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Sonntag, 12. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (6)

Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


Weiterführender Hinweis: Wer sich mit den Wirkungen der Pornographie aus der Perspektive neuro-biologischer Forschung näher befassen will, dem sei als erster und recht brauchbarer Einstieg in die medizinische Problematik der Pornographie beziehungsweise der Masturbation diese verlinkte Seite "Your Brain on Porn" empfohlen. 

Denn keineswegs ist die Diskussion über die sträflich verschwiegene Schädlichkeit von Pornographie (und Masturbation!) eine Glaubens- oder bloße Moralfrage, als die sie oft abgetan wird. Vielmehr zeigt sich einmal mehr, daß die Moral (gerade in Fragen der Sexualität) auf eine konkrete Konstitution der menschlichen Natur zugreift, gegen die zu verstoßen schwere gesundheitliche und seelische Schäden zur Folge hat. Die wissenschaftlich evident, also meßbar, darstellbar sind. 

Wenn heute gerne darüber gelacht wird, daß noch vor hundert, hundertzwanzig Jahren Meinungen die wissenschaftlich-medizinische Welt durchstreiften, dergemäß die Masturbation Erweichungen bei Rückenmark und Gehirn zur Folge hätten, so muß gesagt werden, daß diese abstrakten Folgerungen aus der ontologischen Struktur des Geschehens bei der Masturbation sehr wahr bezeichnet werden könnten: Persönlichkeit ist das Resultat (wie die Basis) für ein Hinausstrecken in das (immer unsichere, also Mut verlangende) Begegnende, und braucht dazu deshalb eine gewisse "Festigkeit". 

Weil Masturbation genau das Gegenteil bedeutet und bewirkt, ist es keineswegs dumm, von "Erweichung" zu sprechen, spricht man über ihre Folgen. Die sich als geistiges (ontologisches) Geschehen selbstverständlich auch physisch realisieren. Bis hin zu "weichen" Gesichtern bei Invertierten (bei denen man auch von Narzißten sprechen kann, diese Begriffe decken sich über weite Strecken) läßt diese Wirklichkeit erkennen.

Und dieselben Vorgänge lassen sich in jenen Geschehen ausmachen, die wir als AIDS bezeichnen. Sie sind genauso dort wiederzufinden. Weil ein Versagen des Immunsystems gleichbedeutend mit dem Aufweichen und Niederreißen von Grenzen (also dem Verlust der Distinktheit als Wesen der Identität) ist.

Somit haben wir Wirkungen, die sich in denselben Ursachen begründen: Der invertierten sexuellen (als leiblichen, also den Leib formierenden) Betätigung. Zumindest als Sprache der Bildlichkeit wurde seit je die wirkliche Wirklichkeit dieser Art der sexuellen Praxis sehr zutreffend beschrieben. 

Man muß es deshalb auch so formulieren: Die Pornographie, speziell in ihrem Zusammenhang mit den technischen Gegebenheiten (social media, Internet) ist ein Phänomen von enormer gesellschaftlicher (kultureller) Relevanz! Die Masturbation gar an den Schulen zu lehren und zu empfehlen, wie es tatsächlich in unseren Ländern geschieht, ist ein ungeheures Verbrechen an den nachfolgenden Generationen, deren Schäden so immens sind, daß wir uns keinen Tag länger leisten können, diese Praktiken aufrecht zu halten. 

Nicht nur unter lernpädagogischen, sondern unter Gesichtspunkten der seelischen wie körperlichen Volksgesundheit kann deshalb eine politische Forderung nach "digitalisierter Schule", wie sie in Österreich jüngst als politisches Vorhaben vorgestellt wurde, nur als gefährliche Drohung betrachtet werden.



*280620*

Samstag, 11. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (5)

Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*****Umso  berechtigter kann man hier vom Syndrom der Hörigkeit als Generalzustand unserer Gesellschaften sprechen (welch' Ironie, ja welcher Zynismus dahintersteckt; gerade in einer Zeit, wo die Mündigkeit des Bürgers als völlige Unabhängigkeit von solchen Meinungs- und Taktgebern als Ideal reklamiert wird; welch' perfide Lüge und Täuschung!) als die Hörigkeit anders, als vielfach geglaubt, keineswegs ein Phänomen des Gehorsams beziehungsweise dessen Überzogenheit ist! 

Vielmehr ist die Hörigkeit der Versuch des Schwächeren (und das ist der Einzelne heute angesichts der Autoritäten, der Medien, der Politiker, der großen Personen in Kunst, Sport, Mode, Film ..., so sehr wie noch nie: Schwach, klein, völlig entmutigt, sich gegen solche Autoritäten zu stellen) den Stärkeren in eine "Co-Situation" (also einen beide umfassenden Ort) zu ziehen (meist: zu verlocken, zu verführen), in der er die Möglichkeiten des Schwächeren braucht. Und sei es, daß er sich an sie gewöhnt hat. 

Der Hörige spekuliert mit der möglichen Schwäche des Stärkeren, spekuliert damit, ihn durch Schwächung doch beherrschbar zu machen. Deshalb wirft er alles über Bord, was man als "eigenen Willen" bezeichnen könnte. Wobei: Er wirft es gar nicht über Bord, er versteckt es nur, weil er meint, den Stärkeren dadurch zu täuschen. Wir sprechen also meist zumindest sehr unklar, wenn wir manche Phänomene als "Massenphänomene" bewerten. 

Überspitzt, aber sehr wahr formuliert kann man also sagen, daß die extreme Beeinflußbarkeit der Menschen durch die heutigen Medien, daß deren scheinbar blinder Gehorsam (man beachte den "Gehorsam" in der letzten Corona-Krise, die man als "Die große Zustimmung" überschreiben könnte!) eine Reaktion (der Hörigkeit) auf eine (tatsächlich:) traumatisch erfahrene Überlegenheit und Stärke der großen, globalen Figuren ist, in der sich die Massen die Rückgewinnung der Herrschaft über ihr Leben erhoffen. Indem sie der Situation, dem Ort der Herrschenden beitreten. Paradox? Nur für den, der den Menschen genauso wenig kennt wie die gegenwärtige Psychologie.

(6) Eines der auffälligsten Merkmale der "Corona-Krise" ist, daß überall, in allen Ländern, in allen Gesellschaften, völlige Verwirrung weil Unklarheit (und damit vor allem Unplanbarkeit, selbst der allernächsten Zukünftigkeiten!) herrscht, was "erlaubt", was gesollt, was notwendig ist. Das führt zu einer weitverbreiteten Haltung, besser "zu wenig" zu tun, als ein (schwer sanktioniertes!) Gebot zu übertreten. Aber einen Maßstab, was möglich, was erlaubt, was gut, was gesollt ist, kann sich niemand mehr erarbeiten. Er ist in jedem Moment auf das angewiesen, was ihm jeweils in einer Situation gesagt wird. 

Und selbst wenn er einmal gewisse Sicherheit erlangt zu haben meint, was erlaubt ist und was nicht, schwebt über allem die ständig wiederholte, immer wieder aufgebrachte Drohung, daß binnen weniger Stunden ein totaler Shutdown erfolgen könnte, der alles über den Haufen wirft. Der einer Logik folgt, die nicht der dem Normalbürger zugängigen Logik (des "common sense", des Hausverstandes gewissermaßen) entspricht, sondern eigenen, nicht nachvollziehbaren Gesetzen folgt. Hinter denen eines steht: Die totale Macht. 

Wenn wir in der Corona-Krise eines also erfahren haben, dann war es genau das: Das (aus technischen Gründen) historisch einmalige, nie zuvor mögliche, nun aber reale Erleben einer totalen politischen Macht über uns. Die Politik, es darf nicht verschwiegen werden, hat unsere Gesellschaften in den Totalitarismus geführt, daran besteht kein Zweifel. In der das "Soma" seine Wirkung erst so richtig beweisen konnte - als deren wesentliche Säule die Pornographie als Mittel der Volksbeherrschung weil -auflösung gesehen werden muß.

Morgen Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


*280620*

Freitag, 10. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (4)

Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



Eine Welt, die sich in sinnlichen, aber noch uninterpretierten (auch das übrigens ein Irrtum des Liberalismus: Er geht, weil er ein evolutionistisches, materialistisches Menschenbild zur Grundlage hat, von Sinnesdaten aus, die ihre Interpretation bereits beinhalten) präsentiert, und zu der Stellung zu nehmen eigentliche schöpferische Aufgabe und Freiheitsmoment des Menschen ist. 
Und in dieser Berufung zur Freiheit liegt auch die Fähigkeit zum Genuß an der Welt, als Genuß einer Einheit mit der Wahrheit, das heißt einer Nähe zu Gott "in Gott" (also in Jesus Christus). Diese Fähigkeit bedeutet, daß jeder Genuß kein bloßes passives Konsumieren (wie in der Pornoindustrie betrieben beziehungsweise vorausgesetzt) von sinnlichem "Erleben" ist, sondern ein selbst schaffen, gemäß den Gesetzen des Begegnenden. 
DAS ist das Geheimnis der Lebensfreude, des Genusses, ja jeden Genusses an der Schöpfung, als deren Sinn und Erfüllung. Ein ACTU, ein "Selbst-Schöpferisches", das zu betätigen, zu aktivieren ist! Schon deshalb kann also ein Dargestelltes nicht "technisch ausgeführt" sein, sondern (und erst hier respektiert es die Freiheit des "Konsumierenden") wird je nach dem Stand des Erkennenden, Erfassenden, Genießenden auch zu dessen Genuß - als Nachschöpfung, als Schöpfung! 
Wahres Hören, Sehen usw. ist also ein schöpferischer Prozeß! Kein Hinunterschlucken von Geliefertem. Je mehr also ein Gesehenes (ein dargestelltes Geschehen) das Darzustellende ausführt (und das ist das Wesen der Pornographie!), desto weniger Genuß hat es einerseits, und desto mehr aber läßt es diese schöpferische Potenz erschlaffen. Sie wird nicht mehr aktiviert! 
Gegen Pornographie zu sein hat also in erster Linie so gar nichts "Moralisches" als "Moralistisches" an sich, sondern ist ein Berufen auf das Gesetz des Seins, der Schöpfung, auf die Natur des Menschen. Und das ist es, was in erster Linie (für manchen vielleicht zur Überraschung) das Wesen der Pornographie so Unmenschlich macht. Es verschließt die Schönheit der realen, ganzen, damit auch körperlichen Begegnung von Menschen, und zerstört sie somit nach einmaligem "Konsumieren". 
Das ist der Grund, warum Pornographie aus sich selbst heraus nach "immer mehr" und "immer Exzentrischeres", immer Ausgefalleneres, Brutaleres, Expliziteres etc. etc. treibt. Sie ist somit ein technisches, kein erotisches, ja nicht einmal ein sexuelles Procedere, das das Wesen alles Geschaffenen imitiert, indem es seine "Nutzen", seine "Freuung" technisch imitiert, manche Effekte hervorruft (Orgasmus etc.).
Die erotische Darstellung hat ein Bleibendes, weil es nur hinweist, verweist, und das eigentliche Freuen im schöpferischen Vorgang des Sehenden, Hörenden etc. - und noch dazu gemäß seinem Stand, seiner Geistigkeit! - liegt. Das pornographische Zeigen hingegen verbraucht sich in seinem technischen Maß selbst, und auf seinem Boden wartet ein Nichts. Deshalb ist die Pornographie ein Verstoß gegen die Natur der Schöpfung, die in sich ein "künstlerisches Geschehen ist". Und deshalb ist sie sogar als Brücke zum Dämonischen zu verstehen. 
Spricht man von Pornosucht - und glaubt man entsprechenden Erhebungen, sind mehr als ein Achtel der westlichen, jungen Menschen heute pornographiesüchtig! - haben wir es zwar einerseits mit einer Pathologie zu tun, andererseits aber nur mit extrem erschwerten Möglichkeiten, frei zu handeln! Die Hürde zur Freiheit (als Zustimmung zum Richtigen, also "Guten", das heißt wiederum: Zum Sein im Seienden, als Anteilhabe am Sein, weil es sonst ins Nichts fällt: Etwas IST nur ein reales, welthaftes Ding, soweit es also GUT ist) wird beim Süchtigen also sehr hoch. Aber nicht unüberwindbar! Es sei denn, sein Ich wäre bereits so geschädigt, daß man von Geistesgestörtheit im eigentlichen, pathologischen Sinn sprechen muß.


Morgen Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*280620*

Donnerstag, 9. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (3)

Teil 3) Die Anmerkungen, und so weiter


*Der moderne Sozialstaat, wie wir ihn heute erleben, ist streng von einem christlichen Gesellschaftsbild zu unterscheiden, deren Elemente der Sozialstaat zwar nachahmt, deren Zielsetzungen aber völlig unterschieden sind. Das christliche Gesellschaftsmodell geht von Liebe und Barmherzigkeit aus, und ist deshalb keine strukturelle, also anonymisierte Hilfeleistung, sondern immer eine Liebestat (Caritas) unter sich begegnenden Personen. Auch kann er nie zum verbrieften "Recht" werden, sondern bleibt immer ungeschuldete Zuwendung in Notfällen oder (auch das nämlich) Versagenssituationen. 

Die Caritas geht immer von der Freiheit aus, und muß deshalb immer subsidiär bleiben, kann also nicht präventiv und auf die direkte Veränderung von sozialen, historisch gewachsenen und vor allem der Natur des Menschen gemäßen Strukturen abzielen. Nur insofern besteht eine Pflicht des Gesetzgebers beziehungsweise der gesellschaftlichen Autoritäten zur caritativen (oder prä-caritativen) Tat, als in Fällen, wo ein Stärkerer die Schwäche des Schwachen ausnützt (und das ist übrigens immer der Fall, wo von "Bedarf" gesprochen wird) der Schwächere vor dem Stärkeren geschützt werden muß. 

Spätestens hier muß also klar werden, daß das liberale Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell dem christlichen Modell unvereinbar gegenübersteht. Zumal der Liberalismus (auch wenn er das Wort im Namen führt) keineswegs auf der Freiheit des Menschen aufbaut, sondern die Freiheit als Frucht von Überlegenheit und Stärke sieht. Spätestens wenn man die Auswirkungen dieser Prämissen auf die Hauptsäule des Liberalismus bedenkt, nämlich der Frage um Wert und Preis, was fälschlich als "freier Markt" bezeichnet wird. Denn der Bedürftigere ist immer auch der Gezwungenere, also genau nicht frei. Das berührt direkt die Grundlage einer liberalen Gesellschaft, die auf einer Vorstellung "Vertrag" beruht, der (angeblich) zwischen gleichwertigen Interessensparteien geschlossen wird. Diese Gleichwertigkeit gibt es aber nicht.

**Die Logik - also das logische Denken - ist die Grundcharakteristik eines Geschaffenen, und verweist somit auf die Charakteristik des Hervorbringers, des Schöpfers. Das Vertrauen, daß die Wirklichkeit logisch (und nicht zufällig oder willkürlich) ist, auf dem sämtliche Wissenschaftlichkeit erst aufbauen konnte (denn was hätte es für einen Sinn, die Welt verstehen zu wollen, wenn sie gar nicht verstehbar, sondern bestenfalls in einer Zufälligkeit "hinnehmbar" wäre), beruht also auf dem Gottesverständnis einerseits, und auf dem Erfassen der Welt als geschaffen andererseits. 

Denn nur als geschaffene Welt kann diese auch die Charakteristik Gottes, des Hervorbringers, haben. Und diese sind die Merkmale der Logik, in ihren elementaren Grundsätzen, der "Synderesis": Daß etwas es selbst ist, daß etwas nicht zugleich etwas anderes sein kann, daß etwas nicht sein Gegenteil sein kann, die Welt also widerspruchsfrei (wenn auch nicht in allem verstehbar, weil unsere Fähigkeiten übersteigend) sein muß. 

Wir treffen hier auf den Begriff des "logos" als innerstes Wesenselement der Welt überhaupt, so daß das Bild von Gott entscheidend dabei ist, wie (und ob) wir die Welt überhaupt verstehen. Ob somit auch die Sprache (als Material wie Frucht dessen, was wir mit Vernunft und Vernünftigkeit bezeichnen) sinnvoll ist, oder eben nicht. Damit wird zum Beispiel klar, wie entscheidend die Frage um die Dreifaltigkeit als Schlüssel zum Weltbegreifen ist. 

Das sei nur angeführt um die Tragweite solcher Fragen zu zeigen. Denn damit wird auch klar, WAS für eine Aussage es ist, wenn diese und ähnliche (theologische) Fragen für den Menschen der Gegenwart (angeblich) ohne Bedeutung sind (was sich in einem weit verbreiteten "Ökumenismus" oder "Synkretismus" zeigt). Es ist kein Zufall, daß im Barock das Aufblühen der Wissenschaften mit einer gesellschaftlichen Situation zusammenfiel, in der die Menschen im Alltag über Dreifaltigkeitsprobleme diskutierten. (Das ist den heutigen Menschen unbegreiflich!)

***(=logos als "auf zu": Alles was ist, ist nur, weil es sich "bewegt" beziehungsweise "actu", in Aktivität ist, was nicht aktiv ist, ist tot, also eben nicht mehr Welt, sondern nur noch deren "materia prima"-Baumaterial.) 

****Wir wollen hier vor jenem Fatalismus warnen, wie er dem Behaviorismus entspricht. In dem der Mensch und sein Seelenleben, fürderhin also sein Denken, in einem automatistischen, mechanistischen Verhältnis zur Welt festzulegen ließen. Vergesse der Leser nicht, daß immer (wir verweisen hier auf die Arbeiten von Menyhért (=Melchior) Palágyi, die wir hier vor etlichen Jahren vorgestellt haben, nicht zufällig genau in diesen Aspekten) ein Willensakt notwendig und möglich ist, so schwer der auch fallen möge, um zu einem Urteil über die Welt zu gelangen. 


Morgen Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



*280620*

Mittwoch, 8. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (2)

Teil 2) Die Seele ist das größte Sexualorgan


Im Fall der Masturbation ist es die Illusion von Liebe und Zuwendung durch das Reduzieren der (zwischenmenschlichen) Welt auf den auf die Geschlechtsteile reduzierten Orgasmus. Ein wirkliches, ganzheitliches, umfassendes und gar nie bewußt auszuschöpfendes (also das eigene Vorstellen immer übersteigende) Fremderleben als Eingehen des außenliegenden Wirklichen (und das ist ja der Inhalt aller Begegnungssehnsucht, wie sie als Grundmotiv überhaupt die Sexualität als immanenten (!), also nicht expliziten Teil des Eros bedeutend macht) in die innere Seelenlandschaft, die sich nunmehr in der Imitation der Weltbewegungen*** nicht mehr zu jener schöpferischen Tätigkeit animieren läßt, in der sie das Glück der Welt als Glück "für den Menschen" nicht mehr erfährt. 

Der mit Pornographie versorgte Mensch - und es ist alleine das schon signifikant, daß Pornographie in der virtuellen Landschaft am leichtesten erreichbar und abrufbar ist, viel leichter sogar als "Information" - verliert, um es auf einen einfachen Nenner zu bringen, das Interesse an der Welt. Er verliert das Interesse an den wirklichen gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen, und wird sogar zum Kämpfer für einen Zustand, in dem "Freiheit" die Freiheit meint, sich mit Genußstoff zu versorgen, die ein bei sich bleiben weiterhin und ungefährdet ermöglichen. 

