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Dienstag, 18. Oktober 2022

Von der Wissenschaft blind gemacht (2)

Blog William M. Briggs
Die Brigg'sche Kolumne. Blindgemacht / durch die Wissenschaft.
- So bringe ich zum wiederholten mal die (im Groben von google geleisteten, von mir dann sprachlich überarbieteten) deutschsprachige Fassung eines Artikels, den Briggs "Blind gemacht / von der Wissenschaft" betitelt. 

Die anglo-englische Originalfassung kann natürlich auf William M. Briggs nachgelesen werden. Duie Übersetzung ist zwar von google, die Deutschmachung aber ebenso wie die meisten Hervorhebungen in der Übertragungsind von mir. Die Copyright-Rechte bleiben aber natürlich bei Matt

Montag, 17. Oktober 2022

Von der Wissenschaft blind gemacht (1)

Irgendwann, ich schwöre es, suche ich die Stelle aus den SChriften Goethe's wieder raus, in der er über die Wissenschaftler spricht. Die, wie er feststellt, zwar in ihrem bzw. einem sehr sehr engen Spezialgebiet gut bescheid wissen mögen, in allem aber, was darüber hinausgeht - also so gut wie in ALLEM - kaum einmal über das Geistesniveau der dümmsten Tageszeitungen hinauskommen. Es muß in den Gesprächen mit Eckermann sein, oder in der Korrespondenz mit Schiller, für mich sowieso die Lieblingsschriften des großen Dichterfürsten. 

Aber ich, der ich die mit akademischer Würde und Standeserhöhung belohnte, universitäre Wissenschaft nach ein etlichen Semestern von meinem Lebensprogramm strich, und mich zwar dann zwar erst recht und mit ungeheurer Leidenschaft der Wissenschaft, aber nicht mehr dem Identitätsmerkmal eines Titels widmete, habe in diesen Themen wenig mitzureden. 

Nicht in den Augen der offiziellen Schokoladerie der Wichtigkeiten, in der drei winzige Buchstaben vor dem Namen kundtun, daß man fortan zu den Ausgewählten zählt. Das war mir zu gefährlich, udn was ich vor dreißig, vierzig Jahren noch mehr geahnt als gewußt habe, weiß ich heute umso fester. Nicht nur ist das, was sich im universitären "Ausbildungsbereich" abspielt, so neu, daß es jedem Jungsprecht, der "was werden" will und deshalb wie 60 Prozent seiner Altersgruppe eine Universität besucht, sondern ich habe geahnt und bald gewußt, wie gefährlich das ist. 

Dienstag, 19. April 2022

Die Kulturphase des unbedingten Gehorsams (2)

Kennzeichnend für ein matriarchales Zeitalter sind deshalb aber auch alle Eigenschaften, die das Wesen der frau ausmachen. Angewiesen auf einen Identitätsgeber, sind sie in Gehorsam ausgerichtet. Wer immer eine "unabhängige" Frau näher betrachtet wird deshalb auch eien solchen Identitätsgeber finden, auf den sie völlig ausgerichtet ist.

Und damit sind wir beim Internet und den social media angelangt. Diese extreme Beschleunigung, die wir dadurch erleben, entspricht der gegen unendlich tendierenden Suche der Frau nach einer unverbrüchlichen, ewigen Begattung und Zugehörigkeit. Das macht sie sogar zu Erfolgsgaranten in solchen Phasen, denn Frauen neigen dannzu pausenloser Verfügbarkeit, und von ihnen lernen bzw. ihre Art der Problembewältigung zu übernehmen heißt, das burn out zu erlernen.

Mittwoch, 15. September 2021

Mängel der Genies, der Heiligen usf.

Man diskutiert, um festzustellen, ob sie trotz oder wegen ihrer Mängel groß waren... Als ob diese beiden Dinge in der unteilbaren Ganzheit des Lebens nicht verschmölzen! 
Aber wenn man so diskutiert, stellt man sich ihre Mängel wie Fremdkörper vor, welche durch Zufall in sie eingedrungen wären, nach Art eines Kohlenkörnchens im Auge oder eines Dorns in der Ferse. 
In Wirklichkeit ist ein Mangel durch das Gesamt der Elemente des ihn besitzenden individuellen Systems bedingt, begrenzt und besonders gekennzeichnet. 
In diesem System atmen das Positive und das Negative eins durch das andere: die Mängel eines großen Menschen gleichen nicht denen eines geringeren Menschen: sie sind das Lösegeld und die Ergänzung zu etwas anderem. 
Vermöge des Gesetzes der gegenseitigen Durchdringung, welche jedes organische Ganze regiert, sind die Mängel eines außergewöhnlichen Menschen im Verhältnis zu seinen Qualitäten verteilt und sind mit diesen solidarisch: der Mangel steht in geheimnisvoller Verbindung mit dem Reichtum. 
Das Hindernis ist, ohne deshalb aufzuhören, ein Hindernis zu sein, auch eine Ursache des außergewöhnlichen Werkes: das Hindernis und der Sprung rufen einander wechselseitig, - unsere Lasten sind auch unsere Flügel.*

Gustave Thibon, Aphorismen

Donnerstag, 10. Juni 2021

Gedankensplitter 1164c

enn ein Leben ist nicht in Teile zerlegbar, sondern immer ein ganzheitliches Geschehen, in dem eine Person an einem Ort steht, an dem es seinen Kampf zu kämpfen hat. Und was ein Mensch wie verarbeitet, auch - ja, auch das! - er an Hilfen braucht (meinetwegen Alkohol, meinetwegen eine gewisse Ungezügeltheit in Ableitungsmitteln die der Zigarette, oder wer wollte bewerten, wie viele Leben nur dadurch nicht zusammengebrochen sind, weil sie sich am Gut einer hervorragend zubereiteten, hochwertigen Speise gestützt haben.
 
Was also ist hier das Archetyp, das sich zeigt, das sich rührt, das sich in die Welt hebt und gehoben wird? Das sich über alle Ebenen, durch alle Lebens- und Weltbereiche zieht?

Mittwoch, 9. Juni 2021

Gedankensplitter 1164b

Wieviel Genie in solch einer gesellschaftlichen, kulturellen Stimmung verloren ging ist kaum ermeßbar. Und es sind NICHT die Begabtesten, die ein Land verlassen, wie es so gerne heißt. Ich glaube nicht an einen "braindrain". Das Einzige, was ich an diesen Auswanderern bedauere, ist, daß sie tief undankbar sind, und ihr Herkunftsvolk brutal ausgenützt haben und ausnützen. Sodaß sie sogar ihre Eltern an den Schulden zahlen lassen, die ihr Leben bisher aufgeworfen hat.
 
enn jeder Mensch hat zwei Phasen, in denen er auf andere angewiesen, also in einer bilanziellen Schuld steht. Das ist die Phase des Kindes bis zum Erwachsenenalter, und das ist die Phase des Alters. Wo selbst jene, von denen man sagt, daß sie "vorgesorgt hätten", doch in Wahrheit ihr "Kapital" nur deshalb "arbeiten" lassen können, WEIL ES IHRE KINDER ERARBEITEN. Zinsen, Renditen müssen nämlich erarbeitet werden.

Dienstag, 8. Juni 2021

Gedankensplitter 1164a

uch das ist ein Archetyp - das Schöne, Begabte, Gute, Hehre verringert sich, weil das Untere, Häßliche, Unbegabte sonst in Neid ihre Nachberangtheit nicht erträgt. Es hat Mitleid, jeder Begabte kennt das, und jeder Begabte weiß darum wie es ist, in einer Gesellschaft zu leben, die Tag für Tag unter der Tatsache zu leiden hat, nicht dieselbe Höhe der Weltbewältigung zu haben.

us Mitleid, aus höchster Höflichkeit und Benehmenskraft verringert sich also das Hohe. Um dem weniger Hohen ein leichteres Existieren zu ermöglichen. Geschrieben während ich eine Diskussion über Covid19 höre, in der einer der Diskutanten etwas in seiner Klarheit fast Schneidendes spricht: Wir stehen bei Covid vor der Tatsache, daß ausgerechnet der, der gesund ist, der kräftig ist, der sein Leben in aller Weite leben möchte und kann, der auch keiner Gefährdung unterliegt.

Samstag, 12. September 2020

Wannen denn die Welt vorhersagbar wird (2)

Teil 2)


Daraus ergibt sich, daß eine Kultur, in der sich jeweils individuelle menschliche Vollkommenheit und Vervollkommnungswille (als Liebe zu Gott, dem Quell alles Seienden/Seins als und in der Welt) zu einer Gesamtgestalt findet, die durchaus meßbare, feststellbare, evidente Eigenschaften und Tendenzen als Insgesamt hat, daß also auch eine Kultur, in der sich die Gottesferne als Grundthema installiert, einem Bewegen unterliegt, das man als mechanisch bezeichnen muß. 
Und in dieser aufs Irdische zurückgefallenen Mechanizität auch der Entropie unterliegt.
Damit ist klar, daß die Richtungen und Entwicklungen eines solchen Kulturstadiums immer eindeutiger mechanistischen Bedingungen unterliegen. Und damit wird eine Kultur (wie bekanntlich jedes Seiende) immer dann auch vorhersagbar, sogar mit gewisser Gewißheit vorhersagbar, je mehr sie sich dem endgültigen Zerfall und Chaos nähert. 

