Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Ellul (Jacques) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ellul (Jacques) werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 7. Oktober 2022

Die Angst vor dem Schmerz

Selbst das ist eine der vielen Schein-Topoi, von denen wir schon regelrecht umzingelt sind. Deren Wirkung man im Alltag dadurch bemerkt, daß die Aussagen udn Einschätzungen der Mitmenschen völlig wirr und widersprüchlich geworden sind. Was die meisten Menschen von sich geben sind als Meinungen deklarierte Sprechblasen, die sie wie in Trance von sich geben. 

Eine Seuche, die auch tief in "untere Schichten" greift. In dem Punkt hat Lisa Eckhart einmal etwas sehr Richtiges gesagt.
Die sogenannte Meinungsfreiheit, meinte sie, bedeutet in der Realität, daß jeder unter den Zwang gerät, unbedingt eine Meinung haben zu müssen.

Montag, 24. Januar 2022

Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß

Alexis de Tocqueville hat es aus seinen Beobachtungen geschrieben, die er in den USA gemacht hat, die er in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ausgiebig besucht und studiert hat. Und Jacques Ellul hat es aus seiner Analyse der geistigen Architektur der europäischen Demokratien hundert Jahre später als unabdingbares Gesetz festgestellt. Und Joseph Goebbels (in vielem realistischer als sein Gott, Adolf Hitler) hat nichts sonst getan als dieses Prinzip der Moderne ohne jede Hemmung aufgegriffen und umgesetzt: Die Parteien-Demokratie*, die sich in Europa installiert hat, BRAUCHT Propaganda. Sie kann gar nicht anders funktionieren. Und sie wird deshalb Propaganda als vorzüglichstes Mittel der Kommunikation benützen.

Deshalb hinterläßt es sanftes Kopfschütteln wenn man einerseits darum weiß, daß unsere Demokratie gar nicht anders als DURCH Propaganda (DURCH, nicht "naja, da und dort, aber eigenltich wollen wir das ja nicht") existieren kann. Wenn wir wollen, daß diese Demokratie weiterhin (man beachte das Wort: weiterhin) so "funktioniert" (man beachte ... eh schon wissen), wie sie es seit Jahrzehnten tut, dann ist das GLEICHZEITIG ein offenes BEKENNTNIS ZUR PROPAGANDA. Beides ist nicht und unter keinen Umständen zu trennen.

Dienstag, 5. Oktober 2021

Der Tag, an dem wir stumm wurden

QR Die ganze Wahrheit
Aus einem Begleittext zu dem Buch "Covid 19 - Die ganze Wahrheit" von dem New-York-Times-Bestsellerautor Dr. Joseph Mercola und Ronnie Cummins, Gründer und Leiter der Organic Consumers Association. Diese haben sich zusammengetan, um die Wahrheit über Covid-19 zu enthüllen und den Wahnsinn zu beenden. So schreibt der Verlag in seiner Werbeaussendung.

Weiter unten heißt es dann: 

Seien Sie das Licht, das dem »dunklen Winter« ein Ende bereitet!

»Regierungstechnokraten, milliardenschwere Oligarchen, Big Pharma, Big Data, Big Media, die Raubritter der Hochfinanz sowie der militärisch-industrielle Geheimdienstapparat lieben Pandemien aus den gleichen Gründen, aus denen sie Kriege und Terrorangriffe lieben. Katastrophen bieten praktische Gelegenheiten, sowohl die Macht als auch den Wohlstand zu mehren. (...) autoritäre Demagogen, Großunternehmen und reiche Plutokraten nutzen massive Verwerfungen, um den Wohlstand nach oben umzuverteilen, die Mittelschicht auszuradieren, die Bürgerrechte abzuschaffen, das öffentliche Gut zu privatisieren und die autoritäre Kontrolle auszudehnen.

Natürlich hatte es für das medizinische Komplott von Anfang an oberste Priorität, Dr. Mercola zum Schweigen zu bringen.«

Wissen Sie was, werter Leser? Werfen Sie diesen Blog weg.

Sonntag, 9. Mai 2021

Neulich vor einem Jahr (3)

Teil 3) Kapitalismus wird oligarchisch wie der Kommunismus


Das ist jenes Prinzip, in dem der Stärkere, der nun nur noch ein Skrupelloserer ist (somit der von "christlich-ethischen Werten, die die Rücksicht auf den Schwächeren kraft des Hauptgebotes der Nächstenliebe verlangt, befreitere") sich nicht nur durchsetzt, sondern in einem ständigen Wettbewerb mit dem anderen in einem Prozeß der ständigen Akkumulierung von Geld und Kapital steht. Weil immer nur der Stärkere übrigbleibt, der zugleich dann auch der mit weiter konzentrierterer Kapitalmacht wird, die sich von selbst in politische Macht umsetzt.

Samstag, 8. Mai 2021

Neulich vor einem Jahr (2)

 Teil 2) Ein gemeinsamer Feind - die bürgerliche Ordnung


Eine Ordnung, in der sich nicht nur alles von selbst fügt, sondern dem Gesetz der Evolution nach, der Stärkere siegt und siegen muß. Denn nur so ist der Fortschritt im Sinne einer sinnvollen Evolution gewährleistet. Der niemals dulden kann, auch wenn er es vorgibt, daß das Schwache den Gesellschaftston maßgeblich bestimmend existiert. Dies alles sind keine Zuspitzungen, sondern es sind im liberalen Weltbild IMPLIZIERTE Resultanten. Und das heißt, daß er sich immer nicht nur dorthin entwickeln wird, sondern daß diese Ziele mit der Zeit immer wieder explizit werden.

Freitag, 7. Mai 2021

Neulich vor einem Jahr (1)

QR Schießt Reiche tot

Es war der März 2020, als sich bei einer Parteiveranstaltung der deutschen, im Parlament in erklecklicher Zahl vertretenen Partei "Die Linke" diese Szene abspielte: 

Sonntag, 9. Februar 2020

Handeln hat immer seine Zeit (2)

Teil 2) Es ist vor allem ein Problem der Medien



Form und Inhalt sind nicht trennbar. Deshalb ist der Anspruch, übers Internet "Wahrheit" zu verbreiten, schlichtweg dumm, in den meisten Fällen einfach bequem, vor allem aber kreuzscheu. Denn die Acedia hat mit Kreuzscheu zu tun. 

Heute, nach sechs oder sieben Jahren Bergoglio mit "Kritik" zu kommen ist hingegen zu spät. Denn die Zeit ist ein wichtiger Faktor. Am Anfang hätte man ihm begegnen müssen, sofort und knallhart. Aber zu warten, bis sich der Argentinier und alles, was er mit sich geschleppt hat, ein breites Fundament schafft, und damit eine eigene Wirklichkeit annimmt, war falsch. Nun haben wir es mit einem neuen Phänomen zu tun. Und dieses verlangt ein neues Vorgehen, eine neue Verhaltensweise. Die in diesem Fall in den Augen des VdZ nur so aussehen kann, daß man sich zurückzieht. Auf das zurückzieht, was das Wesen des Katholischen eigentlich ausmacht: Die Hingabe ans konkrete, partielle Leben in den Pfarren und Diözesen, in die man hineingeboren wurde.  

Dort ist der Ort, wo man sein Leben in Christo zu vollziehen hat. Was immer an social media-Geräusch den Äther erfüllen mag. Diese Schlacht ist nie zu gewinnen. Sie ist aber gefährlich verführerisch, sein christliches Leben, das Kreuz, in Twitter-Schlachten, Stellungnahmen und Richtigstellungen erfüllt zu sehen. 

Deshalb hält der VdZ das, was sich an Wortgefechten und "Kämpfen" im Internet abspielt, die Szene der Kritik an Bergoglio, heute außerhalb des Kairos. Sie ist irrelevant und langweilig. Und nutzlos. Aber nach wie vor gefährlich, weil sie die Ebene des Kreuztragens auf die Ebene von Propaganda (s. u. a. J. Ellul "Propaganda"), also auf eine zweitwirkliche Ebene verschiebt. Die eine neue Schichte des zweitwirklichen "Katholikentums" hervorbringt. Zu der auch Steve Skojec mit "OnePeterFive" gehört.*

Die nicht zuletzt in allen ihren Disputen und Diskussionen einen (sehr amerikanischen) Fehler machen: Die Fehlbeurteilung dessen, was die seit zwanzig, dreißig Jahren durch Internet und social media völlig veränderte Medienlandschaft bietet. Die nicht der Wahrheit eine neue Ebene vermittelt hat, die ansonsten unberührt bleiben könne, sondern die eine virtuelle Welt der Versuchung aufgestellt hat, nicht mehr zu sehen, was Handeln überhaupt bedeutet. Wo aber das Wort nicht zum Handeln wird, analog zu Gott, von dem kein Wort ausgeht, das nicht wirklich ist und damit real wird, da sollte es besser in der Brust bleiben. Ohne diese Dimension der Reflexion der Medien ist jede Diskussion über Bergoglio sinnlos, weil die Art seines Wirkens gar nicht begriffen wird. Über was sonst aber sollte man sich den Kopf zerbrechen? 

Ob der Querschluß zulässig ist, daß die neuen Medien vor allem von jenen als so relevant bezeichnet werden, die freudig diese neue Art der Kreuzesvermeidung aufgreifen, um sich so vorzumachen, daß sie doch am Seinstrom der Welt angeknüpft geblieben wären, also am Puls des Blutes der Wirklichkeit Christi wären, das mag der Leser selbst beurteilen. Der Schizoide jedenfalls, das kann immer gesagt werden, darf gar nicht nach seinen Worten, sondern muß nach seinem Handeln, muß nach seiner wirklichen Wirklichkeit - als Gestalt - beurteilt werden. Und nur darauf darf reagiert werden. 

