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Samstag, 19. November 2022

Glanz und Elend des Truthismus (2)

Die Matrix der Freiheit -  Aber noch einmal hätte der Mensch die Wahl, sein Leben zum Richtigeren, als richtig Erkannten überzuwechseln. Doch verlangt diese Entscheidung nun schon viel Kraft und noch mehr reife Geduld, weil es sein kann, daß diese Transformation nich tmehr vollkommen durchgezogen werden kann. Ganz einfach deswegen, weil der Mensch nun nur noch weniger Zeit hat, noch merh abe rweil ein Umgau des Lebens viel merh Kraft erfordert als das in zu Anfagn der 30er der Fall gewesen wärel und in der Regel einen ganzen Rattenschwanz an existentiellen Möbeln mit sich führt.

Der Vollständigkeit halber führen wir nun noch die vierte und letzte Schwelle an, zu der ein Mensch sein Leben seiner Einsicht nach völlig verändern kann - und das ist nicht "der Tod", sondern - DAS STERBEN. Also buchstäblich die Stunden und Minuten, zu denen die Verbindugn von Leib und Seele so ernsthaft bricht, daß sich die Seele vom Lebi zurückzuziehen beginnt. EINMAL NOCH kann nun also der Mensch tatsächlich SEIN LEBEN ENTSCHEIDEN.

Freitag, 18. November 2022

Glanz und Elend des Truthismus (1)

James Corbett online
Das ist der Schlüsselsatz, und wenn James Corbett eimal mehr davon spricht,
daß sich die menschliche Gesellschaft IN JEDE BLIEBIGE RICHTUNG entwickeln könne,
daß es also bei all dem Aufzeigen der Machinationen Mächtiger und Böser nur darum gehe, daß diese sämtliche Machtmittel afu ihrer Seite haben, so zeigt sich das ganze Elend der Aufdeckungs- und "Truther"-Bewegungen: Sie sind wie Hamsterräder, und werden deshabl mit dem "Problem", das sie sehen, aber nicht wirklich argumentieren können, niemals fertig werden.

Weil sie im Grunde auf dersselben Eisccholle stehen wie die, die sie beämpfen. Auf der Eischolle eines völolig falschen Welt- und Menschenbildes. Auf der Scholle eines Materialismus, der sich seine Spiritualität (die dann bestenfalls zum "Zusatznutzen" oder "Weltstreusel" wird, die halt auch irgendwie zum Menschsein dazugehört, warum auch immer) aus derseloben Subjektivitätsquelle zapft, wie die Menschheitsverbesserer, die aber zu den Bösen gehören.
Kurz und zum Fazit geführt: Die Ausage Corbetts ist falsch. Sie zeigt ein zutiefst materialistsiches, mechanistisches Weltbild, in dem es tatsächlich denkbar ist, daß WIR uns in egal welche Richtung bewegen könnten. 
Überhaupt ise die Gegenwart von Ängsten geprägt, weil sie Dinge für möglich hält, die gar nciht möglich SIND. Und das ist eine davon. Das ist das deutlichste Zeichen für die Strafe Gottes, der uns UNS SELBST überläßt - Anghst und Schrecken kommt dabei heraus.

Dienstag, 5. März 2019

Zwei unerträgliche Päpste

Stellungnahmen und Aktionen von Papst Franziskus gehören recht oft eindeutig zur Kategorie Fasching, daß auch diese Geschichte eine andere von diesem Tag übertroffen und damit verdrängt hat, die schon in der Pipeline war. Franziskus ist immer lustiger. Wenn er etwa wie jüngst in Arabien ein völlig unnötiges Dokument unterzeichnet, namens der Kirche natürlich (denn der Papst ist in persona Subjekt des Völkerrechts), in dem er eine glatte Häresie rechtens spricht: Gott habe alle Religionen gewollt. Die Kommentare ersparen wir uns. Nicht jeder Unsinn lohnt. Und außerdem haben das andere sauber genug erledigt, wie der Philosoph Josef Seifert, der davon spricht, daß gemäß Kirchenrecht nach einer solchen Häresie ein Papst sein Amt verliert und ein neuer Papst gewählt werden muß. 

Zur Befestigung mancher besorgter Geister bringen wir außerdem eine von Kardinal Gerhard Ludwig Müller, ehem. Präfekt der Glaubenskongregation, veröffentlichtes vierseitiges Kompendium einiger fundamentaler Glaubenswahrheiten, das uns an dieser Stelle recht passend erscheint. Und katholisch ist und damit zurechtrückt, was da ein narzißtisch gestörter Argentinier mit auf der Stirn eintätowierten Etikett "Wegen Invertiertheit heute kein Denken möglich" irgendwo behauptet hat, unzählige Getaufte verstört (der VdZ kennt solche, die tatsächlich ihre Verwirrung erneut und gerade durch den Argentinier "bestätigt" sehen), und außerdem jeden Katholiken der noch halbwegs bei Verstand und Glauben ist bis auf die Knochen blamiert hat. Denn jeder normale Muslim muß sich da ins Fäustchen lachen und den nächsten Grund sehen, Katholiken nicht ernst zu nehmen.


***

Aber weil wir solche Themen schon genug behandelt haben, ihre geistigen Grundlagen ohnehin eindeutig sind, und wir niemandem den berechtigten Faschingsdienstagspaß endgültig verderben wollen, sollten wir es auch bei diesen kurzen Hinweisen hinsichtlich der Impffrage belassen. Wo einerseits die WHO davon spricht, daß die "Impfgegner" (zu denen auch der VdZ gehört) gleich nach den Klimaleugnern kämen, und eine ähnliche Gefahr für die Menschheit darstellten.

Na, da haben die Beamtenfressen wohl vergessen, wie Impfstoffe zustandekommen. Und sich in der Dummheit der Gegenwart zu sehr gesuhlt und heimisch gefühlt - aber damit die Natur ihres Geistes mehr offengelegt als ihnen lieb sein mag. Vermutlich ist sowieso die gesamte UNO nichts anderes als ein Satanistenverein.

Der "Papst der Vaccine", Professor Dr. Stanley Plotkin, Erfinder u. a. des Impfstoffes gegen Röteln, sagt in diesem Video unter Eid, wie die Entwicklung von Impfstoffen (an der er selbst in erklecklicher Zahl beteiligt war) vor sich geht. Mengele und Auschwitz lassen herzlich grüßen! Und lassen ausrichten, daß sich zeigt, daß sie recht gehabt haben!

Vaccine werden unter Verwendung von unzähligen Embryos - zur Erinnerung, werter Leser: Noch nicht ganz aktualisierte Menschen - entwickelt. Plotkin, der Sohn "englischer" Einwanderer, läßt sich übrigens als "Retter der Kinder" feiern.

Das ist der Geist, aus dem der Impfwahn geboren ist. Punkt.







*100219*

Sonntag, 2. Juli 2017

Das subjektivistische Gut als Relativismus

Wenn man die Rolle der Metaphysik im Verhältnis zwischen dem Einzelnen und dem Gemeinwohl (dem Guten selbst) für belanglos erklärt, wird man gegenüber dem Relativismus wehrlos. Wenn das Gute des Menschen lediglich für ihn selbst und seine Person gilt, besonders als geistiger oder religiöser Mensch, dann gelangen wir schnurstracks unter Bedingungen, wo der Einzelne zum Maß aller Dinge wird. Der Dinge die einfach sind was sie sind genauso wie der, die eben nicht sind was sie nicht sind. 

Der Mensch ist aber immer Teil des Ganzen. Und das Gemeinwohl ist das Gute des Ganzen. Der persönliche Gut ist das Gut eines Teiles. Wenn ich die Möglichkeit, um das Gute des Ganzen zu wissen zurückweise, oder überhaupt aufhöre das Gute des Ganzen anzustreben, bleibt nur noch das Gute des Einzelnen als einziger Maßstab für das Verhalten jedes Einzelnen. Damit bin ich selbst der Maßstab für Moral, und zwar weit eher als das Gut des Ganzen, des universale Gut überhaupt, und erst recht eher als Gott.


