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Mittwoch, 23. September 2026

Die Lücken füllen als einzige Leitlinie

Es ist kein Dialog mehr, mit niemandem, insofern auch nicht mit Gott, wie man denken könnte. Vielmehr schreibe ich jatzt, weil es rein und ausschließlich ums Darstellen geht. Ums Fertigstellen oder Herstellen eines Gemäldes (oder Gebäudes), von dem ich weder das Ausmaß noch exaktere architektonische Details kenne. Was ich aber weiß ist, daß hier und da und dort und überhaupt etwas fehlt. 

Jeder Satz, jede Aussage ist also das Füllen einer Lücke, um deren Existenz mir bewußt wird. Und die zu füllen ist das, was ich Gott zu tun schulde. 

Das ist der Grund, warum ich nach zweieinhalb oder drei Jahren phasenweise recht schwerer Krankheit nun doch wenigstens so weit wieder hergestellt bin, als ich wenigstens wieder diese ein, zwei Stunden Arbeit am Tag leisten kann, ohne einfach so einzuschlafen, und irgendwann aufzuwachen und oft nicht einmal zu wissen, wo ich bin, und wie spät oder welcher Tag es ist. Die Bücher haben so zugenommen, daß sie mir die Fenster verstellen, und ich nicht einmal mehr am Tageslicht etwas Orientierung in der Zeit finden könnte. 

Aber ist nicht genau das erreicht, was mir immer Lebensziel war - SITZEN UND SCHREIBEN?

Samstag, 30. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (2)

Aber der zweite Reinigungsvorgang ist bedeutender. Und: Wie man erkennt, wo man steht - Aber dieser ersten Reinigung, der aktiven Renigung, in der wir es sind, die alles tun müssen, schließt sich mit der Zeit eine zweite an. Die sich in ihrer Hobelwirkugn bereits mehr auf die nächsten Ebenen bezieht. 

Und das ist die passive Reinigung. Denn niemand kennt uns so,. wie Gott es gut, er ist uns näher als wir es sind. In ihr lernt der Mensch zu allem Ja zu sagen, was Gott mit ihm will, lernt den Willen Gottes mehr als alles sonst zu suchen. Lernt an der Wahrheit zu hangen, und nicht an irdischem Ersatz. Denn alles formt sich dem Bilde nach, an dem es hangt.
Schon hier zeigt sich die völlig unvereinbare Antithetik des Christentums zu allem, was sich heute als Kritik am Zeitgeist geriert, oder gar Spiritualität nennt. Und ausnahmslos als "Selbstermächtigung" identifiziert wird, sodaß das Gute mit dem gleichgesetzt wird, "was ich will". Mehr als das. Nur das Christentum KENNT den Gott, dem es anhangt.

Donnerstag, 28. Juli 2022

Aut Deus - Aut Nihil (1)

Wie schwer es doch den Christen zu fallen scheint, die Radikalität des Anspruchs zu begreifen, die im Christentum nicht einfah nur "loiegt", wie eine "Superleistung", sondern die das Christentum überhaupt erst IST. Sodaß man sagen kann daß es erst BEGINNT, wenn der Satz "Entweder Gott oder das Nichts", das glatt in "entweder Heiligkeit oder die Hölle" übersetzt werden muß, begriffen wird. 

Die Heilige Schrift ist ein einziges Verweisen auf diese Radikalität, auf diese Ausschließlichkeit, in der das Leben des Erlösten erst dort real ist, wo es sich unentwegt von der Gnade und der Gemeinschaft mit Gott her nährt.

Erst dann auch beginnt all die weitere Literatur zu sprechen, die sich daran gruppiert, und die alle dem selben dient, was auch in den Tageslesungen des 23. Juli  einmal mehr vor Augen gestellt wird. 

Es ist die Kurzformel der Mystik, wenn es im Galaterbrief 2,19-20 heißt: 

Mittwoch, 8. Juni 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (7b)

Die vier Wirkungen der Sünde, zuvor aber noch einige Bemerkungen zu deren Abhängigkeit von der Schwere der Sündhaftigeit - Eine Sünde, die uns nicht als Teil unseres Seins betrifft, die also nur auf uns liegt wie ein Stäubchen am Mantel, gibt es zum einen nicht, und soweit doch, nennen wir sie läßlich. Dann ist sie also nur ein ausnahmsweises und kleines Verfehlen gegen das von uns Gesollte. Es bedarf dort aber auch keiner dezitierten Heilung und Wiederherstellung wie es das vereinte Zusmmenwirken von Gnade und Welt (im Beichtpriester, beides zeigt diese Doppelzugehörigkeit durch das an, was wir "Sakrament" nennen) an uns bewirkt.

Das Problem der Reinigung stellt sich vielmehr als Probme der nciht-läßlichen Süden dar, und hier haben wires mit einer graduellen Schwere zu tun. Das zeigt das Maß, in dem diese Sünde bereits zu unserer Natur geworden ist, und uns ontologisch betrifft, also eine seinsartige, seinsgemäße Hinneigung darstellt, die NICHT auf den Himmel weist. 

Im vorangegangenen Teil haben wir versucht, die Reinigung zu begreifen, indem wir ihre Verhängung mit den Sinnen vor Augen gestellt haben. Und der Leser wird gewiß mehr und noch viel besser erfassen können, als uns hier von den Lippen kommen wollte. 

Montag, 6. Juni 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (7a)

In der Entscheidung, zum Berge Karmel aufzusteigen, birgt sich also ein Weg, der im Grunde jedem Christen aufgegeben ist. Er läßt sich auf drei Stufen zusammenfassen, die einander bedingen und keiner ohne den anderen denkbar ist, die aber dennoch in einer Rangordnung stehen, die wir "ontologich" nennen wollen. Das heißt, sie sind Schichten im Sein, und wir benennen sie als Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung. Dementsprechend sprechen sie drei Schichten des Menschen an.

Die erste, die Reinigung, ist die Befreiung von Sünden, denn nichts Unreines kann vor Gott. Sie ist die erste, die Grundbedingung des Aufstiegs zu Gott. Weil sie jene Schichen des Menschen betreffen, die ihn - vergessen wir nicht: 

Es betrifft das Wesen des Menschen, der über die Sinne (sic!) über die Schöpfung und in einer niemals zu übersehenden Hierarchie des Geschaffenen, in der er Mensch die Schlüsselstelle, die "Zentralschleuse" gewissermaßen, den Begegnungspunkt von Himmel und Erde darstellt. Somit bindet sich die gesamte, vom Menschen "kultivierte", gezähmte, geordnete Natur über den Menschen in Gott hinein.

