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Sonntag, 25. September 2016

Die Frau, die dem Mann die Erziehung entzieht

Es ist eine Premiere, an dieser Stelle "Promi-Tratsch" zu besprechen. Aber die medial hochgekochte Scheidung von Brad Pitt und Angelina Jolie hat einen Aspekt, der zumindest so wie er sich in der medialen Erzählung abbildet der Schlüssel zu dieser ganzen Geschichte sein könnte, wie er möglicherweise Brad Pitt nicht oder nur zum Teil bewußt ist. (Denn an seinen großen Intellekt kann der VdZ, der ansonsten hier gesteht, ihn für einen der besten Schauspieler des Films der Gegenwart zu halten, nicht wirklich glauben.) Aber vielleicht ist es der Beginn zu einer Geschichte der geistigen Freiheit, deren Dimension Pitt mit Gewißheit erschrecken würde, kennte er sie schon. Eher aber ist davon auszugehen, daß ihm das begriffliche Inventar dazu bestenfalls am Totenbett tabufrei genug zur Verfügung steht.

Denn da wird in den Medien erzählt,  daß Angelina Jolie "seine Erziehungsmethoden" nicht akzeptieren wollte. Da wird erzählt, daß sie seine Art mit den Kinder umzugehen nicht mehr tolerieren könne. Da wird erzählt, daß sie ihm den Einfluß auf die Kinder entziehen habe wollen. Deshalb habe sie die Scheidung eingereicht. Freilich, unter Anführung von handfesten Gründen - er nehme Drogen, saufe regelmäßig, und habe außerdem Hurenhäuser besucht. Aber es war auch zu lesen, daß er "die Kinder angebrüllt" habe.

Nun wollen wir so gut wie nichts glauben, was die Medien über diese Sorte von Prominenten berichtet. Die in dieser Kategorie eigene PR-Manager haben, die sie Öffentlichkeit auch mit recht privaten Geschichterln versorgt, die alle einem großen Plan dienen: dem in der steten Erinnerung zu bleiben. Da werden also auch ganz bewußt "Indiskretionen" lanciert, Scheidungsgerichte behauptete, oder Versöhnungsepisoden erzählt, von denen die Betroffenen manchmal nicht einmal etwas wissen. Aber das nur nebenbei geflüstert. Wir wissen also nicht, ob es sich mit diesen beiden tatsächlich so verhält, wie es in den Medien verlautet wird, und wir werden es wohl auch nie erfahren, es sei denn durch eine wirklich gute Autobiographie. Aber dazu ... siehe oben. 

Die Gottesanbeterin und ihré Beute - Bildrechte irgendwo in Hollywood
Bleibt noch die Schilderung des Eindrucks, daß sich die beiden - aber vor allem Frau Jolie - ihre "Familie", ihr "gelungenes Leben" zusammengekauft haben. Und das hatte schon einmal sehr viel von Gewalt, durch Simulation einer Ordnung, die gegen die Naturordnung war. Als dem Sein ins Gesicht gestemmte Faust, sozusagen. Denn der Mensch am Thron der Welt bestimmt auch das Schicksal des Brustkrebs.

Zum Beweis eines gelungenen Lebens haben sie sich eine Welt voller Accessoires vollgestellt, deren Preisschilder manchmal bis zum gegenwärtigen Crash noch nicht einmal abgemacht waren, die das belegen sollen. Ein Sein gegen alles Sein. Ein Sein der Wortschleier, eines inszenierten Stückes. Nur - kein Schauspieler kann auf Dauer ein und dasselbe Stück spielen, wenn er denn Schauspieler ist. Irgendwann meldet sich etwas ganz Eigenartiges ...

Aber auch das ist heute ja sehr üblich geworden, ja manchmal könnte man den Eindruck haben, daß diese junge Generation überhaupt nur noch aus Einkäufern von Lebensaccessoires besteht, die ein schönes Bild zusammenramschen, das nur leider kaum von der Realität belastbar ist. Die beiden waren voll im Trend, ja haben diesen Trend mit befestigt. Es wäre interessant zu erheben, wie viele "normale" Paare sich ihr Leben nach diesem Vorbild zusammengekauft haben oder gerade dabei sind, es sich zusammenzukaufen. Der VdZ behauptet: 90 Prozent der heutigen Jungen.

