgingen, und das hätten die damals bestehenden Versorgungsnetze nicht bewältigt. Es ist aber nie eingetreten, heute liegt der Pro-Kopf-Verbrauch überhaupt bei 120 l.

Warum aber ist Wasser dennoch so teuer geworden? Nicht das Wasser ist teurer geworden, sondern seine Bereitstellung. Es ist in Hülle und Fülle da, und selbst ein Klimawandel könnte daran nichts ändern, ja würde die verfügbare Menge sogar noch erhöhen, weil wärmere Luft mehr Wasser binden würde, es damit mehr Niederschläge gäbe etc. Der Grund liegt in den Leitungsnetzen, die hierzulande immer länger geworden sind. Zugleich aber nehmen die einzelnen Verbrauchsstellen immer weniger ab, weil die Haushaltsgrößen so abgenommen haben. 90 % der Kosten bei Wasser sind aber FIXE Kosten, also Kosten aus Leitungen, Pumpwerken, Reinigungsanlagen, Abwassernetze, etc. etc., die sich nicht ändern, egal wieviel Wasser verteilt wird.  

Doch sind die Familien immer kleiner geworden, während die Zahl der zu versorgenden Klein- und Kleinsthaushalte enorm angestiegen ist. Damit werden die Leitungsnetze immer länger und aufwendiger, sodaß sich diese immer höheren Versorgungskosten auf immer weniger m3 Wasser pro Abnahmestelle verteilen. Damit wird jeder m3 Wasser automatisch teurer. Die Kosten für die "individuelle Lebensführung" (in Österreich sind mittlerweile fast 50 % der Haushalte Single-Haushalte) werden auf die Allgemeinheit umgewälzt, die man zugleich noch aller möglichen Dinge zeiht, wenn jemand es wagt, auf die Problematik dieser (im übrigen: von 90 % NICHT gewollten, nur nicht anders geschafften) Lebensführung hinzuweisen.*

Hier würden sich Politikfelder öffnen, die die Politik noch nicht einmal wahrgenommen hat! Aber hier geht es um wirklich grundlegende Politik, während sich unser Establishment nur noch mit Peripherpolitik und Symptombehübschung befaßt. Denn es müßte hier z. B. ein vordringliches  (wenn auch nur indirekt ansteuerbares) Anliegen der Politik sein, die Haushaltsgrößen wieder anzuheben.² Aus dem einfachen Grund: Weil es sich eine Volkswirtschaft aufgrund der enorm ansteigenden Infrastrukturkosten NICHT LEISTEN KANN so zu leben, wie wir es tun.**

Wer diese Fakten alle anführt, direkt oder indirekt? Ein Fachmann für Wasser, der Hannoveraner Universitätsdozent Dr. Jürgen Leist. Er hat es in einem Interview, das das ZDF bei der Stockholmer Weltwasserwoche 2016 geführt hat, gesagt. Das für das ZDF auch aus anderen Gründen enttäuschend ausgefallen ist, denn Leist ist auf die "üblichen Verdächtigungen" (Klimawandel, Umweltverschmutzung, Moral und Schuld also) nicht eingestiegen. Er hat sogar noch etwas anderes angesprochen - die Verschmutzung des Wassers durch Kunstdünger, durch Nitrate. Denn, meinte der ZDF, das sei doch wirklich ein Alarmzeichen? 

Leist antwortet darauf, daß bis vor etlichen Jahren der Nitratgehalt im (Grund-)Wasser laufend gesunken sei. Aber er steigt lange schon wieder an. Der Grund ist simpel, und er hat mit der Weltrettung durch "ökologischen Ölsaatenanbau" zu tun. Wo immer mehr Flächen (mittlerweile sind es 1/5 der deutschen Ackerflächen) mit Früchten genützt werden, die zur Ölgewinnung verwendet werden, allen voran: Mais. Dafür wird viel Dünger verbraucht. Aber das ist noch nicht da Problem. Das Problem ist, daß die Rückstände nach der Ölgewinnung in Form von Gülle wieder auf die Felder als Dünger aufgebracht werden. Und DAS erhöht den Nitratgehalt in der Erde und damit im Grundwasser.

Sogar die böse Ausbeutung der armen Länder durch den reichen Westen kommt zu kurz. Denn wenn man überhaupt von Wassermangel sprechen kann, sagte Leist, dann liegt es im weltweiten Maßstab nicht am Wasser, sondern an der Versorgungsinfrastruktur, und das heißt: am Geld. Gerade in Afrika haben (und verbrauchen) die meisten Staaten enorm viel Wasser, weit mehr als Deutschland. Aber die Leitungsnetze sind oft schlecht oder erst gar nicht vorhanden, viel versickert vor allem und wird nicht sinnvoll genutzt.

Tja, man könnte fast meinen, es sei ein allgemeiner Grundsatz, denn es häuft sich und häuft sich: Wo immer der Mensch versucht, die Welt zu retten, reißt er sie erst recht in den Abgrund. Eine Zeit, wo jeder Mensch die Welt retten zu müssen meint, kann nur in der Hölle enden.



*Das ist nur eines von wirklich zahllosen Beispielen, wie die wie sich nun herausstellt so notwendigen größeren oder großen, kinderreichen Familien systematisch benachteiligt, ja von der versammelten Meute der Großmäuler ausgebeutet werden. Sie sind es, die die Folgen der Kinderlosigkeit des Rests der Gesellschaft ganz direkt und fortlaufend tragen und bezahlen müssen.

²Die Politik ignoriert bis heute hartnöckig und in ideologischer Verblendung, daß ungebrochen und unverändert Jahr für Jahr Erhebungen bei der Jugend ergeben, daß 90 % der Menschen - trotz aller Gehirnwäsche - Ehe und Familie als ihr erstes und größtes Lebensziel angeben. Während es immer weniger Menschen überhaupt gelingt. 50 % der jungen Menschen sind und bleiben mmittlerweile Singles, nur wenigen gelingen noch Ehen (die als sittliche Grunderfüllung des Menschseins für ein Volk und seine Lebens- und Schaffenskraft lebensnotwendig sind) und Familien (aus denen überhaupt erst ein Staat bestehen kann, anders zerfällt er). Das einzige, was den Politikbesoffenen einfällt ist Geld zu verteilen, das nicht einmal da ist, und weiter an der Herauslösung der Menschen in solitäre Existenzen zu arbeiten (was sogar noch als "familienfreundlich" bezeichnet wird, wie im Falle der Frauenemanzipation). Daß sich trotzdem nichts ändert ist offenbar noch niemandem aufgefallen. So wie es eben heute üblich ist, für den Fall, daß ein Ziel nicht und nicht erreichbar ist, sich NICHT zu fragen, ob man es in seinen Grundbedingungen überhaupt richtig sieht und denkt, sondern umso sturer den falschen Weg weiter zu verfolgen.

