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Mittwoch, 9. Februar 2022

Weil Gott ein Gott der Lebenden ist, ist er nur im Guten Sprechen, dem BENE-DICERE (3)

Das Ziel dieser explosionsartig verbreiteten Sprechmode ist der Tod - Eine Auffassung, die gar nicht so selten ist, wie die weltweit eineinhalb Milliarden Muslime zeigen. Deren höchste bildnerische Darstellung deshalb ... das Wort selbst ist. Das Wort und - die Art, in der es auftritt. Deshalb kann es gar keinen in andere als das Urarabische des Koran "übersetzte" Heilige Schrift der Muslime geben, und deshalb muß auch der Koran auf eine bestimmte Weise gesungen werden. (Siehe Anmerkung***)  

Wenn der Leser nachdenkt wird er feststellen, wie viele der heutigen Anschauungen von dieser Grammatik geprägt sind, die sich in der Betrachtung der Entwicklung des Sprechens wiederfinden. Und zwar ursächlicher, als viele glauben wollen. Nicht nur das, herrscht sogar auch hier über alles übergreifend der fatale Irrtumm, daß diese Mängel der Rede "rhetorische Mittel" seien, die einen vorgeblichen Inhalt verstärken oder überhaupt erst darstellen sollen. Die sich als Mängel schon dadurch ausweisen, daß sie einem Nachgeben entsprechen, also keine Höherführung der Form bedeuten, die dann in einer Haltung wieder "leicht" weil selbstverständlicher Brauch - usus - werden soll. 

Dienstag, 8. Februar 2022

Und warum Gott beim Sprechen auch nicht aufstößt, rotzt und schmatzt (2)

Und warum Gott beim Sprechen auch nicht aufstößt um das klimaschädliche CO2 freizusetzen, und warum er auch nicht rotzt und schmatzt - Halten wir nun einmal fest, was sich in dieser Sprechweise aufführt. Und das ist vor allem eine ungeheure "Transparenz" des Mediums, des Sprechenden selbst. Der alles verrät, sei es über seine Seele (Psyche), sei es über seine Stellung im Raum (Autorität, Selbstwertgefühl, Absicht mit der Rede und Gefühle, Erwartung der Anerkennung im Auditorium, ob er sich also mit diesem überein sieht oder das erwartet, Selbstanspruch auf Wahrheit und Bedeutung, etc.) Nichts also, auf das in sich er Sprechende transzendiert, kein Kostüm, hinter dem er verschwindet. (Siehe Anmerkung**)

Nun hat das zum einen sicher mit der technischen Entwicklng zu tun. In der Mikrophone in einem wahren Quantensprung schon dem schnuckeligsten Laien um wenig Geld eine rechnische Durchgängigkeit aufdrückt, die irrtümlicherweise als Qualität angesehen wird. Weil sie eben immer rückhaltloser ALLES erfaßt und (über eine noch weiter "optimierende" Speicherstufe) auf die Wiedergabequelle überträgt. Darin zeigt sich dieselbe Verquertheit des wirklichkeitsbegriffs, der sich in so vielen Begriffen wiederfindet, die zu einer Art Katalog des Guten und Wünschenswerten zusammengefunden wurden. Mit "Natur" und "Natürlichkeit" ganz oben auf der Liste. 

Montag, 7. Februar 2022

Warum Gott beim Sprechen nicht schnauft (1)

Rotzen, schnaufen, schwer atmen oder überhaupt alle Formen des Atmens, schlucken, rülpsen, stöhnen, quieken, husten oder hüsteln ... Wer heute der menschlichen Rede dort zuhört, wo diese Rede besonders bedeutsam sein soll (Autorität und technisches Medium sind interessanterweise sogar zu Kriterien von Autorität geworden; was in der Zeitung steht, was im Fernsehen kommt, was im Radio gesagt wird, was im Internet als Video die Megabitangaben der Provider erfüllt hat dann nahezu immer Autorität.) 

Was sich als regelrechte "Mode", als "Stil der Zeit" festsetzt, steht aber in bemerkenswertem Widerspruch zu dem, was jede gute Sprechschule immer noch als Merkmal des Guten Sprechens zu vermitteln versucht. Wo den Schülern zu vermitteln versucht wird, daß gutes Sprechen nicht nur die Aussprache der Buchstaben, Worte und Sätze beherrschen muß, sodaß der Hörer und Konsument den Inhalt einer Rede möglichst gut und intentionsgemäß vermittelt berkommt.

Mittwoch, 4. August 2021

Selbst Gott gegenüber fremd (2)

Weil wir nach Seinem Bilde gemacht sind, ist dessen innere Dynamik wie bei jedem Schöpfer-Geschöpf-Beziehung auch die unsere, und ist so unser Wesen. Es ist damit unser Schicksal, dieses Bild zu manifestieren. Was nur heißen kann, es als Geschenk anzunehmen. Denn das ist einerseits Schöpfung: Manifestierung. Inkarnation. Und das ist anderseits Welt: Annahme - Es merkmalen aber schon die 68er, und hier vor allem die Frauen Verwerfungen, die sich aus einer Unfähigkeit ergeben, Schuld "loszuwerden". Dieses Schuldloswerden ist damit der Schlüssel zum Verständnis. Der VdZ kennt auch so gut wie keine Frau dieser Generation und der folgenden, die wirkliche Vergebung erfahren hat und sucht. 

Die ein daraus folgendes entspanntes Verhältnis ihrer Schuld - die eine Disposition ist, die deshalb ins Selbst eindringt, als stünde dieses in einer durch ein Sieb geschützten Tauchglocke in einem dreißig Meter tiefen See - gegenüber hat. Weshalb die Frau alles (soll heißen: noch und weiter zunehmend mehr als noch vor vielleicht siebzig oder hundert Jahren) tut, um ihre Schuld zu vertuschen, zu verbergen, wegzureden. Die ihre Identität (und darum geht es vor allem: Als Ort, als Selbstsein in der Welt, als Stabilität und Dauer) durch die Entschuldigungsbitte des anderen, desjenigen, der noch Schuld einzubekennen vermag, der um die soziale Komplexität und Verwobenheit von Schuld und vor allem Sühne weiß, anderen zu erhöhen.) Ohne Schuld aber kein Soziales! (Hier wären auch acht Rufzeichen sachgemäß, wäre das nicht so häßlich weil nackt.** 

Umso mehr ist zur Manie unserer Postkultur (Kultur bedeutet ja vor allem eines: Sie bedeutet, allem und jedem sein "Ich" zu geben weil im Du, als anderes zu definieren! Das ist überhaupt erst Kultur!) geworden, "sich" zu suchen weil es angeblich im Leben und bei der Suche nach dem Glück (als angeblicher Sinn dieses Lebens, und nicht als bestenfalls verstehbarer Ausrutscher) um diese "Fähigkeiten" gehe. Daß seltsamerweise die Erfülltheit nicht mehr, sondern immer weniger geworden ist. Und bei den Jungen überhaupt zum flüchtigen Federchen wurde, das jeder Wind vom Ast zu blasen vermag, auf dem man es sorgsam und mit feinen Fingern platziert hat.

Dienstag, 3. August 2021

Selbst Gott gegenüber fremd (1)

Wer Gina-Lisa Lohfink ist, weiß der VdZ nicht. Die Zeitungen schreiben, sie sei ein "Promi" und reihen sie damit in jene undefinierte Definiertheit ein, die nichts zu einer sozialen Ordnung beiträgt, nur allerorts und auch beim Promi selbst Erwartungen schürt, bei denen man nie sagen konnte, ob sie erfüllt werden. Was das Etikett "Promi" also zum Erkennen, nein, im Sozialgefüge Markieren (!) einer Person - und das heißt vor allem: Zur Kriteriensetzung in der Begegnung - beiträgt, weiß der VdZ auch nicht. Aber es tut momentan nichts zur Sache. 

Diese Dame läßt nämlich nun die Welt wissen, daß sie ihre Schönheits-Operation bereue. Darin hatte sie sich die Lippen "aufspritzen" lassen. Man schiebt bei solchen Eingriffen Silikonmaterialien in Muskeln und Unterhaut. Sie würde es nicht mehr tun, meinte sie den Medien gegenüber. Die Lippen seien ihr zu groß. Aber man könne ja heute alles rückgängig machen, auch solche chirurgischen Eingriffe. Offenbar hat sie das auch vor. 

Montag, 3. Mai 2021

Heiterkeiten zum Tag

"Die, die sagen, daß ich zu klein oder nicht hübsch genug bin, sind kontraproduktiv für unsere Welt, die immer diverser wird."

QR Leni Klum

Sagte Leni Klum, die 16jährige Tochter von Heidi Klum, diesem Model in allen Dampfgassen. 