Montag, 30. Mai 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (6b)

Reinigung. Der Grund, warum es die allermeisten nicht einmal schaffen, anzufangen. Sodaß ihr gesamtes weiteres "spirituelles Leben" zu einem unausgesetzten Maneuvre der Täuschung wird. - Unter dem vorhin Gesagten wird das nun vielleicht wieder ein Stück begreifbarer, warum es keinen Mystiker gibt, der vom Weg zu Gott spricht, und dessen Lehre letzten Endes nicht nur einen anderen Zugang zu dieser Grundgrammatik des Menschen darstellt. 

In der es NICHT um irgendeinen okkulten oder gar esoterischen Weg zur "Mystik" geht, als wäre das ein ähnliches Erleuchtungsprogramm, wie es irgendeine Yoga- oder Zen-Methode darstellen will, und der somit jedem offenstünde, der "mehr erleben" will. Sondern die radikale Ernsthaftigkeit meint, die für jeden Christen gleichermaßen gelten muß, nimmt er die Worte Christi ernst. 

Sonntag, 29. Mai 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (6a)

Warum der allererste Schritt meist bereits unüberwindbare Hürde ist - Wenn wir uns nun den eigentlichen Lehren des Hl. Johannes vom Kreuz zuwenden, so steht an deren Kopf un Anfang als das Tor selbst die Einwilligung in die ontologische Disposition des Menschen. Das heißt um die Frage, was ist der Mensch überhaupt, was selbstverstndlich die Aussage enthalten muß: Was ist er vor Gott. Und hier sind seine Schriften, wiewohl fünfhundert Jahre alt, wie frischeste Fruchtcreme, die für den heutigen Morgen geschrieben ist. 

Direkt wird die Art angegriffen und zurückgewiesen, wie der Mensch des Jahres 2022 sich sieht, und wie es insbersonders den Jungen seit Generationen zu deren Verderben (1) eingetrichtert worden ist. Die dazu (so müßte man es korrekter sagen) verführt wurde, indem ihr als Band des Wegs zum Glück (wir haben vor ein paar Tagen aus einer anderen Richtung kommend darüber geschrieben) das eigene Wohlbefinden ans Herz gebunden, eigentlichmüßte man sagen: auf den Rücken, als tonnenschwere Last, geschnallt wurde.

Sonntag, 24. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (5)

Sie haben es uns gelehrt, sie haben uns die Arbeitsteiliung beigebracht, und darin eingeschlossen das, was sich dann (bis hin) zu Handwerkstechniken, zu Pflanzenkulturen, zu Viehzuchtwissen, zur Verarbeitungskunde (Wein!) und damit Wissenschaft vom Leben selbst ausgebildet hat. In unseren Landschaften noch ganz direkt vor Augen und nachzuvollziehen, waren es also die Klöster, die ZUERST die wilden Landschaften unserer Länder urbar gemacht weil zu Kulturlandschaften umzugestalten begonnen haben. In deren Gefolge dann die einfachen Bauern standen, die sich den Plänen der Mönche nach und allmählich zu jenem Blumenstrauß des Bürgerlichen ausgefächert haben, wie wir Ältere ihn in der Erinnerung noch erlebt haben.

(Denn nach uns folgte bereits jenes Ineinanderfließen von allem zu jedem. Sodaß diese sintemalene Vielfalt - groteskerweise gerade in einer Zeit, wo VIELFALT an die Fahnen geheftet wird! - zu einer amorphen, ununterscheidbaren Masse wird, der es als Zerfallsprodukt in immer einfachere Ebenen des Geschöpflichen - wie ein Rückstieg vom Samstag aud den Freitag auf den Donnerstag auf den ... usw. - an spezifischen Eigenschaften natürlich bereits fehlt:

Kein Atom ist ein etwas "aus sich", sondern nur DURCH ÜBER-, es selbst EINBEGREIFENDES ANDERES, also durch den Ort, an dem es steht. Was erst wir dann RAUM nennen können. Der es dann ist, der es in Beziehung gestellt sieht. Und die ist es dann, die ihm die Distinktheit eines "etwas sein" gibt. 

Mittwoch, 20. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (4)

Noch einmal aber müssen wir hinter uns greifen, noch einmal die Basis jedes Weiterschreitens auf dem Wege der Beschaulichkeit (wir betonen hier das Wort, weil es das Kriterium selbst ist; wer es genau bedächte, hätte eine weitere Durchdringung gar nicht mehr nötig, er hätte den Gegenstand bereits durchdrungen) klären weil befestigend vor Augen stellen. 

Denn so viel Mißverstehen ist aus einem kulturellen Grundhabitus erwachsen, der alles technisch machbar sieht, was doch nur mit Zeit und Grundsatzentscheiungen ganz anderer Art erreichbar wäre. Im Speziellen soll hier das aufgegriffen werde, was wir als "esoterischen Griff" bezeichnen wollen. Den die Esoterik ist immer aus der Tatsache entstanden, daß der eigentliche Blick "hinter den Vorhang" eine so hohe Frucht ist, daß sie letztlich mit dem Gang zur Heiligkeit unlösbar vernüpft ist - diese Heiligkeit aber so hohe Opfer erfordert, die der Esoteriker nicht zu gehen bereit ist. 

Also versucht der den Weg "abzukürzen".

Freitag, 8. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (3)

Also war da dieses Rumpeln - Doch ehe wir uns noch darauf einlassen, ist es an uns, für etwas um Verzeihung zu bitten. Denn wenn ich ehrlich bin so lag es schon auf der Hand, bereits am dritten Tag dieses Vorhaben als eitel und unerfüllbar abzubrechen. In die Kniee zu gehen vor der simplen Frage, ob denn da alles das, von dem ich gemeint hatte, es wäre weil es Schmerz gewesen auch das Absterben der Sinne, wie es Juan de la Crux als erste und grundlegendste Eigenschaft anführt, von wo weg der Weg erst ein Weiterschreiten auf den Berge Karmel, also zu einer betrachtlichen Lebensführung überhaupt wäre, so glatt mit einem NEE zubeantworten wäre, daß alles weitere nur noch eitles Gegackere sein könne.
 
