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Mittwoch, 18. März 2020

Dummheit ist manchmal auch unterhaltsam

Aus dem Blog-Rundbrief von Nicolaus Fest vom 8. Februar 2020

In Europa existiert ein klares Gefälle der politischen Vernunft: Je weiter man nach Osten kommt, desto höher ist der Sinn für Realitäten. Das zeigt sich in Deutschland, aber auch im EU-Parlament. Bulgaren, Polen und Rumänen sind selbst dann, wenn sie linken Parteien angehören, vergleichsweise vernünftig. Dagegen liegen die Äußerungen ihrer Kollegen aus Spanien und Portugal meist im Bereich der Hysterie; und die Linksaußen-Schweden sind ohnehin jenseits aller Debatte.

Jüngst trafen diese Mentalitäten im LIBE-Ausschuss des Europäischen Parlaments aufeinander. Der soll sich dem Namen nach mit Justiz, bürgerlichen Freiheitsrechten und Sicherheit befassen, kümmert sich aber tatsächlich – unter der Leitung des spanischen Sozialisten Lopez-Aguilar – um Umsiedlung, Erleichterung des Schleuserwesens und die Islamisierung Europas. Hinderlich diesen Zielen ist ein funktionierender Grenzschutz, und daher sind er und seine Verteidiger Ziel besonders wüster Attacken. 

Diese Erfahrung machten nun auch der kroatische Innen- wie Justizminister, die als Gäste im Ausschuß über die Lage an den Grenzen Kroatiens berichten sollten. Kroatien, mit den längsten Landgrenzen zum Nicht-Schengen-Raum, setzt dabei auf eine robuste und wenig zimperliche Art, illegale Grenzübertritte zu verhindern. “Es ist sehr einfach”, meinte der kroatische Innenminister. “Leute, die ihre Papiere vernichten und deren Identität wir nicht feststellen können, lassen wir nicht ins Land. Wenn sie es dennoch versuchen, tun wir ihnen weh.” Daraufhin kreischend eine nordische Grüne: “Papiere sind Faschismus!” Viele ihrer Kollegen, darunter nicht wenige aus Deutschland, klatschten Beifall.

Den Rest zu lesen lohnt sich, er ist auch recht unterhaltsam. Und enthält interessante Details, wie dieses:

Maybrit Illner diese Woche, die Runde mit Gauland zur Wahl in Thüringen. Dabei auch Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der WELT, die den abwesenden FDP-Chef Lindner scharf kritisierte. Rosenfeld (45) war bis vor zwei Jahren mit Lindner liiert, dann trennte man sich angeblich freundschaftlich – oder möglicherweise auch wegen der deutlich jüngeren Moderatorin, mit der Lindner nun verbunden ist.




Donnerstag, 23. August 2018

Sommerliche Beobachtungen in Deutschland (2)

Wer keinen Boden unter den Füßen hat schlägt mit den Armen um sich





Noch ein Indiz gibt es für die Vermutung, daß das Vertrauen in den Rechtsstaat, in den Sinn jeder öffentlichen Ordnung, in Deutschland den Bach hinunter geht. Die Schilderwälle an Baustellen sind auffallend chaotisch. Das war vor 20, 30 Jahren, als der VdZ viel in Deutschland unterwegs war, noch anders. Wo er alles sinnhaft und professionell und eindeutig empfand. Heute wirkt vieles wie ein vieldeutiges, mit umso mehr Schildern zu begrenzen gesuchtes Chaos. 

Daß das für alle so ist, belegt die seltsame und für den VdZ neue Tatsache, daß sich fast jeder Autofahrer als Kapo zu empfinden scheint. (Wenn die übergreifende Ordnung versagt, sieht sich jeder Teil aufgefordert, Ordnung zu schaffen.) Jedes, ob des Schilderchaos unsichere Verhalten (eines Fremden wie des VdZ), jedes kurze Zögern, wenn die Ampel auf Grün springt, jeder raschere Spurwechsel, weil die Abfahrt im Zuge der umgeleiteten Strecke nicht erkennbar angekündigt war, alles wird sofort durch ein nervöses Hupen und Schimpfen in Grund und Boden gestampft. Das gab es früher bestenfalls in Wien. Heute wird das locker in Bayern und Franken übertroffen. Keine Größe, keine Gelassenheit mehr, nirgendwo. 

Außer beim Fleischer oder im Edeka, wo also die Ordnungsräume noch recht überschaubar, geschützt und bewohnt sind. Dort zeigt sich noch die altbekannte Bereitschaft, sofort in nette Zwischenmenschlichkeit zu tauchen, und jede Höflichkeit zu wahren. Zumindest bei den Älteren.

