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Samstag, 7. Mai 2022

Nur der Glaubende hat diese Evidenz

Immer wieder begegne ich Menschen, die (manchmal sogar tatsächlich mit einem gewissen Bedauern, so sieht es zumindest aus) die mir erzählen, daß sie zwar irgendwie schon glauben wollten, daß sie aber warteten, bis sie etwas erlebten, das sie dann so überzeugte, daß sie aus eigenem Entschluß auch Ja zu Gott sagen könnten. (Und schon gar: Zur Kirche, wobei diese Unterscheidung alleine schon den Kern des Problems anzeigt.) Aber das ist ein großer Irrtum. Man "erfährt" nicht Gott zuerst, und schließt sich ihm dann an!

Vielmehr ist die Begegnung mit Gott ein Äquivalent mit der eigenen Entscheidung für ihn. Das heißt, daß sich in dem Maß, als der Glaube begehrt und ergriffen wird, auch die Wirklichkeit erschließt, die dann als Reich Gottes erkannt und geliebt wird. Nie, behaupte ich, ist jemand DURCH ein Wunder oder ein außergewöhnliches Erlebnis zum Glauben gekommen, wenn er nicht im Grund ebereits die Entscheidung getroffen hatte. Und es ist ganz sicher ein Merkmal aller, die tatsächlich etwa außergewöhnliche Gnadenerlebnisse hatten, daß ihne das nie "Grund zu glauben" war, sondern je nur "Anlaß", ihrem Glauben (wieder) Raum zu geben. Die deshalb auch diesem Erfahren gar nicht den Raum einräumen, den er für andere hat, wie sie behaupten.
Diese alle könnten ersaufen in Gnadenerlebnissen - sie würden es dennoch nicht sehen.

Mittwoch, 25. September 2019

Über den Besuch beim Mann im Mond

Na dann treiben wir den Spaß noch ein wenig weiter: Hat die Mondlandung 1969ff. überhaupt stattgefunden? Die Runde liefert zumindest interessante Gedanken und gibt Anlaß zu berechtigtem Zweifel. Einer der fundamentalsten darunter ist, daß man die Technologie dafür auf seltsame Weise "verloren" hat. Man ist heute nicht mehr in der Lage, dieses scheinbar so glücklich verlaufene technische Experiment zu wiederholen, indem man einfach an der (angeblich) vorhandenen, nun ja "erprobten" Technik anknüpft.

Neu sind die Gegen-Argumente nicht, aber man findet sie hier komprimiert und auch hinterfragt. Mit manchem interessanten Aspekten. Übrigens ... auch von Franz Hörmann, ausnahmsweise ;-) Der aber auch etwas sagt, das das ganze Elend der angeblichen Wissensgesellschaft Internet" anreißt (ohne daß wir hier das Faß aufreißen wollen): Hörmann spricht von "immer offen bleiben, um anhand von neuen Informationen" neue Thesen finden zu können.

Das hört man so oft, aber es ist eine contradictio in adjectio. Was Information ist, weiß man erst, wenn man es anhand einer Theorie als solche erkennt. Das ist jedoch nur einer der Widersprüche, die heute so häufig zu finden sind, auch bei Hörmann, wo es auf das ganz sicher nicht ankommt, was sich alle per Internet- und Informationsquanten vormachen möchten: Auf die Erkenntnis der Wirklichkeit, und das heißt: auf die Fülle der Wahrheit. Das ist DIE große Lüge um Internet und social media. Sie sind Werkzeuge, ja Schlagknüppel für Vorhandenes (und Menschsein heißt: Gerichtetheit, sonst kann er gar nicht sein als actu, also aktiv auf - zu, das erst ist "sein als Seiendes"), nicht Einbruchstore der Wahrheit.





Damit sind wir bei der Gegenprobe, die das vorhin Gesagte nur zu bestätigt. Leider fand der VdZ keinen intelligenten Verteidiger der Behauptung, daß die Amerikaner wirklich auf dem Mond gelandet sind. So muß man sich hier mit dem Geschwafel eines Harald Lesch zufrieden geben. Die Qualität seiner "Argumente" mündet typisch für ihn im Püppispruch von Missen bei Wahlen zur Schönheitskönigin: Es dient dem Weltfrieden. Wie toll sei doch so ein Unternehmen, an dem alle begeistert mitarbeiten. Was'n Argument.

