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Dienstag, 30. Juni 2020

Der Zinsgroschen

"Gleich im Beginn des achtzehnten Jahrhunderts verwüstete der Vezir Cuprilic mit seinem Heere Montenegro und kam auch zum Stamm der Bjelice, um sie tributpflichtig zu machen. Voraus hatte er seinen Boten zum Volksvojvoden Vukola Mrjaljevic gesandt mit dem Befehl, dieser solle ihm im Namen der Bjelice nur einen einzigen Groschen als Kopfsteuer schicken. 

"Die Bjelice haben niemals weder dem Sultan noch dem Kaiser Tribut gezahlt und werden es auch heute nicht tun," lautete Vukotas Antwort. Der Bote überbrachte diese dem Vezir. 

Vukota, der wußte, was ihn erwartete, floh mit seinem Heer in eine Höhle. Die Türken umzingelten die Höhle, finden den Vukota lebendig, ergriffen auch seine beiden Söhne und führten sie vor den Vater, um ihnen das Haupt abzuschlagen.

Da rief der jüngste Sohn: "Ach Vater, was wollen sie tun?" - "Nichts, Sohn, das wird gleich vorübergehen, aber jener Zinsgroschen, der wäre niemals vorübergegangen."

Aus Gerhard Gesemann
 Heroische Lebensform - Zur Literatur und Wesenskunde der balkanischen Patriarchalität.


*090620*

Dienstag, 17. Juli 2018

Gibt es nun eine neue Balkanroute - oder nicht?

Was nun? Während der Bundeskanzler durch hektische Reiseaktivität versucht, die Balkanländer an einem Strang ziehen zu lassen, um eine nächste Migrationswelle zu verhindern, melden sich der Bundespräsident van der Bellen und etliche andere Gutmenschen die meinen, es gäbe eine solche gar nicht. 

Der von Dieter Mateschitz ins Leben gerufene und von dessen Geld finanzierte Thinktank Addendum ist der Frage nachgegangen, ob es nun eine neue Balkanroute gibt oder nicht. Nachdem man die Lage jeweils vor Ort unter Augenschein genommen hatte, ist die Frage beantwortbar: Ja, es gibt sie! Und es ist auch tatsächlich eine neue verstärkte Migrationswelle an unseren Grenzen in allernächster Zeit zu erwarten.

Nachtrag vom 16. Juni 2018: So einen Bundespräsidenten hat Österreich (und die Welt) gerade gebraucht. Mittlerweile ist aus Deutschland publik geworden, daß es schon seit einiger Zeit zu neuen Hochständen an illegal Zutritt Begehrenden kommt. Die Demokratie ist ein leerer Witz, gut. Aber wann hören die Menschen endlich auf, all diesen Lügnern und Betrügern ihre Stimme zu geben, um sie so zu "legitimieren" und ihr eigenes Gewissen erdrücken zu lassen? Ideologieersoffene gibt es ohnehin bereits genug. Die ÖVP hat van der Bellen unterstützt. Sie hat danach versucht, sich unter einem Tarnanstrich - Sebastian Kurz - durch die Affäre zu drücken. Aber wir können davon ausgehen, daß es zu einem dramatischen Rückschlag kommt. 

Weil die ÖVP gigantische Schuld auf sich geladen hat, und zwar durch ihr Verhalten in den letzten Jahren und Jahrzehnten. In Wahrheit ist sie schon lange zu einer primitiven Vergemeinung von Trotteln herabgesunken. Daraus einige hellere Köpfe herausziehen zu wollen und damit eine ganze Partei von Missetätern, die das Migrationsdesaster, die die Verwirrnis im Land absolut mit zu verantworten hat, weißwaschen zu wollen, ist tumb. Man kann vor dem Verwesungsgestank der ÖVP und damit vor Kurz nur warnen.






*150618*

Donnerstag, 25. Februar 2016

Eine Lawine beginnt sich zu lösen

Der Bayernkurier berichtet, daß die Zahl der nach Deutschlang Zuwanderung begehrenden und die Grenze überschreitenden Menschen im Jänner 2016 das 20fache der Zahlen von 2015 betrage. Täglich, und das bei diesen winterlichen Verhältnissen, kommen 1500 bis 2100 Zuwanderer ins Land, von denen die deutsche Polizei mangels Kapazität kaum 10 % überhaupt registrieren kann. Berichte, wonach täglich bis zu 200 Zuwanderer an der deutschen Grenze abgewiesen und zurückgeschickt werden wirken da wenig vielversprechend. So, wie Berichte häufiger werden, daß Gemeinden an die Grenze ihrer Leistungskraft in der bloßen Aufnahme und Versorgung von Zuwanderern gelangt sind, und Zeitungsmeldungen immer alltäglicher werden, daß Behörden Häuser konfiszieren.

