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Freitag, 29. Oktober 2021

Auch ein begrüntes Straflager ist keine Sommerwiese (2)

Warum heute allgemein geglaubt wird, daß es alles für alle und überall gibt. Und warum das alles nichts ist. Aus einem Kohlenkeller wird aber niemals ein Barockschlössel - so gut Sie ihn auch gießen. Und: Zum Archetyp China, et al. - Damit ist jedem Gedanken die Grundlage entzogen, der da "fließende Grenzen" rationalisieren soll. In der ein Ding nahtlos in ein anderes übergeht, alles Dasein, alle Dinge also nur GRADUELL sind. Als Zwischenphase auf einer langen Skala, die vom Kieselstein am Grund des Marianengrabens über die Fenchelknolle im Glashaus von Puerto Romadur, den Audi Quattro Bj. 1998 vor der Garage eines Geheimdienstlers in Kuala Lumpur, den Suppenlöffel des Eskimo, aus einem Stück geschnitzt aus dem Zahn eines Narwals, dem Bono Bono in den Palmenölplantagen Sumatras, und dem Würstelstandbesitzer im Wiener Prater (Prado=Wiese; ein Rest von Spanien weht immer noch über der Karlskirche, diesem Präzisionsausdruck des WAHREN DRITTEN ROM).

Damit GIBT es gar kein Ding, kein Etwas, alles könnte alles sein, und daß das nicht so ist, ist Zufall. Aber das Zeug dazu, das hätte es. So und nicht anders ist das Weltbild des Evolutionisten, er weiß es nur nicht.

Damit ist ein Ding auf immer und ewig das, was ihm als Idee vorausgegangen ist. Und das dann - normalerweise müßte man sagen: Aus Liebe, was zu begreifen bei Australien wirklich schwerfällt, obwohl man es irgendwie und irgendwo auch dort so sagen muß: Irgendeiner, der mit seiner Ausformung zum Land mit Begriff und Namen (in das dann die Aborigines eingegliedert wurden, denn die HATTEN kein Land) maßgeblich zu tun hatte, muß diesen Subkontinent geliebt haben - seine Existenzsäulen bedeutet. Seine Grundgrammatik, die alles formt, was auf den Fundamenten aufgerichtet wird. 

Da kann man nicht einfach so wechseln, sodaß ab morgen und per Deklaration die Strafkolonie ein freier Staat wäre. (Solch ein Übergang wäre nie ein Übergang, sondern die mehr oder weniger kleine Kluft ZWISCHEN ZWEI DINGEN, zwischen Tod und Beginn, sozusagen, und zwar TOTALER Beginn, nicht "Neu-Beginn", oder "Reform", wie man es sich nach einer Beichte vornimmt. 

Donnerstag, 28. Oktober 2021

Auch ein begrüntes Straflager ist keine Sommerwiese (1)

Weil Leser T schrieb und eine Frage stellte, die vielleicht auch anderen in einem Kämmerchen ihres Herzens herumspukt, noch einmal eine Replik auf Australien und das Thema, das dort eigentlich berührt war. Berührt, weil ich hier Australien als "Strafkolonie" bezeichnet hatte. Ob das nicht ein bißchen übertrieben, blutleer sei. Australien sei doch ein hochmoderner Staat, demokratisch, und nur, weil es jetzt in der Covid-Geschichte "ein wenig überzieht", könne man doch nicht so tun, als hätte sich der Charakter des Landes nicht geändert. T verwies auf einige Australier, die er persönlich kenne, und sogar im Gegenteil "sehr freidenkerische Menschen" seien, die sich kein Blatt vor den Mund nähmen.

Mich hat das nachdenklich, und dann fast ein wenig besorgt gemacht. Nicht nur, weil es in diesem scheinbar modernen, kapitalistischen, reichen, freiheitlich lebenden Australien einige weitere Merkmale gibt, die auf einen Staat deuten, der in seinem Gestus dazu neigt, zu diktieren. Und seine Bürger so zu behandeln, wie man eben nur Häftlinge behandelt. Man denke an die "Energiewende", wo Australien seine aus Rohstoffen geschöpften Gelder mit einer kaum zu glaubenden "Großzügigkeit" in Speicherlösungen verpulvert hat, die nur Kopfschütteln hinterlassen. 

In einem Land, das in diesem Bereich noch zahlreiche weitere Absurditäten geliefert hat, sodaß regelmäßige und großflächige Stromausfälle keine Seltenheit mehr sind. "Aber der Mann von Welt genießt - und schweigt." Wozu es nicht unbequem ist, auch die Medien zu besitzen. 

Montag, 27. September 2021

Nie mehr gewesen als eine Strafkolonie

Die Australier stehen vor einer seltsamen, bedrückenden Wiederholung ihrer Geschichte, die aber in vielem lediglich die Kontinuation einer Praxis ist, die das Wesen Australiens im Rahmen seiner Beziehung zu England seit der Gründung der Kolonie ausmacht. Wenn auch Australien heute keine offizielle Kolonie mehr ist, könnte man den Eindruck haben, daß alles, was sie in den letzten 100 Jahren erlebt haben, nur eine Art Gefängnisurlaub gewesen ist, der vor allem der Illusion diente, für militärische Dienste für England die Hoffnung auf Freiheit nicht ganz begraben zu müssen. 

Aber in seiner inneren Natur hat sich nicht viel geändert, das zeigt sich jetzt im Zuge der Corona-Hysterie. Sobald es der (englischen) Obrigkeit gefällt, werden die Aussies wieder in ihre KZs, Lager und Hausarreste verbannt. Vor deren Türen die Kopfjäger, brutalen Wächter und skrupellosen Polizisten stehen, die sie bei Ausbruch aus ihrem Gefängnis sogar mit Hubschraubern verfolgen und skrupellos niederknüppeln.

Impf-Unwillige werden gejagt und gestellt
               (Straf-)Quarantäne-Camp in Australien                  
Sie finden sich also zurückgestuft auf das, was sie für die Engländer, die sich auch in Australien als Oberschichte begriffen und sogar die Fauna bedenkenlos ruinierten, im dem sie etwa Kaninchen aussetzten, um schöne Jagdbedingungen zu haben (heute sind die Kaninchen eine der schrecklichsten Plagen, neben anderen, sämtlich ebenfalls durch Eingriffe der Engländer ausgelöst), immer waren: Bewohner einer Strafkolonie, mit der die britische Obrigkeit ihr Sozialprobleme gelöst hat. 

Samstag, 15. Dezember 2018

Die stille Invasion der Welt (3)


Teil 3)




Es ist die alte Geschichte der totalitären Großreiche, von der unsere Geschichtsbücher voll sind. Und der Zentralismus begann überall mit ... wirtschaftlichen, vor allem aber infrastrukturellen Verbesserungen, von denen "alle" profitierten. Was früher Bewässerungssysteme oder Überlandstraßen waren, sind heute Häfen, Elektrizitätswerke (Solarstrom! zu dem die Paneele fast zur Gänze in China hergestellt werden), und "neue Seidenstraßen". China braucht dazu keine Gewalt. Es kann in aller Ruhe die Geneigtheiten unserer eigenen Verblödetheit nützen. Bis wir unseren Schlächtern die Füße küssen, weil sie unsere Absichten sogar noch leichter erreichbar machen. 

Wer hat hierzulande denn (außer dem VdZ) wenigstens ein bißchen in den Schriften von Mao Dse Dong gelesen? Wer hat hierzulande je geglaubt, daß das Verschriftlichte jemand ernstnehmen könnte, weil wir es ja selber nie (und zwar mit Grund) ernstnehmen? Wem ist es eine Aussage, daß das Chinesische in völligem Gegensatz zur rationalistischen Schrift des Westens eine ganzheitliche Symbolschrift ist, und immer war, also gewissermaßen die Schrift vor aller Schrift wie wir sie kennen, die ohne persönliche Intervention, ohne Gesprochenheit, damit ohne Zuwendung zum Sinn gar nicht denkbar wäre, weil sie sich nie vom Nomos, dem logos, der vorgefundenen Seinsordnung lösen kann? Wer könnte aber besser lügen als der, der gar nicht weiß, daß er lügen kann?

So ganz nebenbei noch gesagt, wir werden hier sicher noch mehr darüber berichten: Daß Australien als "von Verbrechern besiedelt" gilt, ist eine der vielen und üblichen Verleumdungen britischer Geschichtsschreibung, die in erster Linie zu einer Schönschreibung des britischen Brutalo-Kapitalismus umgewandelt wurde.

In Wahrheit wurden hier unter oft unfaßbaren Bedingungen (mit riesigen Opferzahlen) zu Zehn-, ja Hunderttausenden seit 1788 unliebsame, potentiell "revolutionäre" und aus naheliegenden Gründen rebellionsgeneigte Bevölkerungsschichten entfernt, buchstäblich, und das auch noch mit abscheulicher Brutalität. Denn die britische Krone wollte angesichts ihrer Unterdrückung der Iren und Schotten nichts riskieren. Also wurden Menschen für Vergehen kriminalisiert, die man bestenfalls als "unerwünschtes Betragen" einstufen könnte. Oder arme Teufel, die Mundraub begingen um überhaupt zu überleben, zu Schwerverbrechern stilisiert und "verbannt".

Das geschah nicht ohne zu schauen, ob die "Expatriierten" eine Handwerks- oder ähnliche, nützliche Ausbildung hatten, um im Streben nach einer tributfähigen, das Imperium erweiternden Kolonie einsetzbar zu sein. Auch die Geschichte des modernen Australiens ist ursprünglich und in weiten Teilen die Geschichte britisch-kapitalistischer Unmenschlichkeit, wie sie seit dem frühen 16. Jahrhundert unter Heinrich VIII. begann - und damit der Geschichte von weißen Sklaven durch weiße Herren. Klar, auch die englischen Gefängnisse wurden entlastet, und zwar um wirkliche Schwerverbrecher. Aber der Großteil der heutigen Australier hat sehr achtbare Vorfahren.








*Literaturhinweis: "The Silent Invasion" von Clive Hamilton. Der an sich linksliberale Journalist und Universitätsdozent hat 2016 Mißtrauen geschöpft, als er entdeckte, daß bei den Provinzwahlen in Neu-Süd-Wales BEIDE angeblich widerstreitende Parteien von chinesischen Geldgebern finanziert wurden. Also begann er nachzuforschen. Was er entdeckte haute ihn vom Hocker. China beeinflußt mittlerweile in offensichtlich geplantem Ausmaß die gesamte australische Gesellschaft.





*151118*

Freitag, 14. Dezember 2018

Die stille Invasion der Welt (2)

Teil 2)



Vor einer direkten militärischen Invasion muß man keine Angst haben, meint der Chinese im Interview. Er verweist auf die Geschichte. Die Chinesen sind immer sehr an ihr Land gebunden, haben nie direkte Expansion etwa durch militärische Intervention betrieben. Aber hier sind sie zu allem entschlossen. Und berufen sich auf den historischen Nomos (als innere Ordnung eines Raumes, der alles äußere, politische folgt) wenn sie den ost- und südostasiatischen Raum als IHRE Einflußzone betrachten. Somit gewinnt die in chinesischen Schulen gelehrte historisch belegbare Wahrheit großen Wert, daß es die Chinesen schon vor langen Zeiten waren, die Australien entdeckt haben. Nicht die Europäer. Nicht England im 17. Jahrhundert.

Plötzlich beginnt auch die Tatsache neues Gewicht zu erlangen, daß Kalifornien archäologischen Funden gemäß mindestens seit dem 16. Jahrhundert von chinesischen Schiffen angesteuert worden war. Noch vor den Spaniern also. Der gesamte Pazifik wird damit möglicherweise zum chinesischen Binnenmeer. Topographisch spricht sogar vieles dafür. Vieles spricht damit für eine solchartige Interpretation heutiger chinesischer Außenpolitik.

Die, wie gesagt, historisch gesehen nie aggressiv-expansiv war. Aber immer auf das "Eigene", den naturgegebenen Nomos (als seinsbezogene Raumordnung - Sein als Seiendes, anders ist das Paket nicht erhältlich, will es nicht reines Gedankending bleiben, ergibt ja erst Raum; erst so wird übrigens Heidegger überhaupt verständlich, ohne sicher sein zu können, daß Heidegger selbst es so verstand) Bezug nahm. Der chinesische Globalismus hat somit eine eigentümlich "nationale" Färbung. Ein Land, das die Welt beherrscht, ja dem die Welt "gehört", deren Mitte es ist, hat nämlich keine Grenzen mehr. Die Welt selbst wird "chinesisch", capisce?

Und aus eben derselben historischen Raumordnung heraus ist auch das Südchinesische Meer (ein seit Jahren schwelender offener Konflikt) als rein chinesischer Machtraum zu verstehen. Ist zu verstehen, daß es heute überhaupt einen Streit darum geben kann (mit Japan, den Philippinen, Indonesien, Vietnam), ist, nach chinesischer Lesart nur auf die demütigende Situation zurückzuführen, in die China durch Mißwirtschaft, Korruption, aber nicht zuletzt europäisch-imperialistische Einflußnahme ab dem 19. Jahrhundert geriet.