Denn genau das war jadieses Rumpeln, von dem ich berichtet. Dieses Erkennen, daß es noch so viel geben dürfte, an dem ich mehr hänge, als an der reinen Liebe zu Gott, daß sich doch alles weitere erübrigte. Und wie ich so das denke und denke, da ist es mir auch schon, als wollte alle Kraft versiegen. Ich ging also nieder, noch einmal, und lag beinah ausgestreckt am Boden. 

Mittwoch, 6. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (2)

Im Punkte 2 steigen wir freilich zuersten noch einmal zurück - Verharren wir also noch ein wenig im ersten Punkte, den wir bereits begonnen. Und bedenken wir eine Bemerkung von Johannes höchstselbigst, wo er da schreibt, daß es an allen möglichen Ratgebern und Seelenführern vielleicht nicht so sehr mangelt, das war im 116. Jahrhundert nicht anders als es heute, ja gerade heute ist. Es gibt ganze Buchhandlungen, die nur Bücher zu dem Thema führen. 

Aber wie viele davon richten mehr Schaden an, als Nutzen Wie viele hindern mehr, als sie fördern. Wie viele werfen einem Prügel vor die Füß, anstatt einem über Steine zu helfen. Und wie viele drücken einen an einen Stein, den man doch nie küssen sollte, weil er längst hinter einem liegt - und wie viele machen eine Selbsteinschätzung möglich, in der man manchen Steinen um Weltenalter voraus ist, während man doch noch nicht einmal ihren Sockel kennen gelernt hat. Und wie viele Menschen haben Gnadengaben, die eine so ganz andere Behandlung verlangten, als anderen zuteil werden hätte sollen, die sie aber vielleicht nie erkant haben, udn auch nie jemanden kennen lernten, der sie hätte erkennen KÖNNEN.

Dienstag, 5. April 2022

Bei der Lektüre von Johannes de la Crux (1)

Punkt 1 - Der Weg der Vollkommenheit ist keine moralische Leistung eines Gutmenschen. Er bginnt bei wie ist die Erkenntnis, daß die eigene Vervollkommnung identisch ist nmit der Anähnlichung mit dem Eidos, dem Bilde Gottes in einem selbst, der man da als alter Adam, als Sohn Adams, auch das Abbild des Urbildes ist. Als Bruder des Sohnes Gottes - analog dem Göttlichen Sohne, niemals diesem gleich, Geschöpf, nicht Gezeugter, denn mein Erzeuger liegt denn da am Friedhofe, ich weiß es gewiß, ich war an seinem Grabe - diesem also ähnlich. Nicht Gott, und dieses auch nicht im Bereiche des auch nur Möglichen, aber in Christus WIE Gott, wenn man das nicht zu wörtlich nimmt.

(Aber ich meine das mit dem Abbild-Sohn-haften sehr wörtlich, im Sinne der Vater- und Sohnesschaft, wie ich sie hier v. a. im Zusammenhange mit dem Begriffe "Volk Gottes" dargelegt habe; der Leser muß dies nachlese, so er es noch nicht gelesen, verstanden und bejaht hat, sonst ist jede weitere Zeile Lektüre wertlos für ihn, und bringt mir nur üble Nachred, die den Schriften, wo sie denn zu Sinn berufen sind, recht hinderlich sein kann, nicht meinem also dann aber, sondern Gottes Ruhm im Wege) 

Sonntag, 31. Juli 2016

Von Kreuzesscheu und logos, also: von der Welt (3)

Teil 3)




In dieser Hinsicht gibt es keine aufgeweichten Ränder, hier gilt sehr wohl ein "entweder - oder" (kaholisches.info). Wenn der Papst, der wieder einmal glaubt, von etwas viel zu verstehen, ohne daß das der Fall ist, die Rigorosität (kath.net) anprangert, so weiß man wieder einmal nicht, was er überhaupt meint. Denn in den Ideen gibt es keine Abstriche. Abstriche gibt es zwar in der von der Klugheit gebotenen Härte der repräsentierten Forderung, gewiß, möglicherweise, aber diese Milde kann nie heißen, das Ideal aufzugeben und sich mit weniger zufrieden zu geben. Verantwortung kann immer nur heißen zu wissen, dem vollen Ideal verpflichtet zu sein, und in aller Klugheit und Gemäßheit die einem Gegebenen auf dieses Ideal hinzuleiten, weil nur im Ideal die volle Erfüllung ist und das einem Meistmögliche in dem Moment gar nicht mehr erreicht werden KANN, in dem das Ideal herabgesetzt wird. Was also genau nie erlahmen darf ist die Orientierung am Ganzen. Hier kann es gar keinen Realismus geben, der sagt: Gut, legen wir die Latte eben niedriger, geben wir die Spannung zum logos hin auf und kalkulieren wir mit dem "geringeren Übel".* Nur darin wird das Mögliche möglich.

Der Rest ist ohnehin immer in Gottes Gnade und Barmherzkigkeit geborgen.

Christsein, ja Menschsein wird erst möglich, wenn da Kreuz angenommen, diese Kreuzesannahme zur alltäglichsten, natürlichsten Haltung - zur Tugend also - wird.  Erst dann bleibt Wirklichkeitsoffenheit, Begegnungsoffenheit bestehen, selbst dann, wenn der andere zusticht. Erst so aber wird sogar Sachorientiertheit, klares Denken (in weltlichen wie geistigen Dingen) möglich. Die heutige so verbreitete Haltung, ihm auszuweichen, zeitigt eben die entsprechenden Folgen. Denkverweigerung, irrationale Gefühligkeiten als Basis eines Urteils, immer aggressivere Forderung nach Fernhalten von Kampf und Auseinandersetzung, nach Abglätten der Lebenstatsachen, nach Rundumversicherung gegen alles und jedes Leid im sogenannten Sozialstaat, als "Pazifismus" - wie oft überhaupt ist diese Kreuzesscheu in das Gewand moralischer Überlegenheit gefaßt! - oder "habt Euch alle lieb"-Verwirrung.

