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Donnerstag, 12. Mai 2011

Ehe der Papst twittert, kommt das Ende - VI


Notizen zum Internationalen Bloggertreffen am 2. Mai 2011 im Vatikan


Teil VI) VERSUCH EINES FAZITS



Wer in Wien vom Westbahnhof kommend den Gürtel Richtung Süden fährt, kommt an einer Kirche vorbei, die - mir scheint: immer noch - viele Jahre schon ein weißes Transparent auf seine der vielbefahrenen Straße zugewandten Seite aufgehangen hat, auf dem steht "Jesus liebt Dich!" Es gibt kaum etwas Abstoßenderes, als dieses Plakat, und ich gehe jede Wette ein, daß sich durch dieses Plakat weit mehr Menschen von der Kirche tatsächlich abgestoßen fühlen, als "von Jesus geliebt". Ein alter Kommunikationsgrundsatz ist, daß Kommunikation von zwei Seiten ausgehen muß: einmal von der Art des Mitgeteilten, und dann von der Art des Aufnehmens.

Die Mitteilung dieser Hoffnung erzeugen sollenden Botschaft scheitert an beiden Kriterien: zum einen entspricht die Mitteilung selbst bestenfalls einer Internet-Information. Sie stellt aber selbst geradezu das Gegenteil dessen dar, was sie behauptet. Denn sie macht diese zutiefst in die Existenz eingreifende - geistige - Wahrheit zu einer lächerlichen Banalität, macht sie zu einer lächerlich präsentierten Information, nicht zu einem Ereignis - und letztlch kann Erkenntnis nur so passieren. Diese Wahrheit aber ist so präsentiert für keinen Rezipienten nachvollziehbar, der sie nicht längst hat, und deshalb in seiner realen Fülle rekonstruieren kann, GEGEN die Banalisierung.

Eine Erkenntnis läßt sich nicht von ihrem Erkenntnisträger, dem Erkenntnisobjekt also, trennen. Ihre Ablösung erfolgt über die Sinne, ist im Nacherleiden, im Nachgeformtsein, von der Seele abgelöst, als Inhalt präsent, und damit "erkannt", eins geworden. Das ist der Sinn der Schöpfung, die ja kein umständlicher Weg Gottes ist, sondern DER Weg der Einheit mit ihm. Deshalb ist das Internet als Instrument der Kirche eine emminent theologische Frage, und keine der Technik, oder des "na seind mer net so" eines Papstes. "Wir können doch den Papst nicht von Tür zu Tür schicken," meinte Pater Ruiz, und genau das ist damit gemeint.

Der Vatikan KANN nicht so einfach einen Blog einrichten, und von dort aus seine Botschaften verkünden. Die Art, der Erkenntnisträger, sind selbst Teil der Botschaft. Und weil niemand in der Kirche personal Gott gleich ist, können wir uns auch nicht einfach auf unser Menschsein berufen, und meinen, wir könnten das zu Kommunizierende einfach der Information überlassen, einer rein rationalen Größe nämlich. Der Geist ist das, was im Fleisch abzulösen ist - so funktioniert (Anführungsstriche) Erkenntnis, und so ist die Schöpfung aufgebaut, als ineinaner einer gigantischen Ordnung, wo eines aus dem anderen heraus lebt, im Erkennen - im Geist. Denn Gott, reiner Geist, ist Leben. Aber Gott ist auch Dreifaltigkeit. Im Logos, von Anfang an vorgesehen, ist die Schöpfung indirekt in dieses Leben der Dreifaltigkeit hineingenommen, in Jesus Christus, dem Gottmensch, an dem der Mensch über die Sinne in der Erkenntnis teilhat.

Glauben zu vermitteln kann niemals nur eine Sache der "information" sein. Das Internet ist aber ein Informationsmedium, und vor allem: ein technischer Apparat. Wer einen Hammer benutzt, denkt wie ein Hammer. Ist die technische Art des Internet also die Struktur des Heiligen Geistes? 

So fern ist dieser Gedanke gar nicht, denn Erik Davis zeigt in "Techgnosis", wie maßgebend das Internet von metaphysischen, spirituellen, allesamt aber gnostischen Vorstellungen geprägt war und ist - praktisch sämtliche Gründer (so nebenebei: auch sämtliche Pioniere des Personal Computer) kamen aus dem spirituellen Dunstkreis der Hippie-Bewegung in California. Jedes Werk ist nun aber vom Geist seines Hervorbringers voll, DEN repräsentiert es, und an DEM nimmt der Nutznießer eines Werks teil. Wer also das Internet bedient - so die einfache Schlußfolgerung - nimmt an einem gnostischen Weltkonzept teil, führt es fort. Oder verbirgt sich darin denn doch auch Gottes Geist? Das behaupten sie ja, die Gnostiker, die auch die Kirche "integrieren", die dem Gnostiker ja gar nicht mehr nötig ist. Denn er hat ihn ja, den persönlichen Anschluß an den Geist, nun auch übers Internet.

Nehmen wir nun die mittlere Position her, das Informationsmedium selbst, den Text, das Bild. Wer sich ein wenig mit dem Wesen von Photographie, von Bildnis auseiandersetzt wird bald erkennen, daß diese technische Form der Abbildung tatsächlich nur ein Zeichen ist, das auf ein Reales hinführen muß. Ohne Reales gibt es dieses Abbild nicht. Das Internet erzählt also nur von Realem, es vermittelt dieses Reale abe rnciht ab initium. Nun ist zwar gott in allem Seiende, das ja nur ist, weil es Anteil am Sein hat, aber diese Erfahrbarkeit engt sich im Internet auf einen schon sehr winzigen Spalt ein, den das Internet als Ding der Wirklichkeit noch hat. Denn das Internet HAT sehr wenig Reales. Es ist eine Maske, die nur mit dieser Maskenhaftigkeit funktioniert und transportiert.