Das wird heute kräftig korrigiert, und das will der Chinese auch so. Also werden aber auch die Einflußnahmen Chinas in diese Länder als "historisch nachweislich legitimes Recht" betrachtet.* Und dessen Durchsetzung erlaubt alle Mittel. Auch die der Lüge, der pragmatischen Lüge. Selbst Chinesen sehen ihre Mitbürger als Menschen, die ähnlich den Juden, ähnlich den Muslimen dazu tendieren, zu lügen, um den anderen im Handel geschickt und mit List zu übervorteilen.

In einer Welt, in der die meisten Staaten an internen Konflikten ersticken, in dem die Einheit der Völker durch Migration und "Vielfalt" auseinanderbricht, kann das unter kommunistischer Doktrine, die dem inneren Wertgefühl der Chinesen so entgegenkommt, das gewaltsam geeint gehaltene China eine Kraft entwickeln, die uns in zehn Jahren möglicherweise wie aus einem bitteren Traum aufwachen lassen wird. In Australien und Neuseeland hat man gegen diese "stille Invasion", in der sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens bereits unterwandert sind, zu reagieren begonnen.

Wieweit so manche der Entwicklungen, die wir heute in Europa bzw. im Westen erleben, bereits heute Frucht chinesischer uralter Strategie und Taktik ist, möge der Leser selbst beurteilen. Aber die Auffälligkeit, mit der so vieles bei uns mit eben diesen uralten Weisheiten des "Reichs der Mitte" übereinstimmen, sich deshalb als strategische Mittel der Schwächung des Gegners sehen lassen könnten, ist frappierend.  China kann seit Mao Kräfte konzentrieren, von deren Stoßkraft der individualistische, zerfallene Westen nur träumen kann.


Morgen Teil 3)





*151118*

Freitag, 2. März 2018

Kollegialität vor Wissenschaft

Der australische Universitätsdozent und Korallenexperte Peter Ridd hatte etwas herausgefunden. Er war den Katastrophenmeldungen über das angebliche Korallensterben gefolgt, die die angebliche Klimaerwärmung verursache, und stellte fest, daß sie überhaupt nicht den Tatsachen entspreche. In Wirklichkeit ist mit den Korallen alles in Ordnung. Und wo man von Bleiche u.ä. spricht, handelt es sich um ganz normale Absterbe-, Regenerations- und Anpassungprozesse, wie sie seit je bekannt sind. Warum aber diese Katastrophenbilder? 

Ridd fand heraus, daß praktisch sämtliche beteiligten Institute lügen. Sie verwenden irgendwelche Einzelbilder, um damit ihre Hauptthese - das katastrophale Korallensterben - zu "belegen". Ein Verfahren, das ja beileibe nicht neu ist. 

Die Reaktion der Universität an der er lehrt war aber erstaunlich. Anstatt ihn zu belobigen, daß er der wissenschaftlichen Forschung alle Ehre gemacht habe, wurde er streng gerügt und an der Publikation so mancher seiner Arbeiten gehindert. Argument? Er handele nicht "kollegial". Er handele nicht im Einklang mit den übrigen "wissenschaftlichen Forschungsergebnissen". Fachlich war ihm nicht zu widersprechen.* Also bekämpfte man ihn nun auf andere Art. 

Aber der Mann gibt nicht auf. Und kämpft nun um seinen Ruf. Und um die Ehre der Wissenschaft. Dazu gehört, daß er auch eindringlich warnt: Praktisch alle Forschungsinstitute, die da vorgeben mit Korallen zu tun zu haben, geben bewußt falsche Informationen an die Öffentlichkeit.

Übrigens: Es berührt dasselbe, das an dieser Stelle schon oft im Rahmen von Überlegungen zum Künstler zu lesen stand. Nämlich - die "Figuralität". Auch ein Wissenschaftler darf niemals - niemals! - Figur werden. Er darf einzig um Wahrheit bemüht sein. Und dazu muß er aus jeder verbindlichen Solidarität ALS WISSENSCHAFTLER heraussteigen. Die Katastrophen, die eine andere Haltung immer wieder hervorgerufen haben, sind dem Leser gewiß bekannt.







*Der VdZ kennt genau das auch aus seiner Zeit bei der Diözese St. Pölten, wo es auch bei seiner Kündigung 1995 hieß: Naja, fachlich kann man ihm nichts vorwerfen, aber menschlich verhält er sich völlig unkollegial. 






*070218*



Freitag, 3. November 2017

Werde nicht so wie Dein Vater

Die Geschichte, die sich in Australien zutrug, nein, die dort an die Öffentlichkeit kam, ist schrecklich. Da hat eine Mutter ihren erst noch dreijährigen Sohn, gemeinsam mit ihrem nun neuen Bettgenossen (Stiefvater, nennt es die Zeitung) diesen Buben über zwei Monate hin furchtbarst maltraitiert. Und schließlich so schwer mißhandelt, daß das Kind verstarb. Zu den "Strafen", mit denen der arme Bub "erzogen" wurde, gehörte u. a., daß er in eine Tiefkühltruhe gelegt wurde. Irgendwann war es zuviel, das Jünglein verstarb. 

Was aber war der Grund, warum die Mutter - die anderseits ja auch vor Gericht meinte, sie haben den Buben durchaus auch lieb gehabt - ihr Kind umgebracht hat, oder zuließ, daß es ihr neuer Bettgenosse tat? Sie habe in dem Buben, der seinem leiblichen Vater (und ersten Ehemann) der Frau so ähnlich gesehen habe, eben ihren "bösen" Ex-Mann gesehen. Der Dreijährige, der seinem Vater angeblich sehr ähnlich sah, war das Symbol für diesen einst geliebten, nun gehaßten Mann, er war der Sündenbock, an dem sie alles ausließ, was sie ihrem ersten Mann antun wollte.

Nun könnte man meinen, es wäre ein Einzelfall. Aber der VdZ hätte ihn nicht aufgegriffen, wenn er darin nicht das Verhaltensschema so vieler Frauen sähe. Nur wird es meist nicht so explizit, so leicht erkennbar. Lieblosigkeit als Form der Auslöschung des Daseins des anderen - und sei es durch klare Fehlleitung - ist selten, weil meist nur schwer erkennbar und bestens verschleiert. Ja, vor allem das.

Aber nicht zuletzt ist der VdZ selber mit dem Paradigma aufgewachsen, das da über seiner gesamten Herkunftsfamilie lastete, und auch dort nicht "erfunden" worden war, sondern schon seine Wurzeln in der weiteren Vergangenheit hatte: "Werde nur nicht so wie Dein Vater!"

Sämtlich Frauen, die nicht damit leben können weil wollen, daß sie sich im Eheschluß der Identität des Mannes einfügen. Die nicht mit Schuld und Verdankung umgehen können. Die in den Kindern vielmehr Objekte sehen, sich an dem Mann zu rächen, ihn zu demütigen, als Ersatz für geschuldete Dankbarkeit, als Ablösung von Schuld.

Im Kind aber lebt diese Schuld ständig fort, es wird zum lebendigen Gewissen. Dabei ist ein Wesen, dessen Existenz von einem abhängt, "geeignetes" Objekt von Rache. Das über den Vater in die Welt kam, ohne Vater als Ursache also nicht denkbar ist. Doch werden sehr viele Frauen nicht damit fertig, daß eben diese Ursache auch Zielpunkt ist. Die Geschichte geht zurück auf den Ursündenfall im Paradies. Denn wer sein will wie Gott, erträgt keinen Gott außerhalb seiner selbst. Wo die Frau nicht den Mann als Anschluß an die Ewigkeit, die Transzendenz begreift, wo sie sich - frei nach Luther - in direktem Konnex mit dem Ewigen sieht, nein, wo sie diesen "Gott" in seiner menschlichen Angreifbarkeit erkennt, wo sie ihr Erleben von Macht (denn die Schöpfung hat dann am meisten Macht, wenn sie sich von Gott abwenden kann; dort erfährt sie sie) explizit machen will, kann sie ihn auch ersetzen. Muß dazu aber die Erinnerung an diese Abhängigkeit auslöschen. 

Frauen die ihre Kinder töten, um darin den Mann, den Gott zu töten, das ist der Allgemeinpunkt, an den der VdZ anknüpft. Wie alltäglich das ist, haben wir ebenso vergessen wie die alten Griechen, die um diese Verknüpfungen noch sehr gut wußten. Nicht nur hängt das Wohl und Wehe der Welt an den Frauen. Sie sind oft auch die Mörder ihrer Kinder. Nicht nur, wenn es einmal so explizit wird wie hier in Australien.

Das als Deutung der Geschichte des 20. Jahrhundert vorgestellt werden könnte, ja eigentlich gar müßte, denn es wird sonst nicht verständlich: Als Jahrhundert der Rache an den Männern, an den Vätern. Indem die Frauen ihre Kinder nicht mehr an diesen auszurichten begannen. Denn das ist der eigentliche Tod der Kinder. Es ermordet ihre Seelen.





*151017*

Montag, 2. Oktober 2017

Wenn Universitäten der Wahrheit absagen (2)

Teil 2) Das muß natürlich so sein. Heute.
Denn die Wahrheit ist dem Heute feind.




Was an der Universität von Sidney nun programmatisch wird (und sie ist in diesem Ansatz beileibe nicht alleine, auch Universitäten in den USA, England und Deutschland sind bereits Schritte in dieselbe Richtung gegangen, unabhängig davon, daß dieses Denken einer "Nicht-Wahrheit" bereits so weitgehend in die Köpfe der heutigen Menschen eingezogen ist, es war also nur eine Frage der Zeit, bis es sich in diese Institutionshöhen aufschwang) hat eine zwingende Folge: Die Wahrheit selbst wird zum Feind erklärt. Es genügt nicht, eine neue - relativistische, nur dem Zeitgeschmack unterworfene, damit aller Logik und Inhalte entleerte "Wahrheit" zu konstituieren, wie immer man sich das vorstellen mag -  sondern die Wahrheit wird zum Feind. Und dazu muß man alle Überlieferung aus den Köpfen der Menschen ausmerzen. Dazu werden die Studenten analysiert, um alle Reste von Wahrheitsdenken in den Köpfer auszulöschen, denn Wahrheit wird zum "bullshit", dessen es sich zu entledigen gilt.

Professor Nick Enfield and his team are fighting the war against deception through the Post Truth Initiative. By bringing together political scientists, academics and researchers to examine legitimacy and fraud, they run public forums on the problems created by scientific fraud and explore why people are convinced by stories, but not by facts.
They're also building a "Bullshit Detector" -- a computer capable of analysing speeches, articles and even tweets to tell if someone is being deceptive.

So soll jeder Student (bzw. jeder Mensch) aus seinem Überlieferungsrahmen herausgelöst werden, der zum Unterdrückungsmechanismus erklärt wird. Das richtet sich direkt gegen die menschliche Konstitution, ein neues Menschenbild liegt dem zugrunde, in dem sich der Mensch die Wahrheit selber geben soll (und muß). Damit muß er sich einer Gehirnwäsche unterziehen, ähnlich wie es kommunistische Systeme (man denke speziell an die Chinesische Kulturrevolution, die dies unter Millionen Opfern vorzunehmen versuchte) um sich zu "deprogrammieren". Das also, was er von seinen Eltern, dem gesamten Fundus seiner Kultur übernommen hat, auslöschen. 

Aber das genügt nicht: Es muß verhindert werden, daß diese "Reste eines überholten Wahrheitsbegriffs" sich wieder melden, wieder in die Köpfe der Menschen eindringen kann. Dazu braucht es ein möglichst perfektes Netz an emotionaler Einbettung. Diese Deprogrammierung wird deshalb von zwei Seiten her angegangen: Zum einen wird alles Übernommene verleumdet und emotional auf die Seite des Bösen, Schlechten und Unwahren verschoben, und zum anderen wird die Annahme der neuen Wahrheitsdefinition (deren Merkmal die absolute Undefinierbarkeit ist) in ein dichtes Netz der Belohnung eingeflochten. Wer bereit ist, den Wahrheitsbegriff zu stornieren, der wird durch Anerkennung, "Liebe", Geltung und sozialem Aufstieg, vor allem aber mit dem Etikett "Gutheit" belohnt.

Intellektuell wird dies (als Wortgeflecht, das nicht mehr durch Logik, sondern einfach durch Behauptung geknüpft ist) durch eine Reihe von völlig leeren Begriffen verankert, mit Zielen, die es angeblich zu erreichen gilt und die in eine Wolke eingehüllt, aus der sie sich dem Menschen zuneigen, vor allem eines verheißen: Man wird (endlich) Mensch, die Welt wird endlich besser, weil man alles zu verstehen beginnt. In den "The Sydney Undergraduate Experience" finden sich diese Versprechungen:
 - gain a deep understanding of your chosen disciplines of study and learn from those who are leaders in their fields
- set yourself up to go anywhere in the world by gaining the skills and understanding to work effectively across cultural boundaries
- study across or work with other disciplines to build your skills and tackle some of the most complex challenges of our time
- bridge the gap between theory and application by working on real-world industry, community, research and entrepreneurship projects.

