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Freitag, 6. Januar 2017

Als würde man gegen die eigene Handpuppe kämpfen

Was hier Julian Assange - der schon geraume Zeit gewisse Anflüge von Vernunft aufweist, es sei ihm zu wünschen - sagt ist nichts anderes, als daß dieselben Leute, die IS(IS) finanzieren auch die Clinton-Foundation finanzieren. Und es sind nicht irgendwelche Spinner. Es sind Regierungen. Unter Hillary Clinton als Außenministerin haben sich die Waffenexporte nach Saudi Arabien auf historisch einmalige Höhen entwickelt, schließlich verdoppelt. Das belegen die von ihm veröffentlichten bzw. ihm zugespielten Dokumente aus Clintons Schriftverkehr. 

Wenn die USA also behaupten, sie würden die IS bekämpfen, dann muß die Frage gestattet sein, wer hier wen bekämpft? Die USA das von ihnen selbst finanzierte und genährte Phantom? Wie erfolgreich kann so ein Kampf sein? Wie erfolgreich kann so ein "Kampf gegen den Terror" sein? Und: Was wird das eigentliche Ziel solchen Handelns sein?









*051216*

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Erhellendes durch transparent gemachte Zusammenhänge

Der VdZ gesteht, daß der den Gründer von Wikileaks, Julian Assange, nie besonders schätzte und schon gar nicht mochte. Aber dies ist das erste Interview mit ihm, in dem er in den Augen des VdZ klar und sachlich präzise spricht. Um so die Relevanz der E-Mail-Veröffentlichungen rund um Hillary Clinton ("Aufgefressen von ihrem Ehrgeiz und den Selbstansprüchen buchstäblich bis zur Krankheitsgranze, und darin Werkzeug, Knotenpunkt eines umfassenden Interessensnetzwerks") zu zeigen. Also bringen wir Assange an diesem Ort. Aufgenommen zu einem Zeitpunkt, wo selbst Assange trotz aller Enthüllungen über die sie umgebende Realität nicht glaubte, daß Donald Trump die Wahlen in den USA gewinnen könne. Das dachte ja auch der VdZ.









*201116*

Dienstag, 8. November 2016

Es wird immer unglaublicher

Was Wikileaks nun über Hillary Clinton an die Öffentlichkeit gebracht hat, sprengt endgültig jede Dimension im amerikanischen Wahlkampf. Nun geht es nicht nur um Schriftstücke, sondern schon um Photos und Filme, die belegen sollen, daß beide in Verbrechen involviert waren oder sind, die den Wahlkampf für manche bereits zu einem Kampf gegen Satan und Satanismus machen. Denn das belegen diese photographischen Aufnahmen: Kinderpornographie, die bis zu satanischen Ritualen geht und auch die Tötung von Kindern einschließt. Belege, daß dies in den USA über ein Netzwerk einen kaum faßbaren Raum einnimmt, gibt es ja auch von anderer Seite reichlich, auch hier haben wir schon darüber berichtet.

Wenn diese nächsten Vorwürfe stimmen, die Wikileaks laut eigener Aussage NICHT von Russen oder anderen Mächten erhielt, sondern die ihnen entsetzte Kongressabgeordnete zugespielt haben, die um ihr Leben fürchten, kann einem nur noch angst und bang werden. 

Angeblich sind diese Filme angefertigt worden, um Material für Erpressungen zu schaffen und sich Politiker, darunter die Clintons, gefügig zu machen. Wieweit hinter diesen Veröffentlichungen pure Wahlkampfstrategie steckt, die dichte Nebel wirft, in denen irgendwie auch die Clintons vorkommen und somit in die Hauptvorwürfe mit hineinziehen, ohne daß sie direkt darein involviert wären, kann der VdZ nicht sagen. Denkbar ist auch das.

Kein Zweifel aber besteht darüber, welch erschreckend große Rolle Satanismus in der amerikanischen Elite bereits spielt. Das zeigt ein Artikel (mit vielen weiterführenden, belegenden Links) von William M. Briggs auf OnePeterFive. Wird Gott, wird die Wahrheit vom Thron gestoßen, setzt sich sofort ein Dämon drauf. Selbst wenn man nicht immer von bewußter Intention zum Satanismus sprechen wird können, so ist eine solche gar nicht notwendig, um Tor für dunkle Mächte zu sein und ihnen Präsenz in der Welt zu eröffnen.*

Ist das Gewissen, das Bewußtsein daß wir dem Sein immer als Schuldner gegenüberstehen, einmal zum Schweigen gebracht - und das passiert am raschesten, am sichersten durch die Körperlichkeit, also vor allem über die "sexuelle Befreiung", in der sich Geist und Leib trennen (sollen) und Körperlichkeit ohne (Sinnverankerung im) logos gesehen wird - treibt sich der Mensch selbst ins Nichts, um aus der Differenz heraus noch das Sein zu erfahren. In der Sexualität ist der Mensch am raschesten und nachhaltigsten unfrei, und damit dem Geist weil der Freiheit abgewandt.

