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Donnerstag, 12. Mai 2022

Woran wir das Ausmaß des Heidentums erkennen (2)

Als erhellte sich in immer neuen Kaskaden die Lebensführung der Gegenwart, begreift man: Der Menschen Bindung ist kein Moment der leiblichen Abstammung 
Die leibliche Abstammung ist das fragile, ja "gar nicht vorhandene" Moment des Menschseins. Weil die Geistseele als das konstitutive Element des MENSCHEN ALS PERSON (und anders ist oder wäre er gar kein Mensch) das entscheidende anthropologische Faktum ist. 
Die leibliche Abstammung ist lediglich faktisch-praktisch von gewisser Bedeutung, die aber in der Regel vollkommen über- weil falsch eingeschätzt und von der wahren Abstammung - der Zugehörigkeit zu einem Geist, zu einem Namen, der einem nie gehört, sondern DEM man zugehört einerseits, dem man aber auch zugehören wollen muß, anderseits, ohne daß diese Bindung je mehr als Gnadenakt wäre, der nie mit dem Abkömmling mit- und einhergeht (der Sohn kann dem Vater die Identität und Zugehörigkeit zum Namen nicht nehmen, aber sehr wohl kann das umgekehrt geschehen) - nicht richtig auseinandergehalten wird. 
Im Ganzen des Menschseins gesehen ist sie kaum von Relevanz. Weil sie auf jeden Fall (auch) übewudnen werden muß wie jedes sonstige materiale, leibliche Datum, mit dem der Mensch konfrontiert ist. 

Mittwoch, 11. Mai 2022

Woran wir das Ausmaß des Heidentums erkennen (1)

In keinem Evangelium sehe ich die Anti-Heidnische Essenz dermaßen deutlich herausgearbeitet wie im Johannes-Evangelium. An der konkreten Aufarbeitung des Verhältnisses des Christen zum Judentum, die so aktuell ist, daß ich manchmal perplex bin, weil es von der Allgemeinheit bzw. der geistigen Öffebtlichkeit kaum gesehen zu sein scheint, zeigt sich exemplarisch auch das Verhältnis des Christen zum Heidentum. Insbesonders arbeitet Johannes die notwendige Abgrenzung zum Eckstein des Heidentums heraus, und das ist das Faktum der leiblichen, der körperlichen Abstammung und Vererbung, in seiem Verhältnis zur Geist-Seelischen Verfatheit des Menshen als anthropologischer Tatsache.

Auf die Jesus Christus durch die ganze Art und Weise seiner Lehre, seiner Inkarnation, seines Lebens auf Erden, durch die Art "wie die Erlösung geschehen ist" und wie sie zu sehen ist, die einzig gangbare, vor allem aber perfekt passende Anwort gibt. Das hat der Apostel Johannes zu einem der Zentren seines Evangeliums gemacht, und dann in Paulus nochwesentliche Ergänzungen gefunden. Beide sind ja des Griechischen kundig gewesen, und beiden ist das griechische Bildungsgut (über den Hellenismus, der seit Alexander dem Großen über diesen riesigen geographischen Raum des von Alexander aufgebauten Weltreiches, vom Indus über den Kaukasus, Kleinasien, Arabien bis nach Ägypten erstreckt hat) bestens vertraut. Ein Raum, dem der Makedonier in erstaunlich kurzer Zeit eine Struktur einziehen konnte, die ein Jahrtausend und mehr deutlich prägend gewirkt haben. Auch im geistigen Geschehen und dem Bildungsgut so vieler Millionen Menschen.

Sonntag, 3. April 2022

Ein Leben voller Wunderbarkeiten

So viel öffnet sich dem sehenden Auge, dem hörenden Herzen, auf daß die Welt in ein ununterschiedenes und ununterscheidbares Ineinander aller Ebenen und Höhen des Seins entspreche. Die Welt wird als das erkannt, was sie ist - eine unausgesetzte Komposition des Ineinander und Miteinander unendlicher Wundergeschehen, deren Zeugen wir täglich werden können. Eine Welt, wie sie in der Kirche Wirklichkeit geworden ist, geschenkt und gespendet, durchtränkt und durchweht vom Geist Gottes.

Immer wieder stehe ich also staunend vor so einfachen Diongen wie dem Matrikelwesen. Jenen Büchern, die die Priester seit vielen Jahrhunderten führen, und die keineswegs der Verwaltugn wegen eingerichtet wurden. Diesen Nutzen haben sie zwar auch, aber er ist nur der Abfall des eigentichen Vorgangs. Und er ist, ind en Getauften auch die Namen jener aufzuzeichenn, die am Jüngsten Tag aus ihren Gräbern hervorgerufen werden. Denn nur der in Gott Getränkte hat auch einen Namen, nur er hat etwas auf alle Zeit Bleibendes.

Freitag, 29. Oktober 2021

Auch ein begrüntes Straflager ist keine Sommerwiese (2)

Warum heute allgemein geglaubt wird, daß es alles für alle und überall gibt. Und warum das alles nichts ist. Aus einem Kohlenkeller wird aber niemals ein Barockschlössel - so gut Sie ihn auch gießen. Und: Zum Archetyp China, et al. - Damit ist jedem Gedanken die Grundlage entzogen, der da "fließende Grenzen" rationalisieren soll. In der ein Ding nahtlos in ein anderes übergeht, alles Dasein, alle Dinge also nur GRADUELL sind. Als Zwischenphase auf einer langen Skala, die vom Kieselstein am Grund des Marianengrabens über die Fenchelknolle im Glashaus von Puerto Romadur, den Audi Quattro Bj. 1998 vor der Garage eines Geheimdienstlers in Kuala Lumpur, den Suppenlöffel des Eskimo, aus einem Stück geschnitzt aus dem Zahn eines Narwals, dem Bono Bono in den Palmenölplantagen Sumatras, und dem Würstelstandbesitzer im Wiener Prater (Prado=Wiese; ein Rest von Spanien weht immer noch über der Karlskirche, diesem Präzisionsausdruck des WAHREN DRITTEN ROM).

Damit GIBT es gar kein Ding, kein Etwas, alles könnte alles sein, und daß das nicht so ist, ist Zufall. Aber das Zeug dazu, das hätte es. So und nicht anders ist das Weltbild des Evolutionisten, er weiß es nur nicht.

Damit ist ein Ding auf immer und ewig das, was ihm als Idee vorausgegangen ist. Und das dann - normalerweise müßte man sagen: Aus Liebe, was zu begreifen bei Australien wirklich schwerfällt, obwohl man es irgendwie und irgendwo auch dort so sagen muß: Irgendeiner, der mit seiner Ausformung zum Land mit Begriff und Namen (in das dann die Aborigines eingegliedert wurden, denn die HATTEN kein Land) maßgeblich zu tun hatte, muß diesen Subkontinent geliebt haben - seine Existenzsäulen bedeutet. Seine Grundgrammatik, die alles formt, was auf den Fundamenten aufgerichtet wird. 

Da kann man nicht einfach so wechseln, sodaß ab morgen und per Deklaration die Strafkolonie ein freier Staat wäre. (Solch ein Übergang wäre nie ein Übergang, sondern die mehr oder weniger kleine Kluft ZWISCHEN ZWEI DINGEN, zwischen Tod und Beginn, sozusagen, und zwar TOTALER Beginn, nicht "Neu-Beginn", oder "Reform", wie man es sich nach einer Beichte vornimmt. 

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Auch ein begrüntes Straflager ist keine Sommerwiese (1)

Weil Leser T schrieb und eine Frage stellte, die vielleicht auch anderen in einem Kämmerchen ihres Herzens herumspukt, noch einmal eine Replik auf Australien und das Thema, das dort eigentlich berührt war. Berührt, weil ich hier Australien als "Strafkolonie" bezeichnet hatte. Ob das nicht ein bißchen übertrieben, blutleer sei. Australien sei doch ein hochmoderner Staat, demokratisch, und nur, weil es jetzt in der Covid-Geschichte "ein wenig überzieht", könne man doch nicht so tun, als hätte sich der Charakter des Landes nicht geändert. T verwies auf einige Australier, die er persönlich kenne, und sogar im Gegenteil "sehr freidenkerische Menschen" seien, die sich kein Blatt vor den Mund nähmen.

Mich hat das nachdenklich, und dann fast ein wenig besorgt gemacht. Nicht nur, weil es in diesem scheinbar modernen, kapitalistischen, reichen, freiheitlich lebenden Australien einige weitere Merkmale gibt, die auf einen Staat deuten, der in seinem Gestus dazu neigt, zu diktieren. Und seine Bürger so zu behandeln, wie man eben nur Häftlinge behandelt. Man denke an die "Energiewende", wo Australien seine aus Rohstoffen geschöpften Gelder mit einer kaum zu glaubenden "Großzügigkeit" in Speicherlösungen verpulvert hat, die nur Kopfschütteln hinterlassen. 

In einem Land, das in diesem Bereich noch zahlreiche weitere Absurditäten geliefert hat, sodaß regelmäßige und großflächige Stromausfälle keine Seltenheit mehr sind. "Aber der Mann von Welt genießt - und schweigt." Wozu es nicht unbequem ist, auch die Medien zu besitzen. 

Donnerstag, 16. September 2021

Na klar, dann nicht.

Über Monika Donner* wollen wir nichts mehr sagen. Derzeit steht er wieder im Fokus "alternativer" Medien, die, so der Eindruck, in letzter Zeit wie die Pilze aus dem Boden schießen. AUF 1 liefert auch ein Gespräch, das wir hier auch prompt mal zugängig machen. 

Ein wenig aber hat der VdZ nicht nur den Eindruck, daß sich schön langsam alles wie in einer Dauerschleife, durchgeschaltet auf allen Kanälen, ständig wiederholt. Und zwar sowohl bei diesen wie bei jenen (und diese Demonstrativpronomen haben nix mit Gendering zu tun), sondern daß nun jeder dabei sein will, es auch zu sagen, und angeblich auch immer gesagt hat. Das entmutigt fast ein wenig.

Donner sagt (und schreibt) jedenfalls viel. Und er meint alles "beweisen" zu können. Welche Aussage der VdZ mittlerweile nur noch rührend finden kann. Weil Donner damit zu meinen scheint, daß man so wie er seine "Theorie" über die Zusammenhänge "seit dem Ersten Weltkrieg" (und weiter zurück) aus einigen Büchlein zusammenstoppelt, die genau diese Theorie zur Grundlage haben, und dann von "beweisen" spricht. 

Samstag, 10. April 2021

Gedankensplitter (1122)

Wenn wir aber sagen, daß alles in einem Wort gründet, so muß noch mehr gesagt werden (und wir haben die Ableitung hier bereits einmal unternommen), daß dieses Wort ein Name ist. Der Name für jene Person, die dieser Name ist, sodaß die Teilhabe an diesem Namen auch die Teilhabe an der Person selbst bedeutet. Wenn es denn in der rechten Haltung geschieht, ungeschuldet und nur im Bitten und Flehen. Nicht als Herrschaft, also keineswegs als Namensmagie. Wie die Kabbalah (glaubt man Gustav Meyrink in seinem "Golem") es technisiert zum Weltenschlüssel in der Sprechformel machen möchte.

