Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Mittwoch, 9. Februar 2022
Weil Gott ein Gott der Lebenden ist, ist er nur im Guten Sprechen, dem BENE-DICERE (3)
Dienstag, 8. Februar 2022
Und warum Gott beim Sprechen auch nicht aufstößt, rotzt und schmatzt (2)
Montag, 7. Februar 2022
Warum Gott beim Sprechen nicht schnauft (1)
Mittwoch, 4. August 2021
Selbst Gott gegenüber fremd (2)
Dienstag, 3. August 2021
Selbst Gott gegenüber fremd (1)
Montag, 3. Mai 2021
Heiterkeiten zum Tag
"Die, die sagen, daß ich zu klein oder nicht hübsch genug bin, sind kontraproduktiv für unsere Welt, die immer diverser wird."
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| QR Leni Klum |
Dabei verfolgt offenbar Leni eine ganz eigene Linie. Denn jetzt hat sie angeblich sogar Bilder mit ihrer Akne auf Instagram zugängig gemacht. Warum auch nicht, schreibt sie sinngemäß dazu. SO BIN ICH EBEN. Und wie gesagt: In der Welt von heute muß nichts mehr irgendwelchen Anforderungen entsprechen. Weil einfach alles für alles reicht.
Na sicher, sie hat schon recht, wir leben tatsächlich in so einer Welt. Laufolympiaden der Beinamputierten gehören ebenso zum Alltag wie fettlose Fettcremes, zuckerfreie Süßlimonaden, cholesterinfreie Eier und gleich eierlose Biskuits, fleischlose Hamburger, nikotinfreie Zigaretten, glutenfreies Brot, koffeinfreier Kaffee und - seit jetzt - häßliche Models.
Freitag, 27. November 2020
Wie war das noch mit der abendländischen Tradition?
Es ist durchaus amüsant (und auch David Graeber findet das in "Schulden. Die ersten 5.000 Jahre"), daß die Tradition der völligen Verschleierung der Frau in der Öffentlichkeit und in Anwesenheit von Männern nicht nur ins alte Assyrien zurück reicht, sondern daß er sich im antiken Athen, diesem angeblichen Ursprung des heutigen demokratisch-freiheitlichen Bewußtseins und damit der Gleichberechtigung der Frau (und was für Schmonzes sonst noch unter diesem Label unter Leute und Häute getrieben wird) bereits spätestens im 6. Jahrhundert vor Christus nachweisen läßt. Das gilt heute als gesicherte Erkenntnis der Disziplinen der Altertumsforschung.
Ja, während sich die Vollverschleierung der Frauen im übrigen Vorderen Orient der früheren Zeiten so gar nicht allgemein durchsetzte, war es ausgerechnet das demokratische Griechenland, in dem die unverschleierte Frau als Prostituierte, zumindest als Frau ohne Ehre galt. Ausgegangen war nach allen Befunden diese Sitte von den sittsamen Frauen der Adeligen und Noblen. Allen also, denen das Einfache, Schlichte und Unprätentiöse, die Schönheit des Rituellen, die Gelassenheit des Ruhens in der göttlichen Vorsehung Ideal und Vollkommenheitsmerkmal war.
Unter Sokrates war es sogar üblich, daß sich die Frau, die auf sich hielt, zu Hause einschloß und sich nie in der Öffentlichkeit - zumindest nicht voll verschleiert - zeigte. Frauen, die am öffentlichen Leben teilnahmen, galten als Prostituierte oder dieser gleichwertig.
Wie anders war das doch als in den Gesellschaften in Syrien oder Persien. Wo sich die Verschleierung zumindest in vergangenen Zeiten so gar nicht durchsetzte.
Diese Noblen aus griechischem Adel und peloponnesischer Heldenschaft waren bekanntlich auch die Gegner der schnöden Geldwirtschaft, die vor allem bei den Unedlen, den Armen, den weniger Sittlichen und Profanen mehr und mehr an Boden gewann. Geld auch nur anzufassen galt den einen als unedel und beschmutzend, den anderen war es unerläßliches Ziel allen Strebens. Es war ein Symbol der Erniedrigung, der Ehr- und Würdelosigkeit.
Der Ehrenhafte zählt und rechnet nicht.