J. Langan, in Culture Wars, 2016

Weil es damit keinen allen gleichermaßen einsehbaren, über die Vernunft und Wahrheit erreichbares "Naturbild" einer Gesellschaftsordnung gibt (dieses wird, wie die Aufklärung zeigt, durch sentimentale "Träume", Utopien versucht zu ersetzen), dem alle aus sich heraus verpflichtet sind, treibt jeder Relativismus unausbleiblich zum Totalitarismus. Denn nur noch ein übermächtiger Staat vermag dann überhaupt zwischenmenschliche Interesssenskonflikte - und das Gut wird im Relativismus zum bloßen Interesse - zu moderieren. 

Zwar wird umso mehr davon geredet, um eines Friedens willen Kompromisse zu finden, aber diese lassen sich nicht im Absoluten verankern. Sie müssen damit scheitern, denn letztendlich kommt jeder Mensch irgendwann einmal und unausweichlich mit absoluten Werten in Berührung, hinter die er nicht (mehr) zurückgehen kann. Nun fehlt aber eine Ebene, und zwar eine Vernunftebene, die allen einmal verbindlich genug ist, und zum anderen eine Klärung möglich macht, in der niemand um seine absoluen Werte fürchten muß.

Die Folge ist ein staatlich implementiertes Zwangssystem. Wer die Geschichte Europas speziell seit der Aufklärung (ja schon zuvor, seit der Reformation) ansieht wird sie ganz genau als Geschichte von Zwangssystemen erkennen. Die zwar immer wieder abgelehnt wurden, aber die letzten 500 Jahre sind eine einzige allmähliche Abzeptanzgeschichte solcher Totalsysteme. Die in unserer Zeit über Ersatz-Universalismen, über ein Ersatz-Gemeinwohl - man denke nur an die "globalen Bedrohungsbilder" als ultimative, "auswegslose" Moralgebote, WEIL ES UMS GANZE GEHT - ein neues Stadium erreicht haben: Sie werden nämlich bereits vielfach "freiwillig" akzeptiert. Die nächste Stufe, als Totalitäres System nie gekannten Ausmaßes, ist damit mehr als absehbar, denn sie ist vielfach sogar bereits erreicht.

Hobbes hat es deshalb sehr genau und richtig gesehen (und gefordert), wenn er an einer Stelle schreibt: 

"Liberalismus ist in sich instabil. Er braucht deshalb den Rückhalt in der Furcht vor dem Staat. Der Staat erfüllt die Rolle des allmächtigen Tyrannen und setzt durch Gewalt liberale Toleranz auch bei chronisch intoleranten Individuen durch. Das muß in jedem Fall passieren, denn der Staat muß sich jede Theorie, jede Vision eines Guten unterwerfen, und zwar gleichgültig ob sie ausdrücklich religiös sind oder nicht, sonst bekommen diese Visionen Oberhand über ihn. Er hat deshalb immer die Oberherrschaft über die Theorie, und muß sie mit all seiner Exekutivmacht einfordern."

Locke hat das noch verfeinert, indem er die Illusion aufgab, daß der "Naturzustand" des Menschen friedlich wäre. Das ist er nicht. Sondern es wird immer zum Kampf unter Menschen kommen, wo es um ein Gut geht. Deshalb braucht es den Staat, den einzigen Garanten für zwischenmenschlichen Frieden.

Religion kann also zwar toleriert werden, aber nur, wenn sie keine Ansprüche auf Öffentlichkeit stellt. Sie muß letztlich völlig privat bleiben (und damit ihren eigentlichen Anspruch aufgeben). Der Staat darf nämlich keinen Rivalen neben sich tolerieren. Er muß damit nicht nur die legislative und exekutive Macht besitzen, sondern er muß auch die Oberhoheit über die Lehre beanspruchen.





*270517*

Freitag, 28. Oktober 2016

Aber die größere Gefahr ist der Relativismus (5)

Teil 5)





Aber das Heilsgeschehen, der schöpferische Weltengrund, ist kein berechnbares, rein menschlich-irdisches Nutzengeschehen

In keinem Fall kann aber diese liturgische Formenstrenge als "fanatische Starrheit" bezeichnet worden, wie es neuerdings selbst höchste vatikanische Stellen plötzlich wieder definiert sehen wollen. Das ist nicht nur falsch, sondern ungerecht, nicht nur oft verleumderisch, sondern Gotteslästerung. Denn nur sie ist der Garant, nur der direkte Nachvollzug dessen, was Gott selbst als Gegenwärtigsetzung des Heiles in dieser Welt tat und somit zum Sakrament - der jedes Symbol durch seine Realität übersteigenden wirklichen Wirklichkeit des reinen Geistes in der Gestalt - hinterließ, das alles ins Sakramentale hebt, in diese reale, fleischlich-dinglich konkrete Verbindung von Übernatur und Natur, die die endgültige, ewige Welt unter die Menschen getragen hat, für jeden guten Willens zur Teilhabe an ihr offen. Eine Wirklichkeit, die 2000 Jahre lang die Menschen so überwältigte, daß nichts die Grenzenlosigkeit erreicht, mit der sie diesem Vollkommensten alles gaben, was sie hatten, Gold und Silber gegen den Geist gaben, der sich der Hingabe bedient, um unter ihnen zu wohnen, auch wenn sie die Kirchentore verlassen. Das ist der Grund der Üppigkeit, die die liturgischen Formen annahmen - Hingabe, Freude, Spiel, grenzenloser Gestaltungsüberschuß, der jede rein irdische, banale Alltagsform überhöhte, in ihre größte Möglichkeit trieb, der reinen Schönheit, dem reinen Symbol wegen. Auf daß dieser Himmel das ist, was er ist: Lückenloses Gewebe aus Geist, in dem keine Form, kein Ding, keine Gestalt nur "weltliche Funktion" ist, sondern auf das Schöne hin aufreißt, weil er erst dann wirklich es selbst ist.

Das Motiv hinter der heute so beklagenswerten, ja sogar oft angestrebten Entwertung der Form aber scheint klar: Denn in der Ablehnung dieser Formenstrenge, die als Haltung eine der dogmatisch sehr abgesicherten, philospohisch sehr klar erkennbaren Gnadenevokation ist (siehe oben), soll das Tor zu einem Relativismus geöffnet werden, der aber dogmatisch wie philosophisch genau das nicht ist: Wahrheit. Er ist vielmehr der simplifizierende Weg zu einer Gnadentheorie, die das subjektive, rein menschliche Erleben, damit auch die Sentimentalität (als unreines Gefühl der Psychogenese, also: rein innerpsychisch entstandene Realitätssimulation) als den eigentlichen Ort des Gnade - im bewußten "Feststellen, daß es so ist", als eigentlichem Glaubensakt - ansieht. 

Damit wird klar, daß hinter der Auflösung der liturgischen Formen, deren nachlässige Praxis, deren Ersetzen durch menschliche Gesten, ein völlig anderes Glaubens- und Gnadenverständnis steht. Es ist genau das, was Paul Hacker als den eigentlichen Moment des dogmatischen Abfalls von Martin Luther so überzeugend identifiziert hat, wie er in der Kirche aber etwa über charismatische, freikirchlich-protestantische Annäherungen längst Eingang gefunden hat, nur notdürftig dogmatisch "gezähmt" ("katholisiert") wurde, sich aber als Grundstruktur vor allem junger Menschen zu einer breiten, bereits protestantischen und damit nicht mehr allumfassenden, katholischen Erlebensstruktur verfestigt hat.  