Also muß Realität - dieser Schrecken - ferngehalten werden (z. B. wie Jolie es tat, oder wie Kinder es tun, die ihre Eltern als Eltern auflösen, zu Kumpels oder zu "Fällen" machen, oder eine formelle Eheschließung als Accessoire fürs PR-Album sehen). Hier wird jede Realitätsbegegnung "schuldig" an einem Scheitern, denn jeder Wirklichkeitseinbruch kann solche Szenarien scheitern lassen.

Der heutige Mensch ist eben ein Bunkerwesen. Meter von Beton und luftdichte Schleusen halten Wirklichkeit - den Schrecken der wirklichen Wirklichkeit - fort, halten jede wirkliche Reaktion fern, soweit wir noch in der wirklichen Welt eine Reaktion ausgelöst haben. Man beginnt einen Krieg, und dann verkriecht man sich im Bunker, der vor den Bomben der Feinde - vor dem Schrecken - schützt.

Seine Innenräume sind mit allem nötigen Gezeugs vollgestellt, das soll reichen (und tut es scheinbar sogar manchmal) solange der Traum eben zu reichen vermag. Die Welt draußen (längst zu einem Netz der Scheinwirklichkeiten ausgebaut, ja das ist sogar, was wir als globalisiert bezeichnen: Eingliedern in diese Scheinwelt; mit "Weltläufigkeit" oder Universalität hat die heutige Globalisierung nicht das geringste zu tun) wird über Joystick und Bildschirmwischen bewegt.

Daß diese Welt voller Accessoires Scheinwelten sind darf vor allem nicht erwähnt werden, denn es ist eines: Schrecklich. Diesen Lebenswelten ist alles, was Sein ist und hat, existentiell bedrohlich.* Die Bewegung ist also umgekehrt: Diese Pseudowelt muß immer weiter ausgebaut werden. Was immer noch wirkliche Welt ist muß entfernt werden, ist Opfer einer immer lückenloser beherrschten Haltung der Ignoranz.

ALLES SCHÖNE, GUTE, WAHRE, ALLES WIRKLICH WIRKLICHE IST ABER AUCH SCHRECKLICH

Was wir hier zu sagen haben ist also eigentlich vom Fall Pitt-Jolie fast unabhängig. Aber der Satz, auf den es uns hier ankommt, und der sich aus der medialen Kampagne auf jeden Fall als übergreifendes Abstraktum herausdestillieren läßt, ist zu klassisch und zu aktuell. Er lautet: 

Die Frau entzieht dem Vater die Kinder, weil sie nicht will, daß sie zu dem werden, zu dem er sie erziehen möchte.

Damit sind wir nämlich beim Kardiogramm der Gegenwart, denn das ist das Schema der Gegenwart in fast allen Bereichen. Denn mit der Wirklichkeitsflucht verbunden ist auch der Ausbau der Gegenwart zum System der Schreckensvermeidung - und Väter SIND schrecklich. Sonst sind sie gar keine Väter. Ja, ohne Schrecken gibt es keine Welt sondern nur Schein. Traum. Film.

Schon gar wird das belegt, wenn man den Hintergrund dieses Falles beizieht. Wenn sich etwa Angelina Jolies "humane Aktivitäten" in den letzten Jahren entfaltet haben. Die sie als Botschafterin alles dessen zeigt, was der Wahn der Gegenwart eben so an Accessoires einer Scheinwelt hervorwürgt. Was bis zu einer "präventiven Brustamputation" reichte. (So nebenbei: Als könnte man dadurch tatsächlich "vererbten" Krebs verhindern.)

Nun stellen wir noch einen Brad Pitt auf die Zutatenanrichte, der redlich versucht hat, diesem Irrwitz der Wirklichkeitsferne sein Selbst als Opfer darzubringen. Die sogar von ihm verlangt hat, auch das noch nebenbei, sich seine Frau als Frau und Gestalt "zu imaginieren".

Und nun mischen wir das alles mit der Tatsache, daß auf Dauer kein Mann seinen Antrieben zur Verantwortung entkommen kann. Sie gehört zu seinem Wesen - anders als bei der Frau, die nur Heurismen hat, die man fälschlich für Denken hält, weil sie die gleiche Nominalform aus Sprachingredienzien aufweisen.

