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Dienstag, 7. November 2017

Seltsame Allianzen - Was nun in Syrien?

Die Medien hierzulande schreiben kaum noch etwas darüber, der VdZ hat die wenigen Meldungen hier und da und dort aber weiter verfolgt. 

Und es mehren sich die Tatsachen und Anzeichen, daß es mit der IS in der Levante zumindest militärisch vorbei ist. Konsequent und hartnäckig haben die letztlich ordnenden Mächte - syrische Armee, Rußland, Iran, Hisbollah, und nicht zuletzt (!) die Kurden im Nordosten - das Ende des Spuks eingeleitet. Entsprechend berichtet Frontex auch, daß unter den sogenannten "Flüchtlingen" auf den noch offenen Routen (Mittelmeer) so gut wie keine Syrer (mehr) sind. Eine Route, die sich eiderdautz auch so gut wie geschlossen hat, seit die lybische Küstenwache tut, was sie immer tun habe wollen, aber erst jetzt darf, weil es erwartet wird.* (Sebastian Kurz wird sich also auch sputen müssen, sonst klauen ihm noch andere die Kerzen von der Torte.)

Den Menschen in Syrien steht nun freilich ein langer, harter Weg bevor, ihr Land wieder instandzusetzen. Wie es in Europa im 20. Jhd. eben auch war. Es gibt sogar schon Berichte, daß die syrische Bevölkerung wieder in ihre Orte zurückkehrt, sofern sie geflüchtet war. Ebenso mehren sich die Berichte, daß die IS-Kämpfer nun neue Aufgabenbereiche suchen. Etwa 1.500 IS-Kämpfer sollen vor dem Absprung nach Europa stehen. (Manche Medien nennen es "Rückkehr", aber als was "kehren" sie zurück?) 

Aber schon beginnen neue Ansätze einzuwirken, so leicht geben die Amerikaner nicht auf, wenn auch alles schon ein wenig kraftlos wirkt. Sie fordern nun eine Zukunftskonferenz, in der sie bei ihrer alten Forderung bleiben: Präsident Assad muß zurücktreten, heißt es da. Er sei nämlich ein Hindernis der inneren Befriedung. 

Hindernis? Dabei hat er doch gegen härteste Angriffe offenbar Ruhe geschaffen? Nein, es empfehlen sich nun andere strategische Vorgehensweisen, um die alten Ziele zu bewahren, zu retten was nach dem jämmerlichen Auftritt eines angeblichen Anti-Terror-Krieges (der hier fütterte, was er dort zu bekämpfen vorgab) noch zu retten ist. 

Israel will dabei verhindern, daß sich von Persien bis zum Libanon ein schiitischer Bogen zieht, der ihm den Iran als Leitmacht der Schiiten vor die Haustüre setzt. Und es sieht sich dabei erneut in dieser seltsamen Allianz mit den Sunniten der Türkei und den Arabern. Der Iran aber ist der Hauptgegner gegen eine strategische Beherrschung der Levante durch Israel.

Wobei auch die Türkei ihre alten Ziele wieder aufzuwärmen beginnt. Der mittlerweile sogar nachgewiesen werden konnte, daß die IS von dort aus nach Syrien "eingesickert" ist und Nachschub erhielt. Aber das ist ein altes, anderes Kapitel, wir haben darüber genug geschrieben.

Was der Türkei aber nicht in den Kram paßt ist, daß die Kurden einen so wichtigen Beitrag zum Sieg über die IS geleistet haben. Die ja ein Dauerproblem für Istambul ist, das erneut verkündet hat, daß es alles tun wird, um die Bildung eines kurdischen Staates zu verhindern. Was auch klar ist: Ein kurdischer Staat oder staatsähnliche Autonomiegebiete in Syrien oder von dort ausgehend würde sich die Kurdenfrage der Türkei ganz neu zur Aufgabe stellen weil stellen müssen. Also ist der neue Feind klar: Die Kurden in Nordost-Syrien. Der nun in die Zange genommen werden soll.

Denn hier kann sich die Türkei eines neuen Verbündeten gewiß sein - des heute US-gesteuerten Irak. (Der selbst in schwersten inneren Widersprüchen steckt, denn es waren die USA, die dort die Schiiten stark gemacht, die Bevölkerungsmehrheit der Sunniten aber marginalisiert haben.) Der Irak, der vor wenigen Tagen verkündet hat, daß verschiedene militärische Operationen der Kurden eine offene Kriegshandlung gegen den Irak seien. Sodaß man überlegen müsse, ob nicht eine Kriegserklärung statthaft sei. Oder ist das der verdeckte schiitische Versuch, den Levante-Bogen zum Iran zu schließen?**

Gleichzeitig verschärft die USA ihren Ton dem Iran gegenüber. Beobachter meinen, daß es sich dabei nur um einen verzweifelten Versuch handelt, der extrem verworrenen weil inkonsistenten Außenpolitik der USA doch noch den Mantel der Konsistenz umzuhängen, um einen letzten Rest von Glaubwürdigkeit zu wahren. 

Und das Netanjahu-Israel sieht keinen Grund zur Zurückhaltung offen zu sagen, daß es sich jedes Recht sieht, mit ihrer Luftwaffe allfällige kriegs- oder strategisch wichtige Ziele in Syrien anzugreifen.

Aber  noch etwas anders bereitet sich vor, der die USA vor weitere, ganz entscheidende Probleme stellen könnte: Zwischen Rußland, China und Arabien bereitet sich - auch das eine Frucht der US-Politik, das so nebenbei, die wie es aussieht kein einziges außenpolitisches Ziel mehr erreichen, seit vielen Jahrzehnten, sodaß ihnen bestenfalls noch das Säbelrasseln (siehe Nordkorea) bleibt, aber das ist immer ein Mittel mit Ablaufdatum - ein Öl-Clearing (in Landeswährungen, allen voran den chinesischen Renminbi) vor, das den US-Dollar als Weltreservewährung vor unüberwindbare Schwierigkeiten (und enormen Inflationsdruck) stellen wird.

Die Lage ist scheinbar undurchsichtig, gewiß, zumindest nicht leicht zu durchschauen, auch für den VdZ. Aber das war sie auch zu Zeiten, als die Medien täglich groß aufgemachte Berichte brachten. Während sie nun schweigen. Vielleicht weil sie warten, welche Richtlinien sie nun verfolgen sollen. Denn die alten sind allen abhanden gekommen, die hat der Gegenwind zum Zeitgeist verblasen.