Ausgehend von einem Weltbild, das eine Grundlage (Präformiertheit****) hat, in dem sich die Dinge in Indifferenziertheit auflösen, als deren Wurzel aber stets eines zu sehen ist: Die Begierde, also die Anhänglichkeit an (subjektivistisches, also nur im Subjektiven entspringenden) bestimmte, im Fall der invertierten Sexualität noch dazu von einer tief in der Schuld dem Sein gegenüber verankerten Scham, getriebenen Freuungen an der Welt, wird ein solcher Mensch somit den Vorgaben jener folgen, die ihm eine Erfüllung seiner Begierden versprechen. 

Was Aldous Huxley in seiner "Brave New World" mit "Soma" bezeichnete, also jenen "von oben" verteilten, süchtig machenden Stoff, der alle glücklich macht (wobei tatsächlich und materiell Drogen oder Alkohol solche realen, konkreten, weiteren Stoffe sind), sehen wir in der Pornographie und dem garantierten und extrem leichten Zugang dazu in unseren Gesellschaften realisiert. Nichts macht Menschen so gefügig, so leicht steuerbar und in ihren Meinungen präformierbar, wie die Rückbindung ihrer Interessen an der Welt auf solche "einfachen" Genüsse. 
Die Wirkungen der Pornographie (in ihrem Zusammenhang mit Masturbation) lassen sich vereinfacht in zwei Merkmalen beschreiben: Generell, vor allem aber bei Männern (diesem "erigierten Penis"), bewirken sie ein Nachlassen der "Lust am Handeln an der Welt", also der Libido. Und zwar in jeder Hinsicht, natürlich auch den Frauen gegenüber. Frauen wiederum (deren Anteil am Pornokonsum zwar geringer, aber gar nicht so gering ist) erfahren sich vor allem als ungenügend, meist schon alleine aus körperlichen Hinsichten. 
Was aber ist das größte Sexualorgan? Eben. Das Gehirn. Präziser: Die Seele, die sich auch im Gehirn ausdrückt (aber nicht das Gehirn IST).
Ein in solchen Haltungen des aus sich selbst bezogenen Weltgenusses "beschiedener" (in Wahrheit eingekerkerter, reduzierter) Mensch wird zu allem "ja" sagen, wird allem zustimmen, was den Verwaltern (als Quellen, als Garanten, als Lieferanten) seines Genußstoffes entspricht. Nicht nur nachträglich, sondern vor allem präventiv und in vorauseilendem Gehorsam wird er an einer Welt bauen, die keine wirkliche Wirklichkeit mehr braucht. Und er wird ein politisches Bild gutheißen, die Ersatzbilder von der Welt baut. Die vor allem eines sind: Kontrollier- und beherrschbar. 

Wenn wir von dieser Charakteristik einmal ausgehen werden wir deshalb rasch sehen, daß genau das das Merkmal der großen "Bedrohungsbilder" ist, in denen  wie beim Trojanischen Pferd eine Gefahr enthalten ist und sich entfaltet, sobald ihm zuliebe die Festungsmauern eingerissen sind: Es sind Weltbilder, die unser Handeln "gut machen", also moralisch hervorragend etikettieren, und die sich auf Aufgaben beziehen, in denen wir unsere sinnliche Erlebniswelt gar nicht mehr benötigen. 

Weil die zu lösenden Probleme ganz ganz weit weg und enorm abstrakt sind. Terror. Klima. Weltrettung. Rettung der Welt (!) - moralisch hochklassifiziert, weil wir in ein Possenspiel geführt wurden, mit dem wir in erster Linie "die anderen" vor dem Tod retten, wie in der vorgeblichen Corona-Pandemie. Welt- und Bedrohungsbilder aus Aufgaben und "soziale Forderungen", die allesamt nur noch in der Ratio fundiert sind, also keine natürliche Vernunft (siehe das oben zur Synderesis Gesagte) benötigen, ja im Gegenteil, deren Abwertung weil Irrelevanz betreiben. 

Damit werden die (beherrschten) Menschen ("Meinung") ganz ausschließlich in eine Situation der totalen Abhängigkeit (Hörigkeit*****) von Machern der Meinung getrieben. Denn nichts vermag ihnen noch jenen Selbststand zu erringen, der Voraussetzung beziehungsweise Moment dessen ist, was der Mensch unabdingbar für das braucht, was wir als "Leben" bezeichnen: Freiheit.(6)


Morgen Teil 3) Die Anmerkungen, und so weiter


*280620*

Dienstag, 7. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (1)

Teil 1) Der Sozialstaat als archetypische Pornographie

Pornofilme waren von allem Anfang an jene Geldmaschine Hollywoods (und sind es bis heute), aus denen seine Macht entstehen konnte. Heute wird durchschnittlich alle dreißig Minuten ein neuer Pornofilm hergestellt und vertrieben. Die globalen Umsätze der Internet-Porno-Industrie summieren sich heute auf einen Betrag, der die Umsätze von Google, Amazon und Microsoft ZUSAMMEN überschreitet. 
Alleine die weltweit durch die Internet-Pornographie verbrauchte Menge an elektrischem Strom entspricht dem Verbrauch eines Landes wie Ungarn. Zusammenhänge zwischen der technischen Ausgereiftheit (vor allem was transportierbare Datenmengen, aber auch der von Endgeräten - vor allem der Handys - anbelangt) und einem sich auch in der Art (in der Richtung einer völligen, "alle" Sinne und Vorstellungswelten umfassenden Ersatzwelt, also "Cyber") rasant entwickelnden Pornokonsum sind eindeutig. Das derzeit weltweit im Aufbau befindliche 5G-Netz wird deshalb für die Pornoindustrie einen Quantensprung bedeuten. Ähnlich jenem, der passierte, als das Internet im high speed vor fünf bis zehn Jahren Flügel bekam, was eine Explosion des Konsums von Pornofilmen bewirkte.
Das Portal Pornhub, eines der größten, aber keineswegs das einzige der Porno-Vertriebsstellen, verbraucht heute schon über den durch seine Filme induzierten Internetverkehr eine Strommenge, die der Produktion eines modernen, großen Atommeilers entspricht. Im Shutdown der Corona-Krise hat eben dieses Pornhub eine Umsatzsteigerung von fünfzehn Prozent vermeldet. Ein Drittel der Konsumenten sind weiblich. 
Rund zwölf Prozent der Pornokonsumenten sind als pornosüchtig einzustufen. Neurobiologisch sind die Veränderungen im Gehirn von regelmäßigen Konsumenten jenen gleich, die Drogensucht auslöst. Deshalb muß von Abhängigkeit (also Sucht) gesprochen werden. Weil sich physisch Belohnungsmechanismen ausbilden, die jenen einer Drogensucht entsprechen und für den Konsumenten existentiell werden. Deshalb spielt auch das Alter eine entscheidende Rolle.
Das Alter der heutigen Kinder und Jugendlichen, zu dem sie mit Pornographie (über social media via Handy und Internet) erstmals in Berührung kommen, beträgt heute durchschnittlich bereits elf Jahre. Die Altersgruppe von Teens bis neunzehn stellt nur knapp hinter der Gruppe bis neunundzwanzig Jahren den größten Benutzeranteil. Bis zu diesem Alter haben heute neunzig Prozent der Jungen regelmäßig Kontakt mit Internet-Pornographie. 
Was beim generellen Alter des Internet - das sogenannte Internet gibt es seit kaum fünfundzwanzig, in Österreich seit zwanzig Jahren - bemerkenswerte Einblicke in die Gegenwart und beängstigende Perspektiven für die Zukunft offenbart. Bereits heute, im Jahre 2020, haben dreißig Prozent der Männer im in der Altersgruppe 19 bis 40 Jahre erektile Dysfunktionen (Erektionsstörungen, dysfunktionale Ejakulation, etc.). Noch vor zwanzig Jahren lag dieser Prozentsatz bei maximal fünf Prozent. Nur wenig erschütternder ist der Anteil von Männern bis neunzehn Jahren, die bereits regelmäßig Mittel wie Viagra benutzen: Ein Viertel. Pornokonsumenten werden unfähig, mit dem "Stress" realer Begegnung fertigzuwerden.
Denn es sind meßbare Folgen regelmäßigem Pornokonsums: Einerseits Abgestumpftheit ("Ignoranz" für reale erotische Reize), Unfähigkeit zur Empathie, Antriebslosigkeit bei gleichzeitig erhöhter Neigung zu (voluntaristischen, also "gesetzten") Aggressionen. Das bedeutet auch die Unfähigkeit, einem Reiz im Vorstellungsvermögen zu beherrschen, was mit einer Selbstkonditionierung auf "erinnerte", also vorgesteellte Reizsituatioen zu begründen ist. 
Der Pornokonsument bzw. Masturbant konditioniert sich wie einen "Pawlowschen Hund". Die Vorstellungsbilder des Films oder ähnliches Stimuli funktionieren wie Auslöser automatisierter Reaktionen, und die Bilder wirken auf jene Gehirnbereiche ein, die auch Erinnerungszentren genannt werden können, also bei Erinnerungsvorgängen aktiv sind. 
Die Reaktion wird von einem realen, also in der humanen Begegnung liegenden Reiz unabhängig. Sie muß (und kann) nur noch durch einen Schlüsselreiz aktiviert werden. Dazu genügen bald schon erotische Werbebilder etc. Die Realität verliert gegen die Vorstellungsbilder, wird nur noch "störend". Das ergibt Konzentrationsschwäche, deer Depressionen (wegen des Verlusts der Selbstherrschaft) folgen.  
Und das schon bei Zwanzigjährigen, die von früher Jugend an Porno konsumiert haben. Gleichzeitig wird das Wertegefüge massiv verändert, und ein Verhalten als Norm und normal etabliert (etwa Vergewaltigung, S/M-Praktiken), das eigentlich untragbar ist. Aber die realen Reize müssen immer größer werden, um zum Rezipienten durchzudringen, der ja danach reagiert, was ihn "anmacht". Und das ist nicht mehr "normale Erotik", die gar nicht mehr wahrgenommen wird.
Die Liste der Studien (von Cambridge, Yale, dem Max Planck-Institut ...) ist lang, die das belegen.
Es gibt hinlänglich Untersuchungen, daß der masturbierende Mensch, der Pornokonsument (und immer noch stammen sechzig Prozent des Internet- beziehungsweise Social Media-Datenaufkommens aus der Pornographie), sich auch in den Weltbildern klar wiederfindet. Und zwar exakt in einer Hinneigung zu Weltbildern, die die Differenziertheit der Welt ("Diskriminierung") und damit der Begriffe verliert. Pornokonsum und Geschlechter-Indifferenz, Masturbation und Genderfragen, Autosexualität und die (zum Beispiel "tolerante") Haltung zur Homosexualität, aber auch Fragen um Identität und die Haltung zu Kulturen generell, vor allem die Haltung zur Distinktheit und Bedeutung von kulturellen Einrichtungen und Institutionalisierungen und die Art der Sexualität - extro- oder introvertiert - sind also ganz fest verknüpft. 

