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Dienstag, 8. November 2022

Die Identität der Hörigkeit

Agere sequitur esse - Das Handeln folgt dem Sein. Deshalb ist Ausgangspunkt jedes menschlichen Handelns die Identität. Und erst recht die Kraft, in der jemand handelt, von der immanenten Stärke seiner Identität abhängig.

Das hat sich in den letzten drei Jahren in atemberarubender Intensität gezeigt. Und geht natürlich nun weiter. 

Das weiß auch die Psychologie des Behaviorismus, deren sich auch die Politik bedient. Und lange schon begonnen hat, Handlungsimperative durch Schaffen einer Identitäts ins Volk zu tragen. Um sich so Verhalten zu erschleichen, das ihren Vorstellungen entspricht.

Mittwoch, 24. Februar 2021

Menschenunwürdigkeit als Alltagshaltung

Fast muß man sagen: Im Gegensatz zu Deutschland. Fast muß man das sagen, wenn man die Lage der öffentlichen Diskussion zur Corona-Frage betrachtet. Denn immerhin gibt es in Österreich (und auch in der Schweiz), einige Außenseiter mit Gewicht, die in einer Offenheit das Leben der Vernunft befeuern, die bemerkenswert ist. Einmal mehr muß also Servus.tv vor den Vorhang geholt werden. 

Das in diesen Tagen mit der Reportage "Geächtet und ausgegrenzt - Die Corona-Kritiker!" den bisherigen Höhepunkt im Fernsehgeschehen 2021 gesetzt hat. Konzentriert und ausgewogen werden die Positionen vorgestellt. Daß sich dennoch ein klares Bild ergibt, ist dieser Objektivität geschuldet. Und die legt ein Urteil nahe, das verheerend für die gegenwärtige Politik in unseren Ländern ausfällt. 

Wir bringen auch diesen Film hier. Er soll zumindest als Archivordner die hier von Anfang an vertretene Linie ergänzen. Nicht zuletzt soll auf einige wunderbar herausgearbeitete Argumente hingewiesen werden, die im Alltag auftauchende Fragen in eine lichte Antwort heben. So die Frage, warum so viele Menschen in dieser kollektiven Hatz auf Corona-Kritiker mitmachen.

Der Psychologe und Verhaltensforscher Roman Braun gibt dazu eine einleuchtende Antwort, die weitere Facetten zu hier bereits angestellten Analysen liefern: Die Menschen erleben eine Bedrückung, der sie sich aus Angst vor der Obrigkeit (und vor der von dieser veranstalteten irrationalen, gigantisch aufgeblasenen und in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Krankheitsgefahr weit überdimensionierten Angst vor diesem Virus) unterwirft. Und damit Leid erfährt. Nun erlebt sie aber in den Corona-Kritikern eine Menschengruppe, die sich diesem Leid widersetzt. Und das macht aggressiv. Denn nun wird - mit dem Rückenwind der offiziell verhängten Bedrückungen - die Teilnahme an diesem ihrem Leiden verlangt. Gegen das aufzustehen sie selbst den Mut nicht haben.  

Sieht man die Gesamtheit der Angelegenheit fällt die Antwort beängstigend eindeutig aus: Wir sind auf dem Weg zu einer autoritären Staatsführung schon sehr weit fortgeschritten. Die Umerziehung der Bevölkerung ist schon weit vorangeschritten. 

Die Menschen sind an die Irrationalität, Unberechenbarkeit und Widersprüchlichkeit der Regierenden wie in einem pädagogischen Programm bereits gewöhnt worden. Sie sind somit von den willkürlichen Äußerungen abhängig gemacht worden und erwarten Erleichterungen nur von weiteren Einschränkungsmaßnahmen, die mit einer Süßkirsche verziert sind, die es zu genießen gibt, wenn man sich noch weiter für blinden Gehorsam entscheidet und der Vernunft den Laufpaß gibt. Nur - das ist eben genau nicht Gehorsam. Es ist bösartige Dressur.

Der VdZ hat das jüngst erschienene Buch "Inside Türkis" gelesen. Das heißt ... nach der Hälfte erbost ins Eck geschmissen. Buchstäblich. Denn hier liegt ein Machwerk vor, das einen Gipfelpunkt der Frechheit darstellt. Und ein beredtes Bild von der Perfidie der derzeitigen Regierung in Österreich entstehen läßt. Die den Leser verarschen. Die in diesem Buch dieselbe Taktik anwendet, die ihr Regieren auszeichnet: Die Verachtung der Menschen, die zu bloßen Objekten der Manipulation werden. In "Inside Türkis" wird der Leser, der sich diese reine PR-Geschichte durchliest, die rund um die Kurz-Clique einen Mythos aufbauen soll, für seinen Gehorsam mit (lächerlichen) Enthüllungen belohnt, die ihn an der Stange halten sollen, den ganzen übrigen Quatsch als ernsthafte Aussage zu lesen. 

Was in diesem Buch auffällt ist, daß es sich hier (also in der gesamten Regierungsmannschaft und den Menschen in deren engerem und weiterem Kreis) um eine Riege junger Menschen handelt, die in ihrem Leben nichts anderes gemacht haben als im Dunstkreis der Politik - in dem sie bereits aufgewachsen sind, sodaß sie schon als junge Menschen in ein ganzes Netzwerk der Macht eingebettet waren - ihre Karriere aufzubauen. Sich also Geltung zu verschaffen. Man ist es längst leid, als Berufsbezeichnung "Unternehmensberater" oder "Coaching" zu lesen, man ist es leid, als Legitimation für Führungsanspruch irgendwelche internationalen Hochschulen akzeptieren zu sollen, man ist es leid, sich von niederträchtigen Rotzbuben auf der Nase herumtanzen lassen zu sollen, die vom Ernst des Lebens nicht den Funken einer Ahnung haben. 

Und ... man ist es leid, ständig bei den Biographien dieser ÖVP-Leute zu lesen, sie seien "katholisch", oder gar "sehr katholisch". Das Schweigen der Kirche zu der Angelegenheit Corona, die eine Angelegenheit eines schweren Verbrechens gegen Mensch und Gott ist, ist dabei umso schmerzhafter, und ihre völlige Absenz aus dem öffentlichen Diskurs macht umso wütender. 

Wie diese Leute nach oben gekommen sind? Das ist einfach, und steht freilich nicht in "Inside Türkis". In den 1990er Jahren war allen etablierten Parteien und Institutionen (auch der Kirche) klar, daß sie die Jugend verloren haben. Also kam man mit schweren Erklärungen daher, daß es ein Zug der Zeit sei, "politikmüde" oder "institutionenmüde" zu sein, daß der heutige Mensch keine Bindung mehr wolle, sich seine Lebenspartner je frisch und spontan aussuche, die ihn dann ein Stück weit begleiten, aber alsdann wieder entlassen würden. So wurden alle diese Institutionen zunehmend von alten Männern beherrscht. 

Die sich aber wie Schneekönige freuten, wenn es doch junge Menschen gab, die Interesse an ihrem Lebenswerk bekundeten! So war es in den letzten drei Jahrzehnten extrem leicht geworden, mit Berechnung und Cleverness in bestehenden Instanzenzügen und Einrichtungen nach oben zu kommen, Karriere zu machen, und bedeutende Positionen zu erlangen. Und so kamen wir in die Situation, daß wir nahezu überall von Menschen beherrscht und bestimmt werden, die nicht nur fragwürdigen Charakters sind, sondern denen auch jede Empathie und Eignung für die Position fehlt, die sie innehaben. 