*Ein nicht unwesentlicher Grund dafür war der bemerkenswerte propagandistische Erfolg der "C-Star-Mission" der Identitären Bewegung. Die scheinbar kaum Zählbares bewirkt hat, aber medial ungemein präsent war - denn es gab sie doch, die investigativen Journalisten, wenn auch nicht von den Leitmedien, die haben weiterhin nur Fakenews wiedergekäut und verleumdet, das einzige, was sie noch können - zu einem Schwenk der europäischen Außenpolitik geführt, und den Politikern Feuer unterm Hintern gemacht hat. Die nun auch gehandelt haben. Weil sie Angst hatten, daß man ihnen das Thema (und damit einen leicht zu erzielenden Erfolg) stehlen könnte. Und sieh da: Die lybische Küstenwache erfüllt nun ihre Aufgabe. 

Plötzlich gibt es auch keine ertrunkenen "Flüchtlinge" mehr im Mittelmeer. Seit fünf, sechs, sieben Wochen ist offenbar niemand mehr ertrunken! Weil niemand mehr in die Schlepper-Tschenakel steigt, weil diese von der libyschen Küstenwache aufgegriffen und zurückgebracht werden. Plötzlich kommen auch kaum noch "Flüchtlinge" in Italien an. Auch darüber aber berichten unsere Leitmedien nicht.

Das Versiegen des Stroms aus Mittelafrika ist nur eine Frage der Zeit. Sobald sich nämlich herumspricht, daß es "no way" - keinen Weg - nach Europa mehr gibt. Eine Voraussetzung dafür, daß auch allfällige Hilfsmaßnahmen in den Ländern, von denen alle so vollmundig reden (der VdZ glaubt NICHT an deren Erfolg; Erfolg hätte nur die gute alte Mission) selbst greifen können. Weil den Leuten dort klar wird, daß sie SELBST etwas tun müssen und KÖNNEN, um ihr Land lebenswerter zu machen. Wie auch immer, es ist in Wahrheit auch dort ein Problem der dritten, vierten Söhne ... die KEINE Gesellschaft verarbeiten konnte und kann, die immer für ein expansives Moment (im Inneren durch Erschließung, oder nach außen) gesorgt haben und sorgen. Nicht erst seit den antiken Griechen oder den Römern.

**Die Verworrenheit der politischen Ziele islamisch dominierter Staaten hat eine lange Tradition. Sie ist die Folge einer Absage an den logos, an die Vernunft als weltbestimmendes Prinzip. Damit können sich auch keine substantiellen politischen Ziele bilden, die über die Zeiten gleichbleiben. Was bleibt ist ein "so irgendwie beherrschen wollen". Ein ontologisch unverrückbares "Warum", das wie ein Magnet jeden Kompass ausrichtet, fehlt aber dann. Das Resultat ist ein Wollknäuel an "Interessen", wo wenn man an einem Ende zieht das andere unruhig wird.



*221017*

Donnerstag, 14. Juli 2016

Nanonednana

Was für eine Verschwörungstheorie. Die Türkei würde die IS "organisch" unterstützen. Lächerlich. Völliger Blödsinn, und nur eine Staatsverschwörung der HDP, der Kurdenpartei. Eh schon wissen, dieser linken Partei, die Politik mit der Kalaschnikow in der Hand macht.










*250516*

Freitag, 1. Juli 2016

Naja, es würde Sinn ergeben

Ach, und was wurde und wird da für ein Eiertanz aufgeführt, geht es um die "Zukunft Syriens". Denn da gibt es natürlich auch die "gemäßigten Rebellen", schreibt das versammelte Käsesortiment im Medienzirkus der Inkompetenz eifrig mit, und die müßten doch alle an der Regierung beteiligt werden, sagen sogar die Saudis. Und die Türken.

Herrschaften, so etwas wie gemäßigte Rebellen, mit denen dem verbildeten Europäern vorgegaukelt werden sollte, daß es doch so etwas wie einen kollektiven, ja bürgerlichen Aufstand gegen Syriens brutalen Diktator Asad gegeben habe, eine solche gemäßigte Rebellenbewegung gibt es nicht, hat es vielleicht überhaupt nicht gegeben.

Wer das sagt? Der bekannteste investigative Journalist der USA, u. a. Aufdecker der Massaker von My Lai und des Skandals von Abu Ghraib, Seymor Hersh. Der im Standard aus dem Nähkästchen plaudert. Und vermutlich die Ehre der Soldaten (oder seinen Ruf als Journalist) wiederherstellen möchte, die ja zuletzt wirklich ausgesehen haben, als seien sie die allergrößten Eierköpfe. Und den wir hier wie üblich ein wenig eigen weiterinterpretieren, weil sich allmählich ein Bild ergibt, das immer stimmiger wird. Kneten wir den Teig noch einmal kräftig durch, allmählich wird er geschmeidig.

Denn klar - unter diesem Licht ergibt es auch einen Sinn, daß die amerikanischen Bomberangriffe so gar nicht effektiv waren, während die Russen kamen, zweimal am Lichtschalter schnippten, und schon war die Sache gegessen. Weil die keinen Interessenskonflikt dort hatten, wie die amerikanische Politik. 

Jene amerikanische Außenpolitik, die es sich mit den Türken wie auch den Arabern gutstellen wollte, weil das für sie ein strategisches Kerngebiet ist. Also jene Mächte (sieht man von Israel ab, ein eigenes Kapitel) stützte, die die syrischen Unruhen angezettelt und unterstützt hatten. Denn darum ging es ja wohl in dem ganzen "Syrienkonflikt": Um ein Wettrennen zwischen den Türken und den Saudis ums Kalifat, wobei die Türken die Fliede dees Kurdenkonflikts mit derselben Klatsche schlagen wollten. Das war auch schon alles. Aber die USA (NATO) brauchen beide. Die Türken für die russische Südflanke mit den anti-russischen Nachschubwegen in den Kaukasus, und die Saudis um China (und Südostasien) in Zaum zu halten, und zwar übers Erdöl. Denn dort mitten drin saß ein syrischer blutrünstiger Diktator, der dank dieses versifften Sykes-Picot-Abkommens und der französischen Schwäche eine zentrale Machstelle hatte, und sohin eine totale Beherrschung dieses Raumes nicht möglich machte, zumal Syrien traditionell mit den Russen eng war. (Anm.)

