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Mittwoch, 4. September 2019

Die zehn Dogmen der heutigen Weltanschauung (2)

 Teil 2


Wir wollen auf das alles im Einzelnen ein wenig eingehen, Sheldrake tut es im Vortrag (mit deutschen Untertiteln) aus Zeitgründen aber nur bei den ersten beiden Punkten. Der VdZ glaubt zwar schon, daß vieles an Sheldrakes Kritik sehr richtig ist. Er glaubt aber auch (ohne viel von seinen Thesen zu kennen), daß dieser den Fehler macht, so schaut es im Vortrag aus, geistige Dinge ("morphologische Felder") zu verdinglichen. 

Wenn man solche Felder aber annimmt (und in gewisser Weise tut es auch der VdZ, er tut es, wenn er zum Beispiel von "Ort" spricht, auch der darf nicht räumlich-dinglich vorgestellt werden, das kann nie mehr sein als Veranschaulichung, um in der Melodie des Bildes das Wesen des Angesprochenen erfaßbarer zu machen) ist die einzige Methode, sie zu untersuchen, eine, die ihrer Natur entspricht - also die Philosophie, die Metaphysik. Denn hier ist die Sinnkomponente das tragende Wesensmoment. Naturwissenschaft kann das dann nur belegen, oder auf Aspekte hinweisen, die gedanklich noch zu bewältigen sind. Aus sich und auf sich gestellt kann aber keine Naturwissenschaft eine Theorie erbringen. Dort wird es auch dann regelmäßig esoterisch, was bedauerlich ist.*

Dessen ungeachtet sind manche von Sheldrakes Gedanken - etwa der, daß Fortpflanzung ein Vorgang des Herausstellens von morphologischer Ähnlichkeit ist - durchaus inspirierend. Auch der Gedanke der Raumlosigkeit des Sehens - wenn wir einen Stern im Weltall sehen, sind wir "am selben Ort" wie dieser - hat viel Richtiges. Denn das Sehen ist ein geistiger Vorgang, dem die Biologie nur dient, den sie aber nicht bestimmen darf und prinzipiell auch nicht bestimmt. Wir sehen nicht durch die Augen, sondern weil wir "sehen" (die Metaphorik zu "erkennen" berichtet davon).

Auch die Abhängigkeit und Variabilität der "Grundgesetze" der Physik in Zeit und Raum kann angenommen werden. Man kann diese Grundgesetze durchaus als "Gewohnheiten" sehen, die nur im Rahmen der Erfahrungswelt "konstant" sind, nicht aber in einem absoluten Sinn. Abweichungen bei der Gravitation und der Lichtgeschwindigkeit sind keineswegs Spinnereien von Esoterikern, sondern handfeste Schlußfolgerungen, die die Astrophysik immer wieder zu treffen angeregt wird, weil Beobachtungen mit dieser Konstanz nicht übereinstimmen. 

Daß die Mathematik, die diese Gesetze in Formeln gießt, von anderen, nicht-mathematischen, ja nicht einmal materiellen Voraussetzungen (sondern Postulaten) lebt, hat sich ohnehin längst herumgesprochen (siehe Poincaré und Gödel). Auch die Mathematik bewegt sich somit nur innerhalb unserer Erfahrungswelt und regiert nicht das Universum als quasi ewiges Gesetz. Zahlen, Formeln drücken also lediglich reale, der Lebenswelt zubehörige Beziehungen aus, ohne über deren "Ewigkeitswert" etwas aussagen zu können. Stattdessen aber geht vor allem seit den 1960er Jahren die Physik davon aus, daß seit dem Urknall die Gesetze der Physik ein für allemal festgelegt waren. Was Sheldrake in dem amüsanten Satz zusammenfaßt, daß die heutige Physik sagt: "Man gebe uns ein Wunder zur Wahl, und wir erklären den Rest." 

Freilich, die Aussage, daß es doch auch vorstellbar sein sollte, daß "seit dem Urknall" in einem sich ständig entwickelnden Universum auch dessen Gesetze sich entwickeln, muß mit einem gehörigen Schluck aus der Skepsisflasche quittiert bleiben. Diese Folgerung ist letztlich wieder auf die oben angesprochene Verdinglichung von Geistigem zurückzuführen. Denn die Ideen sind tatsächlich immer gleich, waren es von Ewigkeit an, und werden es immer sein. Entwicklung kann es also nur im historischen Sinn einer "Gestalt in der Zeit" geben. Wo sich die konkrete Gestalt innerhalb einer gewissen Variationsbreite, die sich aber immer entlang der Grundgegebenheiten bewegt (weil sonst ins Nichts fällt, also auch nicht existiert), die alles wie ein "Zaun" umgeben. 