Weil wir aber in einer "Demokratie" leben, weil wir in einer Gesellschaft leben, die so tut, als wäre es nicht nur möglich sondern erforderlich, nicht DURCH STRUKTUREN, durch ORTE, sondern DURCH MENSCHEN Leben und Welt zu bewältigen, sodaß es ohne Menschen auch keine Strukturen mehr gibt. Weil also angeblich ein Staat, eine Gesellschaft ein rein funktionales Gebilde ist, das wie eine Maschine betrieben werden muß. Somit werden Junge zu Wettläufern um Zertifikate. Das nennt man dann Bildung. 

Aber in einem Staat, der nicht aus sich heraus besteht, sondern mit den Menschen steht und fällt, fehlen auch sämtliche objektiven Kriterien der Existenz. Diese werden nun durch Zertifikate ersetzt, die Qualifikationen ausweisen sollen. Diese wären es dann, die zu sämtlichen Positionen reichten und notwendig wären. Es ist also nicht mehr die Selbsttranszendierung HIN auf einen objektiven Ort, die Welt ist nicht mehr ein Spiel der Orte (damit: der Rollen), sondern eines der zufälligen Personen. Eines, dessen Gestalt beliebig veränderbar ist. (Deshalb mußte auch Sebastian Kurz eine "Bewegung" gründen, das nur als Hinweis.) Und das ist falsch! Nicht die Person macht das Amt, sondern umgekehrt.

Die faktische Realität ist aber mittlerweile anders. Und zwar nicht, weil sie (wieder) an sich anders wäre, sondern weil sie mit viel Kraft anders gehalten wird. Dieser Mythos der Fähigkeit, die die Institution ersetzt (weil die, wie gesagt, an sich keine Kraft habe), wird permanent aufrecht erhalten. In den Medien, an den Universitäten, einfach überall. Er hält somit alle, und zwar wirklich alle blind.

Aber damit haben wir, was wir haben: Eine Gesellschaft, die von Menschen bestimmt wird. Und damit von der Willkür und Fehleranfälligkeit dieser Menschen. Die nun alles tun, um diese Fehlerhaftigkeit zu verbergen, denn das ist die Frage des Überlebens: Die Untergebenen müssen glauben, daß man fehlerfrei ist.

Sie brauchen damit das, was in gesunden Gesellschaften, die sogar ohne Personen, die die Rollen einnehmen, bestehen und (zumindest eine Zeit lang, manchmal aber "ewig") funktionieren würden, ein unsichtbares, "heiliges" Gerüst, das aber alles trägt, erfüllt: Sie brauchen diese Saga der Heiligkeit. Sie brauchen den Mythos. Sie brauchen das Geheimnis (diesen Schlüssel zur Unsichtbarkeit, und das Wirkliche ist eben unsichtbar - nur nicht umgekehrt, aber das ist nicht immer gleich erkennbar) rund um sich. Sie brauchen den Glauben der Menschen, daß es rund um sie eine ganze Korona (sic!) von Verbindungen, Macht, Freundschaften und Know-How gibt.

Somit brauchen sie auch eine Politik, die zunehmend alles bestimmen will. Egal ob sie das bewußt anstreben (was sie meist negieren würden), oder nur unbewußt (und somit davon getrieben sind): Jeder Mensch ist von seiner inneren Grammatik bestimmt. Aus dieser stammt sein Wille. Damit wird die Herkunft, die Geprägtheit des Geburtsmilieus doppelt bestimmend. Und damit die Willkür zum wesentlichsten Element der Politik. 

In gesunden Gesellschaften hat der normale Mensch kaum je etwas von Politik überhaupt mitbekommen. Er hat sein Leben gelebt, seinen Alltag durchgestanden, war geborgen, hat gearbeitet, geschaffen, gewerkt, hat gezeugt und sich fortgepflanzt, und ist im Wissen gestorben, daß seiner weiterhin gedacht wird.

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In kranken Gesellschaften bestimmt die Politik mehr und mehr jede noch so alltägliche Handlung, jedes noch so klandestine Verhalten, und knackt jede noch so intime Persönlichkeitssphäre. Und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit. Denn das braucht es in den Augen dieser jener (und sie sind davon tatsächlich überzeugt, und das ist von ihrer Warte aus sogar notwendig und folgerichtig), um so eine Herrschaft, ja so eine Struktur - weil damit "die" Gesellschaft, die ohne sie ins Nichts fällt! - überhaupt in der Welt halten zuu können. 

Man mache doch die Augen auf. Mehr Zeichen können kaum noch an der Wand stehen, und noch deutlicher kann der Spruch doch kaum noch ausfallen: Mene - mene - tekel - upharsin!


*200221*

Sonntag, 12. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (6)

Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


Weiterführender Hinweis: Wer sich mit den Wirkungen der Pornographie aus der Perspektive neuro-biologischer Forschung näher befassen will, dem sei als erster und recht brauchbarer Einstieg in die medizinische Problematik der Pornographie beziehungsweise der Masturbation diese verlinkte Seite "Your Brain on Porn" empfohlen. 

Denn keineswegs ist die Diskussion über die sträflich verschwiegene Schädlichkeit von Pornographie (und Masturbation!) eine Glaubens- oder bloße Moralfrage, als die sie oft abgetan wird. Vielmehr zeigt sich einmal mehr, daß die Moral (gerade in Fragen der Sexualität) auf eine konkrete Konstitution der menschlichen Natur zugreift, gegen die zu verstoßen schwere gesundheitliche und seelische Schäden zur Folge hat. Die wissenschaftlich evident, also meßbar, darstellbar sind. 

Wenn heute gerne darüber gelacht wird, daß noch vor hundert, hundertzwanzig Jahren Meinungen die wissenschaftlich-medizinische Welt durchstreiften, dergemäß die Masturbation Erweichungen bei Rückenmark und Gehirn zur Folge hätten, so muß gesagt werden, daß diese abstrakten Folgerungen aus der ontologischen Struktur des Geschehens bei der Masturbation sehr wahr bezeichnet werden könnten: Persönlichkeit ist das Resultat (wie die Basis) für ein Hinausstrecken in das (immer unsichere, also Mut verlangende) Begegnende, und braucht dazu deshalb eine gewisse "Festigkeit". 

Weil Masturbation genau das Gegenteil bedeutet und bewirkt, ist es keineswegs dumm, von "Erweichung" zu sprechen, spricht man über ihre Folgen. Die sich als geistiges (ontologisches) Geschehen selbstverständlich auch physisch realisieren. Bis hin zu "weichen" Gesichtern bei Invertierten (bei denen man auch von Narzißten sprechen kann, diese Begriffe decken sich über weite Strecken) läßt diese Wirklichkeit erkennen.

Und dieselben Vorgänge lassen sich in jenen Geschehen ausmachen, die wir als AIDS bezeichnen. Sie sind genauso dort wiederzufinden. Weil ein Versagen des Immunsystems gleichbedeutend mit dem Aufweichen und Niederreißen von Grenzen (also dem Verlust der Distinktheit als Wesen der Identität) ist.

Somit haben wir Wirkungen, die sich in denselben Ursachen begründen: Der invertierten sexuellen (als leiblichen, also den Leib formierenden) Betätigung. Zumindest als Sprache der Bildlichkeit wurde seit je die wirkliche Wirklichkeit dieser Art der sexuellen Praxis sehr zutreffend beschrieben. 

Man muß es deshalb auch so formulieren: Die Pornographie, speziell in ihrem Zusammenhang mit den technischen Gegebenheiten (social media, Internet) ist ein Phänomen von enormer gesellschaftlicher (kultureller) Relevanz! Die Masturbation gar an den Schulen zu lehren und zu empfehlen, wie es tatsächlich in unseren Ländern geschieht, ist ein ungeheures Verbrechen an den nachfolgenden Generationen, deren Schäden so immens sind, daß wir uns keinen Tag länger leisten können, diese Praktiken aufrecht zu halten. 