Aber auch von der Seite des Benutzers her fehlt eine fundamentale Voraussetzung - die der Autorität, die notwendig ist, damit sich ein Erkenntisobjekt im Erkennenden nicht nur abbildet, sondern von diesem auch "im Gehorsam" (Sinne liefern Reize, die im Nachleben zur Erkenntnis werden, also braucht es "Gehorsam" ihnen gegenüber) nachgelebt und damit erkannt wird. Es geht in seinen Besitz über, wenn er es geistig integriert, in der Erkenntnis. Aber das tut es eben nur in der Autorität des Außen. Es gibt dazu keine Alternative, man kann dasselbe nicht mit "Informationskonzepten" erreichen. 

Die Art speziell des Internet 2.0 aber ist die der Beteiligung. Diese Beteiligung nun ist es, die das Gesehene nicht nur dem Urteil des Betrachters unterwirft (BEVOR er es "erkannt" hat! er muß schon im Anwählen urteilen), sondern seiner Verfügungsgewalt. Und damit stellt es sich UNTER den Benutzer. Das ist keine Grille eines verrückten Bloggers - namentlich des Verfassers dieser Zeilen - sondern diese Gedanken sind gleichfalls Fazit von Denkern, deren Namen hier anzuführen den Artikel auf jeden Fall sprengen würde.

Aber schon daß der Verfasser sich genötigt sieht, seine Worte solcherart - durch andere, reale Bezüge - in ihrer Autorität zu stärken, auf daß sie etwas bewirkten, macht das Gesagte selbst deutlich. Gerade das als "positiven Fortschritt" verkaufte Internet 2.0 ist in Wahrheit eine Entwicklung zu dieser Abwertung aller Inhalte im Netz. Seit Jahren beobachte ich die "Posting"-Funktionen, als Beispiel, in Zeitungen, auf Blogs, egal wo. Überall wird man mittlerweile aufgefordert, sich zu äußern. Die Folgen sind dramatisch: es ist offensichtlich, wie die Poster nicht nur mittlerweile jeden Respekt vor den Inhalten der Artikel verloren haben, sondern sich sogar die Poster in "ihren" Medien gerieren, als gehörte das Medium ihnen, als seien sie Teil davon, als seien sie verfügungsberechtigt.

(Ich habe aus diesem Grund schon vor geraumer Zeit die Kommentarfunktion hier deaktiviert, fürchte aber, daß es das Problem nicht wirklich gelöst hat, schwanke deshalb immer wieder, wieweit ein totaler Rückzug aus diesem Medium, zumindest aus den derzeitigen Formen, nicht sinnvoll wäre, was derzeit nur scheinbare berufliche Unverzichtbarkeiten verhindern, vieles ist eben nun bereits übers Internet organisiert, selbst wenn das auch anders gienge, ja darunter leidet.)

Jetzt davon zu sprechen, daß auch Jesus sich erniedrigt hätte, etc. - das sind Sophistereien, das ist Quatsch, paßt aber in seiner Thematik zur Diskussion über Handkommunion, oder Volksaltar etc. die auch für sich genommen kein explizierbares Problem sind, die es aber in viel größerem Zusammenhang sehr wohl sind.

Hier handelt es sich um etwas völlig anderes. Ein Blogger, ein Mensch, ist nicht Gott oder gottgleich, und selbst Gottähnlichkeit in diesen Hinsichten zu behaupten wäre unsagbar anmaßend, denn nicht einmal größte Heilige taten das, so sehr sie davon "wußten." Er kann von Gott erzählen, aber er tut es auch durch seine Haltung Gott selbst gegenüber, um darzustellen, wie, was dieser Gott denn sei. Das kann man nicht mit Information lösen. Die Botschaft IST die Information selbst, und sie kann nur personal geschehen, von Angesicht zu Angesicht.

Wahrheit ist, wie Spaemann schreibt, eben keine Sache einer simplen Addition, die kein anderes Ergebnis möglich mache. Sie hat mit zahlreichen ungemein persönlichen Akten, Haltungen und Umständen zu tun, mit persönlicher Reaktion und Reaktionsfähigkeit (!). Je höher der vermittelte Inhalt, desto höher muß die Haltung des Rezipienten sein!

Das macht das Internet so problematisch. Weil es kein Äquivalent zur Wirklichkeit ist, sondern nur Information, die immer "Teil" ist, zu dieser enthält. Wirklichkeit, wirkliche Wirklichkeit ist gar nicht abschätzbar umfangreicher, weil das Ganze mehr als die Summe ihrer Teile ist, und weiter, als es das Internet je sein kann! Es läßt sich im Netz vielleicht Information "über" den Glaubern verbreiten, soweit es sich um Information handelt, und hier eher unter Insidern, die es als Information bewerten können. Aber Glaube und Glaubensinhalt selbst läßt sich so gut wie nicht - und schon gar nicht in einer "Neuevangelisation" - übers Netz transportieren! 

Wer das glaubt, muß sich gefallen lassen daß man ihm vorwirft, mit dem Netz den bequemeren Weg zu gehen, sonst aber nichts. Weil dann Glaubensvermittlung - und man spricht ja von weit mehr, man spricht von Wahrheit, von Schönheit ... - zur simplen Information abgewertet wird, und nicht zur lebendigen Begegnung des anderen mit ... einem selbst, dem Träger der Botschaft, dessen Antlitz, als Darstellung der Wahrheit selbst, als Form in der Gestalt, ihm von Gott erzählt, wodurch er Gott - der Form selbst - begegnet, die als Form das Fleisch durchdringt und erlöst, aber nicht als addierte Information, sondern ALS Fleisch.

All diese Tatsachen werden sich noch lange nicht deutlich ablesbar machen, wenn überhaupt. Aber es wird zu Veränderungen kommen, und zwar: zu gravierenden Veränderungen, und nicht zum besten! Es ist absehbar, daß das Internet alles, worüber es berichtet, auf eine Ebene zieht, die es entwertet, die es als Erkenntnisobjekt "an sich" nicht nur untauglich macht, sondern die beschädigt, worüber es informiert, weil es sie als Gestalt auflöst. Das ist nicht mit ein paar pädagogischen Maßnahmen - "man muß schon lieb sein zueinander" etc. - behebbar, sondern es liegt im Wesen des Mediums, es liegt im Wesen der Technik.

