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Dienstag, 23. April 2019

Durch Todesbereitschaft dem Leben gerecht werden

"Wißt: Ein freies Geschenk ist das Leben. 
Oh dankt es und ahnt
Spendende Götter und schont, Freunde, 
zu sparsam euch nicht.
 Nicht unwürdig haltet fest, 
ihr schändet die Spender,
Toren, dem holden Geschenk 
raubt ihr die freieste Kraft."


Aus Friedrich Georg Jünger, Der Krieg




*100219*

Sonntag, 2. August 2015

Die Widervernunft des Zeitalters der Vernunft

Wer mehr Dinge will, muß mehr Energie einsetzen, um sie zu erwerben, und genauso, um sie zu erhalten. Das gilt auch für technische Abläufe, die nämlich auch Dinge sind. Damit läßt sich ein physikalisches Gesetz direkt auf menschliches Handeln umlegen. 

Und es gilt selbstverständlich auch für Häuser und Wohnstätten. Wer möchte, daß sein Haus mehr Abläufe, mehr Situationen bewältigt, muß mehr investieren. Die Rechnung kann prinzipiell niemals so ausgehen, daß mit mehr Investitionen in mehr Abläufe und Eigenschaften - weniger Energie verbraucht wird. Es wird vielleicht nicht immer gleich sichtbar, und die Bilanz zieht sich in anderen Bereichen, auf anderen Ebenen - vom Einzelnen weg aufs Kollektiv etwa, oder Verschiebungen in der Zeit, von heute auf morgen, oder, auch sehr häufig, indem man zukünftigen Energieaufwand für Erhaltung unter den Tisch fallen läßt, oder den Energieaufwand zur Herstellung eines dann "sparenden" Dings unberücksichtigt läßt - aber sie bleibt gleich gültig.

Diese vereinfachte Grundsicht vorausgeschickt, wurde an dieser Stelle längst von der prinzipiellen Unsinnigkeit von sogenannten "Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz" berichtet. Mit enormen öffentlichen Mitteln, werden in vielen ländern der Welt Programme finanziert, Maßnahmen der Einzelnen durch Geldzuwendung gefördert, die die Energieeffizienz seines alltäglichen Lebens steigern sollen. Man meint damit: weniger laufender Energieverbrauch.

Konkret sind damit Maßnahmen gemeint wie Zusatzdämmung von Häusern, Ersatz der Beleuchtungsmittel durch technisch erstaunlich komplexe Energiesparlampen, etc. etc. Der Papst hat sie ja unlängst beschrieben, was sie um nichts weniger dumm macht. Das hat man davon, wenn man sich mit dem Rationalismus verheiratet. Konkret, wenn überhaupt, funktionieren solche Modelle bestenfalls, wenn man die Wirklichkeit in ein System exakt beherrschbarer Parameter steckt. In einer Welt, deren Gesamtheit von Einflußfaktoren und Wechselwirkungen wir aber prinzipiell als unendlich annehmen müssen, funktionieren sie nie. Hier muß also der ganz oben genannte Satz gelten: Je mehr Dinge - desto mehr und unkontrollierbarer die verbrauchte Energie, die Energiebilanz jedes Dings ist immer negativ. Man verändert nicht (und: niemals) die Energiebilanz, man verändert (und erweitert, wie in diesem Fall) nur Abläufe, und verlagert damit Nutzenbereiche. Sogenannte Einsparungen sind defacto immer lediglich Verschiebungen von Energieverbräuchen im Rahmen einer Neubewertung von Faktoren.*

Wie eine weitere Studie aus den USA belegt, die sich mit diesen Maßnahmen befaßt hat. Das Ergebnis entspricht ähnlichen Untersuchungen in Deutschland und anderswo. Am Papier sah das freilich immer anderes aus. Am Papier ließ sich alles in umgrenzt bestimmten Modellen wunderbar hochrechnen. Nur: Die Realität ist von so vielen Faktoren zusätzlich bestimmt, daß die Praxis diese Ergebnisse nie bestätigt. Die Aussage der Fachleute, daß die Menschen nicht rational genug lebten, denn sonst würden sie auch die Energieeffizienzprogramme der Regierung viel mehr nützen, muß genau umgedreht werden: Es sind die Fachleute, die nicht rational agieren, die Menschen hingegen tun dies sehr wohl.

Die zuvor von entsprechenden Fachleuten versprochenen Einsparungen bewegen sich in der Praxis nämlich deutlich unter den theoretischen Annahmen. Dabei werden ohnehin nur je recht eingegrenzte Abläufe verglichen, aber die Aussage bleibt auch hier gleich. Was die finanzielle Bilanz nur ausdrückt. In Summe sind solche Maßnahmen für den Einzelnen trotz beträchtlicher Fördermaßnahmen so gut wie nie rentabel, im Gegenteil. Wie die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (auch in der Energiebilanz) aussieht, kann man sich also ausmalen.

Es ist damit für dieses gesamte Thema deshalb die Bemerkung gültig, die auch aus der bloßen Beobachtung, der Empirie also, erfließt: Die Absurdität des "Kampfes gegen das Klima" zeigt sich in ihren Ergebnissen. Er bewirkt ausschließlich das genaue Gegenteil von dem, was zu bewirken er vorgibt. Um den Kohlenstoffausstoß zu senken trifft er in der Energiewende Maßnahmen, die ihn erhöhen. Um Energie zu sparen trifft man Maßnahmen, die den Energieverbrauch erhöhen. Um Energie effizienter zu nutzen - "nachhaltiger" - wird ein Produktionsnetz erhalten, das dieselbe Verbrauchsmenge mit halbierter Effizienz (verdoppeltes Produktionsnetz) herstellt, und das, OHNE die vorhandenen Kapazitäten, die zu ersetzen es ja gemacht wird, ERsetzen zu können. Um die Umwelt zu schützen trifft er Maßnahmen, die die Umwelt in nie gesehenem Ausmaß zerstören, ja regelrecht ignorieren, verschwinden lassen - NICHTEN. Um gesünder einerseits, und wie es heißt auch noch umweltschonender zu essen (Vegetarismus) wird der Mensch krank gemacht, und die Umwelt noch mehr geschädigt.

