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Freitag, 18. Februar 2022

Pensionsssplitter aus 2015

Zufällig bin ich auf einen nie veröffentlichten Beitrag aus 2015 gestoßen. Der so einige Gedanken enthält, die vielleicht dem einen oder anderen Erhellung bringen. Deshalb setze ich ihn heute aufs Menu. Wohl bekomm's!

Die Agenda Austria, ein sich selbst "neoliberaler thinktank" nennender Verein von Journalisten und als Wirtschaftsfachleute bezeichnenden Mitarbeitern, schlägt nicht zum ersten mal vor, das österreichische Pensionssystem dem der Schweden anzupassen. Dort wird jedes jahr ermittelt, wie sich das durchschnittliche Lebensalter entwickelt (das seit vielen Jahrzehnten - statistisch, wohlgemekrt, statistisch! - steigt). Daraus wird hochgerechnet, wie viele Jahre in Pension verbracht werden. Und danach wird das zukünftige Pensionseintrittsalter neu bemessen. Was auf den ersten Blick "vernünftig" klingt (auch der VdZ dachte das vor einiger Zeit), ist aber bei näherem Hinsehen falsch. Warum?

Sonntag, 28. Februar 2021

Wie dreckige Generationen sich säubern

Es gibt noch eine Ahnung, die für den aufmerksamen Beobachter der Szenerie,  der sich endlich aus jener Mure von Worten an die Luft gegraben hat, wie sie uns seit geschlagenen zwölf Monaten als "Corona-Pandemie" (und wie immer man das nennen will; jeder Begriff ist falsch und Nebelvorhang, wenn man etwas gar nicht Definierbares oder schlicht nicht Definiertes fassen will) übergegossen ist, langsam sichtbar wird. 

Und das hat mit dem Stehsatz der "gefährdeten Bevölkerungsgruppen" zu tun. Wo allen Experten zufolge (ach, wie der VdZ diesen Begriff liebt: Ex-perte; der der versucht hat/wurde, der der erprobt hat/wurde) besonders die Altersgruppe der über 80jährigen zu den vom Corona-Virus besonders geliebten, also in ihrem Gesundheitszustand gefährdeten Gruppe gehöre. Das Spannende dabei ist der Zusatz, den man fast übersehen könnte. Denn es geht gar nicht um die Altersgruppe selber. Es geht um die Heime, in die man diese Altersgruppe abgeschoben hat und mittlerweile standardmäßig abschiebt. Und in Zukunft noch mehr abschieben wird. Weil die Größe (also: Kleine) und Reduziertheit der Familien auf Zweisamkeit Plus (im höchsten Fall) eine persönliche Fürsorge für die Eltern gar nicht mehr möglich macht. 

Und auch gar nicht erwünscht ist. Darum geht es doch. Denn lieber arbeiten die Kinder in schwerer Arbeitszermürbung, um jenes Geld zu verdienen, das die Auslagerung der Altenfürsorge auf Einrichtungen des Sozialstaates kostet. 

QR Talk im Hangar
Also hört man dann von "Clustern", die sich in Altenheimen bildeten. Also hört man, daß mehr als die Hälfte ALLER sogenannter "Coronatoten" nicht einfach der Altersgruppe, nein, sondern der Gruppe jener Alter, die in Altenheime und Pflegeeinrichtungen abgegebenen Menschen entstammt. 

 

Corona, Covid19 ist keine Krankheit, die weltweit ausgebrochen ist. Sie ist aber in einem Punkt global: Als Symptom der Essenz des Sozialstaates, des Sozialen selbst, das Alte technisch definiert und abschiebt. 
Wenn sie aber noch nicht sterben wollen, dann werden sie mit der Spritze ums Leben gebracht.

Darin liegt doch ein ganz besonders Geschmäckle, meint der Leser nicht auch? Könnte es denn nicht sein, daß diese Corona-Pandemie, an der nicht zuletzt doch zu loben ist - tatsächlich! - daß sie so viel an die Oberfläche gehoben hat, was sich speziell seit den 1970er Jahren wie mittlerweile unabweislich stinkender, sichtbar dampfender, unsortierter (ja, richtig, der Leser assoziiere frei weiter!) Müll über unsere Leben geschichtet hat, daß also diese vermaledeite irgendwas seiende "Corona-P-a-n-d-e-m-i-e" ein weiteres Leck im sechshundert Fuß langen Ozeandampfer unserer Zivilisation, die wir in unzählige ein für alle Mal abgesicherte Existenzberechtigungen separiert haben, gezeigt hat.

Groß wie ein Fußballfeld, hat es den ganzen gigantischen Dampfer aufgerissen. Riesig wie ein Faustloch im tiefsten Grund hat es seinen Boden zu einem Loch verwandelt, durch den die Tiefe zum Sog wurde. Von der Brücke ist das nicht direkt sichtbar, nur über Schwankungen im Steuerguckloch bemerkbar. Lediglich die Grundlinge, also die mit der Realität der Situation eines Dampfers auf dem Meere noch wirklich Befaßten ist es begreifbar. Deren unaufgeregtes Alltagsgeschäft es ist, mit je neu werkbeschwerten Pranken der Welt in die blutumspülten Eingeweide zu fassen. Nur ihnen ist alles bewußt, weil direkt vor Augen. Nur sie sehen die Dimension der eindringenden Wassermassen. Nur sie erkennen das Ausmaß (ob groß, ob klein) des Geschehens. Nur sie vermögen aus Erfahrung zu sagen, ob das umgebende Wasser noch dichte Gischt ist, oder bereits Ozeantiefe nach dem Sinken.

Die Tatsachen sprechen für sich. Fünfzig Prozent aller sogenannter Corona-Toten in Österreich waren Bewohner von Altenheimen. Sie haben mittlerweile schon ein Jahr lang keinen Kontakt mit Angehörigen, ja überhaupt mit der Außenwelt.  
Die Tatsache, daß vor allem Alte - und zwar bestimmte Alte - zu den Hochrisiko-Gruppen gehören, und einen extrem hohen Anteil an den sogenannten "Pandemie-Opfern" stellen, ist in Wahrheit ein Finger auf eine offene Wunde: Die einem Menetekel und Konkurs einer Gesellschaft gleichkommen, die das Soziale auf den Staat überwälzt. Die Folge ist evident: Tod.

Die Alten. Die wir seit Jahrzehnten aus allem Sozialen herauslösen, separieren, und nach höchsten technischen Standards (oder so) versorgen. Seit im Sozialstaat alles Denken in Kategorien der Kostenwahrheit, alles Erkennen von Leistbarkeiten und Geldmengenrealitäten, alles wirklichkeitsgemäße Abschätzen von sozialen Realitäten, fern von jeder Sonntagsphantastik, werden auch die Alten abgeschoben. 

Der VdZ kann sich persönlich erinnern, wie zu den Segnungen, die in den 1970er Jahren ausbrachen, auch das Errichten von "Seniorenheimen" (wie man diese steril aufgepeppten Abschiebeanstalten schönfärberisch nannte) gehörte. Wie neben den Kindergärten, neben Papiermüllbergen aus Gratisschulbüchern, dieser Vergewaltigung der Bildung, Siedlungen mit Single-Wohntürmen emporwuchsen. Und wie am Schulweg der Bau des nächsten Seniorenwohnheims voranging. Wo jede Weltanschauungsgruppe "ihre" Heime für "Ihre" Senioren baute. Als Symptom einer Art des Lebens der Jungen. 

Als Waschmaschine, mit der man deren Leben (als Konsum- und Wirtschaftsmotor, also als Momente der Geldproduktion) von zwischenmenschlichen, also sozialen Lasten befreite. Das ist es, was man Sozialstaat nennt: BEFREIUNG von sozialen Lasten.

Sehr langsam, übrigens. Jahrelang ragten die Rohre aus den glotzenden Löchern, die recht spät mit weißen Kunststofffenstern gestopft wurden. Denn es bestand keine Eile, im Sozialstaat der 1970er. Nein, Eile bestand wirklich nicht. Man baute nämlich gar nicht VOR, man erfüllte keinen Bedarf, nein, und überall nicht. Man erzog stattdessen ein Volk. Man gab ihm die Schienen vor, die sein Leben zukünftig befahren sollte.

Auch, wohin die Alten sollten. In Heime. In denen sie nun elendig krepieren. Das ist die Wahrheit. Und das ist die ganze Wahrheit rund um diese Coronapandemie. Die vor allem eine Zielgruppe kennt: Die Alten, die man in "Pflegeeinrichtungen" abgeschoben hat. Wo die Liebe der Kinder und Verwandten in technisch abgezirkelte und statistisch hochgerechnete Pflegemaßnahmen umgesetzt wurde. Um die Jungen von jeder Belästigung freizuhalten. Denn Solidarität gab es in den Parteiprogrammen in Worten, deren Zahl proportional zur Absenz des Inhalts wuchs. 