Dabei verfolgt offenbar Leni eine ganz eigene Linie. Denn jetzt hat sie angeblich sogar Bilder mit ihrer Akne auf Instagram zugängig gemacht. Warum auch nicht, schreibt sie sinngemäß dazu. SO BIN ICH EBEN. Und wie gesagt: In der Welt von heute muß nichts mehr irgendwelchen Anforderungen entsprechen. Weil einfach alles für alles reicht.

Na sicher, sie hat schon recht, wir leben tatsächlich in so einer Welt. Laufolympiaden der Beinamputierten gehören ebenso zum Alltag wie fettlose Fettcremes, zuckerfreie Süßlimonaden, cholesterinfreie Eier und gleich eierlose Biskuits, fleischlose Hamburger, nikotinfreie Zigaretten, glutenfreies Brot, koffeinfreier Kaffee und - seit jetzt - häßliche Models. 

Freitag, 27. November 2020

Wie war das noch mit der abendländischen Tradition?

Es ist durchaus amüsant (und auch David Graeber findet das in "Schulden. Die ersten 5.000 Jahre"), daß die Tradition der völligen Verschleierung der Frau in der Öffentlichkeit und in Anwesenheit von Männern nicht nur ins alte Assyrien zurück reicht, sondern daß er sich im antiken Athen, diesem angeblichen Ursprung des heutigen demokratisch-freiheitlichen Bewußtseins und damit der Gleichberechtigung der Frau (und was für Schmonzes sonst noch unter diesem Label unter Leute und Häute getrieben wird) bereits spätestens im 6. Jahrhundert vor Christus nachweisen läßt. Das gilt heute als gesicherte Erkenntnis der Disziplinen der Altertumsforschung.

Ja, während sich die Vollverschleierung der Frauen im übrigen Vorderen Orient der früheren Zeiten so gar nicht allgemein durchsetzte, war es ausgerechnet das demokratische Griechenland, in dem die unverschleierte Frau als Prostituierte, zumindest als Frau ohne Ehre galt. Ausgegangen war nach allen Befunden diese Sitte von den sittsamen Frauen der Adeligen und Noblen. Allen also, denen das Einfache, Schlichte und Unprätentiöse, die Schönheit des Rituellen, die Gelassenheit des Ruhens in der göttlichen Vorsehung Ideal und Vollkommenheitsmerkmal war. 

Unter Sokrates war es sogar üblich, daß sich die Frau, die auf sich hielt, zu Hause einschloß und sich nie in der Öffentlichkeit - zumindest nicht voll verschleiert - zeigte. Frauen, die am öffentlichen Leben teilnahmen, galten als Prostituierte oder dieser gleichwertig.

Wie anders war das doch als in den Gesellschaften in Syrien oder Persien. Wo sich die Verschleierung zumindest in vergangenen Zeiten so gar nicht durchsetzte. 

Diese Noblen aus griechischem Adel und peloponnesischer Heldenschaft waren bekanntlich auch die Gegner der schnöden Geldwirtschaft, die vor allem bei den Unedlen, den Armen, den weniger Sittlichen und Profanen mehr und mehr an Boden gewann. Geld auch nur anzufassen galt den einen als unedel und beschmutzend, den anderen war es unerläßliches Ziel allen Strebens. Es war ein Symbol der Erniedrigung, der Ehr- und Würdelosigkeit. 

Der Ehrenhafte zählt und rechnet nicht.
Die Lebensweisen, die Moden, die übernahmen diese letzteren - als unschöpferisch betrachteten - Schichten freilich gerne von den Geldverächtern. Immerhin war ja Geld nie mehr als ein Versuch, den Wert des Schöpferischen zu bannen, den man zuvor gestohlen hatte. Diesen blieb nur übrig zu imitieren, und sich so die Phänomene des Edlen (und andere gibt es nicht, andere sind nur mehr oder weniger mangelhafte Näherungsversuche ans Edle, Schöne, Gute, Wahre) so rasch als möglich anzueignen. 

Selbst das Geld, als Währung, als Zahlungsmittel im Handel nach heutigem Begriff ist ja ein Imitat der Unedlen. Sodaß aus einem Ausdrucksmittel des Edlen und Wertvollen im Sozialen ein Mittel zum schnöden Kauf und der banausischen Aneignung wurde, die zu sichern nur noch die Gewalt und das ausdrückliche Gesetz bleibt.

Mit allen Mitteln. Koste es was es wolle. Und sei es das Leben.

War aber die Achtung vor der Frau in Athen so ganz anders gelagert als im Orient, so kam es in Griechenland nie zur Versklavung der Frau. Wie im Orient. Weil dort (und nicht nur dort, sondern etwa in ganz Afrika) die Frau, noch mehr aber die Töchter und Verwandten als Pfand für Schulden, diese erste Frucht des Geldes, gegeben, in der Praxis damit als zu jeder Art von Dienstleistung verpflichtete Sklaven "verkauft" wurden. Denn dort war die soziale Verpflichtungs"schuld" den Schulden der Verschuldung gewichen. Die blieb in Athen dem Schuldner persönlich.

***

Was aber macht das Geld so "unedel"? Es holt die Existenz "in die Hand". Es macht sicher, was nie sicher sein darf! Jedes heldische Dasein ist immer ein Gang auf schmalem Grat, und es kann jederzeit in die Sklaverei führen. Das Risiko des Helden und Edlen ist groß, und analog zu seiner Höhe kann er auch binnen kürzester Zeit fallen. 

Der, der Geld hat, freilich "nicht". Er ist vielmehr bereits gefallen. Und er spielt kein Spiel, sondern er zementiert das Dasein in die Grundfesten der Kontrolliertheit und angstgetriebenen Gier. 

Damit reißt es aber den Menschen aus der Höhe des Geistes und zieht ihn in die Niederungen der Welt des Toten. Wo immer (und in dem Grad) eine Kultur vom Geld (und nicht von der Ehre) beherrscht wird, ist sie eine Kultur des Todes geworden.

Geld macht gleich und stellt damit Identität in den ständigen (sinnlosen, sisyphosartigen, nie zu befriedenden und ehrenlosen) Kampf. Es ist deshalb von Archilochos mit der porne, der gemeinen, willfährigen Frau vergleichbar. Aber es wurde bald weit mehr als alle gleichmachendes Ziel aller. Es wurde bald von allen tatsächlich gebraucht, weil sich immer weniger im Gemeinwesen über das Soziale, über die humane Verbindlichkeit regeln ließ. 

So sehr das auch manche erschrecken möge, für die der Kampf gegen die Verschleierung zum Pferd eines vorgeblichen Kulturkampfes gegen eine "Islamisierung" des Abendlandes wurde - nicht nur gehört der Schleier in die abendländische (und NICHT in die morgenländische!) Kulturtradition, sondern er ist humanes Merkmal des Edlen, Hohen, das sich im Vorsehungsstrom des Seins geborgen weiß. 
Das sich nicht in der Entblößung zufrieden gibt, der jede (!) Bekleidung zur unerträglichen und unzumutbaren Anstrengung der Begegnung mit einem Anderen wird. Das nicht ihr Leben auf die Ebene des Geldes verflacht, das alles gleich und formlos macht.

Seit je hat eine solche Verflachung alles und in rasendem Tempo verändert, auch im antiken Griechenland. Sogar der Arme hatte nun eine Chance, aus eigenem Antriebe zu Geld zu kommen - indem er sich den Begierlichkeiten der Geldbesitzenden auslieferte. Wie die Dirne. Wie anders doch in einer humanen Gesellschaft. 

Wo jeder sich dem Nächsten gegenüber verbunden fühlt, diesen an seinen Gütern und an Lebensweise nicht nur ein wenig, sondern maßlos teilhaben zu lassen. Während der Nehmende sich in allem Bangen weiß (dem die Dankbarkeit erwächst), von der Gnade dieses Nächsten abzuhängen. 

Stattdessen löst aber das Geld diese soziale, humane Bindung auf, weil es neutralisiert und abstrahiert. Genau das war ja die Absicht des sozialistischen Sozialstaats.

Natürlich haben wir, die wir ein wenig vom Menschen kennen, auch die Pflicht, das Faktische, die nackte Realität (in doppeltem Sinn) zur Kenntnis zu nehmen, und damit umzugehen. Sodaß auch unser Leben zu einem schwierigen Lavieren auf rohen Eiern wird. In der Suche nach der rechten Balance zwischen dem Leben selbst, und einer im Faktischen notwendigen Berührung mit der Ebene des Toten, des Geldes also. Mit welchem Phantom wir so vielfach verflochten sind.* 

Aber wir haben die Chance insofern zu überleben, als wir, wenn wir darum wissen, auch in unseren alltäglichen Urteilen zwischen dem, was wirklich ist, und dem, was wir faktisch berücksichtigen müssen, zu scheiden vermögen. Weil wir vertrauen, daß dieses Unkraut, das uns so plagt, eines vollen Tages ausgerissen und auf den Misthaufen geworfen werden wird. 