Aber sobald die Witterungsverhältnisse wärmer werden, steht eine noch bedeutend größere Lawine ins Haus. Derzeit stauen sich schon hunderttausende Menschen in Griechenland und Mazedonien bzw. auf der Balkanroute. Alleine im November haben noch 150.000 Menschen die Türkei nach Griechland hin verlassen, die zusammen mit weiteren Hunderttausenden nun auf ihre Weiterreise bei besserer Witterung warten.

Was aber am meisten zu befürchten ist ist, daß sich Millionen Wirtschaftsflüchtlinge von Afrika bis Pakistan bereits auf den Weg gemacht haben oder bald machen, die nur die Jahreszeit noch etwas zurückgehalten hat. Denn seit letztem Sommer sind in allen diesen Ländern die Bilder von der Willkommenskultur in Deutschland über die Fernsehschirme geflackert und haben gar nicht abschätzbare Menschenmengen ermuntert, den Vorbildern zu folgen. Denn man sah mit Staunen: Es gibt in Europa keine Schranken, keine Grenzen, und keine Einwanderungshürden.* Im Gegenteil, die Zuwanderer werden sogar noch ... chauffiert. (Jemand nannte das Spektakel deshalb "Zuwanderungstourismus".) Außerdem winkt ihnen hier Rundumversorgung zumindest für die absehbar langen Monate und Jahre der Behandlung ihrer Asylanträge.

Nicht zuletzt hat sich viel Know How angesammelt, sodaß die nächsten Wellen immer besser auf den Marsch nach Europa vorbereitet sein werden. (Auch in der PR, davon kann man ausgehen. Die nächsten erschütternden Bilder von ertrunkenen Fünfjährigen, die am Strand liegen, sind vorprogrammiert.) Von französischen Beobachtern wird vermeldet, daß sich etwa im Sudan große Mengen an Auswanderungswilligen vorbereiten, und Griechenland berichtet über eine starke Zunahme von Afghanen und Nordafrikanern bei den Grenzübertritten im Jänner.


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Leser J sandte dem VdZ dieses 4min. Video. Es nimmt die seltsamen Erzählungen ins Visier, daß der "reiche Norden" dem "armen Süden" durch Zuwanderung oder Umverteilung die Last der Armut abnehmen könne. Das ist schon aus den reinen Mengenverhältnissen heraus eine pure Illusion, wie Roy Beck anschaulich demonstriert. Der Wohlstand, der die Armut besiegt, muß in diesen Ländern (und deren Menschen) selbst produziert werden, anders geht es nicht.





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*Man weiß außerdem längst, daß selbst noch so vollmundige Beteuerungen, Abschiebungen durch Rückverbringungen in die Herkunfstländer vorzunehmen nicht nur an den technischen Möglichkeiten scheitern müssen, sondern daß die Herkunftsländer die Migranten, die häufig gar keine Papiere (mehr) haben weil diese entsorgten, gar nicht mehr zurücknehmen. Dabei wird die Quote an wirklich Asylberechtigten nach hiesigen Gesetzen und Normen auf vielleicht 20-30 % geschätzt, der Rest hat überhaupt keine Chance, weil sein Herkunftsland als sicher gilt. Was man mit diesen Millionen macht, weiß derzeit offenbar noch niemand.



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Dienstag, 19. Januar 2016

Man muß auch das erinnern (2)

Morgen Teil 2) Aber wie soll das noch begriffen werden? + Video: Die große Lüge




Das sollte man vor allem wissen, wenn man über die Ukraine, die Ostukraine, die NATO und Rußland spricht. Denn 1999ff hat die NATO/EU im Kosovo das Selbstbestimmungsrecht der albanischstämmigen Kosovaren erstaunlicherweise und selbstherrlich über die Integrität des serbischen Staates gesetzt, als dessen Teil der Kosovo nach 1991 selbstverständlich gegolten hatte. Immerhin lebten dort seit Jahrhunderten hunderttausende Serben, und immerhin war das Amselfeld, das "Kosovo Polje" im Nordosten des Kosovo, von identitätsstiftender Kraft für jeden Serben. 