Das Erkennen des Schizoiden ist nicht einfach eine Sache der Richtigkeit von Aussagen, sondern der inneren Festigkeit, die Wahrheit nicht im Gerede, sondern in der Gestalt WEIL IM WESEN zu erkennen. Und da ist das erste Kreuz, dieses Urteil durchzutragen, auch wenn die Worte und Aussagen es scheinbar nicht stützen. Das Problem mit dem gegenwärtigen Papst aber ist in vielem ein Problem, das man sehr durch Reflexion der aktuellen Medien begreifen lernt. Die an sich ein Problem des Schizoiden sind.**

Die genau das nicht getan haben, was ihnen fast durch die Bank zugeschoben wird: Die Welt verändert. Genau das haben sie nicht. Sie haben nur die Art verändert, wie wir der Welt begegnen, und das hat katastrophische Ausmaße angenommen. Denn die Neuen Medien haben uns von der Welt und Wirklichkeit ... abgezogen. Dazu verführt, in eine Scheinwelt eines Scheintheaters abzudriften, anstatt uns mit der wirklichen Wirklichkeit zu konfrontieren, ja diese noch zu sehen. Sie haben uns also auf ein unfruchtbares Abstellgleis geschoben. Umso mehr wird alles getan, daß wir auch fest an ihre Relevanz zur Wirklichkeitsbewältigung und zum Verstehen der Gegenwart glauben.



Nachsatz: Zum Wesen von Twitter (bzw. der Neuen Medien) hat der VdZ schon vor Jahren zahlreiche Artikel ins Netz gestellt, die der Leser gerne noch abrufen kann. Im Speziellen sei auf die Verbindung mit Papst (damals Benedict XVI.) hingewiesen.



*Warum das sehr typisch "amerikanisch" ist (auch wenn es uns in Europa, ja die halbe Welt längst erfaßt hat)? Spannen wir einen kleinen Bogen, damit der Zusammenhang leichter nachvollziehbar wird: Zweitwirklichkeit (=Pseudologie) als rationalisiertes Schein- und Ersatztheater von Wirklichkeit - Amerikanismus als zweitwirkliche, positivistische Idee von Identität (statt Verwurzelung) - die Rolle der Medien in dieser Art von Demokratie - die Art, überhaupt Welt wahrzunehmen: Als und in Zweitwirklichkeit, was wiederum die Rolle der Medien verstärkt, einerseits, und anderseits diese immer irrelevanter weil wirklichkeitsferner macht.

**Bergoglio hat nicht, wie in Verkennung behauptet wird, die Rolle der Medien "begriffen", sondern lebt - als Mensch der Zweitwirklichkeit, also des Schizoiden! - selbst in dieser Scheinwelt. Und kommt deren Erwartungshaltungen voll entgegen, hat sie mit beiden Armen umgriffen. Gegenfrage: Was bliebe von seinem Pontifikat ohne Neue Medien wahrnehmbar und relevant?




Samstag, 8. Februar 2020

Handeln hat immer seine Zeit (1)

Der Grund, warum der VdZ seine erste und sehr grundsätzliche Kritik an Papst Franziskus aka Jorge Bergoglio mit dem sperrigen Titel "Vom Wesen des Schizoiden" betitelte, ist leicht erklärt: Schon nach den allerersten Äußerungen und Taten dieses Papstes war ihm klar, womit die Kirche es da zu tun hat. Mit DER Krankheit dieser Zeit, dem Schizoiden.

War bedeutet Schizoidität? Sie bedeutet eine Diskrepanz, ja einen Widerspruch zwischen dem Reden, Sagen, den Worten eines Menschen (und damit dem Denken) und seinem Tun. Sie bedeutet einen unvereinbaren Widerspruch zwischen dem, was man an der Gestalt erfährt, und dem, was diese Gestalt sagt, daß dieses Handeln "sei". Wenn wir betrachten, womit wir es heute in erster Linie zu tun haben, dann ist es genau das. Das Handeln läuft wie ein Eisenbahnzug, während die Dispute völlig wirkungslos scheinen. Auch, weil die Begriffe vom Lügner entwertet, entleert, auf den Kopf gestellt werden. Der damit einen Schleier des Nebels über alles wirft, damit die Wahrnehmung vom wirklichen Geschehen abgelenkt wird.

Um das zu erkennen braucht es vor allem Menschenkenntnis und Erfahrung. Und zwar vor allem Führungserfahrung. Man muß diese Form der Lüge (leidvoll) erfahren haben um erkannt zu haben, daß es falsch ist, sie mit der eigentlich anzuempfehlenden Art zu reagieren zu bedenken: Dem Abwarten, und der Suche nach dem Guten, das in diesem oder jenem doch auch enthalten sei. Gutes ist immerhin auch im Bösen, im wirklich Bösen enthalten, das sollten wir in diesem Zusammenhang nicht übersehen!

Dem VdZ wurde seinerzeit vorgeworfen, er sei "zu schnell" gewesen. Er habe "zu voreilig" geurteilt, OBWOHL (und zwar dieselben Kritiker!) meinten, er habe in allem Recht behalten. Einer meinte gar, sein Urteil sei zwar richtig, wie sich herausgestellt habe, aber es "zu intuitiv" gewesen. Da habe er es noch nicht "wissen" können. 

Lassen wir einmal weg, was sohin als "Gewußtes" gesehen wird. Schon darin scheinen sich manche Geister zu scheiden. Nehmen wir uns vielmehr den Charakter dessen vor, was "Intuition" bedeutet. Also dieses in einer Idee geschehende Hineinsenken "von oben", vom Geist her.

Aber es hat Intuition nicht mit einem Herabsenken einer objektiv in seinen Maßen definierbaren Idee zu tun, sondern hat mit der Fähigkeit des mit dieser Eingebung Bedachten zu tun, aus einer bestimmten Konstellation von Realitäten und Tatsachen den Zielpunkt der angelegten Tangenten zu erkennen. Und das hat auch viel mit Erfahrung zu tun. Wir alle kennen ja den Fall, daß jemand, der in irgendeinem Fachgebiet sehr kompetent ist, weil er sich schon lang damit befaßt hat, und weil er sich vor allem tief damit befaßt hat, schon aus kleinsten Dingen den Gesamtcharakter erfassen kann, mit dem er es bei einem bestimmten Phänomen zu tun hat. 

Wahrheit hat mit Kairos, dem richtigen Moment mehr zu tun, als mit Richtigkeit. Was morgen zu sagen ist - um zu handeln - ist etwas anderes, als es das heute ist.

Der Irrtum so vieler in der Beurteilung (=Stellung zu) Bergoglio war also nicht, daß sie zu lange gewartet haben, um ihm eine (christliche) Chance zu geben, war also nicht besondere christliche Tugend, sondern es war schlicht ein Mangel. Ein Mangel an Erfahrung und damit an Haltung zur Wahrheit selbst. Denn auf Internet-, Medien-, Twitternachrichten zu starren, um daraus das eine oder andere "Richtige" zu destillieren, das dann doch ein Gesamturteil über die Gestalt selbst zu ermöglichen, ist nicht christlich, sondern es ist ... inkompetent. Zumal die neuen Medien (social media), das Internet, nicht einen neuen Höhepunkt in der Stellung der Wahrheit bedeutet, sondern die Verlagerung der Wahrheit auf Rationalität, die bekanntlich bestenfalls Material der Wahrheit ist, aber nicht Wahrheit selbst. Die ohne Geschichtsmächtigkeit - im Kairos - nicht denkbar ist. Denn sie ist letztlich Person.

Morgen Teil 2) Es ist vor allem ein Problem der Medien





Mittwoch, 16. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (6)

Teil 6)



Wenn Roy freilich versucht, die Umwelt- und Ökologiebewegungen als Versuch zu deuten, aus diesen unentrinnbaren menschlich-kulturellen Matrizen zu entkommen, um so zu einem besseren Selbst zu gelangen, zeigt er, daß er es nicht (wie McLuhan) verstand, die Medienkritik auf einer soliden Metaphysik aufruhen zu lassen. Aus der nämlich klar würde, daß der Mensch selbst die Matrix ist, die den Menschen in einer "Matrix" eingegliedert sein läßt, die ihm gemäß ist - und die in Jesus Christus die einzige vollkommene Matrix gefunden hat. Sodaß daraus sogar die Erlösungsbedürftigkeit klar wird. Roy ist eben Protestant. Genau dort liegt deren Defekt. 

Sie sehen die Welt nicht in den Menschen "hineinlaufen", also alle ihre Formen im Menschen vorhanden, wenn auch notwendig zu reinigen und die Form Christi in Anähnlichung aufzunehmen. Ein Christentum ohne Gestalt Christi ist somit überhaupt nicht vermittelbar! Denn in Christus ist Medium und Information (um in medienkritischen Termini zu sprechen) vollkommen in die Welt gekommen. Genau das hat sie nach dem Sündenfall gebraucht, der dieses Urbild aus der menschlichen Welt gestoßen hat (bzw. dann umgekehrt.) Ausgehend von einer Einheit der Sinne (sic!) ist die Begegnung mit dem Wirklichen immer eine ganzheitliche Angelegenheit, die bei Reduktion auf einen oder zwei Sinne zwangsläufig defiziös ist.