*Sehen wir doch hin, wieviele Phantome sind es längst, die uns umgeben und mit denen wir umgehen müssen, obwohl wir sie in ihrer Spukhaftigkeit erkannt haben. Vergessen wir dabei nur nicht, daß uns der Regen wohl naß machen, aber unsere Seele im Letzten nicht ertränken kann.


*161120*

Montag, 22. Juni 2020

Bonelli, der Psychiater in der Unterwäsche

Aber wollen wir doch, zum Nachstreuen sozusagen, noch etwas aufgreifen, was bei Raphael Bonelli fast zum Markenzeichen in der Corona-Krise wurde. Wo er in sehr kurzen Abständen Videos ins Netz zur Veröffentlichung über Youtube stellte, in denen er - typisch Liberaler - über den Corona-Wahnsinn zu jammern begann, sobald er davon selbst gestört wurde. 

Denn auch er, wie die allermeisten, haben sich erst als Kritiker gemeldet, als der Urwald bereits gerodet, das Feld weit und übersichtlich, und die Kritiker sich unter zahlreichen ihresgleichen wußten. Daß das, was sie nun als so "offen erkennbare" Schrecklichkeit vorfanden, einige Wochen oder Monate zuvor zum einen (dem Sehenden) erkennbar, aber da noch zu verhindern gewesen wäre, spielt dann keine Rolle mehr.

Aber wir wollen hier nicht weiter des Psychiaters und Arztes Thesen und Sichtweisen zerlegen, sondern wir wollen nur das T-Shirt heranziehen. Denn eigentlich, eigentlich erklärt es selbst schon alles. Wie immer eben: Die Wahrheit steckt in der Gestalt. Die Tiefe liegt, wie Albert P. Gütersloh es einmal elegant formulierte (und was jeder Psychologe sofort bestreitet, ja angreift), die Tiefe liegt außen. 

Wenn also als Merkmal der Psychologie, die sich im 20. Jahrhundert auf der Grundlage von Sigmund Freud vor allem so rasant zur Welt- und Menschenerklärungsmaschinerie entwickelte, die in Wahrheit alle auflöst und verwirrt und zerstreut, weil total relativ macht (was mit wissenschaftlicher "Neutralität", Wertungslosigkeit begründet wird), wenn also das Merkmal der Psychologie das Innen nach außen zu stülpen ist, so passiert das genau bei dem, der ein T-Shirt als gültige Letztbekleidung verwendet. 

Denn das T-Shirt ist ein Unterleibchen. Es ist auch dann noch ein Unterleibchen, wenn es wie seit fünfzig Jahren (und heute endgültig allgemein) als Außenbekleidung getragen wird. Und es bleibt ein Unterleibchen, wenn es selbst bei nobelsten Anlässen für modisch und tragbar erklärt wird. Das zeigt nicht, daß es "salonfähig" wurde, sondern es zeigt, daß das Tragen von Unterwäsche allgemein als ausreichend gesehen wird. 

Daß es sich von der Mundl-Ästhetik des Rippchenleibchenträgers, der am Küchentisch sitzt, eine Flirt raucht, und ab und zu an seiner Bierflasche nippt, während der Fernseher läuft, unterscheidet, liegt an dem simplen Umstand, daß es in dieser Form ein Unterwäscheteil amerikanischer Soldaten war. Also in den USA geboren wurde. Aber interessanterweise ging es nicht zu jenem Zeitpunkt in unseren Kulturschatz über, als diese Soldaten tatsächlich unsere Länder besetzt hielten, sondern kam mit den Hollywood-Filmen, und einigen der von Hollywood gemachten (man kann das wörtlich nehmen) Ikonen der Gegenwart. 

Man kann und sollte übrigens - nicht nur hier - sich wieder angewöhnen, jedes Wort wörtlich nehmen. Wir haben in der Sprache ein sehr analoges Problem, zu dem bei T-Shirts, Dinge, Gestalten sind eben "Fraktale", so könnte man es sehen. Sie sind in allen Größen, Bereichen, auf allen Ebenen von derselben Grammatik gestaltet und geprägt. Wer die Grammatik des Seins - die Trinität! - kennt, sich bemüht sie zu erkennen, wird deshalb die gesamte Welt einordnen können. 

Soviel sei damit auch zur Überlegenheit von Experten gesagt. Die nur dort überlegen sein können, können!, wo und weil sie quantitativ dem Laien überlegen sind. Und weil die Intensität der Beschäftigung damit, mit der Quantität, vielleicht noch geholfen hat, die innere Charakteristik der Dinge durch allen Momentschein hindurch schneller und schneller klar zu erfassen. Umgekehrt hat jeder Laie den immensen Vorteil, sich nicht von Details geplagt und verwirrt über den Gesamteindruck (der meist ein instantaner, also der erste Eindruck ist) sofort der Gestalt zuzuwenden, denn die begegnet ihm zuerst. 

Und von dort aus die Charakteristik des Ganzen (das sich im Detail nur als Fraktale fortsetzt, wie gesagt) zu erkennen. Dieser Charakteristik muß dann auch alles sonst folgen, was an Detail noch ins Spiel kommt. Und es ist von großer Bedeutung, über die Details nicht diese Gesamtcharakteristik aus den Augen zu verlieren. Genau deswegen fällt ja heute auch auf, daß die sogenannten Wissenschaftler sehr oft ihre Autorität über Details unterstreichen wollen, in denen sie natürlich dem Laien überlegen sind. 

Aber sie wollen damit in den allermeisten Fällen nur die Autorität behaupten, indem sie den Laien verwirren wollen. Dem sie einreden, es wäre wissenschaftlich, wenn man bereit sei, sich über das Detail die Gesamtcharakteristik als unzutreffend aus der Hand schlagen zu lassen. Dazu zählt auch der Bezug auf berühmte Namen. Was Bonelli gerne mal tut, indem er Freud oder Jung oder irgendeinen anderen Autor in die Runde wirft.

Aber Details, Einzeldinge, Teile eines Ganzen unterscheiden sich voneinander nur durch den Wirkbereich, der ihrem Wesen, ihrer Art, ihrem Ort in der Ordnung der Schöpfung entspricht. Die Grammatik, die Charakteristik (so könnte man auch sagen, aber der Begriff hält nicht immer) des Selbstseins eines Dings - und weil etwas nur es selbst ist, wenn es tätig ist, sonst zerfällt es ins Nichts, bedeutet auch das ein aktives Tun und Wirken - ist immer von ein und derselben Charakteristik geprägt. Im Ganzen wie in allen Teilen.

Je integrierter ein Teil ist, zu je umfassender Eingliederung das Prinzip des Ganzen ist, desto mehr. Das heißt also, daß auch ein T-Shirt, dieses Unterwäscheteil, zu einer handfesten Aussage über die Gesamtheit einer Person heranzuziehen ist. Schon gar, wenn es nicht als Einblick in ein intimes privates Geschehen gelten soll, sondern als Bekleidung bei einem Auftritt vor einer Öffentlichkeit, die in die Zehntausende geht.

Bei Bonelli ist (wie bei praktisch bei jedem seiner Branche) der Formverzicht also grundsätzlich und charakteristisch. Wobei man bei Psychologen eigentlich sagen müßte: Die Unfähigkeit zur Form. Form widerspricht nämlich dem Wesen der Psychotherapie, wie sie heute verstanden wird. Sie würde definieren, den Patienten festlegen, in einer Beziehung Formelles fordern, und das würde der Universalität des Herumstocherns in den Seelen widersprechen. (Na und wie erst dem Wissenschaftsgebot, eh schon wissen.) 

Die Psychologie des 20. und erst kürzlich begonnenen 21. Jahrhunderts ist eine Rhetorik des Formverlusts. Das ist ihr Merkmal, das auf ein Menschenbild zurückgeht. Wobei man eigentlich sagen müßte, daß diese Gestaltlosigkeit das Menschenbild selbst geformt hat. Es war also zuerst (!) der Abbau der Formen in dieser Kultur, der DANN die Thesen formte, nach denen gedacht wird. Denn diese Formbarkeit nach einer Kultur, also nach den Formen, nimmt im selben Maß zu, wie die Abnabelung von der Vergangenheit, die Mißachtung der Tradition, also der Aktualismus zunimmt.

Also trägt auch Bonelli die Standes- und Zeittracht - das T-Shirt. Also tritt er in Unterwäsche an die Öffentlichkeit. 

Schön von einem Hintergrund untermalt, in dem ab und an auch ein Kind (jünger an Jahren als sein Erzeuger) auftritt (wie menschenfreundlich, wie kinderfreundlich sind wir doch heute! Das gehört zu einer lieben, guten Person heute doch dazu!? Schon gar mit katholischem Unbedenklichkeitsausweis?) 