Aus diesen Gründen muß jede Information im internet sehr vorsichtig agieren. Und mehr als Information ist auch kaum möglich, weil die Möglichkeiten, einen - Lombardi war es glaube ich, der das Wort verwendete - ethischen Code (der zur Kommunikation prinzipiell dazugehört) zu beherrschen, den es zweifellos auch hat, der aber noch kaum bekannt ist, auf jeden Fall sehr begrenzt sind. Wieweit das aber mit dem ethischen Code überhaupt vereinbar ist, den das Internet als Medium selbst bereits verkündet, das wird an dieser Stelle eben bezweifelt.

Etwas zu betreiben, und zwar über einen Rahmen hinaus, der bereits bekannt ist, ist im Grunde Aberglaube, ist mythisierter Technizismus, und ganz sicher nicht verantwortliches Handeln. P. Ruiz wiederholte es, ich tue es ihm nach, und werde damit wieder chronologisch: Erst müssen wir wissen, worum es sich da überhaupt handelt, dann können wir entscheiden, was wir damit tun.

Was wir damit tun - das ruft auch Eva Janosikova aus, die Slowakin, Sie erinnern sich, die für die Kommunikation zum Weltjugendtag zuständig ist, als sie zum Abschluß des Treffens, die Zeit drängt bereits, sie hechelt ihre Präsentationsgraphiken im Eiltempo durch, vom "Erfolg" (und es kann aus besagten Gründen nur ein Erfolg technischen Ablaufs sein, seine ethische Dimension ist ja gar nicht ablesbar) berichtet. Weil es  mit dem Facebook-Auftritt gelungen sei, für den kommendne Weltjugendtag binnen weniger Tage 260.000 "Friends" weltweit zu generieren, daß die Seite in 31 oder 78 Sprachen - wen kümmert's, es ist irrelevant - übersetzt wurde, von den Benützern selbst. Wo nun eine Art Vernetzung zum kommenden Jugendtreffen stattfindet, wo es ein Leichtes ist, binnen Sekunden Informationen weiterzugeben. "But," sagt sie dann, "what shall we do with them afterwards? Please, tell us, if you have an idea: what shall we do with these 260.000 contacts?! We don't know!"

Evangelisieren? Auffordern, über Twitter "Jesus liebt Dich - lol" an ihre hunderten Facebook-Friends zu verbreiten?

Es geht doch darum, was es denn überhaupt ist, das Glauben weitergibt, was bei einer Neuevangelisation doch nur heißen kann: den Willen zur Umkehr bewirkt, die Öffnung für jenen Geist, der Abba, Vater sagen läßt, der Jesus als Sohn Gottes begreifen läßt. Was ist es, das überhaupt weitergegeben werden kann? Und wodurch? Ist dafür das Wesen des Internet überhaupt geeignet? DAS nämlich bezweifelt der Autor dieser Artikel nicht nur, sondern das sieht er möglicherweise sogar genau damit konterkariert. Denn das Wesen der Schöpfung - und sie ist so sehr die Predigt Gottes, daß er seinen Sohn Fleisch werden ließ - ist Fleischlichkeit.  Das Wesen des Internet aber ist Virtualität, Entfleischlichung. Damit liegt es in einer Linie des Verfalls jeder Kultur als Kontur aller Lebendigkeit, den es weiter beschleunigt. Und damit vertieft es das, was mit dem Protestantismus selber nur Gestalt wurde: Die Nichtung der Welt, die nur konkrete Gestalt sein kann. Der Buchstabe tötet, nur der Geist macht lebendig. Welchen Geist aber verbreitet weil repräsentiert das Internet?




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Mittwoch, 11. Mai 2011

Ehe der Papst twittert, kommt das Ende - V


Notizen zum Internationalen Bloggertreffen am 2. Mai 2011 im Vatikan


Teil V) WER SOLL DENN DIESE GANZEN MEINUNGEN LESEN?


Wer soll das alles aber lesen? Denn das gehört doch mitüberlegt, wenn man von der Relevanz des Bloggens spricht, so wie es keinen Sinn macht, ein Produkt in die Auslage zu stellen, für das ganz sicher niemand Bedarf hat. Oder weil die Auslage in den dunkelen Innenhof hinausschaut. 

Noch dazu, wo es ein sehr reales Du braucht, man sich also fast kennen muß, im realen Leben, um sich für das, was der andere von sich gibt, zu interessieren, weil die Qualität der Information vom Kennen des Informanten abhängt. Nein, höre ich da sofort die zahlreichen Stimmen der Blogger, die doch alle von der hohen Sendung so überzeugt sind. Nein, alles nicht wahr! Niemals würden sie die These auch nur reflektieren, daß diese ganze Bloggerei, die sich von so hoher Mission sieht, nur dem Ego dient, nur eine einzige Ausrede ist, virtuell, wie dieses ganze Internet, das - vergesse man alleine das nicht! – ein „Bild von“ ist, in vielerlei Hinsicht, das also wie eine Photographie nur existiert, weil es ein Reales gibt, auf das sie sich bezieht, das also nicht wie ein Kunstwerk für sich steht, als „etwas“, und das werden wir noch näher begründen, später, daß also diese ganze Bloggerszene eine einzige Flucht vor der Wirklichkeit ist! Wo sich Menschen einreden, zu handeln, und in Wirklichkeit – fliehen sie genau vor diesem Handeln. So, wie sich die meisten Menschen eine Unmenge von „Aufgaben“ suchen, um nur die eine Aufgabe, die sie zu tun hätten, zu vermeiden. Denn die Ethik liegt im Subjekt, nicht in seiner Tätigkeit. Und gefangen von der Funktion, von der das Internet so voll ist, lebt und atmet die Illusion in vollen Zügen, daß etwas geschehe – aber es geschieht dabei gar nichts. Wie die Liturgie an so vielen Orten …

Da paßt auch das dazu: Ob man nicht, so - wieder eine Frau - eine Amerikanerin, wenn ich mich recht erinnere, so etwas wie eine Imprimatur, auf diözesaner, oder weltkirchlicher Eben, geben könne? Eine Art Gütesiegel, aus dem hervorgehe: hier sei Katholizismus drin, wenn das draufstehe!? Lombardi winkt sofort ab. Das sei unmöglich. Man habe es hier mit dynamischen Inhalten zu tun, wie solle man so etwas handhaben.

