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Freitag, 10. Januar 2025

Das verlängerte Sterben

Wahrscheinlich ist es heute nur bei Schiffen des Westens so, daß die Besatzungen schwimmen können. Weil es nur dort zu den Üblichkeiten eines Aufwachsens gehört, schwimmen zu lernen. Weil nur dort Kindheit und Jugend als eigene Lebenswelten gesehen werden.

Der Weg des Menschen ist also im Westen nicht primär der, in die Welt - die eine Welt der Erwachsenen, ja der Männer ist - hineinzuwachsen, und unter gewissem Druck von Notwendigkeit die Fähigkeiten zu entwickeln, die auf einen Platz in der Welt ausgerichtet sind. Der im Grunde von der Geburt und der Herkunftsfamilie als erster Raum des Gebrauchtwerdens bestimmt wird. Im Westen wird die Kindheit seit zwei-, dreihundert Jahren (allerhöchstens, wobei in manchen sozialen Grüppchen auch bis heute kaum) 

Aber nach wie vor ist es in große Teilen der Welt so, daß - wie früher auch bei uns - Seeleute WEIL DIE KINDER NICHT schwimmen können.
Ja, nicht nur das. Sie SOLLEN es auch gar nicht können.
Deshalb würde kaum ein Hilfeprogramm der berufenen Weltretter Europas überhaupt erst angenommen werden. Wer immer nämlich darüber reflektiert - und die Seeleute sind es, die das wohl zuerst und am tiefsten tun - wird an so einem Programm nicht teilnehmen, es überdies sogar als kontraproduktiv ansehen.

Freitag, 20. Oktober 2023

Filmempfehlung

Man bezeichnet den vielfach prämierten Film "Dead Man Walking" (1995) mit hervorragenden Darstellungsleistungen durch Susan Sarandon und Sean Penn - stets und wie sich zeigt fälschlich als "Plädoyer gegen die Todesstrafe". Als ich ihn gestern sah habe ich ihn nachgerade als das Gegenteil gesehen. "Dead Man Walking" ist eine in jeder Hinsicht überzeugende Argumentation FÜR die Todesstrafe. Während sich die Haltugn dagegen als das identifiziert, was sie auch ist: Als rein sentimentaler, aber sachwidriger, zeitgeistiger, aber irrationaler Impuls.

Natürlich wird einem das erst klar, wenn man enige Grundfragen des Rechts und der Strafe durchdenkt. Und - wenn wir das seriös  bedenken, was der Sinn des Lebens zu nennen wäre. Den wir in den ersten Sätzen des älteren Lesern unter uns noch bekannten "Pichler-"-Katehchimsus und Schullehrbuches in den schlichten, trockenen Sätzen so definiert sehen: Der Sinn unseres Lebens ist, Gott zu erkennen, ihn zu lieben, und seinen Willen zu erfüllen. Von einem möglichst langen Leben, von einem möglichst "guten" Leben, von einer Welt, die möglichst ideal und wunderbar ist, steht "erstaunlicherweise" in dem ganzen Buch nicht ein Wort. 

Worum geht es in dem Film, der sich auf wahre Begegenheiten beruft? 

Sonntag, 30. Oktober 2022

Die wahre Natur des Kampfes (2)

Das laut gestellte Kampfgetümmel das dem eigenen Herzen verbergen soll, daß man auf einem Spielplatz steht, nicht am Schlachtfeld des wirklichen Krieges Jede Aufklärung, jedes Durchschauen der bösen Vorgänge bleibt sonst unerfüllt und erhöht sogar nochdie Verzweiflung, wenn ihr die wahre, die ienzige Alternative fehlt - die Kirche. 

Und nur wenn ihre Position wieder gestärkt wird (und dazu ist viel weniger notwendig, als die allermeisten glauben! was nicht heißt, daß das ein Honglecken ist, weil es dann eine direkte Konfrontation bedeutet!), nur wenn sie wieder zur Stadt auf dem Berg wird, die in die Welt leuchtet, weil sie wieder der Puntk ist, an dem unsere Halteseile im Sein angeknotet sind, nur dann gibt es Hoffnung, weil wir dann begreifen können, daß es nie udn niemals ein Mittel gibt, uns in DIESER (gefallenen) Welt wieder auf ewig zu befestigen. Das ist verspielt. 

Samstag, 29. Oktober 2022

Die wahre Natur des Kampfes (1)

Es gibt ja eine ganze Menge an Plattformen, Pesonen, Instituionen gar, die sich der Aufarbeitung der großen Lüge widmen, die sich über usn wie eine dichte Decke des Üblen gelegt hat bzw. die über usn gelegt wurde. Werden konnte, weil die geistige Kraft der Menschen defacto verschwunden ist, und die herrschenden Glaubenssätze und Weltsichten exakt diese Geistigkeit weiter bekämpfen.

Denn kaum ein Resultat dieser Aufdeckungswelle, die übger uns hereingebrochen ist, das nicht den wesentlichen Punkt unberührt läßt. Sondern sich in Details verbeißt, die aufgeklärt, auseinandergenommen, in seine oft regelrecht stindkenden Bestadteile zerlegt werden, in eine Situation tiefer Ratlosigkeit führen.

Wo im "besten Fall" irgendwelche praktisch immer nur halb und nie durchgedacht ausgeformte Utopien als Gesolltes, als Idealzustand und angebliches Resultat des Aufklärungsbemühens vor Augen bringen wollen. Die in der Regel nur eine Waschart der alten sozhialistischen, irraionalen und unrealistischen Ideen sind, die in Wahrheit exakt die Ursachen sind für das, was nun als furchtbares, wildes Meer der Ausgeliefertheit an den Wahnsinn über uns zusammenschlägt.