Aber wer begreift das heute noch bei uns; in dieser Zeit der Auflösung von Völkern und Staaten, die ja nicht ohne Grund so problemlos vonstatten zu gehen scheint ... Das hat mit "Nationalismus" nicht das geringste zu tun, sondern ist eine Angelegenheit ontologischer Dimension: der Realität von Universalien. Dieses Ontische, allen zubehörigen, daran teilhabenden Menschen - hier: allen "Serben" - kann zwar als Nationalismus aufgegriffen werden, aber selbst dieser hat, wie schon weiland Bischof Krenn bemerkte, zuzeiten seine Notwendigkeit und Berechtigung. Denn NIEMAND kommt ohne solche Universalie aus, niemand, der nicht einem Volk zubehörte. 

Es gibt keine Linden und keine Föhren, die nicht zuerst Bäume wären und am Wesen Baum teilhätten. Es gibt keine Münchner und keine Oberbimsleitener, die nicht ontologisch zuerst Bayern wären. Es gibt keine Schwaben und keine Westfalen, die nicht zuerst Deutsche wären. Und sie sind es erst, WEIL sie im Gegenpol in aller Hingabe Oberbimsleitner oder Herforder sind. Und das sind sie weil sie in allerkonkretester Hingabe Träger eines (Familien-)Namens sind. Doch diese Universale braucht eine Realität, und diese Realität kann nur durch ein einendes Element geboren werden: die legendäre Landnahme wie bei den Ungarn, die Schlacht bei Dürnkrut-Jedenspeigen wie bei den (Nieder-)Österreichern (Grillparzer!), die göttliche Stiftung wie bei gesalbten Herrscherhäusern, das für die gemeinsame Sache vergossene Blut wie bei den Serben. Erst durch Teilhabe an diesem alles Vereinzelte stiftenden Einenden kann Solidarität entstehen, die wiederum auf der Stellvertretung - "einer steht für alle" - beruhen muß. So real, wie die Erlösung durch Jesus Christus auf Stellvertretung beruht, der alle Völker, Nationen und Univeralien in ein Universales - den Menschen - einbegreift. Als König aller Könige.

Aber wie soll das ein Deutscher, ein Österreicher noch begreifen? Wie soll er etwas begreifen, das seinem eigenen Werden bereits fremd wurde, weil es ihm zerschlagen wurde? Gründen doch beide Staaten auf der Territorialidee, in der der Mensch in seiner Eigenart gar keine Rolle spielt - weil Recht und Tradition ans Land gebunden wurden, nicht (mehr) von den Menschen ausgeht. Sondern der Staat zur bestimmenden Größe wurde, dem sich füge wer da wolle, ansonsten habe er zu gehen. Zurück zum Kosovo: Der Gründungsmythos ist nicht nach dem Land benannt, sondern das Land wurde von den Taten der Menschen bestimmt, und nur in dieser Beziehung ist es "eines Menschen" Land. Der Landesname kommt von der Identitätsquelle, vom Kosovo Polje, nicht umgekehrt. So, wie Serbien das Land der Serben ist - nicht umgekehrt. Deshalb gibt es eigentlich gar kein "Deutschland", sondern Hessen, Sachsen, Bayern etc. Und kein "Österreich", sondern Tiroler, Steirer, (Nieder-/Ober-)Österreicher etc.

Kein Deutschland? Der Großvater Wilhelms II., der I. preußische König dieses Namens, wußte sehr genau, warum er eine "deutsche" Kaiserkrone ablehnte. Die konnte nicht aus realpolitischem Willen erwachsen. Ihr fehlte die Legitimation, ihr fehlte das Volk. Erst sein Sohn war eitel und nominalistisch genug, darauf einzugehen. Eine "einheitsstiftende Tat aller Deutschen" fehlte, aus der ein Staat allmählich herauswachsen hätte können. (Neugeschaffene Mären wie die um das Hermanns-Denkmal im Teutoburger Wald sollten diesen Mangel beheben. Was aber soll nach 1945 - der Konkurs dieser künstlichen Einheitsidee - Einheit und alldeutschen Staatswillen stiften? Mercedes oder Siemens? Oder Hartz 4? Oder eine Neuauflage des Musikantenstadel? Oder "Willkommenskultur"? Oder doch Preußennostalgie? Oder ein immer dichterer Polizei- und Überwachungsstaat, um dem zum Wirtschafts- und Konsumfaktor reduzierten Menschen die nötige Ruhe und Ordnung auch während des Karnevals zu gewährleisten, weil es gar keine selbstverständlich und einmütig geordneten Gemeinschaften mehr gibt, auf die sich alle verlassen können?)

