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Dienstag, 14. Juni 2022

Nicht WENIGER, sondern-MEHR Autos brauchen wir

    Video auf Tichys Einblick
Das ist wenigstens wieder einmal was Handfestes, was in Tichys Einblick zu sehen ist. Nicht dieses seit Jahr und Tag und in mittlerweile unerträglicher Dichte seriverte, längst abgestandene "Gesellschaftskritik"-Wässerchen, das sich schon ein ganz breites Flußbett gegraben hat, in dem die "Kritik" als schlickiger, lehmverdreckter, ungenießbarer und langweiliger Strom dahinzieht, und mittlerweile so gut wie alles zusammenfaßt, was da angeblich die Zeit analysiert, heißt: "durchschaut".

Neues, Konkretes aber hört man nicht mehr, und in den realen politischen Geschehnissen spiegelt sich ohnehin nichts davo wieder, die ziehen irgendwohin davon, leben wie in einer der mittlerweile zahlreichen Parallelwelten.

Dankbar nehme ihc deshalb zur Kenntnis, was hier gesagt wird. Es geht um eines der vielen Ärgernisse der Gegenwart, den Fahrradverkehr als Hauptdarsteller der so zeitgemäßen Kritik am Automobil, und zwar am benzingetriebenen Automobil. Denn während man den Eindruck hat, daß die Meinungs- und Medienlandschaften, die vollgestellt sind mit Hinweisschildern und Mahnbotschaften, eine Realität wiederspiegeln, tun sie nichts dergleichen, sondern erhöhen nur den Erziehungsdruck. Denn was Elite sein will, das erzieht den schmutzigen, miesen Rest der Menschheit.

Mittwoch, 27. Oktober 2021

Gedankensplitter (1356c)

Es gibt aber einen Ausweg. - Es gibt ihn auf dem eigentlich so einfachen, schlichten Weg der Selbstbehauptung. In dem man jede solcher Diskussionen, ob nicht dieses oder jenes veränderte Verhalten "besser", "vernünftiger" (was immer ausschließlicher: irgendeine, und am besten die ganze Welt rettender) verweigert. Indem man darauf besteht, daß man einfach nicht bereit sei, Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen.

Um sich so der einzig wahren Aussortierung von Möglichkeiten eines GEMEINSCHAFTLICHEN (also als Gemeinschaft = nicht pluralistischer Einheit vollzogenen) Arbeitens wieder anzuschließen. 

Die es nämlich gewesen ist, die unsere Kultur bis in diese (so überreich volle, nun also, als Leichnam, fast unerschöpflich auszuweidende) Gegenwart geführt hat.  Und dieses Prinzip ist ebenso einfach wie radikal. Es besagt, daß sich alles in der Erstentscheidung begründet, überhaupt einer Gemeinschaft anzugehören. Die - eiderdautz - gar nicht von einem selbst getroffen wurde. Damals, als man geboren wurde, und von Gott in ein Insgesamt hineingestellt worden ist. 

Dienstag, 26. Oktober 2021

Gedankensplitter (1356b)

Weiter in dieser Art. Bis sich die Themen ziemlich runden, und alles ineinander läuft. - Von einer Organisation von Mitarbeitern im Film (meist schon neudeutsch Crew genannt) habe ich dieser Tage ein Anschreiben erhalten, das manch in den letzten ein, zwei Jahren abgelaufenen etlichen ähnlichen Bestrebungen dem Faß den Boden ausschlug. Verpackt in eine "Umfrage" mit dirigierenden und manipulativen Fragen wie der, ob man "begrüßen würde, wenn es am Set zwar nur noch ein- bis zweimal in der Woche Fleisch beim Catering gebe, dafür aber nachhaltig und qualitativ hochwertig", finden sich gegen Schluß hin Paragraphen, in denen verlangt wird, daß künftig Filmförderungen etc. an diese Bedingung geknüpft werden sollen.

Ich habe ähnliche solcher "Umfragen" - mit denen beginnt es - schon erlebt, zu etlichen anderen Themen, wie "Gewalt am Set" (Set = die Situation an einem Drehort, mit allen Einrichtungen und beschäftigten Personen) oder "Variety = Vielfalt am Set" oder das natürlich unausbleibliche "Gendergerechtigkeitsthema". Sie haben alle mit süßer Stimme als Empfehlungen zu freiwilligem Berücksichtigen begonnen, um dann über "freiwillige Selbstverpflichtungen" zur "von der Branche selbst vorgenommenen Beschränkung" zu schreiten. Und in Gesetzen zu enden. 

Montag, 25. Oktober 2021

Gedankensplitter (1356a)

Im Rennen um Deutungen für den berühmten Buchstaben "G" (in Kombination mit einem Multiplikator) gibt es einen neuen Vorschlag von Leser G (sic!), der auf die Erweiterung: G für "gehirnentleert" hinweist.

Denn, so G, in Anbetracht der Tatsache, wie viele Menschen bereits vollkommen leere Worthülsen zum Normalgebrauch der Sprache erwählen, in Anbetracht der Tatsache, daß die Sprache nur noch als drohend aufgerichtete Keule Verwendung findet, in der mangels Vernunftzugängigkeit der Lebensweisen der Gegenwart nur noch Emotionen - an sich wirkungslos - zu weltgestaltender Wirkung verholfen werden soll, drängt sich diese Deutung von G auf.

Auch wenn ich mit solchen Attributen - die man meist bei jenen hört, die von sich behaupten, daß nur sie überhaupt dächten, sodaß wir in diesem Fall von immerhin rund 99 Prozent der Bevölkerung unserer Länder sprechen - vorsichtig bin, stimme ich Leser G ausnahmsweise zu.

***

Denken ist ein sittlicher Akt. Es ist die Sittlichkeit, die die Paßgenauigkeit jener Gestalt-Bausteine zuläßt und sucht (weil dann findet, also niemals "selber schafft") die in der Sprache dann als "vernünftig", "logisch" und so weiter sichtbar werden. Und darin von jedermann erkennbar wird. 

So nebenbei das sicherste Zeichen dafür, daß die gesamte Welt in ein Fluidum einer lebendigen, interagierenden, personalen (eins seienden, ansprechbaren, uns als Gegenüber identifizierbaren) Wahrheit schwebt. 

Es ist ein gehorsames Ausschöpfen der Sprache hinter der Sprache, die man in die irdischen Behälter der Begriffe gießt, und möglichst so anordnet, daß sie dem Willigen (sic!) den Blick auf das Hinter-allem-Liegende des Wirklichen eröffnet. Und insofern das wirklich Wirkliche "verirdischt" und zur Welt ordnet, die der wirklichen Ordnung entspricht. Und jenem den Weg weist, der sich an der Hand der Gestalt des nunmehr Ausgesprochenen bis zur Schwelle alles Grundlegenden hinführen läßt. Ab hier kann er sich ergreifen lassen. Oder nicht.

Freitag, 24. September 2021

Der Verlust der Welt (2)

Aus dem Sehen wurde das Messen. Aus der Welt wurde ein technisches Gestell, und das Weltall begann wegzufliegen. - Diese Wahl - weg vom Naturforscher, hin zum Scientisten - wurde in ihren Grundweichenstellungen schon im 13. Jahrhundert beginnend, und endgültig in der Renaissance des 16. Jahrhunderts getroffen. Das innere Vorstellungsleben, wie es seit Descartes zum eigentlich Menschlichen erklärt wird, hat überhand genommen, während die Welt und ihre Gestalten verloren gegangen sind. Aus dem Wirklichen der Dinge, die in ihrem in-der-Welt-sein gesehen werden, das bestimmt ist von ihrer Beziehung zur Welt und zu einem selbst, wurde eine "gemessene" Größe und Einschätzung!

Aus dem unbedingten Wahrsein eines "Du bist mir nahe!" wurde ein Abstand von 82 Zentimetern, als wäre das eine Aussage von Wert. Und aus dem "Du bist mir nahe, auch wenn Du weg bist" wurden 700 Kilometer, von denen der eine dann sagt, sie seien viel, der andere also gar nicht nahe sondern fern, weil er 8 Stunden Fahrzeit rechnet (und die Welt der Orte als Beziehungsknoten in Fahrzeiten gegliedert hat), und der andere, der New York zum Wohnsitz hat, findet den Weg von Wien nach Stuttgart einen Katzensprung, zumal er mit dem Flugzeug fliegt, in dem überhaupt die Qualität von Raum und damit die Beziehung zum Zielobjekt zu einem ganz großen Teil buchstäblich verschwindet.

Ich saß in der Kirche und plötzlich wurde mein Blick in die Runde gezogen, zu den Bildnissen, Statuen, zur Muttergottes über dem Altar, der - im Bilde deutlich - aus ihrem Schoß stammt.

Donnerstag, 23. September 2021

Der Verlust der Welt (1)

Er sagt es so sanft, wie es einem wirklichen Wissenschaftler ansteht, voller Ehrfurcht vor der Wahrheit, voller Zurückhaltung, weil man so wenig wirklich fest sagen kann, und voller Dezenz und Feingefühl, weil man niemanden ungerecht angreifen oder verletzen möchte, und am beeindruckendsten: Mit unendlich viel Respekt und Ehrfurcht vor der Natur, die so voller Geheimnisse und extrem komplexer Strukturen steckt, an deren Wahrheitsoberfläche die Wissenschaft nur ganz ganz wenig zu kratzen vermag.

Aber umso überzeugender ist das Lamento, das Adolf Portmann, dieser große Naturwissenschaftler, 1957 in seinem großartigen Buch "Biologie und Geist" wahrscheinlich ohne es zu wollen komponiert. Und in dem er den Schrecken formuliert, der ihn befällt, wenn er die Entwicklung der Naturwissenschaften als Ganzes betrachtet. Das gesamte Bild, der Rang, die Stellung des Naturwissenschaftlers hat sich nämlich seit dem 19. Jahrhundert völlig auf den Kopf gestellt. 

Bis dahin waren Leute wie Humboldt, Linné und wie sie alle hießen auch bloß "NaturFORSCHER".

Sonntag, 26. Januar 2020

Worum es aber geht (2)

Teil 2) Wir erleben alles das ja längst.
Pessimismus als Generationenerfahrung der Enttäuschung. 
Aber keine Verzweiflung.



Und wir sehen es ja. Tagtäglich sogar. Aber niemand wagt in den Mund zu nehmen, was die Hand längst tut. Wagt, die Sache beim Namen zu nennen. Alles das, was hier als "Segregationsmodell" angeführt ist, PASSIERT LÄNGST. Es geht also gar nicht darum, die Dinge neu einzuführen! Sondern es geht darum, diese Entwicklung in den Händen zu behalten, und uns nicht davon überrollen zu lassen. Was nicht aber einfach heißt, daß dann mehrere Kulturen nebeneinander ("friedlich") ko-existieren, sondern daß wir selbst (sic!) zu jener Nebenkultur werden, zu der uns die Geschichte machen wird. Wenn wir nicht endlich den Tatsachen ins Auge sehen. Wir tun es ohnehin längst, ohne es aber zu benennen. Das nennt man Realitätsflucht! Die Migrationsdiskussion ist also weitgehend völlig leeres Gerede, das möglichst vermeidet zu benennen, worum es geht.

