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Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Freitag, 18. März 2011
Mißverständnis Phantasie
Es gab tatsächlich mal Zeiten, wo solche Filme produziert - und angesehen wurden!
Sonntag, 5. Dezember 2010
Die alte Geschichte
Man ergänzt manchmal um mehr, als man gesehen hat, um so eine Geschichte, die Wirklichkeit enthält, zu bauen. Denn der springende Punkt ist: die Katharsis. Man erzählt Katharsis - nie ein Geschehen.
Montag, 31. Mai 2010
Kastrierte Bilder
Wird die Sprache ihrer Bilder beraubt, getrennt in "rational" (weil vermeint wissenschaftlich) und "bildlich-phantasievoll" (als vermeint künstlich-wirklichkeitslos ästhetisierend), so zerreißt die Einheit des Sprechens, die aus Darstellung und rationalem Inhalt bestand, und es bildet sich hier der wurzellose Rationalismus, dort aber sein ebenso taubes Gegenstück - die Melancholie, die Sentimentalität als wirklichkeitslose, manieristische Ausdrucksform eines losgerissenen Vermögens der Phantasie.
*310510*
Dienstag, 17. November 2009
Es ist eine Welt der Kinder

Würde mich jemand fragen, welche Bücher mich am meisten beeinflußt haben, könnte ich es nicht beantworten. Denn ich bin mir nicht sicher, ob das auch jene waren, die die persönlichen Sehnsüchte am meisten erfaßt haben. Nein, das eher nicht.
Würde mich aber jemand fragen, welche Bücher meine kindlichen Sehnsüchte sättigten, bewässerten, aufblühen ließen, gar befeuerten, dann gehört Enid Blyton mit ihren "Fünf Freunden" unbedingt dazu. Es waren jene Traumwelten, in denen eine Welt von Kindern sich wie selbst regelt, in der alles ein Zueinander hat, das den tief gefühlten wirklichen Antrieben entspricht.
Nun hört man, daß Enid Blyton vom BBC bis in die frühen 1960er Jahre boykottiert worden war. Ihre Literatur sei zu wenig qualitativ hochwertig, hört man.
Ob das stimmt? Man müßte im fortgeschrittenen Alter die eigene Jugendliteratur wieder lesen, wohl vor allem deshalb, um sich selbst besser zu verstehen. Um so manchen Antrieb, tief im Herzen, kennenzulernen, der Schicksal wurde - und schob.
Denn Enid Blyton war Antwort auf ein Bedürfnis, das in der Phantasie eine Welt als Labung erfahren wollte, die so geschlossen war, daß sie vor aller Bedrohung Schutz und Rettung bot. Diesen probenartigen, spielerischen Umgang mit der großen Welt kennzeichnet alle Kinder- und Jugendliteratur, von Astrid Lindgren bis zu Mira Lobe, von Erich Kästner bis zu Karl May, Wörrishofer und J. F. Cooper.
Damit aber hat Blyton etwas geschaffen und geschafft, das rein von dieser Leistung her aber die Leistung der Kunst an sich beschreibt. Und es waren mythische Schemen, deren sie sich auf eine sehr leicht konsumierbare Weise - die Geschichten waren stets nur die Variation eines und desselben Schemas, ein und derselben Sehnsucht nach einer Erwachsenenwelt im Kinderformat - bediente. Daß die für Kinder zweifellos, im absoluten Maßstab gesehen, weit unter kulturellen Höchstleistungen steht kann nicht bezweifelt werden, ja es sei auch unbestritten, daß dies im schlimmsten Fall bis zum Kulturfetischismus (dem eigentlichen Wesen des Faschismus) ausarten kann.
Aber diesen Anspruch stellen ja nur heutige Kunstpädagogen, die die Kinderwelt in eine absolute Höhe rücken wollen.
Das tut und verlangt kein ernsthafter Kulturphilosoph.
*171109*
Donnerstag, 23. Oktober 2008
Phantasie ist eben nicht Phantasy
Cervantes geht im Don Quijote häufiger als man erwarten würde auf die Literatur der (damaligen) Gegenwart ein. Wobei nicht zuletzt diese fast essayistischen Ausflüge, die er vor allem dem Pfarrer in seinen Dialogen in den Mund legt, seine kaum zu glaubende Aktualität ausmacht: der Don Quijote ist tatsächlich ein hochaktuelles Buch, frisch in seinen Thematiken, als wäre es gestern geschrieben. Man lasse sich nur nicht von den Kostümen täuschen.
In einem dieser Ausflüge weist er auf den Unterschied zwischen guter und schlechter Ritterliteratur hin. Cervantes zeigt darin den Unterschied zwischen phantasievoller Literatur (ein Beispiel hierfür ist für mich J. R. R. Tolkien mit seinem Hobbitreich in "Der Herr der Ringe") und "Phantasy" hin. Denn ja, die gab es auch schon damals.
Gute Literatur bleibt erfunden, aber ihr Reich, die geschaffenen Welten, sind Analogien zur "wirklichen Welt", und weil nichts letztlich erfunden werden kann, das nicht aus dieser realen Welt stammt, weil der Mensch ja nicht Gott ist, ergibt sich ihr Wahrheitsgehalt automatisch. Gute, phantasievolle Literatur ist deshalb im selben Maß wahr, als es jeder künstlerische Text ist: er ist wahrscheinlich, plausibel, und verbindet das Zweifelhafte, Erfundene mit dem Möglichen. Das Hohe wird - so Cervantes, und wir wollen ihm hier ungeteilt zustimmen - somit vertrauter gemacht, so daß die Gemüter in Spannung bleiben.
Ganz anders die Phantasy-Literatur, die wie jede andere schlechte Literatur zu erkennen ist. Sie bezieht ihre Spannung aus der reinen Spekulation mit dem Unbekannten, das in diesem Fall aber ganz sicher nicht gekannt sein kann. Der Autor spekuliert geradezu mit dem Irrationalen (nicht aber mit dem Numinosen, hier täuscht er nämlich). Seine Bestandteile sind nicht der Wirklichkeit entnommen. Ihre Handlungslösungen sind deshalb immer überraschend, und unterwerfen sich keinem Plausibilitätsanspruch. Das rückt sie sogar in die Nähe der Dämonie (die nämlich nicht aus dem dargestellten Gegenstand, sondern aus der Art der Darstellung kommt) und macht sie sogar dämonisch. Ihre Beliebtheit erwächst ganz einfach aus ihrer Entsprechung, mit der sie bestimmten Persönlichkeitsstrukturen antworten, ihre Wirkweise ist Faszination, die dem Kult verwandt ist.
*231008*
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