*250819*

Dienstag, 15. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (5)

Teil 5)



Die amerikanische Popkultur muß man als solche Universalsprache sehen, die einen globalen Totalitarismus vorbereitet und trägt. Sie hat sogar die Rebellion integriert, aus der sie ursprünglich stammte, und über die elektronischen Medien zu einer vordergründigen Grundhaltung gemacht, die bestens geeignet ist, den Schein von Individualität zu schaffen. Es waren aber die Medien selbst, die alle uniformiert haben! Die einen waren uniformierte Rebellen, die anderen uniformierte Mainstreammusikhörer, alle Teil desselben globalistischen Systems, das über die Medien selbst wirkte. 

Das Medium, das Format ist viel bedeutender als der Inhalt! Die verschiedenen Inhalte sind lediglich Zuschneidemaßnahmen ein und derselben Vermassung, um allfällige mentale Widerstände zu überwinden. Was genau den Kern der Kritik trifft, die der VdZ an "rechts und links" anzubringen hat, und hier immer wieder anbringt. Die immanent demselben System angehören, das viel wirkmächtiger ist als vermeintliche andere Inhalte.

Das ist auch der große Irrtum das Internet und die social media betreffend. Die den Eindruck vermitteln, daß man eine unübersehbare Fülle von "verschiedenen" Richtungen an Information etc. abrufen kann, und deshalb völlig frei ist. Aber in Wahrheit geschieht etwas ganz anderes! Man wird durch die Art des Mediums gebunden und geformt, NICHT durch die sogenannten Inhalte! Alle haben dieselbe Wirklichkeit akzeptiert, und darauf kommt es an.

Die wahre Unterwerfung geschieht durch das Medium und durch die Technik, nicht durch angeblich diversifizierte Inhalte. Sie formt die Art, wie wir leben, sie formt die Art, wie wir die Wirklichkeit rezipieren. Unsere tiefsten seelischen Haltungen werden verändert, und die sind das Entscheidende! Die Menschen werden an den Bildschirm gebunden, während sich die Aufmerksamkeit gegenüber der unmittelbaren Lebenswelt verringert. (Wir haben darauf 2011 in einem langen Artikel zu handeln versucht, der darauf hingewiesen hat, daß Twitter als Instrument des Papstes in sich ein völliges Verfehlen des Katholischen bedeutet.) Und genau darum geht es auch! Der social media-Konsument wird immer mehr verfügbarer Teil des unsichtbaren, drahtlosen Organismus.  

Der damit immer mehr zum eigentlichen Subjekt der menschlichen Geschichte wird. McLuhan drückte das einmal drastisch aus: Menschen sind dann nur noch die Sexualorgane von Maschinen. Selbst die Mythologie, die darum gebildet wurde - die Matrix, und der Kämpfer gegen sie - sind eine Täuschung, weil sie sich innerhalb derselben Medienmechanik abspielt, gar keine relevante Wirklichkeit hat. Selbst die Gegnerschaften in social media sind reines Entertainment. Die Leute gehen nach dem Sehen so eines Kampfes nicht in die Welt hinaus und befreien sich von der Matrix, sondern wollen nur noch mehr von diesem Drama sehen - und in der Matrix bleiben. Die davon erzählt, wie man sich davon befreit ... Auch die "seriöseren" Konsumenten der social media unterscheiden sich in nichts von Pornokonsumenten. Allen geht es um den Kick der Lebensintensität, die sie nicht mehr selbst produzieren wollen und können. Die social media (Internet) sind immer Entertainment! Die Inhalte sind rationalisierte Täuschung. Und darum geht es.

McLuhan hat begriffen, daß alle diese Dinge hinausverlagerte Haut des Menschen ist. Unter diesem Aspekt hat er auch die Stadt kritisiert, die Symptom für eine in sich immer abgeschlossenere menschliche Welt war, die Gott ausschloß. Wie er sie in der Erzählung des Turms von Babylon archetypisch sah. So sind auch die Medien der Gegenwart (im besonderen, denn da wird es sehr deutlich) eine Gegenwehr gegen Gott, der draußen bleiben soll. Während wir die Einbindung in die Schöpfung immer vollständiger verlieren, und uns nur noch mit unseren Matrizen umgeben, in denen wir uns eine inhaltlich-moralische Entscheidung imaginieren, die es gar nicht gibt. Die social media sind eine extreme Form des Ungehorsams Gott gegenüber! 

Die in der Stadt versucht ist, das Himmlische Jerusalem - eine Stadt als Erlösungsvollkommenheit der Welt - nachzuahmen bzw. vorzutäuschen. Man baut einen Bildschirm zwischen sich und Gott, darum geht es. Während der Tempel und die Himmlische Stadt Jerusalem Ausdruck jenes vermittelnden Mediums ist, in dem Gott die Menschen an sich teilhaben lassen will. Sowohl Jacques Ellul wie auch Marshall McLuhan sind nur unter diesem theologischen Aspekt begreifbar. 


Morgen Teil 6)


*300819*

Montag, 14. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (4)

Teil 4)


Aber die Medien verändern auch die innere Struktur der Probleme, ja sie schaffen sie regelrecht, und prägen der Bewältigung des Lebens eine technisch-organisatorische Struktur auf. Die immer auf Kosten der persönlichen Freiheit geht. Gerade an ökologischen Fragen sieht man deutlich, wie Probleme von der persönlichen Ebene weg hin zu statistisch-organisatorischen Fragen verlagert wird. Das hat mit der Natur der Medien zu tun, die die Botschaften verändern, und damit auch die Art, wie Probleme gesehen und behandelt werden, weil unsere gesamte Rezeption der Welt verändert wird. Auch in der Rangordnung sieht man genau das: Ökologische Fragen werden höher bewertet als Fragen der individuellen Freiheit, weil sie durch die Medien und der Art, wie sie Botschaften transformieren, zu einem technisch-statistischen Problem werden. 

Die Technisierung und Entwurzelung der Individuen (social engineering) hat über das Zerreißen ethnisch-religiöser, geschlossener Räume in den Innenstädten zur Entwicklung des Vororteproblems geführt, das bewirkt, daß die Menschen immer weiter von der Natur und ihren Vorgängen als Lebensraum entfernt werden, während sich ihre Weltrezeption schon rein quantitativ auf Technik verlegt. Man kann nicht einmal mehr ohne Auto irgendwohin kommen. Damit zerreißt der unmittelbare existentielle Zusammenhang mit der Natur, die ständig wechselt und wechseln kann, aber keine direkte Verbindlichkeit mehr hat. Diese kann nur noch konstruiert werden. 

Ja, das gesamte Leben wird immer mehr zu einer Unterwerfung unter technische, organisierte Prozeduren. Diese verändern uns, und sie verändern die Natur der Lebensfragen, die wir damit zu lösen versuchen. Wir müssen immer mehr die Art der Technik annehmen, integrieren, die Art wie sie denkt. Was als "Verbesserung" beginnt, breitet sich damit zwangsläufig über unser gesamtes Leben aus, das adaptiert werden muß, und weil alles zusammenhängt, alles zu verändern beginnt. Das ist ein Prozeß, der sich spiralenartig mehr und mehr beschleunigt.

Haben wir deshalb unsere gesamten Lebensräume (Städte) nach dem Auto ausgerichtet, so bringt die Handy-Kultur eine noch totalere Anpassung an die Technik mit sich. Wir werden durch das Handy (iPhone) zu einem Teil eines Netzes, in das wir uns integrieren, und dem wir alles anpassen. Unser gesamtes Wahrnehmen von Raum und Zeit verändert sich dramatisch, weil wir wie mit einem Netz verdrahtet sind. Man sieht es etwa daran, daß niemand mehr auskommt, ohne alle zwei Minuten sein Handy zu konsultieren, ob das Netz Aufträge oder Stimuli für ihn hat. Das ist eine Sucht! Mehr noch aber: Während wir selbst (durch Verlust des Selbstbesitzes) ins Chaos versinken, wird das System mehr und mehr notwendig, um uns wieder Ordnung zu geben. Unsere heutige Gesellschaft ist deshalb von diesen beiden Extremen gekennzeichnet: Extremes Chaos - und extreme Systemunterordnung. Jacques Ellul hat genau darauf hingewiesen: Das eine füttert jeweils das andere. Wer sich nicht selbst ordnen kann, schreit nach Ordnung von außen.

Wo immer Medien und Technik auftauchen, beginnen sie, das soziale Leben um sich herum zu gruppieren. Wird eine Straße gebaut, ordnet sich das gesamte soziale Leben darum herum. Als der Fernseher auftauchte hat sich das Leben der Menschen gesamter sozialer Umgebungen, mit allen Bräuchen und jahrhundertelangen Traditionen, über Nacht ausgelöscht. Wenn man heute am Abend durch ein altes Dorf geht sieht man die Straßen, die früher voller Menschen waren, menschenleer, aber überall hinter den Fenstern das Flackern von Bildschirmen. 

Auch die Sprache hat sich völlig verändert. Früher hat jeder Ort, jeder Landstrich quasi seine eigene Sprache gesprochen. Heute ist die Sprache überall gleich weil angepaßt. Kein Wunder, daß sich niemand mehr ausdrücken kann! Bei der Gelegenheit muß man auf den verheerenden Effekt einer Standard-Sprache in Deutschland hinweisen, die von der Zentralmacht eingeführt wurde, und nun alle Menschen gleich machte und gleich (oder gar nicht mehr) denken ließ. Da konnte es gar nicht ausbleiben, daß sich faschistische, nationalistische Strömungen in allen Weltanschauungen bildeten.

