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Dienstag, 12. Oktober 2021

Im Brackwasser der Rassenfrage (1)

Das Allgemeine - Vermutlich muß man jene Ursache annehmen, die eines der zentralen Probleme unserer Kultur waren, die ungelöst blieben, und somit zum wahren kulturellen Zusammenbruch führten, der etwa Mitte des 20. Jahrhunderts, also vor fünfzig, sechzig, siebenzig Jahren, lokalisierbar ist. Und damit zusammenhängt, daß es nicht gelungen war, die Naturwissenschaften mit der Metaphysik zusammenzubringen. 

Nicht, daß die Verbindung von Naturwissenschaft - Philosophie - Metaphysik (und im übrigen Theologie) nicht gelungen wäre. Hans André ist ein (grandioses) Beispiel für eine gar nicht so kleine Riege (soweit ich es überschaue, es sind also sicher weit weit mehr, die das zumindest als Problem gesehen haben) an Philosophen und Künstlern (wobei wegen des Materials, in dem sich das Denken abspielt, natürlich vor allem Literaten, Dichter) die dies versucht haben, und denen zum Teil zumindest ein gangbarer Ansatz gelungen war. 

Aber wie André es richtig sagt, ist dazu eine enorme Denkanstrengung notwendig. Und diese, so der Naturwissenschaftler (Biologie) und Philosoph, können und wollen vor allem viele nicht leisten. Auch im Denken hat sich eine Bequemlichkeit zur Norm entwickelt, die man nur noch als Ausgreifen der protestantischen Haltung bezeichnen kann - der Gang des geringsten Widerstands, der dann fast zynisch mit dem Prinzip des "Ockhamschen Messers" gleichgesetzt wird. Das da sagt, daß in der Natur immer das einfachste Konzept anzunehmen ist, weil das ihrem Wesen - als Schöpfung - entspricht.

Dienstag, 11. Februar 2014

(Schleichender) Paradigmenwechsel

Vielleicht illustriert dieses Beispiel, das der Verfasser in Hans André's "Urbild und Ursache in der Biologie" fand, dem geschätzten Leser  den entscheidenden Unterschied zwischen morphologischem, ganzheitlichen, gestaltorientiertem Denken, und der Denkweise der Einzelwissenschaften. Er ist grundlegend, und schließt sich einerseits zwar nicht aus, wird aber zum Verhängnis, wenn die Quantifizierung der Naturwissenschaft die Gestaltsicht verdrängt, das Denken selbst "quantitätenmorphisch" macht. Und damit den Zweck, den (herausgegriffenen) meßbaren Nutzen, zur abstrahierten Ursache setzt,* und aus diesen Zwecken schließlich ein ganzes Weltbild konstruiert, das als Interpretationshorizont alles weitere Forschen eingrenzt und bestimmt.**

Weil die Pflanze in ihrer Bestimmungsbereitschaft lichtgeöffnet wie eine aufblauende Finsternis und zugleich im Höchstmaß rein und aktiv lichtbezogen (und darum die gelben Strahlen am meisten ausnutzend) ist, kommt ihr als konforme Ausdruckqualität das Grün zu. Das ist die höchste Perspektive, unter der ich hier die Qualität Grün in ein einsichtiges Ordnungsschema bringen kann. 

Für den Ökologen und Physiologen liegt das Problem eine Stufe tiefer. Der Ökologe betrachtet das Grün unter dem Gesichtspunkt der möglichst zweckmäßigen Energieauswertung des Sonnenspektrums durch die Pflanze.Die Pflanze ist für ihn grün, WEIL SIE DADURCH die vielen roten Strahlen gegen die Dämmerung hin noch ausnutzen kann und nicht zu viel Wärme absorbiert, was z. B. der Fall wäre, wenn sie in schwarzer Färbung dem heißen Sonnenlicht ausgesetzt wäre. 

Die Einpassung des vitalen Energietransformators in sein natürliches Medium ist das Problem des Ökologen. Auch wie in bestimmten Fällen eine chromatische Anpassung an die veränderte Beleuchtung stattfinden kann, ist für ihn von Interesse. Den Physiker schließlich interessieren nur die Bewegungsvorgänge, die mit dem optischen Phänomen verbunden und seiner Messung und mathematischen Behandlung zugängig sind.



*Etwa derselbe Prozeß, der sich in Keplers Schriften aufweisen läßt, wo er anfangs noch die Bewegungen der Planeten als von Höherem gelenkt sieht, bis er über deren mathematische Berechenbarkeit zu einem rein physikalistischem Weltbild kommt, wo es "physische Kräfte" werden. Und plötzlich ist der gesamte Kosmos pure mathematische Physik.

**In seiner höchsten Steigerung, die an den Grenzen eben dieses Zweckdenkens auftritt: Der Welt die Kausalität überhaupt abzusprechen, sie zum (sinnlosen) Zufall zu erklären, weil sie (wie in der Quantenphysik) nämlich aus den Zweckhorizonten heraus (logischerweise!) nicht erklärbar ist.



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Montag, 3. Februar 2014

Ästhetik als Naturbedingung

Es ist auffällig, daß in der Tierwelt nur jene Sinnesreize wahrgenommen und gewichtet werden, die den jeweiligen existentiellen Horizont einer Gesamtwelt für dieses Tier (bzw. diese Art) bedeutet. Eine Eidechse wird beim Rascheln von Stroh aufmerksam und versetzt sich in höhere Spannung. Das viel lautere Tönen einer Glocke interessiert sie aber überhaupt nicht. Max Scheler nennt es "Qualitätenkreise", die für je verschiedene Arten gegeben sind, und eine Art Alphabet darstellen, wodurch die gleichsam lebendigen Worte der Milieudinge darstellbar werden. Nur als solche treten sie figurhaft und komplex-qualitativ aus einem relativ neutralen Hintergrund hervor.