Sheldrake aber meint, daß die Evolution des Weltalls Gesetze nur insofern kennt, als es Gewohnheiten gibt, die sich entwickeln, aber wieder verändern können. Wobei seine Rückbindung an die morphologischen Felder gegen diese Interpretation spricht - vorausgesetzt, man denkt sie eben als geistige Entitäten, nicht als für sich stehendes dingliches, physikalisches Geschehen. Das wirkt sich auch auf seine These vom kollektiven Gedächtnis aus, das er in der dinglichen Welt begründet sieht. 

Gewiß, die Dinge sind durch ihr Existieren eine Erzählung, und insofern ist Erinnerung in ihnen gegenständlich, als Wegmarke zu geistigen Inhalten (als Symbol, nicht aber als diese selbst). Und gewiß, an seiner These der Ähnlichkeit innerhalb der gesamten Natur ist manches interessant. Denn in allen Dingen findet sich - nur auf je unterschiedlicher Ebene in gestufter geistiger Konkretion und Ausgestaltung - eine einzige Grundstruktur (die der Ähnlichkeit mit der Dreifaltigkeit als dem innersten, dynamischen, also aktiven Wesenskern aller Dinge, die somit in sich ein Beziehungsgeschehen aus Idee - Materie - aktivem Geist sind). Aber das Problem ist bereits erwähnt: Sheldrake macht solche geistigen Geschehnisse und Fakten zu Dingen. 

Dann wird das morphologische Feld eben zum Feld, das durch die morphologischen Felder vorangegangener (im Beispiel:) Giraffen existiert und wirkt, die das morphologische Feld "Giraffe" entwickelt und vererbt, damit zum kollektiven Gedächtnis gemacht haben. Dazu dienen die Gene, auch wenn diese stark überbewertet werden, so Sheldrake. Denn die sind zwar für die Produktion von Proteinen zuständig, geben aber nicht die Form oder das Verhalten eines Lebewesens vor. Ein solches morphologisches Feld haben auch Kristalle. Entscheidend ist hier wie überall der erste Moment, wo dieses morphologische Feld durch den ersten Kristall (die erste Giraffe) in die Welt kommt. Denn da existiert noch keine Gewohnheit.

Jede Fortpflanzung existiert dann in der Art eines Fraktale, wo das Nachfolgende (als Teil eines Ganzen) die Gestalt des Urbildes (als Ganzes) annimmt.** Somit gehört jedes Einzelwesen in seiner Gestalt einem alle diese Wesen umfassenden morphologischen (Grund-)Feld an. Sheldrake nennt das Beispiel von Ratten. Wo es angeblich nachweisbar ist, daß wenn Ratten (sagen wir) in London etwas lernen, es schlagartig allen Ratten der Welt leichter möglich ist, dasselbe zu lernen. Das sieht Sheldrake als Erweis eines solchen (raumlosen) morphologischen Feldes, dem alle aktiv angehören, und das deshalb so etwas wie ein kollektives Gedächtnis (hier: der Ratten weltweit) bildet.

Der Grundfehler ist im Grunde genauso materialistisch, wie es Sheldrake der modernen Naturwissenschaft vorwirft. Denn es geht um das Prinzip, wie sich ein "Feld" aufbaut (um in seiner Theorie zu bleiben): Von oben nach unten? Oder - und das ist die Vermutung bei seiner "Gewohnheits-"Theorie - von unten nach oben? Das ist keine Frage der physikalischen Beobachtung, sondern prinzipieller, metaphysischer Überlegungen. Und daraus ist klar: Die Idee geht der Konkretion voraus. In Sheldrakes Universum aber evolviert über die Gewohnheit auch das gesamte Universum und seine Gesetze.







*Der VdZ denkt da an eine kleine, verschworene Gemeinschaft von Anhängern der "Wirbelweltbild-Theorie", die manche interessante Aspekte hat, aber in der derzeitigen Form an ihren philosophischen Mängeln scheitert. Weil sie eben versucht, aus der Physik auf eine Metaphysik zu kommen, was prinzipiell nicht geht, sondern in Esoterik landen muß. Damit schlittert sie auf die Schollen esoterischer Weltbilder, ohne es zu wissen. Ob das reparabel ist bezweifelt der VdZ übrigens. Denn man kann Theorien nicht "ausschlachten", sie stehen immer in Bezug auf einen geistigen Kern, und der gibt die innerste Grammatik sämtlichen Teildenkens vor.