Sagen wir nicht "Im Namen des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes", weil wir eine Handlung als von diesen kommend bezeichnen? Sodaß in dieser gesagten Teilhabe eine ganz reale stattfindet, und nur im Sagen dieses "im Namen"?

***

Aber nun wird der Weg kurz, von dem aus diese Teilhabe an dem einen, alles begründenden und tragenden, im Sein erhaltenden Namen auch in einem anderen Punkte zur Weltensäule wird. Denn in der Öffnung, die dem Herzen eigen wird, wenn es in dieser rechten Haltung actu wird, öffnet sich das Tor der Welt hin zum Göttlichen. Das aus dem Universalen, das dem Namen Jesu so eigen ist, daß beides in eins fällt, und nur ihm.

Und zwar vorstellbar wie Abspaltungen, wo aus einem riesigen Pool von Möglichkeiten an Menschen alle Menschen hervorgehen. Wo somit aus dem Namen, in dem alle Namen enthalten sein müssen, alle Namen hervorgehen, in denen sich eine Seele zum Menschsein konzentriert. 

Ob nun im Johannes oder Agnes oder Herbert, ob in Birger oder Michael oder Dragobert, sind die Namen die Pflanzschalen, in denen sich ein Allgemeines zu einem Spezifischen, ein Universales zu einem begrenzt Individuellen, auf einen bestimmten Ort konzentrierten Individuum - denn es ist der Ort, der individualisiert! es ist der Ort, der somit das ist, wodurch etwas und jemand "wird" - konstituiert. Konstituiert durch die Selbsttranszendierung. Und die ist ein Selbstüberschreiten auf ein Bild hin, auf eine Person hin, die der "Ur-Birger,", der "Ur-Sebastian", der "Ur-Johannes" war. 

***

Jeder später Kommende, dessen Teil als Ablaufmenetekel der Welt, in dem das Grundgesetz der Thermodynamik in einer eigenen Charakteristik erkennbar wird: Als Weg vom Allgemeinen zum je Spezielleren, das zugleich aber auch das Ärmere ist. Bis sich das Geflecht der Menschen so stark ausdifferenziert hat, bis auf dem schmalen Ort, an dem er zu stehen kommt, eines Tages gar kein Platz mehr ist, auf dem noch ein Mensch zu stehen kommt. Spätestens dann ist er da, der Tag des Endes, der Tag der Abrechnung, der Tag an dem die Welt aufhört. 

Aber jeder dieser Kurt und Fritz und Gerlinde und Rattaboimine, jeder ist nur ein später Folgender dieses einen Ur-Fritz und -Gustav. Und er ist überhaupt nur er selbst, wenn er sich als Repräsentant dieser einen Art Mensch zu sein begreift. Dessen Individualität nicht darin besteht, daß er eine andere Kappe oder ein anderes Wamst oder ein anderes Güpfelchen am Schnubbel trägt, sondern daß er eine andere Art der Repräsentanz hat. 

Die sich freiich im Rahmen der Grundgesetztheiten des Gustav-Seins bewegen muß, die aber dadurch "eigen", "individuell" ist, und NUR dadurch, das sie an diesem Ur-Gustave teilhat. In der rechten Haltung. Sonst fällt er ins Nichts. Nicht ganz, aber graduell, und mehr oder weniger, und irgendwann zu viel. Dann ist er tot. Und dann ist er vergessen.

So existiert nur, was im kleinen Plätzchen, dem Ort als Wesenskomposit, als Einzelnes einem großen oder riesigen Allgemeinen zugehört, in dem der kleine Name am äußersten Vorposten der Fronten und Begegnungen am großen ganzen Namen teilhat. Und diesem Namen alle Ehre verschaffen will, wie aus dieser Ehre selber lebt und den ihm gehörigen Grad der Autorität hat, weil ein Name auch eine bestimmte Position impliziert.

***

So wie wir "Cappi" zum Orangensaft, "Keli" zur Limonade, Cola zum (egal welchem) Schwarzgebräu sagen, "Flotte Lotte" zum Passiergestell, und "Rüstiger Hansganz" zum Sauschlägel, die alle einmal und zum ersten Male unter diesem Ur-Namen an unsere Ohren gedrungen sind. Sodaß fortan im Namen eine Gattung des Existierens die Weltbühne betreten hat. Und alles Dingelchen, das fortan die Nutzanwendung fortführt, die nun im Weltengefüge ihren Platz, Anspruch und Pflicht weil Erwartungshaltung in so unzähligen anderen erweckt hat - denn eine Nachtbar ohne Cola ist nicht mehr möglich, die Nachtbar ist darauf ausgerichtet. 

Ein Caesar ist ein Kaiser, eine Art, ein Ding, das einer Person entstammt. Ein Name wurde zum Ding, zum Titel! Mit dem sich mancher gerne schmückt, und noch mancherer alles daran setzt, daß ihm dieser Titel zugesprochen würde. Von jemandem, der diesen Namen in der Hand hält, um ihn vergeben zu dürfen. Dessen eigene Position in der Welt sich sogar (mit) daraus ableitet, daß er diesen Kaiser/Caesar zu vergeben, jemandem auf den Kopf zu drücken hat. Auf daß dieser unter dem höchlichsten Hut verschwinde, der Kaiser/Caesar ihn absorbiert.

Was sich im großen Weltenspiel so nachvollziehbar abrollt, hat dort nur seine große Musterrolle für jeden Einzelnen. Nur die Ebene ist anders. Die Art ist dieselbe. Und der Schweizer (der Melkknecht) ist nicht weniger KaiserSchweizer, wie der DreiPhasenhobler der KaiserDreiPhasenhobler, und wie der KonnotationenAmbrosius ein KaiserKonnotationenAmbrosius ist.

***

Haben wir es denn heute aber anders? Sollten wir uns nicht (wenigstens hier) jeden Jammerton ausnahmsweisig versagen? Nennen wir unsere Kinder nicht nach Vorbildern, an denen wir Eigenschaften bewundern, die wir selber gerne hätten? Oder wir, indem wir sie in unserem Nachwuchs (endlich) finden? Hat sich also in der Teilhabe an den Eigenschaften eines Ur-... durch und mit der Namensgebung je etwas geändert?

***

DAS ist der Grund, warum wir als alte Katholen, die wir nun mal sind, nicht den Geburtstag feiern, wie es die Heiden tun und getan haben, und damit die Welt und die leiblicher Abstammung hochpriesen als wäre sie der Umstand, daß es von diesem oder jenen in die Welt gebumst wurde auch ist, was ein Ding zu einem Ding macht, nein: Ein Ding wird zu einem Ding, weil es seinem Begriffe zustrebt, und ein Heinrich ist ein Heinrich, weil er seinem Väteli und Müateli ein herzlich Pfiatgott jodelt, wenn er aufbricht, um dem ersten Heinrich der Weltgeschichte zu- und nachzustreben. 

Sodaß dieser Heinrich der Stammvater einer ganzen Pyramide, ja eines Pyramidengebäumsels wurde, das er stolz dereinst vor den himmlischen Vater trägt, der sie dann an den großen großen Knopf, diesen einen Namen anhängt, an dem alle Pyramiden hängen, große, kleine, alle, sodaß am Beginn wie Schlußstein der Kathedrale der Schöpfung auch hoffentlich ein kleines Ambrosius "sein-wollen" hängt. Siehst Du's nicht, werter Leser? 

*260321*

Donnerstag, 8. April 2021

Gedankensplitter (1121)

Je älter ein Mensch wird, desto weniger Bedeutung hat das, was sich in seinem Leben bislang abgespielt hat, als Einzelereignis. Vorausgesetzt, wer wird erwachsen, wird seine im Alter aktuelle Existenz zu einer Abstraktion seiner Vergangenheit. 

Aus allem, was gemeiniglich als "Erlebtes" und "Getanes" bezeichnet wird, destilliert sich dann ein Abstraktum, das selbst wiederum eine Existenz fundiert. In der dieser Mensch nun lebt und sich darstellt. 

***

Sogar Erwachsenheit selbst läßt sich somit daraus erkennen, daß ein Mensch in der Abstraktion - das heißt, daß das hinter allem Stehende Wirkliche, wirklich Verursachende, wirklich Treibende, wirklich Geschehende - zu einer immer reineren Wahrheit über sich und damit (!) über das Leben selbst gelangt. 

Was nur dann möglich ist, wenn alles Erlebte (als Begegnendes gesehen) zu einem Probefall für ein Exemplarisches wird. Das erst gesehen werden kann, wenn man sich vom Faktischen löst - der Welt also stirbt! - und die Grundzüge sucht, die allem zugrunde liegen.

So führen sich beim alten Menschen, der erwachsen wurde, sämtliche Linien zu ein und derselben Wurzel und Quelle zusammen. Ziel wie Ursprung zugleich, sind sie das ein Leben wirklich Tragende. Und das ist ... ein Name.

***

Letzthinnig kann ein Mensch jedoch nur als alter Mensch im Vollsinn erwachsen werden. Weil nur der Alte auch alle Lebensphasen durchlaufen hat; vorher gibt es zwar so etwas wie Erwachsenheit, aber nur auf die jeweilige Lebensphase bezogen. Die immer unvollständig bleibt, weil jede Lebensphase die vorausgehend in sich subsummiert, aber in einer neuen Dimension übersteigt. Dem, der jung stirbt, bleibt zwar die Möglichkeit sich zu vervollkommnen, aber nur jeweils auf seine Lebensumfänglichkeit und -phase bezogen. 

In diesem Sinn sind beim Mann im Alter von etwa 30 bis 33 Jahren (bei der Frau etwas früher, da ist es etwa im Alter von 28 bis 30 Jahre am Programm) sämtliche Potenzen seiner Welt- und Figurhaftigkeit angelegt und erreicht, weil auch sein leib-seelisches "Wachsen" sämtliche Potenzen erreicht hat. 

***

Nicht nur sind die in diesem Alter getroffenen Entscheidungen deshalb für jedes Menschenleben schicksalhaft, sondern er hält nunmehr alle Fäden in der Hand, die im Alter zusammenlaufen. Aber er erkennt nur die Fäden, und vielleicht (!) deren Richtung. Genau darum aber geht es. Ist er nicht in Vollbesitz seiner Kräfte (akmé), ist er nicht in Besitz seiner selbst - was Menschen im Laster, im Irrtum ausschließt, sie bleiben gewissermaßen dem Unverständlichen, dem Zufälligen, allen möglichen fremden Willen ausgeliefert - sieht er diese Fäden nicht in ihrer Wirklichkeit. 

***

Soweit sie seinem Lebensalter halt angemessen ist. Denn Begreifen im Sinne von Definieren, Interpretieren vermag der Mensch nur anhand jener Bilder und Gestalten, die bereits konkret in ihm vorhanden sind. Und hier haben wir es durchaus mit einer Quantitätsfrage zu tun, nicht nur mit einer der Qualität.