Selbst das Geld, als Währung, als Zahlungsmittel im Handel nach heutigem Begriff ist ja ein Imitat der Unedlen. Sodaß aus einem Ausdrucksmittel des Edlen und Wertvollen im Sozialen ein Mittel zum schnöden Kauf und der banausischen Aneignung wurde, die zu sichern nur noch die Gewalt und das ausdrückliche Gesetz bleibt.
Mit allen Mitteln. Koste es was es wolle. Und sei es das Leben.
War aber die Achtung vor der Frau in Athen so ganz anders gelagert als im Orient, so kam es in Griechenland nie zur Versklavung der Frau. Wie im Orient. Weil dort (und nicht nur dort, sondern etwa in ganz Afrika) die Frau, noch mehr aber die Töchter und Verwandten als Pfand für Schulden, diese erste Frucht des Geldes, gegeben, in der Praxis damit als zu jeder Art von Dienstleistung verpflichtete Sklaven "verkauft" wurden. Denn dort war die soziale Verpflichtungs"schuld" den Schulden der Verschuldung gewichen. Die blieb in Athen dem Schuldner persönlich.
***
Was aber macht das Geld so "unedel"? Es holt die Existenz "in die Hand". Es macht sicher, was nie sicher sein darf! Jedes heldische Dasein ist immer ein Gang auf schmalem Grat, und es kann jederzeit in die Sklaverei führen. Das Risiko des Helden und Edlen ist groß, und analog zu seiner Höhe kann er auch binnen kürzester Zeit fallen.
Der, der Geld hat, freilich "nicht". Er ist vielmehr bereits gefallen. Und er spielt kein Spiel, sondern er zementiert das Dasein in die Grundfesten der Kontrolliertheit und angstgetriebenen Gier.
Damit reißt es aber den Menschen aus der Höhe des Geistes und zieht ihn in die Niederungen der Welt des Toten. Wo immer (und in dem Grad) eine Kultur vom Geld (und nicht von der Ehre) beherrscht wird, ist sie eine Kultur des Todes geworden.
Geld macht gleich und stellt damit Identität in den ständigen (sinnlosen, sisyphosartigen, nie zu befriedenden und ehrenlosen) Kampf. Es ist deshalb von Archilochos mit der porne, der gemeinen, willfährigen Frau vergleichbar. Aber es wurde bald weit mehr als alle gleichmachendes Ziel aller. Es wurde bald von allen tatsächlich gebraucht, weil sich immer weniger im Gemeinwesen über das Soziale, über die humane Verbindlichkeit regeln ließ.
So sehr das auch manche erschrecken möge, für die der Kampf gegen die Verschleierung zum Pferd eines vorgeblichen Kulturkampfes gegen eine "Islamisierung" des Abendlandes wurde - nicht nur gehört der Schleier in die abendländische (und NICHT in die morgenländische!) Kulturtradition, sondern er ist humanes Merkmal des Edlen, Hohen, das sich im Vorsehungsstrom des Seins geborgen weiß.
Das sich nicht in der Entblößung zufrieden gibt, der jede (!) Bekleidung zur unerträglichen und unzumutbaren Anstrengung der Begegnung mit einem Anderen wird. Das nicht ihr Leben auf die Ebene des Geldes verflacht, das alles gleich und formlos macht.
Seit je hat eine solche Verflachung alles und in rasendem Tempo verändert, auch im antiken Griechenland. Sogar der Arme hatte nun eine Chance, aus eigenem Antriebe zu Geld zu kommen - indem er sich den Begierlichkeiten der Geldbesitzenden auslieferte. Wie die Dirne. Wie anders doch in einer humanen Gesellschaft.
Wo jeder sich dem Nächsten gegenüber verbunden fühlt, diesen an seinen Gütern und an Lebensweise nicht nur ein wenig, sondern maßlos teilhaben zu lassen. Während der Nehmende sich in allem Bangen weiß (dem die Dankbarkeit erwächst), von der Gnade dieses Nächsten abzuhängen.
Stattdessen löst aber das Geld diese soziale, humane Bindung auf, weil es neutralisiert und abstrahiert. Genau das war ja die Absicht des sozialistischen Sozialstaats.