Eigentlich kann man es ja kaum glauben.

Achte der geneigte Leser aber einmal darauf, ob sich nicht dieses Prinzip überall schon feststellen läßt. Das meint nämlich der VdZ. Ja dieses Prinzip scheint seit hundert, zweihundert (und eigentlich: fünfhundert) Jahren immer mehr um sich zu greifen, und hat heute alle, wirklich alle unsere Lebensbereiche durchdrungen. Um Ungerechtigkeit zu verhindern, werden alle ungerecht behandelt. Um Freiheit zu schützen, wird allen die Freiheit genommen (weil jedes Geheimnis entrissen, aus dem alleine ja Freiheit erst möglich wäre.) Um Integration zu bewirken, wird alles vernichtet, worein diese Integration erfolgen soll. Um Armut zu bekämpfen, sollen alle arm gemacht werden. Um alle Menschen zum sozialen Handeln zu bewegen, werden sie asozial gemacht. Um die Menschen zu schützen, werden Menschenverhinderungs- und -tötungsprogramme installiert. Um eine vorgebliche Benachteiligung der Frau zu beheben, tut man alles, um sie in männliche Identifikationsmerkmale zu schieben. Man weiß um die gewaltigen demographischen Probleme, die auf uns wegen der niedrigen Geburtenrate zukommen, forciert aber Aufklärungsprogramme für die Jugend, deren vorrangiges Ziel die Handhabe von Verhütung und Abtreibung ist. Probiere es der geneigte Leser, die Beispiele sind in ihrer Anzahl nicht mehr überschaubar.


Das sagt alles über das Maß der Unvernunft aus, der wir bereits unterworfen sind, und die ... ups, schon wieder dieses Prinzip! aber wenn es stimmt, dann muß es ja auch hier stimmen ... dem Zeitalter der Herrschaft der Vernunft entsprungen ist.




*Das ist daran zu illustrieren, wie sich unsere Lebenswelt verändert hat. Die technische Vielfalt, die uns heute umgibt, ging von bestimmten Ersparnissen aus - etwa: Zeit, Mühe - und schuf Apparate (jedes Ding ist auf ihre Weise eine Maschine), die als für den Menschen verzichtbar eingestufte Prozesse übernahmen. Damit wurde aus einem haushalt, der vor 100 Jahren noch sagen wir 200 Einzeldinge umfaßte, ein Haushalt wie heute, dessen Anzahl der Dinge (auch wenn sie ineinander stecken) vervielfachte. Damit verbunden ist in jedem Fall auch höherer Energieverbrauch. Dasselbe gilt für Energieverbrauch, der ja Energieaufwand zur Abwehr eines Übels ist. Je mehr Prozesse daran beteiligt sind, desto mehr Maschinen braucht er, und desto höher ist in jedem Fall schon alleine der Verlust durch das Selbstsein des Dings (siehe "Reibungsverlust"). F. G. Jünger hat das so großartig analysiert: mehr Technik heißt in JEDEM FALL mehr Energie. Dieses Grundgesetz macht eine moderne, technisierte, auch rationalisiertere Welt IMMER zu einer Welt, die mehr Energie verbraucht. Und mit jedem Ding (Technik, dazu gehört auch der bloße Rationalismus, der zur Maschine gemachte Denkprozeß, der in jedem Fall also einen Energieverbrauch erhöht) mehr, wird die Energiemenge gesteigert, die zu ihrem Betrieb nötig ist. Wie gesagt: das gilt genauso für bloße Abläufe.



***

Samstag, 12. Oktober 2013

Normiertes Leben

Aus Anlaß einer konkreten Erfahrung mit einer Bestellung eines Buches über Internet: Es wird gerne argumentiert, daß die Computerisierung der Geschäftsfälle eine Erleichterung der Abläufe bringe, und damit das Wirtschaften effizienter machte.

Nun gilt das nur wenn man dazudenkt, daß jedes Computerprogramm ausschließlich mit Normfällen arbeiten kann. Selbst, wenn es diese Normalität ausweitet - es hat seine Grenzen. Effizienz heißt also fast durchweg bereits - Normierung. Was (wie bei dieser konkreten Bestellung passiert) nicht in diese Abläufe, diese Normierungen hineinpaßt, ist ganz einfach nicht mehr machbar. Was jedem persönlichen Verkäufer mit einer kleinen Handbewegung möglich wäre, ist diesen Apparaturen unmöglich. Der Aufwand, sie zu überbrücken und die (sagen wir:) improvisierten Vorgänge rückzuintegrieren wäre zu gewaltig. Die Maschine, zu der der Kauf  - weil die gesamte Versandfirma* - geworden ist, ist nicht in der Lage, dieses einfachste Handeln zu bewältigen.