Und das trifft beim erwachsen werdenden Alten zu. Sodaß dieser diese Fäden in allen irdischen Ebenen nicht nur mehr und mehr sieht, sondern in ihrer Wirklichkeit erkennt, und damit (erst) das Leben in allen Äußerungen überblickt. 

Die immer auf Lebensstufen, Lebensphasen, nicht auf allfällige "kulturelle Allsonderheiten" bezogen sind. Sodaß erst der Alte sie in seiner Überblicksschau zusammenlaufen weil auf dasselbe ausgerichtet gewesen sieht, von dessen faktischer Form er sich nicht irritieren läßt.

***

Apropos Kulturen. Die Kulturen der Welt unterscheiden sich in ihren Spezifitäten, in ihren faktischen Details überhaupt nicht. Das will nur beim oberflächlichen Blick so erscheinen. Wo die Pfauenfeder "anders" erscheinen will als die des Eichelhähers. Nein, die Welt unterscheidet sich nie "inhaltlich", also in der faktischen Gestalt, sondern alles wird von ein und derselben Wirklichkeit getragen - und somit auch die Gestalten durchwest. 

Dementsprechend kennt der VdZ Menschen, die viel gereist sind, und ständig von allen möglichen Details erzählen, die sie hier und da "erlebt" haben, die nach wie vor in ihrer faktischen Wucht vor ihnen stehen. Und an die sie "glauben", auf die sie nach wie vor unabgelöst und fasziniert starren. 

Aber er kennt auch Menschen, die viel gereist sind, und kaum noch etwas erzählen. Weil sie erkannt haben, daß in allem Verschiedenen (und sie haben selbst einmal diese Verschiedenheit gesucht) das immer Selbe verborgen ist. Daß sich weder die Menschen noch das von ihnen geführte Leben wirklich unterscheidet. Nur das Material ist verschieden, nur das Material hat gewechselt, nicht aber die Wirklichkeit. Und nur um die geht es, nur die sucht der Mensch.

Deshalb ist der nicht Erwachsene nicht jemand, der nicht das Wirkliche suchte, sondern jemand, der sich vom Faktischen so beeindrucken läßt, daß es für seinen Erkenntnishorizont kein Wirklicheres gibt. Das wirklich Wirkliche aber findet er einfach nicht, auch wenn es ihn genau so bestimmt, wie jeden anderen. Sodaß der nicht Erwachsene zum wahllos Summierenden wird, ohne daß es zu einem Zuwachs an Erkenntnis kommt. Und damit zu einem Zuwachs an Selbstbesitz.

***

Nur im Erwachsenen summiert schließlich der Name seine gesamte Existenz. Die sich auf einen Punkt reduziert hat, der alles enthält - seinen Namen als Gesamtbild, als Gesamtton, als Gesamtklang. 

"Sich einen Namen machen" hat nur von dort her seinen Sinn. 

Damit wird aber auch verständlich, daß es in allen Kulturen anzutreffen ist, daß Menschen durchaus ihre Namen wechseln. Oder daß ihnen im Laufe ihres Lebens Namen zugedacht werden. Die Sitte des Ruf- oder Spitznamens hat somit durchaus einen Sinn, wenn sie aus diesem Umstand motiviert ist. 

Und nicht eine im Grunde schwere Beleidigung weil Nihilierung eines Menschen ist (werter Leser, das ist das Hauptwerkzeug des sogenannten Mobbing: Die Ignoranz, die Nicht-zur-Kenntnis-Nahme eines Menschen) und irgendeinen willkürlichen Namen heranzieht, der meist aus Bequemlichkeit den wahren Namen desjenigen nicht einmal zur Kenntnis nimmt, weil sich dessen wahrer Lautfolge gar nicht stellt. Die ... Mühe wäre. 

Solche Form von "Spitznamen" kann man zudem als Inbesitznahme durch die Gemeinschaft der "anderen" sehen. Die einem doch das Ich "zuwerfen" sollten, und das auch tun müssen, weil sonst den Menschen, der im Du sein Ich sucht, und das tut jeder, als mindestes in die Irre führen. 

In solchen Spitznamen erfolgt ein Niederzwingen in die Gemeinschaft, die in dem wesensfremden, willkürlichen, der Bequemlichkeit entstammenden Namen (der somit von einem selbst das Maß nimmt, nicht vom anderen, nicht vom "Namensträger") den anderen bestimmen und nicht in die Freiheit der Wahrheit stellen will. Denn dann bleibt der eigene Name, der Rufname, der einem selbst Grenzen setzt, ein Gefängnis, das nicht begreifbar weil eben irrational ist.

***

Solcherart kann man darüber nachdenken (und im Einzelfall ist es durchaus legitim), ob man nicht als älter Gewordener einen neuen, anderen Namen annimmt. Ob wir es in einer Zeit des Matriarchats (das immer eine Zeit der Irrationalität und Willkür weil Ordnungsfeindschaft ist) nicht sogar durchweg mit "falschen" Namen zu tun haben. Die das Wesen des neu Geborenen gar nie erfassen, sondern diesen immer nur zwingen wollen. Und zwar genau durch Fremdheit des diesem zugeworfenen "Ich" von dessen eigentlichem Wesen.


*260321*

Sonntag, 24. Mai 2020

Wer Eigentum vernichtet, vernichtet das Ich (2)

Teil 2) Warum Freiheit ein höheres Gut ist als Gesundheit


Wilhelm Schmidt schreibt in seiner Untersuchung "Das Eigentum in den ältesten Stufen der Menschheit": 
"Diese unmittelbare oder mittelbare Verbindung einer Sache mit dem Körper des Besitzers bezeichnet eben, daß er den Besitz seines Ich über seinen Körper hinaus auch auf diese Sache der Außenwelt erstreckt. Die Possessivbezeichnung, womit er dieses Verhältnis benennt, ist genau dieselbe wie diejenige, womit er den Besitz der eigenen Seele und des eigenen Körpers benannte; "mein Bogen", "meine Hand"; beides war jetzt in den Willens- und Tätigkeitsbereich des Ich hineinbezogen worden. Das Eigentum ist in der Tat nichts anderes als die Erweiterung der Willens- und Kraftsphäre über den Bereich der eigenen Seele und des eigenen Körpers hinaus auch in die Außenwelt hinein.
Man muß das Ich vernichten, um das Eigentum zu vernichten. (Was in anderer Weise, aber nicht weniger gravierend, auch umgekehrt stattfindet; Anm.)
In der Tat geht die Vernichtung des Privateigentums immer Hand in Hand mit Theorien kollektivistischer Psychologie, die den Einzelmenschen auslöscht und ihn als bloßes Produkt der Masse hinstellt. Andererseits ist die Entwicklung schrankenlosen und rücksichtslosen Privateigentums immer verbunden mit der ideologischen Atomisierung einer Gesellschaft durch Liberalismus und Individualismus, die nur zusammenhanglose - oder höchstens in der obersten Einheit eines Staates zusammenhängende - Ichs gelten läßt, von denen jedes im unbegrenzten Kampfe aller gegen alle rücksichtslos sich durchzusetzen versuchen kann. Da sowohl die eine wie die andere Auffassung des Menschen mit der Wirklichkeit in Konflikt kommt, so tritt dieser Zusammenstoß auch bei ihren beiderseitigen Eigentumsbegriffen ein."
Vielleicht erkennt der Leser nun endlich den Zusammenhang mit der aktuellen geschichtlichen Situation. Das Be-greifen (auch das ein Eigentumsakt, sic!) vom Eigentum ist einer der Bausteine, die uns klarmachen sollten, was Freiheit bedeutet, und was Beraubung von Freiheit bedeutet: Es ist eine Zerstörung des Ich. Und geht über jede Gesundheitsgefährdung (ob real oder nicht) weit hinaus, geht deshalb immer einer "Gesundheit" vor: 
Freiheit ist ein höheres Gut als Gesundheit! Deshalb haben sich oder wurden in der Geschichte bei Epidemien etwa DIE KRANKEN isoliert, im Sinne von (erst) ausgeschlossen, und isoliert nur bei Zustimmung (etwa in Krankenhäusern) weil dann auch gepflegt. Niemals aber wurden DIE GESUNDEN quarantäniert.
Wer deshalb da meinet, daß die Beschränkungen in der Corona-Krise, die den Menschen auferlegt wurden und werden, einfach so ohne Spuren bleiben, der hat sich um eine wirkliche Dimension getäuscht. Sowohl im Schaden an den Menschen, am Volk, an den Gesellschaften aller Ebenen, als aber auch im Schicksal der Regierenden vor Gott. Der Leser sei an dieser Stelle aufgerufen, das persönliche Schicksal der heute Herrschenden genauer zu verfolgen. Denn die haben sich auch in dieser Sache mit Gott angelegt. 
Weil derjenige, der jemanden anderen der Freiheit beraubt, das Eigentum über diesen im Worte anmeldet.



*270420*

Samstag, 23. Mai 2020

Wer Eigentum vernichtet, vernichtet das Ich (1)

Eigentum bedeutet die Integration der äußeren Welt in die eigene Persönlichkeit. Es ist damit kein einfach geistig bleibendes Etwas, sondern eine reale Handlung, und nicht rein mit äußerer Verfügbarkeit legitimiert. Denn dieser Sinn der Welt, die vom Menschen in seinen Besitz genommen werden soll, um ihn zu bereichern, macht Eigentum zu einem tief anthropologischen Wesensbestandteil des Menschseins. 

Etwas muß deshalb (eine gewisse Zeit) wörtlich-real "be-sessen" werden, oder "er-standen", oder jemand "legt seine Hand auf etwas" (was die Handauflegung egal zu welchem Zweck noch weiter ausleuchtet), "er-greift von etwas Besitz" (das Wort Emanzipation kommt von ex-mani-cipere, "aus der Hand geben", zugleich auch der generelle Freilassungsritus in der Antike). In der längeren Verweildauer von Etwas in der persönlichen Sphäre eines Menschen drückt sich der Verweischarakter von Zeitdauer und dem (eigentlich alle Zeit querstehenden, aber zeitlosen, also immer dauernden) Ewigen als geistigem, ontologischen Tatbestand aus. 

