Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Wien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wien werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 11. August 2024

Sie machen alles selber

Zum "Terror" in Wien - Geschah da wirklich mehr als künstlich einen Megaskandal zu produzieren? Und eine hirnlose Paranoia zu züchten, der Islamismus wäre aktiv, der uns in jedem Hofeingang erwartet, der von keiner Kamera erfaßt ist, die auf in Containern eingerichteten Regieräumen der Wachpolizei (O-Vorschlag der FPÖ Wien) moderiert wird? Oder hat da das extrem effiziente "Messer-Trageverbot" der Wiener Stadt-SPÖ seltsamerweise nichts bewirkt?

Ist tatsächlich ein Moslem mit zwei Messern der Grund, so ein Riesenevent abzusagen, was immer dieses Event - außer Tourismuskapunze (die Hotelpreise sind um 45 % hochgeschnalzt, moralisch ein schweres Vergehen des Wuchers)? 
Mir kommt da etwas komisch, ja lächerlich vor. Da sind zu viele Charaktere im Spiel, die nichts auslassen, um sich wichtig fühlen zu können, und aufs Tableau einer "geschichtlichen Tat" gehoben werden, die extra für alle diese geschaffen wurde. Taylor Swift eingerechnet.

Mittwoch, 15. Juni 2022

Reposting: Zu Slumbewohnern geworden

Ich erlaube mir einen Beitrag aus dem jahre 2015 wieder zu präsentieren. Er scheint der aufmerksamen Lektüre wert. Wie überhaupt shcon so viel gesagt ist, hier, an dieser Stelle, daß mir manchmal scheinen will, es wiederholt sich längst alles. Und von Kontakten mit so manchem Leser denke ich immer wieder: Es muß so viel überlesen worden sein. Ich werde deshalb in der nächcsten Zeit einige ältere Beitrage wieder präsentieren. Zumindest solange das Gefühl besteht, nichts Neues zu sagen, alles gesagt zu haben. Und das was sich derzeit "abspielt" ist so lächerlich und unwesentlich, daß es mir eine nähere Beschäftigung nicht lohnt.

Dieser Artikel knäüpft an die Erfahrung meines gestrigen Wien-Besuches an. Wo ich den Eindruck hatte, daß sich Wien dem Berlin von 2008 rasant annähert. Jenes Berlin in jenem Jahr, als ich diese Stadt das bislang letzte mal geseehen hatte und entsetzt war, weil sie in den zehn Jahren davor dermaßen heruntegekommen ist, daß ich um nichts in der Welt mehr dort leben wollte.Anders als sonst habe ich gestern auch keine herausragenden menschlichen Begegnungen erfahren, die mich sonst noch immer an Wien hatten glauben lassen.

Zu Slumbewohnern geworden 

Montag, 23. Mai 2022

Gedankensplitter (1432)

Der Witz aus der Tatsache, daß alle an die Öffentlichkeit gehen sollen können dürfen wollen ist, daß es dadurch gar keine Öffentlichkeit mehr gibt. Sondern höchstens kein Privates, keine Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten mehr. Sodaß man abwarten kann bis der Zustand erreicht ist, daß alle mit dem Rücken zur Wand stehen.

/***

Als Folge des Lockdown der letzten beiden Jahren haben im letzten Jahr 15 Prozent der Wiener Hotels (das ist jedes siebente) für immer geschlossen. Aber, schreibt die Zeitung beschwichtigend, es sei das Ende des traditionsreichen Hotel Triest - ein Hotel der obersten Kategorie, nimmt man die Prominenz der Gäste zum Maßstab, das in diesen Tagen seine Pforten schloß - eine Ausnahme. Die meisten der Schließungen beträfen kleine Betriebe. 

Man nennt solche Vorgänge seit dreißig Jahren übrigens in bestem Neutschuringesisch "Strukturbereinigung", und so manches politische Programm hat das sogar auf die Fahnen geschrieben und als Leistung verkauft. Was in Wahrheit Konzentrationsprozesse sind, die jeder halbwegs firme Kapitalismuskritiker als Konzentration von immer mehr in den Händen immer weniger Kapitalbesitzern diagnostizieren. Und deren Zielgruppe (denn sie sind ja die "weniger flexiblen", die "wenig rentablen", die "nicht der Zeit angepaßten" Betriebe) der Mittelstand ist. 

Donnerstag, 2. Dezember 2021

Keine Warnung, sondern Indiz (2)

Die Fäden laufen wieder zusammen. Die aber nicht die Ideen gesponnen haben, sondern der Plan göttlicher Vorsehung an der Hand der Engel auswarf, auf daß sie sich im Streit mit der schon vorhandenen Erde realisierten. Denn wo Gott gelassen bleibt, müssen die Engel immer streiten. -  Genauso wenig kann man "die Geburtenrate erhöhen", "den Wohlstand fördern" oder "das Klima retten." Aber eine konkrete Tat charmanter Umgarnung beim Treffen mit der leuchtend schönen Frau Brzesina am Hofeingang, beim anschließenden Schweigen vor den Nachbarn, beim Ignorieren bestimmter Menschen vollzogen, wirkt sich auf "die Geburtenrate", auf "die Steuerquote", auf "die Bevölkerungsdichte im 10. Bezirk" und auf die Zahl der Dieselfahrzeuge im SUV-Format aus. Und so weiter.

Daran gedacht hat der Herr Kössitz (eigentlich "Herr von Kössitz und zu Schönau") aber nicht, Gottseidank in den Minuten nicht, in denen er Frau Brzesina (nun "Gerti'chen") ans Mieder ging (die er nun heiraten wird, was nächste Auswirkungen hat). Und warum bzw. was hat das "gefördert" oder "bewirkt"? Weil die Stimmung in der Bevölkerung ziemlich lebensfroh und optimistisch war.

Donnerstag, 25. November 2021

Asozial, ungebildet und primitiv (2)

Wie am letzten Samstag erlebt. - Am Rande eines gesundheitlichen Kollapses, mußte ich nach drei Stunden den Demonstrationszug am Ring wieder verlassen, um in Höhe Landstraße Hauptstraße zum Bahnhof zu gehen. Schwer hinkend, unter wirklich großen Schmerzen, passierte ich den Gastgarten eines Cafés direkt vor den Bahnhofshallen. Es war kalt, und einige Tische waren frei. Wie gesagt: Gastgarten. Frischluft ohne Ende. Also setzte ich mich dankbar, drehte eine Zigarette, und wartete auf Bedienung, denn ich sah, daß nicht Selbstbedienung, sondern Service geboten wurde.

Die kam endlich, nach langen Minuten, und ich versuchte zu bestellen. Was nicht gleich gelang. Denn wegen des großen Serviceintervalls, machte der junge Mann eine lange Runde, in der er kassierte und Bestellungen aufnahm. Sodaß es lange Minuten dauerte, bis er endlich bei mir anlangte. Einen Cappuccino, ich weiß, sagte er dann in einem höchst vertraulichen, amikalen Ton, und in einem Akzent, der mir irgendwie türkisch, auf jeden Fall südöstlich schien. Verblüfft und amüsiert bestätigte ich die Bestellung, die er sogleich notierte. Plötzlich stutze er.

Mittwoch, 24. November 2021

Asozial, ungebildet und primitiv (1)

Was für primitives Gesindel wir mittlerweile an der Regierung haben, zeigen die Auswirkungen der sogenannten staatlichen Maßnahmen, die direkte Verhaltensregeln für den Alltag festlegen. Die allesamt darauf abzielen, das zwischenmenschliche Miteinander, also das Soziale, direkt und mit voller Absicht zu zerstören.

Warum? Weil eine neue Wertordnung des Verhaltens etabliert wird. Es wird nicht darauf abgezielt, den Sinn von Seinszuständen und damit deren fast magnetisches Eigensein zu erhöhen, in dem sich Ding für Ding fügt, das an eben diesen Ort gehört, auf dem auch "Impfen" und "Impfpflicht" steht (vorausgesetzt, es gibt solch einen Ort, und das ist wohl auch das Problem damit), sodaß - agere sequitur esse - nein, nun gilt eine neue gesellschaftliche Hierarchie, und deren Reihung kennt nur zwei Stufen: Unbedingtes Befolgen der Anordnungen, egal wie sinnhaft sie sind, oder ein Verhalten, das sich an der Vernünftigkeit in einer Situation orientiert. 

Montag, 22. November 2021

Ein Hinweis seriöser Medien

Bei der am vergangenen Samstag in Wien stattgefundenen Demonstration von Verschwörungstheoretikern, Nazis, Unbelehrbaren, Covid-Leugnern und sonstigen Uninformierten, das Experten einhellig als "unverantwortliches Massenspreader-Event" bezeichnen, das das Wohlergehen von Millionen Geimpfter aufs Spiel setze, wurden laut Polizeiprotokollen 38.322 Menschen gezählt. Wir bringen hier einen Film, der viel Aussagekraft hat.