**Der VdZ hält das Problem für weit weit ernster, als es immer noch erscheinen mag. ZUmal es heutige gebräuchliche Denkkategorien nicht mehr zu erfassen scheinen. Aber betrachtet man die Entwicklung von Politik und Wirtschaft seit spätestens vier, fünf Jahrzehnten, so muß auffallen, daß das, was wir als "Wirtschaftswachstum" bezeichnen, in Wahrheit der Versuch war und ist, die immer geringere Effizienz des normalen Lebens auszugleichen und aufzufangen. Es wäre gewiß eine lohnende Aufgabe, die Wirtschaftsleistung einmal wissenschaftlich in dieser Hinsicht zu untersuchen. Der VdZ ist sicher, daß das Ergebnis erschütternd wäre. 

Selbst die Entwicklung ständig neuer Methoden, diesen Aufwand immer "effizienter" zu gestalten, kann den Verlust an Grundeffizienz unserer gesamten Volkswirtschaft, die aus politischen Gründen immer ineffizienter gestaltet wurde (die linke und linksliberale Zerstörung der Welt ist ja nicht einfach ein Freizeitvergnügen, sondern hat direkte Auswirkungen auf ein immer umständlicheres, ineffizienteres Wirkgefüge der Welt), niemals wettmachen.

Unser ganzer Wohlstand ist eine glatte Lüge, in der "Kosten" zu "Wirtschaftsleistung", "Mehraufwand" in "Bruttoinlandsprodukt-Steigerung", "Effizienzverlust" in "Gütermehrangebot", "Verlustausgleich des Sozialen" in "gesellschaftliche Sozialleistung" umbenannt werden.





*040916*

Dienstag, 14. Juni 2016

Doch kein "Seht Ihr, da habt Ihr's"?

Natürlich haben sich die Klimophanten sofort draufgesetzt um es als Beleg für ihre apokalyptischen Szenarien zu verwenden. Aber sie mißbrauchen in den mittlerweile riesigen, Anfang Mai ausgebrochenen und zum Zeitpunkt dieser Niederschrift schon eine Woche immer stärker wütenden Waldbränden in McMurray in der kanadischen Provinz Alberta eine Naturerscheinung, die für die Natur selbst von allergrößter Bedeutung ist. Denn in nicht dicht genug bewirtschafteten Wäldern ist das Feuer eine entscheidende Quelle für die Erneuerung des Waldes.

EIKE bringt dazu interessante Meldungen aus Kanada und Australien, das ähnliche Probleme mit seinen Wäldern hat, und deren oft riesige Waldbrände mit derselben Neigung zusammenhängen, möglichst sofort jeden noch so kleinen Waldbrand zu bekämpfen. Ja manche Samenarten der Nadelwälder der borealen Wälder (wie sie sich in Nordkanada und über den gesamte tundrisch-sibirischen Waldstreifen darstellen) brauchen für ihre samentragenden Zapfen sogar das Feuer, um durch diese Katharsis erst fruchtbereit zu werden. Mit zu vielen großen Bäumen ändert sich ja die gesamte Ökologik eines Waldes.

„Die borealen Wälder sind ein Ökosystem, das vom Feuer abhängig ist! Die Fichten und Tannen – sie brauchen das Feuer“, sagte Bernie Schmitte, Forstmanager in Fort McMurray. „Sie müssen brennen, um sich selbst regenerieren zu können, und diese Spezies haben sich an solche Brände angepasst. Ihre Zapfen können sich sich erst nach einem solchen Feuer öffnen [und haben dann keine Wachstums-Konkurrenten. Anm. d. Übers.], und die Bäume haben sich angepasst dergestalt, dass wenn sie alt sind und ersetzt werden müssen, sie sich sozusagen dem Feuer zur Verfügung stellen“.

Wie hier schon vor einiger Zeit auseinandergesetzt, ist die einseitige Betrachtung von Waldfeuern in naturbelassenen Zonen als sofort zu bekämpfendes Übel - weil halt jedes Feuer ein Übel sei - so bewirkt die Unterdrückung schon kleinster Waldbrände ein immer weiteres Altern der Bäume, die schließlich zu einer Gefahr nicht nur für das Aufkommen des Nachwuches bilden, sondern auch die Gefahr von Waldbränden mit schließlich riesigen Ausmaßen (weil diese Wälder nun zu kritischen Systemen geworden sind) steigt. 

Viel zu diesen eigentlich der Kinetik zuzurechnenden Erkenntnissen hat die Entwicklung der Erdbebenvorhersage beigetragen. Wo man festgestellt hat, daß die tektonischen Spannungsaufbaue und -lösungen alles andere als linear verlaufen, und deshalb nur eine pinzipielle Vorhersagen, aber keine über Zeit und Größe eines Ausbruchs möglich machen. Denn im Gegenteil, kann in solchen komplexen Systemen ein an sich sehr kleiner Einzelanlaß den Totalkollaps des Systems auslösen. Anlaß und Gesamtwirkung stehen hier in keiner größenmäßigen Zuordnung. Bei Wäldern ist es ganz ähnlich, weshalb man etwa im Yellowstone-Nationalpark die Taktik der Waldbrandbekämpfung bereits verändert, indem man kleinere Waldbrände zuläßt. Oder, wie in Australien bereits häufig, große Wälder durch künstlich angelegte Schneisen in kleinere Abschnitte teilt.

Mit Klimawandel hat solche Katastrophik also nichts zu tun. Eher mit der menschlichen Neigung zu neurotischer, klinischer Sauberkeit, die man Waschzwang nennt und nicht die geringste Störung eines vorgestellten Perfekten zulassen will, dem man aber jede Dynamik des Selbstseins (das ja im Widerstand, in der Begegnung erst zu jener Aktivität angeregt wird, die es dann eben sein läßt - und zu sein ist eine Aktivität) nimmt.





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Samstag, 21. Mai 2016

Ausweglosigkeiten - Filmempfehlung (3)

Teil 3) Warum sich an diesem Film die profundeste, zutreffendste und tiefste Kritik der Gegenwart aufbauen läßt, die der VdZ je aus fremder Feder gesehen hat. Aber leider wurde American Psycho in dieser Tiefe nicht verstanden. Denn dann hätte man auch des VdZ Roman "Helena" verstanden. Was wohl die Begeisterung erklärt, mit der er an den Film anknüpft. + Der ganze Film. Hier!