Aus dieser Haltung heraus haben sich auch seit Jahrzehnten philosophische Ansätze entwickelt, die unter oft offenen Rückgriff auf Hegels Dialektik das rein Faktische als den eigentlichen Ort der Gnade identifizierten. In dem die Form selbst keinen immer gleichbleibenden Part mehr einnimmt, sondern aus den zufälligen Wechselspielen der menschlichen Lebensvollzüge sich ohnehin "immer" das "Wahre" in einer immer weitergehenden Annäherung zum "Punkt Omega" (T. de Chardin) auf Jesus Christus hin annähert. Damit braucht es keine Formenstrenge mehr, denn wenn letztlich jeder menschliche Impuls, jedes menschliche Handeln einen absoluten Zug hat, der sich in jedem Fall in der Auseinandersetzung mit der Antithese der Begegnung durchsetzt, ist die konkrete Gestalt menschlicher Verfaßtheit völlig gleichgültig. SOLANGE gewissermaßen die Erlösungsfrüchte selbst bejaht werden, zum einen. Zum anderen wird das menschliche Bewußtsein zum eigentlichen Ort des Seins des Menschen. Damit wird auch der Glaubensakt in dem Moment zum "glauben", in dem dieses Bewußtsein als "wissend" formiert ist, daß es sich so verhält, wie der Glaube sagt.

Machen wir es an einem Beispiel konkret: Wer den anderen umarmt, macht ihm die Liebe erfahrbar. Nicht mehr der, der wahr am anderen handelt, der gerecht handelt, auch wenn das meist gar nicht direkt "als Liebe" erfahrbar wird, sondern der, der den anderne "glauben macht", daß er nun gliebt würde, der würde auch die Liebe Christi weitergeben. Nun soll nicht gesagt werden, daß das überhaupt nicht auf diese Weise möglich ist. Aber sehr wohl soll gesagt werden, daß dies als Weiterreichen der Flamme des Reiches Gottes kategorial völlig ungenügend ist. Denn die Weitergabe des Reiches Gottes ist die Weitergabe der fleischgewordenen Gestalt der zur Welt hernieder gekommenen Gnade. Und diese Gnade, dieses göttliche Leben ist (potentiell, nicht mechanisch-automatisch, s. o.) präsent ... in den Formen der Symbole.

Wer deshalb die Menschen liebt, und nicht nur davon redet, gibt und achtet (und vor allem: läßt) die Welt als Geflecht der Symbole. Wer Mensch sein will lebt, wer Lehrer sein will leitet sie an, in diese Symbolwelt hinaufzusteigen. Und das geht nur über Liebe zur Form. Selbst der dunkelste Materialismus als politisches System kam nicht aus, ohne eine Welt der Symbole zu schaffen - er hätte sich bei den Menschen sofort als Todbringer entlarvt. Und keine Frau glaubt dem Manne die Liebe, der ihr keine Welt der Symbole schafft, denn die Frau ist wesentlich reines Symbol, sonst ist sie überhaupt nicht. Wo die Frau in eine Welt des reinen, weltbegrenzten Nutzendenkens hineinfällt, verfällt sie beobachtbar und körperlich binnen kurzem. Sie braucht deshalb die Form, fast noch mehr als der Mann, auf die hin sie sich transzendiert, die ihr nur der Mann als Geber der Idee vermitteln kann, weil erst das ihrer Körperlichkeit Körperlichkeit, also Gestalt gibt. Wo der Mann sie nicht mit dieser Heiligkeit der Formensprache umgibt, tobt sie bald in sich, weil ihre Kräfte im Leeren bleiben.

Und deshalb gilt dies nicht nur für die Kirche, sondern für jeden Leib, dem jemand vorzustehen hat. Leib, der deshalb alles daran setzt, die Gesetze die ihm die Form vorgibt zu halten, zu beachten, auszutragen und zu gebären. Nicht einmal das kleinste Unternehmen kann ohne diese Polarität - Form und gehorsamer Inhalt, in wechselseitiger, aber andersgearteter Zubehörigkeit aus Geben und Nehmen (meinetwegen: das ist sogar im Yin-Yang-Symbol ausgedrückt, ein tiefes Symbol einer der Grundwirklichkeiten der Welt) - bestehen. Wehe aber dem Yin, das der Form des Yang nicht exakt gehorcht. Außerhalb dieser Form ist das reine Nichts.

Nur so kann eine wahrlich menschenwürdige - weil an der Göttlichen Weisheit anhangende - Welt geschaffen werden. Die aus der Opferdramatik heraus lebt, und weiß, daß ihre Aufgabe nicht darin liegt, ein rein irdisch-menschliches Paradies zu schaffen. Das nämlich genau das nicht hätte, was es zu simulieren versucht: Liebe und Geglücktheit, die sich an "irdischem Erfolg" oder "Wohlstand" niemals bemessen kann. Denn die Welt ist mehr als Stein und Materie, als geistlose Lebensdynamik in Pflanze und Tier, deren geistige Analogie nicht in ihnen begründet liegt, sodaß sie sie halten könnten - sie vereht mit ihrem Tod. Der Mensch aber ist mehr als irdisches Fleisch und Gebein. Er ist jenes Wesen, das zwar mit den Füßen auf der Erde steht, aber mit dem Kopf, dem Geist, dem "Führungsorgan", in den Himmel ragt, und so die Wege seiner Füße bestimmt. Er ist jenes Wesen, das die banalen Verrichtungen der Aktions-Reaktionswelt der unbelebten, der vegetativ-belebten, der animalisch-belebten Welt zu übersteigen hat, um sie über die Form des Symbols in den Geist Gottes zu heben.







*Das Reich Gottes in der Neuen Schöpfung, nach allem Ende dieser ersten Schöpfung, nach dem Jüngsten Tag, wird nicht mehr untergehen, weil dann auch die in der jedem Menschen als Erbe weitergegebenen Hinfälligkeit, Brüchigkeit des Menschen - der Grund für die ständige Gefährdung der Welt, aus Gott zu fallen, und damit ins Nichts - wegfällt, das ewige und höchste Glück für alle also (wieder) Bestand hat, weil auch kein Teufel mehr Versuchung zum Abfall bilden kann.




*070916*

Donnerstag, 27. Oktober 2016

Aber die größere Gefahr ist der Relativismus (4)

Teil 4)




Die abendländische Kultur ist eine Kultur der katholischen Messe und Meßliturgie

Daß aber die Formenstrenge der Liturgie die eigentliche Dimension ERST UNTER DIE MENSCHEN TRÄGT wird dabei sogar leicht vergessen und aus menschlich-allzumenschlichen Regungen und Befnagenheitsneigungen sogar zur Nebensache. Damit wird die Liturgie nach und nach abgeschwächt, mit der Zeit sogar unnötig. Und wer die Liturgieveränderungen in den letzten 45 Jahren ansieht sieht auch, daß es tatsächlich zu einer immer weiterführenden "Vermenschlichung" der Liturgie kam, während das geistige Leben - und das erkennt man ganz konkret an der Lebensweise, die Ausdruck des wirklich, nicht nur im Gewußtsein vielleicht aus logischen Gründen Plausiblen, sondern des wirklich Geglaubten ist - einen vor 50 Jahren kaum vorstellbaren Tiefstand erreicht hat. Was der VdZ in seiner Kindheit in den 1960er Jahren noch erlebte war verglichen mit heute eine Dichte einer katholischen Kultur und eine Gegenwart von Symbolik, die vor dem Horizont der Gegenwart wie ein Paradies der Lebensfülle, wie eine Erzählung aus 1001 Nacht erscheint.