Nicht nur unter lernpädagogischen, sondern unter Gesichtspunkten der seelischen wie körperlichen Volksgesundheit kann deshalb eine politische Forderung nach "digitalisierter Schule", wie sie in Österreich jüngst als politisches Vorhaben vorgestellt wurde, nur als gefährliche Drohung betrachtet werden.



*280620*

Samstag, 11. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (5)

Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*****Umso  berechtigter kann man hier vom Syndrom der Hörigkeit als Generalzustand unserer Gesellschaften sprechen (welch' Ironie, ja welcher Zynismus dahintersteckt; gerade in einer Zeit, wo die Mündigkeit des Bürgers als völlige Unabhängigkeit von solchen Meinungs- und Taktgebern als Ideal reklamiert wird; welch' perfide Lüge und Täuschung!) als die Hörigkeit anders, als vielfach geglaubt, keineswegs ein Phänomen des Gehorsams beziehungsweise dessen Überzogenheit ist! 

Vielmehr ist die Hörigkeit der Versuch des Schwächeren (und das ist der Einzelne heute angesichts der Autoritäten, der Medien, der Politiker, der großen Personen in Kunst, Sport, Mode, Film ..., so sehr wie noch nie: Schwach, klein, völlig entmutigt, sich gegen solche Autoritäten zu stellen) den Stärkeren in eine "Co-Situation" (also einen beide umfassenden Ort) zu ziehen (meist: zu verlocken, zu verführen), in der er die Möglichkeiten des Schwächeren braucht. Und sei es, daß er sich an sie gewöhnt hat. 

Der Hörige spekuliert mit der möglichen Schwäche des Stärkeren, spekuliert damit, ihn durch Schwächung doch beherrschbar zu machen. Deshalb wirft er alles über Bord, was man als "eigenen Willen" bezeichnen könnte. Wobei: Er wirft es gar nicht über Bord, er versteckt es nur, weil er meint, den Stärkeren dadurch zu täuschen. Wir sprechen also meist zumindest sehr unklar, wenn wir manche Phänomene als "Massenphänomene" bewerten. 

Überspitzt, aber sehr wahr formuliert kann man also sagen, daß die extreme Beeinflußbarkeit der Menschen durch die heutigen Medien, daß deren scheinbar blinder Gehorsam (man beachte den "Gehorsam" in der letzten Corona-Krise, die man als "Die große Zustimmung" überschreiben könnte!) eine Reaktion (der Hörigkeit) auf eine (tatsächlich:) traumatisch erfahrene Überlegenheit und Stärke der großen, globalen Figuren ist, in der sich die Massen die Rückgewinnung der Herrschaft über ihr Leben erhoffen. Indem sie der Situation, dem Ort der Herrschenden beitreten. Paradox? Nur für den, der den Menschen genauso wenig kennt wie die gegenwärtige Psychologie.

(6) Eines der auffälligsten Merkmale der "Corona-Krise" ist, daß überall, in allen Ländern, in allen Gesellschaften, völlige Verwirrung weil Unklarheit (und damit vor allem Unplanbarkeit, selbst der allernächsten Zukünftigkeiten!) herrscht, was "erlaubt", was gesollt, was notwendig ist. Das führt zu einer weitverbreiteten Haltung, besser "zu wenig" zu tun, als ein (schwer sanktioniertes!) Gebot zu übertreten. Aber einen Maßstab, was möglich, was erlaubt, was gut, was gesollt ist, kann sich niemand mehr erarbeiten. Er ist in jedem Moment auf das angewiesen, was ihm jeweils in einer Situation gesagt wird. 

Und selbst wenn er einmal gewisse Sicherheit erlangt zu haben meint, was erlaubt ist und was nicht, schwebt über allem die ständig wiederholte, immer wieder aufgebrachte Drohung, daß binnen weniger Stunden ein totaler Shutdown erfolgen könnte, der alles über den Haufen wirft. Der einer Logik folgt, die nicht der dem Normalbürger zugängigen Logik (des "common sense", des Hausverstandes gewissermaßen) entspricht, sondern eigenen, nicht nachvollziehbaren Gesetzen folgt. Hinter denen eines steht: Die totale Macht. 

Wenn wir in der Corona-Krise eines also erfahren haben, dann war es genau das: Das (aus technischen Gründen) historisch einmalige, nie zuvor mögliche, nun aber reale Erleben einer totalen politischen Macht über uns. Die Politik, es darf nicht verschwiegen werden, hat unsere Gesellschaften in den Totalitarismus geführt, daran besteht kein Zweifel. In der das "Soma" seine Wirkung erst so richtig beweisen konnte - als deren wesentliche Säule die Pornographie als Mittel der Volksbeherrschung weil -auflösung gesehen werden muß.

Morgen Teil 6) Weiterführendes, 
vor allem die körperlichen und medizinischen Aspekte betreffend


*280620*

Freitag, 10. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (4)

Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



Eine Welt, die sich in sinnlichen, aber noch uninterpretierten (auch das übrigens ein Irrtum des Liberalismus: Er geht, weil er ein evolutionistisches, materialistisches Menschenbild zur Grundlage hat, von Sinnesdaten aus, die ihre Interpretation bereits beinhalten) präsentiert, und zu der Stellung zu nehmen eigentliche schöpferische Aufgabe und Freiheitsmoment des Menschen ist. 
Und in dieser Berufung zur Freiheit liegt auch die Fähigkeit zum Genuß an der Welt, als Genuß einer Einheit mit der Wahrheit, das heißt einer Nähe zu Gott "in Gott" (also in Jesus Christus). Diese Fähigkeit bedeutet, daß jeder Genuß kein bloßes passives Konsumieren (wie in der Pornoindustrie betrieben beziehungsweise vorausgesetzt) von sinnlichem "Erleben" ist, sondern ein selbst schaffen, gemäß den Gesetzen des Begegnenden. 
DAS ist das Geheimnis der Lebensfreude, des Genusses, ja jeden Genusses an der Schöpfung, als deren Sinn und Erfüllung. Ein ACTU, ein "Selbst-Schöpferisches", das zu betätigen, zu aktivieren ist! Schon deshalb kann also ein Dargestelltes nicht "technisch ausgeführt" sein, sondern (und erst hier respektiert es die Freiheit des "Konsumierenden") wird je nach dem Stand des Erkennenden, Erfassenden, Genießenden auch zu dessen Genuß - als Nachschöpfung, als Schöpfung! 
Wahres Hören, Sehen usw. ist also ein schöpferischer Prozeß! Kein Hinunterschlucken von Geliefertem. Je mehr also ein Gesehenes (ein dargestelltes Geschehen) das Darzustellende ausführt (und das ist das Wesen der Pornographie!), desto weniger Genuß hat es einerseits, und desto mehr aber läßt es diese schöpferische Potenz erschlaffen. Sie wird nicht mehr aktiviert! 
Gegen Pornographie zu sein hat also in erster Linie so gar nichts "Moralisches" als "Moralistisches" an sich, sondern ist ein Berufen auf das Gesetz des Seins, der Schöpfung, auf die Natur des Menschen. Und das ist es, was in erster Linie (für manchen vielleicht zur Überraschung) das Wesen der Pornographie so Unmenschlich macht. Es verschließt die Schönheit der realen, ganzen, damit auch körperlichen Begegnung von Menschen, und zerstört sie somit nach einmaligem "Konsumieren". 
Das ist der Grund, warum Pornographie aus sich selbst heraus nach "immer mehr" und "immer Exzentrischeres", immer Ausgefalleneres, Brutaleres, Expliziteres etc. etc. treibt. Sie ist somit ein technisches, kein erotisches, ja nicht einmal ein sexuelles Procedere, das das Wesen alles Geschaffenen imitiert, indem es seine "Nutzen", seine "Freuung" technisch imitiert, manche Effekte hervorruft (Orgasmus etc.).
Die erotische Darstellung hat ein Bleibendes, weil es nur hinweist, verweist, und das eigentliche Freuen im schöpferischen Vorgang des Sehenden, Hörenden etc. - und noch dazu gemäß seinem Stand, seiner Geistigkeit! - liegt. Das pornographische Zeigen hingegen verbraucht sich in seinem technischen Maß selbst, und auf seinem Boden wartet ein Nichts. Deshalb ist die Pornographie ein Verstoß gegen die Natur der Schöpfung, die in sich ein "künstlerisches Geschehen ist". Und deshalb ist sie sogar als Brücke zum Dämonischen zu verstehen. 
Spricht man von Pornosucht - und glaubt man entsprechenden Erhebungen, sind mehr als ein Achtel der westlichen, jungen Menschen heute pornographiesüchtig! - haben wir es zwar einerseits mit einer Pathologie zu tun, andererseits aber nur mit extrem erschwerten Möglichkeiten, frei zu handeln! Die Hürde zur Freiheit (als Zustimmung zum Richtigen, also "Guten", das heißt wiederum: Zum Sein im Seienden, als Anteilhabe am Sein, weil es sonst ins Nichts fällt: Etwas IST nur ein reales, welthaftes Ding, soweit es also GUT ist) wird beim Süchtigen also sehr hoch. Aber nicht unüberwindbar! Es sei denn, sein Ich wäre bereits so geschädigt, daß man von Geistesgestörtheit im eigentlichen, pathologischen Sinn sprechen muß.