Alles bleibt also ohne Wirkung, die wirkliche Wirklichkeit ist dieser Welt abhanden gekommen. Selbst die Recherche des Kriminalbeamten, der dem Proponenten dicht auf den Fersen zu sein scheint, ist pures "Simulieren". Man bedient sich gegenseitig die vorstellungen, Verdächtiger wie Kriminalinspektor. 

Und niemand scheint diese eigene Unwirklichkeit zu bemerken, niemanden scheint diese Wirklichkeitslosigkeit auch nur ansatzweise zu berühren. Als wäre niemand da! Alle spielen nur  als gäbe es eine Welt. Eine solche hermetische Welt wird aber zwangsläufig zum magischen und autoreparativen Ort, dem gar nicht mehr zu entkommen ist. Die die ihr wichtigen Teile endgültig verschlungen hat und nicht mehr freigibt. Ja die sich verhält, als hätte sie eigene Schöpfungsmacht von Wirklichem aufgebaut. 

Und spätestens hier drängt sich überzeugend die Stringenz der Philosophie auf, die hinter diesem Stück Kunst steckt. Denn wenn die Welt ist, was wir Menschen denken, dann ist auch das Wirkliche das, was wir denken, und geht von uns, den Göttern dieser Welt, aus. Eine wirkliche Wirklichkeit, die seltsamerweise in den Menschen weiterlebt und sogar nach Anschluß drängt, weil  nur sie jenen Inhalt bieten kann, den jeder im Letzten sucht, ohne den er sogar verrückt wird, ist aber nur möglich, wenn diese Welt selbst von einem Wissen gewußt wird, das NICHT im Menschen liegt. Sodaß menschliches Wissen nur in dieser Einbettung in die Wahrheit dieser Wirklichkeit überhaupt Relevanz hat. Zumindest für die Menschen und ihre innersten Sehnsüchte.

Das fatale an dieser Zweitwirklichkeit ist, daß sie mit nomineller Sprache nicht mehr aufzubrechen ist. Denn sie funktioniert als Analogie, in Ahnlichkeit zur Welt der wirklichen Wirklichkeit. Sie hat aber einen entscheidenden Unterschied: Die Welt der wirklichen Wirklichkeit ist offen, sie ist offen dem Sein selbst gegenüber - Gott. Und diese Türen sind Türen der Haltung, der innersten Entscheidung, der Sprache der Sprache, die nur geört werden kann. Der im Sprechen nur gehorcht werden kann. Denn der Mensch der Offenheit und des dienmütigen Gehorsams spricht die Sprache der Engel, ihre Sprache ist seine Sprache, und sie ist es, die ihn hält. Er weiß, daß er sich nicht selbst retten und im Sein halten kann. Er weiß sich abhängig vom Sein selbst.

Der Teufel aber ist der Affe Gottes. Von ihm inspiriert, ist diese Welt der des göttlichen Wortes ähnlich, aber ihr fehlt die entscheidende Dimension. Das macht sie dem bloß nominalen Verstand so schwer erkennbar, ohne daß die Welt Gottes nicht in die des Verstandes greift wie ein Zahnrand ins andere, als ein Aspekt desselben Ganzen, der göttlichen Sophia, der göttlichen Weisheit, und aus göttlichem Verstand, an dem des Menschen Verstand teilhat, den er widerspiegelt in der Haltung, konstituiert ist. Deshalb ist diese im Film dargestellte, die heutige Welt umspannende Welt des Sprechens tatsächlich eine Hölle. Aber der Bewohner der Hölle weigert sich, das zu erkennen, ins Licht zu blicken. Denn er meidet, was vor dem unerreichten Licht erst entsteht: den abgrundtiefen Schmerz. Im Licht, im Wissen Gottes aber würde er sich im Verstand sehen. Also wendet er den Blick vom Licht ab, und kann ihm doch nicht entfliehen, weil er isset (ist als tätig seiend) aus Gott. Hölle ist, wo keine Vernunft mehr ist. Aber wo viele viele Nomina, Worte sind.

Nichts Wirkliches dringt mehr an die eine solche Zweitwelt konstituierenden wie von ihr konstituierten Menschen heran, die die Universitäten mit endlosem Nachschub derselben Unwirklichkeit beschicken, die also auch in dieser Sphäre existieren. Sie ist existentiell in der ontologischen Ebene - in der Todesangst, der Angst vor dem Höllenschlund des Nichterfüllten abgesichert. Deshalb wirft sie sich zu einem Sein wie Gott auf. Nichts mehr kann diese Scheinwelt, die die Macht hat, die alles beherrscht und bestimmt und um die es allen geht, denen die dazugehören und denen die von ihr etwas wollen und dabei aber Schmerzen riskieren, erschüttern, und nichts geht mehr hinaus. Die schöne, gelackte Welt, die sich sogar ihre Landschaften der Probleme und Katastrophen erfindet um wirklich zu erscheinen, ist eine in sich geschlossene Hölle ohne wirkliche Wirklichkeit und damit ohne Liebe. Sie ist ein Moloch, der alle verschlingt, die in seine Nähe kommen.  

Und DAS ist eine Präzision der Darstellung der Gegenwart, die eine Kritik des gesamten 20. und 21. Jhds., eine Kritik der gesamten globalisierten, per Netz und Medien verhängten hermetisch gewordenen Welt wird, die einen regelrecht umhautl, weil sie so tief und umfassend wahr ist.




Auf Youtube gibt es derzeit erstaunlicherweise sogar den ganzen Film zu sehen.





P. S.: Keine Angst: Wurde das Buch in den USA schon deshalb so heftig diskutiert, weil es ausführliche Schilderungen von Gewaltszenen enthält, sind solche Geschehnisse im Film lediglich angedeutet und eigentlich nie direkt zu sehen.





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Freitag, 20. Mai 2016

Ausweglosigkeiten - Filmempfehlung (2)


Teil 2) Eine Welt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt, 
weil es außen keine Wirklichkeit mehr gibt, die stark genug ist,
ihre Wände einzudrücken, Türen zu schlagen




"American Psycho" zeigt eine Welt, in der nichts mehr relevant ist, nichts mehr zählt, die wie ein technisches Handbuch funktioniert. Eine Welt am Ende eines ausgereizten, gewissermaßen vollendeten Rationalismus. Die eine eigene, abgeschlossene Scheinwelt für sich ist, die zwar die Nomenklatur des Wirklichen benutzt, sich aus diesem Herwinwehen des Vergangenen gar wie das Vergangene Leben nennt, aber nur noch ein dichter Vorhang einer Plauderkulisse ist, in dem sich vor allem Geld jene Betriebsmittel schafft, die das Leben im Ballon so erträglich machen. Alles. wirklich ist simulierbar! Alles ist nachzubauen! Und alles Störende ist fernzuhalten!