Beim Verstandeswesen Menschen, das im Intellekt von der bloßen Sinneswahrnehmung zurücktreten kann, tritt diese Gestaltauffassung unter den Gesichtspunkt der Unterscheidung von Wesentlichem zu Unwesentlichem (und ist damit vom Sinnhorizont des Menschen für das Ganze abhängig). 

An Untersuchungen bei Verletzungen des vorderen Stirnlappens hat sich gezeigt, daß dieses Unterscheidungsvermögen stark leiden kann. Der Untersuchte hat offenbar eine Störung des phantasmatischen Vorstellungsvermögens, die aber zur Erkenntnis der Dinge wesentlich ist, weil diese nur über Abstraktion (und damit unter der Bedingung der Phantasie) erfolgt.

Etwa bei der Wahrnehmung einer Blume, zeigt Hans André - deren Kelch in seiner Innigkeit erfaßt wird, als "annähernde Kugel". Wird der Blütenkelch zerzaust, nimmt auch die Wahrnehmung diese Abweichung von idealen Formen als Störung wahr. Dem kommt ein in der Natur feststellbares Streben der Lebewesen entgegen, sich in Symmetrie und bestimmten "geometrischen" Verhältnissen zu konstituieren. Bei Störungen versucht jedes Lebewesen, sich selbst wieder in diese Symmetrien zu bringen. Aus sich heraus versucht ein Lebewesen, Störungen von Größenverhältnissen und Spannungen von "abstrahierbaren" Gestalten (und -teilen) auszugleichen, in bestimmte Verhältnisse zu setzen.

Das leitet dazu hin, daß sich die geistigen Formen quasi in der Natur selbst vorausgehend finden, und mit dem Verstand des Menschen korrespondieren. André nennt es "angenäherte Rationalität". Die menschliche Rezeption dabei ist keineswegs von der bewußten Tätigkeit abhängig, vielmehr bezieht sich der Verstand selbst auf diese vorausgängigen Größen und deren Spannungen zueinander.

Es ist also nur bedingt richtig zu sagen, daß Anschauungen ohne Begriffe "blind" seien. Denn es gibt ein unbewußtes Erkennen, das sich dennoch auf geistige Größen bezieht, ja dieses ist vorgängig. 

Otto Willmann meint dazu, daß man zwar davon sprechen kann, daß das Wesen und die in ihm begründete Zusammengehörigkeit der Dinge oder Eigenschaften ohne Verstand nicht erkannt werden. Daß aber in der sinnlichen Wahrnehmung selbst das potentiell in ihr liegende Denken bereits vorliegt. Die Bildung eines Begriffs dafür ist sohin nicht willkürlich, sondern trägt potentiell die Struktur des Stoffes (des Objekts) in sich.

Anders also, als Descartes schreibt und wie es heute zur fast allgemeinen Sicht wurde, sind die rex extensa (die Welt der Objekte) und die res cogitans (die Welt der Subjekte, die die Kultur bilden) keineswegs zwei unterschiedliche Welten, die miteinander nichts zu tun haben, sondern korrespondieren direkt über die Gestalt, ja beziehen sich auf dieselben Formen. Die der Mensch im Laufe seines Heranwachsens nach und nach als Grundformen, die der Welt und ihm selbst als Teil der Welt zugrundeliegen, abstrahiert, die dann den Inhalt seines Verstandes bilden.

Dieses Abstraktionsvermögen hinwiederum ist im Maß der Liebe zu messen, wie Scheler etwa schreibt. Denn die Liebe ist jene Kraft, die von den bloßen Reiz-Reaktions-Verhältnissen freimacht, und das Objekt als es selbst stehen läßt und erfährt. Die Liebe ist deshalb ein Akzidens des schauenden Intellekts, der nur so weit und so tief schaut, als er liebt, aber nur so tief und weit lieben kann, wie er schaut*.



*Etwas, das dem Tier nicht möglich ist, so komplex seine Reiz-Reaktionsverhältnisse auch werden können. Letztlich kann es sich vom bloßen "Reagieren auf Eindruck" nicht lösen. Der Mensch aber kann zwischen Subjekt und Objekt scheiden.
 



*030214*

Sonntag, 2. Februar 2014

Teil im Ganzen

Mit dieser Illustration macht Hans André in "Urbild und Ursache in der Biologie" ein bedeutsames Erkenntnisproblem beim Erfassen biologischer Ganzheit eines Organismus anschaulicher. Dessen Einzelteile, zerlegt man das Ganze, scheinbar als nicht mehr weiter zerlegbare Bestandteile identifizierbar sind, den Gesamtorganismus zusammensetzen, aber im Gesamtorganismus NICHT mehr als diese Einzelteile existieren, sondern Teil eines Neuen geworden sind.

Ausgangspunkt ist ein Swastika-Symbol, und dieses hat als solches ein Sein für sich. Nun läßt sich dieses kombinieren, zusammensetzen, auseinanderlegen, und es entstehen neue Gebilde, die allesamt die Grundelemente des Ausgangssymbols in sich tragen. Aber sie sind zu neuen Gebilden geworden, die ein neues Sein haben, das nicht etwa als Summation von Swastikas zu verstehen ist, und diese als Einzelne sogar gar nicht mehr gestalthaft erkennbar und als für sich stehend vorhanden sind. Man könnte aber umgekehrt nicht einmal sagen, daß sich das Swastika "auflöst", es ist nach wie vor auf eine Weise "enthalten", und dennoch umgeformt.

