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Freitag, 23. Dezember 2022

Am Ausgang steht die Wüste

Man kann, kommt das Gespräch auf "Energiewende", dieses große politische Programm, das unsere Gesellschaften und Kulturen vollständig umbauen soll und IRD. Wird, weil die politischen Beschlüsse dazu sind gefaßt, und Milliarden über Milliarden bereits investieret, teilweise sind diese Prozesse der Wandlung nicht mehr rückgängig zu machen. Zu tief hat sich das planwirtschaftliche Vorgehen bereits in die realen Wirtschaftsstrukturen hineingefressen, der Schaden würde sich noch einmal immens steigern, würde etwa die deutsche Autoindustrie wieder in den Teich einer freien Marktwirtschaft geworfen. 

Das einzige, was man aufrecht erhalten hat (man hat es wohl von HItlers Zeiten abgekupfert, dort ging man genau so vor) ist die "Profitabilität" für die Eigentümer der Unternehmen. Gewinnausschüttungen und "Dividenden" sind nach wie vor fixe Kalkulationsgrößen, nur werden sie eben am Regierungstisch zwischen den Eigentümern und den Politikern ausgehandelt. Dafür hält man auch brav die Schnauze.

Wie die Energiewende aber rein technisch funktinoiert, zeigt dieser Film ganz eindrücklich. Er unterscht drei Vorzeige- und Vresuchsprojekte, die man im EU-Raum mit bester Finanzausstattung gestartet hat. Natürlich eignen sich dazu Inseln am besten, um herauszufinden, wie ein energieautarkisches System, das nur von der Strreomproduktion aus "erneuerbarer Energie" gespe8ist wird, funktioniert oder wenigstens funktionieren könnte. Weil man Fehler erkent, korrigiert, und so weiter. 

Montag, 9. Mai 2022

Woher die Indianer kommen (1)

Eine Untersuchung der globalen genetischen Konstellation der Völker der Erde (sie ist nach wie vor iin Gange und wird nun konsequent wie nie auf jeden einzelnen Bürger dieses unseren Heimatplaneten ausgedehnt) ergab einige nicht erklärliche Ergebnisse. 

Wie die, daß die nordamerikanischen Indianer mit den heutigen Europäern sehr enge Verwandtschaften aufweisen. Da warf sich ntürlich sofort miene hantasie auf, um mir vor Augen zu führen, wie sich die Wissenschaftler mit ihren weißen Kitteln mit den Assistentinnen im Schlepp, die mit Wattestäbchen udn Pißbechern das Filmset bei den Winnetou-Filmen überfumpelte.
 
Wenn sie schon mal da sind - Denn wo hat man schon so viele Indianer auf einen Haufen, um eione statistisch relevante Menge an Genmaterial einsammeln zu können? Die Indianer in den USA und Kanada hängen ja entweder schon mittags betrunken in verrauchten Reservatskneipen herum, verwalten ihre Casinogelder, und mißbrauchen ihre Kinder, so ungefähr düfte es sich abspielen.

Während man am Drehort in Jugoslawien (wo die Karl May-Verflmungen in der Regel produziert werden, Tito-Kommunismus hin, Jugoslawien-Ferienstimmung zu Niedrigpreisen her) höchst kultivierte Hundertschaften an frisch bemalten Prärierothäuten vorfand, die noch dazu vom Filmcatering bestens versorgt und damit geduldig wie heiter das Herumgetue der Gensammler ertrugen.

Dienstag, 28. Januar 2020

Man kann ihn aber schon richtig spüren

Einer der Gründe, warum sich der Wahn vom gefährlichen Klimawandel so hartnäckig und scheinbar ungebremst durchgesetzt hat und mittlerweile zur Alltagserzählung gehört, ist, daß sich dieses Märchen - das im Wesentlichen einer Wahrnehmungsneurose gleichkommt, keiner wissenschaftlichen Erkenntnis - so wunderbar eignet, für alles und jedes menschliche Versagen als Ausrede herzuhalten. Deshalb ist es auch bei der Politik so beliebt, und hier vor allem bei Lokalpolitikern, die Versagen, Korruption oder schlicht Faulheit, Dummheit und Nachlässigkeit auf eine nun scheinbar von jedem erfahrbare Klimakatastrophe zurückführen können. Einige wenige Beispiele aus einer schier unendlichen Liste? Bitte.

Da pflastern Bürgermeister von Provinzstädten ihre Innenstädte mit sauber bis geschleckt aussehenden Ziegelbelägen zu, um den Tourismus zu fördern, reißen alle Bäume heraus, betonieren die letzten Wiesenflächen zu, pflanzen kleine Baumwunzlinge, die nicht einmal mehr Kontakt mit dem tiefen Boden haben, und erzählen dann nach drei Jahren, daß die nunmehr festzustellende Backofenhitze im Sommer der Klimaerwärmung zuzuschreiben sei.  Die heute doch wirklich schon jeder spüre.

Da vernachlässigen Gouverneure, wie der in Kalifornien, auf sträfliche Weise die Infrastruktur, woraufhin schlicht verrottete Schaltstellen für Elektrizität durchbrennen und einen riesigen Waldbrand nach dem anderen entfachen, während sie zugleich zulassen, daß Häuser in bislang ungesehener Nähe zu maroden Hochspannungsleitungen entstehen, das Unterholz wegen "Naturschutz", medienwirksam reklamiert von einer NGO (was sonst) nicht mehr ausräumen, sodaß sich ein regelrechter Zunderteppich aufbauen konnte, schieben aber die Ausbrüche von Bränden dem Klimawandel zu. Die heute doch wirklich schon jeder spüre.

Da betreiben industrialisierte Landwirtschafts-Großunternehmen Raubbau am Boden, richten riesige Monokulturen ein, sodaß nun die Böden kaum noch Feuchtigkeit aufnehmen und speichern, dadurch bei jedem stärkeren Regen unter Wasser stehen und Humus abgetragen wird, oder bei etwas längeren Sonnenscheinperioden rasch austrocknen. und schreien dann nach öffentlichen Geldern, weil sie unschuldige Opfer des von anderen Schuldigen herbeigeführten, globalen Klimawandels sind.  Den heute doch wirklich schon jeder spürt.

Wie war's in Venedig? - Ach, Pech mit dem Wetter. Die Straßen standen ständig unter Wasser.
Und da wird Venedig mit der nach 1966 zweithöchsten Überschwemmung des letzten Jahrhunderts konfrontiert, und die Politiker, wie die Medien haben nichts Besseres zu tun, als das der "schon immer mehr spürbaren Klimaerwärmung durch CO2" zuzuschreiben. Den heute doch wirklich schon jeder spürt.

Daß Medien das nicht besser wissen, kann man ihnen gar nicht mehr vorwerfen. Wer heute noch Massenmedien glaubt, hat selber einen an der Waffel. Journalismus im eigentlichen Sinn gibt es nicht mehr, oder wenn, nur noch in ausgesuchten Publikationen, ob im Druck oder nur online. 

Venedig, um es kurz zu machen, "versinkt" natürlich nicht "wegen des Klimawandels", sondern es versinkt seit Entstehung, erstens, und leidet unter unregelmäßigen Überschwemmungen, die sehr lokalen Bedingungen folgen. Die, wie beim Hochwasser im Herbst 2019, kulminieren können, und dann der Stadt eine wirklich schwere Überschwemmung einbrocken. Wer sich aber informieren will, welche Umstände dazu geführt haben und seit je führen, der möge sich diese sehr gute Übersicht auf EIKE durchlesen:

- Nicht nur versinkt Venedig von sich aus, etwa durch Grundwasserentnahmen,   seit man in dieser Lagune siedelt (und das ist seit den Hunneneinfällen im 5. Jahrhundert, als viele Bewohner von Grado im Nordosten der Adria per Schiff flüchteten und eine neue, vor den Barbarenhorden sichere Siedlung gründeten. Wobei damals der gesamte Küstenabschnitt dieses Teiles der Adria völlig anderen Verlauf hatte), was man erst in jüngster Zeit durch Wasserzuleitung von außen endlich in den Griff bekommen hat.

- Nicht nur weiß man nicht einmal, ob der Meeresspiegel in der Adria überhaupt steigt (ob also überhaupt die weltweit behaupteten, durchschnittlich pro Jahr ausgegebenen 1,4 Millimeter), denn die Meßstation, die zuvor Jahrzehnte überhaupt keinen Anstieg mehr verzeichnete, wurde im Jahr 2000 übersiedelt, und weist erst seither wieder diese ominösen 1,45 mm pro Jahr auf

- Sondern nicht zuletzt wird durch die Ausrede "Klimawandel", die heute schon fast jeder akzeptiert, das für Italien vielleicht nicht ganz untypische, weil durch Korruption beeinträchtigte, nachlässige Wirken der Verwaltung kaschiert. Der Damm "Moses", der, um Venedig endlich vor den regelmäßigen Überschwemmungen zu schützen, seit fast 20 Jahren gebaut wird, hätte schon längst fertig sein sollen und können.

Woher die Überschwemmungen von Venedig aber überhaupt kommen? Aus einem komplexen Zusammenspiel von Gezeiten, Meeresströmungen, Meeresoszillationen in der oberen Adria zwischen dem Becken von Triest und dem Golf von Venedig, den Winden, und von den Zuflüssen, deren Wassermenge nicht nur schwankt, sondern sogar von Bebauungsmaßnahmen (auch durch solche wie das Freibaggern von Fahrrinnen für Schiffe) abhängt. Oder von seit langem abgeflachten Vorküsten-Meeresböden, was anbrandende, aufs Land tretende Wellen immer höher ausfallen läßt. 

Im Oktober/November 2019 sind alle diese Umstände in ihrem Zusammenwirken so ausgefallen, daß sie sich gegenseitig hochgeschaukelt haben. Und, wie gesagt, den Hochwasserstand von 1966 fast (sic!) erreichten.

Aber Venedig hat seine Hochwasser nicht wegen des Klimawandels, wie die Massenmedien und die Politiker (eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus) zu suggerieren versucht haben und versuchen. Sieh da, und plötzlich spüren die Leute von Brüssel bis Wien wieder einmal "ganz deutlich", wie der Klimawandel voll durchschlägt, sodaß man ihn mit den eigenen Sinnen schon wahrnehmen kann ...