Ist eine Kultur in ihrer Höherentwicklung also niemals vorhersagbar, immer offen fürs Überraschende weil wirklich und wahrhaftig Innovative, so wird sie im Zerfall und Niedergang vorhersagbar und unschöpferisch. Alles Innovative verdunstet, die Neuheit wird bestenfalls zur Kuriosität, einerseits, oder zum "Noch nicht Gewußten", aber im Vorhandenen an und für sich Enthaltenen und in Wahrheit Bekannten. Dem bestenfalls Etiketten umgehängt werden, die über andere Namen und Scheinbegriffe das Neue vortäuschen sollen.

Solch eine Kultur wird damit zu einer Unkultur, noch mehr aber bestimmt und zerstört von Anti-Kultur als Impetus des Bösen, das heißt: Desjenigen Elements, das die Zerstörung der Welt will. Aus Haß. 

Und die Verwirklichungsabsicht, die Vollbringung von etwas aus Haß schafft immer Vorhersag- und Vorhersehbares. Umso mehr arbeitet sie mit Begriffsverwirrung und Lüge.

***

Wir wollen es nur andeuten, doch soll der Hinweis nicht fehlen, wie vorhersagbar denn also ein individuelles Leben ist, das im Willen Gottes steht und verbleiben will. Denn so ist es dann auch erfahrbar, daß dieses Leben und Handeln in und mit und durch Gott nicht heißt, daß es sich nach unserem Willfahren und Wünschen und inhaltlich-konkretisierten Wollen verhält und geschichtlich entfaltet.

Es heißt aber mit Sicherheit, daß es in eine Vorsehung eingebettet liegt und bleibt, die im Letzten immer das vollumfänglich Beste weil NUR Gute (und zwar bis in jedes kleinste Einzelne und für alle und alles Gute) zeitigt. Das aber in gewissem Sinn IMMER überraschend ist. Weil das Denken und Wissen Gottes, das unseres nicht nur und einfach quantitativ, sondern kategorial übersteigt.

Wenn es aber nicht vorhersagbar ist, so ist es immer logisch und vernünftig, widerspricht also der dem Menschen zugänglichen Vernunft nicht und nie. Sodaß wir immer unsere Vernunft und Vernünftigkeit als erstes Schafelchen jener vollumfänglichen göttlichen Vernunft begreifen dürfen, die an der alles umfassenden Vernunft teilhat, sie aber niemals auszuschöpfen vermag.

Das ist zugleich das Wunderbare an einem Leben aus Gott, das nicht nach irdisch-kleinem Maßstab "glücklich" ist, sondern in einem viel höheren Ausmaß Geglücktheit bedeutet, die letztlich immer in einem alles Vorstellen übersteigenden Glücke mündigt. Und damit ist klar, was der Ausfluß aus der Ergebenheit in Gottes Wollen und Schaffen ist - es ist ein Vertrauen, das in dieser Bereitschaft zur Ungewißheit weil Unvorhersagbarkeit auf paradoxe Weise jene Ruhe schafft.

Die der ans Vorhersagbare geklammerte, gottferne Mensch zu besitzen sucht, die sich aber genau in jenem Maß des Ergreifenwollens entzieht und in Unruhe stürzt, die wenn überhaupt nur mit viel Mühe und in ständiger Anspannung zu einer Scheinruhe niedergedrückt werden kann.

Der Gottergebene weiß also nicht, was kommt, und will es gar nicht wissen, bleibt aber in jener Ruhe, die das Vertrauen bringt, daß letztlich alles dem Guten dient. Der Gottferne hingeben "weiß" was kommt, und will es auf jeden Fall wissen, stürzt dabei aber in eine Unruhe, die so existentiell ist, daß er sie nur übertönen kann, weil er die Verzweiflung fürchtet, die daraus stammt. Weil er spürt, daß das Vorhersagbare auch das Tote und dem Tode Geweihte ist.



*260820*

Freitag, 11. September 2020

Wannen denn die Welt vorhersagbar wird (1)

Zwar ist die Erklärung der Welt als für sich bestehenden, nach rein "physikalischen Gesetzen" ablaufenden, somit in allen Einzelabläufen ebenfalls prädeterminierten Mechanismus prinzipiell falsch. Selbst wo sich Wiederholungen, das heißt "mechanische Abläufe" von Vorgängen und Prozessen zeigen, sind sie immer fragil und von einer Fülle von umgebenden, gesamtheitlichen Bestimmungen abhängig, die in ihrem Wesen immer Sinnbestimmungen und Beziehungserfüllungen sind. 

Und insofern niemals aus dem Umstand herausfallen, daß sie von einem Willen zur Erfüllung der Verbindlichkeiten aus diesen Beziehungen abhängen. Insofern ist alles, und zwar bis ins letzte Detail, vom Willen des Seins abhängig, und immer geschenkhaft und vom Willen des Seins abhängig, ins Seiende hinein Sein (als Welt) zu schaffen. 
Die Welt ist somit nie aus dem göttlichen (seinshaften) Willen (=Liebe) herauszunehmen, nie anders als Erfüllung durch Gott anzusehen. Das macht die Forderung nachvollziehbar und begreifbar, daß der Mensch "ohne Unterlaß beten" muß. Denn im Gebet antwortet die Schöpfung - über den Menschen, die Krone der Schöpfung, auf den hin die Welt ausgerichtet ist - nicht nur auf Gott, sondern legt gewissermaßen in der Bitte, in der Herstellung der Brücke zu Gott, den "Teppich" für die Schöpfung (als Welt) selbst.
Damit ist eine der konstitutiven Bedingungen der Welt überhaupt ausgelegt. Und damit auch für das, was dem Menschen konstitutiv ist - die Kultur, als Gesamtheit der Lebenserfüllung des Menschen. 

Der Mensch erfüllt also nur dann sein Menschsein, wiewohl er immer Mensch "ist", aber in unterschiedlichem Aktualisierungsgrad. 

Er hält wie erhält damit (mittlerhaft, aber nur im Grad der Erfüllung seines Menschseins, dem in der Erfüllung das Gutsein gewissermaßen eingeschrieben wäre), in der Kultur, das Sein der Welt. Sodaß die Welt ohne den Menschen ins Chaos stürzt. 

Sich also keineswegs in "perfekter Stabilität" (weil Prästabilität) OHNE den Menschen befindet, sondern Gesetzen des "Monopolismus" (die Verwendung des Begriffs aus der Wirtschafts- bzw. Kapitalismusterminologie ist keineswegs zufällig, es ist ein Archetyp, nur je auf anderer Erfüllungsebene) unterliegt, das heißt, daß (mehr oder weniger der oder das Stärkere gewinnt oder übrigbleibt. Sodaß es also ohne den Menschen auch keine "Natur" gibt, schon gar keine, die "besser" oder "vollkommener" ist als mit dem Menschen. 

Im Gegenteil, erst in der Verbindung von Himmel und Erde, wie sie im GETAUFTEN (durch Jesus Christus, den Sohn Gottes, wieder - potentiell einerseits, seinshaft und real anderseits - zu seiner Vollgestalt hergestellten) MENSCHEN Realität ist, wird der Welt jenes Element zugeführt, das sie zur Erfüllung und Vervollkommnung ihrer jeweiligen Gestalt wesensbestimmt und notwendig braucht. 
Das geschieht in der Hingabe, in der Selberüberschreitung auf die ihr zugrundeliegende Idee hin, was die Öffnung auf Gott und Gottes Wissen und Wollen zu bedeutet. Die zwar der außermenschlichen Natur in deren Bestimmtheit durch Instinkt eingeschrieben ist, welche Einschreibung aber in den logos, den Sinn nur und erst durch den Menschen erfolgt.
Das, was wir als Mechanismus (oder mechanistische, materialistische Welt) bezeichnen, entspricht also nur in gewisser Hinsicht dem Wesen der Dinge, der Natur, und dem Menschen. Die alle sich erst und nur in dem Fall "wie Mechanismen" entwickeln, als sie den Zwängen des Mechanischen, des Materialen (mater, Mutter, Mutterrecht, Matriarchat ... der Leser möge selbst die Verbindungslinien ziehen) unterliegt. Von diesen gebunden darniederliegt und, weil des Göttlichen abhold, dem Verfall ausgeliefert ist. 