Der Sozialstaat ist in Wahrheit der Tod des Sozialen. Er ist dessen Ersatz. Er ist die mit künstlichen Geldausgaben ermöglichte Asozialität. Durch Schulden. Man lobe einmal mehr die Begriffe, denn denken ist Begriffsklärung: Schuld zeigt die Wurzel, und damit die Möglichkeit zur Perversion. Denn Schuld ist das Wesen des Sozialen, und Schuldigkeit deren Bezahlung, persönliches Abstatten deren Geld.

Und nun erwischt es diese Einrichtungen. Mit einem dermaßen simplen "Virus", daß er von Grippe so wenig zu unterscheiden ist, daß man - und dieses Vorgehen ist dermaßen häufig geworden, daß es wirklich von niemandem mehr zu übersehen ist! - einfach aus einem Syndrom lauter Einzelvorgänge macht, die man dann zu einer neuen Krankheit umbenennt: Covid19 heißt nun, was zuvor so alltäglich war, daß man es gar nicht näher in Bestandteile zerlegt hat.  

Covid19. Eine künstliche Krankheit, Krankheit wie jede Krankheit: Begrifflichkeit und Summe unter bestimmte Symptome. Die in diesem Fall überhaupt nur noch aus Virenfragmenten besteht. Die von der Grippe (die ja komplett aus den Krankenstatistiken der WHO verschwunden ist) lediglich unterscheidet, daß sie nun ALS CORONA benennbar wurden. Nein, Corona wurde nun alles benannt, was man unter Grippe vorfand.

Und die ist für alte Menschen immer ein Problem. Denn die Grippe ist - wie nahezu jeder dieser asiatischen Infekte - ein Substanzproblem der Menschen in Europa. Hat mit dem Verhältnis der nach der Sintflut (und aus den Lenden eines der Söhne Noahs, namentlich aus Japhet, entsprossenen) in Europa vor rund fünftausend Jahren gelandeten Indoeuropäer zur menschlichen Substanz selbst zu tun. 

Deshalb sind achtzig Prozent sämtlicher Corona-Toten, weltweit, ehedem Abgeschobene. Eltern, Väter, Mütter, Tanten, Onkel, die man nur aus den Augen wollte. Und mit irgendwelchen technischen Apparaten umgab, die das Soziale ersetzen sollten. Und dafür sogar "sozial" genannt wurden, sodaß den Alten auch noch die Sprache genommen wurde. Die sie in die Lage versetzt hätte, das wirkliche Geschehen rund um sie zu begreifen, sich dazu wirklichkeitsgemäß zu verhalten. 

QR Pflegerbericht
Der Leser möge sich illustrierend zur seelischen Situation solcher in Heime Abgeschobener diesen Bericht anhören. Wo ein Pfleger nur erzählt, wie es in dem Heim mit der Corona-Impfung zugegangen ist, in dem er selbst seinen Dienst versieht. 

Wie die Alten sich verhalten, wie sie entrechtet und mundtot gemacht sind. Und wie sie sich selbst so einschätzen. Weil ihr Alltag ihnen deutlich gemacht hat, daß man mit ihnen würdelos verfährt. Pflegeheime sind per se Institutionen der Würdelosigkeit, und kein Staat der Welt dürfte sie einrichten oder gestatten. Dürfte Institutionen gestatten, wo mit unseren Vätern und Müttern und Onkeln und Tanten nicht persönlich, sondern nach technischen Kriterien und Maßgaben verfahren wird. 

Sodaß sie nicht nur an einem simplen Virus erkranken und, als Todeskandidaten abgestempelt, häufig schwer falsch behandelt, folgerichtig versterben. Und wenn nicht das, durch "Schutzimpfungen" ums Leben gebracht werden.

Vielfach noch dazu mit haarsträubender, falscher Behandlung. Die aber doch nur die gnadenlose, herzlose Fortsetzung des Willens der jungen Generationen ist. Die der gar nicht so heimliche, aber unter Begriffslawinen verborgener Wille ihrer Nachfahren sind. Die nur eines wollen: Daß diese Alten, daß überhaupt alles Nutzlose aus ihrem Leben verschwindet. Koste es, was es wolle.

QR SWR Podcast
Es reicht aber nicht. Abgeschoben ist nicht genug. Noch in ihren letzten Tagen werden die Alten als Versuchskaninchen mißbraucht. Wo man Seren - "Vaccine" - an ihnen ausprobiert, von denen niemand sagen kann, wie sie wirken, was sie bewirken, und was sie mit dem Menschen machen. 


*270221*

Samstag, 14. März 2020

Wenn sich alles für ein besseres Morgen aufhebt

Offenbar wird uns die Naturwidrigkeit, zu der wir bereit sind, immer weniger klar. So daß wir die Probleme, mit denen wir uns konfrontiert sehen, weil wir den Status Quo verlängern möchten, um nur ja nicht "gestört" zu werden. Und wie richtig, wie natürlich ist dieses Streben aber doch, das die Kontinuität der gepflegten Lebensweise verlangt! Weshalb man durchaus sagen kann, daß wir vielfach mit Tragischem konfrontiert sind, wo Richtiges mit Richtigem streitet, und aus sich heraus keine Lösung mehr möglich macht, greift man nicht über sie hinaus, um Prioritäten noch zu erkennen. Die unser Handeln dann lenken müssen.

Was so kompliziert erscheinen mag, wird an einem Beispiel leichter sichtbar. Im Konflikt, in dem die Rentenproblematik steckt. Die als Umlageverfahren (und anders KANN eine Rente gar nicht funktionieren!) wo die aktive Generation die nicht aktiven Generationen (die ganz Jungen, die Alten) erhält.

Dies hat seinen Anker in der Natürlichkeit des menschlichen Lebensweges, der das Aktive Leben umfaßt von dem "noch nicht" einerseits, und dem "Nicht mehr" anderseits. Es stimmt mit der körperlichen Entwicklung zusammen, in der die Kräfte sich hier aufbauen, um dort zu schwinden. 

Wenn wir also die Fehler, die dazu geführt haben, daß die Aktiven durch zu wenige Junge immer weniger werden, sodaß ihnen proportional immer mehr Alte gegenüberstehen, die es (in der Rente) zu erhalten gilt, so daß die Belastung für die Aktiven immer mehr steigen müßte, dadurch beheben wollen, daß wir den Alten ihren Lebenskreis verweigern, und ihr "nicht mehr" zu einem "und trotzdem noch" umformen wollen, verstoßen wir gegen das Ganze des menschlichen Lebens.

Deshalb ist das Hinaufsetzen des Renteneintrittsalters niemals eine gerechte Lösung, sondern allerbestenfalls die Kapitulation dem Leben gegenüber: Wo man den Alten das, was sie nun der Gesellschaft zu geben hätten, ihre Reife, ihre Erfahrung, ihr weises Wort (!) und ihr abgeklärtes Wissen ums richtige Handeln, absprechen, und ihre Energie noch bis zum letzten Tropfen ausquetschen wollen, um "das System" aufrecht zu halten. Es ist einem Handeln zu vergleichen, das das Nichts in jedem Fall bereits gewählt hat, und das System nur noch um des Systems willen, nein, um einige Merkmale willen zu erhalten, und deshalb alles und sich selbst zum Nichts verdammt.

Es ist ein Verstoß gegen die menschliche Würde selbst, die von den Alten verlangt, ihr Selbstsein aufzugeben, um weiter im Nutzungsprozeß zu verbleiben. Weil sich die Generation der Aktiven sonst ihr gewohntes Leben nicht mehr leisten kann. Und mehr ist es nicht.

Aber die Verpflichtung, die Alten zu erhalten, hat höhere Priorität als die Unbeschwertheit eines wohlständigen Lebens, wie es die Aktiven heute pflegen und gerne haben möchten. Ein Leben, das sie im Übrigen jenen Alten verdanken, deren ihrem Alter entsprechende Versorgung zu verweigern. 

Die im übrigen nicht bei allen gleich ist! Es wäre also mehr noch zu diskutieren: Ein individuelles Renteneintrittsalter! Wie es in Österreich durch die "Hacklerregelung", die "Schwerarbeiterreglung", die die Rente unabhängig vom absoluten Alter nach bestimmter Leistung zugesteht, als sehr richtiger Weg eingeführt wurde (um nun durch die aktuelle Kurz-Regierung sofort wieder abzuschaffen).

Und es ist eine wahre Schande für unsere Gesellschaften, wenn wie in Japan ein Renteneintrittsalter von gar schon 70 Jahren diskutiert und sehr wahrscheinlich eingeführt wird. Unabhängig von der Frage, was es für eine Kultur bzw. eine Gesellschaft bedeutet, wenn die Lebenserwartung generell und tatsächlich steigt. 