Eine Sache muß sohin, soll sie Eigentum sein, soll sie auch als Eigentum von der Mitwelt anerkannt sein, auf eine Art mit dem Körper verbunden sein. Sie wird als Eigentum "kundgetan", jemand legt sein Wort auf etwas.
Siehe den "Vatersname" in vielen Kulturen "Viszarjonno-vitsch/vic" oder "-ovna/icova" in allen Formen; siehe "Josef" oder "Josefi-ne" (im ungarischen direkt "Jozsefne"; nö=die Frau); "Männ-i-n", vom Manne genommen, hieß Adam die "E-va" - hört man da nicht im Laut dasselbe wie in "-vna"?; "Frau" kommt von "Frouwe" kommt von "Fron" kommt von Frow-n = "dem Herrn (zu-gehörig)" (idg., noch in "-row/-ow" im slaw.), somit von "dem Leib des Mannes zugesprochen"), oder "Björns-son" oder "-dottir"; siehe aber auch einfach den gebräuchlichen Familiennamen, der zumindest früher vom Manne oder von einer (auch Ort etc.) Zu-gehörig-keit (Wort/Eigentum/Hören ...) ausging.
Wie sehr der Zusammenhang zwischen Ding und (sprechendem beziehungsweise das Wort darstellenden) Mensch besteht und real ist, zeigt das von jedem Gekannte "stellvertretende Objekt", wo man in einer Gefühlsaufwallung (egal welcher Art) ein Ding "für" den Besitzer setzt. Man denke an das "sich an etwas auslassen". Und wie oft läßt sich die Wut gegen eine Person an deren Besitz aus. Dahinter ist keineswegs das an sich sehr sachliche, nüchterne Motiv der Eigentumsschädigung anzunehmen, sondern weit eher tatsächliche Vernichtungsreaktion gegen das Ich des anderen.

Dieser an sich geistige Zusammenhang wird in der Magie verdinglicht und technisiert. Weshalb an und für sich die Wirkung der Magie (man denke an Voodoo) auf die Bereitschaft des von ihr Betroffenen abhängt. Der Christ, um es vereinfacht zu sagen, muß sich vor der stellvertretenden Schädigung durch einen anderen also keineswegs fürchten, er ist immunisiert.

Vorsicht (aber nicht Angst!) ist aber deshalb angeraten, weil der Mensch gerne einmal Schwächen vielfältigster Art hat, in denen eine Einbindung in die Besitzsphäre des anderen (etwa durch Wünsche, oder durch aufrechte, nicht verziehene Verletztheiten, oder man denke an Neid) rascher entsteht als man denken könnte.

Endgültig Flügel bekommt der Geist, wenn man an die Weiterverflechtung zu den Begriffen "einsetzen" oder noch mehr "sich für jemanden einsetzen" denkt, mit welchen Worten (sic!) man sich sogar unter das Eigentum (Verfügbarkeit) jemandes stellt.

Und man erkennt die Bedeutung des Begriffs "Gabe" - als sich (sic!) einmal unter das Eigentum des Beschenkten stellen, andererseits dessen Sphäre anzugehören, wird die Gabe angenommen.
Es gibt kein vom Menschen (als Idee auf die sich das Ich hinüber ausstreckt, also transzendiert) hervorgegangenes Ding (sogar an Körpergliedern/-organen sieht man es), das nicht zumindest prinzipiell keinen Eigentümer und keinen Träger von Rechten daran hat.
Man kann die Zubehörigkeit von Eigentum zur Sphäre des Ich nach vielen Seiten (und ganz undramatisch) weiterdenken, etwa indem man an die ontologische Stellung von "Rechtsanwalt - Klient" denkt. Oder Auftraggeber - Auftragnehmer generell. Diese bilateralen Angelegenheiten von dieser Seite durchzudenken, erhellt sogar viel an sehr realen Fragestellungen und Problemen darin.

Eine Sache trägt eben (in irgendeiner Form) die Marke (also auch eine Form von Prägung, oder Mitgestaltung) des Besitzers. Was ein Wort sein kann, eine buchstäbliche Marke oder Kennzeichnung (man denke da an die beliebte Form von Initialen als "Name", als "Wort", oder das Symbol in einem "ex libri") in kleinen Gesellschaften natürlich auch die kollektive Erinnerung als Anerkennung sein kann.

Im Recht, das erst ab größeren Gesellschaften eine Explizierung braucht, spielt diese Erinnerung übrigens eine große Rolle. Man denke an das auch in unseren Ländern noch lange, ja manchmal das bis heute gebräuchliche Abschreiten des Besitzes als Zeichen nach außen wie als Vertiefung der Erinnerung. 

Daran wird noch deutlicher, was nur ein geistig Ding ist: Daß nämlich Eigentum ein "gemeinsamer Ort" ist, auf dem die besessene Sache wie der Besitzer sich aufhalten. Anerkennung von Eigentum bedeutet somit immer die Anerkennung eines "Ortes in einer Ordnung", einer Landschaft des Sozialen als Landschaft von Welt. Somit IST Besitz äußere, beziehungsweise eine außenseiende Welt, und zwar im eigentlichsten Sinn. 
Sodaß man Welt als "ge-äußertes", lebendiges und als solches, wirkendes Wort gut verstehen kann.
Doch nie ist es das bloße Äußerliche, das den wahren Kern des Eigentumsbegriffes ausmacht, sondern die innere, seelische, geistige Integration. Man denke an das "Merken" eines Gedichtes (das nun zum Eigentum, zur realen Erweiterung wird), oder an den Eigentumsverlust, wenn eine Sache "vergessen" wird, sich niemand "er-innert", daß ein Ding und ein Besitzer zusammengehören.


Morgen Teil 2) Warum Freiheit ein höheres Gut ist als Gesundheit



*270420*

Sonntag, 14. Juli 2019

Hommage an einen ungarischen Bildhauer

Der Leser findet hier die Übertragung eines Textes ins Deutsche, der als Vorwort zu einem kleineren Bildband über den wohl bekanntesten, mittlerweile hoch betagten ungarischen Bildhauer László Kutas und von Mihály Praznovszky verfaßt wurde. Er ist bemerkenswert, und soll Ihnen nicht vorenthalten werden. 

Wer ist László Kutas?

Da sitzt mir ein kleiner Junge gegenüber, der mir ins Gesicht schaut. Natürlich weiß ich, daß ich es bin, der ihn beobachtet, aber ich stelle fest, daß er es ist, der mich auffordert, ihn zu studieren. Selbstverständlich mache ich das, was sonst. Und obwohl ich ihn nicht kenne, erinnere ich mich an ihn und seine Geschichte. Er muß der junge Mann sein, der in dieser unvergeßlichen Erzählung eines großen ungarischen Schriftstellers, der in der Manege eines Zirkus in die Höhe steigt und auf einem unglaublich dünnen, gefährlich schwankenden Seil seine Geige hervorholt und jenes Lied spielt, das seit seiner frühesten Kindheit in seiner Seele klingt. Er weiß, daß jeder Mensch in sich einen Traum hat, für dessen Verwirklichung er sein ganzes Leben aufs Spiel setzt.

László Kutas - kutasgaleria.hu  
László Kutas hat den Traum von diesem Jungen in seinem Clownkostüm und dieser mehrspitzigen Kappe auf dem Kopf, ließ ihn niedersitzen, seine Hände ineinander verschränken, und goß ihn dann in Bronze. Den Rest überließ er mir, dem aufmerksamen Betrachter, der ich die Geschichte um ihn vollenden muß. Der Bildhauer vertraut mir, weil er darum weiß, daß seine Skulpturen den Betrachter dazu anregen, zu reden. Nach der ersten Erfahrung, von einer der Skulpturen von Kutas angeblickt zu werden - die man als Mischung von Gelassenheit, Überraschung und innerer Bewegtheit bezeichnen könnte - gelangt der Betrachter auf die zweite Stufe, wo er der Figur einen Namen gibt, und ein Gesicht identifiziert, das von einer Geschichte ihres Schicksals umgeben wird, bis der Betrachter schließlich beginnt, diese Figuren in sein eigenes Leben, seine Erinnerungen und Träume einzubauen.

In diesen paar Zeilen sind, so habe ich den Eindruck, alle Schlüsselbegriffe zu Kutas' Leben, Arbeit und Popularität enthalten. Denn alle seine künstlerischen Werke unterschiedlichster Größe - einige sind größer, einige kleiner, einige stellen Einzelfiguren dar, andere Paare oder Gruppen - führen eine Geschichte mit sich. Sicher, manchmal können wir das Rätsel nicht lösen, worüber eine Gruppe von jungen Frauen, die auf einer Bank sitzen und miteinander tratschen, gerade redet. Und Männern ist die Logik ohnehin unzugänglich, die die Gespräche von jungen Frauen prägt und deren Inhalte so unvorhersagbar macht. Aber László Kutas versucht es immerhin, solche Situationen zu interpretieren.

Andererseits schafft er es aber immer wieder, Szenerien uneindeutig zu halten, wenn er etwa kultivierte Frauen (diesem Adjektiv fehlt leider jedes Volumen und jede Linienführung) sitzen, liegen oder auf einem Bronzesofa, -diwans und -couches in so spezifischen und aufregenden Posen sich ausstrecken läßt. Der Höhepunkt männlicher Sehnsüchte bricht auf, mit dem jemand diese kleinen Bronze-Venusse umkreist. Wir müssen an dieser Stelle das Wort Sehnsüchte relativieren, denn wir haben es hier mit einer Welt unerfüllten Verlangens zu tun, mit einer Welt, die sich rasch zu einer Welt der Heiterkeit, einer leichten, heiteren Stimmung, des Humors, der Ironie, des Kicherns oder gar des herzlichen Auflachens entfaltet.

Ich habe diese zwei oder drei Frauen bereits erwähnt, die auf einer Bank sitzen. Aber was ich so richtig an Kutas Statuen genieße ist der Umstand, daß man zu allen diesen individuellen Stücken ein ganzes soziales Umfeld konstruieren kann. Etwa wie man es beim Betrachten der kleinen Zimmer und Stuben bei diesen altmodischen Puppenhäusern tut. In gleicher Weise können wir mit allen seinen Statuen eine kleine, intime Welt bauen, eine Welt der Träume. Und hier haben wir den nächsten Schlüsselbegriff.

Man nehme zum Beispiel dieses kleine Kammermusikensemble, bei dem wir einmal mitwirken wollten, aber dann doch nicht konnten, weil uns das feine musikalische Gehör fehlte, das notwendig gewesen wäre. So daß wir an die Stelle dieses tiefgründigen Vergnügens, an der Schöpfung von Musik teilzunehmen, das etwas andere, einfachere Vergnügen setzen mußten, der Musik zuzuhören. Mit Kutas' Figuren aber können wir uns in die Vorstellung hineinträumen, daß wir nun doch die Geige spielen, die Oboe, das Saxophon, oder was immer wir gerne hätten. Und sie spielen für uns dann unser eigenes Wunschkonzert. So daß man sagen kann, daß in Kutas' Welt niemand allein bleiben muß, weder die Statuen, noch ihre Besitzer. Und vielleicht ist das eines der größten Geschenke, die uns Kunst und Künstler machen können: Daß sie uns aus einer sehr ursprünglichen Einsamkeit herausholen können. 
 
Von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt zu einem zweiten Schlüsselwort zu Kutas' Kunst, und das ist das Wort "Liebe". Sogar Menschen, die Kutas nie persönlich begegnet sind, können diesen Zauber der Persönlichkeit des Künstlers fühlen.
 