Morgen Teil 5) Weitere Anmerkungen
über Hörigkeit und über Gehirnerweichung durch Masturbation



*280620*

Donnerstag, 9. Juli 2020

Warum Pornographie eine politische Waffe ist (3)

Teil 3) Die Anmerkungen, und so weiter


*Der moderne Sozialstaat, wie wir ihn heute erleben, ist streng von einem christlichen Gesellschaftsbild zu unterscheiden, deren Elemente der Sozialstaat zwar nachahmt, deren Zielsetzungen aber völlig unterschieden sind. Das christliche Gesellschaftsmodell geht von Liebe und Barmherzigkeit aus, und ist deshalb keine strukturelle, also anonymisierte Hilfeleistung, sondern immer eine Liebestat (Caritas) unter sich begegnenden Personen. Auch kann er nie zum verbrieften "Recht" werden, sondern bleibt immer ungeschuldete Zuwendung in Notfällen oder (auch das nämlich) Versagenssituationen. 

Die Caritas geht immer von der Freiheit aus, und muß deshalb immer subsidiär bleiben, kann also nicht präventiv und auf die direkte Veränderung von sozialen, historisch gewachsenen und vor allem der Natur des Menschen gemäßen Strukturen abzielen. Nur insofern besteht eine Pflicht des Gesetzgebers beziehungsweise der gesellschaftlichen Autoritäten zur caritativen (oder prä-caritativen) Tat, als in Fällen, wo ein Stärkerer die Schwäche des Schwachen ausnützt (und das ist übrigens immer der Fall, wo von "Bedarf" gesprochen wird) der Schwächere vor dem Stärkeren geschützt werden muß. 

Spätestens hier muß also klar werden, daß das liberale Gesellschafts- und Wirtschaftsmodell dem christlichen Modell unvereinbar gegenübersteht. Zumal der Liberalismus (auch wenn er das Wort im Namen führt) keineswegs auf der Freiheit des Menschen aufbaut, sondern die Freiheit als Frucht von Überlegenheit und Stärke sieht. Spätestens wenn man die Auswirkungen dieser Prämissen auf die Hauptsäule des Liberalismus bedenkt, nämlich der Frage um Wert und Preis, was fälschlich als "freier Markt" bezeichnet wird. Denn der Bedürftigere ist immer auch der Gezwungenere, also genau nicht frei. Das berührt direkt die Grundlage einer liberalen Gesellschaft, die auf einer Vorstellung "Vertrag" beruht, der (angeblich) zwischen gleichwertigen Interessensparteien geschlossen wird. Diese Gleichwertigkeit gibt es aber nicht.

**Die Logik - also das logische Denken - ist die Grundcharakteristik eines Geschaffenen, und verweist somit auf die Charakteristik des Hervorbringers, des Schöpfers. Das Vertrauen, daß die Wirklichkeit logisch (und nicht zufällig oder willkürlich) ist, auf dem sämtliche Wissenschaftlichkeit erst aufbauen konnte (denn was hätte es für einen Sinn, die Welt verstehen zu wollen, wenn sie gar nicht verstehbar, sondern bestenfalls in einer Zufälligkeit "hinnehmbar" wäre), beruht also auf dem Gottesverständnis einerseits, und auf dem Erfassen der Welt als geschaffen andererseits. 

Denn nur als geschaffene Welt kann diese auch die Charakteristik Gottes, des Hervorbringers, haben. Und diese sind die Merkmale der Logik, in ihren elementaren Grundsätzen, der "Synderesis": Daß etwas es selbst ist, daß etwas nicht zugleich etwas anderes sein kann, daß etwas nicht sein Gegenteil sein kann, die Welt also widerspruchsfrei (wenn auch nicht in allem verstehbar, weil unsere Fähigkeiten übersteigend) sein muß. 

Wir treffen hier auf den Begriff des "logos" als innerstes Wesenselement der Welt überhaupt, so daß das Bild von Gott entscheidend dabei ist, wie (und ob) wir die Welt überhaupt verstehen. Ob somit auch die Sprache (als Material wie Frucht dessen, was wir mit Vernunft und Vernünftigkeit bezeichnen) sinnvoll ist, oder eben nicht. Damit wird zum Beispiel klar, wie entscheidend die Frage um die Dreifaltigkeit als Schlüssel zum Weltbegreifen ist. 

Das sei nur angeführt um die Tragweite solcher Fragen zu zeigen. Denn damit wird auch klar, WAS für eine Aussage es ist, wenn diese und ähnliche (theologische) Fragen für den Menschen der Gegenwart (angeblich) ohne Bedeutung sind (was sich in einem weit verbreiteten "Ökumenismus" oder "Synkretismus" zeigt). Es ist kein Zufall, daß im Barock das Aufblühen der Wissenschaften mit einer gesellschaftlichen Situation zusammenfiel, in der die Menschen im Alltag über Dreifaltigkeitsprobleme diskutierten. (Das ist den heutigen Menschen unbegreiflich!)

***(=logos als "auf zu": Alles was ist, ist nur, weil es sich "bewegt" beziehungsweise "actu", in Aktivität ist, was nicht aktiv ist, ist tot, also eben nicht mehr Welt, sondern nur noch deren "materia prima"-Baumaterial.) 

****Wir wollen hier vor jenem Fatalismus warnen, wie er dem Behaviorismus entspricht. In dem der Mensch und sein Seelenleben, fürderhin also sein Denken, in einem automatistischen, mechanistischen Verhältnis zur Welt festzulegen ließen. Vergesse der Leser nicht, daß immer (wir verweisen hier auf die Arbeiten von Menyhért (=Melchior) Palágyi, die wir hier vor etlichen Jahren vorgestellt haben, nicht zufällig genau in diesen Aspekten) ein Willensakt notwendig und möglich ist, so schwer der auch fallen möge, um zu einem Urteil über die Welt zu gelangen. 


