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Mittwoch, 20. Juli 2022

Was aber ist es wirklich - das Geld? (2)

Angst, nicht zum Ganzen zu gehören, Angst dem Markt nicht beitreten zu können - das ist also die wahre Ursche der Geldangst die zur Vergötzung des Geldes führt - Leider ist das wahre Wesen des Wuchers und der Zinsnahme nicht wirklich oder zumindst sehr mangelhaft verstanden. Nicht dieser Selbstzweck ist seine Sündhaftigkeit, sondern ein reales moralisches Faktum, wir hben bereits darüber berichtet. Und das ist mit "Schmarotzerdasein" ebenfalls ur ungenügend beschrieben. 

Der Zinsnehmer ist unmenschlich und wider die Natur, weil er eine Logik anwendet (den mathematischen ZIns), wie er in der Lebensrealität des Schuldners nicht vorkommt. Im christentum kam dann dazu, daß es nur zwei Schuldenformen gibt, die gerechtferitigt (und nicht schon Kind der Sünde ist) sind, und deren erste, die Not, würde eigentlich das Geschenk erfordern, die Gabe des Geldbesitzers, um zu helfen 

Die andere, die sinnvolle Investition, in eine Erweiterung des individuellen Handelns aus bestimmten sinnvollen Gründen heraus, verlangte vom Geldleiher wiederum eine Risikobeteiligung, weil das Leben immer riskant ist. 
Das aber berücksichtigt der Zins nicht. Und deshalb ist er unmoralisch und schwer sündhaft, weil er somit IMMER und UNWEIGERLICH in eine Versklavung des Kreditnehmers führt, der mit der Zeit ruiniert wird. Denn die Natur ist NICHT (wesenhaft) mathematisch. Galileo et al. haben sich geirrt.

Dienstag, 19. Juli 2022

Was aber ist es wirklich - das Geld? (1)

Bei Karl-Heinz Brodbeck ist der VdZ endlich fündig(er) geworden. Denn er befaßot sich damit, WAS DENN GELD SEI. An diesem Punkt können wir deshalb schon einen Versuch starten, einige Gedanken zusammenführen. 

Brodbeck sagt dabei, daß Geld eine Denkform ist. Der VdZ glaubt, daß man aber noch einen Schritt tiefer gehen muß - denn Geld IST nicht einfach eine Denkgestalt! Sondern ALS Genkdgestalt gewordne, aber aus einer realen Kategorie.

Die sich (so wie das "Ich") allmählich - und zwar notwendig, über die menschliche Gefallenheit, die nachudn nach das "unschuldige Ganze" der Menschheit aufzulösen begonnen hat - gebildet hat. Das dann als "werten, gelten, gültig sein" den ursprünglich und in sich rein geistigen, zwischenmenschlichen Wert der "Leistung in der Welt" (Bedeutung, Wichtigkeit usw.) als Moment der Persönlichkeit meint. 

Mittwoch, 29. Juni 2022

Vom Untersten zum Obersten gewendet

Ich gestehe: Wieder und wieder habe ich mich bemüht, das Wesen der sogenannten "Kryptowährungen" zu verstehen. Wieder und wieder hbe ich dzau gelesen, habe Videos durchgesehen, aber was ich allerhöchstens erhalten habe ist, "wie er funktioniert". Ohne daß ich jemals eine Erklärung dafür erhalten hätte, WAS da funktioniert. Und nun werfe ich sogar das Handtuch, weil ich nun begriffen habe, daß es da gar nichts zu verstehen gibt.

Denn bei Bitcoins oder wie immer dieses bloße Spekulationsgebilde noch genannt wir ist der Trick der ungemien wortreichen "Erklärungen", die man zu hören bekommt nur die Tatsache, diese Wahrheit zu verschleiern. 
Ich habe an der falschen Stelle gesucht, habe mich vom Etikett täuschen lassen, auf dem steht "Geld" und "Währung". Und da konnte ich natürlich nie Zutreffendheit finden. 
Denn das geht auch gar nicht anders. Man kann dieses Kryptogeld nämlich nicht einmal als Geld und damit auch nicht als Währung bezeichnen. Es ist ein Pyramidenspiel MIT DEM VORHANDENEN GELD, und insofern Betrug, der auf dem Mangel an Realitätserleben der Menschen aufbaut und "neuen" Wert vormacht, wo aber gar keiner ist bzw. dieser nur durch unabwägbares Glück - den "windfall" - entsteht, und sofort in die herkömmliche, angeblich "überwundene" Geld- und Wertewelt rückgeführt werden muß, ehe er verpufft. Weil der Tag kommt, an dem alles auffliegt.

Donnerstag, 19. Mai 2022

Als es fast so war, wie es sein sollte (5)

Zahlen, Zeit, Dauer, Werk und Magie - Zeit, Dauer ... da passiert in einem der Filme auch der (fast) einzige Versprecher, wo eine alte Sprechgewohnheit wieder aufsteht. Wenn davon gesprochen wird, daß die Zeit mit der Uhr "gemessen" wird. Was heßt Messen? Es heißt eien Vorgang mit einem anderen, zum Kriteriumgemachten, in eine Beziehung zu setzen. 

Das heißt bei der Uhr, einen standardisierten Vorgang des Umlaufs der Zeiger, zuvor mathematisch exakt und damit immer gleichlaufend gemacht durch eine festgelegte physikalische Ursache-Wirkung-Beziehung von Zahnräudern, die auf einen Anfangs- und einen Endpunkt ausgerichtet werden -  dem Sonnenhöchstand zu Mittag etwa, oder über eine bestimmte Sternenkonstellation, die an diesem Punkt beginnt und an jenem endet, der zugleich in immer demselben Ablauf wieder der Beginn ist - und somit (sagen wir) einen Tag umfassen. Den unterteilt dann die Menschheit seit je in insgesamt zwölf Horas, Stunden, eine alte Menschheitszahl der Vollkommenheit eines Ablaufs. 

Als heilige Zahl des Faktors aus der Zahl der Ewigkeit, der (3), mit der Zahl der Vollkommenheit, der (4) Aus diesem Tanz entsteht dann ein Weltganzes, das von einem Anfang zu einem Ende strebt. "Jeder Tag hat seine eigene Plage", sagt der Herre, und jeder Tag sollte deshalb nur für isch gelebt werden. Das ist keine stumpfe Erkenntis der Stoiker, dieser Gleichgültigen, sondern ein Tanz des Lobpreises für die Vollkommenheit Gottes! Der sich in seiner Dreifaltigkeit (3) als Gruindgrmmatik der Welt (die die Zahl 4 ausdrückt, selber wiederum ein Tanz aus der Quadratur, der höchsten Potenz also aus Dualität (2) mit Dualität (2) somit als Schöpfung und Welt in ihrer tiefsten eigentlichsten Dimension ausdrückt. 

Donnerstag, 13. Mai 2021

Einer neuerlichen Vergegenwärtigung wert (2)

Teil 2) Das Recht auf Wucher ist das Schmiergeld, um das Schweigen zur Geldbeschaffung der Politik zu erkaufen 


QR Petr Bystron

Somit entpuppt sich das Ganze als seichte Komödie. Man hat nur drei Jahre gewartet, das war alles. Und holt nun den "gerechten Grund" aus der Schublade, wo jener Kasperl für alles wartet, der für so viel schon hat herhalten müssen. Und noch heute taugt, um das Maul des Volkes mundtot zu schlagen: Die Verbrechen und ein zur Untat verabsolutierter Krieg des Dritten Reiches, mit dem sich jeder anständige Deutsche ja gehörig bis in alle Ewigkeit identifiziert.

Aber was damals geschehen ist, werte Leser, das sollte hier wieder einmal in aller Präzision vor Augen gestellt werden: Daß der Staat seit je und auch in diesen unseren Jahren nicht weniger einen Pakt mit dem Großkapital heilig hält. Wofür die Bürger gerne und nach Belieben am Nasenring in der Arena herumgeführt werden. Die aus ihren Steuern bezahlen, was die Großfinanz in Wahrheit eingesackt hat. Die gar nie ein Risiko trägt. Den sie werden auf jeden Fall gerettet.

Mittwoch, 12. Mai 2021

Einer neuerlichen Vergegenwärtigung wert (1)

E. Michael Jones faßt den Kapitalismus einmal zusammen mit: "State sponsored usury." Also als "vom Staat finanzierter Wucher." Der Leitsatz, der seit dem späten Mittelalter unausgesprochen, verschwiegen bis heimlich, aber immer selbstverständlicher Platz griff, wird an anderem Ort auch mit "Privatisierung der Gewinne - Öffentlichkeitshaftung für Verluste", also als Umlage von Verlusten auf den gemeinen Steuerzahler beschrieben. 

Dieser Grundsatz herrscht bis zum heutigen Tag. Selbst in der Corona-Krise bleiben die Klagen vieler vieler Klein- und Mittelstandsunternehmer weitgehend ungehört. Denn es sind lauter Einzelfälle, lauter Komplikationen, die aus irgendwelchen Umständen eine Zuerkennung von Ausgleichszahlungen (die vom Staat direkt verursachte Schäden wenigstens soweit gutmachen sollen, als die Existenzgefahr der Mittelständler verringert wird) leider unmöglich machen.

Donnerstag, 18. März 2021

Schulden mal Schulden mal Schulden = Wohlstand

Aber noch eine Denkwürdigkeit ergibt sich im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Denn wenn sich jemand schon einmal darüber gewundert hat, warum die Staaten weltweit so spontan und fast schon im Aufdrängungsmodus mit Geld nur so um sich warfen, um den Bürgern aus der Corona-Krise zu HELFEN, so gibt es dafür eine gewisse Begründung. 

Fassen wir einmal ins Auge, daß es derzeit (bei entsprechender Bonität, und nur dann!) nicht nur niedrige Zinsen gibt. Sondern dieser Geldmenge steht eine enorme Geldmengenvermehrung = Schulden seit 2008 gegenüber. Das hatte einerseits den Grund, daß mit dem Geld die Wirtschaft belebt werden sollte. Also wurde Geld zu Niedrigstzinsen verliehen, an Bürger und Unternehmen = Mittelstand.  (Nicht freilich an Staaten, und warum bzw. wie man das machte, das kommt gleich.) Sie alle sollten ermuntert werden, Geld auszugeben, egal ob es zu verjubeln oder zu investieren.

Gleichzeitig sollten die Staaten insofern konsolidiert werden, als sich IHRE Bonität besserte. Somit wurde vorerst einmal der Umstand befeuert, daß (die Schweiz hat es schon vor Jahren eingeführt) die Bürger (und der Mittelstand) wachsende Ängste haben, daß durch die Geldmengenvermehrung (und ach so viele Durchblicker warnen ja seit Jahren davor, für 2020 und 2021 wurde von vielen sogar schon per Quartal der Totalcrash vorhergesagt) sämtliche Sparbeträge (und alleine in Deutschland sind das rund fünf Billionen Euro) entwertet würde. 

Genau dem haben wir bekanntlich die Immobilienblase zu verdanken. Das heißt, daß die Immobilienpreise in den letzten fünf Jahren bis zu fünfzig Prozent gestiegen sind. Im Wert? Aber geh. Im Preis. Das ist bei weitem nicht dasselbe. Man nennt Preissteigerungen ohne Veränderung der Wertsubstanz der Güter vielmehr "Inflation", schon vergessen? Aber was sagen die Bürger? Sie reagieren wunschgemäß, der Leser möge einfach zuhören. Sie sagen: Besser in eine Wohnung und ein Haus investiert, auch wenn sie zu teuer gekauft sind, als ins Nichts durch Inflation verloren. Mit Immobilien HAT man wenigstens etwas, nicht wahr?