Oder: Der Mond reflektiert wie eine gleichmäßig beleuchtete Fläche, darum fallen auf den Photos die Schatten in verschiedene Richtungen. Äham ... warum aber gibt es dann überhaupt Schatten, noch dazu so klare, und noch dazu am Boden, wenn der ganze Boden reflektierend quasi leuchtet? Mache sich der Leser selbst ein Bild. Oder gehe er über eine Bodenlampe und verfolge, was mit seinem Schatten passiert, und wo er ihn findet. Und überlege er, worin der Sinn der "Spiegelsäle" liegen könnte, die man in der Aufklärung so gerne baute.

Wer noch nicht an der Mondlandung gezweifelt hat, sollte es spätestens dann tun, wenn Leute wie Lesch sie verteidigen, weil "beweisen". Denn das ist das sicherste Argument. Schon alleine, weil Lesch es sagt. (Dabei hatte der VdZ dazu bislang gar keine ausgeprägte Meinung.)

Aber bleiben wir mild, überfordern wir ihn nicht mit etwas, das er nicht bringen kann. Denn den einzigen Beweis, den Lesch sogar mit erstaunlicher Konstanz liefert ist der, wie weit man es damit bringen kann, Wissen vorzutäuschen, ohne solches entwickeln zu können oder zu haben. Ja, in gewissem Sinn sogar Wissenschaftsautorität zu gewinnen, ohne einen originären Gedanken zu entwickeln, indem man einfach "so tut".

Dafür genügt überall ja schon die Hermetik, mit der sich die Wissenschaft so gerne umgibt, indem sie sich zur Lehre der Eingeweihten macht. Was überhaupt die Hauptbeschäftigung mancher sogenannter Wissenschaftler darzustellen scheint, sobald sie die Schulbank lange genug für ein Diplom gedrückt haben, und von Stund an zum Kreis der Erlauchten gehören.* (W. M. Briggs, auch er ein Wissenschaftler, nennt diese Religion, die da im 20. Jahrhundert entstand, als alle natürlichen Autoritäten zerbrachen, auf gut Amerikasprech "scientistism" oder "scientism", je nachdem, worauf man den Schwerpunkt legt.) Leschs Stellung in der Öffentlichkeit sagt somit einfach viel über gewisse Eigenschaften der Sprache der Öffentlichkeit aus. Sowie über solche der Medienmacher, die solche Gruselgestalten hochgedrückt haben.





*Es ist oft genug sogar "gaslighting", also die bewußte Irreführung über Wahrgenommenes, nicht weniger oft als der Rückzug ins Kryptische "Ach, das weißt Du nicht, weil Du nicht die Ausbildung dazu hast", oder sogar direkte Lüge und Falschbehauptung, mit dem ultimativen Totschlagargument der "Verschwörungstheorie", mit der solche Positionen errungen, nein, eher erzwungen und abgesichert werden. 

Der VdZ kennt persönlich einen sogenannten Klimawissenschaftler, der sich bei seinen Vorträgen und Publikationen über "Verschwörungstheoretiker" lustig und alle unglaubwürdig macht, die "Chemtrails" sehen wollen, um sich eine Viertelstunde später als Mitarbeiter an einem wissenschaftlichen Projekt (alles dazu ist im Netz abrufbar) zu brüsten, das daran arbeitet, Chemie in Atmosphärenschichten auszubringen, um das Klima zu beeinflussen. Und ohne zu erwähnen (oder zu wissen?), daß es offiziell (vom US-Kongress) bestätigt mehrere hundert solcher Versuche bereits gegeben hat. Das ist im speziellen ein Fall von "gaslighting", einer recht zuverlässigen Methode, das Gegenüber an seinem eigenen Verstand zweifeln zu lassen, und damit von eines Autorität abhängig zu machen. Und mehr ist das, was Wissenschaftler heute treiben und sagen, auch nicht mehr: Ein psychosoziales Problem, keine Wissenschaft.




Samstag, 29. März 2014

Zurücksinken ins Vorbewußte

Es wird kaum gesehen, schreibt Konrad Zucker in "Vom Wandel des Erlebens", daß die heutige Zeit sich auffallend an die vorbewußten Zeiten VOR dem Auftreten von Hochkulturen anähnelt. Denn das Entstehen von Kultur hat direkt mit der Verwirklichung, Verleiblichung göttlichen, kosmischen Anspruchs zu tun. Kultur ist Gestaltwerdung des anfänglich nur geahnten Numinosen, das in den Schritten über den Mythos erste Personifizierung des Göttlichen findet. Erst auf dieser Ebene beginnt der eigentliche Kulturprozeß. Eine Geisteshaltung wie der Skeptizismus, der das Dasein des Göttlichen vom subjektiven Bewußtsein abhängig macht, Gott also nur durch den Glauben Existenz hat, läßt das Göttliche ins Vorbewußte absinken. Historisch keineswegs neu, aber immer am Ende einer Kultur zu beobachten, wo das Mögliche nicht mehr wirklich wird, und in die Gestaltlosigkeit zurücksinkt.