Montag, 24. Oktober 2022

Das chthonische Geschehen (2)

Dann holen wir uns eine Frau aus den Entwicklungsländern. Die sind noch gefügiger. Die Babyboomerr als träge Eltern - Also konnte man von ihr auch die selben Dinge fordern, die man selber nicht tun wollte. "Teilung" der Arbeits- und Berufslast, volle Mitverantwortung für das Auftreten der Familie nach außen (das sie ja nun sogar "mitbestimmen" konnte), und scham- und rückhaltloses Ausgießen der eigenen Persönlichkeit, sodaß die Frau nun nicht mehr die Entscheidungen des Mannes zur Hilfe und Ausrichtugn bekam, sondern die unverdauten Denkflüsse selbst sortieren mußte, die der Mann herantrug und zuhause vor ihr auskotzte. Die Scheidungsrate ist explodiert. Sehr zum Gaudium der Machos, und unabwendbares Schicksal der Softies, die ja die "neue Gesellschaft" mit ihre "neuen Moral" proklamiert hatten.

Die Energie, mit der sich diese frustrierte Generation - beide Geschlechter frustriert aus ganz unterschiedlichen, ja entgegengesetzten Gründen - den Weltrettungsprogrammen zuwandten, Auch die Globalisierung der Ansprüche schuf nur vorübergehend Erleichterung. Die Frau aus dem unterentwickelten Land, dessen Gesellschaft im begehrlichen Blick auf den idealisierten Westen verharrt hatte, war nur kurze Zeit Ersatz. Kaum hier, hat auch sie diesen Köder der Emanzipation geschluckt, und vor allem aber die Hohlheit dieser westlichen neuen Werte durchschaut. 

Sonntag, 23. Oktober 2022

Das chthonische Geschehen (1)

Es hat keinen Sinn, ein Konzept, das nicht wirkt, weiter zu verfolgen. Oft steckt sogar seitens der Bekämpfer eine Angst hinter ihrem Kampf gegen immer wieder aufstehende neue und noch stärkere Heere, die wie eine Lust an genau der Misere wirkt, die herbeibeschworen werden soll, und gegen die man anzukmpfen vorgibt - um am selben, aber Pro wie Contra umgreifenden Wonnegefühl, teilhat.

Nehmen wir ein aktuelles Beispiel, das Anlaß war, diese Gedanken endlich nachzugehen, die schon längere Zeit im Meer der Zeit rumoren. Nehmen wir die Klimalegende. Sie eignet sich besonders gut, weil sie ein wudnerbares Beispiel für eine in sich völlig unlogische, inkonsistente Gemengelage von Theoriefloskeln und Thesenbausteinen ist, die verschleiern, daß die wahre Motivation hitner der gesamten (!) Agenda die Darbietung eines dramatischen Faches ist - "Klimapaniker", oder "der Schwarzseher" - das einen Charakter beschreibt, der das bestehende Gesellschaftsgefüge angreift, um es aufzubrechen, seine Leitfiguren abzumontieren, und sich dann selbst an die Spitze zu setzen. 

Samstag, 5. Februar 2022

Der Kampf mit unserer Natur (2)

Jede Gestalt ist Gewohnheit. Jede Gewohnheit ist Liturgie des Lebens. - Alles das ist die konkrete Gestalt unseres Lebens, und alles das ist somit die von uns mit geschaffene Natur, in der wir einst vor Gott treten werden, und nach der wir in seinen Plan eingefügt werden. Und sei es ... in der Hölle. Diese Fragen aber entschiedne sich in den inneren Qualitäten dieser Dinge, nicht an den reinen Vollzügen bzw. daran, DASZ wir alles in Gewohnheit (also zu Haltugnen gereift) vollziehen. Die Gewißheit, daß diese Qualitäten in diesen Vollzügen enthalten sind, die verdanken wir der Überlieferung, der Tradition, die verdanken wir dem Vertrauen, das wir in unsere eigenne Eltern hatten und haben.

Aber mehr noch. Dieses Vertrauen kann auch noch wachsen. Es kann sich zu einem Staunen und Bewundern heranbilden, in dem wir das Leben unserer Vorfahren - ganz so, wie jeden Text in der Heiligen Liturgie, wie alle diese Gesten und Riten, in alles was uns hier zu treuen Händen übergeben wird, damit wir es bewahren, weil wior nie (!) fähig sind, es definitiv und in allen Aspekten zu beurteilen - betrachten und indem wir der Vergangenheit und allen uns vorausgegangenen Riten und Liturgien mit Ehrfurcht begegnen. Und einem nie ermüden sollenden Bemühen, es mehr und mehr zu erfassen. 

Freitag, 4. Februar 2022

Der Kampf mit unserer Natur (1)

Consuetudine statuit altera natura - Die Gewohnheit formt sich eine zweite Natur. Die wahre Bedeutung dieses alten römischen Sprichworts ist kaum hoch genug zu veranschlagen. Letztlich geht es hier sogar um das Geheimnis und Wesen unseres irdischen Daseins, das ein Dasein in carne, im Fleisch ist. Es kann nicht von Geist, es kann nicht von der Seele getrennt werden, ohne daß es zerfällt, aber es hat auch die Realität und Kraft, das Schicksal der Seele zu bestimmen.

Wir werden von der Liturgie des Alltäglichen geprägt, darum geht es auch jetzt in diesem Coronawahnsinn. Nur höchst unweise, ja tölpelhaft-dumme Führer konnten auf die Idee kommen, eine Krankheit durch völlige Isolation der Menschen bekämpfen zu wollen. Es ist,als würde man mit einer zweijährigen Folter (und ich gehe daovn aus, daß dieser Kampf letztlich von dreijähriger Dauer gewesen sein wird) das Wohlergehen des Gefolterten bewirken wollen. Und Isolation gehört zu den schärfsten Formen der Folter, und ist deshalb aus dem Strafvollzug wieder verschwunden, WEIL es Folter war. 