Das heißt aber, daß jeder Vater über kurz oder lang an die Gesetze der Vernunft gepreßt wird. Es ist nur eine Frage der Zeit, denn die Paradigmen der Gegenwart, wie der Mensch denn sei, und wie er also zu erziehen sei, kollidieren über kurz oder lang mit dem Wesen des Mannes. Im ersten Schritt beginnt er zu ahnen, daß hier etwas (mit den Kindern) nicht stimmt. Im nächsten beginnt er davon zu sprechen, um im nächsten zu schreien zu beginnen ... Hat er aber die nominelle Macht (als Gewalt) nicht (mehr), hat diese formell die Frau, ist er also depotenziert, muß er auf jeden Fall unterliegen, läßt er nicht die Kastration am lebenden Leib zu. Was nur wenigen gelingt, es sei denn, sie besaufen sich täglich. Denn spätestens hier setzt die Frau ein. Und wirft den Unpassenden, Unliebsamen, der die Kinder objektiviert und ihr damit entfremdet (genau das IST aber Vatersein und Menschwerdung), hinaus.

Ach ja, und dann wird es noch rasch "objektiviert". Er sauft. Er brüllt. Er schlägt. Er hurt. Man muß ja Angst vor ihm haben.**

Und schon haben wir ein gut durchgekochtes, exemplarisches Scheidungsdrama in allen Farben, fertig, es am Tablett zu servieren. Als Zutat gibt es Kinder, die unter der Glocke warmgehalten werden, damit sie sich nicht zur Gestalt erheben müssen - was ja eine Entfremdung von sich selbst bedeuten würde. Was bedeuten würde, daß man sich aus der amorphen Muttermasse zur Freiheit schöpferischen Selbtseins - was auch Gewalt bedeutet, durchaus, denn nichts wird ohne die Gewalt der Weltprägung, der der Frau den Schmerz der Geburt zufügt - erheben müßten, in der sie auf ewig schmerzfrei hingeklatscht bleiben. Und haben sie dort nicht alle Willkür als ersatzhafte Illusion von Freiheit, ohne aber Gefahr zu laufen, vom Tablett "Mutter" zu fallen? 

Soviel zur schöpferischen Selbstermächtigung der Frau. Und soviel zum babyschlaufentragenden Hoffentlich-nicht-nötig-Mann.

Daß das, was Brad Pitt und Angelina Jolie vor zwei Jahren in der Kapelle ihres südfranzösischen Anwesens zelebriert haben mit "Ehe" nichts zu tun hatte, muß man nicht extra erwähnen. Insofern haben sie mit ihrer "Eheschließung" vor zwei Jahren etwas herbeiprovoziert - gewissermaßen am "Baum des Schicksals gerüttelt", die Wahrheit des Seins wörtlich herbeigerufen, und die hat für Nicht-Geordnetes etwas sehr Schreckliches -, was aus diese Sicht recht interessant ist. Und die Geschichte trefflich abrundet.



*Musterbeispiel dieser Scheinwelt, in der es gar kein "anderes" mehr gibt, ist ... die Groteske um die "Welcome Refugees"-Bewegung. Man lasse sich doch nur nicht täuschen! Und erinnere sich etwa an die Bilder der Migrantenbewillkommner an den Bahnsteigen, die mit "Fremden" zu tun hatten, die nur in den Innenflächen ihrer Brillen vorkamen. Die mit dem wirklich Fremden, das da ankam, überhaupt nichts zu tun hatten. Die sprengten später jedes Fassungsvermögen, und für viele geht die Realitätsverweigerung bis heute ungestört weiter. Sie sind genau NICHT die, die das "andere" anerkennen, dem sie sich offen stellen. Vielmehr sind die, die es ablehnen oder fürchten jene, die es "als anderes" tatsächlich erkennen!

**Wer als Mann nie erlebt hat, daß man vor ihm Angst hat, war nie Mann. Denn ALLES SCHÖNE, ALLES GUTE IST AUCH SCHRECKLICH und furchterregend! Die Zahl der Männer, die diesem Erlebnis nachlaufen, noch mehr die jener, die es zu simulieren versuchen, ist Legende. Ganze "Kulturen" werden davon gespeist. JEDE ZEIT VERSINKT IN HÄSZLICHKEIT und damit ins Nichts, WENN ES NIEMANDEN MEHR GIBT, DER SCHRECKLICH ZU SEIN - eben: weil schweigend Gestalt zu sein, nicht im Schein zu reden! - WAGT.