Über solche Plauderblasen sollte sich der werte Leser nicht weiter ärgern, sondern sie mit gewisser Gelassenheit quittieren. Und schon gar nicht den Fehler machen zu meinen, es wäre alles eine Sache von falscher oder richtiger Information. Denn mit Wissen, mit Fakten, mit Tatsachen hat die Geschichte vom "bedrohlichen Klimawandel" rein gar nichts zu tun. Und zur Wahrheit haben die Medien ein wahrlich bunt gestricktes Verhältnis. Dabei kommt alles genau darauf an - aufs Verhältnis zur Wahrheit! Die Person ist. Das ist wiederum der Grund, warum die Lüge nie und niemandem verborgen bleibt. Es braucht nur oft Zeit und Abstand, um das zu erkennen.

Weshalb die schwindende Lesergunst nun auch in Deutschland (in Österreich ist es ohnehin schon lange üblich) mit vielen Steuermillionen wettgemacht werden soll. Damit Medienkonzerne ihre Gewinnrechnung trotz erbärmlichem Niveau der Publikation - zur Sonderwerkstätte hoher Moralverpflichtung erklärt, und Moral schlägt neuerdings ja Wahrheit (nicht: eröffnet den Zugang zu ihr, nein, eines steht gegen das andere) - endlich auch wirklichkeitsfern, aber politisch garantiert, wieder aufbuttern können.

Die Hysterie wird aber prinzipiell aus ganz anderen Quellen gespeist. Sie braucht zur Erklärung keinen Klimaforscher oder Meteorologen, sondern lediglich ein wenig Erkenntnis der tieferen seelischeren Vorgänge in dieser Zeit und dieser Lage des Geistes. Darum geht der Riß zwischen "Klimaleugnern - Klimarettern" nicht durch eine Linie sachlicher Umstände, sondern durch sehr tief liegende persönliche Haltungen und Vorentscheidungen, die aus ganz anderen Regionen kommen als aus "Klima". Das ist auch der Grund, warum sich mit den einen wie den anderen ganze und umfassende Urteilskomplexe weil Weltanschauungen verbinden - wer so denkt, denkt auch so und so. Es geht um Fragen der Seelenkultur, nicht um wissenschaftliche Fakten. Über welche Behauptung man nur lachen sollte. Ähnlich jenem milden Lächeln, das einem Kind in der Trotzphase oder einem Jugendlichen in der Pubertät oft zukommt.

Nicht so milde sollte man über die Bosheit lächeln, die oft dahintersteht. Und die Skrupellosigkeit, mit der so manche, ja viele ihre Interessen mit allen Mitteln durchdrücken, ist nicht die schwächste Quelle einer instinktiv benutzten Archetypik, die aus einem Grundkonflikt mit Gott, dem Sein, dem logos der Welt gespeist wird. Aber nicht aus der Sorge um CO2 oder Funzelverbrennung, oder gar aus Liebe zur Schöpfung.


Nachtrag: Auch in Österreich wurde in deutlich wahrnehmbarem Zusammenhang mit der Berichterstattung v. a. im letzten Jahr (die weltweit zentral gesteuert und koordiniert war und ist wie noch nie) der Spruch laut, der "Klimawandel sei angekommen, man spüre ihn bereits im Alltag." Wie wenig das der Fall sein KANN zeigt eine Einschau in gemessene Wetterdaten. Wo sich grosso modo sagen läßt, daß sich in den letzten 100 (und mehr) Jahren KEIN TREND erkennen läßt. Es gibt dieses Ankommen des Klimawandels also nicht. Alles bleibt im Rahmen natürlicher Variabilität.



Montag, 16. Dezember 2019

Zukünftige und gegenwärtige Problemzonen

Bildschirmaufnahme von einem Vortrag von D. Montgomery
Man muß nicht viel quatschen, wenn man sich diese Karte ansieht. Die zeigt, wo auf der Welt die Böden bereits so ent-vitalisiert, so wenig fruchtbar sind, daß sie entweder nichts mehr tragen, oder nur noch mit viel Chemieeinsatz zu "Fruchtbarkeit" gepreßt werden können. Auf einen Schlag wird so manches deutlich:

  • Die Wanderungsproblematik von Afrika nach Europa hat maßgeblich mit dem Auslaugen der Böden zu tun.
  • Auch China hat längst das Problem erschöpfter Böden und damit das Problem der Ernährung. Die chinesische Politik, in Afrika riesige Flächen zu pachten oder zu kaufen, um sie zu bebauen, wird mit einem Schlag verständlich. Auch Asien bietet keine Reserven mehr.
  • Bald wird auch Indien geopolitisch aktiver werden (müssen), denn auch die indischen Böden sind bereits über weite Strecken erschöpft.
  • Die desaströse Entwicklung des historischen Römischen Reiches wird noch verständlicher, wenn man auf der Karte sieht, daß weite Teile des Mittelmeeres bereits seit der Kaiserzeit und den sozial-politischen Entwicklungen keinen Ertrag mehr lieferten. Rom hat sich bis ins erste Jahrhundert noch durch Expansion über die Misere hinübergerettet, wobei die Eroberung Ägyptens lebensnotwendig war. Durch den Dienst im Militär waren weite Strecken Italiens von kleinbäuerlicher Wirtschaft auf exzessiven Latifundienbetrieb verändert, wo es zu immer mehr Grundbesitz in den Händen immer weniger Oligarchen kam. Deshalb die vielen Brotabhängigen in Rom, deshalb so viele Zentralismus-Entwicklungen (heute würden wir es als "Mehrung von Sozialstaatsabhängigen" bezeichnen).
  • Die Erklärung des Niedergangs des griechischen Imperiums wird schon durch die Karte nachgeliefert: die Böden des Hellenischen Reiches waren erschöpft! Die Römer trafen bereits auf ein erschöpftes Griechenland (zu dem weite Teile der Türkei gehörten). 
  • Auffallend auch, daß die gesamte Levante, von der Türkei angefangen über Syrien bis zum Libanon, nur noch ausgelaugte Böden aufweist. Auch das ein Zustand, der seit der Römerzeit besteht. Hier (neben dem Balkan) besonders auffallend: die Zusammenhänge zwischen Entwaldung und Bodenerosion.
  • Auffallend, aber selbsterklärend, der miserable Zustand der Böden in Kasachstan. Diese einstmalige Steppe war in der Sowjetunion mit einem größenwahnsinnigen Projekt, der Umleitung der Zuflüsse zum Aralsee bzw. der Nutzung dessen Wasser selbst, "fruchtbar" gemacht worden. Noch dazu mit extrem wasserziehenden Pflanzen wie der Baumwolle, wozu außerdem riesige Flächen für Weizenanbau kamen, hatte man diese damalige Teilrepublik zu einem florierenden Export- weil Devisenfaktor aufgebaut. Das Ergebnis ist bekannt. Heute ist der Aralsee nahezu ausgetrocknet, und Kasachstans "Felder" kämpfen mit Versandung und Versalzung.
  • Brasiliens regenwaldbedeckte Böden sind keineswegs so fruchtbar, wie die schönen Bilder grünen Urwalds suggerieren wollen. Im Gegenteil, hat Brasilien über große Flächen unfruchtbaren Boden. Dazu noch der Hinweis, daß hier - ähnlich wie im Kongobecken - der Urwald keineswegs ein Zustand besonderer Fruchtbarkeit ist, sondern das Degenerationsstadium nach einer Epoche exzessiver Bodenexploitation.
  • Erst recht gilt das über Brasilien Gesagte für Mexico! Die Erschöpfung der Böden war bereits zur Zeit der Azteken und Mayas das drängendste politische Problem, das die aggressive Expansionspolitik dieser Völker vor siebenhundert Jahren ziemlich erklärt. Ähnliches gilt es von Peru und dem gesamten Nordwesten Südamerikas zu sagen.
  • Auffallend der schlechte Zustand der Agrarböden in ganz Europa.
  • Womit sich zeigt, was für Kindergartenwischler sich in der Politik bewegen, die nun ein Abkommen über landwirtschaftliche Lieferungen ausgerechnet mit Südamerika (Mercosur-Abkommen) treffen, das bereits weitgehend erschöpfte Böden mit geringem natürlichem Ertrag hat. Was das (Chemieeinsatz etc. etc.) bedeutet, kann sich jeder ausmalen. Aber vielleicht ist das auch die einzige Erklärung dieser nächsten Globalisierungs-Druckschraube. Der Bayer-Monsanto-Deal läßt grüßen, der das exakt "falsche" Geschäftsmodell verfolgt, das ausgelaugte Böden "braucht" und voraussetzt.
  • Auch der frühere Brotkorb halb Europas, die Ukraine, mit ihrer früher legendären Tschernosen-Erde, dieser Schwarzerde mit bis zu drei Ernten pro Jahr, hat zum größten Teil bereits erschöpfte Böden.
  • Auffallend auch der schlechte Zustand der Böden in praktisch ganz Südostasien, einem der bevölkerungsreichsten Landstriche der Erde. Auch hier sind die Zusammenhänge zwischen Regenwald (Urwald) und Bodenerschöpfung deutlich.
  • Daß der Brotkorb der USA, der Mittlere Westen, erschöpft ist, wissen wir zumindest seit der Ära Roosevelt. In den 1930ern waren die mittleren Bereiche der USA, die "Greated Plains", die dereinst großen, fruchtbaren Ebenen, über weite Strecken durch exzessive, rücksichtslose Landwirtschaft (denn die meisten Zuwanderer nach den USA waren Glücksritter, die auf Teufel komm raus "reich" werden wollten, koste es was es wolle, und die Natur dort schien ohnehin unerschöpflich und riesig, was bis heute zutrifft.
  • Die großen "Reservezonen" der Welt hinsichtlich Bodenzustand scheinen Kanada und das russische Sibirien zu sein.

Ein weiteres Fazit? Man kann mit der eigentlichen Grundressource der Erde, dem Boden, nicht einfach Vabanque spielen und abschöpfen, was nur geht. Man muß MIT der Erde leben, buchstäblich. Wer die Erde und ihre Strukturen nicht liebt, wird in ihr nicht bestehen können, so einfach ist es. Denn Erkenntnis ist abhängig von der Liebe, als ganzheitlichem Wohlwollen und Haltung des Staunens. Nicht von der Cleverness irgendwelcher Technikfuzzis. Übrigens steht das schon in der Bibel, nur nebenbei. Alle Lebewesen der Erde hängen von der Pflanzenwelt, also vom Boden ab.

