Treibgut - Wo am breiten Strome die Ufer stehen, sind Schwarzerlensamen aufgegangen, und schäumen als saftige Büsche die Ränder der großen Lethe, die alles ins Dunkele Meer trägt; ihre weichen Äste, die noch nicht ahnen lassen, welcher später als kahler Stamm reife Blätter hoch in der Sonne wiegen wird, tauchen in die Wasser, wie Kinderhände. Dann und wann greifen sie, denen alles noch ernstes Spiel ist, nach Treibgut. Oder es bleibt hängen, lädt zum Tanze, haucht im Kusse Lebwohl
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Dienstag, 8. November 2022
Die Identität der Hörigkeit
Mittwoch, 24. Februar 2021
Menschenunwürdigkeit als Alltagshaltung
Fast muß man sagen: Im Gegensatz zu Deutschland. Fast muß man das sagen, wenn man die Lage der öffentlichen Diskussion zur Corona-Frage betrachtet. Denn immerhin gibt es in Österreich (und auch in der Schweiz), einige Außenseiter mit Gewicht, die in einer Offenheit das Leben der Vernunft befeuern, die bemerkenswert ist. Einmal mehr muß also Servus.tv vor den Vorhang geholt werden.
Das in diesen Tagen mit der Reportage "Geächtet und ausgegrenzt - Die Corona-Kritiker!" den bisherigen Höhepunkt im Fernsehgeschehen 2021 gesetzt hat. Konzentriert und ausgewogen werden die Positionen vorgestellt. Daß sich dennoch ein klares Bild ergibt, ist dieser Objektivität geschuldet. Und die legt ein Urteil nahe, das verheerend für die gegenwärtige Politik in unseren Ländern ausfällt.
Wir bringen auch diesen Film hier. Er soll zumindest als Archivordner die hier von Anfang an vertretene Linie ergänzen. Nicht zuletzt soll auf einige wunderbar herausgearbeitete Argumente hingewiesen werden, die im Alltag auftauchende Fragen in eine lichte Antwort heben. So die Frage, warum so viele Menschen in dieser kollektiven Hatz auf Corona-Kritiker mitmachen.
Der Psychologe und Verhaltensforscher Roman Braun gibt dazu eine einleuchtende Antwort, die weitere Facetten zu hier bereits angestellten Analysen liefern: Die Menschen erleben eine Bedrückung, der sie sich aus Angst vor der Obrigkeit (und vor der von dieser veranstalteten irrationalen, gigantisch aufgeblasenen und in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Krankheitsgefahr weit überdimensionierten Angst vor diesem Virus) unterwirft. Und damit Leid erfährt. Nun erlebt sie aber in den Corona-Kritikern eine Menschengruppe, die sich diesem Leid widersetzt. Und das macht aggressiv. Denn nun wird - mit dem Rückenwind der offiziell verhängten Bedrückungen - die Teilnahme an diesem ihrem Leiden verlangt. Gegen das aufzustehen sie selbst den Mut nicht haben.
Sieht man die Gesamtheit der Angelegenheit fällt die Antwort beängstigend eindeutig aus: Wir sind auf dem Weg zu einer autoritären Staatsführung schon sehr weit fortgeschritten. Die Umerziehung der Bevölkerung ist schon weit vorangeschritten.
Die Menschen sind an die Irrationalität, Unberechenbarkeit und Widersprüchlichkeit der Regierenden wie in einem pädagogischen Programm bereits gewöhnt worden. Sie sind somit von den willkürlichen Äußerungen abhängig gemacht worden und erwarten Erleichterungen nur von weiteren Einschränkungsmaßnahmen, die mit einer Süßkirsche verziert sind, die es zu genießen gibt, wenn man sich noch weiter für blinden Gehorsam entscheidet und der Vernunft den Laufpaß gibt. Nur - das ist eben genau nicht Gehorsam. Es ist bösartige Dressur.