Und das war der amerikanischen Politik schon lange der größte Dorn im Zeh. Denn den Russen sollte doch endlich auch ein Vietman zugefügt werden?! Also rüstete man Rebellen für das von Moskau besetzte Afghanistan aus, was ja noch halbwegs funktioniert hat: Die Russen mußten gehen. Doch dann machte sich die Sache selbständig, und eskalierte in 9/11. Man mußte also auch etwas gegen den Terror tun, den man selber hochgerüstet hatte. Und die es sich in (nach der Irak-Kalamität, die ja für die USA auch nicht unbedingt schmeichelhaft ausging und alles andere als Dauerruhe verschaffte) Syrien als IS einzurichten begannen. Wohinein die Amerikaner nach wie vor Waffen lieferten, denn islamisches Revolkutoinspotential war auch für einen Putin alles andere als Eierspeise zum Frühstück. Also investierte man in diese angeblich gemäßigten Rebellen. Sagte die Politik, die das Argument ja brauchte, um Asad fertigzumachen und Rußland zu schwächen. Die die syrische Nähe zu Rußland massiv störte.

Wobei man spekulieren kann, meint der VdZ, ob die USA nicht glaubten, in einem IS (also: den Ex-Afghanistan-Rebellen) einen gewissermaßen US-kontrollierten islamischen Staat etablieren zu können. Vermutlich hatten und haben die Türken einen ähnlichen Gedanken, der ihnen sogar beim Kurdenproblem elegant helfen könnte. Das alles anzunehmen machte die Sache noch runder. 

Also belieferten die USA seit 2011 den IS (der, wenn es solche je gab, alle gemäßigten Rebellen längst verdrängt hatte) über Libyen und die Türkei mit Waffen.* Was Asad in seiner Verzweiflung dazu brachte, sogar Faßbomben zu werfen. Was, so Hersh, die Amerikaner in Vietnam übrigens auch gemacht hatten, und zwar mit Napalm. Die Lage drohte zu eskalieren, Gifteinsatz drohte, und um das in den Griff zu kriegen, rechneten die US-Militärs mit einem notwendigen Einsatz von 70.000 Mann.

Denen zudem auffiel, daß was immer sie den angeblich gemäßigten Rebellen lieferten über kurz oder lang in den Armen der Al Nusra oder der IS landete. Das meldete der Geheimdienst, denn spätestens 2013 gab es keine gemäßigten Rebellen mehr. Man unterstützte also auf der eine Seite die, die man auf der anderen Seite zu bekämpfen hatte. Spätestens dann begriffen es auch die härtesten Pentagonschädel: Mit der Anti-Terrorstrategie klappte etwas nicht. Und der IS hatte außerdem denkbar schlechte Publicity.  Da begann das amerikanische Militär still und heimlich mit Asad zusammenzuarbeiten.

Und diesmal ohne Wissen der US-Politik. Die weiterhin auf den Syrer draufhaute, als ginge es um die Erlösung der Welt von allem Übel. Asad, der damals schon ziemlich in den Seilen hing, wurde militärisch so aber zum Partner. Hersh behauptet sogar, daß die US-Militärs ihn mit Waffen belieferten, und zwar über Deutschland, wie er vermutet. Seither ging es mit ihm wieder bergauf, und endgültig, als die Russen kamen. Die taten, was die Amerikaner zuvor nicht tun durften, und bombardierten ungebremst IS und Al Nusra. Mit durchschlagendem Erfolg.

Natürlich auch nicht ganz uneingennützig, meint dazu der VdZ. Denn so konnten sie verhindern, daß allfälliger islamischer Terror im eigenen Land Nahrung erhielt, und das ist angesicht der 20 Mio Muslime dort nicht ganz unbedeutend. Aber für die Türken, die unter US-Druck (und um nicht offenlegen zu müssen, was sie immer schon vorgehabt hatten, um damit ganz das Gesicht zu verlieren) stillhalten mußten, war das natürlich ein herber Rückschlag. Ganz konnten sie die Enttäuschung auch nicht unterdrücken, wenigstens EIN russisches Flugzeug abschießen, bittebittebitte ... Ein Trostpreis bleibt ihnen aber auch so. Sie können wieder ein wenig in der Levante mitmischen, was vorher Syrien verhindert hatte, und keiner sagt auch mehr etwas, wenn sie auf die Kurden im Land eindreschen. Einen islamischen Staat richten sie ohnehin selbst ein.

Der russische Erfolg war für die USA nicht gerade ein PR-Durchbruch. Sodaß Obama im April 2016 auch 250 Soldaten hinschickte, die natürlich seither überhaupt und endlich alles klarmachen. Es ist lächerlich, so Seymor Hersh. Es ist, als würde man den Russen sagen, sie hätten auch ein wenig beigetragen zum Sieg der Amerikaner im Zweiten Weltkrieg - dabei haben den die Russen gewonnen, weil sie selbst um den Preis von 20 Mio Toten (gegen 500.000 gefallenen Amerikaner) gegen die Deutschen gegengehalten haben, bis die am Ende waren. Sagt Seymor Hersh.

Der Fortgang der Geschichte ist bekannt. Notgedrungen und ohne viel darüber zu reden hat die amerikanische Politik auch auf die Linie "Lösung mit Asad" umgeschwenkt. Die aber das Militär ohnehin längst begangen hatte.

Und Israel? Es ist schwer von außen auszumachen, was momentan seinen Interessen am meisten dient. Aber um freie Bahn für ihre Interessen zu haben, werfen sowohl Türken wie Saudis schon längere Zeit schöne Augen und Kußhände nach Jerusalem. Was die Palästinenser schwächt. Wiewohl vermutlich keinem der beiden zu trauen ist. Aber Israel kann im Moment bequem vom Balkon verfolgen, was passiert. Das Ziel, sämtliche Staaten rundum entweder US-hörig zu wissen (Jordanien) oder destabilisiert (Libyen, Ägypten, Syrien, Arabien über Jemen) zu haben ist ja erreicht. Bleibt noch Syrien. Doch wieder auf Asad setzen, der immerhin geschwächt ist, um die Türken und Araber zurückzudrängen?




*Wie sich die Zeiten ändern - dieselben Aussagen galten noch vor kurzem als Spinnereien von Verschwörungstheoretikern.





*200516*

Sonntag, 22. Mai 2016

Merkel zieht durch

Merkel-Anhänger haben es ja so gewollt. Denn sie waren es ja, die mit Bildern besonders armer Flüchtlinge in den schlimmsten Situationen hausieren gingen, um ihre Ignoranz - oder war es Schadenswillen? - zu verschleiern, mit einigen Notfällen (die niemand je ablehnen hätte wollen) eine generell Grenzöffnung durchzudrücken. Sie wollten also die armen Notfälle. Nun kriegen sie sie. Und es bleibt einem die Spucke weg wenn man liest, was die Kronen Zeitung nun schreibt.

