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Mittwoch, 6. November 2019

Warum Clinton die Wahl verlor (3)

Teil 3)



Wenn aber eine Gesellschaft aufhört, ihre Potentiale zu suchen und dann "auszunützen", wie das bei Harvard der Fall ist, wo man aus "moralischen Gründen" Ethnien und Studierendengruppen ausschließt und benachteiligt, nur weil sie nicht der gewünschten Gruppe zugehören, dann wird das ohne jeden Zweifel in einer Katastrophe enden. Denn dann fehlen zunehmend Leute, die schöpferisch und produktiv sind. Und es ist ohnehin immer nur eine kleine Minderheit, die egal in welchem Bereich die eigentliche produktive Arbeit leistet. Eine Gesellschaft, die auf diese Leute zu verzichten bereit ist, wird unweigerlich ärmer. 

Weil aber so ein Vorgehen ungerecht ist, wird sich noch etwas entwickeln: Die Universitäten selbst werden immer mehr Objekt von Zynismus. Auch sie verlieren also dabei ihre Ernsthaftigkeit, mit der sie gesehen werden. 

Dessen ungeachtet steht zwar die Rechte in der großen Gefahr, durch Konzentration auf diese Frage intellektuell und moralisch völlig abzustürzen. Aber dem steht eine Entwicklung der Linken gegenüber, die seit hundert Jahren durch ein völliges Versagen ihrer Intelligentsia in eine Richtung gewandert ist, in der sie absolut versagt, meint Peterson.

Und hier beginnt es neuerlich markant zu werden, denn was er dann als sein Denken vorstellt zeigt eben dieses selbe Versagen. Der Reihe nach: Peterson meint, es sei ein Merkmal von Linksorientierung von Intellektuellen, offener, kreativer, weniger hierarchisch-liniengebunden zu sein. Sie mögen, um es pauschal zu sagen, keine Grenzen. Nicht zwischen geistigen Gebieten, nicht (buchstäblich) um ihre Staaten. Grenzen behindern den freien Informationsfluß, so der Hintergrund, und Linksorientierte lieben (angeblich) den freien Informationsfluß.

Aber sie übersehen nicht nur, daß damit die Dinge verworren und unklar werden, sondern sie übersehen auch, daß diese Art mit Information umzugehen keineswegs - wie bei der Rechten, wo Auschwitz und Hitler das Böse darstellen, wohin sie driften kann - automatisch zum Guten führt: Sie weigern sich zu sehen, daß auch die Linke mit Stalin und Mao bewiesen hat, daß ihre Konzeption in nicht weniger humanitäre Katastrophen münden kann. 

Ein schwaches Argument, meint der VdZ, ein sehr schwaches sogar, das im Grunde auf einer wenig reflektierten Frage aufruht, was denn rechts oder links überhaupt sei. Und was rechts und konservativ miteinander zu tun haben. Und ob Hitler und der Nationalsozialismus überhaupt rechts waren. Wir haben wieder den liberalen Gestus (und Peterson ist ein Liberaler), der erst dort aufschreit, wo es offensichtlich (und guckediwutz, immer posthoc) "böse" wird. Die Rechte "ging zu weit", deshalb Auschwitz und Hitler. Das weiß jeder, sowohl Rechte wie Linke. 

Die Linke ist aber deshalb schlimmer, weil sie niemals akzeptiert und jede Diskussion darüber verweigert, daß sie auch im Gulag landen könnte. Niemals gibt es Linke, die das für möglich halten. Dabei ist evident, daß das so ausgehen kann und bereits so ausgegangen ist. Die Linke hat kein intellektuelles Moment, in dem sich beweisen ließe, daß sie automatisch zu weit führen würde, wie das bei der Rechten der Fall ist (mit ihrem ethnisch-rassistischen Merkmal). Es wird also leider noch schwächeres Gefasel, das Peterson von sich gibt. 

Denn natürlich kann er das nicht sehen, weil er (wie jeder Liberale) auf demselben Pferd des Materialismus sitzt wie die Linke, und auch er weiß es nicht. Das hilft es wenig, wenn er meint, daß Solschenizyn ein wenig versucht hat, das zu zeigen, indem er die Neigung des Menschen zeigt, persönliche Schwächen zur Entfaltung zu bringen, was im Sozialismus eben besonders gut gelingen könne. Das Überlaufen des linken Denkens in die Abscheulichkeiten des Kommunismus im 20. Jahrhundert (und man vergesse doch nicht das heutige China) ist reine Pathologie, nicht Merkmal des linken Denkens selbst. Da hat Peterson also sogar Solschenizyn nicht verstanden, sondern nur einiges von ihm verwertet.