Montag, 2. Dezember 2019

Beziehung vor Einzelung

Man darf sich die Schöpfung nicht so vorstellen, daß Gott "Dinge" (Lebewesen etc.) schuf, und dann traten diese in Beziehung. Es war umgekehrt. Erst war die Art der Beziehung, und dann schuf er ein Wesen, das im Sein blieb und bleibt, INDEM es in dieser Beziehung wesensgemäß antwortet. 

Diese Antwort der bejahenden Beziehung ist wiederum auf die Art und Gattung gerichtet, in der die Idee in Gott besteht, und von der her sie kommt. Das heißt, daß im "Hundsein", im "Menschsein" der Zielort der Selbsttranszendierung liegt, weil von dort her auch die Fülle der Wesensentfaltung (immer in der Geschichte) kommt, als auch die Beziehung zu Gott am vollkommensten erfüllt und bejaht wird. 

Deshalb ist der Mensch auch von der Empfängnis an auf das Umgebende, das Beziehungsganze (Ehe, Familie) gerichtet und nur von dort her zu verstehen. 

Und deshalb ist das Ja-Wort die Stiftung jenes Ganzen, in dem Mann und Frau je zu sich selbst werden. 

Denn das Ganze geht dem Einzelnen nicht nur voraus (wiewohl es aus Einzelnen besteht), sondern es bildet sich nie posthoc oder summarisch aus Einzelnen. Während es sich in dem Maß einzelt, als es den Ort in einer Beziehung in voller Hingabe ausfüllt. Denn es ist der Ort, der als geschichtlichen Ort und Punkt in der endlichen Zeit individualisiert. Wo diese Hingabe fehlt, fällt der Mensch ins Allgemeine, ins Artliche zurück, weil er die Antwort nicht gibt, und damit die Idee Gottes (erst Beziehung, dann Geschaffenes als Ding etc.) ablehnt.

So ist die Antwort Mariens "Mir geschehe nach Deinem Worte" als Antwort der Menschheit zu verstehen, in die hinein Gott im Hl. Geist dann inkarnierte, als Bedingung, weil die Beziehung Mensch-Gott, Natur-Übernatur damit hergestellt war.

Sie ist ein Actu, ein aktives Geschehen, und nur insofern zeitlos in der Zeit, und in der erinnernden Gegenwärtigsetzung als Zeitloses in der Zeit präsent. Im Schaffen schuf Gott die Welt als in der Schöpfung seiender Gegenwärtigkeit seines Liebens und Tuns, nicht identisch mit dem Geschaffenen, aber abbildhaft, und im Maß der Vollkommenheit der Abbildhaftigkeit ihm ähnlich.

Als Gott deshalb die Welt schuf, war das Band das allem vorangehende. In dem ihm dann die Schöpfung ALS Antwortende entgegentrat, weil Gott dieses Hineinholen eines Gegenüber wollte, ohne dessen zu bedürfen. Während das Geschaffene dieser Antwort bedarf, weil es sonst aus der Beziehung und damit in Nichts und Tod fällt.

Ein wenig kann man sich das so vorstellen wie den Körper eines Menschen. Der einem als die und die Persönlichkeit gegenübertritt, die zwar "die" Leber braucht, und jede Zelle an ihrem Ort, aber nicht exakt DIE Zelle (die sich erneuert und ständig neu wird, also auch eine andere sein kann), oder DIE Leber (die binnen weniger Monate ebenfalls aus völlig anderen, neuen Zellen besteht.) Und doch tritt uns immer diese eine Person und Persönlichkeit gegenüber - als Ganzes. Diese ist somit der Zeit enthoben, wenn auch in der Zeit.

Der Unterschied darf natürlich nie übersehen werden, daß Gott nicht wie der menschliche Körper die Organe "braucht", also ohne sie nicht existieren könnte (was dann Pantheismus wäre), sondern aus freiem Willen und unnotwendig dieses Band, dieses Ganze Gott - Schöpfung schuf. Die Zelle ist nicht von den einzelnen Atomen abhängig, diese sind ersetzbar, und sie ist, weil als bereits hervorgegangene Idee geschaffen, also wesentlich von ihrem Schöpfer verschieden.

Gegenwärtigkeit heißt also, daß das Ganze vom konkreten Einzelnen nicht abhängig ist. Aber es heißt auch, das Einzelne sich einzuverleiben, zum Teil zu machen. Damit ist endliche Gegenwärtigkeit die Überlegenheit einer Ganzheit über die Zeit auf Grundlage ihrer Überlegenheit über die Teile, wie Hans-Eduard Hengstenberg es in "Der Leib und die letzten Dinge" ausdrückt. Diese Existenz ist als Hypostase zu verstehen: Zeit und Zeitlosigkeit verschmelzen.

Daß wir diese Idee "von uns" nicht selbst haben, sondern in einer Aktivität (bzw. actu) empfangen müssen (wenn wir sie "haben" wollen, entzieht sie sich sofort), belegt, daß wir geschaffen sind, und uns der uns Schaffende uns an diesem Sein (das uns nie "gehört") teilhaben läßt.




Sonntag, 9. Juni 2019

Ein Stück Ewigkeit

Wie viel der VdZ von Friedrich Gulda als Interpreten der Beethovenschen Klavierwerken hält, hat er wohl schon eindrücklich hier dargestellt. Nun hat er eines schönen, nicht zu vergangenen Tages versucht, ein Urteil zu finden, was denn mehr Einfluß auf das von ihm ohnehin so geliebte Gesamtwerk "Beethoven, 5. Klavierkonzert" hat - das bessere, namhaftere Orchester, der bessere, geschätztere Dirigent, oder der bessere Pianist. 