In diesen paar Zeilen ist das Programm des neuen guten Menschen definiert, sie bilden auch das Fundament der political correctness. Die auf jede Wahrheit und Logik verzichtet, sondern ihr die Gutheit vorschiebt, die zukünftig bestimmen soll, was und wie "zu denken" ist. Diese neuen "Werte" sind selbst jeder Logik enthoben, sie beziehen ihre Richtigkeit (ALS neue Logik) einem rein zeitbedingten Wertegefühl, das sich selbst beweist: Was gut ist muß auch richtig sein, und richtig ist, was gut ist. Alles andere Denken und Logik wird eliminiert, Werte haben  mit Logik nichts mehr zu tun. Was zu tun ist ergibt sich nicht mehr aus der Wahrheit und der Wahrheit über eine Sache, sondern aus einem nebulosen Werteempfinden.

Damit gibt der Mensch auch die Freiheit auf. Sie wird unwichtig, bestenfalls zum Rahmen der Willkür umdefiniert, vor allem aber zu einem Tun, das jeder Vernunftschranke entledigt ist. Wer aber ohne Wahrheit zu denken, zu leben versucht, wird keineswegs von einer absoluten Wahrheit befreit. Denn auch diese neuen Behauptungen sind ja absolut. Es wechselt also nur die Quelle der Offenbarung. Die im besonderen die Eltern und die überkommene Kultur war. Weil aber ohne Verankerung in einer absoluten Wahrheit kein Mensch auch nur einen Tag zu leben und zu denken vermag, es also letzte Gewißheiten braucht, wird damit die Menschheit der Willkür neuer Offenbarungsquellen ausgeliefert.

Diese sind dann nicht mehr wahr im vollen Sinn, wären also von jedem Menschen auch selbst nachvollziehbar - und das sind sie kraft der Logik, kraft der Widerspruchsfreiheit, die jedem Menschen vollen Zugang zur Wahrheit gibt (so wenig sie ausschöpfbar ist, es ist also immer nur eine Annäherung) -  sondern genau so relativ, wie es subjektive Gefühle sind. Und diese sind spielend leicht manipulierbar. Ja mehr als das. Wer sein "Denken", das zu einem bloßen "Rechthaben" wird, in seinen Befindlichkeiten verankert, wird sehr rasch von seinen Leidenschaften beherrscht. Er wird zum Sklaven seiner selbst, wird zum Spielball der Anregungen, die ihm begegnen. Er fällt auf sich zurück, stellt sich gewissermaßen aus dem die Welt eigentlich treibenden Netz der Wahrheit, Logik, Widerspruchsfreiheit heraus, und reduziert sich mehr und mehr auf sich und seine Gefühlswelt. 

Solche Menschen sind ideal beherrschbar. Denn sie kümmern sich immer weniger um die wahren Sachverhalte der Welt - und diese sind es, über die sich Sein offenbart, "gibt", wie Heidegger es einmal formuliert, das Seiende ist also immer ein Gegebenes des Seins, im Sachverhalt - sondern nur noch um subjektive, zufällig und flüchtig aufsteigende Gefühle. Damit erreicht man, was man auch heute beobachten kann: Die Menschen kümmern sich immer weniger um die wirklichen Grundzüge der Politik, des Lebens, der Welt, sondern um Dinge, die in der medialen Landschaft aufgekocht werden. Plötzlich erklärt dann eine Partei, daß die "Ehe für alle" das wichtigste politische Ziel sei, daß es um sexuelle Befreiung gehe (was nichts anderes heißt als der sexuellen Lust des Augenblicks jede Schranke der Vernunft zu entziehen), daß es um alle möglichen Klimaziele gehe, die für sich in keiner Logik, keiner Vernunft mehr verankert sind, sondern lediglich an das emotional verankerten Ziel der "Weltrettung" (und was könnte wichtiger sein?) angelehnt werden. Was auch immer und immer emotional daherkommt, wird zum neuen Paradigma. Die allesamt die Wirkung haben, daß die Menschen vom Ort ihres Lebensvollzugs, der ihn umgibt wie den Fisch das Wasser, abgezogen werden. Sich mit Dingen beschäftigen, die für ihr Leben keinerlei Relevanz mehr haben.

Dieses Feld eigentlicher Lebensrelevanz wird somit aus der Hand gegeben. Um nach gewisser Zeit eine frappierende Entdeckung zu machen:  Daß das eigene Leben nicht mehr gelingt, nichts von dem was man noch als Ziel einmal erkannt haben könnte, erreichbar wird. Vielmehr liegen alle Gründe und Mechanismen des Erreichbaren, des zu Erreichenden außerhalb - bei anderen, bei großen Weltvorgängen, vor allem aber: im Denken "anderer", die durch ihr antiquiertes, falsches Denken als Denken entlang einer Wahrheit den Fortschritt be- und verhindern. Das eigene Scheitern, das Vorbeigehen an der Lebensgeglücktheit, wird zum Opferfall, zum Delikt anderer. Und je mehr das Scheitern sich offenbart, desto vehementer wird die Schuld auf bestimmte Menschen und Anschauungen gerichtet. Dies hat natürlicherweise keine Grenzen. Deshalb führt diese Haltung völlig selbstverständlich in einen Totalitarismus, in dem keine Vernunft mehr zählt, sondern nur noch Emotion, die vom Schmerz des eigenen Scheiterns am eigenen Leben immer weiter befeuert wird als der Mensch bemerkt, zwangsläufig bemerkt, daß er in diesem Verzicht auf Wahrheit eine subjektive Schuld begeht - denn in seinem tiefsten Grund läßt sich kein Mensch letztendlich düpieren. 

Er weiß sich (ohne daß er es "weiß") und die gesamte Welt in die Wahrheit selbst eingebunden, ja von ihr getragen und sogar konstituiert. Wer nicht der Wahrheit gemäß handelt und denkt, wird in allem, was er tut, immer an den Sachverhalten scheitern. Um das zu verbergen, versucht er nun - und genau DAS geschieht heute, genau DAS sind die Hintergründe - die Wahrheit ihrer Relevanz zu berauben. Er erklärt, daß es sie nicht gibt. Was in ihm als "Gewissen" (gewiß ...) aufsteigt, ist nur noch Relikt alter Systeme der Suppression, der Unterdrückung, der Herrschaft. 

Daß er damit das Wesentliche aufgibt, das den Menschen überhaupt trägt, die Herrschaft über sich selbst, in der er erst frei sein kann (weil er seiner Vernunft gemäß, damit erst auch der Logik gemäß zu handeln vermag), wird ihm noch zusätzlich dadurch genommen, als ihm (ohne jede Verankerung in Logik, denn diese Erklärung der Aufklärung, von Rousseau prototypisch für heute, zum Menschenbild erklärt) der Mensch als automatisch zum Guten werdend erklärt wird. Wenn das nicht geschieht, muß es also Schuldige geben. Andere, die an ihm verbrochen haben. Und das ist - die Kultur. Denn der Mensch ist zutiefst und wesensgemäß Kulturwesen. Also wird die gesamte Menschheit gut, wenn man alle überkommene Kultur über Bord wirft. Und vor allem: die Wahrheit.

Es stehen sich also zwei Menschenbilder gegenüber, die unvereinbar sind. Das eine orientiert sich an der Wahrheit, die es geben MUSZ, selbst wenn man an ihr immer nur bruchstückhaft teilhaben kann, indem man den eigenen Intellekt am Sachverhalt ausrichtet, diesem gleichzuformen versucht - ein sittlicher Akt, der sich jeder Prüfung durch Verstand und Logik unterwirft, weil erst diese ihn zur Geglücktheit führen kann. Einer Geglücktheit, die aber aufgrund der Irrtums- und Fehleranfälligkeit des Menschen immer nur zum Teil möglich ist.

Der Grund dafür liegt in dem, was jeder Logik letztlich zugrundeliegt: in der Religion, dem eigentlichen Tragegrund der Welt, dem Nährboden jeder Logik im übrigen. (Was das Wesen des Katholischen ist. Die heutige Bereitschaft zur Unlogik hat also seine Wurzeln in einem Versagen oder Verdämmern der Kirche, ist Produkt eines Kirchenkampfes.)

Das andere bezieht seine Werte und Ausrichtungen am Leid der Welt, an der persönlichen Leiderfahrung. Es ist eine Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt, vorausetzt was sie zu beweisen behauptet, und darin einer Utopie nachjagt: Der Utopie einer heilen Welt, eines Paradieses, das seinen Maßstab in sich trägt: in subjektivem Glück und vor allem Wohlgefühl. Weil es darin aber zwangsläufig Leid hervorruft, und zwar zumindest das Leid der Verfehlung der Welt als Verfehlung ihrer Sachverhalte, die sich dem utopisch Gesollten nicht und nicht beugt, muß es immer noch radikaler alles ausrotten, was diesem Vollkommenheitszustand offensichtlich weil erlebbar entgegensteht. Und das ist zuallererst die Wahrheit, das ist zuallererst - die katholische Religion.

Was sich in Sidney zeigt ist also nichts Neues, alles das ist längst aus der Geschichte bekannt. Es ist aber ein Menetekel des neuen Totalitarismus, der sich ohne daß wir es recht gewahr werden erhebt. Und zwar weltweit. Es ist die Absage an die reale Verfaßtheit des Menschen, der sich selbst und die Wahrheit als tragendes Grundnetz und Quelle der Welt verdankt (Heidegger), Wahrheit also empfängt, und zwar vom ersten Moment seines Daseins an, im speziellen ab dem Moment, wo er beim Namen genannt wird, dem konstituiven Moment seines Menschseins als Vernunftwesen, das ein Dasein in Identität bedeutet. Und es ist das Menetekel eines totalen, weltumspannenden Kampfes gegen jenen Gott, der die Wahrheit selbst ist - Jesus Christus, dem Namen aller Namen.

Denn nur in einem Absoluten verankert läßt sich überhaupt erst das vollziehen, was wir als Denken bezeichnen. Ohne absolute Wahrheit ist keine Kommunikation möglich, wird Kommunikation zum zufälligen Produkt einer "Übereinkunst", die letztlich nur durch Zwang möglich ist und den Menschen damit seiner Freiheit beraubt, ihm den Selbststand nimmt, und ihn jeder beliebigen Macht, die dem Gesetz des Stärkeren folgend herrscht, unterwirft.

Wer meint, das durch rein subjektive Wahrheiten ersetzen zu können, als Konstrukt (wie mit Wittgenstein behauptet wird), wirft den Menschen ins Nichts der verzweifelten Ungewißheiten, und macht jedes Denken unmöglich. Denken wird so zum reinen, ungeordneten und ounordenbaren Wortsalat. Wer aber auf das Denken verzichtet, verzichtet auf das Menschsein, und will es durch einen Traumzustand ersetzen.






(Der 2. Teil wurde rekonstruiert bzw. neu am 2. 10. 2017 verfaßt, nachdem die alte Version entweder einem Bedienungsfehler zufolge "verschwand", oder ... nein, das wollen wir gar nicht fertigdenken.)
*300917*

Sonntag, 1. Oktober 2017

Wenn Universitäten der Wahrheit absagen (1)

Daß man die Logik als Feind des Menschseins empfindet ist heute bereits weit verbreitet. Nun würde darin ja sogar noch ein Funke Wahrheit stecken, denn NUR in (mathematischer) Logik wäre die Welt bei weitem - dimensional, nicht einfach quantitativ - nicht erfaßbar. Vernunft ist eben mehr als Logik, WENNGLEICH auch immer logisch. Die Wahrheit selbst ist der Rahmen, und diese Wahrheit ist halt mehr als "richtig". Sie baut sich also nicht summarisch-quantitativ "von unten nach oben" über "Richtiges" auf, ist mehr, ist dennoch immer auch in seinen Teilen logisch. Aber das zu sehen braucht es ein anderes Menschenbild, als es heute verbreitet ist. Dazu braucht es ein nicht-mechanistisches Menschenbild, das Geist erfaßt, und nicht einfach in Rationalität auflöst. Diesen Geist kann das heutige Menschenbild aber nicht mehr anerkennen. Er ist spätestens seit Descartes reine Rationalität. 

Denn er ist nur begreifbar, wenn der Mensch nicht rein weltimmanent gesehen wird, also sich von einem absoluten, personal dynamischen Geist - Gott, der einen Willen, also Dynamik hat - ableitet. Das bedeutet, daß auch Offenbarung, Gegebenes also, eine, ja die wichtigste Rolle im menschlichen Denken spielt. Denn sie ist (als Referenz-Wahrheit, in der Logik enthalten ist, gewissermaßen) das Licht, unter dem Logik überhaupt erst erkennbar wird. Eigentlich kann man Geist nämlich gar erst begreifen, wenn man die Dreifaltigkeit begreift, sonst wird auch Geist zum dinghaften, nicht mehr logisch, sondern nur noch willkürlich agierenden Gespenst. Dem steht ein Gott gegenüber, der zwar nicht begreifbar, aber nicht, ja der niemals unlogisch ist. Nur übersteigt uns die Logik selbst.

Auf dieser Ungenügendheit des heutigen Vernunftbegriffs aber, der ohne die substantielle, in die Realität in einer Linie und widerspruchsfrei ragende Rolle Gottes auskommen soll, in der sich die Aufklärung wieder einmal selbst in den Schwanz beißt, baut ein Streben auf, das seit Jahrzehnten beobachtbar ist und nun offenbar vor der Etablierung als Norm steht. Das zeigt sich darin, daß vielfach "Moral" über "Vernunft" gestellt wird, also Moralgebote (political correctness) so gedeutet werden, daß sie auch Unvernünftiges gutheißen können oder sogar müssen, wenn es denn dem Moralempfinden entspricht. Damit kommt der Wahrheitsbegriff noch weiter unter Druck, denn Wahrheit wird nur noch bedingte Wahrheit, eine Wahrheit selbst gibt es nicht mehr, sie hat keine Funktion mehr.