Ins Bewußtsein steigt jedoch, was fehlt. Nur ist es dann ein Bild, eine andere Ebene der Identifikation, und dieser ist Gott entzogen weil wesensfremd. Der immer trockenere, rationalistischer in sich verhängte Verstand verbleibt auf der Ebene der Ideendeklination, der Ideologie, der Propaganda, und vor allem des Voluntarismus, denn dem Willen fehlt sein Wesen als "Gerichtetheit", es wird nur noch als reduzierter Kraftakt existent.**

Doch niemand weiß mehr um Gott als der Satan, also vermag er ihn auch am täuschendsten nachzuahmen. Deshalb steht Satanismus immer und ausnahmslos am Ende eines Weges entschränkter und darin gerechtfertigter Sexualität,*** denn der Eros ist die erste, ursprünglichste Kraft zur Welt und damit die erste Weiche der Erkenntnis. "Nun gingen den beiden die Augen auf und sie entdeckten, daß sie nackt waren." (Gen 3,7)





*In einem weiteren Artikel beschreibt Briggs die Entwicklung des amerikanischen Satanismus, der über den Gang durch die letzten Jahrzehnte heute neue Formen gefunden hat. Ja, der zum Synonym für den modernen Lifestyle der "Erfülltheit" geworden ist. Dem es gelungen ist, daß das Christentum als böse, lebensfeindlich und haßerfüllt gesehen wird. Während Satan selbst zur gottgleichen weil gottgewollten Idee (s. u. a. die Gnosis) wurde.

**Das macht das Verbrechen der Frühsexualisierung von Kindern deutlich, die noch ohne selbst die Kraft des Geistes entwickelt zu haben in eine unfreie Haltung "erzogen" werden, sich also später noch schwerer zur Freiheit (weil zum Geist) erheben können. Mit einer kaum zu überschätzenden Rolle der Musik dabei, die an Daseinsbefindlichkeiten gewöhnt (und andere fernhält) und unter Urteilskriterien stellt, die die Welt als Hölle sehen lassen, der nur durch Flucht ins Subjektive zu entkommen ist. Der andere wird endgültig zum Todfeind, sobald er diese hoch fragile Befindlichkeit stört.

***Aber mehr noch: Im Genderismus wird eben diese Trennung von Geist und Materie (Fleisch) zum Programm. Das macht ihn tatsächlich satanisch. Diese Nichtungsabsicht dem Menschen gegenüber hat sogar bereits eine eigene Vollzugsform gefunden, in der Sexualität endgültig aus jedem menschlichen Bezug herausgelöst, die Verfaßtheit des Menschen als Kulturwesen damit überhaupt verleugnet wird. Sie nennt sich "Ecosexuality".





*071116*

Donnerstag, 18. August 2011

Anonymität als Weg zur Macht

Vollkommene Öffentlichkeit macht das Regieren absolut zu einer Unmöglichkeit. Denn alle Regierung ruht in dem Gedanken, daß da einige Einzelne sind, die die Einsichtsvolleren sind und die just dadurch um so viel qeiter sehen, daß sie steuern können; aber vollkommene Öffentlichkeit ruht in dem Gedanken, daß alle regieren können.

Daß dieses so ist, hat auch niemand besser verstanden als die Tagespresse; denn keine Macht hat in dem Grad auf Geheimhaltung, betreffend ihre ganze innere Organisation, gehalten, wer ihre Mitarbeiter seien, welche ihre eigentlichen Absichten usw., wie just die Tagespresse, die dann in einem fort geschrien hat, daß die Regierung öffentlich sein sollte. 

Ganz richtig; die Meinung der Presse war nämlich, daß sie die Regierung weg haben wollte. - und so wollte sie selber regieren, weshalb sie auch die Geheimhaltung sich sicherte, die notwendig ist, um zu - regieren.


Sören Kierkegaard, "Tagebücher 1850"

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Samstag, 6. August 2011

Eine Generation der Rambos

Das Einzige, was ich wirklich an Allgemeinem über den norwegischen Attentäter meine sagen zu können, ist, daß er etwas erfüllt, das doch jahrzehntelang amerikanische Actionfilme verkündet und als individuelles Charakterziel erstrebbar gemacht haben: Ein stinknormaler Mensch sieht sich im Aufruf, die ganze Welt zu retten. Ob in "Independence Day" oder als "Rambo" - es sind überall die Einzelgänger, die zurückgezogenen Genies, die einen inneren Auftrag haben. Den sie noch kräftig mit PC-Spielen ("World of Warcraft") auf Touren bringen.

Ja was erwarten wir denn? Da wird es Jahrzehnte als Idol dargestellt, wächst eine ganze Generation mit diesen idolen bereits auf, die von Propaganda so weit weg sind wie Oslo von Norwegen, und dann wundert sich jemand, daß auch solche Menschentypen heranwachsen?

Anders Behrens Breivik, 32 - "Er schrie und jubelte, während er schoß."
DIESE Geisteshaltung findet sich noch dazu tatsächlich überall, ob links, ob rechts - die Grünen sind ja eine regelrechte Bewegung des individuellen Weltrettungsbewußtseins!

Die Richtung ist gleichgültig, weltanschaulich ist auch der Norweger keineswegs zuordenbar. Kant paßt zu "Rambo" wie die Faust aufs Auge, sieht das niemand? Wenn man sein Manifest überfliegt - wer liest schon 1500 Seiten Zusammenkopiertes; Breiwik zitiert z. B. deutsche Autoren, obwohl er gar nicht Deutsch kann - fällt vor allem dieses Durcheinander auf.