Die Gesamtkultur wurde eliminiert (und zur Ideologie), weil sämtliche Partikularkulturen (durch die technischen Netze, durch verordnete Einheitssprachen) verschwanden. Es mag manchem seltsam klingen, aber es war der Nationalstaat, der den Boden für einen globalen Staat vorbereitete, wie er sich heute anschickt zu bilden! Nur macht es die Globalisierung mehr mit Verführung, nicht so deutlich mit Gewalt, wie es im 19. und 20. Jahrhundert praktisch überall in Europa geschehen ist. Aber auch diese neue Zentralsprache, die überall und als angebliches Staatsmerkmal eingeführt wurde, ist ein Medium, das eine Art von Wahrnehmung und Denken aufprägt. 


Morgen Teil 5)


 *250819*

Sonntag, 13. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (3)

Teil 3)



Das hat sich darin gezeigt, daß sich unser System in den 1960ern von einem System individueller Schuld dem Sein gegenüber (Beichte, Katholizismus) zu einem System der (durch Verhaltensänderung aber tilgbaren) Schuld an technischen Prozessen war. Mülltrennung. Vegetarismus. Umweltschutz. Klimarettung. Ölkatastrophe. Ständig neue Formen von Ungerechtigkeiten. Alle Sünden waren plötzlich mathematisch auflösbar. "Wenn man so und so viele Bäume täglich schlägert, wie lange würde es dauern, bis alle Bäume des Amazonas geschlägert sind?" "Wenn man täglich so und so viel CO2 ausstößt, wie lange wird es dauern, bis die Welt verdampft?" Die Welt wurde generell zu einem mathematisch ausrechenbaren Problem, und Ethik wurde zu einer mathematischen Operation. Mathematik wurde zum ökologischen Problem.

Gibt es mehr Technizismus?  Mit der Zeit hat sich seit den 1950er, 1960er Jahren ein aberwitziger, technizistischer Kontrollapparat aufgebaut, der sich darauf zurückführt zu meinen, die Probleme der Welt durch mathematisch-strukturierte Technizismen lösen zu können. Moderne pur. Und konnte man dieses eine Problem nicht lösen, suchte man ein anderes, das mit mathematisch-technizistischem Gehabe zu lösen schien. Damit ist eine Form von Öko-Faschismus entstanden, der uns völlig beherrscht.

Eine Graswurzelbewegung ist der Ökologismus nie gewesen. Er hat immer auf Propaganda und Gesamtmechanismen abgezielt, denn "von unten", aus der Wahrnehmung der Menschen heraus, geschah .. gar nichts. Also versuchte (und versucht, heute mehr denn je) man, ständig in das Unten (also in die Bereiche des Einzelnen) direkt einzugreifen, durch ständig mehr Verhaltensvorschriften und -zwänge. ABER wenn man ständig "bewußt" in eine Organisation (Gesellschaft) eingreift, die aus einem inneren, natürlichen Ordnungsdrängen zusammenhält, passiert nur eines: Sie verliert ihre innere Ordnung. Sie wird zum Chaos.

Und zwar nicht, weil hier oder da etwas an den Eingriffen "falsch" läuft. Wie der Technizismus denkt. Sondern weil der Mensch seinem Wesen nach frei IST. Und an diesem Punkt seine Existenz überhaupt erst zu existieren beginnt! (Und wer möchte nicht existieren? Ist das nicht der erste Drang jedes Menschen?) Nicht im Ergebnis, nicht im Großen, nicht im Gesamtbild des Faktischen. Jede Änderung im Großen kann deshalb nur aus dem Zwiespiel von Offenheit gegen ein Gesamtbild der Vorsehung hier, und dem, was der Mensch machen kann, seiner sittlichen Entscheidung dort (also der Ethik, der Moral in deren kultureller Form) sein. Dem Menschen im Einzelnen diese Freiheit(smöglichkeit) zu nehmen heißt deshalb immer, das Ganze ins Chaos zu stürzen. Ein Paradox! Aber die Welt als Geschichte mit Gott, dem Sein selbst, ist eben ein Paradox. Nicht irrational, sondern über-rational.

Jeder Eingriff in einen Organismus durch eine Organisation muß durch noch mehr Organisation kontrolliert und korrigiert werden, um die Natur des Einen, Untersten zu befrieden. Sie muß damit zwangsläufig wachsen. Die Gesellschaft des industriell notwendigen Wachstums wird wie von selbst zu einem System der Kontrolle der Aufrechthaltung eines endlosen Konsums. Und die Notwendigkeit des endlosen Konsums bewirkt die Manipulation der Menschen zu dafür geeigneten Konsumenten. Homosexuelle, sterile, vorübergehende menschliche Bindungen. Sexuelle Befreiung als sexuelle Sklavenschaft. Entwurzelung als Konzept einer technokratischen Gesellschaft, als Konzept der Moderne. Im Endeffekt endet dieses Konzept bei der Beschuldigung des Menschen, überhaupt zu existieren, weil alle Probleme zu verursachen, wenn er Mensch ist. Er kann nur genügen, wenn er aufhört, Mensch - und damit frei - zu sein.

Die Freiheit, die uns noch bleibt - im Wesentlichen ist sie nur noch Mobilität, aber in allen Gebieten, weil Wurzellosigkeit - verlangt schließlich, daß wir uns deren Eigenschaften anpassen. Wir beginnen also, die Sprache der Bewegung zu sprechen, deren Gedanken als Weltgedanken zu akzeptieren. Denn Medien (und Transportmittel sind eben solche Medien) sind nicht neutral. Sie zwingen uns ihre inneren ontologischen, wirklichkeitsrelevanten Gesetze auf. Und die sind nicht ident mit dem logos, mit der Sinnstruktur des Menschen selbst.

Unser Denken wird zu einem Denken, wie das System funktioniert. Denn weil alles mit allem zusammenhängt, durchwirkt dieses nur noch technische Funktions-Denken sämtliche Bereiche unseres Lebens. Das führt zu einem Gleichschaltungsprozeß sämtlicher unserer Lebensbereiche, und muß sich ständig diesen Anforderungen von Neuem anpassen. 

Dieser von der Technik ausgehende Effizienzsteigerungsprozeß beschleunigt nicht nur alle Vorgänge, sondern er beginnt, uns mehr und mehr zu versklaven. Weil wir uns immer mehr von Maschinen abhängig machen. Ideellen Maschinen, oder solchen aus Eisen und Computerprogrammen. Mit den social media sind endlich dann alle Menschen jederzeit koordinierbar, und zwar gemäß technischer Prozesse, die im Grunde beim Stromnetz begonnen haben, und bei den Mobilitätskonzepten eine nächste wirkmächtige Quelle haben, die alles durchstrukturiert. Ellul schreibt deshalb einmal, daß der Fahrplan der Eisenbahn so großen Einfluß auf unser Leben hatte, da sich unser Leben mehr und mehr nur noch daran ausrichtete. 

Die alten Taktschläge übrigens wurden mehr und mehr obsolet, wie Kirchenglocken, die Sonne, der Ablauf der Jahreszeiten, das Wetter, die Feiertage, das Gedächtnis an vergangene Ereignisse, die die Charakteristik von Tagen anzeigen, und so weiter. Eine Ordnung der Welt wurde mittlerweile durch eine Ordnung der technischen Ablaufoptimierung einzelner Lebenselemente (Strom, Internet, etc. etc.) ersetzt. Die aber nicht mehr der Natur der Welt und unserer eigenen Natur entspricht.

Das alles verändert zwar nicht unser innerstes Wesen, das in seinen Grundforderungen immer mehr unerfüllt bleibt, es verändert aber unser Verhalten, unsere Haltungen. Wir haben unsere Aufmerksamkeiten und nervlichen Fähigkeiten (Konzentration) diesen neuen Anforderungen anzupassen, weil sich die Wichtigkeiten in unserem gefühlten Werte- und Hierarchiesystem neu arrangiert haben. Denn wir sehen nicht, daß uns die Medien ihre Sprache aufdrängen, die sie benötigen, und dadurch die Inhalte wesentlich (sic!) bestimmen.

Heute kann deshalb kaum noch jemand zwei Absätze hintereinander lesen, ohne sofort irgendwelche Informationen zu suchen, um sich des Gelesenen gewisser zu werden. Die gesamte Haltung zu unserem überlieferten Kulturgut hat sich dramatisch geändert. Wir "trauen" ihm nicht mehr. Weil sich unsere Position verändert hat. Wir sehen nicht mehr die relevanten Orte. Wir befinden uns nur noch an zufälligen, zugewiesenen Orten.

Die Dominanz des öffentlichen Systems und der Verlust der sozialen, verwurzelten Ordnungen, der Ausbruch des sozialen Chaos, hängen direkt und ursächlich mit der extremen Bedeutung der Medien heute zusammen. Die uns nicht zuletzt über Bequemlichkeiten dazu verführt haben, diese neue prägende Kraft technischer Abläufe zu akzeptieren. Die uns das Leben regelrecht aus der Hand schlagen. 

Morgen Teil 4)





*250819*

Samstag, 12. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (2)

Teil 2)




Ellul kam zu seinen (ausgezeichneten) Analysen, weil ihm etwas auffiel, das niemandem wesentlich schien, ihm aber war: Ende der 1930er Jahre verwandelte sich die Stadt schlagartig, ja über Nacht. War sie zuvor noch reiner Begegnungsraum von Menschen gewesen, mit spielenden Kindern auf den Straßen und Menschen, die tief in Lebenswelten verwurzelt waren, war sie plötzlich Verkehrsfläche für eine neue, motorisierte, mobilisierte Welt. Die dann im Zweiten Weltkrieg endgültig Wirklichkeit wurde. Plötzlich ging es überall nur noch um losgelöste, universalistische Ideen, die einen verwurzelten Menschen nicht mehr brauchen konnte, der sogar zum störenden Element wurde. 