Wir haben mit dieser Normierung bereits aber nicht nur zu leben gelernt, sondern wir normieren unser Verhalten selbst, um diesen Abläufen gerecht zu werden. Und merken meist gar nicht mehr, in welchem Ausmaß unser alltäglichstes Verhalten bereits nach Ablaufnormen gestaltet ist. Wir befinden uns in gigantischen Regelkreisen, die unser Leben und Rezipieren bestimmen. F. G. Jünger hat darauf hingewiesen, daß diese Regelkreise von der Zentralisierung der Verkehrsabläufe, von der Schaffung der großen Versorgungsnetze ausging: Schiene und Eisenbahn, und bald die Mobilisierung auf den Straßen (die ohne exakte Ablaufregeln undenkbar wäre) haben begonnen, die Zeitabläufe des Lebens vorzugeben  Dann kamen die großen Versorgungsnetze für Elektrizität, Wasser, Kanalnetze ... und heute das Internet.

Alle diese wurden zu Prämissen unseres alltäglichen Lebens. Und sie haben längst ein Eigenleben entwickelt. Solange wir im Großen und Ganzen innerhalb dieser vorgegebenen Takte agieren, bemerken wir es wenig. Wehe aber dem, der aus egal welchen Gründen aus diesem Takt (das Wort Rhythmus soll bewußt vermieden werden, denn Takt ist etwas anderes als Rhythmus) herausfällt. Es wird immer schwieriger, in Fällen wie einfachen Kaufvorgängen unmöglich, in diese Kreise wieder hineinzugelangen. Erst, wenn man sie in vollem Ausmaß wieder aufnehmen kann, sind damit Lebensabläufe wieder durchführbar.


*Solche Unternehmen basieren ja gleichermaßen auf einem Maschinenwerk der Mathematik. Ihre Kalkulation erlaubt solche Interventionen gar nicht, weil eine einzige Handlung außerhalb der Norm enorme Auswirkungen auf die Gesamtrechnung hat. Der Erfolg und damit Bestand solcher Unternehmungen ist nur dann erreichbar, wenn es sich den geringen Gewinnaufschlägen auch entsprechend geringen Aufwand gegenüberstellen kann. Indem sie aber große und vor allem die "unkomplizierten" Umschlagmengen der Märkte und Branchen, in denen sie tätig sind, aufsaugen, ermöglichen sie einem - sagen wir - individualistischen Konkurrenten kein Überleben mehr. Denn individuelle Unternehmen können nur mit "Mischkalkulation" bestehen. Oder werden in einem Ausmaß teuer, das ihre Marktfähigkeit schwer beeinträchtigt. Beispiel USA: Man kann um wenige 10.000 Dollar ein Haus kaufen. Aber einen simplen Schrank nach Maß fertigen und einbauen zu lassen ist nur wirklich Vermögenden möglich, weil extrem teuer. Die Folge ist u. a., daß es gar keine Handwerker mehr gibt, die wenigen Verbliebenen sind nicht mehr bezahlbar.




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Freitag, 12. April 2013

Ans Nichts gewöhnt

Es lohnt, das Interview mit dem Waldviertler Bäcker Josef Weghaupt in der Presse zu lesen. Der nur handgefertigtes Brot herstellt und verkauft. Weghaupt, der gar nicht erst das Ziel hat, "Millionär" zu werden, sonder zufrieden ist, von seiner Tätigkeit leben, den Betrieb erhalten zu können, zeigt die Grundlogik des Technizismus auf.

Denn mit der Technisierung der Herstellung von Nahrungsmitteln, die im 19. Jhd. vor allem von Amerika ausging und mittlerweile die ganze Welt umfaßt hat*, ging auch ein ungeheurer Qualitätsverlust einher. Das Argument, daß Lebensmittel damit billiger wurden, ist überhaupt nur haltbar, wenn man berücksichtigt, daß man um den "geringeren" Preis überproportional weniger erhält. Dieser niedrige Preis funktioniert nur unter der gleichzeitigen Berücksichtigung, daß das gekaufte Produkt vielfach "nur noch so aussieht" wie das, wofür es verwendet und verkauft wird bzw. wurde. Liquiditätsüberlegungen haben den Preis ersetzt.

Weghaupt zeigt ein Beispiel - denn es kann ja schon sein, daß ein Kilo Brot bei ihm 6 Euro kostet.

Verkaufen Sie in Ihren Augen noch ein Grundnahrungsmittel oder schon einen Luxusartikel?
Definitiv ein Grundnahrungsmittel. Wenn ich mir andere Bäcker ansehe, kann ich sagen: Meine Gewinnspannen sind sicher geringer. Bei dem Arbeitseinsatz, den wir haben, muss das Brot so viel kosten. Nur zum Vergleich: Wer im Supermarkt ein 200 Gramm leichtes Single-Sandwich um 1,90 kauft, denkt eben nicht daran, dass er für ein Kilo Semmelteig gerade zehn Euro bezahlt. Die Menschen schauen nur auf den Stückpreis.

Technisierte Produkte, wenn sie vergleichbar sein wollen, also "dasselbe" anzielen wie es das Handwerk tut, sind NIE billiger. Dies Grundwahrheit haben wir leider verlernt. Technik ist immer eine ZUSATZinvestition, und wie jede Beseitigung von Mühe kostet sie zusätzliches Geld, zusätzliche Energie. Eine technisierte Gesellschaft ist deshalb IMMER energieaufwendiger, und wird es mit jedem zugeschalteten technischen Schritt - ob in der geistig-organisatorischen oder physisch-maschinellen Stufe - weiter tun.** 

Weghaupt hält seine Preise nämlich bewußt niedriger, als sie betriebswirtschaftlich gerechnet werden müßten. Er richtet sich damit aber nach dem komplexen Zusammenspiel von Realitäten. Denn einfach "vormalige" Ansätze durchzusetzen, archäologistisch zurückzugreifen, ist ein häufig gemachter Irrtum. Aber nur so kann er sein Produkt in "normalen" Geschäften anbieten. Würde er alles voll durchkalkulieren, würde er sich nur noch an die zahlungskräftige Kundsschaft richten. Die sein Brot vielleicht aus Gründen der Mode, des Chiques kauft.