*210916*

Samstag, 14. Februar 2015

Filmkritik "Unbroken"

Mit einiger Spannung hat der VdZ sich Unbroken angesehen, das neueste Filmprodukt aus der Regiehand von Angelina Jolie, und mit viel Pomp und Trara, wie üblich, angekündigt. Sogar zum Papst fuhr die Holde, um ihn in einer Privatvorführung vor dem Kinostart zu informieren.
Das postwendend erfolgte Lob des Vatikan ließ bereits einiges befürchten. Und leider erfüllt der Film diese Befürchtungen. In dem man 2 1/4 Stunden absolviert, ohne ein einziges mal berührt zu werden. Denn berührt ist etwas anderes als vielleicht betroffen, oder erschreckt.
Dabei ist es doch eigentlich eine tragische Geschichte, die durchaus etwas hergeben könnte. Der amerikanische Olympiasieger im Laufen, Zamperini, gerät nach der Notwasserung seiner Maschine in japanische Kriegsgefangenschaft. Und erlebt dort die Hölle, weil sich sein ehemaliger Laufkonkurrent als Lagerkommandant ganz besonders um ihn kümmert, um ihn zu brechen.  (Warum eigentlich? Schon das bleibt nicht nachvollziehbar.)
Aber alles zerfällt in Episoden, die linear hintereinandergereiht noch keine Geschichte ergeben. Nichts entwickelt sich logisch, sodaß eins aus dem anderen käme. Reicht es für einen Film zu sagen, daß "die Geschichte halt so war", und rein aus dem Durchhalten des Helden ihre Berechtigung schöpft, dargestellt zu werden?
Genau das glaubt der VdZ eben nicht, selbst wenn man im Einzelnen und jedem Detail sagen wird können: Ja, das war GENAU SO. Aber es war eben nicht GENAU SO. Denn dazu könnte man nur Wirklichkeiten heranziehen. Wenn man es aber an "Tatsächlichkeiten" festmacht um dann zu sagen: so sei etwas gewesen, dann hat man über die Sache einfach nicht genug nachgedacht. Weil man den springenden, den dramaturgischen Punkt nicht gefunden hat. Wieviel hätte man dann aus diesem Thema machen können!
Und tatsächlich ist der vermutete oder angebliche dramatische Punkt völlig untergegangen. Wenn man in der "Realität" nichts findet, sagen wir: alle haben Pokerface aufgesetzt, um sich nicht zu verraten, dann muß man halt genauer suchen, und andere Ansatzpunkte finden, in denen man das wirkliche Geschehen, die wirklichen Konflikte, die immer hinter dem Außen stehen, aufreißen kann. Denn die gibt es ohne jeden Zweifel, weil alles Handeln der Menschen entweder Fuge oder Sonate ist Entweder also findet man den Konflikt, der eine Handlung, die ihren Weg der Läuterung geht, konstituiert - als Sonatenform, als Drama. Oder man bleibt bei der Entwicklung eines Themas in Variationen, was aber nur kurze Zeitspanne verträgt. Nur: Poesie als tragende Wirklichkeit findet sich im Film nicht. Und zwar deshalb, weil dem Film das Unsichtbare fehlt. 
Wer alles zu zeigen versucht, macht nichts mehr sichtbar.

Die Darstellung der Brutalitäten hat deshalb zwar "hohe naturalistische Qualität", erschrickt aber höchstens, bis man sogar abstumpft. Sodaß man die vermutlich als Wende - das war er wohl, der dramaturgische Punkt - dargestellte ultimative Brutalität nur noch zur Kenntnis nimmt. In der der Schauspieler sich übrigens endgültig lächerlich macht, man kann seine Reaktion nur seltsam und befremdlich finden. Das wird auch nicht besser, schon zuvor nicht, durch die zahlreichen Rückblenden, die eine charakterliche Disposition darstellen sollen, die nicht einen Moment greifbar, also nur behauptet wird. Darauf baut aber dann der vermutlich gemeinte dramaturgische Punkt auf.
Spannend wird der Film höchstens in einzelnen Szenen von je ein paar Minuten, und auch da selten, man weiß ja, wie es im Ganzen ausgeht, und das vergißt man auch nicht. Dieses Ankleben am Historischen, am Gewußten auszuhebeln, sodaß man mit dem Helden mitfiebern würde, gelingt nicht einen Moment. Aber das ist bei historischen Figuren genau das Kriterium der Kunst, anders kann er gar nicht berühren, weil die Identifikationsebene, die "unmittelbare Traumebene" des Films bzw. eines dramatischen Kunstwerks fehlt. Der Held ist kaum je glaubwürdig, so sehr er sich im Einzelnen "einen Arsch abspielt", wie man in Schauspielerkreisen gerne sagt. Seine innere Wandlung zum "Frieden in Gott" (gewissermaßen; es sollte vermutlich darauf hinauslaufen) ist nicht nachvollziehbar. Man braucht Dramaturgie-Kenntnisse, um einzelne Szenen als "vermutlich so gemeint" zu deuten.