Autos und moderner Krieg sind deshalb Elemente derselben Spielkiste, der Verwurzeltheit nur im Wege steht. Wie sich im Konzept des totalen Krieges sehr deutlich zeigt: Verbrannte Erde war nicht nur ein Konzept des Bombenkrieges, es war Kriegskonzept aller Mächte. Die Vergangenheit, die Tradition zu schützen war nur "museales", vor allem aber medientechnisches, "zweitwirkliches" Element, das aber keine reale Bedeutung mehr hatte. Und diese Zweitwirklichkeit (Pseudologie) ist das vordringlichste Merkmal der Moderne. Totalitarismus ist deshalb nur der Ausfluß eines alltäglichen Lebens der Entwurzeltheit, die ständige Mobilisierung verlangt. (Womit wir bei der fundamentalsten Kritik am Islam angelangt wären.) 

Damit hatte sich der "natürlich gebliebene" Mensch im 20. Jahrhundert immer mehr gegen die moderne Gesellschaft zu wehren. Die Freiheit und Natur gefährdete. Ellul legte somit die geistigen Fundamente für die eigentlichen Ursprünge der ... 68er Bewegungen! Die anfänglich ein Kampf gegen die Moderne waren, ehe sie in eben dieser Moderne untergingen. Mit einem Funkenblatt an Feinden, das manchen überraschen mag: Medien, Tempo, Technizismus, Motoren, Mobilitätskonzepte und ... die moderne Demokratie, die auf Propaganda als technizistischer Enteigentlichung des Menschen beruht. 

Alle Dinge, über die heute medial diskutiert wird - und das betrifft INSBESONDERS die social media, das Internet - sind somit lediglich Täuschungsmomente, die vorgeben, über Inhalte zu laufen. Die aber in ihrer wahren Botschaft, in ihrer wahren Wirkung die Moderne als Abkehr von der ontologischen Wahrheit (=Natur) perennieren, vertiefen, transportieren. Man sieht nicht mehr auf die wirkliche Gestalt der Dinge, sieht die Welt nicht mehr als Begegnung von Gestalten, sondern als Begegnung von rationalen, verbalisierten Inhalten. Welch' Täuschung! 

Deshalb ist auch die gesamte ökologische Diskussion ein pures Täuschungsmanöver, und sie war es von Anfang an. Sie war sogar regelrecht "verordnet", ging von den bürokratischen, technizistischen Zentren (Europäischer Rat, etc.) aus!  Sie ist in sich aber zutiefst ein Projekt der Moderne! Und muß deshalb auch im Totalitarismus enden, denn darauf zielt sie ab. All die Diskurse diesbezüglich sind seit ihrem Auftreten 1970, als die 68er "ökologisch" (also "grün") wurden, reine Scheinveranstaltungen, wo es nur darum geht, wie die Moderne (des Technizismus) mit anderen Scheininhalten gefüllt werden kann. 

Die wahren Lebensabläufe (und damit die Politik) waren, blieben und sind aber zutiefst MODERN. Es ging nicht nur immer um dieselbe Art von Gesellschaft, sondern alle angebliche Fundamentalkritik an der Gesellschaft war in sich eine Bestätigung, eine weitere Befestigung genau dieser Gesellschaft der Moderne, weil sie sich deren tiefer propagandistisch-zweitwirklicher Abläufe bediente, ja ohne diese gar nicht denkbar war und ist.

Die Grünbewegung ist somit nur eine "grüne Version" derselben Art von technologischer, aber in Wahrheit zutiefst widernatürlicher Gesellschaft, die die grünen Bewegungen angeblich ablehnen. Ohne diese könnte es eine Grünbewegung gar nicht geben. Und die "Rechten" muß man dieselbe Kategorie einordnen: Sie sind nun lediglich eine Jahrzehnte später eingetretene Reaktion, die eine "rechte Version" IMMER DERSELBEN MODERNE fordern. Ihnen allen ist Gesellschaft (ob sie es erkennen oder nicht) eine Form des Technokratischen.


Morgen Teil 3)




 

Freitag, 11. Oktober 2019

Kritik, die dasselbe tut wie das, was sie kritisiert (1)

Gerade rechte, anti-revolutionäre (d. h. anti-linke) Bewegungen bedienen sich in ihrer Vorgangsweise gerne traditioneller Bilder. Dabei übersehen sie, daß die Zielrichtung - Mobilisierung der Menschen - in sich ein Teil der Moderne ist. Das heißt, daß sie (wie die meisten revolutionären Bewegungen) im Endeffekt in einem Konzept der Moderne verfangen sind, und nur ein Perpetuieren der Moderne bewirken. Jener Moderne, die zu bekämpfen sie vorgeben.

Man kann es also als abgehandelt sehen, wenn hier zuletzt in der Form "gewettert" wurde, daß auch die sogenannte rechte Kritik wie ein trojanisches Pferd nichts anders tut als die Agenden der Linken, nämlich der Liberalen, zu betreiben. Denn was man tut ist nicht das, was man redet. Es hat eine ontologische Struktur, und um die geht es in jedem Sehen des Wirklichen. Von Nicht-Wirklichem zu reden ist aber doch pure Zeitverschwendung, Ablenkung vom Wesentlichen?

Große Teile der heutigen Kritik tun dasselbe wie jene, die sie kritisiert. Sie haben nur andere Etiketten auf ihrem Tun. Aber Information ist eben nicht ein oberflächliches Ding von Datentransfer. Information ist eine TransFORMATION von Daten, die sie erst zur Information macht. Und insofern auch völlig anders wirkt als ihr "rationaler Nettoinhalt" vorgibt. Alles kommunizieren hat also mehr als bloßen Datenaustausch zum Inhalt, sondern ist eine Wirkung der Informationsträger selbst. 

Die wirklich weitergegebene Information liegt an diesen, nicht an den "rational reduzierten, mathematischen Daten". Insofern ist sie immer das Beitreten von Informationsgeber wie -nehmer an ein- und demselben Ort. Oder die Verweigerung dieses Beitretens. Information ist also ein "Ding dazwischen", beiden gemeinsam. Oder sie ist nicht.

Wir sehen hier Jonathan Pageau in einem interessanten Gespräch mit dem französischen Medienkritiker Christian Roy. In dem letztlich die Gedanken von Jacques Ellul diskutiert werden, von dem an dieser Stelle vor (tatsächlich muß man das so sagen) vielen Jahren bereits eingehend die Rede war, der Leser kann es nachlesen. Ebenso wie die kanadische medienkritische Schule (so muß man das fast nennen) mit der Gallionsfigur Marshall McLuhan, von dem ebenfalls hier bereits viel die Rede war. Wie gesagt: Schon vor vielen Jahren. 

Wobei McLuhan im Grunde seine Ideen seinem Vorläufer, Harold Innis, zu verdanken hat. Der die grundlegenden Überlegungen der Medientheorie beziehungsweise deren Phänomenologie lange vor McLuhan bereits publiziert hatte. McLuhan war freilich mehr Popularität beschieden. Beide aber (wobei McLuhan konvertierte) sind dennoch als tiefe Denker eines damals noch katholischen (französischen) Kanada zu sehen. Nur aus diesem Fundament läßt sich ihre Arbeit überhaupt erst verstehen. McLuhan wird deshalb heute zwar oft zitiert, aber so gut wie nie verstanden, weil der moderne Mensch Herkunft wie Hintergrund prinzipiell nicht mehr versteht und blöd ist.

Von jemandem, der sich Gewinn von diesem Blog erhofft, muß aber ein für alle Mal und wieder verlangt werden, daß er die gegenwärtigen Ausführungen vor dem Hintergrund des umfassenden Gedankenweges sieht, der bereits zurückgelegt wurde und von dem dieses Blog nur Zeugnis ablegt. Stattdessen hat man es heute aber oft genug mit der Unverfrorenheit zu tun, in der stets neue Generationen an Fragestellungen herantreten, ohne die Vergangenheit zu besitzen, auf der diese Fragen und Antworten aufbauen und überhaupt erst Sinn ergeben. Gerade "kritische", systemkritische Internetmeldungen stehen somit oft auf einem Grund, den man nur als - real, sehr real - völlig geschichtsvergessen bezeichnen muß. Denn Ideologie liefert keine Geschichte, sie liefert nur ein vorinterpretiertes Bild.

Darum herrscht auch in "kritischen" (alternativen") Medien eine oft genug erschreckende Blindheit für Wirkliches in ihrem Tun. Sie tun, um es salopp zu formulieren, Falsches, um nun aber doch Richtiges zu erreichen. Und nur darin unterscheiden sie sich von dem, was sie kritisieren. So wie es G. B. Shaw einmal formulierte: Ja, ich sage dasselbe wie meine Kritiker. Aber nur ich habe Recht.


 Morgen Teil 2)





*250819*

Samstag, 20. Juni 2015

Die Wirklichkeit einer Revolution

Es gibt nichts rückwärtsgewandteres als ... eine Revolution. Denn es gibt keine revolutionäre Bewegung, die nicht das Ziel hätte, einen Zustand "von früher" wiederherzustellen. Das ist der innere Grund, warum jede noch so wild begonnene Revolution der Geschichte nach wenigen Jahren (Ellul meint: zwei bis drei, allerhöchstens) mit der Situation konfrontiert ist, daß die Menschen wieder "normal", wieder "wie früher" leben wollen. Und sonst nichts. Nur das läßt ein Volk bereit sein, zumindest vorübergehend ihren üblichen Lebensablauf zu verlassen, um sich um die Ordnung selbst zu kümmern, in der sie leben wollen.