Inmitten einer Wohnumgebung, die der VdZ nur zu gut kennt ... Häuser, die "individuell" gestaltet, "ganz nach den Wünschen" der Häuselbauer errichtet wurden, mit Schrägen und in Dachböden eingepaßten Regalen mit (richtig!) Taschenbüchern. Praktisch ist das neue Paradigma, auch in der Ästhetik, diesem Zeitstil, der gar kein Stil mehr ist, denn dazu müßte er von Formbedürfnissen ausgehen, nicht von Funktionen. Man denkt aber heute nicht mehr von den Gestalten her, und deren Anwägung. So sehen dann auch die Häuser aus. In der Psychologie wie in der Architektur. Fraktale, auch hier!

Und so wird vor allem gelebt, so ist die Lebensweise: Das Funktionale ersetzt die Form und ist Ausgangspunkt der sich dann ergebenden Form. Man baut heute die Häuser von innen nach außen. Angeblich. Man setzt sich zuerst mit den technischen Anforderungen auseinander, und diese beantwortet man. Das alleine ergibt dann die Form. Was in der Architektur mehr und mehr zur Verwendung von Glas geführt hat, mit Innenwänden, die jederzeit änderbar sind, mit Außenhüllen, die sich irgendwelchen Formvorstellungen einfügen, mit der Gestalt der späteren Bewohner aber nur noch technisch, nicht in der Beziehung als Gestalt eines Ganzen zu tun hat. Diese wird bestenfalls "erklärt". 

Wobei viele Bücher in der Psychologie tatsächlich nur in Broschur erhältlich sind. Auch hier also Formverzicht als Prinzip. Das Argument des "leistbaren Preises für notwendige Literatur" ist jedoch ein (oft gehörtes, aber nie zutreffendes) Scheinargument, auf das wir nicht weiter eingehen wollen. In Wahrheit ist nämlich auch der Preis, ja gerade der Preis, eine Aussage der kulturgeformten, kulturimmanenten Beziehung von einem Ort beziehungsweise zu einem Ort, aber lassen wir das jetzt.

Die Psychologie des 20. Jahrhunderts hat sich auf dieselbe Art entwickelt. Sie ist ein Etikettenschwindel, das heißt, sie erklärt ein und dasselbe Phänomen (Ding) zu "etwas anderem", gibt nämlich vor, daß das, was ein Ding ist, von einem selbst und beliebig definiert werden könne. Was die gesamte Welt unendlich reduziert.

Was sich heute als Seelenkunde offenbart, ist der Regress auf die Auflösung aller Formen. Diese werden als "starr" und die Freiheit "be-/verhindernd" angesehen. Will man zur wirklichen Seele (Schluß mit den Anführungszeichen, es würde nur so wimmeln davon) vordringen, muß man somit wie ein Kind werden. Denn auch das Kind hat noch keine von sich aus geprägten, und nur wenige von außen auferlegten Formen (als ausgeprägte, gehaltene, gestaltete Beziehung). 

Und einem Kind verzeiht man schon mal, wenn es in der Unterwäsche herumläuft. Denn es hat das Schamgefühl noch erst nur auf den eigenen Leib bezogen.  Noch nicht auf die weiteren, immer mehr kulturbezogenen Kreise, zu denen Bekleidung dann gehört. Wer Welt und in der Welt ist, ist das nur in der einen oder snderen Form "bekleidet". 

Und hier entwickeln sich Normen aus der bloßen Leibgrenze hinaus zum Sollensgebot - Gebot, weil es auf die Selbstüberschreitung ankommt, nicht aufs "wie ich mich fühle" o. ä. - auch in der Kleidung. Ohne bloß relativ zu sein. Auch in der Kleidung steckt jene archetypische Wesensbewegung, die von Grundformen ausgeht und diese in je nach Kulturhöhe in immer subtileren, feineren, quantitativ wie qualitativ diffizileren Formen (wie im Fraktale) weitertreibt.

Also bleibt Unterwäsche immer Unterwäsche, wo die Grenze zur Außenwelt noch gar nicht ausdifferenziert ist! Wie es der Massenmensch etwa zeigt.

Der Priester tritt deshalb nur im Talar auf. Der VdZ hat einige Beispiele dazu im Netz gesucht und gefunden. Selbst für Liberale gilt da: Sogar sie tragen meist Talar, wenn sie sich direkt an ein Publikum richten, also die Gestalt Priester bedeutend ist. Zumindest haben sie Priesterkleidung, schwarzer Anzug und römischer Kragen trifft da ebenfalls den Dresscode. 

Was es im Vergleich damit über einen Psychiater sagt, dessen Beruf es (wie der des Priesters) ist, seelisch Kranken oder Bedürftigen zu helfen, wenn er in der Unterwäsche als Kind vor die Menge (und in welcher Größe, in welcher Unkontrollierbarkeit, also Bedeutungsgestaltung der Begegnung, die immer eine Begegnung "als" ist: Youtube!) tritt, mag nun dem Leser überlassen bleiben. 

Denn wie gesagt: Die Tiefe liegt außen. Jeder kann die Grammatik des anderen sehen, die sich als Fraktale entfaltet. Die Verwirrung dieser Zeit liegt deshalb in der Schizoidität als Grundströmung, in der nichts mehr sein soll, was es ist. Und als was man es untrüglich erfaßt. Im Anfang. Ehe die begriffszerstörerische Sophisterei der Psychologie beginnt.



*290520*

Samstag, 2. Mai 2020

Eine Pandemie, an der niemand verstarb

Was die untenstehende Graphik zeigt, sind die Zahlen der Toten in Europa seit Jänner 2016. Man beachte die Spitze am Ende der Zeitlinie, die sich durch eine "Stufe" zuvor etwas abgefedert hat, um in Summe in altbekannte Höhen zu steigen. Vermutlich die Folge der größeren und enormen medizinischen Anstrengungen, um "die nationalen Gesundheitssysteme nicht zu überfordern", oder so. 
Dann aber entspricht er völlig dem normalen Spitzenwert durch die übliche Grippeepidemie. Es sind also durch eine "Corona-Pandemie" nicht mehr Menschen gestorben als ohnehin gestorben wären! Das viele Geld, um es salopp zu formulieren, das in die Intensivfürsorge investiert wurde, der enorme wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden, den der Shutdown gebracht hat, war völlig sinnlos! Alle die Anstrengungen und Maßnahmen haben bestenfalls eine recht unwesentliche Verzögerung in einem völlig normalen Geschehen bewirkt. Wie eben manche Mediziner sowieso in dieser Corona-Krise festgestellt haben.
Solche Tatsachen sind es, die jede Theorie, jede Spekulation über Ursprungsort oder Instrumentalisierung eines gar noch "Wuhan-Virus" genannten Krankheitserregers - der ja gar keiner war, der besondere Beachtung verdient hätte! - seltsam aussehen lassen. Zu diskutieren, ob es sich dabei um eine Verschwörung oder eine Verschwörungstheorie handelt, ist überhaupt nicht notwendig. Oder kaum mehr als eine Instrumentalisierung eines Phantoms in einem Krieg zwischen den USA und China. Seltsamerweise ist diese Betrachtungsweise in den USA aber - blockübergreifend! - sehr populär.



Was ist aber eine Pandemie, an der niemand stirbt? Wohl eher eine Mode. Oder eine Manie. Oder eine Hysterie, eine Art "Beatle-Mania". Alle wollten dabei sein. Vor allem die Jugend. Die ist noch nicht so gefestigt, um Ansprüngen des Augenblicks durch Verankerung im Geist zu widerstehen, und so die Einordnung des Sinneseindrucks in eine Ordnung des Verstandes, also in die Vernunft, möglich zu machen.



Wem diese Art der Behandlung des Themas zu flapsig ist, der möge sich dieses sehr erhellende, nüchterne Interview mit Prof. Dr. Bhakdi anhören. Der Virologe und Epidemologieforscher erklärt nicht nur die Statistiken und deren Zustandekommen wie Sinn (wir verweisen hier noch auf den vorige Woche erschienen Artikel von W. M. Briggs zu den Sterbestatistiken), sondern auch, warum es sinnlos ist, gegen Covid19 impfen zu wollen, also auf eine Impfung "zu warten".