 Er ist eine Art von "Beschenker" als Künstler, wie ich das für mich bezeichne. Er ist jemand, der sich in kleine Geschenkpäckchen zerteilt. Er kann nicht widerstehen, mit jener liebevollen Geste in unser Leben einzugreifen, mit der er uns ein Geschenk macht. (Wobei gesagt sein soll, daß es schwer ist ihm nicht "begegnet" zu sein, nachdem die Statuen mit fixierbaren Bewegungen, wie bildende Künstler sie verwenden, nach ihm benannt wurden.) Und vor allem mit seinen Kunstwerken macht er uns diese Geschenke - neben Humor, Begehren und Ideen verbreiten seine kleinen Statuen Liebe, die Liebe zur Musik, zum Spiel, zur Existenz überhaupt, und die Liebe zum eigenen Leben, genauso, wie es der Bildhauer selbst mit seinem vollen Gewicht macht. 
 
Wie es aussieht, ist sich Kutas dieses Umstands auch bewußt, und er steht auch offen dazu. Er selbst meint, daß er während des Tages nur "existiert", daß er aber in der Nacht "lebt". Tagsüber kann es schon vorkommen, daß er mit zitternden Händen und größter Spannung der Enthüllungszeremonie zu einer seiner Statuen entgegenfiebert, die wieder einmal irgendwo an einem öffentlichen Platz in einer Ecke Europas der Öffentlichkeit übergeben wird. Aber nachts, da lebt der Bildhauer - und war nicht die Nacht immer schon jene Zeit, in der der Mensch seine Träume gelebt hat? Und es sind diese Träume die den Künstler dazu treiben, seine inneren Phantasien in die Realität umzusetzen. Denn eine Menge guter Dinge geschehen in der Nacht, die dann unter den Händen des Künstlers zu Leben erwachen. Um Geschichten, Begehren, Hoffnungen, aber nicht zuletzt Gebete nicht zu vergessen.

Laszlo Kutas - Frauengruppe; Miskolc (Ungarn)
Denn in den Nächten, da betet Kutas zusammen mit seinem Lieblingsautor, Gyula Krúdy: "Gütiger Gott, gib mir stille Träume und eine ruhige Nacht. Gewähre mir, ich bitte Dich, daß ich die sirenenartigen Stimmen der Frauen nie in meinen Ohren habe. Beschütze mich, guter Gott, daß ich den Frauen nicht verfalle." Bis er schließlich, schon im ersten Morgengrauen, in ungeheurem Tempo alle diese Frauen schafft, ob sie auf einer Couch sitzen, an einer Bar lehnen, ein Balkongeländer berühren, ein Fahrrad halten, bekleidet oder nackt sind. Und während er das macht, betrügt er die ihm nicht so gut bekannte Sehnsucht, die uns dazu drängt, den Frauen doch zu verfallen.

Es geht also immer wieder um die Frauen ... Obwohl natürlich Kutas Welt weit komplexer ist, weit vielfältiger. Und dieses Argument kann jederzeit durch die dutzenden, lebensgroßen Statuen belegt werden, die überall im Land stehen. Darunter viele Skulpturen von Menschen, die in der Geschichte und Geisteswelt Ungarns Bedeutung hatten, oder Büsten herausragender Pädagogen. Und ich habe dabei noch gar nicht die Medaillons erwähnt, die man mit Preisen überhäuft und sogar Staatsmännern als Präsent überreicht hat. Oder seine Erinnerungsmünzen, die er für verschiedenste Jubiläen in Gold oder Silber angefertigt hat. 

Und wir dürfen diese kleine, ungemein populäre Statue von Mary Poppins nicht vergessen, die auf dem Ostwind reitend in unser Leben tritt, um es glücklicher zu machen. Die uns vor Augen führen soll, daß unser Leben wunderschön ist, und daß das Vergnügen daran kein Ende haben muß. Daß Gelassenheit unerschöpflich ist, natürlich ebenso wie die Güte. Und die soll unsere Fähigkeit stärken, bis an unser Lebensende Kind zu bleiben. Diese zarte, englische Lady ist genau wie der Ungar László Kutas. Sieht man vom Umstand ab, daß Kutas nicht verschwindet, ja daß er sich sogar weigert, wieder ins Märchenbuch zurückzukehren. Weil er für sich die Forderung sieht, Pflichten und Aufgaben zu erfüllen, die er noch nicht erfüllt hat. Erkennbar daran, daß die Welt immer noch nicht so ist wie all die Träume, die während der durchwachten Nächte aufsteigen.

Das hat alles aber auch damit zu tun, daß er seinem Namen gerecht werden will. Übersetzten wir deshalb einmal diesen Namen in eine Fremdsprache. Denn 'Kut' heißt "Brunnen", und 'Kutas' bedeutet so viel wie "der, der einen Brunnen hat" oder "aus ihm gibt." Brunnen enthalten ja bekanntlich sonst verborgenes, kühles, klares, lebensspendendes Wasser - das also, was man im Märchen als "Wasser des Lebens" bezeichnet. Wir wissen außerdem von je her aus Erfahrung, daß Familiennamen und die Merkmale ihrer Träger nicht selten in vollkommener Übereinstimmung stehen.

Wir können aber in keinem Fall unsere Namen einfach ablegen wie ein Kleidungsstück. Wir sind immer auch unser Name. Im Falle Kutas' strahlt diese Übereinstimmung jedoch in hellstem Glanz.

Glücklich jene, die eine von Kutas' Statuen besitzen.

Mihály Praznovszky, in "László Kutas


Laszlo Kutas, Harlekin, Bronzeguß - Photo with courtesy Leser U





Sonntag, 10. Februar 2019

Legitimation muß als Kind erfahren werden

Es gibt freies, mutiges, schöpferisches Handeln nur, wenn es sich auf ein inneres Wissen um Legitimität berufen kann. Daraus erst ergibt sich die "Sendung" in die Welt. Diese Legitimität kann sich aber nur auf eine absolute Quelle berufen, alles darüber, also alles, das weiter "in die Welt hinein gerückt" ist, bezieht sich selbst wieder nur darauf, kann diese absolute Legitimität nie ersetzen. 

Woraus aber bezieht der Mensch seine Legitimität? Er bekommt sie in den allersten Jahren seiner Existenz (das heißt, daß auch Vorgeburtliches hineinspielt). Das Kind erlebt in seiner engen, tief abhängigen Union mit der Mutter, in der das Kind fast "eins mit ihr" ist, also noch nicht individualisiert ist. Was nur ein Selbstakt sein kann, also mit dem Heranwachsen, und mit der Bildung eines selbständigen Selbst in der Adoleszenz abschließt, wo der Mensch definitiv in die Welt hinaustritt und sich ihr gegenüber zu verhalten, also sein Selbst in ihr zu positionieren lernt. 

Wie erfährt das aber ein Kind? Es erfährt es im Erleben der Situation, in der es sich von Anfang an (also von Empfängnis an) befindet, in die es hineingeworfen ist.  Das heißt hier sogar ganz konkret - in der Situation der Mutter dem Vater gegenüber. 

Bildet diese Situation nicht das Grundverhältnis des Weltseins ab, erfährt das Kind von allem Anfang an eine Welt, die den wahren, ontologischen Verhältnissen, die es nur "fühlt", nicht entspricht.  Was ist diese Grundsituation der Welt? Es ist die personale Zueinanderordnung von zwei Personen, zwischen denen eine dritte waltet. Es ist die Stellung, die der Mann - den das Kind nur über das Wort erfährt (selbst körperlicher Kontakt würde das nicht ändern, im Gegenteil, sogar verwirren) - der Frau gegenüber hat, und umgekehrt. 

Hat die Frau nicht die Haltung des Empfangenden, das die Materie gegenüber der Idee, dem Wort hat, nimmt auch das Kind diese Haltung nicht an. In der Haltung der Mutter, in ihrer Ausrichtung, ist also auch die Quelle der Legitimität bereits vorgeprägt. Erfährt das Kind in der Mutter nicht den Vater als Quelle der Legitimität, wird es von Anfang an auf der Suche nach dieser Legitimität sein. Und es wird sie woanders suchen. Es wird sie dort suchen, wo es die Mutter selbst sucht - in der Allgemeinheit. In der Masse. Im Zeitgeist. Im Mitschwimmen mit dem Strom, dem einzigen, was die Mutter gegen den Anspruch des Vaters aufbringen kann.

Erst wenn man diese Unterscheidung erkennt, wird auch klar, warum die bloße physische Präsenz des Vaters allfällige Legitimität nicht automatisch liefert. Ist der Blick der Frau nicht auf den Mann gerichtet, der ihr Identität gibt (die im Namen anfängt, weil ja die Welt selbst im Namen anfängt), der die Welt des Wortes, der Idee, damit der Weltordnung bedeutet, wird er das auch nicht beim Kind sein. Das wird durch Väter, die meinen, auch Eigenschaften der Mutter zu zeigen und ausbilden zu müssen (mit allen möglichen Formen der mütterlichen Zuwendung etwa), sogar noch verschlimmert. 

Damit wird die Legitimitätssuche des Kindes überhaupt auf etwas gerichtet, das in jedem Fall "außerhalb" liegt. Denn der eigene Vater verschwimmt in seinem Erleben mit der Mutter. Er steht dem Kind nicht als die "absolute" Quelle des Seins gegenüber. Denn selbstverständlich ist das Elternpaar für das Kind zu Anfang die alleinige Quelle der Welt, ohne die alles ins Nichts fiele, also auch "Gott". Weiche Väter richten nahezu dieselben Verwüstungen in der inneren Struktur von Kindern an, wie verweigerte oder "nicht vorhandene" Väter. Ja, unter Umständen sind nicht vorhandene Väter "besser", wenn die Grundausrichtung der Mutter auf diesen Vater bleibt.

Es ist zwar schwierig, diese unbedingte Notwendigkeit in der Struktur der Eltern in konkretem Verhalten ein für allemal festzumachen, denn es hängt auch sehr von der Situation der Familie selbst innerhalb der Allgemeinheit ab, vom Stand, der beruflichen Situation etc. etc., aber es ist in groben Zügen doch festmachbar. In jedem Fall festmachbar an dieser Grundverweisung sowohl des Mannes auf die Frau (als Quelle des Gefühligen, um es so zu sagen), als auch der Frau auf den Mann (als Quelle der Ordnung).

Der Vater muß der Fordernde sein, weil die Welt fordernd ist. Sie ist fordernd, weil sie eine innere Ordnung (als Ort) hat, auf die hin sich der Mensch über alle eigenen Gefühle und Anwegungen und Rückzugsneigungen hinweg überschreiten muß. Er ist die Schule jener Sachlichkeit, in der allein die Welt auch dann gestaltet werden kann, denn Gestaltung kann nur innerhalb einer Ordnung (bzw. auf diese zu) geschehen. Selbst wenn die Mutter "gestaltet" ist, ist es ein Gestalten "im Sinne der Ordnung, die der Vater repräsentiert". In jedem Fall kann die Frau nur die Statthalterin eines Mannes sein. (In der Familie kann das nur "einer" sein, wie es eben in der Ehe zum Ausdruck kommt.)