Aber genau so nimmt der Staat dem Bürger sein Erspartes ab. Stück für Stück, wie Wasser, das zum Hochwasser steigt. Weil er die Bedingungen schafft, unter denen der Bürger sein Erspartes dem Staat nicht nur leiht, sondern sogar noch dafür Zinsen ("Negativzinsen") BEZAHLT. Gleichzeitig soll der Bürger (mit der Sicherheit durch die Schuldverschreibungen und Anleihen, die ihm der Staat dafür als Rückzahlungsgarantie gibt) mit selbst aufgenommenen Schulden Immobilien anschaffen. Die paradoxerweise von Jahr zu Jahr mehr wert werden, also: Im Preis steigen. Ein überzeugendes Argument, weil seine liquiden Mittel durch Negativzins s. o. ohnehin immer weniger werden.

Um das Modell zu stützen, heizt man zudem die Inflationsangst an. Woraufhin die Leute Angst um ihr Geld haben ... und froh sind, Ertrag gegen Sicherheit tauschen zu können. Und wer kann alleine noch Sicherheit geben? Richtig. Der Staat. Dem leiht der Bürger also sein Geld. Und Geld hat der Bürger, weil der Staat es ihm GIBT. Immer. Auch ... bei Corona-Krisen darf er also wissen, daß er nicht verarmen wird. Und sein Wohlstandsniveau wenigstens so irgendwie wird halten können. (Und nebenbei Gutes tut, wie das Klima retten, oder die Senioren vor dem Covid19-Teufel.)

(Wir nennen hier nur Immobilien. In Wahrheit ist das Bündel an Dingen mit steigenden Preisen aber weit dicker. Silber, Gold, ja was steigt derzeit nicht alles?! Oder schon mal über Bitcoin, diese Kursrakete, nachgedacht? Also bitte ... das ist ja überhaupt die wundersame Geldvermehrung in Person. Und alle werden immer reicher!)  

Denn wo, werter Leser, HAT man noch etwas? Na? Richtig. Wenn es der Staat garantiert. Und wo tut er das? Bei Anleihen. Die zu einem Aufruf an die Bürger werden, sein Erspartes in die Tresore der Regierungen zu karren.

Er muß dafür nur ein wenig Gebühr zahlen. Und zwar ... NEGATIVZINSEN. Die bei "Krediten" anfallen. Bei denen der Staat Geld aufnimmt, und dem Kreditgeber dafür Zinsen ABNIMMT. 

Das heißt, daß der Schuldner Staat für neue Schulden nicht nur KEINE Zinsen bezahlt, sondern vom KreditGEBER auch noch Zinsen KASSIERT. Und der bezahlt noch gerne, weil beim Staat sein Geld wenigstens ETWAS WERT behält. Alles klar, werter Leser?

So, nun müssen wir nur noch eins und eins zusammenzählen. Der Staat nimmt derzeit VOR ALLEM IM INLAND sehr viel Geld auf. Die Sparer leihen es ihm gerne. Dafür zahlt er entweder gar keine Zinsen oder er kassiert vom Sparer sogar noch welche. Während die Sparer in Immobilien investieren, die ihr Geld nicht wert sind, aber "im Preis" steigen, also nominell seine Sparbeträge erhöhen. 

Geht das auf Dauer? Dann hätten nämlich alle "gewonnen". Die Sparer, die mit dem Geld, welches der Staat in die Wirtschaft schiebt, und das die Immobilienpreise erhöht, sodaß das Geldvermögen der Sparer steigt. Während sie Zinsen dafür bezahlen, daß der Staat ihr Geld nimmt, und es in die Wirtschaft fließen läßt.

Das heißt aber fürderhin, daß der Staat mit der Zeit immer weniger Schulden hat. Denn die Bürger, die für diese Kredite, die sie dem Staat gewähren (und sie MÜSSEN diese Kredite geben, das nur nebenbei: Staatsanleihen-Papiere zu kaufen, also dem Staat einen Kredit zu gewähren, ist für viele Fonds, vor allem aber für Versicherungen, Pensionskassen, Banken oder Betriebe (Abfertigungsrücklagen) VORGESCHRIEBEN. 

(Wir haben es hier also mit einer übrigens schon lange lange Jahre vorgeschriebenen ZWANGSANLEIHE zu tun, das nur nebenbei jenen gesagt, die vor schröcklichen Zwangshypotheken Angst haben: Zwangsanleihen gibt es schon sehr lange!)

Weil es aber sonst ein bißchen ungut auffallen würde, wenn die Staaten so viele Schulden machen, unmotiviert, und weil das für die Ratingagenturen schon gar keinen schlanken Fuß macht, wartet man einen Anlaß ab, wo NICHTS ANDERES MEHR ÜBRIGBLEIBT, ja die BÜRGER SOGAR GERNE ZUSTIMMEN.

TRARAAAAA! Da wachen die Bürger eines Morgens auf, und die Corona-Krise ist da. Weltweit. Und SCHRÖCKLICH. So schröcklich, daß binnen Tagen alle Regierungen der Welt dafür sind (sogar die, wie in den USA, die sich erst ein wenig geziert haben, und plötzlich, sieh da, auch voll dabei waren), ihre Staatsschulden explodieren zu lassen. UM DEN ARMEN BÜRGERN ZU HELFEN, die an der Corona-Krise leiden.  

Verstanden, werter Leser?

Schon deshalb sei er versichert: Wir werden noch lange die Corona-Krise zum Knabbern beim Fernsehen serviert bekommen. Und noch länger daran kauen. Denn eines ist klar: Es ist unsinnig zu glauben, man könne eine Welt konstruieren, die EWIG hält. Aber es ist nicht unsinnig, ein System so lange aufzublasen und aufzublasen, wie es nur möglich ist, auch wenn noch keiner sagen kann, was am Ende herauskommt. Vielleicht, ja vielleicht ... wird ja doch alles gut, eines Tages? Vielleicht ergeben Schulden mal Schulden mal Schulden ... Wohlstand!?

Wie. Da kann etwas nicht stimmen? Werter Leser, er wird doch nicht auch dem Lager der Leugner angehören? Reiße er sich am Riemen, und unterdrücke er sämtliche Verschwörungstheorien, die ihm einsuggerieren, daß bei der Gleichung etwas fehlt. Und irgend jemand bei der Abwägung, ob beide Seiten gleich sind, seinen Daumen dazuhält.

Man nennt das NEUE GELDTHEORIE, oder NEW MONETARY THEORY. Die besagt, daß aufgrund der Komplexität der Vorgänge der Staat Schulden ohne Ende machen kann. Und nicht nur der Staat. Was heißt "kann". Soll! Muß!

Eine Theorie, die nur ein Problem hatte: Wie bringt man das Geld unter die Leute, ohne daß sie den Braten riechen. Denn der Normalsterbliche versteht dieser Hervorbringnisse genialer menschlicher Sophistik (Pardon: Wissenschaft) nicht.


*140321*

Mittwoch, 6. Januar 2021

Als das große Schweigen begann (2)

Teil 2)
Die Liebe verschwand, Atheismus und Reichtum kehrte ein, 
und mit ihm der Sozialstaat

 

Vor allem war das Prinzip des "Gemeinwohls" verschwunden, bestenfalls noch auf ein "freundliches, wohltätiges Verhalten" zwischen Individuen reduziert worden. In dem das erste Gebot der Nächstenliebe, in dem alle übrigen Gebote enthalten sind, schon durch "Krumen vom Tisch" erfüllt war. 

Um es mit den Worten des Ethnologen Marcel Mauss zu sagen, veränderte sich die Art, wie die Menschen miteinander umgingen, von einer Gesellschaft der Verbindlichkeit weil wechselseitigen Gebens (sic!) zu einer Renn- und Kampfarena, in dem der "Vorteile" hatte, der am rücksichtslosesten mit den anderen verfuhr, der vor allem überlegen wurde, weil er "clever" auf die Momente wartete, in denen der andere das mathematische Prinzip außer Acht ließ ... weil er liebte. Weil er eben nicht "an sich" dachte. 

Denn mit Wettbewerb, mit dem Kampf aller gegen alle läßt sich eben keine gesellschaftliche Ordnung aufrichten. Wenn diese Ansicht im 18. Jahrhundert aufkam, dann nur deshalb, weil sie den monetär - worauf sich Größe und Reichtum bereits reduziert hatte - Mächtigsten, die längst nach den politischen Prozessen griffen, nützte. Weil sie die Gier und das unehrenhaft erworbene Gut absicherte.

Am deutlichsten wird das bei der Betrachtung des Begriffs "Reichtum". Der immer mit "Ehrenhaftigkeit" verquickt war, nun aber seine Bedeutung änderte: Nun war der Reiche der finanziell Mächtige, und ersetzte endgültig den Adel, wurde zur neuen Elite. Womit erstmals der dritte Stand zur Höhe des ersten aufrückte - das Zeitalter der Emporkömmlinge, der Neureichen, des Geldadels begann.

Denn längst hatte auch das Geld eine neue Stellung in der Kultur: Aus einem an sich bedeutungslosen Medium, das reines Mittel zum Zweck war, wurde nun ein Zweck an sich. Das als Geldkapital auf Opfer lauerte. Weil es durch die Zinsen als dem prägenden Merkmal der Hilfe, vor allem im Leihen, das jedes miteinander Leben und Arbeiten kennzeichnet, denn Gemeinschaft (bzw. Gesellschaft) ist immer eine zwischenmenschliche Gemeinschaft der wechselseitigen Verbindlichkeiten, also der Schulden - und das ist auch Geld: Ein Versprechen, eine Vereinbarung, eine "Fiktion".

Die wirkliche Katastrophe, die Nelson meint ist, daß im 18. Jahrhundert die Kirche den Widerstand gegen die Zinsnahme aufgab. Und zwar einfach dadurch, daß sie zu schweigen begann, wo sie aber laut aufschreien hätte müssen, weil die Zinsnahme selbst eine Todsünde war. Die nun aber zur Norm wurde, und damit eine ganze Kultur in rasendem Tempo zu einer Unkultur des Kampfes aller gegen alle machte. Der sich "Liberalismus" nannte, in welcher Lüge er das Wort "Freiheit" bis heute pervertiert.

Heute glaubt die überwältigende Mehrheit der sogenannten Christen auch tatsächlich, daß sich im Sozialstaat, diesem atheistisch-sozialistischen, antikulturellen Kretin, die christliche Nächstenliebe finde. Daß sie mit ihren Steuern und einem kleinen Spendenbeitrag zu Weihnachten ihre Pflicht zur Liebe erfüllt hätten. Während sie nicht nur den Rest des Jahres den Tod verbreiten, sondern über die habituellen Prägungen pervertierter Lebensvollzüge die nächsten Generationen heillos verderben.

Denn nicht nur erwuchs dieser Grundprägung der Gesellschaft heraus dann auch eine Überbevölkerungsideologie eines Malthus, und vor allem eine Evolutionslehre eines Darwin, sondern aus denselben immanenten Mechanismen heraus wurde er zur beherrschenden Ideologie des Abendlandes, dem er damit den Todesstoß versetzt hat.