Damit wird die politische Relevanz der Pornographie klar. Damit wird klar, daß sie zu einer mächtigen Waffe wird. Und genau damit haben wir es auch zu tun: Nicht erst Mao Tse-tung oder Wladimir Iljitsch Lenin haben gewußt, daß sich eine gesellschaftliche Struktur zerstören läßt, wenn man die Sittlichkeit ihrer Teilnehmer aufweicht. Und das geht in erster Linie über die Sexualität. Die unter dem Stichwort der "Freiheit" die christlichen Gesellschaften und Kulturen in ihrer begrifflichen Wurzel trifft (wo sie anhand des Wortes "Freiheit" den Begriff mit einem anderen Inhalt füllt).

Das geht deshalb seit dem 19. und vor allem seit dem 20. Jahrhundert - dem Zeitalter der technischen Explosion der Medien - in erster Linie über die Sexualität, weil sich der Begriff der Freiheit seit der (protestantischen) Reformation weg von einer objektiven Freiheit (als weltgewordene, also inkarnierte, damit geschichtlich relevante und präsente Wahrheit) hin zu einem subjektiven Gottes- und damit Weltbild verändert hat. 

Und dies ist die erste Charakteristik der Pornographie. Ihre "Erlebensqualität" geht weg von einem Genießen der Welt hin zu einem "Genießen" der selbst generierten Vorstellungsbilder und -welten. Dabei wird aber gar nicht der vollinhaltliche Genuß der Welt erreicht (und genau darin täuscht sich der Masturbierende ebenso wie der typische Sozialstaatsklient), sondern bestimmte Effekte aus einem wirklichkeitsbezogenen Handeln herausgegriffen. 

Morgen Teil 2) Die Seele ist das größte Sexualorgan



*280620*

Montag, 6. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (0)

Während die Erotik die sinnliche Wachheit steigert, so wie man Wein trinkt, also als Stimulus hin zur begegnenden Wirklichkeit wirkt, ist der Effekt von Pornographie exakt gegenteilig. In ihrem Zusammenwirken mit der Masturbation, oder einem kosexuellen Verhalten (Geschlechtsaktivität mit einem Partner) das nicht auf das Anderssein des Anderen ausgerichtet, sondern lediglich eine verlagerte Masturbation ist, so daß der seelische Raum auf sich selbst zurückgekrümmt ist (oder wird), verringert sie die natürliche Tendenz des Menschen ("Das Ich liegt im Du") zur Hingabe und Auslieferung an das Begegnende. Salopp formuliert, wendet sich die sinnliche Ausrichtung auf sich selbst und nicht auf ein frui, also einen Fruchtgenuß AN der Welt. Was deren Sinn wäre beziehungsweise ist. Und zwar - wir werden gegen Ende dieser Artikelserie darauf noch näher eingehen - als nachschöpferischer Akt.

Die Freuung an der Welt ist somit ein Vollenden der Gottähnlichkeit (Ähnlichkeit, nicht Gleichheit!) durch das Nachschöpfen, und das ist es, was über die Sinne die eigentliche Freudlichkeitsleistung des Menschen ist, das ist es, woran er sich an der Welt erfreuen kann: Im Nachdenken dessen, was Gott gedacht, im Nachschaffen, was Gott geschaffen hat.

Deshalb hat Freuung an der Welt mit Heiligkeit zu tun, deshalb hat sie mit geistiger Entwicklung und Reife zu tun. Dem Primitiven wird die Welt nie Freude machen - er wird sie ihr aber versuchen, herauszupressen, sie zu würgen ... wie die Pornographie. Wie in der Masturbation. Sie zieht den Menschen in ein Nicht-Menschsein. Durch De-Aktivierung, als Folge von Täuschung, auf dem Wege der Versuchung, die immer eine Täuschung ist.

Damit gehört die Masturbation in eine Reihe von Phänomenen gestellt, die wir grosso modo im "modernen Sozialstaat" als umgreifenderen Horizont* beobachten und erfahren können. Wo die verringerte Abhängigkeit von der Außenwelt zu einer Verringerung deren Bedeutung für das individuelle Seelenleben führt. Denn genau das ist die Funktion des Sozialstaates als geschichtliches Phänomen: Er zerreißt natürliche Ursachen-Wirkungs-Verhältnisse und ersetzt sie durch künstliche, gedachte, vorgestellte Sollensvorstellungen, also Utopien. 

Das wesentliche Merkmal ist somit für alle diese Phänomene gleich, durchzieht sie wie eine (fraktal sich wiederholende) Grundstruktur: Es entläßt den Menschen aus der Spannung, die Persönlichkeit und Persönlichkeitsaufbau (als erlernen des Habitus der Spannungstrage) immer bedeuten, und reduziert ihn somit progressiv, das heißt in einem fortwährenden, sich selbst verstärkenden Prozeß. 

Verliert der Mensch diese Spannung oder lernt er erst gar nicht, sie aufzubauen, verliert sich in seinem Wirklichkeits- und Verhaltensbild auch das Bild der wirklichen Wirklichkeit. Der Mensch wird in seiner Hinrichtung auf die Welt also nicht von deren Charakteristik geprägt (die, so nebenbei, immer "logisch" ist**), sondern von einer egal wie und woher gestalteten willkürlichen Weltcharakteristik. 

Das zeigt sich in der Pornographie überdeutlich. Wo das Interesse des (masturbierenden) Menschen von der Welt weg auf eine innere Bilderwelt gelenkt wird. Wird dies zum Habitus, also zur Gewohnheit, wird dies zum häufigen Verhalten, wird die gesamte Ausrichtung des Menschen der Welt gegenüber "gleichgültig". Denn ihre Früchte sind scheinbar (!) genießbar, ohne daß die Welt und deren Wirklichkeit selbst erkannt und bewegt wird. Damit formt sich eine innere Haltung, die sich fast zwangsläufig auch in der Denkweise wiederfindet. 


Morgen Teil 1) Der Sozialstaat als archetypische Pornographie


*280620*

Donnerstag, 16. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (4)

 Teil 4) Auch von den Bischöfen verlassen

Aber die deutschen Völker waren auch von der Kirche verlassen, und das heißt: Von ihren Bischöfen verlassen. Spätestens seit der Renaissance, die der Kirchenhistoriker und Theologe Georg May einem flächendeckenden "Versagen der Bischöfe" zuschreibt. Die ihre Herde nicht schützten, sondern den Potentaten auslieferten. Und dem Volk damit jede Kraft zum (wenigstens inneren) Widerstand gegen die Einbrüche durch die Wölfe versagte.

Nur die Kirche aber hätte die Kraft und geistige Potenz, teilweise auch die Macht gehabt, diesen Entwicklungen zu trotzen. Und sie könnte es bis heute sogar noch, würden die Bischöfe es wahrnehmen. Stattdessen liefern sie nach wie vor das Volk aus, nützen seine Bereitschaft zum Glauben aus, um ihre persönlichen Eitelkeiten und Schwächen und Niedrigkeiten zu verdecken. Bis ihnen absolut niemand mehr glauben wird.

Irland 2019
War es aber - zurück zum Videogespräch, das E. Michael Jones mit The Irish Patriot führt - in Irland anders? War es nicht dort genauso die Kirche, die Bischöfe sohin, die das Volk verließen, mißbrauchten, und auslieferten? Sind nicht sie die Schuldigen, wenn das tiefe Bedürfnis der irischen Menschen nach Religion, Kult und Gott in einem nie gesehenen Wiederaufleben alter heidnischer Religionen und Kulte aufblüht, wie das heute der Fall ist? Vielleicht kein Land Europas hat derzeit eine derart massive Welle an Heidentum zu verkraften wie Irland. Dies reicht in höchste politische Kreise. (Siehe dazu "Armageddon in the Auld Sod" von Geraldine Comiskey.)