*170420*

Freitag, 27. März 2020

Honi soit qui mal y pense (2)

*Teil 2) Zu Norditalien - Kleiner Grundkurs
in der Geschichte des Kapitalismus



*Die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte zeigt, daß weltweit Wohlstand und Reichtum auf Herstellung wie Handel von Textilien aufgebaut ist. Deren Wurzeln bis hinein in Landwirtschaft und Chemische Industrie - Stoffe und Fasern! - reichen. Sie entwickelt sich überall in derselben Dynamik einer Internationalisierung, aufgrund immer noch hoher Handarbeitsgrade zu niedrigen Löhnen und hoher Mechanisierung. Anderseits verfallen die Rohstoffpreise, was diesen Ertragsdruck bis in Landwirtschaft und Grundstoffindustrie weiterreichen läßt. Auch dort mit denselben Folgen einer Umwälzung der Folgen (soziale Folgen, Umweltzerstörung, Schwächung der Religion, Schwächung der Familie, etc.) auf die Allgemeinheit durch ein Zerreißen der Kostenwahrheit. 

Der Konkurrenzdruck erfordert aber auch einen immer höheren Kapitaleinsatz, macht wiederum Fremdkapitalien nötig, was zur Ablösung von Unternehmen von UnternehmERn führt. Umso leichtfertiger erfolgen Unternehmensentscheidungen, die die Kostenwahrheit zerreißen und Folgekosten auf die Allgemeinheit umwälzen. Was wiederum nur durch weitere Verflechtungen (INvestitionen in Medien und "Bildung", s. u.) Akzeptanz findet und verschleiert werden kann. 

Aufgrund der Zwänge aus Zinsen unterliegen lokal wie international (und heute global) Textilfabriken immer ausschließlicher denselben mathematischen Anforderungen wie Zinsrechnungen. Das hat unmenschliche Arbeitsbedingungen zur Folge, in denen sich die Löhne nicht mehr an (lokalen!) Gegebenheiten und Lebensformen orientieren. Was wiederum zur verstärkten Entwurzelung der Arbeitenden führt, die in Funktionen aufgelöst einerseits immer internationaler werden, anderseits die Frau als Billiglohn-Reservoir und somit Lohnkonkurrenz zum Mann etablieren, also Motor des "Feminismus" sind.

Die mathematische Logik, der aufgrund des immer stärkeren Konkurrenzdrucks bald sämtliche Unternehmen durch nötiges Fremdkapital für Investitionen in Maschinen unterliegen.

Zu immer geringeren, vor allem nicht mehr familien-nährenden Löhnen Arbeitende - die Folge ist ein Rückgang der Geburten, was wiederum einen Sog für zuwandernde Arbeiter aus Gebieten mit niedrigerem Wohlstand erzeugt - stehen einer immer kleiner (weil zentralisierter) und immer reicher werdenden Schichte von Kapitalbesitzenden gegenüber. 

Deren Interessen - getragen von entpersönlichten Kapitalerträgen - sich immer stärker auf von der eigentlichen, ursprünglichen Branche losgelöste Bereiche richten. Und deshalb starken Einfluß in Politik, Kunst und reinen Investitionsbereichen (Immobilien, Edelmetalle, Geldverleih), aber auch in Medien und (nutzenorientierte) Bildung gewinnen. Jeweils getragen durch die Macht des Kapitals als Macht gesellschaftlich-kultureller Bewegung.



*240320*

Mittwoch, 4. März 2020

Spiegelbilder reichen nicht für Mode

Ein Einblick in die Männer-Herbstkollektion 2020 von Gucci. Was in der Kunst Teil ihres Programms ist - Spiegel zu sein - ist aber in der realen Welt formenprägend und autoritatives Leitbild. Und der Leib formt den realisierten Anteil der Seele, ist dem innersten, noch gestaltlosen Entelechieanspruch des Seelenkerns fördernd oder hindernd. Welcher Kategorie diese "Mode" (als "gewünschte Mode") der Verweigerung der Erwachsenheit zugehört, mag der Leser selbst entscheiden.

Der Zustand der Kultur unserer Völker - mit Pubertierenden an der Spitze* - entspricht freilich einem Zustand, in dem Kinder die Macht erhalten haben, die Umstände zu bestimmen, die sie bestimmen sollen. (Noch-)Nicht-Persönlichkeiten gestalten aber alles nach Nicht-Welt. Das geht so lange gut, wie die Welt, die man draußen hält, nicht hereinbricht. Als Versuch, auch ohne Geschichte leben zu können.

Ein Modedesigner hat jedenfalls mehr und anderes zu tun als "Kunst" tut, da vergreift er sich in der Schublade, so aufschlußreich diese Gewänder auch sind. Die auch den Konflikt des Seins mit dem faktischen Seienden (und seinen erdrückten Anteilen des Seins - der "Fetzenlook", der jetzt zum Eklektizismus wird, dem inmitten des Gestaltverlusts, in mitten der kulturellen Diffundierung nicht einmal mehr pädophile Elemente fehlen, ist kein Zufall) erfahrbar machen. 

Aber Mode hätte mehr zu sein. Sie muß Antwort geben, nicht nur Fragen stellen.








*Die Forderung nach Frauenquoten, die Tatsache, daß in Österreich sogar schon acht der 15 Minister Frauen sind, entspricht dem Wunsch der "Autoritäten" (als jene, die die Stühle der Herrschaft okkupiert haben, weil diese leer standen und niemand wagte, sie zu besetzen) nach der Mutterschürze.



Freitag, 24. Januar 2020

Der subtile, aber sichere Tod der Lebenswelten (2)

Teil 2) Weitere Leichen im Plastikkeller



Apropos Polyester. Apropos Plastik. Apropos Kunststoffe und Meer. Hadmut Danisch bringt einen Bericht, der unsereinen überrascht. Denn er zitiert Studien die belegen, daß es einen Faktor gibt, der die Meere mit Mikroplastik versorgt, an den wohl kaum jemand denkt - und das sind aus Textilien ausgewaschene Kunststofffasern! Dieses Problem ist umso akuter geworden, als sich in den letzten Jahrzehnten ein furchtbarer Trend entwickelt hat. Während die Moden immer kurzfristiger werden, also immer mehr neue Kleider - denn in erster Linie sprechen wir hier von Damenmode! bei Männermode sieht die Sache völlig anders aus - in immer kürzeren Abständen produziert und verkauft werden, werden diese Kleider immer kürzer getragen und wandern in den Müll. 

Oder auf afrikanischen Textilmärkten als Billigware, um dort die heimische Produktion zu zerstören und die Sozialprobleme dramatisch zu vergrößern. Denn die gesamte Kette von Arbeit und Wertschöpfung, die das Fundament jeder Wirtschaft darstellt, bricht dort weg. Von der Grundstoffproduktion in der Landwirtschaft über die Weberei, die Schneiderei und den Handel. Wohlstand hat sich aber weltweit und über die gesamte Menschheitsgeschichte verfolgbar immer durch die Textilbranche aufgebaut! 

Aber noch etwas kommt nun dazu: Weil die Modezyklen immer kurzlebiger werden, wird die Menge der entsorgten weil unverkauften Textilien immer gigantischer. Vergleicht man die Jahre 2000 mit 2014, so hat sich die Menge an produzierten Textilien pro Jahr um 60 Prozent gesteigert, während die Nutzungsdauer um 50 Prozent zurückging. Warf eine Bekleidungsfirma in Europa im Jahre 2000 noch zwei Kollektionen auf den Markt, so waren das 2011 bereits fünf. Einige wesentlich mehr. Zara bietet pro Jahr sogar schon 24 Kollektionen, H&M immerhin noch zwischen 12 und 16. Die Konsequenz? Jede Sekunde landet die Menge eines Müllwagens an unverkäuflicher Kleidung auf dem Müll. Insgesamt werden nämlich 85 Prozent der produzierten Kollektionen nicht verkauft und deshalb entsorgt. 

Doch nun kommt's: Das Problem für die Meere wird, daß aus dem WASCHEN der Textilien (vor allem bei neuen Kleidern) jede Menge an Mikrofasern herausgewaschen wird, und im Meer landet. Jährlich sind das mittlerweile geschätzte 500.000 Tonnen. Das entspricht etwa der Menge von 50 Milliarden Plastikflaschen. Viele dieser Fasern sind Polyester, also Plastik, das in rund 60 Prozent aller Stoffe enthalten ist. Warum aber ist das so? Weil Frauen elastische, also "formdynamische" (um nicht zu sagen: figurbetonende) Stoffe bevorzugen, das ist weltweit einfach so. Und es ist der Grund, warum es im Modebereich immer weniger reine Naturfaserkleidung gab und gibt.

Die Herstellung von Polyester wiederum produziert rund das zwei- bis dreifache an Kohlendioxyd wie Baumwolle, und es löst sich auch bei weitem nicht so einfach auf wie Baumwolle. 2017 gab die International Union for Conservation of Nature (IUCN) einen Bericht heraus, in dem sie darlegte, daß rund 35 Prozent des in den Ozeanen zu findenden Mikroplastik vom Waschen von Textilien stammt, die synthetische Bestandteile wie Polyester haben. Insgesamt läßt sich überhaupt der Anteil der Textilindustrie weltweit auf rund 10 Prozent des gesamten Ausstoßes an CO2 beziffern.