Das Urteil ist in dem Fall eindeutig ausgefallen. Indem ihn aus den aneinandergereihten Tonkonserven diese Konzertaufnahme auf Youtube regelrecht aus den Federn des Mittagsdösens riss, in dem er meinte, diesen Wettstreit vorbeidämmern zu lassen, und eine Interpreation nach der anderen vorbeiplätscherte. Alle schien er irgendwie schon zu kennen, wie auch anders, denn dieses Werk gehört zu den von Jugend an oft und oft gehörten Lieblingsmusiken des VdZ.

Aber da riß es ihn hoch. Gulda! schoß es ihm sofort durch den Kopf, das konnte nur er sein. Und so war es.

Beethoven ist in dieser Aufnahme (trotz Digitalisierung) derartig frisch, melodiös, tanzend, springend, neu, elektrisierend zu hören, so ohne jeden Anflug von Sentimentalität, und doch mit so viel Gefühl! Gerade in dieser provokanten Ton-für-Ton-Akkuratesse Friedrich Guldas ist es aber, als hörte man Beethoven jedesmal zum ersten Mal. Und das ist doch "Interpretation" als schöpferischer Akt, dieses Entstehen im Augenblick, weil es nur dann ein Fenster zur Ewigkeit und nicht kleinbürgerliche Konserve ist?!

Das kann halt bei Beethoven wirklich nur Gulda (Buchbinder möge verzeihen, bei Mozart ist er besser, versprochen) mit seiner verfluchten 68er-Beethoven-Auffassung. Und seiner ekeligen Rolex am Handgelenk ;-). Dabei haßt der VdZ sogar die Schlampigkeiten, die der Oberösterreicher zu Lebzeiten so provokant an den Tag legte. Diese T-Shirt-Verachtung, diese Jeans-Mentalität, dieser stinkende Fetzen um das Haupt. Aber bei Gulda und seinem Beethoven drückt er lange schon fünf Augen zu. Kaum einem Interpreten verdankt er so viel an Erkenntnistiefe und damit Genußweite aus Musik.

Vielleicht ist genau das es, was Beethoven braucht: Wurschtigkeit. Mit Rühmann: Gulda sagt (auch hier) einfach nur seinen Text. Weil er zu faul ist, sich viel um Interpretation zu scheißen (und woanders mag der VdZ das so gar nicht an Gulda), Note für Note haut er alles einfach runter. 

Aber welch Wunder: Als wäre Beethoven nur so zu spielen und auch nüchtern zu ertragen! Vielleicht, nein sicher sogar, ist unser ganzes Beethoven-Bild falsch, von Kitsch und Sentimentalität überladen und verzerrt. Zu viele unschöpferische Menschen haben sich an ihm versucht, ja ihn ideologisiert. Vielleicht versperrt uns das so oft sogar den Weg zu diesem Komponisten, der meist doch nur noch als Konventionalitätsmobiliar in unseren staubfreien Museumskulturstuben auftaucht.

Vielleicht war Beethoven, wie er sich in seinen Briefen etwa sonst noch darstellt, aber nur in der Welt unbeholfen genug, so daß er sich so schwülstig und (vermeintlich) sentimental darstellen läßt. Weil er einfach nicht wußte, wie er sonst aufrecht durch den Alltag gehen sollte, was man später so krank in romantischer Verblödung verfälschte. Während er doch in Wahrheit einfach Note um Note hinschmiß. Gulda scheint es so zu sehen, und Beethoven scheint ihm in den Fingern zu wohnen, die Werke erzählen genau das.

Gulda, der in seinem Narzißmus vermutlich auch nichts mehr von außen Kommendes gehört hat. Nur noch im Inneren. Denn da ist dann die ganze und vollkommene Welt. Dieses schale, banale, so brutal ungeistige Faktische, das die Sinne von der historischen Welt liefern, ist doch nur Schmerz und Hölle, seien wir ehrlich.

Auch, ja gerade vermutlich als Taube, als unbewußt-willentlich Ertaubte, der eine von ererbter Syphilis (angeblich, vermutlich), der andere durch immer vollkommenere Invertiertheit, spielten beide dann so weltenstürzend auf ihrem Klavier. Gulda in München, Ludwig van in Wien Heiligenstadt, von wo es hier auf Magnetband, dort von Zeugen überliefert wurde.

Weinen Sie, werter Leser, wenn Ihnen danach ist, schämen Sie sich nicht, nehmen sie Ihre Ergriffenheit als Adelspaß. Denn hier ist es gestattet, nein, Pflicht. Hier ist es sicher nicht selbstverliebte, narzißtische Sentimentalität, in der man sich nur an sich selbst besäuft, um sich anschließend zu erbrechen - hier ist es wahre Ergriffenheit, die dem von außen Kommenden, Erschütternden geschuldet ist. Hier kniet man aus Dankbarkeit vor der Schönheit und dem leichten Glück der Ewigkeit, die durchs Fenster hereinkommt. So daß man ruft: Maranatha!

Beethoven, Klavierkonzert Nr. 5 in E-Moll, op 73, Friedrich Gulda, der das Münchner Symphonieorchester auch dirigiert, Aufnahme vom Münchner Klaviersommer 1989.







*230319*

Dienstag, 10. Oktober 2017

Von der zeitlosen Zeit

Wenn es also so ist, daß erst mit dem Anwesen des Seins überhaupt Zeit entsteht, als Folge des Seins, dann ist die Transzendierung auf das Sein hin, auf den Sachverhalt, wie Heidegger es einmal ausdrückt, das Tor, durch das Zeit in die Schöpfung kommt. Damit wird die Zeit an den Menschen, an die Schöpfung gehängt, damit wird sie relativ zum Kreuz, zur Selbsttranszendenz, ja zur Wahrheit.