Tragisch wirkt sich laut Weghaupt vor allem aus, daß die Menschen heute gar nicht mehr erkennen würden, was gutes Brot kennzeichnet, wie es schmeckt. Sie sind bereits verbildet, an den Billigmischmasch gewöhnt, an die Chemie, die sie seit 150 Jahren zu sich nehmen. Ein vielsagendes Detail dazu: Weghaupt erzählt, daß heute ausgebildete Bäcker nach der Lehrzeit oft erst noch einmal eingeschult werden müssen. Denn sie wüßten oft gar nicht, wie man Grundteige aus ihren Grundzutaten herstelle. Ihre Fertigkeit ist ein bloßes Ensembling vorgefertigter technisch-chemischer Bestandteile.





*Lesenwert dazu: Sigfried Giedion's "Die Herrschaft der Mechanisierung", wo dieses Ineinandergreifen einzelner technischer Entwicklungen (samt, übrigens, ihren Motiven im Einzelnen, was sich schließlich zu einer wirklichen Aussage über den Charakter des heutigen Technizismus verdichtet) in ihren Wechselwirkungen mit der Lebensweise innerhalb der Gesamtentwicklung der Kultur sehr gut erkennbar wird.

**Dieser Grundsatz zeigt alleine die Verfehltheit, die Irrationalität, ja die Dummheit des heutigen Geredes von der "nachhaltigen Energieerzeugung" - durch noch weitere Technisierung in Anwendung wie Produktion von Elektrizität. Technik und Annihilierung der Gegenwart, der Zeit, wo im Namen einer irgendwann angeblich erreichten Zukunft defizitäre Gegenwart akzeptiert wird, sind ein und dasselbe Wort.








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Dienstag, 19. Oktober 2010

Die glorreichen Sieben


Bures: Gebt dem Übel keine Chance!
Sie ziehen aus, um das Böse der Welt zu exterminieren. Was für gute Menschen unsere Politiker nicht sind!? Alkomaten für jedes Fahrzeug. Nie wieder Alkolenker!? Wer könnte da noch nein sagen.

 
 
 
Nur: ist das ihre Aufgabe? Soll und kann, ja DARF das überhaupt die Politik? Wollen wir tatsächlich Politiker die da sagen: Gut, wenn die Menschen nicht freiwillig (unfehlbar gewünschten Normen gemäß) moralisch handeln, dann geben wir ihnen gar keine Chance mehr dazu - wir lassen es nicht mehr auf ihre Moral und ihr Urteil ankommen, sondern machen sie wieder ein Stückchen mehr zu einem Teil einer Maschine, in der sie gefügig zu sein haben - der Lebens-Glück-Maschine. Was im Grunde nur noch heißt: Ablaufoptimierungsmaßnahme.

Ist es wirklich besser "nichts anzurichten", als zu handeln? Gab es da nicht einmal etwas wie "Leben"? Was bleibt davon eigentlich noch? Heißt "gelungenes Leben" wirklich "unfallfreies", "mißgeschickfreies", "verbrechensfreies", "normgerechtes", "versagensfreies" Leben? Und, wozu gibt es ein Strafrecht?

Oder, umgekehrt: haben wir unser Leben in Abläufen aufgehen lassen, die Schäden anrichten können, die in keinem Verhältnis zu ihrem Nutzen stehen, und so schlecht beherrschbar sind, daß wir den Menschen - weil er fehlbar ist, und tatsächlich (!) fehlt - ausschalten müssen? Sollten wir aber dann nicht die Technik eliminieren- statt den Menschen?

Oder sind es nicht gar dieselben Politiker, die eine Zivilisation aufrechthalten, fördern, durchdrücken, die mit dem Menschen nur noch auf eine Weise vereinbar ist, die ihn eigentlich eliminiert? Wie hier - Transportfreiheit (durch KostenUNwahrheit, also Staatseingriffe in Ursache-Wirkungs-Verhältnisse) in der EU, damit die Arbeitsteiligkeit brummt, und dafür Unschädlichmachung der beteiligten Menschen? Erst die Strukturen, erst die totale Enteignung (denn, wie man es auch dreht und wendet: der Verkehr verlangte und verlangt die größte Enteignungswelle, die überhaupt noch denkbar ist! nichts schädigt die Einzelinteressen so rücksichtslos, und so schwerwiegend!) und dann gehen wir daran, den Menschen hinten und vorne, oben und unten zurechtzuzupfen, damit er ins vorgefertige Glückssesserl paßt?

Naja, sagen dann die anderen, aber ist schon besser, wenn keine Alkoholunfälle mehr passieren.

Darum geht es? Um die Zustimmung zu diesem Satz? Warum sollte der implizieren, daß wir daraus ein Gesetz machen?

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Friedrich G. Jünger setzt in einer seiner bekanntesten Publikationen - "Die Perfektion der Technik" - auseinander, daß der Verkehr es war und es ist, der die gesamte Menschheit in eine gigantische Maschine einspannt, daß sich nach und nach das gesamte Leben der Menschen nur noch nach dem Verkehr einrichtet - daß der Verkehr die ganze Welt, das Leben, in eine gigantische Maschine verwandelt, der alles untergeordnet wird. Was sich NICHT einordnen läßt, fällt ihr gnadenlos zum Opfer. Während sich alles in Nützlichkeiten und Zwecke verwandelt.