**Wir bringen hier das so wichtige Wort von der "Seinsmitteilung" als Wesen der Schöpfung ebenso wie als Wesen der Fortpflanzung (und der sozialen Beziehungen generell) ein. Dazu ein anderes Mal mehr.





Dienstag, 3. September 2019

Die zehn Dogmen der heutigen Weltanschauung (1)

Das Problem von Rupert Sheldrake ist, daß er metaphysische Fragen durch physikalisches Denken zu lösen versucht. Zwar hat das letztere zweifellos seine Resonanz in ersterem, aber es führt durch nicht sachgerechte Fragestellung ins Nichts beziehungsweise in das, was man ihm vorwirft: Er würde quasi esoterische Theorien aufstellen. Und Esoterik ist, wie wir wissen, metaphysiklose Metaphysik.

Aber seine Hauptforderung bleibt gültig, und Sheldrake bringt sie mit viel rhetorischer Begabung zur Sprache. Die Wissenschaft, so sagt er, leidet heute unter einer falschen Fixierung auf (falsche) Dogmen, mit denen ungelöste Fragen einfach postuliert werden. Um sie dann "zu beweisen". Das sind aber Zirkelschlüsse, in denen bewiesen wird, was als Voraussetzung bereits angesetzt worden war. Die einen einzigen Zweck haben: Ein materialistisches Weltbild zu stützen. Das ist das allererste und grundlegendste Postulat.

Das hat die Wissenschaft in eine Sackgasse geführt, ineffizient und teilweise überhaupt irrelevant gemacht. Wissenschaften, so sagt er, sind heute hundertprozentige Tochterunternehmen der materialistischen Weltanschauung geworden. Damit entgehen uns die fruchtbarsten, ja die sinnvollsten Fragen, weil der Geist ausgeschlossen bleibt. Dieser ist das größte Problem, und er kann nur mit "Erklärungen" wegerklärt werden, die aber gar nichts erklären.

Sheldrake hat in seinen Theorien der "morphologischen Felder" als Grundlage jeder Gestaltentwicklung nicht das Rad neu erfunden, sondern knüpft an die Naturwissenschaften der 1920er und 1930er an. Sie erinnern sich, das war die Zeit, in der die deutschsprachige Wissenschaft weltweit so weit voraus war, daß die deutsche Sprache drauf und dran war, die wichtigste internationale Wissenschaftssprache zu werden. Denn wer wissen wollte, was los war, mußte deutsche Publikationen lesen. Die speziell in Deutschland und Rußland beschrittenen, hochinteressanten Wege nahmen viele der heute von Sheldrake vertretenen Theorien vorweg, ja waren ihm voraus. Ehe sie nach dem Krieg wie ein Geisterspuk verschwanden, und klammheimlich, mit dem Auswechseln des Personals, durch eine einheitliche, nun per "ansonstigem Fluchbann" (wer "alt" dachte war Nazi und damit Weltzerstörer) dogmatisierte materialistische Sicht ersetzt wurden.