Das war auch für die EU/NATO ohne Bedeutung, daß ohne Gemeinschaft, ohne Universales, alles auf Einzelkomonenten auseinanderfällt. Und so hat sie willkürlich einen neuen Kleinstaat mit noch dazu gemischter, durch nichts (außer genau diesem Staat entgegengesetzter Gemeinschaft, nämlich die bei den Albanern im Kosovo ...) geeinter Bevölkerung geschaffen. Bei dem die Frage offensichtlich ist, wer den überhaupt will oder je wollte. Außer einigen Bürokraten, einigen Politikern, der NATO und natürlich Albanien, das genau das möchte, was man Serbien verwehrte, aber momentan einfach nur zu schwach ist, es durchzusetzen: Alle Albaner in einem Mythos (wie Skenderbag) zu einen. Lebensfähig ist er nicht. Und auch nicht lebenswillig. Denn hunderttausende, vorwiegend junge albanischstämmige Kosovaren haben seither das Land mangels irgendeiner Perspektive, mangels einer realen Staatsidee für die zu leben lohnte, Richtung Nordeuropa verlassen. Auch in den gegenwärtigen Migrantenströmen finden sich viele Kosovaren. Sodaß im Kosovo außer Pensionisten, Politikern, die das EU-Geld verteilen, ein paar Bauern und vor allem zehntausenden, seit vielen Jahrhunderten verwurzelten Serben bald kaum noch jemand vorhanden sein dürfte.

Cui bono? Es steht zu vermuten, daß der NATO-Angriff auf Serbien geostrategischen Interessen diente, die offensiv Rußland - traditionell historisch eng mit dem ebenfalls christlich/serbisch-orthodoxen Land verbunden - schwächen sollten. Und das sollte man auch nicht vergessen. Die Rolle der USA beim Zerfall Jugoslawiens ist dunkel, aber sie war gewiß von Bedeutung. Angeblich befinden sich heute im Kosovo die größten US-Militärbasen Europas. (Albanien und Kroatien sind ohnehin seit 2009 NATO-Mitglieder.) Der Balkan zerfiel in Staaten, die bedeutungslos und ohnmächtig weil zu klein sind, und deren Überlebensfähigkeit zum Teil wenigstens erst bewiesen werden muß. Weil sich erst herausstellen wird, welche Interessenslinien sich an welchen Zielen sättigen.

Völker und Staaten leben aus der Poesie. Aber Poesie ist keine Erfindung, keine Willkür, und erst recht keine Lüge. Sie ist lebendige Wahrheit. Lügen fehlt nämlich das Entscheidende: Die Anbindung an die Realität, die einende Verbindung zu den Menschen, die sie umfaßt. Sie können deshalb reale Kräfte niemals formen oder wecken. Aber sie können reale Kräfte fehlleiten. Und sie können ihre Gestalt und damit ihre Wirkung vergessen machen, indem sie das Einende aus der Erinnerung und damit als Aktualität verdrängen.







*Hier geht es nur um den NATO-Angriff von 1999, NICHT um Ereignisse in Zusammenhang mit den Auseinandersetungen am Balkan nach dem Zerfall Jugoslawiens in den Jahren zuvor. Denn natürlich sollen hier nicht Dinge wie in Srebrenica 1995 geschehen beschönigt werden. Obwohl auch hier nicht immer leicht zu entscheiden ist, wieweit und wie schwer wirkliche Kriegsverbrechen passiert sind. Ein Beispiel: Die Existenz von Massengräbern - von den westlichen Medien immer dann ausgiebigst präsentiert, wenn das "dämonische Serbien" gezeigt werden konnte - ist nicht für sich schon ein Indiz von Massakern. Es ist nach einer größeren Auseinandersetzung bzw. Schlacht durchaus üblich, daß man das Schlachtfeld "aufräumt" und die Gefallenen (v. a. der Gegner) in Massengräbern bestattet. Zu den Geschehnissen in der bosnisch-muslimischen Enklave Srebrenica übrigens findet sich im Netz ein die Geschehnisse eingehend analysierender Artikel. 