Nur zur Illustration: Die Menge der jährlich über Lebensmittelproduktion "aufgegessenen" Erde beträgt weltweit jährlich dreiundzwanzig Milliarden Tonnen. Soviel erodiert, Jahr für Jahr. Das sind immerhin 0,7 Prozent der gesamten auf dem Planeten vorrätigen Erde. Weil es so viele Menschen gibt? NEIN. Weil wir mit der Erde nicht richtig umgehen! Und zwar jeweils, JEWEILS durch Ignoranz und persönliche Schwäche wie Gier und Trägheit. In den vergangenen vierzig Jahren wurde weltweit ein Drittel des bekannten Agrarlandes, sprich vierhundertdreißig Millionen Hektar, wegen erschöpfter Ertragsfähigkeit aufgegeben.

***

Darf der VdZ eine wilde Vermutung aussprechen? Daß dieses gesamte Politikerdreckspack lieber mit dem eigenen Zehenkäse namens "Klimawandel" spielt, als von dem, was die Welt wirklich bewegt, auch nur einen Funken Kenntnis zu nehmen.

Hart? Herrschaften, das Beil fällt über die, die es aufgestellt haben und bei jeder Wahl neu aufstellen, um bei ihm zu schwören. Wer diese groteske Form von liberaler Demokratie will, die wir haben, wo die "Fähigkeit" mit der Person zusammenfällt (ganz anders als in einer hierarchisch-monarchischen Verfaßtheit, die nie beansprucht, Politik zu "machen", die machen die Leut schon selber, und das ist demokratisch, wie es sich die lächerlichen Putzelmännchen in Berlin oder Wien nicht einmal träumen lassen, sondern nur zu "herrschen", als Gestaltvollendung des Volksganzen als Kultur), ist auch die Person der Drecksbeutel. Wer sich wählen läßt, hat dann auch die Folgen zu tragen. Weshalb unbedingt - und unbedingt in unserer Form von Demokratie - persönliche Haftung zu verlangen ist! Wir haben es hier mit der Vorsehung Gottes zu tun. Und da geht bald endgültig der Sensenmann um. Die Demokratie heutigen Zuschnitts hat an der Guillotine begonnen, sie wird auch dort enden.




Montag, 17. Juli 2017

Veränderung der Bevölkerung

Neue Untersuchungsmethoden bei der Extrahierung von DNA aus sehr altem Knochenmaterial machen es mittlerweile möglich: Eine jüngst abgeschlossenen Untersuchung des Genoms von über 150 ägyptischen Mumien aus der Zeit 1400 bis 400 vor Christus brachte dabei ein überraschendes Ergebnis. Denn diese Menschen zeigen genetisch hohe Verwandtschaft mit der Genlandschaft der Menschen der Levante, des Nahen Ostens und aus Europa aus der Zeit des Neolithikums.

Auffallend ist auch, daß sich den untersuchten Mumien aus einer Zeitspanne von 1.000 Jahren so gut wie keine wesentlichen Veränderungen der DNA zeigen. Das bedeutet, daß sich auch die vielen Fremdherrschaften kaum auf die genetische Disposition der Ägypter dieser Zeit auswirkten. Das wollten die Forscher der Universität Tübingen und vom Max Planck-Instituts nämlich herausfinden. Vergleicht man diese DNA mit der DNA aus Gebeinen des Neolithikums der erwähnten Räume liegt der Grund auf der Hand: Die Völker dieses geographisch gesehen großen Raumes unterschieden sich kaum. Zumindest nicht genetisch.

Insgesamt deuten die DNA-Befunde nämlich darauf hin, daß es eine genetische Kontinuität im Mittelmeerraum vom Neolithikum bis hin zu den Römern gibt. Zwischen den alten Ägyptern und den Römern bestand damals genetisch mehr Ähnlichkeit als zwischen heutigen Ägyptern und heutigen Europäern. 

Was der bisherigen These widerspricht, nach der die Assyrer, Griechen und Römer den alten europäischen Genpool überlagert und stark verändert hätten. Diese Untersuchungen, denen ein wissenschaftlicher Durchbruch in der Ausfächerung alter DNA-Zeugnisse zugrundeliegt und die eine bisher nie erreichte Verläßlichkeit haben, belegen, daß  dies nicht der Fall war. Daß es also vor diesen tausenden von Jahren keinen Bruch in der Bevölkerung gab. Vielmehr haben wir es im Neolithikum (das man ab dem Ende der letzten Eiszeit etwa 10.000 v. Chr. bis 2.200 v. Chr. ansetzt und die Zeit der Seßhaftigkeit, der landwirtschaftlichen Technik und der ersten Städte anzeigt) mehr oder weniger mit ein- und denselben Menschen - von der Levante über Anatolien bis nach Zentraleuropa - zu tun.*

Sie unterscheiden sich aber erheblich von heutigen Ägyptern, die bereits eine weit höhere genetische Verwandtschaft mit der Sub-Sahara-Bevölkerung aufweisen als zu früheren Zeiten. Insgesamt zeigen dabei die alten Ägypter sogar einen weiter gefächerten Genpool auf als die Ägypter des 21. Jhds., was auf die Stellung des alten (Unter-)Ägypten als von vielen Völkern begehrten wirtschaftlichen und politischen Dreh- und Angelpunkt der Region verweist. Die genetische Verengung, die die Afrikanisierung des ägyptischen Erbgutes mit sich brachte, kann erst in den letzten 1500 Jahren eingetreten sein.**




*Das entspricht auch alten wie neuen Befunden, die aus archäologischen Fuinden darauf hinweisen, daß sich vor einigen tausend Jahren eine mehr oder weniger einheitliche Kultur von Ost nach West - vom Ural bis zur Donau, ja bis zur Normandie - und von Nord nach Süd bis über den Kaukasus hinweg ausgebreitet hatte. Dem entsprechen religionswissenschaftliche Untersuchungen die zeigen, daß die religiösen Vorstellungen in diesem Raum (den man sogar bis hinein nach Indien ausweiten muß) weitgehend gleiche Wurzeln verraten, die sich erst mit der Zeit differenziert haben. Der vielbesprochene Synkretismus der Römer war gar kein solcher, sondern vor zwei- bis dreitausend Jahren waren die religiösen Vorstellungen rund ums Mittelmeer generell sehr ähnlich. Lingustische Untersuchungen haben ja schon seit langer Zeit darauf hingewiesen, daß der Europäer seine Wurzeln im (im weitesten Sinn) kaukasischen Raum hat. Über die Rolle des Einbruchs des Mittelmeeres ins Schwarze Meer (ca. 6000 v. Chr., andere Schätzungen gehen von weit jüngerem Datum aus, also etwa 3000 v. Chr., etwa auch jener Zeiteraum, in dem der große sahara-afrikanische Binnensee versickert sein muß), das eine massive Wanderung der Schwarzmeervölker nach Norden (Skandinavien) und Westen ausgelöst haben muß, bestehen ja mittlerweile kaum mehr Zweifel.

**Wir enthalten uns aber ausdrücklich einer Wertung oder Spekulation! Oft zeigt Vielfalt nämlich auch Schwäche, ja mangelnde Kultur an, und es gehört zu den Merkmalen der postmodernistischen Zeit, wie wir sie heute erleben, "unspezifische Vielfalt" pauschal auch als "gut"  zu klassifizieren. Dabei kann sie auch Zerfall, Verlust der Einheit und spezifischen Kraft, ja damit Kulturlosigkeit anzeigen. Wenn schon, dann ließe sich genau das aus der bewegten Geschichte dieses Kulturraumes ableiten: Vorzeiten eines Ringens um Kultur, das aber über Ahnungen und Vorboten noch nicht hinwegkam. Man sollte sich also hüten, aus Befunden wie dem obigen mehr abzuleiten, als abzuleiten ist. Und nicht übersehen, daß wissenschaftliche Erkenntnisse prinzipiell einen ganz ganz schmalen, sehr abgegrenzten Grad an "Gewußtem" bedeuten.






*210617*

Mittwoch, 3. Juni 2015

Folgen der Umgebungsveränderung

Im 38. Buch des Livius finden sich jene Passagen, die Voktor Hehn in "Kulturpflanzen und Haustiere - in ihrem Übergang aus Asien nach Griechenland und Italien sowie in das übrige Europa" zitiert. Livius weist darin auf den Umstand hin, daß jede Pflanze, jedes Tier, die in eine Umgebung versetzt werden, die nicht ihr Ursprung ist, entartet. Denn die Umgebung in Boden und Klima wirken mächtig, und unterdrücken viele vererbte Eigenschaften. "Alles entwickelt sich vollkommener an dem Orte seines Ursprungs; bei Versetzng auf einen fremden Boden verwandelt es seine Natur nach den Stoffen, die es aus diesem aufnimmt," schreibt Livius. 

Und führt Beispiele an, wie sich auch Menschen in anderen Umgebungen verändern. Meist nämlich zu ihrem Nachteil. Livius verweist nämlich vor allem auf den Verlust schöpferischer Lebenskraft durch einen Wechsel zu entgegenkommenderen, angenehmeren Bedingungen. Die selbst ursprünglich starke, mutige Völker durch Verweichlichung in ihrer Substanz angreift, vor allem aber träge und geistlos macht. 

Jede Landschaft hat und zeugt einen Charakter, sodaß sich das Menschsein auf je eigene Weise entfalten muß. Dieser Charakter erhält in neuer Umgebung aber andere Stoffe als jene, auf die er hinorientiert war. Und in die hinein er nunmehr mitgebrachte, "fremde" Neigungen wirklichen muß. Ein "neutrales, abstraktes Menschsein" gibt es eben nicht. Alles Leben, ja alles irdische Sein ist auf "unauflösbare Ehe" angelegt.