Und schon gar wie jene Christlichkeitssimulationen wie in den vielen Protestantismen und Freikirchen und Charismatiken, die gleichfalls ein Christentum ohne Kreuz verkünden, wo das Kreuz bestenfalls als Bewältigungsstrategie für einzelne Unbill herhalten muß, aber die sogar verkünden, daß Christentum eigentlich hieße, auch ohne Kreuz auskommen zu können, weil ja alles so froh und glücklich sein könnte. Welche ein Irrtum! Welch eine Vermessenheit. Welch eine Häresie.

Gestalten, Beziehungsformen werden vermieden, und sei es durch Unbestimmt-Halten (man denke nur an dieses allerorten bereits üblich gewordene "Hallo" - in dem man jede Beziehungsdistinktheit und dmait jede Forderung daraus vermeidet), verhüllt, alles wird getan um sie (und vor allem Beziehungs-Forderungen) zu annihilieren, denn sie benötigen eben jenes Hinausstrecken der Selbstaufgabe, wie sie das Kreuz bedeutet. 

Und eine neue Moral wird verankert, die alle diese Unbestimmtheiten, in die man die Welt (die so zu gar keiner Welt mehr wird) versinken läßt, um sich Mühe zu ersparen. Man denke nur an dieses widerliche Wort von "in einer Beziehung" sein, die aus genau diesen Gründen schon so weitgehend die Ehe ersetzt hat. Ja, der der Bestimmtheit verlangt, wird sogar zum Übeltäter erklärt. Während ein immer mächtigerer Apparat aufgebaut wird, der das eigene Glück VOM anderen, durch ihn garantieren soll, sonst kann er durchaus gleich mal gehen?

Es ist eben überall dasselbe: logos, Maske, Rolle, Amt (auf welcher Ebene immer man es betrachten möchte) wird ignoriert, jede Spannung dazu vermieden, denn das erforderte Sittlichkeit (was man durch singuläre "Moral" behübscht), und durch eine faktische Verirdischung eines diffusen "Persönlichen" (als Subjektivismus) ersetzt, das vor allem eines ist und garantiert: Spannungslosigkeit, Mühelosigkeit, Zufälligkeit ... und damit: Nicht-Gestalt, Nichtigkeit der Welt. Welt wird zum Traum, und der Traum soll nie mehr enden. Wehe denen aber, die ihn stören.
Aber es gibt eben, wie man so sagt, kein "ein bißchen schwanger". Es gibt keine Welt ohne Welt, die nur aus dem Kreuz wird. Es gibt keine Ding als und in Welt - ohne jene Haltung des Kreuztragens, das diese ständige Spannung auf den logos hin als Welt zur Welt in der Welt fruchtbar macht. Nur im Kreuz liegt jene Wachheit, die Welt und Geschichte macht.

Nachsicht mag angebracht sein, wo man davor zurückscheut, wo es die Erziehung nicht schaffte, diese Haltung des Hinausstreckens zu festigen, warum auch immer, gewiß. Aber dieses Zurückscheuen kann nicht Endzustand bleiben, sondern muß sich dem Möglichen des anderen zurichten, denn das muß der Liebende am anderen wollen: Sein Mögliches! Wie sollte man als Liebe bezeichnen können, wo man zufrieden damit ist, daß der andere sich verfehlt, sich nicht wirklicht? 

Was wäre das für eine Barmherzigkeit, wo man den anderen in dieser Verfehlung sogar noch bestärkt? Was wäre das für ein Gott, was wäre das für ein Sinn, der sich damit zufrieden gäbe, daß dort, wo eine leuchtende Stadt auf dem Berg geplant und gewollt war, für die Gott selbst sogar starb, um als Pharmakon für die Menschen um sich eben diese zur wahren Größe ihrer Sendung zu erheben, wieder und wieder, an dessen Talsohle aber ein zerfallenes Hüttendorf zerlumpter Bettler bleibt die ihm entgegenmurmeln: Na, mehr ging halt nicht, Weltwerden war zu mühsam?

Es ist eine Grundrichtung, die der Mensch einschlägt - oder nicht einschlägt. Es ist aber so grundlegend, daß es den GESAMTEN Lebensvollzug - und damit Wohl und Wehe unserer Kultur - entscheidend, ja einzig entscheidend bestimmt. Es ist das, was man mit Umkehr bezeichnet. Umkehr aber ist die generelle Offenheit fürs Kreuz, und ist damit erst die Hingespanntheit auf den logos. Wer diese Spannung verweigert reißt die Welt ins Nichts.





*Weil der VdZ gefragt wurde, was das denn heiße: "graduelle Gutheit", soll ein Beispiel illustrieren, was Kard. Schönborn bzw. die ensprechende Situationsethik meint: Ein Dieb hat einen Lamborghini Miura gestohlen, weil er ihn haben wollte. Schlechte Tat, keine Frage. Er rast davon, besinnt sich aber, und um keinen Unfall zu bauen (gute Tat) und den Motor zu schonen (gute Tat) fährt er rücksichtsvoll und nicht schneller als 100 (gute Tat), und fährt sogar am nächsten Tag seine Mutter zum Arzt (gute Tat; aber nicht deswegen hat er den Wagen gestohlen, aus Not sozusagen, denn er hat noch einen alten VW). Er setzt also gute Taten innerhalb einer objektiv aufrechten Schuldsituation - er zeigt "graduelle Gutheit". In diesem Fall dient diese graduell gute Tat sogar der Vertiefung der schlechten Tat, in der er verharrt - er fährt länger mit dem gestohlenen Auto. Kommt der Mann nun vor den Richter oder nicht? Die traditionelle Ethik (und Justiz) sagt: Ja, denn er verharrt im Diebstahl. Auch die guten Taten später verringern nicht die Schuld DIESER Tat. Erst wenn er den Wagen zurückgäbe (bereute, Sühne leistete, etc.), wäre er wieder in einer objektiv guten (schuldfreien) Situation, erst dann könne ihm verziehen werden. 

Oder, wie Adorno es sagt: Es gibt kein Gutes im Schlechten.