Aber eine Todsünde ist diese Auffassung vom Wirtschaften als "Dienst an einem fremden Gott, als Dienst am Mammon" im moralischen Verständnis der Kirche bis heute. Auch wenn dieses Schweigen der Kirche bis heute anhält. Die sich lieber (weil es nicht so aneckt) auf den seicht-sentimentalen Verweis auf die "milde Gabe", das "Teilen" - siehe oben! - beschränkt. 

Anstatt auf das große, ja himmelschreiende Unrecht hinzuweisen, das diese "milde Gabe", dieses "großherzige, ach so gute Teilen" meist überhaupt erst notwendig macht. 

Oder (und man weiß nicht, was schlimmer ist, das Schweigen zum Kapitalismus oder dieses ideologistische Schreien) sie befördert einen menschenverachtenden Sozialismus, der auf derselben materialistischen, mechanistischen und evolutionistischen Anthropologie beruht wie der Kapitalismus.


*311220*

Dienstag, 5. Januar 2021

Als das große Schweigen begann (1)

William Paley (1743-1805)

Ich verwende den Begriff Nächstenliebe weder im allgemeinen Sinn der Gabe an die Armen noch im Sinne des heiligen Paulus als Wohlwollen allen Menschen gegenüber. Ich wende ihn vielmehr in einem Sinn an, der für meinen Zweck besser geeignet ist, in dem es um die Förderung des Glücks unserer Untergebenen geht.*

Wohltätigkeit in diesem Sinne halte ich für die Hauptprovinz der Tugend und der Religion: Während weltliche Klugheit unser Verhalten gegenüber unseren Vorgesetzten und Höflichkeit das Verhalten gegenüber den uns Gleichen bestimmt, gibt es neben der Berücksichtigung von Pflicht oder gewohnheitsmäßiger Menschlichkeit wenig, das sich der Überlegung aufdrängt, bemüht man sich um die Kriterien für ein angemessenes Verhalten gegenüber denen, die unter uns sind und von uns abhängig sind. 

Somit gibt es drei Hauptmethoden, um das Glück unserer Untergebenen zu fördern. Erstens, durch die Behandlung unserer Hausangestellten und Angehörigen Zweitens, durch professionelle Unterstützung. Drittens, durch finanzielle Großzügigkeit.

Das schreibt der anglikanische Theologe und Philosoph William Paley in "Principles of Moral and Political Philosophy".

Daraus wird erkennbar, wie sehr mit dem 18. Jahrhundert die historische Interpretation der christlichen (Nächsten-)Liebe bereits zu einem Schatten seiner selbst geworden ist.

Und zwar genau in den Kreisen, von denen noch erwartet werden konnte, daß sie der Herausforderung der Weiterentwicklung des Kapitalismus begegneten, indem sie den Aufruf zur Liebe mit immer größerem Nachdruck bekräftigten. Stattdessen war aus dieser Heilsbedingung eine lauwarme Ermahnung geworden, "das Glück der Untergebenen zu fördern".

Mit diesen Sätzen beendet Benjamin Nelson sein Buch "Die Idee des Wuchers - Von der Stammesbruderschaft zu universeller Andersheit." Und beschreibt damit die Verwandlung eines Grundsatzes, der die Wirtschaft im Abendland bis zur Entwicklung des Kapitalismus geprägt hatte. Und dieser Grundsatz war die Nächstenliebe gewesen. 

*Siehe dazu Thomas Hobbes in "Leviathan", der zu jener Zeit das europäische Staatsverständnis grundlegend (und in diesem erwähnten Sinne) veränderte.


Teil 2) Die Liebe verschwand, Atheismus und Reichtum kehrte ein,
und mit ihm der Sozialstaat

 
*311220*

Freitag, 27. März 2020

Honi soit qui mal y pense (2)

*Teil 2) Zu Norditalien - Kleiner Grundkurs
in der Geschichte des Kapitalismus



*Die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte zeigt, daß weltweit Wohlstand und Reichtum auf Herstellung wie Handel von Textilien aufgebaut ist. Deren Wurzeln bis hinein in Landwirtschaft und Chemische Industrie - Stoffe und Fasern! - reichen. Sie entwickelt sich überall in derselben Dynamik einer Internationalisierung, aufgrund immer noch hoher Handarbeitsgrade zu niedrigen Löhnen und hoher Mechanisierung. Anderseits verfallen die Rohstoffpreise, was diesen Ertragsdruck bis in Landwirtschaft und Grundstoffindustrie weiterreichen läßt. Auch dort mit denselben Folgen einer Umwälzung der Folgen (soziale Folgen, Umweltzerstörung, Schwächung der Religion, Schwächung der Familie, etc.) auf die Allgemeinheit durch ein Zerreißen der Kostenwahrheit. 

Der Konkurrenzdruck erfordert aber auch einen immer höheren Kapitaleinsatz, macht wiederum Fremdkapitalien nötig, was zur Ablösung von Unternehmen von UnternehmERn führt. Umso leichtfertiger erfolgen Unternehmensentscheidungen, die die Kostenwahrheit zerreißen und Folgekosten auf die Allgemeinheit umwälzen. Was wiederum nur durch weitere Verflechtungen (INvestitionen in Medien und "Bildung", s. u.) Akzeptanz findet und verschleiert werden kann. 

Aufgrund der Zwänge aus Zinsen unterliegen lokal wie international (und heute global) Textilfabriken immer ausschließlicher denselben mathematischen Anforderungen wie Zinsrechnungen. Das hat unmenschliche Arbeitsbedingungen zur Folge, in denen sich die Löhne nicht mehr an (lokalen!) Gegebenheiten und Lebensformen orientieren. Was wiederum zur verstärkten Entwurzelung der Arbeitenden führt, die in Funktionen aufgelöst einerseits immer internationaler werden, anderseits die Frau als Billiglohn-Reservoir und somit Lohnkonkurrenz zum Mann etablieren, also Motor des "Feminismus" sind.

Die mathematische Logik, der aufgrund des immer stärkeren Konkurrenzdrucks bald sämtliche Unternehmen durch nötiges Fremdkapital für Investitionen in Maschinen unterliegen.

Zu immer geringeren, vor allem nicht mehr familien-nährenden Löhnen Arbeitende - die Folge ist ein Rückgang der Geburten, was wiederum einen Sog für zuwandernde Arbeiter aus Gebieten mit niedrigerem Wohlstand erzeugt - stehen einer immer kleiner (weil zentralisierter) und immer reicher werdenden Schichte von Kapitalbesitzenden gegenüber. 

Deren Interessen - getragen von entpersönlichten Kapitalerträgen - sich immer stärker auf von der eigentlichen, ursprünglichen Branche losgelöste Bereiche richten. Und deshalb starken Einfluß in Politik, Kunst und reinen Investitionsbereichen (Immobilien, Edelmetalle, Geldverleih), aber auch in Medien und (nutzenorientierte) Bildung gewinnen. Jeweils getragen durch die Macht des Kapitals als Macht gesellschaftlich-kultureller Bewegung.



*240320*

Samstag, 16. November 2019

Warum da etwas nicht stimmt (3)

Teil 3)



Gute, richtige, gesunde Innovationen entstehen nicht einfach, wenn oder weil Zinsdruck herrscht. Das regt nur BESTIMMTE Änderungen an. Innovationen entstehen durch Liebe zum Produkt, zur Arbeit, zum Tätigsein, zu den Kunden und Menschen. Da kann es durchaus einmal "weniger effizient" abgehen. Weil Menschen eben Menschen sind. Weil es auch Menschlichkeit und wie erst Lebensqualität ist, auch weniger "Begabte" mitzuziehen. Weil es in jeder Gesellschaft eben auch immer diese zehn Prozent gibt, die sich (nähme man es mathematisch-zinstechnisch) "ihr Salz in die Suppe nicht verdienen". Aber eine humane Gesellschaft, und die wollen wir, eine von Liebe zu Welt und Mensch getragene Gesellschaft ist eben so, und erträgt ruhig und leidensbereit auch weniger Leistungsbereite oder -fähige. Die in Wahrheit immer ein gutes Drittel der Menschen ausmachen, das nur nebenbei.

Sie fordert keine Leistungsmaschinen, wie die von Krall gemeinten Innovationen in Wahrheit meinen. Eine Gesellschaft, die wir wollen, orientiert sich daran. Nicht einfach nur an Effizienz. Und speist die Kranken, Alten, Morbiden nicht mit abstrakten Sozialleistungen ab, sondern mit direkter, konkreter, persönlicher Hilfe. Die manchmal auch streng sein darf, ja muß. Sich aber immer am Maß der vorhandenen Liebe der Menschen ausrichten muß. (Soziale Hilfe, Nothilfe muß immer persönlicher Akt zwischen einem Geber und einem Bedürftigen sein. Erst dort fließt dann alle Information ein, die es für wirkliche Hilfe und Liebe braucht, die auch manchmal Strenge fordert. Die deshalb auch nie ohne Bitte um (immer freiwillige) Hilfe auskommen kann. Wir plädieren hier also nicht für einen Sozialstaat heutiger Prägung, den auch wir als katastrophales Übel erkennen.

Gewiß, in der Einschätzung der Gefahrenmomente decken wir uns mit Krall weitgehend. Auch die Kette der Ereignisse, die eben einer kranken Logik folgt, ist richtig beschrieben. Aber die Zombieunternehmen sind nicht einfach die, die ohnehin weg gehört hätten, sondern sie werden zwar fallen, gewiß, aber nur, weil die mathematische Logik, die Zinsnahme bedeutet, jede humane Wirtschaft über kurz oder lang in den Abgrund treibt. Aber nicht nur diese, sondern auch die Kapitalisten, die dann - eiderdautz! - immer (die Geschichte beweist es) nach dem Staat rufen. Das nennt man dann "Bankenrettung", was in Wahrheit jenes Risiko glättet, das die Banken nie eingegangen haben. Und die sexbesoffenen Bürger nicken, weil es ja furchtbar wäre, wenn aus den Bankomaten kein Geld mehr käme, und von den Hintergründen durchschauen sie genau so wenig, wie die Politiker. Denen mittlerweile alle Mittel ausgehen (wie Japan zeigt), um das potemkinsche Dorf weiter aufrecht zu halten.

Deshalb steht das Bankensystem auch tatsächlich vor dem Kollaps, auch da hat Krall recht. Aber es steht vor einem Kollaps, der in ihren Existenzbedingungen selbst angelegt war. Hier gälte es zwar zu unterscheiden, denn es gibt tatsächlich auch "gute" oder "bessere" Banken, wenn auch wenige, wenn auch meist kleine, aber sie werden diesen drohenden Crash, der vom "Geschäftsmodell der Banken" selbst angetrieben worden war, vermutlich gleichermaßen zum Opfer fallen. Denn Wirtschaft, Geldsystem wie Politik haben auf Schein gesetzt. Der aber ist immer lüstern nach Blut, und um seinen Durst zu stillen, braucht es echte Menschen.

Wir stehen vor einer gewaltigen Rezession, ja einer enormen Erschütterung vulgo Crash, da wird Krall ziemlich recht haben. Aber wir stehen vor einer Rezession, weil ein falsches Geschäftsmodell an seine definitiven Grenzen gekommen ist, wo es sich selbst zu schlagen beginnt. Krall zeigt diese Mechanik sehr gut auf. Und deshalb ist der Vortrag durchaus hörenswert. Wir können nur hoffen, daß die Politik nicht wieder, um ihren eigenen Kopf zu retten, den gemeinen Bürger zur Kasse bietet, um dieses Modell noch weiter hinüberzuretten. Wohin weiß freilich keiner. Der Zahltag wird nur umso blutiger.