Und deshalb erfüllen dann allfällige "neue" Herrschende immer dieselben Positionen, weil es nur eine einzige Ordnung der Welt gibt - ob sie sich nun Führer, Parteiführer oder sonst wie nennen, sind sie Könige, Fürsten, und Volk. Wie immer dann auch ein konkretes Gesellschaftsbild aussehen mag. Es unterscheidet sich in einzelnen revolutionären Bewegungen nur dadurch, welche Scheinvorgänge es aufbaut, um die Illusion eines "Neuen" aufrechtzuhalten. Die Wirklichkeiten aber haben sich nie geändert.




*200615*

Sonntag, 18. November 2012

Mitten im Totalitarismus (III)


3. Teil - Sprache steigt aus dem Schweigen



Noch bis ins 12., 13. Jahrhundert war es unüblich, einzelne Worte "zu trennen", man schrieb - so wie man sprach - immer in Sinneinheiten, Gesamtaussagen. Der Leerraum zwischen den Worten war nur eine (Vor-)Lesehilfe, die aber dann dramatische Auswirkungen auf das Denken, eben auf die Sicht der Sprache hatte: Als wäre die gesamte (denkbare) Wirklichkeit nur die Summe von Bausteinen, die in sich Eigenschaften hätten, die auch ohne das Ganze, ihre reale Situation, sie selbst bleiben, wie es dann (und: auch deshalb) die galiläische Naturwissenschaft auffaßte. (Als Beispiel, wie ein Medium, eine Technik, sich auf das Weltbild der Menschen auswirkt.)*

Denn: SO WEIT WOLLEN WIR im Umkehrschluß NICHT GEHEN, und vielleicht eine "positive Wesensbeschreibung" (von Frau, von Mann) erstellen, die nämlich AUCH zum ideologischen Problem werden kann. Das Wort alleine erzählt uns über das Wesen der Dinge, es ist selbst, bildhaft, ganz, was es (nie zureichend) rational erklärt. Entscheidend ist, daß über eine dekretierte "Sprachregelung" das je individuelle Erfahren (!) der Wesenheit im Erfahren des Übereinstehens der Affiziertheiten beeinträchtigt und verhindert wird. Nur von dort, individuell, kann Sprache gesättigt werden, soll sie mehr sein als leeres, hilfloses, rationales Geplappere, deren eigentliche Botschaft ganz woanders steckt als in ihren Inhalten. WAS also eine Frau ist, ist nur in der Begegnung erfahrbar, und aus dem Erfahrenen im ureigensten Reagieren (immer ungenügend) abbildbar, darstellbar - es ist nicht dekretierbar. Im Letzten ist Sprache also dem Schweigen entstiegen wie entnommen, und endet dort, im Logos, dem unsere Ratio niemals genügen kann, in der letzthinnigen Ungewißheit, die menschliche Weltkonstitution eben bedeutet. Und doch haben wir nur schöpferische Darstellung in der Sprache, um das Sein selbst zu erfahren. Begriffe rational herunterbrechen zu wollen, ist also immer und zuerst banal immanentistisch, ja lächerlich ungenügend und dumm.

Die Inklusivsprache soll (wie jede totalitär verordnete Sprache, entstammt sie damit auch der Angst vor dem Wirklichen) aber genau das: den Mut zum eigenen zutiefst eigenen Rezipieren und Wahrnehmen brechen, ja sogar verbieten. Darin sehen die Feministen nämlich die Gefahr - im Lösen des ideologischen Bandes, mit dem sie alles umschlingen wollen. Um das immer nur subjektiv Mögliche - auf die tradierte Sprache (Muttersprache!) HINFÜHREN soll - durch eine vermeintlich "bessere Objektivierung" zu ersetzen.** Gezielter kann man Sprache - und damit das Denken - nicht töten.

***

"Der flüssige Strahl des kommenden Atems erweckt einen späten Geist. Die tiefe der Kehle verleiht ihm, unter vibrierendem Zittern eines schwächlichen Atems, einen weltlichen Leib, eine Ortschaft. Ein mich durchziehendes, lauschendes Bewegen schenkt ihm leibhaftige Kraft: Ich bin nur der Sinn eines schweigenden 'motorischen Echos', das selbst zu mir spricht - in mir, in einem die Weile eröffnenden Schweigen. Durch mich als widerhallendes Vermögen spricht es erbend als schenkende Geste den Sinn jeder Welt, indem diese wird. [...] Es wird eine Tradition gestiftet worden sein, in der die Verwirklichung des Logos im Menschen nicht dessen Eigentum ist." (M. Staudigl, in einer "Annäherung an das Spätwerk Merleau-Pontys")

***

*Frau kommt übrigens von "Fron", dann "Fron-a/e/Frouwe" etc., als dem Herrn (Fron) zugegebenes/von ihm genommenes Weib; "Männin". Wie es als Endung "-in/-ne" ("Josefi-ne") in allen indogermanischen Sprachen (z. B. im Slawischen ("-na", "sche-na"=Frau, "schith", Leben; siehe auch: Eva=Lebensspenderin) existiert, wahrscheinlich überhaupt auf das "a" zurückgeht. Selbst in einer nicht-indogermanischen Sprache wie dem Ungarischen, wo "-ne" diese Bedeutung hat, "nö"=Frau heißt (wo übrigens auch das Jahr "eve" heißt, das ganze Leben umfaßt.) Die vom Mann Genommene ... Mann = Idee, Frau = Lebensboden.

**Die zunehmend feststellbare Unfähigkeit der Jugend, "sinnerfassend" zu lesen, hängt genau damit zusammen.

***Logos - innertrinitarisch der Sohn, der das Wort IST. Entsprechend ist der Zugang zum Erkennen der Welt nur als personaler Akt der Begegnung möglich.



*181112*

Mittwoch, 14. November 2012

Du bleibst, was du bist

Götz George steht vor der Kamera, um seinen Vater Heinrich George zu spielen, in einer halb-dokumentarischen Verfilmung dessen Lebens. Die FAZ hat ihn am Set besucht, hier Auszüge aus dem Artikel.

„Meine Mutter Berta Drews hat ständig von ihm erzählt“, sagt Götz George und fährt sich über das Gesicht. „Aber er war wie ein Phantom. Ich konnte ihn nie um Rat fragen.“ Schauspieler habe er selbst wohl nur werden können, weil der Vater früh gestorben sei. Denn dessen Devise sei gewesen: „Ein Genie in der Familie reicht.“ Seine Söhne hätten seinem Willen nach alles werden können, nur bitte nicht Schauspieler.


Heinrich George, 1893-1946

In erster Linie gehe es um die Frage von Schuld und Sühne, um die Verantwortung eines Künstlers in einer Diktatur, denn Heinrich George sei der einzige herausragende Schauspieler gewesen, der für sein Engagement in der nationalsozialistischen Propaganda mit dem Leben bezahlt habe. Dabei sei er weder Held noch Schurke gewesen, wie so viele Mitläufer.

[...] Sein Vater sei eine politische Niete gewesen, uninteressiert, er habe einfach nur spielen wollen. Sein Sohn will dem Künstler und Menschen nachspüren, den wolle er kapieren. Und er wolle ihn weder nachstellen noch kopieren. „Man interpretiert seinen Vater nicht. Das wäre unwürdig.“

[...] Den Weg zu der ehemaligen Militärbaracke in Münsingen, in der die Essensausgabe von Sachsenhausen nachgebaut ist, zeigen die Komparsen, die Maske und Kostüme in Elendsgestalten verwandelt haben. In dem kahlen Raum stehen sie Schlange, Blechbüchsen in den Händen. George steht hinter der Theke, im Rücken ein Regal voller Kommissbrote, deren Geruch sich mit dem Dampf aus dem Suppenkessel neben ihm vermischt. Die Kamera ist bereit, das Licht stimmt, der Ton läuft, der erste magere Mann nähert sich George und lässt sich einen Schlag dünne Brühe in die Dose kippen. Ob er denn seinen Text gelernt habe, fragt George mit müder Stimme.

“Verzeih, ich kann nicht hohe Worte machen“, stammelt der erste sich zurecht, der zweite stottert: „sehe nur, wie sich die Menschen plagen.“ Hoffnungslose Fälle. Doch dann der dritte. Wie er sich schon hinstellt, wie er den Mann mit der Kelle anschaut. „Du bist am Ende, was du bist“, rezitiert er, und seine Stimme füllt den Raum. „Setz dir Perücken auf von Millionen Locken. Setz deinen Fuß auf ellenhohe Socken, du bleibst doch immer ... was du bist!“ Die Suppenkelle schwebt in der Luft, dann klatscht sie nieder: „Hau rein, Mephisto!“, dröhnt George. Hätte auch Schimanski sagen können. Oder George, egal, welcher von beiden. Vielleicht hat Mephisto einfach recht.

Götz George im Interview über seinen Vater (2008)


Heinrich George in einem NS-Fernsehinterview - Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. - "Heute ist ein Bett vorbereitet, das bequem ist." Die Zeiten haben sich nicht geändert. Ideologien sind, schreibt Jacques Ellul, nie inhaltlich entscheidend, sie sind austauschbar. Es ist die Art der Rezeption, die seit dem 20. Jahrhundert die Menschen zu Erscheinungen ein und desselben Charakters, des entwurzelten Propaganda-Charakters, machen. Feindbilder dienen lediglich der Absicherung der eigenen Verankerung in der Gruppenmeinung.