Natürlich haben wir, die wir ein wenig vom Menschen kennen, auch die Pflicht, das Faktische, die nackte Realität (in doppeltem Sinn) zur Kenntnis zu nehmen, und damit umzugehen. Sodaß auch unser Leben zu einem schwierigen Lavieren auf rohen Eiern wird. In der Suche nach der rechten Balance zwischen dem Leben selbst, und einer im Faktischen notwendigen Berührung mit der Ebene des Toten, des Geldes also. Mit welchem Phantom wir so vielfach verflochten sind.*
Aber wir haben die Chance insofern zu überleben, als wir, wenn wir darum wissen, auch in unseren alltäglichen Urteilen zwischen dem, was wirklich ist, und dem, was wir faktisch berücksichtigen müssen, zu scheiden vermögen. Weil wir vertrauen, daß dieses Unkraut, das uns so plagt, eines vollen Tages ausgerissen und auf den Misthaufen geworfen werden wird.
*Sehen wir doch hin, wieviele Phantome sind es längst, die uns umgeben und mit denen wir umgehen müssen, obwohl wir sie in ihrer Spukhaftigkeit erkannt haben. Vergessen wir dabei nur nicht, daß uns der Regen wohl naß machen, aber unsere Seele im Letzten nicht ertränken kann.
Montag, 22. Juni 2020
Bonelli, der Psychiater in der Unterwäsche
Und hier entwickeln sich Normen aus der bloßen Leibgrenze hinaus zum Sollensgebot - Gebot, weil es auf die Selbstüberschreitung ankommt, nicht aufs "wie ich mich fühle" o. ä. - auch in der Kleidung. Ohne bloß relativ zu sein. Auch in der Kleidung steckt jene archetypische Wesensbewegung, die von Grundformen ausgeht und diese in je nach Kulturhöhe in immer subtileren, feineren, quantitativ wie qualitativ diffizileren Formen (wie im Fraktale) weitertreibt.
Also bleibt Unterwäsche immer Unterwäsche, wo die Grenze zur Außenwelt noch gar nicht ausdifferenziert ist! Wie es der Massenmensch etwa zeigt.
Samstag, 2. Mai 2020
Eine Pandemie, an der niemand verstarb
Dann aber entspricht er völlig dem normalen Spitzenwert durch die übliche Grippeepidemie. Es sind also durch eine "Corona-Pandemie" nicht mehr Menschen gestorben als ohnehin gestorben wären! Das viele Geld, um es salopp zu formulieren, das in die Intensivfürsorge investiert wurde, der enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden, den der Shutdown gebracht hat, war völlig sinnlos! Alle die Anstrengungen und Maßnahmen haben bestenfalls eine recht unwesentliche Verzögerung in einem völlig normalen Geschehen bewirkt. Wie eben manche Mediziner sowieso in dieser Corona-Krise festgestellt haben.
Freitag, 27. März 2020
Honi soit qui mal y pense (2)
Mittwoch, 4. März 2020
Spiegelbilder reichen nicht für Mode
Der Zustand der Kultur unserer Völker - mit Pubertierenden an der Spitze* - entspricht freilich einem Zustand, in dem Kinder die Macht erhalten haben, die Umstände zu bestimmen, die sie bestimmen sollen. (Noch-)Nicht-Persönlichkeiten gestalten aber alles nach Nicht-Welt. Das geht so lange gut, wie die Welt, die man draußen hält, nicht hereinbricht. Als Versuch, auch ohne Geschichte leben zu können.
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Freitag, 24. Januar 2020
Der subtile, aber sichere Tod der Lebenswelten (2)
Apropos Polyester. Apropos Plastik. Apropos Kunststoffe und Meer. Hadmut Danisch bringt einen Bericht, der unsereinen überrascht. Denn er zitiert Studien die belegen, daß es einen Faktor gibt, der die Meere mit Mikroplastik versorgt, an den wohl kaum jemand denkt - und das sind aus Textilien ausgewaschene Kunststofffasern! Dieses Problem ist umso akuter geworden, als sich in den letzten Jahrzehnten ein furchtbarer Trend entwickelt hat. Während die Moden immer kurzfristiger werden, also immer mehr neue Kleider - denn in erster Linie sprechen wir hier von Damenmode! bei Männermode sieht die Sache völlig anders aus - in immer kürzeren Abständen produziert und verkauft werden, werden diese Kleider immer kürzer getragen und wandern in den Müll.