Christlich (wenn schon: protestantisch, überhaupt eine Erwähltheitsreligion, die auszog, den Katholizismus zu retten; aber Breiwik bezeichnet sich selbst als "ungläubig"!). Freimaurer (die sowieso die Welt, mit dem Verstand, retten). Muttersöhnchen. Dem der Vater fehlt, und damit die Ausgewogenheit der Selbsteinschätzung - wahrscheinlich im erhabenen Urteil über den Vater die Welt rettet, der einem sonst ja seinen Platz zuweisen sollte, wäre da nicht die Mutter, die linke Gesellschaft, der Liberalismus, der Sozialstaat ... Norwegen ist sogar extreme Wege der Formlöschung begangen, was eine Entwirklichung anzeigt, die jeden Realitätsdruck, und damit jede Identitätsbildung, vermissen läßt. Norwegen braucht niemanden mehr! Auch keinen Gott. Denn Norwegen hat Öl. Das Land hat gigantische Geldtöpfe angelegt, die für alle Generationen der Zukunft aussorgen sollen. Niemand wird mehr gebraucht in Norwegen. Alle sind nur noch auf Urlaub dort.

In dieser Analyse stimmt sogar die Richtung, aus der der Wind weht. Und solche Charaktere sind alles andere als selten. Links wie rechts. Die Richtung ist egal. Heute ist Totalitarismus bereits in prinzipieller Zug der Persönlichkeitsbildung geworden, auch als Reaktion.

Totalitarismus ist aber keine Frage der Inhalte. Er ist eine Frage der Zuordnung seiner selbst, der Interpretation des Ich in der Kommunikation mit dem Du, dem Gegenüber. Ähnlich der Sucht ist er ein Problem der Gewalt über sich, nicht der Gegenstände (wie die Linke es regelmäßig versucht, substantielle Inhalte an sich zu desvaouieren - als Haß auf alles Sein, das prinzipiell dem Ideologenhirn widerspenstig ist.)

Der Mann in Oslo hatte ja in etlichen Einzelaussagen recht, so ist es ja nicht. Aber "recht haben" sagt gar nichts: einer Meinung anhängen macht nicht gerecht. Breiwik war wirr, und das zeigt sich im Mangel an Klugheit, denn sein Handeln hat keineswegs erreicht, was er wollte. Wo hätte er enden wollen? Indem er alle seiner Meinung nach gesellschaftsschädlichen Norweger - also: fast alle - eliminiert? Im Gegenteil, er hat genau die inkriminierte Lage noch weiter verschlimmert, er war also sogar kontraproduktiv - und damit sind wir wieder bei der gemachten Einschätzung: es ging nicht um Inhalte! Diese dienten nur als posthoc-Rechtfertigung, um die wirklichen und irrationalen Motive zu verbergen. So sehr die Linke die Diskussion darauf zu bringen versucht hat und noch weiter versuchen wird, um das Feld für ihr Handeln zu räumen, in dem es auch nicht um Inhalte geht. Auch die sind nur das Tarnnetz, unter dem Rambo wartet.

Aber plötzlich stellt so einer, der bisher eher eingeordnet gelebt hat (wenn die "Beobachtung für rechte Umtriebe" meint, sie hätte ihn im Visier gehabt, so ist das nicht einmal einen Huster wert - die haben auch jeden der noch normalen Bürger im Visier, ihre Kriterien sind universal wie Schmiegen, für einen Linken ist alles gefährlich, das nicht links ist), freilich Einzelgänger, freundlos, der aber dennoch aktiv sein Leben gestaltet hat, etwas fest, das übrigens (schöner Zusammenfall) in einem der aktuellen Kinofilme - "Was Du nicht siehst" (mit meinem lieben Kollegen Andreas Patton in einer der Hauptrollen) - thematisiert wird: der Mensch hat die Freiheit, zu handeln!

Er hat die Möglichkeit, etwas zu tun, auch Schlimmstes. Er hat nur sein Gewissen! Und das zu manipulieren ist heute (aber das war nie anders) Fertigkeit des Alltags. Was ihn hindert sind vielleicht noch manche innere (natürliche) Hürden (Muttersöhnchen!), innere Hemmungen. Schaut man aber der Welt ins Auge, ist es plötzlich eine Welt, vor der man sich nicht fürchten muß, in der man handeln kann. Einfach so! Das erlebt der heutige Mensch wie einen Befreiungsrausch.