Hehn stellt deshalb die Frage in den Raum, ob nicht viele "Veredelungen", die die europäische Kultur an importierten organischen Lebensformen vorgenommen hat, um eine bestimmte "Fruchttrage" zu verbessern, in Wahrheit deren Organismus zugefügte Erkrankungen sind. In der nur der daraus erzielbare Fruchtgenuß im Mittelpunkt steht. Am deutlichsten wird das bei Heilpflanzen, die stets in ihrem Ursprungsland kräftiger wirken. Es gab immer ein unendlich komplexes Ursachen- und Reaktionengefüge, das diese oder jene Lebensform genau hier und dort ausdifferenzieren ließ, und jede Eigenschaft ist eine Antwort auf genau diese Bedingungen.*

Obzwar das beim Menschen gewiß etwas anders ist. Weil er zu abstrahieren, sich zu sich verhalten, und auch seinen Leib über Rhythmen (Lebensvollzug als Tanz, als Gefüge von Rhythmen, das den Menschen über die Gewohnheit durchwest; nichts gibt aber dieses Gefüge mehr vor als Klima und Landschaft) zu prägen, zu gestalten vermag. Aber es braucht je nach der Stärke der Ursprungsprägung oft sehr viel Zeit, bei Wanderungen von Völkern sogar viele Generationen. Wenn sie denn dazu bereit sind und diese Bereitschaft aufrechthalten. Und nicht in neuen Lebensräumen lediglich konservierte alte Neigungen befriedigen wollen, wie es der Puritanismus der Nordamerikaner (der aus seinem Wesen heraus nicht nur wurzellos ist, sondern Wurzeln ablehnt; und damit in Konflikt mit der menschlichen Natur gerät, die ihn immer irgendwie zu überwältigen droht, weil immer nach Wurzeln strebt**) tat und tut.

Aber noch einen Aspekt erwäht Hehn. Daß nämlich der Mittelmeerraum in gewissermaßen "vorzivilisatorischen Zeiten" mehrheitlich bewaldet und eher arm an Arten war. Erst die menschlichen Zivilisation hat ihn in einen "immergrünen Garten" verwandelt, indem sie die Bäume verdrängte, und durch Gärten und Anbauflächen ersetzte. Der beobachtbare Rückfall in trockene, karge Landschaften hat somit sehr wahrscheinlich mit dem Verfall der mittelmeerischen Kultur zu tun. 



*Jakob von Uexküll hat sein Lebenswerk der Beobachtung gewidmet, daß sogar die Rezeptionsfähigkeit eines Lebewesens auf diese Umwelt abgestimmt ist. Anderes, dieser Umwelt Fremdes, nimmt ein Lebewesen nicht einmal wahr, und ordnet Begegnendes immer in die Kategorienwelt seiner angestammten Lebenswelt ein.

**Eine Untersuchung über die Zusammenhänge des Ahnenkults, seiner Form, und der Art der Verwurzelung von Menschen wäre also höchst lohnenswert. Eine träge, satte Gesellschaft wird dabei tendentiell jeden Ahnenkult ablegen, die Ahnen vergessen, ihre Herkunft vermutlich aber auf virtuelle Weise sogar verstärken. So, wie die Rolle des Internet heute Symptom der Wurzellosigkeit ist. Und entsprechend sind dann auch die "Probleme", die diese Generation zu "lösen" sucht - eine Aneinanderreihung von Abstraktionen, die über Virtualität "verdinglicht" werden sollen. 

Der "Klimawandel", aber überhaupt die seit Jahrzehnten überbordenden Weltbedrohungsszenarien, die die völlig richtig gefühlte existentielle Bedrohung durch Wurzellosigkeit ausdrücken, illustrieren das. Ja mehr noch, solche Weltbedrohungsszenarien (man denken nur an den Malthusianismus!) entwickelten ihre Rolle ab dem Moment so konkret, als die sozialen Gefüge Europas auseinanderbrachen, spätestens zu Beginn des 19. Jhds. Und sie gingen einher mit einer Ablehnung des Erbes der Vorfahren (Materialismus, Sozialismus, Multikulti-Ideologie, bis zum Genderismus) einerseits, bei gleichzeitiger Virtualisierung (Nationalismus, Rassismus) ihrer Rolle als gleichlaufende Gegenbewegung auf derselben Ebene anderseits. 

Mittlerweile haben sich selbst allererste Verwurzelungen wie die Religion bereits virtualisiert, wie sie die Entwickungen des Kults in der Katholischen Kirche seit den 1960er-Jahren mittlerweile sogar schon zum Erbe zementiert haben, die virtuelle "Erneuerungsbewegungen" zur logischen Gegenbewegung haben. Und so den Katholizismus als Kraft der Lebensform definitiv auflösen, weil sie ihn auf dieselbe virtuelle Ebene mit den das Abendland überschwemmenden Religionsderivaten der Welt stellen, und die eigentliche Religiosität ins Irrationale, Chthonische, Dämonische abdrängen, sie regelrecht unerkennbar und zufällig machen. Das genau ist Barbarismus.



***

Montag, 13. April 2015

Es könnte doch gehen?

Einen erstaunlichen Artikel, den man als Zeichen betrachten könnte, daß doch noch nicht aller Geist und alles Leben in Westeuropa erloschen ist, findet man in diesen Wochen in der FAZ. Und zwar in Form einer Kritik an der Diskussionssendung "Maybrit Illner". Diese hatte zu einer Diskussion über die Lage in Europa, unter besonderer Berücksichtigung der Entwicklungen in der Ukraine und in Griechenland, geladen. Der Kommentar von Frank Lübberding ist zwar  nicht "neutral", Lübberding nimmt Stellung, ist Partei. Aber er weiß das, weiß aber auch, daß nicht er der Politiker ist, und läßt damit eine Offenheit von Fragen zu, die schon zu stellen bislang verboten war, weil sogar die Informationspolitik instrumentalisiert wurde. Verboten? Erstickt in einer Einschränkung der Sichtweisen, die die Realitäten zum Teil wenigstens verweigert hat, um nur ja "moralisch" zu sein. Europa hat sich mit ihrer eigentümlichen (und dabei so widersprüchlichen, nahezu irrationalen) Moralisiererei in eine politische Sackgasse manövriert.

Kaum ein Politiker, der aus unfruchtbaren Denkschablonen auszubrechen in der Lage war, und das ist der wirkliche Grund, warum es in diesen Fragen (nicht in Europa selbst, nicht im Verhältnis zu den angrenzenden Weltregionen) zu keinen konstruktiven Lösungen kam und bislang kommt. Festgefahren in "Gesolltem", werden die eigentlichen, die großen, geopolitischen Perspektiven ignoriert. Die aber neu zu schaffen sind, und immer wieder neu zu schaffen sind, um einer sich ändernden, sich IMMER ändernden Welt noch gerecht zu werden. Damit erst schafft man auch die Möglichkeit, das größere Ganze, das Wichtige doch noch zu wahren.

Dies hat in Europa Zersplitterung bewirkt. Denn man hält am zufälligen Vereinzelten fest, und merkt nicht, daß sich die Grundmotive und -ziele auseinanderbewegen. Das kommt einer Verweigerung des Blicks auf die Wirklichkeit gleich. Damit steuert man blindgemachten "sehenden" Auges, und ohne Handlungspotenz, es zu ändern, auf Situationen zu, von denen keiner eine Vorstellung hat, wie sie einmal zu beherrschen wären! 

Was, wenn die Ukraine wirtschaftlich und innenpolitisch wirklich zusammenbricht, und alle Anzeichen deuten darauf hin? Europa kann sie dabei nicht auffangen! Mehr als PR-Standardsätze scheinen europäische Politiker (und, wie in diesem Fall der Talkshow: amerikanische Generäle) nicht aufbringen zu können.

Dasselbe ist doch auch längst in Griechenland eingetreten, und dort sind die Kräfte Europas bereits an ihre Grenze gestoßen. Findet man über reine finanz- und wirtschaftspolitische Diskussionen, deren Wege eben versagt haben, keine Inspiration mehr, die Grundsituationen durch Neudenken wieder zu durchbluten. Denn wer denkt da noch an das höhere Gut - die Rolle, die Griechenland (mit der Türkei) für den gesamten (und längst auseinandergefallenen) Vorderen Orient spielt? Griechenland hat in diesem Raum nicht nur eine historische (vor allem: geistige! und damit: von den Wurzeln her ordnende!) Sendung, sondern ist ja auch die Außengrenze Europas zu diesem geopolitisch so bedeutenden Gebiet.

Es geht also zu allererst um ein Neudenken des Nomos, als jenes Wertegefüges, das den wirklichen, tiefen Beziehungen der Völker und Länder untereinander - auch und vor allem unter historischen Aspekten - gerecht wird. Über allem tagespolitisch Vordergründigen bzw. darunter liegen nämlich Grundbedürfnisse, Grundbeziehungen, die mit ein bisserl Geldverschieben nicht zu regeln sind, ja im Gegenteil, diese tiefen Konflikte noch verschärfen.

Konflikte, die deshalb entstehen und immer größer werden, weil niemand die Situation Europas (und seiner angrenzenden Räume) grundlegend neu durchdenkt. Und dazu muß man erst einmal zur Kenntnis nehmen, was überhaupt DA ist. Nicht, was man aus irgendwelchen Gründen (um bestimmte Zahlen der Staatsbudgets etwa zu halten) zu sehen sich weigert. Das heißt nicht nur nicht, sondern fast im Gegenteil einen Nomos "zu erfinden". Es heißt einfach, diese Grundkräfte neu auszugraben, und darauf aufbauend konkrete politische Lösungen zu suchen. Nur die Hüllen - und sie sind es ja, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten aufgerissen, auseinandergebrochen sind - auf jeden Fall und um jeden Preis aufrecht zu halten ist dabei kontraproduktiv. Nur aber wenn man den Nomos kennt, kann man überhaupt von "moralisch" sprechen, denn tagespolitische Moral kann sich nur darauf beziehen.

Nur so kann man also Politik machen, die den wirklichen Bedürfnissen der Länder und Völker gerecht werden. Das braucht auch Politiker, die bereit sind, neue Strukturen zuzulassen, zuerst denkerisch, und dann realpolitisch. Das braucht Politiker, die sich diesen wirklichen, tiefen Beziehungen und Bedürfnissen offen stellen, und sich dann mit allen Betroffenen an einen Tisch setzen, und das Pferd nicht vom Schwanz her aufzuzäumen versuchen. Solange wie derzeit in Europa der Schwanz mit dem Hund wedelt, wird die Tagespolitik widersprüchlich und immer widersprüchlicher werden, weil sie Grundbedürfnisse durchbrechen, die zu denken und als bestehende wie zu schaffende Ordnung zu begreifen aber niemand wagt. 

