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Donnerstag, 26. März 2020

Ein kurzes Aufblitzen von Vernunft

Eine interessante Stimme zum Niedergang der SPD erhielt in Tichys Einblicke Gehör. Der wegen persönlicher Intrigen aus der Partei ausgetretene Essener Stadtrat Karlheinz Endruschat gibt hier seine Meinung kund. Die Sprengkraft nur dadurch erhielt, als sie einem gewissen Einbruch des Wirklichen Raum ließ. So daß etwas wie Vernunft durchs Gewebe blinkt. Und die ist der größte Gegner der Decke der Ideologie, die sich so lückenlos über unser Land gebreitet hat. Auch wenn die Treue zur SPD anzeigt, daß nicht die Vernunft an sich, sondern lediglich das momentan an der Vernunft Nützliche angenommen wird. Der Moment also, wo sich die Böcke von den Schafen trennen. 

Das Endurteil vor Gott wird aber nicht aus Nützlichkeitsmomenten getroffen, sondern aus der Grundentscheidung. Das Gute ist nicht das Nützliche! Sondern "gutes Handeln" ist ein Handeln aus dem Sein heraus, auch wenn das Handeln selbst unvollkommen und mangelhaft ist. Das weniger Mangelhafte eines Handelns ersetzt also nicht das Gute. Sondern solches Handeln bleibt dann leeres Bemühen.
Aber lassen wir das, kehren wir zu einer anderen Disputebene zurück.

Im Grunde ist alles an der Kritik an der SPD (es trifft größtenteils auch für die SPÖ zu) bekannt, aber er faßt es gut zusammen. Erstaunlich klar wird in diesem Interview der genuin christliche  Impuls erkennbar, der einst hinter allen sozialrevolutionären Bewegungen stand. Wie immer bei Häresien, also bei falschen Gewichtungen (die immer aus einem Mangel an Verständnis des Zentralen entsteht) von Teilaussagen eines Anschauungsgebäudes, wird diese Häresie irgendwann zum Todfeind der Herkunftslehre. Wie beim Sozialdemokratischen bzw. beim Sozialismus, der die (richtig verstandene) Freiheit des Menschen eines Effekts willen beschneidet, weil die Verankerung des Seins in der Vorsehung Gottes unbegriffen bleibt. Ihm bleibt fern, daß erst aus dieser Offenheit für das Spiel Gottes das Schöpferische der Welt erwächst. 

Woran man so etwas aber auch in anderen Weltanschauungen erkennt (die sich formell aber noch als unterschieden von der Sozialdemokratie bezeichnen, wie es bei der CDU oder ÖVP der Fall ist, sich aber im Kern nicht mehr unterscheidet) ist der Umstand, daß dort besonders gern von "nötigen Innovationen" (usw.) gefaselt wird.
Zum Abschluß ein Zitat aus dem Gespräch mit Endruschat:

Werden diese Probleme von den Bürgern bei Wahlkämpfen angesprochen?

In den betroffenen Stadtteilen ist das, was ich sage, eine Binsenweisheit. Das Problem ist eben, daß die Politik der SPD aus den wohlhabenden Stadtteilen heraus gemacht wird. Da leben auch diejenigen, die Posten und Funktionen in der Partei haben. Man könnte den Eindruck bekommen, daß die Partei sich für Stadtteile wie Altenessen gar nicht mehr besonders interessiert. Man hat wohl irgendwann entschieden, vielleicht auch nur informell, daß man diese Stadtteile mit den Problemen der Zuwanderung belasten will. Und das schlechte Gewissen entlastet man, indem man Dekorationen schafft, wie mal eine Grünanlage. Aber die eigentlichen Probleme dieser Stadtteile im Niedergang nimmt man nicht auf.




Mittwoch, 9. Oktober 2019

Das darf man sich nicht entgehen lassen

Es ist natürlich ein bißchen gemein, aber so köstlich, daß es hier nicht fehlen soll. Dieses Filmchen fand der VdZ unlängst im Netz. Es ist betitelt "Das Ende einer Arbeiterpartei (SPD)". Diese Passagen sind nicht gestellt, sondern wirklich so passiert. Vielleicht liegt hier die Erklärung dafür, daß die SPD Umfragen nach bei mittlerweile 11,5 Prozent Wähleranteil angelangt ist. Vermutlich sind das nur noch die Funktionäre des riesigen Parteiapparats, der aus Zeiten stammt, als man sich um Mehrheit und Kanzlerschaft ritterte.