Völlig gefaßt, hat der Norweger sich bei den Verhören "kooperativ" gezeigt. Nach eineinhalb Stunden Blutbad auf der kleinen Ferieninsel, während dem er geschrieen, ja gejubelt hätte, wie Überlebende berichten, erst dann hatte die Polizei (die nicht gleich ein Boot auftreiben konnte) ihn verhaften können, er hatte sich nicht gewehrt. Kein Zufall ist, daß der Bombenanschlag in Oslo vor dem Gebäude des Ölministeriums stattfand - Norwegen schwimmt im Geld, weil im Öl, es braucht keine Männer mehr, es braucht keine Söhne, der Staat sorgt für alles (Norwegen ist derzeit auch eines der letzten drei, vier Länder Europas, wo noch Sozialdemokraten regieren. Wie in Österreich.) Breiwik war bei der Mutter aufgewachsen, lebte bei ihr. Der Vater lebt in Südfrankreich, und möchte mit seinem Sohn nichts zu tun haben. Jetzt schon gar nicht. "Es wäre besser gewesen, er hätte  sich (vor dem Anschlag) selbst umgebracht," soll dieser öffentlich gemeldet haben, ehe er sich jeder weiteren Stellungnahme entzog.

Norwegen zieht Massenkuschler heran. Dem Ruf des Attentäters, als Bursche, ihm zu folgen, ist niemand gefolgt - er blieb alleine. Also nimmt nicht wunder, daß er vor allem eines nun wollte: Öffentlichkeit. Bei den Verhören, bei den Verhandlungen zum Prozeß, der ihm nächstes Jahr gemacht wird. Angeblich aus Pietät den Angehörigen der Opfer gegenüber. Zweifel an der Täterschaft bestehen ja nicht, weshalb man ihn auch ohne Urteil schlicht unter Verwahrung hält.

Also ist das zweite Ziel gleichfalls verständlich: genau jene Massenkuschler, die sich ihm als Masse, als a-individuelle Nichtse, überlegen zeigen, indem sie einfach die Funktionen des Körpers konsumieren (denn: von "Leben genießen" kann man hier tatsächlich nicht sprechen), eingefügt in diese dichte warme Humusschichte des Unbeweglichen, des Nichthandelns des Zeitgeists, der nur noch Sattheit kennt, aber die Seinskraft des Menschen, den Willen zur Gestalt nicht mehr sättigt. Also muß Rambo aufstehen, gerufen von den Bergen, aus der Einsamkeit zurück, Racheengel, der nun im Blutrausch die Welt richtet und rettet. Entbindung aus dem Mutterleib Volk/Mutter gelungen, ein Kind ist geboren - ein Individuum, mit Namen, mit Profil, ein Mann. Wie es früher mal war, als sich Sein nur aus der Mutter, mit Gewalt, erhob.

Es würde regelrecht verwundern, wenn solche Geschehnisse nicht in immer kürzeren Abständen vorfallen würden. Es wäre zu logisch. Und zwar GERADE WEIL Europa erneut aberwitzig präventiv-restriktiv und "pädagogisch"-manipulativ reagieren und den Mutterleib noch energischer wie bisher verdichten wird.

Ersatzwege sucht sich diese Haltung - die in Rambo zur Handlungskraft wird - ohnehin längst. Und dabei wird es wohl auch bleiben, was die Sache nicht unbedingt sympathischer gestaltet.

Denn eines fehlt den heutigen weltrettenden Rambos, ob sie nun Julien Assange oder Anders Breivik - der Unterschied ist Geschmackssache - heißen: Sie wollen am Schluß nicht selbst sterben. Sie wollen ihre "Tat" eigentlich nur für sich nützen. Und weil sie im Positiven, mit ihrem normalen Leben, nicht weiterkommen, zerstören sie das Ganze, so gut sie können, indem sie mit Vertrauensmißbrauch - eine Gesellschaft von Freien muß ihren Mitgliedern zumindest gewisses Vertrauen schenken, was auch heißt, damit zu rechnen, daß jemand es mißbraucht - arbeiten.

Ob das fürs wirkliche Heldentum reicht?


Nachsatz: Ansonsten bleiben von dem Fall nur Auffälligkeiten. So die Berechenbarkeit der Reaktionen. auch hierzulande - sie wären auf den Punkt vorhersagbar gewesen. Was den Verdacht weiter verstärkt, daß eine gewisse innere Tendenz, Geneigtheit im Fall Breiwik ans Tageslicht trat: als würden alle (in allen Farben und Schattierungen) mit solchen Vorkommnissen rechnen, ja manchmal könnte man sogar zur Meinung kommen: sich wünschen. Als habe Breiwik nur etwas getan, wonach es viele längst gelüstet. Aus nur scheinbar verschiedenen Gründen.





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Freitag, 18. März 2011

Nun wird es aber enttäuschend

Man hätte so skeptische Aussagen von ihm gar nicht erwartet - Julian Assange, der noch vor wenigen Monaten als Held des Internet und seiner angeblich gewaltigen Möglichkeiten einer offenen, transparenten Gesellschaft gefeiert wurde, gibt sich nun vorsichtig. Genau diese Offenheit, meint er, wäre das größte Problem des Internet. Es als Instrument der Freiheit zu sehen wäre eine Illusion. Hatte der Mann Gelegenheit, endlich nachzudenken? Wenn er sich so weiterentwickelt, könnte man glatt Sympathien für ihn entwickeln. Schon gar, weil er dann die Sympathien der zahllosen naiven Medienmacher und -fachleute Europas wieder verspielt haben wird, die Reflektiertheit so gar nicht schätzen, weil sie ihre Nacktheit offenbar macht.