Weil alles Leben mit Raum zu tun hat, Raum durch Leben entsteht, sich Leben Raum schafft, an Raum gebunden ist. Verkehr aber bedeutet, Raum zu überwinden. Und damit das Leben, weil seine Bedingungen, zu beherrschen. Denn was wir nicht besitzen können, kann nur durch Überwindung von Raum (noch vor der Zeit - Zeit hängt am Raum) aus der Welt geschafft werden, damit es uns nicht beherrscht.


*191010*

Dienstag, 29. September 2009

Mehr Technik - weniger Kultur

In "Der Gang der Weltgeschichte" (original: "Study of History") räumt Arnold Toynbee mit leichtem, durch historische Fakten gut vorbereitetem Fingertippen, mit einem Mißverständnis auf: daß nämlich technischer Fortschritt ein Signum oder eine Begleiterscheinung kulturellen Hochstandes sei. Zum Gegenteil, zeigt die Geschichte, daß die Entwicklung der Technik nahezu unabhängig vom Stand eines "Sozialkörpers" (ein Begriff, den Toynbee gerne anstelle von Kulturen benutzt) ist. Daß man sogar bemerkt, daß die Technik - in Arbeitsteilung, Funktionalisierung und Mechanisierung von Vorgängen - dann zur Blüte kam, als die Kulturen bereits im definitiven Niedergang, manchmal bereits (minoische Kultur) niedergegangen waren.

In jedem Fall ist keine wirkliche Korrelation zwischen dem Stand der Technik und dem Stand einer Kultur zu bemerken, beide entwickeln sich nahezu unabhängig voneinander. Selbst vor tausenden von Jahren, in der Gegenüberstellung von Neolithikum und (diesem vorangehendem) Paläolithikum, zeigt sich, daß die ältere Kultur wohl technisch weniger ausgefeiltere Werkzeuge besaß, dafür aber künstlerische Werke zu schaffen vermochte, oder ihre Werkzeuge mit einer detailverliebten Kunstfertigkeit ausgestaltete, die den späteren, jüngeren Kulturen bereits fehlte. Ähnliches läßt sich bei der Gegenüberstellung Mayas (älter) - Azteken (Friedrich Georg Jünger) sagen.

Überhaupt die Kriegstechnik verhält sich nahezu unabhängig, wenn sie nicht sogar die einzige menschliche Technik ist, die über all die Jahrtausende eine kontinuierliche Fortentwicklung nahm. Selbst Expansion einer Kultur ist in vielen Fällen sogar Anzeichen für ihre innere Schwäche eher, denn Kraft zur Durchdringung der Welt.

Dieser Nenner ist freilich nur auf den ersten Augenblick überraschend, und er trifft sich nahezu deckungsgleich mit den Analysen eines Friedrich Georg Jünger, etc. Toynbee führt ihn auch auf die eurozentristische Technikbegeisterung des 19. Jahrhunderts zurück, auf das Selbstverständnis der Gesellschaften seither, die sich (seither) im Rausch der technischen Entwicklung auch in der historischen Höhe des Menschseins, weil als jeweiliger Spitzenpunkt einer kontinuierlichen Vorwärtsentwicklung (aus Evolutionismen) wähnen. Klarerweise ist auch die materiale Technik der historischen Forschung leichter zugängig, weil auch archäologisch evidenter.

"In der fortwährenden Vereinfachung, in der kontinuierlichen Spezialisierung, verliert der Einzelne mehr und mehr Ganzheitlichkeit und Universalität," sagt Toynbee. Gleichzeitig verkürzt sich der Produktzyklus - sichtbarer Ausdruck einer Tendenz zur "Vergeistigung" (negativ formuliert: Auflösung) des Materiellen, das im selben Zug immer bedeutsamer für die Lebensvorgänge wird.

Hier, und in diesem Moment aber, wo die Aufgaben von technischer Problemlösung sich auf "Moral" legen, wo sich die Kraft von außen (wo das Problem gelöst ist) auf innen wendet, beginnt jede vergangene Kultur zu brechen.




*290909*

Donnerstag, 16. Juli 2009

Sich selbst zeugende Welten

Von Zeit zu Zeit sollte man die These von Georg F. Jünger neu meditieren.

Daß die Technik nichts Neues, kein "Mehr", schafft, sondern nur umschichtet. Technik schafft nicht einmal weniger Arbeit, sondern sie verlagert sie nur weg vom Anwender, vermehrt aber gleichzeitig den Aufwand ihrer Grundentstehung.

(Simples Beispiel: die "Hardware" der Herstellungs- und Erhaltungsprozesse für Computer wiegt den Nutzen ihrer Anwendung global gesehen nicht nur auf, sondern übertrifft ihn noch bei weitem: es wuchs also insgesamt nicht der "Software"-Anteil, sondern im Gegenteil: dieser nahm weiter ab, sie schuf sich sogar ihre eigene Nachfragewelt.)

Und sie tut es um den Preis der Freiheit, indem sie bedingungslose Unterwerfung fordert. Je technisierter Lebensvorgänge sind, desto weniger Spielraum bleibt für das spezifisch Menschliche - und das ist nicht bereits auf technische Maßstäbe gebrochener "Wohlstands-Bedarf", sondern "ganzheitliches Leben".