***

Im Gartenpavillon des "Russenhauses", Murnau 
Bildrechte bei "R"


Zurück zur deutschen Rechtsordnung. Diesem vom VdZ festgestellten Verlust des allgemeinen Vertrauens in die Obrigkeit entsprach - nicht widersprach! - ein Ereignis in einer historischen Villa in Utting am Ammersee, die vor 100 Jahren dem Künstlerehepaar Gasteiger gehört hatte, das in der deutschen Kunstszene der 1920er ff. seine Rolle gespielt hat. Es ist schon fortgeschrittener Abend, und wir wollen eigentlich nur das Grundstück genießen, das direkt am See liegt. Wir sind die einzigen (!) Besucher der gar nicht so leicht zu findenden Anlage, und spazieren ruhig über die recht natürlich gebliebenen, erst vor kurzem (wohl mit Traktor) gemähten Wiesen, genießen die laue Abendluft, während der kleine Hund neben uns her trottet (nachdem er, es sei eingestanden, kurz zuvor eine Katze, die da aufgetaucht war, auf einen Baum gejagt hatte.)

Da taucht mit energischem Schritt ein Mann auf. Kurze Hosen, Schlapfen, vegetarisch-dürr, braungebrannt, wenn man den VdZ also fragt: Links und "humanistisch-ökologisch". 

Der Mittdreißiger bellt uns sofort an. Bayrische Schlösserverwaltung, er beobachte uns nun schon eine ganze Weile, und nun sei Schluß. Womit? Es sei empörend, wie wir uns "aufführten". Wir verhielten uns absolut ordnungswidrig! Die Wiesen dürften nicht betreten werden, und Hunde hätten überhaupt Zutrittsverbot am Anwesen. Es zuckt dem VdZ in der Hand, angesichts des unhöflichen, ja lächerlichen Verhaltens, mit dem ein Sesselfurzer, dem das Beamtendasein aus den Ohren tropft, seine "Machtstellung" zelebriert, seinen Spazierstock widmungsfremd einzusetzen. Aber er beherrscht sich im letzten Augenblick, und wir gehen.

Es geht auch anders. Im ehemaligen Wohnhaus der Malerin und Photographin Gabriele Münter in Murnau am Staffelsee, in dem sie einige Jahre mit Wassily Kandinsky gelebt (ehe der sie für eine dreißig Jahre Jüngere verließ) und in dem die Bewegung "Der blaue Reiter" während der NS-Zeit ihre Heimat gefunden hatte, ist der diensthabende Beamte, der im Haus eine Kabine besitzt, überaus gelassen. Die Stimmung unter den zahlreichen Besuchern ist entspannt, und jeder verlustiert sich gelassen in Haus und Garten. Selbst die mehreren Hunde, die herumlaufen, werden auffallend gleichgültig hingenommen, und trotz des erstaunlich regen Besucherverkehrs - die Freundlichkeit auch unter diesen ist bemerkenswert - wird es ein stimmungsvoller Sommer-Nachmittag. "Alles braucht seine 10-15 Prozent Watteränder," sagt der VdZ, als wieder das Auto bestiegen wird. "Dann kann es das Gemüt bilden."






*230718*

Mittwoch, 22. August 2018

Sommerliche Beobachtungen in Deutschland (1)

Einem aktuellen Blogeintrag von Nicolaus Fest (der insgesamt lesenswert ist) ist diese Passage entnommen:

Ein Freund, ausgestattet mit Ruderboot und allen notwendigen Berechtigungen, angelt bei Sonnenaufgang im Chiemsee. Ein Elektroboot nähert sich und geht längsseits. Es ist der Beamte für die Kontrolle des ordnungsgemäßen Angelwesens. Hier ist nicht alles ordnungsgemäß: Der gerade gefangene Fisch ist noch nicht ins Angelverzeichnis mit Länge und Fangort eingetragen, dennoch die Angel schon wieder ausgeworfen. Das ist, man glaubt es nicht, eine Ordnungswidrigkeit, die mit einem deutlichen Bußgeld geahndet wird. Hier funktioniert der Rechtsstaat.

***

Aber genau das bezweifelt der VdZ nach mehreren Wochen, die er gerade in deutschen Landen verbracht hat. War es Täuschung? Oder ist es Wahrnehmung der Wirklichkeit, daß die Rechtsunsicherheit in Deutschland als kollektive Stimmung mit Händen zu greifen ist? Die sich in zahlreichen kleinen Stellungnahmen, Bemerkungen, alltäglichem Verhalten erkennen läßt. Man traut den Behörden nicht mehr zu, die Gesetzesordnung im Griff zu haben. Das eigenartig selbstsichere Lächeln der selbst in ländlichen Gefilden auffallend vielen dunkelhäutigen, jungen männlichen Fremden ist da nur die Kirsche auf der Sahne. 

***


Die Spitze war freilich die unfreiwillige, aber schließlich mit gespitzten Ohren verfolgte Unterhaltung einer kaum 17jährigen "Flüchtlingshelferin" mit einem etwa 20jährigen Afrikaner, der kaum englisch, geschweige denn deutsch sprach, die wir in einem Gastgarten in einem Restaurant am Ammersee verfolgten. Der Versuch der nicht unhübschen Blonden, die sich in einer Kleidung präsentierte, die an ein Negligé eher erinnerte als an ein Kleid, dem Dunkelhäutigen (sehr gut aussehenden) Mann mitzuteilen, was eine deutsche Frau von einem Mann erwarte, war eine wahre Groteske. 