An den Universitäten war dies bislang noch eine eher seltene Erscheinung. Aber das ändert sich sehr rasch. Längst spricht man auch an unseren Universitäten von "post-science"! Teilweise (wir haben darüber berichtet) haben sich Universitäten Gebote der political correctness selbst so vorgeschrieben, daß es auf Denkverbote hinausläuft. Denn was logisch ist bestimmt nun nicht mehr die Logik, sondern das Gebot "gut" zu sein. 

Gut wird also vom Sein - in der Einheit des Guten, Wahren, Schönen - getrennt. Das ist der Kern des Problems. Wahrheit wiederum ist die Übereinstimmung von Sache und Intellekt. Wer diese Wahrheit bestreitet, bestreitet die Erkennbarkeit der Welt, macht Erkennen willkürlich und inkommunikabel. Wie tief dieser Widerspruch ist, zeigt schon alleine dieser Satz. Denn auch er wäre nicht verstehbar. Gerade das, was diese Form von relativer Wahrheit beansprucht, wäre dann unmöglich: Übereinkunft (um eines subjektiven Zweckes willen). Nach dem Motto: "Es gibt keine Gewißheit. Das ist gewiß." 

Aber es gibt Gewißheit über die Welt, weil es eine alle Menschen umfassende Wahrheit gibt. Jeder Morgen, jedes Auf-die-Straße-gehen, und jede Reise in unbekannte Länder etwa, jedes Treffen mit vorerst unbekannten Menschen beweist es neu. Macht das Wunder gewiß, daß sich auch mit dem letzten Indianer im südlichsten Zipfel Südamerikas noch kommunizieren läßt. Wenn es eines Beweises für die Wahrheit bedürfte so wäre es genau das: Die Evidenz, daß sich die Menschen der ganzen Welt zumindest in grundsätzlichen Dingen (von denen sich dann kulturelle Spezifitäten ableiten, auf denen sie aufbauen, erst hier kann es längerer Verstehensprozesse bedürfen) problemlos verständigen können. Und die Wahrheit hat eine Form - Sprache. Nicht in der Wahrheit, erst im Umgang damit, in der Stellung zu ihr entscheidet sich dann weitere Kommunikabilität, braucht es Verstehensprozesse, entstehen Verstehenshürden. Immer aber sind sie überwindbar.

Wie weit diese Entwicklung bereits ist überrascht also denn doch, denn sie zeigt, wie weit von der Evidenz heutiges Denken bereits ist (das lustigerweise genau das Gegenteil behauptet). Wieviel an Erfahrung und Wahrnehmung muß man hier bereits ausschließen. 

Und dennoch hat nun die Universität von Sydney (Australien), schreibt William M. Biggs, offiziell das Motto angenommen, daß man die "Wahrheit verlernen" solle. Programmatisch wird aus allen Studiengängen zukünftig die Wahrheit ausgeschlossen. Das geschieht im Namen einer angeblich dann - neu - zu findenden "Wahrheit". 

Aber mehr noch: Überhaupt ist "alles" neu zu lernen. Liebe genauso wie Kriminalität und Verbrechen. Dazu muß man zuerst einmal aber "ent-lernen". Auf ihrer "Unlearn-Homepage" schreibt die Universität:

Why unlearn?
We’re changing the way we teach and how our students learn…
Unlearning is about challenging the established, and questioning the accepted.
It’s not about ignoring what you already know, but it’s about being brave enough to question it and break down old rules so we can write new ones. It’s about looking at things in the context of today, and tomorrow.

Damit soll ein "Post-Wahrheits-Zeitalter" eingeläutet werden. Wahr soll hinkünftig nicht mehr sein, was der Wahrheit entspricht, sich ihr im Denken angleicht und annähert, sondern wahr soll sein, was "einer Zeit, einem Zeitgefühl" als "wahr vorkommt". Und das kann sich natürlich ändern, ja es ist sogar das Wesen dieser neuen Wahrheit, sich zu ändern. Sie wird damit bloß noch zu einer momentan erzählten Geschichte, der der Wittgensteinsche Satz programmatisch verabsolutiert wird: "Die Welt ist was der Fall ist." Wahrheit ist eine reine willkürliche Konstruktion, die an sich nichts mit dem Sein zu tun hat. Denn das Seiende setzt sich selbst sein Sein, das ist der wahre Hintergrund und Widerspruch: Etwas müßte damit sein, bevor es ist.


Teil 2) Das muß natürlich so sein. Heute.
Denn die Wahrheit ist dem Heute feind.







*300917*

Samstag, 26. November 2016

Im Dunklen ist gut munkeln

Am 28. September kam es in einem ganzen australischen Bundesstaat zu jenem "Fall Schwarz", vor dem australische Experten lange schon gewarnt hatten. Denn Stromproduktion und Markt hatten sich immer weiter auseinanderbewegt. Auf Teufel komm raus hatte Südaustralien seine Politik der "sauberen Energie" durchgezogen.

Mehr als vier Stunden lang saßen nun im September 1,5 Mio Australier im Dunklen, gab es keinen Strom für Krankenhäuser, Kommunikationsmittel oder Kühlschränke. Vorhersagbar war es gewesen, weil die Regierung des Bundesstaates immer schärfere Maßnahmen durchgezogen hatte, um Kohle- und Gaskraftwerke abzuschalten und auf Windräder und Solaranlagen zu setzen. Die auch kräftig zunahmen. Es ist eingetreten, was vorhersehbar war.

Was die Regierung den Bürgern freilich verschwiegen hatte war, daß damit nicht nur die Kosten für den Strom sprunghaft anstiegen - was nicht zu verschweigen war: die Preise für die Verbraucher schnellten in die Höhe -, sondern daß die Schwäche des immer fragileren Netzes nur durch immer mehr "heimliche" (Not-)Stromzukäufe aus anderen Bundesstaaten auszugleichen war. Aus Netzen, in denen noch Kohle- und Gaskraftwerke für die nötige Spannungskontinuität sorgten. (Dieselbe Weise übrigens, wie etwa auch das "Vorzeigeland" Kalifornien seine "Poltik der sauberen Energie" durchsetzt - durch massive Zukäufe "schmutzigen Stroms" aus den Nachbarländern, die das eigene Stromnetz stabil halten müssen.) 

Von 2015 auf 2016, nach dem letzten entscheidenden Schritt zur "Dekarbonisierung" durch per Gesetz verordnete Schließung von Kohlekraftwerken, waren Importe wie Interventionen in  bereits sprunghaft angestiegen. Nun war es zu viel. Innerhalb von sechs Sekunden brach an sechs Stellen die Zulieferung durch Windräder um insgesamt 315 MW zusammen. Das Netz kollabierte. Deswegen, das ergab eine Untersuchung, und nicht wegen durch aufgekommenen Starkwind zusammengebrochene Strommasten, wie die Regierung erst erzählt hatte. Es brauchte natürlich die Inbetriebnahme eines Gaskraftwerkes, um die Stromversorgung wieder aufzubauen.

Es ist schon ein Kreuz mit diesem Strom

Elektrizität hat die unangenehme Eigenschaft, daß ihre Herstellung mit dem Verbrauch 1:1 zusammenstimmen muß. Was hier in ein Stromkabel reingeht, muß dort quasi im selben Moment auch wieder raus. Und das zu einem bestimmten Spannungsniveau. Stromnetze (und die darauf abgestimmten elektrisch betriebenen Geräte) vertragen nur sehr geringe Schwankungen. Kommt es zu Über- oder Unterversorung, fällt also ein Teil aus oder liefert er zu viel, schaltet das Netz automatisch ab, um Schäden zu vermeiden. Erst in diesem Teil, und in einer Kettenreaktion bald alles, was dran hängt, wenn nicht händisch interveniert wird. Denn weiter eingespeister Strom sucht Wege, und so kommt es rasch zu Überlastungen einzelner Verbindungsstellen ("Interkonnektoren"). Sie müssen abgeschaltet, die Stromzufuhr gekappt werden, was zu einer Kettenreaktion führen kann. Wie in Australien passiert.

Was ebenfalls keiner sagt ist, daß so ein Netz nur mit stabilen Kraftwerken - also Kohle-, Gas- oder Atomkraftwerken - wieder aufgerichtet werden kann. Denn sie müssen einen stabilen Frequenz-Takt vorgeben, in den dann allfällige volatile Stromproduzenten wie ein drehendes Windrad allmählich wieder einfallen weil "eingetaktet", abgestimmt werden können. Denn keineswegs kann man einfach sein Windradel aufstellen, ein Kabel an den Hochspannungsmasten anhängen, und Strom liefern. Vielmehr müssen die Frequenzphasen (gewiß laienhaft ausgedrückt, aber so ungefähr hat es der VdZ verstanden) einheitlich sein. Also braucht es einen Taktgeber, und der muß stark genug sein, um die Grundfrequenz für so ein Netz vorgeben zu können. Erst im Kleineren, dann immer mehr erweitert. Das erfordert ein starkes, stabiles, gleichlaufendes Kraftwerk, in das alle anderen einfallen. So wird ein großes, überregionales Stromnetz, das einmal kollabiert ist, wieder aufgerichtet. Schritt für Schritt.

Dem VdZ hat es einmal jemand erklärt, so falsch dürfte die Nacherzählung des Verstandenen hier nicht liegen, und auf jeden Fall richtig ist: Nur aus volatilen Erzeugerquellen läßt sich ein Stromnetz überhaupt nicht aufbauen. Es braucht immer diesen starken, stabilen Grundstrom, den Quellen wie Windräder oder Solarpaneele für ein größeres Netz nicht liefern können. Etwas das niemand dazusagt, wenn von Energiewende die Rede ist. Dafür wird viel von "Speichertechnik" gefaselt, von der selbst hartgesottenste Vertreter der "Erneuerbaren" zugeben, daß es noch Jahrzehnte dauern wird, wenn überhaupt, bis sinnvolle und leistbare Speicherkapazitäten aufgebaut werden können. Denn man hält die Batterietechnik für weitgehend ausgereizt, und eine Alternative ist nicht in Sicht. Derzeit braucht es eine Halle so groß wie ein Fußballfeld, um ein mittleres Krankenhaus wenigstens einige Stunden mit sündteurem Strom zu versorgen, wenn sonst keiner zufließt.

Das alles ist bei uns nicht anders als in Australien, das aber wenigstens den Vorteil hat, daß es weit mehr Sonnenscheinsicherheit für Solaranlagen hat. Waren im deutschen Stromnetz, das als das versorgungssicherste Europas galt, vor zehn Jahren pro Jahr kaum ein Dutzend Eingriffe ins Netz nötig, um die Spannung aufrecht- und konstant zu halten, sind mittlerweile alle paar Minuten (im Vorjahr schon fast 2.000, Tendenz weiter stark steigend) manuelle Eingriffe nötig, um die Katastrophe Netzzusammenbruch zu verhindern. Ohne französischen Atomstrom, ohne Zukäufe "schmutzigen Stroms" oder Speicherstroms aus den Nachbarländern (darunter Österreich, wo deutsche Energiekonzerne sogar schon ein in der Alpenrepublik bereits eingemottetes Ölkraftwerk zur Reserve "anmieteten") wäre das deutsche Stromnetz schon jetzt nicht mehr aufrechtzuhalten. 

Für das "moralische Zuckerroserl Energiewende" 

So hat Deutschland mit einem einzigen Federstrich seine Stromautharkie aufgegeben und sich abhängig gemacht. Und so nebenbei die Stromwirtschaft zentralisiert, denn ohne Planwirtschaft ist nicht einmal im Traum an so ein Stromnetz zu denken. Die sich auf Europa (und das wird nicht reichen) ausdehnen muß, denn auch das ist eine der Grundbedingungen solcher Energieträume. Was nichts anderes heißt als dieses Europa "in die Pflicht" zu nehmen. Wer Deutschland nicht mitversorgt, handelt ja dann aggressiv. Oder, um es in heutiger Politiksprache zu formulieren: Der ist gegen die Idee eines einigen Europa. Was nichts anderes heißt als: trägt die Folgen für die Alleingänge Deutschlands. Das sich selbst zu überfordern offenbar schon zum Programm gemacht hat. Samt der Notwendigkeit, diese Überforderung regelmäßig an Europa weitergeben zu müssen. Was Berlin natürlich mit dem Scheckheft der Steuerzahler auszugleichen verspricht, denn nichts anderes ist etwa die deutsche Solidarhaftung im ESM. Und darum schweigen die übrigen Länder. Noch.

Deutschland zwingt dem Rest Europas also nicht nur seine Zuwanderungspolitik auf, sondern auch seine Energiepolitik. Mit welcher es schon seit Jahren die Energiemärkte in allen angrenzenden Ländern aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Holland mußte fast alle Gaskraftwerke schließen, weil sie unter den staatlich geschaffenen künstlichen Bedingungen in Deutschland unrentabel geworden waren, und auch die Schweiz hat größte Probleme mit unrentabel gewordener Speicherkraft. 