Ja, der Mensch (als Beispiel) besteht auf eine gewisse Weise aus einfachsten chemischen Elementen, und seine Einzelteile sind einzelne Zellen. Aber das Ganze ist etwas völlig anderes, und es hat eine völlig andere Gestalt. Wenn es auch in den Teilen die Grundeigenschaften des Einzelteils notwendig trägt und braucht, aber in neue Zusammenhänge stellt, das Einzelne (Kleine) damit überhöht. Das Ganze ist damit eine Überhöhung der Grundeigenschaften und Elemente des Einzelnen, aus dem es besteht, und doch ist es etwas Individuelles und Anderes, keine bloße Summe aus Einzelgestalten, das zum Vereinzelten, zum Teil, als diesem Fremdes, nicht Zugehöriges dazukommt. Und dennoch sind im Großen dieselben Gestaltprinzipien des Einzelnen angewendet.

Das Raster (1) etwa ist im Swastika nicht enthalten. Es ist der Geist, die Gestaltidee, die diese Potenz, diese Möglichkeit zu höherer (weiterer) Gestalt dazuträgt.







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Sonntag, 12. Januar 2014

Umkehr der Betrachtungsprinzipien

(Gedankensplitter) Nimmt man einem Faktor in der belebten Natur den Widerstand, so wächst er in Hybris aus, er wird uferlos, als suchte er den Widerstand. Denn es ist der Widerstand, es ist nur der Widerstand als Grundmerkmal der Welt, die eine Welt der GEGENstände ist, und sonst nicht, auf den hin sich jene Kräfte in einem Lebewesen regen, die die Selbstent- und ausfaltung als das eigentlichste Ziel allen Lebens, aber auch als die eigentlichste Kraft des Lebens anregen. Denn alles, was lebt, lebt in gewisser Weise "aus sich", sodaß sich im Menschen die allerumfassendste Autonomik findet, denn er lebt aus dem Geist, wurzelfrei, wenn auch nicht wurzellos.

In diesem Gesetz steckt eine regelrechte Umkehr der Betrachtungsprinzipien, wie sie in der derzeitigen Naturwissenschaft herrscht. Und wie sie sich bis zu den Erziehungsprinzipien, dem (cit. Doderer) "Förderwahn" der Gegenwart ausdrückt.

Der nämlich davon ausgeht, daß alles auf eine neutrale Art seine Wuchsrichtungen in sich hätte. Dies trifft aber nur auf einen strukturellen Bauplan, auf strukturelle Prinzipien zu - als Analogien geistiger Wesensgesetze, die allem zugrundeliegen.

Tatsächlich aber ist es der Widerstand, die Gegenständlichkeit der umgebenden Welt, die diese Prinzipien zu konkreter Fleischlichkeit resp. Dinglichkeit treibt. Es sind die übernommenen "Dinge", aus dem Einander-Zuneigen der Schöpfung, Bestandteile, die im Selbstwachsen der Dinge integriert und in einen neuen Sinnzusammenhang gefügt und - vom anorganischen ausgehend - überhöht werden. In einer Verwandlung, die ihren tiefsten, ersten Ursprung im Licht hat.

Um das Gesagte konkreter zu machen, ohne es weiterzutreiben: Wenn also beobachtet wird, daß in den Alpen die Wuchsgrenzen sich höherschieben, so ist die Ursache dafür nicht "in der Erwärmung" zu suchen, in "idealeren Bedingungen", sondern im Übergreifen normalerweise tiefer wachsender Pflanzen (Lebewesen) auf veränderte Bedingungen, die sie im Widerstand wieder mehr zu sich bringen, diese Selbstheit damit stärken.

Das würde auch die rhythmische Veränderung der Wuchsbedingungen erklären, die historisch nachvollziehbar sind, im nachvollziehbaren Verschieben der Wuchsgrenzen und -höhen, samt der folgenden bzw. zu diesem Ganzen, in dem sich alle diese Entwicklungen vollziehen, gehörigen Tierwelt. Denn Tier- und Pflanzenwelten sind gleichermaßen aufeinander hingeordnet. Wobei sich im Zuge dieser Veränderung auch das Kleinklima wandelt. Jene Umgebung, übrigens, in der dann auch die Meßstationen stehen.

Zumal es immer die Peripherien sind, in denen sich (in diesem Sinn:) Anpassungswandel vollzieht. Jene Peripherie, in der sich das Schicksal der Gestalt entscheidet, ja zum Weltschicksal WIRD.

Tier- und Pflanzenwelten sind sogar mehr, meint eine morphologische Schule um Hans André - sie sind im analogischen Sinn Pole. Wo die Pflanze die Ausbildung des Vertikalen bedeutet, in der sie Bindeglied zwischen Sonne und Erdhaftigkeit bedeutet, erster in letztere umwandelt - einschichtet - und damit Grundlage aller Lebewesen wird, in einem ständigen Pendeln zwischen Erde und Licht (in der Blüte), zwischen Gestalt und Auflösung der Gestalt. Während die Tierwelt horizontal ausgerichtet ist - sich innerhalb dieser Erdhaftigkeit bewegt. Und erst der Mensch diese Gesamtheit im Knotenpunkt beider Richtungen in sich faßt.

Zwar ist die Natur, ja die Welt ein Stufenbau, aber nicht im simpel linearen Sinn, wie es der Evolutionismus mißdeutet.