Der VdZ hat das jüngst erschienene Buch "Inside Türkis" gelesen. Das heißt ... nach der Hälfte erbost ins Eck geschmissen. Buchstäblich. Denn hier liegt ein Machwerk vor, das einen Gipfelpunkt der Frechheit darstellt. Und ein beredtes Bild von der Perfidie der derzeitigen Regierung in Österreich entstehen läßt. Die den Leser verarschen. Die in diesem Buch dieselbe Taktik anwendet, die ihr Regieren auszeichnet: Die Verachtung der Menschen, die zu bloßen Objekten der Manipulation werden. In "Inside Türkis" wird der Leser, der sich diese reine PR-Geschichte durchliest, die rund um die Kurz-Clique einen Mythos aufbauen soll, für seinen Gehorsam mit (lächerlichen) Enthüllungen belohnt, die ihn an der Stange halten sollen, den ganzen übrigen Quatsch als ernsthafte Aussage zu lesen.
Was in diesem Buch auffällt ist, daß es sich hier (also in der gesamten Regierungsmannschaft und den Menschen in deren engerem und weiterem Kreis) um eine Riege junger Menschen handelt, die in ihrem Leben nichts anderes gemacht haben als im Dunstkreis der Politik - in dem sie bereits aufgewachsen sind, sodaß sie schon als junge Menschen in ein ganzes Netzwerk der Macht eingebettet waren - ihre Karriere aufzubauen. Sich also Geltung zu verschaffen. Man ist es längst leid, als Berufsbezeichnung "Unternehmensberater" oder "Coaching" zu lesen, man ist es leid, als Legitimation für Führungsanspruch irgendwelche internationalen Hochschulen akzeptieren zu sollen, man ist es leid, sich von niederträchtigen Rotzbuben auf der Nase herumtanzen lassen zu sollen, die vom Ernst des Lebens nicht den Funken einer Ahnung haben.
Und ... man ist es leid, ständig bei den Biographien dieser ÖVP-Leute zu lesen, sie seien "katholisch", oder gar "sehr katholisch". Das Schweigen der Kirche zu der Angelegenheit Corona, die eine Angelegenheit eines schweren Verbrechens gegen Mensch und Gott ist, ist dabei umso schmerzhafter, und ihre völlige Absenz aus dem öffentlichen Diskurs macht umso wütender.
Wie diese Leute nach oben gekommen sind? Das ist einfach, und steht freilich nicht in "Inside Türkis". In den 1990er Jahren war allen etablierten Parteien und Institutionen (auch der Kirche) klar, daß sie die Jugend verloren haben. Also kam man mit schweren Erklärungen daher, daß es ein Zug der Zeit sei, "politikmüde" oder "institutionenmüde" zu sein, daß der heutige Mensch keine Bindung mehr wolle, sich seine Lebenspartner je frisch und spontan aussuche, die ihn dann ein Stück weit begleiten, aber alsdann wieder entlassen würden. So wurden alle diese Institutionen zunehmend von alten Männern beherrscht.
Die sich aber wie Schneekönige freuten, wenn es doch junge Menschen gab, die Interesse an ihrem Lebenswerk bekundeten! So war es in den letzten drei Jahrzehnten extrem leicht geworden, mit Berechnung und Cleverness in bestehenden Instanzenzügen und Einrichtungen nach oben zu kommen, Karriere zu machen, und bedeutende Positionen zu erlangen. Und so kamen wir in die Situation, daß wir nahezu überall von Menschen beherrscht und bestimmt werden, die nicht nur fragwürdigen Charakters sind, sondern denen auch jede Empathie und Eignung für die Position fehlt, die sie innehaben.
Weil wir aber in einer "Demokratie" leben, weil wir in einer Gesellschaft leben, die so tut, als wäre es nicht nur möglich sondern erforderlich, nicht DURCH STRUKTUREN, durch ORTE, sondern DURCH MENSCHEN Leben und Welt zu bewältigen, sodaß es ohne Menschen auch keine Strukturen mehr gibt. Weil also angeblich ein Staat, eine Gesellschaft ein rein funktionales Gebilde ist, das wie eine Maschine betrieben werden muß. Somit werden Junge zu Wettläufern um Zertifikate. Das nennt man dann Bildung.