Die in diesem Wissenschaftswahn (so ein Buchtitel des Mannes) herrschenden zehn Dogmen der Wissenschaften stellt Sheldrake in diesem TED-Vortrag (den TED später von seiner Homepage entfernt hat, der aber auf Youtube noch abrufbar ist) dar. Es ist zugleich der Fahrplan der Standard-Weltanschauung der meisten heutigen "gebildeten" Menschen. Unser gesamtes Bildungs-, Gesundheits- und Regierungssystem ist darauf aufgebaut.
  1. Die Welt ist eine Maschine und alles in ihr gleichermaßen. Also auch die gesamte lebendige Welt, einschließlich des Menschen. Wir sind "schwerfällige Roboter" (Dawkins), deren Gehirne genetisch programmierten Computern gleichen.  
  2. Materie ist bewußtlos. Und deshalb gibt es im gesamten Universum kein Bewußtsein. Weder in Planeten, Pflanzen, Tieren, noch im Menschen. Und tatsächlich hat der Großteil der Philosophie der letzten hundert Jahre versucht, diese Bewußtlosigkeit des Menschen zu beweisen. (Die humorvolle Zweideutigkeit dieses Satzes zu erkennen überlassen wir dem Leser.)
  3. Die Naturgesetze sind ewig und unveränderlich. Sie waren die selben zur Zeit des Big Bang (Urknall), und haben sich seither nicht verändert.
  4. Die Gesamtsumme von Energie und Materie im Universum ist immer gleich. Sie verändert sich nie ... außer im Augenblick des Urknalls. (Was aber in den Augen des VdZ die landläufige Physik nicht so sieht. Sie weiß um diesen Widerspruch zu den Gesetzen der Thermodynamik und packt deshalb sämtliche Energie und Materie in diesen unendlich kleinen Punkt, der am Anfang des Urknalls stand. Wie das gehen soll weiß freilich niemand.) Außer man sieht die völlig unlösbare Frage als solchen Massezuwachs, wie es sein kann, daß aus nichts plötzlich etwas, ja ein ganzes Universum herausspringen soll. Denn aus nichts wird nichts. Und das ist tatsächlich ein unumstößliches Dogma der Wissenschaft.
  5. Die Natur ist sinnlos. Es gibt in ihr keine Zwecke, keine Gerichtetheiten, und jede Entwicklung ist sinn- und ziellos weil zufällig. 
  6. Die biologische Vererbung ist materieller Natur. Alles, was vererbt wird, liegt in den Genen oder in epigenetischen Veränderungen der Gene, oder in zytoplasmatischer Vererbung. In jedem Fall ist Vererbung materiell. 
  7. Erinnerungen werden im Gehirn in materieller Form gespeichert. Alle Erinnerungen sitzen im Hirn irgendwie in modifizierten Nervenenden (phosphorilierten Proteinen), auch wenn niemand weiß, wie das funktionieren soll. Trotzdem glaubt jeder in wissenschaftlichen Kreisen, daß es im Gehirn sein MUSZ. 
  8. Der Geist befindet sich in unserem Kopf. Unsere gesamte Bewußtheit ist nichts als die Aktivität unseres Gehirns, sonst nichts. 
  9. Übersinnliche Phänomene sind deshalb unmöglich. Telepathie (für Sheldrake der sicherste Beweis für raum- und zeitlose morphogenetische Felder) und andere Psi-Phänomene gibt es nicht. Gedanken und Absichten können keine Fernwirkung haben, denn unser Geist befindet sich wie gesagt im Kopf. Wenn Leute glauben, daß es das alles gibt, dann nur, weil sie keine Ahnung von Statistik haben, sich von Zufällen täuschen lassen, oder einem Wunschdenken anhängen.
  10. Mechanistische Medizin ist die einzige, die wirklich wirkt. Deshalb fördern Regierungen auch nur die Erforschung mechanistischer Medizin und ignorieren komplementäre und alternative Therapien. Diese können nicht wirken, weil sie nicht mechanistisch sind. Wenn sie dennoch wirken dann nur, weil eine Besserung sowieso erfolgt wäre, oder aufgrund des Placebo-Effekts (in dem sie sich selbst täuschen). Wirken tut aber nur die mechanistische Medizin.

Morgen Teil 2)




Mittwoch, 8. März 2017

Die zehn Gebote des Wissenschaftismus

Dieser Vortrag von Rupert Sheldrake (dessen Thesen der VdZ an und für sich recht kritisch gegenübersteht) wurde auf TED wieder gelöscht! Er ist wohl zu wissenschaftskritisch ausgefallen. Denn Sheldrake hinterfrägt - noch dazu auf recht amüsante, ironische Weise - eine Wissenschaft, die sich als Glaubenssystem entwickelt hat, dem zu glauben ist. Ein Glaubenssystem des Materialismus, das auf 10 unhinterfragbaren Dogmen aufgebaut ist, in denen die Welt zur Maschine wird. Während aber die meisten "gebildeten" Menschen (und leider viele, die diesen wiederum glauben) diese Dogmen unhinterfragt übernommen haben und jeden, der sie hinterfragt, als Häretiker verdammen, der zu dumm für die Gegenwart ist, sind diese Dogmen mehr als fragwürdig.

Köstlich, was Sheldrake als Geschichte um die angeblichen Konstanten G (Gravitation) oder Lichtgeschwindigkeit erzählt. Die nach dem Motto vorgenommen wurde, daß passend gemacht wird, was nicht ausreichend evident ist.

