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Mittwoch, 1. Juni 2022

Gedankensplitter (1472)

Die Geburtenboomer, das heißt die Menschen, die in den Jahren 1945 bis 1965 geboren wurden, unterlgen einer gefährlichen Illusion. Ein allgemeiner Optimismus machte sich breit, trotz Kaltem Krieg, der von den Kindern zumindest als Unbeschwertheit erlebt worden sein muß, nährte sich aus der Erfahrung eines weitgehend mit Gütern wohl- oder sogar überversorgten Lebensführung, die von einem immer besser ausgebauten Sozialstaat sogar zu einer gewissen Sorglosigkeit führte.

Dazu schob eine dramatisch ansteigende medizinische Versorgung die Lebenserwartung nach oben. Zumindest wirde sie so erlebt, wenn auch übersehen wird, daß diese Erfahrung, daß es immer mehr alte Menschen gibt, aufgrund der fehlenden Kriege das Erfahren von Ursachen, Wirkungen und Zusammenhängen täuscht. Tatsache ist, daß diese Generartionen (sowie die ihnen nun folgenden, deren Wohlstandserleben noch dazu durch die hohe Zahl von Erwerbstätigen gesteigert wird, denen nur noch die Hälfte der Versorgungsfälle gegenübersteht.

Dienstag, 1. März 2022

AKTUALISIERTER Nachschub zum Fall der Ukraine (6)

Der brutale Putin, der friedliebende Zelensky, und die interessante Sprache in einer harten Lage. Kommunismus gegen Faschismus? -
    QR Film "Ukrainian Agony"    
Aber war der Film, den wir gestern brachten, hilfreich? Haben Sie, werter Leser, nicht auch den Eindruck, daß er gut beginnt, dann aber in emotional aufgeladener (aber äquivoken, damit schizotymen) Sprache und Einzelbetroffenheitsbildern ertrinkt?

Knüpfen wir also an die sehr ernsten Fragestellungen an, in die die Berichtswege nun geführt haben. Ob wir es mit einer neuen Sammlung der kommunistischen Kräfte zu tun haben, die in der Allianz einer kapitalistischen Materialismus-Mentalität, China, verbunden mit Rußland, dessen Gesicht wahlweise Kommunismus oder Orthodoxie ist nun die "neue Luft" bekommt, in die Offensive zu gehen. 

Wissen Sie was, werter Leser? Ich möchte fast glauben, daß es hier um etwas anderes geht. Daß hier wieder einmal ein und dieselbe Kraft in einer inszenierten Scheindichotomie ganz andere Interessen verfolgt, und das GANZE in der Hand hat oder halten will. Sodaß die oberwähnten Fragen nur im Windschatten mitlaufen, und zumindest eine Seite nur so lange dabei sein wird, als sie (fälschlich!) glaubt, Grundsatzfragen außen vor lassen zu können, um einstweilen gewissen Nutzen zu sehen. 

Donnerstag, 9. Dezember 2021

Komm, Vater, komm Immanuel, komm lebendige Wahrheit!

    QR Sarah Wagenknechts Ruf
Frau Wagenknecht, die Schaufensterlinke, bleibt ihrer tödlichen Weltanschauung bis zur letzten Patrone treu, hört das Anklopfen der lebendigen Wahrheit, sagt aber nein, wenn auch mit Mühe (man merkt sie, man kann sie ihrer Gestik, ihrer Körperhaltung ansehen) und verbreitet die Mär des Materialismus und Technizismus, der Anthropologie des Menschen als Maschine Weltanschauung. Das ist also ihre Hauptbotschaft.

Und um der zu dienen, bedient sie sich ... der Wahrheit. Einer Vernünftigkeit, die bis zu einer gewissen Grenze auch dem offenen Herzen des Atheisten, des Gottverleugners, desjenigen, der sich die Entscheidung bis zum vorletzten Atemzug vorbehält, zugängig ist. Selbst als Ungetaufte, und so wird man Sarah Wagenknecht sehen müssen, die Dissens-Linke, die ihren Vater sucht weil endlich lieben möchte, weshalb sie sich der Vernunft anschmeichelt. Alles, was sie sagt, ist eine Botschaft an ihren Vater, der, als sie am 16. Juli 1969 in Jena von ihrer thüringischen Mutter geboren wurde, im Iran untergetaucht ist.

Sonntag, 10. Oktober 2021

Die Wahrheit, die zunehmend aus Lügen besteht (2)

Damit vervollständigen wir die Abgrenzungen, die wir in letzter Zeit hier vollzogen haben. Es war nicht so geplant, es hat sich so entwickelt, denn es ist eine Phase des Notwendigen - Und das, werter Leser, wollen WIR nun als spezifisch, als signifikant, als prototypisch nennen. Denn es fällt mir zuletzt immer öfter auf. Ich weiß nicht, war es auch früher schon so, oder ist es erst in den letzten Monaten oder im letzten Jahr so geworden. Egal, mir fällt jedenfalls in letzter Zeit auf, daß sich die von mir so genannte "Kritische Szene" mit dieser ganzen Reihe von Protagonisten, zu denen zweifellos auch Ken Jebsen zu zählen ist, die samt und sonders - leider! und es ist wirklich und tief zu bedauern! - von sich Folgendes behauptet.
Sie seien der Wahrheit verpflichtet, sie seien im Gegensatz zu den herrschenden Schichten die wirklichen Denker, sie seien Vorkämpfer für die Demokratie und Freiheit 
(beides verbinden sie auf eine Weise, die den Eindruck erwecken läßt, das gehöre zusammen; Herrschaften, wollen wir wenigstens dabei innehalten, um uns vor Augen zu führen, daß man dazu ziemlich konträrer Meinungen sein könnte), 
für die Rechte von Homosexuellen - TOLERANZ, bitte, TOLERANZ!
Der Gute ist TOLERANT.* Und wir sind die Guten. - Und natürlich vor allem für die Gleichstellung der Frau, das unbedingte Ja zu deren (das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen!) BEGABUNGSPOTENTIAL und -RESERVE (als Sittenlosigkeit im Kardinalfehler Funktion statt Gestalt, Handeln als fluides Sein), und was sonst noch alles an sogenanntem "Wertekanon der Freien und Bessermenschen (als die Gutmenschen)", machen wir es deshalb kurz: 
Die also ziemlich ziemlich LIBERAL mit FREI und damit für KRITISCH halten, ja für eine AUSZENSEITERPOSITION.

Samstag, 9. Oktober 2021

Die Wahrheit, die zunehmend aus Lügen besteht (1)

Den Film "Die drei von der Tankstelle" hat Heinz Rühmann 1930 gedreht. Das war nicht nur drei Jahre vor dem Hitlerismus, sondern als dieser 1933 über Deutschland hereinbrach, war Rühmann bereits ein Volksschauspieler der obersten Klasse. So bekannt, so beliebt, daß die Reichskunstkammer nicht wagte, ihn zu bedrängen. Und nachdem Rühmann wenig Neigung zeigte, den Widerstandskämpfer zu spielen, war mit ihm ohnehin gut Kirschen essen. Also wurde er weiterhin gut gebucht, und drehte sogar noch 1944 die "Feuerzangenbowle".

Eine Komödie, die die Stimmung im Dritten Reich heben, den Menschen Mut zum Leben machen sollte. Und wer den Film kennt (er gehört für mich zu den Filmen, die ich immer wieder sehe, genau wegen dieses Archetyps: Das eines glücklichen, unbeschwerten und unendlich guttuenden unschuldigen Lebens), weiß, daß genau das die Wirkung dieses Films ist. Was alleine ihn zu einem Kunstwerk machen würde, wäre er es nicht aus anderen Gründen ohnehin. 
 

Sonntag, 12. September 2021

Vom Verborgenen des Geistes (2)

Erst wenn alles Bekannte durchlaufen ist, erst wenn man es besitzt, kann jener Überhang wirksam werden, der empfangend Neues schafft, als Teilhabe am Schöpferischen Geist Gottes. Deshalb muß der Begabte seinen Weg im Kampf erringen. - Aber zurück: Das oben Gesagte trifft umso mehr zu, je herausragender eine Begabung ist. Die immer nur aus einem gesellschaftlichen Insgesamt heraus zu verstehen ist. Dem jeder Mensch als Träger einer Antwort und als Erfüller einer zukünftigen Aufgabe zugewiesen ist. Auch wenn dieser Platz sehr lange nicht, also etwa erst im hohen Alter und im Zuge einer endlich willensbefreiten Betrachtung der eigenen Vergangenheit als Panoptikum des Seins gefunden wird, also der Sinn allen Durchleidens der Nicht-Akzeptanz, die man erlebt hat, erkannt wird. Wo das Er- und Durchlebte zu einem permanenten Prozeß des Ausscheidens geworden ist, bis alles Bekannte durchlaufen wurde, sodaß nur noch die schöpferische Totenstille des "Nichts" (als "nichts bereits Vorhandenes") übrigbleibt. Dann ist er sozusagen weichgekocht, dann ist er bereit, das aus der göttlichen Vorsehung hereinstehende wirklich "Neue" zuzulassen. Das nicht machbar, sondern immer Gnade ist.

Samstag, 11. September 2021

Vom Verborgenen des Geistes (1)

Wer viele Begabungen hat, wer über das Maß des Durchschnitts deutlich hinausragt, erfährt bereits als Kind und sobald er in soziale Felder verwoben wird - meist ist das bereits in der Familie der Fall; die Familie ist nicht nur Geber, sie ist auch Problem der Identität - daß ein klandestiner, nur selten offener Kampf gegen ihn geführt wird. 

Der am schlimmsten wird, wenn sich die Eltern einmischen. Und hier vor allem die Mütter. Die für "Ihren Heinzi" die Vorzugsrolle fordern, die ihm ihrer unbeugsamen Ansicht nach zusteht, sodaß sie sich berufen fühlen, seine Benachteiligung zu bekämpfen. 

Dabei sind Mütter die letzten, die die Charakteristik einer hohen Begabung, die immer einzigartig* ist, erkennen.

Montag, 18. Mai 2020

Der Mutige fürchtet sich wie der Feige

Mut ist nicht die Abwesenheit von Furcht. Jeder hat Furcht vor einer Schlacht. Mut ist die Kraft des Willens, die Furcht zu überwinden. Ist der Wille zur Sachlichkeit inmitten eines Sturms der Gefühle. Als Haltung zur Sachlichkeit ist Mut ausreichend beschrieben, und darin eine Tugend.