Zu Krall? Liberale sind per se jene, die am lautesten schreien, wenn Mißstände auftreten. Aber dadurch zu vertuschen suchen, daß sie selbst es waren, die diese Mißstände bewirkt haben.








Freitag, 15. November 2019

Warum da etwas nicht stimmt (2)

Teil 2)



Der noch einen weiteren und sehr fatalen Tatsachenkomplex völlig außer Acht läßt, ja gar nicht kennt. Nämlich den, daß volkswirtschaftlich gesehen - nicht nur auf einzelne Unternehmen - die Einschaltung weiterer Mechanismen (=Maschinen), und das geschieht bei allem, was auch Krall hier nennt: Digitalisierung etwa, auch ein Mehr an Energie und damit an Arbeit bringt. Denn JEDER Mechanismus, jede Maschine verbraucht mehr Energie (=Arbeit), als sie liefert! Maschinen können also nur Teilbereiche "verbessern", bringen aber in anderen Bereichen ein Mehr an Arbeit. Das man leisten wollen kann, gewiß, etwa weil eine Einzelarbeit zu mühsam war, Gesundheitsschäden verursachte, etc. etc., und man lieber die leichteren, quantitativ aber zahlreicheren Umwege (als Energieverbrennungsmomente) bevorzugt. Aber man muß es in einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtungsweise berücksichtigen. 

Und da ist auch der Grundfehler bei der "Angst vor der Digitalisierung", die davon ausgeht, tatsächlich davon ausgeht, daß die Gesamtarbeit eines Volkes, die es dann zu leisten gilt, WENIGER wird. Stimmt nicht! Sie schichtet sich nur um! Sie schichtet sich sogar bestimmbar und konkret auf bestimmte andere, sogar neue Tätigkeitsbereiche um. Man denke an Programmierer, an Computerpfleger, oder an niedrigqualifizierte Arbeiter, die den Facharbeiter ersetzen, weil sie nur noch bestimmte Handgriffe an einer Maschine tun müssen ohne recht zu wissen, was sie überhaupt tun. (Was der Forderung nach mehr Migration, die ursprünglich - man vergißt zu leicht! - auch eine Forderung der liberalistischen Kapitalisten war. War? Nein, es oft sogar auch heute ganz offen ist. Digitalisierung (bleiben wir bei diesem Beispiel) bringt nicht WENIGER an Arbeit, sondern mehr, aber ganz bestimmte Arbeiten. Clevere, Rationalisten und Minderqualifizierte werden bevorzugt. Das wirkliche Fachwissen aber verschwindet damit noch rascher.

Diese Tatsache wird deshalb nicht gleich erkennbar und generell verschleiert, weil dieser Mehraufwand UMVERTEILT wird, von den Unternehmen weg, hin zu Konsumenten und öffentlichen Bereichen, also dem mütterlich-kümmernden Staat. Auch der Liberalismus erzeugt also (wie jeder Irrtum) genau das, was zu bekämpfen er vorgibt: Zentralstaat und Sozialismus. Sage der Leser das aber einem begeisterten Anhänger des Kapitalismus. Er wird auf eine vitale Mauer des Leugnens und der Irrationalität stoßen. Denn die Frage, wie wir wirklich leben WOLLEN und SOLLEN, kennt er nicht einmal, will er nicht zulassen. Sein Wollen und Sollen reicht. Und eigentlich hofft er ja, daß er selber zu den Siegern zählt. Den Begriff des Gemeinwohls, das mehr ist als liberalistische "Harmonie", die seltsamerweise nie eintritt, sondern immer Sieger und Verlierer kennt, kennt der Liberalist nicht. Denn er ist eben Evolutionist, und diese These macht den Mangel an Ethik und vor allem Liebe - zum Nächsten, zum Produkt, zur Schöpfung - so herrlich bequem, ja spricht ihn sogar heilig.

Natürlich irrt die EZB, weil sie Wirtschaft als Mechanismus sieht. Natürlich ist der Aufbau von Bürokratie, die Regulierungswut etc. etc. ein Krebsgeschwür, das allen Lebensprozessen den Saft aussagt und Schmarotzerdienste leistet. Natürlich dient alles nur der Politikerkaste, die (s.o.) nur eines kennt, das Gesetz der Macht und des Erhalts von Stellung und Ansehen (mit neuen Anerkennungs- und Meritenkriterien, die sie extra dafür aufgebaut hat). Natürlich ist es unerträglich geworden, das Handeln der Menschen bis ins Letzte zu regulieren und "gut" zu machen, also gleichförmig auf ein rein mathematisches Gesamtgeschehen auszurichten, per Zwang.

Aber Krall übersieht, daß dahinter auch ganz massive liberale (!), kapitalistische Interessen stecken. Daß diese Regulierung von globalen Konzernen gewünscht und angeregt wird, um die unliebsame kleine Konkurrenz aus dem Feld zu stechen. Die Regulierungswut welt- und wirklichkeitsfremder Beamter dient dem Kapitalismus, nicht dem kleinen Bürger. Nicht dem kleinen Unternehmer, der sein Unternehmen führt, wie er es immer tat, und seine Leute beschäftigt, die in einem gewissen Maß ihre Arbeit verrichten.

So könnte man also den geringen Anteil an Unternehmenspleiten gar nicht als "künstliche Streckung" durch EZB-Fehler sehen, sondern als Luft, die gesunden, sehr gesunden Mittelstandsunternehmen blieben, weil die Zinsen so niedrig waren. In einem Durchschnitt an Pleiten steckt also ein gehöriges Quantum an Zynismus. Wo alles Heil einer "innovativen Wirtschaft" in Technik und Digitalisierung gesehen wird. Ja, so stellt man es sich vor, aber ist es wirklich so? Ist es notwendig so? Ist es gut so?

Es ist das Bankenmodell selbst, das - meistens - krank ist. Weil es von Zinsen lebt. Wovon sonst sollte eine Bank leben? Eben. Sie muß vom Risiko auf Gewinn leben, wie der Unternehmer, dem sie Geld leiht, wie der Häuslebauer, der Zeit überspringen will (und quasi Miete spart), das sie mitträgt, indem sie Geld in jemanden oder etwas investiert, der etwas riskiert, so schaut es aus. Dann hat sie ein Existenzrecht. Macht der Unternehmer (etc.) Gewinn, an dessen Unternehmen sich die Bank beteiligt, als Makler, als Geldeigentümer (so haben ja Banken begonnen, mit dem Eigenkapital einiger Reicher, die meist aus dem Textilgeschäft heraus zu Geld kamen).

Das Unmoralische an Banken ist, daß sie das Risiko des Kreditnehmers nicht mitträgt, sondern dem realen Leben voller Wechselfälle eine mathematische Zwangslogik aufpreßt, die dort nichts zu suchen hat und deshalb immer "gewinnen" wird. Denn Mathematik wird nicht krank, erleidet keinen Unfall, läßt sich nicht scheiden, oder verschätzt sich auch sonst mal.

Sonst leben die meisten (nicht alle nämlich!) Banken tatsächlich von Unmoral. Von der Unmoral, die Schwäche und Bedürftigkeit eines anderen auszunützen, machen wir uns doch nichts vor. Und das ist durch die Globalisierung noch schlimmer geworden, ist zum Giganten angewachsen. Was wir mit dem riesigen Berg an Banken machen, die heute auf einem falschen Geschäftsmodell beruhen, ist deshalb eine ganz andere Frage. Die Krall wie alle Liberalen aber gar nicht stellt. Kredite ersetzen das Sparen, weil man Zeit verkürzen will. Das will vor allem einer: Die Politik. Die Emporkömmlinge unter den Politikern, also quasi alle Politiker.

Morgen Teil 3)






Donnerstag, 14. November 2019

Warum da etwas nicht stimmt (1)

Krall geht von liberalistisch-kapitalistischer Zinsdynamik aus - wo menschliches Wirtschaften mathematischem Zwang ausgeliefert wird. Das heißt aber, daß nicht wirtschaftsimmanente Mechanismen zum Tragen kommen müssen, wie Krall meint, sondern wirtschaftsfremde, eben mathematische Motive. Wenn ein Unternehmen keine Zinsen bezahlt, aber dennoch Verluste schreibt, ist es natürlich zum Sterben verurteilt. Aber das passiert ja heute auch, trotz der niedrigen Zinsen (denn natürlich zahlen Kreditnehmer Zinsen, auch wenn die EZB für das von ihr selbst gedruckte, zur Verfügung gestellte Geld keine Zinsen verlangt).

Zinsen zwingen dem Kreditnehmer eine neue Logik auf, die mit seinem ursprünglichen Tätigkeitsfeld nichts zu tun haben. Das von Arbeit und Liebe zum Produkt begleitet sein muß. Das ist dann der Boden, auf dem gesunde, richtige, marktkonforme Innovationen stattfinden. Stattdessen zwingt die Zinsdynamik der Wirtschaft ein Denken auf, das von seinem eigentlichen Unternehmensgegenstand abgeht, und sich immer mehr nur noch darauf konzentriert, innerhalb des Geldsystems zu bestehen. Eine neue Logik gewinnt, vergleichbar der in der Politik, wo nicht die in der Realität besten Leute nach oben kommen, sondern die, die die systemimmanenten Mechanismen am besten beherrschen.

Deshalb der hohe Anteil von Beamten, Lehrern, Wirtschaftsfremden in den Reihen der Abgeordneten: Sie sind Menschen, die alles den Aufstiegsmechanismen innerhalb ihrer Parteien verdanken. Die aber mit dem eigentlichen Gegenstand der Politik nur am Rande - meist genügen Schlagworte - zu tun haben. Nicht die wirklichen Probleme der Menschen sind damit Objekt und Inhalt der Politik, sondern jene "Lösungen", die der Bereitschaft dienen, sie an der Macht oder in ihrer Stellung zu halten.

Natürlich ist die Vorgehensweise der EZB falsch. Natürlich dient sie nur dem Überleben der Systeme. Natürlich ist es ein Irrtum, Wirtschaft als Mechanismus zu sehen, den man hier ölt, damit er dort läuft. Natürlich ist es ein Irrsinn zu meinen, man müsse nur genug Geld unter die Leute bringen, dann wäre alles regulierbar, womit man Geld von seinem Hintergrund - Ausdruck von Wert, der auf Arbeit fußt - ablöst. Und natürlich ist dieser Einwurf niemals als Aufforderung zum Etatismus, zum Sozialismus zu verstehen. 

Aber freier Markt und Kapitalismus sind eben ZWEI PAAR SCHUH. Beide sind nicht deckungsgleich, sondern der freie Markt DIENT nur dem Kapitalismus, der in sich die unabdingbare Logik trägt, Kapital zu zentralisieren. Weil er das Gesetz des Stärkeren, des Skrupelloseren sieht, weil der siegt, der nicht das beste Produkt herstellt und anbietet, sondern der, der die mathematische Logik am besten bedienen kann. Die Folgen kennen wir alle: Auslöschung des Mittelstandes, Entstehung globaler Konzerne, die so viel Macht haben, daß sie die Politik vor sich hertreiben. Und vor allem: Unmenschliche Arbeits- und Lebensbedingungen. Eine Gesellschaft von Lohnsklaven und Konsumismusrobotern hier, von Profiteuren dort. Die gar keine Unternehmer sind, sondern tatsächlich einfach "clever" als Gesetz des "catch as catch can" bedienen. 