*100616*

Samstag, 30. Juli 2016

Von Kreuzesscheu und logos, also: von der Welt (2)

Teil 2)




Also wird auch das Zueinander der Menschen nicht aus ihrem faktischen irgendwie Da-Sein bestimmt, sondern von der Transzendierung der Menschen auf diesen logos hin - auf die allen realen Beziehungen zugrundeliegenden idealen Beziehungen. Ohne daß die in ihrer Konkretheit statisch gedacht werden können. Aber sie bewegen sich doch innerhalb einer gewissen Dynamik, die nicht einfach beliebig wechselt. Was sich aus dem Gesamtgefüge der Welt ALS logos, als Ordnung ergibt, wo wiederum jedes Ding für sich eine Art "Matrix" der Wesensdynamik des Schöpfers wiedergibt bzw. davon getragen und in seinem Aktivsein bestimmt wird. 

Nur, wo ein Ding (also alles, was die Welt "räumt", vom Granitfelsen über den Philodendron bis zum Tasso vor dem Tor und dem Bauern Huber in der Stube) in sich diese (trinitarische!) Dynamik realisiert, also real macht, kann es im Bestand bleiben. So, wie deshalb ein Mensch nur im Bestand bleiben kann und sich entwickelt, wenn er sich auf den Hervorgang des logos im Vater transzendiert, im Geist der Liebe, aber in der ständigen Polarität aus Sterben und Seiend-sein. Was also nicht immer und ständig stirbt, kann nicht leben und sein. Und es stirbt, indem es sich in die "Hände" des Hervorgangs des logos begibt, sich selbst aufgibt, auf diesen logos im Vater transzendiert.

Deshalb ist die logos-Spannung nicht verächtlich zu machender "Idealismus", sondern Bedingung des Menschseins überhaupt. Die Erlösung durch Jesus Christus war keine Sonderübung propter nos homines, sondern sie was im Menschen, auf den sie natürlich zuerst ausgerichtet war, auf die ganze Schöpfung ausgerichtet. Denn Jesus Christus hat die gesamte Schöpfung in den Vater hineingeholt. Im zeitlosen "Dauerkreuz". Es ist das eigentliche schöpferische Moment, auch und gerade in der Welt.

Viktor Frankl sagt einmal sehr richtig, daß Menschsein nicht einfach heißt zu sein, was man gerade ist, sondern vor allem das zu sein, was man sein kann. Und Ortega Y Gasset (der zeitlebens gegen den Idealismus anschrieb) schreibt von der "utopischen Verfaßtheit" des Menschen. Sich nur auf das Faktische zu setzen und es gewissermaßen dabei bewenden zu lassen ist nicht "barmherzig" oder "liebevoll", sondern es ist entwürdigend.

Deshalb findet sich diese Haltung vor allem im Milieu der Unsittlichkeit und des Elends, die zusammengehören. (Nicht: der Armut!) Es ist ebenso eine bzw. die Haltung des Asozialen. Es ist eine Haltung der Verweigerung des Kreuzes, welches bestenfalls singularisiert wird, auf Einzelereignisse interpretierend darübergestülpt. Anstatt als Grundhaltung begriffen zu werden, ohne die gar nichts sein kann.  Es ist die Haltung der Ablehnung des Kreuzes als Verfaßtheit der Welt und des Menschen. Denn nur in dieser Haltung - ausgespannt am Kreuz der "idea", des logos-Geistes - kann Welt sein, werden und sich entwickeln.

Daraus geht zwingend hervor, daß auch kulturelle Formen keineswegs beliebig je neu erfunden oder akzeptiert oder abgelehnt werden können. Der Mensch ist Kulturwesen, das heißt, daß sich aus seinem jeweiligen Selbstvollzug Kultur ergibt, entwickelt, oder - nicht. Eine dritte Wahl gibt es nicht. Und deshalb ist Kultur immer "verortet", ganz konkret mit Boden, Land, umgebenden Menschen etc. etc. verwachsen, untrennbar verwoben. Deshalb gründet Kultur eben im Kult. Deshalb ist das Gerede vom "Multikultigebilde" schlicht und ergreifend Schwachsinn. Kult bedeutet überhaupt den höchsten Moment der Hingespanntheit auf den weltformenden logos - in Gott selbst, der (in der Kommunion) in den Menschen eingeht und ihn von dort her über seine logos-Bereitschaft aufbaut, in die Welt zur Welt treibt.

Nun braucht es natürlich aber diese Polarität, von der gesprochen wurde. Und diese ist das sogenannten "Weibliche" der Welt, die eben in dieser Polarität "völlige Empfangsbereitschaft/Entspannung" und "logos-Spendung/Spannung (in gewisser Weise könnte man auch sagen: Informierung" besteht, die einander als Liebe zugehaucht werden. Ohne dieses Zurücksinken in die Nacht, in den Tod kann sich nichts aus dem logos heraus "formieren" weil "formieren lassen". 

Dort ist der Platz für die Milde der mütterlichen Geborgenheit. Die aber an ihren Pforten immer eines hat: Die auf den logos verweisende, die "zeigende Hand". ("Was er Euch sagt, das tut" steht wie ein Schlüssel am Beginn von Jesu öffentlichem Wirken.) Im übrigen exakt auch der Vorgang des Lernens, der Schule, das nur so nebenbei. Mütterlichkeit ist also niemals ein Endzustand, sondern es ist der nie erstarrte Gegenpol zum logos, das Hinausführen des Geborgenen in die Welt zur Welt - der Welt der Kultur weil des logos. Männlich. Väterlich. Der Welt der ideas. Diese Mütterlichkeit wird aber in dem Moment zur Pathologie (des Elends), in dem diese Zurückgesunkenheit zum Weltzustand erhoben werden soll. Wo also Weltsein auch heißen soll, sich die Spannung auf den logos hin - mithin das Kreuz als Weltschlüssel - zu ersparen.

Und das ist es auch, was wir heute als "Generalhaltung im Zeitgeist" erfahren. Der ein Geist der Kreuzes- und logos-Verweigerung ist. Der ein Ungeist des Elendigen ist. Der ein pathologisches Überdehnen des Mütterlich-Weiblichen ist, das auch als Welt schon genügen soll. ("Embryonalität der Gegenwartsmenschen" nannte der VdZ das früher immer.) Dann bleiben die Menschen in sich verkrümmt, auf sich gerichtet - statt hinaus, statt sich auszustrecken nach dem logos, statt im Selbsttod ständig für den logos aufnahmebereit und das heißt: diesem gehorsam zu sein. Somit muß sich auch in den Eltern je diese mütterliche hier, die väterliche Haltung als andauernde Spannung dort manifestieren. Beide haben ihren Ort, beide haben ihre notwendige Eigenheit, keines darf das andere entwerten, aber doch hat jeder der beiden Pole auch seinen Platz. Der der Mutter auf jeden Fall den der Intimität und "Höhle", der des Vaters den der Öffentlichkeit und des "Marktplatzes". 

