Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 1. November 2022
Das weltzugewandte, damit weltschaffende Gefäß
Samstag, 8. Oktober 2022
Der Bogen von einst zum heute
Samstag, 29. Januar 2022
Endlich schuldenlos werden (2)
Freitag, 28. Januar 2022
Endlich schuldenlos werden (1)
Samstag, 15. Januar 2022
Nur sie und das Waldvögelein
Wo mein Köpflein lag
Unter den Linden
an der Heide,
wo ich mit meinem Liebsten saß,
da mögt ihr finden
wie wir beide
die Blumen brachen und das Gras;
vor dem Wald in einem Tal - 'Tandaradei
Herrlich sang die Nachtigall
Ich kam gegangen
Zu der Aue,
und mein Liebster ware schon dort;
Da ward ich empfangen
als heilige Fraue,
daß ich bin selig immerfort.
Ob er mich wohl oft geküßt? - Tandaradei!
Seht wie rot der Mund mir ist!
Und Blumen brachen
mir zum Bette
in reicher Zahl. O kommt und seht!
Vom Herzen lachen
muß, ich wette,
o mancher, der vorübergeht.
Weil bei den Rosen er wohl mag - Tandaradei!
sehen, wo das Haupt mir lag.
Wie ich da ruhte,
wenn es wer wüßte,
du lieber Gott, ich schämte mich!
Wie mich der Gute
nahm und küßte,
ei, das weiß nur er und ich.
Und auch du, Waldvögelein, - Tandaradei!
Nicht wahr, wirst verschwiegen sein.
Samstag, 13. November 2021
Der Außenseiter und der Sklave
Nur der aber, der der Gewalt unterliegt, bringt die Blüte, in der er sich zusammenfaßt, um sich in der Frucht fallend vom Baume zu lösen. Nur der, der im Herbst zum Sterben geht, schließlich das Haupt in den Nacken sinken läßt, und zur Leiche erstarrt.
So ist er zum Sklaven geworden, zum Sklaven des Bauernlümmels, der aus dieser Sklavenfrucht dann den Schnaps brennt, an den langen Winterabenden, mit dem er seine herben Feste feiert. Vielleicht zwei Stunden währt der Rausch, oder acht, dann folgt die Stille, und's Vergessen. Zur Weihnacht, zum Jahrauskehr, zur Frostesnacht, in der die Geister umgehen. Die Maische wirft man dann den Schweinen vor. Die lachen und spotten und unterhalten sich angeregt, während sie schmatzen und schlürfen.
So viel Macht über so wenig das einmal so viel, haha, sagen sie. Und der Eber erzählt von der Garotte, von der ihm sein spanischer Fellkollege berichtet, wie lustig es aussehe, wenn die Delinquenten die Zunge heraushängen ließen, so! Und er macht es nach. Worauf die Lehne ungehalten lacht, während ihre Farken auseinanderstieben um nicht erdrückt zu werden: Letzthinnig hat sogar sie mehr Rechte, gehört sogar sie mehr zu als der Rechtlose, der Außenseiter, der ein Sklave ist.
Samstag, 2. Oktober 2021
Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (2)
Donnerstag, 30. September 2021
Aus den Notizen am Nachmittag eines normalerweise gebrauchten Tages (1)
Dienstag, 22. Juni 2021
Morgendliche Werkstatt
Sonntag, 20. Juni 2021
Achte die Hieroglyphen
Der Frühling ist, schreibt Novalis an einer Stelle, der stille weissagende Geist unendlicher Hoffnungen. (Nicht also die Farben oder die lustigen Töne oder die warme Luft sind es, die uns so begeistern.) Er liefert damit ein Vorgefühl kommender Feste, vieler froher Tage, und des gedeihlichen Zusammenseins so mannigfaltiger Naturen, die Ahndung höherer ewiger Blüten und Früchte, und die dunkle Sympathie mit der gesellig sich entfaltenden Welt.
Was also sollten wir uns denken, wenn wir einen dermaßen kalten Frühling erleben, wie er gerade mit dem ringt, was Sommer genannt wird, und hoffentlich das Bild seiner selbst in die Welt wirft? Wo wir aus einer Kälte kommen, die unseren Pflanzen interessanterweise eine Saftigkeit des Grün gab, die aus allen Poren Feuchte und Virilität zu tropfen schien, und nicht nur der kalten Luft trotzte, sondern sie sogar zu lieben schien.
(Sogar ein angeblich einmaliger Virus, wie hieß der noch gleich ... Egal. Also ein Virus schien das kalte Wetter so gar nicht zu lieben, was eine seltsame Außernatürlichkeit darstellt, und vertschüßte sich stiller und leiser, als er gekommen war, sodaß man sich fragen konnte: War da jemals einer da? Die Mär, daß das warme Wetter die Ursache für sein Verschwinden sei, ist jedenfalls widerlegt. Aber das Impfen war es sicher auch nicht. Ist er einfach von selber verschwunden? Mit dem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung vielleicht gar? Naja, eine Beute haben ja manche mitgenommen, den Impfpaß, als Brückenkopf, von dem aus in Richtung fernöstlicher Vorbilder weitergearbeitet werden kann. Damit kann selbst SunTsu zufrieden sein. Egal.)