Wir haben es alle in den Branchenbereinigungsprozessen der letzten Jahrzehnte erlebt. Gerade gestern war der VdZ in einer niederösterreichischen Kleinstadt. Es zerriß ihm das Herz zu sehen, daß rund um den Stadtplatz dereinst drei Fleischereien tätig waren. Die Lokalruinen zeigen, daß nur noch einer davon überlebt hat. Und der kämpft furchtbar. Warum? Weil die Supermärkte, sämtlich Filialen von großen Ketten, die sich auch dort am Stadtrand aufgepflanzt haben, Fleisch anbieten. Billiger, einfacher, bequemer. Und bequemer heißt immer ... Qualitätsverlust. Ist aber einer der wunderbaren Verführungsmechanismen, Innovation zu unterdrücken, indem man sich lediglich der Anbequemungseigenschaften widmet. Während man um wahre Qualität zu erkennen, einen ganz anderen Zugang zur Welt und zum Produkt bräuchte, der fortan verloren geht. Kapitalismus löscht so auch das Vermögen der Konsumenten aus, Qualität überhaupt zu erkennen.

Es ist deshalb falsch zu meinen, zumindest so pauschal weil aus Statistiken (sic!) abgeleitet zu meinen, daß jedes Unternehmen - Krall nennt sie elegant "Zombieunternehmen" - keine Existenzberechtigung hätten, wenn es sich der GANZ EIGENEN Logik des Zinses nicht unterwirft. Und weiterarbeitet wie bisher, ohne durch Zinsdruck "Innovationen" zu generieren. Die aber gar nicht dem eigentlichen Produkt und Unternehmensgegenstand dienen, sondern dem bloßen finanziellen Überleben, dem bloßen Konkurrenzkampf innerhalb einer mathematischen Zinslogik. Jenem Kampf also, wo der Zweck alle Mittel heiligt.

Wir sind hier mit den Prämissen des liberalistischen Kapitalismus konfrontiert, der da dem Mythos aufsitzt, alles würde sich von selbst regeln, das wäre (gemäß der Evolutionstheorie IST es ja auch so) dann der natürliche Regelkreis, der alles zur vollkommenen Harmonie ausstabilisiert.


Morgen Teil 2)






Samstag, 10. August 2019

Nachbemerkung zur Produktivität von Volkswirtschaften (3)

Teil 3)




Mathematik kann da und dort Dienste leisten, ja, aber sie ist als Betrachtungsgrundlage für eine Wirtschaft falsch und völlig ungenügend. Sie führt sogar wie im Falle der MMT zu einer fatalen Fehleinschätzung. Wo sich jemand in die Hand von Krediten begibt, unterwirft er sich deren Bedingungen.***

Wir erleben auch also im Privaten dasselbe, was unsere Volkswirtschaften im Großen erleben: Einen immer weitergehenden Verlust an Effizienz! Denn wenn wir von Effizienz sprechen, müssen wir das auf ein und dasselbe Vorgehen, ein und dasselbe Produkt, ein und dieselbe Lebensqualität (etc.) beziehen.

Das ist mehr als eine nette Metapher. Das ist eine blanke Realität. Zwar können wir durch die Technik ANDERE beziehungsweise gewisse Lebensvorgänge vereinfachen, wir können auch andere Produkte genießen, aber wir können eines nicht: DIE ALTE LEBENSWEISE EFFIZIENTER MACHEN. Der massive Einsatz von Technik hat unser Leben verändert, das ist alles. Effizienter hat diese unser Leben nicht gemacht, im Gegenteil.****

Und wenn wir auch sagen können, daß wir dadurch immerhin viel mehr Produkte zur Verfügung haben, die sogar leistbar sind, so nur, weil erstens diese Produkte in der Qualität reduziert und völlig veränderte, neue Produkte sind, die sich verglichen mit dem Ausgangspunkt (dem, was sie verbessern etc. sollten) weiter reduzierten (was immer heißt, dem Konsumenten Aufgaben zu übertragen, die das Produkt früher noch löste), und zweitens, weil wir in unserer Lebenserfüllung auf immer mehr VERZICHTEN. 

Eine hochtechnische Volkswirtschaft und Gesellschaft ist also ein völlig anderes Ding als jene, die das nicht sind. Aber es ist das durch eine Veränderung, eine Umschichtung, eine Verlagerung. Es ist keinesfalls eine Steigerung der Effizienz des Bisherigen. Und das sollten die sogenannten Ökonomen schön langsam in ihre Überlegungen einbauen, wenn sie noch Wert auf gewissen Ruf legen. Denn dann würden sie, die Wissenschaftlichkeit vortäuschen, indem sie sich schamlos der Erkenntnisse und Methoden anderer Wissenschaften bedienen und zu einem bunten Blumenstrauß arrangieren, vielleicht vom Stand der Kaffeesudleser zu wenigstens halbwegs ernsthaften Philosophen aufsteigen.

Wenn wir heute davon sprechen, daß wir MEHR Produkte, mehr Genußmomente im Vergleich zu früheren, technikärmeren Zeiten haben, dann sollten wir einmal darüber nachdenken, ob der PREIS, den wir dafür zahlen, ob das worauf wir dafür verzichten, nicht viel zu hoch ist. Ob wir nicht statt "besser" einfach "anders" leben. Und ob dieses "anders" tatsächlich "besser" ist. Effizienter ist es jedenfalls nicht.




***Das ist der Grund, warum Kredit und Kreditwirtschaft IMMER zur Konzentration von Geld und Vermögen hier, zur Verarmung und Auslöschung der Mittelschicht dort kommt. Denn der Mensch fällt ihr IMMER zum Opfer. Das macht das Zinsnahmeverbot der Kirche, das bis heute gilt (!), so realitätsfundiert. 

****Ja, auch der VdZ ist für einen Um-/Rückbau der Wirtschaft. Aber "Klima" ist nicht nur der falsche Ansatz, sondern - weil eine einzige Lüge - sogar kontraproduktiv. Und fördert eine der tödlichen Bedingungen: Die Globalisierung, die Ent-Lokalisierung (zum Beispiel durch Energieleitungen) die weitere existentielle Vernetzung der Volkswirtschaften, die ihre Integrität aufgeben müssen oder per Verordnung verlieren. Und ihr Hauptsatz ist in sich eine Drohung und ein Irrtum, daß nämlich nur "global" zu agieren sei, das Lokale unbedeutend, ja, daß der Mensch das Hauptproblem ist. Das genaue Gegenteil ist der Fall! Alles muß zurück zum einzelnen Menschen, zum verbindlichen sozialen Umfeld, zum verbindlichen lokalen Kleinraum, dort fängt alles an. Und die Politik muß diesen Kleinraum schützen, nicht "aufbrechen" wie sie es jetzt tut.





Freitag, 9. August 2019

Nachbemerkung zur Produktivität von Volkswirtschaften (2)

2. Teil)



Aber das entspricht auch der Erfahrung, die wir alle machen: Seit Jahrzehnten wird uns eingeredet, daß wir durch die Zunahme des Technikeinsatzes paradiesischen Zuständen entgegengehen. Immer mehr Freizeit wird steigenden Einkommen gegenüberstehen. Doch was erleben wir? WIR HABEN IMMER WENIGER ZEIT. Die Bewältigung unserer Lebensweisen nimmt uns immer totaler in Anspruch. Dieselben Effekte - Lebenszufriedenheit, Glück, Wohlleben, Bildung, etc. etc. - benötigen immer mehr Einsatz, also Arbeit, also Zeit. Das einzige, was wuchs, waren die Mittel und Methoden, uns auf ein besseres Morgen zu vertrösten, oder uns Ersatzwege zu suchen, in denen wir uns und der Welt "Erfüllung" vormachen können. Drogen, Unterhaltungsindustrie oder Sexuelle Befreiung, vor allem aber auch die Medien und social media gehören in diese Reihe der Betrachtung.

Auf einer anderen Ebene drückt sich das auch im nötigen Einsatz von Energie aus. Auch hier haben wir gute Beispiele, man nehme die Energiewende. Wir wollen zwar mehr oder weniger dieselben Nutzeneffekte (Mobilität, Geräte, Kommunikationsmittel etc.), aber wir wollen sie mit der Verbannung häßlich empfundener Nebeneffekte (Kohle und Öl ist dreckig, Atomkraft bedrohlich) verbinden.

Der Effekt? Um denselben Nutzen (Effekt, wovon sich Effizienz ableitet) zu erzielen, setzen wir das Doppelte an Arbeit und Energie ein. Die Energiewende, die Klimarettung zeigt deshalb folgerichtig, daß der Gesamtenergiebedarf steigt und steigt, und daß die Herstellung dieser Energie gigantische Kollateralschäden und Lebenseinbußen mit sich bringt. In dem Fall, weil wir einen bestimmten Effekt, ein bestimmtes Produkt also unbedingt wollen. Die letztlich sogar auf die Auslöschung der Menschen als "Feinde der Welt" hinausläuft, so schaut es nämlich in Wahrheit aus.

Wovon wird diese Energiewende wirklich angetrieben? Vom alten Menschheitstraum des perpetuum mobile, der Maschine also, die mehr Energie liefert als man hineinsteckt. Und das ist unmöglich, das widerspricht einem der Grundgesetze, die wir in der Natur als unumstößlich und beherrschend sehen. Die Energiewende ist der sagenhafte und einzigartige Versuch, die Lebensqualität in einer Volkswirtschaft dadurch zu steigern, indem man bewußt deren Effizienz verringert. Und wodurch? Durch noch mehr Technikeinsatz, also durch noch mehr Energieverbrauch. Deshalb sind die wenigstens noch ehrlich, die gleich sagen, daß sie ein Leben wie vor zweihundert Jahren bevorzugen. Denn warum nicht? Darüber kann man doch reden? Und der VdZ wäre dem nicht einmal abgeneigt, wäre es ... realistisch.**

Und so typisch für die oben gesprochene Verschiebung von "häßlichen Nebenwirkungen" auf andere Erdteile, daß es schon fast platt wirkt, ist der Hinweis auf den Zusammenhang E-Autos hier - brutalste Menschenausbeutung (und Umweltzerstörung) bei der Rohstoffgewinnung in Afrika dort. So daß die Gesamtbilanz von Elektro-Autos sowohl energietechnisch wie auch moralisch wahrhaft schauderlich und ein Musterbeispiel dafür ist, wie wir uns bei der Effizienz als volkswirtschaftliche Bedingung einer Kreditwirtschaft in die eigene Tasche lügen. 

Das entlarvt das wahre Gesicht des Ökologismus in unseren Ländern: Als Fratze eines eiskalten Zynismus. Er verstärkt genau das, was uns ohnehin bereits zerstört, und gibt irrationale Wunschträume vor, die lokal gar nicht mehr zu lösen wären (Energie, oder Recycling), gehen also vom Regionalen weg (auch wenn das Gegenteil behauptet wird, das ist nur das Umhängen einer Regionalmaske über eine totale Entwurzelung). 

So erklärt sich noch eindringlicher, daß die Global Player weltweit längst auf diesen Zug aufgesprungen sind, ja wenn die Vermutungen mancher stimmen, diesen Ökologismus selbst initiiert haben. Er ist das perfekte Vehikel.

Und so nebenbei wird eine Scheinwirtschaft aufgebaut (E-Autos, volatile Energie usw. usf.), die genau zu jenen Faktoren gehört, die unsere Volkswirtschaft und damit unser Geld völlig entwerten, den Crash also noch gewaltiger ausfallen lassen werden, der unweigerlich bevorsteht und nur eine Frage der Zeit ist. Die Öko-Wirtschaft gehört somit zu jenen MMT (Moderne Geldtheorie)-Faktoren, die in bloßer kreditbasierten Geldvermehrung ohne Wert tatsächlich Wirtschaft zu erblicken behaupten. Aber das ist alles eine Fata Morgana, mit der sich manche frohrechnen.