Mut ohne Sachlichkeit ist Tollkühnheit. Und nur der Irrationale, der von Leidenschaften Getriebene ist tollkühn. Es ist aber keine Tugend, es ist Aberglaube, Lasterhaftigkeit weil Getriebenheit von Leidenschaft, oder Dummheit. Tollkühnheit kommt sogar der Feigheit ziemlich nahe.



*220420*

Sonntag, 26. April 2020

Christen, verteidigt Euren Boden (2)

Eine nächste Übertragung eines Artikels von Ianto Watt aus dem Amerikanischen. Erstveröffentlichung am Blog von William M. Briggs am 24. April 2020

Teil 2) Das war damals, so ist es heute



Das ist die Situation, mit der die lokale russische Gendarmerie im Jahr 1917 konfrontiert war. Es war natürlich ein weit größerer Betrug als alles, mit dem ihre älteren russischen Brüder 1905 konfrontiert waren. Genau deshalb aber möchte ich diese Situation mit unserer heutigen vergleichen, und dabei gewisse Parallelen ziehen. Bevor ich das tue, denke der Leser daran, daß das Überleben immer von unserer Fähigkeit abhängt, Muster zu erkennen. Etwas, das auf den ersten Blick anders erscheinen mag, könnte nämlich in Wirklichkeit dasselbe Muster sein, obwohl es ausschaut, als wäre es das Gegenteil. Lasse der Leser also sich davon nicht täuschen. Und vertraue er mir: Es ist immer noch das gleiche Muster.

Das muss erwähnt werden, denn ich glaube an diese beiden Situationen, sowohl in Russland im Jahr '17 als auch in Amerika im Hier und Jetzt. Wir haben die Perspektive in einer entscheidenden Weise gespiegelt. Das liegt in der historischen Denkweise der beteiligten Personen.

Rußland ist und war immer eine defensive, nach innen gerichtete Nation. Eine Nation, die immer in Angst gelebt hat. Angst vor ihren invasiven Nachbarn und Angst vor ihren eigenen Herrschern. Ich leugne nicht ihre expansiven Tendenzen nach Osten und Süden, und zwar von Anfang an. Aber dies war eine Bewegung in ein unbewohntes Vakuum. Ein Vakuum, das oft von den östlichen Horden und den muslimischen Dschihadisten aus dem Süden durchquert wurde. Diese Leere zu füllen war von Natur aus defensiv.

Amerika hingegen war lange Zeit aggressiv und nach außen gerichtet. Ich weiß, ich klinge hier antiamerikanisch. Aber ich bin nicht gegen unsere Nation. Ich bin gegen das Imperium.

Ist das nicht genau der springende Punkt? Wenn wir immer noch Die Nation America wären, würden wir dann überhaupt über eine Regierungssituation sprechen, die den geringsten Vorwand benutzen könnte, um fast jeden über Nacht buchstäblich einzusperren? Das ist der Lockdown, weißt Du es nicht? Gefängnis. Das kaiserliche Gefängnis, das versucht, die Macht zu behalten, die sie im November unserer Zeit zu verlieren befürchten muß.

Das ist es, worüber wir alle nachdenken, nicht wahr? Eine Regierung, die einseitig jedes Recht über Nacht aufheben kann, basierend auf einer Panik im Bereich der öffentlichen Gesundheit, die absolut keinen Sinn ergibt. Das heißt, wenn Sie sich die Mühe machen, die normalen Ergebnisse einer Grippesaison der letzten ein oder zwei Jahrhunderte zu betrachten. Oder zwanzig.

Über Nacht wurden Amerikaner, die von Natur aus immer mutig und selbstbewusst waren, plötzlich in den Zustand der ängstlich sich kauernden Leibeigenen Russlands versetzt. Eine irrationale Angst, angetrieben von einem blitzschnellen, bublikovianischen Kommunikationssystem, das fast einstimmig dieselbe Botschaft geäußert hat - UNTERWIRF DICH!

Unterwerfe dich dem medizinischen Islam! Immerhin haben diese Infektionsimame unsere besten Interessen im Herzen, nicht wahr? Kein Preis zu hoch, um ein einziges Leben zu retten! Über Nacht wurden wir auf einen ängstlichen, zitternden Fleck reduziert. Sie mögen denken, ich weite dies unzulässig aus, indem ich das neue Regime mit dem Islam vergleiche. Aber muß es nicht genau so sein, in Mekka zu leben? Sie können nicht ohne Gesichtsbedeckung auf der Straße erscheinen. Und nichts darf öffentlich gemacht werden. Zumindest wenn Sie eine Frau sind. Ja, weißt du was, Kamerad? Du wurdest sogar transgender. Und du hast es nicht einmal bemerkt.

Was ist der Ausweg? Wie brechen wir den Zauber, der uns gebannt hat? Als erstes müssen wir erkennen, was passiert ist. Nicht nur in den letzten zwei Monaten, sondern in den letzten hundert Jahren. Das letzte Jahrhundert war ein stetiger Trommelschlag der kaiserlichen Hymne. Es begann leise, aber die Lautstärke und Trittfrequenz sind mit jedem Jahrzehnt gestiegen. Es übertönt jetzt jedes andere Geräusch. Der Trommelschlag Caesars, sowohl lokal als auch fern, überwältigt unsere Denkfähigkeit. Und vor allem die Fähigkeit, sich zu erinnern. Sich an eine Zeit zu erinnern, in der wir selbst unsere eigenen Risiken einschätzen und unsere eigenen Entscheidungen treffen konnten.

Was könnte es sein, das uns auf dieses Schicksal vorbereitet hat? Na, schauen wir mal ... ah, da haben wir es. Haben Sie jemals bemerkt, daß Sie ohne einen stetigen Schlagzeugschlag von Musik (oder Sport- / Nachrichtenvideos), die Sie umgeben, nirgendwo mehr hingehen können? Sie kennen den Zweck, nicht wahr? Es soll Ihren Denkprozess unterbrechen. So daß nun andere ihre Nachrichten (normalerweise kommerzieller Natur) einfügen können, um unser Handeln zu beeinflussen.

Ich sage nicht, daß alles schlecht ist. Ich sage nur, dass es uns ablenkt. Uns ablenkt? Wovon? VOM DENKEN! Von uns. Davon, nach unseren eigenen Schlußfolgerungen zu handeln. Schlussfolgerungen, die nach tatsächlichem Nachdenken gezogen wurden, und nicht nur ruckartige Reaktionen auf pawlowsche Reize sind. Es ist kein Zufall, dass Pawlow Russe war. 

Ratet mal, wer heute Pawlow ist. Wer könnte heute das sein, was Bublikov im Jahr 1917 war? Die Lösung auf diese Frage ist einfach, Kamerad. Es sind die elektronischen, augenblicklichen, allgegenwärtigen und faszinierenden Medien. Noch wichtiger ist, daß diese Medien von einer Einheitsstimme kontrolliert scheinen. Eine Stimme, die verlangt, daß wir uns unterwerfen. Ist es das, was Du willst?

Lassen Sie uns Russland für einen Moment weglegen, und erneut die Frage der Muster betrachten. Hier ist eine Nation, die tausend Jahre lang in Angst vor der einen oder anderen Art gelebt hat. Sie erlag schließlich dem Sirenenlied, das besagte, wir könnten unsere Herren stürzen, und die absolute Freude an unbegrenzter Freiheit erleben. Also geschah es. Für drei ganze Tage, vom 13. März bis 15. März 1917. Das Volk entledigte sich aller seiner Herren, in den Sitten, den Gewohnheiten, den Anstandsregeln, dem Respekt, einfach von allem in Staat und Kirche. Sie besoffen sich mit dem Schnaps, alles tun zu dürfen. Genau wie in Troja, als diese Dummköpfe glaubten, sie hätten gewonnen. Und etwas zu früh gefeiert haben. Idioten.

Dann fiel genau wie in Troja der Hammer, und die Revolution begann, ihren Tribut zu fordern. Bis November waren diese verkaterten Slawen auf eine neue Sklaverei und Angst reduziert, mit der verglichen die frühere Leibeigenschaft regelrecht verlockend aussah. Diese Angst verfolgt sie noch heute, ein weiteres Jahrhundert später.

Auf der anderen Seite erleben wir das Gegenteil von Emotionen. In meinen Vorstellungen schaut das genau spiegelverkehrt aus. Die Amerikaner haben auch in stressigen Zeiten immer in einem Zustand ständig drohender Rebellion gelebt. In einem unerklärlichen Glücksgefühl, das das Leben brachte, egal wie schwierig die Umstände waren. Sicher, es gab harte Zeiten, aber nichts konnte jemals den Glauben der Menschen brechen, daß sie die Auserwählten waren. Mach dir keine Sorgen, sei glücklich!

Aber jetzt haben wir unsere euphorisch durchlebte Vergangenheit auf eine Art, als würden wir die russische Geschichte spiegeln, gegen eine furchtbare Zukunft eingetauscht. In den Wahnsinn getrieben von einem bublikovianischen Geschehen, sind wir versklavt worden. Werden wir für immer so bleiben? Oder werden wir wie die postrevolutionären Russen zu unserem natürlichen Zustand zurückkehren? Wird uns bewußt, Kameraden, daß wir eine revolutionäre Zeit durchleben? Wird diese Revolution scheitern? Werden wir jemals unsere zugegebenermaßen unverdienten Freiheiten wiedererlangen? Wenn ja, wie wird es gemacht? Wie können wir unsere nationale Grammatik wiederherstellen?

Bevor ich diese Frage beantworte, Bürger, möchte ich eine Warnung anbringen: Kämpfe immer auf deinem eigenen Boden. Denn dort lebst du. Und dort ist der Platz, an dem du am härtesten kämpfen wirst. Kämpfe niemals gegen einen Feind auf seinem Boden.

Wo ist der Boden unseres Feindes? Ganz einfach. Es ist der Sumpf. Es ist das Land der politischen Macht. Ist das nicht die Lehre von Donald dem Großen? Daß wir im Sumpf machtlos sind? Daß es eine unauslotbare Zahl von Sumpfkreaturen gibt, die es fast unmöglich machen, auf ihrem sumpfigen Boden zu gewinnen? Ein Boden, der alle Kraft absaugt, bevor diese noch gegen ihn auftreten kann.