Nicht jedes Wachstum ist eine Wesensentfaltung eines Organismus bzw. einer biologischen Ganzheit. Eine Betrachtungsweise, zu der nur eine mechanistische, physikalistische Sicht kommt, die aus abstrahierten Vorgängen Grundgesetze konstruiert, die auch das Wesen der Dinge sein sollen. Aber es ist dieses Wesen, das den Dingen ihre Gesetze und Antriebe gibt. Nicht eine reduzierte Mechanik.
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Mittwoch, 1. Januar 2014

Stirb und Werde

An dieser Stelle haben wir bereits über die Fliess'sche Bemerkung geschrieben, in der er seine Beobachtungen zusammenfaßte indem er meinte, daß die Natur in dem Moment (bzw. zeitlich folgend), wo sie ihre höchste Vollendung findet - stirbt, ins Wesensbild ihrer Art aufgeht.

Daran läßt sich durch die Beobachtungen von Hans André wunderbar anknüpfen, einordnen in ein Gesamtgesetz allen Werdens, ausgedrückt im Kreuz. Bildhaft im Zellgeschehen dargestellt, wo sich das Zeugen, das Werden eines Neuen als zu Neuem zusammenfassendes Geschehen aus zwei zuvor folgenden Schritten ergibt.

Denn das Weibliche, Passive, läßt sich zurücksinken, gibt gewisermaßen das Formprinzip auf, um es DANN und in dieser Passivität vom Männlichen, Aktiven, zu empfangen. Die Zelle löst sich zum Nährgrund auf, in passive Bereitschaft, um das Gestalterische entgegenzunehmen. Wobei sich rein im physischen Geschehen noch gar nichts ableiten läßt - das Neue nämlich, das daraus dann im Nachwuchs erwächst, wird bereits von einem neuen Wesensbild geprägt und gestaltet und zur neuen Pflanze (etc.) hervorgetrieben. 

Die Blüte ist diese höchste Selbstrepräsentation, die höchste Gestalt, in der sie das Sonnenlicht expliziert, differenziert, als Kelch der Empfängnis, der Hingabe, um sich selbst dahinzugeben, ins Braun der Erdhaftigkeit zurückzusinken, zum grünen Brautkranz zu dem sich die Blüte zurückbildet, bereit im Sterben für ein neues Leben, in dem sich im Herabneigen der aktiven Potenz die Polarität von Mann und Frau zu einem neuen Einen zusammenfaßt.

Yrjo Hirn - auch darüber findet sich hier geschrieben - hat in seiner bemerkenswerten Untersuchung über den "Schrein" darauf hingewiesen, daß der Altar der Kirchen auf dieses Stirb und Werde zurückgeht, daß sich alle Symbolik der Gottesmutter auf dieses Schreingeheimnis bezieht. Denn auch der Altar war und ist als Schrein, als Totenschrein (der er ursprünglich buchstäblich war) zu verstehen, auf dem in einem nie auflösbaren Geheimnis neues Leben vom Leben selbst, vom im Geist herabgekommenen Gott Vater gezeugt wird, Sakrament, das sich dem Menschen als Nahrung gibt.




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Sonntag, 22. Dezember 2013

Folgen der Auflösung in Funktionalität

Über den gesamten Gang der Naturerscheinungen, faßt Hans André in seinem bemerkenswerten Buch "Vom Sinnenreich des Lebens" zusammen, läßt sich in Anbindung an die Sichtweisen von Alters her feststellen, daß das Wirkbild auch in der anorganischen Natur seiner Morphologie entspricht. Strukturbild und Wirkbild  sind innerlich so verbunden, daß sie im Sinne der aristotelischen Monade als "Ausstrahlungszentrum" eine Zweieinheit von Gestalt und verbundenem Bewegungsrhythmus darstellen. Das führt direkt zu kulturanalytischen Rückschlüssen. Denn:

Wenn die Bildsubstanz des Bewußtseins schwindet, und im Zeiterlebnis nicht mehr "Dauer" spürbar, im geschichtlichen Geschehen nicht mehr "Gefüge" faßbar werden, wohnt im Geschehen in seiner Einbuße am Rückhalt auch kein echtes "Zeitigen" mehr und löst sich alles in Proportionslosigkeiten auf. 

Durch den Entzug des Ewigen kann die Zeitlichkeit überhaupt erst als Abgrund sich öffnen und der Bau der Hoffnung stürzt in sich zusammen.

Deshalb ist es aber auch kein zwanghaftes Geschehen, wie Oswald Spengler es darstellt, kein unentrinnbares Schicksal, wenn sich, wie er meint, der Untergang des Abendlandes deshalb nicht aufhalten läßt, weil sich ein unüberwindlicher Gegensatz zwischen der starren Formalistik der Antike ("euklidisch") und der gestaltlos verfallenden abendländischen ("faustisch") Mathematik gebildet hat. Der zu unheilbarer Landflucht und Großstadtvolksvermassung führt. Spengler behielte dann durchaus recht, wenn man nicht die menschliche Freiheit in ihrer im Akt des Sterbens (des Kreuzes also) nie verlierbaren Anbindung an die drängende, ungenötigt schenkende Macht des Seins selbst sähe. Aus der in freiem Akt (der Liebe) die wirkmächtige Kraft der Form hervorgeht, bzw. in der sie sich findet. Die im Menschen auf Gott hin - und zwar im Maß seines Seins - entgrenzt ist. 

