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Montag, 1. Juni 2020

Vielleicht wollten alle nur noch lachen (3)

Teil 3) Und stelle Dir vor, wir leben in einer Komödie. 
Und tun so, wie Kinder beim Spiel, als sei das tief ernst. 
Stelle, werter Leser, Dir das nur vor - mußt Du da nicht lachen?
Und ist das nicht auffallend leicht? Was hat uns das zu sagen?


Und hier offenbarte sich erneut der Sinn der Österreicher für Witz. Dem derzeit freilich noch die Dichter zu fehlen scheinen, die ihn auf die Bühnen bringen. Oder sagen wir es doch anders, denn so ist es wahrer: Weil jenen Dichtern die Bühnen verweigert werden, die diesen offiziösen Ernst als das zeigen würden, was er ist: Witz.
Aber der logos hat sich dennoch Bahn gebrochen. Wie immer. Weil nur Sein, nur das Gute bleiben kann. Und das zeigt sich  in der Coronakrise umso deutlicher, je länger diese "Krise" dauert. Es ist der Logos, der den wahren Charakter, die Wirklichkeit hinter allem, offenbart. 
Denn logos inkarniert, sonst gäbe es überhaupt kein Ding. Und er ist erkennbar, weil auf den Menschen ausgerichtet. Sodaß er dem Willigen, dem Zustimmenden, den man "Vernünftigen" (oder Komödiendichter) nennt, die wirkliche Wirklichkeit hinter der Geschichtserzählung seiner Zeit zeigt - die wahre Geschichte somit offenbart. 
Die sehr sehr oft weitab von jener Wirklichkeit steht, als die sie von den Menschen erklärt ("geschaffen", oh, welch Luftding, welch herrliche Umfassendheit des Wortes Begriff!) und definiert wurde. 
Ganze Kapitel der Weltgeschichte sind schon deshalb in die Gestalt einer Komödie gerückt. Und so verstanden ist es wirklich aufregend, was wir derzeit erleben: Wir erleben etwas, das tatsächlich in die Geschichte eingehen wird. 
Denn das Gravierende, das in jedem Fall für die Geschichtsbücher ausreichen wird, ist der unermeßliche Schaden, der bereits angerichtet wurde. Also dieses Zeil ist von den "Auserwählten", den "Erlösergestalten" der Gegenwart, schon erreicht. Aber es wird eine Komödie sein. Über die spätere Generationen den Kopf schütteln, hoffentlich aber so herzlich lachen werden, wie über Lysistrata oder Samia.
Wenn hier als aktuelles Beispiel dafür eine der zahllosen Detailverordnungen und -erlässe dieser Regierung angeführt werden soll, ohne noch groß darauf einzugehen, weil sie von selbst spricht, dann nur, um genau diese wunderbare, geheimnisvolle Vorsehung Gottes, den logos der Welt und Schöpfung, zu belegen: 

Die Regierung aus Türkis-Grün vulgo ÖVP (die Entsprechung zur bundesdeutschen CDU/CSU), mit Kanzler Kurz an der Spitze, und Vizekanzler Kogler als Adlatus, hat nämlich wieder einmal Erlässe im Bündel herausgegeben, um der Coronakrise ein so wirklichkeitsähnlich wie möglich gefärbtes Kleidchen umzuhängen. (Sodaß man sich allen Ernstes fragen  muß, ob nicht die Regierung selbst ein ganz anderes Ziel hat als die Bevölkerung glaubt: Nämlich das, eine wirkliche Komödie realiter zu inszenieren, mit einem freilich nietzscheanisch-wagnerianisch gewaltigen Kulissen- und Kostümefundus, samt einer Staatskasse wie die von König Ludwig, die am Ende ebenso leer und überzogen ist.)

Welch Absicht sich aber in zahllose Ausführungsverordnungen ergießt, die manche entzückende Details festlegen. Denn ein Schöpfer eines Stücks sieht es ja vor sich, und ist manchmal bis ins Detail besessen von seinen inneren Bildern. Wie zum Beispiel jenem, wie sich inmitten von Abstandsverordnungen und Maskenpflicht ... Blasmusikkapellen, diese wunderbaren Instrumente österreichischer und bayrisch-süddeutscher Volkskultur beim Durchschlängeln der Gassen und Straßen ihrer Heimat zu verhalten und zu präsentieren haben.