Dienstag, 11. Mai 2021
Filmempfehlung - Im Fluß des Lebens enthalten (2)
Montag, 10. Mai 2021
Filmempfehlung - Im Fluß des Lebens enthalten (1)
Sonntag, 20. Dezember 2020
Gebet und Poesie
Dieser Artikel stammt ebenfalls vom 15. Oktober 2010. Was er sagt ist immer gleich gültig.
Sonntag, 5. Juli 2020
Der immer gleiche Quell
Bescheidet euch mit alten leidensregeln!
Der glanz der war bringt wenn auch späte spende
Die geister kehren stets mit vollen segeln
Zurück ins land des traums und der legende.
Freitag, 10. April 2020
Dann werden es die Steine predigen
Aus menschlichem Kalkül, sagte Milch bereits 1979, ist keine Rettung. Wenn er das sagt, ein Wort von Jünger übernehmend, daß der Glaube keine Kraft mehr hat, daß die Heiligkeit verschwunden ist, dann weist er auf etwas anderes hin. Auf etwas, das REAL so entscheidend ist. Auf die Tatsache, die Milch als "der große Irrtum" bezeichnet, daß sich der Mythos als jene Erzählung, auf die sich ein Volk
- und damit jeder Mensch, jeder, denn jeder gehört einem Volke an, ein Schicksal steht fürs andere, eines ist mit dem des anderen verknüpft -als generellen Verstehens- und Interpretationshorizont des sinnlichen Datums bezieht, aus dem heraus es "Welt" erkennt und gestaltet, daß also dieser Mythos der wirklichen Wirklichkeit, diesem Brunnen alles Seienden, also von allem das ist, entfernt steht. Die Generalerzählung, das "Narrativ" (von dem man heute so gerne spricht) ist ein Sumpf der Irrtümer und Dummheiten, der Schmach, der Würde- und Ehrlosigkeit. Und damit, ja deswegen, eine Schlangengrube der Widersprüche.
Sonntag, 23. Februar 2020
Wo wir des Wirklichen ansichtig werden
Und da taucht dann plötzlich auch ein neuer Begriff von Mensch und seiner Natur auf. In dem der Dichter sich von allem bloß faktischen Subjektivismus langsam zu trennen beginnt und begreift, wie sehr seine Dichtung bedeutet, Sprachrohr für ein unendlich Großes, Wahres, Schönes zu sein, das er durch seine Stimme, durch seine Feder zur Welt bringt. Nicht "er" ist das Interessante, sondern dieses außer, über ihm liegende Ewige des Geistes.
Insofern ist Handke ein Beispiel für die Tatsache, daß in Zeiten kulturellen Niedrigstandes, schon gar solchen des Niedergangs, große Kunst nicht mehr möglich ist. Denn der Künstler hat fast nur noch das Abgrenzen, aber nicht mehr die ihn selber formende Kraft eines positiven, aufbauenden, seinstragenden kulturellen Stromes zur Verfügung. Mehr als gelegentlich zu erreichen, die dicke Eisschicht im See, in den man per Geburt geworfen wurde, zu durchbrechen und wenigstens ein wenig frische Luft zu schöpfen ist dann nicht mehr möglich, und schon die maximal mögliche Leistung.
Denn in der Poesie ahnen wir erst, was nur im Sakramentalen - dem Generalzustand vor der Erbsünde - real wird. Sie ist somit der Duft des Ewigen, nicht das Ewige selbst, die Rampe, von der weiter zu gehen aber nicht in unserer Hand liegt, sondern ungeschuldete Bewegung von Gott her zu uns ist. Ohne die es aber keine Welt geben würde, weil der die Wirklichkeit fehlte.
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Donnerstag, 19. Dezember 2019
Hoffentlich hat sie doch bereut
Man ließ sie nicht zurück. Ließ dem verzweifelten Trotz, den sie an den Tag legte und der durchaus Respekt abverlangt, der sogar eine gewisse Größe darstellt, keine Auflösung. Auch nicht, als ihr der Schöpfer das Szepter der Musikwelt in ihrem Krankheitsleiden langsam aus der Hand nahm.
Schauen Sie, werter Leser, ihre Augen an.
Frankreich war von diesem Existentialismus als Reigen von Sartre, Camus (mit Vorbehalten, er überwand den Existentialismus letztlich, das zeigt sein "Mythos von Sisyphos", der existentiell, aber nicht mehr existentialistisch ist), mit eben Piaf und deren Schützlingen wie Montand oder Aznavour tief geprägt. Und noch heute ist jene nihilistische Seite gerne als die entscheidende Seite von Paris gesucht und besucht. In der Paris in das ultimative Licht eines Sündenpfuhls gehüllt wird (siehe die Paris-Deutung von Henry Miller), und diese Verlorenheit zum scheinbaren Halt in einer Scheinwelt hochzieht. Aber es ist ein Kampf, den das Licht nicht aufgeben darf! Den freilich bourgeoise Konventionalität niemals führen kann, ja gar nicht erkennt.