Warum die Ausschnitte hier "ein bißchen gemein" genannt werden? Weil sie Momente auffangen, die einer im Grunde gar nicht so unrichtigen Ernüchterung entspringen, die überall eingetreten ist. Weil die Politik seit Jahrzehnten sich als "Volksversorgung" aufgespielt hat, und nun an diesem unerfüllbaren - und völlig falschen! - Anspruch zerbricht und zur Vernunft kommt. Gerade die SPD (oder in Österreich die SPÖ) ist ja immer damit angetreten, die Sorgen und Nöte der Bevölkerung ZU LÖSEN. Aber das konnte sie nie, das war nur ein Vorwand, um die Wähler zu kaufen. Vor diesem Hintergrund wirkt sie nun freilich lächerlich hilflos.

Es ist eben in keinem Fall Aufgabe der Politik, die konkreten Probleme der Menschen ZU LÖSEN. Das müssen sie schon selber tun, und wenn dann kann Hilfe nur durch direkte menschliche, im Rechtsstatus ungeschuldete, lediglich moralisch (Nächstenliebe) geforderte Caritas stattfinden. Die Politik muß nur dafür sorgen, daß die Menschen (Geber wie Hilfebedürftige) dabei nicht unbotmäßig beziehungsweise strukturell behindert werden. Nun steht sie aber einer Bevölkerung gegenüber, die genau das verlangt, weil es ihr als Aufgabe der Politik eingeredet wurde, und jetzt eben diese Politik tatsächlich mit gewissem Recht anklagt, für ihre Miseren und deren Behebung verantwortlich zu sein.

Die SPD ist ein gutes Beispiel dafür, daß man aus dieser Falle, die man sich mit dem "Sozialstaat" selbst gestellt hat, kaum noch herauskommt. Denn sein Wesen ist tendenziell unendlich, ohne Grenze. Aber die Möglichkeit ihn zu unterhalten sehr sehr begrenzt, sodaß irgendwann auch die Schulden, auf denen er (und unser gesamter "Wohlstand" seit den 1970er Jahren) beruht, nicht mehr ausweitbar sind.







*230819*

Mittwoch, 3. Oktober 2018

Scheintheater, Scheintheater, Scheintheater ...

Es ist nicht so schwer zu begreifen, was sich in Irland anläßlich der Jubelkundgebungen zur "siegreich" ausgegangenen Abstimmung über die Abtreibung abspielte. Man muß nur ansehen, was sich in der SPD bereits abspielte, und was sich derzeit in der österreichischen SPÖ abspielt. Wo in einer Art "Überfallsartigem Handstreich" das Parteiprogramm auf Identitätsfragen (Homosexuelle, Ökologie etc. etc.) umgeändert wurde. Was in einer verzögerten Reaktion nun zu einem Aufbegehren des (echten) linken Flügels führte, bei dem man gespannt sein darf, wer sich durchsetzt. Denn mit diesem neuen Programm wird sich die SPÖ selbst aus dem Weg räumen.

Und genau darum geht es überall in diesen Fragen. Die einzige Opposition - nachdem die Kirche als zweitausend Jahre alte Vertreterin der Würde des Menschen weltweit ausgeschaltet wurde und sich mittlerweile selbst ausschaltet (weil den Begriff von Menschenwürde völlig vergessen hat, was das jüngste Junktim zur Todesstrafe beweist) - war noch die Linke, die wirkliche Linke. Die gegen die Oligarchie, gegen den Kapitalismus auftrat. Und insofern mit weiten Teilen der katholischen Soziallehre bestens bedient war und wäre, würde die Kirche selbst noch wissen, was sie selbst verkündet. Das Ansehen der Kirche baute ursprünglich darauf auf, daß sie die kleinen Leute vertrat, und daß Priester diese kleinen Leute mit ihrem Blut vertraten. Gegen alle Machträusche.

