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Sonntag, 13. Oktober 2019

Kaschmirische Widersprüche (2)

Teil 2)



Diese neu aufgebrochenen, von außen hereingetragenen Identitätsfragen seien also das Problem, das der Liberalismus, für den Kaschmir so berühmt gewesen sei, gar nicht gekannt hätte. "Die Rechten" seien die Übeltäter. Das Rezept für Frieden heiße aber Liberalismus!

Den (gar nicht so seltsamerweise) auch China stark unterstützt. Recht wahrscheinlich, weil es ähnliche Probleme in seinem eigenen Land befürchtet, der Konflikt mit den Uiguren im Nordwesten des Landes schwelt ja auch schon seit langem, und Peking hat ihn bisher mit viel Gewalt niederzuhalten versucht. Mit dieser Segregation aber sei plötzlich Kaschmir massiv in den Fokus Pekings geraten, das eine Ansteckung mit Identitätsfragen befürchtet.

Denn der chinesisch-kommunistische Weg hat bekanntlich eine Eigenschaft, wie jeder Kommunismus übrigens: Er macht alle Menschen "gleich", und das heißt: Er nichtet alle Menschen gleichermaßen, indem er ihre Gestalt für irrelevant erklärt und sich auf die alle angeblich wirklich einende weil gleich machende, eine bloße (und immer selektive, hierarchisch gestufte, das noch dazu) Funktionalität, bezieht. Dann, zu konturlosen Pfützen entformt, kommen Konflikte gar nicht mehr auf, solange Reisportion und Fernsehprogramm stimmen. Nimmt es da Wunder, wenn man feststellt, daß die USA diese Haltung Chinas prinzipiell mitträgt?

Der Grund also, warum der VdZ hier auf diese Sache eingeht, liegt auf der Hand. In der "Szene der Kritiker", die sich gegen alles und jedes wenden, oft mit sehr viel Recht sogar, bestehen nicht einfach nur Widersprüche, die zeigen, daß es nirgendwo (und schon gar nicht bei sogenannten Rechten, als der Corbett von vielen gesehen wird) eine wirklich durchgedachte Basis der Weltanschauung und Philosophie gibt. Sie transportieren sogar wie trojanische Pferde alle nur eine Botschaft: Die des Liberalismus. Und befestigen damit jene großen Mauern, die sie gefangen halten, und die sie ignorieren, weil ihnen die kleinen Randsteine der Kunstbeete reichen, um ihre archetypischen Scheinspiele um Wahrheit und Gerechtigkeit auszutragen.

Nur aber, wenn man weiß, wie der Mensch ist, und das heißt, wenn man weiß, wie er sein will (weil soll) kann man ohne Widerspruch (wenn auch nicht immer ohne Paradox) beurteilen, was richtig und was falsch, was dem Menschen förderlich und was diesen schädigend ist. Gerade die Rechte aber zeichnet sich dadurch aus, daß sie einem Menschenbild anhängt, das (weil falsch) auf denselben Prinzipien basiert wie ihre großen Gegner, die Linken. Dadurch wird ihnen Identität tatsächlich bestenfalls zum ideologisch-positivistischen Bild, in dem sich die Rolle der Religion zur romantischen "Notwendigkeit" reduziert, bestenfalls. 

Aber der Mensch beginnt bei der Religion, nur diese vermag jene Wertematrix zu nähren, auf der alles weitere Denken, Fühlen und Urteilen aufbaut. Hier zu tun, als sei es gut und wünschenswert, alle Religionen "gleichberechtigt" anzusehen, und im übrigen irrelevant für Angelegenheiten wie Frieden und Wohlstand, ist eigentlich Ausweis eines Dachschadens größeren Ausmaßes, durch den es permanent reinregnet. Das Problem unterschiedlicher Religion mag eine Zeit lang durch Ignoranz und einer gleichgültigen Haltung zu einem "Na, geht doch so wunderbar miteinander?!" abgeschmolzen werden.

An diesem Irrtum eines universalistischen, quasi wurzellosen, allgemeinen religiösen Irgendwas der supertollen Menschen ist selbst Mahatma Gandhi gescheitert, der das Auseinanderbrechen Indiens entlang der religiösen Linien (im Westen Pakistan, im Osten Bangladesch) nicht verhindern konnte. Nicht, weil die alle so böse waren, sondern weil er sich gemäß dem indischen "Inklusivismus" (siehe Paul Hackers großartige Arbeiten dazu) irrte. Weil er sich und die Tatsache verkannte, daß Inklusivismus keine besonders demütige, sondern im Gegenteil, eine besonders hochmütige Haltung ist. Nebenbei gesagt: Die Moslems hatten es im hinduistisch dominierten Indien alles andere als leicht. Moslem war jahrhundertelang mit Sklave identisch. Er stand sogar unterhalb der untersten Hindu-Kaste (Hindu=Religion der Inder, das heißt keine erfaßbare Gesamtreligion, sondern tausende spezifische Religionen, oft von Dorf zu Dorf verschieden, mit Millionen von Göttern) der der 'Unberührbaren', weil er gar nicht zur Gesellschaft dazugehörte. Hochmut ist eben die Überlegenheitsgeste des Unterlegenen.

Aber nicht lange funktioniert so eine Gleichmacherei, die eine Nichtung des Individuellen ist. Und Individuelles ist der einzige Zugang des Menschen zum logos. Der in jedem Menschen lebt, dessen Anruf jeder spürt. Jeder. Immer. Als Quelle des Lebens. In dem Moment, wo sich dieses wirkliche Leben wieder regt weil regen gelassen wird - und das regt sich, immer, auch nach langer Zeit, wie ein Same, der lange Zeit wie tot wirken mag, und dann doch, bei Regen, wieder austreibt - wird sie höchst relevant. Und eiderdautz - sogar unduldsam. Und so gar nicht "liberal", so gar nicht "tolerant". Wenn sich in Indien, nach Jahrhunderten, ja oft Jahrtausenden Absinken auf einen Elendsstatus, wieder Religion erhebt, muß man das also zuerst einmal freudig begrüßen! Das liberale (in Wahrheit diabolische weil zerstörerische) Geschwafel von "Religionsfreiheit" und "gleichberechtigte Religionen" als Gesellschafts- und Friedensprinzip auf jeden Fall nicht.

Aber ohne Grundreligiosität hat es auch keinen Sinn, die Menschen zur Vernunft zu führen - zum Katholizismus. Und nichts sonst kann eine dauerhafte, "nachhaltige" Kultur aufbauen, denn jede, wirklich jede "Religion" hat letztlich einen kapitalen Irrtum, der durch psychogene Elemente zugeflickt wird. Sie wird deshalb zwangsläufig zur Ideologie, die nach und nach die gesamte Religion durchwuchert wie Krebs. Nur der Katholizismus hat das nicht, zumindest im Prinzip, weil er auf der Wahrheit beruht, nicht auf Psychogenese, und damit katholisch (allumfassend) offen ist.

Im Einzelnen hat liberale Kritik (und so gut wie alles, was sich heute als "Kritik im Netz" zeigt, hat den Ideengrund des Liberalen) manchmal Recht, das stimmt. Aber im Ganzen ist sie eine contradictio in adjectio, die kein einziges der angesprochenen Probleme, die lediglich aus zufälligen, subjektiven Schmerzerfahrungen zu solchen werden, zu lösen vermag, Die zum Gegenteil sogar diese Probleme noch vergrößert, weil sie die wirklichen Ursachen (weil die Wirklichkeit), weil sie den Menschen, weil sie den Sinn der Welt gar nicht kennt. Sodaß alles zum bloßen Pragmatismus herabsinkt.







Samstag, 12. Oktober 2019

Kaschmirische Widersprüche (1)

Der Einspruch des VdZ würde kaum hörbar sein, würde jemand behaupten, daß große Teile der supertollen "Kritik im Netz" inhaltsleere Spiele archetypischer Konflikte sind, die sich eher aus Charakterdispositionen denn aus realen, sachlichen Problemen ergeben. Das anzunehmen legt auch dieses Interview nahe, in dem der amerikanische Superaufdecker Corbett, der mit täglich neuen Videos (die gar nicht immer uninteressant sind) den Verschwörungen der Welt auf der Spur ist (oder auf den Leim geht, was man nimmt, ist Geschmackssache), die so gar nicht immer Theorie sind. 

Ansonsten ist die Internetkritik dermaßen verworren und widersprüchlich, daß man sich nur wundern kann, daß sich von so viel hirnloser Meinung so viele so viel Aufklärung und Information erwarten. Entsprechend bewirkt auch dieses Interview nur Kopfschütteln. Da spricht Corbett mit Dr. Muhamad Junaid, einem Fachmann für Kaschmir, der in den USA studiert hat und lebt, über die jüngsten Entwicklungen. 

Was ist passiert? Seit vielen Jahren rumort es in Kaschmir, dieser nordwestlichen Provinz Indiens, wo eine Mehrheit von Muslimen einer Minderheit von Hindus gegenübersteht. Weil aber die Hindus das große (hinduistische) Indien hinter sich wissen, haben sie sich so manche Eskalation erlaubt, und die Muslime oft genug darauf geantwortet. Aber es waren die minoritären Hindu, die Massaker angerichtet haben, es waren Hindu, die durch Kapitalzustrom aus Indien die reale Macht der Hindu so gestärkt haben, daß sie der Bevölkerungsverteilung nicht entsprach, und oft genug einer Unterdrückung der Muslime gleichkam. 

Was sogar Pakistan (diese wegen der Religionskonflikte in ganz Indien 1956 erzwungene Ausgliederung aus Indien im Westen, im Osten entstand 1971 aus Ostpakistan bekanntlich Bangladesch) bereits zu verschiedentlichem warnen sollenden Eingreifen veranlaßt hat. Wie einem Einsatz von Kampfflugzeugen. Tatsächlich stehen und standen sich dort seit der Teilung hunderttausende Soldaten beider Länder (und Religionen) gegenüber, und ein Ausbruch der immer wieder aufflackernden kleineren Scharmützel und Feuer zu einem großen Krieg war für manche nur eine Frage der Zeit.

Bisher war Kaschmir ein Staat im Staat, mit weitgehender Autonomie. Mit der sollte das Problem der beiden unvereinbaren Religionen regional gelöst werden. Aber das schien alles andere als zu gelingen. Nun hat deshalb die Regierung in New Delhi reagiert und durchgezogen. Erst wurde die Zahl der in Kaschmir stationierten Soldaten der indischen Armee auf eine Million erhöht, dann wurden sämtliche führende Politiker inhaftiert und jetzt das Ende der Autonomie verhängt. Jeder politische Widerstand dagegen wird mit vorgehaltenem Gewehr unterdrückt. Kaschmir steht nunmehr nicht nur unter der Kuratel von New Delhi, sondern wird ab sofort in zwei Verwaltungseinheiten geteilt. Deren einer ist fortan muslimisch, deren anderer fortan hinduistisch geprägt. Durch klare Trennung der beiden Religions- und damit Volksgruppen soll der Konflikt befriedet werden. 

Narendra Modi, der Chef der Regierung Indiens, hat damit nichts anderes gemacht als das Unvereinbare wieder getrennt - zwei Religionen, zwei davon geprägte Kulturen können nur "nebeneinander" leben und existieren, wenn sie jeweils einen autonomen Lebensraum haben, der sich mit dem der anderen Gruppen nicht schneidet. Modi hat also ziemlich klug gehandelt (er wird doch nicht dieses Blog lesen? Immerhin hat es auch regelmäßig Zugriffe aus Indien) und das Unvereinbare durch den richtigen Segregationismus, der durch eine starke Exekutivmacht jeweils geschützt werden muß, von seinen Reibeflächen befreit. 