So lange aber werden wir uns von solchen Ereignissen wie in Frankfurt tagtäglich neu "überraschen" lassen müssen. Weil wir alle, ausnahmslos, die Augen vor der realen Welt, in der wir leben, schließen. Wo sich unaufhaltbar eine Veränderung der Landschaften, der Staaten und Staatengebilde Bahn bricht, ohne daß wir sie so gestalten, daß wir auch in dreißig oder fünfzig Jahren noch unsere Lebensweise aufführen können. Denn die wird sich, wenn wir nicht den Willen zur Realität aufbringen, nicht nur ändern, sondern uns wird eine neue Lebensweise vergewaltigen.

Vor allem werden wir uns vor einer anderen, sehr realen Gewalt schützen können: Derzeit sind wir durch unsere Vogel-Strauß-Politik, ob individuell oder in institutionellem Rahmen, Opfer jener gesellschaftlichen Kräfte, die die Zuwanderung aus anderen Kulturen dazu benützen, die bestehenden Systeme und Verhältnisse zu zerrütten, weil sie hoffen, davon zu profitieren. Nur bei ausreichend Realitätssinn kann also das Volk dem Griff der Linken (die immer "Menscheviki", also eine Minderheit sind, die um die Herrschaft kämpft) nach der Macht widerstehen.

Mensch heißt immer: Raum. Denn Mensch ist Ort, Knoten von Beziehungen, der dadurch erst Raum schafft, indem er diese Beziehungen aktiv erfüllt. Es streiten also bei Massenzuwanderung Beziehungsknoten.

Aber dann, wenn wir wieder Herr über unsere Zukunft sind (soweit man das sein kann), selbst wenn es momentan schmerzt, weil alte Idealvorstellungen aufgegeben werden müssen (wie die von der Groß-Deutschland-Romantik, auch die übrigens ein Musterbeispiel von langanhaltender Realitätsverweigerung, als Ignoranz der Folgen - und Notwendigkeiten - für Europa) kann man solchen Nachrichten wie die von Frankfurt und dem Bad für Muslime mit Gelassenheit begegnen, ja sich daran sogar "freuen". Weil man weiß, daß wir ohnehin unsere eigenen Räume haben, die integer sind und unsere Räume bleiben.

Die Gretchenfrage wäre dann - und vielleicht ist das Ahnen dieser Wahrheit auch der Grund für die Verweigerung des offenen Blicks - ob wir intellektuell-geistig noch in der Lage wären, so ein System zu konzipieren. Ob wir charakterlich noch in der Lage sind, so ein System zu etablieren und durchzutragen. Alles das bezweifelt der VdZ.*

Der deshalb rät, in ganz andere Richtungen zu denken. Wie wir in einer fremden Kultur und Religion überleben werden können. Wir sehen nicht eine Kultur, die ums Überleben kämpft. Um es so zu sehen, muß man schon längst verderbt sein. Sondern wir erleben einen Zustand nach einer Kultur, von der wir nur noch die Rücklichter in zunehmender Ferne entschwinden sehen. In deren Ruinen wir leben, die wir je nach Belieben mehr oder weniger mit Farbe anklecksen, auf daß sie doch noch "nett" aussieht, und da und dort so tut als ob.

Wir erleben in Wahrheit also einen Zustand, in dem die überwiegende Mehrheit der Menschen in Schockstarre verfallen ist. Aber nicht wegen eines Freibads für Muslime in Frankfurt.

Pessimismus? Gewiß. Pessimismus, was bestimmte Dinge der Weltwirklichung anbelangt. Aber Pessimismus ist nicht Verzweiflung, sondern kommt einer Enttäuschung gleich. Einer Enttäuschung, die wir als Generationenproblem mit uns herumtragen und erfahren. Wie allen Generationen in solchen Umbrüchen, man denke an die post-römische Völkerwanderungszeit. Verzweiflung kann darüber nur der erfahren, der seine Lebensperspektive im Tiefsten entweder an diese Welt, oder an falsche Götzen eines bloß vorgestellten Transzendenten, eines also nicht-realen Gottes gehängt hat.

Aber das, werte Leser, haben wir beide ja nicht, oder?



*Wie wenig wir - damit ist unser Sprach- als Denkraum gemeint - bereits in der Lage sind, unsere Situation zu denken, zeigt dieses aktuellere Video "Wissenswertes" von Dieter Nuhr. Der das Bildungssystem auf die Schaufel nimmt, und in der Detailkritik über 3/4 der Strecke völlig richtig liegt. Um dann - man muß sich das vorstellen! - ein Bekenntnis zum Liberalismus abzugeben. Also genau das fordert, was uns so wehrlos gemacht hat, daß wir bestenfalls "herummeckern" können. Damit ist Nuhr genau das, und nicht mehr: Ein Herummeckerer.




*201119*

Samstag, 23. November 2019

Das Umfassende geht dem Einzelnen voraus

Zu den Objekten der Natur, um die sich besonders leicht Katastrophenphantasien konstruieren lassen, gehören Korallen. Sie sind fest ortsgebunden, und sie haben aus sich heraus nur eine sehr geringe Fähigkeit, sich an verändernde Umweltbedingungen anzupassen, schon gar nicht rasch. Es besteht aber dennoch kein Grund zur Panik, und ihre Fähigkeit zur Regeneration selbst bei größeren Änderungen, die vorerst ihre biologische Tätigkeit beeinträchtigen, ist überall zu beobachten. 

Denn wie jüngere Studien zeigen, sind es nicht die Korallen selbst, die sich anpassen können, zumindest nicht rasch, sondern es sind die Symbiosen, die sie mit Bakterien eingehen. Diese sind es dann, die im Zusammenspiel mit den Korallen Veränderungen bewirken. Sodaß sie auch bei starken (menschlichen) Eingriffen in ihre Biosysteme (wie im Roten Meer) sich recht rasch adaptieren können. Zumindest trifft das Beobachtungen zufolge auf die meisten Korallenarten zu.

Aber vielleicht sollte unsereiner davon gar nicht überrascht sein. Denn wir wissen ja, daß jedes Lebewesen immer in einem umfassenderen biologischen Raum gesehen werden muß, nie nur für sich betrachtet werden kann. Es sind immer Biozönosen, Lebensräume, die ein Lebewesen definieren und in seinen Eigenschaften prägen. Es ist der Ort, und die Fülle aller Wesen rund um das, was sich als mehr oder weniger geschlossenes System präsentiert, in dem etwas Lebendes steht, das es zu sich kommen läßt. Kein Wesen ist deshalb nur für sich denkbar. Es ist immer und notwendig auf seine Umgebung bezogen, und diese auf es.

Ja, man kann und muß sogar sagen, daß es das Ganze eines stets in vielfältigen Schichtungen und Hierarchien definierten Raumes ist, das das Individuum hervorbringt. Wo man zwar nicht naiv von "Harmonie" sprechen kann, aber von Aufeinandergestimmtheit jedes lebenden Wesens sprechen muß. Wo das andere nicht verzichtbar und für sich stehend halt einen Raum ausfüllt, sondern immer aus dem Raum erst begreifbar und in einem unendlich komplexen Zusammenspiel dem Individuellen zum Leben hilft. Das betrifft den Menschen nicht weniger als die Korallen. Auch der Mensch braucht ja Bakterien, andere, fremde Wesen, um überleben zu können, man denke nur an die Verdauung. Der sterile, nur für sich stehende Mensch wäre nicht überlebensfähig. Denn er könnte mit der Welt nicht kommunizieren.

Das Konstituens (Ding) ist nicht ohne das Konstituierte (Raum und Zeit) - Ein Körper kann sich nicht konstituieren, ohne daß er mitseiende Körper hat, die ihm Maß geben.

Hans-Eduard Hengstenberg geht (mit anderen) deshalb so weit, daß er sagt, daß es ohne "Menschheit" keinen "Menschen" gäbe, ohne daß beides je existentiell trennbar wäre. Es braucht die Einheit vor der Individualität! Letztere geht aus der Ersteren hervor, und strebt permanent zu ihr zurück, weil es sonst nicht leben kann. Ja, dieses Streben ist das, was man Leben nennt. Ohne Wahrheit könnte kein Mensch bestehen. Auch wenn die Rückbindung an sie einen geistigen Akt braucht, denn das geht aus der menschlichen Natur (als hierarchisch gegliederte Geist-Seele-Leib-Einheit) hervor.

Denn das Allgemeine, das Universale, das Umfassende geht dem Individuellen ontologisch voraus. Letzteres ist dann lediglich die spezifische Ausprägung des Allgemeinen, die beim Menschen erst und nur über die Individualisierung stattfindet. Die selbst aber wiederum ohne allgemeinen Raum, ohne "Menschheit", gar nicht möglich ist, weil sich konstitutiv darauf bezieht.

Der Autonomismus, in dem der Mensch heute gerne gedacht wird, hat also gravierende, prinzipielle Fehler. Denn es gibt ihn in der vorgestellten (und propagierten) Form gar nicht. Und wo der Mensch entwurzelt, auf sich zurückgeworfen ist, geht er zugrunde. Wie jedes Lebewesen, auch die Koralle. Zum Bestehen als Individuum gehört notwendig das, was das umgebende Lebensfeld (als historischer Raum) zum Einzelnen selbst beitragen kann, soll und muß. Um wiederum es selbst zu sein. Die Welt ist also ein gigantisches Zueinander, das nur "als Welt" besteht, und nur "als Welt" dem Einzelnen Leben ermöglicht.

Doch mache man nicht den Fehler, das nicht nur zu abstrahieren, um es zu sehen, sondern dieses Abstraktum zum eigentlichen Handlungsobjekt des Einzelnen zu machen. Das wäre grundfalsch, weil eine Verdinglichung von etwas Geistigem und damit ein Kategorienfehler. Denn das Allgemeine "ist" nur durch das konkrete Einzelne, es ist also nicht Masse oder Vergemeinung. Es besteht nur real, durch seinen Ort und die Verwurzelung darin, in der sich Indivdualisierung erst möglich macht.

Aber wenn man einmal an diesem Gedanken Blut geleckt hat - die heutige Moral kapriziert sich nur noch auf Zusätzliches, also auf eine Erhöhung der Quanten, in allen Bereichen (man höre alleine eine gendergerechte Ansprache, lese einen gendergerechten Text, der schon durch die ständigen "-innen"-Zufügungen immer länger und alleine dadurch langweiliger wird - sieht ihn recht rasch hinter jedem Basch, äh, Busch.




Freitag, 5. Juli 2019

Welt und Liturgie: Raum durch Schall

Wer über Liturgie und deren Entwicklung spricht, denkt meist in großen Gestaltwürfen, zergliedert die körperlichen Bewegungen, die Riten, die gesetzten Gesten. Und er diskutiert über theologische Inhalte in Texten oder über geistige Konsequenzen architektonischer Räume. Eine Frage bleibt aber immer unerwähnt. Dabei ist sie so entscheidend, daß man es als verräterisch sehen muß, daß sie in der Regel wegbleibt. Und das ist die Frage der Raumbeschallung.

Selbst Verteidiger Alter Riten ignorieren das Thema. Und selbst wer den sogenannten "vorkonziliaren Ritus" (vulgo "Alte Messe") pflegt oder besucht, bedient sich scham- und gedankenlos einer Tontechnik, in der der liturgische Raum bis in die letzten Winkel in Dolby-Surround-Qualität beschallt wird. Damit löst man den Raum auf.