Heidentum, weil gleichwertig mit der Katholischen Kirche? Natürlich nicht. Das Neuheidentum (das in Irland noch dazu auf eine uralte Tradition zurückgreift, das Land ist noch voll mit archäologischen Relikten) ist vielmehr eine billige Alternative, weil es "Religion" am Etikett ermöglicht, ohne daß wirklich religiöse Haltung notwendig ist. Der Mensch der Moderne, der Narziß, kann also zu Gott selbst werden beziehungsweise dieser bleiben, weil er sich selbst die Religion gibt. Die dann auf der sicheren Ebene der beherrschten Zweitwirklichkeit läuft. Neuheidentum ist eine lächerliche Farce, und das zeigt sich umso mehr, als es irrational ist.

Seit Jahrzehnten aber wird Irland von einer ähnlichen Welle des social engineering heimgesucht wie Deutschland nach dem Krieg. Das hat die persönlichen Grundlagen zerstört, und damit die Vernunftkraft. Die Folgen in beiden Ländern sind ähnlich, ja noch dramatischer, vor allem nach dem finanziellen Kollaps 2008. In dem der Irische Staat, selbst mit niedriger Verschuldung, die notleidenden Banken herausgekauft hat - und seither so pleite ist, wie es nur sein kann, mit gravierenden Folgen für die irischen Bürger. Aber Schlag um Schlag wurde das katholische Fundament dieses Volkes zerschlagen. Verhütung, Sexualerziehung, "Ehe für alle", Anti-Diskriminierungsgesetze, Abtreibung. Mundtot gemacht durch die medial zelebrierte Bekanntwerdung schwerer Mißbrauchsfälle, gab es keinen Bischof, der das Volk gestützt hätte. Es hätte ihre Wohlversorgtheit gefährdet.

Ja, gewiß, es gibt Kräfte, die diese Degeneration eines Volkes möchten, weil sich ein solcherart wehrloses Volk (und das ist ein demoralisiertes Volk) perfekt zum Sklaven eignet beziehungsweise Sklave ist. Und die Leidenschaften zum Herren machen ist eine Form der Sklaverei, in der der Versklavte die Fesseln sogar selber anlegt. Ja, gewiß, es gibt die Kräfte, die konkret daran arbeiten, ein Volk zu zerstören, zu versuchen, seine geistige Landschaft, seine soziale Ordnung zu zersetzen, damit es dann beherrscht werden könne. Aber die Überwindung eines Volkes ist nur möglich, wenn seine religiösen Führer es im Stich lassen und ausliefern. Am besten, indem diese selbst die Autonomie der Aufklärung verkünden, und das, was jeder Mensch von Klerus und Bischöfen braucht, als unwürdigen Akt der Unfreiheit denunzieren. (Dem VdZ ist ein relevanter Kleriker bekannt, der diese Forderung nach kirchlicher Autorität als "faschistoide Persönlichkeitsschwäche" bezeichnete.)







*Der VdZ hat sogar den Verdacht, daß sich hinter diesen Restriktionsmaßnahmen die bei Kindern oft zu beobachtende Haltung steht, den anderen "nicht mitspielen zu lassen", nötigenfalls durch Zerbrechen des eigenen Spielzeugs, wenn er sich nicht ausdrücklich dem eigenen Willen fügt. Als Erlebnis von Macht, die dem Kind sonst im Leben ja noch fehlt. Er glaubt nämlich, daß wir es bei enorm vielen Menschen, gerade unter denjenigen, die "oben" stehen, mit Menschen im Reifestadium von Kindern zu tun haben.




Mittwoch, 15. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (3)

Teil 3) Ein Plan der Zerstörung eines unwürdigen Volkes



Denn Hitler hat zu einem schreckenden Grad spätestens ab 1943, angesichts der auch ihm längst klaren Niederlage, noch dazu angesichts der von den Alliierten gefaßten Beschlüsse, auf keinen Fall mit Deutschland (nicht "nicht mit Hitler", sondern "nicht mit Deutschland"!) Frieden zu schließen, sondern bis zu dessen bedingungsloser Kapitulation zu kämpfen, mit nur diabolisch zu nennender psychischer Gestimmtheit selbst die Zerstörung Deutschlands beschlossen. Auf diese Gemütsverfassung kann und muß geschlossen werden, befaßt man sich mit historischen Quellen. Jenes Volkes, das ihm nicht vollkommen bedingungslos in den Sieg gefolgt ist, diesen also nicht verdient hat. 

Einen anderen Grund für die Niederlage konnte es für den Narzißten und Fanatiker Hitler nicht geben. Erst hier kam auch der endgültige Vorsatz, die Juden systematisch und restlos zu vernichten, zum Range eines Ersatzzieles. Wenn das eine nicht möglich war, dann wenigstens das andere. So zerstörte Hitler auch noch die Selbstsicherheit der Menschen, die ihm gefolgt waren (und die er genau deshalb verachtete, wie jeder Narzißt!), gewissermaßen "auf alle Zukunft", indem er sie mit einer Schuld belastete, die offen vor den Augen der Welt da lag. Durch die "Täter", die Werkzeuge der Macht, die Ausführenden. 

Es gibt bis heute in Deutschland (und Österreich, soweit nicht als "deutsches Land" ohnehin im ersten Begriff enthalten) die Besonderheit, daß die Schuldfrage sich auf die Ausführenden konzentriert, ist das dem Leser schon aufgefallen? Man beachte einmal die Aufarbeitung von (Kriegs-)Schuld in anderen Ländern, wo sie sehr klar auf Strukturen (es ist der "Ort", der das Wesen vorgibt beziehungsweise zum Wesenskonflikt führt) bezogen wird, nicht auf die Einzelnen. Nicht so in Deutschland.

Angesichts dieser gewissermaßen beschlossenen Selbstzerstörung begannen die Vorbereitungen für das Ende. Begann damit jene Vorzeichnung des Schicksals, das dann nach 1945 die Alliierten über Deutschland verhängt haben. Die völlige Vernichtung der biologischen Grundlagen stellte sich im aufkommenden Kalten Krieg als strategischer Fehler heraus, man brauchte ein Gefechtsfeld, man brauchte einen Puffer gegenüber dem Kommunismus. Also schob man einerseits im Marshall-Plan Geld ins Land, ermöglichte die Währungsreform, und versetzte das Land in die Lage, zu konsumieren. Was aber physisch nicht gelingen konnte, und nicht sinnvoll war, wurde auf seelischem Gebiet vollzogen.

Man wollte die moralischen Grundlagen des Volkes zerstören, indem man es umerzog. Kein Theaterstück, keine Zeitung, kein Film, nichts, das nicht der Bewilligung der alliierten Kommission bedurfte. Dazu kamen eine Reihe von Zeitungsgründungen, sämtlich mit amerikanischem Geld.  Das Land wurde mit neuartigen Illustrierten überschwemmt, die - wie Quick oder Stern - die Sexualisierung des Alltags begannen. Ein Feldzug der Rache von Juden, so muß man es bezeichnen. Denn die maßgeblichen Figuren in dieser Zersetzungskampagne waren Juden.

Auch in der Form von neuen "Theorien", wie sie Wilhelm Reich, ein gebürtiger österreichischer Jude, in den USA entwickelten. Und über massiven Einfluß auf die Universitäten (weil "belastet", wurden viele Lehrstellen mit Juden besetzt, die "einzigen", die "politisch zuverlässig" waren) die die sexuelle Entspannung, den Orgasmus, die Masturbation als Fundament einer "gedeihlichen Persönlichkeitsentwicklung" - siehe sein Buch "Der faschistische Charakter", die die Normalität zum Verbrechen erklärte, weil sie unweigerlich zum Holocaust führt - sowie die Zerstörung der väterlichen Autorität (Frankfurter Schule) als deren Schutzwall verbreiteten. Schon in den 1960ern und 1970ern war die Jugend Zielgruppe, und mit Schundblättern wie "Bravo" wurde nicht nur die amerikanische Popkultur (an sich eine Unkultur der Entspannung und Ungeformtheit) früh etabliert, sondern auch die Masturbation als ultimo ratio eines erfüllten Lebens (in Kolumnen wie "Fragt Dr. Sommer") propagiert. Jede Scham, jede Moral wurde so von unten heraus ausgehöhlt, bis sie nicht mehr da war. Bis die deutschen Menschen diese neuen Richtlinien der Weltanschauung tief verinnerlicht hatten.

Den normalen deutschen Menschen ist wohl bis heute nicht bewußt, in welchem Ausmaß er seit hundert und mehr Jahren der Zerstörung durch die Macht ausgesetzt war und ist. Eine Charakteristik, die bis heute vollumfänglich gültig ist. Deutschland, die deutschen Völker scheinen wie die ausgelieferten Lämmer, die von jeder Macht über sie mißbraucht und geschunden werden können. Deutschland gehört zu jenen Ländern, die mit Anführern geschlagen sind, die in einer tiefen, unendlich tiefen Kluft vom Volk getrennt dieses als Objekt der Willkür und psychicher Perversion sehen und mißbrauchen.

 Morgen Teil 4) Auch von den Bischöfen verlassen




Dienstag, 14. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (2)

Teil 2) Aber Jones irrt leider



E. Michael Jones sieht das, und er sieht es völlig klar und befreiend. Damit wäre er zu einer Art "Mahner" gerufen, und diese Rolle muß man ihm sogar zuschreiben. Dankbar zuschreiben! Aber er irrt leider in einem Punkt, nämlich der Einschätzung der social media und des Internet als Instrument der Befreiung durch Gespräch. Diese Aufgabe KANN zwar das Internet leisten, aber das geschieht nur in wenigen Fällen. In vielen Fällen ist sogar gerade die erleuchtete Sicht, wie sie Jones bieten kann, eine Gefahr. Weil sie die Illusion nähren kann, und das tut sie in vielen Fällen, daß es ausreicht, sich Tag und Nacht mit dem Globalnetz der Globalquatscherei zu verbinden. Anstatt hinauszugehen, hinaus in die Welt, und alles zu vergessen, was soeben noch zu hören war, und alles, wirklich alles auf diese Realwelt aufzubauen. Mit höchstem Risiko. 