Am besten kann gerade noch der Bösewicht gefallen, in der Gestalt eines japanischen Lagerkommandanten. Wenigstens in einigen Szenen, auch wenn im Ganzen nichts an seiner Motivation begreifbar wird. Immerhin aber, sein Mienenspiel bei dieser (vermeintlichen, ultimativen) Wende ist beeindruckend. Da hat man für ein paar Minuten eine Geschichte, eine Seelenlandschaft erzählt bekommen. Figuren an sich werden aber generell nirgendwo in Unbroken lebendig.
Am Schluß, im Nachspann liest man etwa von einem amerikanischen Captain, der angeblich eine so gute Beziehung zum Helden hatte. Der VdZ mußte erst nachdenken, wer von diesen vielen blassen Figuren, die allesamt bestenfalls Staffage sind, die in Konventionen ertrinkt, damit gemeint gewesen sein könnte.*
Dessentwegen Jolie wohl beim Papst war, um ihm den Film in Privatvorführung zu präsentieren. Deutet sie das Thema gar christlich, katholisch? Vermutlich. Und vermutlich dessentwegen hat der Vatikan dann wohl auch sein "Lob" ausgesprochen. Die Zeiten, wo die Kirche (ja, gerade sie, ja nur sie, denn es fällt mit ihrem eigenen Geheimnis, der Inkarnation, zusammen) etwas von Kunst versteht, sind offenbar längst vorbei.
Dabei greift der Film eine Botschaft auf, die es ja in sich hätte: Durchhalten, Hoffen wider alle Hoffnung, hätte man einfach nur sagen können, es hätte dasselbe Ergebnis gebracht. Reine Aussage, reine Behauptung, erlebbar war sie nicht, nur kognitiv als "Schluß" aus dem Ganzen zu ziehen. Dafür hätte eine Grußkarte genügt. Oder eine Twitterbotschaft. Unbroken schafft es nicht, über ein moralisch Gesagtes hinauszukommen. Wobei sich die Unfähigkeit, lebendige Figuren zu schaffen, ohnehin durch das gesamte zeigenössische Film-(und Kunst-)geschehen zieht und die derzeit sogar spannendste Aussage, die eigentliche künstlerische Botschaft - als Symptom allerdings - über die Gegenwart ist.


Und das macht eine positive Rezeption durch die Kirche noch eigenartiger. Denn man könnte dieses "Durchhalten", dieses "Versöhnen", durchaus als Surrogat des "Guten", das in der Nacht gnadenhaft einbricht, als einen dieses ersetzenden Akt der Verzweiflung sehen. Positivistisch "gut", moralisch können auch Atheisten sein. Das macht ihr Leben aber nicht einen Deut wahrer, und möglicherweise in der Endabrechnung auch nicht gerechtfertigter.
Darüber können auch einige Ausflüge in Religion (etwa durch einen Kameraden des Helden) nicht hinwegtäuschen. (Vermutlich soll dabei aber sogar angedeutet werden, wie viel Kraft ein Gläubiger hat, im Vergleich zu einem Nicht-Glaubenden. Man denke besonders an jene Szene, in der die beiden vermeintlich exekutiert werden sollen, und der Held in Tränen ausbricht, während sein Kamerad gefaßt betet. Aber man merkt die Absicht und ist verstimmt. Oder sollte es gar kein Film werden, sondern ein Predigtwerk?

Zum Ärger wird mittlerweile sowieso, daß im Film weltweit in immer perfektere naturalistische Ausstattung investiert wird. Die aber den Bluff verdeckt bzw. ausmacht. Nicht anders, wie es ja auch bei hiesigen Filmen längst Methode ist. Das liegt aber nur an der technischen Perfektion in Maske, Kostüm, und vor allem Computersoftware, mit der Naturalismus inszeniert wird, der aber den Zuschauer noch mehr austrocknet, weil gar kein Erkenntniserleben - das ein schöpferischer Akt des Zuschauers, der eigentliche Akt der Katharsis ist - mehr Platz hat. Aber das nicht alleine: Dieser Naturalismus dient der Verschleierung des Versagens am Thema, durch die Behauptung "es war doch so!". Eben. SO WAR ES EBEN NICHT.
Man muß sich aber freilich schon recht gut kennen, viel Erfahrung haben, um zu unterscheiden, wo man bei einem Film- oder Kunstgeschehen vom Naturalismus plattgemacht wird, oder was am Geglaubten der Glaubwürdigkeit einer dargestellten Wirklichkeit zuzuschreiben ist. Die nämlich NICHT am Naturalismus einfach so festgemacht werden kann, sondern eben nur (!) an der transportieren Wirklichkeit - die aber unsichtbar ist.