Denn da hat Merkel mit Erdogan Dinge ausgemacht, wie nun bekannt wird, die einen nur noch den Kopf schütteln lassen. Nämlich: Daß die sich das sogar noch traut! Schon länger hatten sich hiesige Einwanderungsexperten gewundert, warum seit einiger Zeit unter den einlangenden Flüchtlingen (was immer man nun darunter verstehen möchte) ein deutlich höherer Anteil an Schwerkranken oder Ungebildeten zu finden ist. Jetzt wissen sie es. Merkel hat mit Erdogan ausgemacht, daß die Türkei Akademiker und Fachkräfte im Land behalten darf. Syrische Akademiker dürfen mittlerweile überhaupt nicht mehr aus der Türkei ausreisen.

Ein Ausbund an Unmenschlichkeit. Selbst die meisten NGOs (und das will etwas heißen!) sprechen schon davon, daß dieses Abkommen mit Erdogan sofort ausgesetzt werden muß, weil es unmenschlich sei. Einige EU-Politiker haben ohnehin bereits von Anbeginn an kräftig ihre Einwände geäußert- Ohne noch davon zu reden, daß die Möglichkeit einer Integration in unseren Ländern direkt mit der Lebenskraft und Ausbildung der Zuwanderer zusammenhängt (wo Deutschland schon jetzt und nur bis 2020 mit Kosten=Steuern von 100 Mrd. Euro rechen darf), denn das darf eben bei Notleidenden nicht zählen, wenn schon.

Oder doch nicht? Hier nicht - dort schon? Denn Merkel hat jede Menschlichkeit geopfert (die Vernunft ist ihr ohnehin schon vor 80 Jahren abhanden gekommen) - um das Gegenteil von sich zu verkaufen: Im Namen besonderer Menschlichkeit zu handeln war ja der vorgegebene Grund für diesen Deal mit den Türken. Aber sie hat Europa verkauft, dieser Vorwurf wird schon längst laut. Und sie hat die Syrer verkauft. Und alles nur, um Erdogan dazu zu bringen, ihren Kopf und ihr Gesicht zu retten. 

Denn seit diesen Merkelschen Kniefällen zieht der Mann am Bosporus brutal durch, und kompensiert den Rückschlag, den ihm die nicht ganz erwarteten zuletzt hoffnungsvolleren Entwicklungen in Syrien (Erdogan hat nicht mit dem Richtungsschwenk der Amerikaner gerechnet, die zuvor eine pro-IS-Linie verfolgt haben, die Erdogan zu nützen versuchte; dazu in ein paar Wochen einige sehr illustrierende Blog-Beiträge über die Hintergründe in der Levante, sie sind schon in der Warteschleife) beschert haben.

Angela Merkel - Reczip Erdogan - Bild aus 2016
Von denen er sich ursprünglich die Lösung aller Großmachts- und Kalifatsträume erhofft hat. (Die Errichtung des Kalifenpalasts stört ja nicht, weil er viel Geld gekostet hat, das ist lächerlich und dumm: Selbstdarstellung darf kosten, was immer sie sich ein Land kosten lassen will, denn sie stiftet! Aber das ist es eben. Es geht um das, was daraus erwächst. Denn aus ihrer Architektur erwachsen einer Politik ihre Flügel.)

Presse- und Meinungsfreiheit sind nur noch Makulatur, Kurden werden offen bekämpft (unter dem Titel "Terror" geht ja heute alles, das haben die USA perfekt vorexerziert), und neuerdings sind auch gewählte parlamentarische Vertreter des Volkes beliebig strafrechtlich verfolgbar. Womit sie beliebig unter Druck gesetzt werden können. Denn mit Anschuldigungen, die eine Verhaftung auslösen, ist man in Istanbul ja nicht gerade zimperlich, wie sich ständig zeigt. (Und wozu braucht ein Mann Opposition, der ohnehin die islamischen Mufti als Taktgeber hat? Wenn eine Trennung von Staat und Kirche auch bei uns sinnvoll war und ist, dann genau aus dieser Polarität: Staat und OPPOSITION Kirche.*) Man darf gespannt sein, welche pikanten Details dieses Abkommen mit der Türkei noch enthält.

Und da wundert sich die etablierte Politik, daß man ihr nicht vertraut? Da wundert sich das Establishment, daß man es am liebsten zum Deibel jagen würde? Da wagt es diese selbe Clique, jeden, der opponiert, als rechtsradikal=unmenschlich zu verleumden, um ihren (weil Merkels) Arsch zu retten? Kann man überhaupt noch rechtsradikaler sein als Merkel, die im Machtrausch seit vielen Jahren (es wird nun nur offenbar) ihr ganzes Land in die Pfanne haut? 

Was kommt als nächstes? Und: Was kommt als nächstes ans Tageslicht?

Nur eines bleibt noch unnachvollziehbar: Daß die Merkelsche CDU immer noch bei 30 % Zustimmung im Land liegt. Oder ist der Anteil der Nutznießer dieser Katastrophenpolitik in Deutschland bereits so hoch?**

Das aber, meine Brüder in Deutschland, das hat man eben davon, wenn man eine Frau zum Bundeskanzler (mit so weitreichenden Befugnissen wie in Deutschland) macht. Und das ist ganz ernst gemeint. Denn da kann man dann heitere Rätselspiele veranstalten, wessen Interessen sie jeweils vertritt.



*Warum unser Völker eine solche Kleriker-Kaste, wie sie sich derzeit darbietet, überhaupt noch duldet, ist ein ewig in Gottes Ratschluß verborgen bleibendes Geheimnis. Denn gegründete Vernunft hätte längst diese Bischöfe davongejagt. Noch dazu, wo die deutschen Völker eine so ausgeprägte, uralte Widerstandstradition hätten! Kein deutscher Fürst oder Priester war vor 1000 Jahren jemals sicher in seinem Sattel, wenn er nicht den Grundsätzen der Religion eisern treu blieb, ja die Kirche hat nur dieser Prinzipientreue ihre Stellung hierzulande zu verdanken! Alles vergessen, lieber deutscher Mensch?

**Irgendwo in dem Bereich muß das aber liegen - an einem Land, das seine Vitalität der Verbeamtung abgetreten hat. Denn wenn man die Erfolge Merkelscher Politik ansieht kann das nur der Entwirklichung der Deutschen zuzuschreiben sein. Denn wer diese Anhäufung von Megakatastrophen, deren markanteste Punkte Eurorettung/ESM-Energiewende-Flüchtlingskrise sind (welche Liste sich aber fast beliebig fortsetzen ließe), die Deutschland auf Generationen schwer belasten werden, wie Kavaliersdelikte behandelt muß einen Defekt im Realitätsbezug haben. Zumal eine Außenpoltik dazukommt, die das Land völlig irrational plaziert hat, was sich ebenfalls erst in Zukunft beweisen wird, dnen Merkel hat vor lalem eines gemacht: Politik, die gegenwärtig nicht ganz abschätzbar scheint, aber enorme Auswirkungen in der Zukunft hat. Und dies alles unter dem sehr fraulichen Stichwort "Alternativlosigkeit" (Handlungszwang durch Dritte, als Personen, als Umstände) rechtfertigt. Diese Frau hat Deutschland damit an den Rand des Abgrundes gebracht





*210516*

Donnerstag, 14. April 2016

Ob das wirklich nur Terror ist?