Das ist der Grund, warum schon bald nach den ersten dieser Reformen, als diese Gefahren auszurechnen waren, wie sie sich auch tatsächlich realisiert haben, Bewegungen entstanden - erst waren es nur vereinzelte Priester, Theologen, Gläubigengruppen, heute ist diese Bewegung schon etwas breiter - die Forderung nach "Reform der Reform" laut wurden. Und einzelne Gruppen wenigstens in musealem Gestus die Liturgie als lückenloses Flechtwerk der Symbolik zu bewahren suchten. So, wie Kaiser Karl im Untersberg schläft, um eines Tages wieder hervorzutreten, ist dies in einem ersten Schritt in den entsprechenden Dekreten der Päpste Johannes Paul II. und vor allem Benedict XVI. geschehen, in der diese symbolvolle Liturgie nunmehr wieder allgemein zugängig gemacht werden soll. (So wenig das in der Praxis auch geschieht, so haben die, die es tun, heute wenigstens einen offiziellen Status der "Gestattetheit", was manche Verkrampftheit aus "Verteidigungs-Reaktion" - siehe "Rubrizismus" u.ä. - mittelfristig wieder lösen sollte.) 

Weil aber der Mensch ganz real zu allererst auf das Sein selbst - auf Gott - ausgerichtet ist, weil alles Leben sich in seinem innersten Kern als "Stehen vor Gott" erweist (man muß es nur sehen lernen, dann - sieht man es, in jedem Leben!), ist der erste menschliche Lebensvollzug ein Symbol des Herkommens von diesem Gott. Der Geburtsvorgang ist seltsamerweise noch von niemandem (zumidneste ist dem VdZ niemand bekannt) als das begriffen worden, was sich doch so offensichtlich vollzieht: Als geheimnisvolle Synthese aus Opferschmerz der Mutter (als Symbol der Kirche, ja Erde, hineingezwungenin einen phantastischen Ritus, in dem ihrer Öffnung auf den logos hin etwas mit ihr geschah und nun im Geburtsvorgang passiert, das "über sie kommt" wie die Macht Gottes) und Hereinbrechen des Transzendenten, des "von außen, aus dem Geheimnis kommenden", dem Kind. 

Alles Leben geht deshalb von jener Grundgestalt aus, die der Mensch "als" göttliches, sakrales Geschehen voller Symbolik - als Symbol - zuerst erfährt. Kein banales Nutzendenken kann sie noch zerbrechen, liegt das Würmchen in den Armen der Mutter und sucht die Brust. Das denkt sich der VdZ immer, wenn er in Sopron/Ödenburg, wo er seit geraumer Zeit wohnt, auf auffallend vielen Tabernakeln die Statue der Gottesmutter plaziert sieht, immer in ihrem Mantel, der die gewobene Welt ist, sodaß der fleischgewordene Gott "unter" ihr wirkt, als gebäre sie den Schöpfer und Erlöser in einem durch die Kunst der Schöpfer dieser Sakraleinrichtungen immer gleich präsenten, deshalb immerwährenden Akt der Geburt.

Das macht noch verständlicher, wenn man in Zusammenfassung so vieler weiterer Symboliken begreift, daß jedes menschliche Leben im Gottesdienst, diesem Gesamtkunstwerk der Symbole, diesem in der Liturgie real präsenten Reich Gottes, seinen Ausgang nimmt. Von dort ging jede Kultur aus - von ihren Sakralstätten, die heute noch oft die eigentlichen menschlichen Ansiedlungen rein architektonisch weit überragt (Chartres, Mariazell, immer noch: Wien, Köln, Jerusalem, etc. etc.; von anderen Religionen und archäologischen Zeugnissen gar nicht erst zu reden) Es war die sakrale Architektur, die die menschlichen Rhytmen und Bewegungsdynamiken und Harmonikonstellationen gestaltete, und es war die Liturgie, der Sakraldienst, der ihnen jene innere Bewegungsmotivik gab, aud der heraus sie dann sechs Tage lang ihr Alltagsleben gestalteten. Wer an dieser Religion nicht teilhatte, hatte deshalb auch am Leben eines Volkes nicht teil.*

Es ist das Fest - Symbol reinster Form, reines Geschenk der Freude und Schönheit - aus dem eine Kultur entsteht. Das Fest, das an sich Symbol ist, weil es "einen Sinninhalt" zelebriert. Bis heute hat selbst das banalste Bierzeltfest, die simpelste Kirmesfeier, einen Kranz von Symbolen, der es zum Fest "macht", der es zu einem Festkranz zusammenschließt. Was allen Kulturen also schon eigen ist, ist es dem christlichen Abendland schon lang, denn anders als alle übrigen ist sein Fest REAL, eine andere Welt, ein Hineintreten in die jenseitige Welt.

Es ist deshalb die heilige Messe als Ort größten Kunst- weil Symbolgenusses, ja "Verzehrs", die sogar noch die Symbolik übersteigt, weil es REAL macht, weil es das überbordende der Formensprache zum "realen Weltgeschehen" macht - als Sakrament. Was allen anderen Religionen nur "im Gedächtnis" real bleibt, bleibt dem katholischen Christentum als "Weltending" real, greifbar, sichtbar, konsumierbar. Real selbst dem, der es nicht in seiner geistigen Dimension sehen kann, wie der Stein an dem sich der Fuß blutig stoßt, obwohl man ihn nicht sah. Und real und der willentlichen Teilhabe aller menschlichen Ebenen offen auf jeden Fall dem, der glauben will und sich deshalb diesen Ebenen und dieser Dimension öffnet.


 Morgen Teil 5)




*Es kann oder muß gegenüber dem Islam nur eine Abgrenzung der Unvermischtheit, also der Ausgrenzung aus dem Kulturraum Europa als Kritikpunkt geben. In so vielem aber, was am Islam kritiseirt wird, zerlegen wir unsere eigenen kulturellen Grundlagen, daß es oft nur noch schauderlich ist. Ja, gut, manche Formen - als Symbole und Riten, die auch im Abendland letztlich noch existieren - sind überzogen, eigentlich entsymbolisiert und erschreckend banalisiert. Aber das kann nur ein Problem des Islam selbst sein, den wir von unserer Kultur einfach fernzuhalten haben. Dann können oder dürfen wir ihn sogar wieder ob seiner zweifellos großen Poesie als Menschheitsgut (freilich, nicht als Religion, die wir attraktiv finden könnten) lieben!





*070916*

Mittwoch, 26. Oktober 2016

Aber die größere Gefahr ist der Relativismus (3)

Teil 3)





Ein Abendland gibt es nur noch, weil in seinem Inneren ein Skelett der Symbolik ruht

Viele sind nämlich präsent, und immer noch Gegenwart, die wir gar nicht mehr als christliche Symbole kennen! Manche sind einfach so liebgewonnen, daß wir sie aufrechthalten, auch wenn wir sie "bewußt" bzw. im Denken von christlichen Inhalten entblößen, wie das Weihnachtsfest, Ostern, Namenstage (als Geburtstage für das Reich Gottes). Und immer noch wollen viele heiraten, taufen lassen oder gefirmt werden, oder die Toten von einem Priester begleitet begraben, die von den eigentlichen Symbolgehalten nicht mehr den blassesten Schimmer haben. Und selbst der "heilige Sonntag" hat noch seine Wertschätzung. Immer noch bieten viele Gasthäuser am Freitag ein Fischmenue an (eine ganz spezifisch katholische Symbolik, die die eines fast schon wieder banal-nützlichen "Opfers der Fleischlosigkeit" (früher aber noch wenigstens wirklich ein Verzicht für alle) weit übersteigt, denn Fisch ist das Symbol für Christus), und wenn in fast allen unseren Städten und Dörfern die Kirchenglocken läuten, so ist das weit weit mehr als Zeitansage oder Botschaft des Meßbeginns.

Die Glocke selbst ist ein Symbol für Christi Fleischwerdung, sie durchdringt mit ihrem Schall alles, buchstäblich, läßt alles im Glockengeläut in eine neue Dimension steigen, tatsächlich: "sich wandeln". Und was gibt es für Wesen und Wirklichkeit Christi an besserer Symbolik? Alles bleibt zwar es selbst, aber alles ist von einem neuen Schwingen - von der Kirche aus - verwandelt und IN diesem Klang geeint, geeint gerade in der Unterschiedlichkeit und Offenheit für den Anruf Gottes. Das ist die Wirklichkeit, die zur Einführung der Glocke geführt hat, kein pragmatischer Nutzen, der mag zufälliger Auslöser gewesen sein. Sie ist deshalb nicht einmal "Aufruf" zum Gebet, den ihr Klang IST bereits Gebet, und der der sie hört, der der sich von ihrem Klang erfassen und formen läßt, betet bereits.