Morgen Teil 4) Und weiter geht's:
Gegen die Zerstörung der Welt durch Anti-Kunst, 
als Plädoyer für Erotik, aber nicht als Plädoyer für "Moralismus"



*280620*

Samstag, 22. April 2017

Mit Papsttreue in den Islam fallen

Wenn man nach einem Fall sucht, an dem sich der Zusammenfall des Islam abbilden läßt, der im 9. Jhd. die angebliche Vereinbarung von Widersprüchen vorschrieb, das heißt, daß Teil und Gegenteil gemeinsam "wahr" sein könnten, woraufhin Gott als reine Willkürfigur übrigblieb, so muß man nur beobachten, was mit Katholiken und im besonderen katholischen Würdenträgern und Klerikern passiert, die sich auf einen - falschen! vom 1. Vatikanum provozierten! - Gehorsamsbegriff festgelegt haben. (Der im übrigen ... Charakter- bzw. Sittlichkeitsursachen hat, man soll sich da nur nicht täuschen. Ach, wüßten die Sittenlosen, wie leicht sie erkennbar sind!) 

Der VdZ beobachtet völlig folgerichtig, und überhaupt nicht überraschend, daß die großen "Verteidiger" von Papst Franziskus, gefangen in einer nie wirklich reflektierten "Papsttreue", also viele Kleriker (u.a .), besonders abger viele"Fromme", die er kennt, praktisch zur Gänze Narren geworden sind. Narren, die sich nicht mehr in der Vernunft verankern, sondern - egal aus welchen Gründen - in einem Papst der genau das macht, was den Islam zur Farce, zum Fideismus und damit zum Objekt reiner Machtkämpfe machte: Der Widersprüche akzeptiert, und die Gesetze der Vernunft - wie im Islam! - die Widerspruch niemals akzeptieren können, namens einer pragmatisch ("pastoral") angeblich nötigen "höheren" Moral unterwirft. 

Die, wo sich Gehorsam also in Hörigkeit zeigt. Und Hörigkeit - Leser dieses Blog wissen, wie das hier begründet wird - ist keine Form des Gehorsams, sondern eine Vortäuschung des Gehorsams namens einer irrigen Ansicht von Herrschaftsusurpation. Daß das irgendwie mit Karrieresucht und dem Glauben an die eigene Wichtigkeit (also: ein Mutterphänomen) zu tun hat,  wird so recht einfach begreifbar.






*100417*

Samstag, 18. Februar 2017

Eine gesunde Art krank zu sein

Einen sehr interessanten Ansatz zu einem Luther-Verständnis stellt hier Pfr. Hans Milch vor: Er geht davon aus, daß Martin Luther - ein genialer, vielseitigst begabter Mensch - bereits in einem Irrtum aufgewachsen ist. Er wurde in seinem theologischen Studium im Nominalismus geschult, und weil dieser bereits ein Irrtum ist - er bestreitet die apriorische, geistige Wesenserkenntnis der Welt, worauf die These der Unerkennbarkeit Gottes folgt, der damit zu einem Willkürgott wird -, ist ihm die katholische Theologie nicht mehr aufgegangen. 

Der erste Durchbruch in Luthers Geistesleben sei sogar eigentlich noch ein Durchbruch zum Katholischen gewesen - in der Erkenntnis, daß sich der Mensch die Erlösung nicht verdienen könne, sondern daß diese Erlösung ungeschuldete Gabe Gottes ist. Das ist nur durch die Zusage Gottes wißbar. 

Doch nun wollte Luther auch dafür, für diese moralische Sicherheit (die dritte Stufe der möglichen Sicherheiten; die erste ist die metaphysische, logische Sicherheit - es gibt einen Gott; 2+2=4; die zweite ist die der physischen Sicherheit - morgen wird die Sonne aufgehen -,) ebenfalls die völlige Sicherheit er absoluten Stufe. Und ab hier verläßt der zweifellos neurotische Luther den Katholizismus, ab hier wird er hysterisch. Denn für die Liebe, die Treue (sieh: zwei Eheleute) gibt es keine absolute Sicherheit, sondern nur eine des Vertrauens. Eine höhere als eine moralische Sicherheit kann es in Heilsaussagen aber nicht geben. Und in dieser Stufe ist die moralische Sicherheit dynamisch - sie ergibt sich z. B. in der Treue der Eheleute aus der Reife der Liebe. Hysterisch-neurotisch ist, wenn der eifersüchtige Ehegatte eine "absolute" Sicherheit für diese Treue möchte. 

Dieses Vertrauen, diese Liebe muß also lebendig gehalten werden, nur insoweit gibt es Sicherheit. Kein Standesamtsbeschluß, keine unterzeichnete Eheurkunde kann diese Sicherheit für sich schon geben. Weder also kann man von einer absoluten Sicherheit hier ausgehen, noch kann man sie anstreben - man kann nur vertrauen, und dieses Vertrauen wächst (oder schwindet) durch den Umgang miteinander. 

Mit dem Glauben ist es ähnlich. Auch er erfordert die Dynamik des Verhältnisses zweier "Du". Und dort ist Luthers Problem: Er kommt zu dem Schluß, daß Gott ihn zum Heil ZWINGT. Milch vergleicht es mit dem Fall von Hörigkeit von Frauen gegenüber Männern. Die eine Reaktion auf die Unmöglichkeit ist, den Mann zu bezwingen sodaß sie ihm vertrauen könnte. Also sucht die Frau einen Weg, ihn dennoch an sich zu binden, und das tut sie, indem sie sich ihm bedingungslos fügt. So entsteht ebenfalls eine, wenn auch ungenügende, irrtümliche, mangelhafte Art von Bindung als Zwang. Wenn die Frau den Mann schon nicht zwingen kann, so sucht sie im Umkehrschluß ihn dadurch zu zwingen, indem sie sich in ein unmittelbares Reaktionsverhältnis setzt: wenigstens soll er "eifersüchtig" sein, weil sie ihm nicht folgen könnte. Auch der Gefängniswärter ist auf eine Weise ans Gefängnis gebunden, nicht nur der Gefangene! Eine trügerische Scheinsicherheit also, ein pathologischer Selbstbetrug. (Der VdZ hat sich hier schon einige male zur Hörigkeit in ähnlicher Weise geäußert, denn sie wird meist als "überzogener Gehorsam" gedeutet, und das ist vollkommen falsch.) Die beabsichtigte Leistung ist, daß der Mann - im Beispiel - die "Situation annimmt", das ist das Ziel. Der Hörige will also erreichen, daß sie Situation des verbindlichen Zueinander bleibt.

Und in diese (pathologische) Richtung, so Milch, sei auch das "Beugen Luthers in Gottes Willen" hineinzuverlängern. Luther sieht darin einen Weg, "Gott zu zwingen". Wer auf Gott "vertraut", den wird Gott mit seiner Heilszusage nicht enttäuschen, sozusagen. Das führt mit unausweichlicher Konsequenz bis hin zum Auserwählungsgedanken Calvins, der aus der Lebensführung des Menschen Rückschlüsse zieht auf dessen Auserwähltheit: Wer reich und tüchtig und sittlich ist, der "hat" gewissermaßen die Auserwählung. Daraus folgt ebenso zwingend die Prädestinationslehre, die Vorbestimmung für die Menschen, ob sie in den Himmel kommen, oder verdammt sind. Man tut dann Gutes, weil man in den Himmel kommt, nicht umgekehrt.
Aber so weit geht Luther nicht, da lebt in Luther noch zu viel katholischer Stoff. Er hat dazu auch einfach zu wenig Konsequenz, und das ist in dem Fall ein Glück. Er erklärt den Willen nicht zu sündigen selbst schon zur Sünde, weil er davon ausgeht, daß man auch ohne Gnade nicht sündigen kann. Das Heil hängt überhaupt nicht von der Sünde oder Nicht-Sünde ab. Indem Gott den Menschen "annimmt" (im Beispiel zu bleiben: indem er die GefängnisSITUATION annimmt) "zwingt" er den Menschen zum Heil oder Nicht-Heil. Das einzige, was der Mensch also dazu beitragen kann ist, auf diese "Gefängnis-Situation" zu vetrauen - also "zu glauben", "Gewißheit" verbindlich und treu anzunehmen, egal was man tut. Wer sich in Gott geborgen "weiß" (=wähnt), den wird Gott nicht enttäuschen. 