Nichts hat aber da noch Bedeutung. Selbst Bedeutung wird simuliert. Alles bewegt sich nur noch in den Ebenen einer Plapperwelt, die ihre äquivoken Werte (eigentlich also Namen von Werten) mitliefert. Niemand erlebt sich mehr wirklich und als wirklich, Persönlichkeit sind willkürliche Konstrukte. Werte gibt es nur in diesem Rahmen. Als Markenprodukte eines Liefestyle. Einer Individualität bleibt nur die Gestaltung von Visitenkarten, Variationen und Wettläufe um Statussymbole, marginale Leistungsfelder erhalten so existentielle Bedeutung und Kleinigkeiten werden Objekte von tödlicher Konkurrenz. Selbst der Beruf wird zum "Besitz eines Büros", angefüllt mit Klischees eines Berufs: Dichte Terminkalender, hektische Telephonate, chique Sekretärinnen.

Was diese Menschen tun ist so unwichtig, daß es im Film nicht einmal vorkommt, es reicht das Klischee, für sie wie für die wirkliche Welt draußen: Irgendetwas an der Börse tun sie, man nennt es Broker, es muß nur wichtig klingen. Bildung ist sinnfreies Lexikonwissen, das sich im Herunterbeten völlig unwichtiger Namen, Jahreszahlen, Albentitel von CDs oder taxativ aufzählbare Karrieredetails irgendwelcher Popstars oder im Erkennen der Marke des Anzugs beweist. Selbst Harvard-Vorzugsabsolventen sind dieser Welt nur Nachschub. Man weiß viel, genug um Stunden und Partys zu füllen, aber ... wovon eigentlich? Was arbeiten diese Menschen eigentlich? Es ist alles unwichtig, man erfährt es nicht einmal.

"Ich bin ganz einfach nicht da." Diesen Menschen ist die Wirklichkeit gar nicht mehr erreichbar, nichts reicht mehr aus, um die Wirklichkeit der Welt zu erreichen. Alles ist hermetisch in sich geschlossen, solange man in dieser Welt mitmachen kann, einen Job hat, was darußen steht steht darunter und ist schon damit wertlos und nur als Zulieferant und Nutzen von Bedeutung. Die Wirklichkeit bleibt aber jenen, die aus diesem Lifestyle-Disneyland, zu dem das Leben verkommen ist, herausfallen, oder es gar nicht erreichen. Schlimm dran ist, wer noch Substanz genug hat und diese investiert, oder dieser leeren Welt irrtümlich und aus Gewohnheit Substanz zuspricht. Die aber nur als überraschendes Herabfallen aus dem Irgendwo, als Krume vom Tisch des Himmels quasi vorstellbar wird, weil gar kein realer Weg je dorthin führt.

Selbst Sexualität ist damit nur das Vollziehen pornographischer Stereotype. Der Versuch sie in einem letzten Rest von "wirklicher Konvention" als Liebesakt zu vollziehen bleibt grotesk kümmerlich vor dem Hintergrund der gestylten Pornowelten. Ehe (oder gar wirkliche Liebe, wirkliches Begehren) ist ein Einbruch von Wirklichkeit, mit dem man nichts anfangen kann. Und interessanterweise weil wohl wahrhaftig sind Frauen wirklichkeitsverhafteter als Männer, ja Frauen sind - fast könnte man das sagen - Wirklichkeit, die den Männern gegenübersteht. Nur weil sie etwas Wirkliches wollen (und sei es Geld) lassen sie sich in deren Welten hineinziehen. American Psycho thematisiert damit sogar die unlösbare Frage um die Grenze zwischen Hure und Ehefrau, die so einfach nicht zu beantworten ist und keinesfalls Ironie oder Zynismus verdient. Zu viel hat sie mit dem Wesen der Frau und Ehe zu tun. Auch definierte Nutten wie überhaupt Frauen können sich nie von der Ehe freimachen.

Werden Frauen aber zu real, pochen sie auf Wirklichkeit (und sie tun es, immer wieder), wird das Pseudo-Ich zerrüttet. Es löst sich auf, und in diesen Momenten zerstiebt sogar Mordabsicht. Es geht in dieser genuin männlichen Welt (die es bleibt, selbst wenn Frauen darin mitschwimmen) um Katalogwelten, -objekte und -kriterien in der Bewertung von Menschen, um Flachbauch und hard body und Leistungen im Bett. Die Welt als Netz einer hermetichen Logik ist ein unwirklicher Versandhauskatalog geworden. Wirkliche Menschen sind darin nicht vorgesehen.

Selbst nach dutzenden Morden, selbst nach einem öffentlichen Amoklauf - der Proponent schafft es nicht, die Welt zu einer Wirklichkeit in der Reaktion zu provozieren. Was er zwar immer dringender erhofft, die er eigentlich mit seinen Taten immer verzweifelter sucht, denn diese Welt ist unersättlich, will mehr, will alles. Aber die wirkliche Welt zieht sich stets zurück, unsicher geworden, als glaubt die Wirklichkeit selbst nicht mehr an sich. Ja schließlich erlebt man deren Verrätselung. Als würde die Wirklichkeit selbst unwirklich, zum Gestellt des Unwirklichen. Denn sie wird es durch Zeugen, Zeugen aus dieser unwirklichen Welt - der Proponent war bezeugt an einem Ort, wo er gar nicht war, und der in dieser Zeit von ihm Erschlagene hielt sich bezeugt an jenem Ort auf, wohin der Mörder ihn fiktiv verschwinden ließ, um seine Spuren zu verwischen.



Morgen Teil 3) Warum sich an diesem Film die profundeste, zutreffendste und tiefste Kritik der Gegenwart aufbauen läßt, die der VdZ je aus fremder Feder gesehen hat. Aber leider wurde American Psycho in dieser Tiefe nicht verstanden. Denn dann hätte man auch des VdZ Roman "Helena" verstanden. Was wohl die Begeisterung erklärt, mit der er an den Film anknüpft.
+ Der ganze Film. Hier. Morgen.