Jünger führt das vereinfacht auf den simplen Umstand zurück, daß es keinen technischen Vorgang gibt, der (direkt oder indirekt) NICHT mehr Energie (Kraft) verbraucht - als er schafft.




*160709*

Freitag, 10. Juli 2009

Nicht einmal mehr die Liebe

Max Weber nennt es "Disziplinierung", Georg F. Jünger Folge der Technisierung - beide meinen dasselbe: weil sich für gewünschte Effekte - technische Siege, hier wie da, in denen "persönliche Ehre" nichts mehr zählte - das arbeitsteilige Aufgehen des Einzelnen in der Ausübung abgezirkelter Funktionen als überlegen erwies, begann ab dem Mittelalter jeder Lebensbereich zu zerfallen.

Was zuerst war? Militär, wo der Ritter nicht mehr gebraucht wurde, weil hoffnungslos der Phalanx, aber auch den modernen Waffen unterlegen war? Es gab sogar Bestrebungen, die Armbrust zu verbieten. Aber die Schweizer, die hier revolutionär wirkten, waren gar nicht durch ihre neuen Waffen überlegen. Sie waren es durch ihre neue, technisierte Kampfweise, die auf Ehrbegriffe und Rittertum - die Ziele waren gewichtiger als das, was sie dafür aushebeln mußten - pfiff. Damit waren sie in ganz Europa gefragte Leute.

Oder die Wirtschaft, die zur Industrie revolutionierte und den Proletarier schuf, der ohne Bezug zu einem Endprodukt seine abstrakte Arbeitskraft verkaufte? Aufbauend auf einer Güterverteilung, auf einer Verkehrswirtschaft, die als alles überdeckende "Maschine(rie)" der kleinen Einheit ihren Takt vorgab, und damit die Metamaschine schuf, die bald alles, bis ins Kleinste hinein, zu "takten" begann.

Heute ist es wohl der gesamte zwischenmenschliche Bereich, der technisiert ist. Nicht einmal mehr die Liebe hat schöpferischen Freiraum.

Nicht einmal mehr die Liebe.




*100709*

Samstag, 24. Januar 2009

Nur Eigentum bleibt bestehen

In seiner erstaunlichen Schrift "Maschine und Eigentum" zeigt Friedrich G. Jünger, daß der Maschinenkapitalismus, der sich seine Menschen unterwirft, zwangsläufig in ein technisches Kollektiv mündet, dessen Vollendung und Höhepunkt im Grunde der Kommunismus ist. Die Umwandlung des freien Unternehmers und Handwerkers zum Funktionär (des Organismus wie der Maschine) ist unausweichlich. Wie es die Enteignung ist, ohne daß sich das Kollektiv Eigentum im eigentlichen Sinne schafft, denn der Technizismus vernutzt und verkonsumiert die Welt lediglich.

Und tatsächlich finden sich in den Schriften Marxens wie Lenins bemerkenswerte Prognosen gesamtgesellschaftlicher Entwicklungen, in denen das Wort "Kommunismus" beliebig gegen "Maschinenkapitalismus" auszuwechseln ist!

Noch bestechender ist Jünger's Analytik dort, wo er die Enteignung zugunsten des technischen (organisatorischen) Kollektivs als wesentliche Eigenschaft des technischen Maschinenzeitalters feststellt. Denn hierin nimmt er sogar die Auflösung der Familien vorweg - die mit eben dieser Auflösung des Eigentumsbegriffs direkt zusammenhängt.

Das Kollektiv aber kennt keine Verantwortung, und auch kein Eigentum, es kennt nur Vernutzung und Raubbau. Verantwortung kann nur in Verbindung mit Eigentum existieren - wo der Eigentümer nur dann solcher bleibt, wenn er das Objekt seines Eigentümerseins auch "pflegt", also in bestem Bestand hält. (Was nicht ohne "Naturgemäßheit" und Abwesenheit von "Raubbau" denkbar ist.) Nur das hat Bestand, das auch einen Eigentümer hat. (Nicht: nur Besitzer!)




*240109*

Freitag, 23. Januar 2009

Automatische Inflation

Einer der Nenner, auf die man Friedrich G. Jünger's Thesen vereinfachend bringen kann, lautet: Die Mechanisierung der Produktionsvorgänge bringt eine ebensolche Technisierung sämtlicher Lebensvorgänge. Weil aber jede Mechanik mit ihren zunehmend abstrahierten Werten (der Wert ist nicht mehr direkt aus dem fertigen, gesamten Produkt der Arbeit erkennbar, sondern nur noch aus dem geglaubten Wert im Rahmen einer Organisation) unweigerlich und unvermeidlich Reibungsverluste hat, erzeugt Mechanisierung zusätzliche Arbeit, ohne aber den letzthinnigen Mehrwert zu erhöhen.

Damit führt Mechanisierung automatisch (!) zu Inflation, zu zumindest relativer (im Verhältnis zu den schaffenden Händen) Geldentwertung.




*230109*

Dienstag, 20. Januar 2009

Der pädagogische Effekt der Maschine

Friedrich G. Jünger zeigt in "Die Perfektion der Technik" sehr überzeugend, daß die heutige Wissenschaftsauffassung - vor der er noch warnte, heute haben wir sie bereits als Postulat - eine Vorentscheidung ist: Nämlich die, reines Denken mit Technik und Mechanismus gleichzusetzen. Ähnliches führt ja auch Goethe als Kritik an der Wissenschaft an.