Was der VdZ im Übrigen ... anzweifelt. Weil es sich hier um eine statistische Größe handelt, die real ohne Relevanz bleibt. Sie entspricht lediglich dem Fetisch der "Altersverlängerung" als Ausdruck eines Strebens nach Lebensverlängerung - das wiederum dem heimlichen Wissen darum entspricht, daß man das Leben gar nicht mehr lebt, sondern das zu Tuende "auf morgen" schiebt, auf das man sich "aufzubewahren" hat.

Und das ist das wirkliche Merkmal der Generation der Aktiven. Die nun alt geworden sind. Es sind Menschen, die ihr Leben "für morgen aufbewahrt" haben. Und Junge herangezogen haben, die genau das nun tun und wollen, und mehr denn je wollen. Die davon regelrecht lebt, Hoffnung auf ein besseres Morgen zu pflegen, diesem besseren Morgen nachzujagen. Und dafür auf die Gegenwart, das Leben selbst, verzichtet. Um der Mühe auszuweichen, die jedes Leben aber bedeutet.


Dienstag, 3. März 2020

Wenn Frauen sieben Kinder kriegen

Wollte man das heutige Renten- und Sozialsystem aufrechterhalten, wären ab sofort pro gebärfähiger Frau SIEBEN KINDER NOTWENDIG. Auf diesen kernigen Punkt kann man die Diskussion, wie man das derzeitige Rentensystem "retten" könnte, bringen. Kinder, und nur Kinder sind deshalb auch die private Strategie, will man den kommenden Verwerfungen, die unausbleiblich sind, sachgerecht begegnen. Das sagt kein Politiker, sondern der Ökonom Hans Werner Sinn. 

Wir stehen dabei kurz vor der entscheidenden Wende. Denn die Generation der "Babyboomer" hat in Saus und Braus gelebt. Sie hat von der Zahl ihrer Geschwister ebenso gelebt, wie ihr Geld statt in Kinder zu stecken in Konsum und Wohlergehen verjubelt.
Innerhalb der nächsten zehn Jahre werden diese Babyboomer aber in Rente gehen. Und einer dramatisch schwindenden Zahl von Einzahlern gegenüberstehen. Um die somit bevorstehenden Einschnitte in den individuellen Wohlstand bei dieser Generation doch noch aufzufangen, wäre ein Renteneintrittsalter laut WHO-Berechnungen von siebenundsiebzig Jahren nötig.

Sinn als Einziger* in dieser Runde, der zu wissen scheint, worum es überhaupt geht - Gnade uns, wenn die Jungen das Ruder in die Hand bekommen, die von nichts mehr eine Ahnung haben, deren angelerntes "Wissen", das mit Welt und Leben nichts mehr zu tun hat, gerade einmal für die Blechtonne taugt - weist auch darauf hin, daß das derzeitige System an einer groben Ungerechtigkeit (die sich als Systemmangel niederschlägt) leidet: Daß die Kinder, die wir aufziehen, so gut wie keinen Niederschlag in der Rentenverteilung - ein Umlagesystem, in dem nur verteilt werden kann, was aktuell eingezahlt wird - finden. Denn die Alternative wäre nur, entscheidend und rasch mehr, ja viel mehr Einzahler zu finden, also Immigranten. Aber diese Hoffnung ist ein unerfüllbarer Traum.





*Dabei muß gewarnt werden: Sinn ist keineswegs der große Durchblicker. Seine Kritiken sind lediglich da und dort "rational". Im Großen und Ganzen aber verfolgt Sinn eine erschreckend simple, liberalistisch-atheistische Weltsicht. Und ist - typisch Liberaler - mit einem Schlag für Sanktionen, als Zwang, wenn ein "dringendes Problem" ansteht. Wie der "Klimawandel". Könnte es also nicht sein, daß der Liberale dort für Freiheit ist, wo ihm etwas wurscht ist? Und dort nicht mehr, wo ihm an etwas doch etwas liegt?




Donnerstag, 23. August 2018

Und wollen weiterhin nur Schmerzvermeidung

Es hat schon etwas von Realitätsverweigerung, wenn das Compact-Magazin in einer seiner jüngsten Ausgaben von der Angst der Rentner um ihre Versorgung spricht und die Formel "Alter = Armut" ins Schaufenster hängt. Natürlich stimmt das, rein von den Fakten betrachtet. Aber wenn dasselbe Magazin auch die Zuwanderungsproblematik als verschärfendes Element anprangert, übersehen seine Macher, daß beides eng zusammenhängt. Denn die Massenzuwanderung war - nicht nur, aber auch - ein Versuch, ein demographisches Problem zu bewältigen, das sich schon vor Jahrzehnten abzeichnete: Eine Bevölkerung, die zu wenig Nachwuchs in die Welt setzt, deformiert die Alterspyramide und wird mit absoluter Sicherheit in die Armut gleiten.

Viel zu lange hat man den Menschen dazu ein X für ein U vorgemacht. Ihnen Lügen aufgetischt, daß es ihnen immer gut gehen werde, unabhängig davon, wie sie leben, ihre Wählerstimmen damit gekauft, daß man sie von jeder Verantwortung freigestellt hat. Noch immer glauben heute viele, sie hätten mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen "ihre Rente" eingezahlt. Das ist fatal und falsch. Niemand hat "seine" Rente eingezahlt, sondern unser Rentensystem (wie jedes Rentensystem) funktioniert nur als Umlageverfahren. Das heißt, daß jeder für die Rente seiner eigenen Eltern aufkommt, neben den Kosten für die nicht Erwerbsfähigen, namentlich Kinder und Kranke. 

Wer keine Kinder hat oder haben will, hat aber nur den Appell an das Mitgefühl der anderen. Das war noch nie anders, und das kann auch nicht anders sein. Er wird somit ganz naturgemäß im Alter zum "Sozialfall".

Erst und ausschließlich dieses Generationenumlageverfahren ist das Lebensprinzip der Sozialversicherung, wie sie Bismarck erstmals in unseren Ländern als staatliches System eingeführt hat. Denn zuvor waren ähnliche Versicherungs- und Versorgungssysteme regional oder standesbezogen oder gruppenbezogene Solidaritätsleistungen, die in vielfacher Art organisiert waren. Erst die Proletarisierung der Arbeiter sowie die Bekämpfung maßgeblicher Träger dieser Systeme (v. a. von Kirche und Adel, bei gleichzeitiger Freistellung der Kapitalbesitzer im Liberalismus mit der Verabsolutierung von Eigentum als Sicherung von Raubgut*) hat diese ausgehebelt. Etwas, das heute völlig übersehen wird, denn selbstverständlich gab es auch früher und immer solche Solidarsysteme, die oft sogar besser funktioniert haben als heutige Systeme.

Über die Faktoren, die zur heutigen Situation geführt haben, wollen wir uns an dieser Stelle nicht weiter verbreitern, wir handeln darüber ohnehin immer wieder in Detailfragen. Im Wesentlichen soll nur das Auseinanderreißen von Ursache und Wirkung, von Tat und Verantwortung genannt werden, das ein Krebsschaden der Gegenwart ist und wurde.

Ganz neue Fragen über Ungerechtigkeit müßten deshalb gestellt werden. Vor allem über die Zerstörung der Familien als Solidarverbund und (hierarchischen) Organismus, vor allem aber die Enteignung und Vergesellschaftung der Kinder. Alles das sind nicht zuletzt Folgen der Entpersönlichung der Sozialleistungen als Solidarleistungen generell. Und diese gewaltigen Schuldlasten müssen eines Tages auch verarbeitet werden, anderes anzunehmen ist eine Illusion. 

Natürlich war es ein fataler, ja lächerlich falscher Gedanke - wie er nur Bürokraten einfallen kann - zu meinen, durch Massenzuwanderung dieses Problem aus der Welt schaffen, oder auch nur ihm vorbeugen zu können. Diese hat das Problem sogar noch weiter verschärft und ging also als die Rechenübung, als die die Rentenfrage (man denke nur an den hahnebüchenen Unsinn der "Riesterrente"!) gesehen wurde, nicht auf. Dafür stehen wir vor neuen und noch substantielleren Problemen, nämlich denen des völligen Zerfalls als Volks-, Solidar- und Kulturgemeinschaft, an die offenbar nie jemand gedacht hat. Selbst der Sozialstaat ist dabei in Wirklichkeit gescheitert, weil eine Umlegung zwischenmenschlicher Verbindlichkeit und familiärer Integrität in Individualisierung, in Geld und abstrakte Ansprüche von keiner Volkswirtschaft getragen werden kann.