Wo es da lautet: 
Blasmusikkapellen haben nur mit Mundschutz aufzutreten. 

Bild Unser-Mitteleuropa
Was eigent sich besser als Blasmusik, die dem Österreicher und dem Süddeutschen generell, dieses Wahlvolk per excellence, bis ins Blut vertraut ist, um den wahren Herren der Wirklichkeit zum Ausdruck zu bringen? Diesen Herren in seinen wahren Absichten zu zeigen, und gefälligste Ehrerbietung zu erheischen, die nötigenfalls sogar mit Polizeigewalt durchzusetzen ist? Was eignet sich besser als dem Bläser einer Tuba einen Gazevorhang vor den Mund zu gebieten, durch den er sein Humbdada zu pressen habe?

Freunde, wir haben den Witz gewollt, aber wir haben es nicht zugegeben, daß er uns beherrsche. Nun aber haben wir diese geheime Absicht erfüllt bekommen: Der Witz beherrscht uns! Deo gratias. Glücklich somit derjenige, der den wahren Charakter dieser Zeit erkennt. Gott schütze hingeben denjenigen, der das nicht tut, der an den Ernst dieser uns an die Gerufenheit seiner Stunde glaubt. Er ist der, über den in 50 und in 500 Jahren gelacht werden wird. Denn er ist  lächerlich. 

Das Lachen, das er verdient, haben zu seiner Zeit vielleicht noch nicht viele geerntet, und manchmal wissen überhaupt nur die Schreiber von Komödien darum. 

Aber auf jeden Fall haben es die Künftigen, als einer der vielen Schätze der Erinnerung, der ihnen eine Stunde des Witzes gewährt, wann immer sie diese Schatzkiste öffnen. Und in diese Kiste legen wir auch diese Episode, stellvertretend für eine Epoche. Alhamdulilah.



*140520*

Sonntag, 31. Mai 2020

Vielleicht wollten alle nur noch lachen (2)

Teil 2) Man kann es natürlich auch ganz simpel sagen: 
Stell Dir vor, ein ganzes Volk, ja die halbe Erde 
lebt in einer riesigen Komödie. 
Und warum tut sie das? Weil es niemand merkt!
Dabei ist es so offensichtlich!


Eines hatten aber Aristophanes und Menander sicher sowieso gemeinsam, und alle Komödiendichter seither: Beiden haben mache Zeitgenossen so manche ihrer Komos-odeion, dieser Gesänge der Zecher, nicht verziehen. Weil sie Ernst als Stimmung verlangten, aber etwas völlig anderes ernteten: Weil alle die Jahrhunderte und Jahrtausende später die Menschen herzlich über diesen "Ernst" lachten. 
Deshalb ist die Komödie immer eine Erscheinung, die der Philosophie folgt. Diese wiederum ist eine Folgeerscheinung auf den Zerfall einer Gesellschaft hin. Weil Philosophie immer der Versuch ist, eine heile, vollkommene Welt zu rekonstruieren. 
RE-konstruieren. Sie sucht also nach dem Anfang, nach dem Früher. Der Philosoph ist seiner Natur nach streng reaktionär, sozusagen, rückwärtsgewandt, von Sehnsucht nach dem Anfang zerfressen, daß er nichts tut als ihn in Gedanken suchen. Nicht arbeiten. Nicht nutzangewandt leben. Denken. Und das ist ein Suchen nach dem Anfang.
Ist der Philosoph (diese Vorstufe zum Dichter, den er nicht erreicht, denn der Dichter HAT den Anfang, aber das ist eine andere Geschichte) das nicht, also reaktionär, sehnsüchtig nach dem Früher, ist er Ideologe. 
So ist die Philosophie gleich der Frage, warum etwas nicht mehr so wie früher funktioniert, so einfach so selbstverständlich wie früher. Sondern warum es nun konstruiert werden muß. Was die Ideologie auf den Plan ruft. Die Philosophie ist die Antwort auf die Ideologie, sozusagen, die zeitgleich auftritt. 
Dieser (eigentlich sehr ernste, existentielle, als Notruf zu verstehende) Ernst wird aus der Natur der Philosophie, die im Unausschöpfbaren endet, in der Dauer überzogen. (Was die Ideologie als direktes Beispiel sogar vor Augen stellt: Die Ideologie ist immer lächerlich.) 
Deshalb folgt der Philosophie die Komödie. Wie gesagt: Lachen, weil der Ernst zu lange dauert und diese Dauer mit unerträglicher Intensität zu tun hat. Dazu ein andermal sicher noch mehr.
Herrschaften, so sehr lachten sie damals, so sehr lachen wir auch diesmal, daß wir allzu gerne vergessen, daß alles das, worüber wir lachen, an irgendeinem Punkt der Geschichte eben einmal ERNST genommen worden war. Und daß das, was wir heute ernst nehmen, von dem einen oder anderen schon jetzt, von der Geschichte aber auf jeden Fall, irgendwann, als das erkannt wird, was es ist: EIN WITZ.
Den Komödiendichter unterscheidet von seinen Zeitgenossen nämlich nur eines: Sie sind Schelme. Weil sie den wahren Charakter ihrer Zeit erkennen, während andere das nicht tun. Ohne deren Ernst gäbe es keine Komödie! Das müssen wir wissen, wollen wir noch lachen können und nicht selbst am Ernst, der gar keiner ist weil er diese Etikettierung nicht verdient, ersticken. 
Während also ihre Zeitgenossen Ernst zu sehen meinten wußten diese wenigen, daß das so gar nicht stimmte. Solche Schelme waren dieser Aristophanes und dieser Menander, wobei über die Wirkung des einen auf den anderen streiten Philologen bis heute, streiten also darüber, wer von beiden wirklich ernst zu nehmen ist, und wer ein Witz ist.