Heinrich George in "Der Postmeister" (Puschkin; 1940)



*141112*

Sonntag, 11. November 2012

Mitten im Totalitarismus (II)

2. Teil - Sprache und Erkenntnis


Natürlich kann es also Sprache nur intentional geben, so wie es Wesen nur als Sinn gibt. Weil das Wesen der Welt Beziehung, Bezüglichkeiten sind, ist auch die Sprache, die dieses Dingsein in die Sphäre des Logos*** hebt - damit der Urangst des Chaos entreißt (und in den ewigen Sinn des Logos eint) - abbildhaft intentional. Als Synthese eines unendlich kleinen Punkts ursprünglichen Affizierens, das sich im Konkreten des jeweiligen Menschseins, und in seinem Maß, in die Affektionalität des Sprechens (gleichermaßen) hebt. Wie es im menschlichen Selbst sich zeigt, das in der Sprache zu sich kommt.

Diese Synthese heißt aber auch: Untrennbarkeit von Intention von Begegnung, die nur als Wesensdefinition und -erfassung möglich ist. Ohne Sprache würde es keine Welt geben - die Sprache ist das Pendent zum Weltsein. Deshalb ist sie untrennbar mit dem Hören verbunden, dem Empfinden, dem - je subjektiven, in der Gesamtheit aber objektiven - Empfangen. Wobei der jeweils, in jedem Menschen ORIGINÄR vorhandene Lebenspathos selbst der Garant dafür ist, daß die Sprache auch im Heranwachsenden nach und nach dem originären Wesenskern einer Sache entspricht.

Solange also die Kräfte einer Kultur sich steigern, wird deshalb auch die (allgemeine) Sprache immer präziser, differenzierter. Sie verludert, wenn die kulturellen Formen zur Lebensverminderung werden. Im Absteigen einer Kultur verfügt das Individuum also immer noch über mehr Kraft, als die "Kultur" ihm abfordert - Lebenssteigerung zieht sich aufs Privatime, und letztlich Solitäre zurück.

Zerreißt man dieses unlösbare Band der Sprache durch eine vermeintliche "Objektivierung" des Sprechens (in gegebenen, diktierten Worten), schreibt man einen Gebrauch vor, verliert die Sprache ihre Kommunikationsfähigkeit weil Aussagefähigkeit. Die Angst bleibt unberuhigt, und sucht sich andere Wege der Objektwerdung für das bzw. im Selbst. Der Mensch aber wird in die Isoliertheit geworfen, seine Sprache verliert ihre weltbildende Kraft, verweist ihn nur noch auf a-sprachliche Formen sich als Selbst zu halten (vorwiegend im Kollektivismus): durch ein Gruppenselbst, das das eigene Selbst substituiert.

Die Ordnung der Welt aber wird zerstört. Und darauf zielt die Genderisierung ja ab. Sie will eine neue Ordnung schaffen. Nicht: die Ordnung der Welt darstellen. Hybris.

Sprache kann also an sich niemals von oben diktiert werden - ein Unding, an dem die deutsche Sprache - in der heutigen Form eine synthetische Kunstsprache - ohnehin seit 500 Jahren leidet. Sodaß Mark Twain sie sogar als größte "lebende TOTE Sprache" bezeichnete, die in genau solchen objektivierten Regelungen (Stichwort "Duden", und sein Gebrauch) erstickt. Jacob Grimm wußte (Mitte des 19. Jahrhunderts) noch, warum seine Grammatik (auf die alle heutigen Grammatiken zurückgehen) eigentlich nur eine beschreibende, rückführende Bestandsaufnahme des lebendigen Sprachgebrauchs war. Niemals wäre ihm eingefallen, eine Grammatik, eine Sprache, oder Worte zu "erfinden", weil es so und so praktischer wäre. Erst so gibt Sprache wirklich Identität - in ihren überlieferten Inhalten und Gestalten, in denen übrigens niemals ein Wort einfach für sich steht, sondern immer in ein Sinnganzes eingebettet ist.



*111112*

Sonntag, 4. November 2012

Mitten im Totalitarismus (I)

Es ist kein Kavaliersdelikt, sondern geht über die Sprache ins Denken, das in seiner Begrifflichkeit - die auf das Erfahren der Wirklichkeiten zurückgeht, sich in der Tradition, in den "gesellschaftlichen Konstrukten" lediglich seine historische Gestalt sucht: das "Genederisieren" von Texten. Wie bei der Polioimpfung, die mit einem Stück Zucker vor sich geht, wird universitäre Autorität längst dazu mißbraucht, diese in seinen Auswirkungen auf die Vitalität der Menschen völlig unterschätzte Ideologie unter Zwang zu realisieren.

Andreas Untersberger bringt ein konkretes Beispiel, wie an einer Fachhochschule eine Seminararbeit nicht angenommen wurde, weil die Verfasserin ihre Arbeit nicht "genderisiert" hat (was im übrigen den Umfang um 20 Prozent aufgeblasen hat, ohne daß auch nur ein zusätzlicher Gedanke darin enthalten wäre.)

Die meisten Studenten, heißt das zusätzlich, haben sich in den Zwang längst eingefügt, ihnen erscheint diese Sprachzerstörung nicht einmal mehr störend, sie sind es aus ihrer bisherigen Schulkarriere wohl längst gewöhnt. Die meisten Lehrer und Dozenten sind also längst Handlanger des Totalitären. Was ohnehin - bei zentralistischen Schulsystemen - kaum je anders war. (Ja, gerade die, die dann "nie wieder Faschismus" rufen, und jährlich Gedenkveranstaltungen in Mauthausen als Schulexkursion abführen.) Und gehirngewaschen verlassen sie bereits die Ausbildungsstätten und Universitäten.

Und da diskutiert man gelegentlich, wo denn der Totalitarismus zu finden sein solle? Er ist schon so alltäglich, so internalisiert, daß er gar niemandem mehr auffällt. Befragt, meinen weit über 90 Prozent der Jugendlichen heute, daß sie "frei von Ideologie" in ihren Ansichten wären, ja Ideologie ablehnten ... Da kann man schon in Bitterkeit fallen, solches zu hören.

Wobei die Rechtschreibreform vor 15, 20 Jahren diesen Ideologisierungsschub in der Sprache vorbereitet hat, das muß man in seinen Zusammenhängen sehen. Denn in ihr wurde Sprache erstmals zur Regierungsangelegenheit, zur Angelegenheit einer positivistischen Verordnung, entrissen der Verwurzelung in der Wahrnehmung - sondern beliebig. Damit wurde die Schule mit ihrer eigenen Waffe geschlagen: denn wenn Sprache auch entgegengenommen und in Besitz genommen werden muß, darin die Haltung der Demut braucht, so macht das dem Totalitarismus dann kein Problem, wenn die Lehrer bereits seine Handlanger sind. Die sie einerseits mit dem Versprechen der (autonomistischen) Beliebigkeit aus der Tradition herausbrechen und Sprache schon im Kind gar nicht verfestigen läßt, anderseits genau damit radikal Schluß machen, wenn es um die Verfestigung in der Darstellung dieser Ideologie geht. Womit das Sprachempfinden doppelt düpiert wird.

Es ist die reale Lebenspraxis, die den Geist bildet und verändert, so wie jede Erkenntnis persönlicher Akt ist (rein rationales Ineinanderfallen unabhängiger Inhalte). Selbst noch so rationale Kritik kann daran nichts ändern, sie kann nur auf die Veränderung der Praxis abzielen. Der Totalitarismus zielt eben auf die Lebenspraxis ab, nicht auf Diskurse. Er ist ein Problem der Macht, nicht der Wahrheit.

Wirkliche, nachhaltige Propaganda, zeigt Jacques Ellul in "Propaganda", zielt auf die Entstehungsstrukturen der Weltanschauungen ab, nicht auf Inhalte. Sie überläßt die Einpflanzung von geistigen Haltungen den Ergebnissen des Alltags selbst, und zielt deshalb auf die Veränderung der Lebensgewohnheiten ab, um so einen "Charakter der Propaganda" zu schaffen. Dem das Leben selbst (im wahrsten Sinn) Todfeind ist, das sie ausschalten, fernhalten muß. Mit dem sie dann aber machen kann, was sie will. Denn Inhalte sind austauschbar. Nichts aber ist so überzeugend, wie die Einübung in Abläufe und die Sprache der Technik. In der Genderisierung aber wird die Sprache dem subjektiven Wirklichkeitsempfinden entrissen, und ein Weltbild geprägt, das diesem originären Empfinden sui generis widerspricht: weil die Ideologisierung des Sprechens die Durchblutung der Sprache selbst verhindert. Der Mensch wird damit als Individuum orientierungslos, ihm bleibt nur noch der voluntaristische Akt, einer "Überzeugung" beizutreten, um diesen Halt zu finden, ohne den er nicht leben kann. Weil sein Denken seine Aufgabe nicht mehr erfüllt: Die Erscheinungen der Welt in der Wahrheit zusammenzuführen, im Logos, der in allen Dingen steckt, den aber nur der Hörende vernimmt.

Die Genderisierung der Sprache - wie es letztlich auch Untersberger macht - mit utilitaristischen Argumenten zu verweigern, ist deshalb nicht nur ungeistig-primitiv (und selbst objektivistisch), sondern völlig ungeeignet, weil die Umständlichkeit des "Genderns" nur als Ausdruck seiner Wesensfremdheit zur Sprache selbst von aussagender Bedeutung ist. (Und Beispiele gibt es ja genügend, daß die Gendersprache das gesamte Sprachgefüge, ihre Aussagekraft, entscheidend deformiert und auflöst.) Künstliche Begriffe wie das Gendern einfordert, zerreißen nur das Gewebe der Sprache, und daß die "Ökonomie" der Sprache verloren geht, zeigt das nur an: sie lösen die Sprache generell auf.