In einer nicht ganz friedlich verlaufenen Situation in einem Zug meinte ein Kurde (der die Position der Österreicher gegen türkische Jugendliche vertrat), daß das kein Wunder sei, denn Türken hätten keine Kultur. Eine ähnliche Position scheint die PKK zu vertreten, die Kultur mit Demokratisierung gleichsetzt und eine ebensolche für die Türkei verlangt. 

Daß die Machinationen der APK Erdogans nach der vorjährigen Wahl, die erstaunlicherweise eine kurdische Opposition ins Parlament in Ankara einziehen ließ - formell vorerst - und damit seine absolute Mehrheit brach, in einem neuerlichen (angeblichen) Kurdenterror mündete, ist so einsichtig wie logisch. Wer glaubt Erdogan, wer glaubt einem Orientalen? Als solche sich die Kurden, die nach Ansicht maßgeblicher Historiker die Nachfahren des frühen (und immer schon kriegerisch-bereiten) Volkes der Hethiter sind, ja nicht betrachten.

Die Visumfreiheit für Staatstürken wird nach Ansicht maßgeblicher Stimmen also vor allem eines bringen: Eine Möglichkeit für Erdogan, Kurden abzuschieben. (Denn an eine Befriedungsintention Erdogans in Syrien glauben ja wirklich nur Naivlinge. Der Mann hat den Bürgerkrieg in Syrien doch nur angeheizt, gestützt, wenn nicht sogar begonnen.) Anderseits wird es den handfesten Konflikt der Türken mit den Kurden mitten nach Europa tragen. Die Zeichen dafür sind längst an die Wand geschrieben. Denn Erdogan möchte mit Gewißheit vor allem eines: Daß die EU/NATO die Türkei stützt und braucht, weil er nur so stark genug ist, einen kurdischen Staat und damit eine territoriale Abspaltung von der Türkei durch kurdische Staatsgründung zu verhindern.

Was ja schon Atatürk zu verhindern versucht hat. Und die Türkei ist für die EU/NATO/USA vor allem als Anti-Rußland-Position von enormer Bedeutung. Sie bedroht Rußland "im Bauch". Das ist allemal ein paar Milliarden wert, noch dazu wenn diese dazu dienen, europäische Politikerlächerlichkeit zu kaschieren. Da trifft Lächerlichkeit auf Lächerlichkeit, das muß sich doch zur großen Gebärde potenzieren?

Worin die Türkei sich freilich umgekehrt in einem Interessenskonglomerat mit den Syrern (das aber scheint lösbar, Syrien ist als Staat bereits zu geschwächt), dem Irak und den Persern befindet, denn die Kurden als Volk (das man auf insgesamt 10 Mio Menschen schätzt) sind auf diese Staaten aufgeteilt. Und sie scheinen einen ausgeprägten und unbrechbaren Autonomiewillen zu haben, den nur die großmütige französisch-englische Siegerlösung von 1918 ignorieren konnte. (Übrigens: Staatswille eines Volkes ist ein völkerrechtlich relevantes Naturrecht.) Wie links immer man die PKK und ihren Demokratiewillen einschätzen mag. (Denn der Linken ist Demokratie immer nur Mittel zu Endzweck gewesen.) Ohne Krieg lösbar scheint das tatsächlich nur in einem föderalen System innerhalb der jeweiligen Staaten zu sein. Es scheint innerhalb der Kurden keine einzelne Kraft zu geben, die dieses Volk explizit zu einen vermag.

Eine PKK, die sich lt. diesem Kurier-Interview also mit einer demokratisch-föderalen türkischen Lösung zufrieden gäbe - danach sah es nach dem Wahlgang 2015 ja sogar aus - in der sie ihrer Bevölkerungsmeinung nach ausreichend Gewicht zur Opposition und Wahrung der Eigeninteressen hätten. Sonst, so dieser Kurdenführer, würde es in einen großen Krieg gegen die Türkei münden. Na freuen wir uns auf die Situation in den Städten unserer Länder.





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Mittwoch, 9. März 2016

Bauernopfer des Wahnsinns

Es gibt kaum etwas Schlimmeres als Verhandlungen zu führen, in denen man den anderen braucht wie einen Bissen Brot. So Angela Merkel in den absurden Verhandlungen mit der Türkei, die natürlich genüßlich ihre Position auskostet. Wer fällt der deutschen Kanzlerin aber in den Arm, die alles, wirklich alles zu verkaufen bereit ist, was dann Europas Bürger natürlich auszubaden haben, um ihre unhaltbare, ja katastrophale Performance zu retten, in die sich diese Wahnsinnige (eigentlich: immer schon, denn Merkel hat mehrere katastrophale, nachhaltig desaströse Entscheidungen getroffen, die Deutschland an den Rand des Existenz bringen, oder ihn ... überschreiten) verstiegen hat?

Dieser Bericht zeigt einen Aspekt davon: Denn selbstverständlich sind die Kurden eines der Bauernopfer, die Merkel ohne mit der Wimper zu zucken darbringt. Merkel braucht unbedingt die pure Extrapirouette, daß die Türkei "die Flüchtlingslawine aufhält" - schon in sich ein völlig substanzlose Girlande, ohne jeden realen Wert, ohne praktische Auswirkungen, die Dinge laufen nämlich völlig anders, auch die Zuwanderung! -, die Merkel selbst ausgelöst und Deutschland, ja die EU an den Rand der Existenz gebracht hat. Und die Türkei schon ganz offen und immer schneller in ein totalitäres Regime torkeln lassen, weil an Erdogan endgültig ausliefern.

Merkel - unter angeblich humanitären Aspekten, ja, als selbst aufgeworfene Priesterin des wahren Christentums - verkauft ihr Land, verkauft Europa, belastet es mit gigantischen, untragbaren Lasten, nur um ihren Kopf zu retten. Schauen Sie sich, geneigter Leser, dieses Video an. Und staunen sie über Widersprüche, die an allem nur noch staunen lassen.
 