Aber über einen gibt es nichts zu streiten, nämlich über den wahren Helden wie wahren Schelm der Welt und der Geschichte. Von dem auch Aristophanes und Menander abgekupfert haben. Denn der steckt in den Dingen selbst, weil er sie überhaupt erst Dinge sein läßt: Der steckt im LOGOS.
Sinn in den Dingen, weil deren innerster, Sinn aus und über den Dingen, weil zugleich deren äußerster, äußerlichster Charakter - ihr Sein als Seiende. Der durchwirkt von diesem logos ist, diesem Sinn von und in allem. Kompliziert? Vielleicht. Aber nur ein bißchen. Dem Heiteren, lieber Leser, und das vergesse er nicht, dem Heiteren ist alles leicht! Also lache er. Dann wird es sich ihm erschließen.
Jedenfalls ... dieser logos nutzte wie Aristophanes und Menander die Realität der Entscheidung einer Mehrheit der Bevölkerung Österreichs. (Zu welcher Entscheidung ihr die übrigen deutschen Völker herzlichst und berauscht gratulierten, immerhin war Wien seit einem Jahrtausend fast der Kopf dieser Völker, sodaß sie schon aus nicht erlahmender Gewohnheit hinblickten.)

Im Blick auf eine Bevölkerung ihren geheimen Willen zum Witz und zur Lächerlichkeit, diesen Vater so großer Dichter wie Johann Nestroy oder Karl Kraus (beide Seher des Wirklichen als Witz ihrer Zeit weil in völligem Gegensatz zu der geläufigen Erzählung) umsetzte. Einer Bevölkerung. Denn von Volk läßt sich hier nur bedingt sprechen. Das ist der Grund, warum der Österreicher lieber eine Komödie lebt, weil immer so tut, als sei das, was er tut, nicht ernstzunehmen. Zumindest distanziert er sich in jedem Fall davon. Außer es hat Erfolg und wird von den deutschen Völkern angesehen.

Diese Bevölkerung tat diesen Willen kund, indem sie eine an sich schon lächerliche Gruppierung aus lauter Etikettenschwindlern (Österreicher eben), mit einem lächerlichen Kanzlerjungen an der Spitze, zu Regierenden wählte. Und dann etwas erlebte, mit dem sie nicht gerechnet, das sie aber so gewünscht hatten. Was sich schon in der kurz zuvor getroffenen, seltsamerweise nahezu kontradiktischen Wahl zum Ausdruck gebracht hatte. Sodaß also ÖVP-FPÖ flugs ins Gegenteil, in ÖVP-Grüne rutschte.