Man kann ja die Kritik der Veränderungen im Kult der römischen Katholischen Kirche nach dem Zweiten Vatikanum auf einen Punkt reduzieren. Als fehlende, verlorene Ausrichtung auf Gott. Es ist ein völlig verändertes Rezeptionsverhalten dem Geschehen gegenüber, das in Selbstoffenbarung des Transzendentalen und Vergegenwärtigung des eigentlichen Erlösungsgeschehens die Gemeinschaft der Getauften - die Kirche - in das Opfer Jesu Christi hineinnimmt, und somit stellvertretend für die Menschen diese in das innertrinitarische Leben eingliedert, sofern die Menschen in Christus sein und bleiben wollen. Der heutige am katholischen Kult teilnehmende Mensch - und das ist die wesentlichste Veränderung, die durchgesetzt wurde - nimmt an diesem Geschehen nicht mehr in erwartender, distanzierter Haltung teil, sondern er wird animiert, diese Erlösung quasi "selbst" durchzuführen. Diese mißverstandene "participatio actuosa" kann deshalb als subjektivistische Wende bezeichnet werden, und sie ist Dreh- und Angelpunkt auch der sogenannten Pastoral. Der Mensch muß sich als Empfangenden begreifen, weil er nur in dieser Haltung an Jesus Christus teilhat. Und dazu muß er sich an Christus orientieren, auf ihn hin ausrichten.

Wenn wir es bei diesen kurzen Hinweisen belassen, dann aus dem Grund, daß der Schall in der Frage der Orientierung und damit jedes Ortswissen nicht nur eine herausragende, sondern die entscheidende Rolle spielt. Und Schall ist die erste Manifestation von Wort, und damit von Sinn. Es ist Grundlage des Denkens (weit über die bloße Rationalität hinaus, die selbst wieder auf einer vorausliegenden Erfahrungsqualität beruht), und es ist die Grundlage des Geistes, ja ist das Material des Geistes. Gerade der katholische Kult ist sogar in seinem innersten Kern eine Realwerdung als Erlösungsgeschehen über das Wort.

Aber anders als die Optik, anders als der Sehsinn, der auf ein vorausgehendes geistiges Interpretat angewiesen ist - ohne Wort, ohne Geist sieht der Mensch buchstäblich nichts - dem oft eine fast ausschließliche Bedeutung beigemessen wird, anders auch als der Geruchssinn, der im Weihrauch oder dem Geruch des Bienenwachses, auch anders als der reine Tastsinn, ist, bei aller Verbundenheit der Sinne, in der alle miteinander verschränkt sind, ist somit das Gehör der entscheidende Schlüssel auf das, was geschehen macht, einerseits, und die Orientierung darauf zu zur Gestalt macht. Und es ist somit entscheidend für das Erfahren der grundsätzlichen Qualität eines Geschehens, und damit für das Urteil, die Haltung diesem Geschehen gegenüber - die Rede ist also vom Raum als erste und umfassendste Orientierung und Realisierung. 

Jenen Raum, der das Wesen der Gestalten erkennen läßt, weil Raum durch Beziehung entsteht und sich erst über Beziehung als geistige Qualität erschließt. Jeder kann es selbst erfahren, daß das Hin-Hören auf etwas mit einer inneren Haltung der Aufnahmebereitschaft einhergeht. Der Mensch beugt sich sogar vor, wenn er etwas genau hören will, und damit versetzt er sich in eine hohe Aufnahmebereitschaft. Es hat somit größte Bedeutung, daß ein Wort nicht nur erklingt, sondern daß der Hörende mit diesem Wort, mit diesem Ton, mit diesem Schall auch den Ort rezipiert, von dem dieser Ton und dieses Wort ausgeht.

Mit einer Beschallung der Kulträume aber nimmt man dem anwesenden Teilnehmer genau das. Der Ton, der Schall, die Musik, das Wort, das er hört, wird ortlos. Es umgibt ihn zur Gänze, und versetzt ihn damit in einen Zustand der Raum- und damit Beziehungslosigkeit zum Geschehen, nach dem er sich nicht einmal mehr ausstrecken muß, weil es im Übermaß zu ihm herkommt und jedes Raumgefühl auflöst. Damit löst es aber auch die körperlich erfahrbare Beziehung zum Gehörten auf. Genau das, was also prinzipiell notwendig ist, um am Erlösungsgeschehen, das im Heiligen Raum durch den Priester in persona Christi vollzogen wird, teilzunehmen - die Orientierung! - wird damit ausgelöscht.

Jede Veränderung von Architekturen, jede Veränderung im Ritus ist unter diesem Blickwinkel gesehen ... deshalb zweitrangig. Weil die erste Orientierung der Gläubigen, die an dem Erlösungsgeschehen teilhaben wollen, über den durch Raumerfahrung verorteten Schall geschieht. Er bestimmt das erste Verhältnis zum Quell des Tones, der Liturgie. Schlimm genug sind die Volksaltäre, ist die durch sie bewirkte veränderte Grundaussage. Schlimm genug sind die veränderten (im Wesentlichen aufgelösten, verdunsteten) Riten selbst. Aber all das bleibt noch weitgehend potentiell und nicht aktualisiert, wenn das Gehör die Grundorientierung vorgibt - als Ausrichten auf das Geschehen selbst. Das sogar durch die Dichotomie Kult/Worte und Volksgesang eine architektonisch bedingte Grundbestimmung ergibt, in der sich der Teilnehmende (das Volk) vorfindet. 

Wenn man all die sonstigen architektonischen Veränderungen zu Recht kritisieren kann, die noch bedeutender einzuschätzen sind als die Veränderung in den Riten selbst (die so gesehen sogar relativ gering ausgefallen sind), die Raum brauchen und damit der Erkenntnis Beziehungen darreichen, so ist insgesamt die unselige Entwicklung in der Tatsache festzumachen, daß sie immer raumloser wurde. Real aber wird etwas immer erst IM Raum und DURCH den Raum. Sämtliche Veränderungen der Liturgiereform sind als Auflösung von Raum charakterisierbar. Sämtliche Entwicklungen, die man als Auflösung unserer Kultur bezeichnet, sind ... Probleme des Schalls. 

Das Übel setzte an, als Schall zum akustisch-technischen Problem, und Hören zur ins Subjektive eingeschlossenen Ästhetik wurde.

ABER diese Entwicklung hat bereits Jahrzehnte zuvor begonnen, und zwar ganz real. Sie hat in dem Moment begonnen, wo man begann, in den Kulträumen Tonanlagen einzubauen, Verstärkeranlagen zu installieren, Mikrophone zu verwenden, und damit den Raum als erlebbare, formende Größe aufzulösen. Damit haben wir durch eine technische Entwicklung unsere Religion protestantisiert, das heißt: spiritualisiert und entkernt. Und die Erlebensqualität zur psycho-genetischen (also aus der Psyche entstehenden weil hervorzubringenden) Frage gemacht, und damit das Wort ins Rationalistische ausgetrocknet.

Am Beginn stand nicht einfach nur der logos. Am Beginn, werte Herrschaften, stand ... der Ton. Denn er ist die Gestalt des Wortes, und erst DAMIT Welt und Schöpfung. In ihm liegt alles, liegt das Wesen der Welt, das eine Entelechie des Wortes, des logos ist. Im Wort, im Ton wurde somit auch die erste Grundkonstellation ("Himmel und Erde") zur Weltqualität. Als Gott sprach - sprach! - es werde Licht, war dieses Licht deshalb zugleich der Schall, der Ton, den er ausbrachte, weil er damit die Scheidung von Himmel und Erde zur Welt machte. Daraus ist dann alles weitere hervorgegangen, auf ihm hat alles weitere aufgebaut, und was immer später kam - es zielte auf diese erste Konstellation ab. 

Was die Antike noch sehr gut wußte, wofür die Tempel bis hin zu den Pharaonen und ihren Pyramiden Zeugnis ablegen, ist bei uns offenbar in Vergessenheit geraten. Daß nämlich die Architektur die erste und alles weitere umfassende Kunst ist. Und damit hängt in seinem tiefsten Wesen zusammen, daß die Rhetorik der Antike die erste, einzige, umfassendste Bildungs- weil Formungsquelle war. Denn der Ton als innerste Qualität des Wortes - die Musik erzählt es doch ganz deutlich! - ist die erste Ikone des logos. Denn der Ton ist das (fast bzw. zum Teil sogar) sakramentale Symbol jener Urbilder, denen gemäß die gesamte Welt als Beziehungsraum erst zur Welt wurde.

Und auf dem Schall baut deshalb auch die Liturgie, der Kult auf. Er erfüllt weil erschafft im Hörbaren alle weiteren Riten, er tut es durch die Offenbarung von Raum, und damit auch von jenem Ort, an dem Gott uns hingestellt hat, und der unser Ort ist, an dem und durch den wir uns heiligen sollen. Wenn wir aber die Kulträume durch den künstlich verbreiteten Schall ent-räumen, entziehen wir allem weiteren Erkennen den Boden, und nehmen dem Menschen die Grunderfahrung der Welt, die Ort ist. 

Wenn wir die Kirchen also wieder "ent-schallen", das heißt alle diese das Erkennen so überschüttenden, stumm und stumpf machenden Verstärkeranlagen wieder entfernen, werden wir ein wahres Wunder an Wieder-Aufkeimen des Glaubenssinnes erleben, dessen kann man sicher sein. Es ist kein Sekundärproblem - es ist das erste Grundproblem der Ent-Religiosierung der Menschen, die wir erleben. Und auf ihm bauen sämtliche weiteren, sogar die kulturellen/zivilisatorischen Probleme auf, die sämtlich im Umgang mit dem Ton als raumschaffende Wirklichkeit begonnen haben - in einem veränderten Umgang mit dem Medium Wort, dem im Still-Lesen erstmals der Schall und damit die Wirklichkeit des Wortes genommen wurde.





Montag, 10. Juni 2019

Nur hat niemand darüber nachgedacht

Wenn etwas in die optische Harmonie, die immer von einer Ganzheit ausgeht, hineinpaßt, kann man auch davon ausgehen, daß sich zahlreiche weitere Effekte ergeben, die allen möglichen Ebenen zugerechnet werden können. Dieser Effekt berührt sämtliche Bereiche, die mit dem von einem Ding affektierten größten Beziehungsebene (Raum) verbunden bzw. in ihm enthalten sind. Gestalt ist eben nicht einfach ein nettes Anhängsel subjektiv empfundener (also nicht unbedingt zu beachtender) "Ästhetik", sondern der Raum eines aktuellen, in sich dynamischen Beziehungsgefüges. Schlicht also das, was wir Welt nennen.

Also zeigt sich bei Eingriffen in Gestalt (also bei Gestaltung) auch die Auswirkung auf die "Funktionsharmonie" (die Teil eines Gestaltenvollzugs sind) - bei Häßlichkeit als Dysfunktion, bei Schönheit (ein absolutes, intuitives Aufleuchten der Wesenserfüllung, wo also die Essenz die in Existenz gegangen ist) als allen begegnenden, angrenzenden Teilen zuzusprechende Wohlfunktion. Pflanzt man in ein Wesensganzes (Ort/Raum) ein raumfremdes Element, also etwas, das mit diesem Raum bzw. dessen Beziehungsträger keine wesenhafte Verbindung hat, so verursacht man in jedem Fall Störungen, möglicherweise sogar Zerstörung.*

Das trifft, wie es immer mehr evident wird, natürlich auch bei Windrädern zu. Die uns unsere Landschaften und damit den größten unmittelbaren, uns weil unsere Gestimmtheiten und Ortsverbundenheiten bestimmenden Raum, der ja pausenlos zu uns spricht, rauben, uns damit entwurzeln und zu Fremden in unserer Heimat machen. Diese Effekte werden vollkommen unterschätzt.