Im Jubel bei den Festglocken, in der nüchternen Trauer der einsilbigen, akkordlosen Totenglocken, deren Ton ein bereits verhaltenes, letztes Abschiedsweinen ist, das den Leichnam auf seinem nun wirklich einsamen letzten Gang durchwirkt. Im erdaufbrechenden, alles erschütternden Triumph, wenn zu Ostern das volle Geläut gar nicht mehr enden will und in der Glocke das Licht aufbricht. In der mitleidigen Trauer des Läutens am Freitag um 3, der Todesstunde Christi. Im Flehen, in der scharfen Warnung, im Aufrütteln und im Sturm zu Gott, oder bei den Mittagsglocken, die zu Besinnung, zur stärkenden Rast, zum Heraustreten aus allen Weltstrudeln rufen. Man hört und fühlt bei jedem Läuten, was sie als Gestimmtheit über das Land werfen, was sie als durch das Schicksal geworfene Stimmung einen, damit dem Leben seine Ordnung zurückgeben und zur Zeit machen. Sollten wir das Glockengeläut der Kirchen eines Tages aufgeben (müssen), und es wirkt nicht mehr unmöglich, werden wir unserer Einheit in Stadt, Land und Staat einen letzten Todesstoß geben, wird das alltägliche Leben in unbarmherziger Fron versinken, weil  nichts mehr das Leben selbst aufruft. Daß wir ausgerechnet mit der Einführung des Vergleichs der Lebensabäufe mit einem mechanischen Uhrwerk - was wir "Messen der Zeit" bezeichnen (als ließe sich Zeit überhaupt "messen"!) - die Zeit selbst (buchstäblich, nicht nur im übertragenen Sinn) zu verlieren begonnen haben, denn fortan ist sie nicht mehr von uns (in Gott) gesetzt und damit geschaffen, fortan bestimmt sie despotisch über uns und alles Heilige, reißt die Welt regelrecht in Stücke, ist eine der tragischesten Wendungen des Abendlandes - und Symbol, und welches noch dazu.

Oder man denke an die Gipfelkreuze, die Bezug auf die Wirklichkeit des Berges geben - denn es sind die Berge (!), die eine abstrakte Masse Land zum Raum machen, die also Raum und Landschaft schaffen. Sie sind die Schöpfer der Regionen, sie ordnen die Welt, und teilen dem Menschen in der Orientierung diesen Raum mit. Sie ragen zum Himmel, in ihnen ist man dem Geist näher, ja das Reich Gottes ist immer als "Stadt auf dem Berg" bezeichnet worden. Die heilige Verehrung der Berge ist so alt wie die Menschheit. Was kann dieses Symbol mehr überhöhen als das ihr eigentliches Geheimins - das Symbol des Kreuzes, das in der Hingabe (Voraussetzung, um den Berg zu erklimmen) diese Höhe und DAMIT Gottesnähe noch einmal zur wirklichen Gotteesnähe (in der Hingabe, im Selbstopfer) übersteigt?

Wenn der ehemalige Rekordbergsteiger Reinhold Messner die Abschaffung der Gipfelkreuze fordert, wie jüngst tatsächlich geschehen, dann beweist er, was für ein hohler Flachkopf er in Wahrheit ist- Der offenbar lange schon aufgehört hat (wenn er es je tat), die Symbolik seines eigenen Tuns noch zu begreifen und es als Methode einer Erfolgstechnik und -gier sieht (denn seine Rekorde in ihrer unvernünftigen Waghalsigkeit (der sein Bruder sogar zum Opfer fiel) muß man so begreifen - als wäre es ihm um viel und noch mehr gegangen), mit der er viel Geld verdienen kann, weil genug Menschen heute flach und hohlköpfig wie er sind. Aber die Berge gehören zu unserer Kultur nicht als Dekor im Zimmer, sondern als kulturprägende weil raumschaffende Gegebenheiten, die wir zu hören und zu verstehen und noch weiter auszudeuten wußten. Sie mit Kreuzen zu bestücken ist kein willkürliches Herrschaftssymbol, sondern Ausdruck abendländischer Geistigkeit. Wenn Muslime dagegen wettern dann zeigen sie nur - wieder: als Symbol weit verräterischer, als sie selbst es wissen - was an Europa sie in Wahrheit stört.

Denn ein Berg ist eben NICHT ein abstrakter, zufälliger "Berg". Er ist in sich ein Symbol, erst dann ist er überhaupt Berg. Sonst wäre er nur leerer, aussageloser Gesteinshaufen, den bestenfalls noch Bulemiker und Ehrgeizbesessene wie ein tecnisches Gerät besteigen. Wer aber einmal auf einem Gipfel stand - er muß gar nicht hoch sein, sollte nur aus einer Landschaft herausragen, sie dominieren, probiere es der Leser; der Sonntagberg im Mostviertel, oder Maria Taferl in der Wachau, beides in NÖ, genügt - wird etwas erleben, das ihm auf der Ebene versagt bleibt. Die Völker beweisen es, denn Religionen der Tiefebenen und Steppen sind völlig anders strukturiert als solche von Bergvölkern, deren "Gottesvorstellung" viel konkreter, fast dingverliebter ist.

Die Ebene neigt zu Pantheismus, weil das konkretisierbare Erlebnis als Gott "hinter den konkreten Dingen der Welt" fehlt. Die Tibeter aber haben sogar einen inkarnierten Gott (Buddha), den Dalai Lama, und eine Religion oft sogar barbarischer Ritualität. Während schamanisch-pantheistische Vorstellungen bei den Ungarn (die aus der Ebene des Ostens kommen) noch bis in die Neuzeit (lt. völkerkundl. Literatur) eine beachtliche Rolle spielten. Von den sibirischen Völkern gar nicht zu reden.

Vergleiche man damit die feinfeinste, bis ins kleinste Detail symbolschwere Religiosität der Schlesier der Grafschaft Glatz, der auch der VdZ letztlich entstammt. Er war immer wieder ob dieser allen gemeinsamen Eigenschaft erstaunt, wenn er mit (deutschen, also: "früheren") Glatzern konfrontiert wurde, wie erst vor wenigen Monaten bei seiner Reise dorthin. Die sich die Bewahrung des Katholizismus sogar gegen Friedrich II. erstritten, und wo noch das einfachste Volk ein wahres Märchenland des Symbols vor sich ausgebreitet fand, wo jeder größere Stein Bedeutung hatte. (Ganz so hat auch der VdZ seine Kindheit - allerdings schon in Österreich - durchlebt.) Was für eine reiche, übervolle Kultur!

Der Leser möge sich doch selber umsehen, in unseren Ländern - er möge sich selbst wieder erziehen, zu sehen, wie voll unsere Kultur mit Symbolen ist. Dann wird er erkennen, daß sie es sind, die die Welt aus dem banalen materialen, toten, stummen Funktonsablauf zu schöpferischer, geistiger Gestalt heben, die erst Leben überhaupt bedeuten. Das ist keine nette Fleißaufgabe nervöser, übersensibler Träumer, im Gegenteil: Es ist das eigentlich erst eine humane Welt Schaffende. Halte der Leser also inne, wie es sich auch der VdZ immer wieder mahnend vor Augen stellt, trete er heraus aus dem Fluß der Träume einer dumpfen Verlorenheit, diesem Reich des Todes, und hebe er die Welt ins Licht des Geistes des Lebens, aus dem sie stammt, und hauche er den Steinen wieder Leben ein. 