In diesem Vertrauensakt steckt natürlich erneut ein Stück Katholizität. Auch hier soll der Mensch vertrauen. Bei Luther aber wird dieser Akt zu einem rein (!) subjektiven Akt zu leistender Hingabe (Hacker nennt ihn DAMIT psychogen), worin Hoffnung und Liebe auf eine Art verschmelzen. Er sieht nicht den kosmischen Aspekt des Glaubens, sondern nur den subjektiv-schicksalshaften. Gute Werke folgen dann rein aus Dankbarkeit, nicht aus dem Willen "gut" zu handeln, der wäre ebenfalls bereits Anmaßung.

Der Katholik aber will das Wohl des Geliebten - Gottes. Er will ihm ähnlich sein. Die gute Tat folgt also aus dem Glauben und der Liebe, folgt also aus der Erlösung und dem Willen, folgt aus der Vergöttlichung aus dem Eintauchen in Gott selbst (in Jesus Christus), der in der Gnade auch den Willen verwandelt. Das ist ein gestalthaftes, fleischlich-reales Zueinander, mehr also als eine reine "Beziehung" wie bei Luther. Dem Katholiken ist die Gnade ein Akt der Verwandlung, Gott nimmt den der es will in sich hinein. 

Damit werde ich in meiner Seele mit einer neuen Eigenschaft versehen, gewinne in der Analogie eine göttliche Beschaffenheit. So, wie ein Schwamm das Wasser aufnimmt und damit die Eigenschaften des Wassers in sich aufnimmt. Der Schwamm bleibt ein Schwamm, aber er hat zusätzliche Eigenschaften, ich werde Gott ähnlich. Damit kann ich wollen, was Gott will, denken was Gott denkt, wissen was Gott weiß - "eingeweiht" sein. Das ist Glaube, Hoffnung und Wille. Alles aber muß durch das Vorzimmer des freien Willens, der freien Zustimmung des Menschen. 

DARAUS, aus dieser Verwandlung (in der wir wir selbst bleiben!) können dann Verdienste entstehen. Obwohl wir uns nie sicher sein können, ob wir "guten Willen" haben, weil wir einfach als Menschen zu zweifelhaft und brüchig sind. (Daraus folgt übrigens dann die Sichtweise der Aufklärung, daß der Mensch ALLES aus Eigennutzen macht, die sich dann im Evolutionismus zur Welterklärung steigert; Anm.) Keine Psychoanalyse kann uns uns selber wirklich erkennen lassen. 



Deshalb sind wir immer auch "Bettler", immer nur innigst Flehende, des Heils unsicher, immer erbarmensbedürftig. Wo wir aber (weil IN der Wahrheit - Gut ohne Wahrheit ist nicht möglich) Gutes tun können bzw. tun, tun wir es aus einem SEINSZUSTAND, und insofern ALS WIR SELBST. Also sündigen wir also auch immer wieder im Gleichen - unserem Seinszustand eben entsprechend. Besser werden wir nur im Sein, nicht (primär) im Verhalten, das Verhalten folgt aus dem Sein, ohne uns je gewiß sein zu könne, daß wir "gut" sind. Umgekehrt haben aber auch wir alle damit Jesus Christus ans Kreuz geschlagen! Und in dieser Gemeinschaft werden wir in unserem Sein erlöst, weil Christus (immer neu, immer aktuell, weil außerhalb der Zeit) für unsere Sünden vor Gott Vater sühnt, er nimmt diese unsere Sünden je neu auf sich.

Das sieht Luther nicht recht anders, bis zu einem Punkt, den er übersteigert: Dem unserer eigenen Fragwürdigkeit. (Also auch hier das Gesunde im Kranken.) Und deshalb leugnet er überhaupt die Eigenwirkung des Menschen. Das Gute, das der Mensch tut, liegt nur an Gott, er selbst merkt es gar nichs, sonst würde es bereits Eitelkeit, Pharisäertum. Weil also der Mensch nichts beitragen kann, braucht sich der Mensch auch gar nicht mehr anzustrengen - einmal gerechtfertigt, immer gerechtfertigt! Der Mensch wird geschnappt von Gott, weil er sowieso nichts aus eigenem Willen tun kann, und damit paßt alles. 

Das ist dieses berühmte und gar so heutige "Naja, so schlecht bin ich ja doch gar nicht; freilich, hier und dort ein wenig daneben, aber im großen Ganzen ...!", ja daraus folgt sogar die kennzeichnendste Pose der Gegenwart: der Gutmensch, der Mensch, der sich für gut hält. Kein Linker, der sich nicht für gut hält.

Daraus ist schließlich auch zu verstehen, warum Luther im Laufe seines Lebens immer mehr auf jederlei Selbstzucht und -gewalt verzichtete. Ob im Essen und Trinken, oder in seiner Ausdrucksweise (obwhl er sich darin von den Gewohnheiten der Zeit nicht sehr unterschied), vor allem aber auch in der immer größer werdenden Unflätigkeit, mit der er den Papst beschimpfte. Getreu dem Spruch: Sündige was Du willst, aber glaube, dann bist Du gerettet. Tue was Du willst, Dir kann nichts mehr passieren.

Das knüpft auch an Luthers Erbsündebegriff an, und läßt sich vor allem aus seinem Nominalismus heraus begreifen. Denn weil er  nicht in Seinsbegriffen denkt (denn Begriffe sind ihm ja nur Nomina, nur menschlich vereinbarte Namen ohne Sein dahinter), weil er nicht ein den Erscheinungen vorausliegendes Sein zu denken vermag, ist er überzeugt, daß der Mensch bis in die Tiefe seines Seins hinein unüberwindlich (weil er aus sich heraus nichts beitragen kann, den Willen s.o. nicht kennt) verderbt ist. Er hat überhaupt keine Chance, denn mit der Erbsünde ist sogar alles Welthafte des Teufels (womit wir bei der Grundlage des Raubtier-Kapitalismus sind). Die Gnade Gottes kann an nichts mehr anknüpfen, nichts in der Welt ist mehr gut. Damit wird die Gnade ein allein von außen kommendes Werk, das nicht ins Sein des Menschen hineinwirkt (woraus die Wertlosigkeit der Liturgie, folglich auch überhaupt der Kunst erwächst), sondern in dem Gott den Menschen aufgrund der Verdienste Jesu TROTZ der TOTALEN menschlichen Verderbtheit annimmt. 

Anders im Katholischen, wo das Sein (und damit die Welt) immer insofern "gut" ist, sodaß Gottes Gnade darein wirken kann, soweit sie IST. Mängel, Fehler sind immer ein Mangel im Sein, die in carnatio - also: im Welthaften, im Fleisch, real, konkret - zu beheben und zu ersetzen die eigentliche Erlösungstat ist.









*110117*

Freitag, 25. September 2015

Nachgedanken zur Selbstwerdung

Nun haben wir es ontologisch - also in dein eigentlichsten Seinsprozessen - bei der Selbstwerdung des Menschen mit einem Vorgang der Beschenktheit zu tun. Im ersten wird das Ich (das Seelenfünklein, so könnte man es bezeichnen) bereits im Schöpfungsprozeß vom Sein her, von Gott in die Welt gerufen. Ex Nihilo, wenn man die Welt betrachtet, Ex Dei, wenn man es von Gott her sieht. Berufen zum Mit-Sein in der Selbstergreifung, im Selbstbesitz - der Freiheit.