Die sich automatisch ergeben, wenn Menschen unterschiedlicher Religionen auf demselben geographischen Raum leben sollen. Denn unterschiedliche Religionen sind unvereinbar. Sie sind nur dann (und dann nur scheinbar) vereinbar, wenn allen die Religion gleichgültig ist. Wie es der Liberalismus predigt, der Fragen der Identität, der Religion in die zweite Reihe abschiebt, weil vordergründig angeblich alle Menschen nur ihr (gleiches) täglich Brot, ihr (allen gleiches) Lammschaschlik und ihr iPhone samt 87 TV-Kanälen wollen. Auf das Niveau von Schweinen herabgesunken, muß nur noch alles getan werden, um alle auf diesem Niveau der Unsittlichkeit und Niedrigkeit zu halten. Wer immer mehr sein will, wer immer auf die verrückte Idee kommt, es gehe im Leben um Sinn, Identität und einen Auftrag dem Ewigen gegenüber, ist ein Störenfried und muß eliminiert werden.

Also meint auch Dr. Junaid, daß diese Segregierung falsch sei. Sie sei Zentralismus, mit dem man ein so wunderbares Land wie Kaschmir zertrümmert habe. In dem vor fünfzig, sechzig Jahren Hindu und Muslime nicht nur friedlich miteinander gelebt hätten, sondern sich auch einer Lebensweise befleißigt hätten, die praktisch keine Unterschiede kannte. Bis die Nationalisten kamen, bei den Muslimen nicht weniger wie bei den Hinduisten, und die Fackel in den Holzstoß warfen, auf dem zuvor doch alle so satt und durcheinander geschlichtet lagen.

Religiöse Unterschiede seien erst später hineingetragen worden. Und Junaid macht die "Rechten" dafür verantwortlich. Denen der kaschmirische Liberalismus ein Dorn im Auge gewesen sei. Sowohl auf muslimischer Seite wie auf der der Hindu wäre der Einfluß (auch durch Investitionen) von nationalistischen Ideologien immer größer geworden. Plötzlich gehe es überall um Identität - das war doch vorher allen gleichgültig gewesen?

Ehe wir dieser Frage weiter nachgehen, wollen wir aber doch die realpolitischen Aspekte der Entscheidung Modis ansehen. Denn sie kann nicht ohne Pakistan gesehen werden. Das sich nicht zweimal bitten läßt, wenn es um militärischen Einsatz zugunsten der muslimischen Glaubensbrüder geht. Einen nächsten Krieg zwischen den militärisch hochgerüsteten Ländern Indien und Pakistan, beides sind vermutlich Atommächte, hat Modi nun etwas Feuerholz entzogen.

Bleibt noch die Frage, ob Modi tatsächlich zentralistisch gehandelt hat? Das können wir aus unserer Soproner Stube, die Indien nur übers Internet betrachten kann, nicht wirklich beurteilen, würden aber aus allen vorliegenden Fakten sagen: Nein. Nicht in jedem Fall ist nämlich das Einschreiten der Zentralmacht zu verurteilen. Schon gar, weil Indien eher als "Reich" gesehen werden muß, das gewaltige Widersprüche zu vereinen sucht, ohne sie auslöschen zu wollen oder zu können. Und das ist ja die Funktion eines Reiches: Ein Dach zu bilden, das mehrere oder viele lokale Entitäten zusammenfaßt, und Schiedsrichter spielt, wenn es Konflikte gibt. Der VdZ sieht Modi also genau als das, als Schiedsrichter eines Reiches, das Indien heißt.


Morgen Teil 2)




Sonntag, 15. Januar 2017

Der exemplarische Hotspot der Gegenwart (3)

Teil 3) Political Correctness als kapitalistisches Werkzeug





Aber der Impulskäufer, er ist es, den der Kapitalismus braucht. Er ist beeinflußbar, ist nicht mehr der Herr seiner Vernunft, sondern ständig von Kaufanreizen ansprechbar und motivierbar. Der, der seine Triebe nicht beherrschte, sondern deren Diener ist, der ist es, der zum pefekten Konsumsklaven wird. Er ist es, den damit der Kapitalismus - in seiner brachialen Umarmung mit dem Staat - und den vor allem die unfruchtbare, wunderbare, ja magische Vermehrung des Kapitals durch Zinsen dringend braucht. Gleichzeitig muß dieser Mensch in niedrigen Löhnen gehalten werden, und schon haben die die direkte Linie zu Emanzipation und Feminismus, zu Anti-Autoritarismus und Anti-Identität, damit brauchen wir Verhütung und Abtreibung. Denn alle Formen gewachsener Kultur und darin verfleischlichter Moral widerstreben dieser neuen "Kultur" (als Anti-Kultur), sie müssen deshalb beseitigt werden. An allen diesen Pfeilern eines Kultur wird in Indien schon lange Zeit gesägt, nunmehr aber geschieht es mit Zustimmung der offiziellen indischen Politik, nunmehr geschieht es in Rekordtempo und Totalausmaß.

Diesen Menschen heranzuziehen, unternimmt also derzeit in Indien die Weltgesellschaft des sogenannten "freien Weltwirtschaft", die immer mehr Märkte braucht, weil der von Krediten völlig überschwemmte, eigentlich zahlungsunfähige Westen nur einen Weg aus seiner Schuldenwirtschaft beschreiten kann, und der ist der der Expansion, der Zukunftsphantasie, der neuen Märkte, der Erweiterung. 

Und Indien, also ein Sechstel der Weltbevölkerung, hat enormen Bedarf, gemessen an westlichen Konsumstandards. Und es hat den Willen, diesen Standard zu erreichen. Indien bekommt dazu großzügig Kredite zum Ausbau der Infrastruktur von der Weltbank, die zufällig als Bedingungen zu diesen Krediten, die Indien "endlich" zu einer modernen, reichen Gesellschaft machen sollen, klare Auflagen tragen, die direkt die Auflösung traditioneller Werte zum Ziel haben. Das geht bis zur Auflösung der Ehe, dem Feminismus, Toleranz und "Anti-Diskriminerung" ... dem ganzen Katalog eben, den wir bereits völlig besoffene und geisteskranke Europäer sogar als "christlich abendländische Werte" durch die Welt bellen.

Diese Veränderungen haben heute Indien vielen Berichten nach wie ein Tsunami erfaßt und unter Wasser gesetzt. Und während ein großer Teil der Inder sich diesen Überschwemmungsfluten ausliefert, regt sich bei einem noch kleineren Teil massiver Widerstand. Der zu einem noch kleinerern Teil begreift, was da passiert, während viele (und vor allem die religiöseren Bevölkerungsteile, allen voran natürlich die Priester und Geistlichen) einfach spüren, daß sich hier eine wahre Katastrophe für Indien abspielt, und wohin das führen wird.

Die Folgen sind irrationale allgemeine Aggression

Und sie sind es, die darauf mit Aggression reagieren. Eine Aggression, die sich zum einen gegen den Westen generell richtet, die sich zum anderen aber auch einen Feind gefunden hat, der von den nun hereinbrechenden Fluten als ihr eigentlicher Herr verkündet wird - die Christen, die in Indien noch dazu eine kleine Minderheit von kaum 2 % der Bevölkerung ausmachen. Ja, Amerika tritt sogar schamlos genug damit auf, das Christentum selbst zu sein und zu verbreiten. Christentum und westlicher Raubtierkapitalismus sind deshalb für Inder (und beileibe nicht nur für sie, die islamische Welt ist vom selben Problem gekennzeichnet) ein und dasselbe.

Dieser Kampf, dieser innere Kampf tobt derzeit in Indien, das anders als China kein totalitäres, zentralistisches Politsystem hat, das durch Zwang gewisse Werte-Ordnungen noch aufrechthalten könnte. In dem sich die menschliche Substanz der Inder, die in tausenden von Jahren gewachsen ist, wie mangelhaft immer man sie finden möge, und die 1,3 Milliarden Indern bisher Identität und Lebensgrundlage geboten hat, gegen hereinbrechende äußere Mächte zur Wehr setzt, die im Namen höheren Konsums und scheinbar größerer Lebenswohlfahrt alle ausradieren, was eine Gesellschaft und Kultur noch zu halten vermag. Um in einer Gesellschaft von Sklaven zu enden, die im Hamsterrad von Konsum und schlecht bezahlter Sklavenarbeit ein geistloses Leben fristen. Genau das, was Gandhi auf jeden Fall verhindern wollte, ja, der den Befreiungskampf seines Landes auf dem aufgebaut hat - Identität, Eigenkultur, traditionelle Wertesysteeme, Inlandswirtschaft und Protektionismus wo nötig, und natürlich: Religion - das nun kapitalistische Schrankenlosigkeit binnen weniger Jahre völlig wegzureißen droht. Und sich dazu im Christentum ein taugliches Ersatzopfer findet, wo man den Sack schlägt, aber den Esel meint.

Wohin das führen wird ist derzeit noch nicht abschätzbar. Aber daß es sich um einen Kampf auf Leben und Tod handelt, davon kann man ausgehen, und er wird seine volle Gestalt erst zeigen. Noch hat er noch kaum einmal begonnen. Aber er hat schon mengenmäßig die Kraft, die ganze Welt zu erschüttern.

Das wird schon deshalb spannend, weil die Inder aus ihren eigenen Denktraditionen, aus ihrer eigenen mentalen Verfaßtheit, aus ihrer genuinen (und über Generationen nachwirkenden) religiösen Verankerung und Identität heraus nicht in der Lage sein werden, dem Wüten westlicher Kapitallogik zu widerstehen. Sodaß sie in etwas hineingezogen werden, von dem ihnen nur noch ihr Gefühl sagen kann, daß es ihren eigenen Intentionen widerspricht, ohne die genauen Ursachen identifizieren zu können. Es wird sehr wahrscheinlich einfach eine kranke Schildkröte irgendwo dazwischen sein, die das Böse ausmacht. Deshalb ist hier blinde Gewalt sehr sicher zu erwarten.






*Daß die Kirche unter Verrat an allem, was sie weiß und denkt, diese Agenden offiziell unterstützt ist jenes Verbrechen, das ihr ein Blutgericht bereiten wird, auch wenn sie es noch nicht weiß. Und es ist nicht das Blutgericht des Martyriums, sondern das der Nemesis des Verbrechens. Sie identifiziert Katholizismus damit mit der satanischen Nichtung, und die wendet sich immer gegen den Täter, weil sie ihn mitreißt. Ein Fehler, der sich übrigens auf die folgenreiche und schwer irrtümliche Selbstidentifikation mit dem "freien Westen" (identisch mit den USA als politischer Einheit) zur Zeit des Kalten Krieges zurückführt, schon katastrophale Folgen gebracht hat (siehe Medjugorje, oder die Bankenskandale des Vatikan als Verwicklungen in Geldwäsche durch politisch motivierte Geldtransfers in den kommunistischen Osten), und nun seine Vollgestalt anzunehmen begonnen hat. Nur werden diese Last nicht jene zu tragen haben, die den Verrat geübt haben - die wechseln schon heute elegant die Seiten, je nach Erfordernis - sondern jene, die ohnehin immer dagegen waren. Die Katholiken eben.

²





*121216*

Samstag, 14. Januar 2017

Der exemplarische Hotspot der Gegenwart (2)

Teil 2) Ein neuer Mensch soll geschaffen werden




Also brechen auch die Verhaltensweisen von Mann und Frau zusammen, während sie kaum Anhaltspunkte haben, nach denen sie sich fortan gestalten sollten. Aber damit ist die Rape-Crisis noch nicht hinlänglich erklärt, jenes Phänomen, daß Vergewaltigung und Gewalt an Frauen zu einem so weit verbreiteten Problem in Indien (Parallelen zu anderen Kulturkreisen sind keinesweges zufällig und sehr analog zu sehen) geworden ist.