Darin unterliegt er so wie die gesamte lebende Natur dem "Stirb und Werde" - einer unentwegt möglichen Verjüngung (durch "Partialtod"). Er ist also dem Tellurischen nicht einfach ausgeliefert, nicht einfach einem Mechanismus ausgeliefert. Sondern seine Aufgabe zum Selbstsein - jenes Sein, in dem sich alles Irdische in Analogie synthetisiert - ist es gerade, dieses Tellurische (Irdische, auf die Erde Bezogene) in die Sinnfülle und damit das Geheimnis göttlichen Seinsaktes zu überführen, in dem (alleine) alles Seiende gründet.

Diese Verjüngungsmacht nennt Max Scheler beim Namen - die Reue, als jenes Vergehen (als Schwinden), aus dem gefäßhaft noch im höchsten Alter ein neuer "Seinskuß" vorbereitet werden kann, der in der Resonanz des Menschen zur (erneuerten) Gestalt wird. In der Reue ist der Mensch permanent verjüngungsfähig. In der Selbstschenkungsmacht, die im Opfer genauso wie, ja vorgängig zur Selbstent-/übereignung enthalten ist, kann ... der Eigenname erfüllt, alles Mechanistische überwunden werden.



*221213*

Sonntag, 24. März 2013

Wirklichkeitsverlust einer Kultur

"[...] Ausgehend von der philosophischen Analyse der organischen Systeme fanden wir ihre innere Einheit, ihren Mittelpunkt, ihren Logos in der Entelechie. Der Logos ist ihre ideale vom Keim umschlossene Keimkraft.

Er ist es auch bei dem Weltkeime, der in der Fülle der Zeiten in die Erde eingesenkt wurde. Man kann, wie Spengler, keine Morphologie der Geschichte schreiben, wenn man diese Morphologie nur von außen - vergleichend-physiognomisch - und nicht von innen, von ihrer inneren zeugenden Entelechie aus betrachtet. In der Selbstoffenbarung Gottes durch Christus hat diese Entelechie ihren tiefsten Reflex in das Bewußtsein der Menschheit geworfen, das göttliche Urbild in ihr aufleuchten lassen.

Die ungeheure Schicksalswende Europas ist durch den Punkt bezeichnet, wo es als faustische Kultur (im Sinne Spenglers) sich verselbständigt hat und dem lebendigen Leibe, dessen Mittelpunkt und Entelechie der Weltlogos Jesus Christus ist, entwachsen ist. Dadurch ist das Leben in einen Zustand geraten, der im tiefsten Grunde nicht mehr menschheitlich-organisch war, weil die innere Entelechie nicht mehr umfassend und restlos wirklichkeitseingesellt war."

Hans André in "Die Kirche als Keimzelle der Weltvergöttlichung" - Ein Ordnungsbauriß im Lichte biologischer Betrachtung


Das Dramatische am Rationalismus der Gegenwart ist nicht einfach seine Irrtumshaftigkeit, so als würde simplifiziert 3 + 3 nicht mehr 6 sein. Es ist die Irrelevanz, die er als Denkbewegung zwangsläufig erhält. Sodaß diese schlicht und ergreifend die sehr konkrete Welt sehr konkret nicht mehr zu erfassen vermag. Er verengt sich zwangsläufig in immanente Systeme, die aber zu einer fragmentierten Welt werden, in der nichts mehr Sinn hat. Damit produziert auch die Wissenschaft einer solchen Kultur jedwede Relevanz, sie fördert nur noch sinnlose Einzelaussagen, die sie zu Tatsachen stilisiert.



*240313*

Sonntag, 3. März 2013

Einheit der Natur

"Überblicken wir die Ergebnisse unserer bisherigen Untersuchungen (biologisch-chemisch-physikalischer Prozesse, Anm.) so zeigt sich uns
  1. eine harmonische Hinordnung des Anorganischen auf die Bedürfnisse des Organischen und
  2. eine dreifache gemeinschaftsdienliche Stoffwechseleinheit, die sowohl Kohlenstoff und Stickstoff als Baustoffe und Betriebsstoffe wie die Fermente und Hormone als Regulationsstoffe umfaßt.
Grundlegend in dieser Hinordnung des Anorganischen auf die Bedürfnisse des Organischen ist die Neigung des Kohlenstoffatoms zu Verkettungen unendlich mannigfaltiger Art. Dadurch ist die Möglichkeit zur Bildung der ungeheuren Mannigfaltigkeit von Körpern gegeben, die mehr oder weniger leicht ineinander übergehen und die Beweglichkeit und Anpassungsfähigkeit in den physiologischen Bedingungen des Lebens garantieren."

So schreibt Hans André in "Einheit der Natur", wo er zeigt, daß wissenschaftlich erfaßbare Prozesse auf der Erde in unendlicher Komplexität und Ineinanderfügung zwei Ziele anstreben: die Ausfaltung jeweiliger Formmöglichkeiten (als historischer Prozeß) aller einzelnen Glieder, und das Wahren eines jeweiligen Ganzen, das letztendlich im Ganzen des Kosmos gründet, wie in diesen einmündet. Und in hierarchischer Gliederung einander dienen: das einfachere dem Komplexeren. Mit dem Gesamtzielt: dem  Menschen, in dem alle Prozesse vorhanden sind. Thomas von Aquin schreibt deshalb völlig zurecht, daß alle anorganische Natur, ja die Natur insgesamt in ihrem Streben, letztlich nur einem dient: der Vermehrung menschlicher Seelen.