Eine kleine Unsicherheit besteht nur bei der in den Aufnahmen sichtbaren hinteren Ebene, kurz vor der Oper zu sehen. Weil sich hier vermutlich eine japanische Touristengruppe (erkennbar an den vorschriftsmäßigen Gesichtsmasken - es ist beschämend, daß wir uns vom Ausland zeigen müssen, wie man sich zu verhalten hat!) befindet, die unbeabsichtigt unter die radikalen und aggressiven Protestierer geraten sind. 

Samstag, 16. Januar 2021

Ein Theaterabend mit Folgen (3)

Teil 3) Die Erlösung durch den Einen 
wird im Mahl allgemein

 

Nun, zum Ende des langen Theaterabends, wird das Vollkommenere, zu dem wir geworden sind, zur neuen Basis des weiteren Lebens. Zum Startpunkt zu einem nächsten, höher gereihten "gelungenen Tag." 

Im Mahl. Im "Essengehen" nach dem Theaterbesuch. Der wohl sichtbarsten Analogie zum Mahl, an dem Gott selbst Speise wird. Wo das zuvor ausgebrannte Reine als Seinszustand durch das Essen zum Dauerzustand verfleischlicht wird.

Ein Essengehen, das der Leser bewußt nur nach einem Theater absolvieren sollte, das ihm zuvor durch eine wahrhaftige Katharsis gehen ließ. Sodaß der, der sich an den Tisch sitzt, ein "Besserer" ist als er vor der Theateraufführung war. Nicht als Moralist. Sondern in seinem Sein. In seinem Zustand, in dem er seinen ontologischen Gegebenheiten vollkommen entspricht. Geläutert. Gereinigt. Befreit. 

"Agere sequitur esse." Das gute Handeln (dahingehend erst als solches bestehende: Als Seinsentsprechung! als Entsprechung der Idee Gottes, des Absoluten, im unendlichen Mosaik Gottes, der Vorsehung, nie statisch, aber immer wahr!) folgt dem "guten Sein." 

Deshalb darf (!) nur nach einem vollkommenen Reinigen eine Verewigung des Zustands in der Speise erfolgen. Nur der, der der Ordnung der Wahrheit entspricht, darf somit am Mahl der Vollkommenheit teilnehmen.

So möge der Leser selbst entscheiden, nach welcher der Aufführungen zum "King Lear" er guten Gewissens essen gehen sollte. Und nach welchen das Essengehen lediglich Teil eines romantischen, ideologischen, lediglich der Gewohnheit entspringenden Rituals ist. Das ihn aber nicht in den Himmel, sondern in die Selbstvernichtung verdauen wird. 


*301220*

Samstag, 9. Januar 2021

Ein Theaterabend mit Folgen (2)

 Teil 2, als nächster Theaterabend: Machen wir nun Folgendes: Wir bleiben beim Stück, wechseln aber erneut die Inszenierung. Und steigen weiter in der Perfektion. Dann sehen wir, was wir daraus folgern können.


Oder er macht gleich Folgendes, und das sei ihm sogar dringend empfohlen, selbst wenn er fürchtet, daß sein Englisch nicht reicht: Es wird reichen, vertraue der Leser. Denn er wird etwas Seltsames feststellen. Er wird hautnah erfahren, was der VdZ seit dreizehn Jahren in einem Land erfährt, dessen Sprache zu lernen er strikt verweigert hat. Um genau das zu sehen: Daß Sprache weit weit mehr ist als rationaler Inhalt. Alleine die Gestalten werden ihm erzählen, worum es geht. Sie sind nämlich Träger des Geistes.

Also stürze man sich frohen Mutes in die englische Version von "King Lear". Die sogar der Inszenierungskunst eines Laurence Olivier entstammt. 
Der auch selbst den König spielt, der das Zerbrechen aller Lebensillusionen und Selbsttäuschungen und Eitelkeiten erfährt. Sodaß sich das Leben als das herausstellt, das der VdZ in seinem Roman "Helena" mit dem Konzept des Lebens selbst untertitelte: "Das Gute ist was bleibt" Spätestens an dieser großartigen Fassung, die aber schon ein Film ist, wird er verstehen, was der VdZ meint. 

Wobei der Leser wieder einmal an eine Aussage Charly Chaplins erinnert werden soll. Der da meinte, daß Film eine "Photographie von Theater" sein muß, will er Kunst bleiben.
Und das wünschen wir uns doch vom Theater, ja von jeder Kultstätte. Daß sie dem Kult und seinen Inhalten gewidmet ist. Sodaß ein Theaterabend - wie der Besuch der Heiligen Liturgien zu den Festtagen - der Darreichung, der sichtbarmachenden Extrudierung des Wirklichen dient. Um uns in diese Wirklichkeit hineinzuheben. 
An der wir uns dann dem Geschehen folgend - weil diesem immanente Folge und Wirkung - durch eine wahrhaftige Seinsveränderung, durch eine Öffnung der Tore hin zur Transzendenz stärken können. 
Anstatt uns zwangsläufig (weil so serviert) mit dem Medium, dem Handwerk, den technischen Hilfsmitteln auseinandersetzen zu müssen. Weil es sich so in den Vordergrund drängt. So, wie wir bei einem Achsenschaden am Eisenbahnwaggon keinen Moment mehr die schöne Landschaft und das herrliche Ambiente des romantischen Schlafwagencoupés genießen können, weil der Waggon pausenlos rumpelt und so stößt, daß wir im Sekundentakt an die Hutablage gerempelt werden.  
Das ist es auch, was durch das "Regietheater" passiert ist. In dem uns die Theatermacher mit Konflikten und Fragen konfrontieren, die sie selbst nicht klären können, und deshalb dem Publikum zuschieben. 
Aber diese Zerstörung der Gestalthaftigkeit, die Kultur im Grunde ausmacht, ist metierübergreifend. Man kann nur über den ontologischen Vorrang, also das Ursache und Wirkungsproblem streiten. 
Denn das ist es auch, was mit der Liturgiereform" vor fünfzig Jahren passiert ist. Die uns Laien so wenig angeht ... wie das Theater. Aus beiden Stätten wurden wir vertrieben. Aus beiden Stätten sind wir geflohen, weil wir ständig Theater "machen" sollen. Anstatt ihm (und damit dem Kult) einfach beizuwohnen.
Wir sind aber auch geflohen, weil das Gute, dem wir begegnet sind - trotz allem! denn nur dadurch gibt es, was wir vor Augen haben - unerträglich wurde. Weil es kein Kostüm, keine Figur mehr findet, in der wir den Widersprüchen zur faktischen Gegenwart (zum "Personspielen" in der Zeit), die durch das Gute in uns ausgelöst wurden, begegnen können. Weil wir doch dem Gut gehören, und uns dafür auch entschieden haben. 
Mit vereinfachenden Worten gesagt: Wir werden in die Lumpen der Mechaniker gekleidet aus dem Theater und aus den Kirchen geschickt, anstatt mit Licht umhüllt die Welt in Schönheit und Galagarderobe zu erhellen.


Nächsten Samstag Teil 3) Die Erlösung durch den Einen 
wird im Mahl allgemein

*291220*

Samstag, 2. Januar 2021

Ein Theaterabend mit Folgen (1)

Wieder einmal mit Shakespeare, diesmal "King Lear", als Aufzeichnung einer Aufführung des Wiener Burgtheaters, unter der Regie von Luc Bondy, mit Gerd Voss in der Titelrolle. Aber anders als die Zeitungskritiken ist die Meinung des VdZ zu dieser Inszenierung (die er vor Ort gesehen hat) keineswegs so positiv, und die schauspielerische Leistung von Gerd Voss in seinen Augen recht fragwürdig. Oder, um es mit den Worten einer dem VdZ bekannten Regisseurin zu sagen: "Der schreit doch nur!"

Ja, leider ist auch das Schauspiel heute oft recht verkommen und methodisch (bzw. eigentlich "methodistisch") verkümmert. Aber es wäre ein Fehler, dafür die Schauspieler verantwortlich zu machen. Sie versuchen vielmehr oft, mit viel Expressionismus eine der Inszenierung und schon gar WEIL DAMIT (das Ganze ist es, das das Einzelne vorgibt, als Licht, das aufleuchten läßt, was in den Elementen auf der Bühne "da" ist) ihrer Figur fehlende Logik der Entwicklung und Seelensituation zu ersetzen. 

Das ist umso tragischer, als genau dieses Insgesamt - bis hinein ins kleinste Detail der Figuren und Charaktere - bei wahrscheinlich keinem Schriftsteller der abendländischen Kultur dermaßen wahrhaftig (und bühnengerecht entfaltet) ist wie bei Shakespeare.

Vieles an dem Schreien - auch von Gerd Voss, der doch, das steht außer Frage, ein großartiger Schauspieler "an sich" ist - ist somit eine verzweifelte Suche nach Halt in einem großen, gähnenden Nichts, in das die Darsteller gezwungen werden. Das kann dann zur Manie, zum Habitus werden, dem auch ein Voss verfallen ist. Und zwar weil er in langen Jahrzehnten der "Zusammenarbeit" mit Klaus Peymann, dem großen "Meister" des Regietheaters, an solch eine Art des Schauspiels gewöhnt, durch viel falsches Lob verlockt worden ist. Was bleibt dann einem Mann wie Voss noch übrig als sein Handwerk so gut es geht zu betonen? 