Und das wolle sie auch nicht, springt da fast eine nächste Amerikanerin auf – wieder eine Frau. Sie wolle ihr Blog dazu nützen, ihre Meinung zu vertreten, aus und basta. Daß sie im Dunstkreis jener sitzt, im Saal, und in der Wirklichkeit sowieso, die die ganze Zeit davon sprechen, daß sie die Kirche verteidigen wollen, die Inhalte der Kirche vermitteln wollen, die „neuevangelisieren“ wollen – das fällt ihr gar nicht auf. Wie ist das vereinbar: den Glauben verbreiten, und seine Meinung kundzutun …, sich – sie sagt es vehement – nicht instrumentalisieren lassen, und dienen?!

Wenn aber, gesetzt den Fall, ein Blog der Verkündigung dient, mit seiner Information, dann stellt sich als nächstes die Frage: wozu soll das ein Laie machen? Wozu jemand, der nie dazu berufen wurde, sondern der sich selbst dazu berufen fühlte? Denn was Jeanne-Beylot von sich gibt, wenn er sagt: wir sind getauft, und deshalb gesendet, das ist, mit Verlaub, blanker Unsinn! Denn die Verkündigungsaufgabe des Laien schaut anders aus als die eines Priesters oder Predigers. So, wie Jesus (präsent, sichtbar in der Liturgie, im Sakrament) das Wort IST, wir als Menschen aber nicht einfach SIND, es sei denn wir würden uns pauschalier die höchste Stufe der Mystik zuschreiben, wie Johannes vom Kreuz oder die schon erwähnte Theresie von Avila es beschreiben. Wobei, wobei ... den Verdacht, daß sich so mancher so einschätzt, kann man nicht vom Tisch weisen. Aber das ist natürlich, natürlich "böse".

Wie also nach außen kommen? Wie zu einer gehörten Stimme werden, die über den Kreis der ohnehin „Eingeweihten“ wirklich hinausgeht, sieht man von „Zufallstreffern“ ab? Über Köder, wie Vonhögen es macht? Hier eine Nachricht über Krötenzug in der Provence – dort der Hammer der Evangelisation hinter dem Rücken? Darin liegt eben schon das Grundmißverständnis, was denn Verkündigung überhaupt sei, wie sich denn Wahrheit überhaupt transportiert, und wie sie transportiert werden kann. Jeder Verkaufstrainer weiß, daß ein Produkt einen Nutzen braucht, der Kunde „kauft“ nur einen Nutzen. Jeder Verkaufstrainer weiß, daß man sich im Verkauf nicht aufdrängen darf, dann ist der Kunde auf jeden Fall verloren. Anderseits, selbstverständlich, ist Gemeinschaft, Communio, immer über ein Drittes erst möglich.

Ist aber damit nicht diese ganze katholische Bloggerschar für "A & F", um es sehr sehr salopp zu formulieren? Macht sie sich einfach etwas vor? Ist ein Blogger für den Vatican wirklich nur ein Objekt der Pastoral? Wenn der Verfasser dieser Zeilen alleine rekapituliert, wieviele Anschreiben er im Vorfeld, und auch später, von Teilnehmern!, erhielt, mit Hinweisen auf deren Blog, einige male noch mit dem Hinweis "feel free to share, to forward, to link, to comment or to criticize it", bei Blogs die sich offenbar genau in dieser "Evangelisierungsschiene" zu begreifen scheinen, dann hat das in dieser eigentümlichen Art eines Hilfeschreis, oder Größenwahns, oder beides, einen kräftigen Zug von Irresein. Die jeweiligen Damen, und solche waren es in dem Fall ausnahmslos, mögen es mir nicht übelnehmen.

Apropos Frauen – ich habe keine Strichlisten geführt, denn es fiel erst mit der Zeit auf, aber ich erwähne es, weil es zum Thema gehört, möge der geneigte Leser sich selber erklären, warum: es sind vorwiegend Frauen, die sich aus dem Auditorium zu Wort melden, und wenn es um provokante Fragen geht, dann sind es auf jeden Fall Frauen. Von Männern, oder Männlein, kommen nur Fragen wie „Wann gibt es das nächste Treffen?“ Für die ist vielleicht sogar schon alles erledigt, hat es sich mit der eigenen Meinung, angesichts der Ehre einer solch hohen Einladung. Und das ist beschämend. Aber es ist Aussage der Zeit. Und über Blogs. Bei denen ich mich an die "freie Theaterszene" erinnert fühle, die nur solange "frei" ist, solange sie nicht - endlich, denn nur darauf arbeitet sie hin - anerkannt wird. Dann ist sie endlich etabliert.  Und nur das wollen sie ja alle: Anerkennung. Ihren Platz an der Sonne.

Aber eine "freie Szene" darf das nicht! Ein Schriftsteller, ja nicht einmal ein Journalist darf das nicht! Sonst ist er nur noch Rädchen in einer Maschine, sonst verrät er seinen Beruf. Ist es bei der (selbst ernannten) katholischen Bloggerszene anders? Ist die Bloggerszene also nicht wie die Theaterszene lediglich eine Simulation von Freiheit, und in Wahrheit ein Gerangele, endlich offiziell Wichtigkeit im großen Apparat zu haben, weil der Apparat zu sein?










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Dienstag, 10. Mai 2011

Ehe der Papst twittert, kommt das Ende - IV


Notizen zum Internationalen Bloggertreffen am 2. Mai 2011 im Vatikan


Teil IV) SICH NACH VOR DRÄNGEN


Der Aufbau eines Blog zeigt ja im Grunde schon vieles, vielleicht alles, womit wir es da wirklich zu tun haben: denn wenn das Web ein Such-Netz ist, der Benützer also nur findet, was er sucht – wer sollte dann etwas suchen, was noch gar nicht bekannt ist, nämlich: MEINE MEINUNG? Und warum sollt er es suchen, immer neu? Er braucht also eine reale Verbindung zu mir. Das ist im Netz nicht anders, also im realen Leben draußen. Ohne diese Verbindung fehlt sogar dem Datum das, was es sein kann: Information. So schreibt es der "Erfinder" der Kybernetik, Norbert Wiener: Information muß selbst als solche erkannt werden, braucht also soziale Eingebundenheit.