Was: das soll alles nun doch keine Facebook-Revolution gewesen sein? Kein Twitter-Umsturz? Das Internet kein Mittel der grenzenlosen Freiheit für alle? Kein Mittel, vor dem die Machthaber der Welt zittern - im Gegenteil gar? Das alles für sie aufs Serviertablet hebt, was sie sonst mühsam durch ihre Geheimdienste erforschen müßten? Denn das behauptet nun dieser Frauenverstörer Assange.

(Julian Assange | Foto: flickr.com, Espen Moe)
"Das Internet ist keine Technologie, die die Meinungsfreiheit begünstigt", erklärte Assange laut Guardian vor hunderten versammelten Studenten bei einem seiner in letzter Zeit immer rarer gewordenen öffentlichen Auftritte. Gleiches gelte für Menschenrechte oder die Zivilgesellschaft. "Vielmehr ist es eine Technologie, die dazu benutzt werden kann, ein totalitäres Spionageregime aufzubauen, wie wir es noch nie gesehen haben", so der WikiLeaks-Chef weiter.

Prinzipiell könne das Netz zwar eine größere Transparenz von Regierungen und eine bessere Koordination von Aktivisten ermöglichen. Die jüngsten politischen Ereignisse im Nahen Osten sind laut Assange jedoch nur bedingt durch das Internet und seine sozialen Erschienungsformen angefeuert worden: "Ja, Facebook und Twitter haben eine Rolle gespielt. Diese war aber bei weitem nicht so groß wie die von Al Jazeera."

In Ägypten hätten etwa die Revolutionsanhänger sogar in ihren Handbüchern ausdrücklich dazu aufgerufen, Facebook und Twitter nicht für politische Zwecke einzusetzen. Die Gründe hierfür seien klar: "Vor drei oder vier Jahren gab es in Kairo eine kleine Facebook-Revolte. Als alles vorbei war wurde die Seite dazu benutzt, die wichtigsten Drahtzieher und Teilnehmer auszukundschaften. Sie wurden dann verprügelt, verhört und eingekerkert", schildert Assange.
 
(aus: pressetext.at |alle Rechte) 

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Sonntag, 6. März 2011

Diskretion

Der Mensch wird nicht wahrer, wenn er seine Identitätsebene auf alle seine Persönlichkeitsschichten ausdehnt. Es ist eine Frage der Barmherzigkeit, solche Ventile nicht zu verhindern. Solange sie für sich bleiben. Der Mensch definiert sich aus der Treue zum Anspruch, nicht aus seiner Erfüllung.


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Freitag, 11. Februar 2011

Gemeinsame Prinzipien

Es hat schon etwas von Befremdlichkeit, wenn ausgerechnet einer der führenden Mitarbeiter (wobei nicht so sicher ist, ob und wieweit er führend war) von Wikileaks seine eigene Organisation (Openleaks, es wurde hier berichtet) gründet, und anschließend von Wikileaks angeklagt wird, Informationen gestohlen zu haben.

Da ist es wieder, das Prinzip: alle tun dasselbe, aber einer hat eben mehr recht. Täter-, nicht Tatprinzip.
Und noch ein Prinzip findet sich bei beiden gleichermaßen, als Existenzprinzip: Eingliederung und Solidarität gilt nur so lange, bis ein Untergeordneter nicht mehr einverstanden ist mit dem, was der Obere macht. Bis er eifersüchtig ist, oder gar der Neid zu groß wird. Also? Also gibt es keine Solidarität. Also gibt es keinen Organismus. Also gibt es nur Einzeltäter, die sich streckenweise zusammenfinden, solange beide meinen, es diente ihnen, und deren Arbeitsprinzip das Erschleichen wie der anschließende Mißbrauch von Vertrauen ist.

Wo war das doch noch mal auch so dominant?

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Samstag, 5. Februar 2011

Wer kontrolliert die Kontrolleure? - II

Teil 2) Was steckt aber wirklich dahinter?


Wir kennen das ja längst zur Genüge, und das heutige öffentliche Leben erstickt ja genau daran: nahezu alle Kulturinstitutionen - der Verfasser dieser Zeilen hat es zur Genüge in der Kirche erlebt - entpersönlichen sich dahingehend (und entledigen sich damit persönlicher Verantwortung), als es keine Personen mehr gibt, die entscheiden, sondern alles in Gremien, Ausschüssen, Gruppenbeschlüssen "demokratisiert", durch "Fakten" (des Controllings) "zwingend" gemacht wird.

Größenwahn? Ja, es ist Größenwahn, die im Namen einer (einer!) Moral eine Über-Regierung installieren möchte, weil sie sonst mit Zerstörung des Organismus droht. Das nämlich bedeutet "Information" ohne ordnenden Bezug. Hier bauen sich regelrechte neue Religionen auf, mit Priestern und Liturgien. Als Reaktion auf diffundierende, emanzipatorisch aufgelöste Teilorganismen. Die, und das ist eine der verheerendsten Folgen, eine Nivellierung der Moral auf das Niveau des geringsten Ethos, der geringsten Tugend - denn Erkenntnis ist eine Frage der Tugend, nicht der Information, ist kein "Rechenvorgang", dem jeder einfach beitreten kann - mit sich bringen wird, das geht gar nicht anders.