Dasselbe gilt für den Synkretismus, der "alles" als gültig zu sein einzuschließen behauptet - und damit nichts weil keine verbindliche Gestalt hat. Auch hier kann man von Religion nicht mehr sprechen, weil das Wesentliche der Religion fehlt: ihre schöpferische, erlösende Qualität. Synkretismus ist in Wahrheit Nihilismus.

Im Mythos aber wird das Seelenbild einer Kultur zum Ausdruck, und damit zum schöpferischen Bewegungsbild, das Denken wie Handeln bestimmt weil trägt. Und es ist das Ahnen der Erlösererwartung, das im Kult seinen Ausdruck findet, und die Welt zu gestalten - was heißt: zu ordnen - aufruft wie ermächtigt. Denn das Schöpferische braucht den Mut der Gewalt, in der alleine die Dinge ins Nichts gestellt werden, und so Welt schaffen. Aber dazu braucht es das Wissen um die Wesensgesetze. Verflachen diese zu bloßen "Funktionen", die isolierte Teilaspekte eines Zueinander von Gestalten sind, geht das Wesentliche an den Dingen verloren, und die Welt wird zum Ort einer Ersatzmagie - der Technik, selbst in "geistigen" Dingen -, die aber das Ganze der Ordnung zwangsläufig verfehlt. 

Die Welt wird zu einer Welt ohne Geschichte, die in einem Abebben mehr und mehr erst nur noch erinnert wird, und schließlich entschwindet. Eine Entwicklung, die auch den Verstand umschließt, der seinen Anschluß an die ewigen, Ideen verliert, zum bloß technischen Werkzeug absteigt. Und zwar in dem Maß, in dem sie sich von den ewigen lebenspendenden Ideen losreißt, diese mangels Gestalt im Mythos, im Kult, ins Vorbewußte zurücksinken. (Eine Kultur, um es mit V. v. Weizsäcker zu sagen, verliert ihre gestalthafte Bewegungsdynamik in den Menschen.) Zwangsläufig sinkt der Mensch in die Masse, die sein Bewegen antreibt und trägt, das Numinose verliert seinen Namen.
Götterbildungen, und damit Kult, symbolisieren wo sie sich zu Persönlichkeiten verdichten, Teilbedeutungen des "Ganz Anderen", Teilbedeutungen auch des Kosmos, der selbst als Ganzes Schöpfung, aber doch nicht Schöpfer ist.



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Dienstag, 11. März 2014

Wider die Neugierigen

Natürlich gilt auch auf geistigem Gebiet, und vor allem dort, was über die Natur des Zweifels und seine Folgen für eine Kultur an dieser Stelle bereits gesagt wurde. Namentlich bei einer Erscheinung, die mittlerweile sehr häufig anzutreffen ist - die Indifferenz in geistigen Haltungen und weltanschaulichen Fragen, das Fehlen jedweder Bindung als Fehlen jeder Eingliederung in ein organizistisches System.

Unter dem Deckmantel höherer Freiheit wird die entscheidende Freiheit des Menschen dabei schlicht vergessen, nämlich die, das Leben konstruktiv und schöpferisch zu gestalten.

So trifft man nicht selten auf Menschen, die viel und oft von Religion und Religiosität sprechen, aber nur eines nie können: sie definieren. Und die vor allem in keinem Belang ernsthafte Konsequenzen zu ziehen sich genötigt fühlen. Kult, Übungen findet man dann zwar vor, aber in so weitem Sinne gepflegt, daß man Zweifel haben muß, wieweit sie seine Notwendigkeit überhaupt begreifen. Von bloß rationalem "Einsehen" ist hier gar nicht die Rede.