Wenn also Andres Beltramo, einer der Podiumsgäste, und „erfolgreicher“ Blogger (wie bemißt man das? aus den Klickzahlen, an deren Relevanz wiederum andere - und er - glauben?), davon spricht, daß die große Chance des Blog sei, seine freie Meinung zu äußern, daß er die Chance sehe, den Glauben der Menschen (er sagt „alle“, schränkt in keine Richtung ein) zu stärken, dann muß sich doch die Frage stellen: wovon spricht er? An wen will er sich wenden? Wen will er informieren? Mit einem Blog, das man ansteuern muß, um die Information, die man ja gar nicht kennt, abzuholen? Unabhängig von der wirklich brennenden Frage, worin sich Glaube und Information überhaupt berühren, und vor allem: WIE!? Er spricht ja davon.

Rocco Balmo, angeblich überhaupt der bekannteste „katholische“ Blogger, der den ersten Teil moderiert, und er macht es sympathisch, hat dem nicht viel sonst hinzuzufügen. Außer daß er den Anwesenden kräftig Honig ums Maul schmiert, hmmm, das geht runter wie Öl: es sei ja eine erlesene Gesellschaft im Auditorium anwesend, die Elite der Kommunikation, ein Geschenk für die Kirche!

Bleibt alles bei der Frage hängen, die im zweiten Teil (Sie wissen längst, wie unbekümmert um gewesene Abläufe ich hier inhaltlich vorgehe, nach thematischen Zusammenhängen neu gruppiere) von dieser berückenden Slowakin, Eva Janosikova,  so sympathisch gestellt wird, und die ja überhaupt über diesem ganzen Internet hängt, so irgendwie: WAS MACHEN WIR NUN DAMIT!?  

Was machen wir mit diesen technischen Möglichkeiten, die uns nach wie vor berauschen, die uns vielleicht sogar den Kopf benebeln. Ist es das, was der Sekretär von Erzbischof Celli sagt, wenn er nämlich sagt: die Blogger sind OBJEKT der Pastoral? War das der Grund der Einladung? Die anwesenden Blogger zu disziplinieren? Sie an die Verantwortung, oder was auch immer, zu gemahnen, sie aus ihrer Lebenssphäre herauszureißen, und in die des Vatican zu integrieren? Immerhin sagt er: „Bloggers are persons – the objekt of pastoral!Sollen die Anwesenden sich also nur aus Gründen der Psychologie “gelesen”, “beachtet” fühlen, weshalb man ihnen tausendmal versichert, sie ernstzunehmen?

Ganz gewiß nicht bewußt, ganz sicher nicht gezielt, da gienge man zu weit, das steht außer jeder Diskussion. Die Frage erhebt sich nur, weil da eine Antwort ist, zu der die Frage fehlt: die Antwort sind die Möglichkeiten der Informationsweitergabe, auch für die Kirche. Die Frage ist: wozu aber braucht man das? Ist Glaube und ist Glaubensweitergabe denn einfach eine Frage der Information? Und wie bringt man sie überhaupt an den Mann?

Sich nach vor drängen? Da haben so manche gut stinken, mit ihren vollen Hosen, die die Popularität ihres Blog einfach bestimmten Umständen verdanken, die sämtlich, ja die ausnahmslos im realen Leben wurzeln. Oder – siehe Vonhögen – in ganz „außerkirchlichen“ Bedürfnissen, nämlich in Tolkien’s „Herr der Ringe“, oder in Spielbergs „Starwars“, wo das Priesterlein etwas zu sagen und zu bieten hat. Ein wenig aber klingt es so, wenn doch prompt solche Worte fallen, man solle sich nach außen drängen, man solle sich einbringen.

Mit Twitter? Wohin einbringen, mit seinem Blog? Endet alles so, wie es eine Italienerin aus dem Auditorium einwirft, daß doch eine Gefahr bestehe, daß die Bloggerszene nur für sich selbst schreibt, sich nur selbst liest? Die Frage nimmt leider keiner auf, aber sie ist eine der zentralen Fragen! Schon gar nämlich wenn das Podium auffordert, jeder solle sein Blog anfangen, jeder solle seine Meinung äußern und kundtun. Ja, aber: wer soll es dann lesen? Und: was ist mit der Relevanz? Wie soll man erkennen, daß ein Blogger überaupt Relevantes zu sagen habe? Darum geht es doch, beim Führen eines Blogs überhaupt, beim Schreiben, wenn wir alles auf die Ebene der Schriftstellerei herunterbrechen, und dazu könnte man versucht sein, denn wenn Matio Marasco am Podium erzählt, daß das Bloggen für ihn eine „habit“, eine Form zu leben geworden ist, dann erinnert das genau daran: was ein Schriftsteller macht. Es ist nichts anderes: Schreiben ist eine Lebensform. Das könnte von Marcel Proust stammen, oder von Balzac.  Ist das nun jedem möglich, in Zeiten des Internet, des Blog, ist einfach Weiche zu sein vielleicht das geheime Wesen des Menschen, das nun endlich die Welt ergreift?

Sind also die Völker der Erde auf dem Weg, zu Völkern von Schriftstellern zu werden? Was P. Antonio Spadaro, der den zweiten Teil moderiert, von sich gibt, klingt nämlich schon sehr danach. Denn er wird nahezu poetisch – wenn er sagt, ein Blog „flüstere“. Das klingt natürlich schon nach Schriftsteller, keine Frage. Der aus sich, für sich schreibt, übrigens, eines seiner Kriterien. Was Spadaro vielleicht tut, weil er so überzeugend erzählt, daß das Blog für ihn ein tägliches Geschehen sei, ein Teilen seines Innersten mit seinen Lesern, ein Roman ohne Ende. Aber geht es da nicht genau darum: um das Überwinden der Sucht nach Publikum? Um das Überwinden des Gelesenwerdenwollens, weil es Teil des Schreibens, Teil des Geschriebenen selbst ist, untrennbar, weil das Geschriebene nämlich diese Beziehung zu einem Du überhaupt IST, ja: dieses DU ist. Kommt nicht aber erst dann der reine Geist? 