Die Mutter muß dieses Fordernde bestätigen, aufnehmen, das Kind an seine Erfüllung allmählich heranführen. Das betrifft alle Lebensbereiche, so, wie sie sich eben allmählich ausweiten und schließlich bis hin zum Beruf und zu expliziten Standespflichten gehen. In der Zuwendung, im Zuspruch, im Lob (und im Tadel, der freilich oft mütterlich gemildert sein muß, denn die Härte des absoluten Willens, damit auch die Härte einer Strafe, liegt im "Vater"), muß sich für das Kind im Erleben die Struktur des Gesollten, der Ordnung der Welt also, erfahrbar machen, wie sie vom Vater repräsentiert wird und von ihm sogar ausgeht.

Erfährt das Kind diese Ordnung der familiären weil ehelichen Struktur nicht, wird auch seine Haltung der Welt gegenüber dieser nicht mehr gerecht werden. Diese Verantwortung liegt in erster Linie in der Mutter, weil sich in ihr auch der Vater abbildet, und weil das Kind von ihr als erstes (über die nahezu totale Identifikation in den allerersten Lebensjahren) geformt wird. 

Das äußert sich spätestens im Erwachsenenalter, und es äußert sich am erkennbarsten in der Weltanschauung. Ein Mensch, der diese Ordnung in der Familie nicht erfahren hat, wird immer zu Weltanschauungen neigen, die sich mit einem Versuch der Festigung der Legitimität befassen. Und wenn man Ideologien genauer ansieht wird man feststellen, daß sie in ihrer "rationalen Festigkeit" (Ideologien ist der dem welthaften Nutzen übergebene, also plattgedrückte, seiner eigentlichen Dimension entrissene Geist) lediglich Legitimationssysteme für menschliches Verhalten sind. Vor denen auch die Religion nicht verschont bleibt.

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Die Anregung, sich diesem Thema näher zu widmen, bezog der VdZ aus statistischen Zahlen. Denen gemäß im Westen schon über 50 Prozent der Kinder - in manchen Bevölkerungsschichten (wie bei den Schwarzen in den USA) sind es sogar bis zu 90 Prozent - "illegitim" sind. Also nicht in eine eheliche Struktur hineingeboren werden und dort aufwachsen. Die Folgen sind verheerend, und werden noch völlig unterschätzt. Solche Kinder sind immer in gewisser Handlungsunsicherheit (oder, um das aufzuheben, in Fanatismen) gefangen und beeinträchtigt. Und neigen zur Unterwürfigkeit gegenüber der Stärke, der Macht, der autorisierten Allgemeinheit. Denn kein Mensch kann auch nur einen Tag ohne Legitimität leben, auf die er ausgerichtet ist und die ihm das "Recht" gibt, ja die Pflicht auferlegt, sich in die Welt zu investieren und der Ordnung, die der Legitimationsquelle entspricht zu genügen. Denn Legitimität ist eine der ersten Bedingungen des Seinszustands überhaupt, und ohne ein solches Fundament - das Sein - kann niemand handeln. Aber dieser Drang zu handeln ist jedem Menschen wesentlich.

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Nachsatz: Wie brisant, wie "anfänglich" die Frage nach der Legitimität eines Handelns ist, läßt sich in wirklich allen Lebensbereichen erfahren. Uns ist gar nicht bewußt, wie viele Vorgänge in unserem Leben sich sogar ausschließlich um die Herstellung von Legitimität drehen. Und in Zeiten so vieler illegitimer Kinder (was auch damit zu tun hat, daß man den Gedanken zu eliminieren versucht, vor allem um damit die Position wie Situation der Eltern zu brechen) haben wir es mit unzähligen Vorgängen zu tun, die ausschließlich Versuche sind, Legitimität zu schaffen.  Man denke aber auch an die Politik, sei es an die Autorität eines göttlich legitimierten Monarchen, oder an die Demokratie und deren Wahlen, oder der Bedeutung von Wahlbeteiligungen.

Ebenfalls ist darin enthalten, daß Legitimität immer eine Aussage über eine Ordnung macht, die es umzusetzen gilt. Und damit ist die Folge klar, daß der Evolutionismus den Zufall und das legitime Recht des Stärkeren im Kapitalismus repräsentiert, der also auch die Welt beliebig umgestalten darf, während die Welt als Schöpfung zu sehen ihr eine Ordnung (=Natur) innewohnen sieht, die zu vollenden man verpflichtet ist.





*151218*

Samstag, 4. November 2017

Europa besteht durch Grunzkirchen an der Wiesel

INDEM wir Untersulzbacher, Freistädter, Linzer, Münchner, Bergisch-Gladbacher oder Hamburger sind, sind wir auch IMMANENT Oberösterreicher, Bayern, Hessen, Franken oder Niedersachsen. Und INDEM wir Untersulzbacher, Freistädter etc. sind, sind wir auch Österreicher und Deutsche, jeweils als Teil eines Reichs (das die Qualität von Staaten hat, darin als Subjekt internationalen Rechtszuschnitts auftritt, was wiederum nicht automatisch "Völker-"Recht heißt) und sich Republik nennt. Und indem wir also Freistädter und Badener sind, sind wir auch Europäer.

Alles das aber wird getragen davon, daß wir die Lieder singen, die man in Freistadt oder Hamburg singt, die Tänze tanzen, die man dort tanzt, und unsere Ahnen auf den dortigen Friedhöfen erinnern und damit gegenwärtig holen, von ihnen erzählen, und sie damit ehren. Es gäbe uns nicht ohne sie, und in uns lebt ihr Erbe, ihr Lebensweg fort.

Indem wir also regional leben, und die ganz spezifische Regionalkultur unseren Alltag prägt - was zuerst bedeutet, den religiösen Kult zu begehen, aus dem alleine die Art erwächst, in der wir uns nach diesem Leben ausstrecken: ohne Religion (und das meint immer: Kult) gibt es überhaupt keine Lebensweise, sondern nur ein zufälliges "irgendwie", gibt es also auch keine Kultur - und das heißt: in den Familien, das heißt, von der Familie getragen, die wiederum ein "Haus" ist, ein Name, sind wir auch Europäer.

Das Proprium, das das Deutschsein, das Österreichersein, und noch mehr das Europäersein besitzt - und es besitzt eines, aber ein ganz begrenztes, das sich aus dem subsidiären Wesen des Staates ergibt, der also niemals das Alltägliche bestimmen darf, das er nur zu schützen weil zu respektieren hat - ist so klein, daß es höchst eigenartig ist, daß man es oft so betonen möchte. Denn es existiert im Alltag nicht, den wir in Freistadt oder Grunzkirchen an der Wiesel leben. Die großmaßstäbliche Politik kann sich also nur zur Aufgabe machen, zu schützen und zu bewahren, wie wir in Grunzkirchen oder Pfeiffenhofen leben und immer gelebt haben.

Die Grenzen als Volk sind dort, wo der familiale Zusammenhalt, die allen gemeinsame Lebensweise nicht mehr besteht. Von dort aus kann man von "ethnischem Kriterium" sprechen, ja muß man davon sprechen. Die Organisation in einem Staat (als Reich), der mehrere Völker umfaßt, ist ein ganz eigenes Problem.

Wenn wir aber aufhören, diese Tänze unserer Ahnen nicht mehr zu tanzen, ihre Lieder nicht  mehr zu singen, ihr Vermächtnis nicht mehr zu pflegen, ihre Häuser und ihre Straßen und Gepflogenheiten, hören wir auch auf, Deutsche oder Österreicher zu sein. Damit hören wir auf, Europäer zu sein, aber noch mehr: Wir hören auf, Menschen zu sein. Wir werden erlöschen. Wir werden erlöschen, wenn wir nicht mehr die Tänze tanzen und die Lieder singen und die Pfeifen schmauchen, die unser engstes Umfeld ausmachen.

Eine "Integration" in "ein Österreicher-/Deutsch-sein" gibt es also nicht nur nicht, sondern jedes solcher Unterfangen muß scheitern und wird zwangsläufig das Einzelne beschädigen und auflösen, und damit das Ganze. Wo jemand in eine Land zuwandert um "Österreicher" oder "Deutscher" zu werden, OHNE zuerst in Grunzkirchen oder Paderborn Bürger (und erst so weil nur darin "Deutscher" oder "Österreicher") werden zu wollen, sich über Jahre, Jahrzehnte, Jahrhunderte Verwurzelungen mit dem Umgebenden aufzubauen, muß daran gehindert oder isoliert werden.* Denn er wirkt in jedem Fall zerstörend.

Wo die Bindungen und Beziehungen im Kleinsten nicht bestehen, bestehen sie auch nicht im Großen. Das Ideal eines "globalen Menschen" gibt es also nicht. Ohne daß dabei vergessen werden darf, daß diese Beziehung, die von der engsten Familie durch bis zum Staat und letztlich bis zum Kontinent (und damit zur Welt) reicht, eine zweiseitige ist. Wo sich im zweischlägigen Takt das jeweils Größere zurück bis ins Kleinste zieht, um von dort wieder ins Größere zu wirken. 

Freiheit - Weshalb es kein Individuum gibt, das NICHT Grunzkirchner oder Frankfurter ist, denn sonst ist es gar kein Individuum. Sondern eine technisch meßbare Konsumationsmaschine. Deshalb gibt es aber auch nichts, im Guten wie im Schlechten, das nicht letztlich aufs Ganze wirkt, und in gewisser Weise auch das Ganze angeht. Aber weil es das Ganze nur gibt, wenn es das Einzelne gibt, dieses aber nur besteht, wenn und soweit es frei ist, ja um der Freiheit willen besteht, denn nur dann kann es sein (und wird nicht "geseit"), kann das Ganze die Lebensweise des Einzelnen nicht über dieses kleine Proprium hinaus bestimmen.



*Eine Masseneinwanderung OHNE isolierte Parallelgesellschaften - die wie neue Völker zu betrachten sind, zu denen sich erst Beziehungen ALS Völker aufbauen müssen, und in der Tat, Migrationsbewegungen größer Gruppen haben historisch nie anders stattgefunden - ist also gar nicht möglich. Wenn Europas Politiker also heute erzählen, daß sie keine Parallelgesellschaften möchten, so wissen sie gar nicht, wovon sie reden, geben nur Schlagwortwolken von sich. Gäbe es tatsächlich eine "Integration", wie sie heute vorgestellt wird, wäre dies zugleich der Tod der Zukunft eines Staates, Volkes etc. Die zwar kurzfristig zum Ameisen- und Sklavenstaat umgebaut werden, aber nicht lange Bestand haben können. Können, aus ihrem Wesen heraus nicht können.




*201017*

Sonntag, 31. Januar 2016

Ein immer selbes Ur-Allgemeines

Natürlich könnte man nun sagen - und es ist eine legitime Aussage über dieses Werbefilmchen - daß Zeichen eben mißverstanden werden können. Daß alles seine Interpretationsebene braucht, daß also Verortung von etwas Gesehenem überhaupt erst seine Aussage möglich macht. 