Gar auf Spielberg-Sentimentalität (der ja ein Meister dieser Täuschung bzw. dieser Art Film ist, dem auch Unbroken zugeschrieben werden muß) herabgesunken wirkt der Film dann am Schluß, als dokumentarische Aufnahmen des 2000irgendwas noch Lebenden, für den zu interessieren Unbroken einfach nicht schafft, zeigen, wie er die Olympiafackel in Tokyo in unseren Jahren trägt. Wie der Film überhaupt in manchem sehr an jenen Spielberg-Film erinnert, oder war er von jemandem anderen, wer weiß das noch, sie gleichen sich allesamt zu viel ... der ja ein ähnliches Thema vor ein paar Jahren auf die Leinwand gebracht hat. Manche Szenen und Szenerien wirken regelrecht nachgestellt, man hat das Gefühl, sie schon zu kennen. Und wenn schon Naturalismus - der Krieg hörte also einfach so auf? Keine Atombomben, keine Reaktion bei den Japanern, nur ein paar freundliche Flugzeuge über dem Lager, die Cornedbeef abwerfen?
Nein. Ein schwacher Film, der seine Schwäche hinter Opulenz versteckt. Das Prädikat "billiger (dabei gewiß mit gutem Budget produzierter) amerikanischer Propagandamüll" trifft es nicht einmal. Da kann man sich noch für Tom Cruise als Held und Pilot leichter begeistern.

Als fast bösartige Überraschung rundet sich das Erlebnis als Zuschauer allerdings, wenn man im Abspann dann liest, daß die Brüder Coen das Drehbuch geschrieben hatten. Wie das? Deren bisherige Filme waren doch so ganz anders, schon zum allermindesten subtiler und vor allem weit intelligenter? Also muß es wohl an Jolie liegen, die das (sogar als Mit-Produzentin) auf ein offenbar recht bescheidenes Niveau plattgebügelt hat? Oder haben die Coens mal geschlampt, oder sich gar einen Jux gemacht?
Jaja, Preise wird er wohl einheimsen. Es wird genug geben, die sich zum einen gerne täuschen lassen, und zum anderen die patriotische oder ethische Botschaft von der Qualität eines Films als Film nicht trennen können oder wollen. Aber das ändert nichts daran, daß es ein Machwerk ist. "Halte durch dann kommst Du durch" hätte auch auf einer SMS Platz.




*Es scheint ja mittlerweile akzeptierte (weil weit verbreitete) "Lehre" der Dramaturgie zu sein, zwischen (wenigen) tragenden Figuren und solchen, die lediglich "dramaturgische Funktion" haben, zu unterscheiden. Aber das ist ein tragischer Irrtum, und meist einfach Rechtfertigung für ein schlechtes Buch. KEINE Figur darf jemals nur "dramaturgische Funktion" haben, und wenn sie auch nur zehn Sekunden durchs Bild huscht. Keine Figur ist "nur eines Stichwortes wegen" da, mit dem eine Handlung, die sich eben gar nicht aus sich entwickelt, vorangetrieben werden soll. Bis zu jenen Filmen, in denen überhaupt diese Stichwortbringer die eigentliche Dramaturgie behaupten, als Slalomparcours, gewissermaßen, während die Hauptfiguren den leeren Raum zwischen den Stangen füllen.





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Montag, 15. September 2014

Lauter ungültige Ehen

Es ist schon ein wenig seltsam, daß die Kirche - die in ihrem Depositum doch die Wahrheit über den Menschen und damit über die Ehe - und nur sie hat den Gesamtüberblick über die Problematik, zumindest hatte sie ihn einmal ... und hätte ihn damit nach wie vor: aus dem Blick für die eigentliche Verfaßtheit des Menschen - daß also die Kirche nie lauter vor den sogenannten "Eheverträgen" gewarnt hat. Denn zwar entspricht diese Gepflogenheit der modernen Praxis, aber das macht sie nicht weniger dumm und fragwürdig weil widerspruchsvoll. 

Da sprechen zwei Menschen sich einander im "Ja" zu (leiblich, also in aller Konkretion), bis daß der Tod sie scheide (denn nur wenn eine Ehe darauf abzielt, ist sie überhaupt eine solche), und regeln gleichzeitig, was sie tun, wenn sie DOCH auseinandergehen. Wie geht das zusammen, wenn Brad Pitt und Angelina Jolie also regeln, wer in welchem Fall wieviel an Vermögen und Verfügungsrecht über die Kinder erhält?