Denn der liberalistische Kapitalismus braucht einen neuen Menschen. Er braucht einen Menschen, der in keinem Fall mehr durch herkömmliche Lebensweisen und Traditionen und Konventionen gehalten ist. Er braucht einen Menschen, der in Vereinzelung und Subjektivismus sein Heil sieht.  Der diesen "Individualismus" dann zur Freiheit erklärt. Der Kapitalismus hat also einen unerläßlichen Türöffner in die Lebensweise der Menschen, und das nennt sich "Befreiung".  Er befreit buchstäblich VON ALLEM, und löst dazu alle identitären Einheiten auf. Die UNO hat ja tatsächlich diesen "multi-kulturellen, multiethnischen" Menschen auf ihre Fahnen geschrieben, dessen Hautfarbe "mischbraun" sie sogar definiert hat.*

Und setzt dabei zuerst bei der Befreiung der Sexualität an, deren Bedeutung als primären Lebensvollzug des Menschen er sehr gut kennt und benutzt. Er löst sie aus allem kulturellen Umfeld, und stellt die Sexualität als reine Begierde, als Lust auf je nur individuelle Füße des individuellen Begehrens im Hier und Jetzt.

Jetzt sind wir erst so weit, die Rape Crisis zu verstehen. Denn daraus wird erkennbar, daß  die Inder zum einen von allem "befreit" werden, was das Zueinander von Mann und Frau (auf dem alle weitere Lebensführung, auf dem jede Gesellschaft, jeder Staat aufbaut - auf der Ehe nämlich) in Formen hielt, buchstäblich, und zum anderen wird er auf sein nun je aufsteigendes augenblickliches Wollen und den Moment zurückgeworfen. (Kommt dem Leser nicht genau das als heute allgemein als Lebensphilosophie und gar Weisheit zum Glück verbreitete Haltung bekannt vor? Oder begreift er noch immer nicht, in welchem Irrsinn, in welchem Mißbrauch, in welcher Unfreiheit und Instrumentalisierung wir stecken?)

Daß dieses in Sexualität mündet, dafür sorgt die westliche Lebensweise, die von der sexbetonten Werbung bis zur Mode - vom Minirock bis zur luftig-transparenten Busenbluse, die gerne mal ein wenig Nippel sichtbar macht - die Inder nunmehr mit einer Fülle von sexuellen Anreizen förmlich überschwemmt. Bedenkt man dazu noch die traditionelle Rolle des Films in Indien (Indien hat die größte Filmindustrie der Welt!), samt den Trägermedien wie Fernsehen und Internet mit seiner Pornographielawine, so hat man die Ingredienzien für eine entschränkte Gesellschaft in Händen, die nun frei genug ist, um zum bloßen Impulskäufer, zum Konsumenten abgestuft zu werden. 

Dem sofort eine ausgefeilte Kredittechnik folgt, die diese Impulskonsumation ermöglicht. Auch in den USA ist ja die Kreditkarte in dem Moment auf den Markt gekommen, in dem die "sexual liberation" Mitte der 1960er, getragen von Hollywood (das zu diesem Zeitpunkt erstmals den strengen Sittencodex der 1930er Jahre, dem Beginn der Filmindustrie, durchbrach, in dem die katholische Kirche sich das letzte mal gesellschaftspolitisch relevant durchsetzen konnte) zum gesellschaftspolitischen Ziel wurde. Die selbe Zeit, die der VdZ selbst als jene zeit erlebt, wo man erstmals "Schulden" als "normal" zu sehen begann, während sie zuvor noch schwerer Makel waren. Na und was für ein Zufall - zufällig werden derzeit in Indien die Geldscheine abgeschafft ... muß sich jeder Inder ein Bankkonto einrichten.

Genau so begann es im Österreich der Jugend des VdZ, den späten 1970er Jahren. Genau so begann die Schuldenwirtschaft, die in den 1980ern aufblühte - plötzklich richteten alle ein Konto ein. Zuvor gab es Lohnsackerl ("-tüten") und der Briefträger brachrte die Rende, Schulden hatte niemand, ja si ewaren ein schwerer Makel, man tuschelte hinter vorgehaltener Hand. Nach 1990 - jeder. Was war passiert? Ab den 1970ern war die sexuelle Befreiung übers Land gerollt. Gewiß, alles Zufall ...²Der VdZ hat es schon oft genug hier dargelegt: Das gesamte Wirtschaftswachstum seither ist eine einzige Illusion. Es ist niemals bezahlt worden, es war reine Schuldenblase. Und natürlich eine andere Berechnungsbasis für die Steuern, die jenen verbrecherischen Linksdrall bezahlt haben, den das Volk mit völligem Verlust der Freiheit bezahlt. Wie immer: Das Schlechte, Programm eirne Minderheit, immer, geschieht durch Zulassung, ja Förderung der säumigen "Guten".


Morgen Teil 3) Political Correctness als kapitalistisches Werkzeug





*121216*

Freitag, 13. Januar 2017

Der exemplarische Hotspot der Gegenwart (1)

Einer der Brennpunkte des derzeitigen Weltgeschehens ist bei uns kaum bekannt und gekannt. Dabei geht es um ein Sechstel der Weltbevölkerung, das derzeit in einem Redkordtempo radikalsten Veränderungen ausgesetzt wird, deren Ausgang man mit gewissem Zittern erwarten muß. Die Rede ist von Indien. Die Berichte, die der VdZ vorliegen hat, mehren sich, die von schwerwiegendsten kulturellen, gesellschaftlichen Spannungen berichten, und die auch in unseren Medien auftauchenden Meldungen über eine neu aufflammende Christenverfolgung oder das Wort von der sogenannten "Rape Crisis", die Vergewaltigung als immer weiter verbreitetes Phänomen bezeichnet, sind dazu beredtes Symptom. Alle diese Dinge hängen eng zusammen.

Denn in Indien vollzieht sich derzeit ein Umbau in eine westlich-kapitalistische Gesellschaft, der aber dort auf Voraussetzungen trifft, die diesem Ziel radikal entgegenstehen. Anders als Europa oder Amerika, ist Indien ein uraltes Kulturland, das vom hinduistischen Glauben geprägt ist. Unter dem man sich keineswegs ein geschlossenes Religionssystem vorstellen kann, wie dessen Titulierung als "Weltreligion" vorgaukelt. Hinduismus heißt nichts anderes als "Menschen, die in Indien leben". Und dort gibt es Tausende, ja Millionen Religionssysteme, ja man könnte fast sagen: so viele Systeme, wie es Inder, oder Dörfer, oder Ansiedlungen, oder Familien gibt. Der Begriff Hinduismus ist nur der Versuch, gewisse Gemeinsamkeiten dieser zahllosen Religionen zu bezeichnen. 

Einer dieser Wesenszüge ist, daß diese Systeme NICHT - wie das Christentum - auf logos beruhen. Das heißt nicht den Anspruch auf logische Geschlossenheit haben, wo wie im Westen mit Sicherheit gesagt werden kann, daß was unlogisch ist auch nicht wahr sein kann. (Eine Wahrheit, die leider auch den meisten Christen unbekannt, ja selber fremd sein dürfte.) Vielmehr beruht der indische Religionspool auf mythischen Erzählungen. Da steht der Elefant, der die Welt trägt, auf einer Schildkröte, und diese wieder auf einer Schildkröte, und diese wieder ... Nur wenn man die originalen Texte der Vedas kennt, sieht man deren Ausrichtung auf jenen logos (ohne ihn freilich ganz zu zeigen, denn dazu fehlt den Veden die Offenbarung Gottes selbst, man kann das ganz deutlich darin erkennen), der sich im Christentum als widerspruchsfreier, nahtloser Ineinandergang von göttlicher Wahrheit und Weltlogik präsentiert.

Die fundamentale Grundschwäche Indiens

Ja, der Katholizismus lehnt "Fideismus" - also eine "Wahrheit", die einfach zu glauben ist, auch wenn sie nicht logisch begründbar wäre oder sich zumindest widerspruchsfrei zur Logik verhält, damit aber diese noch weiter erhellt, niemals aber verdunkelt (etwa im Glaubenssatz der Dreifaltigkeit, die man erst glauben muß, um dann ihre Logik als Analogie-Schema aller Dinge mitten in der Welt zu sehen, also diese sogar noch zu erweitern) - strikt ab. 

Und eines dieser logischen Prinzipien, die auch die Wissenschaft wesentlich begründen, ist der Satz von Ursache und Wirkung: Keine Wirkung ohne Ursache. Beide stehen in unlösbarem - logischem - Zusammenhang. Das begründet ja überhaupt erst Logik.  Das aber kennt der Hinduismus nicht. Oder vielleicht muß man sogar sagen: Schon sehr lange nicht mehr. Deshalb bezeichnen manche die indische Gesellschaft und Kultur als buchstäblich die älteste Kultur der Gegenwart, weil sie sich seit 3.000 Jahren nicht mehr entwickelt hat. Viele Inder leben heute noch so, wie sie vor 3.000 Jahren gelebt haben, und zwar in jeder Hinsicht. Ohne Logik gibt es keine Entwicklung. Wie immer man dazu stehen mag. Indien ist (wie immer man das verstehen mag) außerordentlich "rückständig". Und das macht das Land ja so zum begehrten Objekt westlicher Kapitalinteressen.

Das führt zum zweiten Standbein der indischen Gesellschaft(en), dem der Tradition. Denn wenn es keine Logik gibt, also keine Vernunft, die jedem Menschen letztlich die Selbstmächtigkeit weil Freiheit gibt, bleibt nur (oder: immer) noch die überlieferte Lebensart und Wertelandschaft, die eine Kultur aufrechthalten kann. Nichts sonst würde den Menschen Identität geben und damit sagen, wie sie sich verhalten sollen, wie sie leben, wie sie sich entwickeln sollen, und wohin. 

Damit wird bereits ruchbar, worin dieser neue Konflikt besteht, der sich derzeit zwischen Ganges und Brahmaputra abspielt. Denn mit dem westlichen Lebensentwurf, den der Kapitalismus untrennbar mit sich trägt, prallt eine völlig andere Lebensweise auf die Fundamente der indischen Gesellschaft. Das betrifft jeden Einzelnen, der nun keine Urteilshilfe mehr hat - außer subjektivem, fast zufälligem Gefühl oder Wollen, das sich nun an ganz neuen Werten orientiert: An der Güterfülle, am Konsum, am Wohlgefühl.

Morgen Teil 2) Ein neuer Mensch soll geschaffen werden





*081216*

Montag, 20. Juni 2016

Und sind nicht unsere Brüder (2)

Teil 2) Deshalb sind alle Christen, aber nicht Muslime unsere Brüder




DESHALB ist des Christenpflicht IM NAMEN GOTTES und seines Planes in erster Linie auf die Getauften erstreckt. Deshalb hat der Christ vor allem einmal die Pflicht und ehrenvolle Aufgabe, sich in allererster Linie einmal um seine Mitbrüder zu kümmern. Wenn die in Not sind, verfolgt werden, Hilfe brauchen.