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Donnerstag, 19. Mai 2016

Ausweglosigkeiten - Filmempfehlung (1)

"American Psycho"

Der Film wird meist als Parabel über die Konsumwelt gedeutet, und meist heißt es, er würde diese kritisieren. Da ist ein Mann, Mitte zwanzig, Teil einer offenbar erfolgreichen, geldschweren Geschäftswelt, der sich nach und nach für Gott zu halten scheint. Und mehr und mehr erkennt, daß er die Macht und die Mittel, ja den Auftrag hat, sich diese Welt so zu gestalten, daß er darin Sieger bleibt. So beginnt er zu morden, und ein Mord reiht sich an den anderen. schon scheint ihm ein Kriminalinspektor auf der Spur zu sein, da löst sich alles auf völlig überraschende Weise auf. Er wird als unschuldig bezeichnet, obwohl er das garnicht ist. Und mit einem mal erkennt er, daß er aber doch genau das möchte, genau das verlangte! Aber es gelingt ihm nicht mehr, schuldig zu werden und als solcher erkannt zu werden. Identität wenigstens als Mörder zu erreichen - selbst das ist ihm in dieser vollkommenen Konsum- und Geldwelt verwehrt.

Aha. Ein Film über die pöhse Konsumwelt? Nein. Denn das mißversteht ihn, auch das Buch. Vielmehr läßt sich daraus eine Gegenwartskritik gewinnen, die derartig umfassend zutreffend ist, daß sie einen umhauen könnte, würde man sie erkennen können. Selbst der Film lotet das Thema wesentlich tiefer aus als jene meinen, die zufrieden "Kritik an der Konsumwelt" nicken und sich im übrigen an einem recht spannenden Krimi mit überraschenden Wendungen freuen, denn den Film könnte man auch irgendwie so ansehen. 

Aber etwas anderes macht ihn so hoch aktuell. Etwas anderes macht eine wirkliche Auseinandersetzung mit ihm so lohnend. Versuchen wir es an den Haaren zu fassen und auf die Beine zu stellen.

Diese Tiefe der Darstellung - und es ist irrelevant, ob die Filmmacher, ja ob der Buchautor Bret Easton Ellis diese Tiefe artikulieren konnten; es ist nicht einmal relevant, ob sie sie beabsichtigten; die Leistung der Kunst ist wahrhaftige Darstellung, nicht primär philosophische Analyse, und die Darstellung ist eine Frage des Gehorsams den Figuren und Dingen gegenüber, die man schreibend oder filmerisch darstellt; die Dinge sind es, die tun, die handeln, das DAHINTER, das Wirkliche Wirkliche, ist unsichtbar enthalten, und es das was handelt, dem der Künstler auf eine Weise nur noch folgt; wenn die Dinge wahrhaftig gewollt, die Künstler also gehorsam sind - läßt seine Parabel nämlich keineswegs zur "Kritik der pöhsen Konsumgesellschaft" werden, die selbst zu dieser Konsumwelt dazugehört, so wenig gerne viele das hören werden wollen. Pseudotiefe einer Pseudowelt, zu der natürlich auch das Sündenbockverhalten gehört, die "Kritik", denn wir wissen ja eh alle, wie schlimm es um uns steht. Aber wenn wir es kritisieren, gehören wir doch ncith dazu? American Psycho sagt: Jawohl, wir alle gehören sehr wohl dazu!

Vielmehr gilt also: Hier findet sich die Darstellung der gesamten, buchstäblich: der gesamten heutigen globalisierten Welt, auch in der Politik, die in ihrer Gesamtheit und Hermetik einer Horrorveranstaltung gleicht, weil sie in komplexer Dynamik und Wechselwirkung in einer Zweitwirklichkeit gefangen ist, aus der es vorerst und aus ihr heraus kein Entkommen mehr gibt. American Psycho knüpft damit an eine Philosophie-, Theologie- und Kunstströmung an, die man als die wohl prägendsten, innovativsten des gesamten 20. Jhds. bezeichnen muß. Von der Idealismuskritik eines Y Gasset angefangen, über die Theologie eines Ferdinand Ebner, bis zur Literatur ienes Heimito von Doderer. Sie alle hatten dieselben Sorgen. American Psycho zeigt, daß sie berechtigt waren. Und deshalb ist American Psycho tatsächlich Horror. Aber anders, als man meint. Denn die Kritisierten - wir alle! - sind in Wirklichkeit und von der Wirklichkeit aus ... Figuren eines Horrorstücks.

Die Inhalte, um die es hier geht, an deren Darstellund sich zeigt, was sichtbar wird, sind nämlich austauschbar, das Schema der Grundaussage also viel weiter anwendbar. Sämtliche heutige politische oder gesellschaftspolitische Themen sind längst solche geschlossene Welten von Scheinwerten (political correctness), unwirklichen Dress- und Verhaltenscodes und Scheindisputen. Lassen wir uns nur nicht täuschen, weil es im Film um Armani oder weiß der Deibel welche Marken geht. Das ist unwichtig. Sie sind Platzhalter, Anködern von Publikum. Wer diesen Welten einmal angehört, ist von ihnen abhängig, wer ausbrechen möchte wird von ihnen wieder zurückgesogen. Sie bedingen sich gegenseitig. Aber zahllose andere Spieler könnten das genauso gut darstellen. Nur würden wir es dann vermutlich ablehnen. Im Klischee des Films fühlen wir uns denn doch wohler. Denn das kann man so schön von sich fernhalten. So sehr, daß uns verborgen bleibt, was und hier gesagt wird.

Armani und LeGrandIrgendwas sind da nur Fächelchen in einem ungeheuren Ladenkasten VOLLER Fächer. Um diesen Ladenkasten aber geht es. Nicht um Fach Armani oder Fach Klimawandel oder Fach Ökologie oder Fach Neocons oder oder oder. Diese Welt ist zum losgerissenen Ballon geworden, der nicht einmal mehr sieht, daß er hunderte Meter über dem Erdball schwebt, der seine Bahn zieht, die aber die wirkliche Bahn der wirklichen Wirklichkeit ist, an der wir gar nicht mehr teilnehmen, von der wir aber letztendlich abhängen, und zwar vollständig udn entscheidend. Denn es geht gar nur um diese Erde, unter uns, die wir aber gar nicht mehr sehen. Aber wer von den Passagieren des Ballons würde das glauben?



Morgen Teil 2) Eine Welt, aus der es kein Entrinnen mehr gibt, weil es außen keine Wirklichkeit mehr gibt, die stark genug ist, ihre Fenster und Türen einzudrücken





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Donnerstag, 12. Mai 2016

Wie man das Wetter empfand

Ein nettes Bonmot zum Tag bietet eine amerikanische Untersuchung über "empfundene Temperaturveränderung" der Amerikaner, das natürlich Klimafanaten in den Wahnsinn treibt - denn das Ergebnis dieser Befindlichkeitsstudie hat ergeben, daß 80 % der Amerikander das Wetter in den letzten 50 Jahren als angenehmer empfinden als früher. Die Winter seien milder geworden, so schätzen die Menschen es ein, und die Sommer schöner. Das aber trägt dazu bei, daß die Menschen von Klimakatastrophen wenig wissen wollen. Dabei, hört man hier aber das Raunen in den restrooms, das ist doch der Beweis? Es WIRD wärmer, alle können es fühlen!