Und das heißt: FORM, das heißt Ritus. Das heißt nicht Mühevermeidung und Bequemlichkeit, sondern Girlande und Umweg, Versagung, Gehorsam dem Gehörten gegenüber, heißt Heraussteigen aus aller Automatik - und plötzlich hebt sich ein Erleben, nein, Erleben überhaupt, das sonst vorenthalten bleibt und von dem man nicht mehr genug bekommen kann, weil sich Himmel und Erde küßt.

Selbst wenn sich das heutige Europa so viel auf seine "Menschlichkeit" einbildet, auf seine "Liebe", wenn es sich in manchen Ideologien für "die Unterdrückten" einsetzen möchte, so ist unübersehbar, daß es diese Ideen ohne christlichen Untergrund gar nie gegeben hätte und nicht mehr gäbe, so wenig es auf Dauer auch ausreichen wird, was sich ja längst abzeichnet. Weil diese vom eigentlichen symbolischen Grund losgerissene "Menschlichkeit" allerorten bereits zerstörerische, abstoßend banale Züge annimmt (wie im Gleichheitswahn, im Gendering, in der plumpen "sozialen Forderung", etc. etc.)

Aber immer noch wird Höflichkeit geschätzt, wenn auch immer seltener praktiziert, weil als Spiel von Symbolen gar nicht mehr weitergegeben, übernommen und gekannt, sondern durch einen tatsächlich neuen, banalisierten, auf Funktionserledigung abzielenden, entsymbolisierten mitmenschlichen Umgang ersetzt. Der etwa einen Wert darin sieht, dem anderen brutal ins Gesicht zu kotzen, was man gerade von ihm dächte, möchte oder nicht möchte - während wahre Mitmenschlichkeit, das Reich der Poesie als Reich des gelungenen, schönen Lebens ohne Kreuztragen an der Schwäche des anderen, ohne Haltung der Bereitschaft an ihm auch zu leiden, gar nicht möglich ist. 

Stattdessen wird es fast schon zur Tugend, sich am anderen direkt schadlos zu halten, sich zu rächen, ihn gleich gar zu bestrafen, wenn er einem - vermeintlich - Unrecht getan hat. Hier zeigt sich am Augenfälligsten, wie ohne Formenstrenge der Symbole menschliche Kultur völlig zusammenbricht und zum primitiven vegetativen Überlebenskampf wird, in dem sich als selbsterfüllende Prophetie die Evolutionsphantasien, die bereits eine tote, entsymbolisierte Welt vorwerfen, "beweisen".

Niemand achte aber das noch Bestehende, so schwach es auch schon oft sein möge, einfach so gering, auch wenn es meist kaum noch artikulierbar - "bewußt gewußt" - ist. Es ist das feste, geheimnisvolle, immanente Symbol-Skelett unserer Kultur. Erst wenn diese Dinge ebenfalls fallen, auch übrigens weil mancher Bischof oder Priester irrigerweise meint, er müsse auf "volles, bewußtes Begreifen" Wert legen, oder wenn wir sie durch Rituale aus anderen Kulturen und Religionen ersetzen, dann ist auch diese Kultur wirklich tot. Denn es ist ohne jeden Zweifel eine zutiefst christ-katholische Kultur.

Ja, weil sie sich auf eine gewissermaßen "niedere", rein menschlich-irdische, weltimmanente Ebene einer verzweifelten selbstevozierten Scheinwelt beziehen, sind sie einer gottweisenden, ihn erst erfahrbar machenden Symbolik nicht nur nicht angemessen, haben also in einer Liturgie der Kirche rein gar nichts zu suchen, sondern bergen sogar eine immense Gefahr. Daß nämlich die eigentliche Dimension der Symbolik, wie sie nur und über eine meist lange, noch wichtiger aber: in der historischen ersten Zeit, also in noch recht unmittelbarer historischer, realer Anwesenheit Gottes selbst (bzw. die noch sehr originale Erinnerung daran), wutzelnden Genese in einer immer weiter ausgearbeiten (immer reiner! reiner! nicht verwaschener, unreiner! gewordenen) Formenstrenge eingefangen ist, daß also diese eigentliche Dimension des Symbolik gar nicht mehr erfahrbar wird, weil sie von rein menschlich-weltimmanenten Gesten und Gefühlsinhalten überlagert wird. Mit der sich viele Menschen oft sogar schon abfinden. Damit stirbt die Liturgie, damit wird sie zur ein menschlichen Veranstaltung, die durch jede Gruppentherapie (die ja auch bei den Teilnehmern eine gewisse gebesserte Befindlichkeit erreichen will) oder jedes Rockkonzert (bewußt: Rockkonzert, denn der heutige Rock setzt nicht auf Musik, sondern auf Mechanismen der Erlebensformung; der Besucher von Rockkonzerten muß also nicht mehr selbst erleben, erlebt also gar nichts mehr, sondern konsumiert vorgesetztes Erleben, indem er sich dazu von 80.000 Watt Lautsprechern schon rein schalltechnisch-mechanisch überwältigen, ja freiwillig vergewaltigen läßt*) ersetzbar würde.


Morgen Teil 4)



*Die Gewalt an der Erlebensfähigkeit, der sich oftmalige Konsumenten lauter Rockmusik (Ohrhörer ersetzen dabei die Lautsprecherboxen problemlos) erkennt man u. a. an der seelichen Trägheit bzw. kommt die "Musik" jener entgegen. Zur Frage, wieweit Rockmusik in der Kirche konstruktiv sein kann, muß nicht mehr viel gesagt werden - sie ist aus ihrem Wesen heraus sogar nachgerade anti-religiös und lebensfeindlich. Daß Besucher solcher Veranstaltungen aber von "Erlebnis" sprechen ist kein Wunder.  Nur ist es eben kein Erlebnis, sondern eine "reaktive, passiv hingenommene Zugestoßenheit" von Regungen, die aus dem schon rein physischen Geschehen hervorgehen, das über sie ergangen ist. 

Jedes Hören aber ist ein aktives, schöpferisches Geschehen! Jedes Erleben der Sinninhalte von Musik ein eigenschöpferisches Formen! Jedes um Verstehen bemühte Zuhören ein aktives Selbstsprechen. Erst so kann man sich als "gehörter, objektivierter Inhalt" dazu verhalten.




*070916*


Dienstag, 25. Oktober 2016

Aber die größere Gefahr ist der Relativismus (2)

Teil 2)




Fällt die strenge Form der Symbolik, dann stirbt die Welt


Fällt die Symbolik, wird sie ausgelöscht, fällt die Welt, wie Cristina Campo einmal schreibt, in den Tod. Die Welt wird tot. Das Ende der Zeit (und damit das Ende der Geschichte) ist in dem Moment gekommen, in dem alle Symbolik ausgelöscht ist. Denn in dem Moment ist die Welt nicht mehr das fleischliche bzw. fleischgewordene Reich des Geistes - das Reich Gottes besteht (oder: bestünde) nicht mehr (würde die Zeit nicht abgekürzt, darauf dürfen wir hoffen).

Aus diesem Grund muß die ganz konkrete, architektonisch errichtete Kirche ein vollkommenes Abbild (oder: soll es sein ...) diese Reiches Gottes, der Kirche in jeder Dimension, eingegliedert in den Ewigen Chor der bereits vor dme Angesicht Gottes steht, und immer dort steht, weil das Symbolische in seiner Ewigkeitsdimension keiner weltlichen Zeit mehr unterworfen ist. Speziell in den Kirchenbauen bis zur Moderne ist dieses Begreifen zu einer Blüte gediehen, die etwa in den gotischen kathedralen zu einem lückenlosen Ensemble purer Symbolik wurde, wo alles einen Ewigkeitswert hat und als Gesamtkomposition ein Fenster zum Ewigen Geist ist. Womit wir beim Wesen der Kunst sind.