Nur eines kann man nicht: So tun, als wären beide Probleme - Massenzuwanderung und Altersarmut - ganz einfach für sich zu betrachten. Genau so wenig, übrigens, wie die Entwicklung unserer Volkswirtschaften zu mathematisch diktierten Geldproduktionsmaschinerien. Das alles hängt zusammen, und hat eine eindeutige Ursache: Die Zerstörung der Sexualmoral, die Zerstörung der Familiengefüge, den Geburtenrückgang, den abstrakten Sozialstaat wie er in den 1970ern eingeführt wurde, die alle den Generationenvertrag so effektiv zerschossen haben, so daß die Armut der Alten (die uns zu größten Teilen ja erst bevorsteht, wenn nämlich definitiv die geburtenstarken Jahrgänge bis Mitte der 1960er Jahre in die Rente gehen wollen) nichts anderes ist als eine unausweichliche und logische Folge.

Solange man das nicht sehen will, müssen sich auch solche "Bewegungen", wie sie Compact darstellt, den Vorwurf gefallen lassen, daß sie dasselbe betreiben, was als Grundstimmung uns allen bereits so verderblich ins Fleisch gebrannt wurde: Daß für die Folgen des eigenen Tuns andere zahlen sollen. Und daß ihre Forderungen oft das kindische Greinen Fünfjähriger ist, die nicht erwachsen werden wollen und selbst als Grauhaarige nach der Milch der Mama schreien, die nun alles richten soll, was man selber angerichtet hat.

Ja, die Massenzuwanderung muß sofort gestoppt werden, und wir stehen in der nicht mehr vermeidbaren Situation von Parallelgesellschaften, die wir endlich als solche gestalten sollten, ehe sie uns gestalten und uns endgültig dessen berauben, was wir als Angst mit Recht haben: Die Heimat. Die Massenzuwanderung muß also aus kulturellen Gründen gestoppt werden, denn auch unser Generations-Solidarsystem ist Teil unserer Kultur und wird von manchen der zuwandernden Kulturen nicht mitgetragen und nicht mitgetragen werden.

Aber dazu müssen wir auch selbst ein gutes Stück weit wieder zu Kulturmenschen werden. Und aufhören so zu tun, als gäbe es auch andere Auswege, die nur Formen der Schmerzvermeidung sind, wie sie uns schon so geschädigt hat. Auswege, die uns halt nichts kosten sollen. Nein, nicht Geld, nicht primär von Geld ist hier die Rede, sondern von sittlicher Anstrengung. Dazu gehört auch, mannhaft zu tragen, was wir selbst angerichtet haben: Die demographische Katastrophe, die uns nun mit der Folge von Altersarmut konfrontiert. Und dazu gehört auch die Beseitigung schreiender Ungerechtigkeiten, zu denen prinzipiell nicht Altersarmut gehört, sondern die Entkoppelung von Rentenanspruch von jenen Generationen, auf die diese Leistung alleine umgelegt werden kann: Die eigenen Kinder. Nur sie können das Maß der individuellen Rente bestimmen. Unperfekt natürlich, wie alles, wo es um den Menschen geht. Aber eben - in menschlichem Maßstab.







*Nein, es geht sicher nicht um die Verweigerung des notwendigen Schutzes von Eigentum! Aber es heißt, daß es Mechanismen braucht, um Kapital und Vermögen in seiner sozialen Verantwortung zu halten. Gerade diese braucht ja sogar auch große Kapitalien und Vermögen! Es geht also um eine Forderung nach einer von Menschen betriebenen Wirtschaft. Einer Wirtschaft, die nicht mechanistisch aufgebaut nur mathematischen Gesetzen genügt, wie wir sie seit langem immer ausschließlicher erfahren. Es geht um einen Mittelstand, der wirklich ein solcher ist.




*280718*

Sonntag, 15. Oktober 2017

Pyramide der Lüge

Was sich hier darstellt, in diesem Werbefilmchen eines amerikanischen Rentenfonds, ist nahe an der glatten Lüge. Spätestens 2008 müßten es doch alle begriffen haben? Wo die Rentenfonds sich in Luft aufgelöst haben, weil sie der großen Finanzwelt als Sicherheit für ihre aberwitzigen Malversifikationen diente, die der Staat schließlich auffing, weil der Bankrott des Systems sonst zu offensichtlich geworden wäre. Es läßt sich keine - KEINE - Rente auf "Ersparnissen", auf Geld aufbauen. Sie funktioniert immer nur als Generationenvertrag, auf der realen Leistung und Leistungswilligkeit von Menschen. Der Kinder. 

Warum? Weil es im Gegensatz zu allen Anlagengurus, die Wert ALS Geld gar in Gold und ähnliches verankert sehen wollen, nur eine Wertbeständigkeit gibt. Eine, die sich immer wieder in Aktualität erhält. Und das ist menschliche Arbeit, menschlicher Selbstvollzug, menschliches, schöpferisches Leben, und damit kultische Bedeutsamkeit. Aus der alleine Arbeit motiviert wird.

Die jeweils arbeitende Generation, die an die älteren Menschen, die Eltern, in persönlicher Obliegenheit erhält. Aus Verantwortung, aus persönlicher Dankbarkeit für das Ererbte. Familie. Stamm.

Dieser Film ist also glatte Lüge und Täuschung. Er baut tatsächlich auf einer puren Erzählung auf. Einer Erzählung, der wir glauben sollen - und wie die Politik meint: müssen - damit das System "stabil" bleibt. Als Löschwasser für Großfeuer.









*011017*

Samstag, 15. Juli 2017

Es wird nicht schlimm. Es ist schlimm

"Wir sprechen über Demographie und tun so, als ob das Zukunft wäre. Aber das ist es nicht. Es ist schon da. Da tickt keine Bombe, wie es oft heißt. Die ist längst schon explodiert." Das sagt Prof. Bernd Raffelhüschen in einem weiteren Vortrag über unsere Sozialsysteme. Es ist im wesentlichen eine demogrpahische Katastrophe, die uns zu schaffen machen wird. Und der Pillenknick ist nicht der eigentliche Schuldige, er ist selbst nur eine zweite Welle. Die erste ist den niedrigen Geburtenraten zur Zeit des 2. Weltkrieges geschuldet. Denn in Bombennächten, mit Männern an der Front, zeugen sich Kinder nicht so gut. 

Die geburtenstarken  Jahrgänge der Nachkriegszeit (bis 1965) HABEN somit kein Problem mit ihrer Rente - sie SIND das Problem. Ein völlig absehbares Problem, denn die Zahlergeneration ihrer Rente ist bereits da, und sie wird sich (im Umlageverfahren gedacht) nicht vermehren. Wir werden aber nicht nur mehr Rentner haben, wir werden auch mehr kranke Rentner haben, die immer länger Leben, von Generation zu Generation um vier Jahre. Die Anzahl der Pflegefälle wird sich verdreifachen. Die Pflegeversicherung wird schon in kurzer Zeit aufgegeben werden müssen, denn sie kann gar nicht funktionieren weil zu viele Ansprüche haben, die zu wenig einbezahlt haben. Wir lassen uns leider viel zu sehr täuschen, weil wir in der Situation leben, daß es noch nie so viele Einzahler ins Rentensystem gab wie heute. Doch aus dieser Situation werden wir schon in wenigen Jahren schnurstracks in eine Situation fallen, die noch nie so schlecht war.

Also soll das alles eine zahlenmäßig viel zu geringe Generation an Kindern bezahlen? Das wird diese Generation selbst bezahlen müssen, denn die viel zu wenigen Jungen werden "mit den Älteren reden wollen," und sie werden sehr deutlich reden wollen. Denn dann werden 2/3 der heutigen Beitragszahler die doppelte Anzahl von Rentnern erhalten müssen. Die Konsequenzen liegen auf der Hand. Denn eine weitere Beitragserhöhung ist ausgeschlossen, bereits jetzt hat das deutsche Sozialsystem eine Beitragsquote von 43 % von den Einkommen, rechnet man alle auch indirekten Beiträge sind es gar 50 %, und zwar von den Brutto-Brutto-Löhnen, also auch die Arbeitgeberanteile mitgerechnet. Es bleibt also nur eine Lösung: Die Leistungen müssen dramatisch gekürzt, die Lebensarbeitszeit aber kräftig erhöht werden. 

Und das ist nur gerecht, meint Raffelhüschen. Denn die geburtenstarken Jahrgänge haben ihre Bringschuld nicht gebracht - Kinder. Nur Kinder aber können ein Rentensystem (das im Umlageverfahren funktioniert) aufrechthalten. Das Rentenniveau der Zukunft wird kaum mehr als heutige Sozialsätze ausmachen, und das haben die heute 30-50jährigen, die diese Maßnahmen voll zu spüren bekommen werden, selbst verursacht. Denn ihnen war, wie Raffelhüschen sagt, lieber ein wenig Tralala zu genießen als Kinder in die Welt zu setzen. Gut, sollen sie. Aber die Konsequenzen müssen sie auch tragen.*

Erst ab 2070 wird sich wieder eine gewisse Generationenparität und damit Entspannung einstellen. Die Entwicklung selbst ist aber heute nicht mehr umkehrbar. Auch eine Umstellung auf andere Sozialversicherungssysteme (z. B. wie in der Schweiz) ist nicht möglich, jedes System schafft sich seine Voraussetzungen und Bedingungen, die man nicht einfach ändern kann und über Generationen wirkt.