Was kommt aber nun als Nächstes? Verbot von (Damen-)Mode? Zwang auf schlabberige Naturfaser umzustellen? Tja, der nächste Schuß ins Ofenrohr der Weltrettung. Denn wenn man die Ökobilanz von verarbeiteten Naturfasern ansieht, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und wird vielleicht zum Plastikfan. Und was ist mit den Schuhläden? Immerhin ist Indien der größte Lederproduzent der Welt. Und billige Arbeitskräfte haben die auch wie Schnee am Himalaya.
Genug. Das wollen wir alles gar nicht mehr wissen. Außerdem: Wer soll dann die Ökobrüllerei noch finanzieren?
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Donnerstag, 23. Januar 2020
Der subtile, aber sichere Tod der Lebenswelten (1)
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Samstag, 4. März 2017
Auch Renault bleibt sich treu
Eine Firmentradition also. Schon früher belegte der legendäre Rost der Franzosenkutschen ja diese Orientierung. Ist die Mode vorbei, hat sich auch das Auto aufgelöst. Und das hat durchaus etwas recht Liebenswertes, ja in manchem Tröstliches. Man muß Renault-Fahrer nicht wirklich ernstnehmen. Im Gegenteil, wer die im Filmchen dargestellten Moden vertritt will gar nicht ernst genommen werden und hofft auf den Rost, der ihm alle Arbeit abnimmt, die Selbstverfehlung aus eigener Anstrengung zu überwinden.
Dienstag, 9. Februar 2016
Einladung zum Fasching
Die Migrationswelle, die uns seit vorigem Jahr ungebremst überrollt, ist - und es verwundert, daß es niemand sehen will! - hat grundsätzlich etwas von Fasching. Sie hat etwas von Unernsthaftigkeit. Der VdZ behauptet sogar, daß der überwiegende Teil der Millionen Zuwanderer gezielt den Fasching sucht, den dieses Abenteuer für ihn bedeutet. Denn die Ernsthaftigkeit, die diesen Invasionswellen unterschoben wird, existiert nicht. Oder bestenfalls für einige wenige. Die meisten müssen wissen, und wissen auch garantiert, daß sie hier keine Chance haben. Aber sie setzen bewußt ihre in ihrer Heimat geltenden Lebensgesetze der Ernsthaftigkeit außer Kraft, fliehen in den Fasching, und werden noch dazu eingeladen. Denn auch hier gilt Fasching, sogar übers ganze Jahr: Auch hier nimmt kein Staat seine eigenen Gesetze und Notwendigkeiten ernst, ja sogar die Regierungen lachen über Grenzen und internationale Verpflichtungen und stellen alles auf den Kopf.
Daß hiesige Männer längst gelernt haben, nicht mehr wahrhaftig zu deuten, was sie sehen, ist dabei der entscheidende Unterschied. (Und das ist die eigentliche Kastration des Mannes; das Heben der Dinge in wahrhafte Welthaftigkeit wäre seine Aufgabe. Übrigens: die nächste chthonische Zeitbombe, darüber noch zu anderen Zeiten mehr.)
Noch dazu ist Fasching als Kulturerscheinung in der muslimischen Welt unbekannt. (Was über ihn mehr aussagt, als ihm lieb sein kann.**) Erwachsenwerden heißt also auf eine Art auch, den Fasching als "umgekehrte Zeit" zu halten.
Was auf frappierende Weise dem Verhalten gegenwärtiger junger, nachrückender Generationen entspricht. Die entsetzt sind, daß der Dauerfasching, zu dem sie bereits erzogen wurden, nicht auch jenseits des 30. Lebensjahres und bis in die Pension weitergeht. Ja, so manche politische Forderung und manches politische Programm ist nichts anders als das Versprechen, daß dieser Fasching auch weitergeht, und gar nie mehr endet. Und enorm viel Empörung hat ganz genau den selben Grund: Empörung, daß nicht doch noch und nur Fasching gelte.
Aber die wollen wir lieber gar nicht gestellt wissen.