Deshalb besteht die einzige politische Strategie, die aus der Sicht Amerikas, der Nation, erfolgreich sein kann, darin, die zentralisierte Macht vom Sumpf weg zu zerstreuen. Leiten Sie Kraft zurück in die lokalen Sümpfe, wo die Übersicht über das, was geschieht (und jede Reaktion) viel einfacher und effektiver ist.

Was sage ich hier? Daß wir uns erneut in einen Zweifrontenkrieg werfen sollen, einmal in überspannenden US-Wahlen, und einmal, um die Nation Amerika neu zu regionalisieren? Auf keinen Fall!

Ja, wir müssen die Macht wieder neu regionalisieren, aber das werden wir nie schaffen, wenn wir den Feind auf seinem matschigen, zentralisierten Boden angreifen. Stattdessen müssen wir ihn auf unseren Boden locken. Wir müssen ihn dazu bringen, dort gegen uns zu kämpfen, wo wir stark sind. Auf dem Boden, den wir ehrfürchtig behandeln. Auf einem Boden, den wir kennen und den der Feind nicht kennt. Ein fester Boden, der über dem Wasser des Sumpfes liegt, wo er sich versteckt. Und wo könnte dieser Boden sein, Christ?

Ja. In deiner Kirche. Jenem Boden, den der Sumpf vor allen anderen Böden verachtet. Glaubst du mir nicht? Warum ist dann alles unter der Sonne, von Abtreibungskliniken bis zu Spirituosengeschäften und WalMarts, für Geschäfte geöffnet, aber für Kirchen nicht? Verstehen Sie die Botschaft, Kamerad? Gott ist "nicht wesentlich".

Hier ist meine Hoffnung, Mitbürger. Amerika ist zurückgeschreckt, als die National(hinterausgangs)garde 1970 auf die Steinewerfer im Staat Kent schoß. Ich hoffe (und bete), dass die Antikörper, die dies in unserer Nation (wie in Rußland im Jahre 1905) produziert hat, noch existieren. Denn das wird unsere Männer unter Waffen davon abhalten, wirklich auf uns zu schießen. Nein, nicht, wenn wir die soziale Distanzierung verletzen, wenn wir bei Planned Parenthood eintreten. Nein, ich spreche von der Herausforderung, wenn wir uns ihren Forderungen, uns einem medizinischen Islam zu unterwerfen, widersetzen. Eine Herausforderung, die entsteht, wenn wir ihre Religion der Kontrolle durch Angst ablehnen, um den Glauben unserer Väter zu bewahren.

Wie machen wir das, Bürger? Einfach. Wir müssen es in einem Ausmaß tun, das ihre Fähigkeit überfordert, mit den wenigen umzugehen, die ihre Herrschaft in Frage stellen würden. Wir müssen es auf eine Weise tun, die dem Gedanken widerspricht, daß es sich um einen unzivilisierten, politischen Mob handelt. Wir müssen es auf eine Weise tun, die selbst in den Köpfen der weltlichen Narren erreichen würde, daß sie das Böse sehen, darin besteht, friedliche Anbeter physisch zu verletzen, die wahrlich keine Bedrohung für andere in ihrem weltlich-kommerziellen Reich darstellen.

Wir müssen es auf unserem eigenen Boden tun.

Geh diesen Sonntag in deine Kirche. Wenn die Türen offen sind, gehe hinein und bete. Aber wenn sie immer noch verschlossen sind (wie ich befürchte), dann stehe herum. Bildet vor der Kirche eine kleine Versammlung. Ignoriere die asozialen distanzierenden Redewendungen, die wir von allen diesen anderen hören. Lobe Gott und presse die Arschbacken zusammen. Dann und nur dann werden wir erkennen, was die wirklichen Absichten der anderen sind. Dann und nur dann werden wir auch unser eigenes, wahres Selbst kennen. Und nur dann haben wir die Möglichkeit, ihre Macht zu brechen. Zu unseren eigenen Bedingungen. Auf unserem eigenen Boden. Für unseren eigenen wahren Gott.

Christ, verteidige Deinen Boden!



Nachtrag: Wie per 24. April zu hören ist, werden ab 15. oder 17. Mai die Kirchen "wieder geöffnet." Unter bestimmten Auflagen "dürfen" dann wieder je ein Gläubiger pro zwanzig Quadratmeter Kirchenfläche an Messen teilnehmen.  Ist damit alles wieder gut? Nein, niemals. Es erregt Entsetzen und Empörung, diese Einschränkung noch weitere drei Wochen verlängert zu sehen, und es erregt Abscheu und Empörung, die Kirche dermaßen unerträglich, unangemessen und verabscheuenswert devot vor dem Staat zu erleben.

Eine Kirche, die den Kakao, durch den sie gezogen wird, auch noch genüßlich und mit süßem Gesicht ausschlürft ... naa, das hat den Menschen wirklich gerade noch gefehlt!

Hier Pfr. Toni Faber auf Fellner! LIVE. Der VdZ war während des Hörens dieses unerträglichen Gelaberes, von dessen "Tiefenschürferei" nur Kuscheltoni selbst entzückt war (neben, meinetwegen, einem sichtlich wohlmeinenden, halt nicht zum Supergeistesgeniefach zählenden Fellner sein) einem nächsten Herzinfarkt nahe.

Na gut, ist ja nicht so schlimm, wenn wir keine realen Gottesdienste mehr haben, an keinem Kult mehr real teilnehmen können. Es hat ja mit Life-Streaming auch ganz gut funktioniert. Bis auf den Kuschelfaktor, um den geht es ja, nimmt man Faber ernst. Den müssen wir noch ein paar Wochen entbehren. Aber dann geht es wieder los, mit dem Umarmen und Angrinsen und Küssen.

Apropos: Ein Priester erzählte dem VdZ, daß eine Folge des Live-Streamings von Gottesdiensten ist, daß es zu einem Wettbewerb der Pfarrer um Klicks gekommen ist. Man "gestaltet" die übertragenen Gottesdienste zunehmend und von mal zu mal mehr - man lernt ja anhand der Zugriffsstatistiken dazu! - wie Shows, investiert immer mehr in technisches Equipment, Ausrüstung und Mitarbeiter für Kamera, Schnitt, Vertonung. Denn der Zuschauer wechselt rasch, wenn er sich langweilt. 



*240420*

Samstag, 25. April 2020

Christen, verteidigt Euren Boden (1)

Eine nächste Übertragung eines Artikels von Ianto Watt aus dem Amerikanischen. Erstveröffentlichung am Blog von William M. Briggs am 24. April 2020

Christen, verteidigt Euren Boden! 

Ein nächster Gastbeitrag von Ianto Watt

Wenn damals heute wäre

Normalerweise assoziieren wir die Wörter "Feuer einstellen!" mit Situationen, die unsicher erscheinen. Wenn wir sicherstellen wollen, daß niemand unnötig verletzt wird. Vielleicht, weil der Kampf tatsächlich vorbei ist, aber niemand auf der Gewinnerseite es bemerkt hat. Oder vielleicht, weil wir glauben, daß sich der Gegner ergeben wird. In diesem Befehl können zwei gegensätzliche Standpunkte enthalten sein. Der Trick besteht darin, zu wissen, mit welcher Situation man gerade konfrontiert ist.

Ich war von der aktuellen Situation begeistert. Nicht von den Umständen, obwohl sie sicherlich für unsere Zeit ziemlich einzigartig sind. Nein, es ist die Schnelligkeit, mit der Ereignisse abrollen (und das sofortige Verschwinden aller früheren Angelegenheiten von den Titelseiten von unser Tägliches Lügenmenü), die hat mich so perplex macht.

So etwas ist schon mal passiert. Einmal in meinem Leben. Ein weiteres Mal in der Zeit meines Großvaters. Beides waren Wendepunkte in der Welt der Revolution, in der wir jetzt leben, falls Sie es nicht bemerkt haben. Ich denke, wir müssen diese beiden Ereignisse der Vergangenheit neu vor die Augen holen, um zu erkennen, mit welcher Situation wir im Augenblick konfrontiert sind. Und wie wir erkennen, was das Endergebnis sein wird.

Hier ist die wichtigste Frage: Wird unser Militär (einschließlich unserer militarisierten Polizeikräfte) tatsächlich auf die Bevölkerung schießen?

Wenn wir nicht bereit sind, uns vollständig zu ergeben, werden wir eine Antwort auf diese Frage bekommen, und ich würde davon ausgehen, daß das ziemlich bald geschieht. Nein, ich übertreibe nicht. Wir erleben einen Moment von großer historischer Bedeutung. Der Ausbruch einer Auseinandersetzung liegt bei uns. Und es wird die eine oder die andere Seite gewinnen. Welche Seite aber auch gewinnt, der Sieg beider Seiten wird uns über Generationen hin begleiten. Fragen Sie ältere Russen, wenn Sie dies nicht glauben.

Warum alte Russen fragen? Weil das erste dieser beiden Ereignisse 1917 in Russland passiert ist. Nicht im November 1917. Da fiel das Fallbeil dann tatsächlich. Und seit 70 Jahren und mehr rollten die Köpfe. Nein, die eigentliche Aktion fällt auf den März '17. Also derselbe Monat wie in der Gegenwart. Da geschah etwas höchst Merkwürdiges. Ein Weg, der sich meines Erachtens durch das zweite Ereignis, das 1970 in den USA stattfand, wiederholte. In Kent State für diejenigen, die sich noch daran erinnern.

Dem, was im März 1917 in Petersburg geschah, ging 1905 die zunächst noch unterdrückte Revolution voraus, bei der das Militär auf das Volk schoß. Das kaufte der Romanov-Dynastie zwölf weitere Jahre. Es wären sogar mehr gewesen, wenn nicht der Mord an Stolypin geschehen wäre. Der springende Punkt ist, daß dieser Kriegsakt der Regierung gegen ihre eigenen unbewaffneten Zivilisten die notwendigen Antikörper produzierte, um sicherzustellen, daß so etwas nicht wieder vorkommen würde. Als sich Anfang 1917 ein scheinbar ähnliches Ereignis abspielte, war es der Aufstand zwölf Jahre zuvor, der den Zaren in Wirklichkeit bereits neutralisiert hatte. Und 1917 seine Dynastie beseitigte.