Noch dazu sind diese Ansätze, die sich selbst (ohne es zu rezipieren) Maßstab sind, aus sich selbst heraus, prinzipiell darauf ausgelegt, die Grenzen immer weiter zu senken, bis jede Gestalt - zur Gewalt wird, zur Repression, der es zu wehren gilt. Denn Gestalt ist an sich Gewalt an der ungeformten "materia prima". Aber die Welt ist eben auch an sich Gestalt!

Entsprechend spricht Domscheit-Berg auch auffallend von "Professionalisierung", von "ingenieursmäßiger Lösung des Problems", weicht damit allen wirklichen Diskussionen aus, und vertieft sich in die Funktion seines Apparats. Denn so sieht er die Welt, und so sehen die Welt heute viele, die die Menschen bereits auf Automaten und Mechanismen reduziert hat - in der Theorie, in der Praxis.

Ist Openleaks also besser? Oder nicht einfach nur: durchtriebener? In jedem Fall: noch aggressiver, weil noch weniger persönlich. Umso mehr wird eben vom Gründer von Frieden und Gewaltfreiheit und Moral geschwafelt. Und wieviel wird noch davon geschwafelt werden.

Ein Bonmot zum Abschluß: Daniel Domscheit-Berg antwortete auf die Frage, was passieren würde, wenn nun plötzlich über ihn geheime Informationen auftauchten, so: Er würde das mal abwarten. Es gäbe in seinem Leben schon die eine oder andere Peinlichkeit, aber es seien keine gröberen Schnitzer dabei. Alle sollten eben so leben, daß sie jederzeit an die Öffentlichkeit könnten. Dann habe man nichts zu befürchten.



Anders kann so ein Mensch auch nicht denken, auch damit ist er nur Kind dieser Zeit, und stellt eine Realität dar, die letztlich hinter all diesen Kollektivierungen - ob Facebook oder Openleaks, wo ist der Unterschied? - auszeichnet, die ja nichts sind als der Zwang zur Gestaltvernichtung für jene, die noch Gestalt besitzen: Es sind Bewegungen der "Nichtse", der "Besitzlosen", die jene, die etwas besitzen, dazu zwingen wollen, darauf zu verzichten.


Aber vergessen wir nicht, was dahintersteht. Es ist nämlich das Verhalten von Dieben. Die nur darauf lauern, das, was andere nun aufgeben müssen, an sich zu reißen.



Openleaks hat nur eine andere, noch zeitgemäßere, noch infamere Taktik gewählt. Es ist die Taktik der Schwachen. Der Muttersöhnchen. Der Tugendlosen. Und das Diebsgut ist klar: Macht.

Freitag, 4. Februar 2011

Wer kontrolliert die Kontrolleure? - I

Gründer der nun bereits ins Werk gesetzten neuen "Enthüllungsplattform" OPENLEAKS, Daniel Domscheit-Berg, der ehemalige Sprecher von Wikileaks, meint im NZZ-Interview, daß es mit Julian Assange grundsätzliche Unterscheidungen gebe. Deshalb habe man sich getrennt. Assange nämlich habe ein Konzept vertreten, wo er selbst "Player" im internationalen Konzert politischer Macht sein wollte bzw. will. Im Rahmen einer solchen Enthüllungsplattform, wo viele Informationen zusammenliefen, entstehe nämlich selbstverständlich eine Menge Macht, was sich längst deutlich gezeigt habe.

OPENLEAKS aber wolle lediglich ein neutrales Werkzeug für Informationen einerseits, und deren Verwendung anderseits sein. Man wolle nicht selber tätig sein, sondern nur die Infrastruktur bieten.

Das mag wohl eine gewisse Ehrenwertigkeit haben, weil manche bei Wikileaks wohl sahen, was ihre Tätigkeit wirklich bedeuten konnte. Aber was Domscheit-Berg sagt klingt eher nach dem erschreckten Vonsichstoßen von Verantwortung, deren man sich mit einem Schlag bewußt wurde. Ist - und das macht es noch bedenklicher - kaum mehr als ein völliges Vernebeln perösnlicher Verantwortlichkeiten.

Denn ein "neutrales Medium" gibt es nicht. Zumindest muß jemand entscheiden, wer welche Informationen bekommt, um sie dann zu verwerten. Die Verantwortung wird also nur verwischt und verschoben. Und das soll Openleaks "moralisch" und damit gerechtfertigt machen.

Wie funktioniert Openleaks? Man kann, anders als bei Wikileaks, keine Dokumente aufladen oder zur Verfügung stellen, sondern über Openleaks wird zwischen Informant und den Verwertern dieser Informationen - Presse, Medien - lediglich der Kontakt hergestellt. Die Verantwortung wird also (versucht) auf den Informanten selbst zurückgereicht. Openleaks schützt die Quelle, indem es die technische Verwaltung übernimmt. Dazu gehört auch die "Reinigung" der Dokumente von Spuren, die den Informanten verraten könnten. Die gesammelten Informationen sollen (ohne Inhalt, nur strukturell) übersichtlich gemacht werden, sodaß allfällige Partner einschätzen können, wie sie damit arbeiten können.