Es erklärt auch, warum man im Alter die Zeit als immer rascher vergehend erlebt. Heidegger hat Recht wenn er sagt, daß es ein Fehler ist, Zeit an das rein "psychische Erfahren von Dauer" zu verweisen. Der wahre Grund der Relativität der Zeit liegt tiefer, und es waren vor allem die Uhren (die ja auch nur ein Vergleichsmodus sind), die diese falscher Vorstellung einer linearen, gleichförmig voranschreitenden Zeit brachten, was sich zur Illusion verdichtete, daß "Zeit" etwas gleichförmig Voranschreitendes sei, ja DAS gleichförmig Voranschreitende sei.

Daß heute alle älter werden, wie es die Statistik sagt, ist dann der Barmherzigkeit Gottes geschuldet, der jedem Zeit läßt, mehr Zeit, doch noch zum Leben zu kommen. Nein, präziser: Es ist die Tatsache, daß es uns tatsächlich an Zeit mangelt, weil wir bestenfalls der "hereinbrechenden" (anwesenden) Zeit nicht-menschlicher oder gar unter-menschlicher (vegetativer) Vorgänge ausgeliefert sind.

Jeder von uns hat doch schon erlebt, wie in Augenblicken höchster geistiger Präsenz (wie bei Unfälle, in Todesgefahr etc.) die Zeit "langsam" zu werden scheint. Das scheint nicht nur so, das ist auch so. Es ist dann überhaupt erst Zeit, als gewissermaßen zeitlich-weltliche Zeit, die über die absolute Zeit im Transzendenten zur Zeit selbst wird. Denn alles ist in dem Maß anwesend, als es am Ewigen teilhat. Zeit ist damit (auch das sagt Heidegger, der in diesem Punkt mit seinem Denken sehr weit kam) eine Folge (sic!) des Anwesend-seins (als Gegenwart, die immer Vergangenes und Zukünftiges zusammenklammert, nur der unendlich kleine Teil ist, als Fenster, durch das Sein einströmt, um Seiendes zu zeitigen, also anwesend zu machen.)

Den Menschen, die Schöpfung umgibt also eine absolute, weltlich gesehen: zeitlose Zeit, die absolute Zeit,. die keine Vergangenheit und keine Zukunft kennt.

Das bedeutet, daß auch das Leben des Lebendigen, das nur aus dem absoluten Leben kommen kann, erst in der jeweiligen Transzendierung auf den Sachverhalt hin (auf den logos, wie der VdZ es hier immer nannte, der somit immer eine Beziehungsdynamik ist, auch darüber wurde hier schon viel geschrieben) in das strömt, was im Ganzen (als Großnetz der Beziehung, gewissermaßen) als Welt bezeichnet wird.

Das erklärt, warum im Zustand des Paradieses gar keine weltliche Zeit mehr existiert, weil es keinen menschlichen Tod mehr gibt, alles nur Leben ist. Zeit wie wir sie heute erfahren, als Vorüberstreichen von rein äußerlichen Vergleichsvorgängen, ist damit eine Folge der Ursünde, des Auseinanderbrechens von Leben und Geist im Menschen, dem es seither nur gelingt, "zeitweise" diesen Geist wieder anwesend zu machen - im besonderen im sakramentalen Kult, der diese Ewigkeit selbst bereits anwesend sein läßt und so alles ins Zeitlose, ins Ewige hebt - im Kreuz, in der Selbsttranszendenz, der einzigen Art, wie diese Dichotomie wieder geheilt werden kann. Daß die Anwesung Nährende ist immer das Ewige, Zeitlose (bzw. absolute Zeit seiende). Im Paradies ist alles ewig anwesend, gegenwärtig, gibt es kein vorher und nachher mehr.

Umgekehrt muß die Verfallenheit in (und an - auch wenn diese Begriffe hier versagen) die Welt (nennen wir ruhig einmal: Lasterhaftigkeit, Getriebenheit von Begierden, usw.) zu einer immer rascher verstreichenden (weil buchstäblich flüchtigen) Zeit führen. Denn dem Dargestellten, dem Anwesenden mangelt es an jener Zeit, die weltliche Zeit überhaupt erst konstatiert, läßt den Ort der Beziehung - den logos, den Sachverhalt (Heidegger) - immer weniger betreten, damit wirklich (anwesend; "gelichtet") sein. Sexuelle Begierde ist ja letztlich gar keine "Beziehung", sie ist ein Zurückfallen auf sich selbst, eine Reduktion auf Beziehungslosigkeit, und damit eine Nichtung. Der Mensch (als Vernunftwesen) fällt auf immer kleinere Lebensvorgänge zurück, die sich aneinander immer mehr beschleunigen*.

Das Gesagte verweist übrigens auch auf Jakob v. Uexküll, der vor 70, 80 Jahren eher abgelehnt wurde, als er das Konzept einer je subjektiven Zeit der Lebewesen vorstellte. Je nach Lebenswelt (die immer "rund" ist, also in seinen Vorgängen vollkommen auf jeweilige Teilwelten der Lebewesen abgeschlossen) hat damit alles Lebendige "seine" Zeit. Das rundet sich aber erst, wenn es mit der Verwiesenheit der Schöpfung auf den Menschen zusammengeschoben wird, wenn also diese Teilwelten der Lebewesen als offen auf den Menschen hingesehen werden. Der sie dann in "seine Zeit" (der zeitlosen, ablauflosen Zeit, gewissermaßen) hebt.



