Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Repin (Ilja) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Repin (Ilja) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 12. Januar 2023

Werkstattradio (Stunde 1)

Laut russischen Angaben waren es vier Raketen, die die Luftabwehr überwunden und eingeschlagen haben, zwei der HIMARS-Raketen wurden abgefangen. Aber die Wirkung war leider verheerend, und wurde auch mit Trimphgeheul in hiesigen Medien verbreitet. 400 jubelten die Blätter, 500 plärrten die Bildschirme. Also das wird der böse Buttin nicht aushalten. Die USA zeigen eben, was ne Harke ist.

Daß solche und ähnliche Treffer durch russische Raketen und Drohnen in ukrainischen Positionen fast zum Alltag gehören, wurde natürlich nie erzählt. Man verseht - kriegsstrategische Überlegungen. Der Westen und die noch in der Rstukraine verbliebenen Ukrainer selbst sollen möglichst nicht mitkriegen, wie katastrophal der Blutzoll ist, der dafür gezahlt wird, daß die Ukraine systematisch und seit 8 Jahren zu einem profitablen Unternehmen umgebaut wurde. 

Das - man muß es fast so sagen - Großanlegern wir Blackrock gehört. Die natürlich hohe Renditen wünschen. Und die liefert die Ukraine auch ab! Zelensky selbst hat es ja erst unlängst in Washington versprochen: Geld in die Ukraine zu schieben IST EINE RENTABLE INVESTITION.

Dienstag, 13. Februar 2018

Ausdruck einer Volksseele

Wie so viele standen sie an der untersten Sprosse der sozialen Leiter - die Schiffstreidler. Männer, die nichts sonst hatten als ihre Körpermasse und -kraft. Und sie zogen die Donau die Schiffe gegen die Strömung wieder hinauf. Noch heute gibt es die "Treppelwege", überall. Auch an der Wolga. 

Nirgendwo aber gibt es ein Lied, das dieses Lebensschicksal, das immerhin ein Überleben ermöglichte, so in seiner Tragik darstellte als in Rußland. In "Ej uch njem", und in dem berühmten Gemälde von Ilja Repin "Die Wolgatreidler". Eine Volksseele spricht sich da aus. Eine Seele, die nicht jammert, die das Leben sieht wie es eben ist, und deshalb weiß, daß sie auch in aller Letztstufigkeit noch alle Möglichkeiten des Menschen besitzt, auch die zum Bösen, wie es Dostojewskij so großartig erfaßt hatte: Die Welt ein vallis lacrimosa. Für jeden. Für alle. Dem nur noch der pausenlose Ruf der Kirche nach Erbarmen entspricht. Gospodin, pomiluij nas! Ein Leben aber, das abends dennoch gefeiert wird.


Ilja Repin: Die Wolgatreidler




Detail bis ins Letzte. Eine Linie. Parallel entstand der große russische Roman, der jede Figur bis in den letzten Seelenwinkel zeichnet. Denn die Welt ist im Großen erst, weil sie sich aus den kleinsten Charakteren zusammensetzt. In ihnen wirkt das Große, nichts vermag auf das Kleine zu verzichten, sonst wäre es nicht.


Ilja Repin: Detail aus "Die Wolgatreidler"









*260118*

Sonntag, 20. Februar 2011

Das nenne man noch Politik!

Über seinen Rang als Kunstwerk unter den großen Kunstwerken der Menschheit mag man streiten, es ist vielleicht dafür zu handlungslastig, es ist eben Historienmalerei des russischen Realismus, entstanden 1890/91. Der Grund, warum ich das berühmte Gemälde von Ilja Repin - "Die Saporoger Kosaken schreiben einen Brief an Sultan Mehmed IV." - so gerne mag liegt in seiner ansteckenden, überbordenden Fröhlichkeit und Lebenslust, an der ich mich jedesmal neu entzünde, wenn ich es erblicke.
Was bei so manchen Bildern meiner Kindheit der Fall war, die ich wieder und wieder, und Stunde um Stunde anzusehen vermochte, ohne daran müde zu werden. Wie sie als Illustrationen in Hauff's Märchen, oder in den Bibelgeschichten von Anne de Vries vorkommen, oder im alten Katechismus, dem "Pichler", den wir noch in der Volksschule in Verwendung hatten. Ganze Welten sind da im Kopf auferstanden und waren zu erleben.

Ilja Repin (1844-1930)

Nun aber endlich habe ich zu Repin's "Historienschinken", der im Staatsmuseum in St. Petersburg hängt, auch den zugehörigen Brief gefunden. Und er ist es wert, hier gebracht zu werden.

Mehmed IV. - derselbe Sultan, der 1683 Wien belagerte, hatte 1674 das Hauptlager der Saporoger Kosaken in der Südukraine überfallen und dabei 5.000 seiner besten Truppen verloren, ohne mehr erreicht zu haben als daß der Haß der Kosaken auf die Türken aufs höchste stieg. Die übermütig, tollkühn, freiheitsliebend und gefürchtet im Jahr darauf den Türken eine weitere schreckliche Niederlage auf der Krim zufügten. Trotzdem wagte der Sultan es, sie zur Unterwerfung aufzufordern.

Im entsprechenden Schreiben nannte er sich selbst "Bruder der Sonne und des Mondes, Enkel und Statthalter Gottes, Beherrscher von Groß- und Kleinägypten, Mazedonien, Babylon und Jerusalem, König der Könige, Ritter ohnegleichen, unablässiger Hüter des Grabes Jesu Christi, Pfleger Gottes, Hoffnung und Trost aller Muselmänner, Unruhe aller Christen."

Die Kosaken schrieben ihm daraufhin Folgendes zurück:

Du türkischer Schaitan, Bruder und Genosse des verfluchten Teufels und des leibhaftigen Luzifer Sekretär!

Was in Teufels Namen bist Du eigentlich für ein trauriger Ritter? Was der Teufel scheißt, das frißt Du samt Deinen Scharen, und schwerlich wird es Dir glücken, Christensöhne in Deine Gewalt zu bekommen.

Dein Heer fürchten wir nicht, werden zu Wasser und Lande uns mit Dir schlagen, Du Babylonischer Küchenchef, Du Mazedonischer Radmacher, Alexandrinischer  Ziegenmetzger, Jerusalemitischer Bierbrauer, Erzsauhalter des großen und des kleinen Ägypten [...]

Du Armenisches Schwein, Du Tartarischer Geißbock, Du Henker von Kamenetz und Taschendieb von Podolsk, Du Enkel des leibhaftigen Satans und Narr der ganzen Welt und Unterwelt, dazu unseres großen Gottes Dummkopf [...]

Schweineschnauze, Stutenarsch, Metzgerhund, ungetaufter Schädel! Ausdämpfen soll der Teufel Deine Frau Mutter, und also, Du Unflätiger, antworten Dir die Saparoger! Denn einer Mutter rechtgläubiger Christen bist Du nicht würdig.

Da wir keinen Kalender habe, so wissen wir das Datum nicht, der Mond steht am Himmel, das Jahr steht im Buch geschrieben, und der Tag ist der gleiche, wie bei Euch.

Wofür Du uns den Hintern küssen kannst. 

Der Lager-Ataman Iwan Syrko 
mitsamt dem ganzen Lager der Saporoger Kosaken

***