Openleaks will sich nicht nur an "große" Dinge halten, sondern soll durchaus regionalen Charakter erhalten. Wenn also jemand in seiner Gemeinde unter Korruption zu leiden hat, soll er in Openleaks eine Anlaufstelle haben, die die Partner vermittelt, die diesen

Klartext: Eine riesige Denunziantenplattform, die alle gegebenen Strukturen - auch Rechtsstrukturen eines Landes, einer Region - überspringt, sie nach "internationalen" bzw. Openleaks-Kriterien umwertet, und sie genau dadurch aushebelt. Vor allem aber regionale Wertegefüge, ja jeden Organismus auflöst.

Die Folgen sind wohl den Herren nicht bewußt, die da die ganze Welt mit subversiver Guerilla-Taktik überziehen, bzw. in diesen Modus nahezu zwingen, weil Verteidigung aller gegen alle der nächste Schritt sein wird. Wo niemand mehr geschützt werden kann, wo alles alle zukünftig angeht, und wo damit das Ganze auf die Größe des kleinsten Horizonts schmilzt. Hier löst sich Solidarität völlig auf, wird jeder Organismus obsolet, werden Staatenlenker, oder auch nur Firmenchefs, oder ... Väter, zu Hampelmännern.

Eine Horrorvision der Lebensgestaltung, die auf uns zukommt, die ja teilweise ohnehin schon da ist, rückt damit immer näher!

Julian Assange wollte den Ansatz der Neutralität nicht (den ja auch Openleaks keineswegs bedeutet, Domscheit-Berg ist nur ein wenig skrupulöser, vorgeblich, aber um nichts besser, im Gegenteil: Sentimentalität als Werteboden ist nicht einmal mehr ehrlich - "Offenheit" heißt nämlich nicht "Wahrhaftigkeit"). Vielleicht war er Assange also nur einen Deut doch noch ehrenhafter, vielleicht sogar männlicher (in aller Komplexität, die Defizite an Männlichkeit in ihrer Suche von Macht, die ja Männlichkeit bringen, ersetzen soll, bedeuten). Er WOLLTE nämlich Macht, und er wollte sie wahrnehmen. Sein Konzept scheiterte (zumindest derzeit, wo er im Gefängnis sitzt), wo sein Machtwille Verantwortung denn doch auch gesucht hat.

Deren sich Openleaks nun völlig entledigen möchte.

Wer dem Openleaks-Gründer diese Viertelstunde zuhört, die die NZZ-Sondersendung dauert, muß sogar konstatieren, daß Domscheit-Berg - und er ist ja nur Symptom der Gegenwart - die Grenzen zur Paranoia zumindest teilweise bereits überschritten haben muß.

Den Sinn seiner Plattform beschreibt er z. B. damit, daß vermieden werden soll, daß "hinter verschlossenen Türen" Wirtschaftskrisen beschlossen würden. Wo immer sich zukünftig Macht weigert, "transparent" zu werden, soll es möglich sein, dies zu erzwingen, der die Moral (!) einfordert. (Als wäre Moral ein für allemal klar umschrieben oder überhaupt nur festlegbar, ohne Diskussion über den Bezug, die Wertequelle! Das zu glauben ist finsterster Totalitarismus eines dumpfen, aber zutiefst widersprüchlichen Zeitgeistes!)

Ist es wirklich so, daß alles "Geheime" auch böse ist? Sind wir umgeben von bösen Mächten, die Kontrolle brauchen, von den Regierten nämlich, die ja beurteilen können oder sollen (oder: wollen), was ihre Standpunkte eben genau übersteigt! Und übersteigen muß, sonst verfehlen sie ihre Lebensaufgabe. Gesellschaften gibt es eben nur hierarchisch, jeder Organismus ist hierarchisch. Wollen wirklich alle nur eines: Böses? Wie muß ein Mensch denken, der das von anderen voraussetzt? Dem würde ich keinen Meter mehr trauen ...

Es gäbe zwar, so Domscheit-Berg dann treuherzig, das "Recht auf Geheimhaltung", aber dem stehe ein "Recht auf Transparenz" gegenüber. (Worüber WER entscheidet? Die, die es ja gar nicht wissen dürften? Oder wird nicht einfach nur eine neue Machtinstanz eingeschoben, die denselben Gesetzen unterliegt, nur Moralität beansprucht, wie jene, die sie zu kontrollieren vorgibt? Wer kontrolliert also die Kontrolleure???)

Deshalb wolle Openleaks mit einer Reihe von Organisationen, NGOs, Medien zusammenarbeiten, um das im Einzelfall abzuwägen. Openleaks soll also eine Art "Demokratisierung der Verwendung der Informationsmacht" sein - nichts anderes. Das soll dann die moralische Rechtfertigung bieten.

Morgen Teil 2) Was steckt aber wirklich dahinter?