***

Danisch weist aber auf noch eine Leiche in den Kellern der modebewußten Damen hin. Und das ist die Zerstörung der Innenstädte. Warum Zerstörung? Weil die Modeketten überall die Läden in den Innenstädten betreiben. Diese Nachfrage treibt überall die Mieten in die Höhe. Genau dadurch aber werden diese Geschäfte nur relativ kurze Zeit betrieben, denn als Folge ziehen die übrigen Branchen weg, die sich solche Mieten nicht leisten können. Anders als die Modebranche, als Modehäuser, die ja mit gigantischen Margen arbeiten, weil sie billig in Bangladesch oder Bhutan produzieren lassen, und den Rest als Modeaufschlag. Das Verhältnis von Herstellungskosten zu Verkaufspreisen im globalisierten Textilmarkt beträgt etwa 1 : 30. Was also in den Lohnschneidereien in Pakistan oder China ein Euro an Arbeitsentgelt kostet, wird in New York, Berlin oder Wien um dreißig Euro verkauft.

Ist aber die Umgebung einmal leer und unattraktiv, ziehen auch die Modeketten sofort um. Schon gar, wenn sich bessere, höher frequentierte Verkaufslagen anbieten, in die sich die anderen Läden verzogen haben. Und das sind überall an die Peripherie verlagerte Einkaufszentren, die gebaut werden, wenn und weil der Branchenmix in den Innenstädten nicht mehr existiert. Kunden wollen ja alles möglichst eng beisammen, und außerdem nur fünf Schritte zum Auto gehen, weshalb man ja mit autofreien Fußgängerzonen, die man lange Zeit als Ausweg meinte etablieren zu müssen, praktisch immer nicht mehr bewirkt hat als den endgültigen Tod eines Stadtzentrums.

Die Folge? Die Innenstädte stehen leer. Und die unsäglichen Einkaufszentren, die der Tod jedes natürlichen und menschengemäßen Sozialraumes sind, in die diese Geschäfte umziehen, bestehen notwendigerweise (Mode ist der unverzichtbare Frequenzmagnet) zu einem überwiegenden Teil aus Modegeschäften, die somit auch auf diese Weise die angestammte, natürliche Lebenswelt ruinieren. Und schon gar die Innenstädte, die originären, einzigen, wirklichen Lebensumwelten, die man bei "Stadt" so nennen könnte. Ach so, die brauchen wir für die vielen zugewanderten Facharbeiter. Denen wir dann auch gleich die Filetstücke unserer Kultur zur Verfügung stellen. Und das alles wegen ein paar Modefetzen. Zusammenhänge gibt's ...

Was kommt aber nun als Nächstes? Verbot von (Damen-)Mode? Zwang auf schlabberige Naturfaser umzustellen? Tja, der nächste Schuß ins Ofenrohr der Weltrettung. Denn wenn man die Ökobilanz von verarbeiteten Naturfasern ansieht, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Und wird vielleicht zum Plastikfan. Und was ist mit den Schuhläden? Immerhin ist Indien der größte Lederproduzent der Welt. Und billige Arbeitskräfte haben die auch wie Schnee am Himalaya.

Genug. Das wollen wir alles gar nicht mehr wissen. Außerdem: Wer soll dann die Ökobrüllerei noch finanzieren?




Donnerstag, 23. Januar 2020

Der subtile, aber sichere Tod der Lebenswelten (1)

Man kann es bestenfalls noch mit Sarkasmus kommentieren, was sich da um Greta Tumpswuschel abspielt. Die nun - Gott sei es gepfiffen und getrommelt! - doch über den Atlantik "CO2-frei" kommt. Eine Familie, die per Yacht seit Jahren - grundfinanziert von Gönnern, aktuell finanziert durch ihre laufenden Berichte als Weltenbummler und Selbstversorger (sic!) auf Youtube - über die Meere gondelt, nimmt sie nach Spanien mit. Auf einem schnittigen, recht luxuriös ausgestatteten Katamaran aus ... Polyester mit Glasfaserverstärkung. Der Leser möge mal einen Blick auf einen der Herstellungsprozesse (Imprägnierung) der Yacht werfen.

Da fährt also Gretchen in einem Plastikboot nach Spanien, um dort die Welt vor Plastik zu retten. Wo sie auf die Hochgrade der steuerfinanzierten Weltrettung trifft, die freilich schon per Flugzeug angereist sind. 

Und die Musik spielt dazu.



Wie so oft lügt sich da die halbe Welt in den eigenen Sack. Denn klar, ein Segelboot verbrennt (außer für manche Bordeinrichtung) wenig fossile Brennstoffe. Aber die Herstellung des Ganzen, die Wartung, etc. etc., noch dazu in Bezug zum Nutzen gesetzt, ist kaum noch bezifferbar hoch. Wie die gesamte Szene der Einrichtungen, vom Windrad zum Elektroauto oder wie hier: Zur Segelyacht, liegt der Wahnsinn in der Herstellung jener Einrichtung, die dann - angeblich - die Welt rette, weil im Betrieb weniger CO2 ausgestoßen wird. 

Was schon an sich ein Unsinn ist, weil alle diese Einrichtungen eine oft exorbitant geringere Energiedichte aufweisen, um "denselben Effekt" (Transport von so und so vielen Kilogramm an Dingen) zu erzielen. Genau diese Energiedichte und die damit verbundene Effizienz war aber der Grund, warum diese Dinge überhaupt erfunden worden sind. Arbeit, also Energie, und damit Wert, läßt sich aber nur mit einer Steigerung der wirksamen Energiedichte senken bzw. effizienter gestalten.

Morgen Teil 2) Weitere Leichen im Plastikkeller





Samstag, 4. März 2017

Auch Renault bleibt sich treu

Wie sehr Renault aber mit exakt diesem Konzept arbeitet, beweist dieser Werbefilm derselben Automarke.  Zu dem es enorm viel zu sagen gäbe. Beschränken wir uns aber auf den Aspekt, den wir gestern bereits angedeutet haben, er wird hier noch deutlicher. Und als Renault voll bewußtes Verkaufskonzept erkennbar. Was dem VdZ doppelt klug erscheint, denn auf "ewige Werte" zu setzen entspricht nicht dem Image einer Automarke, die - sehr französisch - auf Mode und Chique, also auf Zeitwellen und eher Oberflächliches gesetzt hat. So wie alle diese Aultomarken die Oberflächlichkeit der Gegenwart bedienen. Also bedienet man ungeniert jedes Klischee, das existiert, und wenn es noch so unwahr ist.

Eine Firmentradition also. Schon früher belegte der legendäre Rost der Franzosenkutschen ja diese Orientierung. Ist die Mode vorbei, hat sich auch das Auto aufgelöst. Und das hat durchaus etwas recht Liebenswertes, ja in manchem Tröstliches. Man muß Renault-Fahrer nicht wirklich ernstnehmen. Im Gegenteil, wer die im Filmchen dargestellten Moden vertritt will gar nicht ernst genommen werden und hofft auf den Rost, der ihm alle Arbeit abnimmt, die Selbstverfehlung aus eigener Anstrengung zu überwinden.









*220217*

Dienstag, 9. Februar 2016

Einladung zum Fasching

Wie sehr selbst "nach Sylvester-Köln" wesentliche Elemente der Fragestellung ausgeblendet werden zeigt sich ... an der Empörung über die Aussagen eines islamischen Imam. Dieser hatte im russischen TV (angeblich; nun wird über die richtige Übersetzung gestritten) die Meinung geäußert, daß Frauen, die wie in Köln leicht bekleidet und parfümiert aufträten, "Öl ins Feuer" gössen. 

Nun ist das Interessante an dieser Aussage, daß auch sie einen Funken Wahrheit enthält. Zwar ist das Verhalten der männlichen Migranten zwar nicht zu rechtfertigen, aber über den 'Geschehnissen hängt denn doch auch ein eigentümliches Schild: Daß nämlich die Kultur des Gastlandes eine ausgeprägte (Nicht-)Kultur des Nicht-Rezipierens der Wirklichkeit ist. Daß es zu den Vorstellungen vieler Hiesiger gehört, die Dinge nicht mehr als das zu sehen, was sie sind, sondern in einen künstlichen, pseudologischen Rahmen zu stellen. Die Sprache also nicht am Gewußten zu formen, sondern am Gesollten. 

Denn auch die Entwicklung der Mode (um es vorsichtig auszudrücken) ist keineswegs zufällige Entfaltung einer Kulturfreude. Sondern sie zeigt sehr wohl auch ein Absolutes, ein ontisches Zueinander der Dinge an. Feminismus, der uns alle flächendeckend und mittlerweile psychotisch umhüllt, bedeutet nämlich genau das: Die Enteigentlichung des sinnlich Erfaßten, die Entkräftung des Gewußten, zugunsten eines nach Gesolltem Gedeuteten.