"Ich will, daß Du mir alles sagst. Was Du denkst, was du fühlst, und ... (sie holte Atem, um es umso theatralischer herauszustoßen) was Du WILLST. Eine deutsche Frau möchte das so, sie will totale Einheit, und sie möchte alles verstehen." (Der VdZ vereinfacht das Gemisch aus Englisch und Deutsch und Zeichensprache, mit dem das Mädchen die Unterhaltung zu gestalten versuchte.) 

Dann stand sie auf und wandelte ins Lokalinnere um die Toilette aufzusuchen, wobei im Gegenlicht ihre Körperkonturen in dem dünnen Tüllkleid unübersehbar wurden, ihr tänzelndes Gehen noch deutlicher erotische Absichten offenbarte. Als sie zurückkam setzte sie fort. "Ich sehe an Deinen Augen, daß Du ein guter Mensch bist, daß Du ein gutes Herz hast. Das ist von der Hautfarbe und Deiner Herkunft unabhängig. Aber Du mußt verstehen, daß ich ein wenig Angst habe, daß es Dir nur um eine Aufenthaltsgenehmigung und einen deutschen Paß geht." Der Afrikaner arbeitet, wie sich herausstellte, als Gehilfe in der Küche eines nahegelegenen Klosters, das sich integrative Flüchtlingsbetreuung offenbar zur Aufgabe gestellt hat. Die Wirtin fand die Integrationsbemühungen der wenigstens Halbhübschen, sich umso eindeutiger erotisch Gebenden offenbar aber mehr als gut, und erließ den beiden den Großteil der Rechnung.

Aber ist das Mädel "frei", wie sie betonte? Tolerant? Was sie sagt verrät vielmehr ein Ausmaß von Angst, das nur von ihrem Machtrausch überboten wird, den "Flüchtling" - der ihr in allem unterlegen ist! - vollkommen zu beherrschen. Ja, sagen wir es frei heraus: Sich zu holen, was sie interessiert. Diesen jungen, attraktiven Körper hier, ihre Anerkennung dort. Mißbrauch, mit einem Wort. Die Folgen liegen auf der Hand.

"Das ist die nächste, die eines Tages hinter einem Busch aufgefunden wird," meinte deshalb einer unserer Tischgenossen. "Wie will der jemals hier sozialen Status erlangen, der dem Begehren dieser Frau entspricht, von dem sie freilich keine Ahnung hat?!" Wer aber, so das Fazit unseres Resümierens, wäscht diesen jungen Menschen derartig die Gehirne, daß sie den Verstand ausschalten und meinen beweisen zu müssen, daß sie "gut" (oder was immer) sind? 

Dem VdZ tut der Neger aber eigentlich leid. Was mag der für einen Eindruck von Deutschland haben? Lauter Irre, die von der Wirklichkeit keine Ahnung haben.


Morgen Teil 2) Wer keinen Boden unter den Füßen hat schlägt mit den Armen um sich






*220818*

Montag, 14. Mai 2018

Feministische Frauen haben kein Selbstbewußtsein

Wieder gut. Wieder ein Bezug auf einen Blogeintrag von Nicolaus Fest aus Berlin. Er erzählt eine scheinbar simple Begebenheit: Er habe in einem Restaurant beobachtet, wie ein Paar eintrat und an der Garderobe ablegte. Dabei habe die Frau sich eine Zigarette anzünden wollen, aber kein Feuer gehabt. Also habe sie ihren Begleiter gebeten. (Köstlich die Details, der Leser möge nachschlagen.) Der habe aber selber keines gehabt, also einen Umstehenden gefragt. Der hatte welches. Mit diesem Feuerzeug hatte der junge Mann dann seine Zigarette angesteckt, und anschließend an seine Begleiterin weitergegeben.

Das sei früher unmöglich gewesen, stellt Fest sehr richtig fest. Niemals hätte eine Frau so ungehobelstes, formloses Verhalten akzeptiert. Und - das ist der Punkt! - das schon deshalb, weil früher (also in Zeiten der angeblich totalen Unterdrückung der Frau durch den Mann, was ja heute angeblich und Gottseidank behoben ist) jede Frau so starkes Selbstbewußtsein gehabt habe, daß sie über solches Verhalten eines Begleiters nur empört gewesen sei, und diesen sofort stehen gelassen hätte.

Und Fest sagt völlig richtig: Das Selbstbewußtsein der Frauen war früher weit größer. Frauen waren nämlich gehalten von einem starken, allen verbindlichen Konstrukt der Höflichkeit, das - und das ist ja Kultur - die Natur der Dinge, ihr Wesen herausstellt, schützt, bestärkt. Was ja das Selbstvertrauen der Menschen eigentlich ausmacht.