Das sieht in Österreich zwar nicht viel anders aus. Das bisher geschwiegen hatte. Aber nur, weil man mit dem Speicherstrom (aus alten, abgeschriebenen Kraftwerken) kräftig an der Schwäche des deutschen Stromnetzes verdient hat und meinte, damit ziemlich schlau zu sein und die Strompreise in Österreich noch so halbwegs unten zu halten. Mit deutschem Geld, wie so oft übrigens. Denn man kaufte billig an der Leipziger Börse Überschußstrom aus Wind- und Solarkraft zu Mittag ein, oder erhielt für dessen Abnahme (weil ihn niemand brauchte) sogar bares Geld, pumpte damit aber die Speicher voll, um sie am Abend gegen teures Geld wieder abzulassen. Was den Münchnern paßte, weil sich damit die Bürger weiterhin ihr Wiesenbier kühlen konnten ohne daß es auffiel. Das österreichische Stromnetz wird dafür mit Atomstrom aus der Tschechei stabilisiert. 

Man läßt sich fürs Schweigen bezahlen

Ob das mit dem Alpenstrom so bleibt ist allerdings zweifelhaft. Denn Bayern hat bereits offiziell interveniert, daß das so nicht weitergehe, Österreich sich nicht auf Kosten der Nachbarn seinen Bauch vollschlagen könne. Und wenn man in österreichischen (fast ausnahmslos staatsfinanzierten) Medien nichts mehr davon hört und die Regierung schweigt, kann man davon ausgehen, daß der worst case passiert. Denn über Nachteile spricht man in Österreich nicht. Bestenfalls gezwungenermaßen, weil ein Desaster nicht mehr abzuwenden und noch weniger zu verbergen ist. Ansonsten werden sie wie so vieles andere weiterhin stillschweigend in den Budgetmoloch eingemantscht, bei dem sich sowieso keiner auskennt und bei dem nur eines sicher ist: Daß er jedes Jahr aufs Neue "Unvorhergesehenes" aufweist, das leider ein höheres Defizit unvermeidbar macht, wobei sich aber in drei Jahren garantiert alles zum Guten wendet. Letzteres wird freilich dann überall kolportiert.

Was heißen wird, daß Österreich wahrscheinlich jetzt schon freiwillig-gezwungen mehr für die Füllung seiner Gebirgsspeicher bezahlt, und ihn billiger zurückliefert, wenn er eben gebraucht wird. Bleibt ja gewissermaßen in der Familie. Zumal sich die bayrischen Brüder ja noch etwas leichter tun als der Rest Teutoniens. Noch ist Bayerns Netzverbindung mit dem windflatterigen Norden schwach, noch kann es stärker auf traditioneller betriebene Eigenversorgung setzen. Die Solarpaneele hat man ohnehin bereits zu Schneidbrettern für die Brotzeit umgerüstet, denn Strom haben sie eh kaum produziert, und bezahlt wird er trotzdem. Konnte ja keiner wissen, daß es so wenig Sonenschein in Bärlauchshausen an der Lech gibt.





*041016*

Dienstag, 14. Juni 2016

Doch kein "Seht Ihr, da habt Ihr's"?

Natürlich haben sich die Klimophanten sofort draufgesetzt um es als Beleg für ihre apokalyptischen Szenarien zu verwenden. Aber sie mißbrauchen in den mittlerweile riesigen, Anfang Mai ausgebrochenen und zum Zeitpunkt dieser Niederschrift schon eine Woche immer stärker wütenden Waldbränden in McMurray in der kanadischen Provinz Alberta eine Naturerscheinung, die für die Natur selbst von allergrößter Bedeutung ist. Denn in nicht dicht genug bewirtschafteten Wäldern ist das Feuer eine entscheidende Quelle für die Erneuerung des Waldes.

EIKE bringt dazu interessante Meldungen aus Kanada und Australien, das ähnliche Probleme mit seinen Wäldern hat, und deren oft riesige Waldbrände mit derselben Neigung zusammenhängen, möglichst sofort jeden noch so kleinen Waldbrand zu bekämpfen. Ja manche Samenarten der Nadelwälder der borealen Wälder (wie sie sich in Nordkanada und über den gesamte tundrisch-sibirischen Waldstreifen darstellen) brauchen für ihre samentragenden Zapfen sogar das Feuer, um durch diese Katharsis erst fruchtbereit zu werden. Mit zu vielen großen Bäumen ändert sich ja die gesamte Ökologik eines Waldes.

„Die borealen Wälder sind ein Ökosystem, das vom Feuer abhängig ist! Die Fichten und Tannen – sie brauchen das Feuer“, sagte Bernie Schmitte, Forstmanager in Fort McMurray. „Sie müssen brennen, um sich selbst regenerieren zu können, und diese Spezies haben sich an solche Brände angepasst. Ihre Zapfen können sich sich erst nach einem solchen Feuer öffnen [und haben dann keine Wachstums-Konkurrenten. Anm. d. Übers.], und die Bäume haben sich angepasst dergestalt, dass wenn sie alt sind und ersetzt werden müssen, sie sich sozusagen dem Feuer zur Verfügung stellen“.

Wie hier schon vor einiger Zeit auseinandergesetzt, ist die einseitige Betrachtung von Waldfeuern in naturbelassenen Zonen als sofort zu bekämpfendes Übel - weil halt jedes Feuer ein Übel sei - so bewirkt die Unterdrückung schon kleinster Waldbrände ein immer weiteres Altern der Bäume, die schließlich zu einer Gefahr nicht nur für das Aufkommen des Nachwuches bilden, sondern auch die Gefahr von Waldbränden mit schließlich riesigen Ausmaßen (weil diese Wälder nun zu kritischen Systemen geworden sind) steigt. 

Viel zu diesen eigentlich der Kinetik zuzurechnenden Erkenntnissen hat die Entwicklung der Erdbebenvorhersage beigetragen. Wo man festgestellt hat, daß die tektonischen Spannungsaufbaue und -lösungen alles andere als linear verlaufen, und deshalb nur eine pinzipielle Vorhersagen, aber keine über Zeit und Größe eines Ausbruchs möglich machen. Denn im Gegenteil, kann in solchen komplexen Systemen ein an sich sehr kleiner Einzelanlaß den Totalkollaps des Systems auslösen. Anlaß und Gesamtwirkung stehen hier in keiner größenmäßigen Zuordnung. Bei Wäldern ist es ganz ähnlich, weshalb man etwa im Yellowstone-Nationalpark die Taktik der Waldbrandbekämpfung bereits verändert, indem man kleinere Waldbrände zuläßt. Oder, wie in Australien bereits häufig, große Wälder durch künstlich angelegte Schneisen in kleinere Abschnitte teilt.

Mit Klimawandel hat solche Katastrophik also nichts zu tun. Eher mit der menschlichen Neigung zu neurotischer, klinischer Sauberkeit, die man Waschzwang nennt und nicht die geringste Störung eines vorgestellten Perfekten zulassen will, dem man aber jede Dynamik des Selbstseins (das ja im Widerstand, in der Begegnung erst zu jener Aktivität angeregt wird, die es dann eben sein läßt - und zu sein ist eine Aktivität) nimmt.





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Montag, 6. Juni 2016

Globalsierung wurde nie durchdacht

Es ist erwähnenswert, weil es einen Umstand berührt, den man gemeiniglich heute zu wenig bedenkt. Da hat ein chinesischer Anleger versucht, eine der größten australischen Viehfarmen, die mit einer Fläche von 100.000 km2 so groß ist wie Österreich und Südtirol zusammen, zu kaufen. Fast wäre es schon zum vertrag gekommen, da schaltete sich das australische Landwirtschaftsministerium ein und untersagte das Geschäft. Grund? Weil damit nationale Interessen berührt würden.*

Völlig richtig. Denn was man übersieht ist, daß Handel immer auch eine Berührung von Völkern und Nationen ist. Kommt es zu größeren Eigeninteressen von Geschäftsleuten in einem Land, ist fortan dessen Politik immer auch eine Frage der nationalen Interessen des Geschäftsmannes, weil Bürger dieses fremden Landes. Was immer Australien also hinkünftig ím eigenen Land gemacht hätte - es hätte sehr rasch die Interessen Chinas weil seiner Bürger mit berührt. Und das kann ein Land nicht einfach so hinnehmen, das muß gut erwogen werden. Sonst muß sic Australien gefallen lassen, zukünftig gewisse chinesische Interessen gleichermaßen einzukalkulieren. Und die politische Lage in Südostasien ist ohnehin von gewisser Brisanz gekennzeichnet.

Was vielfach als großer Segen globalisierten Kapital- und Warenverkehrs gesehen wird, ist also von weit größerer Tragweite, als eine rein liberalistisch-kapitalistische Betrachtungsweise überhaupt zur Kenntnis nehmen kann. Denn plötzlich wird ein rein innerstaatlicher Akt - nehmen wir an: Auflagen für gewisse Branchen, Einschränkungen oder Qualitätsforderungen, was auch immer - zu einem Fall für die Diplomatie, im schlimmsten Fall für ein angespanntes Verhältnis zweier Staaten.

In beide Richtungen. Durch diplomatischen Druck AUF das Gastland, das für seine Politik plötzklich über ganz andere Druckmittel verfügt (Androhungen von Entlassungen, Kapitalabzug, etc.), wie auf das Land der Investoren (Enteignungen, Vermögensbeschlagnahmen, etc.), um nur ein Beispiel zu nennen. Und die Geschichte sollte doch ausreichend lehren, daß darauf oft die handfestesten Kriege folgen. Keineswegs kann also davon die Rede sein, daß internationale Geschäftsbeziehungen automatisch "Frieden" nach sich ziehen. Eher ist sogar das Gegenteil der Fall: Sie schaffen heikle Berührungszonen, weil jeder Bürger immer auch als Bürger eines Landes auf der Welt ist. 

Wenn heute Chinesen Afrika vom Süden her aufgerollt und wahrlich riesige Landflächen bewirtschaften so ist das keineswegs ohne politische Relevanz. Vielmehr hat sich China dadurch bereits bis zur arabischen Halbinsel vorgearbeitet, und hat durch seine Investitionen nunmehr bereits direkte politische Interessen in fast ganz Afrika. Denn selbstverständlich hat ein Staat das Recht, ja sogar die Pflicht, die Interessen seiner Bürger im Ausland zu schützen.

Oder Staaten nutzen die Wanderkapitalien direkt - erst vor wenigen Wochen wurde publik, daß Saudi Arabien in der Außenpolitik der USA schon deshalb eine Sonderstellung der Unantastbarkeit genießt, weil die saudischen Investitionen in US-Schatzanleihen mit 750 Mrd. Dollas systemrelevant für die USA selbst sind. Als die USA einen kleinen Richtungsschwenk in der Nahostpolitik riskieren wollte, zuckte Arabien nur mit dem kleinen Finger - und drohte, die Anleihen zu verkaufen, was unabsehbare Folgen frü die amerikanische Wirtschaft gehabt hätte. Und schon kuschten die Amerikaner.

China hat mittlerweile ebenfalls schon weit über eine Billion Dollar in den USA investiert, sein ganzes Rentensystem basiert sogar auf diesen Investitionen. Glaubt wirklich jemand, daß das keine politischen Konsequenzen hat? Was glaubt der Leser warum die USA 2008 überhaupt keine Alternative zur Rettung seiner maroden Banken hatte? China hätte gigantische Summen verloren. Der amerikanische Bankenkrach hatte höchste politische Brisanz. China, Deutschland, Frankreich, ... Amerikas Außenpolitik, seine globale Stellung, wäre mit einem Schlag schwerstens ramponiert, wenn nicht ausgelöscht, die Karten völlig neu gemischt worden.²

Und wenn der türkische Premierminister Erdogan die vier Millionen Türken in Deutschland als "Teil der Türkei" bezeichnet - dann hat interessanterweise sogar der Türke Recht. Die Zuwanderung IST ein diplomatisches Faktum, nicht einfach eine Marginalie eines zufälligen Wohnsitzwechsels von 2000 km. Denn die Auffassung eines Staates als Territorialprinzip ist keineswegs die ursprünglichere, sie ist eine zweckorientierte Kunstschöpfung, die aus gewissen Absichten - die nicht immer lauterer Natur waren und sind! - behauptet wird. Die aber irgendwann immer mit der ursprünglichen, ja ontologisch eigentlichen Staatsauffassung als Personalprinzip in Kollision kommt. Wo also Land immer den Menschen und seinem Lebensvollzug und seinen Möglichkeiten zugeordnet wird. Selbst die Vermessungseinheiten - acre oder ar, Joch, Hektar, Morgen, Hufe ... - beziehen sich auf diesen Zusammenhang. 

Über den hier schon mehrmals auseinandergesetzt wurde: Eigentum, Besitz ist immer eine Frage der Persönlichkeit als der Wirklichungserstreckung eines Menschen. Das betrifft auch Land. Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis das Territorialprinzip versagt und im Personalprinzip wieder aufgefangen wird, sofern dies nicht schon durch Vereinzelung seiner Bürger völlig erodiert ist.** Denn Land, Eigentum und damit Recht ist immer den Menschen zugeordnet, nicht umgekehrt. Und ein Staat ist in seiner Ontologie die Einheit eines sich damit in der Institutionalisierung selbst aufhöhenden Staatsvolkes als Geflecht von Bürgern und deren verbindlicher Beziehungen, deren umittelbare Lebensinteressen auch in Eigentum münden.