Dem steht aber der Schenkungsprozeß durch die Mitwelt als eigentlich genetischer Prozeß gegenüber. Denn was der Mensch konkret ist, stammt aus der Welt, stammt aus ihrem Material. Und das ist zuerst die Mutter, die Familie, die nächste Umgebung. Daß dieses erste Ich sich allmählich zu einem weltlichen, persönlichen Ich begreift, ist ein allmähliches Identifizieren mit sich selbst: denn das, was einem von der Umgebung zugewiesen wird, die einen als Objekt in der Welt begreifen läßt, indem sie auf einen reagiert - man übernimmt deren Urteile in jedem Fall als ersten Vorgang -  und Anforderungen stellt, wird vom tiefsten innersten Ich allmählich in Übereinstimmung gebracht: Identität ist also ein allmähliches Mit-sich-selbst-übereinstimmen von (in der Allgemeinheit definiertem, eigenschaftlich belegtem) "Weltding Ich" (in der Gestalt des Leibes) und Ich. 

Insofern kann natürlich ein bösartiges Umfeld, ein Umfeld der Nicht-Liebe, einen Menschen verderben. Zwar nicht endgültig schicksalshaft, aber ALS Schicksal, als gestellte Aufgabe allemal, und bis zu einem gewissen Grad tut es das auch bei jedem, weil jeder Mensch zu Fehlern, zur Sünde (der Verfehlung der Liebe durch Verweigerung der Selbstüberschreitung, durch Zurückfallen in sich, und damit zum Nicht-Mit-Sein) neigt. 

Denn nur, wenn dieses Objekt-Ich sich als geliebt, bejaht, angenommen erfährt, und zwar in seinem So-Sein (und in der Reaktion also wahrhaftig definiert), gibt sich ihm die Fähigkeit zu lieben einerseits, sich zu behaupten anderseits. Erfährt der Mensch (als Kind) das nicht, fehlt ihm diese Fähigkeit. Denn dieser Mensch findet in der Welt keinen Halt, weil die Wahrheit der Welt mit der erfahrenen Wahrheit über sich als Weltobjekt nicht zur Übereinstimmugn kommen kann. Wahrheit (ein Element der alles umfassenden Allgemeinheit, gewissermaßen) wird als Gegenstand der Allgemeinheit von Personen abhängig, sie wird willkürlich, nicht zum selbst zu übernehmenden, selbst zu verwaltenden Moment.

Darin gründet die seltsam erscheinen mögende Tatsache, daß gerade Menschen, die besonders lieblos (ungeliebt, also auch unerkannt) aufgewachsen sind, dieser lieblosen, ja bösartigen Umgebung anhängt. Zumindest über lange Strecken seines Lebens. Es ist geradezu Merkmal einer Umgebung der Lüge und Lieblosigkeit, von dieser umso schwerer los- und zu sich selbst zu kommen, weil die zu übersteigende Hürde - in ein Nichts, im Prozeß der Selbstwerdung, der ein solcher Schritt in die Insecuritas der Selbstbehauptung ist - enorm hoch ist.*

Zumalen hier ein umgekehrter Prozeß zu beobachten ist: In dem der Betroffene durch besonderten, aber nur vorgetäuschten "Gehorsam" versucht, Macht über das Übermächtige (des Allgemeinen, in diesem Fall: der konkreten Menschen) zu bekommen, indem er nur so Selbstmächtigkeit erfährt, also so eine scheinbare Macht erlebt - in der sogenannten Hörigkeit, in der ein "Sich-Verlassen" des anderen auf einen, dieser also darauf trainiert wird, existentiell von eines Dienst abhängig zu sein. Nicht selten durch besonders "tollkühne", "mutige" Dienste, die der Auftraggeber selbst nicht vollziehen möchte oder kann. Und sich dabei natürlich systematisch täuscht, und das auch fühlt. Weshalb Systemdiener oft von so besonderem und buchstäblichem Korpsgeist - Gehorsam gegenüber dem Auftraggeber wie -nehmer umfassenden Ganzen - getragen sind.




*Wir berühren hier, in der Aussage der Identifikation von Objekt-Ich und Ich, unmittelbar das Geheimnis der Erlösung, die (wie u. a. H. U. v. Balthasar recht nachvollziehbar schreibt) das Ende der Entfremdung des einzelnen Ich zu sich selbst ist. Hier bzw. im Umfange des Gesagten wird die Rolle der Wahrheit (und Liebe, in der Zusammenhangsfolge "liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst") besonders plastisch. Erst so kann sich das Ich zu sich FREI verhalten, und zwar in Wahrheit und Liebe, und hier beginnt das Mysterium der Kirche - das das Mysterium der Stellvertretung ist: Des Eintretens "an der Stelle des anderen", ihn stellvertretend, ihm seinen Platz freihaltend, dabei aber nicht ersetzend. Im Ausleiden der Folgen seines Fehlverhaltens (etc.) ... "ohne ein anderes Gesicht zu zeigen" als das der Liebe zum Peiniger. (Martyrium) Hier zeigt sich auch die Notwendigkeit der Realitätsnähe, die Verfehltheit von verfrömmelndem Tun, die genau diese Realität abweist. Nichts verlangt mehr Nüchternheit. 

Das Ineinsstehen mit Christus (der wiederum für mich stellvertretend litt) ist eine Frucht des Dramas (beachte der Leser das hier über Dramaturgie und Theater bereits Ausgeführte) der Eucharistie, in seiner Rolle der Darstellung hier, der Identifikation dort. Er ist es damit, der erlöst, nicht aber in simplem, äffischen "Nachmachen", sondern in der Identifikation (imitatio), in der er stellvertretend für mich übernimmt. Wie im Theater, im Grunde: Wo die Figur, an der sich das Drama vollzieht, leidet, ich aber im Betrachten mit ihr leide. Wirklich die Tat vollziehen tut aber die Figur dort vorne. (Etwas, das es natürlich auch im Alltag als Phänomen gibt. Man beachte den Begriff "Mitleid", dessentwegen man für den andren eintritt, an seine Stelle tritt - worüber das Erfahrene ans Erlösungsgeschehen angeschlossen wird. Das ist im übrigen der missionarische Charakter der Kirche in seiner Essenz.)




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Dienstag, 10. Dezember 2013

Wie Geist sich ausdrückt

Ausdruck ist Offenbarung. Im Endlichen besagt er immer, daß ein Höheres sein Wesen auswirkt, indem es sich eines Niederen bedient, ohne die Eigenwirkung des letzteren anzutasten. Beispiel sei uns wieder das menschliche Wort. Es gelten physikalische Gesetze in dem rein physikalischen Sein der Klänge, innerhalb des "Wortleibes"; diese physikalischen Geschehnisse haben ihre eigene strenge Gesetzlichkeit Und doch tritt in ebendiesen ungestörten physikalischen Geschehnissen die höhere Wirkung des Geistes nach außen. 

Was im Geiste geschieht, gibt letztlich den physikalischen Geschehnissen den Sinn. Ohne diese zu stören und kausal zu beeinflussen! (Und ohne daß Sinn schlichtweg "hinzugedacht" wird, weil er sonst keine Realität hätte; Sinn ist im physikalischen Geschehen vorhanden, umgreift es, stellt es in eine geistige Ordnung; Anm.) 

Denn die physikalischen Gesetze sind ebensogut erfüllt bei einer sinnlosen wie bei einer sinnvollen Klangfolge. Das geistige Geschehen läßt das physikalische Geschehen (kausal) unangetastet; und gerade in dieser Symbiose bekommt das Geistige die Weise seines Wirkens, seines "Aus-sich-Heraustretens" - seinen Ausdruck, der also mit dem "Erzeugen" der physikalischen Geschehnisse durch geistige Akte nichts zu tun hat. 