Interessant auch seine Beobachtungen zur Situation an den Universitäten. Wo sich längst unerträgliches Mindermaß unter Professoren, vor allem aber unter den Studenten breitgemacht habe. Es sei der Regelfall, daß Studenten durch Abschlüsse kämen, die geistlos nur die vorgeschriebene Meinung wiederkäuten, aber niemals einen eigenen Gedanken zu fassen wagten oder in der Lage wären. Studienabschlüsse seien vor allem für Frauen oft nur eine Schmucknadel für den Heiratsmarkt. Wo immer Begabung auftrete, werde sie hingegen bekämpft.

Auch der Rest des Eintrags ist amüsant und lesenswert. Erneut deshalb: Empfehlung!







*050518*

Freitag, 20. April 2018

Aus der Abteilung "Gestaltlesen"

"Bei Freunden. Der Sohn, 22, kommt ins Zimmer, abgekämpft, glücklich. Gerade haben er und seine Mannschaft in letzter Sekunde ein Hockeyspiel gewonnen. Man spürt noch die Ekstase, den Jubel, die Lust an Wettkampf und Sieg. Freundliches Hallo, kurzer Bericht über Spiel und Triumph, dann entschuldigt er sich: Er müsse sich auf die morgige Vorlesung vorbereiten. Die Frage seiner Mutter, was aus dem hübschen Mädchen geworden sei, mit dem sie ihn kürzlich in der Stadt getroffen habe, beantwortet er schon im Gehen: „Sie wollte mit mir Germany’s Next Top-Modell sehen. Das war’s dann!“ Ein kluger Mann.

Tatsächlich gab es schon zu meiner Studienzeit einen Katalog frauenspezifischer Warnschilder, die jeden, der bei Sinnen war, sofort das Weite suchen ließen: Stofftiere. Exzentrisch gefärbte Haare. Psycholektüre. Ob auch Katzen dazuzurechnen seien, war beliebtes Thema beim sonntäglichen Kick. Die meisten hielten Katzen für den Ausdruck der soziopathischen Einstellung ihrer Besitzerinnen: Alles vom Versorger erwarten, nämlich Ansprache, Futter, Streicheleinheiten und Beseitigung des Drecks; aber nichts zurückgeben und immer auf Unabhängigkeit pochen. Heute gibt es, wie eben GNTM, noch weitere Gefahrgut-Zeichen. Dass viele Frauen keinen Partner finden, ist wenig überraschend.

Eben darüber hat die Amerikanerin Helen Smith ein Buch geschrieben. „Männerstreik“ (Edition Sonderwege) geht der Frage nach, warum siebzig Prozent der amerikanischen, sechzig Prozent der deutschen Männer im heiratsfähigen Alter nicht mehr bereit sind, den Katzenvater zu geben. 

Schon in der Ausbildung, so die Entwicklung in den USA, verabschiedeten sich viele Männer von höheren Ambitionen. Und das nicht aus intellektuellen Gründen, wie oft behauptet. Vielmehr würden sich auch Hochbegabte von College und Universität abwenden, weil sie die dortige Mischung aus Diskriminierungshysterie, Gender-Gefasel und feministisch manipulierten Leistungsprüfungen abstoße. 

Für Männer, die sich messen und besser sein wollten als ihre Konkurrenten, sei die heutige Universität längst ein lebensfeindliches Biotop; und der dort vorherrschende Frauentypus unter Aspekten der Familiengründung keine Verlockung. 

Anders als viele Akademikerinnen meinen, wirken intellektuelle Selbstüberschätzung, Veganismus plus Hypermoral nicht gerade anziehend. Warum also einen hochkompetitiven Job als Anwalt, Manager oder Broker anstreben, warum siebzig Stunden und mehr pro Woche arbeiten, wenn der Lohn im Permanenz-Gejammer der Ehefrau liegt, die sich selbst als zu qualifiziert betrachtet, um ‚nur’ Kinder aufzuziehen? Nicht wenige Amerikaner würden daher der College-Ausbildung Lebwohl sagen und sich Handwerksberufen zuwenden – einem der letzten Refugien des reinen Leistungsgedankens."


Von der immer wieder lesenswerten Homepage des Berliner AfD-Sprechers Dr. Nicolaus Fest





*290318*

Donnerstag, 19. April 2018

Über den Einzelfall der bösen Tat (4)

Teil 4)




Wußte der Leser, daß es etwa in Polen die brutalsten Judenverfolgungen gab? Oh ja, die Polen sind Weltmeister in den Vergangenheitsbeschönigungen. Grotesk und voller Widersprüche, was der VdZ da von Polen schon gehört hat, er kennt kein europäisches Volk, das ein derart unaufgearbeitetes Verhältnis zu seiner Vergangenheit - und damit zu seiner Gegenwart - hat. Aber dieses Thema ist lückenlos belegbar: In Polen gab es schon lange vor Hitler den härtesten Antisemitismus am Kontinent. Warum sonst glaubt der Leser haben schon in den frühen 1920er Jahren sämtliche amerikanische Zeitungen von drohenden "Sechs Millionen" (eine magische Zahl, die heute bei uns gewissermaßen dogmatisiert ist) drohenden jüdischen Toten in diesem geographischen Raum geschrieben!? Warum kam es genau damals und genau dort zur Massenauswanderung nach West-Amerika? Hollywood läßt grüßen, übrigens.