**Der Islam ist als solcher untrennbar mit einer dogmatischen Beschränkung der Wirklichkeitsrezeption verbunden. Deshalb die fanatistische Überbetonung des "Männlichen", als pseudologisch die Wahrnehmung überlagernde Ebene einer ontischen Verfehlung. Erst als er sich dann auch zu einer "Religion" formierte - beginnend im 9., defintiv werdend im 12./(13. Jhd., zementierte er sich logischerweise auf einen Interpretationsstandard ein. So gut wie lale, womit wir es heute beim Islam (namentlich der Sharia) zu tun haben sind deshalb Rezeptionsstand des 13. Jhds., der im späten 19. Jhd. noch einmal erneuert wurde.
Das sieht übrigens auch der Muslime und gewiß großartige Denker Navid Kermani so, was zu entdecken den VdZ ziemlich erfreut hat. Im selben Maß starb seine Poesie. Und DIE ist seine eigentliche Stärke, wenn man nach dem Guten im Islam sucht. Aber dazu muß man in die Zeiten VOR dem 13./19. Jhd. ausweichen. Ab da war der Islam unausbleiblich nur noch Kulturerstickung. Die Sehnsucht vieler Muslime - die der VdZ durchaus ernstnimmt und achtet - nach den "Zeiten von Cordoba" (der VdZ weist wieder und wieder auf die wunderbaren Schriften von T. H. Lawrence, und den großartigen, wenn man genau hört: tiefsinnigen Film "Lawrence of Arabia" hin) hat ihr wahrhaftiges fundamentum in re.
Montag, 2. März 2015
Der Mensch ist Trachtenträger
| Photo: Die Presse |
Der Unterschied liegt im Abstraktum, in der Universalität das Repräsentierten. Nicht im Repräsentieren selber. Selbst das normale Ankleiden am Morgen, mit Schürze oder Knickerbocker, ist davon prinzipiell nicht unterschieden. Denn auch der Mensch ist sich selbst ein Abstraktum, eine Maske, hinter die er zu schlüpfen hat. Deshalb sind Trachten die höchsten Ausdruckswege einer Kultur. Und ob es manchen gefällt oder nicht: man erkennt sogar Staatsangehörige durch die Art, wie sie sich kleiden, und zwar als besondere Färbung dieses Staates. Denn Staat ist die letzte, höchste Form und Erfüllung des Menschseins.
Das Gegenteil dafür - schon oft, ja so oft, daß er neigt, "immer" zu sagen: als Aspekt der "Sexualität", der völlig unterschätzt (meist nicht einmal geahnt) wird, weil sie Verachtung für den nackt Gesehenen, auf Funktion und Bedürftigkeit reduzierten Erwachsenen (sic!), fast immer und automatisch nach sich zieht. (Rückständige Verschrobenheit? Na dann glaube es der Leser ruhig mal ... wundere sich aber nicht, wenn er für so Manches keine Erklärung mehr findet; nicht einmal bei primitivsten Völkern war Nacktheit je ein Zeichen von Kultur, d. h. Menschsein; damit genug zu dem Thema)
Aber der Mensch ist nur Mensch, wenn er ausdrückt, wenn er eine Tracht, eine Maske trägt. Denn die Maske, das IST er. Die Maske ist das Sein, das sich als Idee in die Materia prima senkt. Das ist die tiefe Wahrheit des griechischen Theaters. Der Maskenträger verkittet erst jenen Bruch, in der Scham, die aus der Spannung des Seinswillens zum Nichts stammt, den er im Paradies durch die Aufgabe der selbstverständlichen Einordnung in die Seinsordnung verlor. Der reife, der gute, der geniale Schauspieler ist der, der im Konkreten das Allgemeine sichtbar macht. Und nichts anders ist über den Menschen im Alltag zu sagen. Die Dauer, die Höhe einer Familie selbst läßt sich daraus erkennen, ob ihre Mitglieder die Kraft zum Typus haben.
Daß die Französische Revolution die Amtsrobe, die Perücke abschaffte, ist deshalb kein Zufall. Es stellt exakt dar, was passierte: Die Rechtsstaatlichkeit löste sich auf, und eine Justiz der Willkür folgte. Und die Tribunale diverser totalitärer Systeme in ziviler Kleidung sprechen für sich. Rückschlüsse darauf, daß etwa in Österreich und Deutschland die Perücke nicht mehr existiert, werden dem Leser überlassen. Immerhin gibt es in Österreich noch die Vorschrift für Richter und Staatsanwälte, ein Barett zu tragen.*