Wer aber nicht fest vor Anker liegt, ist von jedem Wind in eine andere Richtung zu schieben. Und plötzlich staunt der Laie und wundert sich der Fachmann, daß nach und nach einzelne Länder eigene Wege etwa im Verhältnis zu Rußland suchen. Nur von einem vitalen Bezug zum Nomos her läßt sich auch die Schichtung europäischer Politik begreifen, und Tagespolitik ebenengemäß, nach sachgemäße(re)n Prioritäten, als letztlich doch einheitlich gestalten (ohne daß jedes Detail gleich sein muß: es muß ja nur die Richtung stimmen, in die es mündet).

So lange nicht grundsätzliche Dinge geklärt werden, wird auch Europa bloßes Werkzeug von Ländern bleiben, wie den USA, die diese Fragen zumindest zu lösen anstreben, aber dies aus ganz anderen Interessensgewichtungen heraus tun. Sie haben es leicht, weil es gar keine definitiv europäische Haltung dazu gibt. Die Europäer, so das Fazit Lübberdings in der FAZ, brauchen gar niemanden, der sie spaltet - das schaffen sie alleine. Während die einzige euorpäische Macht, die dies begriffen hat, und das ist Rußland unter Putin, wie mit einem Erntekorb herumreist und Früchte einsammelt*. Die Angst vor Rußland, so der VdZ, besteht in einem gewissen Maß also durchaus mit Recht! Aber sie ist die typische Angst vor der Vernunft, zu der in Europa gar niemand mehr in der Lage zu sein scheint.

Denn die Welt besitzt der, der Vernunft hat, und das heißt: ihr gegenüber offen ist, um an ihr teilzuhaben (denn niemand "besitzt" sie je endgültig, sie ist eine stachelige Frucht). Das ist weit mehr als Kalkül (und das wäre im übrigen auch das, was man als "christlich" bezeichnen könnte: denn die Welt liegt letztlich in Gottes Hand der Vorsehung - Zukunft ist immer offen -, nicht in der des Menschen, in der alleine alles zum Tode erstarrt.) Rein rechnerisches, rationalistisches Kalkül hingegen verträgt keine Gegensätze, und braucht die Erstarrung der Einzelnheiten. Vernunft hingegen vermag auch Gegensätze zu akzeptieren - und dennoch zu einen, weil von ihr aus auch Vertrauen in die Zukunft aufgebaut werden kann, selbst wenn diese noch nicht bekannt ist.



*Das geht mittlerweile sogar so weit, daß auch hiesige Medien nicht mehr umhinkönnen, von der "erstaunlichen" Erholung des Rubels zu berichten. Dabei war das alles andere als erstaunlich, und sogar durch kluge russische Politik (etwa gegenüber ihren Unternehmen im Außenhandel) bewirkt. Und kühle Köpfe haben das schon vor einem Jahr gesehen und gesagt (nur wurde davon kaum berichtet): der Sturz des Rubel war gewollt, sogar herbeigeführt, und durch die reale Lage des Landes keineswegs gedeckt, er war also unterbewertet. Aber da waren die Kiefer hiesiger Medien vor dem zu sollenden Niederschreiben Rußlands - als Teil der Blockadepolitik - in Beißhaltung gelähmt. 

Schaut man genau, hat man nur ein wenig Einblick in die Mechanismen der Medienwelt, wirkt die europäische Medienlandschaft ohnehin längst wie von zentraler (politischer) Hand konzertiert und gesteuert. Das braucht aber gar kein offizielles "Zentralbüro" mehr. Die Mechanismen dazu sind längst allgemein und immanentisiert: durch den interventionistischen, zentralistischen Sozial- und Subventionsstaat. Es hat in dem Fall auch verhindert, die ganze Wahrheit zu sagen: Daß sich Europa mit den (grotesken, ja dummen) Sanktionen selber am schwersten sanktioniert hat. Es erzählt viel, wenn man sich schädigt, um Schaden am anderen zu behaupten, weil man Schaden mit Leiden verwechselt.  

Das kennt man prinzipiell vor allem von Kindern, die von Müttern zum Vaterhaß erzogen wurden - es ist also in Europa bereits allgemeine Haltung.


Dem VdZ fehlt freilich nach wie vor ein Ritus, der hiesigen Medien und Journalisten so etwas wie "Schämen" möglich machte, und das ist der Grund, warum die Glaubwürdigkeit der Medien gegen Null zeigt: sie sind zum Kampfraum von Interessen geworden. 

Aber so ein Ritus des Entschuldigens wäre ob so vieler Fehlinformationen (wo Wahrheit dem Gesollten zum Opfer fiel) schon sehr oft - nicht nur in diesem Fall - angebracht. Ja es wird, das behauptet der VdZ mit vollem Ernst, ein Hauptkriterium der Medien in den nächsten Jahren und Jahrzehnten, denn mittlerweile hat der völlige Unsinn in den Medien bei weitem Übergewicht. Wenn sie DIESEN Sprung nicht schaffen, sind sie tatsächlich nicht zu retten. Etwas, was sich in der FAZ übrigens tatsächlich (wenigstens ansatzweise) schon vor einem Jahr zu vollziehen begonnen hat.




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Montag, 27. Oktober 2014

Eine erstaunliche Zahl

Von 2002 bis 2013 sind auf den Weltmeeren immerhin 1673 Schiffe untergegangen, darunter 99 Passagierschiffe. Alleine 2013 waren es 94, wobei eine Zahl unter 100 als Erfolg gilt. 75 % dieser Schiffsverluste gehen auf das Konto von Unwettern, der Rest auf das von Riffen oder Felsen, oder sonstige Fahrfehler. 

Die gefährlichsten Stellen sind dabei das östliche Mittelmeer sowie das Schwarze Meer, zusammen mit 464 Unfällen in diesem Zeitraum. Dahinter liegen die nordchinesische See und das südchinesisch-philippinische Meer. Ein Drittel der Versicherungsschäden fällt auf letzteren, auf den asiatischen Raum, wo auch die Sicherheitsstandards geringer sind, und viele kleine Reedereien die Meere zwischen den wirtschaftlich prosperierenden Ländern und Inseln befahren. Als gefährlich gilt außerdem die Nordsee, die Küste vor West-Mittelafrika, die Straße von Hormuz/Indischer Ozean. Aber auch im westlichen Mittelmeer sind 2013 immerhin noch drei Schiffe gesunken.




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Dienstag, 19. November 2013

Hungersnöte

Mit dem Erliegen des Handels im Europa des frühen Mittelalters (ab dem frühen 7. Jhd. zerriß der Islam die über viele Jahrtausende zusammengewachsene Kultur- und damit Wirtschaftseinheit Mittelmeer) wurde eine Gefahr aktuell, die mit der Regelmäßigkeit von Naturereignissen auftrat - den alle paar Jahre und bis ins 12. Jhd. die Lande plagenden Hungersnöten. Denn ohne Ausgleich mit fremden Produktionsorten konnten regionale Wetterkapriolen, Mißernten oder sonstige Katastrophen (Plünderungen durch einfallende Heere etwa) nicht mehr ausgeglichen werden. 

Zwar waren also Hungersnöte nun sehr häufig, aber sie waren dennoch weit weniger grausam als in späteren Jahrhunderten. Denn einmal war Europa dünn besiedelt (man schätzt, daß sich die Bevölkerungszahl vom 8. bis ins 11. Jhd. nicht verändert hat) Und dann gab es mit dem Verfall des Handels kaum noch Stadtbevölkerung, die ja völlig vom Umland abhing.

Die Städte leerten sich überall. Gab es Nahrungsmittelknappheiten, waren sie eben sofort und am schlimmsten betroffen. Kannibalismus war eine nicht seltene Erscheinung.




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Montag, 28. Oktober 2013

Zum Wesen des Geldes (2)

Teil 2) Nur die Juden haben Geld




Nur Juden bleiben noch internationale Händler von Waren (und Sklaven), sie können sich auch in der islamischen Welt problemlos bewegen. (Sie  haben deshalb auch noch eher Gold.) Und fast alle der wenigen Kaufleute, "Berufsspezialisten", die noch geblieben sind, die vom Handel leben, sind tatsächlich Juden. In enorm vielen Aufzeichnungen und Urkunden ist "Jude" mit "mercator" (Kaufmann) verbunden. Sie genießen im Frankenreich bald zahlreiche Vorrechte, weil die Könige sie als notwendig erkennen. Wer sie erschlägt, muß eine hohe Bußabgabe leisten. Nicht selten leisten sie sogar diplomatische Dienste, sind Verbindungsglied zur islamischen Welt, zumalen über Spanien. Schon um 830 tauchen erste Niederschriften auf, in denen man ihren Reichtum und ihre Privilegien beklagt.

Aber der Spruch erhält seine Begründung: daß jene Städte aufblühen, die zwei Dinge in ihren Mauern haben - Klöster und Juden. Es ist auch eine Tatsache, daß sie die Kirchenschätze ausbeuten (Geld!), und neben dem Gewürz- auch den äußerst lukrativen Sklavenhandel mit dem Orient betreiben. So manche Legende führt sich darauf zurück - etwa "Kinderraub". Aber nur dort gibt es noch Großhändler. "Jude" und "Kaufmann" wird sinngleich verwendet.

Doch verglichen mit der Zeit VOR den Sarazenenangriffen ist das Handelsvolumen bescheiden. Auch das für landwirtschaftliche Produkte. Vorher hatten auch Großgrundbesitzer Geld, zahlten ihre Steuern damit - nun nicht mehr. Weihrauch und Öl verschwinden aus den Kirchen, werden durch Wachskerzen ersetzt. Gegenden, wo Wein wächst, sind heiß begehrt - kaufen kann man ihn nicht. Klöster werden zu autarken Selbstversorgern.

Etwas Gold kommt auch noch über die Nadelöhre, die geblieben sind: Venedig und Süditalien mit ihrer Anbindung an Byzanz (wo es nach wie vor Gold und Geld gibt), und die Niederlande, als Knotenpunkt zwischen Skandinavien und Britannien. Über die Flüsse gibt es auch noch geringen Warenstrom ins deutsch-gallische Binnenland, wenn auch zunehmend schwer bedrängt von den Normannen, die alles plündern und verwüsten. Zunehmend werden die Städte deshalb zu Festungen, das Umland ist ja ständig verwüstet und "Niemandsland". Bis Otto dem Großen (bis 955) fallen auch ständig die Magyaren vom Osten her ein und rauben und brandschatzen, was ihnen in die Finger fällt.