Jaja, das Regietheater ... in dem sich ein Regisseur (oder die Bühnenintendanz, oder beide) selbst zu verwirklichen sucht, anstatt das Stück, die Intention des Autors umzusetzen, die sie bei Klassikern noch dazu oft schon gar nicht mehr verstehen, weil es ihnen an Geist fehlt. 

Ob Peymann, der das Desaster seiner Inszenierungen bis heute nicht mitbekommen hat, weil er die Kritikerszene mit seiner Eloquenz genauso eingewickelt und geblendet hat wie die Zuschauer, sodaß er die institutionalisierte Kritik (sieht man von wenigen Ausnahmen ab, der VdZ denkt da an Karl Löbl) verbildet und kastriert hat, noch einmal begreifen wird, worin er gefehlt hat, darf man hoffen, aber als unwahrscheinlich bezweifeln. Zu sehr hat er sich in seiner eigenen Wirklichkeitsangst bereits eingewickelt, in der sich sein Narzißmus (die leibhaftigste Reaktion auf Wirklichkeitsangst aus mutter-gebundenen Kuschel-Embryonalismus) einen bombenfesten Kokon gesponnen hat.

So wie es ein anderer großer Name des Regietheaters, Peter Zadek, in seinem letzten Lebensjahr, in der Katharsis seiner Krebserkrankung, noch geglückt ist, wie er in seinen dreibändigen Memoiren bereuend analysiert. Wo er bekennt, wie sehr er alle - und sich - getäuscht hat. Indem er kaltblütig auf dem Pferde des nachkriegs-verschüchterten Deutschland "als Jude" zur Entfaltung seiner kindischen Frechheiten förmlich ermuntert wurde. 

Während er sich zuvor in England, das in seiner ungebrochenen, verbindlichen (sic!) Bindung ans Publikum - der Voraussetzung für die Liebe, die auch für das Theater unabdingbar, wiewohl gerade nicht Ohrenbläserei ist - all die lächerlichen Theatermoden des Festlands verabscheut hat, nicht nur nicht durchsetzen konnte, sondern wegen seiner Unbildung und Inkompetenz regelrecht verjagt wurde.


Wenn der Leser Zeit und Lust hat, kann er diese Inszenierung mit einer anderen vergleichen, die Dieter Dorn 1992 in den Münchner Kammerspielen auf die Bühne brachte. Mit Rolf Boysen in der Hauptrolle. Vielleicht findet er dann die Anmerkungen des VdZ bestätigt. Oder ... er sucht gleich diese Fassung auf. Mit der Gewissensruhe, sich dem Stück von Shakespeare einfach zu überlasssen. Wie es einem Theaterabend eben angemessener wäre. Dessen Katharsis vom Stück selbst - und nicht aus der Haltung der Auseinandersetzung mit der Zeit, in der wir leben, und in deren oft genug diabolischen Geist inszeniert wurde - erwartet wird.


Nächsten Samstag Teil 2, als nächster Theaterabend: Machen wir nun Folgendes: Wir bleiben beim Stück, wechseln aber erneut die Inszenierung. Und steigen weiter in der Perfektion. Dann sehen wir, was wir daraus folgern können.

Dienstag, 20. Oktober 2020

Du setzest jetzt die Maske auf, sonst kriegst Du auf den Deckel drauf

Merke: Diktatur gibt es nur bei anderen, nie bei uns. Was immer bei uns geschieht hat nämlich Gründe und ist deshalb vernünftig.
"Die grausamste Form der Diktatur ist ein Kind der Aufklärung, die Imperativ wurde. Seither erst ist ein Leben ohne äußere Freiheit sogar aussichtslos und liefert die Seele aus. Denn Freiheit ist eine Frage des Sinns, nicht der eisernen Fesseln. Deshalb lebt sie aus dem Ausweg der Vernunft. Aber der fehlt nun. Denn Sinn ist durch Zweck ersetzt. 
Es gibt aber kein furchtbareres Gefängnis als das, das menschliche Gedanken errichten können, denen der erfrischende Trunk der Wahrheit entzogen ist, der einmal gekostet immer nur noch nach der lebendigen Süße des Sinns sehnen macht. Und Sinn ist der Geschmack der Freiheit und das Blut des Lebens. 
Aus dem Denken der Aufklärung wurde aber eine Hölle gebaut, die nur noch den Geschmack der blutleeren Bitterkeit kennt. Es ist deshalb kein Wunder, daß die Legende von Dracula zum selben Zeitpunkt erfunden wurde, an dem man das Zeitalter der Aufklärung ausrief." 
(A. de Lamourieux)

"Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern wandelt euch durch ein neues Denken, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: was ihm gefällt, was gut und vollkommen ist." (Röm. 12,2) 

***

Das hat sich letzte Woche in einer Wiener U-Bahn-Station zugetragen: Ein Mann trug keine Maske. Er hätte es besser gemacht. Sehe der Leser im Video, was dann passiert ist.

Photo Kronen Zeitung

Dazu paßt:  Berliner Polizei darf bei begründeten "Verdachtsfällen" Wohnungen untersuchen. Wonach möge der Leser sich vorstellen. Soviel aber zur Verleugnung einer grundrechtsaufweichenden Wirkung der Corona-Maßnahmen. Das deutsche Grundgesetz schützt, zur Erinnerung, die Wohnung als unverletzbare Privatzone. Nur in schweren Verdachtsfällen auf gravierende strafrechtlich relevante Aktivität und nur nach richterlicher Prüfung und Beschluß darf die Wohnung durchsucht werden.

Und das kommt dabei raus:

Privatversammlung von zehn Leuten? Na das geht gar nicht. Judas hatte sie eh gewarnt. Aber Jesus mußte ja immer alles besser wissen. 

Da sollte abschließend dieses Video nicht fehlen. Es ist ein verblüffender Zusammenschnitt von offiziellen Aussagen aus Politik und maßgeblicher Medizin.


Sonntag, 27. September 2020

Für noch Unentschlossene

Aus Anlaß der Wahl zum Wiener Bürgermeister (der zugleich Landeschef, also im bundesdeutschen Maßstab "Ministerpräsident" ist) sei hier einer der Mitbewerber herausgegriffen, die Bierpartei. Die sich zwar alle Mühe gibt, sich ideologisch "neutral" zu präsentieren, aber doch aus allen Poren Ideologie schwitzt. Welche möge der Leser selbst klassifizieren, und es geht ohnehin hier nicht darum. 

In Zeiten wie diesen gehört es eben dazu, "dagegen" zu sein, und das möglichst originell und "tabulos". In Zeiten einer völligen Dekomposition ist nämlich die Revolte das wahre Zeichen des Dazugehörens zum Strom der Masse.

Deshalb geht es hier nur um die Vorstellung des neuesten Werbespots dieser Bierpartei. Denn ob seiner Originalität so gut wie jede Zeitung Österreichs gewiß kostenlos weil als berichtenswerte - wie gesagt: wir gehören doch dazu! und sind so kritisch! - und ob seiner Kuriosität dem Medienkonsumenten vorzustellende Nachricht brachte. Ja, es steht zu vermuten, daß die Zeitungen sogar dafür bezahlten. Denn wer wollte dieses Spektakel nicht gesehen haben und mitreden? Das immerhin beitragen sollte, so manchen Bierernst zu überwinden, der das Leben so leicht zu einem stickigen Loch macht.

 

Für unsere zahlreichen bundesdeutschen Leser, die mit der deutschen Sprache und Wiener politischen Eigenheiten nicht so vertraut sind, einige Verstehenshinweise: Blümel = Kandidat der  Kurz-ÖVP; "aufdunsenen" = von Bier aufgeschwemmten; Dominik Nepp = Kandidat der FPÖ; Ibiza = Ort, auf dem heimlich ein sehr intimes Gespräch unter anderem mit H. C. Strache und seinem Adlatus Johann Gudenus aufgezeichnet wurde, dessen in kurzen Ausschnitten veröffentlichter Inhalt dazu führte, daß 2019 die ÖVP-FPÖ-Regierung von Kanzler Sebastian Kurz aufgelöst wurde; "guats Oaschloch" = gutes Arschloch, wörtlich, also guter Anus, im Beispiel; 

"der ned amoi in Wien gwohnt hat" = H. C. Strache, der 2020 nach Ibiza von der FPÖ ausgeschlossen wurde, deren Obmann er seit 2006 (Obmann des FPÖ-Parlamentsclubs) bzw. 2008 (FPÖ- und Oppositionsführer) gewesen war, wäre von der Wahl sowohl aktiv wie passiv ausgeschlossen worden, hätte er nicht vor einigen Wochen "nachweisen" können, daß er durch die Trennung von seiner zweiten Ehefrau zwangsweise doch in Wien wohnhaft ist; Strache hatte im Frühjahr 2020 eine eigene Partei/Liste gegründet, mit der er zur Wahl zum Wiener Bürgermeister antrat, kämpft derzeit aber außerdem mit nunmehr gerichtsanhängigen Anschuldigungen, er habe die FPÖ durch ungerechtfertigte Spesenabrechnungen um nahezu eine halbe Million Euro geschädigt. Ach ja, auch er ist ja dagegen. Und doch so dabei.