*Der Mensch des Lasters stirbt also früher; die Krankheit ist ein Symptom dafür. Wir haben an dieser Stelle bereits ausgeführt, wie Syphilis als "Ausfall der Führung" gesehen werden kann. Von Aids könnte man dasselbe behaupten. Umgekehrt muß ein Leben der Tugend mehr und mehr zu einer "rascher verstreichenden Zeit" führen. Aber nicht, weil diese tatsächlich rascher verstreicht, sondern weil sie immer mehr in die zeitlose Zeit drängt bzw. diese anwesend macht, und damit in Relation zur umgebenden Welt immer "kürzer" wird. Das trifft sich mit den seit jeher bekannten Vorstellungen von Heiligen und/als Helden, die um der geistigen Tat wegen sogar ihr Leben einsetzen. Hier hat "Dichte", was in der Verfallenheit, also Seinslosigkeit oder -trennung, im Auseinanderfallen "lange" wird, weil von vielen Ewigkeiten in umgebenden Lebensvorgängen "überholt" wird.





*021017*

Samstag, 6. Mai 2017

Des Ewigen Gegenwart

Zum Abschluß der Werbefilmchenserie dieser Woche eine Werbung aus Rußland. Die sagt, daß man oft sehr viel tun muß, damit sich nichts ändert. Um Lebenmittel wie immer zu genießen, braucht man nur Produkte dieser Firma zu kaufen. An sich nicht besonders originell, keine Frage. 

Aber dann steigen ganz andere Gedanken auf. Denn es verweist eine Grundwahrheit des Menschseins, ja des Weltseins, die je tiefer man sie reflektiert umso mehr Wahrheitsglanz offenbart. Denn damit wird das Wesen alles menschlichen Selbstvollzuges klar.  Dessen, was man gemeiniglich als "Leben" bezeichnet. Das ein Werden zu sich hin ist, das aber wiederum nur aus dem Streben aufs Ewige, immer gleichbleibende zu ist. Zum einen ein Hinstreben zum Leben sebst, das zum anderen jedes Weltsein auf in seinen Grundstrukturen immer gleichbleibende Weise. 

Die als zärtlicher Kuß sozusagen, als jede Entelechie ermöglichender und in das Begegnende - damit Zeit und Geschichte und Welt werdend - Gestalt sein wollender Impuls der Liebe des immer Gleichbleibenden, des Seins selbst, als Idee im Sein, die allen Dingen zugrundeliegt sodaß überhaupt  nur das ist, was ständig und immer sich nach dieser Idee ausstreckt, sich daraus jeden Augenblick neu reformiert.

"Sein" ist ein Aktivum, kein passiver Zustand. Was nicht ständig wird, das verfällt und stirbt.

Wo der reale Lebensvollzug davon abzuweichen scheint, verfehlt er überhaupt das Sein, und verfängt sich in Gestalten, die wie Nebel purer Schein sind, der nur in der Vorstellung, nur in voluntaristischen Wahngebilden "Welt" zu sein vorgibt. Und das ist wohl der Kern der Tragödie der Gegenwart, die in ihrer radikalen, jede Transzendierung, jedes Selbstvergehen vermeidenden Kehrtwendung auf sich selbst hin nur noch Wahngebilde hervorbringt. Die nicht wahrer und realer werden, so sehr sie sich die Menschen über die social media, ständige Illusionsvorhänge aus Dauermusik etc. etc. ständig vorsagen. Damit wird auch die vielfach zu beobachtende hektische Tätigkeit der Menschen zum bloßen Illusionstheater, denn viele tun sehr viel um nur nicht das tun zu müssen, was sie zu tun hätten. Das vielleicht (quantitativ, im Vergleich) "ganz wenig" wäre. Das aber erst getan wird, wenn man über sich hinaussteigt, eben genau nicht "in sich" sucht, was nur dann aus sich heraustritt.

Das einzige, was man dem alten Mann da vorwerfen könnte wäre, daß er sich allzu sehr an eine historische Form klammert. Daß er also das Ewige zu sehr in einer einmal (häufig zu beobachten ist, daß dies auch mit dem "ersten mal" verbunden wird; darauf könnte an in diesem Filmchen auch schließen) auftretenden Gestalt festgelegt sieht. Sodaß er den Happen, den er da essen möchte, nur in dieser starren Welt meint genießen weil nur dort finden zu können. Damit widerspricht er dem Wesen des Ewigen, das in der Transzendierung überhaupt erst zum immer wieder neu zur Welt Kommenden wird. Aber er zeigt damit doch, daß er ahnt, daß dieses Ewige immer in eine Liturgie eingebunden ist. Denn Lebensvollzug und Welt IST ja überhaupt  Liturgie, ist Darstellung als Präsenz (=Welt) des Ewigen Seins, des absoluten Seins, dem menschliches Tun die Tür öffnet - oder nicht. Und das alleine ist Sinn und Wesen menschlichen Tuns.

Aber mehr noch. Es ist das Wesen aller Dinge, nicht nur des Menschen, das Wesen der Welt zu "sein", immer mehr weil vollkommen zu sein, in allem Ändern, das allem kraft des Ortes, an dem es notwendig und immer steht, in dem es unausgesetzt anderem begegnet, das es umgibt wie den Fisch das Wasser, abverlangt wird. Und so ist alles Handeln, alles Bewegen, alles Ändern der Dinge letztlich ein immer nur je neuer Versuch, in ihm seine eine, als Dynamik verstanden nie veränderliche Idee, sein Ewiges also zum Ausdruck zu bringen.

Vielleicht kann diese Werbung nur ein Russe wirklich verstehen, und vielleicht nur ein (gläubiger) Russe erfinden. Denn in der Orthodoxie, in deren seit Jahrhunderten, ja Jahrtausenden völlig unveränderten Liturgie zeigt sich ein wenig - ein wenig! - dieser angstvollen Starre, die kein Jota abzuweichen wagt, weil sonst das Ewige nicht gegenwärtig wird. Damit aber anderseits davon Zeugnis gibt, daß die Grundgestalt des Ewigen auch historisch immer gleich ist, weil seine Grunddynamik immer gleich ist. Eben ewig ist.