Kein Vorgang in der Natur kann schlichtweg abstrahiert und für sich genommen werden, und in der Natur beobachtbare Prozesse sind ohne ihr Insgesamt, auf das hin sie ausgerichtet sind, nicht verstehbar, und auch nicht wirklich beschreibbar. Was sich schon alleine darin zeigt, daß kein chemischer Prozeß vollständig reversibel ist, zumindest nicht in lebendigen Organismen. Chemische Prozesse können nicht aus sich, sondern nur im Rahmen ihrer Einordnung in ein Insgesamt zum Verstehen der Natur (eines Organismus, einer Wesenheit, eines Lebensraumes damit gleichermaßen) beitragen. Eigentlich heißt das ja: ein Verstehen belegen.
Alle organismischen Systeme und Einheiten der Erde stehen in einem Bestreben, sich stabil zu halten, alle Prozesse sind streng teleologisch, von einem Ziel her bestimmt (nicht: teleonomisch*). Und sie umfassen sämtliche anorganischen wie organischen Elemente, die sich immer in einem Zueinander verhalten. Keine Störung eines Gleichgewichts ist dazu in der Lage, das Insgesamt zu vernichten. Vielmehr löst es Gegenreaktionen vielfältigster und komplexester Art aus, die letztendlich ein (nie erreichtes, immer nur als Ziel vorhandenes) ursprüngliches Gleichgewicht herstellen. "Das Leben," schreibt er, "hat alle Möglichkeiten des irdischen Seins in seinen Dienst gestellt."

Unsere Aufgabe als Mensch kann es deshalb nie sein, abstrakte "Gesamtzustände" (direkt) herstellen zu wollen. Das übersteigt wesensnotwendig unsere Möglichkeiten. Unsere Aufgabe kann lediglich sein, im Einzelnen, in der direkten Alltäglichkeit und Begegnung, Wesensgemäßheiten vielfältigster Art zu entsprechen.

Das Insgesamt der Welt ist uns in seinen Funktionsabläufen aber verborgen, nur aus einem Sinn erfaßbar. Zugleich muß man aus dem Beobachten der Natur in all ihren Stufen wissenschaftlich betrachtet davon ausgehen, daß die Erde ein menschliches Tun unendlich übersteigendes Gesamtsystem ist, in welchem gar keine Prozesse möglich sind, die außerhalb der Gesamtharmonie bzw. des Strebens nach einer solchen stehen können.

Zu glauben, der Mensch wäre also tatsächlich in der Lage, die Erde aus ihrem "Sinnganzen" zu reißen, Gott quasi "aus der Hand zu schlagen", uns "außerhalb des Schöpfungssinnes" zu stellen, ist groteske Selbstüberschätzung, ja Wahn. Wahn ist es deshalb auch zu meinen, man könnte oder müßte durch Korrekturmaßnahmen am Mechanismus diesen Sinn wieder herstellen.

Der Sinn menschlichen Lebens liegt ausschließlich in ihm, im Einzelnen selbst begründet. Ethisches Leben ist deshalb immer subjektive Lebensgestaltung und -aufgabe. Wo immer deshalb Gesamtregulierungen diese subjektive, jeden Moment neue, nie vorhersehbare, aktualistische Aufgabe, die aus der Wechselbeziehung mit seiner unmittelbaren Umgebung erwächst, außer Kraft setzen wollen, führen sie zwangsläufig zur Verwirrung. Aber selbst diese kann nicht das Insgesamt der Schöpfung zerstören. Aber es kann viel Leid verursachen, und zur (immer subjektiven, und nur darum geht es!) Verfehlung des jeweiligen Lebenssinns verführen, wenn nicht gar zwingen.

Kein Mensch darf zum Zweck entwürdigt werden. Nie hat der Mensch die Aufgabe, "die Welt zu retten", und deshalb seine eigentliche ethische Aufgabe "auszusetzen". Immer nur hat er die Aufgabe, sich selbst (und die ihm als Verantwortung anheimgegebenen Dinge und Menschen) zum Heil, zur Vollausfaltung zu führen, beizutrage, daß alle und alles den ihm aufgegebenen Lebenssinn zu erfüllen vermag.
Verantwortung für ein Gesamtsystem, für einen Organismus, ist untrennbar und undelegierbar an die subjektive hierarchische Stufe eines Einzelnen gebunden. Ihm obliegt es, subsidiär die harmonische, gute Entwicklung der Teile des Ganzen zuzulassen, zu ermöglichen, zumindest nicht zu behindern. Systeme, die in diesem Sinn falsch (als: unnatürlich) sind, bewirken aber nicht, daß "alles" zugrunde geht, sondern daß ihre Lebensdauer historisch begrenzt ist.
Weil nichts auf Dauer der Natur der Dinge entgegen Bestand haben kann. Das zeigt sich in jedem noch so kleinen organischen System genauso, wie in der großen Weltpolitik. Gleichzeitig kann kein noch so falsches Gesamtsystem wirkliches Hindernis sein, den subjektiven Lebenssinn zu verunmöglichen. Er muß sich nur andere Weisen der Selbstauszeugung suchen, und darin kann allerdings ein System seine Glieder überfordern.