Und beide sind je unersetzbar, etwa durch einen mütterlichen Vater, oder eine herrische (Semantik!) Mutter. Beide aber sind dabei auch zu gewisser Klugheit angehalten. Aber es ist auch nicht möglich, sie in ihrem Maß zu pauschalieren. Es gehört wesentlich dazu, daß beide ihre Art auf je individuelle Weise leben und wirklichen. Das kann nicht einfach hinterfragt werden, das ist eine Urtatsache des Lebens. Ist der Vater "rigoroser", ist er es eben. Ist die Mutter weicher, ist sie es eben. Denn in jedem Fall korrespondieren dazu die Kinder als ihr Fleisch, und korrespondieren alle Umfeldkreise wie Verwandte, Nachbarn etc. etc. Beide aber sind immer gebunden an ihre Maske, die sich aus dem Pol ergibt, den sie zu wirklichen haben. So gut sie es können, so gut sie es verstehen, aber immer in der Aufforderung, sich in der Selbstüberschreitung darauf hinzuspannen. Sich also - am Ideal zu orientieren.


Morgen Teil 3)






*100616*


Freitag, 29. Juli 2016

Von Kreuzesscheu und logos, also: von der Welt (1)

Man kann verschiedentlich beobachten, daß es wie eine Drohung mit der Rute wirkt, wenn man auf das Wesen des Kreuzes als Wesen des Christentums hinweist. Das doch immer noch in unserer Kultur an allen Ecken und Enden zu sehen ist. (Und selbst da schon in vielfachen "verwaschenen", "abgeschwächten" Formen vorkommt, als wollte man vermeiden, daß seine Wirklichkeit erkennbar wird - Leiden, Hinweggabe, Tod.) Noch. Ja, nachgerade wird oft so getan, als sei dies "abschreckend", nachgerade wird dabei die Erlösungstat - Gott selbst starb am Kreuz - auf eine Weise dargestellt die glauben machen könnte, daß es für den Menschen deshalb und seither auch "ohne Kreuz" gehe. Daß es für den Menschen gar nicht notwendig sei, immerhin habe ja Christus selbst "für viele" sein Leben gegeben.

Das Kreuz stellt sich heute oft schon in einem Verständnis dar, als "ginge es eigentlich auch ohne". Ja, da und dort tritt es noch in Singularität auf. Wenn der Nachbar gemein ist, die Tochter einen beleidigt, der Verbrecher einem das Haus abbrennt oder man einen vererbten Klumpfuß oder eine Krebserkrankung oder den plötzlichen Tod eines Geliebten zu bewältigen hat. DANN ja, dann, so meinen viele, dann wäre es auch heute noch Kreuz. Aber sonst? Wären also alle gut, würde das Leben immer mehr von Hindernissen freigeräumt, so müßte man daraus schließen, wäre eine Welt ohne Kreuz also durchaus möglich.

Welch ein Irrtum. Denn was solche Singularitäten - wo Leid aus einem gewissen Rahmen ausbricht, in einem (relativ schlimmen) Ereignis aus dem Alltäglichen heraustritt - kennzeichnet ist nicht mehr als daß es eine Grundhaltung herausfordert und übersteigt und erweitert. Aber das Kreuz ist kein Ereignis der Singularität, sondern es ist (notwendig zu erringende) menschliche Grundhaltung überhaupt! Ja, man kann es auf die Spitze treiben und mit gutem Recht sogar sagen: Ohne Kreuz gibt es überhaupt nichts. Nicht einmal die Welt. Denn Jesus hat das Kreuz nicht von den Menschen weggezaubert; er trägt es nicht einmal an ihrer Stelle, sondern wenn wir es aufnehmen, nimmt er seine Last - sein Joch. Aber er hat mit seinem Kreuz, das wir in unseren Stuben und auf den Feldwegen sehen, nur geoffenbart, was die Welt im Innersten zusammenhält! Er hat gezeigt, daß es die Grundhaltung des Kreuzes ist, das die Spannung auf jenen logos fruchtbar macht.

Auf den logos nämlich als Beziehungsfeld, das das Wesen der Dinge definiert bzw. ist. Dieses Wesen aber ist nicht einfach "da"!, sondern es ist nur "da", wenn es "actu" ist, also sich selbst vollzieht. Und das tut es in seiner Spannung auf das eigene Wesensbild hin, auf das hin es sich überschreiten muß - das ist das eigentliche Wesen der "Aktivität". Was ist ist eben nicht einfach, sondern ist nur, wenn es "isset", also aktiv ist. 

Deshalb ist das Kreuz Symbol des Wesens aller, buchstäblich aller Dinge der Welt, der Welt überhaupt, die die Welt eines Zueinadner (logos) der Dinge ist. Nicht also kann man sagen: Dinge sind IN der Welt, und können ihrem Raum hinzugefügt oder auch wieder herausgenommen werden können; Dinge SIND die Welt. Sind sie nicht aktiv, ist die Welt nicht. Welt ist also ein gigantisches, und wirklich (qualitativ; man darf es sich nicht summativ quantitativ vorstellen) unendliches System aus Beziehungen.

Welt ist also nur "von oben nach unten", vom logos her zu sehen. Sie ist nicht etwas, was "von unten nach oben" zufällig als Gefüge entsteht oder sich dann irgendwie "organisiert", wie der Materialismus (in allen Spielarten, vom extremen Liberalismus über den Evolutionismus, über Fehlschlüsse über für sich stehen sollende "Begabungen" bis zu diesen lächerlichen Organisationsentwicklungsprozessen in Firmen) in seinem Fehlschluß annimmt.