Weil wir aus der Natur auch wissen (und sehen), daß alles, was nicht einer Energiezufuhr (als profane Umlegung der Wirklichkeit von göttlicher Gnade) unterliegt, der Entropie unterliegt. Und das heißt: Ihre Wesensgestalt auflöst, verliert, der jeweils unteren Wesenseinheit zufällt, bis sie sich ganz auflöst. Fällt das Wesen fort, bleibt Beziehungslosigkeit weil -unerfülltheit, und damit Chaos. 

Die Dinge liegen dann sozusagen "nebeneinander", wie hingeschüttet, und dem Zerfall ausgeliefert. Weil ohne Sinn und ohne aneinander die ihnen zugedachte Bestimmung zu ihrer Voll- und Vollkommenheitsgestalt zu vollziehen. Weil alle Dinge der Welt, also alles Seiende so geordnet ist, daß es in einem gigantischen Mosaik einander erhält, wenn es im Ganzen verbleibt beziehungsweise ins Ganze (Sinn, logos) hineinstrebt.
Dieses Ganze ist also in seiner Verbindung von Himmel und Erde das Produkt eines Sakraments und des Sakramentalen. Sodaß alles Erhalten, alles Sein der Schöpfung und Welt somit seine Quelle im Sakrament hat. 
Nur darin, im Sakramentalen, liegt somit auch die Innovation, das Geniale, das Schöpferische. Als Einbruch Gottes in die Welt, als Emanation jener Liebe, die die Welt zu einem ohnendlichen weil Gottes Wesen gemäßen Gestaltenspiel machen will. Um so Lobpreis Gottes zu sein, zu bleiben und immer mehr und immer anders zu werden.
Das trifft auch auf den Menschen zu. Der in jedem Fall, wo er Gott ablehnt oder sich von ihm entfernt, dem Materialen zufällt und von diesem gebunden wird. Denn zu seiner Ebenbildlichkeit mit Gott gehört wesensgemäß auch die Freiheit Gottes. Ohne diese ist er somit gar nicht frei, sondern bestenfalls willkürlich, aber immer gebunden von unübersteigbaren Notwendigkeiten.


Morgen Teil 2)



*260820*

Mittwoch, 9. September 2020

Könnte vorkommen

Der Faden, der in der Wahrheit verankert sein läßt, ist oft sehr dünn, manchmal kaum wahrgenommen und wahrnehmbar. Vor allem, wenn die innere Kultur etwas vernachlässigt wurde, gewinnt die äußere Welt eine Bestimmungsmacht, die von der eigentlichen Lebensgrundlage, der Wahrheit, entfernt. 

Geist erstarrt in diesem Außen aber zu Bildern, die wie Krücken eine Welt konstruieren und bewahren sollen, die der Existenz Halt und damit Sein gibt. Dieses Sein aber ist ein Dasein, das nur in unserer Hand liegt, und damit keine Quelle des Lebens sein kann, sondern nur eine Imitation des Lebens, bewertet, beurteilt weil verglichen mit vorhandenen Bildern samt deren Platz im Autoritätsgefüge der Gesellschaft, in der man sich befindet beziehungsweise befinden will, zuläßt.  

Wir haben verlernt, und aus unserem vermeintlich "Gewußten" läßt es sich auch nicht (mehr) ableiten, daß der Mensch, der immer Person ist, letztlich immer einsam und "allein" ist. Erwachsenwerden als der notwendige Weg jedes Menschen zu sich heißt nichts anderes als diese Einsamkeit zu akzeptieren und ertragen zu lernen. Heißt um den einzigen Sinn der Nahrung zu wissen, die darin besteht, sich in diese Welt hinein zu erheben. 

Und das ist immer ein Akt des Alleinseins, weil jeder Mensch in einer Einzigartigkeit lebt, die nur von ihm zu bewältigen ist, und die nur von ihm zur Geschichte zu erheben ist, die Sein hat, und nicht Epigonalität, Plagiat und Imitat ist.

Es kann nie darum gehen, diese Einsamkeit zu überwinden. Alle Angebote, die das versprechen, sind häßliche Fratzen der Versuchung, Gold gegen Blech zu tauschen. Es muß vielmehr darum gehen, in dieser Einzigartigkeit den Ort mit Leben und Farbe zu erfüllen, an dem man steht. Was anderseits wiederum heißt, das diesen Ort Charakterisierende - das das Wesen eines Beziehungspunktes hat, an dem sämtliche Fäden der vielen horizontalen wie vertikalen Ebenen der Welt, in der man steht, zusammenlaufen - durch alle einzigartigen Umstände, die mit jedem Tag auftauchen und einem begegnen, durchzutragen. 

Sodaß die immer selben Figuren (weil Orte) in nur je anderen Kostümen auf der Weltbühne auftreten, leben, und das Geschehen, die Handlung ausmachen. Die selbst wiederum ein immer Gleiches in nur je anderem Gewand ist.

Lassen wir uns also in zweifacher Hinsicht nicht täuschen. In der Natur dessen, was "Neu" und "Originär" ist ebenso, wie in der Tatsache, daß dieses Neue das immer Gleiche des Ewigen im Vorsehungsplan Gottes ist, dessen Originalität darin besteht, in jeden Augenblick je neu hineingeborgen zu werden. Auf daß sich Geschichte überhaupt erst bilden kann. Was immer heißt: Einzig zu sein, und damit: Einsam.

Denn genau darum geht es heute, in einer Zeit, die sich um genau diese Punkte herum ordnet: Im Versuch, für diese beiden Momente Surrogate zu erfinden. Sodaß das Neue das Willkürliche wird, dem aber jedes Sein fehlt, das nur in der Hoffnung auf eine kollektive, allumfassende Illusion und Täuschung überhaupt Sein hat, also "existiert", und in der Versuchung, die Einsamkeit durch Aufgehen in der Masse (oder im Nichts, beides dieselben Fluchten der Angst vor dem Wagnis des Lebens, beide mit demselben Ausgang) scheinbar besiegen zu können.

Im Mut zum Hinausschreiten ins Ungewisse, das erst das Tor zur Fleischwerdung des Ewigen (dem überhaupt erst Entelechie zugeschrieben werden kann; hierin irrte also Aristoteles, der diese Entelechie, dieses "Ausfalten auch sich, gemäß dem eigenen Wesensbild", dem materialen Seienden selbst zuschrieb) bedeutet, erfüllt sich erst dieser von jedem Menschen gewußte, gefühlte, geahnte Anspruch, der Leben bedeutet: Im Schöpferischen, liegt dann das Neue ebenso, wie das Originale, das Genie. 

Aber nicht nur! Denn hier, in diesem mutig aufgenommenen Wagnis der Einsamkeit, liegt tatsächlich der Punkt der Nicht-Einsamkeit - in der Einigung mit Gott, der personalen Wahrheit, dem Sein, aus dem alles entspringt, durch teilhabende Einheit in der Wahrheit. Von hier aus ist dann auch Einheit unter Menschen nicht nur möglich, sondern Realität.




*140820*

Dienstag, 28. Januar 2020

Ein hartnäckiges Gerücht (2)

Teil 2) Vorsicht mit Lorbeerkränzen


Renault R5, Baujahr 1972
Zurück zur Geschichte oder sagen wir: Zur Legende. Die führenden Funktionäre haben aus verschiedenen Gründen, über die man nur spekulieren könnte (denn ganz einleuchtend ist keine der dann nötigen Erklärungen), angeblich dieses bahnbrechende, wegweisende Konzept abgelehnt. Daraufhin hätten die Zwickauer die Pläne kurzentschlossen VW angeboten, und dessen Manager hätten sofort zugeschlagen.

Um kurz darauf mit dem Golf aufzutauchen, welches VW, das damals in einer substantiellen Krise stand (der Käfer war am absteigenden Ast, ein Alternativkonzept für ein nächstes Massenauto aber nicht vorhanden), in die Lage versetzte, das Feld sozusagen "von hinten" aufzurollen, und sehr bald sämtliche Konkurrenten am Weltmarkt zu überholen.

In der BRD längst bekannt:
Kompakter Glas 04, Bj. 1960 (!)
Nimmt man einmal aus, daß VW mit seinem hohen Anteil an Staatsbeteiligung ein spezieller "Feind" des Ostens war, wäre aber aus anderen Gründen bei so einer Geschichte nicht nachvollziehbar, warum VW das hätte getan haben sollen. Der 1975 auf den Markt gebrachte Golf 1 hatte nichts von so einem Konzept, außer die Raumidee, und die war auch nicht neu. Der kommende Golf war sogar in der Karosserie anders aufgebaut. 

Und VW hätte zudem nichts für ein Raumkonzept dieser Art bezahlen müssen, wenn es diese Ideen nicht schon selbst gehabt hätte. Weil die gesamte europäische (und bald auch die japanische) Konkurrenz mit solchen Modellen bereits am Markt WAR. Schon lange sogar. Der Glas 104 etwa wurde schon 1960 auf den deutschen Markt gebracht. Und die Reihe ließe sich lange fortsetzen. Und das technische Konzept des Golfs hatte VW bereits 1970 mit dem K70 des späteren Golfs produziert.