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Montag, 13. Dezember 2010

Hört auf die Muttis

Nun haben die Jugendlichen (Alter egal; erwachsen ist keiner, das zählt), die als Rache für die Verhaftung des prominentesten der Wiki-Leaks-Gründer, Julian Assange, einige jener Unternehmen und Institutionen, die damit in Zusammenhang stehen, per Internet angegriffen, deren Homepages oder gar Online-Systeme geknackt und lahmgelegt hatten, nach der Verhaftung eines 16jährigen aus ihrer Mitte, zu Wort gemeldet. Sie hätten das alles nicht böse gemeint, nur Assange verteidigen wollen. Sie hören eh schon auf damit. Lustigerweise nennen sich die Wohltäter der Menschheit, die alles aufzudecken so richtig und wichtig finden, denen man eingeredet hat, das wäre dann Wahrheit und Wirklichkeit, genau die nennen sich also - nun, wo es um etwas geht - "Anonymous", und bleiben auch anonym. Wenn sie nicht erwischt werden.

Währenddessen hat sich dessen Mutti auch gemeldet, die Medien berichteten weltweit. Er sei kein böser Mensch, und man solle ihn freilassen, er habe es ja nur gut gemeint, sei ja so ein tapferer Bub! Und diese bösen Nutten in Schweden, die sollten sich gefälligst, usw. usf.

Endlich wissen wir, mit wem wir es zu tun haben. Wer eine Potenz nicht mit der Errichtung von Positivem beweisen kann, kann seine Machtgefühle im Zerstören ausleben, es passiert eh nichts. Was will man. Bei höherentwickelten Tieren. Die kennen keine Scham. Weil sie keine Menschen sind.

***

Abgesehen vom interessantesten Detail an der Sache - dem schwedischen Recht und seiner Sicht von Vergewaltigung und Sexualität. Feminismus, nächste Generation. Da kann man es sich auch noch nachträglich, und vor Gericht, überlegen, ob man die Orgie wollte, die zu wollen man vorgab.

Aber da haben sich doch die Richtigen gefunden? Assange und seine Lausbuben, und die schwedischen Damen. Beide wissen nicht so genau, ab wann es gilt.

Nur bei den andren, da gilt es immer gleich. Bei den Bösen. Die ordnen, urteilen, wählen, formen.

Die Guten freilich, die mag man. Die darauf verzichten, Form zu tragen, und auch die Gemeinschaft der anderen nicht mit der Forderung belästigen. Vorläufig. Und nur jene, die sowieso auch außerhalb stehen, wenngleich alles von den Formträgern lebt. Ja das System der Aufdecker nur funktioniert, solange es jemanden gibt, dem nicht alles egal ist; der nicht glaubt, man müsse nur seine Knochen hinwerfen, solle doch der andere die Mühe meiner Persönlichkeitsgestaltung auf sich nehmen - ich bin dann, was mir gefällt, der Rest ist sowieso Schuld der Umgebung, der letzten Gestaltträger.

Warum überrascht es da also nicht zu lesen, daß Assange eine völlig "freie" Kindheit, bei einer völlig "ungewöhnlichen" Mutter, verbrachte?

***

Und weil es bei Assange so großartig funktionierte - der ist längst ein gemachter Mann, populär, und so fesch ist er auch! heißt es -  enthüllen nun die Enthüller alles, was ihnen unter die Finger kommt: in einem Buch über die Enthüllungen, und in weiteren Plattformen wie "Openleaks", die auch nur eines tun: enthüllen, enthüllen, enthüllen. Damit, wie es der 19jährige nennt, die Menschen die Wahrheit kennenlernen, wissen, wie alles läuft, in der Welt.

Es steht zu fürchten, daß der Bursche das tatsächlich glaubt. Da ist es schon fast tröstlich, daß als Haltung dahinter pathologischer Narzißmus - die schlimmste Form von Geistesverwirrung, weil sie unfähig macht, überhaupt klare Gedanken zu flechten, wobei ohnehin alles im "Genie" zerfließt - weit gesicherter scheint.

Aber jede Wette, daß dies alles nur den Anfang, der bescheidenen Anfang einer wahren Hölle der Inhumanität darstellt. Über die Assange nicht einen Moment nachgedacht hat, weil er über gar nichts nachgedacht hat - die "Enthüllungen" waren in Wahrheit hingekotzte Irgendwasse, macht was draus.

Assange, der nicht einmal wußte, WAS da in den Akten stand, hat nicht einen Augenblick an Wahrheit und Tat gedacht. Das sollten sich doch die anderen rauspicken. Er hatte was er wollte: Popularität, Bekanntheit, virtuelle Facebook-Identität, Hollywoodszenen. Wen interessierte außerdem, was er sagte? Was ist das wert? Wie gut da die Nuttengeschichte dazupaßt.

Das ist eben der Weg, so können bald noch mehr Muttis, nicht nur jene von Assange, stolz auf ihre Söhne sein. Die zwar nichts gestaltet haben, aber dafür ein rückzugsloses Inferno von Verleumdung, Lüge, Verkennung und Haß und Irgendwas ausgelöst haben. Vermutlich nur das, was sie - wie Assange nur von der alleinerziehenden, "freien" Mutter erzogen - erlebt haben, aber, weil zu schwach um direkt zu benennen, stellvertretend an der Welt rächen.

Daß es Mühe und Anstrengung kostet, etwas zu schaffen, etwas aufzubauen. Daß die Welt ihn im Innersten nicht freispricht, wenn er sich's bequem macht, und einfach "aufdeckt", wo einer nicht mit Einbrechern rechnet. Und wer tut das bei Kindern.

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