Bitte - was? Das einzige Faktum, das mit diesem subjektiven Empfinden substantiell in Zusammenhang steht ist die Tatsache, daß in den letzten 50 Jahren die Bevölkerungskonzentration in Großstädten, der Trend zur Verstädterung weltweit (und gar in den USA) ganz deutlich gestiegen ist. Mittlerweile lebt bereits 50 % der Menschheit in Millionenstädten, Trend weiter rasch steigend. Auch in Österreich sind schon ganze Landstriche regelrecht entvölkert. Und aus Brasilien ist bekannt, daß jährlich zehnmal mehr freies Land aufgegeben und dem Urwald überantwortet wird als umgekehrt der Schlägerung zum Opfer fällt, weil die Menschen in die Städte ziehen.

Da muß man keine geistigen Verrenkungen anstellen um sich vorzustellen, daß selbstverständlich die Verdichtung der Lebensweise, die mit einer (alles andere als liebevollen) Verbauung der unmittelbaren Lebensumwelt einhergeht, den Wärmeinseleffekt auch ins Empfinden der Menschen trägt. In einer dicht verbauten Stadt IST es einfach wärmer als im Umland. Die Unterschiede sind oft beträchtlich, und fallen schon auf, wenn man die Stadt zum Wochenende verläßt. Dann könnte man sogar am Land noch die veränderten, "effizienter" gemachten Bebauungsmethoden und den Wechsel der Anbaufrüchte dazumischen - und schon haben wir eine tatsächlich zu fühlende Erwärmung, sogar am Land. 

Abgesehen von einer völlig unterschätzten Wirkung der harmonisierten Raumlüfte durch Zentralheizungen und Klimaanlagen, sowie einer in den Temperaturen, den Tag-Nacht-Veränderungen harmonisierten Straßenluft. Die zusammen das Wahrnehmungsvermögen abstumpfen weil träge machen, sodaß früher völlig normale Wetterschwankungen (v. a. Abkühlungen) mit der Zeit immer stärker gefühlt und als unangenehm eingeschätzt werden. Damit haben im übrigen auch Dinge wie Allergiezustände zu tun.

Auch hier wirkt also der "gefühlte Klimabefund" in verstädterten, dicht zivilisierten Umgebunden - nur ist der Effekt nicht "außen", sondern man lebt in einem "Außen", das gleichfalls harmonisiert wird. Ein Effekt, eine höhere "Annehmlichkeit" ist lediglich der Verzehr der angenehmen Gefühle, die bei verringerter Aktivität eintreten, ähnlich der Wirkung eines Ausstreckens am Sofa nach getaner Arbeit. Ein Effekt, der aber spätestens dann schwindet, wenn diese Trägheit als Haltung fleischlich geworden ist (Oblomow kann uns hier viel lehren), weil die Lebensenergie nicht mehr aktiviert wird und immer mehr direkte Zufuhr in die sinnlichen Schichten ("Erlebens-Zufuhr", Bewegtheit durch ein Außen) braucht, also eine immer weiter technisierte, mechanisierte Umwelt (auch in sozialen Vorgängen) fordert. Der ineffizienteste Energieverbrauch, übrigens, und fälschlich als Kultur bezeichnet.

Aber das alles zusammen ergibt trotzdem noch keine "globale Klimaerwärmung". Denn das Gesamtverhalten des Globus ist nicht nur ein abgeleitetes Abstraktum, es ist nicht nur nicht empirisch vorhanden und wie fälschlich vorgegeben gewußt und meßbarer Erfahrungsgegenstand. Erfahren kann Klima nur über jeweils ineinander stehende, aufeinander wirkende Teilsysteme in unterschiedlichster, ja prinzipiell unendlicher Abstufung und Gradualität. Zu glauben, daß man dieses gigantische System direkt beeinflussen könne hat um Dimensionen mehr mit der durch diesen Wahn verursachten Flugzeugaktivitäten zu Kongressen zu tun als mit Wissenschaft, mit dem Blick der bemannten Raumfahrt mehr als mit Empirie, denn aus diesen Tätigkeiten wird man zwangsläufig zu dem Trugschluß geführt, daß die Welt als Ganzes Objekt unserer Manipulation sei.  Denn nur im Blick aus dem Bullauge der Boeing 737, unterwegs von Klimakonferenz zu Klimakonferenz, wird die Erde zum direkten (weil irrtümlich kleinen) Erfahrungsgegenstand, sonst nicht. Auch das ein wesentlicher Faktor (und keine Verrücktheit, wie man glauben könnte) des Charakters des self-fulfilling-Systems, das diese Art der Gedankenwelt ist. Geistig gesunde, in der Wirklichkeit verwurzelte Menschen kommen gar nicht erst auf den Gedanken an eine "Klimakatastrophe".

Und es ist diese Wirklichkeit, die jeden Menschen in allen ihn berührenden Kreisen umhüllt, die für sein Leben nicht nur ausreicht, sondern die in Konkretionssynapsen alles an Anruf durch das Sein enthält, das ihm zugemessen ist. Solche Abstraktionen aber werden fälschlicherweise zu Universalien hochgespielt. Nicht jeder Gedanke ist eine Universalie, also etwas, das das reale Dasein berührt, weil es ihm zugehört, udn nicht jede Abstraktion ein Ding, das Objekt menschlichen Handelns ist. Dieser Irrtum (Rosmini hat es großartig auf den Punkt gebracht) durchzieht aber Europa und seine Abspaltungen seit Jahrhunderten immer dichter. Und macht es mittlerweile irr.