Aus nichts, buchstäblich: aus NICHTS läßt sich ableiten, daß Nicht-Getauften in einem anderen als übertragenen Sinn "Brüder" der Christen wären. Was sich gerade noch auf die obgenannten Sonderfälle beziehen kann, kann sich niemals - zumindest nicht prinzipiell - auf Angehörige von Religionen beziehen, die sich bewußt der Taufe widersetzen. Im strengen Sinn sind sie nicht "unsere Brüder". Ihnen fehlt die entscheidende Anhänglichkeit an den personalen Gott. Etwas anderes anzunehmen wäre wiederum - Vermessenheit. 

Es gibt also auch keine "graduelle Angehörigkeit" zur Kirche, es gibt keinen graduellen Heilszustand, dem die Christen vielleicht mehr (Todsünder wieder gar nicht), Muslime oder Hinduisten oder Shintoisten oder ... so irgendwie aber halt niedergradiger angehören. Das gibt es nicht. Das kann es auch nicht geben. Und das hat die Kirche auch immer glatt zurückgewiesen. Von Anbeginn an. Es geht um die Taufe. Sakrament, Kirche ist bunkerlfest real, kein verschwurbeltes Irgendwie irgendwelcher Bewußtseinshaltungen oder auch nicht.

Und DESHALB kann die Kirche auch niemals davon sprechen, daß Zugehörige zu den sogenannten Religionen (im übrigen: ein höchst schwammiger Begriff, weil es keine "Weltreligion" gibt, sieht man von der Kirche und weitgehend vom Judentum ab, die ein einheitliches, eindeutiges Lehrgebäude hätte, was auch gar nicht anders sein kann, weil ihr das Personalprinzip des Heiles fehlt; als Imitat haben das lustigerweise sogar noch eher sogenannte Sekten oder sogenannte "absolute Gottesstaaten/Theokratien" mit Herrscher=Gott nachgebildet, ohne daß es freilich heilswirksam würde, was Sekten besonders tragisch macht, weil sie genau mit dem was sie tun das, was sie anstreben, vollständig verfehlen) ... daß also Zugehörige zu den sogenannten Religionen auch "Brüder" im eigentlichen Sinne seien, die den Getauften gar gleichstünden.

Sie werden nicht der Neuen Schöpfung angehören. Und wir haben daran auch keine Schuld, wenn wir sie an dieser Zugehörigkeit zur Kirche nicht gerade gehindert oder irgendwie verunmöglicht haben. Sie haben es selbst gewählt, und zwar deshalb, und zwar genau deshalb, weil zu jedem Bekenntnis zu einer der sogenannten "Weltreligionen" auch eine immer persönliche Bereitschaft steht, den inneren Sinn für Wahrheit ... zu beschädigen, einzuschränken, zu unterdrücken. Das kann der Mensch, dazu ist er ja frei, und er ist nur Mensch, WENN er diese Freiheit gebraucht. Kein Heil handelt GEGEN die Freiheit, das wäre ein Widerspruch in sich.

Das wiederum ergibt sich aus der Anthropologie, auf der die gesamte Kirche ja aufbaut, und in der Offenbarung wie Philosophie sich wie engumschlungene Liebende verhalten, die ein notwendig zu denkendes Fazit ergeben: Daß prinzipiell JEDEM Menschen als Abbild Gottes auch die Erkenntnis zumindest EINES EINEN Gottes möglich ist, ohne noch von einer Ausfaltung aller Implikationen und Explikationen (also: Lehren, Aussagen über Wesen und Sinn von Welt, Gott und Gnade und Osterkerzen ;-) erkennbar sind. Diese uralte Auffassung und Logik hat auch das 2. Vatikanische Konzil bestätigt, sie ist in keinem Sinn überholt.*


Auch wenn wir Menschen niemals in jedes Menschenherz sehen können, können wir genauso wenig sagen, daß Ungetaufte diese Begierde- oder irgendwelcher Heilszugehörigkeit haben. Weil wir sonst ja zumindest die reale Erlösung in Jesus Christus zum bloßen Freizeit vergnügen Gottes erklären würden, wo Gott sich selbst opferte, das gar nicht notwendig gewesen wäre. Vielmehr müssen wir also daran festhalten, selbst wenn wir es zu wenig verstehen (und wir verstehen immer zu wenig, wir sind eben nur Menschen, nicht Gott, diesem ja nur ähnlich, aber auf anderer, nicht-absoluter Ebene), daß das NICHT der Fall ist, und es gibt auch keinen Hinweis darauf, daß wir anderes annehmen sollten. 

Der Auftrag Christ war klar und eindeutig: Gehet hin und taufet - taufet! nicht: erzählt ihnen ein bisserl, diskutiert mit ihnen, seid nett zu ihnen, etc. - die Völker im (in den) Namen des Vaters + des Sohnes + des Heiligen Geistes. Schon gar gilt das, wenn die Religion, zu der sie sich bekennen, das Christentum definitiv ablehnt. Ja, die Konversion dazu mit der Todesstrafe belegt, wie das beim Islam formal wie praktisch der Fall ist. Sie alle bleiben bestenfalls in dem, was man an ihren Religionen "gutheißen" kann, "Rampen" zum eigentlichen und entscheidenden Schritt. Aber dieser fehlt ihnen. Er fehlt ihnen allen. 

Sie bleiben im Range einer guten weltlichen Poesie und Kunst. Auch diese stellen eine Rampe dar, die aber real noch innerweltlich endet.** Sie alle SIND NICHT in der neuen Schöpfung enthalten, sie sind nicht deren Teil. Was vielleicht klarer macht, warum Missionierung kein Auftrag für Freizeithelden ist, wenn einem einmal langweilig ist und Fernseher oder YouTube auch nix bringt, sondern für jeden Christen tatsächlich ein dringender Auftrag ist und sein muß. Den er (wörtlich) um Gottes Willen in aller Klugheit und Gemessenheit erfüllen soll, nein, muß. Um Gottes Willen zu erfüllen, den er in der Schöpfung zu Gestalt und Ausdruck brachte. Wenn wir von gewissen Menschenrechten sprechen dann nur in disen Zusammenhängen - Ungetauften gegenüber sind sie schon deshalb eine Ehrung Gottes, weil der Mensch solange er auf Erden wandelt lin seiner Würde eben auch das "ist", was er "noch nicht ist", aber was er eben sein könnte, wenn ... er sich taufen lassen wollte oder getauft würde. Nur in dieser gewisermaßen "allgemeinen" Zugehörigkeit zur Universalie "Menschheit" sind wir mit ihnen "eins". Aber diese ist mangelhaft, und zwar sehr grundsätzlich, weil sich Gottes Wille mit der Schöpfung erst ... in der Taufe weil in der Kirche als Neuer Schöpfung endgültig (und quasi im zweiten Anlauf) erfüllt.

Der Leser möge sich aus dem Gesagten nunmehr selbst sein Urteil dazu bilden, was so mancher hohe und höchste Verantwortliche und Leiter der katholischen Kirche in jüngster (oder fernerer) Zeit verbal von sich gegeben hat.




*Das war der Inhalt der in der Kirche (aus dem Gesagten geht ja auch hervor, warum man sehr wohl einfach von "Kirche" sprechen kann die in ihrer Vollgestalt immer KATHOLISCH ist, und nur gewisermaßen sündenfreie Katholiken haben vor allfälliger Läuterung im Fegefeuer etc. auch wirklich voll ausgestaltete Zugehörigkeit zu ihr) seit den großen Liturgiereformen 1970 währenden Diskussion um die Wandlungsworte "pro multis". So sind sie uns überliefert, und daran darf nichts geändert werden. Dennoch sind sie in der Übersetzung in Landessprachen vielfach in "für alle" umgeändert worden. 

Mit dem Hinweis, daß prinzipiell ja Jesus Christus "für alle" Menschen gestorben WÄRE. Aber das ist gefährlich und irreführend, weil es fast notwendig zu der Annahme führen muß, daß nicht nur die Kirche, sondern überhaupt alles nicht notwendig wäre, um in den Himmel zu kommen, weil es sowieso passiert. Und es gibt in dieser Hinsicht auch wirkliche Fehlentwicklungen in der Theologie, bei denen sich leider auch ein Theologe vom Format eines Karl Rahner nicht gerade mit Ruhm bekleckert hat, der wie viele andere gerade heute den entscheidenden Punkt (aus dem Schlüsselbegriff  "Stellvertretung" heraus, Karl Menke zeigt das recht gut) nicht mehr findet. Es kann deshalb gar nicth verwundern, wenn sich unter Priestern, die bereits nur noch in dieser erneuerten (neuen?) Liturgie seit 1970 ordinieren, hier tatsächlich erhöhte Neigung zu einer theologischen Unexaktheit und Begriffsverwirrung zeigen. Lex orandi - lex credendi! Man glaubt, was man betet. Übrigens gehört auch der jetzige Papst zu dieser Gruppe, und prompt ...

Ja, er WÄRE, prinzipiell, potentiell, aber er IST es nur für jene, die ihm in der Taufe, im damit verbundenen weil geschenkten Glauben an ihn angehören gestorben und auferstanden. Erlösung, die Hereinnahme in die neue Schöpfung ist kein Automatismus, der alle Menschen gleichermaßen betrifft. Er ist ein konkretes, abgegrenztes wie abgrenzbares reales Geschehen, zu dem ich mich verhalten muß, denn dort liegt der Schlüssel zum Heil, weil erst in der Freiheit ist der Mensch real Mensch. Wenn man das nicht sehen will oder kann, wird das Christentum zu einer bloßen und relativen Religionsveranstaltung wie überall sonst. Papst em. Benedict XVI. hat es dann endlich (zurück)geändert und verbindlich vorgeschrieben: Es muß auch in der deutschen Übersetzung FÜR VIELE heißen.

**Literaturtip dazu: Abbé Bremonds Buch über Poesie





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Sonntag, 19. Juni 2016

Und sind nicht unsere Brüder (1)

Was aber nun bedeutet die Taufe? Sie ist nämlich weit mehr als ein pur individuelles Geschehen, und schon gar mehr als ein bloßes Zeichen, so wie man bei jeder Vereinigung Initiationsriten hinter sich bringen muß, um so einen Marker ins Bewußtsein aller - "Zeit" schaffend - zu setzen. Es ist ein realer, also fleischlicher Akt einer Prägung, die nie mehr rückgängig zu machen ist. Sie ist die Hereinnahme in das Wesen der Übernatur. Es ist damit die Morgenröte der neuen Schöpfung, einer neuen Erde, in die hinein die alte, durch den Sündenfall getrennte, auf die Erde dadurch zurückgeworfene Menschheit gestellt wird. Die Taufe kittet diesen Bruch wieder. Damit ist jeder Getaufte wieder hineingenommen in das Wesen und Walten der göttlichen Gnadenströme und Vorsehung. Es ist göttlicher Plan, auf diese Weise die Menschheit in die Unvergänglichkeit hinüberzuretten. Erlösung ist also ein ganz reales Geschehen, kein rein rationaler, menschlich-"geistiger" Akt, und auch nicht einfach eine Sache des irdischen Willens und Wollens. 

Damit wird jeder Getaufte zum "Christen". Er ist unabtrennbarer Teil eines Ganzen, dessen gesamte Ökonomie fürderhin MIT diesem einen, Neugetauften funktioniert und auf diesen abgestimmt ist. Damit ist nicht nur jeder Christ in einer Sonderstellung, sondern er ist sogar zu dem berufen, was der + Papst Johannes Paul II. als "Königswürde" bezeichnet. Und damit auf eine prinzipiell, ewige Bedeutung des Königtums verweist. Denn als König ist er mit dem ihm anvermählten Volk, Familie, Werk, was auch immer, in eine Gnadenhierarchie gestellt. Deren Kitt der Gehorsam ist, deren Insgesamt ein "Neues Jerusalem" genanntes Weltganzes ist. Das ist die ecclesia, die deshalb Heilige Kirche. Mutter und Nährquelle aller Getauften. Die zueinander dann wirklich in brüderschaftlichem Verhältnis stehen, weil sie alle einen Vater haben. Weil sie alle zum König aller Könige gehören, dem Urbild, dem alle Menschen als Abbild folgen, um zu ihrer größten Größe, der Heiligkeit, dem Höhepunkt allen Lebens, dem Sinn ihres Daseins zu finden.