Wie kamen die Skandinavier zu ihrem Gold? Über den Handel mit Byzanz und den Arabern - über die Wolga und das Schwarze Meer. So kommen auch noch geringe Mengen Gewürze, oder Seide, oder kunstgewerbliche Gegenstände nach Europa. Und ägyptischer Papyrus. Der bis ins 7. Jhd. allgemein Schreibmaterial war. Das viel teurere, aufwendiger herzustellende Pergament, fein geplättetes Leder, kommt deshalb auf.

Es gelang Karl allerdings nicht, die Geldprägung zu zentralisieren, obwohl er sie wieder als Königsrecht reklamierte. Nach ihm fiel es überhaupt wieder an Grafen (als Landesherren) und auch an die Kirche. Die Zeit der reichen Könige in Europa ist vorerst zu Ende. Wobei - bei so geringem Warenaustausch, war auch ein überregionales Zahlungsmittel kaum notwendig. Jede Stadt prägte also ihr eigenes Zahlungsmittel, es wurde ja nur regional umgesetzt. Das ging so weit, daß die Alpenpässe, die in die Provence führten (eines der von den Sarazenen am meisten heimgesuchten Gebiete) verödeteten, weil nicht mehr gebraucht wurden.

Auch mit dieser Silberwährung spaltete sich Orient vom Okzident, wo es nach wie vor Gold als Zahlungsmittel gab.




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Sonntag, 27. Oktober 2013

Zum Wesen des Geldes (1)

Interessante Einblicke in das Wesen des Geldes erhält man, wenn man die Geldreform unter Karl dem Großen an der Wende vom 8. zum 9. Jhd. betrachtet, wie sie Henri Pirenne - unter diesem Blickwinkel - überzeugend darstellt. Durch das Wegbrechen des Mittelmeeres als Wirtschaftsraum war kaum noch Gold (in Münzenform) im Umlauf. Nur über die Ostsee und Skandinavien kam noch etwas Geld ins Land.

Der internationale(re) Handel brach weg, der Stand der Kaufleute, und speziell der der Großhändler verschwand. Von ihm ist nirgendwo mehr die Rede. Die Wirtschaft ging auf einen Naturalientausch zurück, der überall auf eigene Art geregelt wurde. Damit aber brach auch das Steuerwesen weg - es gab sie nicht mehr, nur noch in Form von Fronarbeit, oder als Naturalienabgabe. Vor allem die Zölle waren es ja gewesen, die die Königshäuser finanziell ausgestattet hatten. Unter Karl gab es erstmals keinen Königsschatz mehr.

Wie waren diese Goldmünzen zuvor entstanden? Fast jede größere Stadt hat sie geprägt. Woraus? Aus Dingen, die die Leute zum Einschmelzen brachten - Klöster, Kirchen etwa zahlten oft mit umgeschmolzenen Kultgeräten, die oft bewußt als Geldreserve aufbewahrt worden waren. Goldfunde und -abbau natürlich nicht zu vergessen.

Warum war Geld (Münze) notwendig geworden? Wegen der Eintauschfähigkeit im Mittelmeeraum bzw. international. Damit konnte auch in Bagdad gekauft werden, was zu erwerben wiederum in Europa gleichfalls Geld brauchte. Ware wurde also gegen Gold getauscht - und so kam Gold als Zahlungsmittel auch in Europa in Umlauf und Gebrauch. Bis Karl.

Karl hat das Goldgeld abgeschafft. Es war ja ohnehin kaum welches noch in Umlauf. Und hat die Währung auf das viel leichter zu beschaffende Silber umgestellt. Ausgehend vom Silber, wurde es in Gewichtseinheiten unterteilt zu Münzen umgeprägt. (Das englische "Pound Sterling" - Pfund - hat diese Erinnerung bis zum heutigen Tag bewahrt.) 

Man brauchte ja keine so großen Werte mehr, es gab ja seit den arabischen Eroberungsfeldzügen keinen Großhandel mehr. Zuvor war es auch üblich gewesen, daß sich mehrere Kaufleute zusammentaten, um größere Warenmengen zu kaufen und zu handeln - mit geliehenem Geld. Oder ... Sklaven. Heidnische Friesen oder Sachsen waren besonders beliebt, denn wenigstens den Handel mit Getauften hatte die Kirche erfolgreich bekämpft. Die Städte hatten ihre patrizische Bürgerschaft verloren, also gab es auch keine Absatzmärkte mehr.

Wie kam die Kirche zu dem Geld, zu Gütern? Vor allem durch Schenkungen, auch seitens der Kaufleute. Das fiel nun gleichfalls weg. Auch die Kirche also hatte (in Westeuropa zumindest) kein Geld mehr. Es gab keine Kapitalisten mehr, die Steuererträge pachteten (und damit dem König Geld ablieferten), keine Bürger die den Armen stifteten, keine Geldverleiher, die Geld verliehen. Das sogenannte "Zinsverbot", das die Kirche für ihre Diener ausgesprochen hatte, wird vom Staat übernommen. Aber das ist nicht primär Zeichen hoher Moral, sondern bezeugt nur den völligen Niedergang des Großhandels. Wen sollte es berühren? Als es sich bei Wiedererstarken der Wirtschaft hemmend ausgewirkt hatte, wurde es ohnehin wieder fallengelassen.

Das Explodieren der Zahl kleiner Marktflecken und Märkte, die, wenn sie nicht auch Münzen prägen, ohne königliche Erlaubnis abgehalten werden können, ist kein Zeichen florierenden Handels, sondern eher Notbehelf einer auf Naturalientausch und Handel in kleinstem Umfang ausgerichteten Wirtschaft, wo Nähe für Produzenten wie Verbraucher noch bedeutender wurde. Es gibt an Fertigwaren fast nur solche der bäuerlichen Wirtschaft, wie Töpfe, Schmiedearbeiten, Bauernleinen, was eben der örtliche Bedarf war. Die Zunahme von Märkten besagt also hier Verfall, nicht Prosperität.  Schon gar bei den vielen Normanneneinfällen in Gallien, die auch das Wirtschaftsleben schwer treffen. Und viele haben kleine Münzschlagestätten, so viel eben der örtliche Bedarf war.

Denn königliches Geld, ja allgemeines Geld überhaupt war kaum im Umlauf. Die oft unausweichliche Notwendigkeit zum kaum aber möglichen Handel wird zur beklagten Last.

Nur wenige überregionale, vielfach fahrende Händler kommen gleichfalls dorthin, und weil darunter viele Juden sind, verlegt man sie ... auf den Sonntag, um ihnen den Besuch zu erleichtern. Auch. Nicht nur deshalb. Die Verbindung von Kirchenfesten mit Märkten, beides Anlaß zur gesellschaftlichen Versammlung, zum Austausch, ist damals generell und häufig. Von dort stammt die Bezeichnung "Messe" für "Markt". Richtige internationale Märkte, richtige Messen, gibt es nur noch eine einzige im 9. Jhd. - in St. Denis. Einzig der Königs- bzw. Kaiserhof unterhält ein überregionales Versorgungsnetz, zum Teil durch privilegierte Kaufleute unterhalten.



Morgen Teil 2) Nur die Juden haben Geld






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Freitag, 25. Oktober 2013

Ursachenkette

Eine interessante Verschiebung war der Grund für das allmähliche Ausdünnen der Macht der Merowinger, bis sie 751 im Übergang der Krone auf die Karolinger endete, schreibt Henri Pirenne.

Der große Reichtum der Merowinger beruhte - auf Zöllen und Wegegeldern. Die durch den blühenden Handel mit dem gesamten Mittelmeerraum über das gesamte 5.-7. Jhd. den königlichen Schatz füllten. Der Einfall der Sarazenen, in dessen Folge der Wirtschaftsraum des westlichen Mittelmeeres zum Erliegen kam, brachte aber den völligen Zusammenbruch dieser Einnahmenquelle. Die Küsten waren damit verloren. Marseille etwa, das noch im 6. Jhd. über 300.000 Einwohner hatte, verödete, die Häfen waren überall leer. (Seine Rolle als Brücke Europas mit der Levante und Asien sollte ab dem 9. Jhd. Venedig einnehmen.) Der zuvor noch selbständige, zahlreiche Stand der Kaufleute verschwand fast völlig.

Damit versiegten die Einahmen, damit konnte das Königshaus seine Macht immer schwerer aufrecht halten.

Erst kam das Buhlen um die Kirche, die mit mehr und mehr Privilegien ausgestattet wurde, was ihr eine enorme Stellung im Staat einbrachte. Aber man mußte sie an der Seite haben, die Macht zu stärken. Damit aber fielen weitere Grundlagen für Einnahmen weg - etwa die Grundsteuern. Wobei die Klöster ohnehin nie die großen Handelsknotenpunkte gewesen waren. Geld überhaupt wurde bald zur seltenen Erscheinung, es wurden kaum noch Münzen geprägt. Die Zahlungen aus Byzanz, das sich damit zuvor einen starken Verbündeten gegen die Langobarden hielt, fallen aus.

In Folge des Zusammenbruchs des Wirtschaftsraums Mittelmeer (er erholte sich erst ab dem 9. Jhd., aber nur im östlichen Teil, eben durch Venedig bzw. Byzanz und Süditalien, die je starke Flotte unterhielten, etwas das den Franken nie gelungen ist) verlagerte sich in ganz Gallien und Germanien der Wirtschaftsschwerpunkt nach Norden, ins Binnen- und Festland - namentlich auf den Boden, auf die bäuerliche Wirtschaft, den (geldlosen) Naturalhandel. Das hieß nun eine Stärkung der Grundbesitzer, und damit der Bauern und vor allem des Adels. Um diesen bei der Stange zu halten, wurden auch ihm nach und nach mehr Konzessionen gemacht, damit aber die Macht des Königshauses, die natürlich auf Geld beruhte, immer weiter geschwächt, bis der König ganz in der Hand des Adels war.

Nachdem das Meer versperrt ist, zerfällt aber die Ordnung in den Städten, an sich Säulen königlicher Macht. Damit fehlen die Patrizier, die Bildungsschicht, aus der die Bischöfe, Geistlichen und Verwaltungsbeamten rekrutiert werden. Und so gerät mit ihnen die Kirche im Süden Galliens in heillose Unordnung. Für Jahrzehnte, ja Jahrhunderte verschwinden Bischofssitze, werden nicht mehr besetzt. Damit fällt die letzte Stütze des Königs.