Stattdessen wird auch das Wahre, auf die Form des Internet heruntergebrochen, zu einer "Information", die - Information muß im Grunde schon gekannt sein, um zu erkennen, daß sie überhaupt Information und nicht nur Datenrauschen ist - gesucht und gefunden wird. Um sich dann wie in einer Echokammer, eingeschlossen in seinen Bunker, ständig, täglich, stündlich die Bestätigung zu holen, daß man zu den Erleuchteten gehört, die man am Bildschirm und in den Ohrhörern vor (und in Wahrheit: IN) sich hat.

Daß das Internet zunehmend zensiert wird, ist nicht der Beweis, daß die Oligarchie sich davor fürchtet. Wenn sie das tut, so kann man sie nur noch mehr bedauern, weil sie dieses Gespenst selbst nicht kennen und sich vor einem Phantom fürchten. In Wahrheit muß der Oligarchie alles daran gelegen sein, diese Verbunkerung der Menschen mit möglichst vielen "Freiheitsgraden" auszustatten! Auf daß sie sogar glauben, daß wenn sie im Internet Wahres "lesen", auch schon daran teilhaben, diese also Teil von ihnen ist. Worauf es letztlich ja ankommt. 

Erst dann, mit diesen Freiheitsgraden ausgestattet, festigen die sozialen Medien die Illusion des Einzelnen, des Vereinsamenden, des Vereinsamten, sich in einem sozialen Umfeld, ja sogar im Umfeld der Wahrheit zu befinden. Facebook oder Google-Youtube oder Twitter sind, wenn sie beschränken, deshalb regelrecht "kindisch", unreif, lächerlich.* Sie riskieren sogar etwas: Sie riskieren, daß die social media ein Zurückstoßen in die wirkliche Wirklichkeit auslösen, das beim Betroffenen, Zensierten ein neues Umarmen der Realität - übers Kreuz des Erlittenen - bewirkt. 

Da haben wir dann das, was Jones immer wieder "cunning of reason" - List der Vernunft - nennt, in einer ebenso gefährlichen Gleichsetzung von Hegel mit der göttlichen Vorsehung, in der Gott auch aus dem Schlechten, Bösen, letzthinnig Gutes macht (siehe u. a. Goethes Faust I). Die "rationality", auf die sich Jones bezieht, ist nicht Rationalität aus sich heraus, wie ein Mechanismus, sondern ist erst dann Vernunft, die auf dem logos beruht, wenn sie die Sprache hinter der Sprache, die Logik hinter der Rationalität kennt. Und das ist eine Frage der Kommunikation, der Beziehung zum logos selbst, der Jesus Christus ist. Nur insofern kann "Rationalität" etwas bewirken, als sie auf diesen logos verweist, der als Gegenüber, als Du, letztlich jedem Menschen gegenübersteht. Aber selbst die stringenteste rationale Logik braucht dieses Gegenüber, braucht eine persönliche Haltung und Entscheidung.

Und die beschädigt die Bunkersituation, in der die Menschen leben, in die sie sich zurückziehen. Es sind nicht zufällig dieselben Menschen und Gruppen, die hinter den Restriktionen von "Haß-Sprache" (hate speech) etc. stehen, die auch hinter der Pornographie und "sexuellen Befreiung" stehen. Sie begeben sich hier in tiefe Widersprüche, und man kann die kommenden Entwicklungen mit gewissem Amüsement beobachten. Das Böse hat aber eben das unausweichliche Schicksal an seinen Widersprüchen - das Böse, das Schlechte kann nie ein wirklich konsistentes Denken und Handeln herstellen, das kann nur Erdung im logos, im von Gott der Welt zugrunde gelegten, diesem evolvierenden Sinn - irgendwann zugrunde zu gehen. ("Lügen haben kurze Beine" - es meint dasselbe. Irgendwann widerspricht die Lüge sich selbst.) 

Diese Gruppen überschätzen deshalb auch um Dimensionen die Bedeutung des Diskurses, soweit er im Internet stattfindet beziehungsweise sich dorthin zurückgezogen hat. Wo sich nur Bunker gegenüberstehen, deren Welt in einer Vorstellung von Welt endet. Kein Wunder, daß dieselben Gruppen auch engstens mit konstruktivistischen Weltbildern geschlagen sind, denen gemäß also es keine reale Welt gibt, sondern die Welt des Menschen immer ein Konstrukt ist. Denn für sie ist es scheinbar tatsächlich so! Aber sie rechnen eben nicht mit der wirklichen Wirklichkeit, die eine ontologische Tatsache ist, der alles unterliegt, was ist.

Dennoch kann man Jones nur zustimmen in seiner Analyse der Wirkung von Pornographie. Weshalb auch seine Thesen sehr plausibel sind, daß die Verbreitung von Pornographie eine Form der Verdeckten Kriegsführung ist. Denn sie schwächt ein Volk und ein Land, zerbricht die sozialen Bindungen durch Zurückwerfen der Menschen auf sich und die Lust, die sie sich selbst geben können - in der Masturbation. Vor diesem Hintergrund wird die Bunkerlandschaft der Hitlerzeit noch signifikanter als Symbol der Zukunft.


Morgen Teil 3) Ein Plan der Zerstörung eines unwürdigen Volkes



Montag, 13. Januar 2020

Rückzug in die Bunker (1)

Berchtesgaden, Obersalzberg - Der Führerbunker
Wer die Geschichte des Dritten Reiches betrachtet, dem wird (wenn er es denn sehen will oder kann) auffallen, daß sich seine Geschichte je länger es dauerte umso mehr in Bunker zurückzog. Das ist kein Zufall, wie schon Paulo Virilio meinte, es ist vielmehr symptomatisch für den Rückzug aus der Wirklichkeit, der dem gesamten Regime von Anfang an als Schicksal auferlegt, gegen sein Ende zu aber notwendig zu vollziehen wurde. Bunker, die - wie im Fall des Führerbunkers in Berchtesgaden bis heute besichtigt werden können - bestens aufmagaziniert und mit Fernmeldeeinrichtungen ausgestattet waren, und eine Behandlung der Welt gestatteten, die alles auf rationale, vorgestellte Abläufe reduzierte. Tiefe Einsamkeit, völlige Depravierung von direkten, persönlichen Kontakten ist ihre Ursache. Der Hitlerismus ist genau darauf angelegt, und gerade in seiner Berufung auf Propaganda zeigt er ein prophetisches Bild der Zukunft.

Denn wir steuern heute genau darauf zu. Auf die Situation, in der die Menschen in ihren Bunkern leben (oft genug fast wörtlich: als Merkmal einer Generation, die in den Kellern der Eltern, wie E. Michael Jones es in diesem Gespräch über Irland auf die Spitze bringt) und nur noch über social media und Internet mit der "Außenwelt" kommunizieren. Die in Wahrheit eine Separatwelt ist, eine Zweitwirklichkeit, die selbst schon jeden Kontakt mit der wirklichen Wirklichkeit verloren hat.

Wozu sie ihre existentielle Situation auch befähigt. In der Form einer Dotierung durch Eltern, die in der Regel sogar einer Versklavung der Familienernährer gleichkommt, spezifische Förderungsmechanismen, auch von nicht staatlicher Seite, und nicht zuletzt den Sozialstaat. Man muß heute zu den meisten Ämtern nicht einmal mehr persönlich gehen, man kann alle Amtsgänge über Internet erledigen, was als Fortschritt gefeiert wird.*

Masturbation als Einbunkerung des Menschen

Wir leben zunehmend in Bunkern, wie in den letzten Tagen des Dritten Reiches. Das auch hier den modernen Menschen, die moderne Gesellschaft vorwegnahm.

Aber Jones weist noch auf etwas hin. Indem er an eine Aufklärungsbroschüre anknüpft, die in Irland nun als für Schulen verpflichtend eingeführt wurde. Zu der man sagen muß, daß sie den Menschen völlig verkennt. Und wenn sogar dem VdZ das eine oder andere Mal (übrigens: wie der Kirche) vorgeworfen wird, er sei zu sehr auf das Thema "Sexualität" fixiert, so muß er dagegenhalten, daß das in der Intensität bei weitem nicht der Realität gleichkommt. Diese übertrifft selbst die kühnsten Vorstellungen, und das zeigt sich in der Sexualerziehung an den Erziehungseinrichtungen der Gegenwart, nicht nur in Irland, auch in Österreich und Deutschland.

Dieser vom Staat verordnete systematische Mißbrauch schon der Kinder und Jüngsten bringt nämlich eine extreme Fixierung auf Sexualität mit sich. Er bindet die Menschen an Leidenschaften und Begierden, die sie zu Sklaven ihrer eigenen "Bedürfnisse" machen, denen auch tatsächlich die leitende Kraft (siehe Liberalismus, Evolutionismus, die gesamte heutige materialistische Anthropologie) in ihrem Leben überantwortet wird, ja werden muß. Denn diese Programme, die den schlimmsten Umerziehungsprogrammen der Geschichte gleichkommen, sind längst verpflichtend.

Die Folgen sind vor allem im Sozialverhalten der Menschen erkennbar. Und hier sind sie auch heute schon deutlich sichtbar. Und zwar wie im Dritten Reich - durch Verbunkerung der Existenz. Die Menschen werden immer unfähiger, noch reale zwischenmenschliche Begegnungen aufrechtzuhalten. Jede Frucht, die aus dieser realen Begegnung erwachsen könnte, wird "selbst" (scheinbar) hervorrufbar. Und sie tut es in diesem Fall durch die Anleitung zur Masturbation als "natürliches Sexualverhalten", das in den Augen vieler sogar zu einer "gesunden Persönlichkeitsentwicklung" dazugehört.

