Über das wahre Ausmaß des Unsinns, den unsere Weltanschauungen und -haltungen enthalten, kann man nur spekulieren. Aber ich vermute, es ist nicht nur gigantisch und übersteigt alles "Gewußte, das auch stimmt", sondern macht unsere geistig-seelischen Landschaften zu ungeorneten, chaotischen Wüsten.
Nicht als Ausnahme, sondern als Regel und Normalzustand, in den auch "sehr geistige Naturen" in dem Moment stürzen, wo ihre geistige Höhe durch einen permanent andauernden Strom der Anstrengung (und das nennt man dann TUGEND) gehalten werden. Sodaß unsere geistige Landschaft wirklich eine permanent (UND DAS IST DANN ÜBERHAUPT ERST DAS, WAS WIR EXISTIEREN NENNEN) bestehende geistige Gartenlandschaft ähnelt, in der sich alles in allem (UND DURCH DENANSCHLUSZ AN DIE KRAFT GOTTES, DEN HEILIGEN GEIST) in einer ARt "Harmonie" befindet und nicht in permanenter Gefahr schwebt, wieder ins Chaos abzustürzen, wenn der Mensch der Welt begegnet, indem er sich auf sie einläßt.
UND NICHT STÄNDIG VON IHR ABSCHLIESZT, WEIL ER UNFÄHIG IST, dieses Bewegtwerden von der Welt (Sinne sind ihrem Wesen nach LEIDEND, also nie abschließbar) zu verarbeiten, zu erkennen, ohne andauernd so überwältigt zu werden, daß er nie zu geistiger Abstraktion kommt, also nie Wesensbilder schauen, eine Art letzten, nicht mehr hintergehbaren Teil - das ICH - erfahren kann. (Und da beginnt dann nach dem Tode das, was wir als "Schauen Gottes" bezeichnen.)
Unser Denken ist nämlich eine mehr oder weniger riesige Landschaft der Wesensbilder aller Dinge. Die wir im Grunde nach sittlichen Neigungen und Fähigkeiten auswählen, und dann unserer sittlichen Kraft nach - wie in einem Panoptikum - gestalten und ordnen. Wobei wir es dann mit "Geschmacksentscheidungen" zu tun haben, in denen wir diese Weltdinge (und die Welt begegnet uns zu allermeist in winzigen Dosen) "ordnen", zu Welt- und Gedankenbildern gestalten. Die wir dann mnit mehr oder weniger Aufwand sprachlich "glattpolieren", wir wollen es bei diesen Andeutungen belassen.
Ich bin versucht, es auf eine ganz einfache Art darzustellen, die mehr Aussage haben will als lange Rationalisierungsschwaden versuchen wollen. Um die Rede über DAS DENKEN von den Strohkostümen des angeblich "Rationalen" zu befreien und auf das zu reduzieren, was es eigentlich ist: Als das Ordnen und Zusammenfügen von Wort und Satzfäden und Bildern! Als das nach individuellen Charaktereigenschaften und Neigungen und Absichten ablaufende, also fast möchte man sagen: ästhetische Ausestalten eines Liedes.
Weshalb ich jedem Schöngeist, jedem guten Sänger, ja jedem Künstler schon apriori besseres, also wahreres Denken zutraue als all jenen, die da meinen, mathematische Formeln mit sinnlichen Eigenschaften nachträglich ausstopfen zu können. Während das Reden über das Denken, die Philosophie, fast ungefragt den Häßlichen zugeschrieben werden kann, die da Welt rekonstruieren und sich dann mit diesem Bild und Kleid umhüllen, um ihren Geburts- und Seinsnachteil, ihr Darstellungs-Defizit, ihrem Mangel im Figurentheater Welt zu kompensieren.
So stammt auch der Stolz auf das menschliche Denken (FÄLSCHLICH MEIT ALS VERNUNFT BEZEICHNET) aus einer Art "Geschmacksurteil." Und mal mehr, mal weniger bauen sich die Menschen "ästhetische" Landschaften, von denen sie dann sagen "Das bin ich!"
Wie gerne wir dabei den Mund voll nehmen, und noch mehr darauf achten, daß wir so tun, als sei unser Denken eine Art "Ausstellung individueller Leistungen", mit einer wahren Schauvitrine von "Wissen".
Aber all die Pokale und Auszeichnungen, die wir so gerne herzeigen, begleitet von den Sätzen "Ich denke frei und selbständig, verdanke mich niemandem!!!". Wobei wir mit höchster Empfindlichkeit die Frage zu vermeiden suchen, was das Sein selbst, Gott also, dazu sagt, sind all die "Meinungen" und "Ansichten" allesamt Glaubenssätze, wo wir jemandem etwas glauben.
Wo unsere Sprachlandschaft lediglich der hilflose, fast verzweifelt zu nennende Versuch ist, uns (geistig, und nur darauf kommt es an) in der Existenz zu halten, und eine Art Boden zu bilden, auf dem wir halbwegs stehen können, und nicht völlig dem Nächsten ausgeliefert sind, weil der uns maßlos überlegen ist (weil sein könnte).