Gar nicht. Es widerspricht nämlich einem der Fundamente einer Ehe, dem des Willens und des Risikos auf Unauflöslichkeit. Das einen konkreten Halt braucht, und der liegt - so sauer es dem VdZ aufgrund eigener Erfahrung auch aufstößt - in einer Vereinigung des Schicksals. In jeder Hinsicht.

Paare, die sich also vor der Eheschließung auf einen Ehevertrag einigen,  stehen also unter dem dringenden Pauschalverdacht, überhaupt nie eine gültige Ehe zu schließen. Nicht darum kann es für sie gehen, zukünftig die Nicht-Gültigkeit einer geschlossenen Ehe zu beweisen, sondern sie müßten erst einmal die Gültigkeit beweisen. War dieser Wille zur Dauerhaftigkeit im Entschluß erkennbar? War er ernst? Und - wie ist das zu belegen, TROTZ Ehevertrag? Der regelt, daß bei bestimmten Verstößen die Ehe aufzulösen wäre, die das aus ihrer Natur heraus gar nicht möglich  macht? Nur unter solchen Vorzeichen auch ist die Pflicht eines Staates zu verorten, die Ehe zu schützen und zu respektieren. Alle weiteren Implikationen - Offenheit für Kinder, etc. etc. - gar nicht berücksichtigt. 

Sodaß die Feststellung unwiderlegbar ist, nur im Einzelfall zu widerlegen wäre, die Komplexität menschlicher, persönlicher Situationen abzuwägend: Daß eine Ehe, die mit Ehevertrag das Auseinandergehen regelt, prinzipiell ungültig ist. Eine Farce, die man der Umgebung, der Mitwelt, die ja wesentlich die Ehe mit stiftet, zumutet. (Und wenn der VdZ alle die Fälle durchgeht, die er selber als solche per Vertrag geregelte kennt, so ist er in ausnahmslos allen Fällen der Überzeugung, daß deren Ehe nie gültig war.)

Vielleicht wissen das aber Pitt und Jolie ohnehin besser, während sie mit ihrer sentimentalen und ideologisch verbogenen (wie schön dieses österreichische Wort dazu: "verwoadagelt") Kasperliade eine Eheschließung vorgaukeln. Denn beide waren doch bereits verheiratet, wie man liest. Sogar mehrmals. Ihr Theater ist also nichts als die Verschleierung der Polygamie. Das medienwirksam inszeniert allen reicht, die sich längst damit abgefunden haben, daß die Wirlichkeit nicht mehr ist als ein solipsistisches Kopftheater (deshalb die Bedeutung von Photographien, die ja nur so funktionieren).

Mögen sie aber doch der Weltöffentlichkeit diese typisch amerikanische substanzlose Farce ersparen. Und Brad Pitt - als wunderbarer Schauspieler - und Angelina Jolie - ja, auch, gut, eine gute Schauspielerin - bleiben. Der Rest ihrer Spinnereien ist Privatsache. Vermutlich aber treibt die beiden sogar böse Absicht, ihr eigenes Unvermögen (und, der Leser möge verzeihen, wer könnte es einer künstlerischen Seele verdenken, die im alltäglichen Leben herumtappt wie ein Betrunkener, die nur nächste große Aufführungen auf der Bühne, und nur dort, kennt - es hat doch seinen Sinn, daß man Schauspieler nie als normale Glieder einer Gesellschaft anerkannt, ja verachtet hat!) in blanker Überhebung zum Unvermögen der gesamten Menschheit zu erheben. Das Getue um ihre Menschlichkeit nimmt ihnen doch nicht einmal ihr Großvater ab. Das ist nur Futter für die eigene Wahrnehmung längst ausgetrickste Traumtänzer. Also die Mehrheit der westlichen Gesellschaften.

Aber wer etwas so manipulativ und umfassend zu behaupten versucht beweist doch eindringlich, daß er um seine Wirklichkeit besser weiß.

Warum aber sagt das niemand öffentlich?




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Freitag, 9. November 2012

Eine prinzipielle Frage

Kunst schafft Welt der Dinge. Das in der Kunst Dargestellte IST das, was es darstellt. Sie ist also etwas "Erstes" in der Wahrnehmung, geht von einem Eidos aus, und aktualisiert ihn in der (historischen) Gestalt, gebiert ihn. Die Art ihr in der Rezeption zu begegnen, ist nur ganzheitlich möglich, setzt dort an, und verspleißt sich in weltliche Interpretation und Ursache-Wirkungs-Verhältnisse.