Aber in einem Staat, der nicht aus sich heraus besteht, sondern mit den Menschen steht und fällt, fehlen auch sämtliche objektiven Kriterien der Existenz. Diese werden nun durch Zertifikate ersetzt, die Qualifikationen ausweisen sollen. Diese wären es dann, die zu sämtlichen Positionen reichten und notwendig wären. Es ist also nicht mehr die Selbsttranszendierung HIN auf einen objektiven Ort, die Welt ist nicht mehr ein Spiel der Orte (damit: der Rollen), sondern eines der zufälligen Personen. Eines, dessen Gestalt beliebig veränderbar ist. (Deshalb mußte auch Sebastian Kurz eine "Bewegung" gründen, das nur als Hinweis.) Und das ist falsch! Nicht die Person macht das Amt, sondern umgekehrt.
Die faktische Realität ist aber mittlerweile anders. Und zwar nicht, weil sie (wieder) an sich anders wäre, sondern weil sie mit viel Kraft anders gehalten wird. Dieser Mythos der Fähigkeit, die die Institution ersetzt (weil die, wie gesagt, an sich keine Kraft habe), wird permanent aufrecht erhalten. In den Medien, an den Universitäten, einfach überall. Er hält somit alle, und zwar wirklich alle blind.
Aber damit haben wir, was wir haben: Eine Gesellschaft, die von Menschen bestimmt wird. Und damit von der Willkür und Fehleranfälligkeit dieser Menschen. Die nun alles tun, um diese Fehlerhaftigkeit zu verbergen, denn das ist die Frage des Überlebens: Die Untergebenen müssen glauben, daß man fehlerfrei ist.
Sie brauchen damit das, was in gesunden Gesellschaften, die sogar ohne Personen, die die Rollen einnehmen, bestehen und (zumindest eine Zeit lang, manchmal aber "ewig") funktionieren würden, ein unsichtbares, "heiliges" Gerüst, das aber alles trägt, erfüllt: Sie brauchen diese Saga der Heiligkeit. Sie brauchen den Mythos. Sie brauchen das Geheimnis (diesen Schlüssel zur Unsichtbarkeit, und das Wirkliche ist eben unsichtbar - nur nicht umgekehrt, aber das ist nicht immer gleich erkennbar) rund um sich. Sie brauchen den Glauben der Menschen, daß es rund um sie eine ganze Korona (sic!) von Verbindungen, Macht, Freundschaften und Know-How gibt.
Somit brauchen sie auch eine Politik, die zunehmend alles bestimmen will. Egal ob sie das bewußt anstreben (was sie meist negieren würden), oder nur unbewußt (und somit davon getrieben sind): Jeder Mensch ist von seiner inneren Grammatik bestimmt. Aus dieser stammt sein Wille. Damit wird die Herkunft, die Geprägtheit des Geburtsmilieus doppelt bestimmend. Und damit die Willkür zum wesentlichsten Element der Politik.
In gesunden Gesellschaften hat der normale Mensch kaum je etwas von Politik überhaupt mitbekommen. Er hat sein Leben gelebt, seinen Alltag durchgestanden, war geborgen, hat gearbeitet, geschaffen, gewerkt, hat gezeugt und sich fortgepflanzt, und ist im Wissen gestorben, daß seiner weiterhin gedacht wird.
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Man mache doch die Augen auf. Mehr Zeichen können kaum noch an der Wand stehen, und noch deutlicher kann der Spruch doch kaum noch ausfallen: Mene - mene - tekel - upharsin!
Sonntag, 12. Juli 2020
Warum Pornographie eine politische Waffe ist (6)
Weiterführender Hinweis: Wer sich mit den Wirkungen der Pornographie aus der Perspektive neuro-biologischer Forschung näher befassen will, dem sei als erster und recht brauchbarer Einstieg in die medizinische Problematik der Pornographie beziehungsweise der Masturbation diese verlinkte Seite "Your Brain on Porn" empfohlen.