Und sie zeigen sich in konkreten Schäden. Denn abgesehen davon, zeigt sich ein Desaster nach dem anderen, das damit verbunden ist. Und die Liste die man derzeit aufstellen kann ist mit Sicherheit nicht zu Ende. Nicht nur, daß Windräder das Elektrizitätsnetz destabilisieren, nicht nur daß sie so ineffizient sind daß sie alles bisherige Denken (man müßte sagen: Der Menschheit, wo immer sie etwas "verbessern" wollte) über den Haufen werfen, nicht nur daß sie immer besser erkannten Schaden durch Infraschall (Schall ist eine Form der Enteignung von Raum, eine Herrschaftsform über ein Beiehungsgefüge, da umzugestalten er sich anmaßt) anrichten, nicht nur daß sie ein Massaker an Vögeln (durch direkten Totschlag) und Fledermäusen (durch Unterdruck, der hinter den Rotorblättern entsteht, und die Lungen der Fledermäuse platzen läßt) anrichten, haben sie scheinbar weitere, bislang gar nicht bedachte, aber verheerende Wirkungen.

So eine auf den Insektenbestand (Fluginsekten) und der damit zusammenhängenden Nahrungskette, die man bislang noch gar nicht bedacht weil gekannt hatte (und jede Störung eines Raumgefüges als Gestaltharmonie ist ein Hinausschreiten in eine Ursache-Wirk-Folge, die man noch nicht kennt, weil man nur kennt, was in Gestaltgefügen enthalten ist; mehr unbewußt sogar (aber um nichts präsenter), als bewußt (weshalb "Zustimmung zu Gestaltung, also Gefallen" immer ernster zu nehmen ist als irgendein rationalistisch betriebener Furz, den ein "Wissenschaftler" läßt.)

Wie eine aktuelle Studie des Instituts für Deutsche Luft- und Raumfahrtsforschung nämlich zeigt, dürften die Rotoren der Windräder auch für einen beträchtlichen Teil des beobachteten Rückgangs der Fluginsekten verantwortlich sein. Insgesamt nämlich verursachen die in Deutschland mittlerweile aufgestellten über 30.000 Windräder pro Jahr einen Verlust von 1.200 Tonnen (bei insgesamt 25.000 Tonnen gefährdetem Bestand) getöteter Fluginsekten. Das sind täglich (sic!) 4 bis 5 Milliarden Insekten. Und es wären weit mehr, gäbe es sie noch so zahlreich wie früher.

Was Außerdem auf die Nahrungskette größte Auswirkungen hat: Neben dem direkten Tod der Insekten, wird die Vermehrung und damit progressiv auch zukünftiger Bestand reduziert (denn die Wanderungen sind mit der Eiablage verbunden). Ein Indiz dafür liefert die Statistik, die eine Korrelation zwischen der Zahl der Windräder (seit 1990) und dem Insektenbestand zeigt. (Wobei Korrelation zwar nichts über Ursachen sagt, aber ein Hinweis sein kann.)

Man hat die Wirkung der Rotoren auf die Luftströmungen nicht berücksichtigt. Bislang war man der Auffassung, daß Fluginsekten nicht bis zu jenen Höhen steigen, in denen Windrotoren angebracht sind. Nun aber weiß man, daß Fluginsekten das sehr wohl tun. Weil sie Luftströmungen benutzen, um sich bei der Eiablage in entferntere Gebiete tragen zu lassen, und dabei auch in diese Höhen gelangen.

Das Faszinierende am "Fliegen" ist ja, daß nichts und niemand "fliegen", also aus dem Raum quasi aussteigen kann, sondern in der Luft quasi "schwimmt". Nichts auf der Erde kann seine Beziehungslinien überwinden, alles kann sich nur innerhalb solcher Räume (als Emanationen von Orten, also von Wesen) abspielen. 

Gerade Insekten brauchen also Luftströmungen, wollen sie sich über größere Strecken bewegen. Dabei werden sie von den Rotoren der Windräder angesaugt - und dann von eben diesen getötet. Auch das weiß man mit Sicherheit, weil mittlerweile bekannt ist (auch das hat zuvor niemand richtig bedacht), daß Insektenkadaver eine Hauptursache für das rätselhafte Phänomen ist, daß Windräder oft bis zu 50 Prozent Wirkungsgradverlust erleiden. 

Es ist also höchstwahrscheinlich gar nicht die pöhse Landwirtschaft, die Insektizide versprüht, auch von dieser Warte aus also nicht, die für die (angeblich; der VdZ hat so seine Zweifel an solchen Erhebungen) Verminderung des Bestands an Insekten bewirkt. Sondern es spricht viel dafür, daß der Öko- und Klimawahn auch in diesem Punkt - Windräder - nur Teil eines immer verheerender wirkenden Gesamtverlusts an Anbindung an den logos der Welt ist. Weil er an manches gar nicht gedacht hat. Wie denn auch, wenn man das, was  man um jeden Preis ändert, gar nicht kennt?





*Schon aus diesen Erwägungen heraus kann es also gar kein "Weltklima" geben, das adressierbar wäre. Sondern immer nur Klein- und Kleinsträume. Deshalb ist es völlig unsinnig, "große", "globale" Maßnahmen anzustreben, weil nur kleine und kleinste Maßnahmen überhaupt Wirkung haben können. Völlig unabhängig davon, wie dann ein alles umfassendes Gesamtbild aussieht, das in keinem Fall "machbar" ist. Typisches Beispiel liefert eine Nachricht aus der Geburtsstadt des VdZ, Amstetten. Wo nun Oberkluge den Klimawandel dafür verantwortlich machen, daß die Temperaturen in der Innenstadt im Sommer immer wärmer wurde. 

An den Maßnahmen, die man nun (mit viel Geld) setzen will, erkennt man aber, was die Ursachen sind. Es ist nämlich nicht der "Klimawandel", wie die Medien berichten. Der wird wie praktisch schon immer und überall nur als Ausrede für Versagen, Gier und Gedankenlosigkeit herangezogen, und öffnet natürlich wunderbare Hähne zum allgemeinen Steuergeldstrom, weil auch die höheren Politiker denkunfähig sind. Es ist die "Innenstadtgestaltung", die so vielen Bäumen (die in der Kindheit des VdZ noch sämtliche Hauptstraßen säumten) die Existenz gekostet hat, und die Bebauungsdichte, die einen Abtransport der Luft durch Wind immer mehr erschwert hat. So entstanden im Westen der Stadt immer umfangreichere Hochhaussiedlungen (vulgo "Zeckenburgsiedlung", noch dazu am Kamm eines großen Hanges), die natürlich den einfallenden Wind bremsen. Außerdem wurden (und werden laufend weiter) die Asphalt- und Steinflächen vervielfacht, Grünflächen (oder auch einst nur geschotterte Plätze) verschwanden, etc. etc.  Erst jetzt wieder wird ein ehedem riesiges Freigelände (Bahnhof) durch ein riesiges "Wohn- und Betriebszentrum" zugebaut. Dasselbe also, was auch in Sopron nach der großen "Verschönerungsoffensive" 2014-16 zu beobachten ist, der VdZ hat hier schon darüber berichtet.

So nebenbei: Diese "Innenstadtgestaltung" geht oder ging einher mit einem großen Aussterben des einstigen Stadtzentrums, und damit Teil einer verhäßlichenden, (wie bei Windrädern) nur bestimmter Funktion gewidmeter Umgestaltung der ganzen Stadt ... der Leser möge das im Licht des oben Gesagten weiterdenken. 






Freitag, 24. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (3)

Teil 3) Wie schon häufig: Die zu Exkursen ausgeuferten Anmerkungen





*Letztendlich beruht Kommunikation sogar auf der Nonverbalität des Gestalthaften. Und damit auf den Raum als Wirklichkeit des Beziehungshaften, der Aussage zum eigenen Wesen in der Begegnung, die sich nur in der Begegnung von Gestalten ans Licht hebt. Rituelles als Tanz der Gestalten, der sich selbst wiederum auf ein Dahinterstehendes, Geistiges, wirklich Wirkliches bezieht, in dem beide sich treffen, das beide umfaßt. (s. u. a. dazu Zubiri: Wesen als Ort! Ort als Wesen.)

²In einer historischen Entscheidung im 16. Jahrhundert haben sich England, Frankreich, Portugal und Spanien verbindlich sogar darauf verständigt, daß jenseits eines gewissen Breitengrades im Atlantik keine Rechtsordnung mehr bestand. In einer Zeit, wo in Europa Staaten ihre Beziehungen bereits zu verrechten begonnen hatten - im sogenannten "Völkerrecht", in dem nur noch der Papst zuständige Schiedsinstanz war. Deshalb mußte auch Rom die Streitigkeiten zwischen Portugal und Spanien im Fall des "Jesuiten-Staates" in Paraguay schiedsrichten. 

Aber das hat seine Ursprünge in diesen uralten Rechtsansichten, in denen sich natürlich noch jede Menge Heidentum mitschleppt, das man im Wesentlichen als "Angstverhältnis" unter Menschen begreifen muß. Vermutlich sogar alle Völker bezeichnen sich in ihrem Namen, den sie sich selbst geben, als "Menschen", alle anderen über einzelne Eigenschaften, oder gar als Nicht-Menschen. Eine Vorstellung, die übrigens Spanien am frühesten (christlich) weiterentwickelt hat, denn Menschen sind prinzipiell alle Völker, und müssen auch so behandelt werden (wenn auch nicht unmittelbar als der "Gemeinschaft zugehörig". In der Entscheidung die Indios betreffend zeigt sich das. Als der Franziskanerpater Las Casas vor Karl V. erwirkte, daß dieser den Indios alle Rechte als Menschen zustand, war das keineswegs eine Selbstverständlichkeit, denn es war nicht klar, ob ein Mensch ohne Kultur überhaupt Mensch war. 

Sie mögen lächeln, werter Leser, so einfach ist das gar nicht, und gerade heute gibt es fatale Tendenzen, diese Feststellung wieder gemäß dem Heidentum zu treffen: In der Abtreibung etwa, in der Euthanasie, oder in der Gehirntoddefinition, wo man überall den Status Mensch von gewisser Aktualisierungskraft abhängig macht. Und die anderen Länder ließen sich damit auch noch viel Zeit. Denn erst wollten sie ja einmal ihren Platz neben oder über Spanien im seit 1492 erst zu ordnenden Raumgefüge erobern, da war ihnen offizielle Anarchie lieber.

Gemeinschaft, damit Vertrauenswürdigkeit beruht auf gemeinsamen Riten, auf vor allem nonverbal selbstverständlich etablierter, kraft persönlicher Verhältnisse (zu denen auch Gesetze gehören) verbindlicher Art des Umgangs miteinander. Wer dieser Ritengemeinschaft nicht angehört wird zuerst einmal mit Vorsicht behandelt, nicht ins Innerste einer Gemeinschaft eingelassen, muß sich erst bewähren, und das ist ein Gebot der Klugheit.

**Im großen Rahmen gesehen ist - rudimentär, aber immerhin - noch die gesamte Millionenstadt auf den Stephansdom als Zentrum ausgerichtet, ja um ihn angeordnet.

³Wenn wir heute keine Stadtmauern mehr brauchen, dann deshalb, weil bereits das gesamte Land in unseren Ländern in die Ordnung der Städte hineinbezogen und damit Kulturland ist. Das Bemerkenswerte an Mitteleuropa bzw. unseren Ländern ist ja, daß es keinen Flecken mehr gibt, der NICHT in eine Ordnung gestellt ist. Selbst wenn (sagen wir) ein kleines Waldstückchen im Dorf Unterpfingelstätten als "verwildert" auf einem großen Acker steht, ist seine Wildnis ein Platz in einer Ordnung. 