Russland war zwei Jahre bereits tief in den Ersten Weltkrieg verwickelt, und der Großteil seiner Streitkräfte wurde gegen Deutschland im Westen eingesetzt. Der Zar war Oberbefehlshaber, und befand sich als solcher an der Front, weit weg von der Hauptstadt Petersburg, weit weg von der größten Stadt Moskau.

Das Volk, insbesondere natürlich die Armee, hatten sich zusammengeschlossen, um die Nation vor den Hunnen zu schützen. Dasselbe also, was in den USA etwas später geschehen ist, nur dort ohne logische Begründung, weil die USA keine Grenze zu Deutschland (oder irgendjemand anderem im Krieg) hatten. Aber egal, unsere glorreichen Führer haben einen Weg gefunden, es den Russen gleichzutun. Das gilt für Russland ja genauso. Aber externe Feinde haben eben eine gewisse Anziehungskraft für die Loyalitätsgefühle der Menschen gegenüber dem Vaterland, unabhängig davon, welche Tyrannenregeln gelten.

Das Problem für Nikolaus II. war freilich, daß er ein schwacher Tyrann war. Nur Stolypin hatte ihn 1905 vor dem Gemetzel des Volkes an seiner eigenen Familie gerettet. Und der war nun weg. Der Rest der Revolutionäre war aber noch da und das waren definitiv keine Weicheier. Feiglinge, ja, aber keine Weicheier. Da gibt es eine feine Linie. Fragen Sie Ihren nächsten Jihadi danach.

Wie auch immer, die meisten Menschen, die auf die Notwendigkeit fixiert waren, das Vaterland zu verteidigen, neigten so mitten im Krieg nicht zur Revolution. Aber das spielte keine Rolle, denn andere waren es. Sie alle waren links. Und sie waren viele. Das entscheidende Ergebnis des fehlgeschlagenen Staatsstreichs von 1905 war, dass der Zar fortan ein Parlament zuließ. Die Staatsduma. Sie war zwar streng beratender Natur, und kein echter Gesetzgeber. Und ohne die Unterschrift des Obersten Führers konnte nichts rechtswirksam beschlossen werden. Aber diese Existenzgewährung war der Anfang vom Ende für die Romanows und Russland, wie sie es seit 300 Jahren kannten.

Die Duma wurde von einer Vielzahl von Parteien bevölkert, von den Oktobristen (Monarchisten des harten Einschlags) ganz rechts, über die Kadetten (Verfassungsdemokraten) in der Mitte, bis zu den Sozialdemokraten und Sozialrevolutionären links und ganz links. Alle Marken, die jeder kennt, die Menschewiki und die Bolschewiki. Und vergessen Sie nicht den jüdischen Bund, die Trudoviks (Laboriten), die Interdistriktgruppe, den Sowjet (=Rat) der Arbeiter und Soldaten, und viele mehr.

Kurz gesagt, die Duma (was soviel bedeutet wie Geist, oder Denkfabrik) war ein einziges Chaos. Aber hier ist der wesentliche Punkt: Alle dort hatten jetzt im Gesamtkonzert Rußlands legitime Stimmen. Sie mussten sich nicht länger zusammen mit ihren Cro-Magnon-Vorfahren, den Anarchisten und den Nihilisten in ihren politischen Katakomben verstecken. Alle bis auf diese beiden letzten konnten sich nun im Licht des Tages versammeln, und ihren Forderungen Ausdruck verleihen. Um ihre Vision von Russland zu beschreiben. 

Und die meisten von ihnen hatten ihre Anfänge mit der Dekabristenbewegung im Dezember 1825, als der Tod von Alexander I. zu Protesten führte, die auftraten, als sein Sohn Konstantin den Thron zugunsten seines jüngeren Bruders Nikolaus (dem Ersten) ablehnte.

Sie sehen, Konstantin wurde als günstig für das Anliegen einer Befreiung der Leibeigenen angesehen, Nikolaus I. nicht. Für diejenigen, die sich also ernsthaft interessieren, begann das ganze Jahr 1917 im Jahr 1825, und die revolutionären Erwartungen (einiger) der Menschen begannen sich zu entfesseln. Und als Nikolaus II. 1894 seinem hartgesottenen Vater Alexander III. auf den Thron folgte, hatten die Anarchisten und Nihilisten bereits eine 70-jährigen Feldzug geführt, der dem Ziel der Auflösung der Monarchie diente. Um diese durch ... was zu ersetzen? Nun, das war die Frage, die die Duma entscheiden sollte, nicht wahr? Aber zu viele Köche verderben halt die Brühe, so wirklich klar wurde dort auch nichts, so daß der Topf schließlich im November 1917 überkochte.

Russland hatte 1905 ganze achtzig Jahre, also seit den "gestohlenen Wahlen" von 1825, gefeiert. Als die Hoffnungen der Leibeigenen durch die Regentschaft von Nikolaus I. wieder zunichte gemacht wurden. Russland erlebte diese acht Jahrzehnte als Zeit voller Attentate gegen die Zaren und ihre Minister. Dann kam der dumme Krieg mit den Japanern im Jahr 1904. Ein Krieg, der angeblich nur sechs Wochen dauern würde, in dem aber schließlich sogar die Flotte nach Osten verlegt werden mußte, um die Nips zu schlagen. Ein Krieg von dem man aber noch gehofft hatte, daß er das Volk nach außen gegen, den ausländischen Feind richten und dadurch einen würde. Es war also ein Krieg der Bequemlichkeit, der den inneren Druck der Arbeiterschaft, samt aller ethnischen Unruhen, die durch revolutionäre Angriffe auf Thron und Staat verursacht werden, senken sollte.

Als diese Unruhen schließlich zur dann ersten Revolution führten, wurde sie mit heißem Blei niedergeschlagen. Weil die kaiserlichen Truppen am Blutsonntag im Januar 1905 auf unbewaffnete Zivilisten feuerten. Die Nation wich entsetzt zurück. Und die Antikörper gegen diese schreckliche Tat wurden produziert. Unglücklicherweise für den Zaren hatte das keinen medizinischen Hintergrund. Der hatte keine Ahnung, was das bedeutete. Aber die Revolutionäre sehr wohl. Sie erkannten weitaus besser als der Zar, was den wahren russischen Patriotismus motivierte. Und wie man diesen steuert und entführt.

Die Zeit für diese Entführung kam schließlich im März 1917, als Lenin noch in der Schweiz faulenzte. Als das Wettbewerbschaos unter den Parteien der Duma zunahm, nahmen die Forderungen der Parteien an den Thron zu. In den meisten Forderungen unterschieden sich erst noch die Parteien. Aber alle forderten eine immer größere Rolle bei der Führung des Landes, und so bogen alle Parteien immer stärker nach links ab, um Ihre aufgeweckte Führung zu beweisen. Klingt das nicht irgendwie bekannt?

Der Zar hat das nicht bemerkt. Er war mit der nächsten Version eines angeblich "einheitsschaffenden" Krieges beschäftigt. Und damit, seiner deutschen Frau zuzuhören. Woran die Revolutionäre die russischen Menschen auch immer wieder erinnerten.

Hier ist der Punkt, Kamerad. Wenn die Katze weg ist, tanzen die Ratten einen Ringelreih. Die Katze war im Hauptquartier, näher an der Kriegsfront. Die Ratten blieben wie immer hinten. Und die Melodie, die die Ratten für das Volk spielten, lautete: "Fordert eure Rechte, Kameraden!" Die Arbeiterunruhen begannen von neuem.

Aber jetzt wurde dem alten Rezept eine neue Zutat hinzugefügt. Eigentlich zwei Zutaten. Die erste Zutat war die Erinnerung des Volkes an den weit verbreiteten Schrecken der groß angelegten Brutalität der Armee gegen die Zivilbevölkerung durch das Militär im Jahr 1905. An dieses mutwillige Töten von Männern, Frauen und Kindern, friedlich angeführt von einem Priester. Mit tausend oder mehr Toten. Tote im Namen des christlichen Zaren. Etwas, das der Erinnerung eines jeden Russen bis dorthin völlig fremd gewesen war.

Die zweite Zutat war ebenfalls neu in der Szene. Es war die Magie der Moderne. Elektronische Kommunikation. Wir werden gleich darauf zurückkommen.

Lassen Sie uns die erste neue Zutat in den Teig rühren. Wir haben bereits das Originalrezept vorbereitet, indem wir die Fabriken infiltriert und das Gewürz der Arbeiterunzufriedenheit gesät haben. In einer Industrielandschaft der Leibeigenschaft ist das nicht allzu schwer. Jetzt fügen wir die erste neue Zutat hinzu. Schicken wir die revolutionären Kameraden in die Kaserne und rühren wir sie dort gut ein. Lassen wir sie darüber wieder und wieder sprechen, daß alle Menschen Solidarität brauchen. Sobornost! Daß alle Menschen eins werden müssen. Nicht nur die Arbeiter in den Fabriken, die Munition und Vorräte für die Kriegsanstrengungen herstellen. Alle! Lassen wir sie vor allem auch über die Notwendigkeit der Solidarität zwischen den Arbeitern und den Soldaten reden!

Immerhin waren die Soldaten auch Russen, nicht wahr? Und sie wurden in einem sinnlosen Krieg an der Westfront in den Tod geschickt, der nur dazu diente, die Dynastie zu bewahren, nicht wahr? Mit anderen Worten, die Treue eines Soldaten sollte seinen Mitrussen gelten. Nicht dem Tyrannen am Thron. Warum? Weil die Soldaten auch Teil des Volkes waren! So entstand der Sowjet der Arbeiter und Soldaten. Mache so also deinen Feind zu deinem Bruder. Es sei denn, Sie, geneigter Leser, wollen ein nächstes Massaker.

Der Nettoeffekt dieser Strategie bestand darin, den Willen der hinteren Elemente der Armee zu brechen, bevor ihnen befohlen werden konnte, die streikenden Arbeiter mit einer neuen Demonstration tödlicher Gewalt zu unterdrücken. Stelle man dazu eine Verbindung zwischen jenen revolutionären Kräften her, die behaupten, die arbeitenden Männer in den Fabriken zu vertreten, und den Soldaten her, die für den Ruhm der Dynastie sterben müssen. Schmiede man eine Bindung, die die Bindung zwischen Soldaten und ihren Offizieren ab- und auflösen wird. Wenn dann nämlich von den Offizieren der Befehl erteilt wird, das Feuer zu eröffnen, wird niemand mehr gehorchen.