VW K70, Baujahr 1970
Es war nur noch ein bißchen früh für alle diese Wagen gewesen. Der Zeitgeist für solch ein Auto war erst ab der Mitte der 1970er Jahre so weit gediehen, daß die Nachfrage danach tatsächlich explodierte. Ab da stimmte Form und Inhalt erst zusammen.

Und was war da neu am Zeitgeist? Der Funktionalismus brach sich endgültig Bahn. Überall, nicht nur am Automarkt. Die Autos, die seither gebaut werden, zumindest am Massenmarkt, zumindest beim "Auto für jedermann", haben den ursprünglichen Ansatz der Idee Auto auf den Kopf gestellt. Bislang war "Gestalt" und der Ordnungsraum, in dem sich Gestalt fand und befand, der Ausgangspunkt, und die Technik füllte diese Gestalt. Nun war es umgekehrt. Es ging um Funktionen, um auf bestimmte Aspekte hin reduzierte "Leistung". Design, Art, ja Lebensart wurde zum Zusatzpünktchen, zur eigenen Sache, die man den Dingen nur noch wie Quasten - wenn auch nicht wirklich nötig - umhängte.

Den klaren Zusammenhang aber, den Wahrheit und Schönheit und Gutheit mit Freiheit und schöpferischem Leben sowie einem gedeihlichen Ganzen (sic!) einer Gesellschaft und so auch einer Volkswirtschaft haben, müssen wir hier nicht noch einmal aufzeigen. Der Leser kann es außerdem selbst sehen. Denn spätestens seit dieser Zeit schustern wir (v. a. politisch) nur noch an Reparaturmaßnahmen herum, um die getroffenen Entscheidungen irgendwie noch auf "gut" zu trimmen, weil es ihnen allen sichtbar an so vielem mangelt. Was wir aber seither nur noch posthoc sehen. (Deshalb auch der Aufschwung des Liberalismus zur alleinseligmachenden Ideologie heute. Er macht es genauso, weiß alles erst im Nachhinein, aber dann viel besser.)

Peugeot 104, Baujahr 1972
Die Ingenieure in der ehemaligen DDR waren denen im Westen was die intellektuelle Kapazität anbelangt um nichts unterlegen, im Gegenteil, oft überlegen, weil Meister der Improvisationskunst, die Selbständigkeit beim Denken verlangt, was den Menschen im Westen immer mehr abhanden gekommen ist. Aber man sollte die Kirche im Dorf lassen, und muß ihnen nicht auch den VW-Golf als Goldmedaille umhängen, das haben sie nicht notwendig. Denn VW in Wolfsburg hätte diese Nachhilfe nicht gebraucht.

Es bleibt, und das ist nachweis- und belegbar, daß AUCH die Ingenieure in Zwickau sehr genau wußten, was sich am weltweiten Automarkt abspielte, und wohin der Zeitgeist im Westen ging. Ja, sie ahnten es sehr früh, als noch nichts am Markt wirklich darauf hinwies. Aber darin waren sie nicht die einzigen. Es hing einfach Anfang der 1970er in der Luft, und bekam seinen Anschub spätestens mit der (künstlich erzeugten) Ölkrise. Die ihre Auswirkungen auch in der Art, Dinge und Leben zu denken, hatte. 

Fiat 127, Baujahr 1971
Daß der Golf, diese Erfolgsgeschichte der deutschen Industrie und Ingenieurskunst, nur durch die DDR-Ingenieure genommen habe ist deshalb ein Mythos. Der wie jeder Mythos ein Archetyp in die Welt stellt. Daß nämlich die größeren Geister jenseits der Mauer tätig waren. Sie wurden nur durch das Regime an der vollen Entfaltung ihrer Fähigkeiten gehindert, haben insgeheim und auf mannigfaltige (auch illegale) Weise denn doch die Geschichte des Westens bestimmt. 

Freilich, das Letztere stimmt. Wenn auch auf eine andere Weise. Aber mit dem Bekränzen mit Lorbeeren für die Entwicklung im Westen wäre der VdZ ziemlich vorsichtig. Sie könnten faul sein und stinken.






Montag, 27. Januar 2020

Ein hartnäckiges Gerücht (1)

VW Golf, Baujahr 1975
Man liest es immer wieder, und seine Absicht ist klar, verstehbar und sogar gerecht: Die Ingenieursleistungen in der DDR waren um nichts weniger hervorragend wie im westlichen Bruderstaat. Oft sogar insofern genial, als sie mit weit weniger Möglichkeiten auskommen mußten und deshalb Umwege brauchten, die für westliche Ingenieure gar nicht nötig waren. Über diese Umwege kamen oft genug neue Ideen ans Tageslicht, die jede Anerkennung verdienen. 

Nur eines haben die DDR-Ingenieure nicht gemacht: Sie haben dem VW-Konzern nicht beigebracht, wie das Auto der Zukunft Ende der 1960er Jahre auszusehen habe, und - konkret - den VW-Golf entwickelt. Ein Wagen, dessen Erfolgsgeschichte nur mit dem des Käfers vergleichbar ist. 

Michael Khan geht der Geschichte der Kompaktwagen dieser Art nach, der bis heute einen großen Teil des Kleinwagensektors beherrscht, und damit auch der Geschichte des VW-Golf. Er kommt zu dem recht plausiblen Schluß, daß diese Art von Autos schon überall in Europa in den Startlöchern stand oder sogar schon gestartete Raketen waren, weil es einfach im Zug der Zeit lag. Nahezu jeder europäische Autohersteller kam deshalb Jahre vor dem Golf mit Kompaktwagen ähnlicher Art und Technik auf den Markt, VW hätte den DDR-Golf, selbst wenn er im Osten erfunden worden wäre, nicht gebraucht. Und daß die VW-Ingenieure die Augen offen hatten, was sich so in Europa tat, kann man annehmen. Auch technisch war mit dem K70 alles bereits vorhanden, das später im Golf seine perfekte Kombination fand.

Aber dennoch gibt es diese Legende. Der VW-Golf sei im Autokombinat  VEB Sachsenring in Zwickau entwickelt worden, wo man auch den Trabant baute und nach Neuem sann. Und so kam man auf ein neues Kompaktauto, Zweitürer mit Heckklappe, wassergekühltem Reihenmotor und Vorderradantrieb (schon vergessen? auch das kam in den 1970ern erst so richtig, vorher war jedes Auto heckgetrieben), viel Stauraum (für die bei uns erst jetzt aufkommende Art, in Einkaufszentren und Supermärkten einzukaufen, und außerdem: Um in Urlaub nach Rimini zu fahren, auch das kam jetzt erst so richtig auf), und dennoch nötigenfalls Platz für vier oder fünf Passagiere, trotz der Kleinheit der Außenmaße. Das alles war in der DDR-Version noch auf der Grundlage eines Stahlgerüsts gedacht, das auf die übliche Art mit Plaste-Karosserie umhüllt wurde. Das neue Wagenkonzept war zwar für den Zweitaktmotor des Trabant gedacht, wäre aber mit tschechischen oder rumänischen Motoren jederzeit aufrüstbar gewesen. 

Die DDR-Ingenieure haben bekanntlich ja nie einen brauchbaren Viertaktmotor entwickeln können, so schon vor Jahrzehnten der +Schwager des VdZ, Gott hab ihn selig, ein selbst in der DDR geborener, mit den Eltern aber "hinübergewechselter" Motoringenieur mit viel Überblick und Sachverstand. Der auf seine schnoddrige Berliner Art seufzend stets gemeint hatte: "Die kriejen eenfach keen' Viertakter uff die Reije, nich ums Verrecken, ick kapier's nich."

Nach 1945 waren aus zwei Gründen viele Konstruktionspläne eben einfach "verschwunden". Entweder wegen des bekannten Patentraubzugs der Amerikaner, die in einem wahren Blitzunternehmen mit LKWs noch im Frühsommer 1945 quer durch die Lande (auch im Osten) gerast waren, und hunderttausende Patente und Pläne (und Dokumente, wie schon 1919 übrigens) einkassiert und schiffsladungsweise (sic!) in die USA verschippert hatten. Wo man noch heute riesige Archive führt, die freilich nur Wenigen aufgeschlossen werden.

Aber auch ob des einfachen Umstands, daß die Eigentümer der Industriebetriebe, um absehbaren Enteignungen zu entkommen, nicht nur mit viel Kapital, sondern auch mit sämtlichen Produktplänen in die Westzonen abgedampft waren, um dort oft ganz neu anzufangen. Wenn auch nicht "ganz von vorne".