Zu einer Judenverfolgung im heute verstandenen Sinn wurde der deutsche Anti-Judaismus erst im Laufe der Jahre unter Hitler. Er war zuerst (und europaweit) ein politisches Argument, das sich auf die revolutionäre Grundgesinnung des Judentums als Welthaltung bezieht. Und wie er sich im Kommunismus (85 Prozent der kommunistischen Revolutionäre waren jüdisch) exemplarisch bewiesen hatte. (Wir leben heute ja gar nicht im Marxismus, übrigens: auch Marx war ein Jude. Sondern wir leben im Trotzkiismus, der permanenten Revolution. Auch Trotzki (aka Bronstein) war Sohn einer (wohlhabenden) jüdischen Familie.

Die Dummheit der nationalsozialistischen Strömungen (denn eine geschlossene, in sich widerspruchsfreie, durchentwickelte Ideologie war er nie) ist vielmehr im Rahmen jeder Verdummung und Fragmentarisierung, weil Instrumentalisierung von Geist durch Ideologie gesehen werden. Und soll deshalb hier gar nicht noch einmal abgehandelt werden, das ist bereits oft genug geschehen. Wir sollten aber nicht den Fehler machen, die Nachkriegspropaganda, die "alles erklärte" (und dabei nur die Erzählung festlegte, die fortan zu gelten habe) kritiklos hinnehmen. Die auch eine "nationalsozialistische Ideologie" quasi "schuf". Dabei aber vor allem etwas ganz anderes rechtfertigte und Narrative installierte.

Selbst die SS-Einheiten an der Front - wenn also schon: gut, die SS war ideologisch mehr geformt - waren nicht bekannt, ja berühmt-gefürchtet, weil sie so barbarisch waren, sondern weil sie von einem fanatischen, absolut gesetzten Dienstwillen geprägt und damit harte Gegner an der Front waren, die das eigene Leben jederzeit opferten. Sie hatten deshalb auch überdurchschnittlich, ja katastrophal hohe Verlustraten, weil sie oft Charisma vor Fähigkeit setzten.

Wo es dieses Ehren-Maß überschritt, in Barbarismus ausartete, war es gleichermaßen nicht Teil der NS-Ideologie, sondern stand im Rahmen eines sich gewissermaßen verselbständigenden Automatismus, zu dem sich das "System SS" (der ehemalige KZ-Häftling Eugen Kogon ist in seinen Beschreibungen hier sehr lesenswert) entwickelte. Bis hin zu Geldgewinnungsmethoden aus den Rückständen von Toten, den berühmten Goldzähnen also. Und natürlich dem Handel mit der Industrie, der zum Sklavenhandel wurde, aus dem sich die SS finanzierte und damit zum Staat innerhalb des Staates wurde.

Aber was soll man davon denken, daß mit die schlimmsten Gewalttäter ... Häftlinge selbst waren? Über das Kapo-System geschahen die brutalsten Verbrechen, das wird oft und oft von Augenzeugen berichtet. Es waren inhaftierte Ukrainer, "Untermenschen", die in Bergen-Belsen massenhaft Juden erschlugen. Es waren inhaftierte Juden-Kapos, die Juden am schlimmsten drangsalierten. Waren die auch ideologisch präpariert? Das Brechen des Kulturellen und damit Humanen im Menschen war kein ideologisches Ziel, es war die Folge subjektiver, immer aber einzelner Schuld.

Die KZs waren eben ein Raum, in dem jede Einzelfall-Täterschaft ohne Konsequenzen blieb, ja in der Hierarchieleiter (die aus Personen besteht, also: aus einzelnen Menschen) genau darauf zählte - totale, unberechenbare Macht des Einzelnen! - und das war ihr Geheimnis des Schreckens: Genau der Umstand, daß es KEINE allgemeine Richtlinie gab, die berechenbar gewesen wäre. Viele relevante Zeugenberichte beschreiben genau das. Es gab auch keine Richtlinien des Schreckens. Es war alles unberechenbar, das war das Furchtbarste daran. Weil die KZ-Häftlinge der subjektiven, persönlichen Willkür der Einzeltäter ausgeliefert, und zwar total ausgeliefert waren.

Und also war der sogenannte Holocaust tatsächlich immer ein Einzelfall. Zumindest - auch. Ihn einer Ideologie zuzuschreiben hat ganz andere Gründe und ist Teil einer Legende, die nach dem Krieg - vor allem im Zuge der Gewaltherrschaft und über Umerziehung der Deutschen - etabliert wurde.