Das stimmt, geht man in die Spitze einer Situation. Aber was dieses scheinbar Mißverständnis doch erhellend macht ist etwas anders: Man sieht darin nämlich, daß dieses Mißverständnis der Zeichen nur auf dieser ausdiffernzierten Ebene gilt. Fällt es (aus Unkenntnis oder eben Mißverständnis) auf eine allgemeinere Ebene zurück, um sich "für" jemanden in einer anderen spezielleren Ebene wieder zu zeigen, wäre sie gültig.  Und es wird klar, daß in jeder Gestalt etwas steckt, das immer dasselbe bleibt. Wie eine Hand, die nur in je andere Handschuhe schlüpft. 

Im letzten ist so vielleicht begreifbarer, daß die Welt nur aus einem einzigen (!) Wort besteht bzw auf diesem aufruht. Aus einem Namen. An dem alle dieses unzähligen Stufen und Ebenen und Weisen der Weltrealisierung, das ganze Inventar der Welt gewissermaßen, nur je teilhaben.







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Sonntag, 1. November 2015

Heiligenverehrung ist Namensehre

(In Anknüpfung an das gestern Geäußerte:) Deshalb ist dem Menschen nie ein anderes Zeichen seiner Selbstwirklichung gegeben, als jener Name, in den er hineingeboren wurde. Dieser Name des Vaters, des Hauses nämlich, er ist es, den es mit weiterem Glanz zu füllen gilt, der vielleicht aber auch aus manchen Untiefen herausgeholt, zu Glanz gebracht werden muß. 

Was freilich nie anders als in personal-persönlicher Achtung dem Vor-Träger gegenüber geschehen kann, weil sonst das Mögliche - und das ist das Aufträgliche - in diesem Namen (das ja dagewesen sein muß, sonst ist es kein Mögliches) verloren, die menschliche Sendung ins Nichts geschleudert wird.

Denn die Teilhabe am Ewigen ist untrennbar personaler Natur, sie ist keine der "Eigenschaften" oder "Fähigkeiten". Die Menschheit hängt in ihrer Existenz an der Gestalt (!) von Menschen, aus denen sie hervorgingen, auf die sie zugehen. 

Wo dieses Zugehen sich verliert, oder wo es seine Bestimmung vollends erlangt hat - die in ihrer Zeitdauer nicht von Menschen absehbar oder machbar ist; sie ist in der Vorsehung Gottes, seinem ordo beschlossen -, erlischt deshalb ein Name, ein Geschlecht, eine Familie.

Nur den Herausgenommenen, den Einsiedlern, Mönchen, Künstlern, den Königen wie Päpsten ist es deshalb möglich, sie neigen genau deshalb auch dazu, einen neuen Namen (der aber keineswegs einfach Willkür ist, sondern ihre Universalität unter einem passenden Namen zusammenfaßt weil damit in der Welt für die Welt überhöht) anzunehmen. Man kann sich ihnen deshalb nur in der Haltung der Verehrung nähern. 

Weshalb es ein sehr richtiger Impuls der Menschen ist - unausrottbar zum Ärger mancher Katecheten, die die inhaltlichen Feinheiten der Kirchenfeste zu wenig bekannt wähnen; sie sind es aber gar nicht; wenn, sind gerade die Feste Allerheiligen/Allerseelen den Menschen besser bekannt, als den Theologen - am Tag Allerheiligen auch die Gräber zu besuchen.




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Samstag, 31. Oktober 2015

Am Namen ist alles verhangen

Wenn Hans Urs v. Balthasar schreibt, daß die Wahrheit "symphonisch" sei, so hat er darin natürlich recht. Balthasar meint es ja auch keineswegs so, als wäre die Wahrheit das faktische Ergebnis einer Vermengung subjektiver Ansichten. Vielmehr ist es auf das bezogen, was Wahrheit ihrem Wesen nach ist: Die lebendige Präsenz des Logos in der jeweiligen Geschichte. Insofern ist sie auf gewisse Weise flüssig, nie fertig. Aber sie ist die Sprache IN der Sprache, hinter der Sprache. Sie ist immer neu und wird erneuert, weil sie immer historisch ist wie sein muß. Nur hierin läßt sich auch so etwas wie ein Entwicklungs-, ein Fortschrittsgedanke verankern. Sie hat die Tendenz weil Sendung, universal zu werden.

Daraus ergibt sich auch eine nicht geringe Verpflichtung, das Gesprochene eines Sprachraums zu kennen, und sich diesem zu öffnen, um die Sprache hinter der Sprache zu sehen. Schon aus dem Wesen des Mediums heraus muß das in erster Linie "Buch" heißen. Erst wenn keine relevanten Bücher mehr veröffentlicht würden, wäre ein geistiger Raum wirklich tot - und das hieße: ungeistig geworden. Gottseidank sind wir im deutschen Sprachraum aber noch nicht so weit. Vielleicht gab es ohnehin nie mehr Menschen, die diese Sprache hinter der Sprache je hören und in aktuelle Sprache übersetzen konnten. Der große, allergrößte Rest muß diese Sprache empfangen, um durch sie zu sich selbst frei - losgebunden aus den Getriebenheiten der jeweiligen Gegenwart, die er nunmehr in Besitz  nehmen kann - zu werden. 

Denn das Wesen des Menschen ist personale Zugeschriebenheit - die menschliche Gesellschaft (und jeder Mensch ist nur als Teil einer solchen, mit einem Ort, Mensch, als Bestimmung wie als Auftrag) ist einem Seilzug vergleichbar, in dem jeder Mensch an einem ihm übergestellten hängt, bis in die einzige Möglichkeit, wie Welt (die nur im Menschen hängen kann, sonst wäre sie nicht) überhaupt bestehen kann: in der Verhängung im Gottmenschen Jesus Christus, dessen Name selbst das Sein IST.* In dem alle Menschen als Menschheit (die jeder Einzelne stellvertretend repräsentiert; das ist im übrigen dann ecclesia, Kirche) in dieser personalen-persönlichen Seilzugverhangenheit hängt, sich im Einzelnen konstituiert, und in ihm besteht. Und zwar - in seinem Namen, der die Wahrheit ist.

Daraus ergibt sich auch die Pflicht, den Künstlern (in einem vergleichbaren Stand mit den Priestern, den Heiligen und den Königen) zuzuhören. Denn sie sind es, die gar nicht anders können, per existentieller Notwendigkeit, als die Sprache mit Sprache zu füllen, die ihnen das Ewige, das sie im Zeitlichen sehen, zuträgt. Sie nicht als pure Behauptung in der Welt, als Griff zur Sicherheit in einer prinzipiellen Unsicherheit zu traitieren. Ihr Leiden ist das Außerhalbstehen, das Freistehen von Interessen, die gelebte Einsamkeit (die also doch auf die Gemeinschaft bezogen ist), und das begnadet sie zum Sehen des Ewigen im Präsenten, Aktuellen, zum Auslesen dessen aus dem Faktischen. Das sie in seinen Forderungen und Zügen überwinden, also ins Ewige rückführen, läutern müssen.




*Keineswegs also konnte Gott die Namensgebung seines Sohnes den Menschen überlassen. Mit der Botschaft des Engels kam deshalb der Name. Das berühmte Jesus-Gebet der orthodoxen Kirche gründet hier. Alle menschliche Erwartungshaltung an Jesus selbst - man denke an so viele letzte Worte, auch in verzweifelten Situationen, in denen die Menschen "Jesus" rufen - ist die abgestufte, historische Leiblichkeit dieser menschheits-substantiierenden Wahrheit seines Namens. Die menschliche Eigenschaft, dem "Namen" eines Menschen alles zuzuschreiben (sich "einen Namen machen", in der der Rang eines Menschen umfaßt wird, etc.) - nämlich die Stellung in diesem erwähnten Seilzug - hat gleichfalls hier ihre Wirklichkeit.




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Donnerstag, 23. Juli 2015

Ohne Name kein Eintritt

Ausnahmsweise findet hier eine österreichische Werbung einen Platz: Billa wirbt für seinen Backshop. Mit einer Botschaft, die natürlich sofort einen Shitstorm der vereinten Dummheit auslöste. Aber die Botschaft - man braucht einen "Namen" - ist in Wahrheit sensationell, betrachtet man sie vor dem Hintergrund so mancher hier zu lesender Darstellungen. Dinge sind und werden aus ihrem Namen. Namenlose, damit identitätslose Bedeutung zu verlangen, wie die Basis des Shitstorms es tut, ist einfach nur dumm, und darin so vieles am heutigen Moralgeplätscher erhellend. Am deutlichsten in dem krönenden Satz: "Was soll das den Menschen, vor allem Kindern sagen? Dass sie nicht zu den anderen gehören, weil sie anders sind?"

Was ist aber anders sein anderes, als nicht zu den anderen zu gehören?








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Sonntag, 21. Dezember 2014

Wo kein Glaube, da kein Wissen

Keineswegs ist Glauben und Wissen ein sich Widersprechendes. Vielmehr ist es untrennbar ineinander verschränkt. Es gibt kein Wissen ohne Glauben, so wie es aber auch kein Glauben ohne Wissen gibt. Franz von Baader vergleicht den Glauben mit der Motivation, die hinter jedem Willen steht. Und nur aus solchem Willen heraus wird auch Glaube und Geglaubtes real und zum Bestand des Verstandes (in der Vernunft).

Glauben ist aber nur als persönlicher Akt des Übernehmens (tradierens; Tradition) von Personen möglich. Als Haltung, als Motivans, das mit der Welt der Erscheinungen umgeht. Ein Sehen gibt es also nur im Lichte des jeweiligen Glaubens. Deshalb steht der Wissensstand einer Gesellschaft, die Wissenschaftlichkeit einer Kultur (treibt man es weiter), in direktem Zusammenhang mit dem, was eine Gesellschaft glaubt. Ein Irrtum im Glauben führt unweigerlich zu einem Irrtum im (quasi: natürlichen) Wissen.

Somit ist es selbst bereits ein Irrtum, ein falsches "Gewußtes", eine Vorentscheidung im Geglaubten, wenn man heute meint, es sei gleichgültig, welcher Religion sich ein Mensch befleißigt, denn das Einigende, das Gemeinsame, ließe sich dennoch über das Gewußte, über das Wissen finden, und so an der Welt in einem Sinn arbeiten. Selbst, wo das Gewußte nominell übereinstimmt, und das kann es dann nur in Einzelpunkten, wird es im Ganzen, in der Gesamtrichtung des Wirkens eines Menschen, in die Richtung der Religion geführt, und damit zu einem völlig anderen Ziel.*

Was Baader in dem äußerst luziden Satz zusammenfaßt: Wenn man ein Schwinden des Glaubens feststellt, so nicht, weil zu viel gewußt wird im Verhältnis zum Geglaubten, sondern IM GEGENTEIL: Wo der Glaube schwindet zeigt das an, daß ES MIT DEM WISSEN IM ARGEN LIEGT.

Das eine Kultur einende Band kann also auch nur EINE Religion sein. Nur so auch findet sich jene Basis, auf der Wissensinhalte (wie in der Wissenschaft) überhaupt "diskutiert" und weiter entwickelt werden können. Gleichzeitig kann es zu einer völligen Erblindung einer Kultur, eines Volkes (etc.), einer Subkultur/Gesellschaft in allen möglichen Formen, kommen. Genau so, wie es zu einer kulturellen Blüte kommen kann, wenn das Geglaubte wahr ist bzw. die Haltung der Menschen einer solchen Societät wahrhaftig ist.