Aber die Masturbation (noch dazu gestützt von Pornographie, die heute jedem mit einem Handy zugängig ist, in den meisten Fällen damit auch schon Kindern) vereinsamt. Es wirkt gerade beim Heranwachsenden katastrophal, weil es bereits im Entstehen von Haltungen prägend wirkt. So wie es jedes Sexualverhalten tut, das nicht auf das Insgesamt des Menschen als Vernunftwesen - und alles ist und will so sein, wie seine höchste Möglichkeit es zeigt - ausgerichtet ist. Und bewirkt nicht, wie es eine gesunde Persönlichkeitsentwicklung (die gerade in der Pubertät, konfrontiert von einem erst in die Vernunft, in die Persönlichkeit zu integrierenden physischen Angetriebensein, das nach Form, nach Informierung lechzt), die Offenheit zu sozialen Kontakten, sondern eine Einbunkerung des Menschen. Diese Bunkerwelt wird für ihn sogar zur ausreichenden sozialen Welt, "bereichert" noch durch Videospiele, die immer "realitätsnäher" werden, und das, was jeden Jugendlichen auszeichnet - Abenteuerlust, Entdeckungsfreude - auf Schein- und Ersatzwelten lenkt. 

Das Bild, das unsere ehemalige "Kultur" (die uns nur noch wie Kulissen, wie ein Ruinenfeld umgibt) bietet, könnte nicht erschütternder sein. Es sind Bunkerräume, dicht abgeschottet, mit installierten Kameras, in denen jene, die diese Bunkerwelten bauten, mit verführerischen Lockkäsen und Genußvorräten ausstatteten (die Bunker in Berchtesgadens Berghof hatten riesige Vorräte an Champagner und sonstigen Luxuslebensmitteln gelagert), und nun beherrschen, haben jede lästige Menschheit von sich ferngehalten. Und bedienen sie wie Rattenverliese, die sie bis zum letzten Blutstropfen ausbeuten, um sie dann achtlos wegzuwerfen. Dazu haben sie ganze Geographien der Bunkerlandschaft konstruiert.

Morgen Teil 2) Aber Jones irrt leider




*Die Querverbindungen zu den immer wieder auftauchenden Fällen von Menschen, die eine auf die eine oder andere Weise durchgezogene Isolation durch Rückzug in Keller/Bunker, kann der Leser gewiß aus eigener Überlegung herstellen. Man muß kein Prophet sein um vorherzusagen, daß diese Fälle immer häufiger auftreten beziehungsweise ans Tageslicht kommen werden. Wobei es keine buchstäblichen Bunker sei müssen, die Wohnungszellen selbst, in die wir zunehmend eingeschlossen sind, sind längst dieser Funktion gewidmet. Die Wohnung, das Heim wird heute nicht mehr zur Burg, die im Grunde ein Kommunikationsort mit dem unbekannten, unberechenbaren Außen war, sondern zum Bunker.




Donnerstag, 14. Juli 2016

Eine Illusion, die zur Falle wird

Im unten angefügten Video spricht der ehemalige "Homosexuelle" Joseph Sciambra von der speziellen Rolle, die Pornographie für den Homosexuellen spielt. Denn sie ist ein Illusionstheater das helfen soll, die Grundproblematik des Homosexuellen in der Masturbation² mit "Erfüllungserleben" zu füllen, um ihn freilich anschließend wieder ins Nichts zu entlassen. Also macht sie den Homosexuellen mit der Zeit zu jemandem, der fast zwanghaft nur noch auf der Suche nach solchen Illusionsmomenten ist, weil er keinen alternativen Weg findet - oder diesen aus Angst scheut - um sich aus diesem Nichts der nicht ausgebildeten Identität (als Mann bzw. Frau) zu bergen. 

Diese nicht gelungene Identitätsbildung geht in fast allen Fällen auf Verletzungen in der Kindheit zurück, wo sich das Kind (der Bub in dem Fall) nicht zu seiner Geschlechtsgruppe zugehörig erfährt. Sei es durch Zurückweisung durch den Vater, sei es durch eine zu starke Mutter. Daraus entsteht das dringende Bedürfnis, sich durch "Umarmung" dem Männlichen einzuschmelzen.  Weil sie schon so früh ansetzt, empfinden viele die Homosexualität als "angeboren", denn sie "haben immer schon so empfunden". Aber das was sie beim Mann suchen ist etwas völlig anderes, als ihnen gleichgeschlechtliche Sexualität vermitteln könnte. Sciambra sieht aber darin auch die spezielle Rolle begründet, die Pornographie bei homosexuell Lebenden hat, die Szenen zwischen einem älteren (Vater) und einem jungen Mann (Sohn) darstellt.*

Der Homosexuelle steigt in der Phantasie dieser Filme bzw. audiovisuellen Produkte immer wieder aber an den Kernpunkt seiner Verletzung zurück und erneuert ihn wieder und wieder. Ohne ihn je zu überwinden, darüber hinauszugehen. Er hält sich in dieser Situation wie in einer Falle eingesperrt, wagt nicht und mit der Zeit immer weniger, sie zu verlassen, ohne daß sie ihn je glücklich macht, ja im Gegenteil - sie macht ihn immer unglücklicher. Ja, sie hinterläßt ein immer tieferes Gefühl von Langeweile und Unerfülltheit, weshalb die Praktiken, die noch Erlebenshoffnung beinhalten, immer uferloser werden. (Über die oft sehr schweren psychischen Krankheiten bei Menschen, die längere Zeit in Homosexualität verbringen, spricht ja niemand, aber sie sind ganz real. Wenn Sciambra an anderer Stelle von "einem Drittel" spricht, so glaubt das der VdZ sofort. Und zwar aus eigener Beobachtung.) 

Der Homosexuelle spielt sich quasi das innere ontologische Drama wieder und wieder vor. (Aardweg nennt deshalb sein Hauptwerk "Das Drama des gewöhnlichen Homosexuellen".) Das Interessante dabei ist, daß es - nur auf einer anderen Ebene! - die exakte Lösung für sein Problem zeigt. Und aus dieser Schleife kann er nicht und nicht aussteigen, solange er in ihr verharren will. (DAS ist die eigentliche Schuldkomponente dabei.) Auch und vor allem weil die Hürde auszusteigen zu groß ist, weil sein gesamtes Lebensumfeld mit dieser illusionären Identität, die er dort hat, ihn beim Ausstieg in ein totales Realitätsnichts zurückstoßen würde.

Die "Umarmung" (Verschmelzung mit der Identitätsgruppe Mann)* erfährt er eben nur in der Homosexuellen-Szene, durch einen anderen Mann. Außerhalb ist er buchstäblich nichts. Dort aber wird die Illusion gestützt und bewahrt, er werde geliebt und anerkannt, auch ohne seine Grundidentität, und die ist eben die Geschlechtsidentität. Die der Ausgangspunkt seiner Menschwerdung überhaupt ist - in der Komplementarität, dem Zueinander von Mann und Frau ALS ganzer Mensch.

Der Homosexuelle muß deshalb gewissermaßen "in seiner Kindheit" abgeholt und zu jenem Schritt geführt werden, den er dort (ohne eigene Schuld, freilich oft gestützt durch eine Disposition zur Invertiertheit, also zur Weltab- und Selbstzuwendung; das ist das stärkste Element von dem, das man als "vererbt" bezeichnet: nur diese Haltung der Schwäche der Weltzuwendung ist vererbt bzw. vererbbar, und sie kann in einer Kultur tatsächlich zur Allgemeinhaltung werden) nicht vollzogen hat.

Wirkliche Heilung kann aber nur über geistige Stärkung erfolgen, und die - das mag superfrömmlich klingen, aber es ist genau so - durch den reinen Geist, Gott Jesus Christus, den Menschen erfüllen kann. Ohne diese geistige Heilung, die auch der einzige Weg zu einer ontologisch tiefgegründeten Schuldbewältigung ist, wird ein Ausstieg aus dieser Illusionsfalle, die Homosexualität ist, sehr sehr schwer.

Sciambra macht deshalb (und aus eigener Erfahrung) immer wieder darauf aufmerksam. welch fatale Wirkung auf Homosexuelle eine Reaktion der Umwelt hat, die sie in ihrer Lebensweise bestärken, ja die ihnen sogar "Identität" und ihrer Selbstverfehlung (die sie selbst so erfahren!) zuspricht "liebenswert" zu sein. Dabei spielt die Kirche eine katastrophale Rolle, worauf der Kalifornier immer wieder hinweist. Denn DAS vor allem, das "Verbergen Gottes", macht ihre Situation endgültig ausweglos.







²In dem an sich eher problematischen Buch "Onanie und Homosexualität" von Wilhelm Stekel spricht der Autor sehr richtig davon, daß die Onanie im Kern ein "Die Welt auf Distanz halten", also der Weltangst zuzuschreiben ist. Deshalb spielen in ihr die Phantasien dabei die entscheidende (und aussagekräftigste) Rolle, auch wenn sie meist sehr verklausuliert (also in ihren Bildern so gut wie nie 1:1 mit der Realität übereinstimmend) auftreten. Onanie und Homosexualität liegen deshalb auf einer seelischen Grundlinie, auch in der kindlichen Verletztheit, wenn sie sich meist dann doch noch deutlich unterscheiden.