Wer das Video entfernen hatte lassen? Ein anonym gebliebenes Gremium von Wissenschaftlern, die damit argumentierten, daß was Sheldrake da vortrage nicht den Standards der Vortragsreihe entspreche.

Nur wenn man aus diesem Dogmatismus wieder ausbrechen will, nur wenn man die Prämissen des gegenwärtigen Wissenschaftsbetriebs wieder durchdenkt, was einem Zurückgehen zu metaphysischen Grundfragen als Voraussetzungen jedes konkreten Fachdenkens gleichkommt, kann man die Wissenschaft noch retten. Und darin muß man Sheldrake vorbehaltlos zustimmen.









*020817*

Samstag, 28. September 2013

Allmähliches Aufwachen

Den Artikel, der sich in der Presse findet, viel zu kommentieren erübrigt sich, er soll hier in seinen wesentlichen Teilen einfach übernommen sein. Alles spricht für sich. 

Vielleicht geht es der Klimaforschung" genau so, wie der Genforschung. Rupert Sheldrake berichtet in "Das schöpferische Universum" darüber. Darüber, wie Forschungsergebnisse, öffentliche Meinung, Politik und Forschungsgelder zusammenhängen. In den 80iger Jahren kamen auch in der Genforschung sensationelle Versprechen, was mit der Entschlüsselung des Genocodes alles besser und gelöst würde. Die  Meldungen auch in den Medien überschlagen sich, welche Geißeln der Menschheit nicht bald alle entschärft, welche Krankheiten geheilt, welche Unbill beseitigt würden. Währenddessen flossen Milliarden und Abermilliarden, die einen eigenen Zirkel der Selbsterfüllung auslösten. 

Bis, ja bis sich nach längerer Zeit, nach Jahrzehnten, denn doch die Ernüchterung nicht mehr verbergen läßt, die die zunehmend exaktere Befassung mit den bloßen Tatsachen, die allmählich auch die falschesten Interpretationen austrocknen, ergibt. Wenn also die Milliarden und Abermiliarden, die direkt in die Klimaforschung gesteckt wurden, zu etwas gut waren, dann vielleicht dazu, die hysterischen Fehlprognosen der letzten Jahrzehnte allmählich auszutrocknen. Hohes Lehrgeld, sozusagen! Aber durch die Einengung des Fokus auf diese Interpretation - Klimakatastrophe - wurden erstmals wissenschaftliche Bedingungen geschaffen. Erstmals langjährige Meßreihen unter seriösen Bedingungen erhoben, etwa. Und sieh da: Die malen nun mehr und mehr ein Menetekel ganz anderer Art an die Wand. Daß an der ganzen Hysterie einfach ... NICHTS dran war. 

Das prognostiziert der Verfasser dieser Zeilen. Die einzige Katastrophe, die bleibt, ist die der politischen Fehlentscheidungen, die insbesonders Österreich und Deutschland in ein Niemandsland geschossen haben. Denn die großen Mächte der Welt und die wenigen Stimmen der Vernunft, die es in der Politik noch gibt, haben sich einen Dreck um den Klimawahn gekümmert. Mit Recht, wie sich nun herausstellt. Nun sitzen wir aber da, mit einem Kostenblock, von dem zu lösen niemand - vorerst - den Mut haben wird. So lange, bis wir ihn wirklich nicht mehr tragen können. Aber bis dahin ist es noch weit. Denn nahezu die gesamte politische, ökonomische und "intellektuelle" Oberschicht unserer Länder ist in die Massenpsychose involviert.

Hier nun die Presse:

Auch beim Klimawandel wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht wird, das zeigt sich etwa beim Blick von Nasa-Satelliten auf das Eis der Arktis: Vor einem Jahr war die eisbedeckte Fläche dort so klein wie nie, nämlich 3,41 Millionen Quadratkilometer. Klimabesorgte fürchteten das Ärgste, Klimagewinnler machten Schiffe flott, auf dass sie Amerika, Europa und Asien auf den kurzen Wegen durch die Arktis verbinden, statt die weiten um Afrika herum oder durch den Suezkanal nehmen zu müssen.
Aber die Wege blieben zu: Schiffe froren ein oder mussten umdrehen. Das arktische Eis hat sich gegen alle Erwartungen nicht weiter ausgedünnt, ganz im Gegenteil: Am 21. August bedeckte es 5,12 Millionen Quadratkilometer, über die Hälfte mehr als im Vorjahr.
Das will nicht viel besagen, im Vorjahr kamen zur Erwärmung üble Winde hinzu, heuer blieben sie aus, und Schwankungen von Jahr zu Jahr in einer Region der Erde erlauben kein Urteil darüber, wie es weitergeht mit der globalen Erwärmung. Und ob es überhaupt weitergeht mit ihr: Seit 15 Jahren steht sie still, die offizielle Klimaforschung – die des UN-Klimabeirats IPCC (Intergovernmental Panel On Climate Change) – hat es lange ignoriert, nun nimmt sie es zur Kenntnis.
Das ist einer der Punkte, der nach dem Ritual bekannt wurde, das alle fünf, sechs Jahre die Welt in Erwärmungsatem hält: Dann publiziert das IPCC seine Sachstandsberichte, hunderte Seiten Wissenschaft. Und dann publiziert das IPCC auch das Entscheidende: Eine 31-seitige Zusammenfassung für die politischen Entscheider. Publiziert wird nächste Woche in Stockholm, aber, auch das gehört zum Ritual: Entwürfe des Kerndokuments gelangen im Vorfeld an die Öffentlichkeit.
Was diesmal durchdrang, hat es in sich: Da wird die Erwärmungspause bestätigt (Erklärung gibt es nicht); da wird konzediert, dass es im Mittelalter warm war wie heute (bei viel weniger CO2); unerwähnt hingegen bleiben die Hurrikans, die im letzten Bericht noch viel Raum einnahmen (die heurige Saison ist noch nicht vorbei, bisher war sie eine der schwächsten).
Aber all das sind Peanuts: In der Hauptsache wird das Fundament des ganzen Klimawandelgebäudes umgebaut. Das heißt equilibrium climate sensitivity (ECS), es gibt an, um wie viel die Temperaturen sich erhöhen, wenn die CO2-Gehalte der Atmosphäre sich verdoppeln. Den Wert kennt niemand, man kann ihn auch nicht experimentell erheben, man kann ihn nur abschätzen, über Paläodaten etwa. So kursieren alle erdenklichen Vorschläge, von null Grad Celsius bis zehn Grad.

Prognosen lagen extrem falsch

Das IPCC legte sich im letzten Sachstandsbericht (2007) auf „über zwei Grad Celsius“ fest, die seien „likely“, aber am wahrscheinlichsten seien drei Grad. Nun wurde das „likely“ auf 1,5 Grad herabgestuft (und einen wahrscheinlichsten Wert gibt es nicht). Dieses halbe Grad ist viel, aber irgendwann muss das IPCC seine Prognosen den gemessenen Daten annähern. Denn den Prognosen wurde gerade ein übles Zeugnis ausgestellt: Von 117 standen nur drei halbwegs im Einklang mit der Erwärmung der letzten 20 Jahre. 114 waren falsch, und wie: Die gemessene Erwärmung war halb so hoch wie die prognostizierte: „Die gegenwärtige Generation von Klimamodellen reproduziert nicht die beobachtete Erwärmung der letzten 20 Jahre“, resümierten die Forscher um John Fyfe (Canadian Center for Climate Modelling), die den Befund erhoben (Nature Climate Change, 3.9.).

Ob die Selbstkorrektur des IPCC genügt, die von Fehlern und Skandalen zerrüttete Glaubwürdigkeit der Institution zu beleben, sei dahingestellt. Myles Allison (Oxford) etwa plädiert dafür, das IPCC (ein Mischwesen aus Wissenschaft, Behörde und Politik) möge sich stärker verwissenschaftlichen statt weiter „Dokumente fast biblischer Unfehlbarkeit“ produzieren zu wollen.

Nachtrag: Mittlerweile ist der erste Teil des IPCC-Berichts (zur Erinnerung: der IPCC ist KEIN wissenschaftliches Gremium, sondern eine politisch gewollte und zu politischen Zwecken eingerichtete Institution) in Stockholm vorgestellt worden - gründlich in seinen Aussagen überarbeitet, wie man sieht. Wer schon auf Einkehr der Vernunft gehofft hatte, hat nicht mit der Zähigkeit von Schmarotzern gerechnet. Die drehen dann einfach an der Hysterieschraube. NEIN, es ist nicht anders, sondern VIELVIEL schlimmer, so der Bericht nun im Endlaut. Die Gegner der Klimawandelkatastrophentheorien würden zwar "immer wissenschaftlicher auftreten", aber die Menschen sollten doch die Augen aufmachen und die Stürme ansehen, die heuer über die USA getobt wären. Daß das alles menschengemacht sei, sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" anzunehmen. Und alle zwölf Stunden steigt das Meer an der Atlantikküste bei Brest und die Nordsee bei Frederikskoeg um gute 3 Meter, mit freiem Auge zu sehen - wenn das nichts heißt!