Keineswegs also ist es zum einen egal, ob das Leben in Symbolik und Symbolhaftigkeit stattfindet, denn es ist sogar seine Voraussetzung. Und keineswegs ist es auch egal, in WELCHER Symbolgestalt die geistigen Inhalte in die Welt hinein verfleischlicht werden. Denn das konkrete Symbol ist über das menschliche Erkennen jener Ort auf jener Ebene, die der menschlichen Verfaßtheit als sinnliches und sinnenhaftes, aber auch in den Geist ragendes Wesen (der Mensch also in Dialogik mit dem Geist, analog zur göttlichen Dreifaltigkeit - "Nach seinem Abbild schuf er ihn.") über die Dramatik dieses Zueinandergeschehens entspricht. Einen anderen Weg gibt es nicht, bzw. ist kein anderer Weg "verantwortbar" (wenngleich "für Gott alles möglich" ist), weil dem Menschen gewiesen. 

Auf einen anderen Weg zu spekulieren - und erst recht, die Symbolik als nebensächliches Brimborium zu sehen, dessen Form unwichtig ist - ist also Hochmut und Vermessenheit, ist in Wahrheit sogar ein Schlag in das Gesicht Gottes, dessen Weisheit als Abbild in der konkreten Schöpfung als unwesentlich dargestellt wird. Meist mit dem Scheinargument, daß es ja nur auf seinen reinen Geist ankäme. Das heißt, daß sich z. B. über das ganz konkrete Abbild des gekreuzigten Jesus Christus - das Kreuz ist ein Symbol - im Menschen jene Erkenntnis zuerst über die Sinne abbildet, die er dann (als Eigenleistung, gewissermaßen) in seinen menschlichen Geist hineinholen muß, wo sie auf jeder Ebene des menschlichen Daseins ihre Entsprechung bilden kann, bis sie im Geist die höchste Form annimmt - als reine Form.

Es wurde schon angesprochen, aber soll noch einmal ausgeführt werden - das, was das Symbol vom menschlichen Zeichen unterscheidet. Denn innerhalb der menschlichen Weltlichkeit bzw. aus ihrer faktischen Zuständlichkeit alleine heraus ist eine Symbolik kaum oder sogar gar nicht möglich. Nur in der Selbsttranszendierung AUF FORM HIN vermag der Mensch eine Gestaltdynamik abzubilden, die tatsächlich das Ewige in die Welt hereinholt. Nur so bleibt das Bleibende, das Eweige von Anbeginn, auch in der Welt - im stets neuen Rückgriff. Rein menschliche Geste mögen einen gewissen vorübergehenden Wert (auch in der Klugheit) haben, sie können aber niemals die Größe und Bedeutung der Symbolik erreichen.

Noch mehr aber, hat die Kirche das alltägliche Leben der Menschen dieses abendändischen Kulturkreises durch eine nach und nach immer dichter werdende Gestaltung des gesamten Tages- wie Jahreskreises immer mehr in diese Welt der Symbole hineingeholt. Und die Menschen haben ihr Leben aus diesem Rahmen zu gestalten begonnen, nach und nach, und nach und nach auch die Fülle des Lebens aus dieser Welt der Symbole - der Kirche, dem Reich Gottes also - in ihrem Leben realisiert. Das war bei weitem nicht immer, ja nicht einmal ansatzweise sogar "bewußt" so, sondern es war ein immer innigeres, immanentes Verhältnis zu diesem Reich der Poesie, in das von den allermeisten fast jeder Lebensvollzug hineingeholt wurde: Die Menschen haben ihre Lebensvollzüge zu ritualisieren begonnen. Man denke an immer noch bestehende formen die das Morgen- und Abendgebet, die regelmäßige Teilnahme an den kirchlichen Liturgien und Festen sowieso, das Tischgebet, das Kreuzzeichen beim Anschneiden eines frischen Laibes Brotes, der berühmte, an so vielen Orten gepflogene "In Gottes Namen ...", die Wegkreuze, die Kreuze in den Häusern und öffentlichen Gebäuden, die Rituale der Rechtssprechung, um nur einige der Auffälligsten zu nennen.

In diesem Rahmen nimmt das Symbol deshalb auch immer eine gewisse kulturspezifische Form an, aber nur in diesem Rahmen. Dann wird es zum "Kreuz der Johanniter" - weil es in dieser spezifischen Form noch weitere Konkretion in die Welthaftigkeit hinein angenommen hat - oder zum "Stern Davids", zur "Liturgie der Franziskaner" oder zur "Liturgie der Arberesh" auf Sizilien, jener im 15. Jhd. vor den Türken übers Meer geflohenen albanischen Bevölkerung, die bis heute ihre alten Liturgien und Symbole - bis hin zur alten Sprache der Liturgie - bewahrt hat. Aber mehr als das. Diese spezifische Hineinprägung des Symbols zur Welthaftigkeit ist sein eigentlicher Ort der Weltwerdung und der Fensterhaftigkeit. Denn Heil ist IMMER spezifisch, ist immer regional, ist immer sehr in eine bestimmte Situation hinein gesprochen.

Es muß deshalb davor gewarnt werden, die Symbole selbst wieder zu abstrahieren, in eine abstrakte Gestalt gegossen zu sehen. Das wird ihrer lebensspendenden und lebenstragenden Aufgabe nicht gerecht. So schwierig diese Frage oft auch zu beantworten ist, weil es genau darum geht: Ob diese Gestaltenindividuation noch den eigentlichen Symbolwert erfaßt oder ihn zur bloßen Kulturerscheinung stilisiert, zur bloß ästhetischen Frage oder gar einer Kultivierung einer Unkultur, einem Defekt in der Regionalkultur macht. Der Inkulturationsstreit der Symbole in der Kirche hat eine lange Tradition und ist bis heute natürlich eine immer gleich brennende Frage.

Umso mehr aber hat die Kirche immer Wert darauf gelegt, einmal in diesen Hinsichten geklärte Fragen und damit Kult- bzw. Symbolvarianten hochzuschätzen und zu bewahren. Wenn es stimmt, was katholisches.net schreibt, daß der Vatikan jüngst die erwähnten (letztlich: orthodoxen) Kulte - Erinnerungen an Zeiten, in denen Byzanz und Rom noch in ein und derselben Kirche geeint waren - vereinheitlichen, damit "abstrahieren" will, um so einen "gemeinsamen kleinsten Nenner" zu finden, dann kann man sich nur über diese lieblose Gewalt wundern. Noch dazu, wo dieser uralte albanische (immer als katholisch anerkannte!) Kult ein Ausgangspunkt für eine wirkliche Union des Katholischen Kreises mit der Orthodoxie des Ostens sein kann, weil in ihm beide noch vereint waren.

Aber es wäre - leider - typisch für das, was man heute als gefährliche Tendenz in der Kirche feststellen muß. Die die Wahrheit der Form relativiert, auf eine minimale allgemeine Form herunterbrechen will, auf die es letztlich gar nicht - weil sowieso nicht - ankommt. Nichts ist deshalb unkatholischer als eine Zentralisierung der Symbolik des Kultes bis ins Detail. Noch dazu wo man ganz konkret befürchten muß (wir führen das aber hier nicht weiter aus), in der die Symbolik des Heils durch eine banale Symbolik einer abstrakten, spiritualistischen Zwischenmenschlichkeit ersetzt werden soll, wo rein menschliches Fühlen und Wollen und vor allem (!) subjektives Befinden angestrebt werden soll, das die Symbolik ersetzen soll. Genau das, was in vielen Pfarreien unseer Länder heute bereits Alltag ist - und die Kirchen wie die Theater "leergespielt" hat (wie ein Regisseur zum VdZ einmal meinte.)