Für Peterson ist also die Schwäche der heutigen Linken eine reine Frage des Maßes, der Geschwindigkeit der Lokomotive sohin, nicht die Richtung der Schienen, auf denen sie fährt. Was Peterson also zum Liberalen und nicht zum Linken macht? Na irgendein Gefühl, irgendein "das geht zu weit"-Gefühl. Mehr ist es nicht. Sollen Krankenschwestern nur Frauen sein? Nein, sagt er, warum soll es nicht auch ein Mann sein. Sollen Klempner nur Männer sein? Nein, warum nicht auch mal eine Frau? 

Alles kommt auf den Einzelnen und seine Wahl an, und die muß unbeschränkt möglich sein. Da nimmt es nicht mehr weiter wunder, wenn Peterson ein regelrechtes Lied auf die wunderbare kommunistische Idee der Brüderlichkeit aller Menschen - oh französische Revolution und Aufklärung, schaut herunter! - singt, die doch so wunderbar und universalistisch ist. Wenn man sie nur da und dort beschränkt, so ungefähr. Nur bei den Nazis, da war das Böse von Anfang an eingebaut. Und überhaupt ist es schlimm, das sieht doch jeder, wenn sich eine Gruppe für überlegen hält.*

Na geht es noch blöder, mit Verlaub? Es gibt dabei tatsächlich Leute, die Peterson für einen der führenden Intellektuellen der Welt halten. Dabei ist er selber Träger der Seuche, die er zu bekämpfen vorgibt.

Wir kommen damit immer wieder auf denselben Punkt, der als das eigentliche Scheitern der Wissenschaft des Westens bezeichnet werden muß, nicht nur das Scheitern von Peterson: Die intrinsische Reduktion des Denkens auf technische Vorgänge, der Verlust des Denkens in Gestalten. Denken muß aber SEIN, ist die lauthafte, worthafte Manifestation der Gestalt, kein Herunterdeklinieren von logisch-rationalen Operationen. Diese sind selbst nur Teil des Gesamtprozesses der Gestaltenbegegnung und -abwägung als eigentlicher Denkprozeß, der zwar nie antilogisch, aber vor- und überlogisch sein kann, nein, sein muß. 

Sinn und Maß gibt es nur in der Selbstüberschreitung auf eine wirkliche Wirklichkeit, die zum einen ein Mosaik der göttlichen Weisheit ist, ein gigantisches, unendliches Netz der Ordnung von Ideen, und zum anderen logis, also in sich lebendiges Wort, das sich in der Kommunikation eröffnet und erschließt. Das ist Denken, das ist Intelligenz, das ist Wahrheit und Weisheit. Der das Böse entgegensteht, sodaß dort, wo Böses Raum erhält, auch das Denken schwächer wird und verschwindet, zur bloß rational-mathematischen Operation wird.

Wir haben nach vierzig Minuten abgeschaltet. Der Anteil von Stroh in Petersons Denken wird immer größer und deutlicher sichtbar, die eventuell inspirierenden Anregungen und Samen schon sehr spärlich. Da kann auch Murray das Eisen nicht aus dem Feuer reißen, wenn er spitzfindig beobachtet, daß der Linken die Faschisten, gegen die sie kämpfen, ausgehe, weil es so wenige gibt. Daß sich offen als Kommunist zu bekennen zumindest in England schon regelrecht Mode geworden ist, welch Bekenntnis man aufs T-Shirt prägt.





*Mister Peterson, es geht noch schlimmer: Zu allen Zeiten und Orten haben sich Völker für überlegen über ihre Nachbarn gehalten. Warum? Weil Mensch eben aus der Gruppe ersteht, und deshalb das Menschliche zuerst einmal aus der Gruppe entsteht und lebt. Somit ist Menschsein immer und überall zuerst auf die eigene Gruppe bezogen, weil es so in der Realität auch IST. Und erst DARAUS, aus dem Gefühl der eigenen Überlegenheit sohin! erwächst allmählich auch das Begreifen des abstrakten Menschseins, das aber NUR durch das konkrete Menschsein "als" etwas oder jenes geschieht.