Es stimmt auch keineswegs zu behaupten, daß die maskulinen Formen für allgemeine Begriffe (genauso aber, wie feminine!) aussagelose, neutrale Plurale wären. Das sind sie nicht, sie sind sehr wohl Aussagen über die Natur und das Wesen ("ousia", "essentia", am besten mit "wesen", kleingeschrieben, übersetzt) des mit einem Wort Bezeichneten (Scheler nennt Worte einmal "Zeigestäbe auf Wesenheiten"), der Idee die in einem Ding steckt. Und der Haltung, die eine Kultur dieser Idee und seiner im Konkreten vorgefundenen Wirklichkeit (die nur durch die Idee überhaupt erkennbar wird) gegenüber einnimmt, wie sie ihr begegnet, wie sie sie rezipiert, und vor allem: über gar nicht absehbare Zeiten begegnet IST.

Bis zum letzten Grund der Worte, als Symbolon, als Bild, als Wirkbild, das für sich steht, und von der Menschheit als Ganzes wieder und wieder gebraucht, angeschmiegt, verwendet und für zutreffend befunden wurde. Diesen Bildern haben wir zuzuhören, sie gehen uns voraus - nicht wir "machen" sie. Wer die Welt im Geist erfassen will, der gehe den Worten nach! Sie sind das Fundament, auf dem wir auch heute stehen.

In der Sprachtradition - einem dicht gewobenen Netz vergleichbar, in dem ein Faden den anderen trägt und quert - also erhält sich die Weisheit, ja die Welt der Menschheit, die zu ergründen jedem auferlegt ist. Zahllose Generationen und historische Epochen haben an diesen Wortwerden mitgewirkt, und immer waren es die Menschen selbst, die auch diese komplexe Wirklichkeit der Worte verwendeten, in ihrem Erkennen wandelten, und neuerlich weitergaben. Wer die Sprache willkürlich ändert, behauptet also von sich, daß diese Weisheit nicht nur obsolet ist (und die Vorvorderen dumm und unmündig waren), sondern daß er sie endgültig übertrifft. Und schon diese hochmütige, ja dumme Haltung alleine ist an sich weisheitsfeindlich, konkret stammt sie aus dem objektivistischen Denken der Gegenwart, und nicht zufällig ist solches Sprachdekretieren typisches Merkmal von Diktaturen.



2. Teil in einer Woche: Sprache und Erkenntnis


*Ohne diese allgemeine Idee hinter den Dingen, ohne allgemeines Wesensbild, wäre kein Ding erkennbar, gäbe es kein Erkennen, und keine sinnvolle Sprache.



*041112*

Samstag, 3. November 2012

Der Neurotiker braucht Propaganda

Herausgelöst aus den durch natürliche Autoritäten und Abhängigkeiten bekennzeichnete Gemeinschaften - allen voran Familie - braucht, schreibt Jacques Ellul, der solcherart entstehende Charakter regelrecht Propaganda. Die sich natürlich nicht als solche ausgibt, die als bloße Information auftritt. auch ich kennzeichnend, daß der "Charakter der Propaganda" sich selbst lediglich für informiert, niemals aber für ein Opfer der Propaganda hält.

Aber der Mensch braucht "allgemeines", und solcherart ersetzt der fehlende Nahe, das dem individuellen Entscheidungshorizont in jeder Hinsicht entspricht, auch durch die konkrete Erfahrung der Vertrauenswürdigkeit, nun die "öffentliche Meinung", ob sie nun als "Gegenmeinung" auftritt, oder als "Regierungsmeinung". Ohne Medien wäre also dieses Spiel undenkbar. Reduziert auf die eigene Wahrnehmung, gezwungen seinen Weg durchs Leben zu finden, aus Kleinstem zum Größeren wachsend, würde der Mensch tatsächlich unempflindlich sein gegen solche Mechanismen.

Diese Charakterformung ist definitiv "neurotisch": ihr fehlt die fundamentale Erdung in der Wirklichkeit, sie ist deshalb auch nicht in der Lage, aus ihrem eigenen Horizont heraus Glaubwürdigkeiten größerer Angelegenheiten zu bewerten. Verkennen von wirklichen Problemen sind deshalb typisch. 

Der Propaganda-Charakter ist vielmehr auf Information aus zweiter Hand angewiesen, und sie gibt ihm - je  nach Druck und Rezeption - vor, was Probleme sind. Probleme, die in den meisten Fällen seinen Entscheidungshorizont bei weitem überschreiten, was der Betroffene natürlich nicht so sieht, denn er fühlt sich ja "gut informiert". 

Durch die Medien, durch die Parolen. In die hinein jene Emotionen gelegt werden (können), die den  Menschen erst bewegen. Hier setzt also auch die Bedeutung der "Gruppe" ein. Kein Mensch kann damit leben, "allen" alleine gegenüberzustehen.

Propaganda - als Persönlichkeitsdefekt - könnte also gar nicht wirken, wenn nicht der Bedarf danach bestünde. Denn der isolierte Mensch sieht sich den tiefsten Existenzängsten ohnmächtig ausgesetzt. Also braucht er die "Macht", die Welt zu bewältigen. Sie enthebt ihn (scheinbar) dieser Ängste. Und diese Macht findet er in der Gruppe bzw. der Gruppenmeinung. Diese Macht findet er in der Identifizierung mit "starken Persönlichkeiten", die "in seinem Sinn" handeln. Seine Hoffnungen und Wünsche erfüllen, umso mehr, als er sich ohnmächtig fühlt angesichts der Größe der Probleme ("Weltrettung" ...), mit der er konfrontiert ist. In dieser Gruppe findet er auch die Wege, sich zu verhalten, die als Methode zur "Reinheit" dienen, die Schlagworte, die die Welt "richtig" beleuchten, die Prioritäten der Problemlisten definieren. Und, wie gesagt, nie über "Lüge", sondern immer über Faktensicherheit.

Hier verliert er endlich alle Ängste, unrecht zu haben, die jeden der wirklich eigene Ansichten ausformt, ja nie verlassen. In diese Gruppe hinein kann er aufgehen, sie gibt ihm Sicherheit, Sinn und Identität, vor allem durch Verhalten, sie sagt ihm was es zu tun gilt. Auch dort, wo er sich abgrenzt, ja ausdrücklich gehört es zur Natur der Propagandasozialität, zur Kritik zu ermuntern - um sie genau eben zu integrieren. Sie bestärkt ihn in seinem Selbstsein, integriert ihn in jedem Fall sozial, und solidarisch.  Zugleich wächst seine Abhängigkeit von den "Parolen" der Gemeinschaft (oder des "Helden", der sie repräsentiert*), denn er entfremdet sich mehr und mehr von seiner eigenen Weltrezeption, ja die wird seinem Selbst bedrohlich, die Schwelle zum Selbststand wird immer höher.

Niemand glaubt dabei, daß er seine Meinung der Gruppe bzw. anderen auch verdanke - jeder glaubt, daß er selber den Weg zur Wahrheit gefunden habe. Aber plötzlich hat auch in jeder Zwischenmenschlichkeit sein Wort das Gewicht der Gruppe, der "Wahrheit", des Allgemeinen, und er denkt, er redet nicht mehr in seinen eigenen Sichtweisen - die verdrängt er zunehmend - sondern in den Worten und Logizismen dieser Gruppe. Hieraus bezieht er auch die Autorisierung zur Missionierung, ja in dem Maß, als er zum Sprachrohr der Gruppenmeinung mediatisiert wird, nein, sich selbst mediatisiert, steigt sein Selbstwert, als Repräsentant des Mächtigen, des Wahren, ja er WIRD zur Gruppe.**

Was Ellul rein aus Sicht der Propaganda schreibt, trifft haargenau auf jenen Charaktertypus zu, den Karen Horney als "neurotische Persönlichkeit" definiert hat.

Nur, wenn der Einzelne zur ureigensten Basis SEINER "Weltanschauung" zurückfinden kann, zu eben "seiner" Anschauung, auf der Basis seines Soseins, vermag er sich aus dieser Vermassung, aus diesem Verlust des eigentlichen Personseins als Persönlichkeit, wieder zu erheben. Ja, erst von hier aus vermag er überhaupt erst selbstverantwortliche Entscheidungen zu treffen, auch übrigens: eine Glaubensentscheidung über das Nicht-Gewußte hin. Und es kann oft lange dauern, sich aus solchen Charakterstrukturen zu befreien. Hier aber erst greift wirklich keine Propaganda, im Horizont des Nächst-Begegnenden. Das in seinen Grundstrukturen ja die ganze Welt enthält. Sodaß das normale, erfahrene Menschsein genügt, um Plausibilitäten wirklich einschätzen zu können.





* Der "Starkult" steht also in direkter Entsprechung zum Persönlichkeitsverlust. Das betrifft in selbiger Weise auch den sogenannten "Papismus", ist eine latente, ja leider oft realisierte Gefahr auch innerhalb der Katholischen Kirche. Heiligkeit ist aber die höchstmögliche Form der Persönlichkeit!

**Auf die Persönlichkeitsproblematik, das Gehörte (und auch das Gelesene ist ja ein Gehörtes) NICHT als Eigenes auszuweisen, also noch in der Urheberschaft zu unterscheiden, wurde bereits an anderer Stelle hingewiesen, und wird noch weiter eingegangen werden. Denn es bezeichnet ein Grundproblem des heutigen Menschen.



***