Die Russen kamen erst spät drauf, was da lief und kamen überall zu spät. Selbst beim beliebten "Export von deutschen Ingenieuren nach Moskau" blieb ihnen nur die zweite Reihe. Nicht nur also, weil Miami oder San Franzisco schon dem Ruf nach einen höheren Spaßfaktor haben als Tscheljabinsker Plattenbauten oder selbst Sotschis Freizeitkombinate, schoß der (buchstäblich) raketenartige Aufstieg der USA zur Technologieweltmacht Nr. 1 im Grunde auf deutschem Mist. Die deutsche Technik und Wissenschaft war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in fast allen Bereichen der der übrigen Welt um zehn, fünfzehn ja dreißig Jahre vorausgeeilt.

So aber wurden überall in der "Ostzone" entkernte Betriebe hinterlassen, von denen oft kaum mehr als die Hardware, also die anfaßbaren Gebäude, Maschinen und Arbeiter übrigblieben, die vieles nun neu erfinden mußten. Zeiss-Optik, deren Geschichte der VdZ etwas näher kennt, ist einer solcher typischen Fälle, drum erwähnt er sie. Der DDR fehlte fortan das, was jede Gesellschaft unbedingt braucht, um sich zu entwickeln: Ein solider, integerer Mittelstand. Diese Geschichte hat sich, übrigens, in allen jenen Ländern wiederholt, aus denen man nach 1945 die Deutschen expedierte. Darin, und nur darin gründet der immer katastrophalere Zustand der dortigen Volkswirtschaften. Es fehlten die Träger des Schöpferischen. Diesen Faktor kennt eben keine der "wissenschaftlichen Analysen" von Gesellschaften mit marxistischer Brille.

Morgen Teil 2) Vorsicht mit Lorbeerkränzen





Mittwoch, 21. Oktober 2015

Geschenk des Scheiterns (3)

Teil 3) Weshalb es ein schöpferisches Gelingen NUR aus dem Scheitern heraus gibt




Aber nach einem Scheitern, wenn es denn passiert ist, wieder helfen, wo es notwendig ist, helfen weil jemand von den Folgen erdrückt wird (auch wenn sie eigenen Fehlern entsprungen sind; so ist der Mensch eben), verzeihen vor allem (was aber auch nicht heißt, daß jeder munter weitermachen können muß, das kann gar nicht anders sein als individueller Fall, individuelle Einschätzung auch der Umgebung), noch mehr aber ein Ende der Schadenfreude, die in einem Hosenscheißerstaat wie Österreich, dessen tägliches Fluidum der der Identitätsverweigerung entspringende Neid ist, das wäre wünschenswert. Genauso, wie es eine Umgebung - als Kunde - braucht, die einen Teil dieses Risikos mitträügt, indem sie dem Neuen eine Chance einräumt. Das passiert heute tatsächlich viel zu wenig, und vor allem, weil das Wesen des Freien viel zu wenig bekannt ist. 

Nicht ohne Grund, denn Freiheit wird als Willkür mißverstanden, nicht als Frucht der Verantwortung. Und nicht jede Erfolgslosigkeit ist ein selbstverschuldetes Übel. Erfolg hat mit persönlichem Schicksal zu tun, das immer ein Geheimnis ist. Er ist kein technisches Rechenexempel, als Summe von "Qualität" und "Können". Wer etwas kann, der soll in den Zirkus gehen, nicht auf die Bühne, meinte einmal Fritz Muliar. Und wir fügen dem hinzu: Auch nicht auf die Bühne des Lebens.

Aber heute sind oft die Zweitgründer, die Neuanfänger, die gar am lautesten nach "einer zweiten Chance" schreien, tendentiell jene, die sowieso nie Verantwortung zu tragen bereit waren - und deshalb so aus einem Scheitern aussteigen, daß sie sich recht leicht mit den Folgen abfinden können. Lustigerweise sind genau die dann jene, denen wieder Kredit (credo - von Glaube) eingeräumt wird. Wer seine Verantwortung bis zum Letzten austrug aber bleibt meist erschlagen zurück. Dabei hat nur er wirklich riskiert, und hat selten eine Chance für einen Neubeginn. Während viel zu wenig gesehen wird, daß ein unternehmerisches Ethos der Verantwortungserleichterung und -verweigerung jeden Wirtschaftskreislauf vergiftet. 

Eine Wirtschaft bloßer "Geschäftsideen", die gewechselt werden wie Hemden, braucht niemand. Dort liegen auch die Wurzeln so vieler Fehlentwicklungen in unserer Lebenswelt, unter denen wir leiden, ohne die Zusammenhänge zu kennen.

Aber ist diese gewünscht positivere, sachgerechtere Haltung deshalb direkt "machbar", wie bei einer Maschine, wo man ein Teil einfach auswechselt, wenn das Ergebnis nicht entspricht? Kann das überhaupt mehr sein als Wunschdenken, kann das mehr sein als individuelle Haltung Einzelner, als neue nur im Einzelfall zu erringende Offenheit, die dem Gescheiterten - unter gutwillig zugestandener (aber nicht weniger vollumfänglich sachlicher) Neueinschätzung neuen Beginnens - und damit der Umgebung selbst (denn ein Scheitern ist immer ein Scheitern IN einer sozialen Umgebung, also Teil davon, der alle betrifft) geschenkt wird? Und muß sich nicht der Gescheiterte dieses Geschenkes auch bewußt werden und bleiben? 

Erst dann könnten sich alle - Jungunternehmer wie soziale Umgebung - der Fruchtbarkeit gerade des Scheiterns erfreuen.*




*Der VdZ hat ausnahmslos beobachtet, daß ein Jungunternehmer, ja jeder Mensch, der einen beruflichen Weg wählt, in dem es auf ihn ankommt (also auch Künstler, ja vor allem Künstler), immer viele Fehler macht. Meist aus Angst, aus Mangel an Reife, die ja gar nicht anders gewonnen werden kann als ... durch das Unternehmen, durch die Odyssee unbekannten Ausgangs. 

Nur aber, wenn ein junger, ein unternehmerischer Mensch die Situation völliger Ausweglosigkeit erfahren hat, wirklich dem existentiellen Nichts gegenüberstand, beginnt er, sein Tun wirklich zu umfassen. Dieses Geschehen ist generell menschlich, und es kann und muß sogar mit dem Kreuzesopfer Christi, das ohne den Moment wirklicher Gottverlassenheit undenkbar wäre (denn erst so hat Christus wirklich die GESAMTE menschliche Existenz unterfaßt), verglichen werden, ja es ist dasselbe archaisch-ontologische Muster. Deshalb sind auch Förderungen abzulehne, die den Einzelnen vor dieser alles entscheidenden Situation bewahren wollen. Hilfe kann immer erst dann einsetzen, wenn beim Bedürftigen dieser Punkt definitiver Lebensentscheidung wirklich erreicht war. Das gilt sogar für jede Lebenssituation. Erst wo wird der Weg frei - für Neues und Schöpferisches.




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Dienstag, 20. Oktober 2015

Geschenk des Scheiterns (2)

Teil 2) Ideen gehören dem Einzelnen. 
Sie sind aber der Gemeinschaft entnommen




Denn auch die Risikofaktoren sind Teil des Marktes, man kann sie nicht neutralisieren. Und sie sind immer lokal, als genau das was sie vollumfänglich faktisch einfach sind und so wie sie sind, und sind persönlich zu überwinden. Von allen zu verlangen, es sei nach einem Scheitern so zu tun, als sei nie etwas passiert, ist kontraproduktiv. Noch mehr: daraus gar ein Recht, einen Anspruch zu konstruieren würde jedem unternehmerischen Ethos Hohn sprechen. Unternehmertum heißt mehr, weit mehr, als irgendwelche technischen Skills zu besitzen. Erst in dieser Schule erweist sich die Umsetzungswürdigkeit auch einer technischen Idee. Viel mehr als technische Ideen (fälschlich meist als "Innovationen" bezeichnet) brauchen wir unternehmerisches "ganzheitliches" Ethos.

Denn was heute sowieso nicht mehr gesehen wird ist der soziale Faktor auch von Ideen. Nicht in der Übertreibung, daß Ideen des Einzelnen sowieso Allgemeineigentum sind, der Einzelne also auch gar kein Recht auf Urheberschaft hätte. Dieses heute so verbreitete Sagen ist nicht mehr als paradoxder Ausfluß einer allgemeinen Haltung: Angenehmes zu individualisieren, Unangenehmes abzuwälzen. Denn mit der Forderung nach Verallgemeinerung am Eigentum von Ideen werden immer die Ideen des anderen gemeint, die man sich (im nunmehr legitim gemachten Diebstahlsverfahren) aneignen will.