Daraus, weil nur Getaufte bereits auf Erden zumindest potentiell die Kirche, das Neue Jerusalem, die vollkommene Neue Schöpfung repräsentieren, nein, mehr noch: gegenwärtig stellen, das Ewige in die vergängliche Zeit stellen, kraft der Sakramentalität, ergibt sich auch für die Gemeinschaft der Getauften eine völlig andere irdische Schicksalsgestaltung als für Nicht-Getaufte. In ihnen pulst eine Einheitlichkeit, eine Organizität, ein Auftrag in der Welt, eine Gestalt, ein ganz reales "einer für alle - alle für einen" (als wären alle auch ein Leib, wo im Finger auch der Kopf oder die Leber erkennbar ist, wenn sich beide auch elementar unterscheiden), die im Verhältnis den anderen, den Nicht-Getauften einfach fehlt. Deshalb ist das, was den Gliedern getan ist, immer auch dem Ganzen und zuallererst Jesus Christus, dem alles durchformenden Haupt und Lebensprinzip getan. Diesem Leib sind sogar Verheißungen zugesprochen, die nur ihm gelten, weil in der Kirche auch Christus selbst berührt wird, der mit der Kirche vermählt ist wie der Hans seiner Monika in der Ehe.*

In diese Kategorie fallen dann höchstens und irgendwie noch jene, die zwar nie zu einer real geschehenen Taufe kommen, aber in aller Wahrhaftigkeit und Selbstprüfung an die Schwelle gelangen, die dem irdischen Vollkommenheits- und Wahrheitsstreben im allerbesten Fall möglich sind, die nur noch eine Sehnsucht haben weil das Dahinter hinter dieser Schwelle ahnen: Dem vorerst nur erahnten, in diesem Ahnen aber fast schon "gewußten", fast schon gekannten Gott anzugehören, aber nie die Kirche in einem Getauften kennenlernten, die das reale, sichere Mittel zur Erfüllung ihrer Sehnsucht bereithält - die Taufe. (Die ja im eigentlichen Sinn jeder Getaufte - jeder Getaufte ist kraft der Zubehörigkeit zur Kirche ja Stellvertreter, einer für alle, alle für einen sozusagen, aber real, nicht nur in einem irdischen Versprechen, spenden kann.) Die also kraft "Begierdetaufe" (und in einer noch zugespitzeren Form, weil sie sich für diesen Gott der Wahrheit sogar Leiden zufügen ließen, ohne vom Zeugnis für ihn abzulassen: "Bluttaufe") in diese Kirche hineinwesen. Weil diesem Wahrheitsstreben, dieser Wahrheitssehnsucht aber niemals eine Ablehnung der real auf Erden präsenten Gnadenmittel entsprechen kann, gehört die unwissentliche, unfreiwillige Unkenntnis der Kirche dazu. Wer die Kirche freilich ablehnt, bezeugt, daß sein Wahrheitsstreben dieser Zugehörigkeit zur Ecclesia, zur Kirche, zur neuen Schöpfung, entscheidend defekt ist.

Alle übrigen werden nicht in diese neue Schöpfung aufgenommen, sie kommen darin nicht vor. Das muß die Kirche annehmen, denn nichts anderes ist ihr gesagt. auf einen anderen Weg zu spekulieren ist nicht einfach "fromm", sondern es ist vermessen. Es steht uns Menschen nicht zu, auch wenn wir nichts ausschließen können, weil Gott eben unergründlich für uns ist.

DARAUS ergibt sich eine real vorhandene Zusammengehörigkeit aller Getauften. In abgestufterer Form vielleicht noch, weil es Häretiker gibt, Abweichler, aussuchende, die die Fülle der jesuanischen Gnadenrealität beschränken, hier oder dort ablehnen, also noch nicht und prinzipiell nicht ihr Leben in Christus entfaltet haben und entfalten können. Darunter fallen alle Protestanten und protestantischen Teilkirchen, darunter fallen derzeit zumindest noch die orthodoxen Kirchen, auch wenn hier die Unterschiede oft nicht so schwer zu überwinden wären. Aber die Zugehörigkeit zur Kirche ist nicht eine Frage einer Bejahung von Lehren oder Weisheiten, sie ist eine Frage, die an einer Person hängt - Jesus Christus, und darum auch im Irdischen personal bedingt ist. Nur über personale Bindung - und die ist im Gehorsam konstituiert, erst in diesem ist der göttliche Gnadenstrom sozusagen "zum Fließen gebracht" - kann an der Kirche teilgehabt werden. Und nur über personale Bindung - Jesus Christus - ist diese irdische Versammlung in das göttliche Leben und Wesen und seiner ehelichen Stellung zur Schöpfung hineingenommen.



Morgen Teil 2) Deshalb sind alle Christen, aber nicht Muslime unsere Brüder



*Wenn also der Papst, den der VdZ hier so saftig mit Kritik zubuttert, einen riesen Scheißdreck erzählt und die Kirche bis auf die Knochen blamiert und jeden Katholiken zum Trottel macht, dann ist das zwar ein einziger Wahnsinn, aber: der VdZ und jeder Gefaufte wie er können sich davon niemals freimachen, sondern IHREM eigenen Körper hat diese Argentinier eine Wunde zugefügt, die nicht von IHNEN zu trennen ist, die ihnen selbst also anhaftet. Wenn der Fuß weh tut, leidet der ganze Leib. Sodaß die einzige Haltung dazu die der ... Sühne, des Ausleidens ist.  

Neben der Bemühungen, die auch der menschlich-leibliche Organismus ja zeigt, indem er durch Gegenwehr und Isolierung der Viren verhindern möchte, daß sich diese Entzündung ausbreitet und den ganzen Lungenflügel oder gar den ganzen Körper erfaßt, wobei er sich auf das Lebensprinzip - Jesus Christus - in Gestaltreform beziehen kann, ja muß. Auch ein kranker Körper wird nur so gesund. Die Leber kann nicht gesunden, wenn sie aus dem Körper springt und sagt: so, ich als Leber führe nun im Interesse meines Selbsterhalts ein Leben außerhalb. Sie kann nur gesunden, wenn sie einen Angriff eines Infekts rekognisziert, indem sie IN dem Körper allen Schwierigkeiten zum Trotz, aber auch mit Hilfen anderer Organe, und nicht zuletzt: der im Leben nicht endenden Reformkraft des Ganzen (erst am Ende der Reformkraft stirbt ein Organismus), um ihr Selbstsein, ihre Gesundheit, und das heißt: im Rahmen ihrer Funktion FÜR DEN ORGANISMUS - ALS Leber - kämpft und lebt. Sie hat dazu sogar ein gewisses Eigenportefeuille. Kirche heißt aber, daß dieser Organismus der Getauften, die Kirche, NIE ganz stirbt. Sein Lebensprinzip ist Gott selbst, sie wird immer irgendwie, und sei es im letzten Blutschläuchelchen, an dieser Ewigkeit teilhaben.

Einen Nicht-Getauften berührt so ein Virus zwar auch, als irdisches "Menschheitsglied", aber völlig anders und niedrigstufiger. Die Hongkong-Grippe erfaßte 1919 die ganze Welt, die ganze Menschheit als Menschheit. Aber für jeden Getauften und darin Gläubigen war sie von völlig anderer Qualität. Ihr Problem lag NICHT zuerst oder allein in der Bewältigung der Grippe. Die Schöpfung ist, um es überhaupt auf die Spitze zu treiben, letztlich AUF DIE GETAUFTEN ALLEINE ausgerichtet. Nur in ihnen, nur in der Kriche liegt die Hoffnung der Welt, in die Ordnung Gottes, in die ewige Neue Schöpfung hineingenommen zu werden.




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Sonntag, 11. Januar 2015

Die Reaktion der Schwäche und Unterlegenheit

Am Schluß einer seiner Abhandlungen über den Inklusivismus im Hinduismus bzw. den indischen Religionen stellt Paul Hacker die Frage, ob es sich bei der von ihm erstmals so benannten Denkform nicht um eine allgemein menschliche Haltung handele. 

Auch für die nicht-indische Welt. Denn immerhin sind die Grundzüge des Inklusivismus Merkmale gewisser Konstellationen, die auf Indien nicht beschränkt werden können. 

Was meint Hacker mit diesem von ihm gefundenen Begriff? 

Im Inklusivismus erklärt jemand, daß eine zentrale Vorstellung einer fremden religiösen oder weltanschaulichen Gruppe identisch sei mit dieser oder jener zentralen Vorstellung von Gruppe, zu der man selber gehört. Dazu gehört, ausgesprochen oder unausgesprochen, daß das Fremde, das mit dem Eigenen als identisch erklärt wird, in irgendeiner Weise ihm untergeordnet ode runterlegen sei. Ferner wird ein Beweis dafür, daß das Fremde mit dem Eigenen identisch sei, meist nicht unternommen.

Dabei hat Hacker in seinem eine unfaßbare Breite und Tiefe indischer Schriften und Traditionen umfassenden Studium indischer Religionsentwicklung die kennzeichnende Charakteristik gefunden, daß diese Art zu denken stets die Reaktion eines schwächeren, sich unterlegen fühlenderen NEUEN gegenüber einer beherrschenden oder beherrschend vermeinten Denkrichtung oder religiösen Auffassung ist. 

Das Neue fühlt sich nunmehr (wieder) überlegen, ist dabei ohne es zu wissen fast immer begleitet von einem Unverständnis des Alten, und will für seine neue Sichtweise werben. Also integriert es alte Vorstellungen, behauptet sie seien vollinhaltlich enthalten, oder deutet diese - in einer aggressiveren Variante - schlichtweg um, interpretiert sie anders, und beläßt damit sogar alte Begriffswelten und Namen. 

Vieles, was sich im Meer indischer Schriften deshalb als so verwirrend und widersprüchlich findet, erhellt sich auf diese Weise. Mit Hinzufügungen wurde das jeweils Neue dem Alten aufgesetzt, welches man soweit noch belassen mußte, weil eine Änderung nicht akzeptiert worden wäre. Während anderes weggelassen wurde. Dafür hat man die neuen Vorstellungen oft z. B. durch Beifügung abschließender Kapitel (die sich dann zum Alten oft in unauflösbaren Widersprüchen finden) integriert, und die neue Ordnung quasi hergestellt, unter vorgeblichem Belassen, lediglich "Erweitern" des Alten.

Sehr irrtümlich wird diese Haltung oft mit "Toleranz" bezeichnet. Das ist sie aber ganz und gar nicht, und das beweist sich auch historisch. Denn über kurz oder lang kam alles dieses Neue zu einem Punkt, wo die Anhänger des Alten gezwungen werden sollten oder mußten, das Neue dadurch anzuerkennen - damit ihr Altes anerkannt bleibe - indem sie die Überlegenheit des Neuen anerkannten. Ein Vorgehen, das natürlich zur Auflösung der alten Vorstellungen führen mußte, weil sich darin jeder Religions- und Wahrheitsbegriff auflöst. 