Aber die wirklichen Probleme stellen sich bei drei eigentlichen Brennpunkten. Und der erste sind die Beamtenpensionen. In deren Altersstruktur und jeweiliger Anzahl eine Lawine auf uns zukommt. Diese Lawine hat damit zu tun, daß in den 1970er Jahren die Zahl der Beamten auf das Doppelte (sic!) angewachsen ist. In einem Jahrzehnt also. Diese Beamten werden in den allernächsten Jahren ebenfalls in Pension zu gehen beginnen. Bis zum Jahr 2025 werden in Deutschland dreimal so viele Beamte pensioniert sein wie 2012. 

Diese Pensionen werden aber nicht von Beitragszahlern (also: Beamten) bezahlt, sondern müssen ebenfalls vom Steuerzahler getragen werden. Von Steuerzahlern, die aber nie geboren wurden! Gleichzeitig werden die Kosten der Verwaltung von heute rund 8 % auf 25 % der Steuerkraft steigen. Die Leistungen bzw. Kosten der aktiven Verwaltung mitgerechnet, wird damit das gesamte (heutige) Steueraufkommen nur noch für die Verwaltung selbst aufgehen. Alle übrigen Landesleistungen - Universitäten, Schulen, Straßen, weiß der Deibel was alles - sind mit diesen Steuern nicht mehr finanzierbar. Die Lösung KANN also speziell hier ebenfalls nur heißen: Rentenkürzung und Verlängerung der Arbeitszeit.

Der nächste Brennpunkt ist das Gesundheitssystem. Denn anders als viele glauben, ist es keine Umverteilung von Gesund zu Krank, sondern aus naheliegenden Gründen ebenfalls eine Umverteilung von Jung zu Alt. Auich hier steht das System vor der Frage, entweder die Beiträge - deutlich - zu erhöhen, oder die Leistungen - deutlich - zu verkürzen. Das wird zum einen auf einen Leistungswettbewerb der Krankenhäuser hinauslaufen, zum anderen auf Versicherungsleistungen abzielen, die mit dem Verhalten der Bürger zu tun haben, also etwa die Zahnmedizin.  

Der dritte Brennpunkt ist die Pflegeversicherung, die Altenpflege. Die Raffelhüschen unter dem Motto sieht "Sie wußten, was sie taten!" Und sie taten alles falsch. Denn die geburtenstarken Jahrgänge haben einen Generationenvertrag aufgestellt den sie sehenden Auges auf den Punkt zulaufen ließen, daß die Generation, die ihn nun einlösen soll, GAR NICHT DA IST. Weil die Kinder nicht da sind, die diese Generation nicht bekommen hat. Und das wußte man, als man die Pflegeversicherung (1995) einführte. Da gab es diese Generation aber bereits seit 25 Jahren nicht mehr. Schon 2012 betrug das Defizit nur aus diesem Posten eine Milliarde Euro. Wie sich das bei einer Halbierung der Einzahler und einer Verdreifachung der Leistungsbeansprucher ausgehen soll muß einmal jemand vorrechnen. 

Die Lösung kann nur bei Privatversicherungen liegen, denn der Staat - das sind wir - kann den Generationenvertrag nicht einlösen, weil in den letzten 50 Jahren zu wenige Kinder in die Welt gesetzt wurden. Das sieht der Demograph asllerdings doch als bewältigbar, denn immerhin hat diese Generation ein Vermögen angehäuft, wie es beispiellos in der deutschen Geschichte ist. Es wird nun für das angegriffen werden müssen, das man sich durch wenige Kinder zu ersparen meinte, sich also als Problem selbst zuzuschreiben hat.**









*Dabei hat die Zuwanderung der letzten Jahre das Problem nicht nur nicht entschärft, sondern es sogar noch weiter verschärft, und zwar gewaltig. Das zeigt Raffelhüschen an anderer Stelle. Der Grund liegt in der Planlosigkeit, in der sich Zuwanderung nach Deutschland bis heute wahllos vollzieht und meist eine Zuwanderung in die Arbeitslosigkeit, bestenfalls in die untersten Lohnklassen bedeutet, wo sie sogar einem Verdrängungswettbewerb gegenüber heimischen Arbeitnehmern gleichkommen, also das Sozialsystem gar nicht entlasten. Eine weitere Konsequenz wird sich beim Pflegesystem zeigen, denn der Großteil der Zugewanderten sind Männer. Altenpflege ist aber eine spezifisch weibliche Tätigkeit. Aber das eigentliche Rentenproblem der "Flüchtlinge" wird erkennbar wenn man bedenkt, daß ein Zuwanderer mit heute durchschnittlich 30 Jahren Lebensalter, bei fünf Jahren (optimistisch gerechnet!) Integrationszeit und anschließender Niedrigqualifzierung, 43 Jahre Beitragszeitraum bräuchte, um rechnerisch die Mindestrente zu erreichen. Das hieße für jeden Zuwanderer ein durchschnittliches Renteneintrittsalter von 77 Jahren - wenn nicht die übrigen Steuerzahler das ausgleichen. Und das heißt: Durch Steuern.

**Darin gründen ja die Forderungen, und es stellt sich die Frage, warum sie nicht von Eltern laut gestellt werden, Sozialleistungen und Renten mit der Zahl der Kinder zu koppeln. Denn hier bestehen direkte und unabweisbare Ursache-Wirkung-Zusammenhänge. Das ist eine Frage der Gerechtigkeit! Stattdessen werden absehbar gerade jene, die Kinder aufgezogen und deshalb das wenigste Geldvermögen haben, noch einmal benachteiligt. Denn die Verlagerung auf Privatversicherungen, der Umbau des Krankensystems auf Wettbewerbssystem, die privat zu deckende Alterspflege begünstigen neuerlich jene, die keine Kinder in die Welt gesetzt sondern ihr Geld für sich verwendet und als Vermögen gespart haben.





*300517*

Freitag, 28. März 2014

Selbstreproduzierender Sozialstaat

Am Beispiel der Renten zeigt die FAZ in einem Artikel, daß der Sozialstaat sich selbst produziert, indem er die Ungerechtigkeiten, die er dann zu beseitigen vorgibt bzw. unter Druck steht, selbst schafft. Einmal eingeführt aber sind Sozialtaten kaum mehr zurückzunehmen. Dafür wachsen mit jeder Wohltat neue Benachteiligungsopfer, denen eigentliche dieselben Wohltaten zustünden. So wachsen die staatlichen Ausgaben unbegremst, und enthalten - wie bei der jüngsten Rentenreform in Deutschland - wahre Lawinen an Kosten, die noch bezahlbar erscheinen, aber bei der abzusehenden Änderung der demographischen Voraussetzungen (bald kommen die Jahrgänge des Geburtenbooms ins Rentenalter, das ja nun auf 63 gesetzt wurde) gewaltige Belastungen in zehn Jahren bedeuten werden.




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Dienstag, 25. Februar 2014

Ein wahres Wort entschlüpfte

Es ist doch ein Irrtum zu glauben, daß man das später wiederbekommt, was man einmal eingezahlt. hat. Vielmehr muß es in dem Jahr, in dem es konsumiert wird, auch verdient werden, und es wird nicht von den Rentnern verdient, sondern von denen, die aktiv sind. Unter eigener Egoismus muß uns dazu bringen, unsere Ansprüche zugunsten der Jungen zu reduzieren und auf Zukunftsinvestitionen zu setzen."


Joschka Fischer, späterer Außenminister Deutschlands, in einem Aufsatz 1996




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Donnerstag, 6. Februar 2014

Hoppala

Wer noch immer nicht begriffen hat, worum es bei der "demographischen Katastrophe" geht, wird es bald am eigenen Leib verspüren. Und das ist eine Milchmädchenrechnung, die auch keinem linksgrünen Trottel mit "Zuwanderungen von Beiträgern ins Sozialsystem" erspart bleiben wird. Der jubelfroh verkündet, daß die Einwohnerzahl Österreichs sich in den letzten drei Jahrzehnten um 10 Prozent erhöht hat, und sich in den nächsten zehn Jahren um weitere 10 Prozent durch arbeits- und schaffensfrohe Zuwanderer erhöhen wird.

Denn die Zahl der Pensionsbezieher hat sich im selben Zeitraum verdoppelt. Und jeder auch nur etwas helle Kopf weiß, daß Ruhestandsbezüge nur von Aktiven erarbeitet werden können, daß kein Ansparsystem der Welt diese Logik durchbrechen kann. Denn Geld "arbeitet" bekanntlich nicht. Es "erwirtschaftet" nur Zinsen, die Aktive erarbeiten. So schaut's aus.