Diese Entwicklung erfolgt nach Jünger'scher Auffassung (und ich wiederhole: sie wirkt schon deshalb glaubhaft und überzeugend, auch wenn man nicht allen seinen Gedanken folgen kann, weil das, wovon er 1940 noch als Möglichkeit schrieb, heute vollständig und nachprüfbar eingetroffen ist - aber Intuition ist immer VOR jeder Theorie ...) deshalb und in breitem, die gesamte Kultur, ja die Welt umfassender Weise, weil die Herrschaft der Maschine unausweichlich ist.

Durch sie wird der Umwelt - wie erst dem Arbeiter, der durch die Maschine zum Proletariat herabsinkt, vom Handwerker zum Vollzieher einer nur noch mit abstraktem, nicht mehr sinnlich wahrnehmbaren Sinn belegten technischen Handreichung - das Unlebendige einer technischen Organisation aufgezwungen, der sich auch der Mensch zu fügen hat, ja gerade er. Während zwar auf der einen Seite - immer aber unter Raubbau betreibender Ausbeutung der Bodenschätze und der Menschen - Effizienz damit erreicht wird, wird auf der anderen (gemäß dem "Zweiten Thermischen Lehrsatz" vom Energieverlust) mehr Arbeit notwendig, die jedoch in die Bürokratie und die Organisation fließt:

Höhere Technisierung bringt laut Jünger also immer auch steigenden Bürokratismus mit sich.

Keine Frage, daß Jünger mit seinem Denkansatz eine große Gefahr für den Nationalsozialismus darstellte (er konnte gerade diese Schrift damals nicht publizieren): Denn das Aufgehen der Menschen in einem Volksganzen, das zu einem despotischen Organismus verschmilzt, ist für Jünger eine der schrecklichsten Gefahren des Technizismus.

Man übersieht blitzschnell, daß dieses "klare" logische (technische) Denken ein Hilfsmittel zum Erfassen der Wirklichkeit - und nicht diese selber - ist, womit wir wieder bei Goethe und Schiller wären.




*200109*

Montag, 19. Januar 2009

Lebt der Mensch?

Die Maschine ist tot, weil sie nicht nur nichts aus sich selbst heraus kann, sondern weil alle ihre Funktionen und Bewegungen mit Hilfe der Begriffsbildungen der klassischen Mechanik angeben können.

Wenn wir das gleichermaßen auf den Menschen übertragen, wenn wir also annehmen, daß der Mensch ebenfalls eine bloße Abfolge von (von mir aus: höchst komplexen) mechanischen, funktionalen Vorgängen ist - dann ist auch der Mensch ... tot.




*190109*

Verpackte Propaganda

Ein interessanter Gedanke von G. F. Jünger: In dem Moment, in dem Lebensmittel verpackt sind, ist ihr Kauf ein grundlegend anderer Vorgang - er ist technisiert, seine innewohnende Qualität wird von einer substantiellen zu einer akzidentiellen.

Denn ab dem Moment kann der Käufer die Eigenschaften nur noch "glauben". Das Ausmaß der Propaganda, das so gestiegen ist, sieht Jünger in direktem Zusammenhang, weil verursacht von der Umwandlung der jeweiligen Produkte in technische Produkte ("Markenartikel"), so daß sie zugleich der technischen Organisation verfallen, diese also notwendig brauchen.

Der Kaufentschluß hat sich also völlig verlagert: von einer humanen, "ganzheitlichen" Entscheidung zu einer technisch-rationalen. Damit entlarvt sich auch das Etikett "bio" ("grün" etc. etc.), das demselben technischen Denken, nur von anderer argumentativer, ja genau eben vermeintlich technisch-rationalerer Seite her, entspringt.

"Sanis omnia sana" (Paracelsus; Dem Gesunden gereicht alles zur Gesundheit.) Die Technisierung der Ernährung hat lediglich mit sich gebracht, daß der natürliche Instinkt getäuscht (Inhaltssurrogate) und gestört wurde.




*190109*

Das Maß der Ordnenbarkeit überstiegen

Ein Satz von F. G. Jünger, geschrieben circa 1940/50: 

"Der Währungsverfall ist weder eine lokale noch eine vorübergehende Erscheinung. Er wird in einer bestimmten Phase des technischen Fortschritts hervorgerufen, und zwar dann, wenn die Mittel, welche die Technik zur Finanzierung ihrer Organisation gebraucht, jenes Maß übersteigen, innerhalb dessen eine geordnete Finanzwirtschaft fortgeführt werden kann." 

(Aus Die Perfektion der Technik, überarbeitet erschienen (1946/49/53/93), verfaßt1946)

Aktueller geht es kaum. Genau das ist im letzten Jahr zu beobachten gewesen, wo man das Getriebe der Vorgänge so schön krachen hat hören.- Als Folge der Finanzwirtschaften des letzten Jahrzehnts vor allem, denn das Wesentliche war ja längst passiert: die Art zu finanzieren, Geld zu schaffen und um den Apparat am Leben zu halten, umlaufen zu lassen! Und genau das passiert, nur auf anderen Wegen auch jetzt wieder, als angeblicher "Kampf gegen die Krise".




*190109*

Sonntag, 18. Januar 2009

Mythos Technik II

F. G. Jünger: "Die Technik erzeugt keine Reichtümer; durch ihre Vermittlung aber werden uns Reichtümer zugeführt, verarbeitet und dem Verbrauch erschlossen. Es ist ein beständiger, stets wachsender, immer gewaltiger werdender Verzehr, der hier stattfindet. Es ist ein Raubbau, wie ihn die Erde noch nicht gesehen hat. ... Nur dieser Raubbau ermöglicht sie (die Technik; Anm.) und läßt sie zur Entfaltung kommen. alle Theorien, die diese Tatsache außer acht lasen, haben etwas Schiefes, denn sie unterschlagen die Voraussetzung, unter der das Arbeiten und Wirtschaften jetzt stattfindet."