Und aus genau diesem Grund ist die Zuschreibung von Land an ein Volk hostorisch RELATIV. Landanspruch variiert mit der Stärke (auch: Zahl) und Kultur eines Volkes. Sie ist nicht in Territorialzuschreibungen ein für allemal bzw. generell zu verabsolutieren, sondern hängt mit der Tiefe und Art der Beziehung dazu (auch etwa im Bedarf eines Nachbarvolkes) zusammen. Deshalb war es keineswegs prinzipielles Unrecht, Ureinwohnern in Amerika, die durch extensive Wirtschaft kein wirkliches Eigentumsverhältnis zum Land entwickelt haben, Land das sie "zufällig" durchstreiften gewissermaßen "wegzunehmen", indem es ein Zuwanderer, der es künftig intensiv bewirtschaftete und kultivierte, für sich beanspruchte.

Die Geschichte lehrt auch (man denke an die recht gut zu überblickende Situation um Landeigentum im römischen Kaiserreich), daß das Territorialprinzhip (auch im sogenannten Privateigentum) über kurz oder lang immer scheiterte, wenn es sich vom Personalprinzip allzu sehr entfernte. Nur letztere sichterte die Produktivität des Landes. In unseren Breiten ist überhaupt so etwas wie "Landeigentum" im heute verstandenen, abstrakten, bedingungslosen Sinn erst mit der Renaissance und ihrer abstrahierten Art, die Welt auf Modelle und Raster umzubrechen, so richtig aufgekommen, und hat in vielem die Grundlage für den kapitalistischen Kolonialismus der Moderne, ja überhaupt für den Kapitalismus bedeutet. (Der - noch einmal sei es betont - mit einem "Freiem Markt" nur am Rande zu tun hat, sondern diesen höchstens benutzt.)

Diese Tatsache des letztendlichen Personalprinzips auch dort, wo es sich als Territorialprinzip ausgibt, ist nicht zuletzt der eigentliche Hintergrund hinter der sogenannten "Flüchtlingskrise Europas" der letzten Jahre - der Widerstand in der Bevölkerung ist ein solches Durchschlagen des Personalprinzips als Grundlage selbst in sich so bezeichnenden Territorialstaaten, ohne das es einen Staat gar nicht geben kann.

Was damit gesagt werden soll: Die Sache ist weit komplizierter und brisanter, als die Holzköpfe blindfaselnder "Globalisierung!"-Schreier ahnen, deren Horizont nicht über den Rand des Kontoauszugs hinausgeht und in Krisen von andern verlangen, daß sie ihre Interessen schützen. Und die Australier haben genau deshalb darauf reagiert. Was nämlich für China relevant ist - eine Farm mit 100.000 km2 und 180.000 Rindern -, ist es genau deshalb auch für Australien. Das gegen einen Kuhstall in Bornsville bei Canberra mit 30 ha und 38 Färsen vermutlich kaum eingeschritten wäre, selbst wenn der neue Besitzer darauf mit seiner Winchester Schießübungen an jedem Wochenende durchgeführt hätte, und Rindfleisch-Szechuan extrem scharf und mit vergammelter Braunschlange angereichert liebt, was sagen wir extrem unaustralisch wäre.

In Zeiten des Friedens mag Internationalisierung, internationale Arbeitsteiligkeit der Wirtschaft also durchaus den Frieden durch Wirtschaftsbeziehungen vertiefen. Aber in Zeiten der Krise wird es Konflikte noch brisanter machen, und schneller zur Eskalation treiben. Und die Geschichte elehrt, daß noch jeder Friede nur die Zeit zwischen Kriegen gewesen ist. Woher der Optimismus stammt, daß das plötzlich nicht mehr so sein soll ist dem VdZ schleierhaft. Denn der Mensch hat sich nur in der Science Fiction von Hollywood geändert.

Die Globalisierung der Weltwirtschaft, die Verschränkung von immer mehr je lokalen, partikularen, nationalen Interessen damit (und seien sie oft noch so klein) hat also noch viel weitreichendere Konsequenzen, als dies bislang bedacht worden ist. Und während es gut geht so lange es eben gut geht, geht es viel schlechter, sobald etwas schief geht. Weil sich mti den verschränkten, komplexeren Interessenslagen je eigenständiger, reaktiver Teile hochkritische Systeme aufbauen, die zugleich ihre Berechenbarkeit verlieren. Und man weiß aus der Kinetik, daß in solchen Systemen ein Megaausbruch aller Risikofaktoren praktisch mit Gewißheit angenommen werden muß, die Frage ist nur der Zeitpunkt. 

Ebenfalls keine Frage ist aber, daß in solchen Systemen oft kleinste Anlässe, die man zuvor nicht eimal ernstgenommen hat, in einer unkontrollierbaren Wechselwirkung einen Megacrash auslösen können. Der berühmte Schlag des Schmetterlings in den Alpen, der einen Orkan in Brasilien auslöst, ist realer, als viele wahrhaben wollen.



*Für die völlig gleich Handlung wurde Ungarn vor drei Jahren von EU und Westmedien regelrecht gekreuzigt, als es seine Gesetze ernstnahm, die es 1997 beschlossen hatte - kein landwirtschaftlicher Grund mehr an ausländische Investoren - und den rund 130 österreichischen Umgehungskonsruktionen einen Riegel vorschob. Hier kam es übrigens ebenfalls zu diplomatischen Interventionen.

²Wer sich für die Krise 2008 interessiert - und sie ist interessant! - dem kann der Film "Too big to fail" empfohlen werden. Er übertrifft in der Komplettheit der Schilderung der Vorgänge, sachlichen Überlegungen und Ursachenzusammenhänge den (sehr guten, filmisch zweifellos sogar weit besseren) Film "The big short" bei weitem, der ja nur die Auslösungsmechanismen beschreibt.

**Und wir dürften heute schon ziemlich weit auf diesem Weg fortgeschritten sein. Denn mit Erschrecken hat der VdZ erst voriges Jahr eine Studie gelesen, in der das Verhältnis der österreichischen Jugend zu Freiheit und Staat untersucht wurde. Sie brachte das Ergebnis, daß junge Leute in hohem Prozentsatz nicht mehr bereit wären, für die Freiheit Österreichs zu kämpfen, und einer Invasion fremder Mächte nichts entgegensetzen würden. Das zeigt, daß die persönliche Verbindlichkeit im Staat als Prinzip, Frucht und Garant der Freiheit eines Volkes, und Volk als der erste (!) Rahmen jedes Individuums (ein Individuum ist ja nur die Inviduierung eines Volkszugehörigen, das Einzelne die Invidiuierung eines Insgesamt), gar nicht mehr erkannt wird. Während das Territorialprinzip niemals ein persönliche Bindung an "den Staat" den man bewohnt erwecken konnte weil kann (das ginge nur mit Fanatismus, übrigens). Also wird aus diesem (an sich sogar richtigen) Erleben von Sinnlosigkeit "der Staat" generell als nicht mehr schützens- und erhaltenswert angesehen. Ohne Volk aber - kein Staat. Land selbst ergibt keinen Staat.
  



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Donnerstag, 3. März 2016

Nüchterne Betrachtungen

"Drei Gruppen von Zuwanderern gibt es - jene, die Chancen suchen, um sich in einem Wirtschaftsraum bessere Lebensbedingungen zu schaffen, jene, die Hilfe vor Verfolgung suchen, und eine dritte Gruppe, die historisch neu ist: Es ist die Gruppe der Versorgungssucher. Menschen, die versorgt werden wollen. Man kann das als Aufnahme Land wollen, aber man muß dann wissen, daß das auf jeden Fall wirtschaftliche Probleme nach sich zieht." Gunnar Heinsohn in einem weiteren nüchtern klaren Interview mit vielen interessanten Zahlen und Fakten. Einfach die Grenzen zu öffnen würde Europa auf eine Weise verändern, wie das seit der Römerzeit nicht mehr der Fall gewesen ist. Aber das alles ist eine Frage des politischen Willens, und eine Frage, wie Deutschland im speziellen in Zukunft leben will - auf dem Niveau von heute? oder auf niedrigem Niveau (etwa wie in Schwellenländern wie Brasilien). 

Auch das kann man natürlich wollen. Berücksichtigt man noch die hohen Staatsschulden, die ja nach wie vor da sind, könnte die Situation, daß der heutige Staat gar nicht mehr finanzierbar ist, sehr rasch eintreten, denn die gefährlichste weil unabsehbarste Abwanderung ist die "stille" Abwanderung - Menschen, die durch ihre Steuern diesen Staat tragen, aber sich weil mit den Lebensbedingungen hier nicht mehr einverstanden nach und nach darauf vorbereiten, das Land zu verlassen, und das eines Tages auch tun.

In den nächsten Jahrzehnten muß man immerhin davon ausgehen, daß alleine aus Afrika 400 Millionen bis eine Milliarde Afrikaner nach Europa auswandern werden. Afrika hat bis heute nicht geschafft, ein dem europäischen Niveau vergleichbares Wirtschaftsleben aufzubauen, es ist heute wie vor fünfzig Jahren bloßer Rohstofflieferant.

Mit einer wichtigen Unterscheidung, die Heinsohn a.a.O. bereits ausgeführt hat: Nicht die Tatsache des Männerüberschusses sei ein Problem, sondern der Überschuß von Männern, die in ihren Ländern keine Aufgabe mehr finden, aber NICHT HUNGERN, denen es also im Grunde gut geht. Hunger ist nie eine strategische Gefahr, niemand fürchtet ihn. "Wer hungert, der bettelt nur um Brot. Nur wer gut genährt ist, will mehr." 

Im Grunde ist das genau das, was wir bei der derzeitigen Massenzuwanderung beobachten. Das vielfach ertönende Reden von der "Not der Zuwanderer" ist also prinzipiell Unsinn und Ausfluß von Ahnungslosigkeit und Desinteresse an der Wirklichkeit, das seine Bilder aus kindischen Märchenvorstellungen und Selbstinszenierungen bezieht.

Um sich selbst zu schützen, könnten sich in Europa zukünftig ganz neue Allianzen bieten, was wahrscheinlicher ist als eine je nationale Abschottung: Abwesenheit von Terror, sozialem Unfrieden etc. könnte dabei ein ganz neuer Standortvorteil werden. Kanada und Australien machen das schon lange vor. Diese Länder locken damit, von den Umbrüchen in Europa frei zu sein und deshalb in ihren Ländern eine Zukunft hat, die Europa bei unveränderter Politik verspielen wird. Es werden vor allem die Tüchtigeren in diese Länder abwandern. Gut ausgebildete Menschen suchen heute die Weltkarte ab wie eine Speisekarte. Diese Wanderbereitschaft eigentlicher Steuerzahler könnte die Politik in vielen Staaten noch maßgeblich beeinflussen.

Völlig anders zu bewerten ist das Verhalten der ostasiatischen Staaten. Dort ist das Zusammengehörigkeits- und Identitätsgefühl in allen Ländern und Völkern sehr ausgeprägt. Und obwohl gerade diese Länder (China, Japan, Korea) eine katastrophal niedrige Geburtenquote haben, lehnen sie Zuwanderung Fremder ab indem sie sich sagen: Wir wollen unsere überalterten Generationen versorgen, aber nicht Menschen holen, die von diesen auch noch versorgt werden müssen. Aufgrund der hohen Qualifikation ihrer Bürger könnte es wirklich möglich sein, daß sie die demographischen Probleme bewältigen.








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Samstag, 17. Oktober 2015

Von moralischen Krisen

Wie sehr Klimakatastrophen-Prophetentum mit bestimmten charakterlichen Dispositionen und Haltungen zusammenhängt, zeigt diese Äußerung von Naomi Klein im The Guardian. Darin erzählt uns eine der von der Klimapsychose hochgespülten neuen Gallionsfiguren*, wie die Dinge sind, am Beispiel Australien.

Denn Australien hat sich bereits in mehreren Schritten von der Klimahysterie abgehängt. Und Australien, das bis vor zwei Jahren mit einem rasant steigenden, als Milliardengeschäft einer regelrechten Schlepperindustrie aufgeschwemmten Flüchtlingsstrom zu tun hatte, die über Schiffe aus der nördlichen asiatischen Welt ankamen, durch radikale Maßnahmen blitzschnell in den Griff bekommen. Denn auch dort haben sich natürlich die Nachrichten gehäuft, daß die meist völlig unzureichend für die See ausgerüsteten Boote hunderte Flüchtlinge in den Tod rissen. Aber anders als in Europa, hat sich die Politik dort entschlossen, nicht von Christenpflicht zu reden, sondern das Problem an der Wurzel zu fassen, und das Schlepperunwesen an der Wurzel zu fassen - durch ein ganz klare Botschaft: KEIN Schiff, das hier anlandet, wird auch hier aufgenommen. JEDES Schiff, jeder darauf befindliche Flüchtling wird ohne jedes Zögern in sein Herkunftsland zurückgebracht. 