Und ist streng zu unterscheiden von einer anderen Unordnung, die Zeichen von mangelnder, nicht vorhandener Kultur ist, wie sie im Süden Europas oder von der Türkei bis in den gesamten arabischen Raum und Afrika zu sehen sind. Wo Menschen sogar mitten in Müllhalden leben, die sie offiziell Orte oder Städte nennen. In einem von Menschen bewohnten chaotischen "Raum", die nicht in der Lage sind, Raum zu schaffen, weil begegnende Dinge ihren Beziehungen gemäß in eine Ordnung zu stellen. Menschen, die also bestenfalls Oasen (und sei es in den ummauerten Hinterhöfen) kennen. Denn erst Ordnung schafft überhaupt das, was wir als "Raum" bezeichnen. Das meist ein gründliches Mißverständnis ist: Weil wir seine meßbare Emanation für "Raum" erklären.  Meßbar sein heißt aber nur, ein Verhältnis zu anderen Dingen zu haben. Ein Raum-Maß als absolute Größe gibt es nicht. Es herrscht hier dasselbe Mißverständnis wie beim Begriff der (irdischen) Zeit.






Donnerstag, 23. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (2)

Teil 2)




Die Mauern der Städte waren deshalb auch mehr als bloße Verteidigungswerke. Sie waren die Grenze zwischen Kultur und Chaos, zwischen Leben und Unordnung, zwischen Gut und Böse, Gott und Satan. Die Welt außerhalb der Mauern war Tohuwabohu, Chaos, Unordnung, Feindesland, nicht in jene Gemeinschaft integriert, die der eine Gemeinschaft kennzeichnende Ritenfundus erst verläßlich macht. Alles innerhalb einer Stadt unterlag bereits der göttlichen Geordnetheit, war über den Altar, den Knoten- und Quellpunkt menschlichen, weltlichen Raumes, in Gott selbst hineingeborgen. Und der Mitbürger, der ebenfalls innerhalb der Mauern lebte, war ohngefragt Bruder und Nächster. Bei allen anderen war es nicht sicher und sogar eher unwahrscheinlich.³

Ganz anders in der Stadt also wie dem gegenüber, der vor den Mauern stand. Der nicht nur bei den Römern nicht einmal den Anspruch auf Menschenwürde hatte, weil er Barbaros, Wilder, Plapperer, Wirrkopf, Wilder, aber kein vollwertiger Mensch (also Kulturwesen) war. Dem deshalb auch keine Rechte zustanden, der in manchen Epochen und an manchen Orten sogar vogelfrei war und jederzeit bereit sein mußte, sich gegen Feinde zu wehren.²

Die Stadt hingegen, eine Erweiterung der Kirchen, die ja die vollkommene Welt und ihre Ordnung darstellten, nicht mehr, deshalb in deren Vorhalle, gewissermaßen, war diese dem göttlichen Plan folgende Unterwerfung der Welt. Sie war mit hineingenommen in das Himmlische Jerusalem, die Kirche, als Schöpfung, die zum Lobpreis Gottes erhoben wurde.  

Bemerkenswert ist, daß jede Kultur ab dem Moment ihren Zerfall anzeigt, in dem NICHT mehr jeder weiß, wo er hingehört, nicht mehr an diesem Platz aufwächst und sich so einzugliedern vermag und als Teil der Welt erfährt, der gebraucht wird. Wenn die sozialen Gebilde immer zufälliger und ungeordneter werden, und sich ihre Institutionalisierungen auflösen. Dieses Zueinander wiederum war durch Riten, Gebräuche, Grenzen und Tabus geregelt, die auf das Zentrum - Gott, Kirche, Ordnungsquelle - ausgerichtet waren. Deren Zueinander streng in Symbolik und Körpersprache formalisiert sein muß. 

Mary Douglas zeigt in "Ritual, Tabu und Körpersymbolik" sogar überzeugend, daß eine Kommunikation OHNE solche Rituale usw. gar nicht möglich ist.* Löst sich deshalb das Rituelle des Zueinander der Menschen auf, löst sich auch eine Gesellschaft auf und eine Kultur hört auf, zu bestehen, weil sich auch die Identitäten ihrer Menschen aufgelöst haben. Ohne Ort, ohne Platz in der Ordnung kann kein Mensch aber leben und bestehen. Nur aus Gott kann Segen erwachsen. Und nur aus einem Kampf um so einen Ort kann man die heutige Zeit verstehen.

Niemand bestreitet deshalb, daß seit dem Spätmittelalter und der frühen Neuzeit, als überall die bisherigen Stadtgrenzen und Mauerringe zu eng wurden - noch im 15. Jahrhundert lebten ja nur etwa drei Prozent der Bevölkerung unserer Länder in Städten, welcher Anteil bis ins 18. Jahrhundert auf zehn und mehr Prozent stieg, ehe er im 19. Jahrhundert endgültig emporschnellte -  die Städte mehr und mehr in gewissen Wildwuchs übergingen, sowohl vor den Mauern (wo es kein Ordnungsgesetz gab), als auch innerhalb (wo Ordnungsgesetzte verboten oder im reinen Nutzendenken übertreten wurden). Was (etwa im Fall Salzburg) in einigen Fällen im 17. und 18. Jahrhundert noch einmal dem aber bereits konstruierten Ordnungsdenken der Renaissance weichen mußte, wo man die alte, antike Ordnung (in neuem Gewand) wiederherzustellen suchte.

In den meisten Fällen wich der nach dem Mittelalter entstandene Wildwuchs noch einmal einer geplanten Ordnung, zumindest teilweise, als man im 18. und 19. Jahrhundert die aus militärischen Gründen überflüssig gewordenen Festungsanlagen schliff und mit dem nunmehr offenen Glacis (dem Freiraum zu den Vorstädten hin) vielen Städten gleich neben ihrem bisherigen Zentrum plötzlich große Flächen zur Disposition standen. Paris verdankt seine heutige Charakteristik ebenso dieser Tatsache wie Wien mit seiner Ringstraße, in der sich die Städte gewissermaßen neu erfanden, indem sie noch einmal die Ausrichtung auf ein Zentrum - diesmal bereits die weltlichen Herrscher - versuchten. Die heutige Wiener Ringstraße ist wie eine große U-förmige Zange angelegt, die an der Donau mit zwei Kasernen (die Stubenringkaserne gibt es nicht mehr, nur noch die Roßauer Kaserne) ansetzt, und in einer Art Schelle vom (letztlich aber, Zeichen der Kraftlosigkeit und des Zerfalls der Monarchie, schon nur noch zur Hälfte gebauten) Kaiserforum (vulgo Äußere Hofburg) gehalten wird.**

Bis dieses Raumbewußtsein, dem wir unsere Städte verdanken, allmählich völlig der Zufälligkeit wich. Heutige Städte, heutige Großstädte, heute gebaute Stadtviertel und Häuserensembles haben keine Ordnung mehr, weil sie kein Zentrum mehr haben, auf das alles ausgerichtet ist. Damit könnten sie überall stehen. Sie geben keine Heimat und damit keine Identität mehr. Sie sind nur noch "da", und man wechselt gefühlslos von einer zur anderen. Wo man dennoch so etwas wie Heimat findet, geschieht das bestenfalls wie zur Zeit der Völkerwanderung, wo sich die neu angekommenen Völker in den vorhandenen Ruinen niederließen und die Menschen es sich so gut wie möglich einrichteten. Bis die Kirche kam, und nach und nach wieder ein Zentrum zur Ausrichtung, und damit Identität und Ordnung bot. Übrigens - nach antikem Vorbild.

Wie wenig technisch, ja wie wenig "ästhetizistisch", wie sehr mythologisch-religiös die Anlage der nun gebauten Städte aber war, wurde spätestens ab dem Moment klar, als es weltweit in den 1920er bis 1950er Jahren Versuche gab, völlig neu nach Nutzen und technischem Ablauf konzipierte Städte auf dem Reißbrett zu entwerfen und umzusetzen. Neben Brasilia (Brasilien) und Chandigarh (Indien), beides Großstädte, die eine von Oscar Niemeyer, die andere von LeCorbusier als Ganzes auf die grüne Wiese geplant und umgesetzt wurden, sind es Stadtviertel wie das Gropius-Viertel in Berlin und jede Menge weiterer Stadtviertel weltweit, die angeblich technisch perfekt dem Bedürfnis der Menschen entsprachen, aber heute nicht mehr weit von der "Slum-Klasse" liegen.

Im Fall Berlin zeigt es sich noch drastischer, weil diese "Stadt" erst recht spät als bloße Zusammenlegung von Fischerdörfern im Geist der Aufklärung "entstand", also nie einen Plan, sondern eben diese Zufälligkeit des Zentrumslosen und damit keine Ordnung hat. Man sieht es heute deutlich. Vom Zustand der Peripherien in den meisten Städten wollen wir da gar nicht anfangen - ein Nebeneinander bezugsloser Autismuszeugen, mit identitätslosen, schutzlosen Konsumenten, und weltblinden Ablaufsklaven (Arbeiter, Angestellte) ...

In einer nicht nach göttlichem Plan angelegten Welt verkommt auch der Mensch. Nicht Nutzen bestimmt den Menschen, sondern Beziehung und Schönheit, Ritus und Gestalt. Denn nicht nur ist er selbst nach einem göttlichen Plan, nach einer Geometrie geordnet, sondern die ganze Welt, ja der gesamte Kosmos, vom Größten bis zum Kleinsten, ist auf denselben (archetypischen) Ordnungsprinzipien und Größenverhältnissen weil Beziehungen (nur auf je anderen Ebenen) aufgebaut. So ist die Schöpfung ein einziger Klangkörper, in dem in jedem Teil derselbe Rhythmus, dasselbe, alles durchdringende, alles beherrschende, alles ordnende Loblied erklingt. Um wie viel mehr muß das dann auch in den Städten sein, die den Lebensraum des Menschen bedeuten?




 
Morgen Teil 3) Wie schon  häufig: Die zu Exkursen ausgeuferten Anmerkungen




Mittwoch, 22. Mai 2019

Raum als göttliche Ordnung (1)

"Macht Euch die Erde untertan!" Diese Aufforderung stünde nicht in der Genesis der Bibel, wenn sie nicht einen Grundantrieb im Menschen aussagen würde: Den, sich die Erde zu unterwerfen, sie zu ordnen, sie zu gestalten, und so zum Teil menschlicher Kultur als Insgesamt seines Lebensvollzugs auf der Erde zu machen. Diese Gedanken werden neu bewußt, wenn man sich die interessanten Forschungen des Stadtplaners und Architekten Klaus Humpert ansieht.

Der beim Studium der Bebauungskarten seiner Heimatstadt Freiburg im Breisgau auf Regelmäßigkeiten stieß, die ihn verblüfft haben. Immer mehr konnte er sich des Eindrucks nicht erwehren, daß sich unter dem heutigen Antlitz der Stadt, viel deutlicher in ihren mittelalterlichen Strukturen, soweit sie erhalten oder nachvollziehbar sind, ein Plan stehe.