So, wie es Fenelon mit Bossuet durchstritt, und unglücklich verlor, denn er hatte recht: daß nämlich die so und richtig verstandene "Absichtslosigkeit" zu dieser ganz reinen Liebe dazugehört, aus der heraus erst die wirkliche Einwohnung Gottes erfolgen kann. Jene Einwohnung, die den Menschen dann zum Antlitz des Seins selbst macht. Die ihn - erst sie! auch Johannes vom Kreuz sagt das, auch Theresia von Avila sagt das! - dann erst, ab diesem völligen Leergeräumtsein, wollen wir es so stumpf ausdrücken, erstmals zum Missionar macht. In einer Haltung, die den Notwendigkeiten des Blogs, des Internet, entgegensteht.

Da ist es blanke Torheit, über Funktionen des Blogs, des Twitterns, des Internet zu reden, als wäre diese Technik ein ethisch irrelevantes Ding! Alles ist ethisch, sagt Ferdinand Ebner, zurecht, und die Anwendung einer Technik ist es allemal.



Fortsetzung morgen – Teil 5) WER SOLL DENN DIESE GANZEN MEINUNGEN LESEN?






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Montag, 9. Mai 2011

Ehe der Papst twittert, kommt das Ende - III


Ehe der Papst twittert, kommt das Ende

Notizen zum Internationalen Bloggertreffen am 2. Mai 2011 im Vatikan


Teil 3) WEISHEIT IST EIN SCHEUES VÖGELEIN


Wesentlich Europäischer-Systematischeres kann somit gewiß nicht zufällig der Niederländer P. Roderik Vonhögen erzählen. Er kam über „Starwars“ zu seinem Blog, und wie die Jungfrau zum Kind, zu seiner weiteren Aufgabe, die er als „Menschenfischerei“ sieht. Es sei natürlich verführerisch, daß ein kleiner Priester aus Holland ein weltweites Auditorium habe, aber er hat ja auch etwas zu sagen. In seiner Pfarrkirche predige er vor 200 Leuten, die meist auch noch schliefen, und da habe er es auf einmal mit 20.000 Lesern zu tun! 

P. Roderick Vonhögen
Und: er hat eine Sprache. Denn bevor man mit jemandem kommunizieren könne, so Vonhögen, müsse man auch eine Sprache finden. Die habe er mit seinem Blog, auf dem er im Grunde über seine Lieblingsthemen schreibe: Phantasy, Science Fiction, Filme. „To attract fish, You need worms,“ grinst er. Über diese Themen aber finde er eine Basis zu den Menschen, und von dort aus sei er als Seelsorger für sie präsent. Denn Kommunikation sei immer persönlich.

Und das ist doch endlich eine verwertbare Aussage, mehr vielleicht sogar, als der Holländer vorhatte? Denn das Internet hat eine "fatale" Folgerichtigkeit, die die Folgerichtigkeit aller Dinge dieser Welt ist: es zwingt seinem Bediener seine Art auf, soweit kann man da neuerlich vorgreifen. Es ist ein Suchmedium, ein reines Suchmedium. Das heißt: man findet nur, was man sucht! Was man nicht suchte aber findet, klickt man in Nullkommanix weg, denn das konnte nur ein Fehler sein. Diese Tatsache hat bedeutende Konsequenzen: der Internetsucher bleibt innerhalb seiner Sphäre.

Vonhögen hat auch sonst noch recht brauchbare Erfahrungen mitzuteilen. So meint er - später, als es fürs Auditorium galt, Fragen zu stellen -  daß Twitter an sich wenig Information weitertragen könne. Es sei aber als Zubringermedium, als Werbemaßnahme sozusagen, recht brauchbar und gut einzusetzen. Dazu verwende er eine reißerische Schlagzeile, die auf den entsprechenden Artikel auf seinem Blog verlinke. Das, meint er, funktioniere ganz gut.

Das betrifft zwar rein technisch gesehen auch den Lifestream, den Vonhögen an dem Abend ebenfalls einrichtet. Aber: wer soll sich das ansehen, und weshalb? Ist nicht Information zuallererst eine Frage des "was"? Was hat jemand zu sagen?! Ist das einfach eine 1:1-Übertragung? Dies sei hier auch angesichts der Tatsache angemerkt, daß im Saal, an diesem späten Nachmittag, dutzende "life" in ihre Blogs hämmern. Während andere, auch ich, dasitzen, und erst einmal über das Gehörte reflektieren möchten: was daran überhaupt wesentlich ist, was ÜBERHAUPT IST. Was ist ist nicht immer einfach das, was man meint zu sehen! Das Wesentliche, schreibt Exupery in "Der kleine Prinz", ist ja für die Augen unsichtbar. Und Vonhögen erinnert sogar an Johannes Paul II., der sinngemäß gesagt haben soll: Die Weisheit ist eine scheues Vögelchen zwischen den Händen - sie flieht, wenn man sie zu sehr auf Inhalte komprimiert.

Zeigt sich gerade an dieser Stelle nicht eine ganz andere, und wieder: allgemeine, Seite des Internet, nämlich die, daß sich so viele von den „Möglichkeiten“ berauschen lassen, ohne allerdings zu wissen, wozu sie zu nützen sein werden? Was sagte P. Ruiz? Erst müssen wir wissen, was das überhaupt ist. Und man darf - wie der Verfasser dieser Zeilen - ruhig beeindruckt sein über die Offenheit, mit der man das zugibt: Man weiß nicht, was das alles überhaupt ist ... Erst dann aber können wir darüber diskutieren, was man damit macht oder machen soll.