Nachdem das Eindringen des Islam nie als Eindringen einer überlegenen Zivilisation oder Religion gesehen wurde, kam es in dieser Phase Indiens zu keinen solchen Inklusivismen. Der Unterschied war zu klar, zu unvereinbar, und die Inder fühlten sich auch nicht unterlegen, sondern lediglich bezwungen. Anders als bei der Unterwerfung des Subkontinents durch die Engländer, denen gegenüber sich die Inder hoffnungslos unterlegen empfanden - zivilisatorisch wie religiös. Deshalb kam es zur Strömungen eines Neu-Hinduismus, der sich bereits stark an westlichem Gedankengut orientierte, dieses "einzuschließen" versuchte. In welcher - sogar noch angepaßterer Form - er dann in Europa auftauchte.

Hier begann sich der Neo-Hinduismus bereits als Einheit aller Religionen aufzubauen, und deutete dazu alte metaphysisch-theologische Auffassungen um. Was das Christentum "Pelagianismus" nannte (und ablehnte), findet sich hier: Ein graduelles Hineinwachsen in die Einheit mit Gott, die in den jeweils anderen, unterlegenen Religionen aber gleichfalls, nur in je nachdem schwächerem Grad möglich ist. Um natürlich nur in der definitiven Letztreligion seine Erfüllung zu finden. Ähnlich, wie es sich auch in buddhistischen Strömungen - aus ähnlicher Situation wie der Hinduismus: unterlegen, neu, schwach - findet, wo Brahma nur eine frühere, noch unvollkommenere Inkarnation von Buddha war. (In seiner Prägnanz über die sozio-psychologischen, historischen Zusammenhänge von Hinduismus und Buddhismus ist übrigens die Geistesgeschichte Georg Misch' - eines Schülers von Dilthey - sehr zu empfehlen. Der zeigt, daß beide aus derselben psycho-sozialen Situation stammen.)

Nun könnte man die Frage stellen, ob es nicht das Christentum in seinen Anfängen in der heidnischen Welt genau so gemacht habe. Immerhin hat ja die Katholische Kirche viele heidnische Bräuche, sogar teilweise rituelle Elemente, integriert. Und war es zu Anfang historisch nicht auch in einer solche Situation - der Schwäche, der Unterlegenheit? Wer etwa die Architektur der Kirchen studiert kommt ja zu dem überraschenden Schluß, daß sie direkt an vorhandene Riten und religiöse Anschauungen der Antike, und dort des tieferen Heidentums anknüpfen, ja solche Elemente bis heute tradieren (ohne daß es noch jemand weiß). 

Der Unterschied liegt in der "Identifikation". Das Christentum hat diese Elemente nie als "identisch" gesehen (das tun erst heutige Esoteriker, auf die sich Hacker's These direkt anwenden läßt), und es hat jeder dieser Einschlüsse in Theologie und Philosophie selbst begründet sein müssen. Die vielen Ähnlichkeiten, die man durchaus bemerken könnte, sind deshalb nie mehr als solche gewesen: Analogien. So, wie die gesamte Schöpfung, jedes Seiende, eine Analogie der Dreifaltigkeit - aber nicht diese selbst! - ist.

Dieses Thema hat ja sogar zum berühmten Ritenstreit in der Mission geführt, weil sich dort die Grenze zwischen "Inkulturation" - als wesensbestimmende Notwendigkeit des Christentums, das ja geschichtlich wirkt, nicht abstrakt-virtuell - und "Inklusivismus" (also das direkte Übernehmen heidnischer Auffassungen, deren Identischerklären) oft nicht mehr ziehen ließ. Und, wenn man speziell die Liturgie in Afrika oder Südamerika ansieht, der Unterschied heute wieder verwischter wird denn je.

Aber darüber hinaus fallen die Parallelen des Hacker'schen Inklusivismusanalysen zu gegenwärtigen Erscheinungen zu sehr ins Auge, als es nur als indische Religionserscheinung zu sehen. Vielleichit wäre Hacker, der ja schon eingie Zeit tot ist, heute auch viel freimütiger in seiner Einschätzung. Einige seiner letzten Bücher (v. a. das Buch über "Das Ich im Glauben Luthers") lassen darauf schließen. Wo auch er die prinzipielle Problematik Europas immer mehr im Blick hatte.

Denn was Hacker aus der indischen Religionsgeschichte erkannte, läßt sich heute mühelos aus dem Zerfall Europas ablesen. Ein Europa, das in solche schwachen Gruppen (prinzipiell, nicht mengenmäßig) zerfallen ist, sodaß sich große Bevölkerungsgruppen unter bestimmten Charakterdispositionen finden, die jenen der historischen Inder in ihrer widerholten Situation der Schwäche entsprechen. Nur ist es gar nicht so sehr die der fehlenden gesellschaftlichen Stärke als Gruppe, sondern die der individuellen, aus dem Gesellschaftszustand erwachsenen Schwächen. 

Es sind die vielen aus ihrer Persönlichkeit her Schwachen, die den Inklusivismus - und die ihn begleitende Überlegenheitspose - zur regelrechten Zeiterscheinung machen. Die uns zu einer Kultur machen, in der sich bald jeder jedem überlegen fühlt, und das, was der andere denkt, sagt, macht, ohnehin längst durchschaut haben, auch wenn sie es einmal nicht wirklich erklären - dafür: behaupten - können.

Wenn man von "Selbstbedienungs-Mentalität" in der Religion spricht, von "Supermarktreligioin", so ist deshalb die Wahrheit nicht gut getroffen. Darum geht es gar nicht. Niemand, auch nicht der Mensch der Gegenwart, stoppelt sich eine Religion wirklich zusammen. Sondern er ... stiehlt. Er rafft an sich, wo ihm der andere überlegen ist, wo er um die Überlegenheit jedes Vernünftigen weiß, und behauptet einfach, daß er überlegen sei. Denn es geht im Inklusivismus um die Ordnung der Welt. Und diese Ordnung ist in ihrem Wesen ... Hierarchie. Heilige Ordnung. 

Die Religion des Menschen der Gegenwart - Inklusivismus pur - ist aus dem zusammengeklittert, "was übrigbleibt", nachdem er sich jedem Überlegenen entwunden zu haben meint, und nachdem er konstatieren muß, daß er seine Sittlichkeit nicht zu heben vermag. Und gleichzeitig nicht in der Lage ist, wirklich zu argumentieren, sich also in konstitutive Behauptung ergießt. Seine Argumente sind Rechtfertigungen eines status, keine Argumente.

Wieweit der Islam, der in sehr äquivalentem Duktus etwa Jesus Christus als "guten Mann" akzeptiert, unter diese Kategorie fällt, das zu beurteilen soll dem Leser überlassen bleiben.

Der Inklusivismus Europas, der westlichen Welt, hat aber weit mehr mit dem Vaterproblem zu tun, als mit religiöser Entscheidung, und schon gar mit Sittlichkeit. Übrig bleibt nur noch - das existentnotwendig werdende Gefühl der Überlegenheit.





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Donnerstag, 23. Oktober 2014

Inklusivismus als Form des Hochmuts

Vieles, ja das Häufigste, was einem heute als "Toleranz" begegnet, subsummiert der Indologe Paul Hacker* unter "Inklusivismus". Und darin gleicht es dem Hinduismus, denn Hacker zeigt, daß es eine typische indische Denkform ist. Gekennzeichnet durch charakterliche Disposition.

Keineswegs ist der Hinduismus eine Religion der Toleranz, wie eine eigentlich künstliche Form davon, die im Grunde aus Indern resultiert, die im 20. Jhd. im Westen westliche Philosophie studiert haben, und im Westen kursiert, verkünden will.²

Von da her ist das, was wir mit Hinduismus verbinden, ein Versuch, mit westlichen Begriffen dieses unglaublich uneinheitliche, in unzählige, aber- und abertausende Richtungen aufgesplitterte Volks-Religions-Phänomen in eine Einheit und vor allem in eine dem Westen gegenüber rechtfertigende Begrifflichkeit zu bringen. Weshalb eine eigene "propagandistische" Form eines  Hinduismus entstand, in welcher Einheit der Lehre er vor Jahrzehnten im Westen auftauchte, den es so gar nie gab oder gibt. Es waren Versuche, mit der Einheitlichkeit etwas des Katholizismus mithalten zu können, die ein Religionssystem künstlich zu schaffen versuchten. Auch alte Schriften wurden so umgefälscht, "geradegebogen", wie Hacker beeindruckend zu zeigen vermag.

Eine Einheit wird so vorgetäuscht, die der Hinduismus in Indien gar nie hatte. Denn "der Hinduismus" ist praktisch überall in diesem Land als abgrenzende, antinomische und überall verschiedene "Lehre" (mit entsprechender Vielfalt des Kults) entstanden, weil er von allen Seiten mit Weltreligionen, vor allem dem Islam und dem Buddhismus, bedrängt wurde. Kein originaler Inder würde sich jemals als "Hindu" bezeichnen, eine solche Begrifflichkeit existiert gar nicht.** Das, was im Westen als Hinduismus auftaucht, ist den Indern selbst unbekannt. Es ist ein bereits in westliches Denken umgeformte und radikal veränderte weil westlichem Rationalismus angeglichene Naturreligion.

Und der Hinduismus Indiens ist alles - aber nicht tolerant. Vielmehr analysiert Hacker die indische "Toleranz" präzise im Sinn dessen, was der VdZ in anderem Zusammenhang hier bereits ausgebreitet hat: Der indische Inklusivismus ist in Wahrheit jener Hochmut, der die Ansichten und Begriffe des anderen als "in den seinen längst enthalten" klassifiziert. Nur so weit ist er "tolerant". Bei logischer Analyse ist das aber nicht der Fall.

Es ist das Verhalten der Schwachen, so Hacker, so der VdZ, die dem Begegnenden in Wahrheit nicht gewachsen sind, aber die sittliche Kraft nicht aufbringen, sich unterzuordnen. Sondern stattdessen den anderen auf ihre Begriffe und Begrifflichkeiten herunterbrechen, sodaß er ihnen quasi dann unterlegen ist. Weil SIE das, was der andere sagt, ja auch längst in ihrem Denken enthalten. 

Wir haben an dieser Stelle bereits eingehend darüber gehandelt. Verwenden wir also auch künftig den Begriff des Inklusivismus. Denn Hacker, der eine so klare Sprache pflegt, der so ungemein kenntnisreich und umfassend gebildet ist, daß selbst der gewesenen Papst Benedict XVI. ihn immer wieder als Vorbild anführt, wird uns noch sehr anregend beschäftigen.

Behalten wir vorerst diese Übereinstimmung - als Inklusivismus, deckungsgleich mit Formen des Narzißmus, wie wir sie an dieser Stelle bereits analysierend und in anderem Zusammenhang darzustellen versuchten.





²Und alle die, die heute daherkommen und erzählen, daß was man sage, doch dasselbe sei, was auch sie meinten (nur könne es der andere nicht erkennen, sie seien ihm also überlegen), gehören ins selbe Fach. In dieselbe verachtenswerte Geistes- und Charaktergeschichte. Nüchtern formuliert ist es nämlich eine primitive Strategie der Geistes- und Sittenschwachen, die so ihre embryonale Haltung zu bewahren trachten, unter Wahrung ihres eingebildeten sozialen Status.

*Paul Hacker (1913-1979) war nicht nur einer der angesehensten Indologen des 20. Jhds., sondern vielleicht aller Zeiten. So angesehen, daß viele selbst maßgebliche Inder zu ihm kamen, damit er sie in Sanskrit unterrichte. Zugleich war er aus dem originalen Schriftenstudium heraus ein außerordentlich exakter Kenner des Hinduismus. Er ist übrigens aus der ernüchternden Beschäftigung mit dem Hinduismus heraus, in dem er nur menschlicher Unzulänglichkeit begegnet ist, aber keiner plausiblen Heilslehre, in seinen späteren Jahren zum Katholizismus konvertiert.