*160919*

Dienstag, 5. November 2019

Warum Clinton die Wahl verlor (2)

Teil 2)



Nun, wo das nicht mehr hilft (weil kontraproduktiv wäre), setzt die Linke auf das Gegenteil und lehnt den IQ als Kriterium für gesellschaftlichen Rang ab. Denn das erzeugt tatsächlich Gruppen (aha?!), insbesonders wenn man nach Zusammenhängen, Ursachen und Wirkungen sucht. Und das tut man mit IQ-Forschungen, was sonst. Sie übersieht auch, daß es in Afrika und unter Schwarzen (und darum geht es am vordringlichsten) stärkere genetische Unterschiede gibt als zwischen allen übrigen Völkern der Welt. Das gehört zu den großen Rätseln der IQ-Forschung, und man weiß nicht, warum das so ist, warum generell einzelne ethnische Gruppen, die sich allesamt genetisch untereinander differenzieren, hohe oder niedrige IQ-Ergebnisse liefert. Tatsache ist dabei, daß im Fall, daß man nur davon ausgeht, zu einer Rechtfertigung der schlimmsten Rassentheorien kommen könnte, in denen eine Hierarchie der Rassen gelesen wird.

Dennoch muß man von der Bedeutung des IQ ausgehen, und es ist wäre sehr wichtig, seine Ursprünge zu erforschen. Denn die bloßen Tatsachen führen direkt zum Problem der Ashkenazy-Juden, die in höheren gesellschaftlichen Rängen exorbitant überrepräsentiert sind, meint Peterson. Wenn man das nicht erklären kann, ist der Raum frei für Verschwörungstheorien. Es ist einfach so, daß sich Tatsachen nicht immer mit moralischen Wunschvorstellungen decken.* Und derzeit muß man zur Kenntnis nehmen, sagt Peterson, daß es in den gesamten Sozialwissenschaften keinen zuverlässigeren Wert als den IQ gibt, um zu ermitteln, ob jemand am Rand der Welt steht oder gar hinunterfällt oder nicht. Die Stellung eines Menschen hat ganz viel mit seiner Fähigkeit zur Abstraktion zu tun. Daraus ergibt sich dann ein je anderes Wertgefüge, und das ist der Schlüssel eines Zugangs zur Welt.

Daß es darüber hinaus noch einen Wert "an sich" gibt, den jeder Mensch hat, ist eine völlig andere Frage, die man damit nicht vermischen darf. Denn das ist ja die Gefahr, daß man den IQ zum einzigen Kriterium und Wertmaßstab für den Menschen macht, und das ist sicher falsch. Dennoch bleibt es eine Tatsache, daß sich innerhalb einer Gesellschaft oder Gruppe IQ-Messungen entlang ethnischer Gruppengrenzen bewegen. Wir stoßen also hier auf das Problem der Kulturen: Sind alle wirklich gleich, gleich wichtig, gleichbedeutend, gleichwertig? Oder gibt es Kulturen, die anderen tatsächlich und in Hinsicht auf die Gelungenheit des Lebens überlegen sind? Sind das wirklich nur Vorurteile, sind das wirklich nur manipulative Gedanken, wie die Linke es sieht?

Deshalb hat sich der IQ-Test überall etabliert, vor allem an den Universitäten. Man muß heute also davon sprechen, daß unsere Hierarchien von IQ-Werten geprägt sind. Und es führt auch kein Weg daran vorbei, IQ als Maßstab zu sehen, denn wer heute bestimmte abstraktive Fähigkeiten - sagen wir in der Bedienung von Computern - besitzt, wird in den nächsten Jahrzehnten ganz sicher verlieren.**

Was Murray dazu sagt ist wert, notiert zu werden. Denn er sieht eine beängstigende Koinzidenz zwischen dem Aufkommen des IQ als Wertmaßstab - und der immer extremeren Erosion des Begreifens der Heiligkeit des Menschen. Es herrscht eine regelrechte Besessenheit vom IQ als Maßstab. Das war in Wahrheit schon die Ursache für die humanitären Katastrophen des 20. Jahrhunderts, die sämtlich von solcher technischen Bewertung des Menschen ausgegangen sind. 

Peterson erzählt dazu Interessantes von Harvard. Dort hat man früher immer nach IQ ausgewählt. Nunmehr gibt es "humanitäre Kriterien", die Minderheiten bevorzugen. Kam es nämlich früher zu klarer "Bevorzugung" von Juden und Asiaten - beides Gruppen mit sehr hohen IQ-Werten - so hat sich Harvard neu definiert und wählt nun nach tatsächlicher oder gewünschter Repräsentanz in der Gesellschaft aus. Das führt absehbar zu einem Absturz der intellektuellen Kapazität. Denn man verwendet nun keine objektiven Kriterien zur Auswahl der Studenten, nicht einmal als Kombination von kognitiven Tests (die bekanntermaßen ethnische Selektion bedeuten) mit Tests, die die Persönlichkeit einschätzbar machen, worin ja noch Sinn läge. 