Aber nun kommt es zum entscheidenden Punkt: Man glaubt nur demjenigen, VON DEM MAN SICH GEWUSZT weiß. Das macht alles Wissen (und Glauben) zu einer Teilhabe am Glauben und Wissen EINES ANDEREN**. Keineswegs bildet der Mensch also quasi autochthon seine Auffassungen und Überzeugungen, er führt sie höchstens weiter, im Sinne einer stabilitas, eines Selbststandes.*** Denn nur so kann sich Wissen und Glauben (in ihrer zusammenhängenden Natur) als wahr erweisen, und fließt mit der Selbsterfahrung der Wirklichkeit zusammen. Ein langer, lebenslanger Prozeß, im übrigen. Auch Glauben und Wissen sind deshalb fragile Gebilde, die sich nur im Fortlauf der Zeit (dem Hintereinander der Erscheinungen der Welt und Wirklichkeit) allmählich fester und fester bilden. (Hier zeigt sich somit auch der Zusammenhang von Glaube, Wissen und - Bildung, letzterer wirklich als Persönlichkeitsprozeß.)

Hier schließen sich weite Kreise - hin zur Bedeutung des Namens, im wahrsten Sinn. Ja, der Stand des Wissens einer Gesellschaft läßt sich am direktesten an der Rolle ablesen, den die "Ehre" in ihr spielt. Wissens- und Glaubenskreise schließen sich nur in Kreisen dieser Glaubwürdigkeit, nur dort, wo an der Spitze der Glaubwürdigkeit Personen stehen, VON DENEN MAN SICH GEWUSZT WEISZ.



*Man übersieht heute gerne, daß der Begriff der Wissenschaft, wie er immer noch weithin anerkannt wird, wenn er auch schon schwer kränkelt, in einem genuin christlich-katholischen Wahrhaftigkeitsbegriff gründet, der sowohl von einer objektiv vorauseilenden Wirklichkeit ausgeht, an dem man anderseits nur durch Teilhabe teilhaftig wird - durch Gleichförmigkeit des Denkens mit einer objektiven Welt, die aber nur ausschnitthaft offenbar wird, aber auch durch Übernahme von Begrifflichkeit. Interessanterweise steckt gerade darin auch die (aus der Angst vor der sich auftuenden Unsicherheit geborene) heute zu beobachtende Verabsolutierung und Dogmatisierung der Wissenschaft, der genau deshalb auch größter Irrationalismus und Ideologismus gegenübersteht. Nicht alles, was "Wissenschaftler" tun, ist dabei Wissenschaft, aber nur wenn ein Wissenschaftler Wissenschaft in diesem Sinne treibt, ist er Wissenschaftler. Nur eine Welt aber, die GEDACHT ist, ist auch den Menschen - in dem Akt der Teilhabe - denkbar. (Weshalb Gehorsam - "hören" - der Grund allen wahren Denkens ist.) führt man diese Gedanken konsequent und logisch weiter, so steht und fällt die Wissenschaft mit dem Begreifen der Welt als Schöpfung. Anders wird sie zur phantastischen Mythologie, die jedes (auch: logische) Denken mit der Zeit auflöst.



**Hier übrigens liegt die Abzweigung zu dem fatal irrtümlichen Rückschluß, daß alles, was der Mensch denke, deshalb auch Gedanke Gottes sein müsse. Es ist jener, ja ganz genau jener Fehlschluß, der die gesamte Entwicklung des Denkens und Sehens des Abendlandes seit der Renaissance, über manche explizite Eckpunkte wie Luther - Descartes - Hegel, in jene Sackgasse geführt hat, in der wir heute in so hohem Maße stecken. 

***In allen sonstigen Verschränktheiten, drückt sich diese innere Logik, ja Gesetzmäßigkeit des Wissens als Teilhabe in der Diebstahlsmentalität im Internet ganz deutlich aus: Man plündert regelrecht, um sich zusammenzusetzen, was als dichtes Bild einer Weltanschauung dienen soll. Wo kein Glaube, wo keine Wahrheit als Person, da eben Denkschwäche.




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Mittwoch, 9. Juli 2014

Von heutigen Furchtbarkeiten

Es hat etwas Tragisches, aber noch mehr: Furchtbares um das, womit man heute immer häufiger meint - in Wien sind nicht einmal mehr die Hälfte aller Einwohner getauft, und der Prozentsatz bei Neugeborenen geht auf die 10 Prozent zu - die Taufe zu ersetzen. Denn das unbewußte Wollen und Suchen nach Riten, nach Inititationen, ist dem Menschen untrennbar eigen. Denn der Mensch gründet sich selbst im Kult. Sein ganzes Leben ist alleine als Emanation der Grundbewegung des Lebens selbst verstehbar.

Eine dieser Formen nennt sich "Willkommensfeier". Sie ist in Deutschland bereits verbreiteter als in Österreich, aber auch hier im Kommen. Das Tragische daran ist, daß darin das Kind auf die menschliche Umgebung alleine zugewiesen wird. Und das ist auch das Furchtbare daran. Denn was bleibt dann noch am Menschen?

Selbst in tiefsten Heidenzeiten wurde (und wird) aus natürlichem Verständnis heraus jeder Neugeborene Gott oder den Göttern überantwortet. (Der Heldenkult als Kult von Quasi-Göttern hängst ja direkt damit zusammen.) Was sich im Sakrament noch einmal - und zwar: zur Realität, nicht nur zur "Meinung" - vertieft hat. 

Und das drückt sich ja nicht zuletzt in der Namensgebung aus, denn im Namen wird der Mensch den geistigen Dynamismen überschrieben, die in diesem Namen zum Ausdruck kamen, die man deshalb kennt. Es ist also der Name, aus dem heraus sich ein Mensch entwickelt, und auf den zu er sich entwickeln soll, um das bereits Bekannte weiter zu bereichern. 

Der Name also drückt die geistige und religiöse Haltung der Menschen aus, und darin ihre Haltung zur Welt. Er ist zeitlebens der innerste Anspruch. Leben kann als "sich einen Namen machen" bezeichnet werden, denn durch das Leben wird der Name mit Bezügen, mit Inhalten gefüllt und damit zur Dynamis, die einem Menschen sehr wohl vorausgeht. Die Namensgebung ist also direkt mit dem Religiösen nicht nur verbunden, sondern der erste Akt des Menschen (vgl. die Genesis) der Welt gegenüber. Und weil verstehen, und damit Sprache (Vorsicht - das ist nicht dasselbe wie "Erkennen"), das Beziehen eines Begriffes auf einen anderen ist, führt sich alles Verstehen und alle Sprache auf Namen, und alle Namen auf einen zurück - den des Seins selbst. Die Welt als Zueinander von Dingen ist also auf einen Namen gegründet ...

In einer Willkommensfeier wird aber das Religiöse - als verantwortlicher Bezug auf das Transzendente - bewußt eliminiert. Der solcherart "Empfangene" wird dem rein Innerweltlichen übergeben. Was sich darin also ausdrückt ist nicht Heidentum, denn kein Heide ist und war je a-religiös. Das so zu umschreiben ist schönfärberisch und unwahrhaftig.

Es zeigt die Furchtbarkeit des Nihilismus. Und sein Ritus entstammt dem Akt der Verzweiflung, dem Innerweltlichen doch Seinstiefe, die durch hervorzubringende, voluntaristische emotionale "Tiefe" überdeckt wird,  die zum Inhalt erklärt wird, abtrotzen zu wollen.




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Sonntag, 1. September 2013

Welt im Wort

Wird als Grundhaltung einer Kultur die Wesensschau abgelehnt, wird die Teilhabe des menschlichen Vernunft an der aller Welt zugrundeliegenden, sie konstituierenden Vernunft an sich nicht akzeptiert, wird zwangsläufig Sprache zufällig und inhaltsleer, weil weltleer. Sie bleibt oberflächliches Wellengekräusel, das sich seiner Darstellungsinhalte nicht bewußt ist, wird weltloser Rationalismus. Sprache wird, losgelöst vom Erscheinen des Wirklichen als Bild in ihrem Wort, zum Schein, zum technischen Terminus.

Nur, wenn Angesprochener wie Sprechender das AngesprochenE innerlichen, kann es verstehen geben. Es erkennt nur, wer bereits erkannt hat, sodaß er im Wort erinnert. Das Wesensbild des vom Wort Bezeichneten muß vor Augen stehen, dann kann es verstehen geben - das Verstehen geht dem Sprechen (Hören) voraus.* Sodaß das Wirkliche des Dings selbst im Wort selbst welthaft gegenwärtig ist. Das Wort kommt aus einem Gebilde, und geht auf ein Erscheinungsbild hin. So ist es im Ursprung selbst bildhaft vorgebildet. Zwar zerschellt es an der Möglichkeit der lautlichen Verbildlichung selbst, dennoch bleiben Ursprungsbezüge im Bildhaften in den Mit- und Selbstlauten. Sodaß in jeder Sprache Worte bleiben, in denen die "Seele" des Dings gewirklicht präsent ist. In dunkel oder hell, weiß und schwarz Rose und Lilie, blitz, Donner, Licht oder Nacht etwa wird das Bezeichnete lautbildlich mitbezeugt. Die Sache selbst scheint auf, und vermählt sich mit dem Wortgebilde. Das Licht lichtet selbst auf im Wort, und im Donner rollt und zittert das Wort, das ihn sagt. Das gesprochene Wort zumal schmiegt sich so der Sache in, und vergeht mit dem Sprechen selbst, die Sache bleibt.

Am deutlichsten wird diese Wirkmächtigkeit im Segen und im Fluch, im Ausdruck der Liebe oder des Hasses. Hier wird Wirklichkeit real zur Welt gebracht.
Im verstandenen und geschauten Ausdruck ist das Wort die Sache selbst, schreibt Gustav Siewerth dazu in seiner "Philosophie der Sprache - Wort und Bild". Nur deshalb kann sich in ihm Wirkliches versiegeln. Auch Gott kann in seinem "Namen" anwesen, weil er sich selbst in ihm ausgedrückt und bekundet hat. Sein Name ist ja kein verweisendes Zeichen aus menschlichem Logos, sonder Gottes Offenbarung. Darum blieb der name einst als unausprechbar durch heiliges Gebot versiegelt.

Immer aber ist echte Aussage nicht beim Wort, sondern im Offenen der Welt, bei den wirklichen oder einbildend verwahrten Dingen, ihren Erscheinungs- und Wesensbezügen.



*Es ist in diesem Zusammenhang von Interesse, daß die Neurophysiologie gezeigt hat, daß dem Hören ein Verstehensakt MESZBAR zeitlich vorausgeht. Das Sprechen FOLGT also dem Angesprochenen, das Verstehen geht dem Sprechen voraus. Man beachte in diesem Zusammenhang das hier bereits vorgestellte Video des Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer.




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