Klima (das es nur als konkretes Kleinklima bzw. Wetter real gibt) ist nicht nur durch tektonische Verschiebungen (Wegener), Sonneneinstrahlungen und Sonnenwirkungen und den Sonnenbahnen (Milankovich), kosmische Einstrahlungen und deren Auswirkungen auf die Wolkenbildung (Svensmark), variables bzw. bedingtes Abstrahlungsverhalten in den Weltraum, Eigenbewegungen einer immer wabernden und aktiven Erde (die physikalisch eher einer Kartoffel gleicht als einer Kugel), deren Achsenneigung ständig und in Korrespondenz mit Einflüssen aus dem Weltall schwankt (die Erde taumelt also ständig), sich gewissermaßen "aus sich selbst heraus" dreht, eine der Grundkonstanten des Weltalls übrigens, wo sich "alles dreht" (bis hin zu den Atomsystemen; es ist eine Aussage über die Ganzheit aller Dinge und geht bis in den Jahreskreis, der ja keine physikalische Zufallsgegebenheit ist, sondern "Ewigkeit im Nacheinander"-Ausrollungshorizont des Selbstseins und der Vielfalt der Dinge), etc. etc. geprägt, sondern ist in sich ein außerordentlich komplexer Mechanismus, der (wenn auch nur in seinen Sub-Meta-Systemen) mehr mit Analogien zum thermodynamischen Grundesetz (Energieerhaltung in geschlossenen Systemen) zu tun hat als mit den simplen und unintelligenten Vorstellungen eines linear-mechanistischen Badewannensystems (die im übrigen aus einem realitätsfernen, mechanistisch-rationalistischen, weltreduktiven Fehlschluß - Welt als klinisches Labor - stammt). Dazu kommt, daß mit Gewißheit gesagt werden kann, daß das Meer in seiner gewaltigen Dynamik bei weitem (!) mehr Einfluß auf die großen, meinetwegen kontinentumspannenden Wetterphänomene hat, als die Landfläche. Man denke nur an den El Nino, ein seit Menschengedenken bekanntes Rätsel der Meeresdynamik des riesigen Pazifik.

Da bleibt kein Raum mehr für CO2-Phantasien und globale Klimakatastrophen. Die Welt, der Globus ist genau KEINE Badewanne, die im verfliesten Waschraum steht. Sie ist ein Mosaik aus Ganzheiten, die zueinander horizontal wie vertikal stehen und aufeinander wie ineinander reagieren, sich jeweils noch dazu selbst erhalten wollen. Nur ein gottferner Mensch kann sich von Klimakatastrophen "schrecken" lassen. (Wobei der VdZ niemandem, und schon gar nicht den Propheten der Klimaapokalypse, auch nur im Ansatz glaubt, daß ihm diese Sache ein reales, ernsthaftes Anliegen sei. Vielmehr ist es ein dämonisches Vehikel für ganz andere Motivkonstellationen.)

Wer Angst vor zu großer Hitze und Trockenheit hat, der soll halt Bäume und Sträucher pflanzen, einen Brunnen anlegen, die Zufahrtswege zu seinem Haus schottern statt asphaltieren, die Solarpaneele vom Dach seines Hauses abmontieren, die schon durch ihre Reflexion wärmend wirken weil Wärme nicht mehr und wo ganz anders - kurzfristiger, mit weniger Speicherwirkung und damit Zeitwirkung - aufnehmen (ganz im Gegensatz zum Boden) - also kurz: endlich wieder MIT seiner Umgebung leben und sie nicht als Nicht-Ort, als technisches Gestell (Heidegger) betrachten, während er die Welt an allen möglichen Bildschirmen (vergeblich) sucht, und binnen Wochen hat sich das Klima, in dem er lebt und seine Tage verbringt, wieder verändert. Und seine Einstellung zur Welt gleich mit.




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Sonntag, 1. Mai 2016

Vom Wetter damals und heute

Recht interessante Zusammenhänge bietet eine auf EIKE nachzulesende Untersuchung des Umstands, daß seit 1881 (dem Beginn entsprechender Aufzeichnungen) die April-Temperaturen in Deutschland relativ deutlich sogar gestiegen sind. Während bekanntermaßen die Durschschnittstemperaturen für Jänner bis März im selben Zeitraum gefallen sind. Aber der April wird wärmer, den Meßdaten nach (in aller Fragwürdigkeit; wir belassen es bei Argumenten im Sachkreis der Klimaerwärmungsfanaten ohne auch hier darauf einzugehen, was solche Datenreihen überhaupt aussagen und aussagen können) eindeutig, trotz einer Kältedelle vor ein paar Jahrzehnten. Dem entspricht auch die beobachtete Vegetation - der Vegetationsfrühling beginnt seit vielen Jahren immer später. Was man übrigens mit freiem Auge beobachten kann - ehe der VdZ solche Studien las, hatte er es bereits für sich registriert.

Die wahrscheinlichen Ursachen sind komplex, aber plausibel irgendwie rekonstruierbar. Erst einmal läßt sich deutlich feststellen, daß ein deutlicher Zusammenhang zwischen Sonnenscheindauer und Temperaturen besteht. Im April sind die Tagesstunden ja bereits gleich lang wie von Mitte Augst bis Mitte September! Seit 30 Jahren lassen sich auch verstärkte Südströmungen feststellen, die im Monat April (anders als im Mai, der wieder abkühlt) ein hartnäckiges Hochdruckgebiet bilden, genährt von zuströmender warmer Luft aus dem Mittelmeerraum. Damit hängt auch eine trockenere Luft zusammen, die einerseits wieder die Tag-Nacht-Unterschiede verstärkt (die Nächte bei wolkenfreien Himmeln kühlen stärker ab). 

Woher kommt diese trockenere Luft? Auch diese Frage scheint recht plausibel beantwortbar: Die deutsche Landschaft wird kontinuierlich verbaut, und sie wird vor allem entwässert. Durch Drainagen, durch Entwässern von Sumpflandschaften, durch Overflächenversiegelung durch Straßen und Bauten, aber auch durch den Anbau von angebliche Öko-Ölsaaten. Die mittlerweile fast ein Fünftel (!) der gesamten deutschen Agrar-Anbauflächen bedecken. 

Fallweise geographisch sogar sehr gehäuft, gerade in manchen ostdeutschen Gebieten, als Folgeerscheinung der "Re-Privatisierung" von landwirtschaftlichen Flächen, was (ähnlich wie in Ungarn beispielsweise) riesige und zusammenhängende, applanierte Brachflächen entstehen ließ, die nun kapitalstarke (ausländische) Betriebe pachteten oder kauften, um dort oft genug brutale Monokulturen (horizontweit Mais etwa) zu betreiben - was wiederum "mittelgroße Kleinklimazonena" beeinflußt bzw. schafft. 

Fast sämtliche Ölpflanzen, allen voran der Mais, sind als ursprünglich tropische Pflanzen soweiso starke "Wasserzieher". Sie entwässern also extrem den Boden (und rauben enorm viele Nährstoffe - ein Maisfeld ist nach drei Anbauperioden "tot", dort wächst nichts mehr außer Unkraut). Und dasselbe tun die Wälder, die aus Ertragsgründen zu "Fichtenplantagen" umgestaltet wurden. Auch die schnellwüchsigen Fichten sind extreme "Wasserzieher". Und noch dazu Flachwurzler. Der Boden solcher Wälder nimmt also sowieso wenig Wasser auf, eine der Hauptursachen für Überschwemmungsneigung in bestimmten Perioden. 