Der Vollständigkeit halber noch weiteres Unappetitliches: "Beidl" = männliches Gemächt; "Futkanister" = ... das wollen wir hier nicht ins Bundesdeutsche transponieren, es ist zu vulgär für diese geweihten Hallen; schiach = häßlich; 11. Wiener Gemeindebezirk = Simmering, einer der ehedem "Arbeiterbezirk" genannten Wiener Bezirke, weil Simmering ehedem Zentrum großer Industriebetriebe war, die aber heute sämtlich abgewandert sind.



*140820*

Mittwoch, 22. Juli 2020

Ein markanter Dialog

Geht der VdZ sehr fehl in der Annahme, daß sich so mancher Deutschbürger wünschen würde, seine Polizei würde ähnlich markant auftreten wie dieser Polizist in einem Grätzel, das als Klein-Türkei in Wien bekannt ist. Und nicht wenigen Tschetschenen Bleibe bietet. Die (wie so manche anderen Migranten) ab und an in wilden Auseinandersetzungen und Massenschlägereien ihr Mütchen kühlen.

Gewiß nicht fehl in der Annahme geht der VdZ freilich, wenn er meint, daß die Reaktion der Polizeiobersten in unseren Ländern gleich sind und sein würden: Sämtliche in diese von einem Handybesitzer vom ersten Stock aus gefilmte Szene involvierte Beamte wurden suspendiert.

Vorerst das Skript dieses Dialogs. Der durch Anklicken des Links auf Twitter zu sehen ist. 

Was seltsamerweise darin aber nicht aufscheint ist am Filmchen zu hören: "Mochts an Schuach!" Ein entzückender Wiener Ausdruck, ähnlich dem berühmten "Schleichts Eich!", als mehr oder weniger höfliche, sicher aber eloquente, situationsgerechte und nachdrückliche Aufforderung, sich vom Acker zu machen. Und somit den Ort zu dominieren, an dem man selbst steht. 

Wer wollte nicht eine Polizei, die ihren Dienst nicht nur als Gesetzesstarre sieht, sondern auch und vor allem als Schutz der "Eigenen". Dem sie sich zugehörig begreift. Alle Gesetze entstammen einem Rechtsgefühl, das in einem Volk und an einem bestimmten Ort besteht. Mit dem sich die Polizei vor aller Gesetzestreue identifizieren sollte. Dann ist sie es wirklich, der "Freund und Helfer".

Dann wird auch und vor allem das Sicherheitsbedürfnis eines Volkes befriedigt. Das mit seinen Steuergeldern immerhin den Exekutivbereich, dritte Säule des demokratischen Staates, finanziert.

"Des is mei Land!" Dem gehöre ich zu. Das vertrete ich hier. Und deshalb weiß ich auch besser wie jeder, der diesem Volk nicht entstammt, wie seine wirkliche Rechtscharakteristik aussieht, und wie ich zu verfahren habe. Auch ohne geschriebenen Gesetzestext weiß ich deshalb, was HIER Recht und was Unrecht ist. 

Dieses Volk, freilich beherrscht von einer Elite, die etwas anderes will als das Volk selbst, verleiht deshalb diesem Ordnungshüter einen Orden samt Gutschein für eine Etrige mit Buckel. Er schützt tatsächlich die Bürger seines Landes.

Eine Verbundenheit, die die ÖVP, der Sebastian Kurz vorsteht, gezielt ausgeräumt hat, sobald sie an die Macht gekommen war. Durch ihre "Polizeireform"zu Anfang der 2000er Jahre. Die aus einer immer (!) regionalen, immer verwurzelten Gendarmerie und der - lokalen, regionalen - Stadtpolizei durch Zusammenlegung (heutige Trottel nennen schon notorisch Zerstörung "Reform") eine abstrakte, zentralistische Bundes- und Rechtsbehörde gemacht hat. 

Ein weiteres Verbrechen der Politik auf ihrem Weg, dieses Volk, diesen Staat ins Verderben und die Hölle zu reißen. Und eine typische Vorgangsweise einer Staatszentrale, die "ihre Völker" dominieren, nicht "regieren" will. 

 *200720*

Samstag, 11. Juli 2020

Schon die Simmering-Reise gebucht?

Eine der im Herbst 2020 (wirklich!) antretenden Parteien zur Gemeinderatswahl ist die "Bierpartei". Hier deren neuestes Werbevideo, das den typischen Simmeringer mittelständischen Unternehmer im Sektor Fremdenverkehr besonders ansprechen wird. 

Simmering, einer der bevölkerungsreichsten Wiener Bezirke, einst voller Industrie und Arbeiter, heute voller Industrieruinen und Arbeitsloser, einst rot wie das Blut, heute ... ist doch eine Reise wert. Oder?




*300620*

Freitag, 3. Juli 2020

Weil es hier keine Indianer gibt

Als er die Bilder zu den Black Lives Matter-Demonstrationen in Wien sah, fiel dem VdZ eine Anekdote ein, die sich vor über zwanzig Jahren ereignete. Damals lebte und schrieb er in einer großartigen Terrassenwohnung über den Dächern Wiens, und genoß, wiewohl eigentlich in einer Millionenstadt, ein fast dörfliches, provinzielles tägliches Schauspiel auf den Straßen. Das hat wohl immer den Charme Wiens (und gewiß nicht nur Wiens) ausgemacht, daß man zwar einerseits Sitz und Herz eines großen Reiches und großer Ideen war, daß aber andererseits das Lebensumfeld eines Dorfes der Wiener hatte. 

Wien hat seine Lebensqualität, deretwegen die Stadt so gerühmt wurde, den zahllosen kleinen Räumen zu verdanken, die es dort gab. Den Grätzln, den Kleinbezirken, wo sich jeweils einige Straßenzüge, die sich irgendwie um ein Zentrum gruppiert hatten, in zahllosen Kleinigkeiten, Gebräuchen, Sitten, Sprachwendungen und Sprecheigenheiten voneinander so markant unterschieden, daß der eingefleischte Wiener schon am Aussehen, an der Gestalt und am Zungenschlag auf der Straße genau wußte, woher der Gegenüberstehende stammte. 

Die Wiener waren nicht "in Wien" verwurzelt, sondern in ihren Grätzln und Straßenzügen, in ihren wirklichen Lebensräumen. Noch einmal, das ist freilich nicht nur in Wien so (gewesen), das ist in allen Städten der Welt (gewesen), sonst wäre es nirgendwo lebenswert (gewesen). Das Universalistische, Abstrakte vermag nie zu verwurzeln, sondern es läßt des Menschen Seele leer und bodenlos, und deshalb auch so gefährlich, als Fremdes, das das je Eigene verdunkelt und zerstört, wo es noch wäre. 

All diese unzähligen Kleinräume waren auch voll mit Sonderlingen und Eigentümlichkeiten, die oft genug zum Schmunzeln anregen konnten. Sie machten auf jeden Fall ein Klima der Liebenswürdigkeit sichtbar, um das man weinen muß, denn es ist mehr und mehr verschwunden. Ja, es wird seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, und im 20. Jahrhundert in größenwahnsinnigem Lebensbemächtigungswahn sogar gezielt zerstört - "umgestaltet" - worden.

Aber noch vor zwanzig Jahren fand man solche Eigentümlichkeiten. Auch auf den Straßen in jenem Wiener Grätzl in einem Bezirke "über der Donau". Nicht weit von jenem Kirchenbau entfernt, der als Kathedrale und Bischofssitz für eine vor hundertfünfzig Jahren unausbleiblich scheinende Teilung der Stadt und des Erzbistums angedacht und zu bauen begonnen worden war. Den man dann aber in einem Ernüchterungsschub zur Pfarrkirche reduziert hatte, die noch heute ihre ursprüngliche Sendung erahnen läßt. Und sei es durch den Platz, auf dem sie steht, und der eine geistige Größe vermittelt, der es heutigen Stadtplanungskonzepten so bedauerlich fehlt. 

Zum Alltagsbild dort, jedenfalls, gehörte auch ein damals schon älterer Mann, der mit seinem Schäferhund, der neben ihm hertrottete, seine täglichen Spaziergänge (oder soll man sie Inspiziergänge nennen?) unternahm. Sein braunes, schulterlanges, glattes Haar begrenzte er mit einem Stirnband, dessen Muster schon erklärte, warum man ihn "den Indianer" nannte. Diese Identität war kein Spott, sondern offensichtlich von ihm selbst so gewählt und gewollt, und seine Kleidung, sein Habitus ordnete sich entsprechend. Genauso, wie sein Alleinsein. Wie gesagt, es war nichts von Spott dabei, ursprünglich, wäre nicht seine Bemühtheit, sich als "Indianer" in jeder Hinsicht zu präsentieren, diese typische Tautologie des Narziß, der sich selbst spielt, aber nie ist, was zu sein er vorgibt. Und es versuche mal jemand, der in Wien - und das heißt immer: in einem Grätzl - geboren ist, "zum Indianer zu werden". Der wird bald sehen, wie (naiv gesagt) schwierig das sein kann. 