Morgen Teil 3)


**Daß genau das aus anderen Gründen auf uns zukommen könnte, diesmal aber unbeabsichtigt und mit noch größeren Kollateralschäden - denn es wäre dann nicht eine Wiedergeburt mittelalterlicher(er) Kultur (das geht gar nicht, man kann nicht Geschichte einfach auslöschen) sondern ein Rückfall in Elend und Primitivität - ist ein anderes Kapitel.





Donnerstag, 8. August 2019

Nachbemerkung zur Produktivität von Volkswirtschaften (1)

Wir knüpfen noch einmal an die in den letzten Tagen hier zu findenden Thesen zur Situation des Geldwesens in unseren Volkswirtschaften an. Und zwar an dem Punkt, wo der nach Eigendefinition liberal-konservative* Krall auf eine Kennziffer hinweist, die anzeigt, daß unsere Volkswirtschaften in den letzten Jahrzehnten an Produktivität gegen alle offiziellen Aussagen eingebüßt hat. Krall tut es, indem er auf das Verhältnis von Beschäftigtenzahl und Bruttoinlandsprodukt hinweist. 

Kurz gefaßt sagt Krall (und das hat seine Logik), daß ein Wirtschaftswachstum (als Wachstum des BIP, also der Summe aller in einer Volkwirtschaft erzielten Einkommen) immer im Verhältnis zur Gesamtzahl der Beschäftigten gesehen werden muß. Wenn wir also wie schon lange behaupten, wir hätten ein Wirtschaftswachstum von x Prozent, und gleichzeitig aber die Zahl der Beschäftigten um eben solche x Prozent (oder mehr) wächst, so haben wir in Wahrheit eine Kennzahl vor uns, die zeigt, daß eine Volkswirtschaft an Produktivität eingebüßt hat. 

Simpel gesagt: Wenn es mehr Menschen gibt, die arbeiten, steigt natürlich das BIP. Das hat aber nicht mit dem zu tun, was ein Schuldensystem bräuchte, das darauf spekuliert, daß es durch Produktivitätssteigerungen auch rückzahlungsfähig bleibt. Wenn wir also wie in Österreich behaupten, daß wir ein Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent erzielten, gleichzeitig stolz vermelden, daß die Zahl der Beschäftigten um zwei Prozent gewachsen ist, heißt das nichts weniger als, daß immer mehr Menschen immer weniger Bruttoinlandsprodukt erwirtschaften.

Also ist Kralls Aussage nicht falsch. Es beweist aber fast im selben Atemzug noch, daß er manche Parameter dennoch falsch sieht. Denn Krall geht wie fast alle heutigen "Ökonomen" (Krall sagt sehr richtig, daß die Ökonomie deshalb keine Wissenschaft ist, weil sie nicht mehr ist als eine Ansammlung von Thesen und Theorien) von der Annahme aus, daß die Zunahme des Einsatzes von Computern, die Entwicklung der Industrie zur "Industrie 4.0", also zur völlig von Robotern beherrschten Welt, das "Internet der Dinge", also kurz die Zunahme des Einsatzes von Elektronik und Robotern auch die Produktivität der Wirtschaft STEIGERN würde. ABER DAS IST FALSCH.

Und es ist die typische Fehleinschätzung von Technizisten. Die meinen, der Einsatz von Maschinen (und selbst ComputerPROGRAMME sind Maschinen) würde die menschliche Arbeit ersetzen, also die Güterproduktion vereinfachen weil optimieren. Produktivitätszuwachs, also "mehr Ausstoß zu geringerem Einsatz", sei deshalb mit dem Einsatz von Technik verbunden, während der Mensch sich mehr und mehr auf die Überwachung der Prozesse beschränken, und sich ansonsten in die Hängematte legen und die Früchte ernten könne.

Solche Einschätzung beruht auf einem schrecklichen Irrtum. Denn wo immer eine Maschine eingesetzt wird, und das sagt uns die Logik (nicht zuletzt wie im ersten thermodynamischen Hauptsatz in der Physik ausgedrückt) entstehen Reibungsverluste. Das heißt, daß eine Maschine zwar BESTIMMTE Vorgänge erleichtern kann, daß sie aber im Insgesamt betrachtet MEHR Energie, also mehr Aufwand benötigt. Also, wieder einmal simpel ausgedrückt: Wer einen Traktor einsetzt, wird zwar tatsächlich in viel kürzerer Zeit sein Feld ackern und bearbeiten können. Aber was er am Feld an Zeit spart, wird durch den Aufwand, den das Herstellen, Halten und Pflegen des Traktors erzeugt, mehr als kompensiert, es wird überstiegen. Zwar können dort wieder Maschinen eingesetzt sein, aber hier gilt dasselbe. Irgendwann landet das alles also ganz simpel ... beim Menschen. Beim arbeitenden Menschen.

Damit ist auch klar, daß ein zunehmender Einsatz von Technik, daß auch das groß angekündigte Computer- und Roboterzeitalter, im Insgesamt einer Volkswirtschaft betrachtet MEHR Arbeitskräfte benötigt! Das vor Augen gestellt ist das, was wir in unseren Volkswirtschaften beobachten - der Zuwachs an BIP wird von der Zunahme der Beschäftigungszahlen flankiert und sogar übertroffen - also sogar die ANZEIGE einer Zunahme des Technikeinsatzes in unseren Ländern.

Aber noch weiter muß man die Sache in ihrer Realität sehen: Ja, es mag sein, daß man mit besserer Technik in der Zeit x mehr Autos, mehr Bongotrommeln oder mehr Tanzschuhe herstellen kann. Was man aber gerne übersieht ist, daß der (insgesamt erhöhte) Aufwand (ob an Arbeit oder Energie, also wieder Arbeit) ganz einfach umverteilt wird. Und das ist letztlich genau das, was "Globalisierung" meint und macht: Sie verteilt den Aufwand in irgendwelche Weltgegenden. Und dieser Mehraufwand weist sich nur deshalb nicht aus, weil die Kosten (Geld) für diesen Mehraufwand durch lokale Bedingungen (niedriges Lohnniveau, geringere Umweltstandards, entmenschlichtere Arbeitsbedingungen, Steuervorteile etc.) "ausgleichen".

Und noch etwas muß uns klar sein: Daß dieser Zusammenhang Effizienz und Schulden uns von zwei Seiten her in ein unmenschliches System zwingt. Von dem wir nicht zuletzt unseren Sozialstaat zahlen! Es ist nicht nur der Umstand, der Zinsnahme per se zu einer Todsünde macht, weil hier der Mensch einer ihm, ja der Wirklichkeit fremden mathematischen Zwangsmethodik unterwirft, weil Zins die menschlichen Bedingungen nicht berücksichtigt (die immer die Einberechnung von Schicksal, Krankheit, Übel aller Art, und auch von Fehlern und Schwächen sein muß), sondern wir unterwerfen uns noch mehr der Zwangslogik von Maschine und Kapital.

Das heißt, wir gliedern unsere Arbeit nicht in menschliche Rhythmen und Abläufe ein, sondern wir machen es umgekehrt: Maschinen müssen immer laufen! Darauf sind sie angelegt, wenn man sie als Kapital betrachtet, das "arbeiten muß". Wir unterwerfen unser Leben also einer mathematischen Zwangslogik! Und das ist in sich unmenschlich und in kurzen Phasen gerade noch möglich, als Grundkonzept aber schwer sündhaft. Denn niemals darf der Mensch zum Mittel werden, oder sich selbst zum bloßen Mittel machen, um einen Zweck zu erreichen. Er ist in sich Zweck! Und das darf und kann nicht durch "Lustgewinn" abgekauft werden.


Morgen Teil 2)



*Liberal und konservativ sind in Wahrheit Widersprüche. Denn nur wer NICHT liberal ist, kann auch konservieren, also bewahren. Man bewahrt nicht, indem man die Dinge einfach sich selbst überläßt.





Mittwoch, 7. August 2019

Crash - Das Ganz-Unten des Schildkrötenturms (3)

Teil 3) Aber die Dinge werden ihren Lauf nehmen,
weil sie nicht mehr gedacht werden können



Dreh- und Angelpunkt sind, meint Krall, die Banken, deren Erträge seit Jahren dramatisch zu niedrig sind. Das setzt sie unter enormen Kostendruck einerseits, und unter den Zwang zur Risikovermeidung andererseits. Deshalb funktioniert auch die Vorstellung der EZB (Europäische Zentral Bank) nicht, durch billiges Geld (Nullzins) die Investitionsfreudigkeit anzuheben. Das ist ein Zwang zum Gegenteil von dem, was Kredit heißen muß. Denn ein ethischer, moralischer Kredit MUSZ das Risiko des Investors mitttragen wollen. Und können. Es muß dazu aber auch möglich werden, daß Banken pleite gehen. 

Also muß man davon ausgehen, daß die EZB Maßnahmen setzen wird, um die Banken zu retten. Das wiederum wird nur durch den Aufkauf von schwachen, zu riskanten Krediten geschehen können. Das ist dann das Signal für eine Megainflation, die die Spar- und Geld-Vermögen auf den Banken wegschmelzen lassen wird. Das wird wiederum den Geldumlauf zusammenfallen lassen. Die Zusammenhänge sind bereits so komplex, interaktiv und fatal, daß eine Totalkrise nicht mehr abwendbar ist. Einen wirklichen Ausweg gibt es nicht mehr.

Fazit: Man kann über eine staatliche, zentrale Steuerung des Geldkreislaufes nicht Wirtschaftspolitik betreiben. Das geht immer schief, weil es die Produktivkräfte einer Volkswirtschaft - also der arbeitenden Menschen - in eine falsche Richtung lenkt. Dadurch entsteht für die Politik der Druck, eine Schildkröte nach der anderen zu erfinden, um dieses progressiv ausufernde System noch irgendwie zu prolongieren und am Schein-Leben zu halten. 

Dem kommenden Crash, der gigantisch sein wird (man beachte das zu erwartende, sehr realistisch geschilderte Szenario, wenn alles wie in einem Dominosystem zusammenbrechen wird, im Vortrag ab ca. Min. 50), wird aber auch ein intellektueller Zusammenbruch folgen. Denn die bisherigen Denkmodelle der Volkswirtschaft können das, was sich da abspielt, nicht mehr erklären. Wirtschaft ist anders, als heute geglaubt wird. Wo wir uns in einem riesigen Experiment befinden, das allen Regeln seriösen Wirtschaftens widerspricht.

In einem kommenden Crash werden alle verlieren. Viele werden nicht mehr rechtzeitig aussteigen können, das geht auch gar nicht, nur die ersten, die aussteigen, haben da noch eine geringe Chance. Der Rest des Reichtums wird vernichtet. Nur so lange dieses System noch besteht, gibt es einzelne oder viele Gewinner (und viele Verlierer). Im derzeitigen System wird Geld von unten nach oben geschaufelt. Aber die ständige und schon lange dauernde Ausweitung der Geldmenge durch die Regierungen muß sich eines Tages wieder auf wirkliche Werte austarieren. Allerdings wird das in Zwischenschritten gehen. 

