Der Mensch ist Kulturwesen. Das heißt, daß Kultur nicht etwas ist, das mal mehr mal weniger dazukommen kann, bleibt es weg ist es auch gut. Nein. Kultur ist das Gebäude wie Medium und Mittel des Menschseins. Ja sie repräsentiert den Sinn der Schöpfung, der ein Opferkult ist, nicht mehr, nicht weniger.
Und alles, was Kultur am menschlichen Dasein ist, ist an einen Ritus gebunden und darin real und welthaft. In der Sitze des religiösen Opferkults, bis hinunter zu den alltäglichsten Handlungen, die von oben her zu durchbluten die eigentliche Aufgabe des Lebens ist.
Der Kulturstand eines Volkes, einer menschlichen Gemeinschaft und jedes einzelnen Menschen zeigt sich deshalb am Reichtum seiner Riten. Deren man allzuoft kaum noch gewahr wird, aber deren man gar nicht gewahr werden muß, weil sie Haltungen formen. Und Haltungen sind wahre Zustände des Fleischlichen, und darauf kommt es an.
Die brauchen zu ihrer Wirksamkeit keine Bewußtheit, ja im Gegenteil ist dieses ständige Voraugenstellen einer Entscheidung dafür (oder dageben) Einfallstor für Momentanstimmungen, die in der Modulation, die Menschsein faktisch ist, ständig die Gefahr aktivieren, einer Stimmung zu folgen, das Sachliche absinken zu lassen.
Jeder Ritus aber braucht etwas - er braucht Initiation, um die leibliche Präsenz zu einem Sein vor den Augen Gottes, des Seins, zu heben. Auch hier finden sich viele Formen, die kaum bewußt sind, und die die Trägheit, zu der alle Menschen neigen, allzu leicht über Bord wirft, weil Riten oft (und selbst für den Tugendhaftesten) Mühe kosten.
Doch ist es die Tat, auf die es ankommt, und leibliches Sein ist Tat.