Welch Beweis, daß Geschichte die Geschichte eines Seins ist, WEIL es dauert, und in der Dauer, die eine Aufeinanderfolge von Erkenntnissen ("Dingen") ist, seinen logos zeigt, seinen wahren Sinn.


Morgen Teil 3) Und stelle Dir vor, wir leben in einer Komödie. 
Und tun so, wie Kinder beim Spiel, als sei das tief ernst. 
Stelle, werter Leser, Dir das nur vor - mußt Du da nicht lachen?
Und ist das nicht auffallend leicht? Was hat uns das zu sagen?



*140520*

Samstag, 30. Mai 2020

Vielleicht wollten alle nur noch lachen (1)

Was ist der Witz? Streng zu unterscheiden von Heiterkeit, und auch nicht dasselbe wie Humor, lebt das Witzige aus der ... Zeit. Aus dem Nach- und Hintereinander, und dabei also von der Dauer. Es ist die Dauer, die aus ernster Regel den Witz und gar die Lächerlichkeit ergibt, ja macht. Welche beide erst wirkliche Schwestern sind. Machen, schaffen im Sinne der menschengebundenen Welt läßt sich aber nur, was bereits in den Dingen selbst angelegt war. Nichts läßt sich deshalb so wenig "erfinden", aus dem "Nichts" schaffen, wie der Witz.

Daß die in Wahrheit nie ernste, nur ernstgemachte und erst in den Folgen schwerwiegende, fatale und oft genug tödliche "Corona-Krise" nicht nur jedes Zeitmaß überzogen hat, sondern welcher Art sie von Anfang an war, zeigt sich deshalb im Charakter der Lächerlichkeit, den sie von Beginn an hatte, mittlerweile aber so deutlich erkennbar angenommen hat, daß man fast meinen müßte, sie bettele darum, endlich aus dem Verließ des Ernstes entlassen zu werden, und in ihre wahre Natur ausbrechen zu können - die der Lächerlichkeit, des Witzes. 
Freilich, was alles (und an durchaus Ernstem) sich daraus schließen läßt, daß die Bevölkerung so bereitwillig und in so überwältigem mehrheitlichen Ausmaß dieser Lächerlichkeit, diesem Programm des Witzes, zustimmte, läßt viel an Deutung zu. 
Aber auch die eine: Vielleicht wollten alle, ausgehungert vom langen trüben Winter, endlich nur noch lachen, wagten es aber nicht? Vielleicht setzten die Menschen ihren innersten Willen also auf eine Weise um, die wahrlich dem Wesen Gottes entspricht: Seinem Wesen als logos, der sich wieder einmal in der Geschichte in Zeit und Dauer als Meister des Hintersinns erwies, und dem Bösen, das stets das Böse will, das Gute entlockte weil dazu zwang: Auch das Böse kann sich nur deshalb als Welt zeigen, weil es in sich Sein, also ein Gutes trägt, das sie aber in ein anderes Licht stellt. 

Und wir sind es, die durch dieses Licht sehen. Nicht das Sein in den Dingen ist deshalb gut oder schlecht, es ist immer ein Gut. Aber Zeit und Dauer sind Elemente des Lichts, sie gehören nicht einer Essenz zu: Zeit hat kein Wesen, sie "isset" nicht, sie ist nur ein Element in der Sphäre des Geistes. Und also eines des logos. Also des "auf - zu", des Sinnes sohin.

In einer geschichtlichen Realität, in der sich der Witz als die uns bis ins letzte Knöchelchen beherrschende Bewegung erweist und etabliert, zeigt sich somit logos. Der sich in diesen Tagen und Wochen und Monaten so deutlich artikuliert, daß man es an prominenter Stelle den Archiven anvertrauen muß, die in fünfzig Jahren reiche Lieferungen an die Komödien- und Kabarett-Bühnen sein werden. 