Aber um dieses ganze Internet weht eine seltsame Magie (und ich sage es gleich heraus: das hat mit der Nähe von Technik zu Magie in ihrer Zweckorientierung zu tun) von „Menge = Kriterium“, als Kriterium der bloßen Funktion. Klicks, Links, Friends, Gigabyte. Auch an diesem Abend. Und seien es nur die Leitungen, die der Vatikan aufgebaut hat, die schließlich total überlastet sind. Zu viele schreiben direkt (!) und parallel, posten, twittern, übertragen, kommunizieren“, knallen pausenlos Photos … und freuen sich, als es entschuldigend heißt, die Verbindungsgeschwindigkeit sei verlangsamt, die Netzanbindung im Sall eindeutig überlastet. Als wären sie nur noch Schaltstellen, hätten sich selbst mediatisiert, neutralisiert. Wollen sie so evangelisieren? Depersonalisiert? Ist Anähnlichung an Christus leicht gar ident mit Mediatisierung? Oder ist nicht Präsenz der Wahrheit (als Wort/Logos) gerade an die Konkretisierung als Mensch, und das heißt: in einer Situation, situativ, gebunden? Ist nicht Sein umso stärker präsent, je mehr etwas Seiend ist, ist nicht DAS Welt und Schöpfung?

Ob es das ist, was P. Lombardo so deutlich, und mit diesem gewissen Lächeln, unter Anführungsstriche setzt, daß man sich sein Teil dazu denken kann? Nämlich: daß die Blogger ihre Egozentrik überdenken sollten? Auch überdenken sollten, daß die Beherrschung und Nützung der Möglichkeiten eines Mediums keineswegs ethisch "neutral" sind?! Daß nicht ein Medium, eine Technik vorgeben kann, was zu tun ist - und daß das keine Relevanz habe?

Federico Lombardi said, schreibt dazu ein amerikanisches Blog, that Catholic bloggers should remember their first role is to serve others and the church, and added that the danger of self-centredness and "ego" is "one of the problems which is worth reflecting upon"

Sagt er nicht sogar: Blogger sind nicht ganz dicht?! Hat das zu tun mit der Seltsamkeit des Umstands, daß die Bloggerszene eine Szene von unten heraus ist, quasi „basisdemokratisch“, eine "bottom-up-community", wie es der Sekretär von Erzbischof Celli zu Anfang bezeichnet? Und daß das schon an sich einmal nicht der Weg der Wahrheit sein kann?!

Wie sagt doch Rudolf Borchardt einmal, oder ist es Pawel Florenskij, oder Botho Strauß: Wo einmal die Emanzipation begonnen hat, wird sie aus sich heraus uferlos, und zerstört damit jedes soziale Gefüge. Denn es zerbricht seine Organismik, seine unbewußte Zueinanderordnung der Teile. Wenn aber der untere Teil, ja überhaupt einmal der Teil in Eigeninitiative beginnt, die Agenden des Ganzen nicht mehr einfach zu vertreten, sondern zu übernehmen, kann das gar nicht mehr gut gehen. Was sonst aber treibt Menschen dazu, sich für so wichtig zu nehmen, daß sie meinen, sie müßten die Kirche retten, und ein Blog eröffnen?


Sonntag, 8. Mai 2011

Ehe der Papst twittert, kommt das Ende - II

Ehe der Papst twittert, kommt das Ende

Notizen zum Internationalen Bloggertreffen am 2. Mai 2011 im Vatikan


Teil 2) DA SAGT ER: BLOGGER SIND EIN WENIG VERRÜCKT

Daß also das Blog, daß neue Mediennutzungen eine theologische Frage sei, die es erst in aller Tiefe durchzudenken gebe, wozu man eben diese Kommunikationsarten kennenlernen müsse, sonst könne man sich nicht darüber äußern - das sollte manche überraschen, die auch an diesem späten Nachmittag so voller Euphorie davon sprechen, die Kirche zu verteidigen, und ihre Lehren zu verkünden, ob per Twitter, oder per Facebook, oder in ihrem Blog. Aber hören überhaupt einmal  alle zu, trotz der großartigen (das können sie natürlich wirklich, im Vatikan, angesichts der Weltkirche) technischen Ausstattung, mit Kopfhörern und simultaner Übersetzung in sechs Sprachen? Deutsch ist übrigens nicht darunter.

Dabei hat Pater Lombardi, wie er erzählt, sogar in Deutschland Recht studiert, er müßte es also können. Und man könnte Hoffnung schöpfen, daß er die gar nicht wenigen Blogs in diesem Sprachraum – von denen freilich nur ein Dutzend vertreten sind, was am Auswahlverfahren des Vatikan lag: man maß diesem Sprachraum einfach nicht mehr Tielnehmer zu – auch wirklich liest, und ernstnimmt. Immerhin, so erzählt er, lese er täglich eine Art Zusammenschau von Blogs, die ihm jemand zusammenstelle. Man werde also gehört, man lese, was hier geschrieben werde, hier, an den grassroots.

Francoise Jeanne-Beylot
Und Blogs scheinen eine wachsende Rolle in der Meinungsbildung zu spielen. Immerhin werden in Frankreich speziell einige Blogs bereits häufiger in den üblichen Medien zitiert, als der Vatikan selbst! Solches scheint sich auf die  aufs Podium geladenen vier bzw. fünf Blogger zu beziehen, vor allem auf den Franzosen, der einige Intellektuellenfilme gesehen haben dürfte. Denn das selbstbewußte Gehabe – und ich erzähle nichts hier zufällig, das möge man mir glauben – des Francois Jeanne-Beylot  zeigt  jemanden, der schon mal ab und zu von France-Canal5 Midi angerufen wird, fünf Minuten vor Sendebeginn, um eine Wortspende zu einer päpstlichen Aussage von sich zu geben.

Das sei auch die Funktion seines Blogs, erzählt er. Ich greife vor in der Chronologie, ich weiß, aber Wahres erzählen, Wahres sagen heißt eben nicht einfach die Reihe der chronologischen Zufälle einhalten, sondern heißt: ordnen, themenschwer gliedern, heißt aussagen.

Stolz sei er, angesichts dieses Bloggertreffens, Katholik zu sein, fährt er fort. Daß im Blog seine Stimme hörbar machen könne, daß er sich sogar als Gegengewicht zur Kirche verstehe, seine Meinung zur Kirche übers Internet verlauten lassen könne, sind nicht unbedingt Aussagen, deretwegen man nach Rom fahren hätte müssen.