**Das hat der VdZ auch persönlich erlebt, als er vor etlichen Jahren mit einem Hindu in nähere Gespräche kam, der ihm frei heraus erklärte, daß es so etwas wie Hinduismus gar nicht gäbe. Ein solcher wäre schlicht und ergreifend "Religiosität", ohne System, ohne Einheitlichkeit, nur NICHT islamisch oder buddhistisch oder christlich.



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Sonntag, 23. Juni 2013

Heiligstes nicht profaniert

Die Entwicklungsgeschichte der Vedas zeigt, wie sehr Heilige Inhalte in jedem Fall an den realen Vollzug der an ihnen im Lesen und Hören Teilhabenden geknüpft, ja gebunden war. Der Gläubige im Ritus, im Kultus, der Priester und Weitergeführte in persönlicher Reinheit und Höhe, wie auch der Dichter und der Adelige, der Krieger.

Daraus erst ist die Entwicklung von "esoterischen Gesellschaften" verstehbar, denn nur in bestimmter Haltung konnten die Schriften überhaupt verstanden werden. Alles andere wäre pure Entweihung gewesen, Profanierung - und auf profaner Ebene sind sie einfach nicht verstehbar.

Die aus den Vedas entwickelten Schriften waren deshalb bald Angelegenheit von Geheimgesellschaften, zu denen sich die Priester banden, als Hüter des Heiligen auf Erden. Die Aranyakas etwa durften nicht in normaler Gesellschaft und Umgebung gelesen werden - man mußte sich zu ihrer Lektüre in eine Hütte im Wald zurückziehen. Der Begriff bedeutet entsprechend "Waldbücher".

Und die Upanishaden, metaphysische Destillate, die sich mit der Zeit entwickelten, waren überhaupt nur noch einem auserwählten Kreis an Personen zugängig. In diese Einstufung stimmt auch Plato ein, der dasselbe vom metaphysischen Wissen - dem Wissen vom unergründlichen Sinn des Seins oder dem Guten - sagt. Diese "höheren" Bereiche der Religion haben sich also vom alltäglichen religiösen Vollzug der Menschen, des "Volkes", mehr und mehr abgetrennt, um sie nicht der Profanierung auszuliefern, wobei sie dem Profanen ohnehin gar nicht (von innen her) zugängig waren.*

Nur wer ganz vom Alltäglichen abgelöst ist, kann an ihrer Höhe teilhaben, kann sie verstehen. Ihre Weisheit wird aber dem Volk nicht vorenthalten, sondern findet sich in den Riten und Vollzügen nur auf anderer Ebene der Darstellung wie Teilhabe wieder. Darin liegt zugleich die Begründung für den Umstand, daß nur gebildete Stände, Stände die dem profanen Alltag enthoben sind, auch der Adel, die Edlen, die Sänger und Dichter in dieses Wissen aufgrund ihrer persönlichen Tauglichkeit (das heißt ja Bildung) hineingehoben werden konnten. Buddha war nicht zufällig ein Fürst. Wer in den Alltag verstrickt ist, dem fehlt das Grundsätzliche einer personalen Scheidung, das ihm erst Zugang ermöglichen würde.**

Eine Religion, die deshalb ihre autoritative Stellung dem Volk gegenüber verliert oder aufgibt, kann gar nicht anders als inhaltlich ausdünnen. Ist ihre Tiefe dem Urteilsvermögen des "einfachen Gläubigen" anheimgestellt, verlieren die Riten ihre Verbindlichkeit, Ihre Vorgegebenheit, Ihre Definiertheit alleine aus dem tieferen Wissen der Priester heraus, gehen ohne Zweifel ihre tiefsten Gründe verloren. Aber damit löst sich die Religion von innen heraus auf, denn sie verliert ihre metaphysische Begründung.




*Das läßt alleine den Wahnsinn ermessen den es bedeutete, die Bibel per billigem Massendruck in die Hände der Menschen zu schleudern, und ihnen die Interpretation zu überlassen. Das läßt aber auch ermessen was es bedeutet, Heilige Inhalte durch Priester über Internet und social media zu verbreiten. Es bedeutet nicht deren Verbreitung, sondern deren Zerstörung. Mit enormer demoralisierender Wirkung: Denn die Menschen wissen, daß ihr Wissen nicht "alles" ist. Wenn sie aber um kein Arkanum mehr wissen, um keinen "Heiligen Schrein", der das was Ihnen verstehbar ist mit alles übersteigender Tiefe nährt - wo soll dann die Wahrheit einer Religion liegen? In ihrem eigenen Horizont, der sie doch nach "mehr" zu suchen antreibt? Ein profanierte Religion, die ihre Riten disponibel macht, kann gar nicht anders als jede Glaubwürdigkeit zu verlieren. Mit Recht. Das ist kein nettes Versteckspiel - es ist Wirklichkeit des Religiösen als Lebenselement. Wer also glaubt, religiöse Institutionen "transparent" machen zu können - der löst sie gleichzeitig auf. Denn das Eigentliche ist immer unsichtbar. Es steckt nicht in den Dingen - es umhüllt sie. Nichts aber ist "nur es selbst", alles ist transzendentale Hülle.

**Künstlertum definiert sich nicht aus dem faktischen "Tun", aus der Verhangenheit im Kunstbetrieb, sondern aus einer persönlichen Entscheidung, am Gestaltspiel der Welt nicht teilzuhaben. Erst damit ist ihm das Heiligste, der Atem der Welt, zugängig, aus dem heraus er tätig wird. Sein Werk ist dann der Ritus, die Liturgie, durch die das Auditorium an den göttlichen Ideen teilhat, aus denen, empfunden weil bewegt, wahrgenommen, es selbst wiederum sein Leben - aus dem in diesem Sinn geläuterten, aufs Reinste neu eingestimmte Gefühl heraus - weiter durchgestaltet.



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Sonntag, 26. Mai 2013

An der Wegscheide (2)

 2. Teil) Der Heilige wird Aristokrat




Deshalb ist dem Griechen (und dem Abendländer) Homers Ilias, das Heroentum die entscheidende Lebenshaltung. Der Ritter, der Adel wird zum Lebensideal überhaupt.

Während dem Chinesen und Inder - in den Rigvedas und den chinesischen Erzählungen vom alten Reich der Harmonie - die entscheidende Lebenshaltung das Vermeiden von Konflikten wird, und auch hier: eigentlich: wurde, im Gegensatz zur Lebenshaltung in den Vorzeiten, die auch dort Heldengeschichten dokumentieren. Dem Griechen ist aber diese Haltung des Weltharmonisierens der Vernichtung der Welt gleich - wie es umgekehrt dem Asiaten der Kampf wird.

Asien beginnt einzuschlafen, weil es einschlafen will. Während das Abendland aufwacht, weil es wach werden will.

Wiewohl beide ursprünglich eine selbe und religiös-metaphysische Grundlage haben, die auch die Grundlage jeder Religion überhaupt ist: In Harmonie mit dem göttlichen Willen als das der Welt zugrundeliegende Gesetz ihres Ganges zu gelangen. Hier ist es aber der Logos in der Persönlichkeit, dort die praktische Harmonisierung durch Versenkung als Angleichung an das Weltprinzip. 

In Heraklith's Konzeption wird der Mensch in dem Maß vollkommener, als er sein Denken und Handeln an die objektive Vernunft anbindet. Die nicht im Vielwissen (als Wissen von Einzelnem) besteht, sondern in der Tugend, die auf das Modifizierende, Umfassende, den Sinn geht. Heraklith mündet in die Transzendenz, er sieht die Beschränktheit des Menschen, erkennt die Autonomie der sittlichen Persönlichkeit in ihrer Hingestrecktheit auf den Logos als Auftrag zum persönlichen Adel, mit dem (aus Realismus unerreichbaren) Endziel des Absoluten, der absoluten Werte und Tugenden.  Aber so nimmt er Teil an der göttlichen Macht (die in vernünftigen Gesetzen überhaupt zur göttlichen Ordnung gerinnt).

(Freilich bleibt ihm die Vollendung nur im Ruhm möglich, mit dem Dichter als Ruhmesrichter, als Künder und Hebamme, ja Schöpfer des Fortlebens, weil er das Göttliche in die Welt stellt und im Ruhm festigt. Denn als Teile der Welt sind die Menschen abhängig von dem "allen Gemeinsamen", woraus sich auch die absolute Stellung des Gesetzes ergibt.)

Beiden - Orient wie Abendland - prinzipiell gleich ist zwar auch das Bemühen der Selbsterlösung in einem pantheistischen Weltbild als Ausgangspunkt, wenn man so will. Weil ihnen natürlich das personale Prinzip*** eines inkarnierten Gottes (in der Dreifaltigkeit) fehlt, der sich nur selbst offenbaren KANN, weil Gott an sich unerkennbar ist. Welch letzteres eine logische Einsicht der fortentwickelten Philosophie wird, die natürlich den Lebensvollzug selbst erhellt. Erst aus der Dreifaltigkeit wird das Wesen des Seienden verstehbar, schließt sich auch der Denkbewegung auf - mit der Welt als Analogie Gottes.

Aber damit ist auch klar, daß sich die abendländische Philosophie und Kultur in ihrer Richtung auf die Inkarnation Gottes in Jesus Christus - auf eine Gesellschaft der Königssöhne - hin bewegte, die ihr wie ein Schlußstein - "in der Fülle der Zeiten" - zupaßte und alles aufhellte. Ganz im Gegensatz zu den asiatischen Konzepten, so ähnlich oder gar gleich die metaphysischen Ansätze und Ahnungen ursprünglich auch waren. Die entscheidenden Umbrüche standen in beiden Erdteilen in einer absolut vergleichbaren kulturellen Epoche (um 500 v. Chr.): dem Zusammenbruch der alten, feudal-hierarchischen Lebensordnung.
Es läßt sich bei Heraklith (gerade in der Gegenüberstellung mit asiatischen Religionsentwicklungen) hervorragend beobachten, wie eine Ethik, die aus der metaphysischen Grundbewegung des Menschen hervorgeht, Gestalt und Konkretion gewinnt aufgrund der in der (hier: aristokratischen) Gesellschaftsordnung ausgebildeten Rangordnung der Werte.**** Die Lebenswerte sind ihrem Wesen nach mannigfaltig; ihre Schätzung hängt von der Lage der Lebewesen ab, die ihrer bedürfen und sie genießen, schreibt er deshalb. 






***Die entscheidende Rolle der Schuldvergebung sei hier nur angedeutet, aber hier blitzt sie auf. Jacques Lacan übrigens, als nihilistischer Psychoanalytiker, weist in seinen Schriften darauf hin, daß als Ergebnis seiner Untersuchungen für ihn feststeht, daß der Mensch in seinem Tiefsten persönliche Vergebung vom Sein selbst, im Wort, sucht und benötigt.
 
****Heraklith hat sich politisch völlig enthalten. Denn ihm war die Demokratie, die sich zu dieser Zeit in Athen herausbildete, zutiefst verhaßt.




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Samstag, 25. Mai 2013

An der Wegscheide (1)

Die griechisch-abendländische Philosophie ist praktisch zeitgleich mit der indischen und chinesischen entstanden. Aber schon in ihren Anfängen zeigen sich die grundsätzlichen Unterschiede in der Haltung, die Gegensätze, die Georg Misch zusammenfaßt, die auf andere Weise auf Parallelen verweist, zu denen sich aber beide Kulturkreise je anders stellen.