*240417*

Montag, 20. Mai 2013

Goldnihilismus

Der Glaube an die absolute Werthaltigkeit von Gold ist in der Geschichte vielleicht noch nie so ausgeprägt zu finden gewesen, wie er es heute ist. Dabei ist er in der heutigen Form zutiefst irrational, weshalb Goldbefürworter" fast immer ihre Überzeugung fanatisch vertreten, ja zum Eckstein ihrer Weltanschauung machen.

Nur wenn ich den Dingen der Welt transzendente Inhalte zuordne, haben sie aber überhaupt erst eine Bedeutung. Sonst sind sie nicht mehr als eine Ansammlung von Atomen, Nutzding, profan, verschleißbar, relativ.

Deshalb ist Gold nur religiösen Menschen etwas wert. Aber es ist ihnen etwas wert, das nie profan als Zahlungsmittel oder Vermögen gewertet werden kann. Weil es ihnen (ähnlich wie Edelsteine) Botschaft ist, Tor zum Ewigen, Transzendenten, aber niemals dieses selbst. Es ist ein Symbol, nicht selten genau deshalb für "Glück", vor allem aber für Ewigkeit. Und das macht seinen eigentlichen "Handelswert" aus, nur darauf baut es auf. Die indische Schmuckindustrie alleine (Goldschmuck ist in Indien* äußerst beliebt) verbraucht mit 27 % mehr als ein Viertel des weltweit jährlich geförderten physischen Goldes. China, wo Goldschmuck ebenfalls hoch im Kurs steht, liegt mit 22 % des Weltverbrauchs nur knapp dahinter. Die USA, zum Vergleich, verbrauchen mit 5 % nur ein Viertel dieser Menge.

Es ist deshalb auch nicht zufällig, daß gerade A-Religiöse, Nihilisten besonders das Gold schätzen. Denn sie vergötzen das Ding, das als Analogie gefühlt (und in der geschichtlichen Wertschätzung ausgedrückt) aber unbeantwortbar bleibt, sodaß es materialisiert wird. Sie haben kein Ewiges, und deshalb klammern sie sich an den materialen, aber toten Ausdruck des Ewigen. Je drindender jemand Gold als materialen Wert vertritt, desto mehr verrät er sich als Atheisten.

Deshalb eignet es sich so hervorragend für Spekulanten, für gewiefte Abzocker: wo immer ein Ding auf solch (wie auch immer:) Transzendentalem aufruht, läßt sich im Profanen ausgezeichnet damit verdienen.




*Der Vizedirektor der indischen Zentralbank hat erst jüngst eine kluge Stellungnahme abgegeben: Gold ist weder eine Sicherung gegen Inflation, noch eine Vermögensanlage. Es ist reines Spekulationsobjekt gegen Inflation, nur beschränkt und nur zur kurzfristigen Vermögensabsicherung als Gegenposition geeignet.





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Montag, 14. November 2011

Fortgesetzte Schuld

Ein Gedanke mit enormen Implikationen, den der ehem. Kardinal Ratzinger, jetzige Papst Benedict XVI., in "Eschatologie - Tod und ewiges Leben" anführt, indem er Origines zitiert: Die geschichtliche Verhangenheit des Menschen hört mit seinem Tod nicht auf! Denn er ist über seine Schuld mit der zukünftigen Geschichte verhangen, die wirkliche Abrechnung seiner Lebensfrucht ist bis zum "Ende der Zeit" gar nicht möglich - solange Menschen mit freiem Willen leben, kann die Passion vermehrt werden, das Leiden an den Sünden der Welt.

Darin liegt die Auflösung der "leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel" - die nur durch ihre völlige Freiheit von Schuld (und Erbschuld) denkbar ist: sie ist nicht mehr mit der Geschichte verhangen.

Schuld bedeutet Fesselung an die Zeit, Schuld bedeutet Fesselung an die Welt in ihrem faktischen Sosein. Wer am anderen verbricht, macht ihn zum Gläubiger, zum Kläger. Umgekehrt ist LIebe die Loslösung in der Freiheit, aber auch sie ist ihrer Natur nach "für" (sozial zu denken), wenn auch ihre Wirkung der der Schuld entgegengesetzt ist. Aber auch diese Freiheit zur Liebe ist zukünftig geschichtsmächtig: wer liebt, will auch das Zukünftige nicht ausschließen, will sich nicht vom anderen in diesem "für" zurückziehen, geht nicht ohne ihn und sein sicheres Heil zur Festtafel der Freude.

Und damit wird auch klar, was Fegefeuer meint: es ist die Begleichung noch ausstehender Schuld, deren verursachtes Leiden noch weiterglimmt. So leidet der Mensch im "Fegefeuer" die irdische Hinterlassenschaft zu Ende! Zwar schon in der Gewißheit endgültigen Angenommenseins, aber zugleich in der unendlichen Schwere der sich entziehenden Gegenwart des Geliebten.


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Freitag, 4. November 2011

Ewiges Gedächtnis

Ein faszinierender Gedanke, er wurde angeblich von einem gewissen Ernst Neweklowsky formuliert, Strombaumeister zwischen Puchenau und Mauthausen in den 1950er-Jahren, dessen Lebenswerk ein unglaubliches, dreibändiges, zweieinhalbtausend Seiten starkes Kompendium der "Schiff- und Floßfahrt auf der Donau und ihren Nebenflüssen" der Entdeckung harrt.