Damit widerspricht er den gängigen Ansichten der meisten Historiker, wie sie in dem interessanten Film in der Gestalt des em. Universitätsprofessors und Kunsthistorikers Günther Binding auftreten. Die davon ausgehen, daß unsere Städte im Mittelalter rein zufällig und pragmatisch entstanden sind, ohne daß ihnen ein Gesamtplan zugrunde gelegen wäre. Auch gibt es keine überlieferten Pläne, die belegten, daß jene 300 Städte, die zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert im gesamten mitteleuropäischen Raum gegründet worden waren, geplant und nach einer vorgegebenen Ordnung aufgebaut worden wären.

Das mag sein, entgegnet dem Humpert, aber das kann ganz andere Gründe haben. Tatsache ist, daß er bei seiner insgesamt 15-jährigen Forschungsarbeit meint eindeutige Belege gefunden zu haben, daß nicht nur diese Städte zum allergrößten Teil nach einem Bebauungsplan errichtet wurden, sondern daß diese Pläne auch von Vorbildern ausgingen, die zum Teil in Italien lagen, die aber Freiburg im Breisgau vielleicht sogar als "Mutter aller deutschen Städte" sehen läßt. Denn hier zeigt sich das Grundschema am deutlichsten, und ist anhand heutiger Straßenverläufe und Häuserfronten so deutlich zu erkennen, daß es nicht verstehbar wäre, diese Indizien zu ignorieren.

Nun, ein wenig kann man Humpert da schon helfen. Denn abstrus ist sein Gedanke, daß das Mittelalter die Erde als göttliche Geometrie auffaßte, keineswegs, sondern im Gegenteil: Es ist das Grundverständnis von Welt überhaupt, das uns im speziellen über Griechen, Römer oder Ägypter (etc. etc.) längst bekannt ist. Man lese dazu etwa die maßstäblichen Klassiker von Fustel de Coulanges, oder Mircea Eliades "Das Heilige und das Profane". Niemandem wäre es bis ins späte Mittelalter - und in der Renaissance schon erst recht nicht, dort freilich beginnt sich das Ganze zu pervertieren, um schließlich ganz zusammenzubrechen - eingefallen, ein Haus und schon gar eine Stadt zu bauen, ohne sie auf göttlichen Willen hin auszurichten, ja in diesem zu fundieren.

Deshalb war eine geheiligte Urstätte sowohl bei den Römern das erste, was man tat, ebenso wie das spätere christliche Abendland, das anfänglich zu einem guten Teil ganz real aus den Ruinen römischer Städte entstand, es sich nehmen ließ, seine Städte und Siedlungen als Ensemble rund um eine zuerst bestimmte Kirche (Altar, Allerheiligstes etc.) zu gruppieren. Jeder Stadtteil, jedes Haus, jedes geplante Berufsviertel, jedes Verwaltungsgebäude hatte dabei seine Ordnung und Stellung in dieser Ordnung, die eine Stellung innerhalb des göttlichen Weltplanes war.

Was nicht in dieser Ordnung Platz hatte, hatte auch in der Stadt keinen Platz. Unreine Gewerbe (Färber, Schlachter) waren da ebenso gemeint wie Freuden- oder Krankenhäuser. Jede Himmelsrichtung hatte dabei ihre Bedeutung, und kein Tor war zufällig gesetzt, alle hatten eine mit ihnen metaphysisch verbundene Sinnstellung. Ebenso wie die Märkte und das, was auf ihnen gehandelt wurde. Erst in zweiter Linie war die Topographie von Bedeutung, oder entnahm man ihr Hinweise.

Auch die Distanzen zwischen diesen Bereichen waren nicht zufällig, sondern in Geometrie bzw. Zahlenverhältnisse gefaßte, darin erkennbare Beziehung. Freilich gelingt es Humpert nicht - und daß er diesen Gedanken nicht näher ausführt oder gar kennt verwundert einigermaßen - die Maßzahlen, auf die er immer wieder gestoßen ist, in der Metaphysik zu verankern, denn darin waren sie begründet. Er würde vermutlich noch viel mehr entdecken.

Und (man möge es nicht falsch verstehen, aber doch sollte es gesagt werden) er hat auch nicht überprüft, ob diese Kreise und Positionen, die er fand, nicht mit Planetenkonstellationen (also der damals noch untrennbar verbundenen Astronomie und Astrologie) zu tun haben. Denn nach aristotelischem Weltbild sind die Planeten die urstofflichsten, bis auf Gott schon äußersten, allem quasi zugrundeliegenden, gröbsten, aber alles gleichermaßen und in gleicher Art (fraktal, also ein Schema in allem, vom Kleinsten bis zum Größten) durchwirkend wie davon durchwirkt.²

Und das ist wohl auch die größte Schwäche seiner Argumentation, die sogar das, was er herausgefunden hat - die mittelalterliche Stadt, Fundament so gut wie aller unserer heutigen Städte, war allem Anschein nach streng durchgeplant, und keineswegs eine zufällig entstandenen Aneinanderreihung von zufällig hier anlandenden Menschen - ein bißchen doch wie zufällig aussehen läßt. Sodaß auch verstehbar ist, wenn Binding meint, daß man in jeder Anhäufung von Punkten und Orten, wenn man lange genug sucht, eine Systematik entdecken kann. Dieser Teil seiner Arbeit scheint unvollendet, dabei wäre es der Grundstein.

Aber prinzipiell hat er sicher recht. Nicht nur, daß zumindest bis zum Weißwurschtäquator und nach der Völkerwanderung, also nach dem Abzug der Römer über die Alpen, zumindest nach dem Verlust deren kultureller Vormachtstellung, viele Orte (als "noch nicht Städte") buchstäblich auf römischen Ruinen errichtet wurden. Dabei wurden die Straßenverläufe ebenso oft übernommen, wie Gebäude. Ja, viele heutige Altstadtkerne sind sogar direkt in römische Großbauten (wie Amphitheater) eingebaut worden, um diese zu nützen. So, wie man die Bauten abtrug, um deren Baumaterial zu verwenden.

Sopron (Ödenburg), ehedem Scarbantia, wo der VdZ wohnt, ist ein typisches Beispiel dafür: Das Stadtzentrum folgt noch heute mehr oder weniger präzise der römischen Stadtplanung. Obwohl der Wohlstand der späten Renaissance architektonisch gewaltig umgerührt hat, folgen die meisten Straßen und Ausgänge aus der Altstadt, die von dem ehedem weiten Glacis ("Graben") umgeben ist, ihrer römischen Erstanlage. Mit seinem Tor im Osten, Westen, Norden und Süden, mit denen jeweils auch Funktionen verbunden waren.*

Der aus der Antike herüberkommende Mensch hat sich bis ins späte Mittelalter kein Leben ohne festen, in Gottes Plan gegründeten Ort vorstellen können. (Und er hatte damit ja zutiefst recht! Wie gut wäre es, wenn wir uns dieser Wahrheit heute wieder bewußter würden.) Tief religiös, hat sich niemand, wirklich niemand ein willkürliches, zufälliges Leben vorstellen können, wie es mit dem Subjektivismus der Renaissance schließlich allgemein wurde. Ort, Platz gibt Legitimität. Gott hat in der Schöpfung prinzipiell ja eigentlich den Raum geordnet, und DAMIT (Raum = Welt = Beziehungsordnung) geschaffen. Und deshalb war der konkrete Raum Ausdruck und Schauplatz des göttlichen Weltenplanes, und damit des Menschen. Nur so war Segen zu erwarten: Wenn man an seinem Platz stand. Und das gilt natürlich bis in persönliche Verhältnisse hinein.**


 Morgen Teil 2)



²Diese Janusgesichtigkeit ist für den Verstand das größte Problem mit der Astrologie. Sie ist Spiegel wie selbst Gestalt, Gewirktes wie Wirkursache zugleich. Also kann sie von da her auch kein Orientierungspunkt sein, und sie zu betrachten gerät allzu leicht in die Todesfalle dessen, das in sich hineinsieht, weil das, WAS sieht auch das ist, WAS MAN sieht (=Invertiertheit). Siehe dazu Walter Hoeres "Reflexivität".

*Der überlieferte Streit von Romulus mit Remus, der den soeben von Romulus gezogenen Graben für die Stadtmauer übersprang, wird erst so verständlich. Remus hat die Ordnung aufgelöst. Auf der allein eine Stadt zu gründen war. Denn nur eine Ordnung ist ein "Etwas". Also mußte Remus erschlagen werden, denn er gefährdete die nur vom Menschen zu errichtende Welt. (Gott hat das Material gestellt, sozusagen, und seine Eigenart in Orten festgelegt, in die jeweilige Beziehungs-Typiken - "Dinge", "Etwasse" - treten.) Ohne Ordnung gibt es nur das Nichts amorpher, a-welthafter Potenz.

**Auch Ehe und alles was aus ihr folgt ist ein Ort, und damit erst Form von Beziehung.




Sonntag, 6. Mai 2018

Staat als Formierung der Sendung

Volk ist ohne Raum nicht denkbar. Denn es ist der Raum, der die Aufgaben eines bestimmten Teilraumes im Verhältnis zu anderen Teilräumen (und zur jeweils größeren, umfassenderen Raumeinheit) bestimmt. Volk steht also in Beziehungen, ist insofern (aber nur in dieser Hinsicht!) von Sprache, Herkommen, Geburt unabhängig beziehungsweise ist diese zweitrangig. Ihm gehört an, wer dieser Sendung angehört oder angehören will (soferne der Raum, dem jemand zugehören will, diesen Willen annimmt, seinen Träger "integrieren will".)

Dieses Gebilde nennt man Staat. Somit gibt es, analog zur Aufgabe eines Staates (mit seinem zugehörigen weil diesen Staat darstellenden, als Einheit das "anderem" gegenüberstehenden, somit "sein" wollenden Volk) auch eine natürliche Größe eines Staates, das jenen Raum umfaßt, der von seinen Beziehungsgrenzen umfaßt wird. Es ist deshalb großes Unrecht, diese Beziehungsgrenze zu übertreten, zu ignorieren, zu zerstören, aufzulösen. Denn dieses Staatsvolk-sein ist auch ein Gesolltes, das sich in der Geschichte ausdrückt (ohne daß man umgekehrt sagen könnte, daß die faktische Geschichte dieses Gesollte einfachhin vorgibt; das tut es zwar AUCH, aber nicht alleine: Träger muß das Wesen sein, und das ist wiederum die Beziehung zu den anderen.) 

Dieses Staatsvolk-sein ist es nun, das - weil es die Beziehung aller seiner Glieder zu angrenzenden Räumen manifestiert - auch dem Einzelnen die konkrete Identität gibt, wie von dieser weitergetragen wird. Als Aufgabe, als ein "auf-hin-zu", also als logos, als Sinn. Nimmt man einem Staatsvolk diese Sendung, so bricht man seine Mitglieder. Sie werden identitätskrank (weil identitätslos), und es fehlt ihrem einfachen Dasein der äußere umschließende, das Individuum ganz machende Grenze weil Rahmen, aus dem heraus es in der Welt ist. 

Die Folgen sind zweifach: Entweder fällt der Einzelne ganz (sic!) auf die nächst kleineren Räume zurück - Familie, Gemeinde, engere Landschaft/Region - kennt also keinen größeren, umfassenderen Sinnrahmen mehr, was immer auch gewisse Raumvergessenheit bedeutet, oder er sieht sein privatimeres Sein als ortlos und greift nach höheren, universalistischeren Prinzipien und Legitimitätswurzeln, die ihm Identität geben, weil seine Beziehungen definieren.  