Weil Masturbation genau das Gegenteil bedeutet und bewirkt, ist es keineswegs dumm, von "Erweichung" zu sprechen, spricht man über ihre Folgen. Die sich als geistiges (ontologisches) Geschehen selbstverständlich auch physisch realisieren. Bis hin zu "weichen" Gesichtern bei Invertierten (bei denen man auch von Narzißten sprechen kann, diese Begriffe decken sich über weite Strecken) läßt diese Wirklichkeit erkennen.
Somit haben wir Wirkungen, die sich in denselben Ursachen begründen: Der invertierten sexuellen (als leiblichen, also den Leib formierenden) Betätigung. Zumindest als Sprache der Bildlichkeit wurde seit je die wirkliche Wirklichkeit dieser Art der sexuellen Praxis sehr zutreffend beschrieben.
Samstag, 11. Juli 2020
Warum Pornographie eine politische Waffe ist (5)
Freitag, 10. Juli 2020
Warum Pornographie eine politische Waffe ist (4)
Eine Welt, die sich in sinnlichen, aber noch uninterpretierten (auch das übrigens ein Irrtum des Liberalismus: Er geht, weil er ein evolutionistisches, materialistisches Menschenbild zur Grundlage hat, von Sinnesdaten aus, die ihre Interpretation bereits beinhalten) präsentiert, und zu der Stellung zu nehmen eigentliche schöpferische Aufgabe und Freiheitsmoment des Menschen ist.
Und in dieser Berufung zur Freiheit liegt auch die Fähigkeit zum Genuß an der Welt, als Genuß einer Einheit mit der Wahrheit, das heißt einer Nähe zu Gott "in Gott" (also in Jesus Christus). Diese Fähigkeit bedeutet, daß jeder Genuß kein bloßes passives Konsumieren (wie in der Pornoindustrie betrieben beziehungsweise vorausgesetzt) von sinnlichem "Erleben" ist, sondern ein selbst schaffen, gemäß den Gesetzen des Begegnenden.
DAS ist das Geheimnis der Lebensfreude, des Genusses, ja jeden Genusses an der Schöpfung, als deren Sinn und Erfüllung. Ein ACTU, ein "Selbst-Schöpferisches", das zu betätigen, zu aktivieren ist! Schon deshalb kann also ein Dargestelltes nicht "technisch ausgeführt" sein, sondern (und erst hier respektiert es die Freiheit des "Konsumierenden") wird je nach dem Stand des Erkennenden, Erfassenden, Genießenden auch zu dessen Genuß - als Nachschöpfung, als Schöpfung!
Wahres Hören, Sehen usw. ist also ein schöpferischer Prozeß! Kein Hinunterschlucken von Geliefertem. Je mehr also ein Gesehenes (ein dargestelltes Geschehen) das Darzustellende ausführt (und das ist das Wesen der Pornographie!), desto weniger Genuß hat es einerseits, und desto mehr aber läßt es diese schöpferische Potenz erschlaffen. Sie wird nicht mehr aktiviert!
Gegen Pornographie zu sein hat also in erster Linie so gar nichts "Moralisches" als "Moralistisches" an sich, sondern ist ein Berufen auf das Gesetz des Seins, der Schöpfung, auf die Natur des Menschen. Und das ist es, was in erster Linie (für manchen vielleicht zur Überraschung) das Wesen der Pornographie so Unmenschlich macht. Es verschließt die Schönheit der realen, ganzen, damit auch körperlichen Begegnung von Menschen, und zerstört sie somit nach einmaligem "Konsumieren".
Das ist der Grund, warum Pornographie aus sich selbst heraus nach "immer mehr" und "immer Exzentrischeres", immer Ausgefalleneres, Brutaleres, Expliziteres etc. etc. treibt. Sie ist somit ein technisches, kein erotisches, ja nicht einmal ein sexuelles Procedere, das das Wesen alles Geschaffenen imitiert, indem es seine "Nutzen", seine "Freuung" technisch imitiert, manche Effekte hervorruft (Orgasmus etc.).