Zuerst einmal wird sich das Zentralbankensystem neu kapitalisieren müssen, um das Spiel aufrecht zu halten, als nächste Schildkröte, gewissermaßen. Und das wird über Enteignung geschehen, es kann gar nicht anders geschehen. Über Immobilienbesteuerung zuerst, dann über Zwangshypotheken. Bei zu hohen Immobilienpreisen könnte das fatal für den Einzelnen werden: Er hat einen fiktiven Wert, der gar nicht realisierbar ist. 

Was am Ende herauskommt, kann niemand mehr sagen. Darüber kann man nur spekulieren. Zu groß ist die Menge an unter der Oberfläche vergeudeten (menschlichen) Ressourcen durch Staatsfinanzierung, Interventionismus und Sozialstaat, wo die Leute letztlich dafür bezahlt werden, Löcher zu graben, die sie dann wieder zuschütten. Daraus kann niemals Wohlstand erwachsen. Wir haben uns über die Phantasie des Keynesianismus (Steigerung von Nachfrage durch verteiltes Staatsgeld) sehr viel in den eigenen Sack gelogen.

Das Problem des Fiat-Geldes ist nicht es selbst. Das Problem ist die Auslieferung des Geldes an die Politik. Und das ist in der Geschichte ja alles andere als neu. Mit der Zentralisierung der Währungen zu politisch manipulierbaren "Staatswährungen" - und diese Entwicklung, werte Leser, ist relativ neu, wir haben das nur vergessen: Bis ins 18. Jahrhundert gab es zahlreiche Teil- und Regionalwährungen, die zueinander sogar in gewissem Konkurrenzverhältnis standen, haben aber die Probleme begonnen, die wir heute kennen. 

Selbst wenn die D-Mark als Regionalwährung geblieben wäre, hätten wir uns die Probleme, die wir heute haben, zumindest in dieser Geschwindigkeit, in der sie nun aufgetreten sind, erspart. Es ist tatsächlich so: Der Euro ist unser Schicksal, in gewisser Weise auch unser Sargnagel. Ein kommender Crash wird vom Euro, von Europa ausgehen, aber er wird die Welt mitnehmen.


Steckt da ein Masterplan dahinter? Nein, sagt Krall. "Es gibt keine Verschwörung. Es gibt nur sehr viel Inkompetenz." Wir leben in einem von niemandem mehr beherrschbaren Experiment, weil alle bisherige volkswirtschaftliche Steuerungslogik bereits versagt hat. Krall glaubt aus konkreten Überlegungen heraus, daß der Zusammenbruch des Geldsystems ungefähr 2020 erfolgen, vielleicht auch ein paar Jahre später. Wenn eine nächste Schildkröte gefunden wird. Aber auch die werden immer dünner. Während (das ist eine Tatsache) die Kokain-Konzentration in den Urinbecken der Banken immer höher wurde.

Das ist der Grund, warum Krall sich wünscht, daß Merkel über 2019 hinaus noch im Amt bliebe. Denn sie hat Deutschland in dieses Desaster geführt. Sie sollte es auch ausbaden müssen, denn es ist eben üblich, daß für einen Zusammenbruch auch die Regierung verantwortlich gemacht wird, die dann gerade am Werk ist. Obwohl sie vielleicht gar nix dafür kann. Aber es war Merkel. Sie hat Scheinprosperität über Gelddrucken endgültig kultiviert und als "Königin von Europa" Deutschland in eine fatale Situation geführt, das politische Gewicht Deutschlands dafür benützt, die gesamte europäische Politik zu beeinflussen. Es war Merkel, die maßgeblich für die Sowjetisierung der EU verantwortlich ist. 

Die Merkelschen "Erfolge" sind reine Propagandaleistung (ca. Std. 1:28 im Vortrag). So daß es gar nicht so ungerecht wäre, wenn Deutschland schließlich auch für die Situation in den übrigen europäischen Ländern bezahlt.









Dienstag, 6. August 2019

Crash - Das Ganz-Unten des Schildkrötenturms (2)

Teil 2) Warum Politik nur noch so lange funktionieren wird, 
so lange man neue Schildkröten findet




Aber wir belassen es vorerst dabei. Denn im Zuge der Recherchen zu diesem Artikel ist der VdZ auf diesen Vortrag von Dr. Markus Krall aus dem August 2018 gestoßen. Und Krall stellt Zusammenhänge auf eine Weise dar, von der der VdZ meint, daß sie mehr Einblick als seine eigenen Erklärungsversuche bieten. Deshalb also lassen wir an dieser Stelle den Fachmann reden. Auch wenn der deutlich der liberalistischen Betrachtungsweise zugehört, die man als Bitterstoff im ansonsten guten Kuchen halt abziehen muß. 

Denn natürlich spielen im liberalen Märchen, daß sich alles "von selbst regelt", man muß es nur zulassen, nicht nur Moral generell, sondern vor allem die Unmoral der Zinsnahme eine entscheidende Rolle. (Warum Zinsnahme immer unmoralisch ist, haben wir schon vor längerer Zeit erschöpfend dargestellt.) Insofern ist die Rolle der Banken in unseren Volkswirtschaften weit überproportioniert, muß aber natürlich berücksichtigt werden, wenn wir über Volkswirtschaft, Geld und Krisen reden.

Dabei stellt Krall dar, warum dieses derzeitige Geldsystem irgendwann crashen MUSZ. Die Frage ist halt nur, wann. Krall meint - sehr bald - schon 2020. Naja. Prognosen haben halt eine Schwäche. Sie sind schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Wirtschaft ist eben keine Maschine, auch dann nicht, wenn sie wie bei uns so behandelt weil betrachtet wird. Denn sie beruht auf Menschen. In diesem Sinne möchte der VdZ auch beruhigen und dem Leser sagen: Keine Angst!
Er möge keine Angst haben, auch wenn das Geldsystem zusammenbricht. Vielleicht wird er Geld verlieren, mag sein. Vielleicht ist daher aber eben auch "zu viel" Geld an dem dabei, was wir als "Privatvermögen" betrachten. Bleibe also jeder bei seinen Leisten, sehe er Immobilien wieder als das, was sie sind - Häuser zum Wohnen, zum Leben - und vergesse er nicht, daß er immer von der Leistungskraft, dem Leistungswillen, der schöpferischen Arbeit gelebt hat, nicht vom Geld. Auch wenn es immer mehr so aussieht.

Und Kralls Vortrag beginnt gleich mit einem guten Bild für das, was unsere Zentralbewirtschaftung im Grunde betreibt: Sie stellt ihr Wunschbild einer "flachen Erde" ganz so wie es Hinduisten tun auf eine Schildkröte, diese auf eine weitere Schildkröte ... "bis ganz nach unten". Über das freilich, was da "ganz unten" sein soll, kann niemand Auskunft geben. Kann? Nein, will. Man will nicht hinsehen, das ist des Pudels Kern. 

Die Krise von 2008 haben wir wie Japan nur hinausgeschoben, aber bis heute nicht substantiell bewältigt. In Wahrheit stehen wir vor einer ähnlichen Situation. Auch bei uns ist der Anteil an Zombieunternehmen bereits zwölf Prozent, auch bei uns ist der staatliche Einfluß auf Investitionen und "Innovationen" (die NIE Innovationen, sondern immer "Beschäftigungstherapie" sind) extrem gestiegen. Wer eine Erklärung sucht, warum man ein dermaßen verrücktes, irrationales Unterfangen wie die "Energiewende" initiiert hat - hier ist sie. Sie ermöglicht eben Irrationalität, weil sie nun "argumentiert" werden kann mit Moral, mit "Weltrettung", mit von geschürter Panik begründeter "Alternativlosigkeit", die Entscheidungen ermöglicht, für die niemand mehr Verantwortung übernehmen muß.

Wir haben den Turm aus Schildkröten nur weiter erhöht, weitere Schildkröten eingeschoben, um das "ganz Unten" nicht zu erreichen. Deshalb gleicht unser Geldsystem einer Spekulation, einer Wette, bei der jeder hofft, daß sie nie zur Einlösung kommt. Wir leben also auf einem Vulkan, der auf Irrationalität beruht. Argumentieren läßt sich nämlich nichts mehr. Die Tragfähigkeit unseres Geldsystems ist nur noch ein Postulat, ist nur noch behauptbar.

In einem Punkt hat Krall sicher auch recht: Von der Politik ist eine substantielle Korrektur nicht zu erwarten. Niemand will für das, was wir ohne jeden Zweifel zu erwarten haben, den Totalcrash, die Verantwortung übernehmen. Also wird jede Regierung versuchen, zumindest in ihrer Legislaturperiode den Zusammenbruch zu verhindern, und dazu noch eine Schildkröte einzubauen. Hellhörig sollten wir also spätestens in dem Moment werden, wo keine Partei mehr die Regierungsverantwortung übernehmen möchte, weil sie keine Schildkröte mehr findet.


Morgen Teil 3) Aber die Dinge werden ihren Lauf nehmen,
weil sie nicht mehr gedacht werden können






Montag, 5. August 2019

Crash - Das Ganz-Unten des Schildkrötenturms (1)

Eigentlich sollte dieser Beitrag sich nur mit Japan befassen. Das seit rund dreißig Jahren das betreibt, was sich auch für unsere Länder mehr und mehr abzeichnet: Der japanische Staat bewirtschaftet in enger Zusammenwirkung mit dem zu einem Oligopol verbundenen japanischen Bankenwesen die Nationalwährung zentral. Und er tut es, indem er - wie wir es bei ebenfalls schon haben - einerseits eine Nullzinspolitik betreibt, und andererseits die Umlaufmenge des Yen erhöht und erhöht. Damit werden Probleme aufgefangen, die eigentlich nur verdeckt werden. Auf Tichys Einblick findet sich ein Bericht, was in Japan passiert, und dessen Autor einige Jahre selbst in Japan gelebt und studiert hat. Das einzige, was man mit dieser Politik erreicht ist, daß seine Unmöglichkeit von Jahr zu Jahr weiter in die Zukunft verschoben wird. Irgendwann aber muß die Rechnung bezahlt werden.

Wobei die realen Lebensbedingungen in Japan bereits jetzt viel schlimmer sind, als es nach außen aussieht. Die extrem gestiegenen Immobilienpreise (die aber gar nicht fallen dürfen, weil sie sonst die Kredite ihrer Sicherheiten berauben) machen es jungen Ehepaaren fast schon unmöglich, sich eine adäquate Wohnung zu leisten. Jährlich sterben in Japan um 400.000 Menschen mehr als geboren werden (1 Million). Die Bevölkerung schrumpft, und im Jahre 2060 rechnet man nur noch mit 100 Millionen Japanern, heute sind es noch 128 Millionen. Die Fertilitätsrate ist auf gerade noch 1,2 pro Frau, das ist fast die Hälfte dessen, was zur Bestandserhaltung notwendig wäre. 

Nun sagen viele, naja, ein Schrumpfen der Bevölkerung könnte ja ein Gesundschrumpfen sein!? Das hört man oft, ist aber nicht weniger falsch, ja dumm. Denn es geht nicht um absolute Bevölkerungszahlen. Es geht um das Verhältnis der Generationenzahlen. Bereits heute zeigt die japanische Bevölkerung-Alters-Pyramide das Bild eines auf den Kopf gestellten Dreiecks. Das heißt, daß absehbar ist, daß irgendwann die Jungen die Alten nicht mehr versorgen können. Es geht sich einfach nicht mehr aus, es sind zu viele Alte, und zu wenige Junge, die arbeiten und damit Wert schaffen. Und Geld hat noch nie Wert geschaffen, hat sich noch nie vermehrt. Das ist einer der fatalsten Irrtümer. Es ist immer nur realer Wert, und der kommt nur aus der Arbeit, dem Geld als mehr oder weniger dynamischer Wertausdruck gegenübersteht.