Die heutigen Kriterien sind objektiv nicht mehr quantifizierbar und erfaßbar, und damit rein subjektiv. Deshalb geben sie niemandem mehr Einblick in ihre "Tests". Damit ist die Auswahl der Studenten so vorurteilsbeladen, so rassistisch voreingenommen wie noch nie. Heute stuft man Asiaten bewußt herunter, und begründet es in "Persönlichkeitsdefiziten". ***


Morgen Teil 3)


*Da haben wir eben das Problem. Denn der IQ ist in hohem Maß eine Messung technischer Gehirnleistungen. Dies ist in einer technischen oder sogar technizistischen (evolutionistisch gedachten) Welt eben dann das Kriterium, sich in dieser auch zu behaupten. Nur - darum geht es gar nicht! Der erste Ansatz zu einem IQ als Kriterium ist also bereits hoch problematisch! Nehmen wir ein plakatives Bild: Der IQ-Test ist vergleichbar mit einem Verfahren, nehmen wir es so an, den Rang eines Menschen nach seiner Fähigkeit zu bemessen, einen Computer zu bedienen. Wer das nicht kann, kann keinen höheren Rang einnehmen. Mit Erkenntnisfähigkeit aber, mit dem Erwerb der für das Leben und die Welt wirklich wichtigen Eigenschaften, hat das alles nichts zu tun. Es sagt nur etwas aus, wie jemand unter ganz bestimmten vorgefaßten Bedingungen handelt und reagiert. 

Die Frage muß also umgekehrt gestellt werden: Nämlich so, daß jemand, der mit dem Leben gut zurechtkommt, auch recht wahrscheinlich einen hervorragenden IQ-Test hinlegen kann. Nicht umgekehrt. Peterson gibt deshalb zu, daß ein hoher IQ zu höchstens 25 Prozent ein zuverlässiges Vorhersageprädikat für ein erfolgreiches Leben ist. Gewissenhaftigkeit, Verantwortungsbewußtsein sind auch hoch (10 Prozent) zu veranschlagen (wobei: wie mißt man diese Eigenschaften?! sind sie überhaupt meßbar?). Insgesamt weiß man zu 65 Prozent aber NICHT, was Ursache für ein erfolgreiches Leben ist, diese Faktoren kennt man noch nicht. Glück und Zufall, Gesundheit, gesellschaftliche Haltungen, Vorurteile, alles das spielt nämlich zweifellos eine große Rolle, aber man kann sie nicht quantifizieren. 

**"Ganz sicher? Aus praktischen Gründen, mit einer gewissen Resignation, muß man leider davon ausgehen, daß sich nicht sehr viel ändern wird, sodaß das in gewisser Weise stimmt, wenn auch nicht unabwendbar wäre. Aber an eine Wiedergeburt der christlich-abendländischen Kultur glaubt auch der VdZ nicht. Der IQ ist somit eine Art notwendiger Kompromiß, ein Tauglichkeitskriterium für eine Welt, die in Wahrheit zur Hölle führt. Das ist ganz sicher. Auf eine von außen eintretende Strafe Gottes brauchen wir nicht zu hoffen. Die Strafe Gottes ist, daß er uns uns selbst überläßt, daß er diese gottferne, vernunftferne Welt zuläßt. Die mit dem Maß des IQ, wie er heute eingesetzt und gesehen wird, sogar noch mehr zur Hölle wird.

***Das ist deshalb so bedeutend, weil in den USA weit mehr als bei uns die besuchte Universität entscheidend für die spätere Laufbahn ist, und Rang und Autorität vorbestimmt, mit denen man spricht und gehört wird. Es gibt deshalb gewichtige Stimmen, die fordern, daß ein neues Qualitätsranking erstellt werden muß, weil die alte Hierarchie der Universitäten als Gradmesser des Wertes wissenschaftlicher oder gesellschaftlicher Aussagen nicht mehr stimmt. Die Ideen gehen bis hin zu einer unabhängigen Zertifizierungsstelle, wo Koryphäen der Wissenschaft den Wert von Abschlüssen neu bewerten. Hier wäre Harvard längst nicht mehr an der Spitze.