Das ist dann die Stunde der großen "Ideen", der Weltrettung, der "Klimarettung", des "besseren Menschen", etc. pp. Versagt also eine Staatsführung (oder wird sie zu diesem Versagen gezwungen), indem es die Sendung eines Staatsvolkes aufhebt, unklar macht und vernebelt, oder gar als Böses darstellt, das es zu meiden gilt, nimmt es allen Bürgern letzthin den Sinn ihres Lebens. Die Folge ist Lebensschwäche. Denn Sinn ist etwas, woraufhin sich die Menschen transzendieren, also augenblickliche Gestimmtheiten überwinden, um dennoch Sinn erfüllen. Aus dem heraus sie dann ja erst stark werden und Identität erfahren (nicht nur postulieren, welch letzteres immer nur Grenzmarke bleiben kann, niemals voll tragfähig.) 

Damit werden Identitäten voluntaristisch, gesetzt, behauptet. Ihnen fehlt das Natürliche, Gewachsene, denn nur wenn das je Nächste fest und durchblutet IST - damit mehr unbewußt als bewußt DA ist -  kann auch das Weitere gedeihen. Auf lange Frist muß so ein Staat also zerfallen, wobei er erst und meist noch durch Aggressivität dieses Selbstsein zu behaupten versuchen wird.**

Hierin sind die wahren Wurzeln vieler, ja der allermeisten Sozialprobleme, vor allem dabei der Geburtenschwäche Europas zu sehen. Denn zwar hat man vor allem nach dem Ersten Weltkrieg betont, man wolle die Sendung eines Volkes verstärkt berücksichtigen ("Selbstbestimmungsrecht"), hat aber nicht berücksichtigt, daß diese Sendung vom Raum vorgegeben ist, in dem ein Volk lebt. Die Ursache dafür war, daß man gezielt diese Sendungen schwächen oder zerstören wollte. 


***

Das Gesagte ist am deutlichsten sichtbar bei der Zerschlagung der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die freilich zwar schon geschwächt war, ihre Sendung im Raum zunehmend abzugeben versucht hat (was mit dem preußischen Vorgehen zu tun hat, das genau diese Entflechtung der Monarchie von ihrer Sendung betrieben hat, um sich bestimmte Sendungen anzumaßen), deren Zerschlagung aber ein kraft- und machtloses europäisches Zentrum gebracht hat, dem es seither an den Raum wirklich ausfüllender Identität mangelt.* Dabei war das größte Verbrechen, Österreich seine Bestimmung im Raum auf jener Stufe aufzunehmen, auf die es nun zurückgefallen war.

***

Diese Gedanken stiegen wieder einmal auf, als der VdZ auf Achgut einen Artikel über Katalonien und Spanien las.  Der sinngemäß damit argumentiert, daß die Separationsbestrebungen Kataloniens schon deshalb unsinnig seien, weil ja bereits mehr als die Hälfte der in Katalonien wohnenden Menschen spanisch sprächen, und es im übrigen enorme und symbiotische wirtschaftliche Verflechtungen mit Madrid-Spanien gebe.

Das einzig legitime Kriterium, das es zu hinterfragen gälte wäre aber, ob der Raum Katalonien sich immer schon als Raum mit einer eigenen Sendung begriff, die von keiner anderen Sendung und Identität überlagert werden dürfe. Und dafür spricht doch auch einiges. Durch Bevölkerungs- und Wirtschaftsdurchmischung - wie sie heute sogar gezielt durchgeführt wird - werden solche Dinge nicht klarer oder entschiedener, sie werden nur problematischer. Auch ist Symbiose kein Argument, denn im Grunde ist jeder Staat, jedes Volk in einer Symbiose mit seinen Nachbarn beziehungsweise allen im jeweiligen umfassenderen, die Einzelsendung letztlich bestimmenden, festigenden Raum befindlichen.

Soweit der VdZ das sieht, fiel der Zugehörigkeitsgedanke zu Spanien in Katalonien nicht zufällig historisch in dem Moment, wo der Reichsgedanke durch einen Staatsgedanken ausgetauscht wurde.***




*Wenngleich es in neuerer Zeit zu bemerkenswerten Versuchen kommt, diesen Gesamtraum neu aufzugreifen, freilich noch weit entfernt von einer Bereitschaft, die Gesamtsendung zu übernehmen. Was den jeweiligen faktischen Staatsegoismus befeuert.

**Damit wird auch der "wahre Schuldige" am Zerfall Europas klar, denn es ist Napoleon. Seine Zerschlagung und "Neuordnung" Europas (nach Prinzipen des technizistischen Menschen- und damit Staatsbegriffs der Aufklärung) hat den europäischen Raum nachhaltig in Unordnung gebracht. Zwar hat der Wiener Kongress das noch einmal zu beheben versucht, aber es gelang nicht wirklich. Die Folgen sind etwa das Preußentum als Preußismus, und sein Pendent im Amerikanismus, der analog zur preußischen Zerschlagung natürlicher Räume und Identitäten in den USA die Staatsräume zerschlug und in eine universalistische Identität als Vorgabe preßte. Was letztlich erst nach 1945 gelang.  

***Gerade die Bayern müßten das sehr direkt begreifen, ihnen erging und ergeht es ähnlich. Noch dazu wurde das Problem verwischt - und damit verschärft, es wird sich über kurz oder lang mit neuer Brisanz wieder nach oben schaufeln - weil ein Drittel seiner heutigen Bevökerung erst nach 1945 als entraumte, ihres Sinnes, ihrer Identität also beraubten Zuwanderer aus verlorenen Ostgebieten Deutschlands ins Land kam.






*250418*

Dienstag, 13. März 2018

Die Architektur der Wahrheit

Diese Matrix aber, auf der alles ruht, aus der sich alles generiert, ist die Matrix des Gottmenschen Jesus Christus, der Vollendung der Schöpfung durch Gott selbst, der sich als Schluß- und Anfangsstein, der alles hält, eingesetzt hat und ohne den alles zusammenfällt (wie es die gotischen Kirchenbauten oft so schön darstellen.) Denn die Matrix der Welt ist Architektur, ist Gestalt. 

Dingsein heißt immer, Architektur zu sein. Und Architektur heißt fleischlich-leibliche Beziehungsgestalt. Nur wer sich in diese Architektur der Wahrheit Gottes begibt - und das ist Liturgie, ein Gesamtgeschehen, das die gesamte Schöpfung einbegreift - wird deshalb auch erkennen. Menschliches Erkennen als Höhergezogenwerden ist also eine Bedingung des Raumes*. Ohne Raum ist nichts (für den Menschen), Raum ist sine qua non der Schöpfung der Welt.**

Diese Architektur ist aber keine Lehre, kein rationales Gebäude (Gnosis), sondern die menschliche Rationalität ist der analoge Ausdruck der fleischlichen Gestalt. Logik ist deshalb die Nachbildung, die sprachlich repräsentative (Präsenz als aktive) Gestalt einer Beziehungswahrheit. Menschliches Raisonieren deshalb das auf dieses Beziehungsgefüge in einer Gestalt hinweisende Nachtasten.





*Deshalb muß auch die Sittlichkeit, wie sie an dieser Stelle immer wieder begrifflich verwendet wird als Raumgestalt, als Beziehung (als Raum) gesehen werden. Ohne räumliche Realität gibt es keine Sittlichkeit, sie wäre dann Einbildung, Täuschung, Illusion.

**Deshalb greift die Diskussion um die Liturgie - wenn sie auch prinzipiell in eine richtige Richtung weist, denn es geht in allererster Linie um die Liturgie - um Dimensionen zu kurz, wo sie sich auf Neue Messe (NOM) oder Alte Messe bezieht, als ginge es um die richtige Heilstechnik. Schon gar, wenn sie von Laien geführt wird. Sie muß bei der Architektur des Raumes ansetzen.






*010318*

Samstag, 25. November 2017

Wenn das Warum ausgeht (2)

Teil 2) Man muß auch hier ganz neu ansetzen




Wenn aber wie heute alles Tun, alles Handeln ohne jeden Raumbezug gesehen wird, fehlt allem Tun und Handeln auch die Kraft zur Identitätsbildung. Identität wird aufgelöst, der Einzelne wird zur bloßen Funktion eines Apparats, der aber keinerlei regionalen, direkt menschlichen Bezug mehr hat. Persönliche Motive werden zu technischen "Werten", zu expliziten, verdinglichten Ideen.

Aber universalistische "Werte" werden zu gar keinen Werten mehr. Sie sind leer. Es gibt keine Liebe zu "allem", es gibt nur konkrete Liebe zu einem konkreten Menschen. Es gibt keinen Sinn "aus allem", sondern es gibt nur konkreten Sinn. Es gibt deshalb auch keine "Weltideen", die Identität stiften können, wie die einer "Weltrettung", sondern es gibt nur Ideen, die im Konkreten erfahrbar und real sind. Es gibt keine "allgemeine Menschlichkeit", sondern nur reale Menschlichkeit dem Vater, der Mutter, dem Nachbarn, dem Schulkameraden, dem Studienkommilitone gegenüber. 

Es gibt keine "Verantwortung für die Welt", sondern nur Verantwortung für den Baum vor der Haustüre und der Katze am Dach des Vorbaus. Und es gibt keine Verantwortung ohne den Aufruf, gebraucht zu werden und der erfolgt, indem man erfährt, wer man ist, also über Identität. Nur ALS JEMAND kann man somit Sinn erfahren, und das wird im Staat (dem "Vaterland") als verlängertes Element des Individuellen repräsentiert wie gegeben. Er stellt dar, was allen Einzelnen in ihm äußerste Schichte der Persönlichkeit war und ist. 

Damit grenzt sich Identität von jedem "Nationalismus" ab, der den Staat verabsolutiert und das Einzelne zu ersetzen sucht. Sie ist aber zugleich immer und zuerst "nationell", baut sich also auch nicht einfach "von unten" auf, sondern gibt "von oben" her den räumlichen Rahmen, in dem jedem dann - über den gestuften Aufbau - sein Ort und damit seine ganz spezifische, individuelle Identität zukommt.

Deshalb kann es sehr wohl einen Staat geben, in dem sich viele Ethnien zusammenfinden. Aber es kann nur ein Staat bleiben und sein, wenn alle diese Ethnien sich in der Räumlichkeit auch tatsächlich beheimatet wissen, der sie ihre Identität verdanken, die sie immer von Staatsbürgern angrenzender (bzw. anderer) Staaten unterscheiden muß.

Ein sie zusammenfassendes "Reich" kann nur bis zur Grenze der jeweiligen Staaten gehen, dort muß sie zum Stehen kommen. Ihre Agenda ist die schiedsrichterliche Regelung des Großraumes, innerhalb dessen jeder Staat und seine Bürger Identität haben. Was bis zur Zusammenschließung in Militärfragen gehen kann (und letztlich sogar soll), für den Fall, daß einmal der Großraum überhaupt bedroht sein sollte. Aber jedes Reich muß seine Mitglieder als individuelle Figuren behandeln, die zu nichts zu zwingen sind was ihre jeweilige Identität betrifft. Seine Aufgabe kann also nur höchst begrenzt sein, in der Aufgabe ebenso wie zeitlich, soweit sie zu erledigen ist. Das Reich ist kein "Super-Staat". Denn der Staat ist auch für das Individuum die Grenze der Persönlichkeit, bei der die Freiheit und damit die Verantwortung beginnt wie endet. 