Auch Elisabeth Scala ist da wenig ergiebiger. Die Amerikanerin redet von der Endlosigkeit des Internet, das keine Buchdeckel habe, uns somit dazu versuche, gleichfalls endlos in der Wahl der Mittel zu werden. Und sie erwähnt die „Evangelisation“, zu der das Internet so wunderbar geeignet sei. Meint sie. Aber die Amis sind sowieso immer schon maßlos enthusiastisch gewesen – ihnen fehlt immer (noch) das Ganze. Sie sind eben eine „grassroots-„Gesellschaft, das sollte man nie vergessen, sie sind wie geschichtslose, bindungslose Teile im endlosen Raum der Zeit. Sie hatten mit ihrer Vergangenheit gebrochen, das ist ihr Gründungsmythos. Das hat Vorteile, weil es sie frischer in der Apperzeption macht, aber es hat auch entscheidende, an sich lebensnotwendige Nachteile, weil es sie in dieser Apperzeption ersaufen läßt. Wenn wir ihnen also das Internet und seine wesentlichsten Anwendungen verdanken, so sollten wir das nicht aus den Augen verlieren. Denn: Ist nicht alles aber nach der Art des Hervorbringers?


Fortsetzung morgen – Teil 3) WEISHEIT IST EIN SCHEUES VÖGELEIN


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Samstag, 7. Mai 2011

Ehe der Papst twittert, kommt das Ende - I


Ehe der Papst twittert, kommt das Ende

Notizen zum Internationalen Bloggertreffen am 2. Mai 2011 im Vatikan

Teil 1) WORUM ES GEHT

Da sind einige wenige Sätze, sie fallen recht spät, schon deutlich nach der Pause, und der Argentinier Pater Luzio Ruiz, der speziell für die Internetagenden des Vatikan zuständig ist, spricht sie aus, wiederholt sie sogar mehrmals: Man könne doch den Papst nicht von Tür zu Tür schicken! Und: Man könne erst über Blogs und diese Kommunikationsformen etwas sagen, etwas tun, wenn man wisse, womit man es überhaupt zu tun habe. Und: Die Frage des Agierens im Internet sei eine theologische Frage.

Via della Conciliatione - Blick auf St. Peter
Diese Sätze, die ich in noch keinem anderen Bericht über dieses Ereignis las, heben den Kern des Bloggertreffens im Löffel aus aller Zuckerwatte. Ein Treffen, zu dem der Vatikan 150 Blogger aus aller Welt einlud, und das am 2. Mai im Palazzo Pio X. stattfand. 

Und er tat es tatsächlich, um zu hören, um zu sehen, um ein wenig mehr Klarheit zu erhalten, womit man es überhaupt zu tun habe, bei den Blogs, ja überhaupt bei den neuen Kommunikationsformen, wie Twitter, Facebook. Und zur begrifflichen Klarheit gehört es gleich dazu, präzise zu bleiben: Es sind KommunikationsFORMEN, keine (oder nur bedingt) MITTEL. An diesem kleinen aber feinen Unterschied wird noch einiges aufgehangen, von dem hier zu lesen sein wird.

Denn möglicherweise, ja wahrscheinlich, ist das Blog – diese tagebuchartig geführte Meinungsäußerung „up from the grassroots“, von jedermann also, und das englische Wort Pater Lombardi’s, des Pressesprechers des Vatikan, Direktors von TV- Radio Vatikan, etc. etc., läßt eine schöne Querverbindung zum deutschen „Das Gras wachsen hören“ herstellen - eine contradictio in adjectio, gewissermaßen: ein Widerspruch zum behaupteten Zweck. 

P. Federico Lombardi, Pressesprecher d. Vatican
Und ich werde, ermutigt vom argentinischen Referenten, der um Rückmeldung bat, um alles, was helfen könnte, dieses Medium besser zu durchschauen, das hier ein wenig herauszuschälen versuchen. Denn es kam so manches an diesem Abend auch zum Vorschein, als exemplum, gewissermaßen. Über allem „respectful dialogue“, "un dialogo rispettoso e aperto", den Lombardi wieder und wieder versichert (und diese Absicht in Zweifel zu ziehen bestand kaum einen Moment Anlaß), über allem „to listen to You is to listen to the people’s truth!
Dabei sitzen im Sala congressi in der Via della Conciliacione ohnehin keineswegs „nur katholische Blogger“, wie manche aber zu glauben scheinen, auch das ein Symptom derselben Gruppe, zu der das eigentliche Thema gehört. Und keineswegs herrscht dasselbe Verständnis unter allen, was denn auch katholisch sei, da solle man sich keine Illusionen machen angesichts eines Klimas, das Pater Lombardi als so überaus  konstruktiv und positiv bezeichnet. Man spüre – wie er das Wort betont: "feel" – dieses Klima der Kommunikation, man spüre, daß hier Menschen zusammenträfen, die gewöhnt seien, sich auszudrücken.

Damit meine ich nicht David Ratnarajah, den tamilischen Priesterstudenten, der neben mir zu sitzen kommt, und mit dem ich sofort in ein tiefes Gespräch komme, als kennten wir uns schon jahrelang. Dabei kann ich seinen Blog ganz gewiß nicht lesen.  Und gesehen habe ich ihn soeben zum ersten mal.

"The problem is that the internet-consumer is forced to decide," ziehe ich dann Fazit unseres ersten Gesprächs, ehe sich angesichts des gefüllten Saales ein Ukrainer zwischen uns drängt. "The problem is that because of that he is in the position of a judge. But meeting truth is not a case of better information or a summary to be drawn under arguments ..." "Yes," vollendet er, "it is a case of personal meeting, in all its dimensions." 
"It is a case of personal habit and posture. And the problem is that the posture to take part on faith is contradictionary to this posture of judgement, I am forced in internet." 
"You are so right," sagt er. Oder, sagen wir es mit der völlig unverdächtigen Erika Pluhar: Das Theater ist tot, weil es die Menschen nicht mehr zu sich hinaufzieht, sondern zu ihnen hinabsteigt.



Fortsetzung morgen – Teil 2) DA SAGT ER: BLOGGER SIND EIN WENIG VERRÜCKT

*070511*