Immerhin wären die Massenmorde in Srebrenica zu verhindern gewesen, vor allem durch muslimisches Nachgeben in den Jahren zuvor, zu dem sogar die USA aufgefordert hatte. Es gab sogar Angebote von Serbien, diese Enklaven gegen andere Gebiete abzutauschen und die Bevölkerungen jeweils umzusiedeln. Wogegen aber die UN-Truppen opponierten, die beweisen wollten, daß sie die Lage beherrschen und die Enklave schützen konnten. Sie konnten es nicht, und zogen sich schon bei den ersten bosnisch-serbischen Angriffen zurück. Während die Srebrenicaer Muslime unter sich so zerstritten waren, daß sie trotz nomineller und waffentechnischer Überlegenheit die Enklave nicht halten konnten und aufgerieben wurden.

Ähnliche Verbrechen der Kroaten an Serben in der Krajina werden übrigens medial bis heute totgeschwiegen. Peter Handkes hierzulande regelrecht bespuckter Versuch, "Gerechtigkeit für Serbien" zu fordern, war also keineswegs die Attitüde eines schaffensmüden Literaten, der sich auf andere Weise wichtig machen wollte, sondern die Einsicht eines damals (als es noch kein Internet gab) weitgehend alleine stehenden, aufklären wollenden Künstlers. Er wurde nicht gehört.

**Der demonstrativ magere Mann im Zentrum des Bildes - man überhört den kurzen Satz am (ersten) Video vielleicht - hatte gerade eine mitnehmende Herzkrankheit hinter sich. Aber fürs Bild war er perfekt und deshalb von den Journalisten geholt worden.





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Montag, 18. Januar 2016

Man muß auch das erinnern (1)

Und im Erinnern eigentlich klarstellen. Denn die Mär vom Jugoslawienkrieg ist war fälschendes Etikett für eine Ungeheuerlichkeit ganz anderer Dimension. Sehen Sie (wieder) den sehr klärenden Bericht des ARD (!) aus dem Jahre 2001. Fazit: Weder gab es für den Krieg gegen Serbien einen "humanitären Anlaß", noch ein UN-Mandat. Er war eine völkerrechtswidrige militärische Aggression der NATO. Um das zu vertuschen wurde atemberaubend gelogen. Weder gab es serbische KZs, noch serbische Massaker an der Zivilbevölkerung, noch planmäßige Vertreibungen durch die Serben. Es gab auch keine Pläne dazu, wie behauptet wurde. In 6.000 Luftangriffen wurde aber ein Land in Grund und Boden bombardiert. Die vielen Flüchtlinge, die am Balkan zu verzeichnen waren, waren zu großen Teilen Folgen der NATO-Bombardements, und nicht Opfer von Vertreibungen, wie es bis heute sogar hierzulande behauptet wurde.*

Übrigens unterstützte Deutschland und die NATO im Zerfall Jugoslawiens sogar muslimische Extremisten in Bosnien-Herzegowina, das erst noch bei Serbien verblieben war, und die dort einen Bürgerkrieg lostraten. An ihm sollte Serbien zehn Jahre nach dem Ende Jugoslawiens 1991 tatsächlich "sterbien". Es hatte den (vielleicht tatsächlichen) Fehler gemacht, Jugoslawien zusammenhalten zu wollen. Gut, das mag man den alten Großmachtträumen der Serben zuschreiben, die schon für 1914/18 so fatal wirkten.

Aber dennoch: Ob dem Land in den letzten Jahrzehnten Gerechtigkeit widerfahren ist, ob es nicht vielmehr das Opfer einer geostrategischen NATO-Kalkulation und zu deren Deckung Objekt einer medialen Verleumdungskampagne wurde, die dieses alte christlich-europäische Land regelrecht aus Europa herausbrach, das (mit den Bosniern) für das christliche Abendland 1389 am kosovarischen Amselfeld im Ringen mit den vordringenden muslimischen Türken fast verblutet war und diese Schwächung mit jahrhundertelanger islamisch-türkischer Besetzung bezahlen mußte, bleibt eine Frage.