Ausgeliefert sind wie ohnehin, das ist nicht die Frage. Aber wir möchten nur jemandem ausgeliefert sein, dem wir auch vertrauen. Dem wir auch glauben, daß er uns liebt, sodaß sein Einfluß auf uns und also seine Macht über uns verantwortbar macht, sich ihm zu öffnen. Also freie Erkenntnis zuzulassen. Was heißt zuzulassen, daß wir tatsächlich vom Begegnenden gefordert und übermannt werden.
Was ja noch anginge, wenn wir überhaupt vermeiden könnten, DASZ das so ist. Denn es ist Wesensbestandteil des Menschen, daß wir nur in einem Ganzen bestehen können, in dem wir (in einer Vertrauenshierarchie) an das jeweils Allgemeinere ausgeliefert sind.
Aber die WElt IST so aufgebaut! Sie ist so aufgebaut, weil es Seiendes (das wir hier der Einfachheit halber mit Begriffen wie "Ding" usw. bezeichnen) nur gibt, wenn es im Sein anhängt. Was im letzten also die rein rationale, logische Ordnung rund um die Natur aller Dinge (und das macht diese Angelegenheit vielleicht dem werten Leser plausibel bzw. insgesamt vernünftig und widerspruchsfrei) mit dem religiösen Bekenntnis (was es als solches nur als katholisches gibt, alle übrigen Religionen sind einerseits widervernünftig bzw. nicht mit Vernunft auflösbar, oder überhaupt un- oder gar a-religiös) so auffällig übereinstimmen läßt.
"Denken". Welchen Begriff wir so gerne verwenden, ja auf dem wir unser Hiersein vorgeblich (!) so aufbauen als wäre das Denken wie eine mathematische Formel auflösbar, und damit "an sich" bzw. "für sich" von jeder anderen Seinskategorie ablösbar und selbstsändig und insofern "frei" möglich oder sogar verpflichtend.
Nein, meint schon unser guter österreichischer Meister Gödel logisch bewiesen (!!!) Was so schwierig ist, daß überhaupt so zu denken einer winzigen Schar überhaupt möglich wird. Weil Denken eine dermaßen hohe sittliche Konzentration braucht, daß es nur den elitärsten Existenzen möglich ist, noch dazu, wo denken eine Art ultimativer schöpferischer Prozeß IST.
Wie schöpferisch beweist der Umstand, daß eine Nähe praktisch im kleinst getakteten Alltag so Erlebenstatsache ist, daß es wohl niemanden gibt, der das nicht bereits bemerkt haben könnte. Und niemand achtet darauf mehr als gerade der, den wie als "Denker" bezeichnen. Indem nämlich das Denken blitzschnell einerseits, und (wie bei der Macht) LÜCKENLOS in diesen Kräften gegründet ist, die wir PHANTASIE nennen. Das heißt, daß es praktisch keinen Sprachhall in unseren sonst leeren Seelenhallen gibt, nicht einen Moment.
Da mögen sich die ZEN-Meister aller Zeiten um diese innere Leere noch so bemühen, um dadurch in einen vermeintlichen Ur-Zustand zu kommen, in dem wir dann angeblich in den Zustand höchster Erlöstheit kommen, weil wir dann von allen irdischen, materiellen, also auch physischen wie psychischen Bewegungen in uns "frei" werden.
Der VdZ hat diese Erfahrungen vor mittlerweile 45 Jahren auf seine immer sehr leidenschaftliche, engagierte Art zu machen versucht, und hatte dabei beträchtlichen Erfolg. Aber er weiß seither, wie diese Welterlösungstheorien, die Methoden der Selbsterlösung sind, ganz real und praktisch Aspekte des Seelenlebens aufgreifen. Es sind also keineswegs Hirngespinste, mit denen wir es da zu tun haben, geht es um "Weltreligionen". Und zu gewissen Teilen läßt sich das sogar über sogenannte esoterische Bereiche sagen, wo gewisse Theorien noch so halbwegs mit Realitäten zu tun haben. Aber es sind eben NICHT Wege zur Wahrheit, Wege von der Gebundenheit an unsere eigene Psyche oder die Verhaftung an schlimmste Abhängigkeiten, weil das Wesen der Freiheit so überhaupt nicht verstanden wird.
Und entweder den Fehler macht, Freiheit mit UNGEBUNDENHEIT zu vertauschen, oder an Ferne zu alle Dinghaften, gesellschaftlich Geordnetem, und im Besonderen (heute vor allem wegen der vaterhaften Charakteristik des Seins/Seienden) zu aller ontologischen, teleologisch angelegten Zueinanderordnung aller Dinge (die noch dazu meist an bestimmte Ankoppelungen sogar streben) gekoppelt zu sehen.