Nein, gerade die Urheberschaft ist eine Frucht der Individualleistung, ist vom Erbringer nicht zu trennen. (So historisch relativ eben Eigentum ist, was an diesen Aussagen hoffentlich deutlich wird; genau DESHALB ist es ja zu schützen.) Aber ihr Material entstammt der Allgemeinheit. In der sozialen Eingebundenheit und Bezogenheit des Einzelnen darauf sind erst jene Wirkkräfte zu finden, an der der Einzelne dann Anteil nimmt, der sie formt, in Gestalt bringt - durch Idee. Die sich aber gerade bei ihm, in dieser konkreten Situation, zu einer Verbindung einfindet, die ebenso einzig ist, wie sie der Allgemeinheit, der "Stimmung" (und wie immer man das bezeichnen möchte) entspricht. Es gibt kein menschliches Handeln, das nicht ein "Handeln für ..." wäre.

Im Schutz des Eigentums auch an Ideen wird das Individuum respektiert, ohne das solche Idee nie ausgeläutert und geboren wäre. Das ist weit mehr als eine nette Geste! Wenn man schon von "Bewahrung der Schöpfung" spricht, dann muß diese genau hier ansetzen: Weil das Wesen der Schöpfung darin liegt, daß ihre Gestalten aus ihrem Wesen her RELATIV, historisch sind, muß die historische Situation in den realen, konkreten Gestalten und Formen respektiert und geachtet werden. Man kann die Absolutheit Gottes, des Geistes, nicht gegen die an dieser Absolutheit nur teilhabenden, deshalb immer relativen (nur in der Bezogenheit seienden, sonst verfallenden) Geschichte ausspielen. Man kann nicht "die Elternschaft", "die Autorität", "den Staat" achten, aber die konkreten Eltern, die konkrete reale Autorität, den konkreten Staat ignorieren. Insofern IST im Konkreten eben tatsächlich das Absolute, das Konkrete Symbol des Absoluten, stellvertretende Maske des Ewigen, nur nicht mit diesem identisch.*

Was alles aber immer noch keine Aussage über die (am absoluten Sinn zu messende) Qualität einer Idee ist. Es gibt auch ein Erspüren zerstörerischer Stimmungen, damit: böse, falsche Ideen. Und die haben sogar meist den schnellsten Erfolg, wie alles, was auf Schwächen des Menschen zielt.

Kein Kollektivkörper "bringt" aber Ideen. Diese sind Konkretionen, und brauchen deshalb den Geburtsvorgang im, den Modus des Individuellen. Das ist ihr Ort, und das ist der Ort der Inspiration (die eine Inspiration "von" ist). Und weil das so ist, Individualität gewisse Einsamkeit voraussetzt, stammen die meisten großen Ideen - aus den Peripherien! Es ist das kleinste Senfkorn, das zum größten Baum wächst.

Aber das Individuum muß sich dieses Zusammenhangs bewußt bleiben, muß darum wissen. Geist ist immer ein Austausch, ein wechselseitiges Hauchen in Anruf und Antwort, nie einseitig. Und es ist im Individuum gleichermaßen ein wechselseitiges Zuhauchen mit der Vernunft, der Wahrheit, der Seinsordnung. (Auch und gerade dort, wo das bestritten wird.) Wo das vergessen wird, folgt eine unzulässige Überhebung, ein "Gotteswahn". Und dort wird dann auch ein solcherart falsch verstandenes Unternehmertum zum Krebsgeschwür.

Die Idee kann der Aufnahmebereitschaft einer Sozietät - sich zu einer Idee zu stellen ist ein eigenes Geschehen, das mit der Idee und ihrer Entsprechung in der Allgemeinheit nur zu tun hat, aber nicht automatisch formal anerkennt - weit voraus sein. Weshalb es nicht selten ist, daß die besten, die richtigsten Ideen am meisten abgelehnt werden. Ja, es kann eine kulturelle Stimmung entstehen, in der prinzipiell die richtigen Ideen abgelehnt werden. So eine Kultur ist dann zum Absterben verurteilt, die Geschichte ist voll von solchen Beispielen.

Es kann aber auch einen Punkt der Gestaltreife treffen, in der diese Idee - die man erst nachträglich als "eine Zeit auf den Punkt gebracht" erkennt - im Gemeinwesen explodiert. Geniale Menschen sogar sind deshalb immer eine Frucht, eine "Kulmination" einer Zeit und des Wesens einer Zeit. Sie sind nie isoliert zu betrachten, und sie sind ohne die Zeit und ihre Umstände, ohne die soziale Dimension des Genies, nicht zu denken. In der Anerkennung wie in der Ablehnung. Und beides hat Sinn.

Weshalb es auch banausischer, ja abstoßender und kontraproduktiver Technizismus ist so zu tun, als wäre Genie und geniale Idee züchtbar, etwa durch "Förderungsprogramme in den Schulen" - oder durch Unternehmensförderungsprogramme. Eher ist sogar das Gegenteil der Fall - geniale Ideen müssen immer eine Läuterung durch einen Kampf des Ideenträgers gegen Zeit und Umstände durchlaufen. Sie werden sonst vielleicht sogar zu für sich stehenden Krebsgeschwüren, die alles zerstören können. Und dabei als "so richtig" rezipiert werden.



Morgen Teil 3) Weshalb es ein schöpferisches Gelingen NUR aus dem Scheitern heraus gibt



*Ein Heraustreten aus diesem Respekt vor dem Konkreten bewirkt deshalb ein Heraustreten aus der Ordnung des Seins überhaupt. Hier handelt es sich um eine Grundsatzentscheidung, nicht um ein konkret isolierbares Einzelgeschehen, sagen wir: NUR DIESER Lehrer, NUR DIESER Vater, NUR DIESER Pfarrer, etc. (Natürlich auch: NUR DIESER Papst ...) Deshalb wirkt die Mißachtung des konkret Übergeordneten (Welt als Analogie zur Ewigen Ordnung der Ideen Gottes) direkt auf die einem selbst Untergeordneten. Als Beispiel illustriert: Wo der Vater, die Mutter den Pfarrer, den Lehrer, den Bürgermeister, den Chef, den Unternehmer als gesellschaftlich-hierarchisch Übergeordneten ...) mißachtet, werden sie in der Familie keine Autorität mehr aufrichten können, zerfällt auch die Lebenskraft der Familie. Das geht über jedes Denken in "Vorbildern" (als Imitation) um Dimensionen hinaus: Es ist ein Grundsatzerfahren der Bedeutung der Ordnung für die Welt.



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Montag, 25. Mai 2015

Meisterlich

Zum Vergleich hier die Aufführung der 9. Symphonie Beethovens mit den Wiener Philharmonikern und dem Wiener Singverein unter Christian Thielemann, im großen Saal des Wiener Musikvereins, diesem im 19. Jhd. bewußt als Resonanzkörper gebauten Hauses am Ring.

Vollkommenheit, in der sich jeder Teil ins Ganze zu einem neuen Ganzen fügt, und das vielleicht zu selten bei Beethoven Gesehene - seine Anbindung an Musik als Tanz, weil als Weltbewegung, sein Liedhaftes!* - so durchdringend erfahren läßt. Denn das gibt seiner Musik ihre heroische, tiefgeistige Heiterkeit als tragenden Grund, die man aber hören können muß.** (Die wahrzunehmen auch der VdZ lange Jahre brauchte.) Thielemann reißt dabei das Orchester zu einer Höchstleistung, das sonst gerne einmal etwas "ein-wienert", weil es um seine objektive Qualität ohnehin weiß. Die es hier aber wieder einmal zeigt, die sogar in der Digitalisierung noch erahnbar ist.

Hören Sie hier aber den Tanz der Menschheit? Spüren sie, wie die rhythmische Strenge zur Freiheit der Freude als wahre Heiterkeit wird? Sehen Sie im Schlußsatz die in der himmlischen Erlöstheit wirbelnden, im Tanz schreitenden Paare, Männer in ihren schwarzen Jacken mit goldenen Knöpfen, Frauen in ihren roten Röcken, die das Drehen zu Glocken formt, Völker, die sich vor dem großen Finale noch einmal in höchster Spannung im Gebet sammeln, um dann endgültig, vereint mit dem Chor der Engel, die man mitzuspüren meint, freigeworden von aller Erdenschwere loszustürmen ins Licht, in das sie die Schöpfung mitreißen.

Beethoven mußte es in Stufen aufbauen, in diesem fast 50minüten letzten Satz immer wieder zurückgreifen, um Luft zu holen, um eins ums andere nachzuziehen, was der Zuhörer je zurücklassen mußte, bis er ganz in seiner Spitze des Universalen versammelt ist, denn unerfaßbar wäre sonst die finale Wucht, die menschliche Schale wäre zu klein. Das Wesen des Dramas!