Die erotische Darstellung hat ein Bleibendes, weil es nur hinweist, verweist, und das eigentliche Freuen im schöpferischen Vorgang des Sehenden, Hörenden etc. - und noch dazu gemäß seinem Stand, seiner Geistigkeit! - liegt. Das pornographische Zeigen hingegen verbraucht sich in seinem technischen Maß selbst, und auf seinem Boden wartet ein Nichts. Deshalb ist die Pornographie ein Verstoß gegen die Natur der Schöpfung, die in sich ein "künstlerisches Geschehen ist". Und deshalb ist sie sogar als Brücke zum Dämonischen zu verstehen.
Donnerstag, 9. Juli 2020
Warum Pornographie eine politische Waffe ist (3)
Wir treffen hier auf den Begriff des "logos" als innerstes Wesenselement der Welt überhaupt, so daß das Bild von Gott entscheidend dabei ist, wie (und ob) wir die Welt überhaupt verstehen. Ob somit auch die Sprache (als Material wie Frucht dessen, was wir mit Vernunft und Vernünftigkeit bezeichnen) sinnvoll ist, oder eben nicht. Damit wird zum Beispiel klar, wie entscheidend die Frage um die Dreifaltigkeit als Schlüssel zum Weltbegreifen ist.
Samstag, 22. April 2017
Mit Papsttreue in den Islam fallen
Samstag, 18. Februar 2017
Eine gesunde Art krank zu sein
Freitag, 25. September 2015
Nachgedanken zur Selbstwerdung
*Wir berühren hier, in der Aussage der Identifikation von Objekt-Ich und Ich, unmittelbar das Geheimnis der Erlösung, die (wie u. a. H. U. v. Balthasar recht nachvollziehbar schreibt) das Ende der Entfremdung des einzelnen Ich zu sich selbst ist. Hier bzw. im Umfange des Gesagten wird die Rolle der Wahrheit (und Liebe, in der Zusammenhangsfolge "liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst") besonders plastisch. Erst so kann sich das Ich zu sich FREI verhalten, und zwar in Wahrheit und Liebe, und hier beginnt das Mysterium der Kirche - das das Mysterium der Stellvertretung ist: Des Eintretens "an der Stelle des anderen", ihn stellvertretend, ihm seinen Platz freihaltend, dabei aber nicht ersetzend. Im Ausleiden der Folgen seines Fehlverhaltens (etc.) ... "ohne ein anderes Gesicht zu zeigen" als das der Liebe zum Peiniger. (Martyrium) Hier zeigt sich auch die Notwendigkeit der Realitätsnähe, die Verfehltheit von verfrömmelndem Tun, die genau diese Realität abweist. Nichts verlangt mehr Nüchternheit.
Das Ineinsstehen mit Christus (der wiederum für mich stellvertretend litt) ist eine Frucht des Dramas (beachte der Leser das hier über Dramaturgie und Theater bereits Ausgeführte) der Eucharistie, in seiner Rolle der Darstellung hier, der Identifikation dort. Er ist es damit, der erlöst, nicht aber in simplem, äffischen "Nachmachen", sondern in der Identifikation (imitatio), in der er stellvertretend für mich übernimmt. Wie im Theater, im Grunde: Wo die Figur, an der sich das Drama vollzieht, leidet, ich aber im Betrachten mit ihr leide. Wirklich die Tat vollziehen tut aber die Figur dort vorne. (Etwas, das es natürlich auch im Alltag als Phänomen gibt. Man beachte den Begriff "Mitleid", dessentwegen man für den andren eintritt, an seine Stelle tritt - worüber das Erfahrene ans Erlösungsgeschehen angeschlossen wird. Das ist im übrigen der missionarische Charakter der Kirche in seiner Essenz.)