Aber was liberale Wirtschaftsbetrachtung zu wenig berücksichtigt ist, daß sie ein Phänomen als bösen Faktor an diesem Spiel beschuldigt (und der VdZ war noch vor einigen Jahren ähnlicher Auffassung), das "Nullzinspolitik" heißt. Das heißt, und wir sehen es auch in Europa, daß diese MMT-Wirtschaftspolitik (Moderne Geldtheorie) eine extrem niedrige Verzinsung braucht. Nun wäre das aber an sich nicht das Schlechteste - Null Zinsen? Zinsen sind per se unmoralisch, das wäre doch ein Fortschritt in die richtige Richtung?

Ist es leider nicht. Denn Richtiges verwandelt sich in den Händen falscher Systematik sehr oft in das Gegenteil. Nicht Null-Zinsen sind das Problem. Sondern das, was in Japan geschätzt schon ein Drittel zu Zombieunternehmen macht, das heißt Unternehmen, die sich nur durch immer mehr Kredite am Leben halten können. Und das auch von staatlicher Seite her soll und muß, um "Arbeitsplätze" zu bewahren. Das aber, was einzig Wert schaffen kann, Arbeit, ist nicht einfach nur als irgendeine Tätigkeit gemeint, die bezahlt wird, die man dann Arbeit nennt, sondern "produktive Arbeit". 

In diesen Betrieben fehlt der lebendige Austausch mit der Wirklichkeit, den Menschen, dem Markt, und damit fehlt das, was der Kern des Geldes überhaupt ist: Die lebendige Wertfindung über eine gesunde, freie Preisbildung. Sie sind wie leere Maschinen, die so tun, als arbeiteten sie noch. Die Produktivität ist aber dramatisch gefallen. Es gibt keine lebendigen Innovationen mehr, selbst das hat der Staat bereits in der Hand. Auch darin gleichen wir uns immer mehr an. Auch hier gibt es künstliche Probleme (Energiewende ist ein gutes Beispiel), wie zwar "Arbeitsplätze" bestehen, die aber nichts zu einer wirklichen Steigerung der Wertschöpfung mehr beitragen. Das tun sie nur rechnerisch, auf dem Papier, in den Bilanzen und Staatshaushalten.

Wir haben also zwar "Wirtschaftswachstum", aber das ist ein "Fake". Denn das einzige, was eine Volkswirtschaft wirklich wachsen ließe, ist ein Zuwachs an Produktivität. Und den gibt es schon lange nicht mehr, auch der ist nur herbeiphantasiert, indem man sich mathematisch frohrechnet, wie ein früherer Geschäftspartner des VdZ so etwas immer nannte.


 Morgen Teil 2) Warum Politik nur noch so lange funktionieren wird,
so lange man neue Schildkröten findet



Dienstag, 4. Juni 2019

Vom Fehler, alles für einen Mechanismus zu halten (2)

Teil 2)




Viele übrige Interpretationen, die man hier antrifft, vor allem die, die sinngebend für eine Gesamtaussage fungieren, sind blanke Ideologie und direkt abzulehnen. Hier alles anzuführen, was inhaltlich einfach nicht stimmt, würde jeden Rahmen sprengen, eine gewisse ideologische (und damit emotional instrumentalisierende) Linkslastigkeit kann man dem Inhalt nicht absprechen. Aber auch Karl Marx hatte ja nicht in allem Teilhaften, das er sagte, Unrecht. Gewisse Mechanismen im Kapitalismus hat er sehr gut durchschaut. Und doch ist seine Gesamtdeutung, in die er alles einbettet und die deshalb alles vergiftet, strikt abzulehnen.

Das wird nicht besser, wenn wir vor Augen halten, daß wir heute tatsächlich sehr in unserem Lebensvollzug vom Großkapital (und der mit ihm verschwisterten weil abhängigen Politik) bedrängt und sogar drangsaliert werden. Und es ist auch notwendig zu sehen, weil wir sonst unser Leben in dieser Welt nicht begreifen. Es steht damit in striktem Gegensatz zu dem, was unabdingbar für den Menschen ist: Freier Markt. Kapitalismus ist nicht "freier Markt".

Die im Video vorgestellten Anregungen sind nur das nächste Modell eines Begreifens von Wirtschaft als technischen, isoliert bestehenden (oder sogar beherrschenden) Mechanismus, der zur Utopie hochgesteigert wird. Und solange wir Wirtschaft so sehen (wollen), werden wir nur von einem Desaster ins nächste stolpern. Daß dennoch immer irgendwie ein gewisses Grundgeschehen im wirtschaftlichen Vollzug der Menschen funktioniert, ist für vieles Hinweis und es ist der "Bückwirtschaft" zu verdanken, wo sich das Naturrecht als eigentliche, wesensbezogene Grundlage des Lebens meldet. Dazu haben wir bereits geschrieben. 

Eine übertriebene oder gesteigerte Angst vor "dem großen Crash" ist deshalb auch unbegründet, Leute, bleibt ruhig, vernünftig, gemessen und realistisch. Der Mensch hat etwas, das kein Apparatus je kann: Pfiffigkeit, Schläue, List, Vernunft, Menschlichkeit, Mut und Anstand. Wenn wir es nicht wollen und zulassen, wird uns das nie jemand nehmen können. Freilich wird der scheitern und letzthinnig wirklich zum Opfer, der meint, das Leben sei rein innerweltlich, irdisch zu begründen. Der könnte an so manchem verzweifeln, gewiß. Nicht aber der der weiß, daß unsere letzte Heimat nicht in dieser Welt liegt.

Deshalb gilt wie es immer galt: Nur über eine Rückwendung zu den Quellen des Wirtschaftens, der Sittlichkeit, der Moraltheologie, dem Gemeinwohl als dessen Oberbegriff spricht man von Zielen, kann man zu einem (möglichen) gerechten Wirtschaften finden. Mit allen Amplituden, denn aller Lebensvollzug ist immer ein neues Hinausstrecken ins Neue, also auch möglicherweise, ja wahrscheinlich fehlerbehaftet. 

Nur so (auch im Tragen der eigenen Last wie der des anderen) kann man dem Wesen des Menschen als "frei" gerecht werden, nur dort hat es seinen Platz. Und wird nicht zur Karikatur wie im Liberalismus, der mit Freiheit die Freiheit der Skrupelloseren, Unmoralischeren meint, die Schwächeren zu unterjochen. Weshalb es eine Regierung (beziehungsweise eine äußere Macht, eine moralische Macht, idealerweise wäre das die Kirche, hätte sie diese Position in eigener Glaubwürdigkeit und der Macht des Religiösen über die Gewissensbildung noch) braucht, die die Macht und die Mittel hat, Auswüchse zu regulieren, das Gemeinwohl zu schützen und durch Rechtssicherheit für Wesensvollzüge zu fördern. 

Fehlerlos ist das nicht, ganz sicher nicht, weil (wie beim Klima) alles ein ständiges Zueinander menschlicher Handlungen ist, mit allen Unwägbarkeiten, allem Guten, allem Schlechten darin. Damit muß man leben, weil es eben - kein System gibt, das im Konkreten festlegbar und überwachbar wäre, so daß allen recht getan wäre. Jede Kultur, jede Gesellschaft muß damit leben, daß es auch die Möglichkeit gibt, das Gute, das Richtige zu verweigern und gegen das Gemeinwohl zu handeln. Hier muß dann das Gemeinwesen handeln und sich schützen.

Aber der Grundfehler heutigen Denkens über Wirtschaft ist systemisch angelegt, ist aus der geistigen Entwicklung hervorgegangen, die das Abendland unglücklicherweise genommen hat. Aus dem Materialismus der dahintersteht, wenn man meint, (abstrakte, im Denken erkennbare) Ursache und Wirkungs-Zusammenhänge wären gleichbedeutend mit autonomen Mechanismen und für sich stehender Technik.

Jede Rationalität (die aus Ursache- und Wirkungserkenntnis, also aus dem Erkennen von Zusammenhängen, von Anlässen für Bewegung etc. stammt) muß selbst wiederum in der großen Vernunft des Ganzen gründen. Und die ist transzendent. Nicht irrational, keineswegs, aber die Rationalität letztbegründend. Damit gründet die Rationalität in der Moral weil in der persönlichen Beziehung zum Sein selbst, dem Absoluten, Gott.

Noch etwas geht aus dem Film (indirekt) hervor: Daß nämlich eine Währung nicht auf Gold gegründet sein darf. Das stranguliert jede Wirtschaft, mehr dazu ein andermal (oder haben wir nicht an dieser Stelle längst genug davon geschrieben)? Geldmenge hängt nicht von Gold ab, sondern von Arbeit und dem Wert, den sie schafft. Und zweitens ist das System Gesell ein System des Schmarotzens eines Regionalraumes am umgebenden Wirtschaftsgeschehen, ohne den es gar nicht "funktionieren" könnte. Dazu gewiß ein andermal mehr.

Was bleibt? Es gibt sie nicht, die radikalen Instantlösungen. Jedes Modell, Wirtschaft wie einen in sich geschlossenen Mechanismus zu beschreiben, der in allen Konkretionen festlegbar wäre, muß scheitern, weil es der Wirklichkeit nicht entspricht. Sämtliche Wirtschaftstheorien der Ökonomen machen denselben Fehler, wie er in so vielen Bereichen heute auftritt, weil wir den Geist nicht mehr verstehen: Sie verdinglichen etwas abstrakt Geistiges, das als Ganzes gar nicht in unserer Hand liegt. Nicht alles Wirkende (als "Wirkliches") ist auch ein Ding, eine Maschine, ein unserem "linearen Denken des Nacheinander" (=irdische "Zeit" als reine Beziehung von Dingen) zugängiger Mechanismus! In der Ökonomie nicht anders als beim Klimawahn (wobei letzterer in ersterer gründet).

Und man darf nicht übersehen: Wenn auch die Oberhoheit der Moral über die Vernunft, die uns so vielfach schon beherrscht, schwerwiegend falsch ist, so ist sie das nicht, weil es prinzipiell falsch wäre, die Rationalität im Transzendenten, im Guten zu verankern. Sondern weil die Moralbezüge (als zugrunde liegende Religion und Weltanschauung beziehungsweise Philosophie) falsch sind! Der heutige "Gutmensch" ist damit in Wahrheit ein böser Mensch, dessen Moralbezug ihn von der Vernunft ausschließt. Und Gut, Freiheit gibt es nur über die Wahrheit als Repräsentanz des logos, des Weltsinns.

Der Grundimpuls aber - daß Moral über dem Wirtschaften zu stehen hat, ja dieses erst begründen kann - ist prinzipiell richtig, weil er der Vernunft entspricht und bis ins letzte durchdenkbar ist. Moral ist nie unlogisch oder unvernünftig. Es geht also um die Frage, was das Gute überhaupt sei. Darin irren viele. Nicht im Wissen oder Ahnen um die Bedeutung der Moral. Das weiß sogar ein Bill Gates oder ein George Soros, die das Übel fördern aber meinen, das Gute zu tun. Vermutlich ist es genau das daraus entstehende, das aus ihrem reichmachenden Handeln entstandene schlechte Gewissen, die sie so aktiv sein läßt. Vielleicht ist aber über diese schmale und sehr fragile Brücke - was ist das Gute? - eine Versöhnung der Lager möglich.







*070319*