Und wir gehen folgsam, ja gar nicht ungern in diese nächste Falle, die kurz, bevor der Mensch seinen Fuß auf den Boden bekommt, mit dem nächsten Wägelchen daherkommt, auf die sein Schritt gesetzt werden soll, um ihn doch noch in eine nächste gesollte Richtung zu transportieren.

Gewiß, und noch einmal gesagt: das rechtfertigt nicht diese Verhaltensweisen. Und es übersieht, daß die Mode immer auch einen gewissen "Spielfaktor" enthält, als Moment des nicht ganz so Gemeinten, Stilisierten. Insofern immer auch ein wenig Provokation enthält, als Spiel mit dem Gezeigten, schon gar bei jungen Menschen, und noch mehr bei jungen Frauen. Die den wahren Ernst erwachsener Gestaltelemente noch nicht erfassen, aber doch testen wollen, wieweit sie bereits dieser Welt der Ernsthaftigkeiten zugehören.* Wie in jedem Spiel, wird auch von jungen Menschen oft und gerne Welt vorwegnehmend gespielt. Kinder spielen Vater-Mutter-Kind, Backfische famme fatale, etc. 

Das ist selbst für Erwachsene zuzeiten notwendig, und der Karneval ist ein einziges Spiel genau mit einer offiziell für ein paar Tage ent-ernsthafteten Welt. Weshalb er bzw. der Fasching eine so wichtige psychohygienische Rolle spielt. Als kollektives - legitimes und legitimiertes - Auflösen aller fleischlichen Form und Identität, dem nicht zufällig das Neukonstituieren der Form aus dem christlichen Erlösungsgeschehen folgt. Als Geschehen der Bereitschaft, sich neu und um einen nächsten Schritt richtiger, wahrhaftiger formen zu lassen. 

Das kennt der Islam nicht. Er kennt aber solche Auszeiten aus Rebellionsgeschehen. Vom Tahrir-Platz in Kairo 2011 sind ähnliche Geschehnisse ja bekannt. Sie waren ein Fasching. Und so wie sich in der Fassenacht rheinische Männer vorsehen sollten, weil die Frauen für eine Nacht jedes normale Gesetz außer Kraft setzen, so wie es immer Zeiten und Kulte gab, wo Frauen Jagd auf Männer machten (man denke an die antiken Griechen!), so entladen sich solche Umkehrungen der Formentledigung bei Muslimen, haben dort aber keine dezidierte Kulturform. Damit bleibt es latent. Sehr latent sogar, weil das Netz dieser Religion lückenlos-monoton streng ist.

Die Migrationswelle, die uns seit vorigem Jahr ungebremst überrollt, ist - und es verwundert, daß es niemand sehen will! - hat grundsätzlich etwas von Fasching.  Sie hat etwas von Unernsthaftigkeit. Der VdZ behauptet sogar, daß der überwiegende Teil der Millionen Zuwanderer gezielt den Fasching sucht, den dieses Abenteuer für ihn bedeutet. Denn die Ernsthaftigkeit, die diesen Invasionswellen unterschoben wird, existiert nicht. Oder bestenfalls für einige wenige. Die meisten müssen wissen, und wissen auch garantiert, daß sie hier keine Chance haben. Aber sie setzen bewußt ihre in ihrer Heimat geltenden Lebensgesetze der Ernsthaftigkeit außer Kraft, fliehen in den Fasching, und werden noch dazu eingeladen. Denn auch hier gilt Fasching, sogar übers ganze Jahr: Auch hier nimmt kein Staat seine eigenen Gesetze und Notwendigkeiten ernst, ja sogar die Regierungen lachen über Grenzen und internationale Verpflichtungen und stellen alles auf den Kopf.

Was ganz sicher oder zumindest ergänzend erklärt, warum manche Berichte Betroffener davon erzählen, daß die (wohl ausschließlich islamischen Kulturkreisen entstammenden) Migranten überrascht (!) über die Gegenwehr der Frauen und Mädchen waren. Weil dieses Abwehrverhalten im Widerspruch zu ihrer gestalthaften Aussage stand. Ist denn hier NICHT Dauerfasching?

Daß hiesige Männer längst gelernt haben, nicht mehr wahrhaftig zu deuten, was sie sehen, ist dabei der entscheidende Unterschied. (Und das ist die eigentliche Kastration des Mannes; das Heben der Dinge in wahrhafte Welthaftigkeit wäre seine Aufgabe. Übrigens: die nächste chthonische Zeitbombe, darüber noch zu anderen Zeiten mehr.)

Noch dazu ist Fasching als Kulturerscheinung in der muslimischen Welt unbekannt. (Was über ihn mehr aussagt, als ihm lieb sein kann.**) Erwachsenwerden heißt also auf eine Art auch, den Fasching als "umgekehrte Zeit" zu halten.

Was auf frappierende Weise dem Verhalten gegenwärtiger junger, nachrückender Generationen entspricht. Die entsetzt sind, daß der Dauerfasching, zu dem sie bereits erzogen wurden, nicht auch jenseits des 30. Lebensjahres und bis in die Pension weitergeht. Ja, so manche politische Forderung und manches politische Programm ist nichts anders als das Versprechen, daß dieser Fasching auch weitergeht, und gar nie mehr endet. Und enorm viel Empörung hat ganz genau den selben Grund: Empörung, daß nicht doch noch und nur Fasching gelte.

Das so völlig aus der Diskussion auszublenden dient ganz sicher nicht dem Zugewinn an Wirklichkeitsfundierung. Sylvester-Köln legt vielmehr den Finger auf ganz andere - und sehr große - Fragen.

Aber die wollen wir lieber gar nicht gestellt wissen.




*Aus diesem Grund ist es für Eltern notwendig, ihre jugendlichen Kinder vor sich selbst zu schützen. Die (man kennt dies vor allem bei pubertierenden Mädchen) gerne mit Elementen des Frau-/Mannseins spielen, ohne deren Aussagewucht wirklich zu kennen, die sich erst dem reifen Menschen erschließt.

**Der Islam ist als solcher untrennbar mit einer dogmatischen Beschränkung der Wirklichkeitsrezeption verbunden. Deshalb die fanatistische Überbetonung des "Männlichen", als pseudologisch die Wahrnehmung überlagernde Ebene einer ontischen Verfehlung. Erst als er sich dann auch zu einer "Religion" formierte - beginnend im 9., defintiv werdend im 12./(13. Jhd., zementierte er sich logischerweise auf einen Interpretationsstandard ein. So gut wie lale, womit wir es heute beim Islam (namentlich der Sharia) zu tun haben sind deshalb Rezeptionsstand des 13. Jhds., der im späten 19. Jhd. noch einmal erneuert wurde. 

Das sieht übrigens auch der Muslime und gewiß großartige Denker Navid Kermani so, was zu entdecken den VdZ ziemlich erfreut hat. Im selben Maß starb seine Poesie. Und DIE ist seine eigentliche Stärke, wenn man nach dem Guten im Islam sucht. Aber dazu muß man in die Zeiten VOR dem 13./19. Jhd. ausweichen. Ab da war der Islam unausbleiblich nur noch Kulturerstickung. Die Sehnsucht vieler Muslime - die der VdZ durchaus ernstnimmt und achtet - nach den "Zeiten von Cordoba" (der VdZ weist wieder und wieder auf die wunderbaren Schriften von T. H. Lawrence, und den großartigen, wenn man genau hört: tiefsinnigen Film "Lawrence of Arabia" hin) hat ihr wahrhaftiges fundamentum in re.
 



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Montag, 2. März 2015

Der Mensch ist Trachtenträger

Photo: Die Presse
Das Photo zeigt Justizwachebeamte in einem österreichischen Gerichtsprozeß gegen einen Mann, der sich vermutlich eines Delikts rund um Radikalismus und Islamismus schuldig gemacht hat. Man hat die Wachebeamten maskiert, um sie für allfällige Rachetaten, die man befürchtet, weniger angreifbar, weil als Individuen nicht so leicht identifizierbar zu machen.

Nicht aber um Islamismus soll es hier gehen. Auch nicht um Rachetaten von Muslimen (und wir ersparen uns hier bewußt die sonderliche Etikettierung "radikal", sie schafft eine seltsame Differenzierung, deren Realitätsrelevanz zumindest fraglich ist, denn bislang sind dem VdZ nur Muslime untergekommen, die unter "Nicht-Radikalität" auch "Nicht-Islam" verstanden haben), vor denen sich offenbar schon jeder Staat Europas fürchtet, sobald er sein Recht umzusetzen versucht. 