*160919*

Montag, 4. November 2019

Warum Clinton die Wahl verlor (1)

In diesem Gespräch von Douglas Murray mit Jordan Peterson stellt letzterer die Frage, wie es sein kann, daß die Trump-Wähler als Rechts, als Extrem-Rechte (Alt-Right) und verdummte Masse dargestellt werden. Denn in der Wahl 2016 hat sich nichts anders gezeigt als seit vielen Jahrzehnten in den USA der Fall ist: Demokraten und Republikaner stehen sich mit je fast genau 50 Prozent gegenüber.

Peterson meint, daß er mit vielen gesprochen hätte, die Trump gewählt hatten. Sie meinten allesamt, daß sie es weniger wegen seines überzeugenden Programms getan hatten, sondern sie nahmen dieses gewisse Risiko, ihn zu wählen in Kauf, um Hillary Clinton mit ihrer Ansage, Identitätspolitik zu ihrer Haupt-Regierungsagenda zu machen, nicht zu wählen. Clinton hat sich also selbst geschlagen, indem sie einfach aufs falsche Pferd gesetzt hat. Sie hätte wenige Wochen vor der Wahl nur noch 70.000 Stimmen gebraucht, aber die hat sie mit ihrem radikalen Schwenk zur Identitätspolitik verfehlt, ja viele dazu bewogen, sie eben doch nicht zu wählen, oder wieder zur Wahl zu gehen und gegen sie zu stimmen.

Generell meint Peterson, daß Rechte wie Linke die gleichen Fehler machen. Dennoch sieht er die Linke gefährlicher, weil sie es geschafft hat, mit ihrer Ideologie das intellektuelle Klima (besonders und ausgehend von den Universitäten) in den USA zu beherrschen. Insofern ist sie klar identifizierbar. Was hingegen ein Rechter ("Alt-Right") sein soll, ist für Peterson gar nicht klar. Daß die Mär, daß jeder Trump-Wähler ein gefährlicher, extremer Rechter sein soll, nicht stimmen kann, liegt aber auf der Hand. Das unterscheidet die amerikanische Rechte freilich von der europäischen Rechten, die aufgrund einer viel dramatischeren Einwanderungsproblematik eine deutlichere Akzentuierung ethnischer Fragen aufweist.

Mehr als Identitätspolitik aber haben die Demokraten offensichtlich aber gar nicht zu bieten. Entweder das - oder nichts, das war und ist ihr Programm. Die Kriminalisierung und Verächtlichmachung der "Nicht-Demokraten" ist eine hilflose Ersatzthese, die der Linken vormachen soll, daß sie einen fundamentalen Fehler in ihren Sichtweisen haben: Sie stehen gegen die Vernunft, gegen die Lebensführung des Großteils der Bevölkerung. Und wer ihnen folgt muß (Murray sagt das an anderer Stelle einmal deutlicher) bereit sein, an etwas zu glauben, an das er eigentlich gar nicht glaubt, das gegen jeden Augenschein, jede Tatsache, jede Evidenz steht. Er muß sogar bereit sein, die Grundlagen der Vernunft, wie sie bislang bestanden haben, und zwar seit Anbeginn der Menschheit, über Bord zu werfen, um einem neuen Glaubenssystem beizutreten, das nur noch durch religiöse, moralische Ansprüche rechtfertigbar ist.

Worin aber Rechte und Linke sich so ähneln? Die Rechte spezialisiert sich mehr und mehr ebenfalls auf eine Identitätspolitik, nur ist sie diesmal die Politik der "Weißen". Es stehen sich also nur zwei unterschiedliche Konzepte gegenüber, welche Identitätspolitik die bessere ist. Hier zeigt sich freilich wieder, das Peterson Liberaler ist: Er setzt auf extremen Individualismus, der keine Gruppenidentität kennt und kennen darf. Das ist anthropologisch falsch gedacht und Petersons Evolutionismus geschuldet, der immer "von unten nach oben", vom Einzelnen auf ein eventuelles Ganzes hin, das so zur reinen posthoc-Beschreibung wird, denkt. Aber der Einzelne ist immer und zuerst Gruppenmitglied, nur als solches sogar Mensch, der als "Mit-Mensch" in einer Einheit lebt (und sei es die Familie), und Individualität ist lediglich die von Zeit und Ort abhängige Spielform dieser Identität.

Menschsein heißt somit, Artgenosse von Menschen zu sein, die dadurch existieren, daß sie sich durch Individualisierung (weil immer an einem Ort, in Raum und Zeit) zu Gruppenmitgliedern machen. Man könnte sogar so weit gehen und sagen: Individualisierung gelingt erst durch Selbstüberschreitung auf eine Gruppe hin.