Weil aber nur bleiben kann, was Anteil am Sein hat - INDEM es ist, nicht DURCH sein Sein, das also diesen Anteil auch ablehnen könnte - ist der Sieg dieser Seinstreue - als Selbstsein, noch einmal - immer schon gewiß. Denn jeder Irrtum ist Selbstverfehlung als Verfehlung der Lebensentfaltung, und damit historisch notwendig Zerfall.
Es ist pure Phantasie - über die Motive die zu ihrer Auszeugung führen zu sprechen ist deshalb viel zielführender, als über "wissenschaftliche Details" - zu meinen, der Mensch könnte Entwicklungen in Gang setzen, die zur Auslöschung des menschlichen Lebens führen, auf daß die Erde dann (vielleicht beherrscht von den Ratten, oder Ameisen) weiterbestünde, nur ohne Menschen. Es ist deshalb auch pure Phantasie (und insofern völlig im Gleichschritt der geistigen Erscheinungen unserer Zeit) zu meinen, wir könnten Klimawandel auslösen, die das bewirkten, oder, umgekehrt, verhindern.

Wir haben immer nur eine Aufgabe: das Wesen der Dinge zu erkennen, die uns umgeben, und ihnen als wir selbst - im oft kleinsten Maßstab - zu antworten.** Dann handeln wir auch ethisch, dann handeln wir verantwortungsbewußt. Wir haben ganz sicher nicht die Aufgabe, uns um das Eis des Nordpols zu kümmern. Wir haben aber die Aufgabe, die Schönheit und Größe der Welt in unserem engsten Umkreis zu bewahren, zur weiteren Entfaltung zu bringen, und zu achten. Böse ist nicht der, der darin oft schwierig zu erkennende Kompromisse der Zulassung finden muß, um das geringere Übel zu wählen, weil die höheren, ihn zwingenden Lebensumstände es so verlangen. Böse handelt der, der meint, um eines Höheren willen Schlechtes gezielt tun zu dürfen und Landstriche zu verwüsten, um ... 
... ja, warum eigentlich? Um "die ganze Natur" zu retten? So ein Verhalten kann nur im Chaos menschlicher Lebensumstände enden.



*Schon erkenntnistheoretisch ist Teleonomie - Ziele werden lediglich als Ergebnisse zufälliger Prozesse als solche benannt - zur Beschreibung von Natur ein Zirkelschluß und sinnlos. Denn Erkennen ist ohne vorausgehende Wesenserfassung unmöglich, bliebe inhaltslos.
**Wer sich nur oberflächlich mit Einzelprojekten befaßt, die im 19. Jahrhundert zuhauf auftraten, und eine völlige und historisch noch nie dagewesene Umgestaltung unserer Lebensumstände begannen, stößt sehr bald auf viele viele Warner, die genau jene Zerrüttung vorhersagten und zu verhindern suchten, die wir heute vor Augen haben. Aber der Wahn, in den so viele gefallen waren, setzte sich mit teuflischer Kraft durch, nur in seltenen Ausnahmen konnten sich die Warner durchsetzen.

Und werden oft genug noch heute belächelt. Wie bei der Verhinderung der Abholzung des Wienerwalds. Oder wie in den vielen Fällen, wo Bürger eines Ortes keine Bahnanbindung wollten, weil sie die Zerstörung ihrer Lebensweise - völlig zu Recht - nicht wollten. Die Nachfahren dieser selben Bürger laufen übrigens heute, um eine Autobahnanbindung zu erreichen ...


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Dienstag, 26. Februar 2013

Kultur stammt nicht aus Sublimation (7)

7. Teil) Der selbstverständliche Urtrieb der menschlichen Seele - 
Der Trieb zur Selbstauszeugung




Entgegen häufiger Behauptungen, daß der Mensch, so wie alles Lebendige (das ja alles auch eine Seele, wenn auch unterschiedicher Art hat), sich im bloßem "Überlebenstrieb" erklären ließe, zeigt Alexander Pfänder in "die Seele", daß dies keineswegs ausreicht, um das tatsächlich beobachtbare Verhalten der Seele aus einer Wurzel heraus zu erklären. Ja im Gegenteil. Das bloße Überleben selbst ist lediglich eines der Mittel, deren sich die Seele in ihrem Bestreben, sich zur Fülle auszuzeugen, bedient. Und es ist keineswegs das einzige oder hauptsächlichste Ziel des Menschen.

In ihm finden alle anderen Triebe ihr Maß und ihren Sinn, hier schließen sich erst und endlich die Kreise. Er befeuert das Seelenleben zu seiner Vielfältigkeit und Komplexität. Sämtliche übrigen Triebe lassen sich aus ihm heraus als Partialtriebe verstehen, die einem einzigen Gesamtziel dienen. Dem Ziel der Seele, sich ihrem Wesen gemäß in die Welt hinein zu entfalten, ins Fleisch hinein genauso, wie im Weg zu sich selbst, in der Reflexivität. Umgekehrt verlieren alle Partialtriebe - die dann als Mittel zu sehen sind - ihr Maß und ihr Ziel, wenn sie aus diesem aus sich heraus alles einenden Urtrieb heraustreten.

Geht man noch einen Schritt weiter, so läßt sich alles Lebendige in einem Stufenaufbau erfassen, wo das Physische im Psychischen integriert ist, und dieses wiederum im Geistigen, wie beim Menschen konkret, sodaß das je Höhere (als Übergeordnetes Prinzip) das je untere in sich einschließt und nach ihren Prinzipien prägt. Was heißt: Zur Vollauszeugung in gewisser Hinsicht prägen sollte, weil unausbleiblich ohnehin prägt. (S. u. a. der Entelechiegedanke bei Hans André, "Die Einheit der Natur") Es gibt den Menschen also nicht, der keine geistige Weltanschauung hätte. Es gibt aber den, der sie nicht kennt oder kennen will.