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Donnerstag, 22. Oktober 2015

Politisches Mittel "Flüchtling"

Im österreichischen Kurier (ein selbstdeklariertes Weltverbesserungsblatt) fand sich jüngst ein interessanter Artikel zur Flüchtlingsproblematik (als die generell die Zuwanderungsproblematik mittlerweile bezeichnet wird - ein Etikettenschwindel, den wir mittlerweile hinnehmen, der der Sachlage aber natürlich nicht gerecht wird: Nur ein relativ kleiner Teil der Zuwanderer sind Flüchtlinge. Der Rest sind eben einfach Zivilisationszuwanderer aus Ländern, die keinen Asylstatus begründen.) Interessant deshalb, weil er Aspekte darstellt, die man selten hört oder sieht. Vor allem, weil derzeit das Thema in sinnloser Sentimentalität erstickt, die mit Gefühl und Liebe zu verwechseln zwar schön dem Zeitgeist entspricht, aber nicht wahrer wird dadurch. Die aber ausreicht, und das ist ja auch ihr Ziel, sachlichen Verstand auszuschalten.

Warum sind derzeit so viele Syrer aber nach Europa unterwegs? Nicht, weil die Lage in Syrien heute besonders prekär ist. Sondern hauptsächlich, weil die Hilfszuwendungen an Flüchtlingslager und -organisationen dramatisch geringer wurden, auch durch eine gewisse Spendenmüdigkeit westlicher Länder. Deshalb sind viele dieser Auffangstationen nicht mehr in der Lage, den Flüchtlingen (die da wirklich solche sind) den allernotwendigsten Lebensbedarf zur Verfügung zu stellen. Sogar Wasser wurde mancherorts bereits zur Mangelware. Damit zerbricht bei vielen geflüchteten Syrern der letzte Zusammenhalt mit ihrer Heimat, die ihnen absehbar keine Chancen mehr läßt, und sie entschließen sich aufzubrechen, um wirklich neu - woanders, im überall als "gelobtes Land" dargestellten Deutschland vor allem - zu beginnen.

Dabei relativiert ein Türke (im Kurier "Erdogan-Kritiker" genannt) ohnehin die vielgelobte schier unbegrenzte Aufnahmebereitschaft von vor dem IS flüchtenden Syrern durch die Türkei (die zuvor, wie es heißt, die IS, schon gerne mal unterstützt, ja mit aufgebaut hat; die Motive dazu werden unter diesem Aspekt auch klarer, das mußte nicht erst die Luftwaffe der Türken beweisen). Dahinter stehe keineswegs bloße "Nächstenliebe" (manche Katholiken verstiegen sich sogar zu der grotesken Behauptung, die Türkei sei "christlicher" als europäische Länder und Bewohner - die Begriffsverwirrung scheint mittlerweile seuchenartig um sich gegriffen und selbst traditionelle katholische Kreise erfaßt zu haben). 

Unter der längst allgemeinen Gewißheit, daß es für diese Syrer kein Zurück mehr geben würde, beabsichtige Erdogan damit, die kurdischen Gebiete (in denen sich diese riesigen Flüchtlingslager ja befinden) "auszudünnen", durch Syrer. (Man spricht ja von über 2 Mio, die in Lagern derzeit untergebracht sind.) Und durch deren Ansiedelung das Kurdenproblem auf elegante (und von der Weltöffentlichkeit eifrig beklatschte) Weise "zu lösen". Was natürlich heißt: zu verkomplizieren, und zwar für die Kurden selbst, deren völkisch-kulturelle Geschlossenheit in bestimmten Gebieten damit aufgebrochen wird. 

So, wie es ja Jordanien bereits vorzeigt, wobei diesem Land tatsächlich reine(re) Hilfsmotivation "unter Brüdern" zugestanden sein mag. Brüder. Ein Begriff, den die sonstigen arabischen Staaten hier einmal gerne vergessen, um ihre außenpolitischen Ziele nicht zu gefährden, und um sich keine innenpolitischen Probleme einzuheimsen. Das überläßt man den Europäern. Denn selbstverständlich besteht die Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen, zuerst bei den Nachbarn. Mit denen ja in jedem Fall eine sehr enge Schicksalsgemeinschaft besteht. Denn Geschick und Geschichte hat untrennbar zuerst eine geographische (weil verortete, mit dem Ort zusammenhängende) Dimension. Und dabei sind die Staaten des arabischen Raumes ja meist alles andere als weniger wohlhabend als Europa.

So nebenher bestätigt der Bericht übrigens auch die hier hinlänglich vorgetragene Feststellung, daß es keineswegs die "Ärmsten der Armen" sind, die flüchten. Vielmehr ist es eben der Mittelstand, der ausreichende Mittel hat, sich die Überfahrten zu leisten. 

Von dem Umstand, daß ein syrischer Paß mittlerweile um 4000 Euro gehandelt wird, denn er gewährleistet ungehinderten Zutritt ins gelobte Land, das sogar nationale wie europäische Rechtssysteme sistiert, um Nächstenliebe zu demonstrieren, ja zum Kommen plakativ einlädt (und damit den Status eines Mythos vom Gelobten Land einnimmt), damit die Flüchtlingswelle sogar auslöst, zumindest befeuert, wollen wir hier aber nicht reden. Ob da nicht der ungarische Premier Orban recht hat, der da meinte, das Flüchtlingsproblem sei kein europäisches, sondern ein deutsches Problem? Dessen Land noch dazu wegen "grober Unmenschlichkeit und Rassismus" (auch so ein Wort, das mittlerweile aus Mündern kommt, von denen man es nie erwartet hätte) an den Pranger gestellt wird, weil es das einzige ist, das sein Rechtssystem (und seine internationalen Verpflichtungen wie die durch das Schengenabkommen) noch ernst nimmt, und nicht bereit ist, angesichts hochdramatischer Photographien seinen Verstand auszuschalten?*

Was solcher Abfluß gerade der leistungsfähigen Bevölkerungskreise für die Herkunftsländer bedeutet, haben jüngst die afrikanischen Bischöfe überzeugend dargelegt. Die sich in einem Appell an ihre junge Mittelschicht wandte, nicht das Land zu verlassen. Sondern ihre Kraft einzusetzen, um die Heimat zu verbessern. Daß daran noch niemand gedacht hat? Länder, auf die (der Demograph Herwig Birg hat darauf immer wieder hingewiesen) so nebenbei nun auch noch eine demographische Schwierigkeit (durch Verschiebung der Alterspyramide) zukommt, die Europa ja genau damit zu umgehen meint. Weshalb manche meinen, es handele sich bei der europäischen Politik um eine neue Art von Kolonialismus. Was natürlich böse Verleumdungen sind.