Man kann sagen: Ausdruck besteht, wo ein höheres Sein dergestalt in einem niederen lebt, daß das "Niedere" die Weise bestimmt, nach welcher das "Höhere" sein Wesen nach a8ußen auswirkt. Das Wirken des Geistes tritt mit dem Wirken des Physikalischen im Worte nach außen. Ausdruck: Aufprägung des Lebensgesetzes des Höheren auf ein unter im Seiendes, ohne daß die spezifische Eigentätigkeit des letzteren angetastet wird.


Hans-Eduard Hengstenberg in "Der Leib und die letzten Dinge"



Geist ordnet also physikalisches Geschehen, er gibt ihm das Sinngefüge, das etwa einer Bewegungsenergie auf einen Körper gewandt seine Richtung gibt. Keinerlei Eigengesetzlichkeit ist dabei verletzt - aber das Sinngefüge, in dem sie sich wirken, ist bestimmt, und somit das Niedere "in Dienst genommen." Aber noch mehr: Dadurch wird die Materie "entkörperlicht", d. h. dem rein "innerweltlich körperlichen" entrissen. Sie kommt zum Strahlen (und nun nicht nur im mikrophysikalischen Sinn!) - wie das Wort strahlt, wenn es einem Edlen, Hohen Ausdruck gibt! Im Dienen vollendet sich das Dienende zu sich selbst.*

Das ist gemeint, wenn von "Selbstbesitz" des Menschen gesprochen wird: Er meint das Eingliedern aller "materialen" Elemente und Teile in eine ich-bestimmte Ordnung. Solange der Mensch dem zufällig Begegnenden unterworfen ist, kann er sein innerstes Ich (in der Antwort auf das Begegnende) nicht im eigenen Leib zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig ist diese Ausdruckhaftigkeit (etwa im Handeln, und insofern handelt der Mensch immer) nicht ohne Begegnung zu denken, weil es kein Atom gibt, das sich nicht "in Bezug auf" etwas anderes definiert. Aber beherrscht das Eintreffende, Begegnende den Leib, so ist der "Ausdruck" Folge fremden Sinns. Wo wir in Abhängigkeitsbeziehungen stehen, also nicht Sinn setzen, sind wir des Ausdrucks beraubt - in eben dem Maße als die Abhängigkeit uns beherrscht.** (Im Antworten auf den Sinnbezug ist menschliche Willens-Willkür ausgegrenzt.)

Der Mensch ist Ich im freien (geistbestimmten) Antworten auf das immer vorgängige Du. Es sind nicht die autonomen einzelnen Teile, die die Sinn-Richtung vorgeben, während der Sinn die physisch-physikalische Natur der einzelnen Teile zu ihrer höchsten Möglichkeit im Dienst am Sinn führt. Es ist die zentrale Antwort auf dieses Du.



*Nicht das Material ist Ausdruck des Künstlers, sondern Medium seines Sinn-Ausdrucks im gesamten Kunstwerk. Das Material kann er in seiner Eigengesetzlichkeit nur verwenden. Der Sänger schafft nicht den Ton, sondern bedient sich des hervorgebrachten, damit verwendeten Tones, der durch das Sinngefüge, in dem er steht, sinnlich strahlt.

**Das unterscheidet auch die Hörigkeit vom Gehorsam, der ein freier Akt gegenüber der Ordnung im Sinn ist. Beide "folgen", aber nur einer gehorcht. Der Hörige fügt sich (übrigens: aus fehlgeleiteter Zwecküberlegung), aber er gehorcht nicht. Anders der Wahnsinnige, der einem fehlgeleiteten Sinn gehorcht.



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Donnerstag, 22. November 2012

Entwicklung zur Starrheit

Gerade das, was dem Internet als größtem Verdienst zugesprochen wird, ist sein eigentliches Verhängnis - die "freie Wahl". Denn es ist gar keine freie Wahl, es ist eine notwendige Wahl.

Weil aber nur auf vorhandener Urteilsfähigkeit bewertet (und gesucht) werden kann, verhindert genau diese "Freiheit" das eigentliche Lernen, das eine Erweiterung ist. 

Und das ist real zu beobachten, wenn man z. B. die Entwicklung der Leserforen in Zeitungen beobachtet. Die über die Jahre die deutlich sichtbare Tendenz zeigen, daß sich Meinungen mehr und mehr festigen, und - im "Streit", in der notwendigen Behauptung - verfestigt polarisieren. Die Menschen verwenden auch egal welche Dinge, die an sie herantreten, nur noch zur Bestätigung ihrer Positionen, suchen sie ab wie man in Büschen Früchte sucht, die man bereits kennt. Während der Busch selbst verworfen wird.

Man liest und sucht immer mehr, und mit immer mehr von demselben. Der Verfasser dieser Zeilen kennt deshalb kein Internet-Forum, das über die Jahre nicht immer eintöniger, immer gleichbleibender geworden ist, beherrscht von einer immer eingeschränkteren und immer gleichen Gruppe von Teilnehmern, denen nicht mehr auffällt, daß sie irgendwann permanent immer wieder dasselbe sagen. Innovation wird so unmöglich, wird zur bloßen Variabilität des immer selben, "Neues" bestenfalls noch in der Verfremdung dieses Selben zum Schein möglich.

So, wie jedes Bewerten von Begegnendem nur auf der Grundlage des bereits vorhandenen Wertbildes passiert, man also immer sieht, was man selbst ist, kann der Mensch, auf sich gestellt, nur Information suchen, die er als solche überhaupt erkennt, bleibt er damit innerhalb einer Informationswelt auf sein Sosein beschränkt. Alles Denken dient nur noch der Absicherung seiner Position.

Nur das reale, fleischliche Leben selbst vermag diese Erweiterungen zu geben, über den Schmerz, über den Glauben "an" jemanden, über fleischliches Erfahren eines "anderen". Als Offenheit für Wirklichkeit, der man die Macht einräumt, sich von ihr bewegen zu lassen. 

Kognitive Prozesse aber, die ja immer in sich verlaufen, als sprachliche Denkprozesse, führen nie über sich hinaus. Selbst, wenn sie widerspruchsfrei sind, wie Gödel ja zeigte, können sie sich prinzipiell aber nie aus sich selbst heraus begründen. Wird die Weltpositionierung also zunehmend auf Sprache, auf kognitiv-logische Prozesse verlagert, damit identitätsbestimmend, wird der Einzelne zwangsläufig enger und starrer, und zugleich "von Information" abhängiger. Mit dem Pendant zur verfehlten Öffnung, der Hörigkeit*.




*Wo ein Selbst sich seiner Existentialität gerade im Erfahren der Bedrohung - der Grunderfahrung des "Anderen" - in der Abhängigkeit erfährt und versichert. Die Hörigkeit ist also die vermeint kontrollierbare Simulation der verweigerten Wirklichkeitsbeziehung - kein Höriger, der nicht meint, in Wahrheit sei der "dem" man hörig ist unter seiner Kontrolle, über eine Schwäche: der Hörige will den "Herrn" schwach halten. Indem das Internet als Exerzierfeld dieser Beherrschbarkeit - das Können-können als Lebensgrunderfahrung, in der sich das Leben erfahrbar macht - erkannt wird, wird der direkte Zusammenhang deutlich. In der zugleich das wirklich andere - das sich dieser Struktur Verweigernde - zum Todfeind wird. Hierin liegt die wirkliche, auch heute absehbare, im übrigen immer gleiche Wurzel einer Christenverfolgung, die ganz anders aussieht, als so mancher - wenn - meint. Weil Christsein in diesen Bezügen der Erstarrung zur anarchischen Bedrohung wird.




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