Diese Idee mag in der russischen Welt vor 1917 recht einfach erscheinen, und das war es auch. Aber die Welt hatte sich zwischen 1905 und 1917 verändert. Zwölf Jahre sind unter modernen Bedingungen viel Zeit. Das ist der Schlüssel. Russland hatte sich zusammen mit dem Rest der Welt seit 1900 weiterentwickelt. Es dauerte nicht länger Tage, Wochen oder Monate, bis sich etwas verbreitete. Dafür sorgte der Telegraph. Russland war in dieser Hinsicht völlig auf der Höhe des Standards der westlichen Welt.

Hier ist nun aber der eigentliche Schlüssel zum zweiten Bestandteil der modernen Kommunikation. Der Telegraph war nämlich für den Betrieb der Eisenbahnen von entscheidender Bedeutung. Und die Eisenbahnen waren für jede moderne Kriegsanstrengung unverzichtbar. Wie jede neue Industrienation war Russland in dieser Hinsicht zumindest in seinen nicht-sibirischen Teilen vollständig auf der Höhe.

Wen kümmerte es in den alten Tagen, wenn man lokal Arbeitsunruhen in einem Gebiet hatte, oder sogar eine meuternde lokale Garnison. Na und? Sende man einfach einen Truppenzug aus Petersburg oder Moskau, und schon hat man die lokalen Rebellen mit Truppen aus weit entfernten Gebieten niedergeschlagen, die dem Thron treu sind. Aber was ist, wenn die meisten der Truppen (besonders die effizienten) im Moment ein wenig beschäftigt sind, um Kaiser Willies Jungen an der Westfront zu beschäftigen? Und was ist, wenn die meisten ihrer Züge damit ausgelastet sind, Männer und Material zu diesen zu transportieren? Wen schickt ein Zar dann, um die Rebellen zu vernichten, ohne Front und Versorgungslinien zu stören?

Der Zar machte tatsächlich den kriegsentscheidenden Fehler, die Rebellionen selbst zu zerschlagen. Und er machte noch einen Fehler: Er schickte die Truppenzüge vor sich her, anstatt sie anzuführen. Züge voller kampferprobter Männer, die ihm treu ergeben waren, weil sie von den Revolutionären zu Hause nicht infiltriert und proselytisiert worden waren. Aber diese Truppenzüge würden niemals dort ankommen. Und der Zar auch nicht. Warum? Wegen des Krapferls, wie ihn Alexander Solschenizyn in seiner Trilogie "Das rote Rad" nennt.

Damit sind wir bei Aleksander Aleksandrovich Bublikov angelangt. Ein Mitglied der Duma. Er war der neue Koch, der das neue Rezept verstand. Ja, Bublikov, 'der Krapfen', wie sein Name andeutet, war der Mann, der in den entscheidenden Tagen vom 12. bis 15. März 1917 das Eisenbahn- / Telegrafennetz befehligte, nachdem der vorherige Minister von den Revolutionären ermordet worden war.

Ich will Ihnen ihre Meinung nicht nehmen, werden Sie gefragt, wer Ihrer Meinung nach die "Hauptakteure" in der russischen Revolution waren. Lenin (der Nachzügler), Trotzki, Kerenski, Guchkov, Rodzhyanko, Milyukov, Shulgin. Aber keiner von ihnen wäre ohne die brillanten Bewegungen von Bublikov in den Strafraum gekommen.

Er war außerdem der Herr über die einzige nationale und blitzschnelle Nachrichtenquelle im Imperium. Und er verstand diese Macht voll und ganz. Er war der Mann, der Nachrichten über den örtlichen Arbeitsaufstand in Petersburg im gesamten russischen Reich sandte. Er war derjenige, der den Zaren (und alle seine Truppenzüge auf dem Weg) auf abgelegene Gleisanschlüsse manövrierte und blockierte, so daß sie Petersburg nicht rechtzeitig erreichen konnten, um den Aufstand der örtlichen Garnison niederzuschlagen. Es war Bublikov, der ganz Russland in Brand steckte. In einem Augenblick. Sei gegrüßt, Modernität! Heil, Elektronen! Ja, ja und wieder ja!

Der Zar war nicht nur isoliert und von sicherer und privater Kommunikation abgeschnitten, sondern er wurde mit fortwährend telegraphierten Berichten (mit freundlicher Widmung von Bublikov) über Aufstände drangsaliert. Die meisten davon waren falsch, oder irreführend. Nikolaus II. wurde anscheinend von seinen eigenen Armeeführern verlassen (die ebenfalls mit freundlicher Widmung von Bublikov das gleiche Schicksal der Informationskontrolle erlitten hatten). Kein Wunder, dass der feige Zar zusammenbrach und sich noch im Zug bereit erklärte, abzudanken. Ohne einen einzigen Schuß seiner Armee. Das ist der Schatten von 1905.

Hier ist der neue Kuchen, wie er mit dem neuen Rezept gebacken wurde. Als die Duma damit beschäftigt war, ein Babel chaotischer Vorschläge für die "Reform" der Dynastie zu produzieren, stifteten die Revolutionäre sowohl die Fabriken als auch die Kasernen an, diese überhaupt gleich zu zerstören. Natürlich gab es "spontane" Demonstrationen. Fabriken streikten und verweigerten der Westfront kostbare Kriegsgüter. Was ist dann zu tun? fragten sich die örtlichen Petersburger Kommandanten. Ah, senden wir doch sofort die örtlichen Reserve-Truppen aus!

Aber Moment mal. Was ist, wenn diese Truppen nicht losmarschieren? Und wenn sie das doch tun, was ist, wenn sie nicht auf die Arbeiter schießen? Hm, warum sollten sie sich weigern, dies zu tun? Weil Bublikov ihnen auf seinem magischen Draht und im Namen der Duma gesagt hat, sie sollen es nicht tun. Schon bald begannen Soldaten, die Kaserne zu verlassen und sich mit Zivilisten und Studenten zu verbrüdern. Bald schon entwaffnete eine nächste Truppenabteilung ihre eigenen Offiziere. Und verhaftete sie. (Bublikov berichtet dies auch ganz Russland. Zusammen mit jedem anderen realen oder imaginären nachfolgenden Akt der Rebellion). Offiziere verhaften? Absoluter Verrat! Mit dem Tod bestraft.

Die Alternative für diese widerstrebenden Reserve-Soldaten war freilich ebenfalls der Tod. Tod für ihre Kameraden in der Fabrik. Oder Ihre zivilen Verwandten bei den Demonstrationen. Jetzt kommt das Dilemma des kleinen Mannes. Was soll ich tun, Kamerad? Ich bin nur ein einfacher Leibeigener, der von meinem Gutsherrn geschickt wurde, um den Truppenbedarf für die Kriegslüste des Zaren zu decken. Soll ich für den Thron töten? Mir wird nicht befohlen, Deutsche zu töten, wie meine Brüder an der Front. Stattdessen wird mir befohlen, meine Mitrussen zu töten. Was soll ich tun, Kamerad? Was mache ich?

Im ganzen Imperium wurde diese Frage schlagartig aktuell. Und sofort wieder von Bublikov beantwortet. 'Im Namen der Duma; nicht schießen!'

Morgen Teil 2) Das war damals, so ist es heute



Donnerstag, 19. März 2020

Schlecht? Gut? Zumindest vielleicht aber doch nicht schlecht.

Eine weitere Übertragung eines Blogartikels von William M. Briggs aus dem Amerikanischen, mit freundlicher Genehmigung des Autors.

Anglikanische Kirche: Sodomie ist schlecht. Nein, sie ist gut. Nein, vielleicht doch nicht. Also möglicherweise. 



Vor einer Woche etwa (also Ende Jänner) hat sich in einer Äußerung, die jeden überrascht hat, die Kirche von England, also die anglikanische Kirche, für einen kurzen Moment daran erinnert, worauf sie als Kirche beruht. Sie gab eine Stellungnahme heraus in der sie festhielt, daß Sexualität verheirateten Personen vorbehalten ist. Sie hielt zudem fest, daß nur Mann und Frau heiraten könnten. Und zwar einer den anderen, und umgekehrt. Und sie hielt fest, daß Sodomie ein No-go wäre, also überhaupt niemals erlaubt sei.

Dann ist sie aufgewacht und hat erschrocken festgestellt, was sie gemacht hat. Und ist schneller, als die Briten vor Andrew Jackson in der Schlacht von New Orleans Reißaus genommen haben, von ihrer Feststellung wieder zurückgetreten. Justin Welby löste sich vor dem nächsten Mikrophon, das er ergattern konnte, förmlich in seine Bestandteile auf, und entschuldigte sich für Gott. Der doch glatt Homosexualität (Sodomie) verboten hat. "Es tut uns so leid, und wir sehen die Spaltung und die Verletzungen, die diese Stellungnahme verursacht hat," lispelte er. 

Schauen wir uns genauer an, was er gesagt hat. Die Schlagzeile vom 23. Jänner lautete so: “Kirche von England: Sexualität ist verheirateten Heterosexuellen vorbehalten."
Die Kirche von England hat festgestellt, daß die Ehe von Heterosexuellen der Ort ist, an den Sexualität gehört. Sie hat weiters festgestellt, daß Sexualität in gleichgeschlechtlichen, aber auch in zweigeschlechtlichen zivilen Partnerschaften "Gottes Willen für menschliche Wesen verfehlt." 
Die Bischöfe haben zu dieser Frage eine pastorale Handreichung herausgegeben und damit auf die jüngst eingeführte zivile Partnerschaft zwischen Heterosexuellen reagiert, in der folgendes festgestellt wird: "Für Christen bleibt die Ehe - das heißt die lebenslange Einheit zwischen einem Mann und einer Frau, besiegelt durch das beiderseitige Versprechen - der einzig zulässige Kontext für die Entwicklung sexueller Aktivität." Die Kirche legt größten Wert darauf, "diesen Standard aufrecht zu erhalten", wenn sie die zivile Partnerschaft betrachtet, indem sie "den Wert einer freiwilligen, sexuell abstinenten Freundschaft" innerhalb solcher Partnerschaften betont.
Sie fügt dem noch hinzu: "Sexuelle Beziehungen außerhalb der heterosexuellen Eheschließung sind und bleiben eine Verfehlung des Sinnes, den Gott für den Menschen vorgesehen hat." Diese Bestätitung der traditionellen Lehre der Kirche zu einer Zeit, in der die Kirche sich anschickt, Sexualität und Ehe noch einmal neu zu überdenken, wird Konservative höchlichst erfreuen.
Erfreuen ist dabei natürlich ein zu starkes Wort. Amüsiert paßt besser. Niemand auf der Seite der Rechten hatte je das Vertrauen, daß das lange anhält, und diese Zweifler hatten recht. Dazu kommt ja, daß die "Anleitung" selbst, so bemerkenswert richtig sie auf der einen Seite ist, in sich schon zu wenig deutlich und noch weniger konsistent in der Argumentation ist.