Hier einige Graphiken auf "Agenda Austria". Und darunter die hier interessanteste: Die der Entwicklung der Pensionsbezieher. Die natürlich schon deshalb interessant ist, weil der Pensionsantritt der Jahre des "Geburtenbooms", zu denen auch er Verfasser dieser Zeilen übrigens rein theoretisch wenigstens gehört, in den nächsten 10-15 Jahren einerseits bevorsteht, dem anderseits SEHR RASCH der sogenannte "Pillenknick" folgt.

Ja, genau, da steht jene Generation, die dafür derzeit noch sorgt, daß der Wagen "wie geschmiert" läuft, und die den Super Sozialstaat gewählt und genossen haben, jener gegenüber, die schön gewöhnt ist, daß das Geld aus dem Bankomaten, und der Strom aus der Steckdose kommt, uns sie nur noch Rechte, die anderen nämlich Pflichten haben. Woraufhin sich der Beamtenanteil im Lande gleichfalls verdoppelte, Produktivkräfte also zur schützenswerten Spezies wurden, die mit Maden zu füttern sind, damit sie anderseits vom Zucker gemolken werden können.

Bei der aufgrund einer höchst sinnigen Erfindung die "Empfängnis verhindert" werden konnte (womit sich natürlich auch schön die Schuldfrage verschiebt). Sodaß sich innerhalb eines Jahrzehnts (!) die Zahl der Geburten halbierte, die Lebenshaltung völlig verdrehte. Das heißt: Den sich ihrer "wohlerworbenen Pension" erfreuen Wollenden folgen UNMITTELBAR die der diese Pension mit doppelter Belastung zahlen Müssenden. Denen die freudig Aufjuchzenden antworten, die ohnehin den Erdenkreis mit viel zu vielen Menschen bevölkert wähne. 

Ist jetzt also noch jeder achte eingenommene Euro den Vätern gewidmet, wird es innerhalb der nächsten fünfzehn Jahre jeder vierte sein. Das wird ganz schnell gehen. Warten wir mal ab, was die "nur noch Gewollten - trotzedem Gewollten - häufig aber nur trotzdem PASSIERTEN", vor allem aber ihrer verhinderten oder abgemordeten Geschwister und Nachbarn Beraubten, dann zur Wirklichkeit ihrer Verpflichtungssituation sagen. Leichter vorstellbar ist die der "Was haben wir mit den Österreichern zu tun, wir wollten hier nur ordentlich Geld verdienen."

Graphik: Agenda Austria


Noch dazu, wo schon derzeit die am BIP gemessenen prozentualen Pensionsausgaben der Alpenrepublik die zweithöchsten der EU sind.

Graphik: Agenda Austria






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Donnerstag, 17. Januar 2013

Perversion der Prinzipien

Die Welt schlägt Alarm. Denn die jüngst durchgeführten Erweiterungen von Sozialleistungen würden langfristig Kosten von über einer halben Billion Euro entstehen, für die bereits jetzt Rücklagen gebildet werden sollten. Sie träfen die zu erwartenden, vor allem demographischen Entwicklungen ins Mark, als Summe vieler, aber im Konzert dramatischer Sozialkosten. Welche Leistungen sind gemeint? Vor allem die Einführung eines Betreuungsgeldes, meint die Welt.

Nun soll es hier gar nicht darum gehen, über diese Leistungen im Einzelnen zu diskutieren. Auch soll einmal außen vorgelassen sein, was überhaupt gegen den Sozialstaat heutiger Prägung spricht. Vielmehr war der Artikel dem Verfasser dieser Zeilen Anstoß zu ganz anderen Gedanken, die innerhalb der bestehenden Systemlogik bleiben und ihre selbstinduzierten Folgen aufzeigen.

Denn an diesen zusätzlichen Sozialleistungen läßt sich ein Prinzip erkennen, das jedem Staat Probleme machen MUSZ, und es ja auch tatsächlich tut und tat. Ein Prinzip, das vor allem die Finanzierbarkeit jedes Sozialstaats kippen lassen muß. Warum? Weil kein gesellschaftliches Gefüge auf einem Prinzip der Entlohnung funktioniert. Alles Tun birgt seine Freude und Belohnung, Grundmotiv allen menschlichen Handelns, in der Erfüllung der Dinge selbst. 

Das Merkmal der Sozialgesetze der letzten Jahrzehnte aber hat sich nicht darauf beschränkt, soziale Notlagen ausgleichen zu helfen, indem man von den einen nimmt, was man den anderen zuschiebt. Vielmehr wird in einem Paradigmenwechsel versucht, Leistungen, die jemand für die Gesellschaft erbringt, zu ENTLOHNEN. Freude wird durch Geld, durch Geldlohn ersetzt. Während man umgekehrt den Grundsatz in den Hintergrund drängt oder gar ignoriert, daß für Leistungen, die NICHT erbracht werden, deren Früchte aber genossen werden sollen, in Geld, diese Nichterbringung zu bezahlen wäre.

Nur: so kann kein Gemeinwesen funktionieren. Denn an sich ist menschliches Leben, ja selbst Arbeit, überhaupt nicht bezahlbar. Geldäquivalente, auch in Form von Löhnen (meist auf meßbare* Zeit bezogen), sind immer nur Teil- und Notlösungen, geringere Übel.** Aber sie bilden nie wirkliche Leistung ab. Ohne die zahllosen "kostenlosen" Dienste, die jeder Einzelne für seine Gemeinschaft erbringt und die meist immanent aus seiner Lebensführung, seiner Ethik erwachsen, kann ein gesellschaftlicher Organismus überhaupt nicht funktionieren. Zu meinen, ein Staat, ein Gemeinwesen, hätte also die Pflicht, jede kostenlose Leistung zu entlohnen, kehrt das Prinzip eines Gemeinwesens um. 

Es zeigt sich dafür sogar noch etwas anderes: Daß die Löhne den Wert der Leistung fürs Ganze nicht deshalb nicht abbilden, weil sie zu niedrig sind, sondern weil sie ZU HOCH sind. Denn werden sämtliche immanente, fürs Gemeinwohl erbrachte Leistungen in allgemeine Lohnäqivalente umgelegt, ist ein Staat überhaupt nicht mehr finanzierbar. Weil der Mensch an sich unbezahlbar ist.

Aber soweit sind die Frohrechner der Staatsbudgets offenbar noch nicht. Denn trotz dieser Binsenweisheit wird rein praktisch gesehen aber auf der einen Seite immer mehr Finanzierungsbedarf aufgebaut, während auf der anderen Seite die direkten "Räuber" an der gesellschaftlichen Solidarität ihre Beute sichern dürfen. Wer heute lieber zweimal jährlich nach Honduras fliegt mag es genießen, es sei ihm unbenommen. Und wer so leben mag, soll so leben. Aber nur, wenn er das, was er nicht erbracht hat, wovon er aber profitiert, in Geld - Nachwuchs aufzuziehen, sein Geld (auch) dafür zu verwenden - auch in Geldwert eingebracht hat. Geldgewinne bleiben also individualisiert, Verluste, Belastungen aber werden sobald sie auftauchen grundsätzlich sozialisiert. Leistungen fürs Gemeinwohl aber sind Freiwild für Enteignung. Denn wer zahlt dokumentiert damit auch einen Anspruch ...

Wenn Mütter zuhause bleiben, ihre Kinder zuhause erziehen, so erbringen Sie aber auf jeden Fall eine Leistung fürs Ganze. Während jene, die keine Kinder haben, oder ihre Kinder der Allgemeinheit zur Betreuung übergeben, um ihren Wohlstand zu erhöhen, dafür kaum Konsequenzen zu tragen haben. (schon gar, wenn Kinderbetreuung wie in Österreich flächendeckend kostenlos zur Verfügung stehen soll.)

Da geht auch die Höherwertung der Kindererziehungszeiten im Pensionssystem am Ziel vorbei, ist nicht nur halb, sondern falsch. Wieder wird mehr Geld notwendig, anstatt anderseits die zu erbringende Lebensarbeitsleistung für Kinderlose um diesen Faktor zu erhöhen. Damit wäre (wenn schon) Gerechtigkeit hergestellt. Nicht, indem man das Prinzip der Gerechtigkeit umkehrt, und einfach alle auf Kosten des Gemeinwesens entlohnt, die durch ihre Lebensgestaltung indirekt eine Leistung erbringen. Diese indirekten Leistungen werden also aufgestöbert, bewertet, und zusätzlich entlohnt. Anstatt die direkten ´Belastungen - und das sind Rentenforderungen, die nur auf Geldzahlungen, nicht auch und vor allem auf alle diese indirekten Leistungen bezogen sind - zu fordern. 