Und dann zeigen, welche wirkliche Wirklichkeit hinter diesem Gespenst stand, das uns heute beherrscht, und uns "Ernst" entlocken will, der je länger er dauert und je mehr er sich damit entfaltet, seine wahre Bestimmungsart beweist: Den Witz. 
Er tut es so, wie es Aristophanes einst vorbildlich weil mimetisch abguckte, daß er zum Maßstab für den Witz seit dem 5. vorchristlichen Jahrhundert wurde, sodaß alle Komödien seither nur noch Plagiate sind. 
Der olle Grieche wußte wie alle Griechen, daß der Mensch nichts "ex nihilo schaffen" kann, sondern immer nur den logos, das in und hinter allem stehende Prinzip des Wortes, "imitieren" kann. Witz bedient sich also immer eines Seienden. 
Witz ist deshalb nie eine Frage des Seins, des Dings gewissermaßen, des Etwas, sondern der geschichtlichen Dimension alles Seins - dem, "was" etwas "für" und "in" einer geschichtlichen Zeit "bedeutet".
So schuf Aristophanes, dieser Meister des Faches, wie ihn jeder Altphilologe und jeder Liebhaber des Sommertheaters an lauen, grillenbezirpten Abenden nennen wird, seine Komödien.

Die wiederum selbst von jemandem abgeguckt waren, nämlich von dem in den Augen des VdZ wahren Genies der Komödie, von Menander. Von dem aber leider, und wirklich leider keine ausgeführte Komödie überliefert ist. Nicht ganz, bis auf eine; aber wichtiger in dem Fall, weil sie beweisen, wie sehr alle von ihm abgekupfert haben, sodaß man Menander fast als den Erfinder der Komödie bezeichnen könnte: Bis auf einige kleine Fragmentstückelchen.

Welch erschütternden archäologischen Befund wir dem für unsere eigene Geistesgeschichte so schrecklichen Brand der Bibliothek von Alexandria zu verdanken haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Allah, der Allerbarmer, möge diese Bösewichte in die tiefste Hölle stoßen.

Auf welche Menander sich aber alle späteren Komödiendichter, die die Geschichte kennt, mehr oder weniger ehrenhaft weil mehr oder weniger demütig bezogen, oder dieses geistigen Diebstahls (der nur unehrenhaft ist, wenn sie ihn so gar NICHT erwähnt haben) überführt werden können. Wenn, nennen sie vor allem ... Aristophanes. Allah der Allerbarmer möge sich seiner Dichterseele erbarmen, den Dichterseelen sind Diebesseelen. Leider. Selbst Menander hat also nur abgekupfert, davon können wir ausgehen. Von wem? Gleich dazu.

Morgen Teil 2) Man kann es natürlich auch ganz simpel sagen: 
Stell Dir vor, ein ganzes Volk, ja die halbe Erde 
lebt in einer riesigen Komödie. 
Und warum tut sie das? Weil es niemand merkt!
Dabei ist es so offensichtlich!



*140520*

Sonntag, 4. Dezember 2016

Die Muße zum Tag

Diese Aufnahme von Walter Fraunfels' (1888-1954) Oper "Die Vögel" (1919) nach der Komödie des Aristophanes sei dem Leser wärmstens ans Herz gelegt. Ein hervorragendes Ensemble unter dem Dirigat von Lothar Zagrosek bringt dieses man möchte sagen: neuromantische Werk, das nicht vergessen werden sollte, mit wunderschönen, bewegenden Passagen und äußerst kantabilen Arien wirklich zum Leuchten. Der Leser nehme sich, mit dem einem und anderen Glas guten Weines zur Steigerung der sinnlichen Erlebensfähigkeit ausgestattet und im Polsterstuhle - nicht zu weich, um nicht in den Traum abzusinken; denn der Genuß in der Kunst liegt in der wachen Tätigkeit des Nach-, nein: Vorschaffens; Wahrnehmen heißt immer, ein geistiges Verhalten des Ich ZU dem physisch Bewegten in den Sinnen - entspannt aufnahmebereit und hingegeben, diese zweieinviertel Stunden. Er mag jeden Gedanken vergessen, auch den, wie aktuell das Werk ist, er wird es ohnehin erleben. Das Ewige ist immer aktuell.