Aber nicht nur das - die Perspektiven des "Kampfes gegen den Klimawandel" werden zur allgemeinen politischen Utopie, und sie offenbaren übrigens damit ihre wahre Natur. Die Leiterin des UN-Klimasekretariats, Christiana Figueres: "Ich habe mit zahlreichen Staats- und Regierungschefs und mit nicht staatlichen Organisationen gesprochen und ich bin zuversichtlich." Es gebe beeindruckende Initiativen. "Und die Staaten begreifen, dass Klimaschutz Jobs schaffen und den Lebensstandard erhöhen kann." Zudem könne er politische Stabilität schaffen.



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Donnerstag, 5. September 2013

Noch am Rand, aber das Zentrum

Was Rupert Sheldrake da von sich gibt, ist schon weit mehr als "interessant". Und schon gar keine esoterische Theorie. Es klingt die aristotelisch-thomistische Metaphysik in ihr, bei aller Ungenauigkeit "der Ränder" seiner Aussagen. Es klingt die "Feldtheorie", die das Zentrum der naturwissenschaftlichen Forschungen der 1930er bildeten, als Endpunkt eines langen Weges der Naturwissenschaft. Der dann abrupt abgebrochen und rationalistisch wurde, denn er war für den Rationalismus, der (bis heute) herrschenden Denkmode, zu "metaphysisch" geworden. Diese Rationalität aber nicht weitergeführt zu haben hat erst die Religion von der Wissenschaft wirklich entfernt, und Sheldrake's Thesen dem irrationalen Feld der Esoterik ausgeliefert. Aber mit strengem ontologischen Denken durchdrungen und befruchtet, ist sie weit weit mehr.

"We already have a framework of the relationship to the heavens." Im Jahreslauf, in den Festen, die dieses Verhältnis zum Ganzen der Schöpfung zur Wirklichkeit bringen, sodaß unsere Vernunft die Vernunft, die dem gesamten Kosmos zugrundeliegt, wiederspiegelt. Er müsse das Rad nicht zum zweiten mal erfinden. Alles ist bereits da (gewesen). Schade bleibt nur, wenn auch logisch rekonstruierbar, daß sich bei Shelbroke dieses Verhältnis zur Technik auswächst (Yoga), und damit die geistige Ebene des Kosmos an sich auf furchbare (lächerliche) Weise verfehlt. Die Analogie Licht - Vernunft wird damit auf eine inadäquate Weise gedeutet.  Es bleibt ihm ein gewisser Synkretismus.

Dennoch, und gerade, für Christen, für Katholiken zumal, eine empfehlenswerte Gedankenwelt, die genuin die ihre ist. Hach ja ... wäre. Denn dort läge die "Versöhnung" von Wissenschaft und Religion. Schon freilich die Fragestellungen zeigen die Brache der Intelligenz, der diese Dinge längst überlassen werden. Dabei hätte das katholische Denken die Schlüssel zur Welt in der Hand. Läßt aber zu, daß die anderen mit ihren Funzeln an den Schlössern herumfuhrwerken. Aber erst die Auseinandersetzung mit diesen Fragen würde den Katholizismus zu sich selbst zurückführen. 

"The default position of European is agnostic, atheistic, rationalistic. What made me downship was travelling through India." Sein Schlüsselerlebnis war aber nicht nur die Begegnung mit einem Benediktiner, sondern nach der Rückkehr nach England die für ihn erstaunliche Feststellung, daß alles, was er an den anderen Religion so geschätzt und geliebt hatte, Pilgerfahrten, Heilige Orte und Zeiten, Zeremonien etc., in der (anglikanischen) Kirche perfekt vorhanden war. Er begriff die Universalität des Christentums, und er hat sie wiederentdeckt: Die europäische Religiosität in ihrer Konvergenz mit der Kultur, in der auch er aufgewachsen war. "Wir müssen unseren eigenen Traditionen wieder aufgreifen."








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