Dem VdZ ist es nie passiert, aber es wurde ihm zugetragen, daß es auch wenig Erfreuung enthielt, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Denn dieser Urwiener hatte eine Agenda, und das war die Sorge um die Indianer. Nun, es ist gewiß nicht so leicht, im alltäglichen Brotkaufen, an den Arbeitsstätten, in der Obsorge um Kinder, Weib und Hund auch noch Herzensraum für die Problematik eines Oglalla zu schaffen, dem man ein Stück Prärie heimtückisch abgeluchst hat, so tragisch oder furchtbar da vieles auch gewesen sein mag. Aber kein Wiener muß Sorge haben, daß er sein Seelenheil verfehlt, wenn er sich nicht dafür interessiert. Oder nicht über eine Petition an den US-Kongreß in Washington die Herausgabe eines Stückes Wald in Minnesota verlangt, das in der üblichen Art und Weise - dem Vertragsbruch, der meist einfach ein heimtückisches Unterlaufen von Vereinbarungen war, die in perfider schizoider Taktik der Sprache und damit der Vernunft entzogen wurden - im Jahre 1878 "unrechtmäßig" dem dortigen Cheyennevolk gestohlen wurde. Nein, zum Wiener-Sein gehört nicht unbedingt, sich dafür interessieren zu sollen, ganz gewiß nicht.

Anders für jenen einsamen Wolf. Der zwar jede menschliche Gesellschaft zu meiden vorgab (dabei sich, eiderdautz, umso eifriger als lebendige Botschaft genau an jene gemiedene Gesellschaft verstand), aber eines Tages doch zu einem von der Bezirksleitung arrangierten abendlichen Umtrunk einfand. Der Anlaß ist dem VdZ entfallen, oder kannte er ihn schon damals nicht einmal, denn er war offenbar so unwesentlich, daß er keiner Erinnerung wert war. 

Selbstverständlich war der Bezirksvorsteher - dem Range, der Stellung, der Befugnis nach einem Bürgermeister in einem beliebigen sonstigen Ort in Österreich gleichwertig - dabei. Denn wer läßt schon solche Gelegenheiten aus, sich dem zukünftigen Wähler (und Demokratie nach heutiger Praxis heißt praktisch immer im Zustande einer Vorwahl zu sein) als leutselig und sympathisch zu präsentieren. Was meist als "Mann wie Du und ich" interpretiert wird. Übrigens auch das ein schwerer Fehler, ja in Wahrheit eine Lüge, die niemandem verborgen bleibt, niemandem, schon gar nicht dem potentiellen Wähler.

Und vor allem als jemand, den jeder Bürger in seinen Anliegen ansprechen darf und sogar soll (angeblich), um dann zu beweisen, wie tatkräftig der Mann doch sein könne. Wie sehr er sich für die Sorgen und Nöte der von ihm regierten Menschen interessiere, wie sehr sie ihm ein Anliegen seien.

Dieses "ich tue etwas für die Leute" ist ja überhaupt das Mantra, unter dem jeder antritt, der ein Amt per Abstimmung anstrebt, es ist DAS Kriterium. So sehen es offenbar die Kandidaten, so sehen es noch mehr die Wahlstrategen und Werbeagenturen: Gewählt wird, wer am meisten verspricht, daß sich für den einzelnen Wähler die Stimmabgabe zähl- und meßbar rechnet. Weil er etwas für einen tut. Also ist jeder Kontakt auch bereits Gewählter (in der perennierenden Hoffnung, wiedergewählt zu werden) zu ihren Wählern oder Hoffentlich-Wählern ein permanentes Versprechen: Ich tue etwas für Dich, ich tue etwas für jeden.

Unser Indianer mußte genau dieses Versprechen im Kopfe gehabt haben, und er mußte daran glauben, als er sich nicht nur entschlossen hatte, diese abendliche Veranstaltung zu besuchen, sondern sich immer näher an den Vater der Gemeinde durch die dicht stehenden Menschen durch- und an besagten Mann heranarbeitete. Um ihm endlich gegenüberzustehen. 

Er baute sich auf, und blickte dem bald verlegen wirkenden Gemeindevorsteher fest in die Augen. Wohl so, wie es Winnetou selbst gemacht hätte, das wußte ja jeder, der die Karl May-Verfilmungen kennt, und damals kannte die sicher jeder Mann (der einmal Bub gewesen war).

Herr Bichlowetz, hub er mit fester Stimme an zu sprechen, darf ich Sie in einer wichtigen Angelegenheit etwas fragen?
Der Angesprochene faßte sich wieder, räusperte sich, und legte dem Indianer die Hand auf seine Schulter. Na selbstverständlich, stieß er nun aus. Wo drückt der Schuh?
Herr Bichlowetz, der Indianer wiederholte die Anrede, wohl um den Nachdruck zu erhöhen, mit dem er sein Anliegen präsentieren wollte. Ich habe die Frage an Sie ...
Der Angesprochene neigte sein Haupt, als wollte er den Bürger noch väterlicher ermuntern, ihm seine Worte gewissermaßen ins Ohr zu träufeln, auf daß sie dort umso leichteren Zugang weil Abfluß nach unten, ins Herz, finden mochten. 
... habe die Frage an Sie ...
Ja, bitte, wo drückt der Schuh? Bichlowetz lächelte nun, denn auch die übrigen ihn Umstehenden zeigten ein überlegenes Schmunzeln.

... also: Warum tut die Gemeinde nichts für Indianer?!

Einen Augenblick war Stille. Der Gemeindevorsteher wirkte reichlich verblüfft. Seine Verdutztheit zeigte die Unterlippe, die ihm mitsamt dem Kinne so nach unten rutschte, als wollte es jenes noch überholen. Wer ihn kannte, der wußte was das hieß: Der Bürgermeister dachte nach.

Und mit Erfolg. Als hätte ihn die Erleuchtung gestreift, huschte ein Lichtstrahl durch sein Gesicht, und der zog auch Lippe und Kinn wieder nach oben. Mit einem Wort: Bichlowetz straffte sich. Dann hob er zu sprechen an.

Weil es hier keine Indianer gibt. 

Was das mit dem Demonstrieren von sagenhaften fünfzigtausend Wienern zu tun hat, die mitten in Wien ein Beendigen des Rassismus gegenüber Schwarzen verlangten, ist dem VdZ freilich jetzt entfallen. Das Einzelne hat das Allgemeine, Verbindende, die Idee sohin, gewiß erdrückt.
Na, dem Leser fällt es möglicherweise leichter, jenen Zusammenhang herzustellen, der den VdZ wohl bewogen haben mochte, beim Sehen des Einen die Erinnerung an jenes gehabt zu haben.

Übrigens, so nebenbei: In diesem dem VdZ zugetragenen Geschichtlein fehlte bemerkenswert jede Aussage, was mit dem Indianer dann geschehen sei. Vermutlich ist er auf geheimnisvolle Weise verschwunden. Zumindest würde das einem Dschingacscook oder Winnetou entsprechen. 



*270620*

Sonntag, 26. April 2020

Unser Land brennt!

Die allen Gesetzen und Vorschriften genügende (es ist ein Grundrecht der Verfassung, daß eine Demonstration nur angemeldet werden muß; das ist ein einseitiger Vorgang; dieses Grundrecht scheint aber auch den Gesundheits-Corona-Erlässen untergeordnet zu sein!) für den Nachmittag des 24. April 2020, zufällig auch der Beginn des Ramadan, angesetzte "Anti-Corona-Maßnahmen-Demo" in Wien wurde erst abgesagt, fand dann doch statt, und wurde schließlich aufgelöst. Weil, so die Medien, so etwas verboten sei. Was ist verboten? Sehen wir uns das mal an.

Bei der Anmeldung genehmigt (sic!) wurden erst fünf (sic!) Teilnehmer, aber es waren, laut Polizei, natürlich viel mehr zu erwarten. Weshalb nach dem Augenschein das polizeiliche Verbot mit der Begründung "Das Ansteckungsrisiko ist zu groß" ausgesprochen wurde.

Am interessantesten ist aber die in der offiziellen Polizeimeldung enthaltene Wendung "Es ist eine Prognoseentscheidung." Wieder, wieder, wieder ... möglich, wahrscheinlich ... obwohl es nach wie vor keine Daten gibt, um überhaupt eine Risikoeinschätzung vornehmen zu können!

Woraufhin sie abgesagt wurde. Aber dann doch stattfand. Ein Großaufgebot der Polizei (laut Verfassung ist der Staat verpflichtet, jede Demonstration zu schützen) beobachtete die Vorgänge vor der Albertina. Auf heiligem Boden. Denn der Platz ist nicht nur durch die Hrdlicka-Statuen - als Kunstwerke außergewöhnlich, ja hervorragend, wie fast alles von diesem Mann - Mahnmale der Vorgänge 1938 in Wien, als die Nazis die Macht übernahmen, gestaltet, sondern im Boden befinden sich hunderte Leichen. Opfer eines Volltreffers einer Fliegerbombe, die 1945 ein großes Haus traf, und die Menschen in den mehrgeschoßigen Kellern schmelzen ließ. Woraufhin man das Areal zum Friedhof erklärte.