Übrigens: Weiß der Leser, daß ein wirklich gutes, hohes Kunstwerk zu genießen einen Teilablaß zeitlicher Sündenstrafen bringen kann? Wer Kunst genießt, wird es nachvollziehen können. Denn man verläßt eine solche Darbietung zutiefst gereinigt  - Katharsis! - und zum Geist erhoben, im wahrsten Sinn. Ein Volk, das die Kunst pflegt und genießt, steht also auch ganz anders in seinem Schicksal da. Denn in der Anschmiegung an die Kunst, die Musik im besonderen, wird der Mensch jenem Ewigen gleichgeformt, in dem Ordnung, Harmonie eine Schale für den Willen Gottes, ja diesem gleichgestimmt weil offen ist. Kunst und Heiligkeit, Künstler und Heiliger sind Synonyme. Jesus war der größte Künstler, ja die Kunst selbst.

Als das Werk im Kölner Zwischenkriegsdeutschland 1930 aufgeführt wurde, war es ein Publikumshit - und zwar für die Kölner selbst. Wochenlang waren die Vorstellungen an der Oper ausverkauft. Sein Te Deum war ein vielgespieltes Werk. Es war Kölns damaliger Bürgermeister Konrad Adenauer, der den Komponisten (wie so manch andere Künstler) in die Stadt am Rhein holte. Denn er wußte, wie grundlegend das Volk gute Kunst (und reine, schöne Liturgie - der Katholik Adenauer kümmerte sich auch direkt um die Erneuerung des Chorals in der Liturgie) braucht, um jene Kraft wiederzufinden, aus der es sich zu neuer sittlich-kultureller Höhe erheben konnte. Auch nach 1945 verfolgte Adenauer diesen Gedanken. Deutschland brauchte vor allem eine geistige Erneuerung, wollte es wieder auf die Füße kommen, und dazu brauchte es kulturelle Zentren mit Strahlkraft. Das sah er als Aufgabe der Politik.

Kunst ist eben kein "Superplus" eines affektierten Lebenssstils, den man sich auch mal leistet, sondern jene Inkarnation der Ordnung, des Schönen, des Wahren, aus der der Mensch seinen Alltag leben (können) muß, will er  nicht in Chaos und der Hölle der Unvernunft (denn Vernunft ist eine Dimension der Ordnung im Menschen) versinken. Jeder Sonntag ist deshalb jene Tankstelle, aus der die Welt erneuert und vom Anfang her begonnen wird.

Für Adenauer hatte es deshalb oberste Priorität, daß sich "sein" Köln zu einem Zentrum der Kunst entwickeln sollte, ja mußte, vor allem anderen, sollte das Kölner Volk wieder zur Kultur aufstehen - und das heißt: wieder Mensch werden. Kunst aber ist ohne Religion nicht denkbar. Der "Halbjude" Braunfels, aufgewachsen als Protestant, war damals längst zum Katholizismus konvertiert. Nach 1945 fand man seine an Wagner, Berlioz und Pfitzner anklingenden Werke "nicht mehr zeitgemäß". Er wurde im Deutschland des Konsumismus jahrzehntelang nicht mehr gespielt.

E. Michael Jones meint nicht nur, daß die 1920er Jahre jener Zeitraum waren, in dem die Harmonie und Tonalität der Musik zerstört wurde, sondern daß dies ein Ergebnis der sexuellen Frustration einer halben Generation von Komponisten war, der sich besonders in der Musik ausbreitete und damti die Gestimmtheit der Welt veränderte. Komponisten und Künstler, die nun wider alle Ordnung ankomponierten, um ihre eigene Ungeordnetheit zur Wirklichkeit der Welt zu machen. Denn man kann es drehen, man kann es wenden: Es ist der Eros (und damit seine Störung: die "freie", für sich stehende Sexualität, zu der er sich meist entwickelte) der das Grundanhalten des Menschen zur Welt bestimmt. Weil es die Haltung Gottes zur Schöpfung ist, dessen geliebte und wiederliebende Braut er im täglichen Tageskuß in seinen verschwenderischen Armen hält.















*081016*

Donnerstag, 10. April 2014

Kampf zwischen Weib und Mann

Nun droht also Moodys Rußland, seine Bonität herabzustufen. Natürlich sollte man davon ausgehen, daß diese Herabstufung, die auf einer Erhöhung des Risikos für Kredite an den Staat Rußland, wie in Folge jener der gesamten Wirtschaft, auf Einschätzungen realer Wirtschaftszustände und -perspektiven beruht. Dennoch bleibt ein seltsamer Beigeschmack politisch motivierter Willkür. Daß die Bonitäts-Ratings der Agenturen für Staaten nicht von politischen Absichten unabhängig, rein auf wirtschaftlichen Überlegungen basierend entstehen, das zu glauben verlangt ohnehin viel guten Willen. Weit eher muß man diese Ratins als geringeres Übel akzeptieren.