*Als Hörempfehlung erlaubt sich der VdZ die Beethoven-Klaviersonaten in der (schon etwas älteren) Interpretation von Friedrich Gulda zu nennen. Denn meist werden gerade diese Werke überfrachtet mit einer Sentimentalität, die dem Werk gar nicht gerecht, aber von vielen im Rahmen eines unerträglich romantisierten Geniebegriffs als "schön" mißverstanden wird. Das hat auch der VdZ erst bei Gulda begriffen. Denn der zeigt einen ganz anderen Beethoven, einen Tanz- und Liedermacher, an den man viel mehr glauben kann, wenn man das einmal herausgehört hat. Es verläßt einen nicht mehr. Plötzlich erhellt sich nämlich dieser Komponist, als würde er von diesem bedrückenden Gefühlsmuff befreit, und seine Musik wird damit erst wirkliches Gefühl und Geist.

**Der VdZ sieht Thielemann in einer Reihe mit Böhm, Furtwängler, vor allem aber Karajan bei Beethoven-Werken, auch wenn er an Beethoven wieder ganz Anderes sehen läßt. Man höre aber des letzteren (späte) Interpretation von Beethovens 7. Symphonie, v. a. im 2. Satz (ab min. 11,47) - die Symphonie als ein einziger volkstümlicher Tanz.  

Was die Völker (und ihre Musik) unterscheidet, was sie, was den Einzelnen, der immer Teil eines Volkes ist, kennzeichnet, ist im Tanz erkennbar und damit mitteilbar, anderen nachfühlbar geworden. Denn Menschsein heißt zuerst: Rhythmus, Bewegungsgestalt zu sein und daran wie darin zur Menschengestalt werden. Die Welt IST Rythmus.








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Freitag, 22. November 2013

Weg zur Entmenschung (2)

Teil 2) Der Wert aller Dinge liegt in ihrem Dasein, 
nicht in ihrer zweckhaften Arbeit




Es zeigt sich ein (materialistischer) Trugschluß, mit dem wir Zeit betrachten, die wir von ihrem Wesen abgetrennt haben: Zeit ist uns das historisch Gewordene, was gemessen (und das heißt mit bestimmten Abläufen verglichen, an denen gemessen) wird und vergeht. Nicht das, was bleibt weil ist - geschaffen, je neu, und in seiner Kraft zur Entfaltung in der Welt der Dinge abhängig von der objektiven Qualität und vor allem: von der objektiven Wirklichkeit des Schöpferischen. Wer an der Spitze eines Unternehmens (bzw. eines Organismus) steht, der ist es nämlich, der 50, 100 oder 500 Menschenleben und Tonnen an Material bewegt, selbst wenn er nur fünf Worte sagt: Baut diesem Kunden dieses Haus! Nicht der, der etwas "macht" (oder: machen kann) oder physisch-real ausführt ist nämlich primär der, der (in dieser Hinsicht) die (Gesamt-)Leistung schafft. Der König ist überhaupt nur noch Prinzip eines gesamten Volkes oder Staates, und zwar einfach, INDEM ER IST.* Nicht, indem er täglich 450 Akten über den Tisch wälzt.

Keinesfalls zufällig also wird einerseits intellektuelle, schöpferische Leistung zunehmend gering bewertet (die nur noch an solcher technischer Zweckhaftigkeit orientierte Gagenentwicklung selbst in künstlerischen Bereichen ist eines der Symptome), was sich in der Bereitschaft zum Ausgeben ausdrückt, während anderseits das Bedürfnis der Menschen, gerade für ihre Besonderheit, ihre geistige Leistung anerkannt zu werden (die Zeugniswut der Gegenwart ist eines der beredtesten Zeichen dafür) indem man sie in ihrer Stellung respektiert, was sich in einer immer größeren Erstarrung der elitebildenden Mechanismen, übrigens, ausdrückt.

Denn wenn der Wertmaßstab im Subjektiven liegt, mit dem den Dingen begegnet wird, nicht mehr im Außen, im Objektiven, in der Form (die Geist ist), in der in einer Gestalt Gegebenen, dreht sich eine Gesellschaft spiralförmig nach unten, diffundiert in das ungeformte, nur keimhafte Ich ungestalteter, spukhafter Monaden, die zufällig nebeneinander sind, zurück. 

Auch von dieser Seite her also Zeichen, daß wir uns in einem gewaltigen Entstaltungsprozeß befinden. Und das heißt: Dekulturalisierung. Denn eine solche Entwicklung des Wertempfindens, die ja vor allem etwas anzeigt, bedeutet (schon rein persönlichkeitstechnisch) die  Unfähigkeit zu höherer Organisation. Und das heißt, nein, IST noch mehr (und da wird es nämlich wirklich bedrohlich): Entmenschung. Aber ohne Menschen gibt es keine Welt.





*Das läßt sich als Grundstruktur aller menschlichen Sozietät auf alles übertragen, namentlich die Väter. Und weil man das nicht sieht, ist jeder Flickversuch etwa im Familienrecht von vorneherein zum Scheitern verurteilt, schafft nur neue Probleme, anstatt je eines zu beheben.





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Donnerstag, 21. November 2013

Weg zur Entmenschung (1)

Eine interessante Wahrnehmungsveränderung beschreibt der European in einem (sonst aber nur recht mäßigen) Artikel. Ein Schlosser berichtet, daß er, als er sein Gewerbe als Schließdienst begann, jung und unerfahren war. Viele Schlössser kannte er nicht, und mußte um sie zu öffnen viel Mühe aufwenden, und dabei das Schloß oft zerstören. Der Schaden war groß. Aber die Kunden bezahlten gerne, und sie gaben ihm reichlich Trinkgeld. Als er älter wurde, seine Erfahrung zunahm, er die Schlösser allesamt kannte, und sie in wenigen Minuten öffnen konnte, begannen die Kunden plötzlich unzufrieden zu sein, sich über seine Rechnungen zu beschweren, und gaben auch kein Trinkgeld mehr. Seine Leistung wuchs - aber sie wurde nicht mehr anerkannt.

Frägt man Menschen, wieviel ihnen die Wiederherstellung einer beschädigten Festplatte wert ist, und stellt ihnen Aufstellungen vor, in denen viel Zeitaufwand hier, Datenmenge dort gegenübergestellt wird, so entscheiden sie sich für den Zeitaufwand, nicht für die gerettete Datenmenge. Wo doch das Verhältnis in Geld gerechnet ganz anders läge.

Auf die Spitze getrieben, werden heute Versager höher und lieber entlohnt, als Könner, denen Normalleistung keine Mühe bereitet. Die Wertschätzung bezieht sich nicht mehr auf die Stellung in einem Organismus, aus der heraus nämlich ihre Wichtigkeit hervorgeht, sondern aus der subjektiven (sinnlich nachvollziehbaren) Mühe. Sodaß wir in einer widersprüchlichen Situation stehen: Während sich unser alltäglichstes Leben in höchstem Maß abstrakt gestaltet und Abstraktionsvermögen verlangt, wird unser Wertempfinden immer subjektivistischer, physischer, und an erfahrenen Schmerz (Mühe), nicht an die objektive Leistung gekoppelt. Diese Schlüsse könnte man ziehen, meint der Verfasser dieser Zeilen.

Extrapoliert man weiter so heißt das, daß Intelligenz, Verantwortungsbereitschaft, Führungsqualität (die immer Abstraktionsvermögen bedeutet) zum Makel, zum Nachteil in der Wertschätzung wurde. Sodaß sich das Leben zweiteilt - im Vollzug wird es immer virtueller, unkonkreter, unkörperlicher (man denke nur an einen Kaufvorgang über Internet), in der Wahrnehmung von Leistung aber immer physisch-zentrierter. Aus einer Notlösung, die die Bemessung von Arbeit in gemessenen Stunden immer war und ist (was sogar Marx noch bewußt war), hat sich die Absolutheit des Maßstabes entwickelt. 

Damit haben wir uns aber selbst gefangen, denn im selben Maß unterstellen wir uns der technischen Meßbarkeit, und das kann immer nur heißen: der weltimmanenten Physik. Sofern  man davon nämlich überhaupt sprechen kann, denn eigentlich gibt es diese Weltimmanenz (der sogenannten physikalischen Gesetze) nur bei einer extremen Reduktion des Wirklichkeitsbegriffs, es handelt sich also bei unserem Zeit-Wert-Begriff um einen irrationalen Mythos. Weshalb er gänzlich ungeeignet ist, eine Gesellschaft zu organisieren. Was wir auch heute überall feststellen. Das heißt: feststellen würden, würden wir es sehen wollen und können, und sehen heißt, Sinn und Ursprung kennen (und in diesem Kennen liegt dann die Wurzel der Wertschätzung).