Der Linken ist es leider weithin gelungen, das Leiden der Künstler an der Welt in ihre ideologischen Bahnen zu drücken. Auch wenn es, wie bei der Piaf, das Leben kostet. Deren Schmerz - sie war katholisch aufgewachsen und als Kind tief gläubig - das Leiden war, von der Kirche getrennt zu sein. Der Gegenentwurf, den sie als Erwachsene trotzig und durch ein chaotisches Leben zu belegen versuchte, ist nicht geglückt.
Samstag, 26. Oktober 2019
Der große Zapfenstreich
Die Bedeutung der Militärmusik ist heute kaum noch bekannt. Aber sie war enorm entscheidend, weil sie den Geist bestimmte, den die Soldaten aufnahmen und wiedergaben, wenn sie direkt in der Schlacht auf den Gegner losmarschierten. Allein bei Austerlitz sind fünfhundert Militärmusiker gefallen. Gegen die französisch-aufklärerische Barbarei war keine Kultur mehr gewachsen. Dieser Geist begann leider dann, Europa zu bestimmen, durch eine aufgezwungene Effizienz. Das war der eigentliche Tod Europas. Wer die Aufklärung also - wie es heute so oft passiert, vor allem bei den Liberalen - zum "guten Geist Europas" hochjubelt, ist ein satanisches, im Geiste krankes Schwein, sonst nichts.
Faszinierend, hier wie in der Architektur der Vergangenheit, die liebevolle Ehe, die sich zwischen Größe und versöhnlichem, geduldigem Charme gebildet hat, erkennbar ist. Selbst der "martialistischste" Militärmarsch Österreichs hat noch diese spielerische Übernote, die begeistern kann. Selbst das monarchische Kriegsministerium hat eine Lieblichkeit, die einnimmt. Wer all das etwa mit preußischen Einrichtungen vergleicht, die die deutschen Völker so vergewaltigt haben, wird sofort begreifen, worum es geht.*
Und besonders der Prinz Eugen-Marsch zeigt, wie hervorragend die traditionelle Militärmusik zu den Menschen dieser Völker paßt. Die hier ihre Verwurzelung suchten und begründeten, um Europa vor den Begierden der asiatischen Steppenvölker zu beschützen. Gedankt wird es den Österreichern bis heute nicht. Die da tausend Jahre lang gelernt haben, größte kulturelle Gefälle und Differenzen mit einer kaum faßbaren Fähigkeit der ausgleichenden Scheinambivalenz - und dabei einer so großen Geistesklarheit - zu bewältigen.
Man beachte ab etwa Min. 14' den Übergang zum Wissen um die Tragik des Spiels, inmitten einer barbarischen Welt. Wenn die Österreicher nicht begreifen (und hier bleibt wirklich nicht mehr viel Zeit), daß sie aus den Quellen der in ihnen angelegten Quellen trinken, werden sie als das enden, als das sie sich darstellen lassen (sic!) - zum dumpfen, blöden Konsumismusdreck, der sich als Welt aufspielt.**
Endgültig Gänsehaut ist ab Min. 16:30' beim eigentlichen Zapfenstreich garantiert, der dann ins Gebet übergeht. "Ehrenformation, zummm Gebeth!" Es folgt die Ehrensalve der Schützen. 20:28' dann der bekannte Trompeten-Zapfenstreich, auf den die Zeremonie meist reduziert wird. Um dann in der Nationalhymne auszuklingen.
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Freitag, 28. Juni 2019
Filmempfehlung
Wenn man überhaupt von einem Dialog "Judentum-Christentum" sprechen kann - er ist über Kunst (und nur so) scheinbar wirklich möglich. Dort. In der Wahrheit. Die in der Kunst die Unausweichlichkeit in der Gestalt, in der Realität des logos annimmt. In der Eigengesetzlichkeit der Form, die die Materie prägt, zum Ding ruft, und in der Kunst real und den Sinnen wahrnehmbar wird.
Wenn unsere Kulturen überhaupt noch eine Chance haben wollen, dann nur über die Gestalt-Aufnahme jener, die nirgendwo dazugehören können. Die Künstler. Denn die Welt gründet überhaupt in dem größten, vollkommensten Künstler, dem Urbild des Menschen. In Jesus Christus. Es ist im Grund kaum begreiflich, aber mehr als verständlich ob der Unsichtbarkeit der Kirche in der Gegenwart, daß die Brüder Coen nicht längst katholisch geworden sind. Nichts wäre logischer. Wer poetisch ist, muß katholisch sein.