Genauso aber könnte man fragen: Und? Was soll das schon an Auswirkungen haben? Leider hat es weitreichende, und das weiß Moodys, und das weiß Rußlands Staatsführung. Denn in einer Finanzwelt, die in höchstem Maß auf mathematischen komplexen Berechnungen basiert, haben Ratings eine bedeutende Funktion in der Bewertung von Risken bei Entscheidungen. Auf ihrer Basis werden Zinsen kalkuliert, werden Anlage-Porteifeuilles zusammengestellt (die sich je nach Art innerhalb bestimmter Riskenverteilungen und damit Renditeversprechen bewegen), und das Kredit-, Anlage- und Investitionswesen sämtlicher Volkswirtschaften beeinflußt.

Mischt sich die Politik in diese Bonitätsermittlungen, weisen diese Ratings also Faktoren auf, die wissentlich und willentlich Volkswirtschaften beeinflussen sollen, verlieren damit Zinsenkalkulationen ihre reale Basis. Sie werden zu Instrumenten der Politik. Und damit bewegt sich die Finanzwirtschaft auf gefährliches Terrain, weil sich das Geldwesen von realen Wirtschaftsentwicklungen abkoppelt, dieses nicht mehr ausdrückt.

Die USA hat sich im Fall der Krim weit hinausgelehnt. Europa springt ohnehin nur noch hinterher, als Eigenpolitik kann man es nicht mehr ernstnehmen. Aber Rußland zeigt sich nicht willig, sich den USA geopolitisch unterzuordnen. Während den USA nicht sehr viele Mittel zur Verfügung stehen, Rußland zu zwingen. Da liegt der Verdacht nahe, daß die USA - es wäre nicht das erste mal - die sich seit Jahrzehnten wie in einem Dauerkrieg mit der ganzen Welt befinden, und vielleicht ist dieses Gefühl von Bedrohtheit noch gar nie größer gewesen als heute (denn es zeugt sich selbst fort), daß die USA also in einem Gestus der "verbrannten Erde" diese Ratings beeinflussen wollen. Und damit "alles" riskiert. 

Wie ein Kind, das ein Ding lieber zerstört, als es nicht zu besitzen. Das Weibische (wir wollen es hier nicht ausdrücklich auf die Frau beschränken) hat eben nur eine Wirkmöglichkeit: Das Ganze, das ihm vorausliegt, liegt ja dennoch in seiner Hand, auch wenn es es nicht bestimmen und lenken kann (das Wesen schwacher Persönlichkeiten). Es kann nicht direkt lenken, aber es kann verweigern.* Die typische Wirkweise des Weibischen, der schwachen Persönlichkeit ist deshalb, das Ganze zur Disposition zu stellen. Woraufhin die Verantwortungsbewußtere der Verhandlungsseiten zum Nachgeben gezwungen werden soll. Weil sie das große Ganze in seinem Wert höherrangig stellt, weiß, was verloren wäre, wenn es nicht mehr da ist. 

Zu deuten, wer in der Konfrontation von Obama und Putin, von den USA und Rußland, das Weib, und wer der Mann ist, bleibe dem Leser überlassen.




*Man lese "Lysistrata" von Aristophanes, wo der griechische Komödiendichter das Thema lediglich komödiantisch auf die Ebene der Sex-Verweigerung stellt, damit die Schwäche der Männer aufs Korn nimmt. Es ist aber genau dieses Thema: Aristophanes zeigt eine Gesellschaft, die ihre Kernaufgaben - ausgedrückt durch den Krieg, der für die Griechen zumalen der Vater aller Dinge war, eine ganz andere Stellung hatte als wir Heutigen es sehen können - nicht mehr wahrnimmt, weil sie in der Gewalt der Frauen steht. Was nur möglich ist, weil die Männer schwach sind. Lysistrata heißt wörtlich: "Auflösung des Heeres" ... Das Stück wird schon fast traditionell viel zu eng "erotisch" interpretiert. Was viel über die Zeit aussagt, DIE es interpretiert.




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