Aber es gab doch schon 1992 die Bilder von KZs? Hm, da kennt der geneigte Leser wohl nicht den großartigen Film "Wag the dog". Also schaue er sich dieses amerikanische (!) Kurzfilmchen an. Um zu sehen, wie man KZs fabrizieret - durch Photos sogar beweist ... und schwuppdiwupp ist ein Land bereit zum Kampf "gegen das Böse".**




Das alles zu erinnern - und erinnern ist immer ein aktueller Akt der Wahrheitsfindung, es ist nicht, wie oft gemeint, ein einfaches Aufstöbern von Behaltenem, so wie man eine Bibliothek betritt - ist nicht ganz unwesentlich, wenn man über den Kosowo (und "Flüchtlinge" aus dem Balkan) spricht. Hier spricht ganz gewiß ein ontologisch fundiertes Schuldverhältnis mit. Die Auseinandersetzung um den heutigen Staat Kosovo selbst, auf welchem Territorium damals noch hunderttausende Serben und Albaner gemeinsam lebten, und der im übrigen durch das Amselfeld identitätsstiftende Bedeutung für das orthodoxe Serbien hat, muß nämlich zweifelsfrei als vom Völkerrecht gedeckter Versuch Serbiens gewertet werde, seine staatliche Unversehrtheit zu wahren, von der ihm schon zuvor Scheibe für Scheibe abgeschnitten worden war. Und es muß als Versuch gewertet werden, wenigstens die Serben des Balkans in einem Staat zu versammeln, um ihre völkisch-kulturelle Eigenart leben zu können. (Im heutigen Staatsgefüge am Balkan leben hunderttausende Serben außerhalb Serbiens. Wie Serben dem VdZ einmal erzählten: keineswegs ohne Bedrängnisse.)

Morgen Teil 2) Aber wie soll das noch begriffen werden? + Video: Die große Lüge




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Sonntag, 30. Dezember 2012

Quo vadis, Kroatien?

Es fallen einem einige Dinge auf, spricht man mit Kroaten, vor allem älteren. Neben dem Umstand daß das Land über modernste Infrastruktur zu verfügen scheint. Und da bestehen Zusammenhänge, zwischen den Erzählungen, und dem Beobachteten. Und dem auch vielen Kroaten nicht verständlichen Drang ihres Landes, der EU beizutreten. Die man geneigt sein könnte unter dem Titel "Flucht vor der Verantwortung" zusammenzufassen. Denn was könnte dieses Land sonst gewinnen? Reise- oder Niederlassungsfreiheit? Die kann auch auf anderem Weg erreicht werden. Man müßte nur aufhören, diese seltsamen Kontrollbögen zu verlangen, die jeder Vermieter auszufüllen verpflichtet ist, und wie eine kleine Inquisition wirken. Die kann es in einer EU ohnehin nicht mehr geben.

"Wir haben doch alles," sagen auch die Zimmerwirte, um dann mit den Achseln zu zucken: "Höhere Politik, damit wollen wir nichts zu tun haben."

Aber ein Thema ist auf eine Weise gegenwärtig, das man fast schon vergißt - der Krieg am Balkan. Plötzlich sitzen einem Menschen gegenüber, die in der vormaligen Kriegsindustrie tätig waren. Sie erzählen unisono, daß sie schon lange, damals, gar nicht mehr bezahlt, dafür nach Kriegsende zu guten Konditionen in oft recht frühe Pension geschickt wurden. Kriegsfinanzierung auf die Zukunft verschoben, nennt man das. Wer hat auch diese moderne Infrastruktur bezahlt? Kredite, was sonst.

Man ahnt etwas, hört man genauer zu. Man ahnt von den Vermögen, die nun viele besitzen, von Häusern, die "keine Besitzer" mehr hatten. Plötzlich fällt einem das Gespräch mit den serbischen Kulturschaffenden ein, die von den enormen Enteignungen erzählen, unter denen man die Serben vertrieb, oder zu erschwerten Bedingungen in Kroatien weiter leben ließ. Davon hört man im Rest Europas rein gar nichts. Der böse Mann am Balkan ist ja per Dogma festgeschrieben. 

Man hört aber mit spitzen Ohren Ältere klagen, daß viele junge Leute kaum noch arbeiten wollen, auch so existieren können, von staatlichen Geldern, von kaum zu definierenden Geldern. In einem Land, das eine enorm lange Küste dazu verleitet, drei Viertel des Jahres gemütlich an den nächsten Disneyland-Kulissen zu bauen, um die wenigen Sommermonate wie die Mücken auf die Touristen zu stürzen, um ihnen jeden Blutstropfen auszusaugen, der noch in ihnen ist. 