Damit ist auch klar, daß so ein Reich, so ein übernationaler Zusammenschluß wie ihn die EU darstellt, niemals Identitätsstiftung leisten kann. Er ist prinzipiell unfähig, weil unzuständig, dem Einzelnen, dem Individuum einen Ort zuzuweisen. Und in diesem Ort die Identität, die Aufgabe, die Erfahrung, gebraucht und deshalb unabkömmlich zu sein. 

Und damit kommen wir zu den drei Berichten zurück. Denn sie alle sind Belege dafür, was heute weltweit schief geht, weil falsch gedacht wird, sich aber jeweils im Einzelnen als Sinnverlust - und das heißt: Ortsverlust! - ausdrückt. Es hat alle Menschen weltweit in eine Sinnlosigkeit gestürzt. Ohne Sinn aber fehlt den Menschen die Kraft, um ein Leben selbst in Schwierigkeiten aufzubauen. Ohne JEMAND zu sein, fehlt den Menschen die Kraft, im Begegnenden zu suchen, was es ALS JEMAND daran zu tun hätte. Denn nur dort läge und liegt auch das, was er nun an anderem Ort der Welt suchen möchte, wozu er also aufbricht.

Das "Europa der Vaterländer" ist also tatsächlich mehr als ein Schlagwort. Es ist der Schlüssel. Aber es kann nur Schlüssel sein, wenn sich die einzelnen Staaten ihrer Sendung im Raum wieder bewußt werden, und das heißt durchaus, sich neu abzugrenzen lernen, neu lernen, ihre Interessen in ihrem Raum zu begreifen und wahrzunehmen. Keine psycho-soziale Maßnahme oder Politik wird je fruchten, so lange das nicht passiert. Sie wird sogar das Gegenteil bewirken und den Menschen jeden Sinn, Europa damit endgültig seine Lebenskraft rauben. Der Zustand der Jugend, die mangels Sinn kein Interesse mehr hat, nicht weiß wer sie ist, was sie soll, ist dringende Mahnung dazu.

Auch Afrika wird wohl ganz neu durchgedacht werden müssen. Denn was diesem Kontinent vielfach fehlt ist, daß man die postkolonialen, oft brutal willkürlichen und von Interessen der ehemaligen Kolonialmächte beherrschten Konstrukte, die man einfach so dann "Staat" nannte, nicht durch die Behauptung ersetzen kann, es handele sich nun bei allen tatsächlich um einen identitätsstiftenden Staat. Viele der heutigen Staatsgebilde müssen vermutlich völlig neu gedacht und geformt, teilweise wohl auch aufgelöst und neu gegründet werden. Wo das nicht der Fall ist, muß sich Afrika aber in Reichen wiederfinden können. Nur in solchen neuen, aber diesmal naturrechtlich begründbaren Staaten aber kann jene Bindekraft entstehen, die die Afrikaner begreifen läßt, daß ihre Lebensaufgabe nur in ihrem Staat erfüllt werden kann. Weil sie dort eine Sendung im Raum haben, einen Ort, eine Identität, und damit ALS JEMAND dort gebraucht werden.




*211117*

Freitag, 24. November 2017

Wenn das Warum ausgeht (1)

In Medien waren drei Meldungen aus völlig unterschiedlichem Umfeld zu finden, die aber eine Gemeinsamkeit haben, denen wir uns widmen wollen. Denn der VdZ las sie mit der Skepsis, ob die angeführten Zusammenhänge und Gründe tatsächlich so einfach zutreffen. So manche Erfahrung läßt auf einen gravierenden anderen Aspekt schließen.

Da ist zunächst einmal die Meldung, daß seit einigen Jahren (namentlich seit 2008, der großen Finanzkrise) in Italien ein bislang völlig neues Phänomen auftritt. Die Caritas Italiens berichtet, daß sich der Anteil der Jugendlichen und jungen Menschen unter den Hilfesuchenden drastisch erhöht hat und weiter erhöht. Erstmals tauche das Phänomen von jungen Menschen - Italienern - auf, die in "absoluter Armut" leben. Auf ganz Italien umgelegt, spricht man von 1,2 Millionen. Entscheidend sei, so die Caritas, "daß die jungen Menschen keine Möglichkeit mehr haben, ihre Zukunft und ein eigenes unabhängiges Leben zu planen." Bereits jetzt wandern jährlich 50.000 junge Italiener in der Hoffnung aus, daß es ihnen in einem anderen Land besser gehen werde. Zum erstenmal in der Geschichte Italiens ist die jüngere Generation auch die materiell ärmste.

Dann gibt es diesen Geheimdienstbericht, der jüngst veröffentlicht wurde. Der davor warnt, daß wir Europäer es ab dem Jahre 2030 mit bis zu einer Milliarde Wanderungswilligen zu tun haben werden. Die Gründe sind in allererster Linie wirtschaftlicher Art. Das Besondere daran ist, daß das Konzept der europäischen Politik, die meint, man könne diese Wanderungen abwehren, indem man beitrage, daß sich die wirtschaftliche Lage in den von dieser Abwanderung betroffenen Ländern bessere, sodaß die Menschen auch in ihrer Heimat Zukunftsperspektiven hätten, das genaue Gegenteil bewirken werde als man annimmt. Denn es sind nicht die wirklich Armen, die auswandern. Die können sich das gar nicht leisten. Es sind gerade die, denen es besser geht. Die brächten endlich die Mittel auf, ihr Land zu verlassen und sich woanders niederzulassen. Verbessert sich also die Wirtschaftslage in (vor allem afrikanischen) Ländern, wird der Strom der Auswandernden gewaltig anschwellen. Man spricht von 850 Millionen Afrikanern, die zur Jahrhundertmitte auswandern werden.

Und dann ist da noch ein dritter Bericht. Er handelt von Deutschland und spricht von der Frustration, die weite Teile der Bevölkerung beschlichen habe, weil sie erlebt habe und immer mehr erlebe, daß sich die Rechtsstaatlichkeit auflöse. Immer mehr Deutsche trauen dem Rechtsstaat und der Staatsführung nicht mehr zu, daß er sie gerecht vertrete. Zu oft hätten sie schon erlebt, daß sie angelogen würden, zu oft, daß ihre Interessen mehr ein störender Faktor als das eigentliche Objekt für die Politik sei. Sie fühlten sich in Deutschland als in einem Land, in dem keine Regeln und Gesetze mehr gälten. Stattdessen würden sie sich als Objekte einer Erziehungsabsicht erleben.

Was diese drei Berichte über alle Augenfälligkeiten hinaus wirklich eint? Es ist das Element der Sinnlosigkeit. Wenn dem VdZ nämlich schon lange etwas auffällt ist es genau dies: Die Menschen wissen nicht mehr, wozu sie auf der Welt sind, und was ihr Leben mit ihrem Land, ihrem Volk zu tun hat. Stattdessen tragen sie im wahrsten Wortsinn Bilder von etwas mit sich herum, das sie sich als Lebensversprechung vorstellen, das aber nie wirklich wird, weil werden kann. 

Es sind Vorstellungen von einem Leben, in denen jeder Hollywood-artige Zustände erwartet. Bilder von sich und seiner Zukunft hat, die das normale Leben niemals deckt. Es ist der Wahn, aus dem rein anthropologischen Befund, daß jeder Mensch "individuell" sei, darauf zu schließen, daß jeder zu etwas Besonderem, und zwar buchstäblich, also im Rahmen der Sozialordnung und deren Hierarchien berufen ist. Das betrifft über die social media längst nicht nur Europa oder den Westen, sondern die ganze Welt. 

Und hier sogar ganz besonders Afrika, wo es auf eine enorme Naivität trifft, sodaß die Vorstellungen der Afrikaner ganz besonders realitätsfern sind. Sie erleben über die Medien den Westen als etwas derartig Fremdes, Glänzendes, Fernes, daß sie ihre Träume mit so gut wie keinem Erfahrungswert mehr zusammenbringen können. Deshalb wirken Schlagworte besonders kräftig. 

Alle diese Vorstellungen können aber nur deshalb so mächtig werden und Prioritätsrang annehmen, weil die bisherigen (und natürlichen) Prioritäten immer schwächer wurden oder fast ganz fehlen. Und dabei spielt der Staat eine große, ja eine entscheidende Rolle. Denn es ist der Staat, der zu allererst eine Mission repräsentiert, die ein Volk, und über dieses dann das Individuum hat. Es ist die Identität eines Staates, in dem sich ein Volk zu einem Organismus zusammenbindet und -findet, der jedem seinen Platz zuweist und ihm implizit - nicht "behaupten", nicht explizit sagen, sondern indirekt, als realen Erfahrungswert - sagen muß, daß er genau dort gebraucht wird.

Tut das der Staat nicht, was vor allem eine Sache der Außenpolitik ist, über die sich ein Volk in seiner historischen Stellung erkennen können muß, werden sämtliche unteren Ebenen, von oben nach unten, aufgelöst. Das heißt, daß die über diese Gliederung passierende Konkretisierung und Spezifizierung der Aufgabe, die schließlich über die Familie bis in das einzelne Individuum wirkt, schlichtweg fehlt. Und sie ist nicht ersetzbar, auch nicht, wie oft getan, wird, über besondere Religiosität. Denn Religiosität ist zwar entscheidend, aber sie ist entscheidend, weil sie auf etwas Konkretes bezogen ist. Religiosität ist also das Aroma, die innere Qualität - einer konkreten Aufgabe. Wer die innere Haltung hat, sich ganz in eine Aufgabe hinzugeben, wird selbst als tief Religiöser dann und so gut wie immer scheitern, wenn er gar keine Aufgabe (die dann "Sendung" ist) sieht. Und diese Aufgabe ist zu allererst eine Frage der Identität.

Es geht also gar nicht so sehr um die "Möglichkeiten", auf die sich vor allem die beiden Berichte über materielle Zustände einzudicken versuchen. Es geht um Sinn, um real erfahrenen Sinn, und dieser erschließt sich über Identität. Die als definierte Beziehung, als Ort der zu anderen Orten in qualitativen Beziehungen steht, also als "Raum", auch die Aufgabe vorgibt. Erst dann läßt sich auch jeder Zustand als Herausforderung annehmen. 

Wir haben es heute also nicht einfach mit sozialen Mißständen zu tun. Wir haben es mit Heranwachsenden zu tun, die aus Identitätslosigkeit NULL BOCK haben, für sich keine Aufgabe mehr sehen, und zu bloß noch Vegetierenden werden, von denen die einen noch die Chance haben, ihre innere Leere durch Konsum scheinbar zu füllen, die anderen aber auch darauf pfeifen, und möglicherweise sogar aus dem richtigen Gefühl heraus pfeifen: Weil sie im Unwesentlichen keinen Sinn erkennen können.



Morgen Teil 2) Man muß auch hier ganz neu ansetzen




*211117*

Montag, 19. Juni 2017

Raum und Welt

Flucht vor Raum als Flucht vor fremdem Besitz, aus Mangel an eigenem Besitz (vielleicht nur aus fehlendem Mut vor Selbstsein, aus Angst vor dem Kreuz das Selbstsein ist?), aus Angst vor der Dämonie, aus Wissen deplaziert zu sein, am falschen Ort. Er gehört anderen.



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*090517*

Donnerstag, 8. Juni 2017

Raum - Mut

Raum ergreifen. bestimmen, in Besitz nehmen. Erst damit Welt schaffen. Der Dämonie entreißen.






*090517*

Montag, 10. August 2015

Möglichkeiten des Raumes

Beziehung definiert Raum. Wer Raum definiert, was nur durch die Beziehung der Dinge geschehen kann, gibt Beziehungen des Lebens darin Richtung.






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