 Morgen Teil 2) Der Wert aller Dinge liegt in ihrem Dasein,
nicht in ihrer zweckhaften Arbeit




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Sonntag, 10. November 2013

Der Irrsinnige denkt viel

Irrsinn und Verbrechen, schreibt Otto Weininger in "Über die letzten Dinge", sind die zwei bedeutendsten Erscheinungsformen des Irrsinns. Wem der Irrsinn Gefahr wird, dem wird alles Logische problematisch. Die instinktive Sicherheit des Urteilens verläßt ihn. Deshalb muß er sich mit gedanklicher Stabilisierungsarbeit befassen, um nicht die Orientierung, den Boden unter den Füßen zu verlieren. 

Hohes intellektuelles Tätigkeitsniveau ist also keineswegs für sich schon Ausweis besonderer Genialität, sondern gerade Menschen mit Neigung zum Irrsinn interessieren sich besonders für logische und erkenntnistheoretische Probleme. Denn damit etwas problematisch wird, muß es zuerst Problem sein. Wo Gefahr ist, ist Erkenntnis nötig. Das gilt für die Erhaltung des Innenlebens nicht weniger als von den Bedrängnissen der Umwelt.

Dem Irrsinnigen verdunkelt sich das Denken, dem Verbrecher das Gefühl für den Wert. Der Wert des menschlichen Lebens, der Wert der Freiheit, der Wahrheit, der Gerechtigkeit, der Schönheit - alles wird ihm problematisch. Wohnen neben verbrecherischen Neigungen auch noch sittliche Strebungen im Menschen, ist er nicht völlig verbrecherisch, so entstehen aus dem Problematischgewordenen die entsprechenden Probleme. Der Feind liegt im Inneren, was sich aus der Selbstbeobachtung erschließt. Alles Böse, so Weininger, entsteht aus einem Mangel an Bewußtheit - Bewußtheit ist damit Sittlichkeit. Antworten finden sich deshalb nur aus der Haltung der Sühne.

Der Irrsinnige und der Verbrecher denken also viel, aber sie erkennen nicht. Und sie tun es nicht aus einer willentlich-sittlichen Entscheidung, die ihnen die Haltung der Erkenntnis verweigert. Umgekehrt wird der, der Sittlichkeit und Erkenntnis verweigert, zwangsläufig irrsinnig oder/und zum Verbrecher. Dies wird besonders schlagend, wenn der Mensch sich durch unsittliche Lebensweise eine Natur aufbaut, die ihm geistig unüberwindlich wird. Sie wird seinen Verstand zur Ungeistigkeit nach innen ziehen, seine Probleme werden ihm damit unüberwindlich, er erstickt an ihrer zunehmenden Menge und Komplexität, aus der er keinen Ausweg zum instinktiven Urteil mehr findet.

Dieser Ausweg aber ist eine Frage der Bereitschaft zur Logik. Nur aus ihr heraus verliert der Geist nicht seinen Kontakt zum Leib, bleibt der Mensch noch eins, indem er Widersprüche zusammenführt und auflöst.* Damit wird geistige Gesundheit zur Frage der Sittlichkeit. Denn das Problematischgewordene läßt sich nicht einfach verdrängen, sondern muß aufgelöst werden.

Das Genie ist deshalb nicht eine Art von Irrsinn oder Verbrechen, sondern deren vollkommenste Überwindung.


*Man kann es im Alltag sehr gut beobachten, wenn Menschen, denen es an Sittlichkeit mangelt, eine immer stärkere Neigung zu obskuren Thesen und Weltanschauungen zeigen. Ja, vieles, wenn nicht alles an der heutigen Pseudoreligiosität und esoterischen Neigungen führt sich direkt auf die Unsittlichkeit der allgemeinen Lebensführung zurück. Durch irrationale Anschauungsbilder soll dieser Mangel an logischer Durchdringungskraft verschleiert, das gespaltene Selbst zur Einheit zurückgeführt werden, was aber in sich unmöglich ist, und kaum anderes als in Bosheit (oder Selbstparalyse) münden kann.

Während gerade der Rationalismus, wie er so oft zu beobachten ist, der sich aus seinem Wesen her auf Teilwelt und -wirklichkeit beschränkt bzw. von ihr nährt (von da her seine Affinität zur Technik, in der "Teil-Richtigkeit" zur Logik wird), eine subtile Form des Mißbrauchs der Logik darstellt. Die abwehrende Haltung gerade der Rationalisten gegenüber der Metaphysik (nicht aber gegenüber esoterischen Weltbildern - kein Rationalist, der nicht irgendwo seine irrationalen Ecken pflegt, die diesen Mangel an der Wirklichkeitsrezeption beheben, die natürlich wahrgenommene Abgeschlossenheit rationalistischer Gebäude durchbrechen sollen) erzählt deshalb Bände.


*101113*

Mittwoch, 22. Mai 2013

Licht das alles durchdringt

[Der vergeistigete Asket] verwandelt sich, und alle Eigenschaften seines natürlichen Wesens verändern sich. "Wer die Gnade hat", - sagt der hl. Makarius der Große - "hat einen anderen Verstand, einen anderen Sinn, eine andere Weisheit als die Weisheit dieser Welt." 

Das Mönchtum selbst ist gar nichts anderes als Geistigkeit, und die Geistigkeit kann nicht umhin, Mönchtum zu sein. Und hier, für das mönchische Bewußtsein, wird die ganze Weit zu einer anderen. Indem sich der Mönch vom irdischen Leben entfernt, nähert er sich dem universalen Leben. "Nach der inneren Stimmung der Seele" - so sagt Nikita Stifatos - "verändert sich die Natur der Dinge"; "wer das wahre Gebet und die Liebe erlangt hat" - bezeugt derselbe - "der hat keine Unterscheidung der Dinge, der unterscheidet den Gerechten nicht vom Sünder, sondern liebt alle gleichmäßig und richtet sie nicht, wie auch Gott die Sonne leuchten läßt und den Regen sendet über Gerechte und Ungerechte." 

Indem der Asket das Universum segnet, sieht er in den Dingen überall und immer göttliche Erscheinungen und göttliche Schriftzeichen; jede Kreatur ist für ihn eine Leiter, auf der die Engel Gottes in das Erdental herabsteigen; alles Irdische ist ein Bild des Himmlischen. Die ganze Natur ist für ihn ein "Buch", wie der hl. Antonius der Große von sich gesagt bat.


Pawel Florenski, in "Säule und Grundfeste der Wahrheit"


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Sonntag, 19. Mai 2013

Von der Würde des Menschen

"Keinen bestimmten Platz habe ich dir zugewiesen, auch keine bestimmte äußere Erscheinung und auch nicht irgendeine besondere Gabe habe ich dir verliehen, Adam, damit du den Platz, das Aussehen und alle die Gaben, die du die selber wünschst, nach deinem eignen Willen und Entschluß erhalten und besitzen kannst. Die fest umrissene Natur der übrigen Geschöpfe entfaltet sich nur innerhalb der von mir vorgeschriebenen Gesetze. Du wird von allen Einschränkungen frei nach deinem eigenen freien Willen, dem ich dich überlassen habe, dir selbst deine Natur bestimmen. In die Mitte der Welt habe ich dich gestellt, damit du von da aus bequemer als alles ringsum betrachten kannst, was es auf der Welt gibt. 

Weder als einen Himmlischen noch als einen Irdischen habe ich dich geschaffen und weder sterblich noch unsterblich dich gemacht, damit du wie ein Former und Bildner deiner selbst nach eigenem Belieben und aus eigener Macht zu der Gestalt dich ausbilden kannst, die du bevorzugst. Du kannst nach unten hin ins Tierische entarten, du kannst aus eigenem Willen wiedergeboren werden nach oben in das Göttliche.

Welch übergroße Freigebigkeit des Vatergottes, welch übergroßes und bewundernswertes Glück des Menschen, dem gegeben ist zu haben, was er wünscht, und zu sein, was er zu sein verlangt. Die Tiere binden bei ihrer Geburt aus dem Mutterleib (sagt Lucilius) alles mit sich, was sie besitzen werden. Die höchsten Geister sind entweder von Beginn an oder bald darauf gewesen, was sie von Ewigkeit zu Ewigkeit sein werden. 

Dem Menschen hat bei der Geburt der Vater Samen jedweder Art und Keime zu jeder Form von Leben mitgegeben. Die, die jeder pflegt, werden sich entwickeln und ihre Früchte an ihm tragen: Sind sie pflanzlicher Natur, wird er zur Pflanze werden. Sind es Keime der Sinnlichkeit, wird er zum Tiere werden. Sind es Keime der Vernunft, so wird er zum himmlischen Lebewesen werden. Sind es Keime des Geistes, wird er ein Engel sein und Gottes Sohn. Und wenn er unzufrieden ist mit jedem Lose der Geschöpfe und sich zurückzieht in den Mittelpunkt des eigenen einheitlichen Wesens, werde er mit Gott zu einem Geist vereint im einsamen Dunkel des Vaters, der über alle Dinge gesetzt ist, alle Geschöpfe übertreffen."


Pico della Mirandola, in "De hominis dignitate"




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