Auch Hunderte waren es - der Kurier spricht von zweihundert, die Teilnehmer von fünfhundert - die sich am Freitag dort versammelten. Um dann abziehen zu müssen. Denn nach einer Stunde wurde die Versammlung von der Polizei offiziell aufgelöst.
Der Polizeisprecher ließ vor Ort per Megaphon verlauten: "Es wurde festgestellt, daß sich in dieser Versammlung gesetzeswidrige Vorgänge ereignen. Deshalb löst die Polizei diese Versammlung auf."
Zu wenig Abstand, kein Mundschutz (bei einer Demo!), und das "immer wieder". Wie grotesk, ja lächerlich das alles ist - und niemand scheint es zu sehen! Was ist mit diesem Land los!? - zeigen die Bilder unten: Die Polizisten selbst stehen Schulter an Schulter. Offenbar geht auch "öffentliche Ordnung" vor dem Demonstrationsrecht und sogar vor der Corona-Schutzpflicht.

Und die Zeitungen? Man kann es kaum noch glauben. Sie feiern dies (man beachte deren Rhetorik, die einem Feiern gleichkommt! Man schreibt und spricht nur von "Illegale Corona-Demo in Wien", "unerlaubte Demo", etc.) als richtig und angemessen. Natürlich aus ganz sachlichen Gründen. Weil "der Mindestabstand in vielen Fällen nicht eingehalten wurde, wir haben es gesehen!"

Und tatsächlich, viele Teilnehmer hatten "keinen Mundschutz". Die Aufnahmen "beweisen es!" Wow, was für toller Journalismus, was für Faktenrecherche, was für Recherchetiefe! "Nach dutzenden Hinweisen wird die Polizei eingreifen, Identitäten feststellen, und bestrafen beziehungsweise anzeigen!" Also mit empfindlichen Geldstrafen belegen. "Von Mundschutz ist nichts zu sehen."

So sprechen heute Journalisten!

Wenn es überhaupt eine Rechtfertigung für Journalisten gibt, dann ist es nur die der individuellen Freiheit der Menschen, der Bürger. Darüber zu wachen ist dezidierte Aufgabe des Journalismus.

Was sich in unseren Ländern mittlerweile abspielt, ist kaum noch zu fassen. Man ist traurig, man ist wütend, man ist fassungslos. Unser Land brennt, und der Großteil seiner Bewohner feiert und tanzt in den Flammen!



Was immer man von Martin Sellner halten mag, das hier macht er sehr gut. Seine Videoaufnahmen sind die einzigen, stichhaltigen Bilder, die im Netz verfügbar sind. Mit übrigens manchen recht lustigen Passagen unter den eingefangenen Momenten. Außerdem ist interessant, daß man sieht, wie sehr die in den letzten Jahren von den Gesetzgebern vorgenommenen Einschränkungen in der Berichterstattung (unter dem angeblichen "Personenschutz", der wenn es drauf ankommt der Politik aber sowas von wurscht ist, man denke nur an die "Corona-App", das Tracking, das ohne jede Scham auch jetzt schon durchgeführt wird, die Diskussionen über Impfpflicht und der Bevölkerung einzusetzende Chips) greifen. Die Kamera muß über weite Strecken auf den Boden gerichtet bleiben. Der Blickwinkel der Berichterstattung wird auf die Charakteristik eines perversen Voyeurs heruntergedrückt.

Die großen, dem Mainstream verpflichteten Medien berichten ja kaum bis gar nicht - siehe die gestern und heute hier zu findende, großartige Arbeit von Ianto Watt! - von diesen beziehungsweise ähnlichen Ereignissen (Protesten) in den letzten Wochen. Die "Szene" soll nicht ermutigt werden, indem sie feststellt, daß sie keineswegs "allein" ist, sondern daß diese Haltung in unseren Ländern von einer breiten Schichte mitgetragen wird.

Aber es ist halt Sellner. "Das Wichtigste ist, daß alles friedlich geblieben ist." Aha. Friedlich. Friede. Aha.



Nur eine Ausnahme im Schweigen der Medien muß oder darf erwähnt werden. Und wieder ist es die Fellner-Publikation Österreich bzw. oe24 im Netz. "Die Information, daß sich Menschen nicht an die Corona-Maßnahmen halten, ist schon bis in höchste Regierungskreise vorgedrungen." Köstlich! "Kurz muß weg!" Österreich stellt folgendes Filmchen ins Netz:



Und alles kam, wie es kommen mußte. In der Berichterstattung. "Video zeigt, wie illegale Demo eskalierte." Na und wie!



*250420*

Dienstag, 10. März 2020

So schaut der wirkliche Ärztemangel aus

Es gebe zu wenige Ärzte, wird seit geraumer Zeit öffentlich erklärt. Das Seltsame ist: Der "Ausstoß" an Ärzten entspricht rein statistisch keinem Mangel! Warum aber gibt es dennoch im Alltag zu wenige Ärzte?

Nun, es gibt einmal nicht zu wenige Ärzte, sondern zu wenige Ärzte, die sich dem Diktat der Krankenkassen unterwerfen. Die mittlerweile sogar mitten in die Behandlungen hinein vorschreibt, was verordnet werden darf und was nicht. Der VdZ hat es erst in diesen Tagen direkt erlebt, daß ein Arzt ein Medikament nicht verschreiben konnte, weil am Bildschirm, als er das Rezept ausschreiben wollte, aufschien, daß für dieses Monat der zulässige Bedarf an diesem Medikament bereits erreicht sei. Die Ärztin hat das so begründet, daß sie nicht das erste Mal erlebe, daß sich jemand an einem gegenüberliegenden 'Bildschirm in der Kasse' direkt in eine Behandlung einmische. 

Nimmt man dazu noch die lächerlich geringe Tarifentlohnung, die ein Arzt für ein Quartal Behandlung eines Patienten erhält, zeigt sich, daß ein immer größerer, mittlerweile dramatisch großer Anteil von Ärzten keinen sogenannten Kassenvertrag mehr unterschreibt, also nur noch gegen Privathonorar Patienten behandelt. Diese müssen nun das Honorar bezahlen, und erhalten dann von der Kasse, wenn sie das begehren, den offiziellen Tarif zurückerstattet. Auf diese Weise baut sich schon seit Jahren und mit zunehmendem Tempo ein zweites System auf, bei dem man tatsächlich von Zweiklassenmedizin sprechen muß, geteilt in die, die es sich leisten, und die, die es sich nicht leisten können, die bestmögliche Behandlung zu erhalten.

Einen weiteren Aufschluß gewann der VdZ aber aus einem Interview, das eine Zeitung mit dem Direktor der Allgemeinen Gesundheitskasse (wie seit kurzem der neue Leviathan heißt, der durch Zusammenlegung einiger kleinerer Kassen entstanden war) führte. Denn dieser führte nun genauer aus, wo es tatsächlich Ärztemangel gebe. Der bereits dramatische Ausmaße annehme. Betroffen seien vor allem die großen Städte. Warum? Weil sich dort bestimmte Bevölkerungsschichten in bestimmten Bezirken und Stadtgebieten konzentrierten. Dort aber gebe es zu wenige Ärzte, und die noch vorhandenen würden den Standort wechseln. 

Von welchem Charakter ist diese Umstrukturierung? Das wird klar, wenn wir beachten, welche Bezirke in Wien von Ärztemangel bereits massiv betroffen sind. Es sind dies die Bezirke 10, 11, 15 und 20. Was ist an diesen Bezirken auffällig? Es sind "zufällig" jene Bezirke, in denen sich Bewohner "mit Migrationshintergrund" so geballt ansiedeln, daß selbst in der Wolle gefärbte Linke davon sprechen, daß dies ein anderes Wien sei, das sich dort aufbaue. Ein fremdes Wien, ein Wien mit einer anderen Lebenskultur. 

Und - mit einer anderen Sprache. Denn nach wie vor (und "seltsamerweise") gibt es nicht viele Ärzte, die afghanisch oder eine afrikanische oder arabische Sprache beherrschten. Aus diesen Bezirken fliehen deshalb die Ärzte, oder siedeln sich nicht an, ein brennendes Problem. Denn innerhalb der nächsten fünf Jahre wird die Hälfte der derzeit in Wien ansässigen Kassenärzte (wir sprechen hier von rund 1.600, insgesamt sind es in Wien etwas über 3.000) in Pension gehen. 

Wie will man diese Lücke stopfen? Der Direktor der Kassen wirkt ein wenig hilflos, als er die Maßnahmen vorstellt. Man bietet schon derzeit, so der Mann, Videokonferenzen an. Das heißt, ein Dolmetscher der Kassa kann bei Bedarf und daraufhin folgender Videozuschaltung angefordert werden. Dazu kommen Dolmetscher, die direkt angeboten werden. 