Alles was auf der Erde oder irgendwo im Weltall geschieht, ist durch das Sonnenlicht sichtbar, und zwar: durch die reflektierenden Sonnenstrahlen. Theoretisch (weil praktisch - es passiert ja tatsächlich) ist vom Weltall aus somit alles sichtbar, was auf Erden passiert. Was passiert, und was jemals passiert war. Es zu sehen ist also nur eine Frage der Entfernung (und der Fähigkeit, es zu sehen) - irgendwo im Weltall aber reisen weiterhin jene reflektierten Sonnenstrahlen, die ein Bild ergeben, das Bild von allem, was jemals auf der Erde passiert ist, und zu sehen war. Denn Sonnenstrahlen, das Licht, wird im Vakuum nicht langsamer. Alles was jemals war, ist von irgendwo bzw. auf einem Irgendwo (reflektiert) auf ewig weiterhin zu sehen. Sein Buch soll diese Gleichzeitigkeit repräsentieren, das synchrone Wissen vom Ganzen, zu allen (bisherigen) Zeiten.

Eine schönere Vorstellung der göttlichen Fähigkeit, alles gleichzeitig zu sehen, habe ich noch kaum gefunden.



*041111*

Mittwoch, 23. März 2011

Der Schlüssel

Wieviel an menschlichem Verhalten, an menschlicher Angst, an Klammern an die Dinge und Bedeutungen in dieser Welt, an Ersatzhandlungen aus nicht erkanntem oder abgelehntem Ziel im Unendlichen bei gleichzeitigem zutiefst innerstem Antrieb dazu, erklärt, was Johannes v. Kreuz in seiner "Liebesflamme" schreibt:

Die Seelenkräfte sind so tief, wie sie "aufnahmefähig für große Güter sind. Denn durch nichts werden sie ausgefüllt als durch Unendliches. An dem, was sie leiden, wenn sie leer sind, läßt sich in etwa ermessen, wie beseligt sie sind, wenn ihr Gott sie ausfüllt. [...] 

Wenn diese Höhlungen der Sinne nicht leer und geläutert sind und rein von aller Hinneigung zu Geschöpfen, dann empfinden sie nicht die gähnende Leere ihrer tiefen Aufnahmefähigkeit. 

Denn in diesem Leben genügt jedes sich darin einnistende Dingelchen, um sie so behindert und betäubt zu belassen, daß sie nicht ihren Verlust empfinden, noch die ihnen bestimmten grenzenlosen Güter vermissen, noch ihre Aufnahmefähigkeit gewahren."

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Samstag, 25. Dezember 2010

Gast aus der Ewigkeit

Der 80jährige Maler Ernst Fuchs im Interview auf die Frage, ob er eine alte Seele sei:

"Eine alte Seele? Ich bin in der Ewigkeit zu Hause, und hier nur auf Urlaub. Mal sehen, wie lange der Ewige mich noch hiersein läßt."

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Samstag, 11. Dezember 2010

Er und sie

Geschmack der Ewigkeit in dieser Welt.

Gefunden bei everydayishow

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Donnerstag, 22. Juli 2010

Und bleibet ewig

Man muß es nicht gleich vollmundig "Ruhm" nennen, auch wenn es das ist - verwenden wir das Wort "Ruf", für das Nachwehen des Seins, das auf jeden Menschen mehr oder weniger kommt, sobald er tot ist.

Im Ruhm aber lebt ein Mensch tatsächlich über sein rein physisches Hiersein hinaus. Denn die Wirkung seines Lebens bleibt weiter bestehen, ja bei großen Menschen, deren Leben eine Schlüsselfrucht für viele, oder alle erbrachte, kann man mit Fug und Recht davon sprechen, daß sie hier auf Erden auf eine Weise, mit einem Beine noch, weiter wandeln. Und das ist mehr als "als ob" - es ist sehr real. Sie gehen also nie. Sie bleiben immer (auch) hier, ragen durch alle Dimensionen, des Jenseits, des Hier.

Der Totenkult ist also weit mehr als ein "symbolischer Akt".

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Man sollte vorsichtig damit sein, Wünsche eines Sterbenden nach seinem Tode zu erfüllen. Unter Umständen bringt ihn erst DAS ins Verderben, und zerstört seine Lebensfrucht. Mit diesem Unseligen "Er hätte das gewollt!"

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Der Haß der Diktatoren erstreckt sich schon deshalb auch auf die Verstorbenen. Sie sind ihm äußerst reale Gegner.

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War der Ruhm früher nicht auf Menge bedacht, sondern auf Qualität, und genügten dazu schon wenige Blätter, wenige Jahre, wenige Tage, wenige Werke, wenn sie denn die Substanz hatten - so ist er heute im Spiel von Herstellung und Verbrauch gefangen. Er ist das Hoffen, daß eine Leistung, für kurze Zeit wenigstens, Mode wird. Und nicht selten, wird die Verfertigung eines Kunstwerkes nur noch danach bemessen - ob die Aussicht darauf besteht.


*220710*

Sonntag, 27. Dezember 2009

Gott schauen und erkennen

"Dem Tode aber hat er furchtlos in das Auge geschaut, versichernd, er glaube daran, daß dem Geiste nach der Ablösung von seiner irdischen Hülle bestimmt sei, tiefere Blicke zu tun in die ewige Ordnung der Welt, ein Wort, welches seinem Inhalte nach gleich ist dem apostolischen Ausspruch: Es ist noch nicht erschienen, was wir sein werden, wir wissen aber, wenn es erscheinen wird, daß wir Gott gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Denn Gott schauen heißt ihn erkennen, und Gott erkennen schließt in sich das Erkennen der Welt, die nichts anderes als Offenbarung seiner Herrlichkeit ist."


Peter Wilhelm Hössbach am Grabe Wilhelm von Humboldts




*271209*