Sie zeichnet sämtlich hohe "Neugierde" aus, besonders was alle Gebiete des Gehimnisvollen oder Okkulten anbelangt, das mit "mystisch" verbrämt wird. Mit der seltsam erscheinenden Bereitschaft, jederzeit ihr "Gesamtbild" (so es eines gäbe) umzustoßen. Solcherart, nicht wissend, was sie überhaupt wollen, wollen sie was ihnen zufällig als Wissen erscheint, um es im nächsten Moment wieder aufgeben zu wollen, um ein anders zu ergreifen. Denn sie gehen dem auf dem Leim, was sie als "Empirismus" als besonders opferbereite Wahrheitssuche bezeichnen, der in Wahrheit aber (weil er an der Natur des Menschen als auch geistigem Wesen vorbeigeht) die Auslieferung an das zufällig Bewegende bedeutet, weil sie sich des verbindlichen Urteils stets enthalten.

Diese Neugierde ist keine Suche nach Erkenntnis, so oft es mit dieser Suche gleichgesetzt wird, und im letzten von der Sehnsucht nach Wahrheit getragen ist, keine Frage, als gewissermaßen strukturelle Gegebenheit. Doch wird die Wahrheit eben nie ergriffen. Sie bleibt amorph, neblicht.

Und sie sind leicht zu durchschauen, viel leichter, als sie selbst meinen. Weshalb nicht wenig Energie dafür verwendet wird, sich unangreifbar zu halten - indem sie nichts ergreifen, "haben" sie alles. Darin fühlen sie sich, genau wie der pubertierende Jugendliche, dem Erwachsenen überlegen. Weil sie meinen, dadurch Fehler nicht zu machen, die sie am anderen (vielleicht sogar mit Recht) sehen. Wer nichts tut, sich nie festlegt, kann natürlich nie Fehler machen, das stimmt, zumindest für die positive Tat (für die Unterlassung hingegen schon nicht mehr, aber die kann es ja nur geben, wenn man sich festlegt, einem Ganzen verbindet, verbindlich entscheidet.) Deshalb besetzen sie meist auch viele Begriffe, Worte, verwenden sie um dem Gegenüber zu zeigen, daß es sinnlos ist, sie anzugreifen, weil ein Begriff fehlte. 

Sie gründen gerne neue Religionen, so wenig sich die jemals fassen lassen, und deshalb als "übergreifende" Religiosität bezeichnet werden, als "katholisch" im eigentlichsten Sinn, weil sie "alles enthalten", und in Wahrheit eben nichts enthalten. Gestützt von einem zugeschnittenen Wertesystem, dem allem voran scheinbare "Toleranz" steht. Kühlerfigur einer Haltung, die in Wahrheit simpler Narzißmus ist, Eitelkeit und daraus folgend Hochmut und Überlegenheitsgestus. In dem sie behaupten, alles geistig integriert zu haben, und in Wahrheit verschweigen, daß sie sich aus allen Teilströmungen (und Religionen) nur herausgepickt haben, was ihre Haltung stützt.

Indem sie behaupten, ihr Berufen auf "Empirizität" wäre eine ehrlichere Form von Wahrheitssuche, weil "wirklichkeitsorientierter", weil sie nicht erkennen wollen, daß die Wirklichkeit der Dinge und der Welt - geistig, logosförmig ist, deshalb die Empirie aus sich heraus nie Wahrheit, "Beweis" liefern kann, sondern nur eine geistige Wahrheit bestätigen oder widerlegen, oder auf sie verweisen kann, weil sie ihnen zugrundeliegt. Aber der Geistbegriff ist nicht der einzige Begriff, den sie zu klären verweigern. 

Wenn solche also dasitzen und auf die sinnlich faßbare Erscheinung von Engeln warten, die sie im Handumdrehen wieder als Geistwesen bezeichnen, soll sich der Leser dieser Zeilen nicht wundern. Ihr Selbsturteil, das so gut wie immer "hohe Intelligenz" lautet, baut auf der simplen Erfahrung der Täuschbarkeit der anderen auf, auf der Schlechtigkeit des Charakters. Wie er vor allem in einem Umfeld auswächst, das selbst bereits entwirklicht weil mit einer Schicht zweitwirklicher Logizität verhüllt ist, man denke nur an Muttersöhnchen. (Denen die "selbstbewußte Frau von heute" entspricht, deren "Selbstbewußtsein", auf der Basis derselben Entwirklichung, zweitwirkliche, rationalistische Konstruktion ist.)

Und wir haben es heute fast nur noch mit Muttersöhnchen zu tun, die die Welt als "ihnen mundgercht vorgekaut" erfahren haben, nicht als GEGENständlich, widerspenstig und apodiktisch. Die deshalb auch die Welt biegen wollen, Techniker im Grundgeist geworden, etwa um "sie" zu retten. Technisch deshalb auch ihr Zugang zum Geist, umgebrochen auf Moral und moralisierendes Verhalten. In derselben Bewegung, nur eine dialektische Gedankenstufe weiter, legen sie Hand an sich, züchten sich Eßstörungen wie Veganismus an, reißen selbst den appetitus naturalis aus seinem Boden.