Zurück zur Linken. Zurück also zu dem, was sich im Westen (oder gar weltweit) mit der Linken abspielte. Wo es der Oligarchie gelang, die Unzufriedenheit in Fragen der Sexualmoral umzuleiten. Sodaß die Freude in Irland eine ERSATZFREUDE war, ein reines Scheintheater, das eine "Freiheit" erkämpfte, die gar keine Freiheit ist, sondern das eigene Gefängnis: Die Gefangenheit in sexuelle, körperliche Begierden. Das Ende der Vernunft. So wurde der Weg freigeräumt. Denn niemand beschwert sich nun noch in Irland (und anderswo) gegen die Herrschaft der Banken und des Geldes. Irland ist in Schulden VERSUNKEN, regelrecht VERSUNKEN. Durch eine Entscheidung der Politik, die die Bankobliegenheiten in Volksobliegenheiten umwandelte. Und damit das gesamte Volk unter ein äußerst hartes Joch der Schuldknechtschaft zwingt. 

Kern steht für eben diese Ablenkung von den eigentlichen Problemen. Kern steht für eine Auflösung der SPÖ in eine Identitätspartei, die sich in Minderheitenprogrammen selbst eliminiert. Denn der Großteil der Klientel der SPÖ in Österreich (analog zu Deutschland) ist außerordentlich handfest und hausverständig, ja (bis auf manche Schlagseite) vernünftig. Vernünftig genug, um nicht in Schwanz- und Muschiproblemen die Welt zu sehen. Die wurden von ihnen immer noch mit dem Feitel in der Tasche vor dem Tanzlokal in Simmering ausgetragen, und niemanden ging das etwas an. Und schon gar nicht wollen diese Männer und Frauen, die aneinander wurden, was sie sind: Eine Identität! Ihre Identität plötzlich aufgeben und "unbestimmbar-huschti-lustig-bunt" werden.

*** 

Der VdZ war das letzte Mal vor drei Jahren in Irland. Und er hat überall und allerorten dasselbe gehört: Eine tiefe Klage über den Niedergang des Wohlstands vor allem der kleinen Leute, mit dem (im gesamten Westen bekannten) Grundton des Niedergangs des Mittelstands. Die einzigen, die gewonnen haben, sind die Globalkonzerne. Und die Banken. Das einfache Volk war tief depressiv. 

Dafür hat diese Abstimmung nun ein elegantes Ventil geboten. Endlich ein Sieg gegen "das Establishment", also gegen das, was durch die von den Oligarchen beherrschten Medien als "Bedrückung" verkauft wurde - das moralisch-sittliche Gesetz.  

Auf andere Weise, aber in derselben Spur liegt die Weltrettungsphantasie der Klimawahnsinnigen. Sie ist Ablenkung von den wirklichen Fragestellungen, und um nicht einen Jota mehr. Die Leute glauben, die Welt zu retten, ja retten zu müssen, während man ihnen den Stuhl unterm Hintern wegreißt.

Dasselbe wie in Irland passiert derzeit (und schon seit langem) in Österreich, oder soll dort final passieren. Wenn sich der originär-linke, also anti-kapitalistische Flügel der SPÖ nicht durchsetzt. Der ohne jede Übertreibung wie in Deutschland die Volksmeinung vertritt, also die Meinung der eigentlichen SPÖ-Klientel und -Wähler. Und nicht den psychischen Problemen einer unfähigen Minderheit folgt. Unter der Ägide und unter einem aalglatt-verblödeten Kurzzeitkanzler Kern diese Partei in eine "links-grün-ökologische" Identitätspartei umgebaut werden konnte. Wie es Clinton in den USA erfolglos versucht hatte. Das Scheitern ist vorprogrammiert. Aber als Symptom ist es äußerst lehrreich.

In Deutschland hat sich Sarah Wagenknecht durch eine (im übrigen: seltsamen, ja fragwürdigen) "Bewegung" von dieser Tendenz der Linken abzusetzen versucht. Ähnliches ist wohl auch für Österreich zu erwarten. Als Leitfigur scheint der ehemalige (und nicht unverdiente) Verteidigungsminister Doskozil geeignet weil vernunfthart genug zu sein. Man wird sehen, ob sie das System der Scheintheater wirklich durchbrechen können.





*120818*