Der eigentliche Begriff "Idealismus" benennt demgegenüber eine nur aus Gedanken bestehende Welt, in der die Realia (die Dinge etc.) wie Anhängsel diese Ideen unberührt lassen und nur ihren Ausdruck bilden. Daß dies nicht so ist zeigt eine gedankliche Analyse, in der klar wird, daß diese Ideen eine in-sich-Dimension haben, also durchaus sehr real Träger dieser Ideen sind, wenn auch nicht einfach als "faktisches Ding". Doch haben diese Ideen - logos heißt: "auf zu", "Sinn" - in sich selbst und aus sich selbst eine Bezogenheit aufeinander, die wiederum in ein System eines gewissermaßen schichtenweise aufgebauten Gesamtlogos, Gesamtsinn der Welt überhaupt eingebettet sind. Die die eigentliche Wirklichkeit sind.

Dies vermag der Mensch in den Dingen zu erkennen, und in der sinnlichen Gleichförmigkeit und der Haltung der Antwortoffenheit (logos braucht eine Hingespanntheit im Erkennenden, sonst kann er gar nicht erkannt - also: im Verstand "adäquiert" - werden; wer also den Dingen nicht gehorsam sein möchte, weil ermeint, er könne sie selbst bestimmen, sie ergäben sich aus ihm sowieso, wer Erkenntnis also nicht als personal-sittlichen Akt auffaßt und betreibt, wird also nicht nur Welt nicht oder ungenügend erkennen, sondern er wird in Konflikt mit dem Weltgefüge kommen - er wird ihre Ordnung nicht erfassen können, er wird Chaos, Störung und Verfall bewirken)



Morgen Teil 2)





*100616*

Sonntag, 17. April 2011

Kontradiktorisch

Was Johannes vom Kreuz als Grundsätze aufstellt, die die Gemütsbewegungen - Freude und Hoffnung vs. Schmerz und Trauer - reinigen sollen, um immer reiner für die Nähe Gottes zu werden, bis daß er innewohnt, er es ist der für mich lebt und handelt, was Johannes also in einem Atem mit der gesamten Tradition des christlichen Abendlandes formuliert, klingt wie das absolute Gegenprogramm zu dem, was heute üblich und verlangt scheint.

Nehme man nur die besonderen Grundsätze - sie offenbaren den wahren Charakter all dieser "social media"-Aktivitäten, die dem Gesamtziel, der Selbst-Bewerbung, eingegliedert sind, und es sind mit dem Sozialismus, desse innere, wirkliche Natur eben atheistisch ist, idente Ziele: Nimm Dir, was Du sonst nicht kriegst - Dein geglücktes Leben ist nur so erreichbar! Ein Glück, das zur Erreichung also die Zerstörung der seelischen Substanz benötigt, die es aber nur genießen könnte, ja, die es wäre.

Trage Sorge, daß Deine Neigung stets gerichtet sei
  • - nicht auf das Leichtere, sondern auf das Schwierigere
  • - nicht auf das Angenehmere, sondern auf das Unangenehmere
  • - nicht auf das, was Dir mehr Freude, sondern auf das, was dir Unfreude bringt;
  • - nicht auf das, was dir Trost, sondern vielmehr auf das, was dir Mßtrost bereitet;
  • - nicht auf die Ruhe, sondern auf die Mühe;
  • - nicht auf das Mehr, sondern auf das Weniger;
  • - nicht auf das Höhere und Wertvollere, sondern auf das Niedrige und Unscheinbare;
  • - nicht auf das, was etwas sein will, sondern auf das, was nichts sein will.

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Samstag, 26. März 2011

Unterscheidungskriterium

Alois Mager arbeitet klar den Unterschied zwischen der "Erlebnistheologie" (s. u. a. "Pascendi Dominici Gregis") und der Mystik (bzw. der mystischen Psychologie als Kunde seelischer Vorgänge) heraus:

Pius X. definiert Erlebnistheologie als "jene Theologie, die als Quelle der Glaubensinhalte die verborgenen Tiefen des Unberbewußtseins (latebrai subconscientiae) annimmt und aus ihnen auf dem Wege des Erlebens die Dogmen sich entwickeln läßt." Genau das ist aber nicht Mystik.

Denn der (echte) Mystiker weiß, und die Schriften einer Theresia v. Avila oder eines Johannes v. Kreuz sind einzige beredte Zeugnisse dieses Umstandes, daß das Mystische weder dem Inhalt noch dem Erlebnischarakter nach aus sich selber hervorgebracht werden kann, sondern nur aus einem unmittelbaren Einwirken Gottes. Eine mystische Psychologie behandelt ja genau die oft sehr verschlungenen Wege der Seele, im Unterbewußtsein zu verschleiern, auf welche Weise das Gewünschte, Gewollte hervorgerufen werden soll. Frei von diesen Eigenwillen zu werden, im Sinne eines immer vollkommeneren Selbstbesitzes, um überhaupt über sich verfügen zu können - das ist Aufgabe der Seelenkenntnis, die die Mystiker anstreben.

Und es ist im Grunde die Aufgabe jedes Menschen. Die Mystik sucht genau nicht das Erlebnis (um des Erlebnisses willen), dieses "passiert" vielmehr (wenn es denn passiert) - auf dem Weg zu einem "dogmatischen", vernunftmäßig klar bestimmbaren Tatbestand: der höchstmöglichen Einigung mit Gott. Daß diese Einigung auch mit einer Veränderung der Bewußtseinszustände einhergeht, liegt - rein sachlich - in der Natur der Dinge.

Mystik ist somit ("lediglich") das bewußt gewordene, erfahrungsmäßig erkannte Glaubensleben.


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Mittwoch, 23. März 2011

Der Schlüssel

Wieviel an menschlichem Verhalten, an menschlicher Angst, an Klammern an die Dinge und Bedeutungen in dieser Welt, an Ersatzhandlungen aus nicht erkanntem oder abgelehntem Ziel im Unendlichen bei gleichzeitigem zutiefst innerstem Antrieb dazu, erklärt, was Johannes v. Kreuz in seiner "Liebesflamme" schreibt:

Die Seelenkräfte sind so tief, wie sie "aufnahmefähig für große Güter sind. Denn durch nichts werden sie ausgefüllt als durch Unendliches. An dem, was sie leiden, wenn sie leer sind, läßt sich in etwa ermessen, wie beseligt sie sind, wenn ihr Gott sie ausfüllt. [...] 

Wenn diese Höhlungen der Sinne nicht leer und geläutert sind und rein von aller Hinneigung zu Geschöpfen, dann empfinden sie nicht die gähnende Leere ihrer tiefen Aufnahmefähigkeit. 