WENN jemand nach Australien einwandern möchte, so die Botschaft, gibt es auch bisher offizielle Einreisemöglichkeiten und -anträge. Wer also kommen möchte, möge diese Wege nutzen. Andere GIBT ES NICHT.

So konsequent war das durchgeführt, und durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit in diesen Herkunftsländern bekannt gemacht, daß der Flüchtlingsstrom - und damit die vielen Toten - binnen eines halben Jahres ... endete. Denn die Schlepper verkaufen keine Sitzplätze mehr, jeder weiß, daß es nichts nützt. Und wer einwandern will, wer um Asyl ansuchen will, hat ohnehin seine institutionalisierten Möglichkeiten, wie bisher eben.

Naomi Klein - Bild: The Guardian
Dieses klare und vernünftige Procedere, das nun ganz langsam auch in Europa "angedacht" wird, ist nun für Naomi Klein aber etwas ganz anderes. Denn die spricht von einer "moralischen Krise", in der sich Australien finde. Und das Flüchtlingsproblem sei dafür ein Indiz. Denn die Australier würden, so Klein, die Auswirkungen des Klimawandels AM DEUTLICHSTEN SPÜREN. Aber ihre Aggressionen daraus auf die Migrationsproblematik umlenken. Da sehe man, meinte das recht aparte Zuckergesichtchen aus Kanada, wie sich der Klimawandel bereits weltweit in Wahrheit auswirke.**

Ob das die Australier auch so sehen? Die offenbar vom Klimawandel herzlich wenig mitbekommen, denn sonst wären nicht gerade sie so realistisch*** in der Beurteilung dieser Dinge? Und ob nicht eine ganz andere Gruppe von Menschen eine moralische Krise hat?

Wer Naomi Klein in diesem Interview liest kann eines in aller Deutlichkeit finden: Daß die Klimawandelneurose eben tatsächlich eine solche ist. Sie ist geboren aus einem ungeformten, ungestillten religiösen Bedürfnis. An dem eines auf jeden Fall stimmt: Daß etwas mit dem eigenen Leben nicht in Ordnung ist. Aber das ist mit dem Klimawandelgetue nicht behebbar, das ja nur ein Vorwand für ein viel tiefer liegendes Bedürfen ist. Ihr Unbehagen an ihrem Leben, das sie auf andere und alle projiziert, das also ihr öffentliches Engagement recht deutlich als aus-sich-hinaus-objektivierte, damit scheinbar bewältigbare Ersatzhandlung erkennen läßt, wird Klein (und so viele mit ihr) damit nicht überwinden können. Indem sie ihre eigene moralische Krise eines grundsätzlich falschen Lebens vergegenständlicht, damit der Anerkennung zur Umweihe auf Allgemeingültigkeit zulegt (und sich damit den Vater und Ehemann quasi "auf die Schultern setzt"), und auf andere überträgt.

Wer die Welt nicht bewältigt, weil er die falschen Instrumente (zu denen auch Gedanken, Wünsche und Träume zählen) dazu hat, neigt eben dazu, die Welt abzuschaffen. Und als Alternative eine Utopie, ein Paradies auf Erden vorzuwerfen, das nur ein Problem hat: Es ist nie verwirklichbar, und das ist auch ... gar nicht wünschenswert. denn die Welt, die Naomi Klein sich wünscht, ist kein Paradies, und das müßte man diesen Leuten ein für alle mal sagen: Ihre Werte sind nicht die unsrigen. Ihre Welt, die Traumwelt der Naomi Klein, ist der Schrecken selbst. Ihre Ziele sind Ziele des Bösen. Da nützt es auch nichts, romantische Biedermeierbildchen in die Auslage zu stellen und lieb dreinzuschauen. 

An Leuten, die uns ständig vormachen, daß sie gut sind, haben wir wahrlich mehr als genug. Die ganze Welt der Öffentlichkeit ist mittlerweile vollgestellt mit solchen selbstfabrizierten Heiligenscheinen. Sie erfüllen diese Ansage aber schon prinzipiell nicht. Denn wer sich selbst für gut hält, wer dann auch noch gerne mit Selbstbezichtigungen kokettiert, kann es schon ganz sicher nicht sein.




*Die Klimapsychose ist, wie hier bereits eingehend dargelegt wurde, ein psychosoziales Modell der "verlierer", eine Strategie der Emporkömmlinge, die über normales Leben und Auftrag jene Stellung nicht erlangen, nach der sie gelüsten, und deshalb die Grundlagen der Weltordnung - über die Deutungshoheit für eine neue Moral, also tatsächlich eine neue Religion - angreifen. Deshalb die Angewiesenheit auf Ortslosigkeiten wie social media, Internet, generell Globalisierung bzw. Virtualität und Universalisierung.

**Naomi Klein ist übrigens repräsentativ für einen längst vorhandenen Trend. Wenn die Kanadierin jüngst verlauten ließ, daß es beim Klimawandel gar nicht um Wissenschaft gehe, sondern darum, weltweit die Lebensweise zu ändern - Klimawandel als Form des Antikapitalismus - so ist sie mit dieser Haltung keineswegs alleine. Sie wird immer häufiger. Umso interessanter ist es ja, daß diese Bewegung OHNE den Kapitalismus in seiner schlimmsten Form (als bloßer Technizismus, wie er sich im Internet seine ultimative Wirkweise schuf) gar nie möglich gewesen wäre, und möglich wäre. 

Muß man noch darauf hinweisen, daß J. Ellul (auch ein Kanadier) oder G. Bouthol darauf hinweisen, daß praktisch alle Revolutionen der Geschichte von ... überschüssigen Mittelstands-Intellektuellen vorbereitet wurden. Die angesichts ihrer Nicht-Gebrauchtheit keinen anderen Weg sahen, um an die Macht zu gelangen, als ein Alternativsystem aufzurichten, die alten Eliten zu stürzen und zu ersetzen? Wir haben uns also längst die nächste Zeitbombe herangeformt: als Frucht einer absurden Bildungspolitik werden wir es mit einer neuen ("wissenschaftlichen") Elite zu tun bekommen, und bekommen es längst damit zu tun, die eigentlich niemand braucht, die aber kraft Ausbildung den Anspruch stellen, Führungspositionen einzunehmen.

***Der VdZ hatte vor einigen Monaten tatsächlich die Gelegenheit, mit Australiern länger zu sprechen, die nach ihrem Berufsleben als Geschäftsleute nun ihre kulturellen Wurzeln in Europa suchten. Diese Menschen wirkten nicht nur offen, ehrlich, eben grundvernünftig, familienbezogen, und alles andere als unmoralisch, im Gegenteil, puritanisch sogar, sondern wohltuend realistisch. Daß die meisten dieser Gruppe für Solarenergie waren hatte einen simplen Grund: Die Sonne scheint im Westen des Kontinents (wo diese Leute herstammten) praktisch ununterbrochen. Eine andere Möglichkeit zur Energiegewinnung auf den vereinzelten Farmen und Gehöften gebe es manchmal auch gar nicht. Was sie deshalb überhaupt nicht verstanden und für "crazy" hielten war, daß man in Europa - mit diesem sonnenarmen, feuchtkalten Klima - auf Solarenergie setzt. Das könne sich doch niemals rechnen, meinten sie?




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Mittwoch, 29. April 2015

Nur mit Konsequenz möglich

Noch 2013 kamen an Australiens Stränden 300 Boote mit über 20.000 Flüchtlingen an. Die Zahl der Toten aus Schiffen, die auf See sanken und nie ankamen, dürfte mehrere tausend betragen, von 1200 Toten weiß man. Getragen wird diese Methode der illegalen Zuwanderung vom Schlepperbusiness, für die gesunkene Boote und tausende Tote und Rettungsaufrufe nur beste Werbung sind. Denn auch in Europa entkommt man so dem medial aufgeblasenen schlechten Gewissen nicht, und sieht sich kaum eine Wahl als das zu retten, was von anderen bewußt und gewissenlos riskiert wurde. 

Auch Australein stand unter diesem Gewissensdruck. Doch wie auch in anderen Fragen, die so manche Regierung der Welt vor sic her treiben, ohne daß man sie beantworten kann, hat die australische Regierung einen konsequenten Weg des nüchternen Verstandes gewählt.  

Ab 2014 wurden ausnahmslos und konsequent ALLE Flüchtlingsboote und auf diesem Weg  bzw. per Schlepperunwesen angelandeten Flüchtlinge wieder zurückgeschickt. Alle. Ausnahmslos. Denn das Land hat gesagt, daß es offizielle Wege der Zuwanderung gäbe, und wer das wolle, solle diese beschreiten. Denn man nehme nach wie vor Zuwanderer auf (jährlich: 190.000), aber man müsse die gesamte Angelegenheit unter Kontrolle behalten können. Ein Staat kann nicht einfach akzeptieren, daß ihm ein Verhalten durch Unterlaufen seiner Gesetze aufgezwungen wird. 

Der Effekt? Wie es aussieht - überwältigend. Denn es GIBT 2015 bereits KEINE Boote mehr. Die Rigorosität, mit der man vorging, und wirklich jeden zurückschickte, hat das Schlepperwesen vollständig ausgetrocknet.

Es ist nur ein Beispiel dafür, wie ein Land aber den Wirklichkeiten ins Auge blicken muß, um ihnen auch zu begegnen. Australien hat etwa ein Einwanderungsgesetz, das nicht so tut, als wäre man zwar kein Einwanderungsland, einerseits, würde aber anderseits doch aus moralischen Gründen jeden Flüchtling, der ein solcher sei, aufnehmen. So, wie es nämlich fast ganz Europa tut, das damit die Problematik einfach unsichtbar zu machen versucht - und genau deshalb aus den Latschen geschwemmt wird. Was man dann auch noch damit rechtfertigt, daß man ja ohnehin Zuwanderer brauche.

Um sie dann doch nicht zu brauchen - denn wie immer wieder festgestellt wird, sind 80 % der Zuwanderer definitive Kandidaten für Arbeitslosenunterstützung. Ihre Ausbildung reicht einfach nicht. Aber wieder zieht man keine Schlüsse. Sie reicht deshalb nicht, weil die Politik von einer high-tech-Wirtschaft träumt, die es ja ebenfalls gar nicht gibt. Dieses Ziel paßt gar nicht zur vollen Wirklichkeit in Deutschland (und Österreich), was sich auch darin ausdrückt, daß jährlich nur in Österreich 30.000 hochqualifizierte, hier um teures Geld ausgebildete junge Menschen das Land VERLASSEN,  weil die wirtschaftlichen Strukturen gar keine adäquate Beschäftigung für sie haben. Die Faselziele der Politik sind also auch hier bloße Utopien. 

Niemand macht sich Gedanken darüber, was das heißt und ob da nicht Zusammenhänge bestehen, daß einerseits die Industrie wegen zu hoher Arbeits- (und bald auch: Energiekosten) in Niedriglohnländer in beängstigendem  Maß auswandert, während hierzulande Niedriglohnarbeiter, deren Zahl sich von Jahr zu Jahr erhöht, beschäftigungslos bleiben. Nur, weil sie dem Traum der Utopie von einer "high-tech-Zivilisation" nicht entsprechen. Ist es nicht ein Grundsatz jeder Wirklichung, zu schauen, wo reale "Möglichkeiten" liegen, um dann zu begreifen, daß jede Möglichkeit tatsächlich eine Chance ist, auch wenn das daraus erfließende Endbild nicht unbedingt irgendwelchen Traumsequenzen entspricht?* 

Dieser Utopismus reicht ja bis in die Bildungspolitik, wo man stolz darauf ist, mittlerweile 2/3 der Jugendlichen zur Matura (Abitur) zu bringen, und gar zum Studium zu animieren, obwohl man ganz andere Menschen bräuchte: Handwerker, Facharbeiter, Zupackende. Wenn man von angeblichen Anforderungen der Wirtschaft spricht drängt sich also der Verdacht auf, daß man ganz etwas anderes meint: Anforderungen, die man überhaupt erst zu schaffen hofft, die aber nicht den realen möglichkeiten entsprechen. Und so lange schleppt man eben Millionen an Arbeitslosen mit herum.

Die Australische Lösung wird zwar vielleicht nicht 1 : 1 auf Europa übertragbar sein, vielleicht aber doch. In jedem Fall gibt sie einen prinzipiellen Weg vor: sehen, was wirklich ist, und die Dinge konsequent und ohne emotionale Weichquatscherei am Schopf packen. Denn Gutheit ist nicht ohne Wahrheit und ohne Freiheit möglich. Nur so kann man auch von moralischem Handeln sprechen.