Die Frage in der Photographie (und damit im Film) muß sein, wieweit sie überhaupt etwas "es selbst seiend" darstellen, wieweit sie also Gestalt, und nicht einfach Abbild sein kann. Denn sie referiert auf ein reales Objekt, das sie unter bestimmten technischen Richtlinien (worin sich das Problem der Digital- und Analogphotographie enthält), wiedergibt. (Im Medium spiegelt sich also bereits die Art der Wirklichkeitsrezeption, das Medium selbst ist bereits Interpretation.)

Sehen wir bei untenstehendem Photo eine "schöne Frau"? Oder sehen wir "Gezeigtes", indem Gesten, Momente, Belichtungen, Konturen, auf eine letztlich rationale, intentionale Hervorrufung in der Phantasie Bezug nehmen? Das bildliche Kunstwerk kann überraschen, wesentliches Merkmal von etwas Wirklichem. Kann aber ein Photo aus sich heraus - nicht durch Motivwahl, was auch immer - überraschen? Ist nicht seine Überraschung selbst dort, wo wir davon sprechen, nur die Referenz auf einen Aspekt der Dinghaftigkeit, den wir aus anderen Bezirken beziehen. 

Kann, kurz gesagt, die Photographie einer nackten Frau überhaupt etwas anderes sein als ... Pornographie? Die über ganz andere Wirkmechanismen funktioniert, als in einem Gemälde? (Denn in jedem Fall: der Photograph "schafft" nicht das Abgebildete, er kann es höchstens "interpretieren".) Ist das, was uns in ihr begegnet, also schlicht "Faszination", aber nicht Überwältigung von Schönheit? Referiert Angelina Jolie in diesem Bild auf des Betrachters (woanders herstammende) Vorstellung von "Göttin"? Oder IST sie die Emanation einer solchen? Funktioniert deshalb die Photographie überhaupt ohne das, was Walter Benjamin "Aura" nennt - als historisch-intentionales Konstrukt, das Moris Eksteins in seiner erhellenden Untersuchung zum berühmten Fall der Fälschung von van Gogh-Gemälden in "Solar Dance" als Untergang der Dingwelt, zugunsten einer virtuellen Welt (der Propaganda), bezeichnet? Funktioniert ein Photo - ANDERS als ein Gemälde! - nur als "Trigger", um es neudeutsch auszudrücken?

Sind also auch seine kathartischen Prozesse nur virtueller, zweitwirklicher Natur? Begegnet uns hier Eros? oder "Erotizismus"? Sieht Miss Jolie "aus wie", oder IST SIE, was am einfachsten noch durch die Frage aufzuschlüsseln wäre: zerfällt das Bild beim Betrachten in einzelne, für sich stehende Reizauslösungen? Ist gar die Schwierigkeit, diese Ebenen auseinanderzuhalten, schon gar angesichts (bei erotischer Photographie ganz besonders) der Reizstärke (und der Fähigkeit von Teilen des Selbst, sich intentional zu verselbständigen, uns also zu spalten; nicht viel anders verhält es sich bei der "Sentimentalität" als Reaktion, die eine Gefühlshervorrufung ist, keine originäre Gefühlswelt der Begegnung erwachsen) zu verdanken? Aber noch komplexer kann es werden: Wenn Frau Jolie diese Göttin (als Schauspielerin) "darstellt", wieweit kann die Photographie das überhaupt einfangen, mitteilen? Kann Photographie, wenn sie nicht auf sich selbst als Medium referiert, durch Inhalte, durch das Gezeigte, überhaupt mehr als "informieren"? Zeigt also die Photographie "Frau Jolie, die sich - klassisch - als Göttin gibt" wie man sie sich vorstellt, und nicht mehr?


Angelina Jolie - Gesehen bei everyday_i_show
Und: was zeigt das Bild von Catherine Zeta-Jones, das sich hier absichtlich gegenübergestellt findet? Können wir diese oben angesprochenen Ebenen heute überhaupt noch unterscheiden, weil wir die Sehfähigkeiten dafür überhaupt noch besitzen, nicht längst eine andere Art zu sehen - nämlich: gar nicht mehr zu sehen, sondern nur Reize zu rezipieren - gewöhnt sind? Oder liegt an (nur) jener Kraft, die Eros von Sexualität unterscheiden kann? Oder nur an der Motivwahl?

Catherine Zeta-Jones - Gesehen bei everyday_i_show




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