Das führt dazu, daß (na und selbstverständlich besonders stark in den Alpen) gerade in den Monaten nach dem Winter wieder hohe Sonneneinstrahlung und also Verdunstungskraft (denn die Sonnenstrahlen erwärmen zuallererst den Boden, nur Masse kann ihre Energie aufnehmen, und von dort aus über die Bodenwärme die Luft) nur wenig Wasser tatsächlich verdunstet (weil es gar nicht mehr da ist), sodaß wenig Wolkennahrung entsteht. Der Himmel wird oder bleibt klar, und die Sonne kann ungehindert durch. Es wird also dann - wärmer.

Menschengemachte Anteile, sehr richtig. Aber nicht wegen irgendwelcher fossilen Verbrennungsvorgänge - sieht man von der beträchtlichen Wärmeabgabe von lebendigen Organismen ab, zu denen auch Pflanzen gehören - sondern wegen der Gestaltung von Lebensräumen durch Menschen. Die wie jede menschliche Aktivität Energie benötigen um zu entstehen, und zum anderen laufende Energiezufuhr brauchen, um nicht der Entropie zu verfallen, als zu zerfallen. 

Aber nicht nur menschengemacht.  Wie sich an gröndländisch-nordpoligen Wetterphänomenen ablesen läßt, befindet sich der Atlantik wieder einmal in seinem (ca. 60jährigen) Kühlungs-Wärme-Zyklus in der Wärmespitze. Das wird sich wieder ändern, man kennt diesen sogenannten AMO-Zyklus seit Jahrhunderten. Das dürfte zu diesen stabilen Hochdrucklagen in Deutschland erheblich beitragen. Schon die Mutter des VdZ (Jg. 1924) hat immer gesagt, daß die Nordsee die Wetterküche Deutschlands wäre.*

Nur als letzter Hinweis noch: Würde man wirklich und rein rechnerisch die schon fast per Gesetz fixierte Versorgungsrate mit Windrädern in Deutschland umsetzen, würde das eine zusätzlich zu entwaldende Fläche im Ausmaß des Bundeslandes Rheinland-Pfalz mit sich bringen.




*Wer wachen Sinnes durchs Leben wandelt kann hier viele Beobachtungen machen. Der VdZ, aufgewachsen im westlichen Mostviertel, namentlich Amstetten, hat unabhängig von allen damals noch gar nicht existenten Klimaphantastereien beobachtet, daß gewisse Wetterzustände im Donau-Großraum Linz auch bestimmte Rückkoppelungen mit Amstetten - einem Scheideraum zum östlichen Niederösterreich offenbar - aufwies. Schon 10 km weiter östlich hatte das Wetter regelmäßig einen anderen Einschlag. Man wußte auch, wie sich "Wetter" verhielten, sich etwa um Amstetten "drehten", wenn sie aus dem Norden kamen, etc. etc. Das hat sich bis heute nicht geändert. 

Trotz der EU-"Meisfurchen"-Kastraten alias Politiker. Und das bestätigt auch der Firmpate des VdZ, der eine seit Generationen in Famileinbesitz befindliche Getreidemühle betreibt, also von den Wuchs- und Wetterbedingungen der Landwirtschaft direkt abhängt - und deshalb mit feinen Ohren auf jedes Wetter horcht. Daß Mais - und die Anbauflächen für ihn sowie für minderwertige Getreide wurden wegen des "Biosprits" extrem vermehrt - trockenere Böden bringt hat mit Klima nichts zu tun, sondern mit dem Bodenzieher Mais. Ändert man den Anbau, ändert sich sofort auch das Kleinklima.

Dazu kommen nämlich niedrigstielige Getreidesorten (wie früher nur im "Winterweizen", der natürlich, im Herbst ausgebracht, wenig Wasser hatte und brauchte, damit - niedrigere Stiele), die einerseits wenig Wasser enthalten, aber der gleichbleibenden, ja gesteigerten Fruchttrage wegen nicht weniger Wasser brauchen, anderseits Österreich heute zu einem - undenkbar vor 20 Jahren! - Netto-Importeur von Stroh machen. Wofür man u. a. Autobahnen baut und Lastwagen auf einen 1800 km langen Weg nach Rumänien schickt. 

Als der VdZ in den 1960er Jahren aufwuchs, mußte er als Bub (na sagen wir: 1 Meter groß) durch Wiesen laufen, deren Gräser ihn überragten, die die Bauern dann in drei Jahres-Mahden einbrachten. Was für Wasserspeicher, was für Luftkühler! Heute sind dort "gepflegte Rasen", deren Einschnitt gerade mal muffige Faulhaufen produziert, und saubere Betonflächen, die die nahe uralte Wettermeßstation beeinflussen, als stünde sie plötzlich in der Sahara. Übrigens - eine Sozialtat der Sozialisten der Stadt. Kennt der Leser noch Wiesen, voller Schmetrerlinge und Käfer und Fluginsekten aller Art, manchmal trat man auch auf eine Blindschleiche oder einen Salamander, nachts quakten Frösche und scheusliche Kröten, die man grausam und genüßlich als Bub mit einem Stecken erschlug wenn man sie tagsüber fand, deren so vielfältige Gräser und Kräuter - Sauerampferblätter waren für einen Buben dieser Zeit die übliche Zwischenmahlzeit - einen Meter hoch stehen, sodaß sie sich morgens, unter der Last des Taus, schon legen, man als Stoppel und Pimpf ganz naß wird wenn man sie barfuß - bloßfüßig, wie es der Österreicher nennt - durchstreift, ehe sie die Bauern mit Sensen fällen, und WIE sie fallen, so ergeben sich in den Sensenkorb legen, zwei- oder gar dreimal im Jahr? 

Oh, und wie waren doch die Sommer in den 1960ern heiß! Obwohl (nachträglich) angeblich das Weltklima eine Kaltperiode verzeichnete, während man in den 1970ern - nach einigen verregneten, kühlen Sommern hintereinander, die den unvergeßlichen Rudi Carell zu dem Lied "Wann wird es endlich wieder Sommer" inspirierten - wo ja alle mit Fernsehern versorgt schon so gescheit wurden von einer "wissenschaftlich bewiesenen" nahen Eiszeit faselte.

Es mag irgendwie verrückt klingen. Aber vielleicht hat dieser ganze Klimawahn einen einzigen Grund: Der Narziß lebt nicht in der Gegenwart, sondern in einer imaginierten Vergangenheit, die er als Gegenwart ausgibt, weil er ihr nie entwuchs. Und als Kind - waren die Sommer heiß. Sehr heiß.




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