Der deutsche Demograph Herwig Birg hat schon vor vielen Jahren die Forderung aufgestellt, daß Rentenzahlungen sehr direkt an Nachwuchs gekoppelt werden müssen. Angesichts des deomographischen Wandels ist das unausweichlich. Denn unsere Rentensysteme sind an die Generationenverantwortung gekoppelt. Wer keinen Nachwuchs aufzieht, muß entsprechend mehr bezahlen. Und das wird seine Nicht-Leistung ohnehin nie ganz abfedern können. Denn die Leistungen von Eltern sind weit höher als sich in Geld ausdrücken läßt. So aber werden alle gleichmaßen an der Unfinanzierbarkeit der Pensionssysteme zu leiden haben. Nur haben dann die einen eine Sahne bereits verspeist, die ihnen gar nie zugestanden wäre. Und diese Schichte hat noch dazu in unseren Demokratien bereits die Stimmenmehrheit.

Damit werden Staatsbudgets weiter aufgebläht, der Anteil des Staates an der gesellschaftlichen Leistung, umgebrochen in Geld, weiter erhöht, der Finanzierungsdruck für öffentliche Budgets wächst weiter.***

Geld aber ist jener Motor, der den Druck der bloßen Systemnotwendigkeiten immer weiter erhöht. Der zum Taktgeber allen gesellschaftlichen Lebens wird, und ohnehin bereits wurde. Der Politik zur Farce einer bloßen Ablaufoptimierung von Geldläufen macht. Der Politik zur bloßen Erfüllung der Schreie quängeliger Kinder (wer am lautesten schreit, erhält am meisten), Abstimmungsverhalten zur bloßen Betätigung von "likes" verkommen läßt, wobei von allen Seiten "dislikes" tunlichst vermieden werden sollen. Das würde nämlich wirkliche Politik notwendig machen. Vor allem aber den Mut zum Umdenken.





*Meßbar durch ihr Verhältnis zu parallelen Abläufen - jenen eines mechanischen Apparates, wie die Zahnräder und Federn in einer Uhr im Bewegen eines Zeigers ergeben, und die die natürlichen Rhythmen von Sonnenauf- und -untergang in relativ gleichbleibende Teile teilen.

**Hierin liegt der vielleicht fundamentalste Fehler aller sonst scharfsichtigen Marx'schen Analysen der Entfremdungsmechanismen im Kapitalismus: er geht von absoluten Werten (und Preisen) aus. Er geht davon aus, daß Arbeit (weil die Erlöse) in absoluten Geldwert umgebrochen und gemessen werden kann. Aber genau das ist in einem marktwirtschaftlichen System nicht der Fall. Kein Verkaufspreis ist absolut. Wert ist höchst relativ. Was macht den Wert eines Picasso-Gemäldes aus? Was den eines Stuhles (wo, als Hinweis, sofort die Frage folgt: WELCHEN Stuhles für welche Situation)?

***Noch dazu sind die erwähnten Maßnahmen völlig sinnlos - sie werden die Geburtenrate nicht erhöhen, nur den Sozialmißbrauch ausweiten. Keine "Planungssicherheit" und keine erhöhte Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird das Problem beheben. Vielmehr geht es um eine Grundhaltung: die Bereitschaft, das Leben einfach zu begrüßen, in welcher Form und zu welcher Zeit auch immer. Gerade die Stärkung der "Planungssicherheit" aber tut das Gegenteil. Es stärkt die fatale Haltung zu meinen, das Leben wäre überhaupt planbar. Was bis hin zum Klimawahn geht, wo wir glauben, das Wetter in fünfzig Jahren bestimmen zu können. 

 Wer leben will, muß sich auf es einlassen, ohne Wenn und Aber. Nur dann wird er leben. Wenn es einen Unterschied zwischen Ländern mit hoher und niedriger Fertilität gibt, dann genau diesen: die Haltung zum Leben. Und diese verabscheut Planungssicherheit, weil sie ein Käfig ist, der Leben verhindert statt ermöglicht.






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Donnerstag, 27. September 2012

Ausweglosigkeiten

Immer mehr Schulden - Staatsschulden, Privatschulden, versteckte Schulden, Bankschulden - aber immer weniger Menschen, die sie zurückzahlen können, auf diesen Punkt bringt es Hans-Werner Sinn in einem auf Video aufgezeichneten, halbstündigen und in seiner nüchternen Faktendarstellung dramatischen Referat anläßlich der Jahresversammlung des IFO vom Juni 2012 zum Thema "Staatsverschuldung und Generationengerechtigkeit". Wer sich einen klaren Überblick verschaffen möchte, samt einfach nachvollziehbaren Einblicken in Zusammenhänge und (auch bedenkliche) Hintergründe, sollte sich dieses Video ansehen.

Ein Beispiel gefällig? Von 2009 auf 2010 stieg in Deutschland die Schuldenzuwachsquote um 8,6 %, von 74,6 auf 83 % des Staatshaushalts, mit aber nur erstaunlichen 4,6 % Defizit? Wie geht das? Sinn zeigt, daß hier bewußt in den Sack gelogen wird, weil so das Tragen von Fremdverbindlichkeiten nicht ins Defizit - auf das sich die Schuldengrenze des Grundgesetzes bezieht - gar nicht auswirkt.

Schulden, wohin man auch schaut, faßt Sinn zusammen. Schulden auf kommende Generationen zu übertragen bietet natürlich politisch den einfachen Ausweg, Nicht-Wähler zu belasten. Es muß als sichere Prognose betrachtet werden, daß in wenigen Jahrzehnten die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland ein Rückzahlen der Schulden unmöglich macht. Unmöglich! Nicht unwahrscheinlich.  Die derzeitige Arbeitsgeneration hat aus zwei Gründen eine leichte Skituation: Es gibt im Verhältnis WENIGE Alte (Kriegsfolgen), sowie WENIGE Junge (Fertilität), die es zu ernähren gilt.

Nur wenige Länder wie Frankreich können, mit deutlich mehr Geburten (in Frankreich selbst in absoluten Zahlen!) als Deutschland mit dzt. 400.000 Geburten (bei 80 Mio Einwohnern) jährlich (zum Vergleich: 1875 gab es 800.000 Geburten, bei 45 Mio Einwohnern), können optimistischer in die Zukunft blicken. Implizite (z. B. bereits bestehende Rentenansprüche) und explizite Schulden zusammengerechnet, hat Deutschland derzeit 287 % des BIP Schulden angehäuft. Zusammengenommen, haben aber alleine die GIIPS-Länder - die Krisenländer derzeit in Europa - die  Schulden von 12 Billionen Euro angehäuft. Diese Schulden kann der Rest Europas unmöglich tragen. 

Das pro Kopf am bei weitem (!) meist überschuldete Land Europas ist übrigens ... Luxemburg. Ein kleiner Hinweis: Jean-Claude Juncker, der Chef der EZB, ist Luxemburger.

Wir haben, sagt er, dennoch vor allem eine private Schuldenkrise, vor allem in den sogenannten "Target-Schulden" - die zur Bezahlung von Importverbindlichkeiten verwendet werden. Die spanischen Außenschulden (ca. 992 Mrd. Euro), die sämtlich private Schulden sind, sind größer, als die aller anderen Krisenländer zusammen. Diese Beträge sind fast zur Gänze durch das substanzlose Drucken von Geld "bezahlt", von Aktivländern wie Deutschland aber mit "echtem" Geld geliehen. Und das bei derzeit insgesamt bereits 2085 Milliarden Euro an BEREITS GEFLOSSENEN Hilfsgeldern des ESM.

Deutschland ist dabei von einem (absehbaren!) Verlust etwa 718 Milliarden Euro betroffen, denn diese Schulden können niemals bezahlt werden. Sinn fordert daher Dept-Equity-Swaps: wo diesen Targetschulden (für echte Lieferungen) wenigstens substanielle Werte in den Krisenländern gegenüberständen.

Aber immer noch nicht wird in Deutschland gespart, immer noch werden Defizite angehäuft, Jahr für Jahr. Und immer noch, ja in exponentiell gesteigertem Maß, werden die Probleme der Gegenwart in die Zukunft verschoben, statt zu lösen versucht. Was aber soll man erwarten, wenn die Finanzmärkte von Physikern angetrieben waren, und die deutsche Staatsleiterin gleichfalls Physikerin ist!

Die demographische-finanzielle Staatskrise in Deutschland in 20 Jahren ist vorprogrammiert, ja unausweichlich, schließt Sinn. Es besteht keine Aussicht auf Verbesserung, nicht zumindest, solange der Euro in der heutigen Form besteht. Zu viele Länder haben ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit verloren, und ein Wechselkurs-Realignment von 20 (Frankreich) bis 40 (Portugal, Griechenland) wäre eine der notwendigsten Maßnahmen. Das einzige "Gegenmittel" der EZB derzeit ist aber die Sozialisierung aller Schulden.

Nur grundlegende Paradigmenwechsel in der Politik und in der Bevölkerung könnten noch Auswege bieten. Die es bei derzeitiger Politik aber nicht mehr gibt: wir laufen offenen Auges in den Zusammenbruch. Die Probleme der Gegenwart lassen sich nicht mehr mit Geld lösen, meint deshalb Kardinal Marx auf derselben Versammlung.