*290318*


Mittwoch, 18. April 2018

Über den Einzelfall der bösen Tat (3)

Teil 3)




Die Konzentrationslager waren zum Zeitpunkt ihrer ersten Errichtungen gleichermaßen prinzipiell nicht gedacht, um Menschen massenhaft zu vernichten. Bis heute ist nicht geklärt, wie das rein technisch hätte ablaufen sollen. (Auch hier also: Es konnte schon deshalb nur über "Einzelfall-Lösung" ablaufen.) Die Idee von Anhaltelagern, wo Regimegegner konzentriert waren, gab es im übrigen auf der ganzen Welt, nicht zuletzt in den USA. Wo es unter anderem zweihunderttausend Japaner betraf. Ihre Ursprungsidee war eigentlich ganz anders. Sie sollten nur Kräfte, die dem Neuaufbau hinderlich waren, aus der Gesellschaft fernhalten. Das war die Idee jedes der zahlreichen Faschismen, die in Europa damals auftraten.

Sie sind nur zu Vernichtungslagern GEWORDEN. Über aller sich später entwickelnden (!) Vernichtungsidee, die es natürlich gab. Aber die Konzentrationslager sind vor allem zu dem geworden, als was man sie heute kennt, weil sie ein Raum waren - daran hatte eigentlich niemand wirklich gedacht, das trat aber dann logischerweise auf - in dem sich jeder Einzelfall an willkürlicher Täterschaft entwickeln konnte, ja fast mußte, und sich tatsächlich entwickelte. 

1945, nach der sogenannten "Befreiung", waren etliche KZ-Kommandeure Berichten der Alliierten nach völlig "reinen Gewissens". Sie führten die Befreier sogar im Lager herum, als wäre es das Normalste auf der Welt. Und verstanden überhaupt nicht, warum sie nun "Täter" sein sollten. Aus ideologischer Verblendung? Nein. Weil sie "nichts Böses getan" hatten. Das waren alles ... Einzeltäter. Nirgendwo wurde Vergewaltigung etwa so schwer geahndet, wie innerhalb der SS. Sadisten wurden in der Regel verachtet, wenn nicht bestraft.

Denn auch (ja gerade in der SS) gab es einen Ehrencodex - so sehr man über diesen diskutieren muß, denn er war ganz klar evolutionistisch (sic!) und damit atheistisch! - der subjektiv motivierte Gewalt, Sadismus etc. ächtete. Von Biergesprächen, in denen man mit Gewalttaten prahlte, muß man insofern ganz anders sprechen, als sich der Gewaltraum (in dem das passierte) fast unmerklich realisierte, aber ideologisch nur irgendwie rechtfertigbar, nicht Bedingung oder Ursache war. Einzelne Aussagen herbeizuholen, um das doch zu belegen, ist einfach falsch und treffen nicht die Realität.

Oder wie glaubt der Leser, warum nach dem 8. Mai 1945 der weit überwiegende Teil der Deutschen nicht im Traum daran dachte, daß er "einer verbrecherischen Nation" angehört haben sollte? Was an seinem Verhalten - Einzelfall! - war falsch gewesen? Man war im Krieg gewesen. Das erklärte alles. Auch die Mutter des VdZ hatte sich diesem gegenüber in Gesprächen so verteidigt, als dieser selbst in seiner Jugend von der Propaganda angekränkelt war. Gott hab sie selig, der VdZ bereut alles das heute, er hatte es damals nicht verstanden. Dabei war sie tief katholisch! So katholisch, daß sie die Veränderungen des 2. Vatikanums nicht mehr nachvollziehen, begreifen konnte und sich für die Demenz entschied, da war nichts mehr mit Vernunft in Übereinstimmung zu bringen.

Explizit gemacht war sogar die gesamte Herkunftsfamilie des VdZ - väterlicher- wie mütterlicherseits - stark anti-nationalsozialistisch weil erzkatholisch. Das war unvereinbar. Dennoch haben alle (!) als (dekorierte) Soldaten mutig an der Front gedient, und viele sind auch gefallen. Andere wurden nach 1945 in Schlesien von Polen ermordet. Die wirklichen Bewegungen liegen also auf ganz anderer Ebene als auf der einer Ideologie. Der VdZ behauptet sogar, daß die zutiefst ideologisch denkenden Menschen die ... feigesten waren. Ein Mann kämpft nur als Krieger gut, auch Kampf und Krieg lebt von der Poesie, mehr gibt es dazu nicht zu sagen. Aber ein Krieger ist nie ein Ideologe. Er ist vielmehr hoch-wirklicher Mensch.

Genau so muß man vom sogenannten "Antisemitismus des Dritten Reiches" mit Vorbehalt sprechen. Denn dahinter stand und steht eine ganz andere Auffassung, wir haben sie an dieser Stelle bereits darzustellen versucht. Der sogenannte deutsche Antisemitismus war ZUERST kein ethnischer Vorbehalt. Und ganz Europa war in diesem exakten Sinn antisemitisch. Weil es die Macht und Machinationen der Juden, als Drahtzieher des Finanzsystems, das alle schöpferische Kraft vernichtete, erkannte. Prinzipiell verankert in ihrer Ablehnung der Seins-Ordnung. 