*Dies wird häufig ebenfalls mißverstanden und kontraproduktiv, weil durch Unmännlichkeit quasi Männlichkeitsidentifikation hervorgerufen werden soll - wenn vom Vater verlangt wird, er solle "körperlich zärtlich" sein. "Vater ist Wort!" Hier von "Umarmung" zu sprechen ist nicht mehr als eine Metapher. Die wahre Umarmung des Vaters, das Hineinnehmen und Einbergen in seine Identitätssphäre, ist geistiger Natur und muß deshalb sogar (im Wesentlichen; natürlich gibt es Ausnahmesituationen, man muß also auch keine Phobie entwickeln) körperlich distanziert bleiben. Vielfach kann sogar beobachtet werden, daß mehr und mehr ein Vaterbegriff auftaucht, in dem der Vater auf die Weise der Mutter Bindungsidentität herstellen möchte - und dabei erst recht die Identitätsbildung stört, weil das Kind Hinausstrecken auf den Geist (Verobjektivierung der Welt - in den Geist - ist ein Prozeß der Herauslösung aus dem amorphen Körperlichen der Materia DURCH bzw. IN FORM zum Objekt der Erkenntnis, und damit zur Freiheit) gar nie erfährt und damit in seiner Haltung "weltlos" wird. 

Er erfährt Welt nur als Eingliederung von allem ins Mütterliche, erfährt Welthandeln als Verschmelzen zur amorphen Materia (also: als Formauflösung). Damit wird ihm alles Darüberhinausliegende mehr und mehr zur Bedrohung, und genau das erleben wir heute auch als Massenphänomen. Denn der körperliche Identifikationsprozeß ist wesentlich die Geschichte eines Menschen mit der Mutter. Menschwerden heißt aber, von ihr weg (als der eine Pol) auf den (unkörperlichen, objektiven) Geist hin zu gehen, als Spannung zum anderen Pol. Mit je einer polaren "Reinheit", Proprietät, und zwar als je Mann und je Frau, die man je nur durch die polare Idee ist bzw. immer neu werden muß.

**"Ins Bewußtsein steigt als Bild, was in der Tiefe der Seele fehlt." Im "Theater des Bewußten" wird es vergegenständlicht, wird sinnlich-reales Geschehen (das in seinem unsichtbaren Grund genau die ontologische Problematik anzeigt!) damit identifiziert bzw. in Umdeutung zu einem Geschehen konstruiert.




*060716*

Montag, 6. Oktober 2014

Wirklichkeit ist immer zeitlos (2)

Teil 2) Der Traum, Alkohol und Masturbation




Was aber im Zeitlosen bleibt, hat keine Gestalt, und es ist deshalb nicht (direkt) sinnlich erkennbar. Das im Traum "Gesehene" ist also das aus der unbewußten Phantasietätigkeit zum nur Gefühlten Hinzugefügte. Das Wahrgenommene wird durch das Gewußte ersetzt, sieht man von jenen Bereichen und Fällen ab, in denen sich die reale Alltagswelt - als Geflecht von Gestalten, von realen Körpern, und damit von Zeit und Raum - bereits einzumischen beginnt. (Der Mensch bleibt ja auch im Traum realer, auf einem Bett, in einem Zimmer etc. liegender Körper.) Deshalb werden die meisten Träume wie in der Dämmerung wahrgenommen, in der sich ja jeden Tag neu die Welt auszublenden beginnt.

Umgekehrt braucht der Mensch dieses ungehemmte Aufsteigen des in ihm Wirkenden, das sich nur sichtbar machen kann, wenn es sich an den Strukturen der Persönlichkeit im Wachsein, eingebunden in dieses Weltgeflecht, vorbei zur Kenntnis bringt. An ihrem Ort, zu ihrer Zeit. Denn jedes Alltagsgeflecht ist immer mangelhaft. So tritt er mit einem Paket an Erfahrenem als Aufgabe im nächsten Aufwachen in die Welt hinein - als Welt, und als Aufgabe. (Schlafentzug wirkt deshalb direkt dissoziierend.) Als einer der Pole, zwischen denen sich Menschsein erst vollziehen kann. Hier hat jede Kulturdroge (in gewissem Sinn, zumindest in ihrer Intention, auch Zustände wie Trance) ihren sehr berechtigten, ja notwendigen Platz.**

Aber die Welt des Menschen ist Gestalt. Der Mensch träumt also immer im Rahmen seines Seins, im Rahmen seiner wirklichen Wirklichkeit, in ihren Berührungspunkten mit der begegnenden wirklichen Wirklichkeit. Traum ist deshalb Gespräch.
 



**Sieht man von möglichen Ausnahmefällen ab - dem VdZ fällt hier nur höchste Heiligkeit ein - ist deshalb zu Vorsicht vor allen jenen geraten, die jede Kulturdroge, deren Wesen Steuerung und rechte Platzzuweisung ist, strikt ablehnen. Fanatismus ist nur eines der Gesichter, die solcher Puritanismus zeigt. Aber erst in dieser (temorären) umhegten Selbstauflösung kann sich Neues zeigen und geboren werden. Deshalb ist der kultische Wert des Weines, wie er alle Kulturen zu allen Zeiten kennzeichnete, mehr als logisch. Ohne diese temporäre, partielle Selbstauflösung kann Kultur gar nicht geschaffen werden, sie bleibt ein immer enger werdendes menschliches Konstrukt. Das Weinverbot im Islam erzählt also eigentlich viel mehr, als manchem lieb sein mag, und beleuchtet vieles an seiner Geschichte.

Gleichzeitig erhellt sich aus dieser Perspektive viel über den Alkoholiker. Der meist schon aus Disposition der Schwäche, der fehlenden seelischen Spannkraft (und hier soll nicht von "Schuld" gesprochen werden), das Alltagsgeflecht in einer selbst getragenen Ordnung nicht zu ertragen vermag. (Das gilt auch für Zeiten starker Bedrückung, die die normale Fassungskraft überbeanspruchen.) Wie im Fall des Drogensüchtigen noch deutlicher wird, schwächt er so Disponierte oder Präparierte aber damit erneut seine Fassungskraft, und gerät in einen spiralförmigen Abwärtssog. Sinngemäß gilt dieser Hinweis natürlich auch für Partialspannungen (man denke an die Masturbation, oder an ungehemmten Sex, logische Folge eines Zerfalls der Repräsentationskraft von institutionalisierten Partnerschaften, bei gleichzeitig hohem und vom Einzelnen zu wenig verhinderten Niveau an Anregung - auch das eine spiralförmige Bewegung). 





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Sonntag, 5. Oktober 2014

Wirklichkeit ist immer zeitlos (1)

Der faszinierendste Aspekt des Träumens ist, daß in ihm die Wirklichkeit der Welt zur Reinform kommt. Denn wenn im Traum Sprünge über Raum und Zeit keine Rolle spielen, so zeigt sich darin das wirklich Bewegende: als immer Gegenwärtiges, Wirkendes, zeigt sich das Wesen der Wirklichkeit.

Während sich im Alltag, im wachen Bewußtsein, die Verflechtung an das Hintereinander zeigt, das sich jeweils einen Raum schafft bzw. diesen hat. Dort muß es im Nachdenken, im Durchdringen des Vereinzelten auf seine Grundzüge reduziert werden, um so zur Wirklichkeit von Geschehnissen zu gelangen.

Darin liegt das Wesen der dramatischen Dichtung begründet. Die genau das tut. Und damit die Welt der zeitlich und räumlich gebundenen Erscheinungen auf das Ihnen zugrundeliegende führt, das an sich keine Zeit und keinen Raum kennt. Sich aber zur Gestaltwerdung in diese hinein entfalten muß. Ohne diese Auseinanderfaltung gienge es nicht. Aber in ihr zeigt sich nur jeweils im Ringen und Anpochen, was zur Reingestalt kommen will. Das Drama legt es frei, stellt es dar, als Ergebnis des Ordnens der zuerst wie freie Assoziationen auftauchenden Einzelerscheinungen, die sich erst in Teilbündeln finden, ehe sie zum Insgesamt zusammenfaßbar weil im Einzelnen vom Einzelnen geläutert werden.

Spiel der Assoziationen wie im Traum. Dem allerdings die konkrete Gestalt fehlt, der im Gefühl bleibt bzw. aus diesem auftaucht. Der Punkt, von dem aus die andrängenden, jeweils aber zeitlosen Wirklichkeiten geordnet und gereiht und bewertet werden können. Im Traum zu verharren würde deshalb heißen, die Welt zu verlieren. Eine Erscheinung, wie sie in extremis dem Schizophrenen eigen ist. Und sämtlichen (auch temporären) Dissoziationserscheinungen, etwa im Drogenrausch, aber auch dem (immer entwicklungsbedürftigen) Kind* vergleichbar. Als Unfähigkeit zur Gliederung in Sinn, die heute in so mannigfachen Formen auftreten, als Folge der Auflösung (bzw. Verweigerung) der Identität. 



Morgen Teil 2) Der Traum, Alkohol und Masturbation



*Nur insofern kann man von der Wahrheit des Kindermunds sprechen, und insofern spricht man auch von der Wahrheit des Berauschten. Denn natürlich kann diese Ungeordnetheit, in der sich diese äußern, sogar verborgene oder verheimlichte Wahrheiten - als Hilfestellung - ans Tageslicht bringen. In allen Gefahren, auch jener, ein vorhandenes Interpretationsnetz zu sprengen und den Menschen erst recht in Unordnung zu versetzen.

Anderseits zeigt es Unreife von Persönlichkeit, Werkunfähigkeit, solche frei aufsteigende Assoziationen oder Antriebe ungeordnet abzusondern. Vieles also, was man heute zurecht als allgemeine Unhöflichkeit beklagt - und es ist längst eine allgemeine Erscheinung - ist in Wahrheit Vorstadium zu einer dissoziativen Persönlichkeitserkrankung. Es ist tragisch und Folge von Dummheit, daß diese Erkrankung (in egal welchem Stadium) heute sogar oft noch als "(Hoch-)Begabung" dargestellt wird.




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