Denn in diesem Leben genügt jedes sich darin einnistende Dingelchen, um sie so behindert und betäubt zu belassen, daß sie nicht ihren Verlust empfinden, noch die ihnen bestimmten grenzenlosen Güter vermissen, noch ihre Aufnahmefähigkeit gewahren."

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Sonntag, 20. März 2011

Nun ist er Geselle, nicht mehr Taube

Der Punkt ist so entscheidend, und wird meist völlig vergessen, den Johannes vom Kreuz genau so beschreibt, wie Theresia von Avila, beide bis in höchste Höhen der Mystik vorgedrungen, ja dort beheimatet. Beheimatet, eben. Also: von dort stammend.

Irene Behn schreibt, daß die Unterscheidbarkeit mystischer Ekstasen nur solange gegeben war, solange beide sich auf dem Weg befanden. Niemals aber waren diese Gnaden "esoterisch". Denn dann, im höchsten Punkt der Vollkommenheit und Gottesnähe, die Menschen auf Erden möglich ist, kamen beide und übereinstimmend an den Punkt, der das Wesen der Mystik so erhellt, ja im Grunde begreiflich macht:

Beide fanden sich auf einer "Normalität" wieder, die ihre Gottesnähe als Samenkorn in der Taufgnade verankert, wie sie jedem Getauften als Glied des Leibes mit dem Haupt Christus, der Kirche, geschenkt wird. Wird diese Gnade zur Vollendung geführt, wird jede Ekstase völlig unwesentlich (sofern sie all die Klippen, die zuvor mit ihr verbunden sind, glücklich umschifft hat, denn beide haben sich zutiefst, oft genug schamhaft und unangenehm berührt, gegen diese außergewöhnlichen Zustände zu wehren versucht) - der Mensch findet sich in der Vollendung seiner höchsten Berufung, der größtmöglichen Gottesnähe und -ähnlichkeit. Einer Ähnlichkeit, die ihn zu einem Gefäß für Gott selbst macht, bis der aus ihm spricht und handelt, ohne daß auf andere Weise (ontologisch, im Sinne des Pantheismus, des idealistischen Ineinsfallens) eins ins andere fiele.

Beide beschreiben die höchste mystische Stufe als eine Art "Rückkehr" in "normale" Bewußtseinszustände, in denen sie jedoch allezeit mit dem Bräutigam Christus auf tiefste mögliche Weise verbunden blieben. Sodaß Gott sich in der menschlichen Seele selbst am höchsten liebt, eben: in seiner Weise zu lieben.

Gott ist damit nicht mehr der flüchtige Hirsch, der sich wieder und wieder zurückzieht, die Taube, die erschreckt auffliegt. Er ist Geselle. Die Taube hat ihren Friedenszweig gefunden. Die Gnade hebt auch die Natur in die Verklärung mit hinein.

"Er erhebt," schreibt Johannes vom Kreuz, "ihre Erkenntniskraft zur Einsicht in Göttliches; denn schon verharrt sie einsam und entblößt von anderen zuwiderlaufenden und gottfremden Einsichten. Und ihr Wille bewegt sich frei zur Gottesliebe, denn schon verharrt sie einsam und frei von anderen Zuneigungen. Und sie erfüllt ihr Gedächtnis mit göttlichen Wahrnehmungen; denn sie ist auch schon einsam und bar von anderen -Vorstellungen und Gebilden. 

Denn alsbald, wenn die Seele diese Vermögen [von allen Gebundenheiten, Unfreiheiten, Eigenwilligkeiten, und daraus erstehenden Bildern; Anm.] ausräumt und von allem Unteren und von der Aneignung des Höheren losmacht und sie ganz in ihrer Leere beläßt, werden sie von Gott unmittelbar im Unsichtbaren un Göttlichen angewendet. Und es ist Gott, der sie in solcher Einsamkeit führt." 

Wenn also Mystik als unmittelbare Gotteserfahrung verstanden wird, schreibt Behn, so ist nicht die ekstatische Brautzeit, sondern die kaum noch ekstatische Ausgeglichenheit der mystischen Ehe das Kerngebiet der Mystik.

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Samstag, 12. März 2011

Heiliges demütigt!

"Da diese Anfangenden so glühenden Eifer für geistliche Dinge in sich fühlen, so erwächst in ihnen aus solchem Gedeihen ein gewisser Schößling verborgenen Hochmutes - obgleich Heiliges an sich demütigt - und sie beginnen, einige Genugtuung über ihre Werke und über sich selber zu empfinden. 

Und daraus entsteht weiterhin eine etwas eitle, und mitunter sehr eitle Neigung, geistliche Dinge vor anderen auszubreiten und mitunter sogar sie lieber zu lehren als zu lernen; und sie verdammen andere in ihrem Herzen, wenn sie bei jenen nicht die von ihnen selber beliebte Art von Andächtigkeit gewahren ... S

olchen vermehrt nicht selten der Dämon die Inbrunst und das Verlangen nach allerhand guten Werken, damit Hochmut und Anmaßung in ihnen gemehrt werde.

Und einige kommen sogar dahin, daß außer ihnen niemand für gut gehalten werden darf und daß sie jene bei jeder Gelegenheit mit Wort und Werk verdammen und verkleinern. Sie fliehen - wie vor dem Tod - vor allen, die ihre Aufgeblasenheit zum Schrumpfen bringen, um sie auf sicheren Weg zu weisen.

Mitunter suchen sie andere Beichtväter, wenn sie Schlimmes zu bekennen haben, damit ihr Beichtiger sie in allem für gut halte; und es gefällt ihnen, diesem immer nur Gutes von sich zu sagen, und mitunter in Ausdrücken, die es noch besser erscheinen lassen.

Manche von ihnen fühlen sich mitunter nicht von ihren Mängeln beschwert, mitunter aber sind sie über ihr Versagen allzu niedergeschlagen, da sie schon Heilige sein möchten. Sie bestürmen oft Gott, sie von ihren Fehlern und Unvollkommenheiten zu befreien, mehr, um nicht länger von ihnen belästigt zu werden als um Gottes willen; und dabei lassen sie außer acht, daß sie am Ende, wen sie davon befreit würden, nur noch hochmütiger würden."

Johannes vom Kreuz, "Dunkle Nacht"

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