Dienstag, 10. Dezember 2013
Wie Geist sich ausdrückt
Das ist gemeint, wenn von "Selbstbesitz" des Menschen gesprochen wird: Er meint das Eingliedern aller "materialen" Elemente und Teile in eine ich-bestimmte Ordnung. Solange der Mensch dem zufällig Begegnenden unterworfen ist, kann er sein innerstes Ich (in der Antwort auf das Begegnende) nicht im eigenen Leib zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig ist diese Ausdruckhaftigkeit (etwa im Handeln, und insofern handelt der Mensch immer) nicht ohne Begegnung zu denken, weil es kein Atom gibt, das sich nicht "in Bezug auf" etwas anderes definiert. Aber beherrscht das Eintreffende, Begegnende den Leib, so ist der "Ausdruck" Folge fremden Sinns. Wo wir in Abhängigkeitsbeziehungen stehen, also nicht Sinn setzen, sind wir des Ausdrucks beraubt - in eben dem Maße als die Abhängigkeit uns beherrscht.** (Im Antworten auf den Sinnbezug ist menschliche Willens-Willkür ausgegrenzt.)
Der Mensch ist Ich im freien (geistbestimmten) Antworten auf das immer vorgängige Du. Es sind nicht die autonomen einzelnen Teile, die die Sinn-Richtung vorgeben, während der Sinn die physisch-physikalische Natur der einzelnen Teile zu ihrer höchsten Möglichkeit im Dienst am Sinn führt. Es ist die zentrale Antwort auf dieses Du.
*Nicht das Material ist Ausdruck des Künstlers, sondern Medium seines Sinn-Ausdrucks im gesamten Kunstwerk. Das Material kann er in seiner Eigengesetzlichkeit nur verwenden. Der Sänger schafft nicht den Ton, sondern bedient sich des hervorgebrachten, damit verwendeten Tones, der durch das Sinngefüge, in dem er steht, sinnlich strahlt.
**Das unterscheidet auch die Hörigkeit vom Gehorsam, der ein freier Akt gegenüber der Ordnung im Sinn ist. Beide "folgen", aber nur einer gehorcht. Der Hörige fügt sich (übrigens: aus fehlgeleiteter Zwecküberlegung), aber er gehorcht nicht. Anders der Wahnsinnige, der einem fehlgeleiteten Sinn gehorcht.
Donnerstag, 22. November 2012
Entwicklung zur Starrheit
Man liest und sucht immer mehr, und mit immer mehr von demselben. Der Verfasser dieser Zeilen kennt deshalb kein Internet-Forum, das über die Jahre nicht immer eintöniger, immer gleichbleibender geworden ist, beherrscht von einer immer eingeschränkteren und immer gleichen Gruppe von Teilnehmern, denen nicht mehr auffällt, daß sie irgendwann permanent immer wieder dasselbe sagen. Innovation wird so unmöglich, wird zur bloßen Variabilität des immer selben, "Neues" bestenfalls noch in der Verfremdung dieses Selben zum Schein möglich.
*Wo ein Selbst sich seiner Existentialität gerade im Erfahren der Bedrohung - der Grunderfahrung des "Anderen" - in der Abhängigkeit erfährt und versichert. Die Hörigkeit ist also die vermeint kontrollierbare Simulation der verweigerten Wirklichkeitsbeziehung - kein Höriger, der nicht meint, in Wahrheit sei der "dem" man hörig ist unter seiner Kontrolle, über eine Schwäche: der Hörige will den "Herrn" schwach halten. Indem das Internet als Exerzierfeld dieser Beherrschbarkeit - das Können-können als Lebensgrunderfahrung, in der sich das Leben erfahrbar macht - erkannt wird, wird der direkte Zusammenhang deutlich. In der zugleich das wirklich andere - das sich dieser Struktur Verweigernde - zum Todfeind wird. Hierin liegt die wirkliche, auch heute absehbare, im übrigen immer gleiche Wurzel einer Christenverfolgung, die ganz anders aussieht, als so mancher - wenn - meint. Weil Christsein in diesen Bezügen der Erstarrung zur anarchischen Bedrohung wird.

