Wenn auch ich mich zur in Österreich unmittelbar bevorstehenden Wahl des Bundespräsidenten zu Wort melde, so tue ich es in der Form eines frommen Wunsches. Denn was ich als Urbild eines Präsidenten sehe und das sich mit dem Bild vom "idealen König" weitgehend deckt, werde ich nie sehen, dessen bin ich mir gewiß. Das wird auch nie durch eine Volkswahl geschehen können, die in der Art stattfindet, wie sie sich wieder einmal entrollt. Und schon gar nicht in einem Land, das sich durch Parteien strukturiert, die miteinander um die Macht ringen und unter Organgesetzen stehen, die eine Aufsplitterung eines Volkes unvermeidlich machen WEIL SO SIND.
Wenn man sagt, daß ein Volk "auf einem, alle einenden Fundament" stehen muß, so möchte ich diese Wahrheit aber erweitern oder spezifizieren. Hugo von Hofmannsthal sagte einmal in einer Rede in München, daß der Sprachraum eines Volkes sein geistiger Raum sei. Daß sich also in der Literatur abbilde, was das Volk von innen her trage und bewege. Noch mehr aber, muß sich im Sprachraum auch der Diskurs abspielen, wo ein Volk immer wieder zu seiner Einheit gelangen können muß - in einem Geist der Eiheit, in Worten die diese in sich bergen,
Denn alles, was als Tagesgeschehen herantritt, stellt eine gewisse Beunruhigung dar. Die muß wieder und wieder in diesem Sprachraum durchgekämmt und auf Wesentiches zurückgeführt werden, das es erst ist, was ein Volk wirklich berühren soll. Denn auch das unterliegt dem Individuum - das was berührt zu beurteilen und gegebenenfalls zuzulassen oder in einem Hygienakt abzulehnen und auszuscheiden.