Und hier, aber auch genau hier, schließen sich somit die Kreise des Konkreten, Dinghaften, zur Metaphysik des Seins überhaupt. Denn selbstverständich fällt das menschliche Dasein, die menschliche Seele, in ihrem Wesen und in ihrem Sinn nicht aus dem Wesen und Sinn des Daseins der Welt überhaupt heraus.  Erst wenn - und in dem Maß und in der Art, wie man es tut - man das Wesen des Seins überhaupt, das Wesen aller Dinge begreift, erschließt sich auch das Wesen des menschlichen Seelenlebens, wird es verstehbar. Denn das Wesen der Welt IST Selbstauszeugung. Dieser Grundzug läßt sich allem Seienden, allen Dingen, allen Sachen letzterklärend, aber letzterhellend, beimessen. Erst wenn man weiß, versteht, was die Welt überhaupt ist und soll, versteht man auch den Menschen.

Alle, und gerade die heute geläufigsten, Erklärungsversuche und Sinnmodelle des Menschen gründen deshalb in einer Art und Weise, die Welt - das Seiende als Sein - überhaupt zu sehen. Ob sie das explizit wissen und ausdrücken, oder nicht (was am häufigsten der Fall ist). Wird hier schlampig, fehlerhaft gedacht, zerfällt alle übrige Erklärungsmöglichkeit, wird bruchstückhaft und ungenügend. Gustav Siewerth schreibt deshalb völlig zurecht, daß wenn die Ontologie der Philosophie versagt, einerseits die tiefsten Rätsel des Seins unverständlich werden (ausgehend ganz konkret vom Wesen der Dreifaltigkeit, das ohne Chance auf Verstehen bleibt), so wie sich in diesem unauflöslichem Zusammenhang aller Stufen des Denkens - wo die Erstprinzipien alle übrigen Gedanken formieren und bedingen, ja in einer gewissen Zwangsläufigkeit, Logik zueinander stehen - auch die konkreten Dinge der Welt verschließen.*

Darein reihen sich dann auch weitere Beobachtungstatsachen - wie die, daß alles was ist, auch und vor allem ein Sein für die anderen ist. Und erst in diesem "Sein für" ein "Sein für sich". Womit auch jene Grenzen berührt werden, wo der Mensch, seine Seele, selbst zum Geheimnis wird. Ohne in Irrationalität oder "Unverständlichkeit" zu versinken. 

Und damit schließt sich diese kleine Artikelserie, die natürlich nicht beansprucht, in jeder Hin- und Rücksicht ausgeführt zu sein. Sie konnte und wollte nur anreißen, zu einem kleinen Überblick zusammenfassen. Zeigen, daß hier, und genau hier, Sinn und Wesen von Kultur beginnt. Als Ausfluß wie Kontur menschlicher Gestalt, der Frucht der Selbstauszeugung der Ideen Gottes, der diese Ideen auch ist. Und in deren ohnendlicher Realität unser Personsein als Geschöpf gründet. Das im Zueinander von für-sich-Stehenden Entelechien das immer je aktuelle und darin geschichtliche Gesicht einer Kultur darstellt. Entfernt sich also eine Kultur vom Sein selbst, so fällt sie in sich zusammen. Umgekehrt lebt sie erst und nur aus der Selbstauszeugung der Menschen. Denn es gibt keine inhumane oder "andere" Kultur, so viele Scheinformen von Kultur es geben mag. Es gibt nur eine Kultur, die sich in dieser Grundwesenheit des Lebendigen verfehlt, und damit zum Tode zerfällt.

Völlig zum Gegenteil also von Freud ist Kultur kein Produkt eines Staus von Trieben "niedrigerer" Qualität zugunsten höherer Tätigkeit, sondern überhaupt nicht aus Triebstau erklärbar. Vielmehr kommt es auf das vom Ich, der zentralen Mitte her definierte Zueinander und auf die richtige, dem jeweiligen Individuum gemäße, also von Mensch zu Mensch verschieden gewichtete Entfaltung und Bewahrung vor Entartung (Maßverlust durch Loslösung vom zentralen Ich) aller Strebungen im Dienste einer zentralen Aufgabe: Der Selbstauszeugung, der Entelechie.

Kultur ist also kein Ersatzprodukt beengter quasi untermenschlicher Natur. Sie ist die Vollendung der Zielung aller Natur, auf all ihren Ebenen. Die in ihrer Entfaltung sohin graduell mehr oder weniger, je  nach Seinsstufe ausdifferenzierte, vollkommenere Abbildhaftigkeit Gottes wird. In dessen Einem, dem Sein, das alles umfängt und als Akt erhält, sie ihre Einheit findet, Ecclesia wird.






*Es gibt deshalb keine, und zwar wirklich keine Psychologie, die nicht eine Weltanschauung und eine religiöse Haltung wie Entscheidung zu ihrer Grundlage haben. Es gibt deshalb auch keine psychologische oder psychoanalytische Methode, die NICHT metaphysische Modelle und Vorentscheidungen zur ihrer Grundlage hat, und in ihrem Sinne auf eine "Lösung" hinarbeitet und ausgerichtet ist. Das zeigt das ganze Elend der heutigen praktischen Psychologie auf. Die diese Tatsache noch dazu häufig verweigert, und damit ihre eigenen Grundlagen - aus den unterschiedlichsten, selbst psychologisch untersuch- und verstehbaren Gründen - unbewußt und ununtersucht läßt. Sodaß die Psychologie in den allermeisten Fällen der Gegenwart (es gibt nur ganz wenige in dieser Hinsicht verdachtsfreie "Methoden", sofern das überhaupt Methoden sind) subjektives Mittel zu subjektiven Zwecken der Psychologen selber wird.






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