Ein Raubbau, der längst auch das Humankapital (unsere Kultur) verzehrt (hat) ... Es gibt eben nur zwei Faktoren, die überhaupt Reichtum ausmachen können: Menschen, und Rohstoffe.





*180109*

Technik = Zeichen von Mangel

Man müßte F. G. Jünger sogar reziprok erweitern: Nicht nur, daß Organisation (=Technisierung) eine Erscheinung ist, die Mangel anzeigt, sondern umgekehrt macht (willkürliche, zum Beispiel ideologische) Technisierung von Vorgängen diese zu Mangelvorgängen.

Dies läßt sich bei sozialen Vorgängen beobachten, die in den letzten Jahrzehnten aufgrund ideologischer Maximen sehr grundlegend umzuformen versucht wurden. Die Folge? Die erwünschten Folgen sind nicht eingetreten (man beachte nur die Umfragen zur Geschlechter-/Rollenfrage, die regelmäßig Heiterkeit erregen), vielmehr ist eine immer weitergehende Zerrüttung sämtlicher sozialer Vorgänge zu beobachten, sprich: die einzigen "Erfolge", die man bemerken kann ist völlige Desorientierung

(Was natürlich als "Fortschritt" verkauft wird, als "Auflösung überkommener Rollenbilder" zum Beispiel während das Fehlen von Ersatz als Frage der Zeit gutgequatscht wird. Da interessiert nicht einmal, was "in der Zeit bis dahin" eigentlich ist ... Gerade solchen Vorgängen wird es zu verdanken sein, daß wir auf dem besten Weg zu einer extrem moralistischen, scheinbar "konservativen" Gesellschaft sind. Wie weit wir auf dem Weg dorthin bereits vorangekommen sind, ist uns natürlicherweise - als mitten in den gesellschaftlichen Vorgängen Stehende - gar nicht klar.)



 *180109*

Mythos Technik I

Für F. G. Jünger ist die Korrelation von Technik und Reichtum ein bestenfalls politisch motivierter Mythos: "... Auch der kleinste technische Arbeitsvorgang verbraucht mehr an Kraft, als er hervorbringt. Wie sollte also durch die Summe dieser Vorgänge (in Technisierung und Rationalisierung; Anm.) ein Überfluß geschaffen werden?"

Jünger stellt mit sehr grundsätzlichen Überlegungen infrage, ob ein Ziel "Reichtum" überhaupt mit Technisierung erreicht werden kann. Zu obigem Satz führt er als Beleg den zweiten Hauptsatz der Wärmelehre an (Carnot-Prozeß), der vereinfacht besagt, daß die Umwandlung von Wärme in Bewegung (zur Technisierung in Maschinenform) ausnahmslos nur einen Teil der Wärme, die sie einem heißen Körper entziehen, in mechanische Arbeit verwandeln können (es gibt also keinen "Wirkungsgradfaktor/thermodynamischer Wirkungsgrad = 1").

Vielmehr meint Jünger, ob nicht beobachtbar sei, daß die Zunahme der Technisierung die Quantität an manueller Arbeit ebenfalls erhöhte! (Man möge sich nur die Regelkreise größer als in Nationalökonomien geteilt vorstellen - Stichwort: Globalisierung!)

Jünger sagt nichts anderes, als daß es immer einen ausgleichenden Faktor "menschliche, manuelle Arbeit" braucht, und daß dieser Sektor mit der Zunahme der Mechanisierung (irgendwo auf der Erde) ebenfalls größer (bestenfalls verschleierter, weil auch viel indirekt verursacht) wird.




 *180109*

Wir SIND Katholiken.

Friedrich Georg Jünger in "Die Perfektion der Technik" über den heutigen Menschen, den "Techniker", weil alles in Technik aufgelöst ist: "... Mit solchen Menschen ist auch kein Gespräch zu führen, da sie nicht mehr Partner eines Gesprächs, sondern Demonstranten sind. Die Umwandlung des Gesprächspartners in einen Demonstranten kennzeichnet die Dogmatisierung der Glaubensgrundlagen einer mechanischen Bewegung."

Ein anderer Satz, ich glaube von Kaltenbrunner (auch wenn ihn der anders meinte, aber sich damit eigentlich verriet), zeigt, was Jünger 1953 prinzipiell meinte: "Wir SIND Evolution!"

Beim Spaziergang steigt mir dann der Satz auf, daß der Sozialstaat heutiger Prägung einem Hochstand des Technizismus entspricht, technisierte Zwischenmenschlichkeit ist, der durch Moralismus (die depersonalisierte, weil in Technik aufgelöste Gutheit des Seins, das somit regelrecht in Ursache und Wirkung aufgespalten, zum jeweiligen Ziel an sich wird) definiert wird. Als Diktatur einer öffentlichen Moral, deren Fratze deshalb nur so wenige kennen, weil sie nur so wenige derzeit noch erlebt haben. Denn das Große auszurotten war eine der ersten politischen Zielsetzungen des Sozialismus.

Größe - und damit erlebbare Würde - ist dort nicht nötig, wo alle Vorgänge technisiert sind.

Selbst der Umgang mit dem Mitmenschen ist simple Analyse möglicher technischer Vorgänge im anderen. Um der Unerträglichkeit wirklicher Autorität auszuweichen.




*180109*