*Der VdZ erinnert sich noch - als Beispiel - an Gespräche mit einem älteren Türken, der seit Jahren arbeitslos war, und es bis zur Rente weitere zehn Jahre sein würde, weil ihm einfach die Qualifikation fehlte. Angeblich. Bald stellt sich (in einem schwierig zu führenden, aber recht sympathischen Dialog - der Mann war zwar 25 jahre in Wien, sprach aber kaum Deutsch) heraus, daß er eigentlich Landwirt gewesen war, ehe er des Geldes wegen aus Anatolien nach Wien auf den Bau wechselte. Er war es auch gerne gewesen. Was tat das Arbeitsamt? Es wollte den schlichten, dabei gar nicht unklugen Mann "höher qualifizieren". Also suchte man für ihn auch höher qualifizierte Tätigkeiten. Auf die Idee, ganz woanders zu suchen - in Gärtnereien, in landwirtschaftlichen Betrieben etc. - kam man erst gar nicht. Dabei hätte der Mann dort nicht nur Geld verdient (statt gekostet), sondern wäre sogar noch ein wenig glücklich geworden, weil er begreift, daß Arbeit mit Persönlichkeit zu tun haben könnte, und nicht einfach Geldbeschaffungsmaßnahme ist. Vielleicht hätte er sogar eine neue Tomatensorte oder Hühnerbeine gezüchtet. Wir werden es nie wissen. Er will in der Rente, auf die er in aller Gemütsruhe hinlebt, denn Arbeit findet er sowieso nicht mehr, in die Türkei zurück.




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Dienstag, 23. September 2014

Aber es ist doch gemessen worden?

Eines der Zauberwörter der Gegenwart in Zusammenhang mit dem Glauben der Menschen, daß  Wissenschaft untrügliches Wissen zu erarbeiten imstande wäre, ist das Wort "messen". Was für den Normalbürger (und leider auch für so manche Forscher) aber nicht ins Bewußtsein dringt ist, daß sich Meßvorgänge nur vor dem Hintergrund eines Gesamthorizonts abspielen können, den der Mensch zu setzen hat. Damit spielt bei Meßvorgängen eine Vorinterpretation des (so meinen aber viele: als Ergebnis der Messung erst erkennbar sein sollenden) Gesamtgeschehens, das gemessen wird, bereits die entscheidende Rolle. 

Nur so können - und das ist messen - die einen Vorgänge mit anderen verglichen werden. Selbst die Uhrzeit ist ja nur eine vergleichende Bezugnahme auf die Dauer eines realen physikalischen Vorgangs, und sei es die Schwingung bestimmter Atome unter bestimmten Bedingungen. (Etwas das so mancher bei gemütlichen Gesprächen über die Einstein'sche Relativitätstheorie gerne vergißt, weil zwischen "Zeit" und "gemessener Zeit" ein kategorialer Unterscheid besteht.) Der Kalender zeigt es am deutlichsten: er nimmt Bezug auf Sonnenumläufe und Planetenbewegungen. Erste Grundlage ist also immer die menschliche Beobachtung, das menschliche Erleben, und das menschliche Interpretieren. Was von weit größerer Bedeutung für die "Meßergebnisse" ist, als viele meinen. Und es wäre mehr als wichtig den weit verbreiteten Irrtum aufzulichten, daß "Messen" mit einer Art "objektiver, untrüglicher Wirklichkeit" einhergehe. Sie ist eine theoretische Wirklichkeit, und zwar in jedem Fall, und hat mehr mit Erkenntnistheorie zu tun, als mit physikalisch-mechanischer Exaktheit.

Was in Zusammenhang mit "Klimaerwärmung" gleichermaßen von entscheidender Bedeutung ist ist dies zu wissen. Ist zu wissen, daß die Erde kein neutralisierter und isolierter Körper unter Versuchsbedingungen ist, dem man ein untrügliches Thermometer in den Arsch schieben könnte. Da hilft es auch nichts, einem nicht zuletzt durch Propaganda, durch Spielfilme, durch Videospiele, was auch immer so beliebten Mythos nachzuhängen, der den Eindruck vermittelt, als wäre etwa Computertechnik ein völlig untrügliches und untäuschbares, völlig "objektives" Mittel der Weltvermessung. JEDER Meßvorgang gründet in einer menschlichen Einschätzung! Nur ein Beispiel: Wenn etwa die Flächenausdehnung und Dicke der polaren Eisschilder vom Satelliten gemessen werden, was von manchen als Durchbruch zu dieser Objektivität gesehen wird, schwanken derzeit die Meßergebnisse um den Faktor 100! Und wer die Hintergründe von Meeresspiegelmessungen nur oberflächlich anschaut sieht, daß hier jede Menge an Annahmen zugrundeliegen, über die in jedem Einzelfall sehr wohl diskutiert werden könnte. Satellitendaten liefern also gleichermaßen nur verlängerte menschliche Annahmen.

Wer also fest daran glaubt, daß sich die Erde konstant erwärmt, wird also auch die entsprechenden Daten so interpretieren, daß sie das auch aussagen. Aber, hört man aus der fünften Reihe des Auditoriums einen Zwischenruf, Thermometer etc. sind doch untrüglich, und immer dieselben? Mitnichten. Verwendte Gläser, Lagen der Meßstellen, Bedingungen zu diesem und jenem Zeitpunkt, menschliche Handhabe, etc. etc. liefern immer nur bedingte Werte. Und dann  kommt natürlich noch die Auswertung durch Statistik. Auch hier, noch einmal, bedingen menschliche Vorannahmen das, was das statistische Ergebnis auch zu liefern vermag. Es ist also auch hier nicht die Statistik, die die Realität abbildet, sondern die Annahmen über die Realität geben vor, welche Realität die Statistik und die Meßergebnisse liefern. Und das Thema ist hier nur angerissen, es ist in Wahrheit hochkomplex.

Für Langzeittemperaturkurven hat dies aber eine entscheidende Bedeutung. Denn es gibt schon alleine aus den ständig sich verändernden historischen Bedingungen keine durchgängige Meßreihe, von der man einfach sagen könnte, daß 1870 dasselbe gemessen wurde wie 2014. Daten müssen also immer "homogenisiert" werden, wie Klimaforscher das nennen. Das impliziert aber nicht nur, daß vorhandene Daten rauf- oder runtergesetzt und -gewichtet werden, sondern auch (und das sehr häufig) ergänzt. Fehlende Meßzeiträume etwa werden schlicht und ergreifend durch Annahmen ergänzt. Denn in den meisten Fällen wären aus heutigen Meßstationen, selbst wenn es sie an diesem Standort schon lange gibt, überhaupt keine (absoluten) Aussagen zu treffen. Häufig sind sie auch viel zu kurz in Betrieb, und die Meßbedingungen und -methoden sind noch dazu häufigen Veränderung begriffen, schon alleine, um sie "zu verbessern", also "objektiver" zu machen. Von noch größerer Bedeutung haben diesbezüglich die statistsichen Annahmen, die Behandlung von Anomalien (Ausreißerdaten also), und die Einschätzung ihrer Bedeutung für den Langzeitverlauf.

Freilich greifen die Medien gerne Dinge auf, die sie in ihrem Sinn - und kein Medium hat keine Absicht, das muß dem geneigten Leser klar sein: es kann also nicht um die Absicht gehen, sondern darum, WORAUF etwas abzielt, erst hier entscheidet sich Wahrheit oder Lüge - verwenden kann. Und weil der Mainstream der Medien vor allem den dramaturgischen Part der Klimaalarmisten vertritt, Redakteure im Normalfall (und schon gar bei heutigen Entwicklungen der Medien, die die journalistische Qualität durch ökonomischen und politischen Druck zwangsläufig nach unten drückt) außerdem viel zu wenig Fachkenntnisse und Bildung haben, wird dem Medienkonsumenten gerne das Bild vermittelt, daß die Aussagen der Redaktion "absolut" richtig sind. Wenn also Bild oder die Kronen Zeitung von einem "Deutscher Hitzerekord in Wunsiedel an der Aller" berichtet, so lächelt jeder seriöse Meteorologe nur milde darüber.

Leider aber schreien sie viel zu wenig laut auf, wenn daraus Belege für Klimaerwärmung gemacht werden. Nicht, weil das nicht sein kann. Wäre es so, dann wäre es eben so, und auch der VdZ wäre nicht Narr genug, dies zu leugnen. Aber gerade Medien (und sogenannten Klimaforscher, die so gerne hätten, daß sie sich in ihrer Einschätzung doch nicht irrten) nützen gerne die Unmöglichkeit, Dinge wie "Hitze" (oder Kälte) in der Erinnerung zu bewahren. Weil nämlich das Empfinden von Temperaturen (außerhalb aller Quecksilgerthermometerproblematik am Balkon) von einer "Normallinie" abhängt, die sich ohne daß man es als solche erlebt verändern kann, und verändert. 

Simples Beispiel: Würden bei uns die Temperaturen tatsächlich um 2 Grad durchschnittlich steigen, würden wir das Wetter nach gewisser Zeit nicht als "wärmer" empfinden, als heute. Und jemand, der nach Somalia auswandert, empfindet die dortige Hitze nach einigen Jahren der Anpassung als "normal", und keineswegs als brütende Hitze, wie der Tourist sie bei seinem Badeurlaub sieht. Wir wollen dabei nicht über objektive Anpassungen reden, wie Wasserbedarf für Pflanzen, was auch immer. ('Aber selbst hier ist eine sogar recht flexible Anpassung allen Organischen an ein "Normales" augenfällig. Sogar die Yukkas des VdZ, die er in wahrer Zucht so herrlich grün hält, haben sich in ihrem Verhalten bis in die Eigenschaften der Erde hinein an die Gießbedingungen angepaßt, die er eingeführt hat.) Der Bewohner der Sahara würde umgekehrt einen raschen Abfall der Temperaturen als kalt empfinden, ihn würde sogar frieren, wo der Tourist immer noch Schweißausbrüche hätte. Ein komplexes Thema, im übrigen. Das alles aber nur zur ungefähren Illustration - es geht in einer Erzählung um das Symbolbild, das dahintersteht, nicht um die Exaktheit der erzählten Daten. (Moment, aber ist denn nicht ALLES Erzählung, der es um ein solches transzendentes Bild "dahinter" geht? Ist denn Erkenntnis je etwas anderes als ein subjektiver, nur mehr oder weniger schöpferischer Akt, aber immer ein solcher? Ach ja, sagt die Zeitung, sagt die öffentliche Meinung, bei den Menschen, NICHT ABER bei der Wissenschaft. Die ist "absolut". Wirklich, fragt aber nun der VdZ?)

Kurz: Der VdZ hat für seine Kindheit in den 1960iger Jahren sehr heiße Sommer, und sehr kalte und schneereiche Winter in Erinnerung. Aber die damals erlebten Temperaturen könnte er niemals (als physikalisch-meßtechnische Aussage) mit heutigen Sommer- und Wintererlebnissen vergleichen. Wenn er etwas vergleichen könnte, dann wäre das in höchstem Maß in Interpretationsrahmen eingebettet, die eine gar nicht abgrenzbare Fülle von Lebenserfahrung und Beobachtungen einbeziehen würde.

Weil sich eine "wissenschaftliche Aussage" wie Klimaerwärmung also nur im Langzeitmaßstab (mit immer gleichbleibenden Paradigmen einzelner Datenerhebungen) also überhaupt "feststellen" ließe, arbeitet die Klimaforschung mit einer enormen Menge solcher Datenhomogenisierungen und -ergänzungen. Die allesamt natürlich sehr subjektiven Interpretationen unterliegen, oft sogar so beträchtlich, daß Datensätze überhaupt nur mehr Annahmen - und keinesfalls "Meßergebnisse", nicht einmal relativ gesehen - sind. 

Wie weit das reichen kann, und wie entscheidend dabei diese Annahmen sind,  historische Daten den gegenwärtigen Voraussetzungen anzugleichen, und wie sehr dies diskutabel ist, zeigt ein erst jüngst auf Eike publiziertes Beispiel. Es betrifft das Australische Büro für Meteorologie (BOM). 

Dem nämlich nun vorgeworfen wird, die historischen Daten so lange und unzulässig "homogenisiert" zu haben, bis sie in das gewünschte Bild einer Klimaerwärmung paßten. Solche Vorwürfe könnten, übrigens, fast weltweit erhoben werden, das nur nebenbei. Und das passiert auch, mehr als der Öffentlichkeit bewußt ist. Denn man hört kaum etwas davon, und dem gemeinen Bürger sind diese Diskussionen auch gewiß zu kompliziert. Aber hier hat es natürlich entscheidende Folgen: Denn aus einer ABKÜHLUNGSKURVE, wie sie die Rohdaten ergäben, wurde damit eine ERWÄRMUNGSKURVE, wie sie die homogenisierten Daten zeigen. Nicht also, weil sie je "gemessen" wurden, sondern weil die Daten verändert - "homogenisiert" wurden. 

Soviel also zur Möglichkeit einer "objektiven physikalischen Messung" einer Klimaerwärmung. Der geneigte Leser möge sich selbst seinen Reim darauf machen. Er sollte aber in Zukunft durchaus ein wenig milde lächeln, wenn ihm jemand daherkommt, daß doch die Klimaerwärmung zu "leugnen" ein Witz sei, wo sie doch ... GEMESSEN werde. Und diesem dann ein warmes Bier servieren. Mit dem Hinweis, daß bei dieser irren Klimaerwärmung auch die Kühlung des Eisschranks nicht mehr funktioniere. Er wird, sei er dessen gewiß, dankbare Augen und Stoßseufzer der Erleichterung ernten. Vielleicht aber wird er verstehen, daß der VdZ Nachrichten zum Klimawandel zunehmend nur noch unter dem Label "Merkwürdigkeiten" einzuordnen vermag, in denen manches Verrückte dieser Zeit gesammelt wird.








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