Sondern um das Wesen der Justiz in unseren Ländern, die nach wie vor die Maske - den Talar, die Perücke (wie in England) - benützt. Denn darin kommt etwas zum Ausdruck, immer noch, das prinzipiell von höchstem Belang ist. Und sich leider nur in der Justiz und (bereits mit bedauerlichen Abstrichen) bei der Kirche erhalten hat. Und: im Schauspiel, einem zutiefst menschlichen Akt.

Es ist das Verschwinden der realen, faktischen, menschlichen Person hinter einer abstrakten (und doch hiermit, ja ERST hiermit konkretisierten) Figur, und damit hinter einer Charakteristik, einer Typologie. In keinem sonstigen Bereich mehr zeigt sich also, was im Einzelnen nämlich keineswegs unterschiedlich ist. Dort ist der Inhaber der Robe (und jede Familie, jedes Haus hat eine Art, sich darzustellen) Darsteller einer Typologie, die auf ihn, aber (sic!) nicht weniger auf Familie, Haus, Stand usw. lediglich durch den Bezug verschieden ist.

Der Unterschied liegt im Abstraktum, in der Universalität das Repräsentierten. Nicht im Repräsentieren selber. Selbst das normale Ankleiden am Morgen, mit Schürze oder Knickerbocker, ist davon prinzipiell nicht unterschieden. Denn auch der Mensch ist sich selbst ein Abstraktum, eine Maske, hinter die er zu schlüpfen hat. Deshalb sind Trachten die höchsten Ausdruckswege einer Kultur. Und ob es manchen gefällt oder nicht: man erkennt sogar Staatsangehörige durch die Art, wie sie sich kleiden, und zwar als besondere Färbung dieses Staates. Denn Staat ist die letzte, höchste Form und Erfüllung des Menschseins.

Ohne Tracht ist der Mensch also gar nicht. Der VdZ hat kein Verständnis für die moderne Ansicht, er sieht sie gar als blanke Verwirrungsabsicht, in der schon so oft "Menschlichkeit" mit Verzicht auf form gleichgesetzt wird. Barmherzigkeit, ja, weil keine Form perfekt ist, Nachsicht mit praktischen, schwierigen Umständen, die an der Formerfüllung verhindern, und sei es wegen Geldmangels, ganz gewiß. Um nicht von gewissen intimen Situationen zu sprechen, wobei auch solche meist falsch eingeschätzt werden, denn wer sich dem anderen ganz nackt nähert darf (dürfte ...) dies nur tun, wenn die Geistigkeit einen Stand erreicht hat, den der VdZ jedenfalls noch nie real gesehen hat.

Das Gegenteil dafür - schon oft, ja so oft, daß er neigt, "immer" zu sagen: als Aspekt der "Sexualität", der völlig unterschätzt (meist nicht einmal geahnt) wird, weil sie Verachtung für den nackt Gesehenen, auf Funktion und Bedürftigkeit reduzierten Erwachsenen (sic!), fast immer und automatisch nach sich zieht. (Rückständige Verschrobenheit? Na dann glaube es der Leser ruhig mal ... wundere sich aber nicht, wenn er für so Manches keine Erklärung mehr findet; nicht einmal bei primitivsten Völkern war Nacktheit je ein Zeichen von Kultur, d. h. Menschsein; damit genug zu dem Thema)

Aber der Mensch ist nur Mensch, wenn er ausdrückt, wenn er eine Tracht, eine Maske trägt. Denn die Maske, das IST er. Die Maske ist das Sein, das sich als Idee in die Materia prima senkt. Das ist die tiefe Wahrheit des griechischen Theaters. Der Maskenträger verkittet erst jenen Bruch, in der Scham, die aus der Spannung des Seinswillens zum Nichts stammt, den er im Paradies durch die Aufgabe der selbstverständlichen Einordnung in die Seinsordnung verlor. Der reife, der gute, der geniale Schauspieler ist der, der im Konkreten das Allgemeine sichtbar macht. Und nichts anders ist über den Menschen im Alltag zu sagen. Die Dauer, die Höhe einer Familie selbst läßt sich daraus erkennen, ob ihre Mitglieder die Kraft zum Typus haben.

Daß die Französische Revolution die Amtsrobe, die Perücke abschaffte, ist deshalb kein Zufall. Es stellt exakt dar, was passierte: Die Rechtsstaatlichkeit löste sich auf, und eine Justiz der Willkür folgte. Und die Tribunale diverser totalitärer Systeme in ziviler Kleidung sprechen für sich. Rückschlüsse darauf, daß etwa in Österreich und Deutschland die Perücke nicht mehr existiert, werden dem Leser überlassen. Immerhin gibt es in Österreich noch die Vorschrift für Richter und Staatsanwälte, ein Barett zu tragen.*

Eine Mode, eine Art, sich "typisch" zu kleiden, und man kleidet sich immer typisch, das ist also gar nicht das Problem, es geht um den Typengehorsam, einem Akt, kann deshalb gar nicht "verrückt" genug sein, um nicht im Letzten doch ein tief humaner, wesentlicher Kulturakt zu bleiben. Und den Willen zu repräsentieren, sich einer Ordnung - und damit einem Sinn - zugehörig zu wissen.

Solange es jener Akt bleibt, daß im Hineinschlüpfen auch ein Abstraktum zum Vorschein kommt, das sonst selbst beim Richter verborgen und auf nackte Funktionalität beschränkt bliebe, die sich im Hinschauen aber in Nichts auflöst. Wer die Robe, die Tracht, den Talar, wer die Amtskleidung gering schätzt, schätzt deshalb die Idee gering, und drückt damit aus, daß er der Seinsordnung widerspricht.

Elend und Nachlässigkeit in der Kleidung (was nicht sagt, daß es selbst einen Stil der Nachlässigkeit als Ausdruck gibt, sofern er einen identitären, festgelegten Platz im Ordnungsgefüge einer Gesellschaft hat, mit dem Problem, daß sich Tracht nicht willkürlich erfinden läßt, sondern auf Aussage hingedrängt ist) sind Synonyme. Erst in der Tracht, erst in der sorgfältigen Kleidung, erst in der Robe steht der Mensch aber jener dieser Welt gegenüber, die nur Welt ist, weil und soweit sie Ordnung ist, die als Gestalt - eins einander - grüßt. Was aber ist, das ist immer Gestalt. Was Gestalt verweigert, will ins Nichts gehen.




*Exkurs: Der VdZ hat in seiner Zeit als Unternehmer (und Bauunternehmer müssen leider auch mit der Tatsache leben, daß sie viele Prozesse zu führen genötigt sind; die Höhe der involvierten Summen ist für viele einfach zu verlockend) noch einen Anwalt mit der Vertretung seiner Agenden betraut, der bei Verhandlungen bei Gericht einen Talar anzog. Und es hätte beileibe Anwälte gegeben, die "cleverer" waren. (Und er kennt auch solche, und sieh da: Sie sind sämtlich gekennzeichnet dadurch, daß sie nur noch in Zivil vor Gericht treten. Nachijall, ick hör dir trappsen!) 

Das wollte er aber nicht. Er war bereit, sich der Wahrheit und Gerechtigkeit zu unterwerfen. Daß der VdZ nie einen der zahlreichen Prozesse (in sechs Jahren: 33 Verhandlungen!) verlor hängt seiner festen Überzeugung nach gewiß nicht einfach an dem Umstand, daß er sich um Treu und Redlichkeit bemühte. Sein Anwalt repräsentierte einen Willen zur Gerechtigkeit, der die Verhandlungen immer auf ein anderes Niveau hob. Da mochte der Richte noch so lachen, als der VdZ einmal äußerte, es gehe ihm nicht ums Geld, da habe er mit dem Kläger Mitleid, sondern um Gerechtigkeit. (Er schlug dann eine andersgelagerte Kompensation vor, in der der VdZ der Lage des Klägers gewisse Hilfe zuwenden wollte.)  

Es war gewiß kein Zufall, daß sich sogar die größten Gauner, Kunden oder andere, die also betrügen wollten, und eigentlich führt man als Unternehmer nur Prozesse gegen solche, ausnahmslos durch salopp und zivil gekleidete Anwälte vertreten ließen.

Was schon bei Bischöfen sogar anders aussieht, diese Spitze kann sich der VdZ in Ansehung seiner Vergangenheit nicht verkneifen, denn die führen "um die Kirche zu schützen" gerne auch mal ungerechte Prozesse, und selbst Opus-Dei-Anwälte, die die Kirche dann vertreten, haben damit kein Problem. Opus Dei hat eben ein reales, praktisches "Inkarnationsproblem", das so nebenbei.




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Freitag, 27. Februar 2015

Mode

Frank Horvath, Modephotographie, 1959

Gesehen auf everyday_i_show





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