*Natürlich ist das herzzerreißende Bild des kleinen Buben gemeint, der da ertrunken am Strand lag. Das wie ein Signal wirkte, und tatsächlich die Politik schlagartig aufbrach. Wo sich aber schon niemand die Frage stellte, ob es nicht auch eine sehr persönliche Mitverantwortung des Vaters (der seine gesamte Familie durch ein gekentertes Boot verlor, als einziger überlebte) gebe, der Frau und (kleine) Kinder einem parcours de force aussetzte, der einem Hazardspiel gleicht. Sodaß man sich fragen muß, ob das von einem Vater noch verantwortbar ist. Ob nicht überhaupt von so manchem Flüchtling gar nie abgebbare Eigenverantwortung allzu bereitwillig in andere, unbestimmbare Hände gelegt wird. Und ob man sie dazu nicht sogar auffordert. Das Schlepperwesen jedenfalls (ein Milliardengeschäft, das längst und immer besser weiß, welche Hebel es zur Förderung von Umsatz und Gewinn betätigen muß) nimmt diese Gegebenheit dankbar an.




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Donnerstag, 6. November 2014

Was aber ist ein Volk?

Wir wollen es nur anreißen, aber das soll denn doch geschehen. Denn da geistert zu viel herum, wenn es um den Begriff des "Volkes" geht. Und es sind auch sehr aktuelle Anlässe, die dazu bewegen, man denke an die Schotten, die Katalanen, die Szekler in Siebenbürgern, die Ukrainer ... überall hört man es - VOLK. 

Und in einem der jüngsten Artikel der Seite "Freies Österreich" steht dann gar der (Herder zugeschriebene) Satz, daß ein "Volk die größte natürlich politische Gemeinschaft" sei. 

Herrschaften, ehe wir uns ganz ins Schwammige begeben, sollte also doch einmal darüber nachgedacht werden, ob dem Menschen, der IN SEINER NATUR ein Kulturwesen ist, also nicht "halt auch" eine Kultur aufbauen kann, sondern dessen Sein eine Kultur bedeutet - oder er ist gar nicht, ob es also ein "Natürlichsein" des Menschen gibt, OHNE daß wir zugleich von seiner Organisation, seiner Kultur sprechen.

Weil Menschsein ein Zueinander von Gestalten und Formen ist, und diese Formen und Gestalten sind in dem Maß menschlich, also natürlich (natus - geboren, bestimmt dazu), als sie geistig werden. So erst ist der zweite menschliche Pol zur Entfaltung gebracht, in welchem der Mensch oben inden Himmel ragt, um doch unten fest am Boden zu stehen. Beides fällt "seltsamerweise" zusammen: Je geistiger ein Mensch ist, desto bodenschwerer wird er. Die ungeistigsten Völker sind - oh, man hört die Entrüstungsstürme, die Beschimpfungen ... - jene, die es nicht einmal zur Seßhaftigkeit schaffen. Aber sie sind nicht die "natürlichsten". Sie sind die, in denen das Menschsein am unfreisten und deshalb am unentfaltetsten ist.

Wo das Menschsein sich nicht in bestimmte Organisationsform bringt, kann man deshalb auch nicht von "natürlichem Volk" sprechen. Mit "Blut" oder "Abstammung" zu kommen ist schon deshalb nur noch abstrus, weil in der Menschheitsgeschichte von "Blutsreinheit" bestenfalls auf isolierten Inseln gesprochen werden kann, unabhängig davon, von wo her die Bewohner kamen. Und eine solche Situation der Isoliertheit (es sei etwa an die phantastisch hellen Arbeiten der österr. Schule der Ethnologie um Paul Schebesta oder Wilhelm Schmidt über die Pygmäen erinnert) führt nie zu besonderem Wachstum, sonder im Gegenteil, zu Kleinheit und Beschränkung. Selbst im Tierreich, übrigens. 

Die Germanen etwa waren großwüchsig. Die Analogie paßt. Denn sie waren (und ... sind ...) bekannt dafür, daß sie jeden und alles integriert haben, was dazu willig war. Die Völkerwanderungszüge waren regelrechte Auffangbecken bestimmter Charaktere aus allen Völkern, die am Weg lagen. Die Kimbern und Teutonen etwa begannen ihre Züge aus Dänemark ums Jahr 100 v. Chr. mit kaum 30.000 Menschen, um, in Italien angekommen, 120.000 und mehr zu sein. Mit dabei, sich unterwegs anschließend, waren Germanen verschiedenster Stämme, Slawen, Kelten, Illyrer ... welche Gebiete immer sie eben durchwandert hatten. Bei diesem Wegzug, wie am Hinzug im Rahmen der indogermanischen Völkerwanderungen einige Jahrhunderte und Jahrtausende davor. Die reine Blutsverwandtschaft zwischen Germanen, "Ariern", und (jetzt werden wir ganz provokant) Zigeunern (unterschiedlichster Stämme, und da gibt es wahrlich viele - Roma, Sinti, Czigany, etc. etc.) ist nach Meinung des VdZ sogar äußerst hoch. Der Unterschied liegt nicht im Blut. Er liegt in der Kultur. Und hier bestehen erst tatsächliche Unvereinbarkeiten, historisch gewachsen, und sehr und vielfach begründet. 

Denn zur Herausbildung eines Volkscharakters gehört zweifellos auch die durch die Zeit geprägte Charakteristik. Da kann es dann schon sein, daß die Bewohner des Alpen-Karpatenraumes mehr "Völkisches" gemeinsam haben, als die Slawen "Tschechen" mit den Slawen Wolhynierns. Lassen wir uns doch nicht von den seltsamen, und in Wahrheit so gar nicht begründbaren, heute aber auch oft so mißverstandenen Romantizismen des 19. Jhds. nicht den Kopf verdrehen! Mißverstanden auch oft schon aus sehr persönlichen Motiven, dazu ließe sich so viel noch sagen ...

Was ist also ein Volk? Sind es die Lavanttaler, die ihre Landschaft als die schönste der Erde bezeichnen, und am liebsten mit niemandem sonst etwas zu tun haben möchten? Die Tiroler, denen eine ungemein vielsagende, archaische Wendung nachgesagt wird, die heute meist überhaupt nicht mehr verstanden wird, aber für jedes "Volk" der Erde kennzeichnend war (in beinahe jeder Sprache ist die Bezeichnung für ein Mitglied des "Volkes" auch die Bezeichnung für "Mensch"): "Bischd a Tiroler, bischd a Mensch, bischd ka Tiroler, bischd ka Mensch!" Die Lausitzer Sorben, die als slawisches Völkchen seit vielen Jahrhunderten fester Bestandteil sächsisch-schlesischer Kultur sind? Die ... Kurden, die auf drei Staaten aufgeteilt sind? Die Türken, die in Asien mehr "Turkmanen" haben, als in der eigentlichen Türkei? Und wo fängt man da an, wo hört man da auf? Sind die Sachsen, die sich in Ungarn niedergelassen haben, jemals Österreicher gewesen? (Nein!) Sind die Österreicher ein Volk, je gewesen, mit dieser Unzahl von Volkschaften - pardon, Völkern? - in seiner Mitte?