Wo im selben Maß, wo beim Friedensgruß alle durch die Kirche zu laufen begannen, um sich zu herzen und zu küssen und nach dem Befinden des letzten Babies zu fragen, wo im selben Maß, als die Liturgie regelrecht "leergeräumt" wurde, sodaß heute nur noch ein Entertainer am Altar steht, der dem Volk zugewendet eigentlich nichts tut als zu reden und vor allem zu erklären, was angeblich nun passiert (aber nicht mehr zu sehen ist, weil die Symbole weggelassen wurden, dabei soll ja genau das passieren: es soll gesehen werden, es soll ja ganz real passieren!), die Menschen den Gottesdiensten fernblieben. Denn Mitmenschlichkeit auf dieser Ebene - und mehr ist es ja nicht mehr, was der durchschnittliche Gottesdienstbesucher heute am Sonntag erlebt und sieht die eigentlichen liturgischen, symbolischen und realen Akte sind auf ein kaum noch sichtbares Minimum reduziert; am meisten bewegt sich da noch, wenn der Pfarrer zu den Menschen rennt und ihnen die Hand zum Friedensgruß schüttelt wie ein um Wahlstimmen werbender Bürgermeisterkandidat - liefert jeder Stammtisch ums Eck um Dimensionen besser.

Es kann aber in der Liturgie nur eine Wirklichkeit geben - die der Symbolik. Denn nur sie ist der Himmel, im Sakrament sogar ganz real. Und ihre Freuung ist die des Geistes. Geist aber ist eine Dimension, die ein Sterben gerade des Menschlich-Allzumenschlichen voraussetzt. Nur dann ist auch seine Freiheit zu erreichen - wenn der Mensch von rein zwischenmenschlichen Antrieben völlig frei ist. Nicht durch die Liturgie - auch noch gerade vor der Kommunion, der Begegnung mit dem reinen Geist in der Brotsgestalt, in der das Symbol zum realen Zeichen des Himmels wird - sogar noch dazu getrieben wird, also bereits die reale Erfüllung des Symbols ist, dessen Zerbrechlichkeit damit übersteigt.

Dahinter steht das, was Antonio Rosmini als einen der sich im 19. Jhd. endgültig abzeichnenden Allgemeindefekt des Abendlandes erkennt - die Verdinglichung des Geistigen. Als Für-sich-nehmen eines in einem formalen Vollzug immanent enthaltenen, aber nicht voraussetzungslos Konsumablen: Liebe, Geborgenheit, Vertrauen ... Dinge, die für sich nicht "machbar" sind, auch nicht explizit als Erlebensquant vermittelbar, sondern bestenfalls Folge, Frucht eines ganz anderen, wahren, realen Geschehens, bestenfalls Punkt, auf den sich Hoffnung bezieht. Der aber für sich praktisch kaum je erlebt werden kann. Der sich deshalb aber hervorragend für Täuschungsabsichten und die Lüge der Schizoidität (der "Behauptung", der kein Sein entspricht) ausnützen läßt.



Morgen Teil 3)





*070916*

Montag, 24. Oktober 2016

Aber die größere Gefahr ist der Relativismus (1)

Es gibt etwas, das man "Rubrizismus" nennt. Damit ist ein bis zum Fanatismus geführtes Festklammern an Formen gemeint, das den unbedingt notwendigen freien Zugang zu Riten und Liturgien, zu Symbolen also, überlagert und sich an formalen Vollzug klammert, als würde alles bereits darin enden. Damit wird eigentlich jenes Kreuz der Hingabe erstickt, das als Transzendierung des menschlichen Tuns auf das Göttliche hin das eigentliche Einlaßtor der göttlichen, ungeschuldeten, also freiwilligen Gnade ist, die immer nur herbeigefleht werden kann - und ein Akt der Freiheit wird. Der Freiheit, die ein Akt ist, der in dem Moment entsteht, als in Bindung ein freier, objektiverter Umgang mit der Form stattfinden kann. Denn es ist die Bindung, die die Freiheit erst ermöglicht. Freiheit ist eben kein dauernder Zustand der Freiheit von etwas, und was man sonst noch damit gemeiniglich verbindet, sondern ein Zustand des Verhaltens gegenüber einer bindenden Anforderung, die auch abgelehnt werden kann.

Demut gegenüber dem Ritus, der Form, ist also zwar einerseits das Selbstüberschreiten in das sakramental und liturgisch aus der Tradition heraus nach und nach immer feiner festgelegte Zu-Tuende hinein, ist aber anderseits auch jene Demut, die die menschliche Schwäche nicht als endgültiges Hindernis ansieht. Es braucht also auch, ja gerade bei strengster Liebe zur Liturgie und zur Symbolik jene Gelassenheit, die den Vollzug erst zum lebendigen, präsenten, fleischgewordenen Gnadenort macht. Soweit zum Rubrizismus, den man aufgrund seiner Nähe zur Magie (auf die Luther die Form überhaupt eindampfte) tatsächlich ablehnen muß.

Dem gegenüber steht der Relativismus

Dem steht aber eine Haltung gegenüber, die ebenfalls in Philosophie klar nachzuzeichnen ist, die die Form für überhaupt gleichgültig erklärt, nennen wir sie "Relativismus". Die im liturgischen Vollzug den eigentlichen Ort der Gnade nicht in der Transzendierung auf die Form hin sieht, sondern diesen Vollzug an die rein subjektiven, zufälligen, momentan sogar entstehenden Formen gebunden zu wissen meint. Sie sieht den Entstehungsort der Gnade in rein subjektives Wollen gelegt, sodaß der reale Vollzug unbedeutend wird, ja sich das Symbol auflöst bzw. zu einer spontan werdenden Symbolhaftigkeit wird. Zwar sieht sie richtig, daß die Zeit ein Ergebnis der Aktualität ist, denn nur sie ist das heraustreten aus der Traumhaftigkeit, die eigentliche Geschichtswerdung als Geschichtsschaffung durch bzw. über den Menschen. Aber sie sieht nicht, daß die Grundformen der Welt ewig gleiche Dynamiken und entsprechende Bewegungsbilder sind, die in ihrer Grundstruktur niemals geändert werden können, wollen sie nicht EIN ANDERES werden. 

Ein Symbol muß also über alle Geschichte hinaus, die in der Identifikation ein gewisses historisches Kleid kennt, sich also in gewisser Peripherie "variabel" fortentwickelt (in der "Mode", im "Stil"), immer es selbst bleiben. Sein Merkmal ist, daß es nur als es selbst auch jenen Inhalt in der Welt repräsentiert, den es analog zu seinem rein geistigen Inhalt auf anderer (geschöpflicher, dinglicher) Ebene in die Welt als Wirkung trägt. Denn die Welt muß als "analogia entis" verstanden werden, als eine andere Ebene als reiner Geist, aber eine dem Wissen und der inneren Dynamik ähnliche geschaffene Gestalt in Fleischlichkeit.

Weil es somit die eigentliche Welt ist, weil es somit eine Welt als Darstellung des Wirklichen ist, als Anknüpfung an die Wirklichkeit selbst (die Gott ist), ist damit auch die Welt des Menschen als Welt des Lebendigen ein Welt der Symbolik. Sie unterscheidet sich somit auch klar von einer rein situativen Symbolik, die etwa als spezifische Verinbarung unter Menschen zwar möglich ist, aber schon sehr dem Zeichen nahe kommt oder gleich mit ihm verschwimmt. 

Das Wesen der Symbolik ist also nicht nur tief in der Anthropologie verankert, die das Abendland im Grunde seit je und in einem ununterbrochenen Strom des Denkens ("philosophia perennis") zu begreifen und zu verstehen versucht hat, sondern sie ist Ausfluß eines grundsätzlichen Weltverständnisses. In der "ein Tag den anderen grüßt", ein Ding das andere, ein lebewesen das andere, ein Mensch den anderen, in einem ununterbrochenen und gigantischen In- udn Zueinander, das eben di eWelt ist. Die im Menschen ihren dauernden Bestand haben soll. Im Menschen, der am göttlichen Geist durch Angleichung an den fleischgewordenen Gott die Welt (in der Demut, im Opfer - denn die Welt ist ein in Jesus im Hl. Geist an sich selbst adressiertes Opfer Gottes) ebenfalls im ewige Bestand hält.*



Morgen Teil 2)





*070916*