Während die alltäglichen Agenden in den Händen der Frauen zu liegen scheinen. An der Universität stellen sie, geht man von den Beobachtungen aus, vier Fünftel der Studierenden, in ihren engen Jeans und Stiefeletten als Einheitskleidung. Ein und derselbe Frauen- und Mädchenschlag, der mit konzentriertem Blick durch die Aula wandert, den Korzo und die Bars in den Seitengäßchen bevölkert, und uns (als Nachbarn) auch im gemieteten Appartement in Rijeka mit seiner Subwoover-Rockmusik jeden Schlaf raubt. Während die Männer in den Straßencafés sitzen und Kava trinken. Auch im November. Selbst die Restaurants aber, die wir besuchen, gute, hervorragende darunter, sie gehören Frauen, Männer sieht man nur ab und zu, als Kellner,m als Buschaffeure, und sie sehen - anders als in Ungarn - nicht sämtlich aus wie flauschige Teddybären. Aber im Supermarkt, in den Geschäften ... Frauen, voller Geschäftigkeit.

Und man verläßt das Land mit gemischten Gefühlen wieder. Mit sehr gemischten Gefühlen. Angesichts der Brutalität, mit der die Autobahnen durch die Landschaften gebrochen sind. Angesichts dieses seltsamen Amerikanismus, der in mancher Lebensweise auffällt. Angesichts der weiten Landstriche, die wie Niemandsland wirken.  Nicht nur des Steines wegen. Angesichts der alten Städtchen auf Krk, in denen gar kein Leben außerhalb des Tourismus zu existieren scheint. Angesichts der Vermieter, die ein Haus nach dem anderen kaufen, nach Lust und Laune, in aller Gemütlichkeit sanieren, um sie dann an Rentner aus Deutschland zu vermieten, solange keine Touristen kommen.




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Samstag, 10. November 2012

Aneinander werden

Mythen ranken sich um das Patriarchat des Balkan, Legenden um die heldische Lebensführung der dortigen Männer, die bis in die heutige Zeit herüberweht. 

Dabei gibt es in diesen archaischen Gesellschaften bemerkenswerte Sonderformen - wie die "sworn virgins", die "burrneshas", die "Schwurjungfrauen". Die im "Teufelsgebirge" im Grenzraum von Makedonien und Albanien leben. 

Meist sind es Frauen, die einen Mann ersetzen mußten, das Familienerbe weiterführen sollten, oder einfach nicht Frau sein wollten. Sie erklären noch in jungen Jahren öffentlich ihrer Dorfgemeinschaft, zukünftig als Mann zu leben, schwören ewige Jungfrauschaft, und werden fortan als Mann akzeptiert. Mit oft beachtlichen karrieren. Eine brachte es bis zum General in der alabnischen Armee.

Im Laufe ihres Lebens vermännlichen ihre Gesichtszüge, ihr Körperbau so stark, daß sie von Außenstehenden nicht mehr als Frauen erkannt werden. Angeblich bleibt bei vielen auch bald die Menstruation aus. Erst im hohen Alter kehren wieder die fraulichen Gesichtszüge ihrer Jugend zurück. Über ihre Gefühle sprechen sie aber nicht.






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Freitag, 14. September 2012

Mnemotechnik

Daß die Homerischen Werke auf mündlicher Tradition beruhten ist schon lange außer Streit. Wie aber, so stellte sich (nicht nur) der Philologe Albert Lord die Frage, ist es möglich, daß sich (mündliche, also der Schrift nicht mächtige) Menschen, Sänger, Poeten, diese zehntausenden Verse merken konnten!? Denn unser Begriff von "auswendig lernen" bezieht sich auf das bloße mechanische Übertragen eines geschriebenen Texts. Den aber hatten diese nicht.

Eine sehr plausible Antwort fand er bei Feldforschungen am südlichen Balkan, vor allem in Makedonien. Dort fand er noch viele "Analphabeten", dort war noch vor wenigen Jahrzehnten die Tradition der mündlichen Sänger sehr lebendig, und das noch dazu in einem Gebiet, wo sich die griechischen mit den slawischen Einflüssen immer schon gemischt hatten. 

Zum einen bauen alle diese Werke (und überhaupt alle mündlich tradierten Werke) auf einem Fundus von "Formeln" und Topoi, also bestimmten Bildern auf. Jedes mal, z. B., wenn Odysseus etwas zu sagen hat, beginnen die Verse mit der Einleitung: "Und da sprach der listenreiche Odysseus" (alleine diese Formel findet sich in diesen Werken 72mal) Formeln, die allesamt auf das metrische Maß (das in Mekedonien im übrigen anders war als das homerische Versmaß) paßten.