Ende des 7. Jhds. versucht das Königshaus noch einmal, die Verwaltung durch Beamte (aus niedrigerem Stand) zu zentralisieren - Macht zurückzuholen. Aber ohne Erfolg, es kommt zum Widerstand, bereits unter dem Argument mangelnder Legitimität, dem Widerstandsrecht gegen die "Tyrannei", den das Königshaus 680/83 verlor und teuer bezahle. Sie werden zu bald lächerlichen Schattenkönigen, und die Frage um ihre Herrschaft zur Frage um ihre Fähigkeit dazu. Anarchie bricht aus, das Land wird zerstückelt, das Königshaus kann sich nicht mehr wehren. Die Vormacht des Nordens - Austrasiens - in Gallien beginnt, unterstützt von den dortigen Bischöfen. Mit den schwachen Königen, die dennoch ein bis zuletzt mächtiger mythischer Volksglaube an die göttliche Sendung der Merowinger trägt, brechen erstmals Spannungen zwischen dem antik-romanischen Süden und dem germanischen - anti-antiken, aber immer mächtigeren - Norden auf. 683 übernimmt bereits ein nordgallischer (austrasischer) Hausmeier, der den König regelrecht ignoriert, die faktische Macht über das ganze Frankenreich.

Und auf dieser faktischen Macht wird dann die Entscheidung des Papstes Zacharias Bezug nehmen, als man ihn 751 fragt, wer die Königskrone tragen solle - der "legale" Merowinger, oder der, der die Macht eines Königs habe. Der Papst entscheidet sich für den Karolinger Pipin. Und weil er in Folge der Eroberung des Mittelmeerraumes durch die Araber und einem damit geschwächten Byzanz von den Langobarden bedroht wird, also die Franken als Schutzmacht braucht, bricht der nächste Papst Stefan II. 754 erstmals mit dem Kaiser in Byzanz, unterstellt sich dem Schutz Pipins - dem abendländischen Kaisertum unter Pipins Sohn Karl wird in der Folge der Weg geebnet.

Ohne Mohamed, ohne die Zerstörung der Einheit des Mittelmeerraumes durch die Araber, wäre es nie zu einem abendländischen Kaiser gekommen, und hätte sich keine römisch-germanische Kultur entwickelt.





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Montag, 15. Juli 2013

Angst macht arm

Eine Bestätigung, und damit weiter Zuspitzung der Aussage, brachte eine jüngste Untersuchung über die Vermögen der Haushalte in Europa. Waren die ersten Meldungen im Frühjahr dieses Jahres noch kritisiert, ihre Bewertungsgrundlagen bezweifelt worden, so ergab eine neuerliche Untersuchung, die diese Faktoren zu korrigieren versuchte, zu einem exakt selben Ergebnis: Die Bewohner südlicher Länder Europas besitzen deutlich mehr Vermögen als Deutsche und Österreicher. Vor allem besitzen sie mehr Immobilien: 80 bis 90 % der Anwohner des Mittelmeeres logieren in Eigentum, gegenüber knapp 50 % in hiesigen Gefilden. 

Deren Bewertung war einer der Hauptkritikpunkte. Aber auch, wenn man die Preise für die Immobilien gegenwärtigen Marktpreisen angleicht. Auch, wenn man die Pensionssysteme - vor allem sie wurden ja als DER Wohlstandsfaktor des Nordens im Spiel gehalten - vergleicht, wo sich herausstellt, daß die der südlichen Länder um nichts weniger großzügig und ausgebaut sind: Die Aussage bleibt gleich, die Menschen des Südens Europas besitzen deutlich mehr Privatvermögen.

Also sind die Autoren der Studie, die die FAZ vorstellt, der Frage nachgegangen, WARUM denn die nördlichen Länder über nur halb so viel Privatvermögen verfügen wie der Süden Europas. Und das Ergebnis klingt zumindest einleuchtend.

Man hat nämlich die Finanzbewegungen untersucht. Und dabei hat sich herausgestellt, daß der Nordländer sein Geld in Finanzanlagen, Anleihen und Lebensversicherungen steckt. Besonders viel Geld liegt auf Tagesgeldkonten, wo den mickrigen Zinsertrag schon die Inflation auffrißt, das Vermögen sich schleichend verringert. Besonderer Wert wird dabei auf Sicherheit gelegt, und Sicherheit heißt immer - geringere Rendite. Denn die Deutschen sind trotz allem Sparmeister, kein Volk der Welt spart so viel. Und das TROTZ der Rentenversprechen, und das ist eigentlich seltsam: sie verlassen sich nicht auf ihre Rentenansprüche. Sie könnten und würden nämlich sonst mit ihrem Geld ganz andere Dinge tun. Aber sie wollen sich lieber doppelt und dreifach in Geld absichern. Sie vertrauen also viel zu sehr dem Geld, und vertrauen ihm dann aber doch nicht. Zumindest aber noch weniger, als sie dem Besitz von realen Gütern mißtrauen.

Über diese Anlagen baut sich aber Vermögen weit langsamer auf oder schmälert sich gar. Selbst wenn die Verluste aus der Finanzkrise 2008 mittlerweile wieder ausgeglichen sind. 

Vor allem aber ketten sich diese Menschen deutlich mehr an das aktuelle Wirtschaftsgeschehen. Denn der Witz dabei ist, daß sie diese erhoffte Sicherheit - selbst erarbeiten müssen. Läßt ihre Bereitschaft dazu nach, verlieren sie ihre Sicherheit, auf diese einfache Formel läßt es sich bringen. Wer Geld anlegt und davon Rendite erwartet, muß sich diese Rendite also letztlich selbst erarbeiten. Das gilt schon für den einfachsten Kreditkreislauf, denn der Kreditnehmer muß die Zinsen, die er bezahlt, einnehmen. Und er tut es - vom Kreditgeber, wie sonst.

Anders, als würde man es wie der Südländer in Immobilien, Häuser* und sonstige Dinge stecken. Und einfach ... leben.



*Natürlich muß man dabei etwas sehr Spezifisches mit berücksichtigen: Das Klima. Ein Haus nördlich der Alpen zu bauen ist schon von der Errichtung her unvergleichlich kosten- und technikintensiver, als es das im Süden ist. Teils notgedrungen, teils aus Willen und vor allem Komfort, es trotz des Klimas "bequem" zu haben. So bequem, wie der Südländer im Grunde, der aber dafür weniger Geld braucht, und vielleicht etwas weniger anspruchsvoll ist - dabei um nichts weniger, ja sogar mehr Wert auf ästhetische Kriterien legt, nur Schönheit oft anders sieht. Dazu kommt, daß ebenfalls aus klimatischen Gründen ein Haus hierzulande einen Unterhaltungs-, Renovierungs- und laufenden Pflegeaufwand braucht, der so hoch ist, daß ein Immobilie überhaupt kein "festes Kapital" darstellt, sondern man laufend so hohen Aufwand treiben muß, um es überhaupt zu erhalten, daß er einer Miete gleichkommt, also nichts "erspart". Das Bestehende wird zur Sparbüchse, wie jeder Hausbesitzer weiß, sonst verfällt es. Während die Errichtung eines Eigenheimes praktisch immer die existentielle Lage seines Erbauers bis ans Äußerste anspannt. Und dennoch baut man ein Haus hierzulande alle 30 Jahre neu. Oder man verliert es. Mit dem Grundsatz: Je mehr Technik, je mehr das Moment von Maschinen in einem Haus steckt, umso höher wird der laufende Erhaltungsaufwand, der immer in einem recht fest auszumachenden Verhältnis zu Art und Größe der Investition steht.

Das ist auch bei Investitionen in die Infrastruktur wie Straßen gleich. Der Unterbau einer Straße nördlich der Alpen muß deutlich aufwendiger ausgeführt werden. Es ist ein seltsamer Irrtum, der Besucher dazu verleitet, aufgrund des Augenscheins heute die Lebensbedingungen hierzulande als besonders "günstig" anzusehen. Der Verfasser dieser Zeilen hatte dazu ein amüsantes Erlebnis mit einer indischen UNO-Angestellten, die tatsächlich meinte, der hiesige Mensch sei zum Wohlstand gekommen wie Sternthaler zu seinem Gold, es sei ihm in den Schoß gefallen. Und sie wies auf die fruchtbaren Äcker und gepflegten Ortschaften, die am Fenster des Zuges vorbeiflogen. 

Nein, es war schwer erarbeitet. Günstig waren die Lebensbedingungen hier nämlich nie, im Gegenteil. Alles mußte dem Land in schwerer Arbeit abgerungen werden. Warum wohl hat es die Nordländer tendenziell immer nach Süden gezogen? Daß es heute anders aussieht zeigt lediglich, welch hohe Leistung unsere Vorfahren erbracht haben. Der Verfasser dieser Zeilen behauptet sogar, daß das den heutigen Generationen, wären sie vor die Notwendigkeit gestellt, nicht mehr möglich wäre. Und: es kann schneller verspielt sein, als man glauben möchte. Wenn man aufhört, diesen Kultursockel, auf dem wir stehen, im Wert schätzen zu können.

Das zeigt ein Blick in ehemalige Ostblockländer, die meisten ja nördlich der Alpen. Hier wurde eben 30 Jahre oft überhaupt  nichts in die Erhaltung investiert, hier wurde nur abgewohnt und benützt, was vorhanden war. Die Gründe sind hier nebensächlich, wenn auch aussagekräftig. Aber das Ergebnis ist erschreckend. Man sieht es deutlich, wenn man in einem dieser Länder wohnt. Hier ist mehr als nur mit ein wenig Farbe und Putz zu "sanieren" - hier muß alles neu aufgebaut werden. Eine Grundsanierung einer Immobilie kostet dabei nicht weniger, als ein Neubau, das betrifft auch und gerade die billig errichteten Neubauen in dieser Ära. Die substanteillen Schäden gerade bei Immobilien sind gewaltig.

Das ist im Süden deutlich anders, und es ist von einer anderen, ja, in gewisser Weise anspruchsloseren Lebenshaltung durchformt. Schon das gestaltet das Verhältnis zu einem Haus als "Vermögen" hierzulande deutlich distanzierter und rational betonter.