Aber immerhin, sie hat einige gute Dinge festgehalten (pdf):
Es war immer die Position der Kirche von England, daß die Ehe ein Wesensmerkmal der Schöpfung ist, daß sie ein Geschenk ist, das Gott der Schöpfung eingesenkt hat, und daß sie so ein Mittel seiner Gnade ist. Daß außerdem die Ehe, definiert als im Gottvertrauen geschlossene, frei vereinbarte, auf Dauer eingegangene und vom Gesetz als schützenswert festgehaltene Vereinbarung zwischen einem Mann und einer Frau, die in einer öffentlichen Stellungnahme einander als solche erklären, zentral für die Stabilität und die Gesundheit einer menschlichen Gesellschaft ist. Wir glauben außerdem, daß die Ehe ungebrochen der beste Kontext für die Aufzucht von Kindern ist, auch wenn es nicht der einzige Kontext ist, der für Kinder günstig genannt werden kann. Besonders dort, wo die Alternative langfristige Phasen in Einrichtungen institutioneller Fürsorge bedeutet.
Mitglieder der Kirche von England werden von dieser "langfristigen" Bedachtnahme aufs eigene Geschäft schockiert sein. Haben Sie das jemals zuvor so gehört?
Im Licht dieses Verstehenshorizonts lehrt damit die Kirche von England, daß "sexueller Verkehr, der ein Ausdruck vertrauensvoller Intimität ist, ausschließlich innerhalb einer Ehe zulässig ist ("Marriage: a teaching document of the House of Bishops - Ehe, ein Lehrdokument der Bischofskonferenz", 1999). Sexuelle Beziehungen außerhalb der heterosexuellen Ehe werden sogar als Verfehlung des Willens Gottes für den Menschen bezeichnet. 
Zu sagen, daß diese Beziehungen den Willen Gottes verfehlen, heißt aber natürlich nichts anderes als zu sagen, daß diese Akte Sünde sind. Sie sind sogar richtig falsch.
Wegen der Uneindeutigkeit hinsichtlich des Ortes sexueller Aktivität bei sogenannten zivilen Partnerschaften egal welcher Art [also ob gleichgeschlechtlich oder heterosexuell], und wegen der Lehre der Kirche, daß nur die Ehe zwischen einem Mann und einer Frau der ordnungsgemäße Kontext für sexuellen Verkehr ist, glauben wir nicht, daß es für die Kirche möglich ist, einfach so und uneingeschränkt die zivile Partnerschaft anzuerkennen, weil diese ja dann der Lehre der Kirche widerspricht.
Man kann förmlich das "aber" spüren, das nun kommt - und es kommt tatsächlich, und zwar einige Paragraphen weiter unten. "Es ist aber von Bedeutung, wie auch immer man es sieht, dabei zu beachten ..." Genau dasselbe also, wie in den Zehn Geboten, oder? Man nenne das Ganze deshalb nur einen unbedeutenden Schlachtenerfolg im Krieg der Kulturen. Der auch nur eine knappe Woche hielt.

Die Erzbischöfe von Canterbury und York haben ihr Bedauern hinsichtlich einer Stellungnahme ausgedrückt, die die Bischöfe der Anglikanischen Kirche letzte Woche herausgegeben haben, in der sie erklären, daß nur verheiratete Heterosexuelle Sex haben dürfen. 
Justin Welby und John Sentamu sagten, daß sie die volle Verantwortung dafür übernehmen, daß sie die Stellungnahme etwas relativierten, die "das Vertrauen in die Kirche schwer beschädigt" hat. Sie fügten hinzu: "Es tut uns außerordentlich leid, und wir anerkennen die Spaltung und die Verletzung, die diese Stellungnahme verursacht hat." Die Stellungnahme der Erzbischöfe schmälerte zwar nichts an der Substanz der Aussagen, die sich in der "Anleitung zur Pastoral" wiederfindet, die die Bischöfe herausgegeben haben, aber sie implizierte, daß diese Anleitung nicht herausgegeben hätte werden sollen. Denn die Kirche von England ist doch gerade dabei, ihre Lehre über Sexualität und Ehe neu zu überdenken.
Potzblitz, da bin ich ja mal gespannt, was dieses neue Überdenken "entdecken" wird.
Die Stellungnahme der Erzbischöfe hielt zudem fest: "Wir, die Erzbischöfe, in einer Linie mit den Bischöfen der Anglikanischen Kirche, entschuldigen uns, wobei wir keineswegs die Mitverantwortung für dieses Schreiben von letzter Woche bestreiten, welches, wie wir nun feststellen, das Vertrauen in die Kirche so nachhaltig beschädigt hat. Wir entschuldigen uns dafür, und stellen die Spaltung und die Verletzungen fest, die das verursacht hat.
Wie man darauf kommen kann, daß das, was die Heilige Schrift und tausende Jahre der Tradition über Ehe und Sexualität immer schon gesagt haben und sagen, "das Vertrauen der Kirchgeher beschädigt" haben könnte bleibt ein ungelöstes Rätsel. Haben die alle keine Bibeln? Daß die Stellungnahme Verletzungen verursacht haben könnte ist zwar sicher richtig, ja in einer Zeit totaler Verweichlichung verursacht so eine Aussage sogar eine ganze Menge an "Verletzungen". Weil es die Menschen überhaupt nicht mehr ertragen, wenn man ihnen widerspricht. Aber seien wir ehrlich: Die Stellungnahme wird nicht annähernd so viele Verletzungen verursacht haben, wie sie Analsex verursacht, oder? 


Dienstag, 4. Februar 2020

Ethos des Kampfes

In einer Dokumentation über die alten Germanen hat der VdZ folgende Aussage gehört:  

Die Germanen lehnten körperliche Arbeit als Weg seinen Lebensunterhalt zu bestreiten als feige und unehrenhaft ab, weil nur der Kampf und die ständige Todesgefahr im Krieg als Überwindung der Angst, als Hingabe an das von Gott bestimmte Schicksal zu Wotans Tafel in Walhall führte, ein nicht darauf abzielendes Leben aber das Leben nicht wert war.

Eine sehr religiöse Haltung. Die sie nicht nur mit den Griechen der Antike teilten, die bei allen Feinden gefürchtet waren, weil sie den Tod nicht fürchteten, ja ihn zu suchen schienen. Jeder griechische Krieger war deshalb ein Individualist, und das erhöhte seinen Kampfwert beträchtlich. Erst die Technik machte die Überwindung möglich, weil sie einen ehrlosen Kampf möglich machte. Die Geschichte ist voll mit Beispielen, wie gerade revolutionäre Kämpfe nur deshalb Erfolg hatten, weil sie auch die moralische Ordnung zertrümmerten. Etwa sei den Schweizern deshalb und mit Bedauern gesagt, daß ihr "Freiheitskampf" durchaus weniger glänzt, als sie gerne hätten, denn er war ein ehrloser Kampf, nur auf den Endzweck, den Effekt ausgerichtet, und verstieß gegen jeden ritterlichen Ethos.

So kann man tatsächlich von einer (positiven) Kultur des Krieges sprechen. Das relativiert die Aussage, daß erst das Christentum das Abendland möglich machte, weil es eine völlig andere Haltung zur Arbeit lehrte und läßt verstehen, warum eben dieses Christentum, das falsch verstanden ("... dem halt auch die andere Wange hin") als "Religion der Schwäche" gesehen werden kann, von so vielen Heidenvölkern abgelehnt wurde.

Obwohl es, richtig verstanden, diesem Ethos keineswegs widerspricht, sondern ihn in gleichem Maß zum Kriterium macht, nach dem Krieg und Kampf nur bei solchen Voraussetzungen gerechtfertigt ist, weil andernfalls zur Sünde wird. Denn keine der genuin christlichen Haltungen ist ohne Bereitschaft zu sterben, gekreuzigt zu werden, also zu leiden, christlich zu verstehen.

Genau deshalb auch mußte immer die Ehre im Krieg allem voran stehen, auch im christlichen Abendland. Ohne Ehre war kein Kampf es wert, geführt zu werden. Der Niedergang hin zu brutalen, menschenunwürdigen Kriegen, die nur noch auf Auslöschung des Gegners abzielten, setzte überall dort ein, wo dieser Ethos zugunsten eines technischen Kalkulierens verloren ging. Und erklärt, warum bestimmte Waffen, Kampftechniken, Strategien (wie der Partisanenkrieg) unehrenhaft und abzulehnen waren. Das Wesentliche am "Ritter" war somit nicht die Effizienz im Kampf, sondern die Haltung, nur der Ehre wegen zu kämpfen.

Die Kriegsgeschichte der letzten Jahrhunderte ist aber eine einzige Aneinanderreihung von Tabubrüchen, die ein Abgehen von der Ehre namens einer effizienteren, mehr auf den Endzweck "Sieg" ausgerichteten Strategie und Taktik bedeuteten. Gleichzeitig wurde der Krieg immer barbarischer. Und zar in dem Maß, in dem das Jenseitige, das Transzendente, die jenseitige Wirklichkeit, das Eingreifen Gottes (der Götter, die alles in der Hand halten), als eigentlichen Taktgeber der Realität, weil die eigentliche Wirklichkeit, ausgeschaltet, das Denken nur noch auf weltimmanente Vorgänge (Technik) reduziert wurde.