Dem Inder und Chinesen ist die Welt jener Zustand, in dem er vom Ewigen, Alleinen getrennt wird. In der Vielfalt der Welt verliert er sich. Deshalb muß er ihr in den Subjektivismus entfliehen, sein Ziel ist der ewige Schlaf. Der Krieg, der Konflikt des Alltags reißt ihn in eine Wachheit, die ihn von seiner Bestimmung trennt. Nur die Harmonie des Alltäglichen, der Lebenskreise, die Konfliktfreiheit läßt die Erde als Gottes Stätte erscheinen. In China prägt sich das in der besonderen Zuwendung zum gesellschaftlichen Verhalten aus, in Indien in einem Fatalismus der Gesellschaft gegenüber.

Dem Abendländer liegt es genau umgekehrt, und prägt sich zur selben Zeit (um 500 v. Chr.) ganz anders aus. Heraklit sieht den Alltag als den Schlaf, aus dem es zu erwachen gilt. Ihn kennzeichnet die Weltoffenheit, aus der seine Konzeption des Pantheismus erfließt. Das Alleine liegt in den Dingen, sich ihnen zuzuwenden, darauf kommt es also an. Aus dieser Spannung der Dinge zueinander aber ist das All-eine, das alles Umfassende zu gewinnen. Er öffnet also dem Abendland den Weg zur Wissenschaft, zu einer Welt des Kampfes und der Spannung.

Die Welt der Sinne ist ihm dabei zu wenig. Denn nichts täuscht so sehr, wie sinnlicher Eindruck. ER ist es, der verstrickt. 

Darin könnte man in gewisser Hinsicht eine Parallele zur indisch-chinesischen Metaphysik finden - die Welt ist Stätte Gottes. Aber Heraklit geht den Weg in das Denken, in den Geist - die asiatischen Konzeptionen ziehen sich zurück ins Innere, das sie ins Alleine hinein, dem Ursprung, auflösen. Dabei würde eine Welt der Disharmonie nur stören.

Für Heraklit liegt dieser Ursprung im Logos, der sich in den Dingen ausspricht, und der ist nicht im sinnlichen Faktischen erschöpft, im Gegenteil, das alles Einende ist das, was den Sinnen nicht zugängig ist. Sondern dem Geist, dem Verstand - dem Sinn (logos). Denn der Sinn ist es, der die Dinge überhaupt Dinge sein läßt, nicht ihre den Sinnen allein zugängige Erscheinung. 

Deshalb gilt es, die Bedeutung der Dinge zu erfassen, vom sinnlichen Eindruck zu abstrahieren - durch das Verstehen. Und dazu muß der Mensch hinaustreten, sich verstricken - um dadurch die Eigenschaften der Dinge zu erfahren, und ins Allumfassende zu bergen. Dem der die Bedeutung der Dinge verschlossen bleibt, ist die Welt ein fremdes Land. In dieser Bedeutung, im Logos, im Sinn, dem Weg auf den die Dinge zugehen, erfaßt sich der Kreislauf der Welt, in der sich Gott in sich selbst zurückschließt.

Die Dinge sind beiden Erzählung Gottes, aber den einen in ihrer faktischen Deformation Hindernis, den anderen unter Umständen sogar genau damit Weg. Eine je völlig andere Richtung, eine vor allem aber völlig andere Haltung den Dingen der Welt gegenüber.

Dem Inder ziehen die Dinge ihre eigenen Kreise, ohne miteinander zusammenzustoßen. Harmonie heißt ihm, wenn die Dinge einander nicht stören. Heraklit, dem Abendländer hingegen liegt die Allgemeinheit in der Abstraktion des Besonderen, der Vielfalt, und das alleine, ja genau in der möglichst großen Ausformung dieses Besonderen - im Sein des Seienden also! - umfaßt diese Unterschiedenheit, diese Selbstidentität alles Einzelne. 

Alles geht auch ihm also vom Einen aus - aber dieses Eine ist der Endpunkt, das alles Einzelne umfassende, das damit zugleich den Anfangspunkt und Ursprung eröffnet. Das, worein sich der Asiate zu versenken sucht, wozu er der Welt entfliehen muß. Beiden aber ist die Weltseele selbst Gott, die in ihrem Ein- und Ausatmen ("Prana") die ewig gleichen kosmischen Kreisläufe hervorgehen läßt, innerhalb deren sich die Erde mitbewegt. Diese immer selbe Psyche ist allem immanent, auch dem Menschen, der "ist und auch nicht, neu an jedem Tag", als "wir" (Heraklit).* Mensch und Gott stehen sich bei ihm wie den Indern nicht gegenüber - sie sind in ein und derselben Weltseele, dem "Licht des Lichtes", eins. In diesem Pantheismus sind sich Heraklit und die Inder/Chinesen einig.**

Es kommt aber Heraklit nicht auf die sinnlich-oberflächliche Harmonie der Welt der Dinge an (wie dem Asiaten) - ihre Harmonie liegt darüber, in einer Spannung, "wie beim Bogen oder der Leier", und diese Spannung treibt die Dinge hervor. Wie ein Ton, der sich aus ihr löst, als dessen Ausdruck, als wirkende und alles bewegende Kraft, im Handeln und im Kampf. So ist sein Satz zu verstehen: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge."

Das Leben entsteht aus dem Kampf der Gegensätze - aus dem Prozeß der Dialektik. Wo alles Sinnenfällige eine Augenblicksform im ständigen Prozeß des Wandels ist, der Vergehen wie Entstehen in sich schließt. Deshalb bedeutet Denken - Leben. Insofern es die Gegensätze in die Einheit (Synthese) des Denkens führt.

Am Gegensatz zeugt sich alles Leben, aus dem Konflikt Männlich - Weiblich. Das daraus entstehende steht auf dem Boden des Todes der Vorherigen, es "lebt seinen Tod", denn das Werden ist nicht einfach ein unterschiedsloses, graduelles Fließen, sondern ein sprunghaftes Neuentstehen. Das vom Denken übergriffen wird. Das Hinzukommen von Attributen bestimmt nicht das Nomen, sondern es modifiziert es.*** Die Dinge werden zu Symbolen des Transzendenten, das sich im Denken aufschließt.



Morgen Tei 2) Der Heilige wird Aristokrat



*Heraklit geht tatsächlich von einem genuin nicht-personalen, nicht-substantiellen "Ich" aus, er kennt keine Person als für-sich-Bleibendes Wesen des Menschen, sie ist ihm dynamisch. Das was wir mit "ich" bezeichnen ist ihm in ein ständiges Werden und Vergehen eingebettet, weil sich Sein und Nichtsein als Weltphänomen treffen. Die menschliche Seele hebt sich aus dem Welteinen nur durch den (sich steigern vermögenden, ja sollenden - "erkenne dich selbst") Logos heraus, womit Heraklit die menschliche Seele nicht einfach faktisch mit dem Absoluten gleichsetzt, sondern ihr die Entwicklung in dieses All-eine hinein auferlegt - der Grundstein des abendländischen Humanismus. 

Anders als die Inder, die diese selbe geheimnisvolle Tiefe der menschlichen Seele mit dem All-einen identifizierten, das sich aber völlig anders (in der Auslöschung des kulturellen Selbst) emaniert. Ein signifikanter Unterschied, der sich in den kulturellen Entwicklungen klar ausdrückt. Denn damit war der abendländische Weg des Individualismus gegen das indische Konzept - unvereinbar, weil einander auslöschend! - gesetzt.

**Und darin unterscheiden sich diese Anschauungen vom Judentum und Christentum, aber auch vom Islam, fundamental. Im strengen Sinn müßte man sagen, daß die heraklit'sche Philosophie ebenso wie die der Inder und Chinesen keinen Gott HAT, auch wenn sie dieses All-eine so bezeichnet (Heraklit identifiziert es sogar als "Zeus"). Der Pantheismus ist seinem Wesen nach nihilistisch, ja man kann, bemessen am Verständnis des Juden- und Christentums (und Islams), gar nicht von Religion sprechen. Daraus aber wird vielleicht ein wenig besser verständlich, wie NEU und anders das durch das Christentum Hereingekommene für die damalige Welt wirklich war.

Es ist also überhaupt kein Zufall, daß mit der Hereinnahme der antiken Philosophie in der Scholastik im 13. Jahrhundert die ursprünglich (könnte man sagen) der gesamten Menschheit nahezu gleichen metaphysischen Anlagen auch zu einer Renaissance des Pantheismus (G. Bruno - Spinoza) als eine darin angelegte Möglichkeit in der Folge einer fehlenden oder mißverstandenen christlichen Aufhellung - die bis hinein in die Metaphysik reicht, diese erst auf ihre realen Schienen stellt - führte. Wenn viele heute der Meinung sind, daß da ja gar keine Unterschiede bestünden, so haben sie den alles entscheidenden Punkt ganz einfach nicht verstanden.

Das ist vergleichbar mit den Tatsachen in der Natur selbst, wo zwar die Lebewesen die anorganische Natur, auf der alle stehen, in sich aufnehmen, aber in diesem Aufnehmen von Grund auf verwandeln. Nur weil im Hund ebenso wie im Menschen oder in der Distel chemisch-analytisch "derselbe" Kohlenstoff enthalten ist, sind nicht alle gleich, sondern haben eine völlig andere Bedeutung und Wirklichkeit, die sich aus ihren empirischen "Bestandteilen" nicht erschließt. Synkretismus und Materialismus sind also ein Wort, sie bedingen einander. Die Esoterik der Gegenwart ist purer Materialismus.

Man kann selbst einen Cusanus oder Meister Eckhart pantheistisch lesen, und der VdZ gesteht, daß ihm das bei letzterem unterlaufen ist. Er hat sich auf dieselbe Weise in bzw. an den Worten gefangen, wie es Pantheisten tun. Bis er ihn neu zu verstehen begann, begriff, daß es auf die reale Position ankommt, in der man steht - auf die fleischliche Realität des Christentums. Und aus ihr hellt er sich völlig - anders auch in den zuvor dunklen Stellen - auf. Er ist KEIN Pantheist.

***Josef König stellt in "Sein und Denken" den Unterschied von modifizierenden zu determinierenden Prädikaten dar: Die sinnlich faßbaren Eigenschaften der Dinge - blau, süß, hart, eben sinnliche Qualitäten, die für alle gleichermaßen feststellbar sind - sind determinierend, während alles, was wir beurteilen, modifiziert: gut, ist, ist nicht, gerecht, schön, gütig, edel. Wir sehen und hören und riechen bei modifizierenden Prädikaten nicht analog zum Sein der Dinge. Uns bleibt nur das "wirken wie", als komplexes Urteil aus dem Sinn heraus. Während wir bei "blau" auf alles blicken, das wir in der Sprache "blau" benennen. Hier wechselt auch in den Sprachen der Welt nur das Wort, nicht der Inhalt. Während sich das Wort im vorgefundenen "Blau sein" also erschöpft, tut es das beim modifizierenden "gerecht (etc.)" nicht. 

Diese modifizierenden Worte aber sind es, die das wirkliche Wesen der Dinge, ihren Sinn, ihren Logos beschreiben. Es ist aber der Logos, der die Welt eint, nicht "das Blau". Damit wird auch klar, warum sich im Abendland Philosophie (und Wissenschaft) entwickelte - und nicht in Asien, wo sie in metaphysisch-mythisch/mystisch-theologischen Konzepten oder in reiner Lebenspraxis "der Harmonie willen" (oder in beidem) verlief. (Natürlich immer: grosso modo, von Einzelfällen oder Teilströmungen abgesehen.)


*250513*