Aber das Gesagte unterfüllt eine andere Aussage, die hier immer wieder zu finden war: Es GIBT keine irdische Sicherheit, sie ist nur Schein. Und sie ist gebunden an den Aufwand, sie sich selbst zu "geben". Alles Leben also hängt, betrachtet man es solcherart, an unserer momentanen Aktualität der Selbstwirklichung, und zwar weit realer und praktischer, als wir es wahrhaben wollen. Analog zur gesamten Schöpfung, allem Sein, das in der Aktualität Gottes steht. Die Technik hat uns vorgegaukelt, daß es anders sein könnte. Sie verlagert aber diesen Aufwand nur, bringt ihn meist nur aus unseren Augen. Das ist der Grundirrtum einer Gesellschaft die meint, durch ein Mehr an Technik endlich weniger Aufwand treiben zu müssen. Alles, was wir errichten wollen, muß ständig von uns selbst gehalten werden. Das ist in der Natur nicht anders, als in menschlichen Kulturen, die gesamte Schöpfung ist von derselben Struktur durchzogen. Sodaß selbst, wenn etwas wie "fortune", wie glückhaft aussieht, etwas wie "in den Schoß fällt", gilt: das Sein bilanziert immer ausgeglichen. Es verlangt immer seinen Blutzoll des Opfers, denn nur daraus erquillt es zur Welt, in der alles im Sein zusammenhängt. Was hier gegeben wird, wird dort genommen, in die Gestalt getrieben von der Kraft des Blutes.




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Freitag, 17. Mai 2013

Sichtweisen

Die Vergleiche von "Vermögen" - zumal bei Haushalten unterschiedlicher Staaten - hinken immer. Die Parameter sind nur schwer zu evaluieren, in Geld zu fassen. So sind auch die immer wieder auftauchenden Vergleichszahlen mehr als problematisch, wonach Südeuropäer deutlich mehr Privatvermögen besitzen wie Deutsche und Österreicher. Und noch schwieriger ist es, daraus Aussagen zu basteln.



Das hängt stark mit Immobilienbesitz und dessen Bewertung zusammen. Privatvermögen aber bedeutet zu 85 % Eigentum an Sachwerten. Das ausgewiesene Vermögen der Spanier zum Beispiel beruht auf Immobilienpreisen, die vor dem Platzen der Spekulationsblase, vor der Finanzkrise also, 2008 erhoben wurden. Es würde nominell heute nur noch einen Bruchteil ausmachen. Nicht anders in Griechenland, Italien oder Zypern.

Viel interessanter aber sind andere Aussagen, die man gewinnt. So die, daß der Anteil der Bevölkerungen, die in Häusern wohnen, die den Menschen auch gehören, im Süden etwa etwa doppelt so hoch ist wie in Deutschland oder Österreich. Denn das hat auf jeden Fall Auswirkungen auf das Selbstgefühl der Menschen, die sich generell dem Staat gegenüber distanzierter sehen, als hierzulande. 

Das wird noch verstärkt, wenn man zum Trost anführt, daß das Vermögen der Nordeuropäer deshalb höher liegt als nominell ausweisbar, weil die Nordeuropäer ANSPRÜCHE AN DEN STAAT haben. Als Rente, als Sozialstaatsmaßnahme. Es bedeutet in jedem Fall, daß die Staatsgebilder hierzulande deutlich höhere Priorität in der Erhaltung haben, als im Mittelmeerraum, und läßt klare Rückschlüsse auf die Politik sowie auf die Gesellschaften zu.

Der Deutsche/Österreicher ist also ein Eigentumsloser. Das hat historische Gründe - wie die Zerstörungen der Kriege etwa - zeigt aber auch klar die Grundtendenz der Politik seit über 100 Jahren. Während sich im Süden Familieneigentum bilden konnte bzw. bewahrt blieb, kam es im Norden Europas zu einer Desubstantialisierung der privaten Haushalte. Das hier erwirtschaftete Einkommen wird sofort wieder (betriebswirtschaftlich Kosten, Aufwand, keine Investition) ausgegeben, es fließt nicht in den Vermögensaufbau. Wie bei Mieten, unter dem weiteren Hinweis auf den hohen Anteil an Häusern und Wohnungen im Besitz der öffentlichen Hand (Sozialwohnbau etc.) Sein "Vermögen" aber bedeutet gesamtgesellschaftlich aber weitere Verpflichtungen in der Zukunft. Bricht das Pflichtverhältnis dem Staat gegenüber, sind die Österreicher und Deutschen ... vermögenslos.

Das zeigt die politischen Zielsetzungen dahinter, und bedeutet eine deutlich schwächere Familie, gerade im Generationenzusammenhang (Erbrecht!), die sich um zu existieren in Abhängigkeitsverhältnisse dem anonymen Staat gegenüber begeben muß. Der sich dann wie konkret bei uns beobachtbar herausnimmt, über diese Zuwendungen auch gesellschaftspolitische Zielsetzungen (u. a. Emanzipation und damit Autonomisierung der Familienmitglieder, aber noch weit darüber hinaus, bis in die Berufsgestaltung) zu betreiben. Der Österreicher und der Deutsche MÜSSEN Staatsvieh bleiben, und wo sie es noch nicht sind, werden, daran führt bei dieser Lösung überhaupt kein Weg vorbei.

Die fehlende Möglichkeit, sich Eigentum zu erwerben, gerade generationanübergreifend, bewirkt aber auch eine Einzementierung der Vermögensunterschiede, und zwar gerade zu Lasten der Familien mit Kindern, die über den täglichen Bedarf als Ausgabenposten überhaupt nicht mehr hinauskommen. Damit bildet sich bei uns eine innere Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur, die sich sehr konkret und vielfach auswirkt und zwischenmenschliche Verantwortung zugunsten von Rechenexempeln auflöst. Der Geburtenrückgang setzte vor über 100 Jahren ein, und fällt (mit etwas Verzögerung) mit der Ausgestaltung des Sozialstaates zusammen. Sie ist seine gesellschaftspolitische Tochter, denn der Sozialstaat bricht den Lebensmut, den Lebensoptimismus, entgegen gegenteiliger Behauptungen.

Damit ist auch klar, daß der Südeuropäer den Versuchen der letzten Jahrzehnte, auch deren Staat nach nordischem Muster umzugestalten, viel distanzierter gegenüberstehen mußte. Ihm ist der Staat eben noch weit mehr ein Gegenüber, er empfindet ihn anders, und bei weitem nicht als so wichtig, wie es hierzulande der Fall ist. Er erwartet weniger Konkretes von der Politik, und sieht sie deshalb auch anders - spielhafter, weniger ernst. Das bedeutet eine völlig andere Haltung staatlichen Zuwendungen gegenüber, was sich noch weiter steigert, je abstrakter die Gebilde werden, die solche Zuwendungen vergeben - wie EU-Behörden.

Zahlreiche Geschichten, die dem Verfasser dieser Zeilen aus Zypern zu Ohren kamen, belegen das. Der Südländer sieht NOCH MEHR als der Nordeuropäer EU-Gelder als "Beute", die zu erobern er die Möglichkeit hat, die er aber kaum wirklich ernst nimmt.

Und das, werter Leser, ist vielleicht auch die viel gesündere Haltung. Das größte Wunder übersehen wir nämlich recht gerne: wie es hunderten Millionen Südeuropäern gelingt, trotz chaotischer Staatsfinanzen zu überleben, Tag für Tag. Tragisch sind die Zustände in erster Linie nur dort, wo sich das Gehirnwäscheinstrument Nummer 1, das was heute als "Bildung" vorgelogen wird, bereits in diese Richtung der Selbstentfremdung und Entwurzelung - die verwerflichste, aber direkteste und stärkste Stoßrichtung der Politik, national wie in der EU - reich entfalten konnte. Beispielsweise in der Jugend.

Wie ein zerfallender Staat, der bis in die intimsten persönlichen Bereiche verflochten ist, sich bei uns auswirken würde, wagt der Verfasser dieser Zeilen da gar nicht auszumalen. Bricht bei uns der Staat, muß sich das Leben der Menschen aus den einfachsten zwischenmenschlichen Beziehungen heraus, in den alltäglichsten Verrichtungen erst neu erfinden. Darin hat uns der Süden auf jeden Fall schon jetzt viel voraus.






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Dienstag, 14. Juni 2011

Vom Menschen behaust

Es gibt Technik, die um ihre Rolle weiß. Die naturgegebene Vorgänge ausnützt, ohne die Natur selbst zu verändern. Es gibt eine ... ja, nennen wir es so: demütige Technik, die nicht im Größenwahn erstickt, die Welt zu beherrschen und als Ersatzteillager und Selbstbedienungsmarkt zu mißbrauchen, ja darauf zu reduzieren. Die für partielle Zwecke Schneisen der Verwüstung schlägt, alles unter Nützlichkeitsgedanken unbelebbar macht.

Das verbindet noch das Mittelalter mit der Antike, ja mit der jahrtausendelangen Menschheitsgeschichte vor der Renaissance, der Neuzeit - eine Grundhaltung, die im ständigen Dialog mit dem Ursprung von allem, mit Gott, die Welt mit Ehrfurcht und Respekt behandelte, weil sie alles Geschöpfliche als Symbol eines dahinterstehenden Willens verstand. Die sich als Empfänger verstand, der dankbar nimmt, was ihm gegeben wird, weil er weiß daß er der Gesamtordnung Rechenschaft zu geben hat. Verletzt er sie, wird sie ihn bestrafen, ja vernichten.

So erzählen diese Mühlen auf Mykonos vom kecken Aufrecken des Muts, der es wagt, an einem mächtigen fremden Geschehen zu partizipieren, mitzunaschen. Fast verstohlen, unsicher, ob es noch gemäß ist oder nicht. Ob nicht ein wütender Gott seine Faust längst ballt. Er sei mit Opfer und Spiel versöhnt. Ihm sei aber für seine Gabe gedankt, in der wir auf seinen stürmenden Rossen mitreiten. Solcherart wird die Technik zur Erdeinverleibung (M. Henry), wo der Mensch als Teil seiner Lebenspraxis die Natur einsetzt, mit ihr lebend und wirkend. Kein "objektiver Effekt" wird dabei benutzt, abstrahiert und extrahiert, sondern Leben vollzieht sich aus sich selbst, Güter werden hergestellt, weil und solange an ihnen Bedarf ist. Nicht, um Geld zu erzeugen, nicht mit "objektivem Wissen um objektive Vorgänge", losgelöst vom Menschen - sondern als menschlicher Selbstvollzug.

Mykonos (Kykladen, Griechenland)


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Freitag, 5. November 2010

Mittelmeer

Hochgefühl über dem Mittelmeer. Plakat aus 1947.

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