Denn sie hatten "als Juden" Gott selbst ans Kreuz geschlagen. Ein ontologisches Problem. Und erst daraus in Folge ein gesellschaftliches und politisches. Als verteidigender Haß einer Minderheit auf die Seins-Ordnung, ja auf jede vorgefundene Ordnung. Als echtes - ontologisch verankertes - Schuldproblem, das sich, weil es ontologisch ist und war in jedem individuellen Leben niederschlägt. Als existentieller Haß auf die Ordnung einer Gesellschaft. Als revolutionärer, alle Ordnung überwinden wollender, Ordnung zerstören wollender weil - aus Schuldproblematik getrieben - müssender Geist. 

Jede Schuld aber versucht, ihre Unschuld aus dem Beweis der Allgemeinheit, der Richtigkeit, damit der empirisch belegbaren ontologischen Berechtigung ihres Verhaltens zu beweisen.


Morgen Teil 4)







*290318*





Dienstag, 17. April 2018

Über den Einzelfall der bösen Tat (2)

Teil 2) So einfach ist das alles nicht.
Der Holocaust war die Tat - vieler - Einzeltäter.



Die oft schrecklichsten Gewalttaten wurden von Menschen begangen, die absolut glaubhaft im "normalen Leben" gute Väter, Kunstliebhaber und feinsinnigste Kulturmenschen waren. Sie hatten nur "!das Pech", in eine Lage zu kommen, wo das Schreckliche durch einen Tastendruck, eine Unterschrift, einfach als Teil einer Sache passierte. 

Dabei - hört, hört! - überaus oft (wenn nicht mehrheitlich, aber das ist kaum noch festzustellen) von Männern, die ganz sicher niemals Nationalsozialisten waren! Sie waren stinknormale Soldaten, Wachmannschaften, was auch immer, und kamen in eine Situation, in der alles möglich war, ja gefordert wurde, daß alles möglich gemacht wurde. Von wem? Das wußte meist niemand. Es war irgendwie so. Und plötzlich tauchte etwas auf, mit dem im Zivilleben niemand rechnen würde.

Soviel auch zu den heutigen Gutmenschen, die alle "so gut" sind, weil sie noch nie ganz persönlich in einer Situation waren, wo sie gegen einen (auf oft seltsame Weise entstehenden, vorhandenen, meist sogar nur vermuteten) Mainstream entscheiden mußten. Freiheit, Gutheit ist aber eine Frage der individuellen, situativen Entscheidung!

Es ist gefährlich, ja es ist dumm zu glauben, daß menschlicher Barbarismus eine Frage der Ideologie ist. Ideologie ist - wie fast immer menschliches Denken - eine Bewegung der Rechtfertigung, oberflächliches Gebrabbel gar, "Meinungswust", in dem man sich so im Alltag bewegt.  

Die bösesten Taten begeht der Mensch aber nicht aus ideologischen Gründen. Diese Gründe sind vielmehr immer "Einzelfälle", individuelle Fälle einer Zustimmung, die nicht einmal gefordert wäre. Die zu verweigern aber in jedem Fall die sittliche Kraft fehlt.   

Hannah Arendt war perplex, als sie 1962 bei den Adolf Eichmann-Verhandlungen in Jerusalem feststellte, daß dieser "Nazi-Schwerverbrecher" ein völlig normaler, ja banaler Mensch war. Da war nichts Böses, da war nichts Außergewöhnliches, da war keine Schreckensfratze, da war vor allem nicht das, was sie selber geglaubt hatte: Ein ideologisch Verblendeter. Als sie das schrieb, war sie natürlich plötzlich schwer angefeindet. Das MUSZTE doch Ideologie sein!?

Nein, sagte Arendt bis zu ihrem Tod. Das war normal, das war einfach einer der vielen Ausflüsse der Moderne. Der sogenannte böse Nationalsozialismus brach sich herunter bis auf simpelste, banalste Menschen. Das total durchdacht erscheinende Gesamtsystem wurde plötzlich zu einer Sammlung von ... Einzelfällen.

Noch 1936 schrieb der amerikanische Botschafter nach Washington, daß er keine Gefahr für die Juden sähe, weil sich im deutschen Volk, beim Mann von der Straße, kein Antisemitismus feststellen lasse. Die Juden waren praktisch assimiliert. 90 Prozent der jüdischen Männer hatten deutsche Frauen, 30 Prozent der jüdischen Frauen deutsche Männer geheiratet. Hitler würde also mit einer aggressiven Behandlung der Frage der Juden, von dem er freilich ab und an (vorsichtig!) sprach, nicht durchsetzen können.

Morgen Teil 3)





*290318*

Montag, 16. April 2018

Erschlichenes Recht auf Tadel - Über den Einzelfall der bösen Tat (1)

Zur Causa Tellkamp eine Anekdote, die Siegfried Unseld öfter erzählt haben soll: Dessen Vorgänger Peter Suhrkamp, Gründer des Verlages, habe einst den Brief eines Lektors korrigiert, der einen Autor loben wollte. Man habe nicht das Recht zum Lob; denn dadurch fordere man auch das Recht zum Tadel.