Freilich derzeit mit recht bescheidenem Erfolg. Der Ärztemangel (im Beispiel: in Wien) wird also tatsächlich dramatische Ausmaße annehmen. Denn seltsamerweise haben Ärzte irgendetwas mit Kultur zu tun. Was aber nur?



*050320*

Montag, 2. März 2020

Wirtschafts- als Politikgeschichte

Die Geschichte des Hauses "Julius Meinl" ist tragisch, aber auch so typisch für den Kapitalismus, in dessen Geschichte sie sich wieder und wieder abgespielt hat. Das ist uns nur deshalb nicht so bewußt, weil in den allermeisten Fällen der Staat einspringt, um dieses Scheitern, das am Ende der Geschichte steht, zu vertuschen. 

Aber die Meinl-Bank wurde NICHT vom Staat mit dem Steuergeld des Volkes herausgekauft. Dazu war sie politisch zu wenig opportun. Dazu hat sie auch wohl den Fürsten zu wenig Geld geliehen. Die Meinl-Bank wurde pleitegehen gelassen.

Jene Bank, die am Ende einer jahrhundertelangen Geschichte eines Hauses steht, das sich mit Waren aus aller Herren Länder - welche Tradition alleine darin! - mit Produkten und deren Kultur und Kultivierung (Meinl hat als erster Kaffee täglich frisch geröstet) auseinandergesetzt hat. Und damit für ein Volk stilbildend wurde. Denn Meinl-Ware und Meinl-Kaufhäuser standen stets für Qualität und innere Güte der Produkte, die freilich nicht immer billig sein kann.

Fünf Generationen lang hatte das hervorragend funktioniert. Ehe "Strukturbereinigungen" der Wirtschaft, die sämtlich politisch zu verantworten sind, also nicht einem "freien Markt", sondern nur ungeschützten Bürgern und einem mit Füßen getretenen Gemeinwohl zu verdanken sind, den Betrieb der Lebensmittelkette nicht mehr verantwortbar machte. Meinl verkaufte die Läden (bis auf einen am Graben in Wien), und tat es mit dem nunmehr bleibenden Geld den historischen Beispielen nach. Und ging ins Geldgeschäft. Mit der Meinl-Bank.

"Meinl am Graben" - Wien, 1. Bezirk
Aber auch das hat nicht so funktioniert, wie es sollte. Und hastenix-bistenix ist das Haus in Kalamitäten getrudelt, die zumindest im Geruch standen, nicht ganz sauber zu sein. Täuschung und Betrug lag in der Luft, wobei der VdZ nicht sicher ist, ob das von den Medien so massiv verbreitete Gerücht nicht ebenfalls politischen Hintergrund hatte, mehr jedenfalls denn als fundamentum in re.

Das befand aber letztendlich das Gericht doch, und die Bankenaufsicht (auch das ein politisches Instrument) entzog der Bank 2019 die Lizenz. Nun muß die ABB (Austro Anglian Bank - eine Namensänderung, die wohl gemacht wurde, um den Namen Meinl wenigstens im internationalen Ruf herauszuhalten) abgewickelt, also liquidiert werden.

Der Familie, dem Hause Meinl bleibt als sichtbare Präsenz des Hauses mit seiner langen Geschichte nur noch ein Restgeschäft, aufbauend auf dem Gründungsgeschäft, dem "Meinl am Graben". Und zwei, drei Läden, die Meinl (man hat es kaum bemerkt, aber darin war eine gewisse Rück- bzw. Umorientierung bereits erkennbar, dem VdZ ist es auch erst 2019 aufgefallen) in den letzten Jahren wieder filialartig eröffnet hat. Und es bleiben vermutlich die paar Lebensmittelfabriken, Kaffee, Süßwaren, Marmeladen, die die nach wie vor bestehenden Produkte der Marke Meinl als Teil einer österreichischen, historisch verwurzelten Alltagskultur bestehen lassen.




Sonntag, 29. September 2019

Ein Narr Gottes

Dieser Text ist so tief, daß der VdZ ihn dem Leser dieses Blog nicht vorenthalten will. Er stammt von Dr. Herbert Madinger. Und dieser Mann und Priester ist den Österreichern nicht unbekannt, ja, er hat - so seltsam man manches von ihm einschätzen mag, so seine Gebetsgemeinschaft beziehungsweise deren Mitglieder und deren Aftergemeinschaft, wie sie sich heute darstellt - Österreich auf eine seltsame Art geprägt. Durch seine KGI, die Katholische Glaubens Information. Die der VdZ seit den frühen 1970ern kennt.

Durch die Briefe, die man kostenlos (gegen Spenden) abonnieren konnte, und die in seinem Vaterhaus ständig eintrudelten. Kaum aber überhaupt ein Haus in Österreich, kaum eine Gaststätte, kaum ein öffentliches Gebäude, in dem nicht seine bunten A2-Plakate mit ihren oft sehr eingängigen Verknappungen wichtiger Wahrheiten in Sprüchen hingen, mit denen er seine Wirkung in den 1980ern verstärkte. Eine tolle Idee! Es ist wohl bis heute niemandem aufgefallen, wie sehr die Mission dieses nur scheinbar so superfromm-frömmlichen Mannes, der oft so (fast abstoßend) schwülstig zu schreiben schien, das Land geprägt hat.

Was alles unter Kardinal Erzbischof Schönborn eingestellt wurde, weil es sich aus den Spenden nicht mehr getragen hat. Bis Madinger starb. Damit war ohnehin das Projekt gestorben. Seine Nachfolger oder wie immer man sie nennen mag, kamen über den lächerlichen Standard der Charismatik nicht hinaus.

Briefe, aber, die irgendwie trotz allem seltsam wirkten, was der VdZ später der eigentümlichen Nähe zur Charismatischen Erneuerung zuschrieb. Und die aber doch etwas hatten, was einen nicht kalt ließ. Denn sie hatten eine Tiefe, die dem VdZ erst allmählich aufging. Vielleicht war dieser Sonderling, als der er überall gesehen wurde, und der doch so viel bewirkte, mehr als nur ein Sonderling. Ein "Narr Gottes". Der nicht einfach "frömmlich ohne Substanz schrieb", sondern der wirkliche Frömmigkeit kannte.

Wer diesen Text liest und erkennt, der könnte auch diesen Mann mehr begreifen. Der Text, den der VdZ einfach und frech aus gloria.tv übernimmt, ist nicht einfach gut. Er zeigt etwas. Solche Texte entstehen nicht, weil jemand "gut schreiben" kann oder charismatisch-subjektivistisch-dämonisch "inspiriert" ist. Sprache, Schrift damit, konstituiert sich aus dem Dahinter. Der Sprache der Sprache. Und da wird etwas hörbar, ja das Wesen aller Mystik erkennbarer.


Die Folgen der vertieften Gotteserkenntnis:

Der Tiefe Glaube.
Wenn Gott den Menschen eine tiefere Erkenntnis Gottes schenkt, dann wird das Gebet zu einer erfahrungsmäßigen „Begegnung“ mit Gott. Gott wird nicht mehr als der Ferne, Fremde erlebt:
er erscheint nahe und gegenwärtig im Gebet.

Der Glauben an diesen gegenwärtigen Gott wird nun ganz anders: viel tiefer, inniger, greifbarer, lebendiger, persönlicher.

Auch die Liebe zu Gott wird nun intensiv. Dieser gegenwärtige Gott wird jetzt als der „Schatz im Acker“ erlebt, als der „Bräutigam“, als „der Herr“, als Urbild aller Werte, als Licht. Der Mensch ist jetzt bereit, eher sein Leben zu geben, als Gott zu verraten.

Die Unterwerfung unter Gott umfasst jetzt das ganze Leben. Das Leben wird eine einzige große Frage: „Herr, was willst du, dass ich tue?“ Eine neue Sündenerkenntnis: In ganz anderem Maß als früher merkt der Mensch jetzt jedes „Du sollst“. Je näher der Mensch daher zu Gott kommt, um so stärker erlebt er jede eigene Sünde.

Weil sich dieser Mensch unterwerfen will und auf Gott immer mehr horcht, deswegen sucht er jetzt immer häufiger die Verbindung mit Gott. So wird sein Leben zu jenem „immerwährenden Gebet“, zu dem die Bibel auffordert. Es ist jenes Leben „in der Gegenwart Gottes“, von dem die Heiligen reden. – Außerdem will ja Liebe immer gemeinsam sein mit dem anderen, und deswegen denkt dieser Mensch immer mehr an Gott, sogar während der Arbeit. Es ist wie unter Brautleuten.

Das Gebet erhält eine neue Dimension. Es ist jetzt eine Art „Begegnung mit Gott“, eine Art „Schauen Gottes“, daher auch der Name „beschauliches Gebet“. Der Geist des Menschen „schaut“ dabei den unendlichen Geist Gottes, wenn auch nur „wie in einem Spiegel!“, wie Paulus sagt. – Dieser unendliche Gott zieht den Beter nun so sehr in seinen Bann, dass keine Worte mehr notwendig sind, um den Kontakt mit Gott herzustellen; der Beter schaut vielmehr still und in inniger Liebe auf diesen Unendlichen, den er liebt.