Sonntag, 15. Dezember 2019

Gute und schlechte Bischöfe (3)

In freier Übertragung aus dem Amerikanischen, und mit freundlicher Genehmigung des Autors, findet der Leser hier den Beitrag von Ianto Watt aus dem Blog von William M. Briggs, wie er im Oktober d. J. erstmals erschienen ist. Er wird hier jeweils zu den Adventsonntagen (nicht vergessen, Advent ist eine Zeit der Buße und Einkehr) des neuen Kirchenjahres 2019/20 veröffentlicht.



Teil 3)



Ist das nicht genau das, was in England und überall sonst geschehen ist? Wo unter dem Klerus hat der Skandal begonnen, unter den Priestern oder unter den Bischöfen? Wer führt wen? Wenn die Bischöfe aber nicht zum Guten führen, durch Zucht und Strenge, führen sie uns denn dann irgendwo anders hin als in die Zerstörung durch die Bequemlichkeit?

Wenn aber ihren direkten Untergebenen, dem Klerus, klar wird, daß tatsächlich diese Scheinfrage ernstgenommen werden soll, und die Bischöfe sich die angenehmere Antwort geben, wird eines von zwei Dingen passieren. Einige wenige werden sich gedrängt fühlen, eine spirituelle Erneuerung in die Wege zu leiten, und eine Korrektur der Sünden von ihren Hirten verlangen. Sie sammeln ziemlich schnell sogar eine neue Gefolgschaft um sich. Freilich enden sie dann als Märtyrer. Und zwar blitzschnell, möchte ich hinzufügen.

Die andere Reaktion ist natürlich die des Hochmuts. Darum geht es ja immer. Der geringere Teil des Klerus wird nämlich nach außen empört (nach innen aber voll Neid) auf ihre Hirten wegen deren skandalösem Leben reagieren. Dann beginnen sie die Rebellion gegen die reguläre Autorität, indem sie den Bischöfen die Herden entführen. Sie werden dabei ihre nach außen getragene Empörung gegen die Exzesse der Bischöfe dazu benützen, die Herden davon zu überzeugen, sich von dieser Fleischlichkeit abzuwenden.

Was wird dann passieren? Die Priester werden die neuen "Bischöfe" (oder wie immer sie sich dann nennen) einer neuen Splittergruppe. Und ehe man sich's versieht, stehen sie in Diensten des lokalen Königs. Schauen wir dazu einmal näher hin, ob diese Reaktion auch auf die Katharer zugetroffen hat. Skandalöse Bischöfe haben eine Reaktion hervorgerufen, die dann energisch von der überwältigenden Mehrheit der Eliten unterstützt wurde, was direkt zu einer nationalistischen Sekte geführt hat. Na, ist in England (und anderswo) nicht genau dasselbe passiert?

Na und nun raten Sie mal, wer am Ende das Kommando über diese neue Sekte/Kirche hat? Der König, wer sonst. Und wer sind seine treuen Gefolgsleute? Genau, die neuen "Bischöfe". Die dafür als Belohnung vom König einen Happen vom Eigentum und Wohlstand abbekommen, den dieser der originalen Kirche abgenommen hat. Ein Happen der groß genug ist, um nun auch "wie ein König leben" zu können. Oder zumindest wie ein skandalöser Bischof. Das Rezept ist also immer dasselbe, egal wo dieser Kuchen gebacken wird.

Und seither sieht jede Generation neue Spielarten dieses selben Vorgangs, der bis in unsere Tage weitergeht und mittlerweile einen ganzen Zoo von Teil"kirchen" bewirkt hat. Und wissen Sie was, werter Leser? Nicht eine davon kann dem König widerstehen. Während sie nicht in der Lage sind sich wieder zu verbinden, denn mittlerweile sind sie natürlich auch doktrinär von der Originalkirche weit weit entfernt. Wie nützlich, nicht wahr? Zumindest für den König. Weniger freilich für die Zweit-Davididen, nehme ich an. Halt, nicht ganz, denn ein paar kleine Beispiele für eine Wiedervereinigung sind alle heiligen drei Zeiten schon notwendig, um die öffentliche Ordnung nicht gar zu sehr durcheinander zu bringen, nicht wahr? Und natürlich steht dann auch der König dahinter.

Wie viele dieser schismatischen "Hirten" aber wollen dem König widersprechen? Wo doch jeder, der die Politik des Königs unterstützt, zum Dank mit Pomp und Trara ins Weiße Haus eingeladen wird. Es ist nicht so leicht eine Herde gegen den König zu führen, wenn man gerade mit diesem im Bett kuschelt. Oder irgendwo sonst. Schlußendlich endet also diese Übertragung kirchlicher Autorität zu dem, was man Trusteeismus (von Trustee = Kurator) nennt. Wo also die Kirche Personen, Kuratoren, Laien installiert, die natürlich auch dem Staat genehm sind, woraufhin dieser die Kirche über diese Personen öffentliches Gut verwalten läßt, und zwar sogar nach deren Richtlinien und nach dem Kirchenrecht, und in einer Art Eigenverwaltung. Mit einem anderen Wort nennt man das Demokratie, in die die dissidenten "Bischöfe" ihre Schafe führen. Und in der die Welt von den Füßen auf den Kopf gestellt wird.

Bishop Bruskewitz hat allerdings mit diesem Problem nie zu tun gehabt. Denn seine Herde besteht vor allem aus deutschstämmigen Katholiken, die für diesen Sirenengesang einer autonomen Selbstverwaltung durch Laien nie viel übrig hatten. Ihre Vorfahren sind nach Amerika geflohen, um den Verwüstungen Otto von Bismarcks durch dessen Protestantischen Kulturkampf in den späten 1800ern zu entkommen. Bismarck war ja ein Meister darin, die Kirche unter den Stiefel des Kaisers zu zwingen. Die aber, die konnten, flohen, und blieben glaubenstreue Schafe, die ihren treuen Hirten auch in die amerikanischen Ebenen gefolgt sind. Und Bruskewitz hielt ebenfalls seinen Teil dieser Vereinbarung.

Wo aber einmal dieser Selbstverwaltungsgeist aus der Flasche geflohen ist, ist es nicht mehr möglich, ihn wieder in die Flasche zurück zu bekommen. Wie soll man eine Herde, die einmal vom Geschmack der Freiheit von kirchlicher Autorität gekostet hat, wieder dazu bringen, dieser wieder zu gehorchen? Oder, genauer auf den Punkt gebracht, wie soll so eine Herde einen treuen, wahren Bischof überhaupt erkennen, sobald er einmal auftaucht? 

So nebenbei - haben Sie, werter Leser, schon einmal einen Dürren darunter gesehen? "Was einmal über die Lippen gekommen ist, bleibt für immer auf den Hüften", hatte es meine schlanke Mutter immer genannt. Spirituell umgedeutet: Haben Sie, werter Leser, jemals einen modernen amerikanischen Bischof gesehen, der auch im übertragenen Sinn kein Doppelkinn hatte? Warum? Weil die alles und nichts schlucken, solange es nur modern ist. 

EB John Hughes, vulgo Dagger John
Zurück zum Trusteeism, dieser Selbstverwaltungswirtschaft. Oder Demokratie, oder wie immer man es nennen will. Kann die gestoppt und dann unter der gerechten Herrschaft eines guten Hirten wieder als Einheit hergestellt werden? Was würde es brauchen, damit man das erreicht? Es ist ganz einfach. Die Therapie für den Ungehorsam der Herde ist der Gehorsam des Hirten. Denn der hat bekanntlich ja auch einen Boss. Und dessen Name ist Petrus. Wenn der Hirte auf ihn hört, hört er aber nicht nur Petrus, sondern auch dessen Chef. Genau darum geht es ja bei gesunder Autorität. Zumindest habe ich das irgendwo gelesen. In einem ganz tollen Buch.

Habe ich irgendeinen Beweis für die Wirksamkeit dieser Art zu handeln? Ja, den habe ich. Und er heißt Dagger John. So hieß der Mann natürlich nicht wirklich, wer heißt schon "Dolch" (=Dagger). Aber das war der Name, den ihm seine Feinde gegeben hatten: Dolchhans, würde man auf deutsch vielleicht sagen. Stellen Sie sich also einen Bischof vor, werter Leser, den man Dolchhans nennt. (Oder Messerjohnny, geht auch. Wobei der Ur-Wiener wohl erst mit "Feitelschani" zufrieden wäre.)

Und zwar aus gutem Grund. Denn Messerjoe war bereit, auf die Barrikaden zu steigen, wenn es darum ging, seine Herde zu schützen. Im Taufnamen hieß er freilich John Hughes. Und war ein Ire, der zur Zeit des Sezessionskrieges 1861-65 Erzbischof von New York geworden war. In einer Zeit also, in der die damals noch stockkatholischen Iren Amerika überschwemmten, weil sie der Hungersnot, den viele Historiker "Genozid" nennen, in ihrer uralten Heimat entkommen wollten. Und sie waren in ihrer neuen Heimat alles andere als gern gesehen, außer sie waren überhaupt gleich als Sklaven gekommen.

Hughes hat seinen Spitznamen aus zwei Gründen bekommen. In der typischen katholischen Art setzte er nämlich vor seinen Namen ein Kreuz, wenn er etwas unterzeichnete. Einige deuteten es zwar anders, aber viele Leute meinten, in diesem Kreuz, so wie Hughes es vor seinen Namen setzte, eine bestimmte Form, also einen bestimmten Gegenstand zu erkennen. 

Schauen Sie selber dieses Kreuz an, das auf diesem Buchdeckel rechts im Bild zu sehen ist. Vielleicht wird Ihnen dann klar, was ich meine. Dagger John, der Dolchhans oder der Messerjohnny, erwarb sich seinen Ruf konkret aber bei seiner öffentlichen Ankündigung, dem Brandanschlag auf eine katholische Kirche, den ein Protestant durchgeführt hatte, dadurch zu begegnen, daß ab sofort für jede katholische Kirche, die in Flammen aufgehen würde, zehn protestantische ebenfalls in Schutt und Asche gelegt werden würden. Und wissen Sie was, werter Leser? Die Brandanschläge hörten sofort auf. 

Es ist schon erstaunlich, was ein wenig Rückgrat alles bewirken kann.