Wo diese Selbstüberschreitung nicht gelingt, bleibt der Mensch Teil einer amorphen Masse. Deshalb hat der Kanadier auch Angst vor jeder Form von "Stammesdenken", das er darin sieht und das den Einzelnen an seiner Individualität hindern soll: Er verweigert sich der Selbstüberschreitung.

Identität und Individualität konstituiert sich somit für ihn aus "Fähigkeiten", die er technisch-funktional und abstrakt sieht. Sodaß sich daraus auch eine technisch-funktional konstituierte Gesellschaft ergibt. Die jede Hierarchie (und Peterson vertritt an sich Hierarchie als Ordnungsfaktor) rein aus den Fähigkeiten ableitet.

Aber er übersieht dabei gefließentlich, daß es keine neutralen Fähigkeiten gibt, sondern daß sich das, was als "fähig" oder "tauglich" zeigt, immer auf einen Ort in einer Gesellschaft bezieht, den jemand auszufüllen vermag. Also - auf Identität und verbindliche Einbindung in eine Gruppe. Identität und Individualität wird von außen gesetzt, durch Beauftragung - und Annahme des Auftrags, einen Ort auszufüllen.

Auch hier spielt Peterson also der Evolutionismus einen gehörigen Streich, der ja so eine technische Funktionalität als einzigen Sinn einer Gesellschaft sehen kann, und Prioritäten nur aus Lust/Unlust, aus reinen Überlebensmerkmalen und dem Fortschritt darin ableitet. Aber auch das hat seine Gewichtung bereits aus anderen Regionen bezogen. Eine funktionale Hierarchie kann es nur geben, wenn klar ist, WIE eine Gesellschaft aussehen soll (und in diesem Aussehen funktioniert). Soll. Als Bild, in dem man als Pinselstrich eingesetzt wird.*

Peterson hat nun den Vorbehalt, daß sich aus einer Gemeinsamkeit von Eigenschaften (Fähigkeiten wie IQ) Gruppenmerkmale ableiten könnten, die die Menschheit in Gruppen zerfallen lassen könnten, wo in jedem Fall die Stellung des Einzelnen durch die Gruppe gegenüber anderen Gruppen (Ethnien) vorgegeben ist. Wie das zu verhindern sei, weiß er freilich nicht.

Als Evolutionist stellt Peterson also nicht die letzten Fragen, sondern hört irgendwo im Schildkrötenturm auf damit, wenn er meint, es sei weit genug gegangen.

Daß sich die Frage um den IQ (Intelligenz) als Resultat erblicher Faktoren nahelegt; eine Sichtweise, die übrigens selbst Peterson zu guten Teilen propagiert hat, (wobei er auch das nicht sehen will), hat für ihn lediglich mit dem Versuch der Weißen zu tun, sich gegen die Ansprüche der Linken zu wehren. Indem sie so nachzuweisen versuchen, ihre Ansprüche auf Überlegenheit (als Element des Selbstseins) aus biologischen, natürlichen Ursachen abzuleiten. Das stammt also nicht aus niedrigen Machtmotiven, wie ihr die Linke unterstellt. Und die Postmoderne, gegen die Peterson bekanntlich so oft herzieht, obwohl er ihr die Wege bereitet, das nebenbei.

Die Linke lehnt sträflicherweise aber aus diesen Gründen jede Befassung mit dem IQ ab, weil sie meint, das diene nur der rechten Überlegenheitsgeste. Dabei vergißt sie, daß sie es war, die die in Frankreich entwickelten IQ-Tests in England erstmals als Argument benutzte (und einführte), weil sie damit beweisen wollte, daß die ärmeren Schichten sehr wohl die Fähigkeit hätten, in Elitestellung zu gelangen, wenn man sie nur aus dem sozio-kulturellen Umfeld befreit, in dem sie gefangen sind oder waren. Was übrigens zu einem guten Teil gelungen ist, das darf man nicht übersehen, und die nächsten Verwerfungen brachte, darüber ein andermal mehr, denn es sind eben nicht "neutrale und objektiv, praktisch meßbare Fähigkeiten", die den Rang und die Stellung eines Menschen, seine Identität sohin, ausmachen.


Morgen Teil 2)


*Selbst das in jeder Vita erkennbare Ringen um Individualisierung durch Abgrenzung ist immer auf das Ganze bezogen.





*160919*