Da ist allerdings Roman Herzog in seinem Vortrag, auf derselben Tagung, substantieller, der das derzeitige Verhalten der Politik und Märkte mit dem Verhalten von Drogensüchtigen vergleicht. Und Roman Herzog erzählt aus der Zeit, wo er als Ministerpräsident von Baden-Württemberg zu Anfang der 1980er Jahre vor der Aufgabe stand, zu sparen: Man beschloß, quer durch alle Ressorts radikal 10 % einzusparen. "Wissen Sie was passiert ist," fragt der ins Auditorium? "Gar nichts!" Erst, als im darauffolgenden Jahr weitere 10 % eingespart wurden, gab es erstes "Geknirsche". Aber nicht nur durch Reduktionen der Gelder läßt sich sparen, sondern es sei zu hinterfragen, ob nicht ganze Aufgabenbereiche der Bundesregierung zu streichen wären.

Das trifft sich exakt mit den Erfahrungen und Einschätzungen des Verfassers dieser Zeilen. Zahlenverhältnisse bei organismischen Lebensvorgängen sind zudem erstaunlich "allgemein".)

Und Österreich? Hierzulande wird das Problem noch phantastischer zum geld hin verschoben, denn der Bevölkerungszuwachs steigert nach wie vor die Zahl der Steuerzahler, sodaß es für manche aussieht, als wären wir in einer besseren Lage. Aber das dient nur der Aufrechterhaltung des Scheins. Substantiell ist Österreich in absolut derselben, ja durch geringere Vermögenswerte langfristig noch schlechteren Lage.



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Donnerstag, 7. Juli 2011

Sozialistische Mentalwüste

Der allenthalben als Pensionsexperte bezeichnete Sozialwissenschaftler Bernd Marin meinte unlängst in einem (langen) Presse-Interview, daß ihm die Haltung so vieler Österreicher unverständlich sei, die wie selbstverständlich davon ausgiengen, daß sie das doppelte, das sie in das Pensionssystem eingezahlt hätten, als Pension gezahlt bekämen. Er könne sich nicht vorstellen, wie solche Erwartungshaltungen zustandekämen. Desgleichen sei ihm unverständlich, warum anstatt das reale Pensionsantrittsalter wie notwendig nach oben zu verschieben, es realiter weiter sank! Ihm sei nicht nachvollziehbar, wie zu einem Zeitpunkt, wo es darum gegangen sei, angesichts der Auseinanderentwicklung der Anzahl von Beitragszahlern und Rentenempfängern zugunsten letzterer die Regierungsparteien noch einmal eine Regelung - die "Hacklerregelung" - in einer "volltrunkenen Parlamentsnacht" (Zitat) beschließen konnten, die einen regelrechten Schub an Belastungen ausgelöst hätten, der das Problem neuerlich verschärft habe, anstatt es zu entspannen. Es gebe in Österreich eine seltsam ausgeprägte Pensionsmentalität, in der Arbeit als "dumm" angesehen werde. Er glaube daß das mit dem geringen Anteil an Geistesarbeitern - Wissenschaftlern, Intelektuellen, Künstlern - zu tun habe, denen er es zuschreibt, daß in anderen Ländern Arbeit und Leben keineswegs so getrennt aufgefaßt würden wie hierzulande. Denn diese Berufe zeichnen sich dadurch aus, daß sie bis zum Lebensende gerne und selbstverständlich arbeiteten, weil ihnen Arbeit Lebensaufgabe bedeute. Wie in Griechenland sei das eine Mentalität, die auch dann noch durch Streiks das Land lahmlege, wenn das Wasser schon bis ans Kinn stehe - was mit der Stellung der Gewerkschaften zu tun habe.

Die Leute haben hierzulande etwa das Gefühl, dass wenn sie „ein Leben lang“, daher durchschnittlich 31,8 Jahre eingezahlt  haben und dann Pensionsversprechen für durchschnittlich 25,3 Jahre bekommen, die 50 Prozent über ihren geleisteten Beiträgen liegen, dann ist das normal und voll gerechtfertigt. Sie sind, wie die „Empörten/Aganaktisméni“ in Griechenland, empört über das Infragestellen von Gewohnheitsrechten, auch wenn diese unhaltbar sind und schnurstracks in den Abgrund führen. Das ist eine kollektive Dummheit oder ein „Pensionsanalphabetismus“, wie die Schweden sagen, der schon verblüffend ist, ein Versäumnis an Bringschuld von uns allen, Fachleuten, Politikern, Medienmenschen. An Argentinien kann man heute sehen, welche psychologischen und sozialen Auswirkungen ein Staatsbankrott noch zehn Jahre später hat.

Dazu komme eine überproportional starke Stellung der Seniorenvertreter - allesamt reife, ausgefuchste Politiker - die die momentane Politikergeneration vor sich her treibe. Auch würde das Pensionssystem von der Politik benutzt, um Sozialprobleme abzuwälzen - Invaliditätspensionen, in denen Österreich europaweit überlegen führt (!), seien doch zuerst ein Problem der Krankenversicherungen! Dasselbe gelte für Frühpensionierungen, mit denen man die Arbeitslosenstatistiken beschönigt habe und beschönige, auch hier ist Österreich führend, alles aber gehe in Vernebelung wahrer Zusammenhänge zulasten des Pensionssystems.

Ich habe tatsächlich Schreiben bekommen, wo mir etwa ein Handarbeitslehrer „namens zahlloser Kollegen“ erklärt, warum er mit 54 abschlagsfrei in Frühpension gehen müsse, weil ihn die „Gfraster“-Kinder so ärgern und ein „Burn-out inzwischen Regel und nicht Ausnahme im Lehrkörper“ sei. Die Österreicher billigen übrigens rund 180.000 Menschen zu, wirkliche „Schwerarbeiter“ zu sein, in der Eigenwahrnehmung halten sich aber 1,2 Millionen für Schwerarbeiter, öffentlichkeitswirksam allen voran Sicherheitswachebeamte, Kriminalinspektoren oder Spitalsärzte.
Problematisch ist, dass in Österreich eine – durchaus verständliche – muffelige Unterschichten-Kultur von Erschöpfung und demoralisierter Arbeitsflucht einer Minderheit auch für breiteste Mittelschichten, bis in die privilegiertesten Nischen des geschützten Sektors hinein, stilbildend wurde.
In anderen Ländern ist eher eine Kultur der Lebenskünstler und der Selbständigen, Freiberufler, Künstler, Gelehrten und Unternehmer prägend – alles Berufe, in denen man meist viele Jahre länger, oft bis ans Lebensende arbeitet. Bürgerlicher Fleiß und proletarischer Schweiß gelten unseren neo-feudalen, aristokratischen Werten kultivierten Müßiggangs als verächtlich. Wir haben die von Beveridge, dem Erfinder des Wohlfahrtsstaats gegeißelte „Idleness“ ohne viel Kultur kultiviert und gehören inzwischen über 48 Jahre im Leben zu jenen, die Karl Renner abhängige „Versorgungsklassen“ nannte. Daher: Wer in Österreich weiterarbeitet, wird von anderen als Trottel angesehen. Und rein ökonomisch betrachtet lohnt es sich ja wirklich nicht. Intrinsische Motivation und Arbeitsfreude sind bei uns zutiefst verdächtig, und was man vielleicht still beneidet macht man laut herunter, nämlich die utopische Aufhebung des Gegensatzes von Arbeit und Muße, anstatt sie für alle anzustreben.



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Samstag, 26. März 2011

Gültige Lebensform

Die patriarchalische Lebensgestaltung auf seinem Landgute war dem Vicomte de Bonald eine gültige Form des Menschseins, um dessen Bewahrung er politisch vergeblich gekämpft hatte, schreibt Robert Spaemann in einem Portrait des (eigentlichen) Begründers der Soziologie.

"Das ist eine wirkliche Familie, deren Haupt - Besitzer oder Bauer - der Vater ist. Er tut dieselbe Arbeit wie seine Knechte, er ißt dasselbe Brot und oft am selben Tisch.

Dieser Betrieb nährt alle, die er geboren werden läßt. Er hat Arbeit für alle Altersstufen und für beide Geschlechter; und die Greise, die keine schwere Arbeit mehr tun können, beenden ihre Laufbahn, wie sie sie begonnen haben, und behüten ums Haus herum die Kinder und die Herden."




*260311*

Donnerstag, 24. März 2011

Einmal wird es schön

Eigentlich beginnt das Leben ja erst in der Pension. Vorher? Ein unentwegter Horror. Ist nicht immer alles dasselbe? Zeit? Nur die Wiederholung des stets gleichen. Wäre da nicht die Hoffnung, daß es eines Tages schön wird. Wenn anderes beginnt.


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