Der Name Volk macht erst ab dem Moment Sinn, wo er sich in kulturelle Form bringt. Und das kann ein Volk - nur aus sich selbst heraus. Denn dazu braucht es einen Willen, das ist das eine. Aber dann beginnt die Serie der Abstufungen. Bis zum höchsten Punkt, ab dem von Organismus zu sprechen erst wirklich Sinn macht. Der in der Analogie "Person" frei und selbständig existieren kann und vor allem will. Der aus sich heraus (!) existieren will, und dafür und darein sind dann alle seine Einzelexistenzen, die Bevölkerung mit allem Mann und Maus, verhängt, und sei es um den Preis des Blutes, was sogar als Kriterium dafür gelten kann: Wo sich eine Anzahl Menschen, die zu einem organischen Ganzen zusammengefunden haben, als STAAT ausruft. 

Und siehe da, nun haben wir es plötzlich, das Volk! Das ein Staatsvolk ist. Innerhalb dessen sich auch die vielen Abstufungen - Dorf XY, Lavanttaler, Kärntner, Österreicher - wiederfinden. Wenn man von Familie, Sippe, Stamm und Staat spricht, so geschieht dies ja automatisch mit Bezug auf deren historisch nachvollziehbare äußere Form! Da war der Vater, da war der Dorfhäuptling, da war der Landesvogt, da war der Stammesherzog, da war der König. Das waren keine simplen "Zweckgemeinschaften", das waren kulturelle Höherentwicklungen! Wo sich die je höhere Form ganz konkret dann auch bis ins Dorf, bis in die Familie hinein auswirkte. Nicht nur über die Identität, sondern auch über Rechte, Pflichten, Aufgaben und Verantwortungen. Es waren die ersten Voraussetzungen für Arbeitsteilung, für Verwaltung, für Verantwortungen.

Das primitive Indianervolk, das irgendwo am Rio Parana noch heute seine Existenz fristet, ist nicht weniger natürlich, als der Staat Argentinien, der seinen Willen zum Staat durch ein diesen Willen tragenden Staatsvolk aufrecht hält, mit allen Konsequenzen. Und so zum voll- und gleichberechtigten Subjekt des Völkerrechts wird. Aus dem Umstand, ein "Volk" zu sein, läßt sich noch sehr wenig an konkreter politischer Konsequenz ableiten.

Ein "Volk" von Kurden, das noch dazu in sich total zerstritten ist (so, wie es doch die Germanen auch waren), als "natürliches Volk" in dem Sinn zu bezeichnen, als ließen sich daraus Rechte und Pflichten - schon gar im Rahmen des Völkerrechts - ableiten, ist einfach nicht haltbar. Volk hat sich immer auf einen Kulturraum bezogen. Niemand würde die Kroaten des Burgenlands im Osten Österreichs als "nicht zum österreichischen Volk" gehörig bezeichnen. Sie sind es, weil sie den Staatswillen, den Willen zum Staatsvolk mittragen und in jede Generation neu hineingebären. Sie sind "natürliches Staatsvolk".

Keineswegs auch reicht es sich als "Staat" zu bezeichnen, wenn man die Wesenseigenschaften eines Staates nicht erfüllen kann, oder will. Das ist direkt an die Adresse der Ukraine zu sagen, deren Staats"wünschen" bei manchen vorhanden sein mag. Wo aber wirklich hinterfragt werden kann und sogar muß, ob es einen geeinten Volkswillen (bei so vielen Völkern, die sich dort finden ...) zum Staat, mit allen Konsequenzen, überhaupt innerhabl dieses Territoriums gibt. Staat sein wollen, die Lasten aber anderen aufladen (und so sieht der VdZ die Anschmiegerei der Ukraine an den Westen) ist da zu wenig, und läßt eher einen Mißbrauch des Staatsbegriffs durch einige Interesssensgruppen vermuten. Man frage doch einen normalen Bürger sogar der Westukraine, ob er "seinem Staat" vertraut?! Das Niveau der Korruption, das in der Ukraine kaum noch zu überbieten scheint, wie man allenthalben hört, liest oder erzählt bekommt, erzählt auch, ob ein Volkswille zu (diesem) Staat überhaupt besteht. (Übrigens war auch die Korruption in Nazi-Deutschland äußerst verbreitet, man übersieht das gerne.)

Was mit den einzelnen Kurden, so vielen Familien, Dörfern, Dorfgemeinschaften etc. etc. passiert, die ja verschiedentlich als Nachfahren der ehedemstigen Hethiter angesehen werden - ein "Volk", das zerfiel, weil sein Staatswille zu schwach im Konzert der umgebenden Völker (hier: der Assyrer) war - ist gewiß nicht in Ordnung, und ja, auch Kriegsverbrechen läßt sich zu vielem dabei sagen. Mit einer schwerwiegenden Einschränkung: Krieg ist eine Erscheinung zwischen Staaten. Diese Grundtatsache, auf der Völkerrecht überhaupt aufruht, wird seit 100 Jahren recht konsequent im Namen - ja, so könnte man es bezeichnen: völkerrechtswidriger Universalismen - verwaschen. Gegen die Kurden wird kein Krieg geführt, sie sind kein Staat. Gegen sie findet "höchstens" ein Vernichtungsfeldzug statt. Möglicherweise, freilich, um einen Staatswillen zu unterdrücken. Das wagt der VdZ nicht zu beurteilen. Die Existenz einer PKK ist ihm aber zu wenig, um das anzunehmen.

Das alles sollte dazu anregen, mit dem Begriff des "Volkes" etwas vorsichtiger umzugehen. Aus dem sich politisch gesehen rein gar nichts ableiten läßt, wenn es nicht kulturell und damit politisch konnotiert ist. Erst daraus, und nicht mit schwammigen romantizistischen Begriffen, läßt sich politische Handlungsnotwendigkeit und erst dadurch sogar auch manches Unrecht erkennen. Sonst kommt man leicht in Verdacht, genau der proklamierten Sache - Freiheit - NICHT zu dienen.




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