Erfahrene Sänger, wie Lord sie in Makedonien fand, hatten mit der Zeit tausende solcher Formeln parat. Jedes mal, wenn sie dann einen Epos - "alte Lieder" - vortrugen, stellten sie sie je nach Situation, Laune, Stimmung etc. etc., aus dem "Stegreif" neu zusammen. Und zwar geleitet durch diese ständig wiederholten (aber immer neu zusammengestellten) Formeln und Standardbilder.

Sie lernen das durch monate-, ja jahrelanges Zuhören! Indem sie andere Barden begleiten, und so immer wieder und wieder hören, was diese vortragen. Auch wenn auch diese keinen Vortrag genau so ein zweites mal halten, selbst jedes mal einen schöpferischen Akt setzen. So werden sie mit den Inhalten, Themen und Formeln vertraut, bis sie in der Lage sind, sie selbst zu gestalten. Denn sie gestalten, wie gesagt, sie erfinden keine dieser Formeln neu, aber sie variieren sie immer, und oft beträchtlich. Das macht auch ihren Ruf, ihre Originalität aus: nicht das Erfinden völlig neuer Inhalte, sondern das kluge, der Situation angepaßte, einer Stimmung entsprechende  (etc. etc.) Zusammenstellen eines gesamten Vortrags.

Und nicht anders sind auch "unsere" Sagen und Lieder zu verstehen, die unsere Kultur geprägt haben, mehr, als wir ahnen. Aus den kulturellen Überschneidungen - man denke alleine an die Zusammenflüsse griechischer Kultur mit der der Germanen im Burgund, im südlichen Frankreich, ja, unsere gesamte Literatur, die wir heute so bezeichnen, führt sich maßgeblich auf dieses Gebiet zurück: wo sich germanische Lieder mit den uralten griechischen mischten. Mit derselben Technik bzw. Vorgehensweise überliefert, ist auch zu erklären, wie sich in unseren Sagen und Liedern oft genau dieselben Topoi, in jedem Fall dieselbe Vorgehensweisen der Überlieferung finden können.

Man hat oft gesagt, daß die Ilias und die Odyssee im Grunde alle menschlichen Situationen umfaßt, die überhaupt möglich sind. (So, wie es die Bibel für die Situation des Menschen vor Gott tut.) Vor diesem Hintergrund beginnen die Homerischen Werke völlig neu begreifbar zu werden. Und man versteht, wenn Homer als der Vater der abendländischen Kultur bezeichnet wird und von den Griechen selbst so hoch verehrt, ja vergöttlicht wurde. Aber kaum je wird sie in ihrer ganzen Länge, wie wir sie heute vor uns liegen haben, vorgetragen worden sein. Vielmehr ist das uns Vorliegende etwas wie ein "Gesamtfundus", die Summe aus einer sehr späten Phase im übrigen, aus der die Sänger geschöpft haben.

In dem Moment, wo solche Barden das Schreiben und Lesen lernen, passiert etwas Bemerkenswertes: Sie verlernen die Fähigkeit, die sie bereits hatten. Die neue Denkweise, mit der sie beim Schreiben konfrontiert sind, beginnt ihren Erzählfluß zu stören - sie "vergessen", sie stocken, ihr Vortrag hat seine innere Logik verloren, mit der sich Vers um Vers anhand des Erzählstrangs, der Stimmung quasi am vorhergehenden hervorzieht.

Mit einer bemerkenswerten Funktion des Refrains, wie sich weltweit an vielen Beispielen belegen läßt: Im Refrain wiederholt oder übernimmt das Publikum nämlich nicht einfach, was es gehört hat! Es ... reagiert, und es korrigiert sogar, etwa, wenn die gehörte Version zu sehr von dem abweicht, was es selbst weiß. Das läßt sich vielfach zeigen. Womit wir bei den Wurzeln der Funktion des "Chores" wären.

Kein Barde übernimmt auch sofort, was er eventuell gerade gehört hat, vielleicht von einem anderen Barden. Er läßt es absinken, der Text an sich ist ihm wertlos. Und übernimmt es so in seine lebendige Verarbeitung, niemals "zitiert" er einfach, was er gehört, was er sich "gemerkt" hat. Er handelt nur mit lebendigen Stoffen. Sein Fundus an Geschichten ist ein einziger Fluß an Formeln, Stoffen, Inhalten, Redewendungen. In ihrem Rhythmus. Fern der Vorstellung die uns so prägt, daß der Satz von den Worten geprägt wird. Kein Wort steht alleine, für sich. Einzelne Worte spielen da kaum eine Rolle, sie zu separieren (in der Schrift) ist eine späte Erscheinung. Und sie hat Folgen.



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