Deshalb das Hochtreiben in "Erlebnisse", in "geistige Erfahrungen" (!), in Bewegendes - um sich wenigstens noch bewegen zu lassen, weil sie zu Gefühlen, gar zu Liebe nicht mehr fähig, innerlich erkaltet sind. Denn Liebe gibt es nur im Distinkten, nie im Indifferenten, weshalb das Muttersöhnchen auch die Mutter haßt, was ihn schreckt (wie alles Wahre, Konkrete), sodaß er diesen Mangle an Liebe durch Sentimentalität zu verbergen versucht, die eine "begründete Liebe"- in einem nachgestellten "Fühlen wie man fühlt wenn man liebt" vorschreibt.

Was alle diese jene dabei nämlich nicht wissen ist, weil es ihnen eben an der elementaren Denkarbeit fehlt, in welchem Ausmaß und bis zu welcher Weite sich die Begriffe aber durchdenken und in ihrer Logizität aufweisen bzw. klären lassen. In welchem Ausmaß sich aus Grundwahrheiten die Wahrheitsstrukturen selbst kleinster (oder größer) Teilphänomene zumindest prinzipiell durchschauen lassen, so schwierig oder gar unmöglich eine positive Fassung auch sein mag. Aber das ist eben der Weg zur Wahrheit, der nur im Einen endet, im Sein, im Logos, dem näherzukommen der Weg des Menschen ist, der er aber eben nie ist, an dem er also nur mehr oder weniger teilhaben kann. 

Der Skeptizismus, schon gar in seiner Ausgestaltung als Esoterik und Obskurantismus, ist ja nachgerade der Versuch, die Klarheit der Begriffe zu verweigern. Ihr Erkenntnisstreben ist nichts als ein Versuch, die Unredlichkeit und Unaufrichtigkeit ihres Charakters zu verschleiern, schizoid umzudeuten, was dem anderen in der Wahrnehmung so offen liegt, so der denn den Mut hat, sich zu seinem Wahrgenommenen zu bekennen.

Deshalb kann sich solch eine Charakterfärbung, und um die handelt es sich, auch nur in einer Zeit der allgemeinen Verunsicherung aufkommen und so breite Massen erfassen. In einer Zeit groß werden, wo die Selbstverständlichkeiten wegfallen, und der Einzelne gezwungen ist, sich die Welt geistig zu rekonstruieren. Womit der Großteil der Menschen - zumal in diesem Umfeld der ungeklärten Begriffe und mißbrauchten Worte wie heute - einfach überfordert ist. Entwurzelt, ihres sozialen Rückhalts durch Zerbrechen der Vertrauensbasis natürlichster und erster Umfelder (von der Familie beginnend) beraubt, werden sie so leichte Beute der Lügner und Täuscher. Die in Wahrheit Nihilisten sind, und die in Wahrheit der Wille zum Bösen treibt, weil sich ihnen in ihrer Indifferenz die Wahrheit und damit die Welt entzieht. Jeder (tragisch fehlgegangene) Hare-Krishna-Jünger ist noch aufrichtiger als sie. Sie sagen Religion - und meinen Selbstvergottung.





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Mittwoch, 22. April 2009

Kaum zu greifender Fisch

Liest man Montaigne über längere Zeit, erfährt man regelrecht sinnlich, wie sich alles Denken in seinem Skeptizismus auflöst, demgegenüber sich innerlich Skepsis meldet: Man wird ärgerlich angesichts einer immer deutlicher werdenden Absicht, sich auf jeden Fall einer geordneten Denkweise zu entziehen, weil man sie nahezu als Faul- und Feigheit erlebt, die Dinge schlichtweg nicht auf einen Punkt zu bringen.

Vor allem im zweiten Band seiner Essays zeigt sich dies durch deren Ziel- und letztlich sogar schon Aussagelosigkeit. Bei aller Frische, die man in seinen Schriften oft genug findet und die deren Lesen zu einer Art "Spiel am lauen Sommerabend" machen. Dort hörte ich auf, seine Gedanken werden zum leeren Gescheppere, langweilig. Ständige, fast prinzipielle Skepsis trägt einfach nicht.

Angeblich hat er diese Haltung im dritten Band bereits etwas überwunden. Ich werde es zu späterem Zeitpunkt testen.




*220409*