Von der immer wieder lesenswerten Homepage des Berliner AfD-Sprechers Dr. Nicolaus Fest


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Allerdings muß man Nicolaus Fest in einem Punkt (dieses seines Gesamtbeitrags) irgendwie widersprechen. Da "meint er es zu gut", sozusagen, indem er sich vom Holocaust, Nazismusvorwürfen etc. präventiv distanzieren will. Denn er schreibt da vermeintlich ironisch (so daß er es anders zu meinen erklärt):

Der Holocaust war gar nicht Konsequenz einer bösartigen Ideologie der Weltherrschaft und Vernichtung; es waren sechs Millionen Einzelfälle.

Tja, dem kann man nur mit einem "Naja" begegnen, mit einem "Tja, es war wohl aber tatsächlich so!" Denn eine explizite "Ideologie der Menschenvernichtung" gab es nicht. Nicht explizit zumindest. Auch wenn das viele - posthoc - behaupten, um das Schreckliche auf eine Art zu erklären, in der sie auf jeden Fall ausgenommen sind. Ein leider sehr gefährlicher Irrtum ...  man unterschätzt nämlich damit das Böse.

Vielmehr war die Ideologie der Menschenvernichtung Teil, nein Konsequenz eines Denkens der Moderne, das zeigt Jörg Baberowski in "Räume der Gewalt" sehr richtig auf. In demselben Buch weist er genauso richtig darauf hin, daß Gewalt nie einem System an sich zuzuschreiben ist, sondern immer die ganz persönliche Komponente eines Menschen hat, der diesem Gewaltraum, in dem alles möglich ist, zustimmt. 

Auch wenn solchen Räumen - die auf ihre Art immer Einzelfälle, lokal vorgefundene, aber durch jeden Täter auch selbst geschaffene und verfestigte Bedingungen sozusagen waren - also viele zugestimmt haben, heißt das eben noch nicht, daß es systemisch-zwanghaft war. Das verkennt das Wesen der Schrecklichkeit auf gefährliche Weise. Darum es mal eingehender (auch hier) behandelt werden sollte, was vermutlich noch kommt. 

Man muß sogar erwähnen, daß nach den Vorkommnissen beziehungsweise Säuberungen im Juli 1934 die Führung der NSdAP tatsächlich darüber beriet, wie man die Gewalteskalationen in den über zweihundert kleinen Einzellagern, die der SA zur Verwaltung zugeteilt waren und wo Systemgegner inhaftiert worden waren, eindämmen könne. Denn in diesen Sonderräumen kam es zu Exzessen, die den Führern der SA gar nicht so recht waren. 

Zur Erinnerung: Als der SS-Oberchef Heinrich Himmler das erste Mal einer Massenexekution an der Ostfront beiwohnte, wurde er Erzählungen nach kreidebleich und blickte zu Boden, soll sich sogar übergeben haben. Später hat er es gerechtfertigt, indem er von der Pflicht zur Hygiene sprach. War das also dann Ideologie? Man hat es dazu erklärt, aber was war zuerst? Aber überzeugend war er nicht dabei, und wer seine berühmte Rede vor SS-Offizieren in Danzig hört, der wird feststellen, daß er zur Sachlichkeit aufruft, der subjektiven Gewalt eigentlich keinen Raum lassen will. Er spricht da vom "stark bleiben angesichts der furchtbaren Pflicht" als eigentliches Ideal, und es wirkt auch wie eine posthoc-Erklärung.

So wie die oft ganz bürgerlichen Väter und Ehemänner, die die Polizei im Osten einsetzte. Niemand war gezwungen, alle hätten verweigern können, und der Witz dabei: Man hatte dafür volles Verständnis, niemand wurde unter Druck gesetzt. Aber kaum jemand verweigerte diesen Dienst, der unsägliche Taten mit sich brachte, die alle einen Sinn hatten: Partisanenbekämpfung, Bekämpfung deutschfeindlicher Personen, etc. pp. Dafür schrieben diese Männer die rührendsten Briefe an ihre Frauen, daß sie eine schwere Pflicht zu erfüllen hätten, die ihnen nicht leicht falle. Und die Frau solle den Sohn herzlichst küssen. Etc. pp. Und wenn sie in die Nähe ihrer Heimat kamen, waren plötzlich sogar die dortigen (gewohnten) Juden das, was sie immer gewesen waren: Die Nachbarn von hier und dort, der Milchlieferant, der Schuster, der Tischler von gegenüber. Und Männer, die noch zwei Tage zuvor fünfhundert Kilometer entfernt jüdische Frauen barbarisch mißhandelt und deren Männer mit dem Spaten erschlagen hatten, gaben den Juden ihrer Heimat die Hand und plauderten mit ihnen, als wäre nie etwas geschehen.


Morgen Teil 2) So einfach ist das alles nicht.
Der Holocaust war die Tat - vieler - Einzeltäter.






*290318*