  Nächsten Sonntag Teil 4)



Sonntag, 10. November 2019

Geheimwaffe Gott

In dieser Auslegung des Rabbi Zamir Cohen kann der VdZ freilich viel erblicken, das auch dem Katholiken guttäte, ja das diesem notwendig wäre: Mit der unsichtbaren Wirklicheit Gottes rechnen. Es ist das Kriterium von Glaube überhaupt.

Was bedeutet nämlich Glaube? Er bedeutet, auf Gott zu vertrauen, auf das Unsichtbare, das man für ganz real, wirklich und letztlich alles und in allem wirkend hält, dem aber alles Reale, alles dinghaft Wirkliche, alles Seiende und alle Geschichte entspringt, und auf den sie zu- und zurückläuft. Cohen bezeichnet den Glauben an Gott deshalb durchaus charmant als "Geheimwaffe Israels", was zumindest archetypisch gesehen sehr richtig ist. Gott IST auch die Geheimwaffe jedes Katholiken, jedes Getauften. Ob Gott für das faktische Israel mehr vorgesehen hat als Strafe, steht auf einem anderen Blatt.

Freilich braucht es die menschliche Vorbereitung, ja sie ist oft Bedingung als Selbstüberschreitung und Hingabe, in der erst das Tor zu Gottes Wirken geöffnet wird. Sich nicht so gut wie möglich auf etwas vorzubereiten, wäre Vermessenheit, also eine Versuchung Gottes. Ein Staat braucht deshalb seine Armee, keine Frage. Und darin braucht es einen Glaubensmut, wie ihn Moses vorzeigte: Der eine Schlange auf Gottes Geheiß hin so angriff, wie man keine Schlange angriff - also gegen die "Natur", gegen alle Vorsicht - und sie sich in einen Stab verwandelte.

Aber es braucht auch den Gehorsam, das Vertrauen, das es immer Gott ist, der die Dinge zu einem Ausgang führt, weil seine geschaffene Natur darauf ausgelegt ist. Und es braucht die Beter, die Fleher, die Priester, die das Versöhnungsopfer bringen, damit sein Sinn, seine Vorsehung auch in die Welt tritt und nicht von bösen Absichten gehindert wird. (Es braucht deshalb auch solche, die vom Armeedienst ausgenommen werden, wenn sie das aus solchen Motiven heraus wünschen. Cohen schlägt dafür die vor, die keine Nerven für den Kampf haben, zittern, feige sind. Sie heimzuschicken würde die israelische Armee stärken, nicht schwächen, und zwar durchaus ... um die göttliche Dimension, im Vertrauen, das Mut verlangt.) 

Was immer dann kommt, sei es Erfolg, sei es Niederlage, über deren Zusammenhänge und Sinn man dann nachzudenken hat, darf und muß sogar als Moment der göttlichen Vorsehung gesehen werden. Denn nichts, davon können wir ausgehen, hat in Gottes Vorsehung KEINEN Sinn. Nichts dient nicht auf die eine oder andere Weise dem, worauf es ankommt: Unserem ewigen Heil.







Freitag, 26. April 2019

Warum der Deutsche keine Selbstachtung hat (3)


Teil 3) Die Instrumentalisierung dieses Schuldgefühls, 
das selbst wir so ungern nennen
1 + 1 = ?



Aber dann kam die große Erklärung für dieses eigene Schuldgefühl - ES WAR DER HOLOCAUST! Plötzlich bekam man verbrieft (von den Juden; denn man steht ja immer in der Verfügung dessen, dem man schuldet), daß dieses eigene, tiefe Schuldgefühl legitim war. Nicht nur das, es war die logische Folge aus der Tradition, der Ehre den Eltern gegenüber, der eigenen Geschichte. 

Und so beobachtet Jones dasselbe, was auch dem VdZ auffällt und man ebenfalls als Probe s. o. verwenden kann: Je weiter die Zeit des Hitlerismus zurückliegt, je weniger der damals lebenden Personen noch leben, DESTO SCHLIMMER und dominanter werden die darauf projizierten Schuldgefühle. In einer Zeit, in der der Pornokonsum alle Rekorde bricht, also die Selbstentwürdigung (und die daraus aufsteigenden Schuldgefühle) im Internet/social media historisch vermutlich noch nie dagewesene Höchststände erreicht, desto lautstärker und aggressiver werden die Pflichtaufrufe zum Schuldbekenntnis.

Und hier haben wir sogar den wohl stärksten Grund für die zunehmende Aggressivität, mit der jedem "Rechten" begegnet wird. Den Grund für die absurde Leichtigkeit, mit der der Vorwurf "Nazi" so vielen auf der Zunge liegt. Und hier haben wir sogar den wohl tiefsten Grund dafür, warum sich in der heutigen politischen Landschaft nicht herkömmliche Rechte und Linke gegenüberstehen, sondern daß der eigentliche Bruch zwischen Vernunft und Unvernunft besteht! Es ist ein Bruch zwischen den durch Selbstentwürdigung mit Schuld Beladenen - und denen, die das nicht und deshalb noch zur Vernunft fähig sind.

Man hört ja auch oft die Frage, wie es möglich ist, daß die Linke genauso wie die Grünen ihre eigentlichen Anliegen - Arbeiter und Umweltschutz - so vernachlässigt haben, daß sich hier kein Arbeiter und dort kein Umweltschützer mehr vertreten fühlt. Und für die christlich-demokratischen Parteien gilt das nicht weniger, wenn auch auf andere Weise, hier ist es mehr Schwäche und Verkündigungsversagen der Kirche, wobei dort auch wieder - durch Selbstverdunstung aus denselben Gründen! Wobei die Mehrheit der AfD-Wähler nicht zufällig aus dem CDU-Lager kommt. (Nicht weniger, aber aus genau den umgekehrten Gründen, ist das bei den Grünen der Fall.) Stattdessen hängen sich alle in "Identitätspolitik", in "sexuelle Befreiung", in "Gender-Thematik", in "Holocaust-Schuld" und "Nazi-Jagd". Die Antwort darauf kann sich der Leser, der bis hierhin gefolgt ist, schon selber geben.

So wurde der Holocaust zum Herrschaftsinstrument, mit dem die Juden - daran kann kein Zweifel bestehen - die Deutschen gefügig gemacht haben und machen. Das geht ganz leicht, weil sie auf ein vorhandenes Schuldgefühl, das aus ganz anderen Regionen stammt, und das jeder sehr gerne umdeutet, über Verhütung und Abtreibung (als die effektivsten Instrumente, ein Volk in Schuldgefühle zu tunken) in breitem Umfang verstrickt ist, aufbauen können. 

Diese "Schuldmasche" läßt sich übrigens noch viel weiter ausbauen. Man denke an die "Kolonialfrage", man denke an die "Klimafrage", man denke an alle möglichen Probleme, an denen wir (angeblich) Schuld tragen. Alle diese "Schulden" sind Ersatzziele, Scheintheater, die von der eigentlichen, viel tiefer liegenden Schuld ablenken und ihr Scheinlösung vermitteln.****

Wer über Europas Politik und Politiker klagt, sollte sich abschließend einmal eines vor Augen stellen und überlegen, ob hier nicht Zusammenhänge bestehen könnten: Es gibt derzeit kein einziges Staatsoberhaupt (sieht man von Königen ab), keinen einzigen Regierungschef in Europa, der ... Kinder hat. Wer wählt die und ihre Programme aber, und ... warum? Könnte es also gar sein, daß es überall um Entschuldungsmechanismen geht, die den belohnen, der den besten Übertragungsmechanismus bietet, um von der tiefsten, eigentlichsten Schuld abzulenken?

Wenn wir aber Freiheit von Schuldgefühlen haben wollen, in aller Tiefe, um uns vernünftiger Schuldbewältigung zu widmen, wenn wir mehr Selbstbewußtsein wollen, mehr Stolz auf uns selbst und unsere Eigenheit, dann müssen wir nicht im Außen suchen. Dann müssen wir zuerst bei uns anfangen. Und uns aus Schuldverstrickungen befreien, die mit Politik und fremden Interessen vorerst nichts zu tun haben, sondern von diesen aber sehr effizient instrumentalisiert werden. Selbstbewußtsein und Würde kommen aus der Sittlichkeit. Oder es gibt sie nicht, und sie bleiben Einbildung.

Das heißt nicht, daß wir vollkommen sein müssen. Das schafft kein Mensch.***** Aber das heißt, daß wir vollkommen sein wollen müssen. Das heißt, daß wir mit Schuld richtig umgehen müssen, deshalb, und nur deshalb ist das Abendland christlich: Weil es die Beichte hatte! Wer also das christliche Abendland und "seine Werte" verteidigen will, der muß zuerst einmal wieder lernen, zur Beichte zu gehen, um sich von einer Schuldgetriebenheit zu befreien, die all sein Denken und damit Sehen vernebelt.






****Die "Migrationsfrage" ist dabei hoch interessant. Sie dient nämlich allen Seiten. Und man darf nicht übersehen, daß sie für viele, die "dagegen" sind, es nicht in erster Linie so wichtig ist, weil sie das Althergebrachte wirklich lieben und pflegen und erkennen. Sondern es hat für viele eine Ableitungsfunktion, wo die oben geschilderte Grundschuld auf andere "hinausgestellt", entladen wird. Da die eigene Schwäche als verweigerte Mühe, die Tugend zu entwickeln, ein Pflegen und Leben des werten Eigenen in Würde somit zu wirklichen, weil also diese Schwäche plagt und siegt, wird die eigene Schuld auf Migration projiziert. Es ist diese fatale Doppelfunktion, die es möglich macht, daß wir trotz aller Kritik und Streits um dieses Thema fast ungebremst weiter Migration erfahren. Und sich die Migrationsgegner in lauter (eher kleine) Teilfragen (Abschiebung, Integration, Vergewaltigungsfälle, etc.) verbeißen. Während wir immer mehr und wie unter Schock und Trauma eine ganz reale Überfremdung erleben, der wir gelähmt gegenüberstehen. Der VdZ behauptet, in all dem hier dargestellten Zusammenhang gesehen, daß alle Seiten nicht (oder: noch nicht) in der Lage sind, das Thema überhaupt zu denken!

*****Der sogenannte "Gutmensch", der also meint, daß er "gut ist, weil ...", ist nur eine Sonderform des Schuldgetriebenen. Seine von ihm selbst (und der von ihm sortierten Umgebung) attestierte "Gutheit" ist eine Form der Schuldbefreiung durch sich selber.