Der Mensch lässt sich jetzt „vom Heiligen Geist führen“ und „leiten“ und drängen. Das Gewissen ist nämlich hochempfindlich geworden und zeigt sehr genau die Forderungen jedes Augenblicks. Außerdem bekommt der Mensch einen „Instinkt“ dafür, was die Situation gerade erfordert. Es sind das wohl übernatürliche Antriebe der Gnade, gnadenhafte „Erleuchtungen“. Jedenfalls hat dieser Mensch den sicheren Eindruck, dass Gott ihn führt. Und das gibt ihm Mut, Kraft, Sicherheit und Ausdauer.

Ein neues erfahrungsmäßiges Verständnis für alle Glaubensarbeiten und für alle sittlichen Forderungen stellt sich ein. Die meisten Wahrheiten des Glaubens „erlebt“ man nun selber: dass es Gott gibt und eine innere „Offenbarung“, einen „sich schenkenden Gott“, Gnade, Dämonie, Erlösung. Vereinigung mit Gott, sinnvolles Leiden usw. . . . All diese Glaubenswahrheiten versteht dieser Mensch jetzt viel besser; er kann sie somit auch besser den anderen erklären. – Auch die sittlichen Werte erlebt man jetzt viel tiefer, weil man das Unendliche, das hinter diesen Werten steht, viel klarer erkennt: Liebe, Hingabe, Glaube, Schuld, Pflicht, Verantwortung, Recht, Gemeinschaft, Wahrheit, Autorität usw. Dieser Mensch kann daher auch viel besser entscheiden, was Sünde ist und was nicht.
Freude und Friede erfüllt nun das Herz, denn das tiefste Verlangen des Menschen, das Verlangen nach dem unendlichen Gott, kann sich jetzt erfüllen. Das Herz kann jetzt lieben und sogar ständig Lieben, und das macht glücklich. Jetzt hat der Mensch ein Zuhause gefunden, Geborgenheit, Heimat, Zuflucht, Sicherheit; daher Friede und die Freude, besondere Geschenke des Gottesgeistes.

Neue Kraft zu allem Guten strömt ein. Es fällt jetzt viel leichter als früher, das Gute zu tun: Liebe und Gnade beflügeln den Menschen.

Die Welt hat nun nicht mehr dieselbe Verführungskraft wie früher. Im Vergleich zu Gott erscheinen jetzt die Dinge, die früher fasziniert haben, geradezu als wertlos; wie „Kehricht“, sagt Paulus.

Der „Heilige“ liebt diese Dinge nicht mehr, weil sie verlocken, sondern weil sie Bild jenes Unendlichen sind, den er liebt.

Wahrhaftig: Ein neuer Mensch ist geworden. Der „Heilige“ ist wahrhaftig „wiedergeboren aus dem Heiligen Geist“, wie Jesus sagt.

Ob Du Lust hast, dieses Leben zu wagen? Alle sind zu dieser vollen Liebe berufen, auch Du. Denn für uns alle gilt das Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken“. Wer sich Gott ganz und völlig unterwerfen will, den wird Gott in den Bann seiner immer tieferen Liebe hineinziehen: „Die sich vom Geiste Gottes treiben lassen, die sind die Kinder Gottes.“




Quelle: Die 10 Gebote Gottes – Dr. Herbert Madinger – Auflage 1992 – Erzdiözese Wien – Katholische Glaubensinformation




*060819*






Mittwoch, 12. Juni 2019

Schüttelt den Staub von euren Füßen

Dieser kurze unten angefügte Film, in dem es um die für die Fertilität von Böden so entscheidende Aufgabe kleiner Lebewesen wie den Regenwurm geht, hat den VdZ an sein letztes, 2006 mit "seinem" Verein ARS ACTU in Wien produziertes Stück "Paradas" erinnert. Weil es daran erinnert, daß die Wirklichkeit, die Welt, die uns umringt, im Allerkleinsten verankert ist. Dort beginnt, dort gehalten wird. Die großen Ideen sind nichts als Pfefferkacke.

In Paradas geht es genau darum. Das Singspiel (mit den sehr gelungenen Kompositionen von Thomas Beinhofer) dreht sich um einen Mann, dem das kleine, eigene Leben zu "eng" wurde. Daraufhin brach er auf in die "große Welt". Aber die war eine einzige Hölle der Unfreiheit. Die zu jenem Unfall führte, der ihn nun in der Zwischenphase zwischen Leben und Tod (wenn man so will ist das Stück eine Ausarbeitung Marke "Nahtoderlebnis") vor sein bisheriges Leben stellt. Das an ihm vorbeizieht, und ihm vor Augen stellt, worum es eigentlich ging. Da erkennt er ... das vermeintlich Kleine, Unbedeutende - das war es! 

Das "Waipuki", das er als lästiges Kleintier zu vertreiben versucht hatte, weil es den "großen Ideen" nicht entsprach - war es, das mittels der Enzyme, die über seine Pfoten in den Erdboden gelangten, genau jene Pflanzenzüchtungserfolge evozierte, die ihn dazu veranlaßten, sich zu weit Höherem berufen zu fühlen, und diese scheinbar so kleine Welt zu verlassen. So nebenbei war diese "Kleinheit" begleitet von einer Liebe, die er zurückgewiesen hat.

Regie führte Michaela Mahrhauser. Das Stück war in seiner Realisierung wie alle Stücke des VdZ unter vollem finanziellem Risiko produziert worden - und ein Megaflop. Der nicht zuletzt die beständige Erfahrung bestätigte, daß die Wiener Bühnen von strunzdummen Trotteln geführt werden, denen solche Produktionen anzubieten "Perlen vor die Säue" war. Die Wiener, die österreichische Kunst- und Theaterszene ist ein lächerliches, in Ideologie und damit Konventionen erstickendes Drecksloch, mehr ist dazu nicht zu sagen.

Paradas - Der Dämon, der zu "mehr" treibt
Hier ist der erwähnte Film. Darunter Tonaufnahmen von den letztendlich nur zwei (!) Aufführungen mit vielleicht insgesamt siebzig Besuchern. Mehr gab es nicht, weil die Bühne im 8. Bezirk ohne jede Eigenleistung (Werbung, etc.) eine Einnahmengarantie verlangte, die jede weitere Vorstellung zu einem untragbaren Defizit gemacht hätte. Wien - eine Theaterstadt? Wien ist ein Drecksloch von Ignoranten und totalitären Ideologen, das war's. 2007 hat sich der VdZ nach den Erfahrungen mit sechs Bühnenproduktionen mit fast ausnahmslos denselben Erfahrungen in Wien - künstlerisch völlig inkompetente, verblödete, geldgierige, in Konvention erstickende Theaterleitungen - nach Ungarn zurückgezogen. Wie meint jemand unlängst? "Verarschen kann ich mich auch alleine."

Oh, der Leser spürt Verbitterung? Falsch. Er sollte viel mehr die Verachtung spüren. Denn die sogenannten "katholischen", die sogenannten "konservativen" Kreise sind nichts als kastrierte Onanisten und als realer gesellschaftlicher Faktor völlig unfähig eine Kunst zu erhalten, die sie in Internetforen und Pfadfindertreffen wie "Traditionskreisen" so gerne reklamieren - stattdessen lieber sterile Konservenkost konsumieren, weil sie ihren Vorstellungen entspricht und sie nicht beunruhigt, weil zur Wirklichkeit aufreißt. Als wäre Kunst jemals Vorstellungserfüllung! Also klatschen sie dann geistesblind in ihre abgestorbenen Pomeranzenhände. Die "Kritik" der Konservativen oder der "Rechten" ist viel zu oft nur der abstoßende Versuch, sich von etwas durch Täuschung und Sprech-Tarn-Netzen abzugrenzen, dem man selbst angehört, aber eigentlich als nicht "chique" empfindet. Sie sind in aller Regel um nichts weniger blind, taub, dumm und kulturimpotent wie die Linken.

"Ach, die Kultur bricht zusammen, wie schrecklich!" Ja, wie schrecklich. Es gibt nicht einmal mehr die zehn Gerechten, wie in Sodom und Gomorrah.





Aus: Paradas /UA Wien, 2006)  - Umweg zum Glück
Nun zu Paradas (auf hohe Eigenkosten 2006 sogar als CD produziert, mittlerweile längst vergriffen). Hier drei Proben aus dem Stück:


Eines der zahlreichen Lieder: Paradas im Vorhof zum Himmel. Der Gedanke, daß alle "nackt" sind, führt ihn zu ganz eigenen Assoziationen


Nach der Katharsis befreit sich der Held von Paradas, weil er erkennt, worum es in seinem Leben gegangen ist: Nicht um den Dämon, der ihm "Großes" einredete. Und er bekommt von Gott, mit dem er im Stück ständig im Dialog steht, noch einmal eine Chance: 






*280319*